9 Mai 2014

Transcription

9 Mai 2014
NR. 29, 9. MAI 2014
DEUTSCHE AUSGABE
Fédération Internationale de Football Association – Seit 1904
ARGENTINIEN
VALDANO SPRICHT
ÜBER MESSI
BLATTER
STOPPT DIE
CHAOTEN
WEBB
KINDHEITSTRAUM
FAST ERFÜLLT
Elfenbeinküste
Die Jugend nach Drogba
W W W.FIFA.COM/ THEWEEKLY
I N H A LT
6
Nord- und Mittelamerika
35 Mitglieder
www.concacaf.com
E lfenbeinküste: Fussballtraum Europa
Der ivorische Fussball steht bei seinen Fans hoch
im Kurs, das ganze Land freut sich auf die WM.
Die einheimische Liga hingegen fristet ein
Schattendasein, die grossen Stars können dem
Ruf aus Europa selten widerstehen. Wir haben
uns in Abidjan auf die Spuren von Didier Drogba
und Co. begeben.
19
Sepp Blatter: “Stoppt die Chaoten”
Nach den Krawallen in Italien fordert FIFA-­
Präsident Blatter ein weiteres Mal rigoroses
Durchgreifen der Polizei, der Nationalverbände,
Ligen und Klubs.
24
“ Ich habe ein klares Bild im Kopf”
Jorge Valdano wurde 1986 mit Argentinien
­Weltmeister. Im Interview erinnert er sich an
den Titelgewinn und seine Zeit als Trainer,
und er spricht über die Erwartungen an das
argentinische Nationalteam für die WM in
Brasilien.
36
“ Un’ Estate Italiana”
Die Hymne der WM 1990 wurde in Italien und im
restlichen Europa zum Kassenschlager. In der
übrigen Welt krähte kein Hahn danach. Unsere
Rubrik “Sound of Football” sucht Erklärungen.
Südamerika
10 Mitglieder
www.conmebol.com
37
Howard
Webb
Das WM-Finale
2010 veränderte
sein Leben. Der
Schiedsrichter
erzählt von seinem
“Turning Point”.
32
FIFA-“Jahrhunderttor”
Die Geschichte des
Wahnsinnslaufs
von Maradona an
der WM 1986.
Die Jugend nach Drogba
Ein Junge trainiert an der Cote d’Ivoire
Football Academy sein Kopfballspiel.
Sein grosses Ziel: dem Vorbild Didier
Drogba nachzueifern und bei einem
europäischen Spitzenklub unterzu­
kommen.
Nic Bothma / Keystone
WM-Gruppen A – C
TO A
GREATER
GOAL™
2
Gruppe A
Gruppe B
Gruppe C
Brasilien
Spanien
Kolumbien
Kroatien
Niederlande
Griechenland
Mexiko
Chile
Elfenbeinküste
Kamerun
Australien
Japan
T H E F I FA W E E K LY
D I E WO C H E I M W E LT F U S S B A L L
Europa
54 Mitglieder
www.uefa.com
Afrika
54 Mitglieder
www.cafonline.com
Asien
46 Mitglieder
www.the-afc.com
Ozeanien
11 Mitglieder
www.oceaniafootball.com
14
Madjid
Bougherra
Der Kapitän des
algerischen
Nationalteams
über seine Erwartungen an die WM
in Brasilien.
12
Australischer
Meister
Brisbane Roar FC
feiert in Down Under
seinen dritten Titel
seit Bestehen der
A-League.
WM-Gruppen D – H
Getty Images (4)
Gruppe D
Gruppe E
Gruppe F
Gruppe G
Gruppe H
Uruguay
Schweiz
Argentinien
Deutschland
Belgien
Costa Rica
Ecuador
Bosnien-Herzegowina
Por tugal
Algerien
England
Frankreich
Iran
Ghana
Russland
Italien
Honduras
Nigeria
USA
Korea
T H E F I FA W E E K LY
3
EVERY GASP
EVERY SCREAM
EVERY ROAR
EVERY DIVE
EVERY BALL
E V E RY PAS S
EVERY CHANCE
EVERY STRIKE
E V E R Y B E AU T I F U L D E TA I L
SHALL BE SEEN
SHALL BE HEARD
S H A L L B E FE LT
Feel the Beauty
BE MOVED
THE NEW 4K LED TV
“SONY” and “make.believe” are trademarks of Sony Corporation.
UNCOVERED
Wege zum Erfolg
D
ie Elfenbeinküste hat sich für die WM 2014
in Brasilien qualifiziert. Die dritte WMTeilnahme in Folge gründet auch auf dem
Talent und der Erfahrung der ivorischen
Auslands­profis – eine Seltenheit ist das nicht.
Viele Verbände profitieren davon, dass ihre
besten Spieler im (europäischen) Ausland ausgebildet und geformt werden und dann ihre
Leistungsbereitschaft auch für ihr Heimatland
in Anschlag bringen. Wie ist es in der Elfenbeinküste aber um den Nachwuchs bestellt?
Grace Ligbet berichtet aus Abidjan.
A
rgentinien – eine grosse Fussballnation, die
1978 im eigenen Land und 1986 in Mexiko
die begehrteste aller Trophäen im Fussball
erringen konnte. Diego Armando Maradona
stemmte in Mexiko-Stadt nach dem Finalsieg
gegen Deutschland (3:2) den WM-Pokal – nachdem er im Viertelfinale gegen England das
“Tor des Jahrhunderts” der FIFA erzielt hatte.
Was kann die argentinische Nationalmannschaft nun unter Kapitän Lionel Messi an der
WM 2014 in Brasilien reissen? Jorge Valdano,
argentinischer Torschütze im WM-Finale 1986,
verrät uns seine Gedanken dazu.
U
nser Gesprächspartner Howard Webb leitete
das WM-Finale 2010 in Johannesburg. Der
englische Schiedsrichter, der auch an der
WM 2014 im Einsatz stehen wird, hatte sich das
als Kind genau so vorgestellt: Er läuft beim
WM-Endspiel aufs Feld. Dass ihm das nicht
etwa als Spieler, sondern als Referee gelungen
ist, wurmt ihn allerdings längst nicht mehr.
I
m Nachklang der fürchterlichen Ereignisse
in Italien rund um das Pokalfinale in Rom
erinnert FIFA-Präsident Blatter daran, dass
“Fussballstadien keine rechtsfreien Räume,
sondern Begegnungsstätten für Sportfreunde
aller Generationen und gesellschaftlichen
Schichten” sind. Die Klubs seien hier in der
Pflicht, so Sepp Blatter. Å
Perikles Monioudis
Afp
WM-Pokal und “Tor des Jahrhunderts” Maradona drückte der WM 1986 in Mexiko seinen Stempel auf.
T H E F I FA W E E K LY
5
ELFENBEINKÜSTE
Was kommt nach der
Generation Drogba?
Nach dem Triumph
an der Afrikameisterschaft 1992 konnte
das Nationalteam der
Elfenbeinküste keinen
Titel mehr erringen.
Die einheimische Liga
tut sich schwer.
D
Grace Ligbet, Abidjan
ie Elfenbeinküste sorgt mit
i hrem Spiel regelmässig für
­
­Begeisterung – auch an den Weltmeisterschaften. Das durfte die
Fussballwelt erstmals 2006 in
Deutschland erleben, als das
Team in der Vorrunde gegen
­A rgentinien und die Niederlande
nur knapp verlor (je 1:2).
Die ivorischen Fans schwärmen
für ihre Stars – vor allem für
jene, die in Europa spielen. Der
einheimische Fussball aber leidet unter
­Desinteresse und Zuschauerschwund. Kaum
­einer wendet sich heute den ivorischen Erstligaklubs ASEC Mimosas, Africa Sports,
­Stella Club Adjamé, Stade d’Abidjan oder Séwé
Sports de San Pédro, dem amtierenden
­Meister der Elfenbeinküste, zu. Dabei haben
die meisten dieser Klubs einen wesentlichen
Beitrag zur Entwicklung des ivorischen
­Fussballs geleistet.
6
T H E F I FA W E E K LY
Emanuel Ekra / Keystone / AP
Ikone Didier Drogba
Die ivorischen
­Hoffnungen ruhen auf
dem Superstar.
ELFENBEINKÜSTE
Francois Mori / Keyston / AP
Herausragend
Der Ex-Chelsea-Profi Drogba
(Dritter v.l.) und
seine ivorischen
Mitstreiter.
Wo liegen die Gründe dafür? Die Zuschauer
gehen nicht mehr in die Stadien, weil sie der Meinung sind, dass das Niveau der einheimischen
Mannschaften zu niedrig ist und sie deshalb nur
ein mittelmässiges Spektakel bieten können. Die
Klubs verweisen ihrerseits auf die fehlenden
fi nanziellen Mittel und darauf, dass sie ihre
­
­besten Spieler nicht halten können. “Fakt ist,
dass heute kein Verein finanziell in der Lage ist,
einen Spieler zu halten”, sagt Francis Ouégnin,
Klubpräsident und Chef der Sektion Fussball bei
ASEC Mimosas. “Einige verlassen ihren Verein zu
früh. Aber wie bitte sollen wir ­einen Spieler halten, dem wir 400 US-Dollar zahlen, während man
ihm im Ausland mehr als das Zehnfache bietet?”
In der Elfenbeinküste wurden in der
­Vergangenheit Ausbildungszentren aus dem
Boden gestampft. Die Zahl der Bewerber für
einen Platz darin hat sich in den letzten
­Jahren vervielfacht. Sehr viele junge Fussballer aber, die ihre Ausbildung abbrechen und
von einer grossen Karriere träumen, werden
enttäuscht. Ein Grossteil der Schulen wird zu
wenig professionell aufgezogen.
Mimos Sifcom als Vorbild
Ein Zentrum, das auf jeden Fall den Ansprüchen an die fussballerische Ausbildung gerecht
wird, ist die Akademie Mimos Sifcom des
­Vereins ASEC Mimosas. Die Schule verfügt über
optimale Rahmenbedingungen und eine für die
Entwicklung eines jungen Fussballers gute
Infrastruktur. Julien Chevalier, verantwort­
­
licher Mitarbeiter der Akademie, sagt: “Die
­Ausbildung bei Mimos Sifcom ist kostenlos. Für
die Auswahl sind aber in einem Jahr zwölf
­Aufnahmekriterien zu erfüllen. Die eigentliche
Ausbildung dauert dann ein bis vier Jahre. Das
Eintrittsalter für die Aufnahme in unserer
­A kademie liegt zwischen 14 und 18 Jahren.” In
der Regel sind zwei Trainingseinheiten am Tag
­vorgesehen, also im Schnitt neun bis zehn pro
Woche. Während ihrer Ausbildung werden den
Kindern und Jugendlichen taktische und
­technische Fähigkeiten und Fertigkeiten vermittelt, sie arbeiten natürlich auch an ihrer Physis.
Die Erfolge von ASEC Mimosas waren wegweisend für die Elfenbeinküste und für Afrika
insgesamt. Bislang sind drei Spielergenerationen
T H E F I FA W E E K LY
aus der Fussballakademie Mimos Sifcom hervorgegangen. “Daher ist nun auch die Konkurrenz stärker geworden”, sagt Chevalier.
Trotzdem hat ASEC Mimosas Berg- und Talfahrten hinter sich und jagt seit drei Jahren
­einem weiteren Meistertitel hinterher. Hinzu
kommen die zuletzt eher bescheidenen Auftritte
in den afrikanischen Wettbewerben. Wenn
schon das Vorbild ins Wanken gerät, was sollen
dann erst die anderen ivorischen Vereine sagen?
Grosse Derbys auf leben lassen
Die Möglichkeit, eine vom Staat und den föderalen Strukturen getragene Politik in die Wege
zu leiten, die auf die Wiederherstellung der früheren Verhältnisse und Erfolge abzielt, könnte
eine Lösung sein. Zum Beispiel redet man von
einer Wiederbelebung der grossen Derbys, wie
sie in den grössten Ligen der Welt an der Tagesordnung sind. Das könnte vielen einheimischen
Klubs, die über wenig Geld verfügen, neues
­Leben einhauchen. Eine Rückkehr der Zuschauer in die Stadien würde zu höheren Einnahmen
aus dem Ticketverkauf führen und zugleich
7
A FIFA World Cup
in Brazil is just like Visa:
everyone is welcome.
™
TM & © 2014 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved. Used Under Authorization.
ELFENBEINKÜSTE
Vorneweg Der
Ivorer Laurent
Pokou im Training
von Stade Rennais
(Januar 1974).
AFP
­ otenzielle Sponsoren für die Vereine anlocken.
p
Der Ansporn zu Neuerungen war aber schon
grösser. In den Jahren 2012 und 2013 durften die
Zuschauer gratis zu den Erstligaspielen. Trotzdem blieben die Ränge leer.
Ältere Spieler als Botschafter
Was eine grosse Aufmerksamkeit generiert, ist
das ivorische Nationalteam mit seinen Stars
aus Europa. Die Partien der Söldner werden
von den Privatsendern übertragen. Und wenn
das Nationalteam an einem Turnier teilnimmt,
ist die Euphorie gross. Den 14. Juni, den Tag des
ersten WM-Spiels (gegen Japan), hat sich jeder
ivorische Fussballfan notiert.
So auch Abdoulaye Traoré, der von 1985 bis
1998 zu einem der besten Angreifer in der
­Geschichte des ivorischen Fussballs wurde. Nur
in Sachen Entwicklung wirkt er kritisch und
spricht die Sensibilisierung für den einheimischen Fussball an: “Die Älteren sollten als eine
Art Botschafter für die Jungen auftreten und
ihnen vermitteln, dass sie sich auf ihre Z
­ ukunft
entsprechend vorbereiten sollen. Um in Europa
erfolgreich zu sein, sollte man sich zuvor auf
nationaler Ebene bewährt haben.” Das würde
zumindest die Attraktivität der ivorischen Liga
vorerst steigern, selbst wenn die Spieler der
­Ligue 1 weiter von einer internationalen Karriere träumen.
Ihr Vorbild sind die Generation um Didier
Drogba, der Kameruner Samuel Eto’o sowie die
grossen Namen wie Lionel Messi, Z
­ latan Ibrahimovic und Cristiano Ronaldo. “Mein Traum ist
es, einmal den Pokal mit den grossen ‘Ohren’ in
die Höhe zu recken”, sagte neulich Toure Amara,
ein 19-jähriger ivorischer Nachwuchsfussballer,
und meinte damit den der europäischen Champions League. N’Zué Kouassi G
­ hislain, der mit
der Elfenbeinküste am Nachwuchsturnier im
französischen Montaigu triumphierte, schloss
sich ihm an: “Ich träume von Europa.” Å
T H E F I FA W E E K LY
Elfenbeinküste
Verband
Fédération Ivoirienne de Football
Trainer
Sabri Lamouchi (Fra)
WM-Teilnahmen
2006, 2010, 2014
WM-Gruppenspiele
Japan (14. Juni), Kolumbien ­
(19. Juni), Griechenland (24. Juni)
FIFA-Ranking
Platz 21
Die Stars
Didier Drogba (Galatasaray
Istanbul), Salomon Kalou (Lille),
Didier Zokora (Trabzonspor), ­
Yaya Touré (Manchester City),
Gervinho (AS Roma),
Emmanuel Eboué (Galatasaray
Istanbul), Kolo Touré (Liverpool)
9
Nic Bothma / Keystone
ELFENBEINKÜSTE
10
T H E F I FA W E E K LY
ELFENBEINKÜSTE
Schmiede
afrikanischer
Stars
Vor mehr als fünfzig Jahren begann der
­Aufschwung im ivorischen Fussball.
Grace Ligbet, Abidjan
E
lfenbeinküste 1960: Spieler wie Laurent
Pokou, Kallet Bially und Joseph Niankouri schreiben die ersten ruhmreichen
­K apitel der ivorischen Fussballgeschichte – und das in einem Land, wo Organisationsstrukturen oft fehlen und Derbys
zwischen den einzelnen R
­ egionen ausgetragen
werden. Eine Ausbildung haben diese Fussballer nie erhalten. Sie zeichnet die pure Leidenschaft für den Fussball aus. Ihr ­gemeinsamer
Nenner ist die Lust am Offensivspiel.
Unvergessen: Laurent Pokou
Laurent Pokou, dessen vollständiger Name
Laurent N’Dri Pokou lautet, war in den
1970er-Jahren dank seines schnellen Dribblings und seiner herausragenden Torjägerqualitäten zweifellos der spektakulärste Fussballer. Sein Durchbruch gelang ihm bei ASEC
Abidjan, wo Pokou die mit Abstand meisten
Titel seiner Karriere gewann. Als Nationalspieler wurde Pokou zweimal zu Afrikas Fussballer des Jahres gewählt. Ebenfalls zweimal
war er Torschützenkönig des Afrikanischen
Nationen-Pokals: 1968 in Äthiopien traf er
sechsmal und 1970 im Sudan achtmal. Allein
in einem Spiel schoss Pokou fünf Tore – dieses
Spiel brachte ihm den Spitznamen “der Mann
von Asmara” ein. Mit seinen 14 Toren hielt
Laurent Pokou 38 Jahre lang den Torschützenrekord des Kontinentalturniers, bis der
kamerunische Nationalspieler Samuel Eto’o
die Marke überbot.
Superstar: Didier Drogba
Nach 2002 reift Didier Drogba in der ivorischen
Nationalmannschaft zum würdigen Nachfolger
T H E F I FA W E E K LY
von Laurent Pokou heran. Der grossteils in
Frankreich aufgewachsene Drogba wird nicht
nur als Stürmer des FC Chelsea sondern auch
durch sein humanitäres Engagement weltberühmt. 2007 wird Drogba zum Goodwill-Botschafter der Uno ernannt, 2011 zum Mitglied
der Wahrheits- und Versöhnungskommission
der Elfenbeinküste.
Von Mimosas zu den grossen K lubs
In der ivorischen Heimat arbeitet man weiter
an der Entdeckung neuer Spieler. In den
90er-Jahren wechseln die jungen Talente direkt aus dem 1994 gegründeten Ausbildungszentrum von ASEC Mimosas zu namhaften
Klubs, um dort ihre Karriere zu starten. Spieler wie Habib Kolo Touré (FC Liverpool), Salomon Kalou (OSC Lille) oder Emmanuel Eboué
(Galatasaray Istanbul) wurden von Jean-Marc
Guillou, dem Gründer der Fussballschule
Académies JMG, ausgebildet. Sie gehören zur
Spielergeneration, die aktuell 90 Prozent der
ivorischen Nationalmannschaft stellt.
Ewige Rivalen aus Abidjan
Die ivorische Klublandschaft wird seit den
80er-Jahren von einem Duell in Abidjan geprägt: A
­ frica Sports wird hinter seinem ewigen
Rivalen ASEC Mimosas der zweiterfolgreichste
Klub der Elfenbeinküste. Die Lokalderbys zwischen den beiden führenden Hauptstadtklubs
tragen wesentlich dazu bei, dass der ivorische
Fussball zur kontinentalen Spitze aufrückt. Beide Vereine gewinnen für die Elfenbeinküste
zweimal den Afrikapokal der Pokalsieger (1992
und 1999), einmal die afrikanische Champions
League (1998) und zweimal den afrikanischen
Supercup (1993 und 1999). Å
11
BLICK IN DIE LIGEN
I
N
Australien: Hyundai A-League
Die Löwen
brüllen wieder
Jordi Punti ist Romanautor und
S
I
Spielweise des Klubs noch zutage. Der Trainer, der Brite Mike Mulvey, steht für ein auf
Ballbesitz ausgerichtetes Spiel, mit Vorstössen über die Flügel und einer starken Präsenz
seines Aushängeschildes, des deutschen
Mittelfeldspielers Thomas Broich, sowie
seines besten Passgebers Luke Brattan.
Verfasser zahlreicher Fussball-­
Das grosse Finale der australischen Liga spielten der
FC Brisbane Roar und der FC Western
Sydney Wanderers aus. Beide Teams konnten in der Playoff-Runde an ihre hervorragenden Leistungen aus der regulären Spielzeit anknüpfen (nach der sie den ersten bzw.
zweiten Platz belegt hatten). Wer die Partie
verfolgt hatte, konnte ohne Schwierigkeiten
gewisse Parallelen zu den Halbfinalspielen
der europäischen Champions League ausmachen. Dabei spreche ich nicht von Ergebnissen, sondern von dem generellen Trend, dass
der auf Ballbesitz ausgerichtete Fussball von
Bayern München, demjenigen auf schnelle
und aggressive Konter zugeschnittenen
Systemen von Real Madrid, Atlético Madrid
oder dem FC Chelsea gegenübersteht.
Die orangefarbenen Trikots von Brisbane
erinnern an die Ursprünge des Klubs, der
1957 von einem Zentrum niederländischer
Emigranten unter dem Namen Brisbane
Lions gegründet wurde. Diese Abstammung
von “Clockwork Orange” tritt auch in der
Die Western Sydney Wanderers sind ein Klub,
der erst seit zwei Jahren existiert und dessen
Name zu Ehren des ersten Fussballvereins
gewählt wurde, den es in Australien gab: die
Ende des 19. Jahrhunderts gegründeten Wanderers aus Sydney. Die Farben und das Wappen
wurden per Abstimmung unter den neuen Fans
festgelegt. Es stand auch von Beginn an fest,
dass die bevorzugte Spielweise der Wanderers
der Konterfussball werden sollte – vielleicht
auch als Gegenpol zum Stadtrivalen FC Sydney.
Umgesetzt wird das System von Trainer Tony
Popovic, der auf eine gute Defensive und das
Organisationstalent von Shinji Ono setzt,
einem der Stars im Team. Das Ganze war ein
ausgesprochen erfolgreiches Unterfangen, denn
im vergangenen Jahr sicherte man sich gleich
in der Debüt-Saison den Meistertitel, und
dieses Jahr stand der Klub erneut im Finale.
Angesichts der beiden Spielsysteme war zu
erwarten, dass sich Brisbane Roar und die
Western Sydney Wanderers im Endspiel ein
Kopf-an-Kopf-Rennen liefern würden. Und so
war es dann auch. Nach vielen Chancen auf
beiden Seiten endete die reguläre Spielzeit mit
einem 1:1, und die “Löwen” aus Brisbane setzten
Mit Gebrüll und Getöse Der FC Brisbane Roar feiert den Titel der A-League.
12
E
sich erst in den letzten Minuten der Verlängerung mit 2:1 durch. Nach einer sehr ausgeglichenen ersten Halbzeit erzielte der Verteidiger
Spiranovic nach einem Eckball den Treffer für
die Wanderers. Nach dem Tor zog sich das
Team aus Sydney instinktiv weiter zurück und
Brisbane verdoppelte seine Angriffsbemühungen. Fünf Minuten vor Schluss erzielte Berisha,
der auffälligste Spieler des Teams, nach einer
Hereingabe von Broich per Kopf den Ausgleichstreffer. Damit erreichte die Spannung ihren
Höhepunkt. In der Verlängerung sorgte dann
der in der zweiten Halbzeit eingewechselte
Brasilianer Henrique mit einem Schuss aus
dem Strafraum für den Siegtreffer Brisbanes.
Die Löwen brüllen wieder in der A-League
und sind nun Rekordmeister. Sie konnten
drei der insgesamt neun bisherigen Auflagen
für sich entscheiden. Thomas Broich wurde
auf Seiten Brisbanes zum besten Spieler der
Partie gewählt, bei den Wanderers war es
Iacopo la Rocca.
Ganz unabhängig von den Ergebnissen war
diese Saison ein erneuter Beleg dafür, dass der
Fussball in Australien gerade einen Höhenflug
erlebt. Nachdem sich die australische Nationalmannschaft erneut für die WM qualifizieren
konnte, scheint auch der Vereinsfussball in der
Öffentlichkeit immer grössere Akzeptanz zu
finden. Dieses Jahr wurde der Zuschauerrekord
in den Stadien erneut gebrochen und über
50 000 Fans verfolgten das Finale in Brisbane
live im Suncorp Stadium. Å
Robert Cianflone / Getty Images
Features in den spanischen Medien.
D
T H E F I FA W E E K LY
Getümmel im Strafraum Beim 1:1 gegen Bröndby IF springt FC Kopenhagens Georg Margreitter am höchsten.
Dänemark: Superliga
Ärger in Kopenhagen
Sven Goldmann ist Fussball­experte
beim “Tagesspiegel” in Berlin.
Lars Rønbøg / Frontzonesport / Keystone
Es ist ruhig geworden um den
Fussball in Kopenhagen. Die
beiden grossen Klubs Bröndby
IF und FC Kopenhagen müssen aus der Distanz der Tabellenplätze 3 und 4 mit anschauen,
wie der FC Midtjylland und Aalborg BK die
Meisterschaft – und damit auch die lukrativen
Champions-League-Plätze – unter sich ausspielen. Der Meister der Superliga ist direkt dabei,
der Zweite darf in die Qualifikation.
Für Bröndby wäre Platz 3 ein grosser E
­ rfolg.
Der Vorortklub wäre im vergangenen Jahr
beinahe abgestiegen und befindet sich mitten
im Neuaufbau. Für den immer noch amtierenden Meister FC Kopenhagen ist es hingegen enttäuschend, dass er seine traditionellen
Saisonziele in den verbleibenden drei Spielen
nur noch theoretisch erreichen kann. Vor
vier Jahren hatte es der FCK als erste dänische Mannschaft überhaupt noch bis ins Achtelfinale der Champions League geschafft.
Stadion Dänemarks. 33 000 Zuschauer kamen
zum Duell der beiden Kopenhagener Klubs,
den die Dänen in Anklang an das Glasgower
Derby zwischen Celtic und den Rangers “New
Firm” nennen. Beim FCK hatte es vorher
reichlich Ärger gegeben. Dieser mündete in
der Entlassung von Carsten Vagn Jensen.
Eine sehr überraschende Personalie, denn
Jensen hatte dem FC Kopenhagen seit 1993
gedient. Er war Spieler, Co-Trainer, Cheftrainer und zuletzt Sportdirektor. Diesen Job soll
nun der amtierende Trainer Stale Solbakken
als Übergangslösung erst einmal machen.
Sein erstes Spiel in doppelter Funktion hätte
für den Norweger Stolbakken beinahe mit
einer Katastrophe geendet, nämlich mit der
ersten Heimniederlage gegen Bröndby seit
zehn Jahren. Der FCK war zwar die überlegene
Mannschaft, ihm wollte aber kein Tor gelingen. Dies schoss dafür Bröndby. Eine Viertelstunde vor Schluss wehrte Torwart Johan
Wiland einen Schuss des Simbabwers Quincy
Antipas zu kurz ab. Der Ball flog direkt vor die
Füsse des Paraguayer José Ariel Núñez, den
Bröndby erst im Januar von Club Libertad aus
Asunción akquiriert hatte. Núñez musste den
Ball nur noch ins leere Tor schieben. Kurz
nach dem vermeintlichen Siegestreffer nahm
Trainer Thomas Frank den Stürmer aus dem
Spiel und schickte den Südafrikaner Lebogang
Phiri zur Stabilisierung der Defensive auf den
Platz. Das ging lange Zeit gut. Es lief schon die
Nachspielzeit, da schlug Pierre Bengtsson
noch eine letzte Flanke in Bröndbys Strafraum. Thomas D
­ elaney sprang am höchsten
und wuchtete den Ball mit dem Kopf zum
Ausgleich ins Netz.
Für die Spieler war die Arbeit getan, die Polizei
hingegen kam noch zu einem Sondereinsatz.
Denn nach dem Spiel wurde deutlich, warum
die dänischen Ordnungskräfte das Derby auch
als die “Schlacht von Kopenhagen” bezeichnen.
200 Fans lieferten sich nach dem Verlassen des
Stadions eine Massenschlägerei. Å
“Bröndby IF und der FC Kopenhagen
müssen aus der Distanz zuschauen.”
Am Sonntag aber ging es noch einmal hoch
her im Parken, dem grössten und modernsten
T H E F I FA W E E K LY
13
Name
Madjid Bougherra
Geburtsdatum, Geburtsort
7. Oktober 1982, Longvic (Frankreich)
Stationen
FC Gueugnon, Crewe Alexandra,
Charlton Athletic, Glasgow Rangers, Lekhwiya
Nationalteam
58 Einsätze, 3 Tore
Sven Simon
Weltmeisterschaft 2014
Gruppenspiele: Belgien (17. Juni),
Korea Republik (22. Juni), Russland (26. Juni)
14
T H E F I FA W E E K LY
DAS INTERVIEW
“Das Beste geben
und Spass haben”
Nachdem Madjid Bougherra (Algerien) mit Lekhwiya den Meistertitel geholt hat, will er nun
auch bei der ­zweiten WM-Teilnahme seines Landes in Folge Grund zum Feiern haben.
The FIFA Weekly sprach mit dem Abwehrspieler über seine Erfahrungen in Katar, die
Glasgow Rangers, seine Ziele für Brasilien 2014 und die soziale Verantwortung des Fussballs.
Nach einer erfolgreichen Laufbahn in Frankreich, England und Schottland sind Sie nach
Katar gegangen. Warum haben Sie Lekhwiya
gewählt?
Madjid Bougherra: An Lekhwiya hat mich
vor allem das ambitionierte Projekt gereizt,
das die Verantwortlichen verfolgen. Sie wollen
einen grossen Klub aufbauen. In den drei
Jahren, in denen ich hier bin, konnten wir
zweimal die Meisterschaft und einmal den
Pokal gewinnen. So sind wir zu einem der am
meisten respektierten Klubs Katars geworden
und haben auch auf der internationalen
Bühne auf uns aufmerksam gemacht.
Sie haben in der UEFA Champions League
gespielt und sind Teams wie Manchester
United und FC Valencia begegnet. Wie gross
schätzen Sie den Leistungsunterschied zur
AFC Champions League ein? Was fehlt Asien,
um sich Europa zu nähern?
Man kann die beiden Wettbewerbe nicht
miteinander vergleichen. In Europa herrscht
ein aussergewöhnliches Niveau. Aber wir sind
nicht weit von den grössten internationalen
Wettbewerben entfernt: Man trifft hier auf
herausragende Fussballer, und die Stadien
sind voll. In Asien sind das Publikum und die
Spielweise unterschiedlich.
Sie haben bei den Glasgow Rangers dreimal
die schottische Meisterschaft gewonnen.
Verfolgen Sie das Team weiterhin?
Ja, ich weiss, dass der Klub soeben in die
zweite schottische Liga aufgestiegen ist. Der
Verein hat immer noch zahlreiche Anhänger.
50 000 Zuschauer kommen regelmässig zu
den Spielen. Ich zweifle nicht eine Sekunde
daran, dass die Mannschaft wieder in die
höchste Liga zurückkehrt.
Sprechen wir über die algerische Nationalmannschaft. Wie schätzen Sie die Leistungen
der letzten vier Jahren ein?
Der Verband macht sehr viel und offen
gesagt, haben sich die Dinge in den letzten
sechs bis sieben Jahren verbessert. Die Spieler
werden gut betreut und es wurde ein Trainingszentrum speziell für die Nationalmannschaft errichtet. Ausserdem verfügen wir über
zahlreiche Profis, die in Europa spielen. Und
es darf nicht vergessen werden, dass Nationalcoach Halilhodzic gute Arbeit geleistet
hat. Es liegt nun an den jungen Spielern der
neuen Generation, diesen Weg in den nächsten vier Jahren fortzusetzen.
Sie haben in Südafrika brilliert - vor allem
gegen England. Welche Erinnerungen haben
Sie an die WM 2010 und an diese Partie?
Es war ein fantastisches Spiel vor vollen
Rängen. Ich habe mich sehr gefreut, gegen die
Engländer zu spielen. Das Wetter war günstig
und wir haben ein gutes Spiel gegen eine
grossartige Mannschaft gemacht. Niemand
hätte dieses Ergebnis erwartet. (0:0, die Red.)
Alle dachten, wir würden verlieren. Wir haben
in jener Begegnung das wahre Gesicht des algerischen Fussballs gezeigt. Ich bedauere nur,
dass wir im Turnier nicht mehr gute Ergebnisse erzielt haben. Die Angst hat uns gebremst,
doch wir haben viele Erfahrungen gesammelt,
die uns in Brasilien nützlich sein werden.
Apropos Brasilien: Algerien bestreitet in einem
Monat die zweite Weltmeisterschaft in Folge.
Wie stehen die Chancen in Gruppe H?
Unser Ziel besteht darin, erstmals in
unserer Geschichte über die erste Runde
hinauszukommen. Das algerische Volk erwartet von uns, dass wir beweisen, welche Fortschritte der algerische Fussball gemacht hat
und dass wir Fairplay zeigen. Einige Spieler
werden ihr erstes grosses Turnier spielen. Es
liegt an den Routiniers, ihnen zu sagen, dass
sie ihr Bestes geben und Spass haben sollen.
gewannen wir. In der Folge gab es weitere
positive Ergebnisse, so dass die Fans des
Klubs anfingen, mich “den Magier” zu nennen.
Sie sind in Algerien zum “Botschafter des
guten Willens” der Unicef ernannt worden.
Was bedeutet Ihnen diese Verantwortung?
Das ist mir sehr wichtig, denn es ist eine
Gelegenheit, Kindern zu helfen und eine
Botschaft zur sozialen Verantwortung des
Fussballs zu senden. Als Spitzenfussballer
muss man mit gutem Beispiel vorangehen.
Ich habe in Algerien mehrere von der Unicef
organisierte Veranstaltungen besucht und bin
darüber sehr glücklich. Ich habe auch die
Bougherra-Stiftung für hilfsbedürftige Kinder
und Familien gegründet.
Welche gesellschaftliche Rolle kann der
Fussball vor allem auch ausserhalb des
­Platzes spielen?
Ich habe mich engagiert, weil ich der
Meinung bin, dass der Fussball sehr viel für die
Gesellschaft tun kann. Ein Spieler muss sein
Image für positive Aktionen nutzen, denn der
Fussball ist ein schöner Sport, der von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt praktiziert wird. Ich persönlich habe den grössten
Respekt vor den Spielern, die die Entwicklung
des Fussballs unterstützen und sich gesellschaftlich engagieren. Viele von ihnen sind in
armen Vierteln geboren und fühlen sich zu
einer Mission berufen. Dies beweist, welche
Kraft der Fussball in unserer Zeit hat. Å
Mit Madjid Bougherra
sprach Mohammed Hallal
Das Publikum nennt Sie “der Magier”. Seit
wann und aus welchem Grund?
Als ich bei Crewe Alexandra spielte, hatte
der Klub seit 17 Spielen keinen Sieg mehr
errungen, doch ab meinem ersten Einsatz
T H E F I FA W E E K LY
15
game onor game over
all in or nothing
adidas.com/worldcup
© 2014 adidas AG. adidas, the 3-Bars logo and the 3-Stripes mark are registered trademarks of the adidas Group.
C O U N T D O W N B R A S I L I E N 2 0 14 : N O C H 3 4 T A G E
→ http://www.fifa.com/worldcup
FIFA vergibt 50 000 Tickets
an Stadionarbeiter
Noch knapp einen Monat bis zum Start der Fussball-WM.
Für die Stadionarbeiter gibt’s ein besonderes Dankeschön.
Marcio Macculloch
Eraldo Peres /Keystone/ AP
A
ls Dank an diejenigen, die sich besonders
hart dafür eingesetzt haben, dass die
Fussball-Weltmeisterschaft in Brasilien
realisiert werden kann, werden etwa
50 000 Eintrittskarten an die am Bau
oder Umbau der zwölf WM-Stadien
­beteiligten Arbeiter vergeben.
Die mit dem Stadionbau beauftragen
Baufirmen erhalten die Eintrittskarten, die­
­
sie dann an die Arbeiter weitergeben. Die Verteilungskriterien und die Anzahl der Eintrittskarten obliegen den einzelnen Bauunternehmen. Bei den für die Arbeiter bestimmten
Eintrittskarten handelt es sich um Tickets der
Kategorie 4 für 47 Partien der ersten Runde,
mit Ausnahme des Eröffnungsspiels der WM
zwischen Brasilien und Kroatien, das am
12. Juni in São Paulo stattfindet.
Ticket-Ausgabestellen sind geöffnet
Die Anzahl der Tickets für die einzelnen Stadien
wurde in Abstimmung mit den Bauunternehmen basierend auf der Anzahl der am Bau beteiligten Arbeiter festgelegt. Die Verteilung erfolgt
proportional zum Prozentsatz der an den einzelnen Bauvorhaben beteiligten Arbeiter.
Die Ausgabe der Tickets soll Mitte Mai an
einen von der jeweiligen Baufirma beauftragten
Repräsentanten erfolgen. Die Verteilung der
Eintrittskarten an die Arbeiter wird von den
Bauunternehmen selbst vorgenommen.
Bisher wurden mehr als 2,73 Millionen
­Eintrittskarten für die WM vergeben. Seit dem
18. April sind die Ticket-Ausgabestellen in elf der
zwölf WM-Städten für das Publikum geöffnet.
Um sein Ticket abzuholen muss der Kunde ein
amtliches Dokument mit Foto und die für die
Transaktion benutzte Kreditkarte vorlegen. Für
die Abholung von Eintrittskarten für Senioren,
T H E F I FA W E E K LY
Schüler, Begünstigte des staatlichen Sozialprogramms “Bolsa Família” und Menschen mit Behinderungen oder eingeschränkter Mobilität
müssen entsprechende Nachweisdokumente
vorgelegt werden
Weiterhin werden seit Anfang Mai etwa
540 000 Eintrittskarten an die Käufer ausgeliefert, die sich zum Zeitpunkt des Kaufs für die
Option „Ticket Delivery“ entschieden haben. Å
17
DEBAT T E
Die Fratze des Fussballs
Recife, Rom, Bern: Unruhestifter sorgen im
­Fussball für ein gravierendes Imageproblem.
Die Gewaltausbrüche in den Stadien spiegeln
­gesellschaftliche Missstände wider.
Thomas Renggli
D
ie Bilanz im internationalen Fussball der
letzten Wochen erinnert an kriegsähnli­
che Zustände: Prügeleien und Schiesse­
reien vor dem italienischen Pokal-Finale
in Rom – drei Tifosi von Schüssen nie­
dergestreckt; ein Toter nach schweren
Ausschreitungen im Umfeld des brasiliani­
schen Zweitligaspiels zwischen Santa Cruz und
Paraná in Recife; eine randalierende Bande, die
am Rande des Schweizer Pokal-Endspiels in
Bern für 45 Verhaftungen sorgt.
Es sind derzeit eher Kriminalstatistiken als
Torschützenlisten, die zu reden geben und ein
düsteres Licht auf den Spitzenfussball werfen.
18
Vor allem in Italien scheint die Situation ausser
Kontrolle zu geraten. Auf der Ehrentribüne des
Römer Olympiastadions erlebte Italiens Minis­
terpräsident Matteo Renzi am vergangenen
Wochenende die Tragweite der Entwicklung.
Umrahmt von Grössen aus der Polit-, Fussballund Show-Welt musste er mitansehen, wie der
landesweit bekannte Anführer der Napoli-Ult­
ras, Gennaro de Tommaso, das Geschehen von
der Kurve aus diktierte und den Calcio sprich­
wörtlich in Geiselhaft nahm. Wie komplex die
Situation ist, spiegelt die Herkunft des Haupt­
darstellers: De Tommaso ist der Sohn eines
Clanchefs der Camorra, der Mafia Neapels. Zu­
vor hatte in den Strassen der Stadt der “Capo”
der Ultras des AS Roma, Daniele de Santis, eine
T H E F I FA W E E K LY
Die Weekly-Debatte.
Was brennt Ihnen unter den Nägeln?
Über welche Themen wollen Sie
diskutieren? Ihre Vorschläge an:
[email protected].
Getty Images / Central Press
Freund und Helfer Anlässlich des FA-Cup-Finals 1923 sorgt im Wembley die berittene Polizei für Recht und
Ordnung. Das Spiel geht als “White Horse Final” in die Geschichte ein.
Vendetta inszeniert, zur Pistole gegriffen und
auf Anhänger aus Neapel gefeuert. Das Spiel
fand übrigens zwischen Napoli und Fiorentina
statt und endete 3:1.
So machtlos Ministerpräsident Renzi das
traurige Geschehen verfolgte, so hilflos agieren
Polizei und Justiz in Italien. Während die
­Ultras in den Stadien halbwegs unter Kontrolle
sind, verlagern sich die Auswüchse auf die An­
fahrtswege. Strafen scheinen die Krawall­
macher eher zu motivieren als zu bremsen. Der
italienische Staatspräsident Giorgio Napoli­
tano sagte zu den Ereignissen: “Diese Gewalt­
ausbrüche reflektieren die moralische Krise in
unserem Land. Man darf nicht mit diesen Un­
ruhestiftern verhandeln. Das gilt auch für die
Klubpräsidenten. Sie müssen die Verbindungen
zu diesen Anhängseln aus der Welt der Krimi­
nalität und Illegalität, die sich Fans nennen,
abschneiden.”
Ein Blick in die anderen Ligen zeigt, dass
letztlich nur drakonische Strafen – flankiert
von vorbeugenden Massnahmen – Lösungen
bringen können. Paradebeispiel ist England, wo
nach der Katastrophe im Heyselstadion 1985
(39 Tote) rigoros durchgegriffen wurde: Alko­
holverbot auf den Tribünen, Abschaffung der
Stehplätze, An- und Abreise der Gästefans un­
ter Polizeikontrolle, Videoüberwachung, Sta­
dionverbote sowie Meldepflicht haben die Lage
in der Premier League entspannt. Ausserdem
veränderte die allgemeine Preiserhöhung die
Zusammensetzung des Publikums.
In der Türkei ging man nach wiederholten
Ausschreitungen einen eigenen Weg: Fener­
bahce Istanbul feierte die Meisterparty
u nlängst nur mit Frauen und Kindern im
­
Stadion. Spiele ohne männliche Zuschauer
­
­sollen die Atmosphäre zivilisieren. Allerdings
schwebt der Manipulations- und Korruptions­
skandal von 2011 weiter wie ein dunkler Schat­
ten über der Süper Lig und nimmt allen An­
strengungen die Stosskraft. Letztendlich gilt
für die Türkei dasselbe wie für Italien: Gegen
tief in der ­Gesellschaft verankerte Missstände
greifen selbst härteste Sanktionen nicht. Å
DEBAT T E
Nur abschreckende Strafen können uns
(leider) von Gesetzesbrüchen abhalten: die
Angst vor einem Fahrausweisentzug, hohe
Bussen, Gefängnisstrafen, Verbote zum
Besuch von Veranstaltungen, Ausschluss aus
einer Vereinigung, öffentliche Publikation
von Sündern oder Tätern, harte Sozialarbeit
und dergleichen. Wer sich vor den Folgen
nicht fürchtet, dem ist kein Weg zu riskant.
Ein effizientes Instrument bei Massenver­
anstaltungen ist die berittene Polizei. Ihr
­A nblick löst einerseits Respekt aus, anderer­
seits aber auch Furcht. Ebenso wirkt die
Präsenz von Tieren Aggressionen entgegen
und kann zu einer Entspannung innerhalb
einer brodelnden Menge beitragen. England
und Deutschland liefern den Beweis dafür,
Zürich hat sie abgeschafft.
PRESIDENTIAL NOTE
eine einfache Antwort auf die Frage, wie man
Gewalt rund um den Fussball verhindert,
wären auch manch andere Konflikte auf
dieser Welt gelöst.
Stefan Berger, Kufstein
Fussball könnte so schön sein! Eine gewisse
Rivalität gehört dazu, aber nur im sportlichen
Sinn. Die beiden Teams auf dem Platz schla­
gen sich in der Regel ja auch nicht die Köpfe
ein. Es ist traurig, dass einige wenige “Fans”
einem den Spass am Fussballschauen ver­
derben. Ich spiele selber und war früher oft in
Stadien, aber inzwischen wegen der Gewalt
nicht mehr. Vor lauter Aufpassen, dass man
nichts um die Ohren kriegt, verpasst man das
ganze Spiel.
Stoppt endlich
die Chaoten
Oliver G., Düsseldorf
Bernhard Sorg, Wallisellen
“Nur
rigorose
Strafen
helfen.”
Gewalt ist kein Problem des Fussballs, es ist
vielmehr ein gesellschaftliches. Die Klubs
müssen zwar in die Verantwortung genom­
men werden und den Dialog mit ihren Fans
suchen, sie können aber nicht für gesell­
schaftliche Probleme den Kopf hinhalten.
Eine gute Zusammenarbeit zwischen Verein
und Fans hilft, Ausschreitungen in den
Stadien zu minimieren oder gar zu verhin­
dern. Was aber ausserhalb der Arenen pas­
siert, liegt schlicht nicht in der Verantwor­
tung der Klubs. Und auch nicht in derjenigen
der organisierten Fangruppierungen. Gäbe es
Es braucht von allen Seiten viel grössere
Anstrengungen. Fanbegleiter nützen nichts,
wenn sie nicht konsequent mit den staat­
lichen Behörden zusammenarbeiten. Aber
auch die Polizei stösst in der Schweiz oft an
ihre Grenzen: Wenn eine Polizeitruppe mit
mehreren Hundert Personen aufgeboten wird
und nicht im Stande ist, zehn Chaoten zu
isolieren, hat sie komplett versagt! Daher
nochmals: Täter im und ausserhalb des
Stadions sofort verhaften und rigoros bestra­
fen wie in England. Und überdies die Zusam­
menarbeit mit den involvierten Stellen massiv
verstärken. Aber schlussendlich ist es halt ein
gesellschaftliches Problem. Gute Erziehung
fängt zu Hause an.
Ralph Hennecke, Zürich
Das einzige Mittel, damit man dies in den
Griff bekommt sind härtere Strafen und
klare Distanzierung der Vereine von diesen
Chaoten und Gesetzesbrechern. Es kann
doch nicht sein, dass ein Hooligan entschei­
det, ob und wann eine Partie in einer oberen
Liga angepfiffen wird. Wenn sich die Vereine
und auch die Verbände zusammen mit den
entsprechenden Behörden nicht gegen diese
auf unsere Gesellschaft pfeifende Typen
stellt, werden bald einmal die Spiele vor
leeren Rängen ausgetragen. Ich bin auf jeden
Fall nicht mehr bereit, in ein Stadion zu
gehen, einen Eintrittspreis von 70 Schweizer
Franken und mehr (Cup-Halbfinal FCZ – Thun)
zu bezahlen, um dann noch meinen 12-jähri­
gen Sohn in Gefahr zu bringen.
R
ecife, Rom, Bern – die Schadenspur, die
Chaoten und Krawalltouristen am Rande
von Fussballspielen in den letzten Tagen
und Wochen hinterlassen haben, ist erschre­
ckend. Besonders betrüblich: Die Auswüchse
sind keine Einzelfälle. Sie erinnern an einen
schlechten Film, der an jedem Wochenende
neu aufgeführt wird.
Doch wir müssen aus dieser vermeintlichen
Endlosschlaufe ausbrechen. Wenn die brasilia­
nische Präsidentin Dilma Rousseff sagt: “Ein
Land, das den Fussball so liebt, kann Gewalt in
seinen Stadien nicht länger tolerieren. Die
­Polizei muss rigoros dagegen vorgehen”, trifft
sie den Nagel auf den Kopf. Neben den staat­
lichen Instanzen müssen aber auch die Klubs
(und letztlich die Nationalverbände und Ligen)
zur Verantwortung gezogen werden. Denn die
Straftäter sind in den meisten Fällen bekannt.
Leider zögern viele Klubpräsidenten aber
in irritierender Weise, sich von diesen Figuren
zu distanzieren und machen sich so auf eine
­gefährliche Weise erpressbar. Fussballstadien
sind keine rechtsfreien Räume, sondern Begeg­
nungsstätten für Sportfreunde aller Genera­
tionen und gesellschaftlichen Schichten. Wer
das nicht verstehen will, hat im Fussball nichts
zu suchen. Und jeder Verein, der die Chaoten
deckt, muss drakonisch bestraft werden. Und
zwar mit allen möglichen sportlichen Konse­
quenzen: vom Punkteabzug bis zum Ausschluss
aus sämtlichen Wettbewerben.
Edi Koller, Bülach
“Gewalt ist ein gesellschaftliches Problem.”
Ihr Sepp Blatter
T H E F I FA W E E K LY
19
First Love
20
T H E F I FA W E E K LY
Or t: Kalksteinbr uch Ungasan, Bali
Datum: 14. November 2005
Z e it : 17. 0 2 U h r
Photograph by Levon Biss
with support from Umbro / RPM
T H E F I FA W E E K LY
21
DAS FIFA-R ANKING
Rang Team
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
25
25
28
29
30
30
32
33
34
35
36
37
38
39
40
41
42
42
44
45
46
47
47
49
50
51
52
53
54
55
55
55
58
59
59
61
62
63
64
65
66
67
68
69
70
71
72
73
74
75
76
77
Spanien
Deutschland
Portugal
Brasilien
Kolumbien
Uruguay
Argentinien
Schweiz
Italien
Griechenland
England
Belgien
Chile
USA
Niederlande
Frankreich
Ukraine
Russland
Mexiko
Kroatien
Elfenbeinküste
Schottland
Dänemark
Ägypten
Bosnien und Herzegowina
Schweden
Algerien
Ecuador
Slowenien
Serbien
Honduras
Rumänien
Armenien
Costa Rica
Panama
Tschechische Republik
Iran
Ghana
Türkei
Österreich
Venezuela
Peru
Kap Verde
Nigeria
Ungarn
Slowakei
Japan
Wales
Tunesien
Kamerun
Guinea
Finnland
Usbekistan
Montenegro
Republik Korea
Norwegen
Paraguay
Island
Mali
Australien
Burkina Faso
Libyen
Senegal
Jordanien
Südafrika
Republik Irland
Vereinigte Arabische Emirate
Bolivien
El Salvador
Albanien
Sierra Leone
Polen
Bulgarien
Trinidad und Tobago
Saudiarabien
Marokko
Haiti
Rang­veränderung Punkte
0
0
0
2
-1
-1
-1
0
0
0
1460
1340
1245
1210
1186
1181
1178
1161
1115
1082
0
0
1
-1
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
2
-1
0
0
0
0
0
0
0
0
0
1
0
1
-1
0
0
0
0
0
0
0
0
0
1
1
-1
0
0
0
0
0
0
0
1
-1
0
0
0
0
0
0
0
2
0
0
2
1043
1039
1037
1015
967
935
913
903
877
871
830
825
819
798
795
795
795
794
787
759
759
756
750
748
739
731
715
713
711
673
666
665
665
631
623
616
613
613
597
583
580
578
577
555
551
551
551
546
545
545
528
522
511
510
507
504
499
497
488
486
484
479
460
457
455
454
452
Rang
12 / 2013
01 / 2014
02 / 2014
→ http://de.fifa.com/worldranking/index.html
03 / 2014
04 / 2014
05 / 2014
1
-41
-83
-125
-167
-209
78
79
80
81
82
83
84
85
86
87
88
89
90
91
92
93
94
95
96
97
98
99
100
101
102
103
104
105
106
106
108
109
110
111
112
113
114
114
116
117
118
119
120
121
122
122
124
125
126
126
128
128
130
131
131
133
134
134
136
137
138
139
140
141
142
143
144
Platz 1 Aufsteiger des Monats Israel
Sambia
EJR Mazedonien
Jamaika
Oman
Belarus
Nordirland
Aserbaidschan
Uganda
Gabun
DR Kongo
Togo
Kuba
Botsuana
Kongo
Estland
Angola
Katar
VR China
Benin
Simbabwe
Moldawien
Irak
Äthiopien
Niger
Georgien
Litauen
Bahrain
Kenia
Zentralafrikanische Republik
Kuwait
Lettland
Kanada
Neuseeland
Luxemburg
Äquatorial-Guinea
Mosambik
Libanon
Vietnam
Sudan
Kasachstan
Liberia
Namibia
Tadschikistan
Malawi
Tansania
Guatemala
Burundi
Dominikanische Republik
St. Vincent und die Grenadinen
Malta
Afghanistan
Zypern
Suriname
Ruanda
St. Lucia
Gambia
Syrien
Grenada
DVR Korea
Neukaledonien
Mauretanien
Philippinen
Lesotho
Antigua und Barbuda
Thailand
Belize
T H E F I FA W E E K LY
0
-5
0
1
-1
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
1
0
0
0
0
0
12
-1
0
0
0
0
9
-1
-6
-2
-2
-2
8
-3
-3
-2
0
-2
13
3
-3
-3
-3
-1
Absteiger des Monats
450
448
443
420
418
404
400
398
395
386
380
374
371
369
367
366
347
338
333
332
327
325
321
319
315
303
293
289
284
284
283
273
272
271
266
261
251
251
242
241
235
234
233
229
227
227
223
215
212
212
204
204
201
197
197
191
190
190
188
175
174
165
161
159
158
156
152
145
146
147
147
149
150
151
152
153
153
155
156
157
158
159
159
161
162
163
164
165
165
167
168
169
170
171
172
173
173
173
176
177
178
179
180
180
182
183
184
184
186
187
188
189
190
191
191
191
194
195
195
197
197
199
200
201
202
202
204
205
206
207
207
207
Malaysia
Kirgisistan
Singapur
Indien
Puerto Rico
Liechtenstein
Guyana
Indonesien
Malediven
St. Kitts und Nevis
Aruba
Turkmenistan
Tahiti
Hongkong
Pakistan
Nepal
Barbados
Bangladesch
Dominica
Färöer
Tschad
Palästina
São Tomé und Príncipe
Nicaragua
Bermuda
Chinese Taipei
Guam
Salomon-Inseln
Sri Lanka
Laos
Myanmar
Seychellen
Curaçao
Swasiland
Jemen
Mauritius
Vanuatu
Fidschi
Samoa
Komoren
Guinea-Bissau
Bahamas
Mongolei
Montserrat
Madagaskar
Kambodscha
Brunei Darussalam
Osttimor
Tonga
Amerikanische Jungferninseln
Cayman-Inseln
Papua-Neuguinea
Britische Jungferninseln
Amerikanisch-Samoa
Andorra
Eritrea
Südsudan
Somalia
Macau
Dschibuti
Cook-Inseln
Anguilla
Bhutan
San Marino
Turks- und Caicos-Inseln
-3
1
-2
-2
-2
-1
-1
-1
0
0
0
0
0
0
2
0
1
1
-3
0
4
-1
-1
-1
-1
0
0
0
0
1
1
1
1
1
1
-4
1
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
149
148
144
144
143
139
137
135
124
124
122
119
116
111
102
102
101
98
93
91
88
88
86
84
83
78
77
75
73
73
73
66
65
64
63
55
55
47
45
43
43
40
35
33
32
28
26
26
26
23
21
21
18
18
16
11
10
8
8
6
5
3
0
0
0
23
ARGENTINIEN
24
T H E F I FA W E E K LY
ARGENTINIEN
“MESSI IST
EIN STARKES
ARGUMENT”
fotogloria
Jorge Valdano wurde 1986 mit Maradona Weltmeister, später
trainierte er Real Madrid. Der Fussball-Philosoph nennt im
Gespräch Messi ein Genie – aber an der WM in Brasilien benötige
Argentinien für den Titelgewinn mehr als das.
T H E F I FA W E E K LY
25
ARGENTINIEN
Mit Jorge Valdano sprach Jordi Punti
In einem WM-Finale ein Tor zu erzielen
und mit der eigenen Mannschaft zu gewinnen, ist der absolute Höhepunkt, weil es kein
grösseres oder besseres Szenario gibt. Wenn
ich diese Ehre nicht gehabt hätte, wäre ich für
den Rest meines Lebens sicherlich etwas
weniger glücklich gewesen. Ich habe noch
immer ein ganz klares Bild von diesem Nachmittag im Kopf, sodass ich gar nicht glauben
kann, dass seither schon fast 30 Jahre vergangen sind. Mit dem Lauf der Zeit verblasst
die Freude allerdings etwas und dieser Aspekt
ist weniger schön.
Wenn ich die Bilder richtig in Erinnerung habe,
haben Sie den Ball nach Maradonas herausragendem Treffer gegen England aus dem Tor
geholt. Was ist Ihnen in diesem Moment durch
den Kopf gegangen?
Tatsächlich gebührte mir die Ehre, den
Ball aus dem Tor zu holen, den Maradona
versenkt hatte. Es versteht sich von selbst,
dass es sich dabei um eine kleine Ehre handelte. Damals ging mir durch den Kopf, dass
dieses Tor eher ihm als der Mannschaft
gehörte und dass man ihn beim Jubeln allein
lassen sollte. Daher habe ich mich entschlossen, etwas Nützliches zu tun, während Diego
sein Tor bejubelte: Ich habe den Ball aus dem
Netz geholt.
Sie sind im Alter von 19 Jahren zum spanischen Fussball gewechselt und haben dann
mehrere Klubs durchlaufen: Alavés, Real
Saragossa, Real Madrid … Später waren Sie
dann auch einige Jahre bei Real Madrid als
Trainer sowie als Fussballdirektor tätig. Sie
haben daher einen guten Überblick über den
spanischen Fussball. Welche Veränderungen
haben Ihrer Meinung nach dazu geführt, dass
die derzeitige spanische Nationalmannschaft
so stark geworden ist? Ist das nur eine Frage
guter Spieler oder auch eine Frage des kollektiven Charakters?
Dahinter steckt eine Ausbildungsrevolution, der nicht nur Real Madrid und Barcelona
verpflichtet sind, sondern alle Fussballschulen Spaniens. Während sich alle anderen
Länder auf die Fitness und die Taktik versteift haben, hat sich Spanien auf die kollektive Technik konzentriert. Das sollte am Ende
einen grossen Unterschied ausmachen.
26
“Kolumbien und Chile
könnten meiner
Meinung nach für
eine Überraschung
gut sein.”
Wie sehen Sie die nächste WM? Im Vorfeld
werden Brasilien, Spanien, Argentinien und
Deutschland im Favoritenkreis angesiedelt.
Was für ein Gefühl haben Sie rund einen
Monat vor dem Eröffnungsspiel? Welche
Auswahl könnte eine Überraschung landen?
Ich glaube, es gibt zwei sehr positive
Einflüsse. Das wäre zunächst einmal die
Tatsache, dass der letzte Weltmeister Spanien
hiess und im Fussball zu einem Vorbild avanciert ist, dem selbst so klassische Teams wie
Deutschland oder Italien nachzueifern scheinen. Zum Zweiten findet die WM in Brasilien
statt, einem überaus fussballbegeisterten
Land, in dem Effizienz ebenso bewundert wird
wie Schönheit. Ich hoffe, dass das Ergebnis
dieser beiden Kräfte eine wunderbare WM sein
wird. Alle klassischen Nationalteams – das
sind diejenigen, die bereits eine Weltmeisterschaft gewonnen haben – sind Titelanwärter.
Kolumbien und Chile könnten meiner Meinung
nach für eine Überraschung gut sein.
Messi ist ein Genie, unabhängig davon, in
welchem Trikot er aufläuft. Er ist in Brasilien
die Trumpfkarte Argentiniens, aber um
Weltmeister zu werden, braucht man mehr als
ein Genie. Was Sabella angeht, so leistet er
gute Arbeit.
Welcher Spieler der aktuellen argentinischen
Auswahl erinnert Sie vom Charakter und von
der Spielweise her an den Valdano, der die
WM 1986 gewonnen hat?
Di María aufgrund seines weiten Aktionsfeldes. Aber damit hören die Ähnlichkeiten
dann auch schon auf. Wir sind sehr unterschiedlich.
Glauben Sie, dass Deutschland den Einfluss
nutzen wird, den Pep Guardiola über Bayern
München ausübt – so wie Del Bosque das
getan hat, als er noch Trainer des FC Barcelona
war?
Nein, das glaube ich nicht.
Wo wir gerade von Guardiola sprechen:
Sie haben bei mehr als einer Gelegenheit
gesagt, dass seine Episode als Trainer Barças
eine Innovation und ein Schritt nach vorn war.
Ich glaube sogar, mich daran zu erinnern, dass
Sie ihn als den Steve Jobs des Fussballs
Weltmeister und Galácticos-Trainer
Jorge Valdano
hat eine Weltmeisterschaft
gewonnen
(Mexiko 1986)
und hatte
ausserdem
die Ehre, im
Finale einen
Treffer zu erzielen. Seine Zugehörigkeit zu
der legendären Mannschaft rund um den
genialen Diego Maradona war der Höhepunkt einer langen und ausgesprochen
erfolgreichen Spielerkarriere, die ihn mit
19 Jahren nach Spanien führte. Als Spieler
war Valdano ein eleganter Typ, der schnell
T H E F I FA W E E K LY
und mit langen Schritten über den
Platz fegte. Er stand bei Klubs wie Real
Saragossa und Real Madrid unter Vertrag
und war später auch als Trainer für das
Team aus Madrid sowie für CD Teneriffa
und den FC Valencia tätig. Bei Real Madrid
hatte er ausserdem Leitungsfunktionen
inne. Jorge Valdano hat mehrere Bücher
über Fussball geschrieben, in denen er
seine Erfahrungen in diesem Sport mit
kritischem Blick, intellektuellem Scharfsinn
und einer literarischen Stimme aufbereitet,
die der Leidenschaft, der Analyse und dem
schönen Spiel grössere Bedeutung
beimisst als den Ergebnissen.
Jordi Punti
Getty Images
Sie gehören zum auserwählten Kreis der
Spieler, die in einem WM-Finale ein Tor erzielen
konnten. Mittlerweile sind einige Jahre vergangen. Was ist Ihnen von diesem Nachmittag
in Mexiko am lebhaftesten in Erinnerung
geblieben?
Kommen wir auf Argentinien zu sprechen.
Messi wird zum Zeitpunkt der WM 27 Jahre
alt sein, eigentlich ein perfektes Alter. Seine
Verletzungen und die Saison mit dem FC
Barcelona haben jedoch einige Zweifel aufkommen lassen. Glauben Sie, dass Nationaltrainer Alejandro Sabella das richtige Rezept
gefunden hat, um dafür zu sorgen, dass sich
Messi in der Mannschaft wohlfühlt?
Name
Jorge Alberto Francisco
Valdano Castellanos
Geburtsdatum, -ort
4. Oktober 1955, Las Parejas,
Argentinien
Spielposition
Stürmer
Stationen als Spieler
1973–1975 Newell’s Old Boys
1975–1979 Deportivo Alavés
1979–1984 Real Zaragoza
1984–1987 Real Madrid
Grösste Erfolge als Spieler
Weltmeister 1986; Spanischer
Meister 1986, 1987;
UEFA-Pokal-Sieger 1985, 1986
Nationalteam
1975–1990, 23 Einsätze für
Argentinien
Stationen als Trainer
1992–1994 Teneriffa
1994–1996 Real Madrid
1996–1997 Valencia
Erfolge als Trainer
Spanischer Meister 1995
Reinaldo Coddou/fotogloria
­ ezeichnet haben. Können Sie in wenigen
b
Worten sagen, worin diese Modernisierung
bestand?
Guardiola hat sich sehr verdient g
­ emacht,
weil seine Mannschaften immer darauf
ausgerichtet sind, spielbestimmend zu sein.
Es ist unendlich viel schwieriger und
­mühsamer, mit acht Spielern anzugreifen,
ohne die Ordnung zu verlieren, als mit neun
Spielern zu verteidigen. Guardiola strebt
danach, sich Siege über das Risiko und grosse
Auftritte zu erarbeiten. Ausserdem ist er ein
Innovator, der in der Lage ist, mitten in einer
Erfolgsphase Veränderungen vorzunehmen.
Das ist etwas, was ich im Laufe von 40 Jahren
in der Fussballwelt nur sehr selten erlebt
habe.
Eine Weltmeisterschaft ist auch eine gute
Schaubühne für Nachwuchsspieler. Auf welche
jungen Spieler werden Sie besonders achten?
An wen haben Sie die höchsten Erwartungen?
An den Belgier Hazard, den Kolumbianer
James Rodríguez, die Spanier Thiago und Isco
– falls Del Bosque sie nach Brasilien mitnimmt. Weltmeisterschaften bringen keine
Überraschungen mehr. Wir wissen bereits
alles von allen.
Seit Sie das Traineramt aufgegeben haben, sind
Sie als Fussballkommentator tätig und schreiben Artikel. Sie haben sich damit für eine
intellektuellere Herangehensweise an den Sport
entschieden und sogar schon Fiktion geschrieben. Was macht das Schreiben für Sie so
attraktiv? Es kommt nicht sehr häufig vor, dass
der Fussball die emotionale Ebene überwindet,
um auf ein ratio­naleres Gebiet vorzudringen …
Die Liebe ist auch eine Emotion und hat
die Literatur aller Epochen beseelt. Warum
T H E F I FA W E E K LY
also nicht über Fussball schreiben? Das ist ein
Thema, über das man genauso leidenschaftlich nachdenken kann wie über jedes andere
auch. Ausserdem glaube ich, dass es die
grosse Metapher dieser Zeit ist.
Gibt es Lektüre zum Thema Fussball, die Sie
uns empfehlen würden, insbesondere im
Hinblick auf die anstehende Weltmeisterschaft?
In spanischer Sprache: “Héroes de
nuestro tiempo” (Helden unserer Zeit), ein
Buch von Santiago Segurola. Ausserdem
die Artikel von Enric González (aus Spanien),
Juan Villoro (aus Mexiko) oder Juan
Sasturain (aus Argentinien). Å
Lesen Sie mehr zum Thema auf Seite 28
27
ARGENTINIEN
Vier WMEndspiele,
zwei Siege
Nach einem Schuss vor den Bug früh in der
Qualifikation gelang dem argentinischen Nationalteam
ein Lauf von 14 Spielen ohne Niederlage.
Wo steht das Team von Coach Alejandro Sabella wenige
Wochen vor der Weltmeisterschaft?
N
ach dem hohen Sieg zum Auftakt der
WM-Qualifikation gegen Chile musste
Argentinien eine unerwartete und nie
zuvor dagewesene Niederlage gegen
Venezuela hinnehmen, der ein Unentschieden zu Hause gegen Bolivien folgte. Erste Zweifel wurden an der Auswahl von
Alejandro Sabella laut, der im Anschluss an die
Copa América die Leitung der Nationalelf übernommen hatte. Doch der folgende Sieg in
­Barranquilla gegen Kolumbien nach anfänglichem Rückstand wirkte wie ein Auslöser für
die Albiceleste, die anschliessend eine Serie
von 14 Spielen ohne Niederlage hinlegte.
Im Verlauf dieser Serie erzielte Argentinien
Siege in Chile und Paraguay sowie Unentschieden in Bolivien, Ecuador und Peru und konnte
am Ende auf eine Kombination von positiven
Ergebnissen zurückblicken, die im aktuellen
Qualifikationsmodus bis dann noch nie erreicht worden war. Insgesamt stellte das
Team die beste Offensive (35 Tore) sowie die
imago
Grenzenlose Freude
Mario Kempes nach dem
Treffer zum 2:1 im Finale
der WM 1978.
28
T H E F I FA W E E K LY
ARGENTINIEN
zweitbeste Abwehr (15 Gegentreffer) und beendete die Vorausscheidung zum dritten Mal in
fünf Auflagen als Tabellenerster.
Diego Zandrino
Bob Thomas / Getty Images
Eine eindrucksvolle Geschichte
Mit vier Finalteilnahmen zählt Argentinien zu
den erfolgreichsten Mannschaften in der
G eschichte der Fussball-Weltmeisterschaft.
­
Die Albiceleste erreichte gleich bei der ersten
WM 1930 in Uruguay das Endspiel, wo sie
dem Gastgeber jedoch 2:4 unterlag.
Dieses Schicksal blieb den Südamerikanern
in den Jahren 1978 und 1986 erspart, als sie im
eigenen Land dank Mario Kempes beziehungsweise in M
­ exiko dank Diego Armando Maradona den Titel errangen.
An der WM 1990 in Italien kamen die
­A rgentinier zum bis dato letzten Mal über das
Viertelfinale hinaus, mussten sich jedoch im
Endspiel in Rom den Deutschen geschlagen
­geben. Den einzigen Treffer der Partie erzielte
Andreas Brehme per Elfmeter.
Der Floh im Mittelpunkt
Nachdem er als erster Spieler überhaupt viermal in Folge zum Weltfussballer des Jahres
gewählt worden ist (2009 bis 2012), ist Lionel
Messi zweifelsohne der unumstrittene Star der
Albiceleste.
La Pulga (der Floh), der mit dem FC Barcelona Titel am Fliessband erringt und einen
­Rekord nach dem anderen bricht, möchte nach
der WM 2010, wo er erstaunlicherweise keinen
einzigen Treffer erzielte, nun auch mit der
­Nationalmannschaft erfolgreich sein.
An seiner Seite stehen Spieler wie Gonzalo
Higuaín, Sergio Agüero, Javier Mascherano,
Fernando Gago und Ángel di María, die allesamt bei Spitzenklubs unter Vertrag stehen. Å
BESTE RESULTATE DER
ARGENTINIER AN FIFA-TURNIEREN:
• Gewinner der Fussball-Weltmeisterschaften 1978 und 1986
• Gewinner der U-20-Weltmeister­
schaften 1979, 1995, 2001,
2005 und 2007
• Goldmedaille bei den Olympischen
Fussballturnieren 2004 und 2008
• Gewinner des KonföderationenPokals 1992
• Gewinner der Silbermedaille bei den
Olympischen Fussballturnieren
1928 und 1996
Sicherheit geht vor
Argentiniens Kapitän
Daniel Passarella und der
WM Pokal umringt von
Polizisten.
T H E F I FA W E E K LY
29
emirates.com
Tomorrow
brings us
all closer
To new people, new ideas and new states of mind.
Here’s to reaching all the places we’ve never been.
Fly Emirates to 6 continents.
F I F A S T O P 11
FREE KICK
WMZuschauerzahlen
Die Spannung steigt
Sarah Steiner
B
is zum 13. Mai müssen die Nationaltrainer der FIFA ihre provisorische Kaderliste mit maximal 30 Spielern einreichen.
Bis zur Benennung der offiziellen Kader
am 2. Juni dürfen dann nur noch verletzte Spieler auf der Liste ausgetauscht werden. In den nächsten Tagen wird sich also für
ungefähr 960 Fussballer entscheiden, ob sich
ihr grosser Traum erfüllt und sie im brasilianischen Fussballsommer versuchen können, den
Fussball­olymp zu besteigen – oder nicht.
Aufregende Momente, die wohl viele aus
ihrer Kindheit kennen. Zwar ging es da nicht
um das prestigeträchtigste und medienwirksamste Turnier der Welt, aber in den Augen
eines Kindes um fast ebenso viel: um die
­a llwöchentliche Aufteilung der Klasse in der
Turnstunde in zwei Fussballmannschaften.
Schon der Weg in die Turnhalle war ein
Wettrennen. In den Umkleideraum gestürmt,
den typischen Geruch – eine Mischung aus
Schweiss, Holz, Leder und Gummi – aufgesogen
und rein in die Sportklamotten. Ich schwärmte
für Alain Sutter, den langhaarigen Mittelfeldstar der Schweizer Nationalmannschaft. An
seinem kleinen Zeh zerbrachen die Hoffnungen
des Fussballzwergs Schweiz an der WM 1994.
Für mich war er unsterblich. In seinem Trikot
sollte ich zu Höchstleistungen auflaufen. Die
Treppe also hinunter gestürmt und angekommen in der Turnhalle, stellten wir uns in einer
Reihe auf, um ungeduldig darauf zu warten,
dass unser Turnlehrer die beiden glücklichen
ernennen würde, die sich ihre Mannschaften
aussuchen durften. Diejenigen also, die quasi
die Aufgabe der Nationaltrainer innehaben
durften. Ich war selten eine davon.
Nervös und hibbelig standen wir in Reih
und Glied: Matthäus, Maradona, Baggio, Ronaldo, Milla, Larsson und wie sie alle hiessen,
und warteten, bis unsere Namen aufgerufen
wurden. Der Gerechtigkeit halber hatte unser
Turnlehrer bestimmt, dass die Teamchefs in
abwechselnder Reihenfolge jeweils ein Mädchen und einen Knaben benennen mussten.
Wir Mädchen waren ihm dafür dankbar, der
Kommentar der Jungen – naja, lassen wir das.
Jetzt ging es nur noch darum, wer das Glück
haben würde, anfangen zu dürfen.
Denn als erster Name fiel fast immer derjenige von Claudio. Unsere Sportskanone:
schnell, abschlussstark und unerbittlich in den
Zweikämpfen. Wer ihn im Team hatte, ging
quasi schon 1:0 in Führung. Warum mein Name
immer erst gegen Schluss fiel, war mir damals
schleierhaft; kindlichen Charakteren liegt die
Reflexion noch nicht, ist vielleicht auch besser
so. Denn trotz meinem nicht ganz so ausgeprägten Talent für den Fussball habe ich
­zumindest nie die überschwängliche Begeisterung für ihn verloren, die mich heute noch
packt, wenn ich einen Ball zu sehen bekomme.
Heute zwar nur noch als Zuschauer – im Laufe
der Jahre wurde mir dann doch bewusst, dass
ich meinem Team als Fan weit mehr von N
­ utzen
bin denn als Spielerin.
Mit ebendieser Begeisterung werde ich im
Verlauf der nächsten Woche die Nominierungen der Nationaltrainer verfolgen und jeden
Spieler verstehen, der gebannt in der Reihe
steht (oder auf sein Telefon starrt) und auf die
Nennung seines Namens wartet. Å
Die wöchentliche Kolumne aus der
The-FIFA-Weekly-Redaktion
T H E F I FA W E E K LY
1
1994, USA
Ø Zuschauer pro Spiel: 68 991
Zuschauertotal: 3 587 538
Spiele: 52
2
2006, Deutschland
Ø Zuschauer pro Spiel: 52 491 Zuschauertotal: 3 359 439
Spiele: 64
3
1970, Mexiko
Ø Zuschauer pro Spiel: 50 124 Zuschauertotal: 1 603 975
Spiele: 32
4
2010, Südafrika
Ø Zuschauer pro Spiel: 49 670 Zuschauertotal: 3 178 856
Spiele: 64
5
1974, BRD
Ø Zuschauer pro Spiel: 49 099 Zuschauertotal: 1 865 753
Spiele: 38
6
1966, England
Ø Zuschauer pro Spiel: 48 848 Zuschauertotal: 1 563 135
Spiele: 32
7
1990, Italien
Ø Zuschauer pro Spiel: 48 389 Zuschauertotal: 2 516 215
Spiele: 52
8
1950, Brasilien
Ø Zuschauer pro Spiel: 47 511 Zuschauertotal: 1 045 246
Spiele: 22
9
1986, Mexiko
Ø Zuschauer pro Spiel: 46 039 Zuschauertotal: 2 394 031
Spiele: 52
10
1998, Frankreich
Ø Zuschauer pro Spiel: 43 517 Zuschauertotal: 2 785 100
Spiele: 64
11
2002, Korea/Japan
Ø Zuschauer pro Spiel: 42 269 Zuschauertotal: 2 705 197
Spiele: 64
Quelle: FIFA
(FIFA World Cup, Milestones, Zahlen &
Fakten, Statistical Kit 7, 26.3.2013)
31
HISTORY
Maradonas Busse
Perikles Monioudis
S
pricht man vom argentinischen Natio­
nalteam, kommt man nicht umhin, die
beiden Triumphe an den Weltmeister­
schaften 1978 und 1986 zu erwähnen.
Der erste wurde zustande gebracht am
25. Juni 1978 an der Heim-WM, in poli­
tisch und ökonomisch unruhigen Zeiten, im
Papierschnitzelgestöber, das die einheimischen
Zuschauer im Estadio Monumental zu Buenos
Aires verursachten. Das Team von Coach César
Luis Menotti ging gegen die Niederlande nach
Verlängerung siegreich hervor (3:1).
Maradonas WM 1986
Der zweite WM-Titel der Albiceleste ist mit
dem Namen Diego Armando Maradonas ver­
knüpft – wie überhaupt die WM 1986 in Mexi­
ko. Kaum je hat ein Spieler so entschlossen
und selbstbewusst einer WM-Endrunde sei­
nen Stempel aufgedrückt wie Maradona dem
Turnier von 1986. Das konzediert ihm unter
anderen auch sein Bewacher im Finale, der
32
Deutsche Lothar Matthäus, der den Pokal
vier Jahre später, 1990 in Italien, selbst in die
Höhe stemmen durfte – und das ausgerechnet
im Anschluss an den Sieg gegen Maradonas
Argentinien.
Diese Volte der Turniergeschichte soll hier
nicht davon ablenken, dass Maradonas WM
1986 auch deshalb als solche in Erinnerung
geblieben ist, weil der argentinische Offensiv­
spieler im Viertelfinale gegen England einen
Treffer der ganz besonderen Art erzielte,
­einen Treffer, den man als Zuschauer nicht
mehr vergisst – und an dem sich alle seither
erzielten Treffer messen lassen müssen: Mara­
donas Sololauf über 60 Meter in der Hitze von
Mexiko-Stadt.
“Es lebe der Fussball”
Für das argentinische Radio kommentierte
damals Víctor Hugo Morales, ein Uruguayer,
der die Schönheit des Treffers und dessen
Tragweite sofort erkannte: “Ich möchte wei­
nen, Heiliger Bimbam, es lebe der Fussball!”
Es lebe der Fussball – ein Treffer nachgerade
T H E F I FA W E E K LY
für den Fussball war das, erzielt von einem
der besten Spieler, die der Weltfussball her­
vorgebracht hat. 2002 hat die FIFA nach einer
Internetumfrage den Treffer als “Tor des Jahr­
hunderts” deklariert.
Der famose Treffer Maradonas entstand aus
einem Kabinettstückchen des Argentiniers in
der eigenen Platzhälfte, als er zwei Engländer
auf engstem Raum stehen liess, indem er den
Ball rückwärts hüpfend mit der Sohle mitnahm
und ihn sich dann mit dem Aussenrist vorlegte.
Nach diesem Tanz mit dem Gegner trat der
Grossmeister mit ganz neuem Mut an, über­
querte mit noch weiter stolzgeschwellter Brust
die Mittellinie in Richtung des gegnerischen
Tors – nichts konnte ihn mehr stoppen.
Maradona versetzte in seinem Rush zwei
weitere englische Spieler, drang in den Straf­
raum ein und narrte die Legende Peter Shil­
ton; er zeigte links an und zog dann doch
rechts am englischen Torhüter vorbei, schob
den Ball im Fallen zum 2:0 ein – als wäre auch
dieser Abschluss das Selbstverständlichste
der Welt.
Afp
Diego Armando Maradona erzielte
das FIFA-“Tor des ­Jahrhunderts”.
Wie kam es dazu?
HISTORY
Was mag Maradona zu diesem Lauf getrieben haben? Wann genau hat er sich entschlossen, den Abschluss zu suchen? Noch in der
­eigenen Platzhälfte? Oder erst, als er auf der
rechten Seite einen möglichen Korridor
­ausmachte? Wäre er ohne das Momentum aus
dem Kabinettstückchen überhaupt losgezogen? Reichte der Mut, den er daraus gewann,
bis vors Tor aus oder nahm sein Torhunger auf
dem Weg dahin noch zu?
Busse für die “Hand Gottes”
Fragen über Fragen – Maradona interessierten nur die Antworten, und er gab sie auf dem
Platz. Und doch: Die Entwicklung des Treffers
nahm seinen Anfang wohl schon vier Minuten zuvor. In der 51. Spielminute hatte Maradona das 1:0 erzielt, und für viele geschah das
mit der Hand. Maradona sprang vor Shilton
auf und schlug den Ball wohl mit der Hand
über den Torwart, wie er viele Jahre später
öffentlich zugab. Maradona machte beim 1:0
eine Bewegung mit dem Kopf, die den Schiedsrichter zu denken veranlasste, er habe den
Treffer mit dem Kopf erzielt statt mit der
“Hand Gottes”. So nannte der Meister den
­Reflex, mit dem er den Ball ins Tor bugsierte.
Natürlich weiss ein Spieler selbst am
­besten, mit welchem Körperteil er einen Treffer
erzielt hat: Maradona schützte sich vor den Anfechtungen, die er als Konsequenz aus dem
“Hand-Gottes”-Treffer erwarten musste, indem
er dem wohl unlauteren Treffer den schönsten
im Weltfussball entgegensetzte. Er tat damit
gewissermassen Busse. Å
Getty Images (2), Pixathlon
F I FAWO RL D C U P.C O M
T O R D E S JA H RH U N D E R T S
1 MAR ADONA (1986 gegen Eng)
18 062 Stimmen
2 Michael OWEN (1998 gegen Arg)
10 631 Stimmen
3 PELÉ (1958 gegen Swe)
9880 Stimmen
4 MAR ADONA (1986 gegen Bel)
9642 Stimmen
5 Gheorghe HAGI (1994 gegen Col)
9297 Stimmen
6 Saeed OWAIR AN (1994 gegen Bel)
6756 Stimmen
7 Rober to BAGGIO (1990 gegen Czh)
6694 Stimmen
8 Carlos ALBERTO (1970 gegen Ita)
5388 Stimmen
9 Lothar MAT THÄUS (1990 gegen Yug)
4191 Stimmen
1 0 Vincenzo SCIFO (1990 gegen Urg)
2935 Stimmen
Während des sechswöchigen Abstimmungszeitraums für das “ Tor des Jahrhunder t s”
gingen 2002 insgesamt 341 460 Stimmen aus
über 150 Ländern ein.
Vor dem Strafraum Das letzte Wegstück zum Tor hin eröffnet sich Maradona.
Der lange Antritt endet Maradona fliegt durch den Strafraum.
Torschuss Maradona schliesst in Bedrängnis erfolgreich ab.
T H E F I FA W E E K LY
33
ZEITSPIEGEL
T
H
E
N
White Hart Lane,
London, England
1954
Monty Fresco / Getty Images
Mit Besen gegen die Regenflut:
Vor dem Drittrundenspiel im
FA Cup zwischen Tottenham
Hotspur und Leeds United stand
das Wasser auf dem Platz hoch.
34
T H E F I FA W E E K LY
ZEITSPIEGEL
N
O
W
Stockholm Arena,
Thun, Schweiz
2013
Peter Schneider / Keystone
Mit Wischern gegen das viele Nass:
Der Kunstrasen lässt sich vor dem
Europa-League-Qualifikationsspiel zwischen dem FC Thun und
Tschichura Satschchere (Georgien)
mit einem Lachen entwässern.
T H E F I FA W E E K LY
35
THE SOUND OF FOOTBALL
DAS OBJEK T
Perikles Monioudis
Hanspeter Kuenzler
Kaum ein anderer Fussball-­
Song hat einen weiter ver­
zweigten Stammbaum als “Un’
Estate Italiana”, die offizielle
FIFA-Hymne der Fussballwelt­
meisterschaft 1990 in Italien.
Komponiert und produziert
wurde das Stück von Giorgio
Moroder, der Amerikaner Tom
­
Whitlock schrieb die elegischen
Lyrics. Die englische Fassung kam
unter dem Titel “To Be Number
One” (Summer 1990) auf den
Markt. Die italienischen Super­
stars Edoardo Bennato und Gian­
na Nannini produzierten eine et­
was subtilere italienische Version
des Textes und sangen diese auch
– ihr “Un’ Estate Italiana” besetzte
wochenlang die Spitze der italie­
nischen Hitparade und knackte
auch die Top 10 in Deutschland,
Norwegen, Schweden und der
Schweiz. In der restlichen Welt
krähte kein Hahn nach dem Lied,
weder auf Englisch noch auf
­Italienisch. Bedeutung hatten die
Klänge vielleicht auch noch für
die Nationalmannschaft von Ka­
merun, die zum Song am 8. Juni
36
1990 ins Mailänder San-Siro-Sta­
dion einlief, um das Turnier mit
einer der grossen Sensationen in
der Geschichte der Fussballwelt­
meisterschaften zu eröffnen;
nämlich einem 1:0-Sieg über Ar­
gentinien samt der “Hand Gottes”
von Diego Maradona. Der be­
schränkte Erfolg des Liedes ist
nicht so leicht zu erklären. Der im
italienischen Südtirol geborene
Moroder war 1969 mit der käsigen
Beach-Boys-Persiflage “Looky
Looky” in Deutschland zu ersten
Chart-Ehren ­gelangt. Trotzdem
mauserte er sich zu einem der
wichtigsten Pioniere des Syn­
thie-Pop. “Love to Love You Baby”
von Donna Summer geht ebenso
auf seine Kappe wie “The Number
One Song In Heaven” von Sparks,
“Cat People (Putting Out Fire)”
von David Bowie und “What a Fee­
ling” von Irene Cara. Seine engli­
sche Fassung, veröffentlicht unter
dem Namen Giorgio Moroder Pro­
ject und immerhin featuring Paul
Engemann, dessen Stimme die
Hitparaden von den Gruppen
­Device und Animotion her kann­
ten, erinnerte frappant an den
pathosschwangeren Riesenhit
“Take My Breath Away” aus dem
Film “Top Gun”. In der Tat hatten
Moroder und Whitlock auch
­
­dafür verantwortlich gezeichnet.
Die italienische Fassung zeigte
vor allem gesanglich wesentlich
mehr Charakter – kein Wunder:
Bennato war ein hoch respektier­
ter Veteran der italienischen
­Singer-Songwriter-Szene, Nannini
ein zehn Jahre jüngeres PostPunk-Vorbild für viele. Warum
der trotz den vielversprechenden
Vorzeichen beschränkte Erfolg?
Vielleicht hing es mit der negati­
ven, manchmal brutalen Taktik
einiger Mannschaften zusam­
men, die das Turnier prägte und
an die man nicht überall gern
­erinnert werden wollte. Vielleicht
war es für viele Fussballfans ein­
fach unerträglich, dass ein Tur­
nier mit 16 Roten Karten und
zahllosen Rückpässen (die Rück­
passregel wurde kurz später geän­
dert) von der Textzeile “Running
Like The Wind /Playing Hard But
Always Playing Fair” begleitet
werden sollte. Æ
T H E F I FA W E E K LY
Sion Ap Tomos
Mit italienischer Passion
Es ist Spieltag – und es regnet! Der gepflegte
Herr, die elegante Dame werfen einen Blick ins
Entree, überzeugen sich davon, dass der Schirm
dort bereitsteht. Denn gleich gehen sie ins
­Stadion; einerlei, dass es wie aus Kübeln regnet,
egal, dass der Herr die Spielstätte nicht ohne
feuchte Hosenstösse erreichen wird, gleichviel,
dass das Spiel den Charakter eines Regenspiels
annehmen wird mit Abschlussversuchen
­m ittels Weitschüssen und Aufsetzern – und im
Mittelfeld mit dem einen oder anderen direkt
gespielten hohen Ball.
Nun, der Schirm wird es auf dem Weg
schon richten. Seinen Platz im trauten Heim
hat er in einem eigens für den freudigen Zweck
des Stadionbesuchs herangeschobenen guss­
eisernen Ständer aus dem späten 19. Jahrhun­
dert (FIFA-Sammlung).
Der Schirmständer mit dem Fussballer­
motiv stammt aus der Zeit, da der Fussball
selbst fast noch ungeschützt war und seiner
verbindlichen Reglementierung zwar nicht
mehr harrte, die Umsetzung des Reglements für
den “Association Football” aber hatte damals
gerade erst ihren Anfang genommen. Die FA in
England wurde 1863 gegründet.
Roy Hodgson, der Nationaltrainer Englands,
ist sich regnerisches Wetter gewohnt – nicht
nur, weil er Engländer ist, sondern weil er einst
auch das Schweizer Nationalteam trainierte.­
Er brachte die Auswahl an die WM 1994. Als er
mit dem Schweizer Team zum Eröffnungsspiel
gegen die USA antrat, war er beeindruckt von
der Spielstätte, dem Silverdome von Detroit, der
ein Schiebedach besass. Mehr noch: Das Dach
war zu.
Diese WM-Partie war die erste, die nicht
unter freiem Himmel ausgetragen wurde. Wei­
tere folgten – doch der Schirmständer steht
weiter an seinem Platz. Å
TURNING POINT
“Dieses Finale
hat mein Leben
verändert”
Der 42-jährige Howard Webb
träumte schon als kleiner Junge
davon, in einem WM-Finale zu
stehen. Dass er dies eines Tages
als Schiedsrichter tun würde,
hätte er damals nicht gedacht.
Jeroen Hanselaer
U
m ein Fussballstar zu werden, habe ich
hart an mir gearbeitet. Ich war defensiver Mittelfeldspieler, konnte das Spiel
gut lesen, war aber in der Luft nicht
gerade überragend. Ich hatte einfach
­
nicht genug Talent, um es zu schaffen.
Mein Vater war halb professioneller Schiedsrichter. Er hat mir eines Tages empfohlen,
denselben Weg einzuschlagen. Ich dachte
­
­damals noch, dass alle Unparteiischen alt und
glatzköpfig sind. “Das ist nichts für mich.” Mit
17 habe ich mit einem Schulkameraden
­beschlossen, es trotzdem zu versuchen. Dieser
Entscheid hat mich bis ans Endspiel der WM
2010 geführt. Und er hat mir erlaubt, um die
ganze Welt zu reisen. Ich habe 44 Länder und
5 Kontinente besucht.
Das WM-Finale war das Grösste überhaupt.
Der Gang auf das Spielfeld, der Griff nach dem
goldenen Jabulani-Ball und das Vorbeilaufen
am Pokal. Ich hatte ihn bereits einige Male
­gesehen: im Fernsehen, Nachbildungen ... Aber
die Trophäe beim Finale in Johannesburg war
nun die echte. Es ist das glänzendste Stück
­Metall, das ich in meinem Leben gesehen habe.
Klar, es war eigentlich nicht die Rolle, die
ich mir als kleiner Junge ursprünglich für das
WM-Finale erträumt hatte. Ich wollte den
­Pokal eines Tages als Kapitän der Siegermannschaft in die Höhe recken. Trotzdem ist es eine
grosse Ehre, dort gewesen zu sein. Es stehen
mir heute noch die Haare zu Berge, wenn ich
darüber spreche. Dieses Finale hat mein Leben
verändert.
Das Spiel selbst war eine schwierige und
intensive Begegnung zwischen Spanien und
den Niederlanden. Es gibt einige Situationen,
die ich nie vergessen werde. Ich erinnere mich
zum Beispiel daran, wie ich den Platz verlassen
habe und meinen Vater suchte, der auf der
­Tribüne sass. Er trug eine englische Flagge mit
der Aufschrift “Can’t play but can ref” (Kann
nicht spielen, aber kann pfeifen). Genial. Ich
trage diese 90 Minuten für immer im Herzen.
An der diesjährigen WM stehen wir
Schiedsrichter aus England so oder so auf der
Gewinnerseite. Wenn unsere Nationalmannschaft in Brasilien in Richtung Finale zieht,
freue ich mich sehr, keine Frage. Wenn sich
Roy Hodgson und sein Team aber vorzeitig
­verabschieden müssen, steigen dafür unsere
­Einsatzchancen für die Final­spiele. Natürlich
würde ich die erste Variante vorziehen.
Es geht wohl allen Schiedsrichtern gleich:
Fussball ist unsere grosse Leidenschaft. Selbst
wenn manche von uns einen anderen Bubentraum hatten. Å
Aufgezeichnet von Alejandro Varsky
T H E F I FA W E E K LY
Name
Howard Webb
Geburtsdatum, Geburtsort
14. Juli 1971, Rotherham (England)
Wichtigste Partien
Champions-League-Finale 2009/2010
WM-Finale 2010
EM-Viertelfinale 2012
Konföderationen-Pokal-Halbfinale 2013
Auszeichnungen
Member of the Order of the British Empire (2011)
Welt-Schiedsrichter des Jahres (2010, 2013)
Persönlichkeiten des Fussballs erzählen
von einem wegweisenden Moment in
ihrem Leben.
37
WELCOME TO
©2014 THE COCA-COLA COMPANY. COCA-COLA® AND THE CONTOUR BOTTLE
ARE REGISTERED TRADEMARKS OF THE COCA-COLA COMPANY.
OFFICIAL SPONSOR
The FIFA Weekly
Eine Wochenpublikation der
Fédération Internationale de Football
Association (FIFA)
FIFA - R ÄT SEL - CUP
Internet:
www.fifa.com/theweekly
Ein Helm, ein Stern, ein Abzeichen – und die 203. Spielminute. Raten Sie mit!
Herausgeberin:
FIFA, FIFA-Strasse 20,
Postfach, CH-8044 Zürich
Tel. +41-(0)43-222 7777
Fax +41-(0)43-222 7878
1
Präsident:
Joseph S. Blatter
Das letzte Tor fiel etwa in der 203. Spielminute des Finales
im Europapokal der Landesmeister. Fünf Tore erzielte die
eine Mannschaft insgesamt und ein Tor schoss …
Generalsekretär:
Jérôme Valcke
Direktor Kommunikation
und Öffentlichkeitsarbeit:
Walter De Gregorio
Chefredakteur:
Perikles Monioudis
B
J
P
T
Redaktion:
Thomas Renggli (Autor),
Alan Schweingruber, Sarah Steiner
Art Direction:
Catharina Clajus
2
Bildredaktion:
Peggy Knotz
Produktion:
Hans-Peter Frei
A Alonso
I Rossi
Layout:
Richie Krönert (Leitung),
Marianne Bolliger-Crittin,
Susanne Egli, Mirijam Ziegler
Korrektorat:
Nena Morf, Kristina Rotach
Der bekannte Fussballklub erinnerte 2014
an den Weltmeister rechts. Wir zeigen
sein Denkmal, das an der Unfallstelle steht.
Sein Name?
3
E Senna
O Piquet
Welche Nationalmannschaft trug als erste nur einen Stern für eine gewonnene WM auf dem
Nationaltrikot?
Ständige Mitarbeiter:
Sérgio Xavier Filho, Luigi Garlando,
Sven Goldmann, Hanspeter Kuenzler,
Jordi Punti, David Winner,
Roland Zorn
Mitarbeit an dieser Ausgabe:
Mohammed Hallal, Grace Ligbet,
Marcio MacCulloach, Markus Nowak,
Alejandro Varsky, Andreas Wilhelm
(Bild), Diego Zandrino
Redaktionssekretariat:
Honey Thaljieh
Projektmanagement:
Bernd Fisa, Christian Schaub
Übersetzung:
Sportstranslations Limited
www.sportstranslations.com
T
P
L
4
R
Wo wurde dieses klassische Fussball-Abzeichen jüngst vergeben?
A Aztekenstadion O Estádio da Luz E Stadio Olimpico
P Soccer City
Druck:
Zofinger Tagblatt AG
www.ztonline.ch
Kontakt:
[email protected]
Getty Images
Der Nachdruck von Fotos und
Artikeln aus The FIFA Weekly,
auch auszugsweise, ist nur mit
Genehmigung der Redaktion
und unter Quellenangabe
(The FIFA Weekly, © FIFA 2014)
erlaubt. Die Redaktion ist nicht
verpflichtet, unaufgefordert
eingesandte Manuskripte und Fotos
zu publizieren. Die FIFA und das
FIFA-Logo sind eingetragene
Warenzeichen. In der Schweiz
hergestellt und gedruckt.
Ansichten, die in The FIFA Weekly
zum Ausdruck gebracht werden,
entsprechen nicht unbedingt den
Anschauungen der FIFA.
Das Lösungswort des Rätsel-Cups aus der Vorwoche lautete: SAVE (ausführliche Erklärungen auf www.fifa.com/theweekly).
Inspiration und Umsetzung: cus
Bitte senden Sie Ihre Lösung bis zum 14. Mai 2014 an die E-Mail-Adresse
[email protected]. Die korrekten Lösungen für alle seit dem
Ballon d’Or 2013 erschienenen Rätsel nehmen am 11. Juni 2014 an der
­Verlosung von zwei Eintrittskarten für das WM-Finale am 13. Juli 2014
teil. Vor der Einsendung ihrer Antworten müssen die Teilnehmenden die
Teilnahmebedingungen des Gewinnspiels sowie die Regeln zur Kenntnis
nehmen und akzeptieren, die unter folgendem Link zu finden sind:
http://de.fifa.com/aboutfifa/organisation/the-fifa-weekly/rules.pdf
T H E F I FA W E E K LY
39
F R A G E N S I E T H E W E E K LY
UMFR AGE DER WOCHE
Wie lautet Ihr Traum-Endspiel
an der WM 2014?
Für manche mag Brasilien gesetzt sein, andere sähen lieber
die Niederlande oder Titelverteidiger Spanien wieder im
Finale. Nennen Sie uns Ihre bevorzugte Besetzung des
WM-Endspiels unter: [email protected]
Mit Real und Atlético spielen
zwei Madrider Klubs im Champions-League-Finale. Gab es in
einem Europacup-Finale schon
einmal ein Stadtderby?
Florian Schenker, Kosice
ERGEBNIS DER LETZTEN WOCHE
Welche grosse Fussballnation wird als Erste aus der WM ausscheiden?
204
Eredivisie-Spiele in Folge mit
insgesamt 18 360 Einsatz­m inuten –
diesen Rekord hat Torhüter Jelle
ten Rouwelaar (im Bild) von
26%
22%
17%
Frankreich
Italien
England
13%
Uruguay
Portugal
10%
4%
Argentinien
4%
Brasilien
4%
Kolumbien
25
Z AHLEN DER WOCHE
3
italienische Meistertitel in
Folge hatte Juventus Turin
(im Bild Andrea Pirlo) in
tunesische Meistertitel hat Club Esperance
den letzten knapp acht
(im Bild Ahmed Akaichi) seit dem 4. Mai auf dem
Jahrzehnten nicht gefeiert. Doch die 1:4-Niederlage
Konto. Der Klub aus der Hauptstadt machte den
der AS Roma gegen Catania sorgte nun dafür, dass
steht, hat damit den Rekord von Ruud Hesp von
Rekord-Titelgewinn bereits zwei Spieltage vor
die Juve – seit dem historischen Fünffacherfolg
Fortuna Sittard egalisiert, der von 1987 bis 1993
Saisonende klar. Das Team hat in dieser Saison nur
von 1931 bis 1935 – wieder einmal eine längere
keine einzige Minute versäumte.
ein einziges der 28 Meisterschaftsspiele verloren.
Erfolgsserie hinlegen konnte.
NAC Breda am 3. Mai eingestellt. Der 33-Jährige,
der seit der Saison 2007/08 un­u nterbrochen als
Nummer 1 seines Teams zwischen den Pfosten
T H E F I FA W E E K LY
AFP, Getty Images (2), imago (2)
Nein. Seit zur Champions League
nicht nur die Meister zugelassen
sind (1997), trafen im Endspiel
zwar schon viermal Teams aus
dem gleichen Land aufeinander
(2000 Real Madrid und Valencia,
2003 AC Milan und Juventus
Turin, 2008 Manchester United
und Chelsea sowie im Vorjahr
Bayern München und Dort­
mund), ein echtes Derby war aber
nicht darunter. Auch im UEFA
Cup (bzw. der Europa League)
kam es noch nie zu einem inner­
städtischen Endspiel. (tre)