Erfahrungsbericht über meinen Aufenthalt in

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Erfahrungsbericht über meinen Aufenthalt in
Erfahrungsbericht über meinen Aufenthalt in Guangzhou und das Studium an
der dortigen Sun Yat-sen University während des Sommersemesters
2012
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Inhaltsverzeichnis
1. Notwendige Vorbereitungen für ein Auslandsemester in China ......................................4
1.1. Stipendium & Auslands-BAföG ................................................................................................ 4
1.2. Anrechnung erbrachter Prüfungsleistungen ............................................................................. 4
1.3. Auslandskrankenversicherung .................................................................................................... 4
1.4. Eine auch im Ausland kostenlose Kreditkarte beantragen.................................................... 4
1.5. Impfungen auffrischen & Medikamente in Deutschland kaufen ......................................... 5
1.6. Die Sache mit dem Visum .......................................................................................................... 5
2. Flug, Anreise, Verkehr in China .........................................................................................7
2.1. Flug & Anreise ............................................................................................................................... 7
2.2. Verkehr in China .......................................................................................................................... 7
3. Universität...........................................................................................................................10
3.1. Unterkunft ................................................................................................................................... 10
3.2. Studienbedingungen ................................................................................................................... 12
4. Studienfach, -kurse & -sprache .........................................................................................13
4.1. Marketing .................................................................................................................................... 13
4.2. International Finance und International Financial Management ....................................... 13
4.3. Strategic Management ................................................................................................................ 13
4.4. Strategic Information Management ......................................................................................... 14
4.5. Managerial Accounting .............................................................................................................. 15
5. Essen, Einkaufen, Guangzhous schöne Seiten, Nachtleben & Networking ....................15
5.1. Das Essen .................................................................................................................................... 15
5.2. Einkaufen ..................................................................................................................................... 15
5.3. Guangzhous schöne Seiten & Umgebung .............................................................................. 16
5.4. Nachtleben & Networking ......................................................................................................... 18
6. Links ...................................................................................................................................19
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„In China ist alles möglich, aber man kann sich auf nichts verlassen.“ So beschreibt treffend
eine Dipl.-Psychologin, aufgewachsen in Südchina, studiert in Deutschland und als
interkulturelle Personaltrainerin für internationale Unternehmen in Asien tätig das, was uns
Westlern durch den Kopf geht, wenn man einige Zeit im Reich der Mitte verbracht hat.
Der folgende Erfahrungsbericht soll einen Einblick über meine Erlebnisse und Erfahrungen
sein, die ich während meiner Vorbereitungen, dem Studium und anschließender Arbeit in
China, sowie dem alltäglichen Leben dort gemacht habe. Abschließend kann dieser Einblick
nicht sein, denn jeder bringt seine ganz persönlichen Erwartungen an solch einen Aufenthalt in
einem anderen Kulturkreis und vor allem sein eigenes Maß an Toleranz und Weltoffenheit mit
sich.
Mein Name ist Peter. Ich bin 1982 geboren, war bereits mehrere Jahre im Groß- und
Außenhandel berufstätig und hatte mich im Herbst 2011 im Rahmen meines BWL-Studiums
an der Georg-Simon-Ohm Fachhochschule in Nürnberg, für ein Auslandssemester an der Sun
Yat-sen Business School in Guangzhou (im Folgenden: SYSU) beworben. Dort habe ich das
Sommersemester 2012 über studiert, und im Anschluss als Freelancer bei einem großen
französischen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsunternehmen in Guangzhou für
weitere sechs Monate gearbeitet. Das Arbeiten in China hatte ich ursprünglich nicht geplant –
nach meinem Studium an der SYSU wollte ich aber so schnell nicht wieder das schöne Land
und seine Leute verlassen und dort unbedingt auch Arbeitserfahrung sammeln.
Aber warum eigentlich China und nicht lieber ein Land dieser Welt, das für ein
Auslandssemester unter Studenten wohl häufig populärer ist – wie Spanien, die USA,
Schweden oder down under? Warum in ein Land, das in der Weltöffentlichkeit nicht selten
wegen nicht vorhandener Bürgerrechte, nicht vorhandenem Umweltbewusstsein, sowie vor
allem wegen der Verletzung von Menschrechten sooft in der Kritik steht? Nun, zum einen
wollte ich für mich persönlich herausfinden, ob ich der Herausforderung gewachsen bin und
diesen großen Schritt eines langen Auslandsaufenthaltes in einer derart fremden Kultur schaffe.
Zum anderen reizten mich die Antworten auf die Fragen: Wie ticken eigentlich Chinesen? Wie
konnte dieses Land den Sprung vom mittelalterlichen Agrarstaat zur einer Welt- und
Wirtschaftsmacht innerhalb von nur wenigen Jahrzehnten schaffen?
Aber auch wenn man dieses Interesse anderen Deutschen vor seiner Abreise bekundet, so
ertönt häufig trotzdem unisono: Willst Du Dir das wirklich antun? Autoritäres Regime,
Sozialismus, kein Facebook, komisches Essen, viel Dreck, schlechte Luft? Ich würde diese
Grundsatzfrage gerne hinten anstellen und zum Ende dieses Aufsatzes beantworten. Sicher ist
jedenfalls, dass ich diese Entscheidung wieder für China treffen würde und hoffe eines Tages
dort auch wieder arbeiten zu können. Eine Liste wichtiger und praktischer Links für jeden
Interessierten oder Neuankömmling gebe ich am Ende des Berichtes gerne weiter.
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1. Notwendige Vorbereitungen für ein Auslandsemester in China
Die schriftliche Zusage der SYSU auf meine Bewerbung kam auch für mich ziemlich spät.
Innerhalb von wenigen Wochen wurde die Wohnung gekündigt, der gesamte Hausrat
eingelagert, und sämtliche Wege im Rahmen eines längeren Auslandssemesters gestemmt.
Dazu zählten:
1.1 Stipendium & Auslands-BAföG
Da nur selten eine Doppelförderung möglich ist, muss man sich so früh wie möglich um ein
Stipendium bewerben. Der Bewerbungsschluss für ein solides DAAD-Stipendium lag in
meinem Fall bspw. gut 9 Monate vor der eigentlichen Abreise. Die Frist war also bereits längst
verstrichen, als ich meine Zusage in den Händen hielt und Dozenten um
Empfehlungsschreiben gebeten hatte. Auslands-BAföG kam zwar für mich aufgrund eines
Zweitstudiums nicht mehr in Betracht, aber auch hier gelten nicht zu kurze Fristen und lange
Bearbeitungszeiten. Daher sollte man in jedem Fall auch ohne Zusage lieber eine lückenhafte
Bewerbung bzw. Antrag zur Fristwahrung auf den Weg bringen, als am Schluss komplett ohne
Förderung dazustehen.
1.2 Anrechnung erbrachter Prüfungsleitungen
Außerhalb Europas gibt es bekanntlich kein European Credit Transfer System. Eine
Studienvereinbarung mit der eigenen dt. Universität ist daher ratsam, um nach dem
Auslandsaufenthalt die eigenen Prüfungsleistungen auch problemlos angerechnet zu
bekommen. Man kann maßgeblich zu einer Beschleunigung des Verfahrens beitragen, indem
man eine Fächergegenüberstellung mit Inhalt, Art der Notenerhebung und Prüfungen sowie
der Semesterwochenstunden und Gesamtdauer der gewünschten Kurse, mit den Kursen der
eigenen Hochschule aufstellt. Zur Sicherheit auch mit ein bis zwei Kursen, die man eigentlich
nicht belegen wollte, die einem aber als Ersatz dienen, falls ein gewünschter Kurs auf
chinesischer Seite doch wieder gestrichen wird, aus welchen Gründen auch immer.
Kursbeschreibungen (Syllabus) der SYSU findet man auf der englischsprachigen Website der
SYSU.
1.3 Auslandskrankenversicherung
Anbieter für eine Dauer von bis zu 365 Tagen gibt es mehrere. Günstig mit trotzdem guter
Leistungsbeschreibung und Deckungssummen im Notfall war in meinem Fall die Central
Krankenversicherung. Man hat freie Arztwahl. Empfehlenswerte Krankenhäuser siehe Ende.
1.4 Eine auch im Ausland kostenlose Kreditkarte beantragen
Permanentes Geldabheben von sicheren, kleinen Beträgen kann ganz schön Gebühren kosten,
wenn man auf die Hausbank zurückgreift. Ich habe deswegen etwa drei Monate vor Abreise ein
Girokonto mit Kreditkarte bei der DKB beantragt. Auslandsabhebungen sind mit der VisaKarte gebührenfrei, mit der dazugehörigen EC-Karte nicht. Sollte man vor seinem
Auslandsaufenthalt noch ein bis zwei Gehaltseingänge aus Werkstudententätigkeit oder
Semesterferienarbeit darauf verbuchen können, so kann man online sowohl eine Erhöhung des
Kredit- als auch Dispositionsrahmens beantragen. Ansonsten bleibt es bei 500,- EUR Kredit-,
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bzw. 100,- EUR Disporahmen. Ist natürlich mit Vorsicht zu genießen, da die Bank diesen
jederzeit wieder kürzen kann, wenn ein Geldeingang ausbleibt. Ich habe viele dt. Expats und
Weltenbummler getroffen, die ebenfalls die DKB nutzen. Alternativ bietet auch die
ComDirect-Bank eine solche auslandsgebührenfreie Kreditkarte an. Egal wie man sich
entscheidet, ein Blick in die Gebührentabelle für Auslandsabhebungen der eigenen Bank ist
ratsam.
1.5 Impfungen auffrischen & Medikamente in Deutschland kaufen
Ich habe mich aufgrund bereits bestehenden Hepatitis- und Grundimpfschutzes nicht impfen
lassen müssen. Eine rechtzeitige Auffrischung bzw. Erstimpfung ist aber besonders für das
tropische Südchina absolut zu empfehlen und das nicht zu knapp.
Neben den obligatorischen Brech-, Durchfall- und Fiebermedikamenten sollte man auch auf
jeden Fall etwas zur schnelleren Genesung oder Linderung einer Erkältung mitnehmen. Das
Risiko eine zu bekommen ist recht hoch. Zum einen sind Klimaanlagen während des Sommers
prinzipiell im Dauerbetrieb und man fühlt sich oft wie im Kühlschrank trotz 36° C
Außentemperatur. Zum anderen sind insbesondere die Monate Dezember bis März doch recht
frisch und oft sehr windig. Hinzu kommt, dass es in Südchina generell keine Heizungen gibt
und Wohnungen nicht isoliert sind. Bei 13° C Außen- wie Innentemperatur ist das schon recht
ungemütlich. Wer das Glück hat, eine Klimaanlage mit Heizfunktion zu besitzen oder sonst wie
seine Wohnung elektrisch beheizen kann, dem kann das egal sein. Das hat aber bei weitem
nicht jede Wohnung. Ansonsten macht man es wie die Chinesen: Dick einpacken, Jacke
anziehen auch in der Wohnung und mit Wärmflasche in’s Bett legen.
1.6 Die Sache mit dem Visum
Das zusammen mit der Studienzusage versendete Formular mit dem schönen roten Stern als
Stempel seitens der chinesischen Hochschule nützt für eine Beantragung eines
Studentenvisums in Deutschland überhaupt nichts. Man erhält sowieso nur ein normales
Touristenvisum. Die Visumpolitik der Volksrepublik ist im Ausland, zumindest in Deutschland,
sehr restriktiv. Man kann alles Mögliche in den chinesischen Konsulaten bzw. Botschaften in
München, Frankfurt oder Berlin beantragen, bewilligt bekommt man letztlich doch nur ein
Touristenvisum mit maximal zwei Einreisen und auf höhcstens 30 bis 40 Tage Aufenthalt
begrenzt. Etwas knapp für ein Studium. Der weitere Behördengang dann weiter unten.
Wer länger als sechs Monate in China bleiben möchte, um entweder wie ich im Anschluss
noch dort zu arbeiten oder auch zu verreisen, kann entweder nach fünf Monaten sein
Studentenvisum durch die Beantragung eines Touristenvisum bzw. Businessvisums in Hong
Kong ersetzen oder eine Residence Permit beim Alien Entrance & Exit Bureau in Guangzhou
beantragen. Die Residence Permit ist einem Visum mit mehrmaliger Einreiseerlaubnis
gleichzusetzen. Der Invitation Letter der Chinesischen Universität berechtigt hierzu. Die
mehrmalige Einreise ist deswegen praktisch, da man sich sonst weder Macau noch Hong Kong
ansehen kann. Beide Metropolen sind nicht weit von Guangzhou entfernt, jedoch staatlich
‚noch‘ eigenständige Sonderverwaltungszonen. Für die Wiedereinreise nach Mainland China
benötigt man daher eine Einreiserlaubnis. Günstige Flüge gibt es natürlich auch nach Laos, auf
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die Philippinen, nach Thailand, Taiwan und Japan. Eine Residence Permit bzw. ein multipleentry-Visum ist daher sehr praktisch. Der bürokratische Weg war bei mir der folgende:
a) Antrag für ein Studentenvisum mit mehrmaliger Einreise, samt aller lt. Konsulats-Website
erforderlichen Formulare und Bescheinigungen, sowie beim Hausarzt aufwendig
durchgeführten Medical-Check, in München eingereicht – ein Touristen-Visum mit
einmaliger Einreise und 40 Tage Gültigkeit erhalten. Man sollte von dem Visum sowie
seinem Pass mind. zehn Fotokopien machen. Die braucht man im Rahmen seiner Reise
durch die Instanzen immer wieder und sowieso für so ziemlich jede Art von Vertrag, den
man in China eingehen möchte.
b) Nach der Einreise in China, spezielle Visa-Fotos mit offizieller Fotografen-Bescheinigung
machen lassen (macht fast jeder Fotoladen). Die Fotografenbestätigung gut aufheben.
c) Im Rahmen der Einschreibung bei der SYSU wird auch eine Online-Anmeldung für ein
Visum durchgeführt. Bei der Einschreibung ist immer sehr viel los und es empfiehlt sich
gleich bei der Öffnung am frühen Morgen aufzutauchen um nicht stundenlang in der
Schlange stehen zu müssen. Alle Formulare und Bescheinigungen der Einschreibung
benötigt man für den späteren Weg. Es wird also immer mehr. Den Beamten oder
Polizisten kann man letztlich nur noch den Stapel vorlegen und die Damen und Herren
suchen sich dann mehr oder weniger eifrig alles raus, was sie benötigen.
d) Dann den berüchtigten chinesischen Medical Health-Check für teure RMB 600,- machen
lassen müssen (mit Blut-, Urin-, Hör-, Seh-, EKG-, HIV-Test und einigen Prozeduren
deren Sinn sich mir nicht erschließen wollte – krönender Abschluss ist das Röntgen des
gesunden Oberkörpers). Man kann sich zwar das Formular auch bereits in Deutschland
schon online herunterladen und vom dt. Hausarzt abstempeln und unterschreiben lassen so
wie ich; aber solange der Stempel nicht rot ist, etwas am Passbild nicht passt oder wie in
meinem Fall, das Passbild ohne blauen Hintergrund und nicht überschneidend mit dem
Formular von meiner Hausarztpraxis rot abgestempelt worden ist, erhält man in China von
der zuständigen Sachbearbeiterin im Krankenhaus nur einen ausdrucklosen Wink zur
Kasse. Der dt. Check-up, so scheint es, wird oft nicht anerkannt. Allerdings kann man das
auch positiv sehen: Man kann gleich mal einen Einblick in das chinesische
Gesundheitssystem erhalten, ohne dass man verletzungsbedingt darauf angewiesen wäre.
e) Ausführliches Health-Certificate nach etwa einer Woche bei dem entsprechenden
Krankenhaus abgeholt.
f) Am Ende endlich alle Formulare, Zulassungsbestätigungen, Fotos samt Brief und Stempel,
und natürlich den Pass selbst beim Alien-Entry-and-Exit-Bureau zur Beantragung der
Residence Permit eingereicht. Nach Zahlung weiterer Gebühren von etwa RMB 500,- und
wiederum eine Woche Warten, hält man dann endlich das Ergebnis dieser ganzen
wochenlangen Tour in den Händen: seinen Pass mit diesem kleinen unscheinbaren
Aufkleber.
g) Danach noch bei der örtlich zuständigen Polizeidienststelle erschienen, in deren District
mein Apartment lag und sich nach Ausfüllen eines Melde-Formulars ordentlich gemeldet.
Für mich war das bis dato der längste und umständlichste Behördenlauf meines Lebens und
glich schon einer Unternehmensgründung. Wer hier an die beiden Gallier und Ihrer Suche
nach dem Passierschein A38 denkt, sieht es wenigstens mit Humor. Nur kann man einem
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chinesischen Staatsbeamten wohl eher selten einen Streich spielen. Spaß hatte ich trotzdem
dabei: man kann wunderbar beobachten, wie gesellig sich die Chinesen das Warten in Sälen
vertreiben und wie stoisch die Beamten ihre immer gleichen Aufgaben erledigen. Wichtig ist
noch zu wissen, egal ob beim Schalterbeamten der Staatsbahn oder sonst wo in China: man
erhält keine Ratschläge auf nicht gestellte Fragen. Fragt man z.B. wohin man ein best. Formular
nun bringen muss, bekommt man eine knappe aber korrekte Antwort. Dass unter Umständen
ganz offensichtlich noch etwas fehlt, wird einem nicht gesagt. Übel nehmen darf man das
keinem Chinesen. Hintergrund ist, dass nach wie vor eine große Unsicherheit vor falschen
Auskünften besteht, für die Beamte wie Angestellte glauben persönlich haftbar gemacht zu
werden. Man möchte immer alles korrekt machen, auf gar keinen Fall eine falsche Auskunft
geben. Bevor einem ein Chinese Eventualitäten aufzeigt, sagt er lieber gar nichts – der
Antragssteller oder Kunde kommt da ganz zum Schluss.
2. Flug, Anreise, Verkehr in China
2.1 Flug & Anreise
Den Flug hatte ich bei Qatar gebucht mit Rücksicht auf die Gesamtreisedauer, Anzahl der
Umstiege, Zwischenaufenthalte und als Student natürlich auf den Preis, für etwa EUR 630,(München-Guangzhou-München). Einen Gabelflug über das nahe Hong Kong nach
Guangzhou lohnt sich preislich meist nicht. Aber Hong Kong kann man von Guangzhou aus
noch oft genug besuchen, nachdem man endlich sein X-Visum bzw. in meinem Fall die
Residence Permit erhalten hat.
Je nachdem zu welcher Uhrzeit man in Guangzhou landet, kann man entweder direkt gleichmal
die Metro in die Innenstadt nehmen, die bis etwa 22:15 Uhr vom Baiyun Airport Guangzhou
abfährt oder eben das Taxi. Letzteres kostet mit Taxameter etwa RMB 120,- bis RMB 150,- in
die Innenstadt (inkl. Maut). Übrigens: RMB, Yuán und Kuài meinen dasselbe. Die gewünschte
Ziel-Adresse sollte man ausgedruckt in chinesischen Schriftzeichen im Handgepäck dabei
haben, mit einem nicht zu kleinen Schriftgrad, da viele Chinesen und leider viele Taxifahrer
keine Sehhilfen trotz Kurzsichtigkeit benutzen wollen oder können. Alternativ klappt es auch
immer ganz gut mit der nächstgelegenen Metro-Station als Wegmarke. Vorsicht geboten ist vor
zwielichtigen Privatfahrern die immer schon in der Flughafenhalle blauäugige Touristen mit
angeblichen Taxifahrten ködern, dann aber horrende Preise fordern oder wie einem
niederländischen Kommilitonen geschehen, einen ganz woanders hinfahren und man dann
plötzlich weder sich selbst noch sein Gepäck in Sicherheit wähnen kann. Daher: Es gibt am
Flughafen ausgewiesene Taxistände – kurz anstellen, Taxi nehmen, auf Taxameter bestehen
und sicher ankommen.
2.2 Verkehr in China
Guangzhou ist eine World-Beta-City mit gut 13 Millionen Einwohnern und drittgrößte MegaMetropole Chinas. Das merkt man am Verkehr. Grundsätzlich ist der Verkehr in China nicht
ganz ungefährlich. Es gilt nicht wie bei uns das Prinzip das auf schwächere Verkehrsteilnehmer
besonders geachtet wird, auch wenn im Schadensfall der Schädiger sämtliche Kosten zu tragen
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hätte. Zwei Dinge sollte man daher verinnerlichen, bevor man in das Verkehrsgetummel
eintaucht:


Es gilt leider das Recht des Stärkeren. Das bedeutet, dass Kraft- und Fahrradfahrer
nicht freiwillig für Fußgänger bremsen. Ein ehrenhaftes Bremsen, wie u.U. in
Deutschland üblich, wird man in China kaum erleben.
Nimmt man Augenkontakt mit anderen Verkehrsteilnehmern auf, fassen diese das so
auf: Du hast mich gesehen, also kannst du nicht erwarten, dass ich für dich bremse oder
gar Platz mache.
China hat leider nach wie vor statistisch gesehen die meisten Verkehrstote weltweit, trotzdem es
noch relativ wenig PKWs pro Haushalt gibt – und meiner persönlichen Ansicht nach wird das
trauriger Weise noch lange so bleiben. Das Verkehrsbewusstsein ist ein völlig anderes und ist ja
immer auch ein Spiegelbild der Gesellschaft – in China wird fast ausschließlich nur auf das
eigene Wohl und das der Familie geachtet – Umsichtigkeit aber, die Konsequenz des eigenen
Handelns langfristig abzuschätzen, sich kurz einmal für Fremde aufzuopfern ist etwas, das man
von einem Chinesen nicht von heute auf morgen erwarten kann. Trotzdem: Das bedeutet nicht,
dass man sofort über den Haufen gefahren wird; einem nicht geholfen wird, wenn man danach
fragt; oder das der Verkehr deswegen ein absoluter Alptraum ist. Nein, es läuft trotzdem alles
und jeder kommt an. Die Frage ist eben nur wie. In den ersten Wochen kam der ein oder
andere Student schon öfters mal etwas entnervt zu spät in die Vorlesung – mich eingeschlossen.
Und wenn einmal beim gemeinsamen Essen das Thema kuriose oder gefährliche
Verkehrssituationen angesprochen wird, so kann man sich sicher sein, dass jeder etwas zu
berichten hat.
In den Großstädten ist das Verkehrsaufkommen extrem hoch. Wie man schon bald feststellt,
wird das Befolgen der Regeln im Straßenverkehr nicht durch regelmäßige Kontrolle der
Polizeibehörden sichergestellt, was dazu führt, dass die meisten Verkehrsteilnehmer ihre
eigenen Regeln festlegen. Gefahren wird also häufig nach dem Fischschwarmprinzip.
Geisterfahrer begegnen einem häufig auf dem Fahrrad. Zebrastreifen haben lediglich die
Bedeutung dass man hier die Straße auf eigene Gefahr überqueren könnte – bremsen oder gar
anhalten wird ein chinesischer Autofahrer auch erst, wenn es vielleicht schon zu spät ist. Das gilt
auch bei Ausfahrten oder Abbiegungen. An Rotlicht halten sich nicht viele Rad- und ERadfahrer, was gefährlich ist, wenn man selbst als Fußgänger grünes Licht zum Gehen hat. Viele
Autos fahren auch noch ungestört bei Rot über die Ampel. Etwa 10 Prozent aller Autos fahren
nachts komplett ohne Licht, Fahrradfahrer sowieso – die Straße ist ja beleuchtet. Andere wieder,
empfinden den dauerhaften Einsatz von Fernlicht als angenehmer für das eigene Auge.
Krankenwagen und Polizeifahrzeuge fahren fast immer mit Signallicht, auch wenn Sie nicht im
Einsatz sind – man muss ja auf seine Wichtigkeit hinweisen, oder hat das mit dem Signallicht
nicht ganz verstanden. Eine Fahrspur wird aber auch für Rettungsfahrzeuge mit Sirene nicht
gebildet. Nicht selten sieht man daher das erschreckende Bild, dass ein Rettungswagen im
Einsatz mit Martinshorn bei roter Ampel im Stau steht und minutenlang nicht weiter kommt.
In der U-Bahn zur Rush-Hour - und die ist oft – geht es grob zu. Einsteigende warten nicht, bis
alle ausgestiegen sind sondern bahnen sich mit Ellenbogen oder Gedränge eine Weg durch die
Ihnen Entgegenkommenden. Wie auch bei uns in Deutschland, finden es auch die Chinesen
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besser (nur etwas extremer) sich an den U-Bahn-Türen zu drängeln bis die Backen an den
Scheiben platt gedrückt werden anstelle in das Wageninnere aufzurücken, wo noch viel Platz
wäre. Zum Verhalten der Fußgänger wird einem schon bald auffallen, man weicht als Westler
eher den Chinesen aus oder macht Ihnen höflich Platz – man selbst erfährt das nur selten.
Auch wenn man mal einfach nur stehen bleibt, weil links und rechts kein Platz ist, kann man
sich sicher sein, dass bald schon ein Chinese mehr oder weniger versehentlich in einen
hineinläuft. Und auch schon bald wird einem auffallen, dass man oft als Letzter hinten dran
läuft, seine U-Bahn verpasst, der Letzte in einer neuen Schlange ist, weil man einfach zu höflich
ist und auf seinem Weg unbewusst auf die anderen achtet und den Vortritt lässt. Chinesen tun
das häufig nur missmutig. Es gab und gibt viele Dinge an die ich mich in China gewöhnen
musste. Die Unachtsamkeit und Grobheit mit der sich Fußgänger auf Gehwegen, U-Bahnen
oder Bussen begegnen, zählte zu der Tatsache, die für mich lange Zeit in Anspruch nahm, bis
ich mich daran gewöhnt hatte. Am besten man nimmt es mit Humor. Lange Zeit habe ich zum
Beispiel nicht verstanden, warum Chinesen auf den Rolltreppen niemals gehen und auch
stoisch links stehen bleiben. Selbst wenn ihnen die U-Bahn vor der Nase wegfährt oder sie
vielleicht spät dran sind. Nun, ein Chinese hat mich eines besseren belehrt: Warum laufen,
wenn etwas anderes die Arbeit für einen verrichtet – das wäre doch völlig unlogisch.
Zum Praktischen. Im Verkehrsverbund Guangzhou–Foshan wird im Falle der U-Bahn
entweder mit - am Automaten gekauften - RFID-Chips am Drehkreuz bezahlt, die man die
Fahrt über behält und beim Verlassen am Drehkreuz zurücklässt. Oder man nützt viel
bequemer die YangChengTong-Karte die im Studentenausweis integriert ist, aber auch an der
Station Lujiang in der Nähe der SYSU (Süd-Campus) am Service-Point gekauft werden kann.
Eine U-Bahn-Fahrt über bspw. 10 Stationen kostet etwa RMB 3,-. Aufladen kann man die
Karten in fast jedem Seven-Eleven-Store (7-11). Einfach mit Geldschein auf Karte zeigen, „dui,
dui“ sagen (chin. für: ja, genau) nachdem der Verkäufer den Betrag nochmal nennt. Karte ans
Lesegerät solange halten bis die Quittung rauskommt – fertig.
Im Bus kann man nur mit der YangChengTong zahlen oder mit Bargeld. Wechselgeld gibt es
keines. Die Fahrt, egal wie weit, kostet pauschal RMB 2,- oder manchmal auch RMB 3,-. Das
richtet sich danach, ob der Bus eine Klimaanlage hat oder nicht.
Faktisch ist die U-Bahn das schnellste Verkehrsmittel. Das Netz ist erst wenige Jahre alt, gut
ausgebaut und gehört aktuell zu den modernsten der Welt. Die größte Netzdichte erzielen
jedoch die Busse. Deren Nachteil: Alle Stationen und Pläne sind auf Chinesisch. Ein
Smartphone mit Google maps und GPS sollte man daher nutzen um seine Station nicht zu
verpassen. Ich bin damit in jedes noch so kleines Eck in Guangzhou gekommen, da einem der
Routenplaner sofort die nächste Busstation oder Bahnhof anzeigt, mit Bus- bzw. Zugnummer,
Umstiege und Fahrtzeit. Sehr wichtig bei der Busfahrt: Immer nach rechts schauen, wenn man
aus dem Bus steigt. Die Busfahrer halten absichtlich mit etwa einem Meter Abstand zum
Bordstein, damit noch Fahrradfahrer durch die Lücke zwischen Bus und Bordstein zischen
können. Das Thema ‚Bremsen‘ oder ‚voraussichtig Fahren‘ habe ich ja oben schon erwähnt.
Ein-, zweimal, als ich vergessen hatte nach rechts zu schauen, hatte mich der Rad- bzw. noch
schnellere Elektro-Radfahrer beim Aussteigen schon fast zusammengefahren.
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Um spät nachts nachhause zu kommen kann man immer eines der vielen günstigen Taxis
nehmen. Auch hier hilft es die Anschrift in großen chinesischen Schriftzeichen dabei zu haben.
3. Universität
Vorweg sei erwähnt, dass verglichen mit anderen Ländern äußerst wenige Menschen in China
Englisch sprechen. Einzige Ausnahmen bilden aus historischen Gründen die Metropolen
Shanghai oder natürlich Hong Kong. Der Rest Chinas aber ist im Prinzip so gut wie frei von
flüssig, englisch sprechenden Chinesen. Natürlich gibt es Ausnahmen, wie z.B. Ph.D.‘s die in
Großbritannien oder Amerika promoviert haben und Angestellte international tätiger
Unternehmen. Doch grundsätzlich sollte man davon ausgehen, dass Englisch so gut wie nicht
verbreitet ist und man erst recht außerhalb des Campus nicht verstanden wird. Ein wenig
Alltags-Mandarin ist also Muss für jeden um in China zu ‚überleben‘. Für den Hochschulalltag
reicht Englisch zwar aus, aber natürlich reagieren Chinesen oft begeistert wenn man sich
bemüht, zumindest einige Sätze auf Mandarin oder gar Kantonesisch zu lernen.
3.1 Unterkunft
Ein Kapitel, das eigentlich nicht in den Kontext der Universität passt, da sich die SYSU nicht
um die Unterkunft von ausländischen Studenten kümmert. Einzige aber wertvolle
Unterstützung erfährt man über das Buddy-Programm der SYSU, bei dem einem ein
freiwilliger chinesischer Student der Uni in allen Fragen rund um das Studium und den Alltag
in China an die Seite gestellt wird, sowie eben auch eventuell bei der Wohnungssuche vor Ort.
In meinem Fall studierte der Buddy aber im weit entfernten Zhuhai und ich bekam ihn leider
nur einmal zu Gesicht. Natürlich kann man sich auch einfach spontan an einen der vielen
anderen, nicht zugewiesenen Buddies wenden, die meist sehr hilfsbereit sind und einem auch
bei der Wohnungssuche vor Ort helfen.
Auf die Suche begab ich mich online schon von Deutschland aus, aber das Angebot ist online
äußerst begrenzt und umfasst eigentlich nur überteuerte Wohnungen von nicht-englisch
sprechenden Anbietern. Da es meist eine größere Gruppe von internationalen Studenten gibt,
die das Semester an der SYSU zusammen beginnen, lohnt in jedem Fall die Gruppensuche
bzw. -gründung auf facebook, um sich bereits im Vorfeld ein wenig kennenzulernen und evtl.
auch günstigere WG’s zu gründen. Facebook in China funktioniert natürlich nicht, doch die
meisten Rechenzentren dt. Uni’s bieten Ihren Studenten kostenlose VPN-Verbindungen an.
Die sollte man am besten noch von Deutschland aus einrichten um dann auch in China auf
Websites zugreifen zu können, die sonst zensiert sind – und das sind nicht wenige.
Zurück zur Unterkunft: Da meine Freundin noch nachkam und ich nach dem
Auslandssemester noch etwas länger in China bleiben wollte um u.U. zu arbeiten, wäre ein
WG-Gründung etwas kompliziert gewesen, weil prinzipiell die meisten Studenten nach den
Klausuren entweder reisen oder zurück in ihr Heimatland kehren. Der klassische Weg ist
daher sich direkt vor Ort an eines oder besser gleich mehrere der zahlreich vorhandenen
Maklerbüros zusammen mit einem Buddy oder mutig alleine zu wenden. Chinesen teilen sich
aus Kostengründen meist eine Wohnung, 1-Zimmer-Wohnungen sind selten und die
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Wohnungsmieten sind in Guangzhou überraschenderweise nicht gerade billig – auch nicht für
Chinesen. Nach einer kleinen Odysee und gut 15 besichtigten Objekten hatte ich dann endlich
das Passende gefunden. Um den Rahmen nicht zu sprengen hier einfach nur ein paar
Grundsätze auf die man achten sollte:

Wie bereits erwähnt ist es in Süd-China von Dezember bis März öfters mal unter 14 Grad
kühl und feucht. Mangels Wärmeisolierung hat man diese ungemütlich kalte Feuchte dann
auch sofort in der eigenen Wohnung. Auf eine Klimaanlage mit Heizfunktion sollte man
daher achten. Schimmel ist leider besonders in der Regenzeit in den meisten Wohnungen.
In meiner glücklicherweise nicht – da die Feuchte aufgrund einer Stahl-Glas-Fassade gut
draußen blieb.

Meine Wohnung war eine kleine 1-Zimmer-Wohnung im Erstbezug mit ca. 19m² in einem
nagelneu errichteten 50-stöckickigen 200m-Hochhaus und direktem U-Bahn-Anschluss,
sowie relativ zentral gelegen, super Aussicht, tollem Bad und Innenausstattung, was dann
auch die stattliche Miete von RMB 3.000,- rechtfertigte (von ursprünglich geforderten RMB
3.300,-). Größere 60-80 m² Wohnungen mit zwei bis drei Schlafzimmern gehen etwa bei
RMB 6.000,- los.

Man kann sich so viele Wohnungen wie man möchte von den Maklern kostenlos zeigen
lassen. Meiner Erfahrung nach schwindet deren Motivation jedoch nach der dritten
Wohnung, einem noch weitere zu zeigen. Dann einfach zum nächsten Maklerbüro ziehen
oder am nächsten Tag wiederkommen und wichtig: Nummern austauschen. Manche
Makler sind auf zack, sprechen ein ganz klein wenig Englisch und rufen einen dann auch an,
wenn sie etwas Besseres gefunden haben. Ausdauer lohnt sich. Die meisten Makler können
einem noch in der Agency Bilder von Objekten auf dem PC zeigen. Darauf sollte man
bestehen, denn das spart in jedem Fall Zeit um verschimmelte und offensichtlich verdreckte
und abgewohnte Wohnungen auszuschließen, von denen ich so einige Exemplare übelster
Sorte anschauen durfte. Sauberkeit und die Pflege von Eigentum wird ja bekanntlich nicht
so wichtig genommen in China – die große Ausnahme ist hier der eigene PKW, der immer
glänzen muss.

Es wird viel und besonders auch nachts gebaut in Guangzhou. Wer mit Oropax nicht
schlafen kann und gerne Ruhe in der Wohnung hat, sollte sich zumindest mal in der
näheren Umgebung nach Baustellen umsehen und sich nach Bauarbeiten im Haus
erkundigen. Nachträgliches Beschweren hilft nicht – denn ein Ruhebedürfnis ist bei den
meisten Chinesen im Prinzip nicht vorhanden und mietrechtlich aufgrund des unbedingt
aufrechtzuerhaltenden Wirtschaftswachstums und eingeschränkter Bürgerrechte auch nicht
durchsetzbar.

Die Kaution beträgt i.d.R. zwei Monatsmieten und ist an den Eigentümer zu entrichten.
Quittung mit dessen Unterschrift und Ausweiskopie sollte man sich geben lassen. Dem
Makler bezahlt man i.d.R. eine halbe Monatsmiete Provision für das Zeigen der Wohnung.
Der Vermieter zahlt die andere Hälfte. Nebenkosten enthalten einen Management-
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Zuschlag der manchmal verhandelbar ist. Den Mietvertrag unterschreibt man mit seinem
roten Fingerstempel und seiner Unterschrift.

Chinesen sind knallharte Verhandlungspartner. Trotzdem sollte man handeln, das lohnt
immer und wahrt das eigene Gesicht. Mit der westlichen Kopf-durch-die-Wand-Technik
wird man jedoch nichts erreichen. Die Verhandlungstechnik überlasse ich an dieser Stelle
der vorhandenen interessanten Literatur.
3.2 Studienbedingungen
Die SYSU hat vier Campi. Einen im 70 km entfernten Zhuhai, das direkt an Macau angrenzt,
für chinesische Studenten der ersten beiden Semester sowie einige Sprachstudenten. Die
anderen drei Campi sind in Guangzhou verteilt. Der schönste und älteste ist der Süd-Campus,
mit vielen hübschen alten Gebäuden und Parkanlagen. Masterstudenten haben Ihre Kurse in
der Regel dort. Der Nord-Campus ist ausschließlich für Medizinstudenten. Der größte Campus
ist der zentrumsferne Ostcampus auf dem die Bachelor-Studenten ihre Kurse besuchen.
Shuttle-Busse verbinden die Campi untereinander. Hochschulbeschäftigte haben dort den
Vortritt und zur Not muss man entweder eine Stunde auf den nächsten Bus warten oder im
Falle des Ost-Campus den 20-minütigen Gang zur U-Bahn-Station aufnehmen bzw. den
öffentlichen Bus dorthin nehmen. Der Ost-Campus befindet sich auf dem sog. Higher
Educational Mega Center. Mega trifft es ganz gut, denn auf dieser Insel sammeln sich nicht
weniger als 8 Universitäten mit Wohnheimen und insgesamt etwa 250.000 Studenten.
Kulturelles Leben findet dort jedoch nicht statt und eine Wohnung im Zentrum Guangzhous
ist dem Ost-Campus sicherlich vorzuziehen, schon allein mangels Angebot. Sport kann man
dort allerding gut treiben. Es gibt Basketball-, Fussball-, Tennisplätze und eine große
Schwimmhalle, Tanzkurse und viele weitere lohnenswerte Angebote. Die Anmeldung erfolgt
über das internationale Studienbüro.
Zum chinesischen Bildungswesen ein kurzer Einblick. Vieles basiert auf den Lehren des
Konfuzius in China – so auch dessen Bildungswesen. In meinen vier Monaten Studium in
China kam es extrem selten vor, dass ein Student eine Frage an den Dozenten vor der Klasse
bzw. Plenum gestellt hätte und von der anderen Seite des Trichters Fragen gestellt worden
wären. Gelehrtes gilt es sofort zu verstehen, nicht zu hinterfragen oder womöglich durch
differenzierte Betrachtungsweise erst zu begreifen. Jedem sei es selbst überlassen ob das noch
zeitgemäß ist und ob dies China zu einem kreativen Land mit einer kritischen und
konstruktiven Gesellschaft gemacht hat oder machen wird. Für mich steht nach einem Jahr
China mit 4 Monaten Studium und 6 Monaten Arbeit fest: Chinesen können unheimlich gut
auswendig lernen, auch wenn sich ihnen der Sinn des Gelernten dabei oft nicht erschließt.
Direkte Fragen nach dem Kern der Dinge ist man nicht gewohnt. Doch hinter den Kulissen
und vor allem ohne Vorgesetzte oder Dozenten trifft man immer wieder vereinzelt durchaus
interessierte Chinesen, die auch ihren eigenen Kopf haben. Trotzdem ist Ihnen die westliche
Denkweise oft so fremd, wie uns Ausländern die ihre. Verübeln kann man es zumindest den
Studenten nicht, dass sie auch gar kein Interesse daran haben Vorgesetztes zu hinterfragen, da
am Schluss nur ihre Credits, Noten und natürlich die Zeit zählen. Was einem jedoch als
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deutscher Bachelor-Student irgendwie bekannt vorkommt und man hier sehr schön sehen kann,
wohin der Trend auch bei uns führen könnte.
4. Studienfach, -kurse & -sprache
Als BWL’er habe ich die folgenden Kurse belegt und gebe euch hierzu mein Statement, das so
im Prinzip auch im Tenor der anderen internationalen Kommilitonen zu hören war.
4.1 Marketing – (Anrechnung an der Heim-Uni für International Marketing im Schwerpunkt
Außenwirtschaft)
Herr Dr. Jianyao Li hat selbst etwa 12 Jahre in den USA gelebt und gearbeitet. Er spricht
hervorragendes Englisch und führt einen sehr freundlichen und humorvollen Unterricht. Seine
Auslandserfahrung ist seinem Unterrichtsstil anzumerken, denn er bemüht sich, zwar mit etwas
Strenge aber tatsächlich auch direkten Fragen an Studenten, diesen den Inhalt seines Kurses
nahezubringen. Besucht wurde der Kurs von etwa 30 Studenten, ideale Kursgröße also. Es
wurden die Grundzüge von Marketing erläutert und anhand von Kontrollfragen zum Beginn
jeder Stunde, sowie mit mehreren Cases und kurzen Gruppenpräsentationen gefestigt. Am
besten gefiel mir sein Projekt, bei dem jede Gruppe einen Business Plan aus einer Produktoder Service-Idee herausarbeiten sollte und am Ende des Semesters vor der Klasse
präsentieren durfte. Zwar wurde hierbei das Marketing etwas außer Acht gelassen aber
insgesamt war es sehr interessant für alle. Notenerheblich waren eine Zwischenklausur, eine
Abschlussklausur und die Präsentation des Business Plans.
4.2 International Finance und International Financial Management (Anrechnung an der HeimUni für Internationales Finanzmanagement im Schwerpunkt Außenwirtschaft)
Beide Kurse wurden von Mrs. Huimin Zhao gegeben und behandeln Grundlagen von
Finanzmärkten, Finanzmarktinstrumenten sowie Wechselkursstrategien. Jedoch muss man hier
eher von einer Vorlesung (‚lecture‘) als von einem ‚course‘ sprechen. Das lag nicht nur an der
Zahl von gut 60 Studenten. Mrs. Zhao spricht so gut wie kein Englisch. Was dann auch der
Grund war, warum sich ihre Vorträge ausschließlich auf das reine Ablesen von Präsentationen
bzw. Lehrbücher beschränkten, was beide Kurse leider äußerst langweilig machte. Ausführliche
Erklärungen wurden meist nur in chinesischer Sprache gegeben. Beide ‚Kurse‘ haben wir dann
trotzdem alle zusammen durchgezogen, da die notenerheblichen Teilklausuren und
Präsentationen wirklich machbar waren.
4.3 Strategic Management (Anrechnung an der Heim-Uni für International Management, allg.
Pflichtmodul)
Dozent war Mr. Weiwen Li. Inhalt des Kurses ist die Analyse der Notwendigkeit einer
strategische Ausrichtung aller Unternehmenselemente auf den Markt. Die Kursgröße mit etwa
30 Studenten war ideal. Mr. Li spricht gutes Englisch und führte den Kurs sehr engagiert und
interessant, meist anhand vieler Cases und sehr praxisorientiert. Da er noch recht neu an der
SYSU ist und bis zum Beginn des Kurses vermutlich noch nicht viele ausländische Studenten
gelehrt hatte, wirkte er häufig etwas unsicher und direkte Fragen war er noch nicht gewohnt, was
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sich aber im Laufe des Kurses schnell besserte. Bald versuchte er auch die chinesischen
Studenten etwas mehr einzubinden, die aber leider lieber schwiegen, wenn sie nicht
hundertprozentig sicher waren, eine richtige Antwort zu geben. Gefallen haben mir besonders
seine Diskussionsspiele, bei denen zwei Teams gegeneinander antraten, um gegensätzliche
Strategien eines Unternehmens jeweils gegen die Argumente des anderen Teams zu behaupten.
Einmal bekam unser Team jedoch einen betriebswirtschaftlich recht unsinnigen Standpunkt
zugewiesen, dem wir trotz bester Recherche keine Argumente abtrotzen konnten. Meine
Präsentation vor den Studenten und Mr. Li, dass die Fakten und Aussichten einfach glasklar
gegen unsere zugewiesene Strategie sprachen und der Case daher leider so keinen Sinn machte,
führte zwar zur breiten Zustimmung unter allen Studenten, jedoch auch zu einem von mir nicht
gewollten ‚Gesichtsverlust‘ von Mr. Li, der sich persönlich angegriffen fühlte. Anstelle einer, wie
von mir erwarteten und für uns Westler gewohnten konstruktiven Diskussion, begann Mr. Li
‚seinen‘ Case mit betriebswirtschaftlich nicht nachvollziehbaren Behauptungen zu verteidigen,
was die ganze Situation dann auch nicht einfacher machte für ihn. Als ihm am Schluss unserer
Debatte die Schweißperlen auf der Stirn standen, habe ich erst viel zu spät erkannt, dass hier
jemand zwanghaft versucht sein Gesicht vor der Klasse zu wahren. Ich war also zu weit
gegangen. Grundsätzlich würde ich jedem der in China studiert oder arbeitet und Probleme
oder Skepsis inhaltlicher Art mit einer Aufgabe hat, nahe legen, dies wenn möglich immer erst
unter vier Augen mit dem Dozenten oder Vorgesetzten zu klären. In Deutschland mag es
üblich und sogar erwünscht sein, dies auch andere wissen zu lassen, die vielleicht dasselbe
Problem haben. Nicht so in China. Ein Problem dass in diesem Kurs aufgetaucht ist, aber auch
grundsätzlich immer anzutreffen ist: Ganze Copy&Paste-Abschnitte in Hausarbeiten sind unter
chinesischen Studenten leider beinahe die Regel. Viele Dozenten tolerieren dies leider auch
wissentlich. Selbst auf das richtige Zitieren oder gar einfachste Literatur-Recherche wird gerne
verzichtet. Die Zusammenarbeit hinsichtlich sauber wissenschaftlich erarbeiteter Aufsätze ist
mit den chinesischen Studenten, aber auch einigen Nicht-Chinesen problematisch gewesen.
Dieses Problem gab es im Prinzip in jedem Kurs und fast jeder Gruppe, deren Studenten Wert
auf sauberes Arbeiten legten, weil sie es eben aus ihrer deutschen Uni und Schulzeit nicht
anderes kennen und das bei Gruppenarbeiten dann häufige zu Tage tritt. Nun, auch das ist
eben etwas, was der chinesischen Kultur eigen ist: das Kopieren seines Werkes ehrt den
Meister. Aber man sollte den Meister dann auch nennen. Nachdem das in zwei meiner
Gruppen etwas eskalierte, entschloss ich mich deswegen die jeweiligen Dozenten um eine
Einzelbewertung, namentlich kenntlich gemachter Abschnitte zu bitten. Das rate ich auch
jedem, der kein Interesse hat, eine 15-seitige Hausarbeit für fünf andere Studenten zu
schreiben. Notenerheblich in diesem Kurs waren zwei Präsentationen sowie eine
Abschlussklausur.
4.4 Strategic Information Management (Anrechnung an der Heim-Uni für
Informationstechnologie, allg. Pflichtmodul)
Der Kurs wurde von Mrs. Xiaoli Huang geleitet. Mit etwa 60 Studenten leider etwas überbelegt
für den doch recht anspruchsvollen Kurs. Mrs. Huang hat Ihren Ph.D. in Maryland in den
Staaten gemacht und spricht hervorragendes Englisch. Der Kurs selbst beinhaltet die
Beschäftigung mit Begriffen wie Business Intelligence, Web 2.0, Collaboration, Knowledge und
Content Management, Information Design und Internet Strategies. Statt einer Abschlussklausur
werden mehrere Teilklausuren geschrieben. In gerade einmal fünfzehn Minuten musste man
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gut 30 knackige Aufgaben lösen, teilweise auch offen beantworten deren Inhalt nicht unbedingt
in den Vorlesungen behandelt worden ist, was dann auch den Unmut vieler internationaler
Studenten erregte. Des Weiteren sind zwei Gruppen-Referate und eine gemeinschaftliche
Hausarbeit notenerheblich.
4.5 Managerial Accounting (Anrechnung an der Heim-Uni für Bilanzpolitik, allg. Pflichtmodul)
Geleitet von Mrs. Yixing Tong sowie dann zur Halbzeit übergeben an Mr. Rui Ge. Einige
bilanzpolitische Aspekte werden zwar angesprochen, es geht jedoch verstärkt um die KostenLeistungs-Rechnung bzw. das Controlling. Englisch sprachen beide Dozenten zwar leider nicht
flüssig, aber zum Verstehen der Inhalte hat es in jedem Fall gereicht. Aufgrund von gut 120
Studenten als Zuhörer zähle ich diesen ‚Course‘ auch eher zu einer Vorlesung. Es ist ein
Gruppen-Referat sowie eine Abschlussklausur zu leisten.
5. Essen, Einkaufen, Guangzhous schöne Seiten, Nachtleben & Networking
5.1 Das Essen
Für jemanden, der nicht gerne für sich selbst kocht ist China natürlich ein Schlaraffenland: Es
gibt unzählig viele Garküchen, Restaurants, Fast-Food-Ketten und Kioske an den man rund um
die Uhr fast alles bekommt, was man zum Leben braucht. Chinesen essen bekantlich alles was
nicht bei vier auf dem Baum ist. Eigentlich selbst das noch. Als Westler kann man seinen
Aufenthalt aber definitiv auch kulinarisch genießen. Nach einiger Zeit fängt man natürlich an,
einige Sachen zu vermissen die es in China so nicht gibt oder nur viel zu teuer. Schokolade
beispielsweise ist in bezahlbarer Form sehr begrenzt, sowie viele andere importierte, westliche
Süßigkeiten, die in China sehr teuer angeboten werden. Dafür ist das Angebot an Obst und
Gemüse umso größer was besonders im heißen Sommer der Schokolade vorzuziehen wäre.
Wenn man gerne auf Märkten statt im etwas teureren Supermarkt einkauft, sollte man vorher
einem chinesischen Freund eine Liste häufig gekaufter Lebensmittel vorlegen und ihn bitten,
bei jeder Position zu notieren, wie viel er selbst bereit wäre dafür auf dem Markt auszugeben.
Das erspart einem den Ärger geprellt zu werden. Ein wenig Alltagsmandarin bzw. einige
begleitete Einkäufe zusammen mit chinesischen Freunden helfen ebenfalls dabei sicherer zu
werden und dann macht es natürlich auch noch mehr Spaß.
Wenn ich Essen gegangen bin, was aus Zeitgründen während meiner Arbeit häufig der Fall war,
so kann ich folgende Küchen besonders empfehlen:
Sehr günstig und gut, mit großen Portionen, wird man bei den Uiguren versorgt. Diese
muslimische Minderheit erkennt man an der Kopfbedeckung und meist am türkischen
Halbmond in der Nähe des Restaurantnamens. Es wird halal gekocht und was besonders
praktisch am Anfang des Aufenthaltes ist, sind die vielen Fotos der Gerichte an der Wand, die
jedes Restaurant hat. Man muss also nicht befürchten Hühnerfüße, Frosch oder Innereien
serviert zu bekommen, was es aber bei den Uiguren sowieso nicht gibt. Besonders gut bei den
meisten Uiguren, sind die kleinen gebackenen und mit Hackfleisch gefüllten Brote. Auch große
Gerichte kosten meist nicht mehr als RMB 12,-.
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Mahlzeiten bei Restaurants, die Essen aus der Provinz Sichuan und Hunan zubereiten sind
ebenfalls immer sehr lecker und bekanntlich etwas schärfer. Die Sichuan-Pfefferkörner, mit
denen viele Gerichte serviert werden, isst man nicht mit, ansonsten betäubt man allmählich
seine Zunge.
5.2 Einkaufen
Das ist wohl die absolute Lieblingsbeschäftigung der Chinesen. Schließlich befindet sich das
ganze Land seit einigen Jahren im völligen Konsumrausch. Die meisten Geschäfte haben jeden
Tag von 9:00 bis 22:00 Uhr geöffnet. Es gibt zahllose, riesige Shopping-Malls, bspw. rund um
den Tianhe Square (GrandBuy-Mall, GrandView-Mall, Tee-Mall). Die Preise der
Hochglanzläden sind jedoch alle auf dem gleichen Niveau wie in Deutschland oder gar teurer.
Mädels können das ein oder andere Schnäppchen bei Kleidung, Schmuck oder Mitbringsel im
kilometerlangen, unterirdischen Shopping-Labyrinth zwischen Ecke Tiyu West Road / Tianhe
Road und Tiyu East Road / Tianhe Road machen. Am besten zu erreichen mit der APM
(Automatic People Mover). Die APM ist eine kleine unterirdische, führerlose Bimmelbahn die
direkt an das Metro-Netz angeschlossen ist (APM-Station ‚Tianhe Sports Center South‘). Noch
besser zum Shoppen ist für junge Frauen allerdings das Untergeschoss der Grandview-Mall, das
mit einer schier unendlichen Zahl von kleinen Geschäften aufwartet und wo es die
verrücktesten Dinge zu kaufen gibt. Am besten zu erreichen, wenn man entweder im Ground
Floor der Grandview-Mall Richtung Metro-Station ‚Tianhe Sports Center‘ läuft oder dort
aussteigt und in Richtung Exit D3 läuft. Die abgefahrensten Schuhe, aber vielleicht auch das ein
oder andere modische Schnäppchen gibt es im sogenannten Shoes-District nördlich vom
Haizhu Square (Metro-Station ‚Haizhu Square‘, Exit B2 und dann nördlich entlang der Jiefang
South Road / Daxin Road).
Für die Männer sei erwähnt: In Süd-China ist es unmöglich die Schuhgrößen größer als 44 zu
finden, daher besser gleich das richtige Schuhwerk aus Deutschland mitbringen. Bei Elektronik
kann man natürlich ein wenig sparen. Aber insbesondere bei den großen Elektronikketten wie
Sunning oder Gomz wird man kein Schnäppchen finden. Eher bei den kleineren ElektronikGeschäften. Da muss man dann jedoch auch gut handeln können und aufpassen, dass man
keinen Grau-Import angedreht bekommt. Gerade aber auch mangels selten eingeräumter
Gewährleistung sollte man es sich gut überlegen. In Begleitung eines chinesischen Freundes
macht das ganze natürlich mehr Sinn. Smartphones kann man relativ günstig bei den Shops der
vgooo-Kette erwerben (www.vgooo.com) die einen sehr guten Ruf genießen. Wer eine schöne
Uhr sucht (*zwinka*) kann sich am besten mal in der Clock-Town (Exit E an der Metro-Station
‚Guangzhou Railway Station‘, Zhannan Road) umsehen – wohl einer der größten Fake-Markets
in diesem Bereich weltweit und im Kopieren von Produkten sind Chinesen ja auch
weltbekannt. Hong Kong hat zwar nach wie vor noch den Ruf eines Schnäppchen-Paradieses,
aber das stimmt schon seit Jahren nicht mehr und es wird immer schwieriger noch wirklich
günstige Produkte dort zu finden.
5.3 Guangzhous schöne Seiten & Umgebung
So grün wie europäische Metropolen sind chinesische leider nicht. Die wenigen großen Parks
wirken oft recht künstlich. Selten setzt man seinen Fuß auf einen Sandweg sondern wird schön
über geteerte Straßen durch die manchmal etwas steril wirkenden Parks geführt. Besonders an
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Wochenenden ist in den Parks auch sehr viel los. Andererseits ist das natürlich immer eine
schöne Gelegenheit Chinesen bei Ihrer Freizeitgestaltung zu beobachten. Besonders die
Älteren halten sich fit durch Schwertkampf, Tanz, Federball spielen oder durch Jianzi.
Letzteres erfordert viel Geschick. Ein etwas schwererer Federball wird ähnlich wie beim Hacky
Sack nur mit der Fußseite oder –spitze zwischen den Spielern kunstvoll hin und her gespielt.
Als Zeitvertreib zwischen den Vorlesungen haben wir das auch oft gespielt. Aber allein um zu
beobachten wie perfekt das manche Chinesen beherrschen ist ein Gang am Vormittag oder am
Wochenende durch einen der Parks Guangzhous lohnenswert. Ganz hübsch sind folgende:
Xiaogang Park nähe Metro-Station ‚Xiaogang‘ sowie der Yuexiu Park, Martyrs‘ Park an den
gleichnamigen Metro-Stationen und der Liuhuahu Park unweit vom Yuexiu Park.
Wenn man mit Freunden einmal ein paar Tandems ausleihen möchte, eignet sich dazu am
besten ‚Er Sha Island‘ auf dem Perfluss, um es dann auch zu erkunden. Am günstigsten zu
erreichen mit dem Bus (u.a. Linie 89, 131A, 194). Die Insel ist verkehrsberuhigt und bietet ein
paar hübsche Ecken zum Verweilen. Das ganze lässt sich dann auch gut Verbinden mit einem
Besuch der meist sehr interessanten Ausstellungen des ‚Guangdong Museum of Art‘ auf Er Sha
Island. Einen ganzen Nachmittag und Abend kann man auch gut im Redtory District
verbringen – ein ehemaliges Fabrikgelände, in dem sich Bars mit Kunstgalerien, Werkstätten,
vielen Ausstellungen und interessanten Menschen, sowie kleinen Kunstgeschäften zu einer
einzigartigen Szenerie vermischen (nicht ganz so einfach zu finden, aber es lohnt sich: Yuancun
Siheng Road No. 128 im Tianhe District).
Auf dem zweithöchsten Fernsehturm der Welt, dem ‚Canton Tower‘ (Metro-Station ‚Chigang
Pagoda‘) kann man auf der Spitze mit sog. ‚Bubbles‘ aus Plexiglas hoch über der Stadt
schweben. Der Eintritt ist nicht sehr günstig, daher sollte man auf klares Wetter achten.
Einen schönen Tag kann man auch auf dem Lotus Hill im Süden Guangzhous verbringen. Mit
der Metro-Line 4 bis ‚Shiqi‘ fahren und von dort den Bus bis zum Lotus Hill nehmen (hat
folgendes Zeichen auf dem Schild: 莲花山). Wie der Name schon sagt, kann man dort schöne
Teich-Anlagen mit hunderten verschiedenen Lotus-Blüten bewundern. Besonders im Juni bis
August bzw. zur Zeit des Frühlingsfestes lohnt sich der Besuch, denn dann wird dort das
jährliche Lotus- und Pfirsich-Blüten-Fest abgehalten. Auf dem Gipfel thront eine 41 Meter
große Statue der buddhistischen Göttin Guanyin.
Das kleine Sieben-Millionen-Städtchen Foshan mit seinen Tempeln und chinesischen Gärten
ist in jedem Fall auch einen Besuch wert (Zumiao und Renshou Tempel sowie der Liangyuan
Park). Die Metro verbindet Guangzhou mit Foshan sehr bequem. Nach Shenzhen sollte man
mal unbedingt mit dem Speed-Train düsen. Dieser fährt von der Guangzhou South Railway
Station ab und bei 300 Sachen ist man in nur einer halben Stunde in Shenzhen. Reisepass für
den Ticketkauf nicht vergessen. Die einfache Fahrt kostet RMB 85,-. In Shenzhen kann man
u.a. das ‚Window of the World‘ besuchen. Eine Art Freizeitpark, der vom Eiffelturm bis zum
Grand Canyon alle möglichen Sehenswürdigkeiten beherbergt. Aber auch hier gibt es schöne
Parks wie den ‚Fairy Lake Botanical Garden‘. Im Osten Shenzhen’s kann man dann auch
gleich bequem über die Grenze nach Hong Kong einreisen und von dort mit der S-Bahn in das
Zentrum Hong Kongs fahren.
Als letzten Reisetipp möchte ich dann noch etwas die wunderschöne Nachbarprovinz Guangxi
mit seiner einzigartigen Landschaft bewerben. Sowohl für Hong Kong als auch den Rest Chinas
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kann man unter www.hostelworld.com immer günstige und gut bewertete Jugendherbergen
finden. So auch für die Provinz Guangxi. Die Hauptstadt Guilin ist nicht besonders attraktiv,
aber immer der Ausgangspunkt eines Trips in diese Provinz. Am besten zu erreichen entweder
schnell per Flugzeug oder aber viel chinesischer und auch bequemer per Nachtzug. Von der
zermürbenden und engen Busfahrt würde ich abraten. Wenn man von Guilin eine etwas
abenteuerliche Reise zu den etwa drei Fahrstunden entfernten, nördlichen Longji-Reisterassen
in das Dazhai-Village unternimmt, wird man mit einer atemberaubenden Kulisse belohnt. Im
Süden von Guilin in dem beschaulichen Städtchen Xingping direkt am Li-River und inmitten
der weltberühmten Karstberge kann man den - für einen Chinesen - Inbegriff einer schönen
Landschaft bewundern. Wie es da aussieht, könnt Ihr auf der Rückseite der 20-RMB-Banknote
sehen.
5.4 Nachtleben & Networking
Das Leben in China hat viele Vorzüge. Schnell stellt man fest, dass man besonders nachts viel
Spaß haben kann, denn auf den Straßen ist immer etwas los. Die Alten spielen bis tief in die
Nacht Mahjong, Kids tollen auf den Straßen herum, viele Chinesen erledigen noch schnell im
Pyjama einige Einkäufe oder beobachten einfach nur das Treiben, kantonesische Schönheiten
stakseln knapp bekleidet mit halsbrecherischen Absätzen herum und in den vielen Pubs und
Clubs geht die Post ab. Schön flanieren kann man in den vielen Bars und Pubs in ‚Zhujiang
New Town‘ (Huacheng Road). Coole Pubs sind z.B. das Hooleys, der Covent Garden WC2
sowie das Paddy Field Pub – alle oft mit Life-Music am Freitag und Samstagabend.
Empfehlenswert sind auch die Bars Nähe der Metro-Station ‚Taojin‘. Der Happy Monk
(Jianshe 5th Road) z.B. hat eine schöne Terrasse und gute Drinks. Nördlich davon entlang der
Huanshi East Road gibt es dann für den späteren Abend fetzige Clubs. Besonders für die Jungs
ist ein Abstieg in der schon fast legendären ‚Cave Bar‘ nahe der Metro-Station
‚Taojin‘ obligatorisch (bzw. zeigt dem Taxi-Fahrer: 环市东路 360 ). Viele Bars und Clubs auf
einem Fleck komprimiert findet man auf dem Party Pier, der direkt am Pearl River liegt
(Metro-Station ‚Chigang Pagoda‘ und dann am besten mit dem Taxi die letzten Meter fahren.
Zeigt dem Fahrer: 珠江琶醍). Recht cool ist auch der Club ‚Catwalk‘ (Metro-Station ‚Linhexi‘,
Exit A und dann in westliche Richtung laufen entlang der Tianhe North Road, rechts kommt
dann nach 10 Minuten das Gebäude mit dem lustigen Namen: ‚PTV Xiju Party Hui‘ bzw. dem
Taxi-Fahrer einfach diese Adresse zeigen:
天河北路 163 号广州体院南门西侧喜聚 Ptv 3
楼 Catwalk). Ach ja, Aspirin und meine Bialetti von zuhause haben nach all diesen Stationen
am nächsten Morgen bzw. Mittag immer gut geholfen.
Interessante Menschen wird man in jedem Fall treffen, wenn man viel in Guangzhou unterwegs
ist. Abhängig davon, was Ihr studiert oder wohin Eure beruflichen Interessen tendieren, lohnt
es sich auch einmal an einem der vielen Business-Events in Guangzhou teilzunehmen, um sich
mit Expats aus allen Ländern dieser Welt auszutauschen und vielleicht den ein oder anderen
wertvollen Kontakt für die Zukunft zu treffen. Im Rahmen meiner sechs-monatigen Tätigkeit
für eine große Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft habe ich sehr viele
Unternehmen besucht und viele interessante Menschen getroffen: von Werksleitern, C-LevelManagern, GM’s, nationalen Direktoren, Start-up-self-mades bis hin zu bayerisch sprechenden,
chinesischen Ingenieuren und natürlich viele internationale Praktikanten. Man erfährt viel über
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die chinesische Wirtschaft sowie Probleme aber auch Vorteile im Rahmen der Fertigung und
Führung von chinesischen Beschäftigten. Wer auch in dieser Hinsicht Lust und natürlich auch
Zeit hat, einmal über den eigenen Tellerrand zu blicken, vielleicht sogar die Möglichkeit für
eine Werksbesichtigung bekommen möchte, kann zunächst einmal an einem der monatlich
statt findenden Treffen der Deutschen Außenhandelskammer in Guangzhou teilnehmen.
Davon gibt es jeden Monat zwei. Einen für Students und Young Professionals (gen.
‚Stammtisch‘) sowie einen für Expats (gen. ‚Happy Hour‘). Ein Besuch lohnt sich aber bei
beiden, sofern man nicht zu schüchtern ist. Auf der Website der AHK wird Ort und Zeit
immer einige Tage vorher bekannt gegeben. Lohnenswert ist auch eine kostenlose
Registrierung bei Internations, ein weltweites Expat-Netzwerk mit vielen Mitgliedern und Events
auch in Guangzhou.
Nun, zum Ende dann noch wie versprochen der Grund, warum ich mich für China
entschieden hatte:
Wie wahrscheinlich jeder, der sich jetzt diesen Bericht ganz durchgelesen hat mit der
Absicht, sich ein wenig über Guangzhou und China zu informieren, war auch ich mir nicht ganz
sicher, was mich gerade ausgerechnet in dieser riesen Stadt in China erwartet. Und genau das ist
der Grund was das ganze so spannend und - dort angekommen - immer wieder aufregend
macht: man kann sich eben auf nichts verlassen. Viel Spaß!
6. Links
http://www.sysbs.cn:82/oia/um/gjjl/index.jsp (der nicht ganz so einfach zu findende Link der
englisch-sprachigen Uni-Website, wichtig insbesondere für die Vorbereitung des Studiums und
für die Studienvereinbarung > der Course-Syllabus:
http://oia.bssysu.com:81/en/news/index.aspx?typeid=450
http://gz.o.cn/ (falls mal Google wieder nicht funktioniert und man die chinesische Adresse hat,
kann man diesen Kartendienst verwenden, die Ausschnitte hängen auch an jeder Metro-Station)
http://www.travelchinaguide.com/cityguides/guangdong/guangzhou/bus-subway-metrosearch.htm (einfach rechts im Feld Straße oder Busnummer eingeben und schon sieht man wie
man am besten von A nach B kommt)
http://www.gztransport.net/ (Website mit sämtlichen Buslinien Guangzhous und dessen Routen)
http://www.expatarrivals.com/china/guangzhou/healthcare-in-guangzhou (Liste mit
renommierten Krankenhäusern in Guangzhou)
http://www.fbt-chinavisa.com.hk/ (falls es Probleme mit Eurem Visum in China gibt, diese
Agentur in Hong Kong ist sehr gut, schnell und günstig bei der Beschaffung eines neuen
Visums – lasst Euch nicht von der alten Website abschrecken)
http://wikitravel.org/en/Guangzhou (äußerst umfassende Website mit vielen Infos über alle
Ecken Chinas)
http://www.travelchinaguide.com (weitere Infos für Sight-Seeing in China)
http://www.gzstuff.com/ (Social Website mit vielen Events und Kontaktmöglichkeiten)
http://www.thatsmags.com/prd/ (Lifestyle&Kultur-Magazin für das Pearl-River-Delta)
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http://intheredmagazine.com (Fashion&Culture Magazin aus und für Guangzhou)
http://photo.163.com/yeti-huang/pp/4456268.html (Bilder aus dem Redtory District)
http://www.china.diplo.de/Vertretung/china/de/091-kanton/0-kanton.html (Dt. GeneralKonsulat Guangzhou – gibt öfters interessante Events bekannt)
http://backstube.hk/ (Dt. Bäckerei in Guangzhou)
http://china.ahk.de/de/ (Website der dt. Außenhandelskammern in China, interessant ist der
Event-Kalender und auch die Job-Börse für ein evtl. späteres Praktikum)
http://www.internations.org/ (weltweites Expat-Netzwerk mit vielen Events auch in Guangzhou)
http://www.imqq.com/ (der Messenger-Dienst mit dem ein Chinese quasi geboren wird: QQ.
Jeder in China hat es und nutzt es. Schwer im Kommen ist aber auch WeChat >
http://www.wechat.com/en/ bzw. WhatsApp)
http://www.kanton.pro/ (Deutsches Expat-Forum für die Provinz Guangdong)