Zur Aufzeichnung - der Familie Donndorf

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Zur Aufzeichnung - der Familie Donndorf
Klaus Donndorf – Vorlesungsnotizen
Vorlesung: Von Stadtstaaten , Bünden und
großen Reichen – Prof. Dr. Peter Funke
Die Notizen zur 7. Sitzung hat mir wieder Herr Duibjohann
freundlicherweise zur Verfügung gestellt.
Von Stadtstaaten, Bünden und großen Reichen
Peter Funke
7. Sitzung – 09.12.2009 -- Notizen
III. 4.1. Der Kriegszug des Xerxes
Im Jahr 481 v. Cr. waren die Vorbereitungen des Xerxes für seinen Feldzug
gegen die griechischen Poleis (die „Griechen“) abgeschlossen. Der Athoskanal
war fertig gestellt, die Vorratslager für das Landheer in Thrakien und
Makedonien angelegt und das Landheer konnte über die Brücke zwischen
Abydos und Sestos den Hellespont überqueren.
Bei realistischer Einschätzung der Lage hatten die Griechen wenige Chancen,
sich gegen das riesige persische Landheer und die Übermacht der persischen
Flotte zu behaupten; sie waren den Persern zahlenmäßig hoffnungslos
unterlegen.
Die griechische Taktik gegen die Übermacht bestand ausschließlich darin, eine
Möglichkeit zu finden, das Riesenaufgebot der Perser zu Lande und zu Wasser
aufzuhalten; nur – an welcher Stelle?
Die erste Idee war, die Perser im Tempe-Tal aufzuhalten; dieses Tal ist an
seiner engsten Stelle nicht einmal einhundert Meter breit und die strategisch
wichtigste Verbindung von Makedonien in die Thessalische Tiefebene. Diesen
Plan gaben die Griechen jedoch bald wieder auf, da es zwar der wichtigste, aber
nicht der einzige Zugang nach Thessalien war und damit umgangen werden
konnte.
Die Griechen besetzten dann die Thermopylen, den Engpass zwischen dem
Kallidromos Gebirge und dem Golf von Mali. Die Situation hier war strategisch
noch günstiger, da es für die Perser einen doppelten Engpass auf dem Weg nach
Attika gab
1. für das Landheer die Thermopylen
2. für die Flotte die Meerenge am Kap Artemision an der Nordspitze von
Euböa
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Thermopylen
Diese Engstelle wurde von den Spartanern unter ihrem König Leonidas besetzt
und verteidigt. Durch den Verrat des Ephialtes von Trachis konnten die Perser
den Pass umgehen und die Griechen von hinten angreifen. Die Griechen
gerieten so zwischen die Fronten, und nach Herodot fielen in der Schlacht
viertausend Griechen, darunter dreihundert Spartaner mit ihrem König
Leonidas.
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Für die Verteidiger wurde ein Denkmal errichtet; es trug nach der
Überlieferung eine Inschrift, die Friedrich Schiller wie folgt übertrug:
„Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest uns hier
liegen gesehen, wie das Gesetz es befahl.“
Kap Artemision
Die Schiffsroute von Norden nach Attika und Athen verlief in der damaligen
Zeit wegen der schwierigen Navigation und gefährlichen Wetterbedingungen
nicht östlich an Euböa vorbei, sondern westlich der Insel durch den Golf von
Euböa ( auch heute noch nehmen Segler lieber die „innen“ liegende Route).
An der Nordspitze von Euböa, am Kap Artemision (das seinen Namen einem
oben auf dem Berg errichteten Artemistempel verdankt), hatte sich die
griechische Flotte versammelt. Die persische Flotte lag gegenüber, östlich der
Halbinsel Magnesia.
Auf dem Weg vom Kap Artemision nach Süden lag eine gefährliche Engstelle
bei Chalcis, eine „Mausefalle“. An dieser Stelle war es möglich, den Seeweg
völlig zu sperren. Bei einem schnellen Vormarsch der Perser und einer
langsamen Fahrt der griechischen Flotte hätten die Perser hier den Griechen den
Rückweg abschneiden können.
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Doch die Schlacht bei den Thermopylen dauerte so lange, dass die griechische
Flotte ihren Stützpunkt am Kap Artemision noch rechtzeitig verlassen und sich
durch den Golf von Euböa nach Salamis, gegenüber von Athen, zurückziehen
konnte.
Durch den Sieg bei den Thermopylen war für das persische Landheer der Weg
nach Mittelgriechenland und Athen offen.
Die Athener verließen ihre Stadt und flüchteten nach Ägina und nach Troizen
auf der Peloponnes.
Zentrale Orte in der Phokis
werden zerstört, ebenso Teile
Attikas. Im Winter und im
folgenden Jahr werden die
Akropolis und das von ihren
Bewohnern verlassene Athen
völlig zerstört.
Ex.:
Reste
des
zerstörten
Athenatempels verbauten die Athener
später in der Nordmauer der Akropolis
als Mahnmal für die Perserkriege; es
war ein Teil der in der Klassik
beginnenden
Ideologie
der
Perserkriege.
Der
„Perserschutt“
bedeutete
eine
Wende
in
der
griechischen Geschichte; hier setzt man den Beginn der klassischen Zeit an.
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Salamis
Nach der Niederlage bei den Thermopylen und der Besetzung Attikas und
Athens durch die Perser gab es unter den Griechen eine kontroverse Debatte
über das weitere Vorgehen; die Spartaner wollten an den Isthmos bei Korinth
zurückkehren, um die Perser spätestens dort vor einem Einmarsch auf die
Peloponnes aufzuhalten; Der Athener Themistokles suchte die Entscheidung in
einer Seeschlacht bei Salamis; er vertraute auf die Stärke der griechischen
Trieren.
Herodot berichtet ausführlich über die Schlacht – Kurzfassung:
Die Griechen erringen einen überzeugenden Sieg gegen die Perser. Teile der
persischen Flotte ziehen sich zurück an die kleinasiatische Küste bei Mykale.
Das persische Landheer zieht nach Böotien, wo es den Winter verbrachte. Zu
Lande stehen sich jetzt zwei in etwa gleich starke Kontingente gegenüber. Im
Sommer 479 kommt es zur entscheidenden Schlacht bei Plataiai; die Perser
unter Mardonios werden von den Griechen/Spartanern unter Pausanias
(Helenenbund) entscheidend geschlagen und ziehen sich zurück nach Persien.
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Zeitgleich verfolgte die griechische Flotte die Perser – erst nur bis Delos - und
besiegte die persische Restflotte bei Mykale. Dieser Vorstoß über die Ägäis
hinweg markiert einen Wendepunkt in der Politik des Helenenbundes – man war
von der Defensive in die Offensive übergegangen.
Die politische Zielsetzung des Hellenbundes wird hinterfragt; die griechischen
Poleis auf den Ägäisinseln drängen nun in den Bund, wollen hier Sicherheit
(nachdem sie bisher persisch orientiert waren); es gibt innerhalb des Bundes
eine Zerreißprobe, denn – will man diese Erweiterung? Auf der anschließenden
Samos – Konferenz zeigten sich ganz unterschiedliche Auffassungen der
Bündnispartner. Sparta war gegen ein weiteres militärisches Engagement, die
jonischen Griechen sollten ins Mutterland zurückkehren. Athen dagegen trat
energisch für den Erhalt der jonischen Griechenstädte ein
IV. Die Pentekontaëtie (479 – 431 v. Chr.)
1. Die Neuformierung der Mächtekonstellation in der griechischen
Staatenwelt in 70er und 60er Jahren
Die Siege der Griechen bei Plataiai und Salamis sind nicht das Ende der
Perserkriege; die Auseinandersetzungen mit der persischen Großmacht bleiben
ein Thema während des gesamten 5. Jahrhunderts.
In der griechischen Politik gibt wohl eine Zäsur, aber keinen völligen
Neubeginn; jetzt gibt es eine offene Situation.
Nach der Schlacht
bei Salamis treffen
sich die Griechen
am Isthmos, und es
geht um das weitere
Vorgehen. Es sind
nur
noch
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Trieren
versammelt, und es besteht
noch Unsicherheit,
ob man die Perser
verfolgen und angreifen soll. Man
fährt zunächst bis
Delos; hier liegt die
Grenze des persischen Einflussbereichs.
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Man diskutiert über neue Ziele, z. B.:
sollen die Poleis in Kleinasien befreit werden? Eher nicht, denn es gab noch
keinen Panhellenismus (viele Griechen in Kleinasien stehen auf Seiten der
Perser), es geht um schlichte Machtfragen.
Nach der Schlacht bei Mykale geht man zögerlich auf die Bitten von Samos
und Chios um Aufnahme in den Hellenbund ein; aber es gibt viele weitere
Bitten um Aufnahme.
In der „Samos - Konferenz“ wird über die Aufnahmeanträge beraten. Die
Spartaner sind strikt dagegen; sie haben auf der Peloponnes erhebliche
Probleme und wollen erst zuhause ihr Macht sichern.
Athen ist für die Aufnahme der Kleinasiaten.
Von Herodot wird die Diskussion wie folgt überliefert:
Es wird ein Kompromiss gefunden: die Inseln werden aufgenommen, die
Städte in Kleinasien nicht, hier bleibt die Frage der Aufnahme offen. Evtl.
wurde den Städten von Athen Schutz angeboten.
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Die „Kleinasienfrage“ bleibt ungelöst, und sie bleibt es für Jahrhunderte. Hier
zeichnet sich aber erstmals ein Interessenkonflikt zwischen Sparta und
Athen ab, der die Geschichte lange Zeit bestimmen wird.
Nach der Konferenz fahren die Spartaner zurück, die Athener und die
Anderen fahren nach Gallipoli; sie wollen die persischen Brücken zwischen
Abydos und Sestos zerstören – diese sind aber bereits abgebrochen.
Für die Politik Athens gibt es für die Zukunft zwei Optionen:
Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich in den nächsten zwei
Jahrhunderten die Politik Athens und Spartas.
Prof. Funke in „Athen in Klassischer Zeit“ (Seite 45)
„Die Athener wollten sich mit dieser Lösung nicht zufrieden geben und boten
sich daher den kleinasiatischen Poleis als Schutzmacht an. Bis dahin hatten sie
sich stets dem Oberbefehl der Spartaner unterstellt, obgleich sie die Hauptlast
der Perserkriege getragen hatten…
Jetzt aber beschritten sie eigene Wege. Während Leotychidas mit den
peloponnesichen Schiffsverbänden nach Griechenland zurückkehrte, belagerten
die Athener im Winter 479/78 v. Chr. mit Unterstützung ionischer und
hellespontischer Griechen erfolgreich die persische Garnison Sestos. Mit dieser
Aktion legten sie den Keim, aus dem sich nur ein Jahr später ein umfassendes
Bündnissystem entwickelte, das die Grundlage der athenischen Macht im 5.
Jahrhundert v. Chr. bilden sollte.“ (Zitat Ende)
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8. Sitzung vom 06.01.2010
IV.
Die Pentekontaëtie (Forts.)
1. Die Mächtekonstellation in der griechischen Staatenwelt
Durch die Erfolge in den Perserkriegen war das athenische Selbstbewusstsein
stark gefestigt worden und ihr Ansehen bei den übrigen Helenen war ebenso
stark gestiegen. Es war aber auch nicht zu übersehen, dass der Antagonismus
(die Gegnerschaft) zwischen Sparta und Athen ebenso zugenommen hatte. Athen
nutzte nun „die Gunst der Stunde“, um sich gegenüber seinem Widersacher
Sparta stärker zu emanzipieren und so einen größeren Handlungsspielraum zu
bekommen. Dabei war die athenische Politik nicht ausschließlich antispartanisch, wenn auch die Stärkung der eigenen Position den Athenern extrem wichtig
war. Das Beispiel der Belagerung von Sestos zeigt, das „das Eine das Andere
nicht ausschließt“ – so Prof. Funke.
Sparta seinerseits befürchtete, dass Athen durch die beiden großen Siege über
die Perser neben dem bereits vorhandenen kulturellen Übergewicht nun auch
noch das militärische bekommen könnte. Die Athener schienen andererseits zu
ahnen, was auf sie in den nächsten Jahren zukommen würde und so bauten sie
479/78 v. Chr. – gleich nach der Vertreibung der Perser – unter Themistokles um
ihre Stadt und den Hafen Piräus eine Mauer und schufen so ein festes Bollwerk
gegen evtl. Gegner. Sparta hatte aber gefordert, dass alle städtischen
Befestigungsanlagen geschleift bzw. nicht wieder aufgebaut werden sollten.
Insofern belastete der Mauerbau die gegenseitigen Beziehungen, wenn er auch
nicht alleine ausschlaggebend war.
Athen, seine Häfen und die „Langen Mauern“
Dieser „Korridor“ ermöglichte eine direkte Verbindung zwischen beiden Plätzen
auch bei einer Belagerung
Bildquelle: Arbeitsmaterial zur Vorlesung
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Diese Bilder zeigen links den Aufbau der
Mauer, wobei in der besprochenen Zeit der
Themistokleische Sockel aktuell war
(478 v. Chr.).
Das Bild oben rechts vermittelt einen
Eindruck von der Höhe der Mauer im
Endzustand.
Unten ist ein Querschnitt durch die
einzelnen Bauphasen zu sehen
Bildquelle: Arbeitsmaterial zur Vorlesung
Athen entsendet eine Gesandtschaft nach Sparta, um in Sachen Mauerbau zu
vermitteln – diese wird hingehalten. Athen verfährt mit einer spartanischen
Gesandtschaft ebenso und währenddessen geht der Mauerbau weiter. So werden
die protestierenden Spartaner vor vollendete Tatsachen gestellt, zu einem
offenen Bruch kommt es aber nicht. Der athenische Historiker Thukydides (um
460- zw. 399 u. 396 v. Chr.) schreibt in seinem Werk über den Peloponnesischen
Krieg im 1. Buch / 92-1 (she. auch Kasten auf Seiten 70 und 71):
„…doch im Geheimen grollten sie wegen des Scheiterns ihrer Absicht“.
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Teil der athenischen Stadtmauer im Kerameikos
Im Kerameikos liegt der bedeutendste antike Friedhof in Athen.
Bildquelle: Arbeitsmaterial zur Vorlesung
Die Mauer ist also nicht nur als eine Maßnahme zu sehen, die aus den
Erfahrungen in den Perserkriegen resultierte, sie sollte durchaus auch dem
Schutz Athens und seines Hafens gegen Sparta dienen. Es geht also um eine
machtpolitische Kontrolle, die Athen weiteren politischen Spielraum geben
würde.
„Pragmatisch gesehen, dient die Mauer Athen zunächst als Schutz, sie ist aber
auch Sinnbild der Athener Herrschaftspolitik und Sparta beugt sich – zunächst –
den gegebenen Verhältnissen“ – so Prof. Funke.
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Thukydides / Der Peloponnesische Krieg / 1. Buch
(90 / 3) Die Athener verabschiedeten auf den Rat des Themistokles eilig die
Lakedaimonier, die das vorgeschlagen hatten, mit dem Bemerken, sie würden in
dieser Angelegenheit Gesandte zu ihnen schicken. Ihn selbst aber, verlangte
Themistokles, sollten sie möglichst schnell nach Sparta entsenden, andere ihm
hinzugezählte Gesandte aber nicht gleich abgehen lassen, sondern solange
zurückhalten, bis sie die Mauer ausreichend aufgebaut hätten, um von der (zur
Verteidigung) unbedingt nötigen Höhe aus kämpfen zu können….
(4) Er gab ihnen diesen Rat, fügte noch hinzu, er werde die Angelegenheit dort
(in Sparta) selbst regeln, und reiste sodann ab.
(5) Nach seiner Ankunft in Sparta wandte er sich nicht gleich an die Regierung,
sondern gebrauchte Verzögerungen und Ausflüchte, und jedes Mal, wenn ihn
einer von den obersten Beamten fragte, warum er nicht vor den Staatsbehörden
erscheine, antwortete er, er erwarte seine Mitgesandten, wegen irgendeiner
Verhinderung seien diese aber zurückgeblieben, er vermute aber, sie würden in
Kürze kommen, und er wundere sich selbst, dass sie noch nicht da seien…
(91 / 1) ….Als aber andere ankamen und ganz bestimmt aussagten, an der
Stadtmauer werde gebaut und sie erreiche schon eine beachtliche Höhe,
konnten (die Spartaner) nicht umhin, ihnen zu glauben.
(2) Als jener das merkte, riet er ihnen, sich nicht so sehr durch Gerüchte
verleiten zu lassen, sondern aus ihrer eigenen Mitte Männer zu schicken, die
verlässlich seien und getreu berichten würden, was sie gesehen hätten.
(3) So taten sie, und Themistokles übermittelte den Athenern heimlich den
Auftrag, diese Gesandten möglichst unauffällig zurückzuhalten und nicht eher
abreisen zu lassen, bevor sie selbst zurückgekommen wären...Er fürchtete
nämlich, die Lakedaimonier würden sie, sobald sie sichere Kunde erhalten
hätten, nicht mehr abreisen lassen.
(4) Die Athener hielten also die Gesandten auftragsgemäß zurück. Themistokles
aber wandte sich an die Lakedaimonier und erklärte nun endlich offen, die Stadt
sei bereits befestigt…
(92 / 1) Die Lakedaimonier zeigten auf diese Nachricht hin zwar nicht offenen
Zorn gegen die Athener – denn nicht zur Verhinderung (des Mauerbaues),
sondern um einen Vorschlag zum gemeinsamen Besten vorzubringen, hatten sie
die Gesandtschaft abgeschickt; zugleich waren sie ihnen damals wegen des in
den Perserkriegen gezeigten Einsatzes auch überaus wohlgesinnt -,
doch im Geheimen grollten sie wegen des Scheiterns ihrer Absicht.
Und so kehrten die Gesandten beider Staaten ohne gegenseitige Vorwürfe nach
hause zurück.
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(93 / 1-8) Auf diese Art befestigten die Athener ihre Stadt in kurzer Zeit, und
man sieht es dem Mauerwerk heute noch an, dass es in der Eile entstand. Denn
die Steine des Unterbaus sind bunt zusammengewürfelt, stellenweise nicht
einmal passend zugehauen, sondern wie jeder grade gebracht wurde, und viele
Denksteine von Gräbern und bearbeitete Blöcke wurden eingefügt. Zur
Vergrößerung wurde nämlich auch der Mauerring um die Stadt nach allen Seiten
hinausgeschoben, und darum holten sie in der Hast alles, was sie fanden.
Themistokles bestimmte sie auch, am Piräus den Rest aufzubauen - angefangen
war dort schon früher unter seiner Leitung, zu der er Jahr um Jahr in Athen
gewählt wurde -, denn er meinte, der Platz sei vorzüglich mit seinen drei
natürlichen Häfen und werde ihnen, da sie nun Seefahrer geworden seien, zu
großem Machtgewinn verhelfen (denn er gab zuerst den kühnen Rat, sich ganz
aufs Meer zu verlegen); so war er von Anfang an dabei, den Grund zum
Attischen Reiche zu legen.
Nach seinem Vorschlag bauten sie auch die Mauer so dick, wie sie heute
noch zu sehen ist am Piräus; denn zwei Karren in entgegengesetzter Richtung
führten die Blöcke zu, und dazwischen war weder Bruchstein noch Lehm,
sondern große, rechtwinklig geschnittene Quadern wurden durchgeschichtet und
von außen durch Eisen und Blei miteinander verklammert. In der Höhe wurde
etwa halb soviel erreicht, wie beabsichtigt war. Er wollte nämlich durch die
Größe und Dicke den Feinden die Lust zum Angriff nehmen, und zum Schutz,
meinte er, würden dann wenige Menschen, die untauglichsten genug sein, und
die übrigen könnten zur See dienen. An der Flotte war ihm alles gelegen,
nachdem er gesehen, vermute ich, wie der Großkönig sein Heer auf Schiffen so
viel leichter an den Feind gebracht hatte als auf dem Lande. So schien ihm auch
der Piräus nützlicher als die obere Stadt, so dass er den Athenern oft empfahl,
wenn sie je zu Land der Gewalt erliegen sollten, müssten sie dort hinabziehen
und mit der Flotte aller Welt widerstehen. So kam Athen zu seiner Mauer und
den übrigen Anlagen gleich nach dem Rückzug der Perser.
2mal Thukydides
1.) Thukydides (* um 460 v. Chr.; † zwischen 399 und 396 v. Chr.)
war ein Athener Stratege und antiker Historiker.
Dichter des Werkes über den Peloponnesischen Krieg
2.) Thukydides, ein Athener Politiker und Feldherr.
Seine genauen Lebensdaten sind nicht bekannt, er war aber ein Zeitgenosse und
entschiedener Gegner des Perikles (um 490 - 429 v. Chr.). Thukydides gehörte
zur Aristokratie Athens und stammte aus dem Demos Alopeke. 444 v. Chr.
wurde Thukydides durch das Scherbengericht verbannt (ostrakisiert) und
musste ins Ausland gehen.
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Thukydides –
Der Peloponnesische Krieg
Büste des Thukydides
Athen in der Antike
Ob es wirklich eine innere Mauer (rot) gegeben hat, ist absolut ungewiss. Die
archäologischen Funde geben keine genaue Auskunft.
Der äußere, blaue Mauerring und die parallel verlaufenden Mauern in Richtung
Piräus haben dagegen mit Sicherheit bestanden.
Bildquelle: Arbeitsmaterial zur Vorlesung
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Byzanz und Zypern –
die beiden Ziele der Flottenexpedition des Helenenbundes 478 v. Chr. unter
Pausanias, Aristeides und Kimon. Das Perserreich sollte an zwei Flanken
gleichzeitig angegriffen werden, um seinen Einfluss zurückzudrängen.
Das Zerwürfnis mit Pausanias und der Kommandowechsel in Byzanz sollten
weit reichende Folgen für den Hellenenbund in der näheren Zukunft haben.
Bildquelle: Arbeitsmaterial zur Vorlesung
Zyprische Herrschaftszentren in archaischer Zeit
Zypern war damals „ein eigener kleiner Kosmos“ mit 12 Königreichen.
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Im Frühjahr des Jahres 478 v. Chr. startet ein aus athenischen, spartanischen,
attischen und jonischen Schiffen bestehendes
Flottenkontingent
des
Hellenenbundes unter der Führung des Pausanias – des Siegers von Plataiai eine Unternehmung gegen Persien. Aber auch die Athener Aristeides und
Kimon – Sohn des Miltiades (um 550-489 v. Chr.) – waren dabei. Das
Unternehmen hatte zwei Hauptziele:
die Befreiung der griechischen Städte auf Zypern und den Schutz gegen
die phönizische Flotte der Perser zu erhöhen und
das Gebiet der Dardanellen und damit Byzantion (Byzanz)
einzunehmen. Beides gelingt, die Flotte überwintert am Bosporus.
Beide Ziele entsprachen durchaus den Zielen des Hellenenbundes – der
persische Einfluss in der Region sollte zurückgedrängt werden. Weshalb „die
Aktion Sinn machte“ (Funke). Man muss aber auch bedenken, dass es auf Zypern
damals 12 Königreiche gab. Es gab also nicht nur eine Frontstellung, nicht nur
ein Spannungsfeld. Bemerkenswert ist, dass es auch jetzt wieder ein offensives
Verhalten des Hellenenbundes, gegenüber dem eigentlich verfolgten defensiven
Verhalten.
Und in Thrakien ist Persien immer noch präsent!
Das Winterhalbjahr 478/77 v. Chr. markiert eine „machtpolitische Wende“.
Anlass war das ruhmsüchtige, selbstherrliche Verhalten des Pausanias. Er
benutzte die Ruhe der Kampfpause, um seine eigene machtpolitische Stellung zu
stärken und führte sich selbst wie ein persischer Despot auf. Er wurde sogar des
Medismos – also der Konspiration mit den Persern - beschuldigt, dieser Vorwurf
steht bei allen Aussagen mit im Vordergrund. Wenn diese Aussagen auch –
möglicherweise – das wirkliche Geschehen „überzeichnen, kennzeichnen sie doch
die Ziele des Pausanias“ – so Prof. Funke. Auch Herodot (5.32 / Kasten unten)
hat nur 40 Jahre später schon Zweifel am Wahrheitsgehalt der Aussagen;
Thukydides (1.128 / Kasten auf Seite 75) dagegen bestätigt - fast zeitgleich diese Aussagen!
Hdt. 5.32
Zu deren Befehlshaber ernannte er [= Dareios] den Megabates, einen
Perser aus dem Haus der Achaimeniden, seinen und Dareios' Vetter,
eben den, mit dessen Tochter - das heißt, falls die Geschichte wirklich
wahr ist - lange Zeit nach diesen Ereignissen Pausanias, Kleombrotos`
Sohn, der Lakedaimonier, verlobt war, als der Verlangen bekam,
Herr über Hellas zu werden.
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Klaus Donndorf – Vorlesungsnotizen
Vorlesung: Von Stadtstaaten , Bünden und
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Thuk. 1.128 - 130
« Pausanias, Führer von Sparta, sendet dir, um dir gefällig zu sein,
diese Kriegsgefangenen zurück, und ich tue dir den Vorschlag, wenn
es dir auch recht ist, deine Tochter zu heiraten und dir Sparta und
das übrige Hellas untertan zu machen. Ich glaube dazu imstande zu
sein, wenn wir uns gemeinsam beraten. Sagt dir etwas zu von diesen
Dingen, so sende einen zuverlässigen Mann an die Küste, durch den
wir künftig miteinander reden können.» Soviel besagte das Schreiben.
Xerxes freute sich über den Brief und sandte Artabazos Pharnakes'
Sohn an die Küste, mit der Weisung, die Satrapie von Daskyleion zu
übernehmen und Megabates, der sie bisher verwaltete, abzulösen, und
gab ihm für Pausanias einen Antwortbrief mit, den er baldigst nach
Byzanz bestellen solle unter Vorzeigung des Siegels, und wenn ihm
Pausanias Aufträge gebe in Sachen des Königs, solle er sie aufs beste
und treueste erfüllen. Wie nun Artabazos hinkam, tat er alles, wie ihm
gesagt war, und übersandte den Brief.
Darin stand folgende Antwort:«So spricht König Xerxes zu
Pausanias: Wegen der Männer, die du mir übers Meer aus Byzanz
gerettet hast, soll dir die Wohltat in unserem Hause für immer zu
Dank verzeichnet sein, und was du mir schriebest, sagt mir zu. Nicht
Nacht noch Tag soll dich hemmen, dass du säumest zu tun, was du
mir versprichst; kein Bedarf an Gold und Silber darf dich hindern,
noch an Kriegsvolk, wenn du es irgendwo zur Stelle brauchst,
sondern mit dem edlen Artabazos, den ich dir schicke, betreibe du
unbedenklich meine und deine Dinge, wie es sich für uns beide am
schönsten und besten fügt.»
Als Pausanias dies Schreiben empfangen hatte, er, der schon vorher
bei den Hellenen hoch angesehen war wegen seiner Führerschaft bei
Plataia, da stieg sein Stolz noch viel höher; er konnte nicht mehr in
der herkömmlichen Weise leben, sondern trug, als er Byzanz verließ,
persische Tracht, umgab sich auf seinem Weg durch Thrakien mit
einer persischen und ägyptischen Leibwache, ließ sich persische
Mahlzeiten auftischen und konnte seine Gesinnung nicht verbergen,
sondern gab durch kleine Züge seines Handelns zu erkennen, was
sein Geist für später zu vollführen gedachte. Er erschwerte den
Zugang zu sich und war so aufbrausend gegen alle ohne Unterschied,
dass niemand ihm zu nahen wagte; das war ja auch ein Hauptgrund,
warum die Verbündeten zu Athen übergingen.
Thuk. 1.132
(2) ….Auch sein sonstiges Verhalten überprüften sie, ob er etwa von den
geltenden Bräuchen abgewichen sei, und vor allem, dass er einst auf den
Dreifuß in Delphi, den die Griechen als Ehrengabe aus der Perserbeute
aufgestellt hatten, selbst aus eigenem Ermessen folgende Inschrift hatte
anbringen lassen:
Herr der Hellenen im Feld, Vernichter des persischen Heeres,
stellt Pausanias hier, Phoibos (Apollon), das Mahnmal dir auf.
Diesen Zweizeiler hatten die Spartaner gleich damals von
dem Dreifuß weggefeilt und dafür die Namen aller Städte aufgeschrieben,
die zusammen den Barbaren geschlagen und das Weihgeschenk
errichtet hatten.
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Klaus Donndorf – Vorlesungsnotizen
Vorlesung: Von Stadtstaaten , Bünden und
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Das Gebaren des Pausanias (she. Seite 74) bewirkt jedenfalls bei den ionischen
Griechen, die auch einen entscheidenden Anteil am Erfolg dieser letzten
Unternehmung hatten, einen Stimmungsumschwung. Schon während der Samos
– Konferenz ein Jahr vorher war das geringe Interesse Spartas am Schicksal
dieser ionischen Griechen deutlich geworden. Die im Helenenbund vereinigten
Verbündeten - allen voran die Inseln Chios und Samos, beides mächtige
Staaten, stellen sich auf die Seite Athens und erzwingen, dass der Oberbefehl
über die Flotte auf den Athener Aristeides (um 550 – 467 v. Chr.) übergeht. Sie
wollen nicht mehr mit Pausanias zusammenarbeiten.
„Hintergrundmusik“ für die kommenden Ereignisse!
Dieser Aristeides war in den 480er Jahren ostrakisiert worden, im Zuge einer
Amnestie aber im Jahr 480 v. Chr. nach Athen zurückgekehrt und hatte sich am
Kampf gegen die Perser beteiligt. Er sollte - „die Gunst der Stunde nutzend“ –
Gründer eines gänzlich neuartigen Bündnissystems werden, welches wesentlich
festere Organisationsstrukturen hatte, als z.B. der Hellenenbund.
Der Attische Seebund auch Delisch – Attischer Seebund,
weil das Verwaltungszentrum auf der Insel Delos etabliert war.
Jedes Mitglied hatte einen Beitrag zu leisten, entweder eine Flotte zu stellen
oder Geld zu bezahlen. Das Geld – 460 Talente, was fast 12.000 kg Silber
entsprach - floss in eine Bundeskasse, die von 10 athenischen
Schatzmeistern verwaltet wurde und im Apollonheiligtum auf Delos etabliert
war. Dieser Beitrag war aber immer noch geringer, als die persischen
Satrapien in Kleinasien an den Großkönig zu zahlen hatten.
Bildquelle: Dtv - Atlas Weltgeschichte / Band 1
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Klaus Donndorf – Vorlesungsnotizen
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9. Sitzung vom 06.01.2010
V.
Die Pentekontaëtie (Forts.)
1. Die Neuformierung der Mächtekonstellation in der
griechischen Staatenwelt
1.1
Die Gründung des Delisch – Attischen Seebundes
Die ionischen Griechen erzwingen – wie gehört – vor Byzanz durch die
Absetzung des Pausanias einen Machtwechsel hin zu Aristeides und Kimon. Die
Ionier „setzen jetzt ganz auf Athen“, Athen ist hier also „auf ganzer Linie der
Gewinner“ (Prof. Funke). Wie überhaupt die Jahre zwischen 478 und 431 ganz im
Zeichen des Erstarkens Athens standen!
Die Absetzung des Pausanias in Byzanz bleibt
natürlich in Sparta nicht unbemerkt und er wird
jetzt ganz offiziell ab- und nach Sparta
zurückberufen. Für ihn schickt Sparta den
Dorkis als „Ersatzmann“, der sich aber nicht
lange
hält
und
zusammen
mit
den
peloponnesichen Truppenkontingenten Byzanz
verlässt. Da ein Verfahren gegen Pausanias zu
dessen Gunsten ausfiel, wird er 477 v. Chr.
wieder nach Byzanz geschickt, wo er bis 472
oder 471 bleibt. Da er schnell wieder seine alte
Machtstellung erreicht, ist anzunehmen, dass er
einen „Strohmann“ in Byzanz gehabt haben
muss.
Nur agiert er jetzt nicht mehr für Sparta, sonBüste des Pausanias
dern versucht, eine eigene Herrschaft für sich aufzubauen. Was vermuten lässt, dass er in Byzanz durchaus noch Anhänger hatte.
Solche eigenen Herrschaften außerhalb einer Polis aufzubauen, war zu dieser Zeit
möglich.
Aber dieses Gastspiel dauert nur kurze Zeit,
denn schon 472 oder 471 v. Chr. wurde er von
dem Athener Kimon wieder vertrieben und
etablierte sich in dem Ort Kolonai. Die erneute
Rückkehr
nach
Sparta,
eine
mögliche
Verschwörung mit den Heloten, seine Flucht in
den Tempel der Athena Chalkioikos – dessen
Eingänge
man
zumauerte
–
und
sein
anschließender Tod durch Verhungern (um 467 v.
Chr.) zeigt das unrühmliche Ende einer
entscheidenden Persönlichkeit auf griechischer
Seite
während
der
Perserkriege.
Athene
Chalkioikos (Bronzehaus) ist die antike volkstümBüste des Cornelius Nepos liche Bezeichnung für die Stadtgöttin von Sparta.
(ca. 100 - 28 v. Chr.)
77
Klaus Donndorf – Vorlesungsnotizen
Vorlesung: Von Stadtstaaten , Bünden und
großen Reichen – Prof. Dr. Peter Funke
Cornelius Nepos
ein römischer Historiker und Biograph / ca. 100 - 28 v. Chr. schreibt (Zitat)
Übersetzung nach J. Siebelis bearbeitet von E. Gottwein
Nach Sparta wollte er nicht zurückkehren, sondern hatte sich nach dem
Flecken Kolonai im Gebiet von Troja begeben, wo er nicht minder für das
Vaterland, als für sich selbst verderbliche Pläne schmiedete.
Als dies die Lakedaimonier erfuhren, schickten sie ihm Boten mit dem Stab,
worauf nach üblicher Weise geschrieben stand: wenn er nicht heimkehre, werde
er zum Tode verurteilt. Auf diese Botschaft hin kehrte er in der Hoffnung, auch
jetzt noch mit seinem Geld und seinem Einfluss die drohende Gefahr abwenden
zu können, in die Heimat zurück, wurde aber, sobald er dort ankam, von den
Ephoren (Aufseher, gewählte Jahresbeamte) in das Staatsgefängnis geworfen.
Denn nach den spartanischen Gesetzen kann das jeder Ephor an dem König tun.
Doch verhalf er sich wieder zur Freiheit, blieb aber nichts desto weniger im
Verdacht, da sich die Ansicht erhielt, er stehe mit dem König (der Perser) in
Verbindung. Es gibt eine Gruppe Leute, die Heloten heißen, von denen eine
große Menge die Ländereien der Lakedaimonier bebaut und Sklavendienste
verrichtet. Auch diese, argwöhnte man, wiegle er durch das Versprechen der
Freiheit auf.
Da aber in diesen Dingen keine offene Beschuldigung vorlag, die man ihm
hätte vorwerfen können, glaubte man, über einen so bedeutenden und
berühmte Mann nicht nach Verdachtsgründen urteilen zu dürfen, sondern
abwarten zu müssen, bis die Sache von selbst an den Tag käme….
Daher entfloh er seinen Verfolgern um wenige Schritte voraus in das Heiligtum
der Athena mit dem Beinamen Chalkioikos. Um sein Entkommen von da zu
verhindern, ließen die Ephoren sogleich die Türen des Tempels verrammeln und
das Dach abdecken, damit er unter freiem Himmel desto schneller sterbe. Man
erzählt, die Mutter des Pausanias habe damals noch gelebt und schon
hochbetagt habe sie, von den Verbrechen ihres Sohnes unterrichtet, unter den
ersten einen Stein zur Einmauerung ihres Sohnes zum Tempel gebracht.
So befleckte Pausanias seinen hohen Kriegsruhm durch ein schimpfliches
Ende. Als man ihn halb tot aus dem Tempel trug, hauchte er sogleich sein Leben
aus (473). Der Leichnam des Toten, behaupteten einige, müsse eben dahin
geschafft werden, wohin man die zum Tod Verdammten stürze; die meisten
jedoch waren dagegen und man scharrte ihn in einiger Entfernung von dem
Platz ein, wo er gestorben war. Von dort wurde er später auf Befehl des
delphischen Gottes wieder ausgegraben und an derselben Stelle bestattet, wo er
sein Leben geendet hatte.
(Quelle: Internet)
Ein späterer Orakelspruch verurteilte dieses Vorgehen als Unrecht, welches
gesühnt werden musste. Als Sühneakt wurden an der Bestattungsstelle später
zwei Statuen aufgestellt.
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Klaus Donndorf – Vorlesungsnotizen
Vorlesung: Von Stadtstaaten , Bünden und
großen Reichen – Prof. Dr. Peter Funke
Heloten ( „die Eroberten“, „die Gefangenen“)
nannte man die Angehörigen einer sozialen Schicht von Menschen im Staat
Lakedaimon (Sparta), die zwar im Staat sesshaft, aber keine Bürger waren. Sie
waren „an die Scholle gebunden“ und wurden als zahlenmäßig größte
Bevölkerungsgruppe der „öffentlichen Sklaven“ angesehen.
Sie waren für jedermann an ihrer Kleidung erkennbar.
(nach Wikipedia)
Brennpunkte politischer Konflikte im Machtbereich Spartas auf der
Peloponnes in den 470er Jahren
Bildquelle: Arbeitsmaterial zur Vorlesung
Nach der Beendigung der Perserkriege revoltierten 464 v. Chr. erst die Heloten
gegen Sparta (sog. 3. Messenischer Krieg). Gleichzeitig geriet Sparta in
Schwierigkeiten, weil es ihm nicht gelang, die Peloponnes unter seiner Führung
zu vereinen. Nicht nur das seit eh und je feindliche gesinnte Argos – es erstarkt
in dieser Zeit - , auch einige Verbündete im Peloponnesischen Bund, die Städte
Elis, Mantinea und Tegea bereiteten Sparta Probleme. Orchomenos, Tiryns und
Mykene ebenso. Synoikismos (die geplante Zusammenlegung mehrerer Dörfer
zu einer Stadt) macht das Erstarken dieser Poleis möglich.
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Klaus Donndorf – Vorlesungsnotizen
Vorlesung: Von Stadtstaaten , Bünden und
großen Reichen – Prof. Dr. Peter Funke
Die Polis Elis im Nordwesten der Peloponnes erstarkt durch einen
Synoikismos, durch den ein starker urbaner Stadtkern entsteht. Das antike Elis
hatte in klassischer Zeit die Aufsicht über die Olympischen Spiele. Sparta wurde
u.a. wegen Nichtzahlung eines Strafgeldes von den Olympischen Spielen
ausgeschlossen. Später wurde Elis wieder in das Bündnis mit Sparta
gezwungen.
Auch Tegea entstand in der archaischen Epoche durch Synoikismos. Zwar
scheiterte ein Versuch, die Abhängigkeit von Sparta ganz abzuschütteln, Tegea
blieb im Bund, erreichte aber mehr Selbständigkeit.
Mantinea war von Anfang an Rivalin mit dem nördlich gelegenen Tegea um
die Kontrolle der fruchtbaren arkadischen Hochebene. Auch diese Polis konnte
eine stärkere Selbständigkeit und damit größeren Einfluss gegenüber Sparta im
Bund erreichen.
Orchomenos, Tiryns, Argos und Mykene erleben eine ähnliche
Entwicklung, auch ihre Selbständigkeit und damit ihr Einfluss vergrößern sich
gegenüber
Sparta.
Durch
die
Bildung
dieser
„Substrukturen“
im
Peloponnesischen Bund fühlte Sparta sich bedrängt und büsste viel von seiner
Stellung und seinem Ansehen in Griechenland ein. Zwar konnte es durch einen
Sieg in der Schlacht von Tegea (um 470 v. Chr.) die Lage etwas stabilisieren,
der Peloponnesische Bund droht aber trotzdem zu zerfallen.
476 v. Chr. unternimmt Leotychidas einen Sühnefeldzug
gegen die thessalische Stadt Larisa (she. Seite 81)
Bildquelle: Arbeitsmaterial zur Vorlesung
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Klaus Donndorf – Vorlesungsnotizen
Vorlesung: Von Stadtstaaten , Bünden und
großen Reichen – Prof. Dr. Peter Funke
Wegen der Probleme, die Sparta mit den o.g. Verbündeten auf der Peloponnes
hatte, versucht es, in Attika wieder Einfluss zu gewinnen und startet 476 v. Chr.
einen Sühnefeldzug unter dem König Leotychidas (um 545-466/469 v. Chr.)
gegen die thessalische Stadt Larisa, weil sich die hier ansässige Familie der
Aleuaden während der Perserkriege des Medismos schuldig gemacht hatte. Dafür
sollte diese jetzt bestraft werden. Da Leotychidas aber unverrichteter Dinge
zurückkehrte, wurde er in Sparta wegen einer vermuteten Bestechung angeklagt
und flüchtete vor seiner Bestrafung ins Asyl nach Tegea, wo er einige Jahre
später starb.
Das Ziel dieser Strafexpedition sollte sein - neben der Bestrafung der
Aleuaden – in Thessalien ein Gegengewicht zu bilden neben der unsicheren
Situation auf der Peloponnes. Im südlichen Thessalien war das Orakel von
Delphi angesiedelt (delphische Amphiktyonie), ein „mächtiges Instrument in der
damaligen politischen Welt“ (she. Seite 14). Delphis Ansehen war so groß, dass
es entscheidend war, wer dort „das Sagen hatte“. Das Unternehmen des
Leotychidas scheitert also, denn auch Athen legte Einspruch ein, hatten doch
beide Staaten – Athen und Sparta – die propersischen Staaten verurteilt.
Die delphische Amphyktionie und der thessalische Einfluss
im 5. Jahrhundert v. Chr.
Bildquelle: Arbeitsmaterial zur Vorlesung
Aristot. AP 23.5
Deshalb war er (= Aristeides) es auch, der die ersten Beiträge für die
Bundesstädte im dritten Jahre nach der Schlacht bei Salamis, unter dem
Archonten Timosthenes (478/7 v. Chr.), festsetzte; er leistete auch den
Ioniern die Eide, dass es dieselben Feinde und dieselben Freunde geben
solle; zur Bekräftigung dessen versenkten sie die Eisengewichte im
Meer.
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Klaus Donndorf – Vorlesungsnotizen
Vorlesung: Von Stadtstaaten , Bünden und
großen Reichen – Prof. Dr. Peter Funke
All dies bisherige Geschehen liegt immer noch im Rahmen des
Hellenenbundes. Aber im Jahr 478/77 v. Chr. wird durch Aristeides etwas
geschaffen, was heute allgemein bezeichnet wird als
Attischer Seebund oder Delisch - Attischer Seebund.
Dieser Attische Seebund (she. Karte Seite 76) bestand aus zeitlich
unbegrenzten, bilateralen Verträgen, die Athen mit Poleis auf dem griechischen
Festland, in Westkleinasien und in Thrakien sowie zahlreichen ägäischen Inseln,
abschloss. Er war eine direkte Folge der Ereignisse der Perserkriege, die 480 v.
Chr. vorentschieden worden waren (Sieg in der Seeschlacht bei Salamis) und
sollte die Perser künftig von der Ägäis fernhalten, sowie wichtige Seehandelswege schützen. Fraglich ist bis heute, ob mit dieser Seebundgründung der
Hellenenbund aufgelöst wurde oder ob dieser noch bis 461 v. Chr. weiter
bestand, als es zum endgültigen Bruch zwischen Athen und Sparta kam
(Diskussion Giovannini/Gottlieb versus Steinbrecher). Allerdings scheint ein
Weiterbestand des Hellenenbundes neben dem Attischen Seebund – sogar mit
Doppelmitgliedschaften - bis 461 v. Chr. als wahrscheinlicher (Funke).
Wenn dieser Bund auch zunächst gegen das Perserreich gerichtet war, ließ die
Zielsetzung der „Anerkennung der selben Freunde und derselben Feinde“ (she.
Kasten Seite 81) doch auch andere Ziele grundsätzlich offen. Sicher war aber,
dass Athen den militärischen Oberbefehl bekam – und zwar zu Wasser und zu
Lande. Athen bekam so ein wichtiges Herrschaftsinstrument in die Hand, das es
im Zuge seiner inneren demokratischen Umgestaltung zu einer erdrückenden
Vormachtstellung ausbaute. Die dementsprechende Originalbezeichnung dieser
Hegemonieellen Symmachie lautete:
Die Athener und ihre Bundesgenossen“
„Hoi Athenaíoi kai hoi sýmmachoi“
Beim Attischen Seebund handelte es sich um ein neuartiges Bündnissystem
mit festeren Organisationsformen, als sie z.B. der Hellenenbund besaß. Den
Kern bildeten Mitgliedsbeiträge, die in eine Bundeskasse flossen, die auf der
Insel Delos – dem Zentrum aller ionischen Griechen - im Apollonheiligtum
deponiert war und von 10 athenischen Schatzmeistern verwaltet wurde. Dort
tagte auch die Bundesversammlung. Wer wie die größeren Inseln Thasos,
Naxos, Lesbos, Chios oder Samos kein Schiffskontingent stellen konnte, musste
einen jährlichen Beitrag von 460 Talenten zahlen; das entsprach fast 12.000 kg
Silber oder mehr als 5 Millionen Tageslöhnen eines athenischen Handwerkers.
War aber immer noch weniger, als die persischen Satrapien in Kleinasien an den
Großkönig zu zahlen hatte (she. auch Seite 76). Das Versenken von
Eisengewichten im Meer symbolisiert, dass das Bündnis auf Dauer gelten soll
(she. Kasten Seite 81).
Trotzdem werden diese enormen Beträge als Phoros, also mehr als Tribut
denn als Beitrag von den Mitgliedern empfunden. Sie sind ein Beispiel dafür, wie
sehr Athen seine Vormachtstellung im Bund ausnutzt, indem es seine Mitglieder
regelrecht „aussaugt“. So ist der Bund Kern der machtpolitischen Ambitionen
Athens, der den Mitgliedern andererseits aber auch Vorteile bietet, z.B. im
Flottenverbund. Insofern „sind sie hier sogar besser aufgehoben, als irgendwo
anders“ – so Prof. Funke.
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Klaus Donndorf – Vorlesungsnotizen
Vorlesung: Von Stadtstaaten , Bünden und
großen Reichen – Prof. Dr. Peter Funke
Thuk. 1.96
Auf diese Weise bekamen die Athener die Führung, mit Zustimmung
der Verbündeten, weil Pausanias verhasst war, und setzten nun fest,
welche Städte Geld gegen den Barbaren beisteuern sollten und
welche Schiffe - denn das Vorgeben war:
Vergeltung erlittener Unbill durch Verwüstungen des königlichen
Landes. Damals setzten die Athener zuerst die Behörde der
Schatzmeister von Hellas ein, den Beitrag zu empfangen (so nannte
man die Geld-Beisteuer).
Der erste Beitrag, der umgelegt wurde, betrug vierhundertsechzig
Talente; als Schatzhaus wählten sie Delos, und dort im Heiligtum waren
auch ihre Versammlungen.
Bildquelle: Arbeitsmaterial zur Vorlesung
Text aus „Der Peloponnesische Krieg“ von Thukydides
1. Buch / Vers 96
Strukturelement des Delisch - Attischen Seebundes
in der Frühphase (bis 454 v. Chr.)
Bilaterale Verträge zwischen Athen und seinen Bündnern
unbegrenzte Dauer: „auf ewige Zeit“ (?) [Aristot. AP 23,5]
Vertragsklausel: „ die gleichen Freunde und Feinde haben“
Athen erhält den militärischen Oberbefehl zu Wasser + zu Lande
Einführung regelmäßiger Beitragszahlungen („Phoros“)
Das Apollonheiligtum in Delos (= ionisches Amphiktyonie- und
Kultzentrum wird Zentralort des Bundes (Bundesversammlung
+ Bundeskasse)
Athen stellt die 10 obersten Finanzbeamten („Hellenotamiai“) in
der Bundesversammlung.
In der Bundesversammlung verfügt jedes Mitglied über 1 Stimme
Bildquelle: Arbeitsmaterial zur Vorlesung
Im weiteren Verlauf der Geschehnisse sollte der Seebund neue
Strukturelemente bekommen (454 v. Chr.) und zum (Athener) Seereich
werden.
Dann heißt es: Athen und seine Untergebenen.
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Vorlesung: Von Stadtstaaten , Bünden und
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1.2. Die Kimonische Ära (cá. 478/77 – 462/61 v. Chr.)
In den 70er und 60er Jahren wird Athens
Außenpolitik stark von einem Mann geprägt,
der dieser Epoche ihren Namen gegeben hat –
von Kimon (um 500-449 v. Chr.),
ein
athenischer Politiker und Feldherr, Sohn des
Miltiades, des Siegers der Schlacht bei
Marathon.
So spricht man von der
Kimonischen Ära. Es ist in vielerlei Hinsicht
ein entscheidender Zeitabschnitt, geprägt von
wachsendem Selbstbewusstsein zahlreicher
Poleis.
In dieser Zeit ist die Politik Athens stark verbunden mit diesem Kimon, während Aristeides
in der Wahrnehmung nach 474 zurücktritt.
Ebenso Themistokles (Bild rechts), der schon
seit 478 außenpolitisch nur noch wenig in
Erscheinung getreten ist, bevor er 471
ostrakisiert wurde – solange war er auf jeden
Büste des Themistokles
Fall präsent - und zu den Persern floh. Er war ca. 478 v. Chr. Pylagoras im
delphischen Amphiktyonenrat (she. Kasten Seite 85). Und die untenstehenden
Textfragmente sagen aus, das Themistokles 476 v. Chr. an den Olympischen
Spielen als Athenischer Gesandter teilgenommen haben muss:
Plut.Them.5: Themistokles wetteifert bei den Olympischen
Spielen mit Kimon in der Prachtentfaltung (Charakterisierung
als besonders ehrgeiziger Emporkömmling);
Plut.Kim.17: Zeitpunkt = die auf Salamissieg folgenden
Olympischen Spiele: 476 v.Chr.;
Plut.Kim.25: Themistokles agierte während der Olymp. Spiele
angeblich gegen sizilischen Tyrannen Hieron;
Pausan. VIII 50,3: Besucher in Olympia ehrten den Philopoimen
ebenso wie ehemals den Themistokles, zu dessen Ehren
sich alle erhoben.
Aristot.EE 1233b: Festgesandtschaft, die Themistokles nach
Olympia unternahm, habe sich für ihn nicht geziemt wegen der
ihm von früher her anhaftenden Niedrigkeit, wohl aber hätte sie sich für Kimon
geziemt.
Bildquelle: Arbeitsmaterial zur Vorlesung
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Klaus Donndorf – Vorlesungsnotizen
Vorlesung: Von Stadtstaaten , Bünden und
großen Reichen – Prof. Dr. Peter Funke
Dieser ab 1981 von Peter Siewert gefundene und übersetzte Text könnte
mit Themistokles zusammenhängen.
Amphyktionie
Eine Amphiktyonie ist ein kultisch – politischer Verband von Nachbarstaaten
oder –stämmen auf religiös – kultureller Basis mit gemeinsamem Heiligtum im
Griechenland der Antike. Diese Verbände bildeten sich zunächst um ein
Heiligtum, um es zu schützen und zu verwalten.
Wann und wo eine Amphiktyonie das erste mal auftrat, ist unbekannt
Das Wort selbst wird gebildet aus griech. κτίζω, ktízō = gründen, bauen,
wohnen und ἀµφί, amphi- = „um… herum“ → das Wohnen um etwas herum.
Pylagoroi hießen die sog. Pfortenredner, welche den Landfrieden zu erhalten
hatten.
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