Dezember - Liebeswerk

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Dezember - Liebeswerk
St. Antoniusblatt
Poste Italiane SpA – Spedizione in Abbonamento Postale – D. L. 353/2003 (conv. in L. 27/02/2004 n. 46) art. 1, comma 2, CNS BOLZANO – Tassa pagata – Taxe Perçue
79. Jahrgang, Nr. 12, Dezember 2012
Mesnerbote
Licht einer Neuen Zeit
Christliche Erlösung kontra Esoterik
5
Entdeckt
Bereichernde
Spurensuche im Advent
26
Erzählt
Neuer HeimatRoman im „St. Antoniusblatt“
28
Erklärt
Warum bei
uns das Christkind kommt
2
zu dieser ausgabe
LESENSWERT
8
Faszination Esoterik: Der Kirchenexperte über Trends und Tricks
Von P. Robert Prenner
13
Der Schatz in einer Legende: Die
Geschichte vom Kirchenbau im Dorf
Von P. Dr. Paul Hofer
19
Nikolaus und Krampus: Ein alter
Brauch und viel moderner Unfug
Von Dr. Barbara Stocker
22
„Ich hatt' einen Kameraden“:
Ein Lied weckt Lebenserinnerungen
Von Bischof em. Dr. Reinhold Stecher
St. Antoniusblatt, 79. Jahrgang, Nr. 12, 2012 – Monatszeitschrift
für die Familie, Jahresmitgliedsbei­trag 18,00 Euro; Einzelnummer: 1,70 Euro. Sie unterstützen damit die Kapuzinerstiftung
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Laut Gesetzesdekret vom 30. Juni 2003, Nr. 196, Art. 7 und 13,
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Das „St. Antoniusblatt“ erscheint monatlich. Eigentümer und
Herausgeber: Kapuzinerstiftung Liebeswerk, Meran. Verantwortlicher Schriftleiter: Mag. Martin Lercher, Bozen. Druck:
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662/96 – Filiale Bozen. Eingetragen bei USPI Rom.
Titelbild: Christbaumkugel
St. Antoniusblatt – Heft Nr. 12
Liebe Leserin,
lieber Leser!
„Da menschelt es
halt wieder!“ Diese Erklärung ist oft zu hören,
wenn Fehler passieren,
irgendwo die Fetzen fliegen oder sich Leute
stinkbeleidigt verkriechen. Und auch Irren
ist bekanntlich menschlich.
Und wenn Christinnen und Christen
seit zwei Jahrtausenden glauben und bezeugen, dass Gott Mensch geworden ist?! Dann
ist die Botschaft von Weihnachten mehr als
eine rührselige Geschichte, die beim Kerzenschein der Christmette oder unter dem
Weihnachtsbaum vorgelesen wird. Dann
bedeutet das doch, dass Gott genau dorthin ging, wo es „menschelt“. Und dass daher dieser rissige, dreckige, glitschige Erdboden unserer Welt zugleich „göttelt“! Dass
Gott sein Ja dazu gesagt hat. Ein und für
alle Mal.
Das Frohe an dieser Weihnacht, das wir
uns so sehr wünschen, ist also: Dass es zwar
die Ställe in unserem Leben gibt, wo viel
Mist herumliegt und uns manches stinkt –
aber dass gerade auch über den Ställen des
Lebens das liebende Licht Gottes aufgeht.
So wünscht Ihnen das gesamte „St.Antoniusblatt“-Team die tiefe Freude über
die Menschwerdung Gottes. Und seine
spürbare Gnade für das Jahr 2013.
In diesem Jahr feiert unser „St. Antoniusblatt“ dann die 80 Jahre seines Bestehens
und wir hoffen, dass Sie das „Geburtstagskind“ wieder an elf Monaten besuchen und
bereichern darf!
Ihr
Glauben
Dezember 2012
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Alte Worte in neuen Worten (11): Erlösung
Neue Wege werden geöffnet
An der Abschlusswand des Klosterrefektoriums von Santa Maria delle Grazie zu Mailand
befindet sich das weltberühmt gewordene
Abendmahlsbild von Leonardo da Vinci
(1452–1519). Als der Künstler, so wird erzählt,
die ersten Porträtstudien zu diesem Fresko
machte, fand er zuerst einen jungen Mann, der
ihm für das Antlitz Christi Modell stand. Danach skizzierte er ein Jahr lang die Apostelfiguren.
Schließlich fehlte ihm nur noch der Entwurf zum Judas. Lange suchte er nach einem
entsprechenden Gesicht. Nach mehreren Monaten fand er in einer üblen Mailänder Taverne das Modell, das er suchte. Im Verlauf der
Malerarbeiten stellte sich heraus, wer dieser
Mann mit dem Judas-Gesicht in Wirklichkeit
war: Es war derselbe, der zuvor dem Künstler
zum Antlitz Christi Modell gestanden hatte.
Sonderbar: Hatte sich dieser Mann in einem Jahr so verändert? Oder ist es vielleicht
so, dass hinter ein und demselben Gesicht beides stecken kann: Engelhaftes und Teuflisches?
Gelegentlich wundern wir uns, was alles in
ein und demselben Menschen an Gutem wie
an Bösem sein kann, wozu derselbe Mensch
fähig ist. Diese Zwiespältigkeit scheint uns
Menschen mit in die Wiege gelegt zu sein: Ei-
Foto: AB
In Gebeten, Kirchenliedern, Bibeltexten und
Predigten werden theologische Begriffe gebraucht, die Menschen von heute nicht mehr
auf Anhieb verstehen. Was ist etwa gemeint
mit Begriffen wie Gnade, Barmherzigkeit,
Sünde, Opfer? In einer Serie erklärt das
„St. Antoniusblatt“ diese alten Worte in
neuen Worten: Wo kommen sie her? Was
bedeuten sie für die heutige Zeit? In Teil elf:
Was bedeutet Erlösung?
Von P. Robert Prenner
Licht in das Dunkel der Welt und des eigenen Lebens: Auch
Weihnachten feiert die Erlösung. Abo-Beitrag 2013
Der Jahresmitgliedsbeitrag für das „St. Antoniusblatt“ beträgt auch im Jahr 2013 genau 18 Euro (Einzelheft: 1,70 Euro). Ein
Vergelt’s Gott allen, die uns weiterhin unterstützen!
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glauben
St. Antoniusblatt – Heft Nr. 12
Verstrickung des Menschen
in Sünde und Schuld
F: ler
nerseits möchten wir uns selbstverständlich
für Gott und das Gute entscheiden, aber andererseits können wir nie sicher sein, dass das
Böse nicht doch wieder stärker ist.
Die allgemeine Verflochtenheit der Menschheit in das Böse wird nach kirchlicher Lehre als
„Erbsünde“ bezeichnet. Nach dem „Katholischen Erwachsenen-Katechismus“ geht es in
der biblischen Erzählung vom Sündenfall und
dessen Folgen um die Geschichte der Heillosigkeit des Menschen, um die allgemeine Verstrickung in Sünde und Schuld. Folgen dieser
„Erbsünde“ sind viele Nöte des Menschen:
Schuld und Sünde, Einsamkeit, Vergänglichkeit, Sinnlosigkeit und Leid. Und das Leid gipfelt im Tode, der niemand erspart bleibt.
Gottes Zuwendung zum Menschen kann Ketten lösen. Worin bestand aber die Erlösung durch Jesus Christus? Er schenkte vor allem den Armen,
Kranken und Sündern seine Liebe und Zuwendung. Die Heilige Schrift berichtet oft, wie
Menschen verwandelt wurden, nachdem sie Jesus begegnet waren. Denken wir nur an Zachäus, jenen neugierigen Oberzöllner, den Jesus
aus Einsamkeit und Härte erlöste und der Jesus
dann voller Freude in seinem Haus aufnahm.
Jesus eröffnet uns einen Weg, wie wir sinnvoll
und als freie Menschen zu leben vermögen.
Zur Vollendung kam die vergebende Liebe
Jesu in seinem Tode am Kreuz. Durch seine
Auferstehung schenkt uns Jesus eine Hoffnung,
die uns auch der Tod nicht nehmen kann: die
Hoffnung auf ein ewiges Leben bei Gott.
Wörtlich
„Erlösung meint einen erlösenden und befreienden Prozess, der durch Jesus Christus
auf einmalige Art und Weise angestoßen worden ist, der jetzt aber durch uns in dieser Welt
weitergehen möchte.
Wir sollen den Traum Jesu von einem freien und erfüllten Leben immer wieder neu
träumen. Wir sollen einander unsere Schuld
vergeben und so einen Freiraum der Vergebung und Versöhnung eröffnen. Wir sollen
in dieser Welt Versöhnung und Frieden stiften. Wir sind aufgerufen, gegen alle Unfreiheit und Zwänge anzukämpfen, im persönlichen Gespräch Zwänge aufzudecken, aber
auch im politischen Engagement Unheilsstrukturen zu verändern, heilende Strukturen
zu schaffen und für Frieden und Gerechtigkeit in dieser Welt zu kämpfen ...“
P. Anselm Grün, in: Biblische Bilder
von Erlösung, Vier Türme Verlag, 2001
glauben
Dezember 2012
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Gedanken und Anregungen zum Advent
Eine Zeit der Entdeckung
Foto: ler
In der Kirche oder auf
dem Christkindlmarkt?
Advent kann vor allem
eine spannende
Spurensuche im
persönlichen Alltag
sein. Das Wort „Advent“ selbst zeigt, worum es
in dieser Zeit des Kirchenjahres geht. Eigentlich heißt „Advent“ nicht „Erwartung“,
wie wir das vermuten könnten, sondern eher
hat es mit einer „Ankunft“ zu tun. Joseph
Ratzinger, unser jetziger Papst, hat in einer
Adventpredigt einmal dargelegt, dass in der
Antike das Wort die Anwesenheit eines Königs oder Herrschers oder auch des Kultgottes bezeichnete, der den Seinen die Zeit seiner Anwesenheit schenkt. Wir können auch
sagen, die Adventzeit ist eine Zeit der Gnade, in der eine mächtige und hoch stehende
Person mich beschenkt, indem sie einfach
bei mir und bei uns weilt.
jeden eindeutig wäre. In diesem Sinn ist der
Advent eine Zeit der Entdeckung, wo wir mit
Liebe und Aufmerksamkeit die Spuren der Gegenwart Christi unter uns dankbar wahrnehmen und ihnen mehr Raum in unserem Leben
geben.
Es ist selbstverständlich auch und gerade
deswegen eine Zeit des Wartens und des Erwartens, weil wir uns danach sehnen, unseren
menschgewordenen Gott doch direkt zu sehen
und anzufassen. Wir wollen Jesus sehen, von
Angesicht zu Angesicht, und unser Herz bleibt
unruhig, bis es in ihm ausruhen darf.
Anders gesagt: Wir feiern im Advent die
Anwesenheit Gottes, der schon mitten unter
uns ist, aber noch nicht so sichtbar, dass es für
Aber wie wissen wir, dass Jesus schon unter
uns anwesend ist? Und wann wird es so weit
sein, dass wir diesen Anwesenden richtig „se-
Den Anwesenden „sehen“
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Glauben
Foto: AB
hen“ können? Genau hier berühren wir den
Kern des Adventgeheimnisses.
Vordergründig betrachten wir die noch
nicht sichtbare Anwesenheit Gottes, der ganz
praktisch nicht zu sehen ist, weil er noch im
Schoß der Jungfrau Maria weilt. Es ist aber
nicht möglich, seine Gegenwart zu verleugnen ...
Durch diese Betrachtung merken wir erstaunt, dass derselbe Jesus auch heutzutage unter uns wirklich gegenwärtig ist: im Wort Gottes, in den Sakramenten, in der Eucharistie, in
seiner Kirche, in jedem Menschen, wo auch
immer zwei oder drei in seinem Namen zusammenkommen. Wir können ihn noch nicht von
Angesicht zu Angesicht anschauen, aber bekommen hier auf Erden einen Vorgeschmack
auf das, was kommt.
Diese Gedanken bringen uns zu den Fragen: Wann wird die Sehnsucht nach mehr gestillt sein? Gibt es auch eine Geburtsstunde,
einen Heiligen Abend, an dem Jesus sich mir
zeigen wird? Die Antwort ist selbstverständlich
ja, nämlich, am Ende der Zeit, wenn ich mit
Gottes Hilfe den Himmel erreiche. Dort werde
Geduldig nach vorn schauen – auch das ist Advent.
St. Antoniusblatt – Heft Nr. 12
ich staunend und anbetend ihn sehen, wie er
wirklich ist. Und so verstehen wir, warum die
Texte für die Liturgie so oft auf dem Ende der
Welt deuten. Für uns Christen wird die Stunde
des Todes, so betrachtet, eine Art geistliches
Betlehem, eine Geburtsstunde anderer Art, in
der Jesus sich selbst mir endgültig offenbart.
Dann werden wir Gott sehen können und müssen nicht mehr in der Dunkelheit wandern.
„Geburtsstunde“
in unserem Leben
Wenn Jesus, nachdem er einen Platz für mich
im Himmel bereitet hat, für mich zurückkommt,
wird es ein Moment großer Freude sein. In der
Adventzeit sollen wir doch die Sehnsucht nach
der endgültigen Begegnung mit dem Herrn stärken; wir wollen ihn wirklich sehen, wie er ist,
nicht nur durch die Schleier unserer Selbstbezogenheit, sondern in Freiheit und in echter Liebe.
Gleichzeitig merken wir eine dritte Art Anwesenheit und des Schon-gegenwärtig-Seins Jesu in
unserer Welt, und das ist in unserem Herzen. Ist
es nicht wahr, dass Gott durch die Gnade der
Taufe in uns selbst anwesend ist? Und stimmt es
nicht auch, dass wir die Sehnsucht danach haben, ihm genau da, in unserem Herzen, tief zu
begegnen?
So ist es in der Tat, und während der Adventzeit nehmen wir die Gegenwart Gottes in uns
ganz neu auf und warten mit Zuversicht und Vertrauen auf Weihnachten und die Geburtsstunde
in unserem Leben.
Zusammengefasst: Während der Adventzeit
feiern wir die verborgene Gegenwart Gottes, eines Gottes, der aus Liebe zu uns Mensch geworden ist, aber noch nicht sichtbar ist. Wir schauen auch mit Sehnsucht nach vorn und warten
geduldig, bis der Herr sich selbst endgültig offenbart – an Weihnachten, am Ende der Zeit und in
meinem Herzen, wenn ich Gott in meinem Leben wirken lasse.
P. Michael Luxbacher, in: Amici News
das thema
Dezember 2012
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Der „Weltuntergang“ am 21. Dezember 2012
Ist das unsere letzte Ausgabe?
„Der Mayakalender ist die bekannteste aller
Prophezeiungen. Er beschreibt exakt auf den
Tag genau unser gegenwärtiges viertes Zeitalter,
das vom 11. August 3114 vor Christus bis zum
21. Dezember 2012 geht. Der 21. Dezember
2012 ist nach dem Langzeitkalender der Maya
das Ende dieser menschlichen Zivilisation.
Die Menschen werden in eine gänzlich neue
Zivilisation eintreten, die von der gegenwärtigen völlig unabhängig ist“: Das behauptet eine
der vielen Internet-Seiten, die sich inzwischen
mit dem angekündigten Weltuntergang befassen.
Wissenschaft schüttelt
nur den Kopf
Auch der erfolgreiche Hollywood-Film
„2012“ von Roland Emmerich hat das Thema
in eine breite Öffentlichkeit getragen – und
das Geschäft der Esoteriker beflügelt. Denn
plötzlich ist alles 2012: Amulette, Seminare,
Glücksworkshops.
Die Wissenschaft kann da nur ungläubig
den Kopf schütteln. „Der Mayakultur ist die
Apokalypse fremd“, unterstreicht die Anthropologin Evi Kostner von der Europäischen
Akademie (Eurac) in Bozen: Für dieses Volk
verlaufe die Zeit nicht linear, sondern zyklisch.
Foto: AB
Bozen. Am 21. Dezember 2012 geht die
Welt unter: Das behaupten Esoteriker, und
sie verweisen dabei auf einen Kalender der
Maya. Auf der Steintafel, die am Golf von
Mexiko gefunden wurde, wird die Rückkehr des Gottes Bolon Yokte angekündigt,
und zwar an einem Datum, das nach unserem Kalender dem 21. Dezember 2012 entspricht. Von der Wissenschaft sind solche
Behauptungen längst widerlegt.
Tut sich der Schlund der Zeit auf, um die Welt zu verschlingen? Esoteriker sagen für dieses Jahr den Weltuntergang
und den Beginn einer neuen Ära voraus (im Bild: Kalender
der Azteken).
„So gesehen leitet 2012 eine neue Ära ein, in
der die Maya auf das Aufleben ihrer Kultur
und anderer indigener Kulturen hoffen“, sagt
die Wissenschaftlerin, die zu Studienzwecken
immer wieder nach Guatemala reist.
Als wahre Bedrohung für Welt und Kultur
der Maya bezeichnet die junge Wissenschaftlerin in einem Interview mit der Eurac-Zeitschrift „Academia“ die anhaltende „Ausbeutung der Natur und der Völker durch
transnationale Konzerne“, in Wirklichkeit
sorgten sie für die Maya-Apokalypse.
8
Das thema
St. Antoniusblatt – Heft Nr. 12
Fachmann Balthasar Schrott über die Faszination Esoterik
Auf der Suche nach Heilung
Bozen. Woran glauben wir? An den dreifaltigen Gott oder an die Heilkraft der Steine, an
die Macht der Engel oder der Quellgeister?
Die Esoterik scheint heute große Faszination
auszuüben.
Foto: pr
„Astrologie, Yoga, Tarot, Reiki, Reinkarnationslehre. Wie auf einem Basar lädt die Esoterik
ein, von ihrem vielfältigen Heilsangebot Gebrauch zu machen“, informiert Balthasar
Schrott, der diözesane Beauftragte für Weltanschauungsfragen. Ihrer Entstehung und ihrem
Wesen nach sei die Esoterik eigentlich eine Geheimlehre, nur wenigen Auserwählten und Eingeweihten zugänglich: „Heute zeigt sich die Esoterik demokratisch, offen für alle und scheinbar
leicht erlernbar in Wochenendkursen, Zeitschriften und Büchern.“
Versprochen werde bei vertrauensvoller Anwendung der verschiedenen Praktiken rascher
„Im Widerspruch zum christlichen Gottesbild“: Balthasar
Schrott, Beauftragter der Diözese für Weltanschauungsfragen, sieht die Esoterik sehr kritisch. und gezielter und schneller Erfolg: Entspannung, Heilung und Selbsterkenntnis.
In Gesprächen mit Menschen, die eine esoterische Suche begonnen haben, spüre man
„eine Sehnsucht nach Ganzwerden, nach Harmonie mit sich selbst und der Schöpfung“. Das
mache die Faszination der Esoterik aus. Daher
auch die Kritik der Esoteriker an den Kirchen,
die aus ihrer Sicht die Welt entzaubert und den
Zugang zu persönlichen Erfahrungen verbaut
hätten. Das Christentum spricht von einem
persönlichen Gott und von der persönlichen
Liebesbeziehung zu Gott.
Sehnsucht nach Ganzheit
und Harmonie
Für die Esoterik ist Gott kosmische Energie
und ein Lichtwesen. Eigentlich liegt laut Schrott
der Esoterik ein neues Gottesmodell zugrunde,
das aus östlichen Religionen oder indianischen
wie afrikanischen Kulturen stammt und besagt:
Gott wohnt in allen Geschöpfen, wir sind ein
Teil von Gott. Man muss nur in Harmonie mit
sich selbst leben.
Dabei entsteht laut Schrott ein „Sammelsurium“ von verschiedenen Religionen und Anschauungen, eine selbst gebastelte Religion. Darin haben zwar Engel ihren Platz, nicht aber
christliche Wahrheiten wie Erlösung durch
Christus oder ewiges Leben. Der esoterische Erlösungsweg ist die Wiedergeburt, verstanden als
Selbsterlösung durch eigene Läuterung und Bewusstseinserweiterung.
Das setzt nach Einschätzung von Schrott ein
unchristliches Gottesbild voraus: „So wie das
menschliche Leben nicht als einmalig, sondern
als wiederholbar gedacht wird, so gibt es auch
keinen personalen Gott, der sich dem Menschen frei zuwendet und ihm die Gnade eines
Foto: AB
Dezember 2012
radikalen Neuanfangs in Vergebung und Versöhnung anbietet.“ Auch stelle sich die Frage,
welchen Trost die Esoterik Menschen in Krankheit, Enttäuschung und im angesicht des Todes
schenken kann.
In diesem Zusammenhang seien auch die
vielen Heiler zu sehen, die heute ihre Dienste
anbieten. So solle die aus Fernost importierte
Heilweise Reiki derzeit besonders populär sein
und allein in Deutschland inzwischen über 40
verschiendene Schulen gebildet haben, berichtet Schrott. Die Heiler verbinden bei ihrer Tätigkeit das Handauflegen mit dem Fernheilen.
Gefährliche Scharlatane
bieten Heilung an
Oft handle es sich mehr um Scharlatane.
„Gefährlich werden diese, wenn sie bei den
Menschen übertriebene Erwartungen wecken“,
so Schrott. Gegen sogenannte Heilungsgottesdienste könne man nichts haben, wenn sie mit
Das thema
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Faszination Fernost: Vor allem aus
östlichen Religionen importiert
die Esoterik ihr Gottesbild.
Handauflegen und Gebet verbunden sind. Ein
sehr sinnvoller Heilungsgottesdienst scheint
ihm die Feier der hl. Ölung zu sein.
Mit Esoterik hat laut Schrott auch die Voraussage des Weltuntergangs am 21. Dezember
2012 zu tun. „Man beruft sich dabei auf den
Mayakalender und mit dem Rückblick auf den
angeblich unverdorbenen Stamm der Maya und
ihrer Hochkultur. Dieser Rückblick ist zugleich
verbunden mit der Hoffnung, dass diese ursprüngliche Zivilisation wieder zurückkehren
sollte“, erklärt Schrott.
Auffallend sei jedenfalls, dass auch bei den
schrecklichsten Horrorszenarien in Filmen fast
immer noch jemand übrig bleibt und sich retten kann. „Dahinter stehe also die Vision: Die
Menschheit geht nicht unter, sondern entwickelt sich in eine höhere Stufe, neue spirituelle
Kräfte werden frei.“
Auffallend ist, dass die Esoterik nicht Sache
der Jugend oder von Menschen im vorgerückten Alter ist, sondern vor allem von Frauen
das Thema
Foto: AB
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Geschäftemacherei mit „Energieströmen“: Auch manche
Heilsangebote der Esoterik sollten gründlich geprüft
werden, empfiehlt der Fachmann der Diözese.
mittleren Alters, also zwischen 35 und 55 Jahren. In dieser Phase des Umbruchs und der
Neuorientierung suchen Frauen offenbar Lebenshilfe bei esoterischen Therapien. Hier zeigt
sich auch der Wandel der Gesellschaft vom Patriarchat zum Matriarchat: „Die Göttin und
neue Hexen halten Einzug, weibliche Werte
werden wichtig, die sich selbst verwirklichende
Frau steht im Zentrum. Dies wird wohl nicht
St. Antoniusblatt – Heft Nr. 12
ohne Auswirkungen auf Ehe und Partnerschaft
bleiben“, berichtet Schrott.
Er sieht die neue Religiosität der Esoterik
aber nicht bloß als Gefahr, sondern auch als
Herausforderung für die christlichen Kirchen:
„Wir sollen suchende Menschen ernst nehmen
und ihnen entsprechende Angebote machen.“
Auch habe die Esoterik einiges neu angeregt:
die Wiederbelebung christlich-mystischer Meditationspraxis, das Wiederentdecken von Ritualen und Symbolen, eine ganzheitliche Weltbetrachtung, wie sie schon Hildegard von Bingen
gesehen hat.
Eine Herausforderung
für die christlichen Kirchen
Es gelte aber auch, die vielen Tricks aufzudecken, mit denen gearbeitet wird. So preise man
zum Beispiel Reiki als eine alte Heilmethode
an, die der japanische Gelehrte Micao Usui begründet haben soll. In Wirklichkeit hat dieser
Mann gar nie gelebt.
Vor allem aber gelte es, ,,den Platz Gottes
freizuhalten; er darf durch nichts ersetzt werden, sonst verfallen wir Halbgöttern“!
Ist Esoterik mit dem christlichen Glauben zu vereinbaren?
„Nein, Esoterik geht an der Wirklichkeit
Gottes vorbei. Gott ist ein personales Wesen; er ist die Liebe und der Ursprung des
Lebens, nicht kalte kosmische Energie. Der
Mensch ist von Gott gewollt und geschaffen, aber er ist nicht selbst göttlich, sondern
ein durch die Sünde verletztes, vom Tod bedrohtes, erlösungsbedürftiges Geschöpf.
Während Esoteriker zumeist annehmen, der Mensch könne sich selbst erlösen,
glauben Christen, dass nur Jesus Christus
und die Gnade Gottes sie erlöst. Auch die
Natur und der Kosmos sind nicht Gott.
Vielmehr ist der Schöpfer, bei aller Liebe zu
uns, unendlich viel größer und anders als
alles, was er geschaffen hat ...
Es gibt auch keine (Zauber-)Technik, mit
der man „das Göttliche“ bannen, seine
Wünsche dem Universum aufzwingen und
sich selbst erlösen kann. Vieles an der Esoterik ist aus christlicher Sicht Aberglaube
oder Okkultismus.
Aus: Youcat, Jugendkatechismus der katholischen
Kirche, Pattloch Verlag, München
porträt
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Foto: privat
„Nicht alle Wunden
können geheilt werden,
aber keiner soll liegen
bleiben“: Die Deutschordensschwester Reinhilde
Platter ist auch eine
gefragte geistliche
Begleiterin.
Menschen von heute: Schwester Reinhilde Platter
In den Raum der Stille treten
Bozen. Seit 20 Jahren bietet die Deutschordensschwester Reinhilde Platter im Turm
der Deutschhauskommende Weggenstein in
Bozen einen Ort der Stille, des Gesprächs
und der Meditation an.
Von P. Robert Prenner
Der Turm ist die vorläufig letzte Station im
erfüllten Ordensleben von Schwester Reinhilde. Sie trat 1958 in den Deutschen Orden ein.
Dort entschied sie sich für den Lehrberuf und
war nach der Einführung der „Einheitsmittelschule“ für zehn Jahre Handarbeitslehrerin an
der Mittelschule in Lana und für einige Jahre
auch Vizedirektorin der Schule. Zugleich war
sie neben einer anderen Lehrerin die erste
Lehrperson in ganz Südtirol, die für ihr Fach
Hauswirtschaft und Handarbeitslehrerin in
Rom die entsprechende Lehrbefähigung er-
warb. In dieser Zeit reorganisierte die junge
Schwester die Pfarrbibliothek Lana und half bei
der Neuaufstellung im neuen Bibliotheksgebäude an der Heiligkreuzkirche.
Aber nicht so sehr wegen dieser Tätigkeiten
erhielt Sr. Reinhilde am 15. August 2011 das
Verdienstkreuz des Landes, die dritthöchste
Auszeichnung. Sie wurde geehrt wegen ihrer
„Verdienste als Heimleiterin und als Leiterin
der Turmkapelle“, wie es in der Würdigung
heißt. 20 Jahre lang war die Schwester Leiterin
des neu erbauten Mädchenheimes „Dr. Fritz
Ebner“ in Meran.
Diese Zeit war geprägt von unzähligen Impulsen und Initiativen für die Mädchen, die aus
allen Landesteilen an die Meraner Schulen kamen. Wie segensreich ihr damaliges Wirken
war, bezeugen die nach wie vor starken Kontakte mit den damaligen Schülerinnen, Erzieherin-
12
porträt
nen und Eltern, aber auch die vielen Glückwünsche, die sie anlässlich der Verleihung des
Verdienstkreuzes von überall her erreichten.
Im Jahr 1991 übersiedelte Sr. Reinhilde in
die Deutschhauskommende Weggenstein in
Bozen. „In den 20 Jahren als Heimleiterin bin
ich mit den Mädchen gewachsen; ich wollte
aber aufhören, bevor ich nicht mehr aufhören
kann“, so die Schwester. Anlässlich des 800jährigen Ordensjubiläums sanierte der Orden
die Kommende. „Auf Wunsch von Bozner Bürgern sollte im restaurierten und wiederaufgebauten Turm ein geistliches Zentrum, ein Ort
der Begegnung entstehen“, berichtet Sr. Reinhilde.
„Verweilen in Stille ist
Bedürfnis unserer Zeit“
Im September 1991 nahm sie dort ihre Tätigkeit auf und leitet seither u. a. Meditationskreise, Advent- und Fastengebete sowie Exerzitien
im Alltag; außerdem gestaltet sie Treffen mit
Frauengruppen und Einkehrnachmittage. Beliebt sind auch die meditativen Stunden mit
Erstkommunion- und Firmgruppen. „Das Verweilen in Stille entspricht einem Bedürfnis der
Zeit: Der Mensch findet so zu sich selbst, findet
zur inneren Sammlung und kann sich dem Geheimnis öffnen, das über ihn hinausweist“, erklärt die Schwester.
Im Meditationsraum übt sich wöchentlich
eine Gemeinschaft von Frauen und Männern
„in bildloses Schauen, wortloses Lauschen, tatenloses Leerwerden für die innere Wirklichkeit
oder auch in das Jesusgebet ein“ (Pfarrblatt Bozen). Das Herz des Turms ist die Kapelle im
obersten Stockwerk. Diesen Raum hat der bekannte Künstler Heiner Gschwendt ausgestaltet. Eucharistie mitfeiern am Altar in der Kapelle und die Meditation im Turm hoch über den
Trubel der Stadt kann laut Sr. Reinhilde zu einer kostbaren Erfahrung führen, „zu einer Erfahrung, die das Geheimnis unseres Mensch-
St. Antoniusblatt – Heft Nr. 12
seins berührt, an dem Gott selbst sich als
Erfüllung unserer Sehnsucht zu erkennen gibt“.
Ganz andere, oft nicht oder nicht mehr
kirchlich eingestellte Menschen suchen Sr. Reinhilde zu Beratung und geistlicher Begleitung
auf. Man möchte nicht glauben, wie viele Männer und Frauen aus den verschiedensten Gesellschaftsschichten zur kleinen bescheidenen Ordensfrau kommen, um mit ihr über ihre
persönlichsten Nöte, Krisen, ihre Sinnsuche
und Probleme zu sprechen: „Mein Terminkalender ist reichlich ausgelastet; nicht alle Wunden
können geheilt werden, aber keiner soll liegen
bleiben, wie einst der Mann, der von Jerusalem
nach Jericho wanderte.“ Der Turm hat ein großes, für alle weit offenes Tor und ist zugleich ein
kräftiger Fingerzeig nach oben.
Im Sommer verlagert die Schwester ihre Tätigkeit wenigstens für eine Woche in das Kapuzinerklösterchen von Gschnon bei Neumarkt.
Unter dem Motto „Zur Mitte finden“ verbringt
sie in dieser Bergeinsamkeit seit nun schon
17 Jahren mit einer Gruppe von Frauen Tage
der Erholung für Geist, Leib und Seele.
Künstlerisches und
handwerkliches Können
Schwester Reinhilde sieht ihre Tätigkeit ganz
im Sinne und im Auftrag ihres Ordens: „Uns gilt
es, die Anforderungen unserer Zeit wahrzunehmen, hellhörig zu sein für die Nöte der Menschen
und in den Umbrüchen unserer Zeit das Evangelium zu leben.“ Auch im Deutschen Orden hat
sich Sr. Reinhilde verdient gemacht und an der
Neufassung der Statuten des Ordens mitgewirkt.
Ihr künstlerisches und handwerkliches Können
hat sie in einer Reihe von liturgischen Kleidern
und Paramenten unter Beweis gestellt. Nicht unerwähnt bleiben darf der Dienst, den Sr. Reinhilde erbringt in der Gestaltung der Ordenszeitschrift „Deutscher Orden“; seit deren Gründung
im Jahre 1970 war sie Assistentin der Schriftleitung, seit 2002 ist sie deren Schriftleiterin.
Volkskunde
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Die besondere Legende vom Kirchenbau in Meransen (Teil 2)
ein Botschaftsschatz
Meransen. Der Bauer Urban Oberhofer
vom Kaufmannhof träumt von einem Schatz
im Lehmherd, den er für den Umbau der
Kirche von Meransen verwenden solle – und
er findet tatsächlich eine Kupferkiste voller
Goldstücke: Was könnte der wahre Kern
dieser Legende sein, die sogar auf einem
Fresko in der Pfarrkirche von Meransen
festgehalten ist? Im zweiten Teil seines Beitrags
geht
P. Dr. Paul Hofer dieser Frage nach.
Von P. Dr. Paul Hofer
Legenden wachsen und verdichten sich zu
Inhalten, die viele Elemente in sich schließen.
Im Nachhinein können nur Fragmente entschlüsselt werden, die Wiege einer Legende
lässt sich nicht aufschlüsseln bzw. zurückverfolgen, sie bleibt im Mantel einer langen Erfahrungswelt verborgen. Die Traumbotschaft des
Kaufmannbauern Urban lässt Vermutungen
Foto: AB
Der Mittelpunkt eines wunderbar gelegenen
Dorfes – Meransen und seine Kirche, um die
sich eine interessante Legende rankt
zu, diese dürfen und wollen aber nicht die
Würde dieser Botschaft ankratzen.
Hyazintha Fischnaller geb. Untersteiner, die
Schwiegertochter des verstorbenen Kaufmannbauern Peter Oberhofer, hat in einer Fernsehsendung erzählt, dass ihr Schwiegervater öfters
über diesen Traum sprach. Er konnte seinem
Vorfahren Urban nicht ganz verzeihen, dass er
den Erlös zur Gänze für den Bau der Kirche zur
Verfügung stellte. Der Kaufmannhof liegt in einer etwas abgelegenen Feldecke, die in den
Wald hineinsticht. Am Hof hätte Urban nach
Meinung des Schwiegervaters mit dem Gold etwas machen können und machen müssen,
denn es war ein dürftiges Hofgebäude.
Ein Bauer mit Geschick
für den Handel
Die Legende hat Jahrhunderte überlebt, sie
wird noch weitere überspannen. Eine Vermu-
volkskunde
St. Antoniusblatt – Heft Nr. 12
tung wird diese Legende nicht klären, vielleicht
einen zusätzlichen Energieschub vermitteln.
Der Kaufmannbauer war wahrscheinlich ein
sehr geschickter Handelsmann. Seine Handelstätigkeit hat er eher im Stillen abgewickelt. Bei
der „Mühlbacher Klause“ war eine Zollstation,
die für den Zolleintreiber natürlich eine Geldquelle bedeutete. Es könnte sein, dass der Kaufmannbauer mit der Zolldirektion gute Kontakte hatte, das Ergebnis solcher Kontakte brachte
dem Bauern einen beachtlichen finanziellen
Untergrund.
Die Reise nach Innsbruck schiebt Gedankenpisten in den Vordergrund: Er musste für
die damalige Zeit „weltgewandt“ gewesen sein,
wie wäre er sonst nach Innsbruck gekommen?
Wahrscheinlich kannte er die Strecke, er wird
sie bereits öfters auf seinen Geschäftsreisen zurückgelegt haben.
Legende lebt im Bewusstsein
der Nachkommen
Foto: AB
Der Herd dient in Legenden oft als das sicherste Versteck, um Schätze vor Diebstahl zu
sichern. Das Geschäft könnte für Urban gut gelaufen sein, dafür wollte er ein Zeichen des
Dankes setzen, indem er für die Errichtung der
Kirche eine baubestimmende Spende gab. Diese Spende könnte als Beruhigung für manche
Geschäftspraxis gedient haben.
Die Würde der Legende ist zeitübergreifend
festgehalten. Im zweiten Deckengemälde des
Malers Johann Mitterwurzer ist der Kaufmann-
Der
Kaufmannhof,
daneben die
Kabinenbahn auf
den
Gitschberg
Foto: AB
14
Ein Deckenfresko in der Pfarrkirche – heute teilweise
verdeckt – erzählt die wundersame Begebenheit. hof abgebildet. Leider ist dieses Gemälde durch
den Orgelbau zum Teil verdeckt, der Besucher
kann aber den Kaufmannhof hinter der Orgel
bestaunen und erkennen. Der Inhalt der „Kaufmann-Traum-Legende“ ist lebendig, sie lebt im
Bewusstsein der Nachkommen vom Kaufmannhof, sie lebt und wirkt beinahe majestätisch im
zweiten Deckengemälde der Pfarrkirche.
Wäre die Botschaft eine reine Erfindung, so
könnte ich es mir nicht vorstellen, dass der
Kaufmannhof als eigenes Element im Gemälde
beinahe zeitlos gegenwärtig gesetzt worden
wäre. Die Dorfgemeinschaft, so klein wie sie damals war, in der Lebensgestaltung und im Lebensvollzug eng ineinander verflochten, würde
dies sicher nicht gestattet haben.
Legenden verbergen wortlose Erfahrungen.
Ihre Energie schöpfen sie von der mündlichen
Weitergabe, die natürlich Eigenschaften der erzählenden Person auffängt. Legenden versperren sich einer logischen Aufarbeitung, sie fordern Respekt und Würde, sie öffnen den Blick
für das Staunen und Wahrnehmen! Nach meiner Meinung könnten wir heute wieder ein
bisschen „legendärer“ werden.
Dezember 2012
Mesnerbote
15
Ave-Maria und zum Kirchgang laden. Ja, ich
bin überzeugt, Gott versucht es wieder!
Wie viele Lampen sind etwa schon durchgebrannt in der anscheinend verlängerbaren
Adventzeit? Hat das Licht der Weihnacht
noch Wirkung nach der krankhaften Ausleuchtung (fast) das ganze Jahr hindurch?
Ein riesiger Energieaufwand!
Erkenne ich die Energie Gott, die sich gibt?
Verwende ich sie? Ich darf sie sogar verschwenden, diese unaufhaltbare wirksame
Güte!
Das Licht von Betlehem: Hat es nicht Mühe
durchzudringen zu uns Menschen? Im Weihnachtsevangelium wird es wieder heißen:
„Und auf Erden ist Friede bei den Menschen
seiner Gnade.“
Was ist Gnade? Muss ich da meinerseits etwa
etwas unternehmen?
Da gilt es auszuwählen: Das unsaubere Kabarett oder das Rorate-Amt? In Alkohol und
Lärm getauchte Events oder die Namenstage
unserer Heiligen? Extrem Gedankenloses
oder echt Besinnliches?
Auf welche Energie vertraute die Hl. Familie im simplen Stall von Betlehem?
Im Evangelium steht bei Lukas 1, 37: „Bei
Gott ist nichts unmöglich.“ Ist es uns unmöglich, mehr Ansätze zu schaffen, um bewusst das Evangelium zu leben? Haltungen
zu überdenken, der Schöpfung und meinem
Nächsten gegenüber? Da versucht Gott auch
heuer in der Weihnacht und darüber hinaus
durch seine Menschwerdung mir etwas zu
sagen. Besonders wenn die Glocken zum
Foto: MB
Das Ankommen
Liebe Mesnerinnen und Mesner,
Advent- und Weihnachtszeit stehen wieder
bevor. Möge euch die Freude an der Arbeit
im Gotteshaus durch diese Zeit hindurch begleiten. Und da danke ich den vielen Mesnerinnen und Mesnern, Priestern und Pfarrgemeinderäten, die gemeinsam um eine
harmonische und konstruktive Zusammenarbeit im Bereich des Mesnerdienstes bemüht sind.
Und noch etwas: Teilt euch die Arbeit so
ein, dass auch bei euch selber und in eurer
Familie Gottes Sohn ankommen kann. Ich
weiß, dazu braucht es viel Phantasie, aber
ich wünsche euch fest, dass es gelingt. In
diesem Sinne eine besinnliche Adventzeit
und ein friedvolles Weihnachtsfest!
Euer Paul Jaider, Diözesanleiter
Dringt das Licht von Betlehem noch zu uns durch?
Mesnerbote
St. Antoniusblatt – Heft Nr. 12
16
Dienstjubiläum der Mesnerleute in Gais
Treuer Dienst im Hause des Herrn
Gais. Am 30. September feierten die Gaiser
Mesnerleute Aloisia und Alois Hainz das silberne Dienstjubiläum. Beim feierlichen Gottesdienst wurde dem Ehepaar für den treuen
Dienst im Haus des Herrn gedankt.
Die Mesnergemeinschaft überreichte dem
Mesnerehepaar die Ehrenurkunde und eine
Mesnerkerze. Pater Dr. Bruno Klammer feierte
gleichzeitig das 50-jährige Priesterjubiläum.
Im Bild die Gruppe nach dem Festgottesdienst: Mesner Adalbert Neumair, Mesner
Heinrich Untergasser (Mühlbach/Gais), Pfarrer
Franz Santer, Bürgermeisterin Romana Stifter,
Tochter Helene Hainz, Mesnerin Aloisia Hainz,
P. Dr. Bruno Klammer, Mesner Alois Hainz,
Fähnrich Bernhard Kuenzer und Diözesanleiter
Paul Jaider (v.l.); auf dem Bild fehlt PGR-Präsident Michael Schwärzer.
Mesnerwallfahrt der Tiroler Mesner nach Höglwörth/Rupertigau
Dienst, den die Gläubigen Schätzen
Innsbruck. Etwa 100 Mesner und Mesnerinnen aus Nord- und Osttirol nahmen an der
Wallfahrt zum ehemaligen Augustinerkloster
Höglwörth im Rupertiwinkel teil. In der Klosterkirche zelebrierte der Geistliche Beirat Monsignore Martin Tschurtschenthaler in Konzelebration mit dem Stadtpfarrer von Lienz-St. Andrä
den Pilgergottesdienst.
Der Hauptzelebrant kam in seiner Predigt
auf das Konzilsjubiläum zu sprechen und hob
die Wichtigkeit des Mesners hervor. Der Mes-
nerdienst gewinne in der Zeit wachsender Priesternot an Bedeutung, die Bevölkerung schätze
diesen Dienst sehr.
Nach einem guten bayerischen Mittagessen
im „Klostergasthof“ kehrten alle wieder in ihre
Wirkungsstätten zurück.
Übrigens feiert Josef Plattner aus Axams
heuer sein 40-jähriges „Dienstjubiläum“ als Diözesanleiter, und Msgr. Tschurtschenthaler wurde im Sommer stolze 85.
Norbert Hummel, Pressereferent
Mesnerbote
Dezember 2012
17
Dienstjubiläum in Latzfons
Foto: MB
Mit Fleiss und
Pünktlichkeit
Das Erinnerungsfoto an die Ehrung: Pfarrer Silvester
Aschbacher, Pfarrgemeinderatspräsidentin Anna Gamper
Prantner, Mesner Josef Unterthiner, Fähnrich Josef Gottardi
und Diözesanleiter Paul Jaider (v.l.)
Totengedenken
Latzfons. Am 28. Oktober feierte die Pfarrgemeinde Latzfons das 50-jährige Mesnerjubiläum von Josef Unterthiner. Nach dem Gottesdienst mit Ortspfarrer Silvester Aschbacher
dankte die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates,
Anna Gamper Prantner, für den langjährigen
Mesnerdienst. Dabei ging sie auf die vielfältigen
Aufgaben eines Mesners ein und stellte die
Überlegung an, wie viel sich in den vergangenen 50 Jahren an der Arbeit des Mesners geändert hat. Damals wie heute seien „Fleiß und
Pünktlichkeit“ gefordert. Die PGR-Präsidentin
ermutigte den Jubilar, seine Erfahrungen der
letzten 50 Jahre als Mesner aufzuschreiben.
Auch der Vorsitzende der Mesnergemeinschaft Paul Jaider sprach Unterthiner seinen
Dank aus.
Anna Gamberoni
38 Jahre Mesnerin
in Albeins
* 6. März 1929
† 23. Oktober 2012
Georg Villscheider
50 Jahre Mesner in
Schrambach (Feldthurns)
* 15. April 1926
† 28. Oktober 2012
Mesnerbote
18
St. Antoniusblatt – Heft Nr. 12
Wissenswertes für Mesner
Tauet, Himmel,
den Gerechten
Kaum eine Werktagsmesse ist so beliebt
wie die Roratemesse. Die warme Stimmung
der vielen Kerzen tut wohl. Wer denkt dabei noch daran, dass es eine Marienmesse
ist?
Einladung zum Advent
Rorate im Dom
von Brixen
Einen besinnlichen Advent und eine gnadenreiche Weihnachtszeit wünscht allen Mesnerinnen und Mesnern die Diözesanleitung.
Am 1. Adventsonntag, 2. Dezember, um
6.30 Uhr wird im Dom zu Brixen ein feierliches
Rorate für die Mesnerinnen und Mesner gefeiert. Alle sind dazu herzlich eingeladen!
Eigentümer:
Mesnergemeinschaft
Diözese Bozen-Brixen
39100 Bozen
Adolf-Kolping-Straße 3
E-Mail: mesnergemeinschaft@
gmail.com
Kontaktperson für
Veröffentlichung im
Mesnerboten:
Schriftführer
Richard Peer
Hartwiggasse 1, 39042 Brixen
Tel. 0472/834720
E-Mail: [email protected]
Kontoverbindung:
Raiffeisenkasse Kastelruth
IBAN: IT 05 O 08056 23100
00030 0013889
Südtiroler Volksbank
IBAN: IT 33 J058 5659 1200
0857 1065 755
Die Herausgabe des Mesnerboten
wird unterstützt von der Südtiroler Landes­
regierung, Assessorat für deutsche Kultur.
Rorategottesdienste sind beliebt, gerade
auch bei jungen Christen. Doch Rorate feiern
heißt mehr, als einfach in eine Atmosphäre
der schönen Gefühle zu tauchen und den Tag
mit einer meditativen Stunde zu beginnen.
Denn da ist der Ruf „Rorate caeli desuper, et
nubes pluant iustum!“, der diesem Gottesdienst seinen Namen gegeben hat.
Von seinem Ursprung her ist der Rorategottesdienst eine Messe, die zu Ehren der Gottesmutter Maria gefeiert wird. Dies gilt es, neu
zu entdecken! Die Messe beginnt mit den Worten „Rorate caeli ...“. Diese Verse sind aus dem
Buch des Propheten Jesaja entnommen: „Tauet, ihr Himmel, von oben! Ihr Wolken, regnet
herab den Gerechten! Tu dich auf, o Erde, und
sprosse den Heiland hervor!“ Tau, Regen, das
bringt den Menschen Leben und Wachstum.
Und dieses neue Leben und Heil kommt von
oben, wird uns von Gott geschenkt!
Die Erde wird sich öffnen und das Heil hervorbringen. Denn die Erde, die mütterliche
Erde, ist ein Bild für Maria, die der Welt den
Heiland geboren hat ...
Maria hat sich für den Willen Gottes geöffnet und ließ die Vision des Propheten Jesaja
Wirklichkeit werden: „Tu dich auf, o Erde, und
sprosse den Heiland hervor.“ Ihre Zustimmung
ist für die Heilsgeschichte von großer Bedeutung. Und gerade an dieses freudige Ereignis
denkt die Kirche, wenn sie Maria ehrt, wenn sie
im Advent eine „Roratemesse“ feiert.
Liturgisches Institut der Schweiz
Volkskunde
Dezember 2012
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Barbaras Fundstücke: Nikolaus und Krampus
Ein Brauch im Wandel
Der Krampus ist jene Figur, die besonders
bei den Kindern Unbehagen auslöst. In der
Vergangenheit wurde er als pädagogische Maßnahme eingesetzt. Den Kindern wurde mit ihm
gedroht, wenn sie nicht brav waren und den Eltern folgten. Doch der Krampus hat in den Nikolausbräuchen niemals überhandgenommen.
Denn über dem Bösen existiert das Gute. Gegensätze wurden lediglich dazu benutzt, um den
Menschen Moral und Ethik zu vermitteln.
Die Kirche selbst hat viel dafür getan, um
den Teufel „unter die Menschen zu bringen“.
Die Angst davor sollte anregen, nach ethischen
Grundsätzen zu handeln. Besonders der Nikolausbrauch im familiären Rahmen wurde zur
Erziehung der Kinder verwendet. Sie freuten
sich schon Tage vorher auf den Nikolausabend,
der am Abend des 5. Dezember gefeiert wurde.
Geschenke werden üppiger
Der Nikolaus blieb so wie der Osterhase unsichtbar. Dass der Nikolaus sichtbar wird, dass
also ein als Nikolaus verkleideter Mann an die
Tür klopft und ins Haus kommt, ist in Deutschland zwar seit dem 17. Jahrhundert bekannt,
doch so richtig in Mode gekommen ist dieser
Foto: BS
Bozen. Die Adventzeit ist eine Zeit des Lichtes. Wenn es früh dunkel wird, zieht es uns
ins Haus. Viele Menschen zünden eine Kerze an, um das wärmende Licht zu spüren, das
Gemütlichkeit und Ruhe verbreitet. Lichtbringer sind auch zahlreiche Gestalten im
Heiligenkalender: der heilige Nikolaus, die
heiligen Barbara, Ottilie und Luzia. Um das
Licht und die Güte des heiligen Nikolaus’
besonders hervorzuheben, tritt er mit einem
dunklen Begleiter auf.
Von Dr. Barbara Stocker
Ein später Auftritt: Erst im 20. Jahrhundert kam der Brauch
auf, dass der hl. Nikolaus zu den Kindern ins Haus kommt
und Geschenke überbringt.
Brauch erst im 20. Jahrhundert. Bis in die
1970er Jahre waren die Hausbesuche selten.
Verändert haben sich auch die Geschenke,
die es an Nikolaus gibt. Eine wissenschaftliche
Untersuchung in England ergab, dass sich auf
den Darstellungen, die im Laufe der Jahrhunderte vom Letzten Abendmahl gemacht wurden, eines besonders verändert hat –die Anzahl
der Speisen. Sie wurden immer üppiger. Dass
sich auch bei Bräuchen die Gaben verändern,
können wir an vielen Beispielen beobachten,
auch am Nikolausbrauch. Denn Äpfel und Nüsse allein sind heute wohl kaum noch auf dem
Volkskunde
St. Antoniusblatt – Heft Nr. 12
Nikolausteller zu finden. Selbst Mandarinen,
über die man sich in meiner Kindheit noch so
sehr gefreut hatte, gibt es mittlerweile schon
Monate vorher in den Geschäften zu kaufen.
Zu den Geschenken an Nikolaus gehören
heute die Schokoladennikoläuse, die in manchen Supermarktketten schon Ende Oktober
in den Regalen stehen. Den Brauch des Schenkens an Nikolaus bezeichnet man in der Volkskunde als „Einlegebrauch“, weil in einen
Strumpf oder in einen Teller eine Gabe eingelegt wird. In der Vergangenheit mussten sich
die Kinder auf dieses Fest entsprechend vorbereiten. Eifrig beteten sie mit den Erwachsenen
den Rosenkranz und sangen Nikolauslieder.
Die vielen Krampusläufe, die es mittlerweile im Alpenraum gibt, sind das beste Beispiel
für den Wandel von Bräuchen. Sie finden
schon lange vor – und nach dem eigentlichen
Termin statt. Die ersten Umzüge beginnen im
November, die letzten Ende vor Weihnachten.
Die Krampusumzüge erinnern auch nicht an
die Perchtenumzüge in Osttirol. Man hat eher
den Eindruck, an einem Gruselkabinett teilzunehmen. Auf den Wägen, die mitgefahren werden, finden Szenen mit Rotlicht und lauter
Musik statt, die mehr an die Fastnacht erinnern als an die stillste Zeit im Jahr.
Foto: BS
20
Auf Teufel komm raus: Die ausgelassenen Krampusumzüge
erinnern heute mehr an den Fasching als an den Advent.
Kalender 2013: Drei Begleiter durch das neue Jahr
Reimmichls Volkskalender 2013: Im beliebten
Hausbuch aus Tirol nehmen
wieder bekannte Autoren zu
den verschiedensten Wissensgebieten Stellung, wie
Zeitgeschichte und Volkskultur.
Hildegard von Bingen
Kalender: Unter dem Jahresthema ,,Grünkraft“ bietet
der neue Hildegard-Kalender
Übungen und Tipps zu ,,grünen“ Hildegard-Anwendungen, mit Küchenrezepten
und Hinweisen zu Kuren.
Reimmichls Volkskalender 2013:
240 Seiten. Tyrolia, Innsbruck,
ca. 9,95 Euro
Brigitte Pregenzer/Brigitte
Schmidle: Hildegard von Bingen
Kalender. 27 Seiten, Tyrolia,
ca 12,95 Euro
Reinhold Stecher Bildkalender 2013: In 13 großformatigen Blättern führt
dieser Kalender den Betrachter ein Stück näher heran an
das Göttliche im Alltäglichen.
Reinhold Stecher Bildkalender
2013. Tyrolia, Innsbruck,
ca. 19,95 Euro
Buchtipp
Dezember 2012
Buchtipp
„Glauben Leben“
Das Aquarellbild und den Text auf dieser
Seite entnehmen wir dem neuen Buch von
Alexander Raich, Pfarrer in Tisens und
Prodekan von Lana-Tisens. Unter dem Titel „Glauben Leben“ lädt der bekannte
Seelsorger und Autor ein, sich im „Jahr des
Glaubens“ intensiver mit dem persönlichen Credo zu beschäftigen. In kurzen, gehaltvollen Texten bringt Raich seine Anregungen zu Papier, Aquarellbilder aus der
Malwerkstatt des Pfarrers begleiten und
vertiefen die Gedanken. Beide zusammen
bilden ein Buch „zum Blättern, Verweilen,
Träumen, Beten und eben auch Glauben“,
wie der Autor im Vorwort festhält. Ein
wert-volles Geschenk nicht nur zum Weihnachtsfest!
Alexander Raich, „Glauben Leben“, 72 Seiten, Verlag
A. Weger Brixen, 12,50 Euro
21
Mein Ort
des Glaubens!
Betlehem
Nazaret
Kana
Kafarnaum
Emmaus
Jerusalem
und viele andere Orte,
die mich Jesus
nahebringen!
Heute ist es mein Ort,
wo ich lebe!
Dort kann ich Jesus finden!
22
buchtipp
St. Antoniusblatt – Heft Nr. 12
Aus dem neuen Buch von Bischof Reinhold Stecher
„Ich hatt’ einen Kameraden ...“
Innsbruck. Mit 90 Jahren blickt der langjährige Innsbrucker Diözesanbischof Reinhold
Stecher auf ein bewegtes Leben zurück.
„Spätlese“ ist der Titel seines neuen Buches.
In bisher unveröffentlichten Erzählungen
erinnert sich Bischof Stecher an Not und
Elend in der Zeit von Diktatur und Krieg, an
Begegnungen und Fügungen, aber auch an
Heiteres und Skurriles. Begleitet werden die
Erzählungen von seinen zarten Aquarellen.
Eine Erzählung handelt vom bekannten Lied
vom „Guten Kameraden“.
„Ich hatt’ einen Kameraden
einen bessern find’st du nit.
Die Trommel schlug zum Streite,
er ging an meiner Seite,
im gleichen Schritt und Tritt …“
Ich hatte einen Kameraden, er hieß Rudi, er
war 20 Jahre alt, strebte eine Anstellung als kleiner Beamter an, stammte aus Nürnberg und
hatte seit der Schlacht am Ilmensee, wo wir uns
zum ersten Mal trafen, graue Haare wie ein
Sechzigjähriger. Wir haben uns immer ausgezeichnet verstanden: Wir teilten die religiöse
wie die politische Überzeugung über den
Wahnsinn des Regimes und des Krieges … Wir
waren beide Funker in der Kampfkompanie
und hatten viele Einsätze wie durch ein Wunder überstanden. Ich hatte wirklich einen Kameraden.
„Die Trommel schlug zum Streite.“
Sie schlug ziemlich oft, die verdammte
Trommel, natürlich nur symbolisch. Im Zweiten Weltkrieg gab es keine Trommeln mehr,
nur Trommelfeuer. Sie schlug am Lowat und
vor Demjansk, in den einsamen Wäldern, Hü-
Erinnerungen und Erkenntnisse: Bischof Reinhold Stecher
geln und Sümpfen Kareliens, den verlustreich
umkämpften Höhen mit den fremden Namen,
wo heute noch kein Mensch wohnt. Aber mit
der Trommel wurde der Boden zerwühlt, und
die alten Bäume wurden zersplittert – in einer
Landschaft, die sicher Jahrtausende vor sich
hingeträumt hat.
„Er ging an meiner Seite …“
Im Herbst 1944 begann der große Rückzug
durch die immer länger werdenden Nächte
Nordfinnlands. Jede Nacht 30, 40 und mehr
Kilometer, von Zeltplatz zu Zeltplatz. Wir sind
immer zu zweit nebeneinander marschiert,
während manchmal das erste Nordlicht aufflammte. Meistens war es ein stummes Nebeneinander, denn die Müdigkeit war groß. Aber
hie und da haben wir Erinnerungen ausgetauscht. Rudi war immer neben mir, hinter
der Karrette mit dem Pferd, „im gleichen
Schritt und Tritt“.
„Eine Kugel kam geflogen...“
Nach etwa tausend Kilometer kam es zu einer Abwehrschlacht. Wir zwei waren für die
Dezember 2012
buchtipp
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erste Welle über einen Fluss bestimmt, die
Schlauchboote standen schon bereit, über unseren Köpfen jaulte das Artilleriefeuer. Da ist
er noch einmal zu mir gekommen. „Reinhold“, hat er gesagt, „du musst heimschreiben,
wenn jetzt etwas passiert …“ Ich habe abgewehrt. Ich wollte ihm die trüben Gedanken
und Ahnungen vertreiben, mit den Sprüchen,
die ja nichts bedeuten, aber mit denen man
die eigenen Ängste verdrängt.
Er ist bei seiner Bitte geblieben. Dann ist er
weggegangen und noch einmal zurückgekommen. Und dann hat er mir die Hand gegeben.
Eine solche Geste haben wir uns niemals erlaubt, in allen drei Jahren nicht. Man kann
sich im Krieg die normalen Formen von Gemüt nicht erlauben. Es wäre sonst alles noch
schwerer auszuhalten. Aber hier, während die
Abendsonne durch die herbstlichen Birken
hereinfiel, hat er mir die Hand gegeben. Ich
habe ihm das Heimschreiben versprochen …
„Eine Kugel kam geflogen …“
Wenige Minuten später kam der Volltreffer der schweren Artillerie. Er hat mich einige
Meter hinausgeworfen, aber ich war unverletzt. Wie ich einen Verwundeten aus dem
Trichter gezogen habe, fiel mein Blick auf
Rudi. Die Granate hatte ihm die Hand abgerissen, die er mir eben gegeben hatte. Sie haben ihn zurückgetragen. Auf dem Verbandsplatz ist er gestorben. Später habe ich
heimgeschrieben, die Botschaft, die er seiner
Mutter mitteilen wollte, damit sie beruhigt sei.
„Sag ihr, sie soll sich keine Sorgen um mich
machen, ich war eben bei der heiligen Kommunion …“
„Will mir die Hand noch reichen,
derweil ich eben lad’.
Kann dir die Hand nicht geben,
bleib du im ew’gen Leben,
mein guter Kamerad’ …“
Sie verstehen jetzt, warum für mich dieses
Lied mehr ist als eine sanfte Weise, die über
Särge, Kränze und Gräber streicht. Ludwig Uhland hat dieses Lied vor 200 Jahren ja sehr
schön gedichtet, mit der Schlichtheit der Volkssprache, aber es war von Anfang an ein Gedicht.
Und dass es für die, die sich heute auf den
Friedhöfen bei derartigen Anlässen versammeln, nur ein gemütvoller Abschiedsgruß ist
und nichts anderes, dafür danke ich Gott.
Aber für mich ist dieses Lied nicht einfach
eine zarte Weise. Ich habe den Text erlebt, Zeile
für Zeile und Strophe für Strophe in jener
schrecklichen Realität.
Und jedes Mal, wenn ich den „Guten Kameraden“ höre, danke ich für den Frieden und
schicke ein Gebet über die fernen Gräber …
Aus: Reinhold Stecher, Spätlese. Mit Aquarellen des Autors,
112 Seiten, 17 Abb., Tyrolia, Innsbruck, ca. 20 Euro
24
aktuell
St. Antoniusblatt – Heft Nr. 12
Diözesanwallfahrt der Franziskanischen Gemeinschaft nach Säben
Bozen. Kürzlich veranstaltete die Franziskanische Gemeinschaft Südtirols (FG) eine
Wallfahrt nach Säben unter dem Leitspruch: „Im Jahr des Glaubens wollen wir
gemeinsam zum Ursprungsort der Glaubensverkündigung in unserer Heimat pilgern.“ Etwa 80 Schwestern und Brüder aus
den FG-Gemeinden Südtirols nahmen daran teil.
Von Joachim Stuefer
In mehreren Gruppen pilgerten die FGMitglieder betend und singend auf dem sogenannten „Keschtnweg“ von Feldthurns nach
Säben, wobei das herrliche Herbstwetter und
die Kulturlandschaft mit den alten Kastanienbäumen die Teilnehmenden besonders an
Gottes schöne Schöpfung erinnerten. Beim
alten Bauernhof „Moar zu Viersch“ konnte
die Gemeinschaft eine Tugend des hl. Franziskus von Assisi genießen, nämlich die Gastfreundschaft der Bauersleute und die Verpflegung durch P. Meinrad Gasser OFM Cap, den
geistlichen Regionalassistenten der FG.
Eucharistiefeier im Zeichen
des hl. Kreuzes
In der Heiligkreuzkirche auf Säben konnte
P. Meinrad viel Wissenswertes über die Frühzeit des christlichen Lebens in unserem Lande
und die Zeit, in der die Bischöfe auf Säben
residierten, erzählen; er erläuterte auch die Ergebnisse verschiedenster Grabungen.
Die Eucharistiefeier stand im Zeichen des
Kreuzes. Den Benediktinerinnen konnte alsdann auch eine schön verzierte Kerze mit dem
Segenswunsch „Der Herr segne und behüte
Foto: AB
Zum Ursprungsort des Glaubens
in unserem Land
An ehrwürdiger Stätte: Der Kapuziner P. Meinrad Gasser
(hinten) erklärte die Bedeutung des Säbener Felsens für
die Diözesangeschichte und feierte mit der Wallfahrergruppe die Eucharistie.
euch“ und mit dem Erkennungszeichen der
Franziskanischen Familie, dem „Tau“, überreicht werden.
Nach einem kurzen Klosterbesuch, der Besichtigung der Liebfrauenkirche mit dem frühchristlichen Taufbecken und einem Marienlied in der Gnadenkapelle wanderte die
Gruppe hinab in das Dürerstädtchen Klausen.
Der Regionalvorstand zeigte sich erfreut
über die zahlreiche Teilnahme und die gemeinsame Begegnung.
Jänner 2010
Dezember
2012
Das gesuchte Wort nennt eine Tiroler Tradition im Advent.
unterhaltung
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26
roman
St. Antoniusblatt – Heft Nr. 12
neuer Roman: Dunkle
Wolken über Altdorf
e
Folg
1
Ein Roman von Viktoria Schwenger,
Rosenheimer Verlagshaus
Der junge Mann, schlank und großgewachsen, in Jeans und Lodenjoppe, strebte mit ausgreifenden Schritten vom Dorf dem Wald hinauf zu. Am Waldrand angelangt, blieb er stehen,
lehnte sich an den Stamm einer kräftigen Eiche
und blickte zurück. Aus der Ferne grüßten die
Gipfel der Berge des oberbayerischen Chiemgaus, leuchteten die schroffen Felswände des
Massivs des „Wilden Kaisers“ in der späten
Nachmittagssonne. Mit offenen Augen nahm
er die Schönheit dieser Landschaft, seiner Heimat, auf.
Er ließ den Blick zum Dorf hinunter schweifen.
Altdorf, das Dorf in dem er geboren wurde
und aufgewachsen ist, lag linkerhand unter
ihm. In der Mitte ragte die Kirche mit dem spitzen Turm empor, darum gruppierten sich die
mit roten Ziegeln gedeckten Häuser des Dorfes
mit ihren weit auskragenden Dächern, so wie es
hier im bayerischen Oberland typisch war.
Sein Elternhaus lag gleich neben der Kirche
und dem Dorfplatz mit der alten Linde. Es war
das letzte noch bewirtschaftete Bauernhaus im
Dorf, alle anderen Bauern hatten die Landwirtschaft entweder aufgegeben oder Aussiedlerhöfe außerhalb der Ortschaft gebaut.
Rechterhand des alten Dorfes, auf einem
sanften Hügel mit Bergblick, war in den letzten
Jahren ein neues Baugebiet ausgewiesen worden, ein ganzes neues Dorf war dort entstanden. „Hypothekenhügel“ nannten es die Alteingesessenen ironisch-spöttisch.
Viele junge Familien hatten sich in den letz-
ten Jahren hier angesiedelt, trotz der schlechten
öffentlichen Verkehrsanbindung des Ortes. Die
Männer scheuten, als Pendler, die Fahrt nach
München zu ihren Arbeitsplätzen offenbar
nicht.
In seiner Kindheit hatte das Dorf gerade einmal fünfhundert Einwohner gehabt; inzwischen
war es, dank des Neubaugebietes, auf über eintausend Bewohner angewachsen, hatte sich
gleichsam verdoppelt. Früher hatte jeder jeden
gekannt, und fast alle Ansässigen des Ortes waren Landwirte gewesen, bis auf den Wirt, der
früher einmal sogar eine eigene kleine Brauerei
betrieben hatte und dessen Gasthaus deshalb
noch heute „Zum Bräu“ genannt wird. Doch
die Bräuin hatte während des Ersten Weltkrieges alle Sudkessel, Rohre und Leitungen abgeliefert, denn zur Verteidigung des Vaterlandes
benötigte man jegliche Art von Metall. Was für
ein Schock für ihren Mann, der, als er nach Beendigung des Krieges von der Front nach Hause
kam, nichts mehr zum Brauen vorfand! So hatte es mit der Altdorfer Brauerei ein Ende gehabt.
Gerade einmal einen kleinen Krämerladen
hatte es in seiner Kindheit gegeben, für die nötigsten Dinge des täglichen Bedarfs, alles andere musste in den umliegenden größeren Ortschaften besorgt werden. Irgendwann hatte die
„Krämerin“ ihren Laden geschlossen, da sich
der Umsatz so verringert hatte, dass sich die Arbeit für die alte Frau nicht mehr lohnte. Nur
noch das, was die Leute in der nächstgelegenen
Dezember 2012
Stadt zu kaufen vergessen hatten, wurde bei ihr
geholt.
Heute gab es immerhin wieder eine Metzgerei, einen Bäcker und sogar einen Frisiersalon!
Und die alte Hufschmiede, die es früher einmal
gegeben hatte, war inzwischen zu einer Kraftfahrzeugwerkstätte umgebaut worden. Niemand ließ heute noch ein Pferd beschlagen, so
wie früher, und zu dem Reiterhof in der Nähe
kam regelmäßig ein mobiler Hufschmied. Ach
ja, und dann gab es noch eine Schreinerei und
eine Filiale der Kreissparkasse, immerhin mit
einem Geldautomaten. Doch das war es dann
auch schon mit der Infrastruktur.
Die kleine Dorfschule, in die er während
der Grundschulzeit, mit dem Ranzen auf dem
Rücken, gegangen war, lag nicht weit vom Dorfplatz entfernt, gleich neben dem Feuerlöschteich, in dem er als Bub im Sommer mit den
Freunden gebadet hatte.
Später war er mit dem Schulbus in die
nächstgrößere Stadt zur Realschule gefahren,
einen Schulbus gab es damals bereits für die
Kinder der weiterführenden Schulen. Jetzt war
die Grundschule in Altdorf geschlossen, wie so
viele der kleinen örtlichen Schulen im Zuge der
Schulreform geschlossen worden waren. Selbst
die Erstklässler fuhren heute mit dem Schulbus
in den nächsten Ort, wohin aus allen kleinen
Dörfern und Einödhöfen der Umgebung die
Busse mit den Kindern in die zentrale Grundund Hauptschule kamen. Das alte Schulgebäude war in den letzten Jahren in dörflicher Gemeinschaftsarbeit und aus Spendengeldern
renoviert und in ein „Dorfzentrum“ umgebaut
worden, in dem jetzt die ortsansässigen Vereine,
allen voran der Männer- und Burschenverein,
der Frauen- und Mütterverein und die anderen
Vereine des Ortes, ihre Veranstaltungen abhielten.
Einmal im Jahr, im Juli, wird im Garten des
„Alten Schulhauses“ ein Zelt errichtet, für das
Dorffest. Eine Musikkapelle spielt auf, und es
roman
27
gibt Speis und Trank, vor allem das Letztere,
denn dem Bier wurde gerne und reichlich zugesprochen.
Und auf dem letzten Dorffest hatte er Nicole kennengelernt.
Michael beschattete die Augen mit der Hand
gegen die tief stehende Sonne und spähte hinauf zum Hügel der Neubürger, doch es war niemand zu sehen, von dort auf dem Weg hierher
zum Waldrand. Langsam ging er in den Wald
hinein, bis zu der kleinen Lichtung mit dem
Hochsitz, der auf einer der Fichten gebaut war.
Behände stieg er hinauf. Der Wald gehörte
ihm, das hieß seiner Familie, und war zudem
sein Jagdrevier. Er liebte die Jagd und die Hege
des Wildes über alles. Es war seine Leidenschaft, allein im Wald umherzustreifen oder auf
dem Ansitz auf das Wild zu warten, es zu beobachten oder auch zu schießen. Dann fühlte er
sich am wohlsten, ganz eins mit sich und der
Welt. Doch heute war er nicht auf der Jagd, er
wartete auf Nicole.
Mehr als ein Jahr war es nun her, dass er
Nicole zum ersten Mal, eben auf diesem besagten Dorffest, gesehen hatte. Sie hatte mit einigen anderen jungen Mädchen, die er nicht
kannte, vermutlich welche vom Hügel oben, am
Nebentisch gesessen. Sie war ihm durch ihr
fröhliches Lachen unter den anderen jungen
Frauen gleich aufgefallen. Ein paar Mal hatte er
verstohlen zu ihr hingeschaut, aber er war nicht
der Typ, der so einfach und locker Mädchen ansprach. Wenn nicht sein bester Freund Roman
dabei gewesen wäre, vielleicht hätten sie sich
nie kennengelernt.
Roman hatte gleich mit dem Nebentisch
„angebandelt“, wie man so sagt, und es dauerte
nicht lange, da saßen die vier jungen Frauen
mit ihm und Roman an einem Tisch. Sie waren
tatsächlich von oben, vom Hügel, spätestens an
ihrer Aussprache hätte man es erkannt, kein
bisschen Dialekt war da zu hören.
Fortsetzung folgt
St. Antoniusblatt – Heft Nr. 12
28
Hallo!
In einer Zeitung habe ich
gelesen, dass das Fest
Weihnachten inzwischen
auf der ganzen Welt
gefeiert wird. Auch
Menschen, die überhaupt
nicht an Jesus und an
Gott glauben, begehen
dieses Fest; sie feiern
gemeinsam in der
Familie und bereiten sich
Freude mit Geschenken.
Im Grunde ist es doch
schön, wenn unser
christliches Fest auch
anderen gefällt und sie
das nachahmen! Aber wir
selbst sollten darauf
achten, dass beim Fest
der Geburt Jesu wirklich
das Geburtstagskind im
Mittelpunkt steht. Jesus
ist es, der uns reich
beschenken und Freude
bereiten will. Auch wenn
Weihnachten wieder
vorbei, die Christbäume
längst verräumt und alle
Geschenke ausgepackt
sind, wärmt Jesus unser
Herz, und er lässt ein
Licht in unserem Leben
aufstrahlen.
Dein Toni Ratefuchs
woher kommt
das Christkind?
Das Christkind ist eine Symbolfigur, die Menschen erfunden haben, um das Weihnachtsfest besser
zu feiern und zu verstehen. Im Mittelalter und bis um die Zeit um
1500 erhielten Kinder am Fest des
hl. Nikolaus (6. Dezember) oder
am Tag der unschuldigen Kinder
(28. Dezember) kleine Geschenke.
Eine Bescherung am Geburtstag
Jesu gab es damals noch nicht.
Als „Erfinder“ des Christkinds
gilt Martin Luther (1483-1546), der die Kirche seiner Zeit erneuern wollte. Weil Martin Luther allein Jesus Christus in
den Mittelpunkt stellte und von den Heiligen wenig hielt,
wollte er die Bescherung am Fest des hl. Nikolaus abschaffen;
er ersetzte diesen Heiligen daher durch das Christkind, das
am 25. Dezember, dem Geburtsfest Jesu, den Kindern Geschenke brachte.
Dieser Brauch wurde in der protestantischen Kirche
schnell sehr beliebt.
Aber erst spät setzte
er sich auch in den
katholischen Gegenden durch. Bis etwa
um 1900 war bei Katholiken das Schenken am Nikolaustag
üblich. Danach feierten auch Katholiken
das Weihnachtsfest
mit dem „evangelischen“ Christkind, mit dem Adventskranz
und mit dem Weihnachtsbaum.
Viele Menschen meinen übrigens, dass mit dem Christkind
der kleine, neugeborene Jesus gemeint ist. Wahrscheinlich geht
diese Bezeichnung aber auf die Krippenspiele zurück: Dabei
zogen die „Christkinder“ zur Krippe, um dem Jesuskind mit
ihren Geschenken eine Freude zu bereiten.
Und so erinnert dieser schöne Brauch daran, dass wir zu
Weihnachten immer zu Jesus hingehen sollen.
Dezember 2012
Glauben
29
Franziskanische Gestalten: Zum Gedenktag am 1. Dezember
Die Selige Maria Rosa von Jesus
Rimini. Bruna Pellesi, so ihr Taufname,
wurde am 11. November 1917 in Morano
(Diözese Reggio Emilia) geboren. Sie war
das letzte von neun Kindern einer gläubigen
Familie. Zahlreichen Verehrern erteilte das
hübsche Mädchen eine Absage, weil sie sich
zum Ordensleben berufen fühlte.
Von Bruder Martin Steger
Mit 22 Jahren trat Bruna im Jahre 1940 den
von der Dienerin Gottes Maria Theresia Zavagli
gegründeten „Tertiarfranziskanerinnen von S. Onofrio“
(heute: Franziskanische Missionarinnen Christi) bei. 1942
legte sie in Rimini ihre Profess
ab und wurde in Sassuolo
(Modena) und danach in Ferrara Grundschullehrerin.
Im September 1945 begann der grausame Kreuzweg
von Schwester Maria Rosa von
Jesus – so ihr Ordensname.
Sie erkrankte an einer besonders schweren Form von Lungentuberkulose, von der sie
sich nie mehr erholen sollte.
In mehreren Sanatorien, zuletzt ab 1948 in Bologna, lebte
sie als Pflegefall und konnte
ihr Zimmer allein nicht mehr verlassen. Sträubte sie sich anfangs gegen ihre Krankheit, so lernte sie im Laufe der Jahre, ihr Leiden als „einzigartiges Geschenk“ anzunehmen und zu ihrem
missionarischen Auftrag werden zu lassen.
Ihre Lunge hatte kaum die Kraft zum Atmen, ihr Herz war sehr schwach. Aufgrund einer äußerst schmerzhaften Rippenfellentzündung musste der duldsamen Frau mehrmals am
Tag ein Apparat angelegt werden, um die zwischen Lunge und Rippenfell angesammelte
Flüssigkeit, die sie als „unerschöpfliche Quelle“
bezeichnete, abzusaugen.
27 Jahre lang
mit einem grausamen Leiden
Als 1955 beim Legen des Apparates die Nadel abbrach und 17 Jahre im Körper verblieb,
verschlimmerte sich ihr ohnehin grausames Leiden. Ärzte und Pfleger bestätigten und staunten, dass nie
ein Wort der Klage und des
Jammerns über ihre Lippen
kam – im Gegenteil: Stets lächelte sie und strahlte tiefe
Freude aus.
Nach 27 Jahren des Leidens, das sie für ein enormes
Briefapostolat nutzte und
durch das sie „die ganze Welt
umarmen“ wollte, starb sie am
1. Dezember 1972 in Sassuolo. Sterbend rief sie noch aus:
„Ich sende der ganzen Menschheit einen Kuss.“
Im alttestamentlichen Ijob
begegnet der Leser der Heiligen Schrift dem Schmerzensmann, der trotz Leides und unerträglicher
Schmerzen den Blick nach oben richtet und in
Gott Kraft und Linderung der Schmerzen erfährt. Gleich ihm sang die Franziskanerin Maria
Rosa Pellesi inmitten ihres grausamen Leidensschicksals ein fröhliches Loblied. Deswegen wurde sie von der Kirche in der Kathedrale von Rimini am 29. April 2007 in das Buch der
Verherrlichten eingeschrieben.
30
Leserbriefe
Auflösung des Kreuzworträtsels von S. 25
St. Antoniusblatt – Heft Nr. 12
Zum Lachen
Fritz wird in der Schule gefragt: „Wo wohnt
Gott?“ Da kommt die Antwort: „Im Badezimmer.“ – „Wieso im Badezimmer?“ Jeden Morgen
steht mein Vater davor, klopft an die Türe und
sagt: „Herrgott, bist du immer noch drinnen?“
Lösungswort: NIKOLAUSSPIEL
Danksagungen:
St. Walburg/Ulten: von Ungenannt Spende als Dank und Bitte ums Gebet dem hl. Antonius 32 €; St. Walburg/Ulten: im Gedenken
an Anna Niederfriniger geb. Mairhofer spendet
eine Freundin für das St. Antoniusblatt 30 €;
Gargazon: von Ungenannt Spende als Dank
dem hl. Antonius 30 €
***
Der Bischof bekommt einen neuen Sekretär. Dieser muss ihn jeden Morgen mit den
Worten wecken: „Guten Morgen, Eminenz, es
ist halb sieben Uhr, die Sonne scheint, und
ich bring’ die Zeitung.“ Und kaum ist der Bischof aufgewacht, antwortet dieser: „Jawohl,
mein Sohn, der liebe Gott und ich, wir wissen
das schon!“ So geht es eine ganze Zeit. Bis es
dem Sekretär zu bunt wird. Er geht ins Zimmer des Bischofs und sagt: „Guten Morgen,
Eminenz, es ist halb sieben Uhr, die Sonne
scheint, und ich bring’ die Zeitung.“ Der Bischof erwacht und sagt: „Jawohl, mein Sohn,
der liebe Gott und ich, wir wissen das schon.“
Darauf der Sekretär: „Ha, gar nix wisst ihr, es
ist halb zehn, es regnet wie aus Eimern, und
am Sonntag gibt’s gar keine Zeitung!“
***
Der Pfarrer traut gerade ein Paar in der
Kirche und sagt: „Und hiermit erkläre ich
euch zu Mann und Frau.“ Da fragt der Bräutigam: „Und was waren wir vorher?“
Dezember 2012
gebetsmeinung von Papst benedikt xvi.
• Wir beten, dass Zuwanderer in aller Welt vor allem in christlichen
Gemeinden großherzig und mit authentischer Liebe aufgenommen
werden.
• Wir beten, dass Christus sich der ganzen Menschheit in jenem Licht offenbart, das von Betlehem
ausstrahlt und sich auf dem Antlitz seiner Kirche widerspiegelt.
Totengedenken
Dezember 2012
31
Herr, schenk ihnen Deinen ewigen Frieden!
Aufhofen: Kathi Wierer (99)
Flaas: Cäcilia Oberkofler Wwe. Schrott
(78), hinterl. fünf Kinder mit Familien
Haslach/Bozen: Anna Wwe. Herbst geb.
Gall (92), hinterl. die Kinder mit Familien,
die Geschwister mit Familien, den Schwiegersohn und die Schwiegertochter mit Familien,
die Ur- und Ururenkel, Nichten und Neffen
und alle Verwandten
Kolfuschg: Franz Mersa (85); Giovanni
Declara (81); Celestina Oberbacher (93); Clara Paola Alton (89)
Marling: Frieda Lamprecht (76), hinterl.
den Ehemann und drei Kinder mit Familien
Niederdorf: Franz Taschler (84), hinterl.
drei Töchter mit Familien; Hartwiga Fuchs
(65), hinterl. den Sohn mit Freundin
Niederrasen: Ludwig Schneider (87), hinterl. die Gattin, die Kinder mit Familien und
die Geschwister
Nördersberg/Schlanders: Walburga Stieger (82), hinterl. zehn Kinder mit Familien
und elf Geschwister mit Familien
mit Familien und zwei Geschwister, darunter
unseren Mitarbeiter P. Robert Prenner
Rodeneck: Genoveva geb. Faller Wwe.
Amort (76), hinterl. eine Tochter mit Familie
St. Jakob/Leifers: Alfred Petermeir (84),
hinterl. drei Kinder mit Familien
St. Walburg/Ulten: Nikolaus Schwienbacher (88), hinterl. sechs Kinder mit Familien
Taisten: Maria Thomaser (56), hinterl.
den Gatten, zwei Kinder, den Schwiegervater
und die Angehörigen; Berta Plankensteiner
(80), hinterl. drei Kinder mit Familien und
die Angehörigen; Josef Stoll (78), hinterl. die
Schwester, sechs Geschwister und die Angehörigen
Terenten: Maria Anna Lercher Wwe. Rainer (87)
Völs am Schlern: Anton Neulichedl (84),
hinterl. die Gattin und die Kinder mit Familien; Franz Villgrattner (44), hinterl. die Eltern und Geschwister mit Familien
Prettau: Christina Enzi (95), hinterl. drei
Kinder mit Familien; Fidelis Mair (83), hinterl. die Frau und vier Kinder mit Familien;
Aloisia Steger (89), hinterl. drei Kinder mit
Familien; Theresia Zimmerhofer (76), hinterl.
sechs Kinder mit Familien; Maria Steinhauser (91), hinterl. zwei Kinder mit Familien
Es sind die Lebenden,
die den Toten
die Augen schließen.
Es sind die Toten,
die den Lebenden
die Augen öffnen.
Reschen: Hermine Seebacher geb. Prenner (80), hinterl. den Gatten, sechs Kinder
Slawisches Sprichwort
sinn.bild
Symbole des Glaubens in unseren Kirchen
Vor allem die Künstler der Gotik stellen die Menschwerdung
Gottes gerne im Bild der „Wurzel
Jesse“ dar. Dieses starke Symbol ist
im alttestamentlichen Buch des
Propheten Jesaja im Alten Testament zu finden: Jesaja sieht in einer Vision einen frischen Trieb,
der aus dem „Baumstumpf Isais“
austreibt; mit Isai ist „Jesse“, der
Vater von König David, gemeint.
Das kleine „Reis“ wächst in der
christlichen Kunst zum mächtigen
Baum, in dessen Ästen die biblischen Könige und Propheten untergebracht sind. Gekrönt wird der
Baum von Jesus Christus, manchmal auch von Maria mit dem
Christuskind.
Das Symbol der „Wurzel Jesse“
lädt auch ein, über die eigene
„Menschwerdung“ zu meditieren.
Wer „hineinwächst“ in die Erlösung durch Jesus Christus und bei
Ihm mit seinem Leben Wurzeln
fasst, kann Kraft und Höhe erreichen. Im Bild: Weihnachtsdarstellung mit der „Wurzel Jesse“ (links)
auf dem Flügelaltar von Meister
Hans Klocker in der Franziskanerkirche Bozen, fertiggestellt um
1500.
NACH VORN GESCHAUT:
„Um des lieben Friedens willen“? Streiten lernen