Erfahrungsbericht Newcastle Upon Tyne
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Erfahrungsbericht Newcastle Upon Tyne
Erfahrungsbericht Newcastle Upon Tyne Vorbereitung (Planung, Organisation und Bewerbung bei der Gasthochschule) Am Ende meines 2. Fachsemesters in Englisch bewarb ich mich für die Northumbria University in Newcastle in Form der ausgedruckten KLIPS-Notenliste und eines 1-seitigen Motivationsschreibens auf Englisch. Innerhalb von zwei Wochen erhielt ich die Zusage für einen der zwei Studienplätze und trat in Kontakt mit meiner Kommilitonin, die ebenfalls angenommen wurde. Der Austausch über zu treffende Vorbereitungen half bei der Planung und Organisation des Auslandsaufenthaltes, wie zum Beispiel die Beantragung des Auslandsbafögs und der Abschluss einer zusätzlichen Kranken- und Haftpflichtversicherung, sowie die Frage nach dem günstigsten Transportmittel und dem damit verbundenen Gepäck. Wir entschlossen uns für die Anreise mit der Fähre, die von Amsterdam direkt am ca. 13 km von Newcastle entfernten North Shields anlegt und einen größeren Gepäcktransport ermöglicht als es beispielsweise beim Fliegen der Fall wäre. Dies stellte sich im Nachhinein jedoch nicht als Vorteil heraus, denn durch die Möglichkeit, zwei Koffer anstatt nur einen mitzunehmen, wurde man dazu verleitet, Alltagsgegenstände wie Kochgeschirr und Bettwäsche mitzunehmen, was man auch problemlos in Newcastle hätte erwerben können. Es ist daher zu empfehlen, sich alle nötigen Haushaltsgegenstände vor Ort anzuschaffen und nur einen Grundstock an Kleidung mitzunehmen, sodass man noch genügend Stauraum für die ein oder andere Shoppingtour hat. Adapter sollten ebenfalls vor Ort angeschafft werden, da außerhalb Englands hergestellte Adapter nicht den Sicherheitsrichtlinien entsprechen und bei Wohnhaft in einem der zahlreichen universitätseigenen Wohnheimen bei wöchentlichen Kontrollgängen von Angestellten entfernt werden können. Ein weiterer (wenn nicht selbstverständlicher) Tipp wäre, sich vor dem Auslandsaufenthalt unbedingt über die Kultur und die Stadt zu informieren, sodass man sich von Anfang an auf das Leben in England und im Besonderen auf das Englischsprechen auf einer alltäglichen Basis einstellen kann. Unterkunft Sobald man seine Matrikelnummer von der Gastuniversität erhält, was in meinem Fall einen Monat vor der Ankunft in Newcastle war, kann man sich für eines der zahlreichen Wohnheime direkt am und um den Campus herum bewerben. Hierzu wählt man sich in seinen persönlichen „MyNorthumbria“- Account ein und gibt unter dem Menüpunkt „MyAccomodation“ drei Favoriten sowie das Anreisedatum und eventuell auch Personen an, mit denen man gerne zusammen wohnen möchte. Die Kosten pro Woche reichen von 85 bis 130 Pfund, je nach Größe, Komfort und Anzahl der Mitbewohner. Ich entschied mich für ein Zimmer in „Lovaine-Flats“, einem Gebäudekomplex mit in sich abgeschlossenen Wohneinheiten für je fünf oder sieben Personen direkt auf dem Campus. Die Zimmergröße von 8qm klingt zunächst abschreckend, aber mit dem sich bietenden Platz kann man sich durchaus für vier Monate arrangieren. Alle Zimmer sind mit einem 90x200 cm Bett, einem großzügigen Schrank, einer Kommode, einem Schreibtisch samt Stuhl und einem Regal ausgestattet. Toilette und Dusche befinden sich in zwei separaten Badezimmern, die sehr zweckmäßig sind, aber ihre Funktionen voll und ganz erfüllen. Die Küche ist sehr großzügig geschnitten und bietet genügend Stauraum für Küchenutensilien und Lebensmittel für sieben Personen. Mit 85 Pfund die Woche (umgerechnet 400 Euro pro Monat) ist dieses Wohnheim eines der billigsten; für mehr Komfort, Platz und Privatsphäre gibt man in Newcastle bis zu 60 Pfund mehr die Woche aus; die Nähe zur Uni hat hierbei keinen Einfluss auf den Preis. Ich kann das Wohnen in einer WG, besonders im Hinblick auf das Leben im Ausland, wärmstens empfehlen. Gerade zu Beginn sind WG-Mitbewohner meistens in der gleichen Situation und deshalb wertvolle Austauschpartner, mit denen der Kontakt auch häufig noch nach dem Auslandsaufenthalt bestehen bleibt. Von Beginn an in ein soziales Umfeld integriert zu sein gibt Sicherheit und hilft, sich in seiner neuen Umgebung zurechtzufinden. Eine WG stellt somit im besten Fall einen sozialen Anlaufpunkt dar, den man sowohl festigen als auch durch neue Bekanntschaften erweitern kann. Neben der Erweiterung der sozialen Kompetenzen trägt die alltägliche Kommunikation mit den Mitbewohnern natürlich auch zur Verbesserung der Sprachkenntnisse bei, denn auch bei gleichsprachigen Mitbewohnern ist es zu empfehlen, sich nicht in der gemeinsamen Sprache zu unterhalten. Auch zur Persönlichkeitsentwicklung und kulturellen Erfahrung ist das Zusammenleben mit anderen sehr empfehlenswert, da man für die Bedürfnisse anderer sensibilisiert wird und Alternativen zu den eigenen Lebensgewohnheiten aufgezeigt werden. Themen der Kurse, die besucht wurden Insgesamt habe ich drei Module mit je zwei Veranstaltungen, davon jeweils ein Seminar und eine Vorlesung besucht. Die beiden Literaturmodule „Gender and Identity in 18th Century Writing“ und „Post-War U.S. Writing“ waren sehr interessant und lehrreich, es fand eine reger Austausch mit den Dozenten statt und die Seminargruppen hatten eine angenehme Größe, die es ermöglichte, auch mal über das ein oder andere Thema zu diskutieren. Etwas anders verhielt es sich da mit dem Linguistik-Modul „Language Origins and Evolution“, in dem zwar wöchentliche Arbeitsblätter das Wissen der vorangegangen Vorlesung vertiefen sollten, jedoch keine wirkliche Kommunikation mit dem Dozenten stattfand. Der evolutionsbiologische Schwerpunkt des Moduls stellte allerdings eine interessante Ergänzung zu den Inhalten des eigenen Studienganges dar und trug zum Verständnis für darauf aufbauende, sprachwissenschaftliche Themen wie beispielsweise Phonologie, Pragmatik und Varietätenlinguistik bei. Formen der Leistungsüberprüfung Die Leistungen in allen Modulen wurden in Form von Essays mit 2000 oder 3500 Wörtern erbracht. Diese Form der Leistungsüberprüfung war für mich neu, da ich bis dato noch keine Hausarbeit oder Vergleichbares geschrieben hatte, was jedoch nicht zu meinem Nachteil war. Die Dozenten waren jederzeit für Fragen offen und boten Unterstützung in allen Bereichen, von Literaturtipps bis hin zur Verbesserung des Schreibstils. Insgesamt habe ich vier Essays verfasst, zwei davon im Modul „Gender and Identity“ und jeweils einen in den beiden anderen Modulen, wobei „Post-War U.S. Writing“ zusätzlich ein Referat beinhaltete. Hierzu gehörte auch das Formulieren eines 1-seitigen Abstracts, der die wichtigsten Thesen des Referates zusammenfasste, das insgesamt 40% der Gesamtnote ausmachte. Der Vorteil beim Schreiben eines Essays liegt eindeutig in der Nachhaltigkeit des Gelernten, das man sich durch intensives Beschäftigen mit der Literatur selbst aneignet und somit einen größeren Teil zum eigenen Lernerfolg beiträgt. Zudem stärkt das Formulieren auf Englisch die Ausdrucksfähigkeit, was wiederum einen positiven Effekt auf die Kommunikation in Bezug auf das Lernen neuer Wörter hat, die man durch das Nachschlagen im Laufe des Schreibens automatisch verinnerlicht. Der fertige Essay gibt einem schließlich das Gefühl, etwas geleistet zu haben. Dies stellt eine stärkere Motivation dar als das Lernen für eine Prüfung, in der man nur reproduziert anstatt etwas eigenes zu kreieren. Unterschiede zum Studiensystem in Deutschland Durch die Vereinheitlichung der Studiensysteme durch Bachelor-/Masterabschlüsse fällt es schwer, Unterschiede zum englischen Studiensystem festzustellen. Anzumerken ist jedoch, dass die englischen Universitäten sich selbst verwalten und somit selbst über die Vergabe von Studienplätzen und –abschlüssen bestimmen können. Dies führt dazu, dass die Kurse verhältnismäßig klein sind, was einen persönlichen Kontakt zwischen Studenten und Dozenten ermöglicht und somit zu einer entspannteren Atmosphäre und einem besseren Studienklima führt. Leben in Newcastle Newcastle kann mit rund 80.000 Studenten von insgesamt 280.000 Einwohnern und zwei Universitäten definitiv als Studentenstadt bezeichnet werden. Das Freizeitangebot ist vielfältig und genauso bunt gemischt wie das Bild, das Newcastle als Stadt abgibt. Hier bilden futuristische Gebäude, wie das „Sage Gateshead“, einen interessanten Kontrast zur traditionellen Architektur mit Denkmälern und Gebäuden des 12. und 13. Jahrhunderts, wie zum Beispiel dem „Newcastle Castle“ und der „Kathedrale Saint Nicholas“, die zu den Haupt-Sehenswürdigkeiten der Stadt gehören. Die Mischung aus alt und neu spiegelt sich auch in den zahlreichen Pubs wieder, deren Einrichtung entweder spartanisch/industriellen Charakter hat oder ein gemütliches Wohnzimmerflair versprüht, und die durch eine beeindruckende Ale-Auswahl und der Möglichkeit, echte englische Feierabendatmosphäre zu erleben eine Ergänzung oder sogar Alternative zu einer durchtanzten Nacht in einem der unzähligen Nightclubs sind. Wenn man in die Pubkultur eingeführt werden möchte, lohnt sich in jedem Fall die Mitgliedschaft in der „Real Ale and Cider – Society“, die neben vielen anderen Northumbria- Societies eine Möglichkeit ist, neue Leute kennenzulernen und seinen Interessen nachzugehen. Durch regelmäßige Treffen mit der Ale-Society bekommt man nicht nur Insider-Tipps für Pubs, Restaurants und Events in Newcastle und Umgebung, sondern erweitert auch seine Sprachkenntnisse, denn fast alle Mitglieder sind sehr aufgeschlossene, zuvorkommende Briten, die den Aufenthalt zu einer echten englischen experience werden lassen. Nur durch diese Kontakte erfuhr ich zum Beispiel von den besten Lokalitäten für ein echtes englisches Frühstück oder den landestypischen Carverys, in denen man ein typisches Sunday Dinner einnehmen kann. Ob bei der Übertragung eines englisch-deutschen Fußballspiels im Pub, beim Aushelfen auf einem „Beer-Festival“ oder einem Pie an der „Quayside“, die Treffen mit der Ale Society waren immer wieder ein Erlebnis und eine echte Bereicherung für meinen Aufenthalt. Neben der Mitgliedschaft in den von Studenten organisierten Societies sind auch Fast FriendsTrips besonders zu empfehlen. Hier unternimmt man für wenig Geld Ausflüge mit anderen Studenten, die je nach Ziel ein paar Stunden oder auch den ganzen Tag in Anspruch nehmen, wie zum Beispiel zum „Tynemouth Beach“ und Alnwick Castle oder nach Durham, Edinburgh und „Holy Island“, um nur einige zu nennen. Da der Campus sehr zentral liegt, ist Newcastles Fußgängerzone – die „Northumberland Street“ – in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen. Hier befinden sich neben den üblichen Geschäften wie Primark, H&M und dem riesigen Shopping Center „Eldon Square“, sowie dem alteingesessenen „Fenwicks“ und „Marks&Spencers“ auch zahlreiche Supermärkte, allen voran Tesco und Poundland, in dem man sich günstige Haushaltswaren für den viermonatigen Gebrauch besorgen kann. Da die Lebenshaltungskosten in England durchschnittlich höher sind als in Deutschland, empfiehlt es sich, in einer Gruppe einkaufen zu gehen, da es für nahezu jedes Produkt Vergünstigungen für größere Mengen gibt. Auch lohnt es sich bei der Welcome Fair der Northumbria University so viele Broschüren, Info-Hefte und Flyer wie möglich mitzunehmen und auch sonst immer bei der „Students Union“ Ausschau danach zu halten, denn meistens beinhalten diese sogenannte Vouchers mit attraktiven Preisnachlässen in den umliegenden Supermärkten. Der Erwerb einer NUS-Karte ist ein weiterer Tipp, um in allen möglichen Bereichen Geld zu sparen, sei es durch Rabatte beim Einkaufen, Vergünstigungen bei Zug- oder Busfahrten oder Ermäßigungen auf Events wie Konzerte oder Theaterbesuche. Als Telefonanbieter ist GiffGaff zu empfehlen, da Gespräche und SMS von GiffGaff zu GiffGaff kostenlos sind (was sich vor allem lohnt, wenn auch die WG-Mitbewohner diesen Dienst in Anspruch nehmen) und das Gespräch ins Ausland nur 5 pence pro Minute kostet. Mein Aufenthalt in Newcastle war ein tolles Erlebnis, an das ich immer wieder gern zurückdenken werde und das in vielerlei Hinsicht eine Bereicherung für mein weiteres Leben darstellt.