Sag es mit Musik

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Sag es mit Musik
Ausgabe 3
Jahrgang 10
Herbst 2007
„Caterina Valente? Meine Eltern waren
sehr gut mit ihr befreundet!“
Die brasilianische Sängerin Luciana Souza im
Doppelinterview mit Lisa Bassenge auf Seite 7.
world’s best-sounding newspaper
Aktuelle News, Tourdaten und Neuerscheinungen
jeden Mittwoch neu auf www.jazzecho.de
Hörproben und mehr auf www.jazzecho.de: einfach die JazzLinks ins kleine Kästchen auf der Homepage tippen.
Diana Krall, ihr Paps
und sein Verhältnis
zu Fats Waller
Manu Katché
ist nicht
Dieter Bohlen
Seite 2
Nach drei Jahren ist der französische Schlagzeug-Superstar
aus der dortigen Version von „DSDS“ ausgestiegen.
Völlig
unberechenbar:
John Scofield
Diana Krall – das Porträt.
Seite 3
Seite 8
Sag es mit Musik
Auf „River: The Joni Letters“ interpretiert HERBIE HANCOCK die schönsten Songs Joni Mitchells.
Sein erstes Jazzalbum seit fünf Jahren ist das vielleicht beste in einem enorm kreativen Jahrzehnt.
T
exte, beichtet Herbie Hancock,
seien ihm immer egal gewesen.
„Besonders als Jazzinstrumentalist habe ich mich nie mit Texten
beschäftigt. Ich glaube sogar, dass ich
vor diesem Projekt nicht einen Liedtext
komplett gelesen habe.“ Der 67-Jährige
meint dieses Geständnis ernst. Außerdem belustigt ihn das, besonders im Zusammenhang mit seinem neuen Album
„River: The Joni Letters“. Und weil es so
schön ist, schiebt er gleich noch einen
Schock hinterher. „Als Joni Mitchell zum
ersten Mal auf der Musikszene erschien,
war sie mir völlig egal. Ich habe mich
nur für Jazz interessiert. Und für Klassik.
Vielleicht kannte ich ihren Namen. Aber
ihre Musik? Kein bisschen.“ Eigentlich
erst, als Hancock 1979 auf Joni Mitchells
Album „Mingus“ zum ersten Mal mit ihr
gespielt hatte, begann er, sich für sie zu
interessieren. Dann allerdings gleich so
intensiv, dass er nicht nur regelmäßig
auf den Platten der Singer/Songwriterin
zu hören war, sondern sie auch dafür
gewinnen konnte, auf seinem Album
„Gershwin’s World“ die Klassiker „Summertime“ und „The Man I Love“ zu
singen. Mittlerweile gehen die beiden
Los Angelites auch schon mal gemeinsam aus. „Wir haben viele gemeinsame
Freunde, Wayne Shorter zum Beispiel”,
meint er. „Und sie gibt gern Partys, lädt
meine Frau und mich eigentlich immer
ein. Neulich erst waren wir bei Prince
eingeladen. Meine Frau konnte nicht, also habe ich Joni mitgenommen.”
Für „River: The Joni Letters“, sein Album mit Jazzversionen von MitchellSongs, haben sich nicht nur der Leader
selbst, sondern auch alle an diesem Projekt beteiligten Instrumentalisten intensiv mit den Texten auseinander gesetzt.
„Und weißt du was?“, lässt er den Knoten
platzen: „Ihre Texte hauen mich einfach
um! Das ist wirklich Poesie. Sogar schon
ihre frühesten Sachen, als sie vielleicht
zwanzig war. Die Bilder, die Metaphern –
das ist phänomenal. Deshalb war es auch
so aufregend, ihrer Kreativität und Vision
mit meinen Interpretationen zu begegnen.“ Es ist eindrucksvoll, wie es Herbie Hancock und seiner hochkarätigen
Band mit Wayne Shorter am Saxophon,
Bassist Dave Holland, Schlagzeuger Vinnie Colaiuta und Lionel Loueke an der
Gitarre gelingt, Mitchells Geschichten
von Betrug und Einsamkeit, Kriegsehen,
Gangsteraffären und Rousseau in Harlem etwas ganz Neues abzugewinnen
oder besser: hinzuzufügen. Hancock
reharmonisiert „Sweet Bird“ und „Tea
Leaf Prophecy“, findet neue Strukturen
für alte Klassiker wie „Both Sides Now“
und „River“, improvisiert bei „The Jungle
Line“ sehr frei und frisch zu dem von
Leonard Cohen gesprochenen Text. Fast
könnte man meinen, das Album sei die
weitergesponnene Fortsetzung von „The
New Standard“, Hancocks Verve-Debüt
von 1996, für das er Pophits von den
Beatles, Sade und Nirvana auseinander
nahm und neu zusammensetzte. Wenn
da nicht die Vokalversionen wären. Bei
denen hält er sich etwas zurück, begleitet die Stimmen oft nur mit ganz feinen
Akkorden. Die Sängerinnen hat er sich
selbst ausgesucht, nach Rücksprache mit
seinem Co-Produzenten Larry Klein, Joni
Mitchells Ex-Mann. „Tina Turner singt so
fantastisch auf ‚Edith and the Kingpin‘“,
findet er. „Wie eine echte Jazzsängerin,
ohne viel Aufhebens und Stimmdruck.
Einfach nur schön! Ich kenne sie schon
seit einigen Jahren, weil wir beide Buddhisten sind.“
Für das aktuelle Projekt kamen die
Kontakte allerdings direkt über die jeweiligen Managements zustande. Absagen
gab es wenige, dafür jede Menge Zeitprobleme. „Die Einzige, die wirklich live
mit uns im Studio aufgenommen hat, ist
Norah Jones. Sie war zufällig gerade in
New York. Aber auch als wir die übrigen
Aufnahmen bekamen – etwa von Tina
Turner aus der Schweiz oder von Corinne Bailey Rae aus England – war das
immer wieder Grund zur Freude. Sie alle
phrasieren so hervorragend und haben
sich so gut in das hineingefunden, was
wir zuvor aufgenommen hatten, dass es
durchweg sehr organisch klingt.“
Niemand käme auf die Idee, Herbie
Hancock aufgrund seiner Coverprojekte
Einfallslosigkeit vorzuwerfen. Die Umsetzung ist ihm immer wichtiger als das
Ausgangsmaterial. Er will Neues schaffen, aber eher im Sinne einer noch nicht
da gewesenen Interpretation, eines neuen Ansatzes. Das war schon bei „The
New Standard“ und „Gershwin’s World“
so, aber auch beim Miles-Tribut „Directions in Music“ und bei „Possibilities“,
einem Album voller Zusammenkünften
mit Popstars wie Christina Aguilera, Paul
Simon, John Mayer, Damien Rice und Joss
Stone. Für den rastlosen Fingerüber und
Harmoniefinder zählt vor allem die Musik, die er macht, und was er mit seiner
Band spielt, immer wieder gemeinsam
und aufs Neue. „Lionel Loueke ist als Gitarrist überwältigend, weil er instinktiv
weiß, was gebraucht wird“, meint Hancock. „Und er merkt, wann er aus dem
Weg gehen sollte. Manchmal spielt er nur
Nuancen oder perkussive Phrasen. Er ist
ein Meister des guten Geschmacks. Und
genauso spielen Dave Holland und Vinnie Colaiuta. Ohne sie wäre es bestimmt
nicht dieselbe Platte geworden.”
Großen Verdienst am Gelingen des Projekts, seiner entspannten Umsetzung und
dem sagenhaften Sound – nicht zu live,
aber auch nicht zu studiosauber – trägt
Co-Produzent Larry Klein. „Er kennt Jonis
Material natürlich in- und auswendig“,
lobt Herbie Hancock. „Und er kennt Joni. Er ist ein hervorragender Produzent
und ein sehr schlauer Mensch. Aber er
hat nicht nur Hirn, sondern auch
ein großes Herz. Eigentlich
kommt er ja eher aus der
Jazz-Fusion-Ära. Aber
inzwischen hat er sogar mal mit Wayne
Shorter aufgenommen. Und auch
wenn er nicht
unbedingt als Jazzbassist
bekannt
ist, weiß er doch
ganz genau, worum
es geht.“ Worum
es Herbie Hancock
bei der ebenso tief
greifenden wie zugänglichen Musik
von „River: The Joni Letters“ geht, ist
auch klar: „Ich bin an
einem Punkt in meiner
Karriere und in meinem
Leben angelangt, an dem
ich vor allem etwas tun
möchte, das die Leben und
die Herzen der Menschen
berührt.“
JazzLink:
hancock
Lebenslinie HERBIE HANCOCK
1940
1960
1963
1973
Am 12.04. kommt Herbert
Zwei Jahre nach seinem
Für die nächsten fünf-
Mit „Headhunters“ schenkt
Jeffrey Hancock in Chicago,
Collegeabschluss in Musik
einhalb Jahre ist Herbie
er dem Jazz das erste
Album mit unantastbaren
widmet sich Hancock der
Illinois, zur Welt.
und Elektromechanik wird
Hancock nicht nur Solostar
Platinalbum. Zehn Jahre
Versionen großer Pop- und
Musik von Joni Mitchell.
er von Donald Byrd entdeckt,
bei Blue Note Records
später das nächste Platin,
R’n’B-Songs, ist Herbie
Mit Gästen wie Wayne
der den Pianisten und sein
(„Maiden Voyage“ und an-
für „Future Shock“. Dessen
Hancocks erstes Album
Shorter, Norah Jones, Tina
2007
Auf „River: The Joni Letters“
Stück „Watermelon Man“
dere), sondern auch festes
Hit „Rockit“ bekommt den
eines neuen Vertrags mit
Turner, Corinne Bailey Rae,
von Mongo Santamaria
Mitglied des Miles Davis
Grammy und fünf MTV-
der Polygram-Verve-Group.
Leonard Cohen – und mit
abwirbt.
Quintet.
Awards.
Meine erste Jazzplatte
von Håkon Kornstad
Die erste Jazz-CD, die ich mir selbst
gekauft habe, war „Personal Mountains“, eine Aufnahme des legendären
skandinavischen Quartetts (mit Jan Garbarek, Palle Danielsson und Jon Christensen), das Keith Jarrett in den frühen
70er-Jahren parallel zu seinem amerikanischen Quartett mit Dewey Redman,
Charlie Haden und Paul Motian unterhielt. Ich kaufte mir die CD 1991, als ich
mit meinem Vater eine Autorundfahrt
durch das Moseltal machte, um den dortigen Wein und dessen Anbaukultur kennen zu lernen. Ich erinnere mich daran,
dass ich mir das Album im CD-Player des
Autos anhörte und es für ziemlich abgedreht hielt – ich hatte damals gerade erst
angefangen, Saxophon zu spielen und
kannte lediglich Stan Getz. Aber das, was
ich da nun hörte, war etwas vollkommen
anderes, etwas, das ich nicht verstand.
Ich hörte mir die Platte mehrere Monate
RZ_JazzEcho_3-07.indd 1
1996
„The New Standard“, ein
lang immer wieder an – es war lange Zeit
meine einzige CD – und so nach und
nach erschloss sich mir die Musik. Heute
kann ich sagen, dass es eines der besten
Alben ist, die ich je gehört habe.
Vom selben Ensemble gibt es noch ein
anderes Album namens „Belonging“, zu
dem mir eine witzige Geschichte einfällt.
Ich habe diese CD ein paar Jahre nach
„Personal Mountains“ in Nizza gekauft,
als ich dort mit meinen Eltern Urlaub
HERBIE HANCOCK
River: The Joni Letters
Verve
06025 174 4826
Joni Mitchell selbst.
machte. 2001 verschlug es mich wieder
nach Nizza, diesmal, um dort mit Bugge
Wesseltofts New Conception Of Jazz zu
spielen. Nach dem Auftritt hatten wir ein
paar freie Tage, die wir zum Ausspannen
nutzten. Das Cover von „Belonging“ ist
mit einem Foto geschmückt, auf dem
man vier Luftballons sieht, die auf Wasser
schwimmen. Als ich nun auf der Promenade des Anglais in Nizza saß und die am
Horizont untergehende Sonne betrach-
tete, sah ich doch tatsächlich drei Luftballons auf dem Wasser vorbeischwimmen.
Ich fand das amüsant und drehte mich
um, um zu gucken, ob der Plattenladen,
in dem ich damals „Belonging“ gekauft
hatte, eigentlich noch existierte. Und
in genau diesem Moment nahm ich da
einen sehr hochgewachsenen und in Khaki gekleideten Typen mit kurzem, grauem
Haar wahr.
Es war Keith Jarrett höchstpersönlich!
Håkon Kornstads aktuelles Album heißt
„Single Engine“.
05.09.2007 9:10:01 Uhr
Seite
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Nummer 3 • Jahrgang 10
Intro
Der Queen-Test
Queen wird man nicht, Queen ist man. Und eigentlich kann es nur eine geben. Wir haben QUEEN
LATIFAH, die gerade ihr Swingalbum „Travlin’ Light“ auf Verve veröffentlicht, und die QUEEN, by the
Grace of God, of the United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland and of Her other Realms and Territories Queen, Head of the Commonwealth,
Defender of the Faith, ELISABETH II., einem Vergleich unterzogen. Und uns dabei königlich amüsiert.
Eher dröge: Dana Elaine Owens
Queen Latifah (Latifah: arab. für zart, empfindsam), The Queen of Hip-Hop
Fische
Lance: Polizist, Jazzdrummer und -Clubbesitzer, Rita: Kunstlehrerin/geschieden
Plant seit 2006, ein Kind zu adoptieren
Filmhonorar für eine Hauptrolle: 1 Million US-Dollar.
Studium TV-Journalismus am
Manhattan Community College, New York
Bürgerlicher Name
Spitznamen
Sternzeichen
Eltern
Familienplanung
Finanzen
Ausbildung
Elizabeth Alexandra Mary Windsor (Windsor? Das sind doch die mit dem Knoten!)
The Queen, Elizabeth II., QE2, Her Majesty, Ma’am
Stier
Georg VI.: König, Elizabeth Bowes-Lyon: Queen Mum
Ein Ehemann, vier Kinder, sieben Enkel
Reichste Frau der Welt, Privatvermögen ca. drei Milliarden Pfund Sterling.
Privatunterricht, Geschichts-, Kunst und Jura-Studium ATS
(Auxiliary Territorial Service = Frauendivision der britischen Armee)
Komplett diätfreies Leben
Selbst gesungen: „All Hail The Queen“
Kochen, Essen, schnelle Autos, schnelle Motorräder
Harley Davidson Chopper
Englisch, Ebonics
Ein Stern auf dem „Hollywood Walk of Fame“, BET-Awards,
ein Grammy und diverse Grammy- und Oscar-Nominierungen
Privilegien
Hymne
Hobbys
Lieblingsfahrzeug
Sprachen
Auszeichnungen
Komplett steuerfreies Leben
Volksgesungen: „God Save The Queen“
Reiten, Pferde, schottischer Volkstanz
Bentley State Limousine (Sonderanfertigung für ca. 500.000 £)
Englisch, Französisch
Über 587.000 Orden und Auszeichnungen verliehen
Aktuelle Kollektion von Curvation, figurbetonte Mode für Mollige
„Ich bin menschlich, nicht perfekt, wie alle anderen auch!“
www.queenlatifah.com • www.queenlatifah.de
Namensgeber für …
Was sie so sagt
Website
Dickschiff der Cunard-Linie
„Kummer ist der Preis, den wir für Liebe zahlen“
www.royal.gov.uk
Manus moderner
Spieltrieb
Nach drei Jahren als Juror bei „Nouvelle Star“, dem französischen Pendant zu „Deutschland sucht den Superstar“,
hat MANU KATCHÉ seinen Nebenjob aufgegeben. Auch um mehr Zeit zu haben, die Musik seines fantastischen neuen
ECM-Albums „Playground“ live zu spielen.
J
Vom französischen Kultusminister zum Ritter geschlagen: MANU KATCHÉ
eder Mann auf diesem Planeten hat
irgendwo eine ‚Sie‘“, meint Manu Katché schmunzelnd. „Und genau für
diese ‚Sie‘ ist mein ‚Song For Her‘.
Musik ist das einzige, was tief und sanft
genug ist, dieser speziellen Frau seine
Gefühle zum Ausdruck zu bringen.“
Gleich zwei Varianten dieser musikalischen Liebeserklärung finden sich auf
„Playground“, dem Nachfolger seines
viel gelobten ECM-Debüts „Neighbourhood“. Dass das neue Album weniger zur
Fortsetzung als zu einer weiterentwickelten, energischeren Ausarbeitung geraten
ist, liegt sicher auch daran, dass der französische Drum-Star es wieder gemeinsam mit dem Pianisten Marcin Wasilewski
und dessen Kollegen Slawomir Kurkievicz am Bass eingespielt hat. Die beiden
„Trio“-Helden, bei uns auch durch ihre
Arbeit mit Tomasz Stanko bekannt, vor
allem aber Wasilewski, formen und färben
Katchés Musik so hintergründig wie eindringlich – gleichermaßen bei UptempoSongs wie „Clubbing“ oder „So Groovy“
und Balladen wie „Song For Her, var.“
oder „Lo“. Auf letzteren beiden ist auch
der Gitarrist David Torn zu hören, ansonsten durchweg Trygve Seim am Saxophon
und der „Jaga Jazzist“-Trompeter Mathias
Eick. „Manfred Eicher weiß sehr genau,
welche Musiker zu meiner Musik passen“, sagt Manu Katché. „Er machte mich
schon vor einiger Zeit auf Trygve Seim
aufmerksam. Und als wir dann das erste
Mal miteinander spielten, funktionierte es
bestens – wie nicht anders zu erwarten.
Trygve brachte dann Mathias Eick mit zur
Session. Die beiden kennen sich noch aus
der Sandkiste und so spielen sie auch –
perfekt zusammen, hervorragend in der
Kommunikation, sogar ohne Blickkontakt.“ Nach einem Probetag in New York
nahm das Quintett in nur zwei Tagen
zwölf neue Katché-Kompositionen auf. Sie
sind „all about the horn-section“, wie der
Komponist selbst meint, und dabei natür-
lich mit all jener rhythmischen Kraft und
lyrischen Eleganz, die man bereits beim
Vorgänger bewundern konnte. Man fragt
sich, ob diese Musik für Manu Katché eine
Art Ausgleich ist, ob sie vielleicht sogar
die Sehnsucht nach innerer und äußerer
Balance reflektiert. Immerhin ist der bald
49-Jährige in seiner Heimat, weit über
seine Arbeit mit diversen Popstars hinaus, äußerst prominent. 2004 ernannte
ihn der Kultusminister sogar zum „Chevalier des Arts et des Lettres“, im gleichen
Jahr trat er als Juror bei der populären
TV-Show „Nouvelle Star“ an. „Ich habe
dort keine Gelegenheit ausgelassen, über
Miles Davis, Charlie Parker, John Coltrane
und Jazz im Allgemeinen zu sprechen“,
meint Manu Katché. „Als ich neulich auf
einem Festival spielte, saßen plötzlich ein
paar tausend Jugendliche im Publikum,
die mich aus dem Fernsehen kannten.
Die Veranstalter waren begeistert! So ein
enthusiastisches und junges Jazzpublikum
hatten sie noch nicht erlebt.“
Nach drei Jahren hat Manu Katché
die Jurorenrobe an den Nagel gehängt.
In seiner neuen Arte-Sendung, „One
Shot Not“, bringt er Musiker unterschiedlichster Herkunft zur Jam-Session
zusammen. Doch vor allem möchte sich
Katché auf das neue Album konzentrieren. Bevor im nächsten Jahr eine ausgedehnte Tour startet, ist die Band jetzt
Ende September in Berlin, Essen, Hamburg und München live zu erleben. „Ich
möchte einfach so viel wie möglich spielen“, konstatiert Manu Katché. „Diese
Musik, mit dieser fantastischen Band –
nur darum geht es doch.“
JazzLink: katche
MANU KATCHÉ
Playground
ECM
06025 173 7321
Das weltbeste Jazztrio: PEACOCK, JARRETT und DEJOHNETTTE
Hustenfrei
hören
Zum ersten Mal seit sechs Jahren war KEITH JARRETT
mit seinem Trio in Deutschland live zu hören.
Das JazzEcho war dabei.
J
ahrelang hatten die Veranstalter sich
bemüht, jetzt war es endlich so weit:
Keith Jarrett, Gary Peacock und Jack
DeJohnette gaben ihren Einstand beim
Klavier-Festival Ruhr. Nach Meldungen
aus Perugia, der Pianist habe dort das
Publikum beschimpft, herrschte nervöse Spannung. Die Philharmonie Essen
wurde in eine hustenfreie Zone verwandelt, die Besucher blieben brav, Jarrett
gab sich huldvoll und ließ sich sogar
zwei Zugaben entlocken. In Erinnerung
bleibt ein nicht eben spektakuläres, aber
schlicht wunderbares Konzert.
Spielt doch das „weltbeste Jazztrio“
auch dann noch weit über dem Durchschnitt, wenn die drei Beteiligten lustlos aus der Wäsche gucken. In Essen
überzeugten sie durch ihr organisches
Zusammenspiel und eine vermeintliche Einfachheit, die doch so schwer zu
erreichen ist. Neben Standards aus dem
American Songbook und Modern-JazzNummern von Paul Desmond, Pete
LaRoca und Ahmad Jamal standen verschiedene Arten, den Blues zu spielen:
vom guten, alten „Basin Street Blues“
über ein free-jazz-mäßig zerspieltes
„Straight No Chaser“ (Thelonious Monk)
bis zu Jarretts frühem „Is It Really The
Same“, mit boogieartiger Bassfigur in
der Linken. Im Januar 2008 begeht das
Trio sein 25. Jubiläum. Schon im Oktober
erscheinen die Doppel-CD „My Foolish
Heart“ (Montreux, 2001) und die DreierBox „Setting Standards“, eine Wiederveröffentlichung von „Standards, Vol.1&2“
und „Changes“, den legendären Alben
aus der allerersten Studiosession des
Trios (Januar 1983).
JazzLink: jarrett
KEITH JARRETT
TRIO
My Foolish Heart
ECM
06025 173 7326
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05.09.2007 9:10:11 Uhr
Seite
Nummer 3 • Jahrgang 10
3
Intro
Himmelwärts
geerdet
KRISTIN ASBJØRNSEN
Vor 16 Jahren erbte die
norwegische Sängerin
KRISTIN ASBJØRNSEN
ein Buch mit Spirituals aus
der Sklavenzeit.
Auf „Wayfaring Stranger“
hat sie jetzt ein Dutzend
davon eindrucksvoll
aufgenommen.
I
ch glaube an die Kraft des mantraartigen Singens“, meint Kristin Asbjørnsen. „Ich höre das in der Musik aus Mali
ebenso wie in diesen Spirituals aus den
amerikanischen Südstaaten. Aber auch in
europäischer Kirchenmusik. Erst gestern
habe ich die Musik von ‚Wayfaring Stranger‘ in der größten norwegischen Kathedrale in Trondheim gesungen. Die Leute
waren begeistert! Man muss diese Songs
weder kennen noch die Worte verstehen, um sie zu fühlen und zu begreifen.“
Die norwegische Sängerin kam über
Umwege zur geistlichen Musik der afro-
amerikanischen Sklaven. „Ich bin sozusagen im Gospelchor aufgewachsen“,
erzählt sie. „Aber mit 19 war ich völlig
entnervt von meiner Art, diese Musik zu
singen.“ Sie nahm Gesangsstunden bei
Ruth Reese, einer 1960 nach Norwegen
emigrierten, afroamerikanischen Sängerin aus Chicago. „Sie unterschied klar
zwischen den komponierten Gospels und
den mündlich überlieferten Spirituals.
Und als klassisch ausgebildete Sängerin,
die selbst noch den ersten großen Gospelkomponisten Thomas Dorsey kennen
gelernt hatte, betonte sie bei beidem vor
allem Authentizität und Echtheit.“ Leider
verstarb die Lehrerin überraschend zwei
Monate nach dem ersten Unterricht.
Ihrer letzten Schülerin hinterließ sie ihre
gesammelten Spirituals. Kristin Asbjørnsen machte sich, damals noch gemeinsam mit dem Pianisten Tord Gustavsen,
an ihre eigenen Interpretationen dieses
geschichtsträchtigen Songbooks. Erst
jetzt, sechzehn Jahre später, fühlte sie
sich reif genug, ein Album damit aufzunehmen. Wie universell und dennoch
intim Kristin Asbjørnsen die Emotionen
dieser Musik transportiert, hört man dem
ganzen Album an, besonders aber ihrer
groovegenialen Version des Titelstücks.
Das will man immer wieder hören, zuerst
auf CD – und im Oktober/November
dann live.
JazzLink: asbjornsen
www.kristinsong.de
KRISTIN
ASBJØRNSEN
Wayfaring Stranger –
A Spiritual Songbook
Emarcy
06025 170 5061
Fragen Sie Professor Jazz
Wieso heißt Jazz eigentlich
Jazz? Und wieso nennt sich
ein Queen-Album so? Und
warum ein Honda? Claus Vogelsang, Dresden
„If you have to ask, you'll never
know“, antwortete Louis Armstrong
auf die Frage „What is Jazz?“. Bei der
Namensfrage würde ich mich gern
ähnlich aus der Affäre ziehen. Aber
nur, weil die Ursprünge so
uneindeutig sind. Manche
meinen, der Name wäre
aus einer Bandkonkurrenz in New Orleans
hervorgegangen. Die
„Spasm Band“, sieben
Jungs zwischen zwölf
und 15, lobte sich Ende
des 19. Jahrhunderts als
„Razzy Dazzy Spasm Band“
– was ihnen einträgliche Engagements in den besseren Bordellen der
Stadt einbrachte. Um 1900 erdreistete sich eine andere Band, den Claim
der Band zu annektieren. Das Septett
bewaffnete sich mit Steinen und Argumenten und nötigte die Konkurrenten,
sich in „Razzy Dazzy Jazzy Band“
umzutaufen. Das Verb „to jazz“, wahrscheinlich aus dem Kreolischen oder
Afrikanischen stammend, bedeutete
in der Umgangssprache „kopulieren“.
Auf „99xJazz“ heißt es, der Musikstil
wäre anfangs „Jass“ geschrieben worden. Weil es zu viele Prä-Graffitisten
reizte, das J zu überpinseln und somit
Der diensthabende ChefJazzer PROFESSOR JAZZ beantwortet ab
sofort in jedem JazzEcho die interessantesten Leserfragen. Haben Sie
auch eine? Dann schicken Sie sie an [email protected]
There’s No Biz
Like Sco Biz
Das stilistische Chamäleon schlechthin ist JOHN SCOFIELD
seit jeher gewesen, aber mit zunehmendem Alter wird er tatsächlich
immer unberechenbarer.
S
eit John Scofield Ende der 70er-Jahre
seine Solokarriere begann, durchlief
er – stets mit viel Beifall von Publikum und Kritik bedacht – diverse musikalische Phasen: Zwischen 1978 und 1981
frönte er auf Alben für Enja und Novus
dem modernen Jazz, in der Gramavision-Zeit von 1984 bis 1988 widmete er
sich fast ausschließlich dem Funk-Jazz,
die Blue-Note-Jahre von 1989 bis 1995
zeigten ihn zunächst von seiner swingenden und boppigen Seite, dann als
faszinierenden Soul-Jazzer. Seit er 1996
aber bei Verve mit dem kammermusikalischen Meisterwerk „Quiet“ seinen
Einstand gab, jagte Scofield im wilden
Zickzack durch den Jazz und verwandte
Stile: Keines seiner Alben klang mehr wie
sein Vorläufer. In letzter Zeit überraschte
er aber nicht nur mit raschen Stilwechseln, sondern auch mit originellen Coverversionen: Den Anfang machte er 2005
mit dem Ray Charles gewidmeten Album
„That’s What I Say: John Scofield Plays
The Music Of Ray Charles“. Mit Medeski,
Martin & Wood interpretierte er auf „Out
Louder“ Songs von den Beatles und Peter
Tosh.
Und auch auf seinem neuesten Album
„This Meets That“ hat Scofield wieder
Überraschungen von ähnlichem Kaliber
in petto. Diesmal fiel seine Wahl auf zwei
Stücke aus den Mitt-60er-Jahren, die
buchstäblich Millionen Gitarristen so zu
Tode geschrammelt haben, dass mancher
selbst gegen die Originale eine leidenschaftliche Aversion entwickelt hat. Scofields Rundumerneuerungen könnten da
einigen Schaden wieder gutmachen. Die
Stücke: der 1964 von den Animals zum
internationalen Hit gemachte düstere
Folksong „The House Of The Rising
Sun“ und der 1965er Rolling-Stones-Hit
„(I Can’t Get No) Satisfaction“. Auch
„Behind Closed Doors“, ein aus den
70ern stammender Country-Pop-Hit von
Charlie Rich, ist für einen Jazzer eine eher
kuriose Improvisationsvorlage, beweist
aber erneut die verblüffende Elastizität
von Scofields musikalischem Geschmack.
Scofield wäre aber nicht er selbst,
wenn er diesen Nummern nicht seinen
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wieder in die Nähe der ursprünglichen
Wortbedeutung zu kommen, einigte
man sich auf das unverfänglichere
Doppel-Zett. Vielleicht ist das auch
die Erklärung dafür, dass die britische
Rockband Queen ihrem 1978er
Album mit der Single „Fat
Bottomed Girls“ den Titel
„Jazz“ gab. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass
es ein Witz war, der
mit den Aufnahmeorten des Albums spielte:
Nizza und Montreux,
letzteres schon damals
Heimat des berühmten Jazzfestivals. Warum Honda seinen
Kleinwagen „City“ (mittlerweile: Fit)
ausgerechnet in Europa „Jazz“ nennt,
ist allerdings auch in Akademikerkreisen ein Rätsel. Man munkelt, es habe
auf Umwegen damit zu tun, dass der
Wagen in skandinavischen Ländern
„Fitta“ hieß und mit dem Werbespruch
„Von außen klein, aber groß wenn
man mal drin ist“ beworben wurde.
Man einigte sich auf „Jazz“, nachdem auch die Japaner mitbekommen
hatten, dass „Fitta“ auf norwegisch,
schwedisch und dänisch das meistbenutzte Wort für die äußeren, primären
Geschlechtsorgane der Frau ist.
Drei Jahre Abstand: EIVIND AARSET
Fata Morgana
EIVIND AARSET bleibt auf seinem neuen Album
der Qualitäts-Avantgardist.
W
man „Sonic Codex“ mit unverbrauchten
Ohren genießen kann. Tom Pettys Lookalike wird erneut seinem Ruf des QualitätsAvantgardisten gerecht – ohne sich dabei
neu erfinden zu müssen. Auf weiten Strecken klingen die neun Stücke von „Sonic
Codex“ wie der Soundtrack eines futuristischen Road Movies; man sieht flirrende
Fata Morganen, in denen filigrane Melodien den Hörer einlullen. Jäh rüttelt Aarset
– immer an der richtigen Stelle – einen mit
Hendrix-artigen Ausrufezeichen aus den
Tagträumen. Mit dem Spiel der Kontraste,
Stimmungen und Polyrhythmen fesselt er
den Hörer für die kommenden drei Jahre.
Hoffentlich auch demnächst wieder live.
ie seinerzeit die Motown-Revue
gingen im vergangenen Jahr die
wichtigsten Musiker des norwegischen
Labels Jazzland auf Tournee und erstaunten dabei das Publikum mit kollektiven
Improvisationen, die so ergreifend und
düster waren, „dass selbst Nick Cave nach
seiner Mama gerufen hätte“ (schrieb die
kanadische „National Post“). Im Rückenwind des Samplers „Jazzland Community
Live“ ist kürzlich das mit Spannung erwartete neue Album von Jazzland-Headliner
Eivind Aarset erschienen. Den hohen
Erwartungen – immerhin rief die Presse
Aarset zum wichtigsten norwegischen
Gitarristen seit Terje Rypdal aus – begegnet der schlaksige 46-Jährige mit seinem
eigenen Ehrenkodex. Ziemlich genau drei
Jahre Zeit hat er sich bisher zwischen all
seinen Veröffentlichungen gelassen, um
Abstand zu gewinnen. Und auch beim
Hörer ist nun der Eindruck – selbst von
Aarset-Klassikern wie „Connected“ oder
„Électronique Noire“ – verblasst, so dass
JazzLink: aarset
EIVIND AARSET
Sonic Codex
Jazzland
06025 174 1245
Beam me up, Scottie
2007 war für CHRISTIAN SCOTT ein ganz wunderbares Jahr –
dabei ist es noch nicht einmal gelaufen.
I
n einem Jahr hat sich die Welt für
Christian Scott verändert. Er wurde
Vater und trennte sich von der Mutter
seines Kindes. Den Häuserblock von New
Orleans, in dem er aufwuchs, machte
Hurrikan Katrina dem Erdboden gleich,
ein Trauma, das Scott in den ersten drei
Stücken seines neuen Albums „Anthem“
reflektiert. „Diese drei Songs sind bedeutungsschwanger“, erklärt der 24-Jährige,
„sie handeln davon, in New Orleans
aufzuwachsen und dann dort die Leere
nach Katrina sehen zu müssen.“ Als
der Bandleader vergangenes Jahr sein
Debütalbum „Rewind That“ veröffentlichte, pries ihn die Presse als „die neue
Stimme der Trompete“. „Rewind That“
bescherte Scott eine Grammy-Nominierung, veränderte sein Leben, seitdem
richtet die Jazzwelt genauso fest ihre
Augen auf ihn wie vor zwei Dekaden auf
Wynton Marsalis.
Stilistisch umspannt Scotts beeindruckend starkes Nachfolgeralbum nun auf
zwölf Titeln Indie-Rock, Neo-Soul, HipHop und Jazz – was Puristen sauer aufstoßen mag und andere bejubeln. 2007 lief
bis jetzt unglaublich vielversprechend für
den Berklee-Absolventen. Scott schrieb
zwei Songs für das neue Prince-Album
Für den Anfang die Jazzwelt umgekrempelt: CHRISTIAN SCOTT
(auf dem er auch selbst zu hören ist) und
nahm ein Stück für das neue Album von
Randy Jackson auf. In Kürze gibt er an der
Seite von George Clooney sein Leinwanddebüt in „Leatherheads“. Das Lifestylemagazin „Ebony“ wählte ihn unter die „30
jungen Leader unter 30“. Christian Scott
– ein Musiker, der in einem Jahr die Jazz-
welt umgekrempelt hat. Und das ist erst
der Anfang.
CHRISTIAN SCOTT
Anthem
Concord
08880 723 0209
Local Heroes
Ein neuer Service im JazzEcho: In jeder Ausgabe stellen wir ab sofort die besten Jazzhändler der Republik vor. Einen gut sortierten Händler ganz in Ihrer Nähe finden Sie auch
unter www.jazzecho.de/handel. Wenn Sie Ihren Lieblingsladen weiterempfehlen möchten,
dann schreiben Sie an [email protected]
Unverkennbarer, eigener Stempel: JOHN SCOFIELD
unverkennbaren, eigenen Stempel aufdrücken würde. Bei der grandios gelungenen Überarbeitung von „The House
Of The Rising Sun“ stand ihm als Gast
sein alter Freund und Instrumentalkollege Bill Frisell zur Seite. Den Rest des
Programms bestritt Scofield allein mit
seinem „A-Team“, das aus Bassist Steve
Swallow und Schlagzeuger Bill Stewart
besteht, und einer vierköpfigen Hornsection, deren Einsatz sich allerdings darauf
beschränkt, der Musik mehr Fülle, Druck
und harmonischen Reichtum zu geben.
Als „A-Team“ bezeichnet Scofield Swallow und Stewart, weil sie seit Jahren seine
bevorzugten Partner sind. Seit sie 1993
das erste Mal gemeinsam spielten, kreuz-
ten sich ihre Wege immer wieder. Heute
herrscht zwischen den dreien ein geradezu telepathisches Verständnis, ohne das
ein Improvisieren auf so hohem Niveau
auch gar nicht möglich wäre.
LUDWIG BECK
Marienplatz 11 • 80331 München
www.ludwigbeck.de
HANSE-CD
Große Bleichen 36 • 20354 Hamburg
www.hanse-cd.de
EINKLANG
Christophstraße 7 • 70178 Stuttgart
www.einklang.de
Dass John Scofield ein origineller CoverMusiker ist, hat er bewiesen – nun ruft er
seine Fans dazu auf, ihn zu covern. Mehr
zum Wettbewerb: www.johnscofield.de.
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo-Fr 10-20 Uhr
Vorhandene Jazztitel:
Unendlich viele! Mindestens 15.000
Mo-Fr 10-19:30 Uhr, Sa 10-19 Uhr
Vorhandene Jazztitel:
1.800-2.000
Mo-Fr 10-20 Uhr, Sa 10-18 Uhr
Vorhandene Jazztitel:
8.000 CDs, 300 LPs und 380 DVDs
JazzLink: scofield
Spezialität:
Spezialität:
Spezialität:
Die ganze Jazzgeschichte und einiges
mehr. Bei Ludwig Beck ist man nicht
puristisch. Japan- und US-Importe
Von ECM bis zur Old Merry Tale
Jazzband. Viele Hamburger Themen,
Lokalgrößen ohne Plattenvertrag
Alle Epochen, alle essenziellen Scheiben,
viele ältere Titel
Top-Tipp:
Top-Tipp:
Chico Hamilton „6th Avenue Romp”
(Joyous Shout!)
Natürlich ist „Ella in Hamburg“ der
Renner
„Hoppel Hoppel Rhythm Club“ von
Saltacello – jazzige Kinderlieder, die CD
ist von Einklang selbst finanziert
JOHN SCOFIELD
This Meets That
Emarcy
06025 173 4085
Top-Tipp:
05.09.2007 9:10:21 Uhr
Seite
4
Nummer 3 • Jahrgang 10
Classics
Ost gegen West
VARIOUS ARTISTS
The Best Of
Newport ’57
DIZZY GILLESPIE
Live At The 1965
Monterey Jazz Festival
Verve 06025 174 1610
Concord 08880 723 0317
ELLA FITZGERALD,
BILLIE HOLIDAY,
CARMEN MCRAE
At Newport
SARAH VAUGHAN
Live At The 1971
Monterey Jazz Festival
Ron Carter und Tony Williams spielte.
Auch auf den Livemitschnitten von Thelonious Monk und Dizzy Gillespie dieser
Reihe hört man: In den 60er-Jahren lief
die Westküste zu Hochtouren auf. In Newport hatte man dagegen mit Krisen zu
kämpfen. 1960 sorgten dort exaltierte
Fans für derartige Unruhe, dass die Nationalgarde ausrückte. Ein kleiner Vorgeschmack auf Altamont? Welches der beiden Konzertereignisse das größere ist,
darüber streiten sich Jazzfans seit Jahrzehnten. Beide Veranstaltungen haben es
jedenfalls geschafft, dem Jazz durch seine
verschiedenen Epochen hindurch ein
solides Forum und Newcomern eine veritable Chance zu bieten. Von Louis
Armstrong bis Diana Krall, von
Count Basie bis Cassandra
Wilson ist jeder wichtige
Jazzer irgendwann sowohl in Newport als
auch in Monterey
aufgetreten.
Verve 06025 174 1606
Concord 08880 723 0351
COUNT BASIE
At Newport
VARIOUS ARTISTS
Live At The Monterey
Jazz Festival
Highlights, Vol. 1
Verve 06025 174 1605
Concord 08880 723 0352
JazzLink:
monterey
Verve 06025 174 1608
Seit den 50er-Jahren streiten die Festivals in NEWPORT an der Ost- und in MONTEREY an der Westküste der USA
um die Gunst der Jazzfans und -musiker.
W
ir leben im goldenen Zeitalter
der Live-Musik. Konzerte kontrastieren die neue Kultur der
Musik-Downloads und iPods, Konzerte,
für deren Eintrittskarten die Fans immer
mehr Geld auszugeben bereit sind – vor
allem auf großen Open-Air-Veranstaltungen. Und wem haben wir das alles zu verdanken? Den großen, klassischen, amerikanischen Jazz-Festivals: Newport und
Monterey ebneten vor rund 50 Jahren
Woodstock, Roskilde und Glastonbury
den Weg. Zehntausende von Fans pilgern
Westküste: Monterey
1958
Das Eröffnungskonzert des allerersten
Monterey-Festivals wird einer der letzten
öffentlichen Auftritte der großen Lady
Day – Billie Holiday.
1963
Miles Davis spielt eine epochale Version
seines Superhits „So What“ beim Auftritt
in Monterey, erstmals ist nun der Livemitschnitt davon erschienen.
1967
Mit einem Auftritt der Paul Butterfield
Blues Band gibt Monterey einen Vorgeschmack auf die großen Rockfestivals
einige Jahre später. 1968 präsentiert das
Event dafür die großen Stars des klassischen Blues – wie Big Mama Thornton,
Jimmy Rushing und Muddy Waters.
1983
Die Nase vorn hat Monterey mit einem
der ersten größeren Konzerte von Wynton Marsalis.
2007
Vom 21. bis 23. September kann man auf
dem diesjährigen Monterey-Festival 500
Künstler auf sieben Bühnen bewundern,
darunter Diana Krall, Terence Blanchard
und Sonny Rollins.
Jazz Echo_Ausgabe_09.2007
bis heute jährlich an die Ost- und Westküste der USA, die meisten lassen sich
den Ausflug Tausende von Dollars kosten.
Unwiederbringlich sind die magischen
musikalischen Momente dieser Wochenenden am Ende nicht, seit es KonzertDVDs und Live-Mitschnitte gibt. Ein
kleiner Trost. Erstmals auf CD erschienen
sind gerade die größten Livesets – aus
Newport und Monterey – von Jazzlegenden wie Count Basie und Billie Holiday,
von Miles Davis und John Coltrane, von
Thelonious Monk und Dizzy Gillespie.
Durchweg unüberhörbar dort: Jazz war
immer schon die spannendste Livemusik!
Rückblick, die USA der 50er-Jahre: Das
Jazzpublikum ist bürgerlich geworden,
und die neue Konkurrenz heißt TV. Das
bringt den Nachtclubbesitzer und Jazzimpresario George Wein an der Ostküste auf
die zündende Idee: Jazz soll raus aus den
Clubs und rein in die Sonne – vor allem
im Sommer, wo keiner freiwillig in New
York City bleibt. An einem Wochenende
im Juli 1954 debütiert auf einer kleinen
Landzunge in Rhode Island das erste Jazzfestival in der Heimat des Jazz. Mit legendären Performances etabliert sich Newport in den folgenden drei Jahren als
Wallfahrtsort. 1957: ein absolutes Highlight-Jahr. Nachzuhören auf der Zusammenstellung „The Best Of Newport 1957:
50th Anniversary Collection“ mit Beiträgen von Count Basie, Coleman Hawkins,
Oscar Peterson, Dizzy Gillespie und anderen. Über diesen Sampler hinaus hat Verve auch die kompletten Livesets der oben
Genannten auf jeweils einer CD veröffentlicht. Nicht zuletzt kann man auf dem
neu aufgelegten Album „Ella Fitzgerald,
Billie Holiday, Carmen McRae at Newport“ diese Funken von 1957 sprühen
hören, es enthält große Teile ihrer Sets jenes wahnsinnigen Wochenendes. 1958
fingen Aram Avakian und Bert Stern mit
ihrem Film „Jazz On A Summer’s Day“
diese so spezielle Atmosphäre von Newport ein. Im selben Jahr fiel aber auch
tausend Meilen weiter westlich, in Monterey, Kalifornien, der Startschuss für Newports größte Konkurrenz. Der Jazzmusiker
und Radiomoderator Jimmy Lyons und
sein Partner Ralph Gleason machten ihren
Traum von einer „kleinen Waldlichtung“
wahr, „auf der die besten Jazzer der Welt
auf einer Bühne
spielen sollten,
an einem Wochenende voller Jazz.“
Schon
beim
Debüt wollte es
Monterey
mit
Newport aufnehmen: Louis Armstrong, Dizzy Gillespie,
Billie Holiday und Gerry
Mulligan traten sich
1958 auf dem mit
Sägemehl bestreuten Boden auf die
Füße. Armstrongs
Konzert in Monterey aus jenem Jahr
ist in diesem Sommer
erstmals auf CD erschienen. Zum ersten
Mal überhaupt gibt es
im Rahmen einer neuen
Serie von Liveaufnahmen
auch der Auftritt von Miles
Davis von 1963 auf dem
Monterey Jazz Festival, wo
er mit seinem Quintett aus George
Coleman, Herbie
Hancock,
OSCAR PETERSON
At Newport
Verve 06025 174 1609
DIZZY GILLESPIE
At Newport
Verve 06025 174 1607
COLEMAN HAWKINS
At Newport
JOHN COLTRANE
My Favorite Things:
Coltrane At Newport
Impulse 06025 173 5054
LOUIS ARMSTRONG
Live At The 1958
Monterey Jazz Festival
15:08 Uhr
1954
Das erste amerikanische Jazzfestival findet
im Newport in Rhode Island statt, Gründer ist der New Yorker Nachtclubbesitzer
George Wein.
1956
Duke Ellingtons Auftritt auf dem Newport
Jazz Festival initiiert sein großes Comeback.
1958
John Coltrane triumphiert im Miles Davis
Quintet in Newport. In den 60er-Jahren
tritt er regelmäßig dort mit seinem Quartett auf. Die Filmemacher Aram Avakian
und Bert Stern bringen das Newport Jazz
Festival mit ihrem epochalen Film „Jazz
On A Summer’s Day“ auf die Kinoleinwand.
1977
Herbie Hancock nimmt live in Newport
sein legendäres „VSOP“-Album auf.
Concord 08880 723 0311
MILES DAVIS
Live At The 1963
Monterey Jazz Festival
Concord 08880 723 0310
THELONIOUS MONK
Live At The 1964
Monterey Jazz Festival
Die Funken von 1957: CARMEN MCRAE
30.07.2007
Ostküste: Newport
Concord 08880 723 0312
2004
Im New Yorker Central Park findet ein
großes Konzert zum 50. Newport-Jubiläum statt, unter anderem mit einer
Allstar-Jamsession, geleitet von George
Wein.
2007
Auf dem diesjährigen Newport-Festival
konnte man am zweiten Augustwochenende Dianne Reeves, Branford Marsalis
und Joshua Redman erleben.
Seite 1
CELEBRATING 15 MAGICYEARS
„Ein Fixstern europäischer Jazzgeschichte” JAZZ PODIUM
NIELS-HENNING ØRSTED PEDERSEN
NILS LANDGREN FUNK UNIT
FRESU - GALLIANO - LUNDGREN
. .
LARS DANIELSSON - LESZEK MOZDZER
Nils Landgren -trombone, vocals
Ray Parker Jr. - guitar, vocals
Magnum Coltrane Price - bass, vocals
Magnus Lindgren - woodwinds
Wolfgang Haffner - drums
Special Guest: Ida Sand - keyboards, vocals
Niels-Henning Ørsted Pedersen - bass
Ulf Wakenius - guitar
Jonas Johansen - drums
Paolo Fresu - trumpet, flugelhorn
Richard Galliano - accordion, bandoneon
Jan Lundgren - piano
Lars Danielsson - bass, cello
Leszek Możdżer - piano
Mr. Red Horn und seine Funk Unit sind nach drei
Jahren "Funk-Stille" wieder da und grooven auf ihrem
achten Funk-Album ebenso mitreißend wie man es von
den preisgekrönten Vorgängern gewohnt war.
Die letzten Live-Aufnahmen des großen, legendären
Niels-Henning Ørsted Pedersen mit seinem Trio, die
auch Gitarrist Ulf Wakenius in Höchstform zeigen. Ein
gebührender Tribut an einen unvergesslichen Künstler.
„Der Sommersoundtrack“ STUTTGARTER ZEITUNG.
Musik für akustische Feinschmecker
„Ein Manifest des Wohlklangs“ JAZZTHING
„Ein wundervolles Duo, in dem Virtuosität und
Musikalität Hand in Hand gehen: so entsteht schöne,
zeitlose Musik abseits jeglicher Moden.“ CONCERTO
LICENCE TO FUNK
THE UNFORGETTABLE NHØP TRIO LIVE ACT 9464-2
MARE NOSTRUM
ACT 9755-2
CD des Monats STEREOPLAY
ACT 9466-2
PASODOBLE
ACT 9458-2
. .
ON TOUR: LARS DANIELSSON & LESZEK MOZDZER: 23.09. Schwäbisch Hall 24.09. Wien 25.09. Pasing 26.09. Fürstenfeldbruck 27.09. Gauting 28.09. Innsbruck 29.09. Frankfurt 30.09. Erlangen 1.10. Saarbrücken Depart: 1.09. Willisau
e.s.t. Esbjörn Svensson Trio: 8.09. Braunschweig 27.10. Hamm 30.10. Salzburg 31.10. Gleisdorf Nils Landgren Funk Unit: 18.10. Oldenburg 19.10. Dortmund 20.10. Frankfurt 22.10.Düsseldorf 24.10. Magdeburg 25.10. Baden-Baden 26.10. München
27.10. Neuwied 28.10. Hamburg 29.10. Berlin 31.10. Nürnberg 02.11. Zürich 08.11. Freiburg 09.11. Aalen 10.11. Ingolstadt radio.string.quartet.vienna: 30.08. St. Gallen 13.10. Steinbach 28.10. Schloß Elmau Knut Rössler & Johannes Vogt:
13.09. München Heinz Sauer & Michael Wollny: 30.09. Berlin 26.10. Frankfurt Matthias Schriefl: 11.09. Köln 12.09. Kiel 13.09. Bremen 14.09. Braunschweig 15.+16.09. Berlin 17.09. Dresden 28.09. Tuttlingen 29.09. Köln 19.10. Düsseldorf
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05.09.2007 9:10:30 Uhr
Nummer 3 • Jahrgang 10
Seite
5
Feedback
Der Popstar
als Vollblutjazzer
CURTIS STIGERS hat seinen Pop-Ambitionen wieder abgeschworen,
auch zur hellen Freude des Rezensenten von „mbeat“.
A
uf seinem neuen Album „Real
Emotional“ zeigt der Sänger und
Tenorsaxophonist Curtis Stigers
neben seinem herausragenden Talent als
Songwriter auch sein Können als einzigartiger Interpret moderner Pop-Klassiker.
Als einer der besten Jazzsänger der Gegenwart wurde er von Kritikern schon in
einem Atemzug mit Vokal-Legenden wie
Van Morrison, Mark Murphy, Chet Baker
Jon Hendricks und John Hiatt genannt.
Mit seiner leicht rauen, soulgetränkten
Stimme und einer wunderbar sonoren
Phrasierung auf dem Tenorsaxophon
besaß Stigers von Beginn an eine unverwechselbare musikalische Persönlichkeit.
Auf „Real Emotional“ ist diese präsenter
denn je. „Seit sich Curtis Stigers Anfang
des neuen Jahrtausends wieder dem
Singer/Songwriter-Jazz zugewandt und
seinen Popambitionen komplett abgeschworen hat, hat er praktisch mit jedem
Album seine Extraklasse als Sänger unter
Beweis gestellt“, heißt es in einer Besprechung des Albums bei „mbeat“. „‚Real
Emotional‘ ist da keine Ausnahme. Curtis
Stigers hat u.a. mit Hilfe von Pianist Larry Goldings, Gitarrist John Pizzarelli und
Schlagzeuger Keith Hall zwölf wunderbare Songs eingespielt, darunter Stücke
von Bob Dylan, Tom Waits, Randy Newman und Paul Simon. Nicht weniger
überzeugend als bei den Coverversionen
agiert er allerdings auch bei den drei Eigenkompositionen. Hier ragt vor allem
die einfühlsame Piano-Ballade ‚I Need
You‘ heraus, bei der Curtis Stigers wieder
einmal alle Register zieht, ohne auch nur
einen Moment zu übertreiben.“
JazzLink: stigers
Fähiger Adept von Prof. Jazz: ROGER WILLEMSEN
Erhellende und erheiternde
Jazzgeschichte(n)
Im klingenden Jazz-Lexikon „99xJazz“ versucht ROGER
WILLEMSEN mit prominenter Unterstützung, Ordnung in die
Musik zu bringen, deren Wesen die Spontaneität ist.
S
ie wissen nicht, was man unter modalem Jazz versteht? Sie halten Synkopen
für eine griechische Inselgruppe unweit
der Kykladen? Sie können Beat, Downbeat, Backbeat und Offbeat nicht voneinander unterscheiden? Sie denken Call
& Response ist ein neuer Rückrufservice
der Deutschen Telekom? Was sich hinter
all diesen und vielen anderen Begriffen
wirklich versteckt, kann man natürlich in
jedem guten Jazzlexikon nachschlagen
– oder sich von Roger Willemsen und
prominenten Jazzmusikern auf den drei
CDs der Box „99xJazz“ kenntnisreich,
gewitzt, manchmal ironisch und immer
unterhaltend erklären lassen. „Musik in
Worte zu fassen, ist so kompliziert wie
Farben pantomimisch darzustellen“, variiert der Rezensent der „Westdeutschen
Allgemeinen Zeitung“ das bekannte
Zitat „Writing about music is like dancing about architecture“, das mal Elvis
Costello, mal Frank Zappa und dann wieder Laurie Anderson in den Mund gelegt
wird. „Und weil Roger Willemsen ein
CURTIS STIGERS
Real Emotional
Concord
08880 723 0150
Zieht alle Register – ohne zu übertreiben: CURTIS STIGERS
Stationen einer
langen musikalischen Reise
Sohn Stuttgarts: EBERHARD WEBER
Im März 2005 feierte die Stadt Stuttgart mit Konzerten im Theaterhaus den
65. Geburtstag eines prominenten Sohnes: des Bassisten Eberhard Weber. Ein
Sinfonieorchester und exzeptionelle Solisten kamen zusammen, um an zwei ausverkauften Abenden neue Arrangements
einiger der bekanntesten Weber-Kompositionen vorzustellen. Dabei entstand
Eberhard Webers erster Live-Mitschnitt
für ECM, der zugleich auch seine erste
neue Aufnahme als Leader seit dem 2000
veröffentlichten Album „Endless Days“
war. „Welch singuläres Ereignis“, jubelte
Thomas Fitterling in „Stereoplay“: „Zu
seinem 65. Geburtstag konnte der Bassist
in Stuttgart mit dem SWR-SinfonieOrchester und alten Weggefährten wie
Gary Burton, Rainer Brüninghaus, Wolfgang Dauner und Jan Garbarek Perlen
seines Repertoires in neuen Arrangements
aufführen. Perfekt integrierte, impressionistische Orchesterklänge wechseln mit
filigranen Soli. Aber auch die Momente
schalkhaften Humors lässt die Live-CD der
beiden Konzerte nicht aus.“ Auch Heribert
Ickerott war im „Jazzpodium“ voll des
Lobes: „Eberhard Weber mit seinem unverwechselbaren E-Bass-Sound war einer
der Wegbereiter eines anspruchsvollen
Jazz ohne Struktur- und Sound-Tabus. Die
ganz besonderen Qualitäten des Stuttgarters wussten viele Musiker zu schätzen,
Wolfgang Dauner, Pianist und Freund
schon in den Sechzigern ebenso wie später Jan Garbarek oder Gary Burton. Sie alle
kamen anlässlich seines 65. Geburtstages
nach Stuttgart, um die eleganten Kompositionen Webers neu aufzuführen.“
EBERHARD WEBER
Stages Of
A Long Journey
ECM
06025 172 3518
Imposantes Vermächtnis
MICHAEL BRECKERS posthum erschienenes Album „Pilgrimage“ erinnert
Rezensenten an seinen Beitrag zu Pat Methenys legendärem „80/81“.
K
urz vor seinem viel zu frühen Ableben
gelang es dem Tenorsaxophonisten
Michael Brecker noch, ein Album mit
neuen Eigenkompositionen aufzunehmen. Herausgekommen ist es gut vier
Monate nach seinem Tod. Und oftmals
lassen Kritiker bei solch „testamentarischen Werken“ dann aus Pietät Gnade
walten. Bei Breckers „Pilgrimage“, meinten Kritiker unisono, brauche man kein
Auge zuzudrücken, sondern solle besser
die Ohren ganz weit aufsperren, denn:
„Dies ist ein brillantes und inspirierendes
Album“, so Rick Anderson im „All Music
Guide“, „und das wäre es auch, wenn
es in keinerlei Zusammenhang mit dem
Tod einer der größten Figuren des amerikanischen Jazz stünde.“ Im HiFi-Magazin
„Stereo“ schrieb Stephan Richter: „Man
fühlt sich an die Zeiten von Pat Methenys Doppel-LP ‚80/81‘ zurückerinnert,
auf der Brecker viele Kritiker überraschte,
als er an der Seite des großen Dewey
Redman (der übrigens fast auf den Tag
genau vier Monate vor Brecker verstarb)
RZ_JazzEcho_3-07.indd 5
Tenorsoli klassischen Formats in einem
akustischen Kontext spielte. Eine ähnliche Besetzung ist auch hier wieder versammelt: Metheny ist an Bord, am Piano
wechseln sich Brad Mehldau und Herbie
Hancock ab, statt Charlie Haden sorgt
John Patitucci für den tiefen Grund und
Jack DeJohnette ist wieder der Schlagzeuger. Eine Besetzung großer Namen also,
die mithilft, dass ‚Pilgrimage‘ zu einem
mehr als würdigen Abschied wird. Denn
Brecker hört man die schwere Krankheit
keineswegs an, und das macht dieses
Testament noch beeindruckender. Eine
CD, die keineswegs schwermütig ist, die
nie unheilvoll vom Ende spricht, sondern
voll Wärme und Zuversicht ihre Pilgerfahrt ins Unbekannte beginnt.“
VARIOUS ARTISTS
99xJazz
Verve
3 CDs 06024 984 7119
Ella – das Original
und originelle
Interpretiationen
Doppelte Freude für Fans von ELLA FITZGERALD: Neben dem Tribute-Album
„We All Love Ella“ erschien auch ein Live-Album, aufgenommen 1965 in Hamburg.
S
ich an einer Hommage auf eine
Legende zu beteiligen, ist auch
für hochkarätige Musiker ein zweischneidiges Schwert: Nähern sie sich
mit ihrem Beitrag zu sehr dem geehrten
Künstler, werden ihnen zuviel Respekt
und mangelnde Originalität vorgeworfen, gehen sie aber zu eigenwillig zu
Werke, wird ihnen schnell Respektlosigkeit unterstellt. Der Grad, auf dem sie
wandeln, ist also ein sehr schmaler. Die
Stars, die auf „We All Love Ella“ zu hören
sind, zogen sich durchweg bravourös
bis brillant aus der Affäre. „Schon mal
Hip-Hop-Königin Queen Latifah swingen gehört? Oder Country-Pop-Star k.d.
lang?“, fragt „TV Movie“ und befindet:
„Absolut überraschend und umwerfend
elegant! Zum 90. Geburtstag von Ella
Fitzgerald verneigen sich 15 Künstler/
innen der Extraklasse mit ihren Coverversionen vor der 1996 verstorbenen
Jazzlegende. Magisch!“ Besser als die
Ella-Interpret/innen dieses Albums ist
allenfalls das Original, von dem zum
Jubiläum das 1965er Live-Album „Ella In
Hamburg“ wieder auf CD erschien: „Ein
frenetisches Publikum, eine Sängerin,
deren Stimme man eine gewisse Müdigkeit anhört und die dennoch ihre ganze
Reißt ihren Gesprächspartner mit: ELLA FITZGERALD
Lebendigkeit in die Waagschale wirft, die
sie zum Nonplusultra des Jazzgesangs
gemacht hat“, so die „Financial Times“.
„Ihre Stimme strahlt in voller Klarheit
und verfällt in ein klassisches Vibrato,
reißt die ganze Halle von den Plüschses-
seln. Sogar Songs von den Beatles, die
bei Jazzern damals noch als böse Buben
galten, benutzt sie als Spielmaterial: Futter für den alles verschlingenden Swing,
der diese Sängerin unvergleichbar
machte.“ JazzLink: fitzgerald
VARIOUS ARTISTS
We All Love Ella:
Celebrating The First
Lady Of Song
ELLA FITZGERALD
Live In Hamburg
Verve
06025 173 3732
Verve
06025 173 5222
Wirbel um … das Tribute-Album
MICHAEL BRECKER
Pilgrimage
Emarcy
06025 172 6351
schlauer Mensch ist, konzentriert er sich
für sein Lexikon auf das, was am besten
Auskunft über den Jazz geben kann: die
Musik selbst. Neben klingenden Kostproben wird natürlich auch gesprochen. Die
hiesige Jazz-Garde (Alsmann etc.) kommt
ebenso zu Wort wie der US-AltmeisterZirkel (Hancock etc.). Durch erhellende
und erheiternde Kommentare erfahren
wir quasi im Vorüberhören, woher der
Jazz seine beiden ‚z‘ hat und wie Louis
Armstrong den Scat-Gesang erfand. Und
dennoch muss Willemsens Versuch scheitern, lexikalische Ordnung in den Jazz
zu bringen. Weil sich diese Musik dem
Wesen nach jeglicher Ordnung verweigert. Trotzdem: Besser hat ein Nachschlagewerk nie geklungen.“
MICHAEL BRECKER
In Zeiten immer kürzerer Aufmerksamkeitsspannen erscheinen immer mehr Alben von Musikern, die darauf die Songs
anderer Musiker adaptieren oder nachspielen. Ehrfurcht, Solidarität oder kompositorische Hemmschwelle: Beweggründe hat es
wohl viele gegeben, seit 1981 der Produzent Hal Willner mit seiner LP „Amarcord Nino Rota“ (I Remember Nino Rota) die Ära des
modernen Tribute-Albums einläutete. Grund eins: Die Songs der gecoverten Band sind packend und man kann sie gut nachspielen
(warum gibt es sonst über 35 Tributealben an Metallica?). Grund zwei: Die Originale markierten eine Ära, nach der man sich auf
endlosen Revivals zurücksehnt (Ramones, The Cure, U2). Grund drei: Die so geehrten Künstler sind Helden der Musikgeschichte,
denen man tiefe Gefühle von Dankbarkeit entgegenbringt (wie dem im August gestorbenen Lee Hazlewood oder Ella Fitzgerald,
deren Zeitlosigkeit „We All Love Ella“ beleuchtet). Grund vier: Original und Kopist sind miteinander befreundet (wie Herbie Hancock und Joni Mitchell: Hancock spielte bereits 1979 gemeinsam mit Wayne Shorter auf Mitchells Meilensteinalbum „Mingus“ mit
und hat nun die Songs seiner langjährigen Freundin auf „River: The Joni Letters“ für ein Jazzquintett umarrangiert). Am Ende sollte
den Musikliebhaber die Tribute-Lawine erfreuen. Das Fundament steht, und gleichzeitig braucht ein guter Song von Zeit zu Zeit
einen neuen Anstrich – eine frisch renovierte Altbaumelodie ist immer noch schöner als manch neuer Plattensong.
05.09.2007 9:10:36 Uhr
Seite
6
Nummer 3 • Jahrgang 10
Shortcuts
Kurz angespielt
Neue CDs
BENNIE MAUPIN
The Jewel In The Lotus
Ende der 60er-Jahre etablierte sich Bennie Maupin als legitimer Erbe des 1964
gestorbenen Eric Dolphy. Wie der besaß
Maupin eine ausgesprochen progressive
Ader und spielte nicht nur Saxophon
und Flöte, sondern auch die vor allem
damals reichlich exotische Bassklarinette.
Aufsehen erregte er zuerst durch seinen
Auftritt auf Miles Davis’ „Bitches Brew“
und dann durch die Mitwirkung in zwei
Fusion-Bands von Herbie Hancock: dem
Sextett Mwandishi und den Head Hunters. Als Maupin 1974 mit Herbie Hancock, dem ebenfalls den Head Hunters
angehörenden Perkussionisten Bill Summers, Trompeter Charles Sullivan, Bassist
Buster Williams sowie den Schlagzeugern
Billy Hart und Freddie Waits „The Jewel In
The Lotus“ aufnahm, sein Debütalbum
als Leader, befand er sich im Zenit seines Könnens. Und obwohl dieses Album
als Meisterwerk progressiver Fusionmusik
gefeiert wurde, sollte es eines der ganz
wenigen Soloalben des Multiinstrumentalisten bleiben.
BENNIE MAUPIN
The Jewel In The Lotus
ECM 06025 172 3520
.....................................
DEWEY REDMAN
The Struggle Continues
Obwohl der 2006 gestorbene Saxophonist Dewey Redman in den 70ern neben
Charlie Haden und Paul Motian festes Mitglied von Keith Jarretts amerikanischem
Quartett war, erlangte er in Europa erst
durch Pat Methenys ECM-Album „80/81“
Berühmtheit, auf dem er mit Bassist Charlie Haden, Schlagzeuger Jack DeJohnette
und Tenorsax-Kollege Michael Brecker
an der Seite des Gitarristen zu hören war.
Zwei Jahre später bekam Redman die
Gelegenheit, für ECM ein eigenes Album
aufzunehmen. Als Begleiter wählte der
Tenorsaxophonist ein Trio sehr flexibler
und stilistisch offener Musiker: Pianist
Charles Eubanks, Bassist Mark Helias und
Schlagzeuger Ed Blackwell. Neben fünf
Redman-Eigenkompositionen
interpretierte das Quartett auch Charlie Parkers
Bebop-Standard „Dewey Square“. Den
hatte Bird allerdings nicht Redman gewidmet, sondern Miles Dewey III Davis.
DEWEY REDMAN
The Struggle Continues
Lediglich Schlagzeuger Jon Christensen
und der damals gerade erst 21-jährige
Saxophonist Jan Garbarek, dessen rauer,
zupackend beseelter Ton hier noch deutlich an Pharoah Sanders und Albert Ayler
erinnert, avancierten wie Rypdal schon
kurz danach zu internationalen Größen.
TERJE RYPDAL
Bleak House
Emarcy 07314 547 8852
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VARIOUS ARTISTS
Original Soundtrack Evening
2005 erhielt der polnische Komponist Jan
Kaczmarek für die Musik zu „Wenn Träume
fliegen lernen“ („Finding Neverland“) seinen ersten Oscar. Für die Verfilmung von
Susan Minots Bestseller „Evening“ hat er
erneut Stücke zwischen Romantik und
Melancholie komponiert und mit klassischen und zeitgenössischeren Jazzaufnahmen gemischt. Der Soundtrack enthält
neben Kaczmareks Kompositionen Aufnahmen von Ella Fitzgerald, Peggy Lee, Sarah
Vaughan, Anita O’Day, Michael Bublé und
Pianist Steve Ash. Der Film kommt bei uns
Ende November in die Kinos und wird
dank seiner stargespickten Besetzungsliste
– Claire Danes, Hugh Dancy, Vanessa Redgrave, Toni Collete, Natasha Richardson,
Meryl Streep, Glenn Close – als Kandidat
für einen Oscar gehandelt.
VARIOUS ARTISTS
Original Soundtrack Evening
Verve 06025 173 6506 (VÖ: 06.11.07)
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CAETANO VELOSO
Língua
Caetano Veloso hat nicht nur eine fast
so schöne und lange Zunge wie Albert
Einstein, er versteht es auch hervorragend, sie einzusetzen. Und zwar nicht
nur in seiner Muttersprache, sondern
auch bei englischen, spanischen, französischen und italienischen Titeln („língua“
heißt auf Portugiesisch sowohl „Zunge“
als auch „Sprache“). Das Singen fremdsprachiger Lieder zieht sich wie ein roter
Faden durch die Karriere des Brasilianers:
Die Compilation umspannt 35 Jahre und
reicht vom Tango „Cambalache“ (vom
1969er Album „Caetano“) über den
Beatles-Klassiker „Help“, die Jazzballade
„Cheek To Cheek“ und den Henri-Salvador-Hit „Dans mon île“ bis zum Cover
von Nirvanas „Come As You Are“ (von „A
Foreign Sound“, 2004).
ECM 06025 174 2062
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TERJE RYPDAL
Bleak House
Was sich zunächst wie eine typische
Blues-Rock-Scheibe der 60er-Jahre anhört,
entpuppt sich sehr bald als vielschichtiges
und abenteuerliches Jazzfrühwerk des
Gitarristen Terje Rypdal. Eingespielt wurde
„Bleak House“ 1968 mit einer Band weitgehend unbekannt gebliebener Musiker.
CHIARA CIVELLO
The Space Between
Mit ihrem zweiten Album „The Space Between“ liefert die in New York lebende italienische Sängerin, Pianistin und Gitarristin
Chiara Civello den Beweis dafür, dass sie
sich die begeisterten Kritiken für ihr Debütalbum 2005 redlich verdient hat. Die 13
neuen Songs, die sie entweder alleine oder
mit Freunden schrieb, sind kleine Meisterwerke musikalischer Poesie, die einem
intime Einblicke in die Gedanken- und
Gefühlswelt dieser sympathischen Künstlerin gewähren. Mit ihren jazzig-poppigen Balladen und leichtherzigen Bossa
Novas liefert Chiara Civello den passenden
Soundtrack für den Frühherbst.
CAETANO VELOSO
Língua
Emarcy 06025 174 1555
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JERRY GONZALEZ
Music For Big Band
Emarcy 06025 172 4191
CHIARA CIVELLO
The Space Between
Emarcy 06025 173 4378
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KURT ELLING
Nightmoves
Kurt Elling ist die Wundertüte unter den
Jazzvokalisten. Nie weiß man, was das
nächste Album bringt: Mal überrascht er
mit zorniger Beat-Poesie, mal mit einem
nachgesungenen Charlie-Haden-Bass-Solo
oder Marlene Dietrich auf Französisch.
Auch auf „Nightmoves“, seinem ersten Album für Concord, beweist er Originalität:
etwa wenn er eine Improvisation Keith Jarretts mit Bob Hilliards „In The Wee Small
Hours“ oder Irving Berlins „Change Partners“ mit Tom Jobims Bossa „If You Never
Come To Me“ (Orginaltitel: „Inútil paisagem“) kombiniert. Mit seinem Begleittrio
– Klavier: Laurence Hobgood, Bass: wahlweise Christian McBride oder Rob Amster,
Schlagzeug: Willie Jones III – sowie als
Gäste Tenorsaxophonist Bob Mintzer, Keyboarder Rob Mounsey, Gitarrist Guilherme
Monteiro, die Mundharmonikaspieler Grégoire Maret und Howard Levy sowie das
Escher String Quartet interpretiert Elling
originell und in wechselnder Besetzung
(vom Duo- bis Septett-Format) Jazzstandards, Eigenkompositionen und den von
Michael Franks stammenden Titelsong.
tete Jean-Luc Ponty
in
„The
Atacama
Experience“. Mit gelegentlicher Hilfe der Gitarristen Philip Catherine und
Allan Holdsworth ist Ponty
und seiner Band dabei auch
eine interessante Reise in die
elektroakustische Jazzmoderne
gelungen. Bei „Desert Crossing“,
Pontys erstem unbegleiteten Solo auf
CD überhaupt, zeigt der Geiger
außerdem wirklich, was er
kann – und was er wagt:
„Dieses Solo hat mich fast
so viel Mut gekostet wie
eine Wüstendurchquerung!“
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CHRISTIAN MUTHSPIEL TRIO
Against The Wind
(The Music Of Pirchner & Pepl)
Der Vibraphonist Werner Pirchner und
der Gitarrist Harry Pepl waren zwei der
originellsten Köpfe der österreichischen
Jazzszene. Gemeinsam spielten sie unter
anderem 1980 mit dem Vienna Art Orchestra das legendäre Album „Tango From
Obango“ ein und als Jazz-Zwio die Platten
„Gegenwind“ (1979), „Live, Montreux“
(1981) und „Pepl/Pirchner/ DeJohnette“
(1982). Als Komponist bereicherte Pirchner die Musik außerdem um so epochale
Werke wie „Präludium und Fiasko für Blasorchester, Vibraphon und Gitarre“ und
„Streichquartett für Bläserquintett“. Mit
Vibraphonist Franck Tortiller und Bassist
Georg Breinschmid setzt Posaunist Christian Muthspiel diesen kreativen Köpfen
nun durch Neuinterpretationen ihrer
Musik ein verdientes musikalisches Denkmal. Als Bonus liegt der CD eine DVD mit
Pirchners kultigem „Heimatfilm“ „Der
Untergang des Alpenlandes“ bei.
CHRISTIAN
MUTHSPIEL TRIO
Against The Wind
(The Music Of Pirchner & Pepl)
Emarcy 06025 172 2939
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KURT ELLING
Nightmoves
Concord 08880 723 0138
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JERRY GONZALEZ
Music For Big Band
Als Sohn puertorikanischer Einwanderer in New York geboren, fühlte sich der
Trompeter und Congaspieler Jerry Gonzalez seit jeher ebenso sehr in der Tradition
des amerikanischen Jazz verwurzelt wie
in jener der lateinamerikanischen Musik.
Nachdem er sich in Bands von Dizzy Gillespie, Eddie Palmieri und Manny Oquendo
einen Ruf erspielt hatte, gründete er 1979
das Ensemble, das später als Fort Apache
Band bekannt wurde, und nahm sein Debütalbum „Ya Yo Me Cure“ auf. Es enthielt
jazzig gespielte lateinamerikanische Kompositionen und Jazzklassiker mit afro-kubanischem Anstrich. Ein erstes Beispiel also
Geigenerzähler
Gute Idee: Statt eines Fotoalbums hat
Jean-Luc Ponty von seinen vielen Reisen
des letzten Jahres ein Album mit musikalischen Momentaufnahmen zusammengestellt. Von Januar 2006 bis Februar
2007 war der französische Geiger, den
Frank Zappa schon Anfang der 70er
überredete, in die USA zu ziehen, unterwegs. Mit William Lecomte an den Keyboards, Guy Nsangué Akwa am E-Bass,
Thierry Arpino am Schlagzeug und dem
Perkussionisten Taffa Cissé tourte der
Jazz-Rock-Pionier durch Südamerika und
Europa, Asien und Amerika. Seine Eindrücke, etwa von den vielen Tieren auf
der Straße nach Bombay, der Geschäftigkeit von Paris oder der kargen Weite
der Atacama-Wüste in Chile, verarbei-
für Gonzalez’ „musikalische Zweisprachigkeit“, die er in den folgenden 25 Jahren
auf zehn Alben demonstrieren sollte. Vor
sechs Jahren zog Gonzalez nach Spanien
und bekam dort schnell Anschluss an die
Jazz- und Latinszene. Nach dem faszinierenden Album „Jerry Gonzalez y los Piratas del Flamenco“, das Brücken zwischen
dem amerikanischen Jazz, dem spanischen
Flamenco und der kubanischen Rumba
schlug, arbeitete der Trompeter nun mit
dem Arrangeur, Komponisten, Bandleader und Bassisten Miguel Blanco (La Calle
Caliente) zusammen. Für „Music For Big
Band“ bereitete Blanco das Konzept der
Fusion von modernem Jazz und afro-kubanischer Musik auf brillante Weise für das
Orchester auf. Unter den Solisten befinden
sich der Flötist Jorge Pardo und der Sopransaxophonist Perico Sambeat.
JEAN-LUC PONTY
The Atacama Experience
Koch 00999 234 2332
FRIEDRICH GULDA
Friedrich Gulda At Birdland
New York 1950: Der junge Pianist Friedrich Gulda gibt im Alter von 20 Jahren
sein sensationelles Debüt in der Carnegie
Hall. Fünf Jahre später betritt Gulda nach
einem seiner Konzerte den legendären
Jazzclub Birdland. 1956 dann, „das weiß
ich noch genau, da bin ich gestanden am
Flughafen von Buenos Aires und hab‘ zwei
Verpflichtungen gehabt. Die eine war ein
Meisterkurs am Mozarteum in Salzburg
und das andere ein Engagement im Birdland in New York. Tollkühn bin ich einfach
ins Birdland gegangen, obwohl ich mich
immer noch als Anfänger fühlte. Es ist
wurscht, man muss sich einmal trauen. Ich
hab‘ dort Jazz gespielt, obwohl ich genau
wusste, gestern spielte der Charlie Parker
und morgen spielt der Dizzy Gillespie. Das
war wirklich eine Mutprobe. Die habe ich
bestanden und darauf bin ich auch ziemlich stolz.“ (Gulda in „Friedrich Gulda. Aus
Gesprächen mit Kurt Hofmann“, Langen
Müller 1990) Es war vor etwa einem Jahr,
als Guldas Plattenfirma ein Hinweis erreichte: Es müssten in London bei Decca
noch Bänder dieser ersten Jazzplatte Guldas existieren, welche bis dahin noch nie
komplett auf CD veröffentlicht wurde. Die
komplette Birdland-Session erscheint nun
liebevoll gestaltet mit Abbildungen der
Original-Cover der LPs und Liner Notes,
aufwändig remastert in den Emil-BerlinerStudios Berlin.
FRIEDRICH GULDA
Friedrich Gulda
At Birdland
Decca 06024 984 7128
RZ_JazzEcho_3-07.indd 6
05.09.2007 9:10:52 Uhr
Nummer 3 • Jahrgang 10
Seite
7
Call & Response
Erneuerinnen
unter sich
Die Berliner Sängerin LISA BASSENGE und ihre Band Nylon haben gerade das wunderbare Album
„10 Lieder über Liebe“ veröffentlicht, darunter Neuinterpretationen der Klassiker von Hildegard Knef und
Manfred Krug. Die in den USA lebende Brasilianerin LUCIANA SOUZA singt auf ihrem aktuellen Album
„The New Bossa Nova“ Hits der Beach Boys, von Randy Newman und James Taylor. Fürs JazzEcho sprachen
sie über fremde Songs und eigene Interpretationen, musikalische Grenzen und dichterische Freiheit.
JazzEcho: Sie beide singen ja sehr viele
unterschiedliche Musikstile, von Jazz,
über Pop und Country bis zu Schlager
und sogar Neuer Musik. Ist diese stilistische Vielfalt heutzutage eher eine
Notwendigkeit oder ein Privileg?
Lisa Bassenge: Ich bin froh, all diese
unterschiedlichen Projekte machen zu
können. Ansonsten hätte ich immer
das Gefühl, mich einzuschränken. Und
ich möchte ja gerne singen. So viel wie
möglich.
Luciana Souza: Für mich hatte es eher
mit Gelegenheit zu tun. Weil ich Brasilianerin bin, erwartet niemand von mir,
eine Jazzpuristin zu sein. Die Basis meiner
Musik ist Jazz und Jazz beinhaltet viele
andere musikalische Stile oder nimmt
sie bereitwillig an. Jazz ist ein guter Ausgangspunkt, weil er Türen öffnet, anstatt
sie zu schließen.
JazzEcho: „Die Zeit“ überschrieb einen
Artikel über Lisa einmal: „Die JazzPolizei zieht ab“. Und meinte weiter:
„Lisa Bassenge kommt! Deutschlands
begabteste Jazz-Sängerin singt für
Leute, die den Jazz nicht todernst und
die Popmusik nicht leicht nehmen.“ In
Amerika gibt es sicherlich auch eine
Jazz-Police, oder?
Souza: Oh ja, sie sind hier! Findest du
nicht auch, dass es großartig ist, diese
vermeintlichen Stilgrenzen zu überwinden und Musik als Musik zu betrachten,
Lisa?
Bassenge: Ja, absolut. Das sehe ich
genauso.
JazzEcho: Was Sie beide verbindet,
ist nicht nur das Material, was
Sie singen, sondern auch Ihr
Umgang damit. Während
auf „The New Bossa Nova“
Popsongs von den Beach
Boys über Randy Newman bis zu James Taylor
„brasilianisiert“
werden,
macht
Nylon
deutsche
Chansons
und
Schlager zu modernen Popsongs. Und
dann gibt es ja noch das Lisa Bassenge
Trio, das auch gerne mal Madonna
oder Kylie Minogue in einen Jazzkontext holt. Singen sie nicht beide auch
„Pra Dizer Adeus“?
Bassenge: Ja, auf meinem ersten Trioalbum „A Sigh, A Song“. Damals hatte
ich auch einen portugiesischen Sänger
dabei und habe selbst dann die englische Fassung gesungen. Live singt mein
Pianist Christoph Adams jetzt den portugiesischen Text und ich singe das Stück
auf Deutsch. Es gibt eine wunderschöne
deutsche Version, die Caterina Valente
und Manfred Krug einmal zusammen
aufgenommen haben.
Souza: Es ist ein wunderschönes Lied.
Ich habe es zuletzt für ein Album des
deutschen Trompeters Till Brönner aufgenommen.
JazzEcho: Luciana, kennen Sie Caterina Valente? Sie hat ja mal ein Album
mit Luiz Bonfá aufgenommen …
Souza: Meine Eltern, die ja immer noch
in Brasilien leben, waren sehr gut mit ihr
befreundet! Vor vierzig Jahren oder so …
Bassenge: Oh, wow! Sie ist wirklich toll.
Ich habe eine Aufnahme von ihr mit Chet
Baker, auf der sie sehr
gut
improvisiert, die
perfekten Noten singt. In Deutschland ist
sie ja eher als „Schlagersängerin“ bekannt
…
Souza: Was ist eine „Schlagersängerin“?
JazzEcho: Ein Schlager ist eine Art
Chanson auf deutsch. Nur meistens
nicht so gut. Oder, Lisa?
Bassenge: Mit fällt auch gerade keine
bessere Erklärung ein.
JazzEcho: Luciana, Sie haben eben
Ihre Eltern erwähnt, die ja ziemlich
involviert in der ursprünglichen BossaNova-Bewegung in Brasilien waren.
Was sagen die zu ihrem „The New
Bossa Nova“?
Souza: Meine Eltern waren natürlich
nicht so populär wie etwa João Gilberto.
Sie agierten eher hinter den Kulissen und
waren dafür sehr angesehen. Zurück zu
ihrer Frage: Sie lieben „The New Bossa
Nova“ und verstehen es auch absolut.
Ich glaube, dass es eines der größten
Probleme unserer Zeit ist, dass die Leute
der Musik ständig Etiketten verpassen
wollen. Sie wollen mir erzählen, was ich
zu tun und zu lassen habe. Und ich hoffe,
dass ich das auch über Lisa sagen kann:
Alles was wir tun, hat etwas von uns in
und an sich. Alles was ich tue, ist essentiell Luciana. Und was Lisa tut,
ist essentiell Lisa. In Sound,
Stimme
und
Ansatz.
Meine Eltern erkennen
meine
künstlerische
Evolution, die sich
über all die Alben
zieht, die ich bisher aufgenommen habe. Ich
sehe mir die
LUCIANA SOUZA
The New Bossa Nova
Emarcy
06024 984 8539
LUCIANA SOUZA
1966 Luciana Souza kommt in São Paulo,
Brasilien, zur Welt.
1969 Mit drei Jahren nimmt die Tochter
des Gitarristen und Komponisten
Walter Santos und der BossaLyrikerin Teresa Souza ihren ersten
Radiospot auf. Mit 16 hat sie bereits
auf 200 Jingles und Soundtracks
gesungen und gilt in Brasilien als
Studioveteran.
1991 Die „Entdeckung des Jahres“ (São
Paulo Critics Association) geht mit
ihrem Patenonkel Hermeto Pascoal
auf große Brasilientour. Im Jahr
darauf beginnt sie ihr Musikstudium
am New England Conservatory in
Boston.
1996 Luciana Souza singt bei der
Uraufführung von „Oceana“, einem
Stück des klassischen Komponisten
Osvaldo Golijov. Sechs Jahre später
steht sie auch bei seiner „La Pasión
Según San Marcos“ auf der
Premierenbühne.
RZ_JazzEcho_3-07.indd 7
1998 Sechs Jahre nach ihrem
brasilianischen Debütalbum
erscheint ihr US-Debüt „An Answer
To Silence“ auf Mike Mainieris
Label NYC, mit im Studio:
Saxophonist George Garzone und
Pianist David Kikoski.
2005 Die Jazz Journalists Association
wählt Luciana Souza zur „Sängerin
des Jahres“. Ihr Album „Duos II“
wird für den Grammy nominiert.
Für Till Brönners Album „Oceana“
singt sie den Edu-Lobo-Klassiker
„Pra Dizer Adeus“.
2007 Luciana Souzas Debütalbum bei
Verve ist insgesamt schon ihr
achtes. „The New Bossa Nova“ ist
ein von ihrem Ehemann Larry Klein
produziertes Album mit
brasilianisierten Popversionen, zum
Beispiel einem Duett mit James
Taylor auf dessen „Never Die
Young“.
„Vocalist Luciana Souza is all music“,
meinte ihr Patenonkel Hermeto
Pascoal einmal. Und obwohl die so
gelobte Sängerin bisher sieben Alben
aufgenommen hat, sogar dreimal
für den Grammy nominiert war und
schon mit Herbie Hancock, Steve
Kuhn, Maria Schneider, Kenny Wheeler
und dem klassischen Komponisten
Osvaldo Golijov zu hören war, ist
sie bei uns kaum bekannt. Das wird
sich spätestens mit „The New Bossa
Nova“ ändern, dem aktuellen Album
der 41-jährigen Brasilianerin und
ihrem Debüt auf Verve. Produziert
von ihrem Ehemann Larry Klein und
eingespielt mit Saxophonist Chris
Potter, Gitarrist Romero Lubambo und
anderen, präsentiert es brasilianischjazzige Versionen großer Pophits von
Joni Mitchell, Sting, Randy Newman
und Michael McDonald. Als Tochter
der brasilianischen Musiklegenden
Walter Santos und Teresa Souza hat
es sich Luciana Souza außerdem nicht
nehmen lassen, mit „Águas de março“
einen Klassiker der Bossa Nova für
„The New Bossa Nova“ aufzunehmen.
NYLON
10 Lieder
über Liebe
Verve
06025 173 5309
LISA BASSENGE
1974 Lisa Bassenge kommt in Berlin
zur Welt.
1995 Noch während des Studiums an der
„Hanns Eisler Hochschule für
Musik“ in Berlin gründet Lisa
Bassenge ihr Trio. Von Anfang an
dabei: Paul Kleber, mit dem sie
noch heute, bei ihren Soloprojekten
und auch bei Nylon und Micatone,
gemeinsame Sache macht.
2001 „Going Home“, das Debütalbum
des Lisa Bassenge Trios, schlägt mit
seinen Jazz-Dekonstruktionen
großer Popsongs einige Wellen –
bis zur „Harald Schmidt Show“ und
nach Thailand und Vietnam.
2006 „A Little Loving“ ist das erste
Album der neuen Band mit
Christoph Adams, Kai Brückner,
Andi Haberl und natürlich Paul
Kleber, das nur unter dem Namen
der Frontfrau erscheint. Seit
Dezember schreibt Lisa Bassenge
einen regelmäßigen blog für www.
jazzthing.de.
2007 Das dritte Album von Nylon heißt
„10 Lieder über Liebe“. Eben jene,
geschrieben von Nylon, Günther
Fischer (für Manfred Krug) und
Hildegard Knef und produziert
von Samon Kawamura, sorgen ab
sofort für mehr Romantik im
deutschen Pop. Ernsthaft und
schön.
2004 „Mit einer Lockerheit, die man vom
Volk der Dichter und Denker nicht
unbedingt erwartet“ (Pressezitat)
präsentieren Nylon ihr Debüt „Die
Liebe kommt“, mit elektrifizierten
Chansons und Liedern von Manfred
Krug, Hildegard Knef, Friedrich
Holländer und anderen.
Poesie dieser großen Songwriter an und
mache etwas eigenes daraus. Wie Lisa,
wenn sie einen Song von Carole King
singt. Ich verstehe zwar kein Deutsch,
aber ich verstehe das Arrangement, die
Reharmonisierung, die Klarheit ihrer Version. Das ist jenseits von Sprache, jenseits
von Stil. Als ich mir Lisas Album angehört
habe, musste ich immer wieder denken,
wie schön es ist.
Bassenge: Dein Album ist auch wirklich sehr schön – es wirkt so ruhig und
gelassen. Ich finde es auch wichtig und
schön, ein Album als eine homogene,
zusammenhängende Angelegenheit zu
machen.
JazzEcho: Sind die Songs auf „The
New Bossa Nova“ alte Favoriten? Oder
haben Sie sich speziell die „Songbooks“
von Randy Newman und James Taylor
angehört?
Souza: Ich habe das Album ja nicht allein
gemacht, sondern mit einem wirklich
tollen Produzenten zusammengearbeitet
(ihrem Ehemann Larry Klein). Es war zum
ersten Mal in meinem Leben ein echtes
Miteinander. Und es ist mein erstes Album
für Universal. Ich habe nach diesen Songwritern gesucht, nach ihren besten Songs
und nach denen, die am besten zur Bossa
Nova passen.
JazzEcho: Besonderen Sinn macht ja
auch der Joni-Mitchell-Song „Down To
You“, immerhin war ihr jetziger Ehemann auch mal mit ihr verheiratet …
Souza: Ja …
JazzEcho: Sie singen ja auch „Amelia“
auf dem neuen Herbie-Hancock-Album
„River: The Joni Letters“.
Souza: Und ich bin sehr froh, dabei sein
zu dürfen. Es ist mir wirklich eine Ehre. Ich
liebe Joni und ihre Musik. Ich hatte „Amelia“ schon live gesungen, aber jetzt habe
ich es zum ersten Mal aufgenommen.
Ähnlich wars bei „God Only Knows“. Ich
liebe diesen Song. Für mich ist er fast wie
ein Gebet. Außerdem wurde er in meinem Geburtsjahr 1966 geschrieben. Also
habe ich ihn mein ganzes Leben lang
immer wieder gehört. Ich liebe ihn, er
ist so einfach. Sogar als Teenager in Brasilien konnte ich diesen Text verstehen.
Lisa, warum hast du dich auf dem neuen
Nylon-Album für einen Song von Carole
King entschieden?
Bassenge: Weil mir der Text so gefällt.
Dieses Gefühl, dass man hat, wenn man
reist und weit weg vom Zuhause ist,
kann ich gut nachvollziehen. In gewissem
Sinne beschreibt es auch mein Leben und
deshalb habe ich den Text jetzt ins Deutsche übersetzt.
Souza: Es ist also deine Übersetzung?
Ich verstehe ja nichts, aber es fühlt sich
musikalisch wirklich gut an. Es klingt sehr
schön und natürlich, wie du die Worte
singst und platzierst.
Bassenge: Danke. Es war mir auch wichtig, dass sich der Sprachrhythmus der
Melodie anpasst. Deshalb ist es auch
keine exakte Übersetzung. Ich fand es
sehr interessant, Luciana, was du über Joni
Mitchell gesagt hast, denn deine Stimme
erinnert mich manchmal ein wenig an
sie. Hast du ihre Musik viel gehört, als du
jünger warst?
Souza: Das habe ich. Aber in Brasilien
habe ich natürlich auch jede Menge
anderer Sachen gehört …
Bassenge: Natürlich hat deine Stimme
eine sehr eigene Qualität. Aber auf diesem Album klingt sie manchmal etwas
nach Joni …
Souza: Das kann damit zusammenhängen, dass dieses Album so ruhig ist. Und
außerdem benutze ich mehr Vibrato als
sonst, besonders am Ende der Zeilen.
In Brasilien haben wir eigentlich kein
Vibrato. Oder benutzen es wenigstens
nicht. Wir singen immer mit einem sehr
geraden, klaren Ton. Aber jetzt wollte ich
so sanft und leise singen, dass ich sehr
nah ans Mikrophon gehen musste. Und
dabei kann ich natürlich viel mehr Klangfarben entwickeln, als wenn ich authentische, brasilianische Bossa Nova singen
würde.
JazzEcho: Luciana, wie kam es zu der
Zusammenarbeit mit James Taylor?
Souza: Ich war schon immer ein großer
James-Taylor-Fan. Aber ich kannte ihn
auch. Zum einen, weil er auch gut mit
Osvaldo Golijov befreundet ist. Außerdem arbeitet seine Frau mit dem Boston
Symphony Orchestra zusammen und
ich habe lange in Boston gelebt. Als ich
Larry diesen Song vorschlug, meinte er,
ganz normal: „Wir sollten James fragen,
ob er mitsingt …“ Ich dachte, er macht
Witze. „Ja, schon klar“ Aber tatsächlich
fragten wir ihn und er sagte gleich zu.
Er kam perfekt vorbereitet ins Studio
und war sehr großzügig mit seiner Zeit.
Immer wieder hat er neue Dinge mit mir
ausprobieren wollen. Ich stand allerdings
die meiste Zeit in der Gesangskabine und
musste mich kneifen: „Passiert das hier
gerade wirklich?“ Ich weiß nicht, ob du
Lisa Bassenge, Tochter eines Berliner
Architekten und einer persischen Gastronomin, entdeckt „mit 16 ihre Liebe
zum Gesang und zur Musik als verlässliche Lebenshilfe“. Nach vier eigenen Alben, drei davon mit ihrem Lisa
Bassenge Trio, dazu je drei mit ihren
Bands Micatone und Nylon sowie
Gastauftritten bei Nicola Conte, [re:
jazz] und anderen, hat die 33-Jährige
ihren Ruf wahlweise als „eine der wichtigsten Stimmen des neuen deutschen
Jazz“ oder „die unterkühlte Barfrau
mit der Mädchenstimme“ („Die Zeit“)
manifestiert. Auf den „10 Liedern
über Liebe“ des neuen Nylon-Albums
regieren echte Romantik und ehrliche
Gefühle. Eigene Texte wie „Damals“
und „Ein Tag, den du magst“ beschreiben Sehnsüchte und Tiefflüge des
Liebeslebens. Coverversionen wie die
von Marlene Dietrichs Antikriegslied
„In den Kasernen“ oder dem von Bassenge übersetzten Carole-King-Song
„So Far Away“ („So weit, so weit“) vertiefen das Sinnbild. Nach wie vor gilt:
Die Liebe kommt, die Liebe geht.
das nachvollziehen kannst, Lisa. Gibt es
einen Künstler, mit dem du gerne zusammenarbeiten würdest?
Bassenge: Jetzt, wo du mich so direkt
fragst, fällt mir natürlich niemand ein.
Aber wenn ich mal mit einem meiner
großen Helden im Studio wäre, würde
ich wahrscheinlich einfach nur sterben …
Souza: Was du vorhin über mein Album
gesagt hast, muss ich überhaupt auch
an dich zurückgeben, Lisa. Dein Album
klingt auch sehr homogen, aber nicht
im Sinne von gleichförmig, sondern eher
wie etwas, das zusammengehört. Und
ich denke, das, was es zusammenhält, ist
deine Stimme.
Bassenge: Sicher hängt es auch mit
unserem japanischen Produzenten Samon
Kawamura zusammen. Er ist das Ganze
sehr zenmäßig angegangen und hat
einen Gesamtsound geschaffen, der sich
wie ein roter Faden durch das gesamte
Album zieht.
Souza: Das Thema „10 Lieder über Liebe“
hält natürlich auch alles zusammen. Auch
meine Lieder haben alle mit Liebe und
ihren verschiedenen Erscheinungsformen
zu tun. Es ist für mich sehr einfach, darüber zu reden, weil ich das alles fühle:
Liebe, Verlust, Trauer, Schmerz. Und das
ist sicher auch eine Gemeinsamkeit, oder?
Wenn ich als Jazzsängerin etwas von Cole
Porter oder George Gershwin singe, ist es
mir immer wichtig, dass die Musik frisch
für mich klingt. Natürlich habe ich immer
großen Respekt vor den vielen Versionen, die etwa Carmen McRae, Betty Carter, Ella Fitzgerald oder wer auch immer
vor mir gesungen haben. Ich bin damit
aufgewachsen, liebe und verehre sie.
Aber wenn ich meine eigene Version aufnehme, muss ich meine eigene Stimme
finden und diese anderen Versionen in
vielerlei Hinsicht vergessen.
Bassenge: Man muss sich emotional mit
ihnen verbinden und zulassen, dass einen
diese Songs persönlich berühren.
Souza: Genau! Ansonsten imitiert man
nur. Also, die Joni-Mitchell-Songs? Das
sind jetzt meine. Und der Carole-KingSong ist jetzt deiner, Lisa! Manche mögen
das für Arroganz halten, aber für mich
ist das ein Ausdruck der wahren Liebe zu
einem Song, wenn man ihn sich so zu
Eigen macht.
Bassenge: Man muss sich einen Song
wirklich aneignen. Ansonsten darf man
ihn gar nicht singen.
JazzLinks: souza, nylon
05.09.2007 9:10:55 Uhr
Seite
8
Nummer 3 • Jahrgang 10
Porträt
Krall That Jazz
An DIANA KRALL scheiden sich die Jazzgeister. Für die einen ist sie eine Heldin, die den Jazz wieder ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit
gebracht hat, für die anderen hat sie gerade mit dieser Popularität ihre Glaubwürdigkeit als Jazzerin eingebüßt. Dank einer neuen Compilation kann sich
nun jeder selbst ein umfassendes Bild von der Künstlerin machen.
16.11.1964
Diana Jean Krall kommt in der
Kleinstadt Nanaimo in British Columbia,
Kanada zur Welt.
1981
Die 17-jährige Pianistin erhält ein
Stipendium für das renommierte
Berklee College of Music in Boston.
1982
Der legendäre Bassist Ray Brown und
der Schlagzeuger Jeff Hamilton entdecken die junge Musikerin bei einem
Gastspiel in Nanaimo und empfehlen
ihr, nach Los Angeles zu ziehen,
um bei dem Pianisten Jimmy Rowles
Privatunterricht zu nehmen.
Rowles wiederum, der gerade ein
längeres Engagement als Begleiter Ella
Fitzgeralds beendet hatte, ermuntert
Diana dazu, auch ihr Gesangstalent
einzusetzen.
1993
Nach weiteren Studien bei Don
Thompson in Toronto und drei Jahren
harter Schule in der New Yorker Szene
bringt Diana ihr Debütalbum „Steppin’
Out“ heraus.
1999
Für ihr erstes Verve-Album „When I
Look In Your Eyes“ erhält Diana ihren
ersten Grammy, den zweiten wird sie
drei Jahre später für den Konzertmitschnitt „Live In Paris“ bekommen.
2001
Das mehrfach mit Platin ausgezeichnete, romantische Album „The Look Of
Love“ stürmt nicht nur weltweit an die
Spitze der Jazzcharts, sondern stößt
auch
in die Topregionen der Popcharts vor.
2004
Nach der Heirat mit Elvis Costello
veröffentlicht Diana unter dem Titel
„The Girl In The Other Room“ ihr erstes
Album mit eigenen Songs.
2007
Mit „The Very Best Of Diana Krall“
erscheint erstmals eine Compilation der
kanadischen Künstlerin. Das Album ist
Zwischenresümee einer über zehnjährigen, extrem erfolgreichen Karriere.
Kollegen vergleichen sie mit Nat „King“ Cole: DIANA KRALL
K
eine Musikerin hat dem Jazz in
den letzten zehn Jahren so viele
positive Schlagzeilen beschert
wie Diana Krall. Ihre Fotos eroberten nicht nur die Titelblätter der
Jazzpresse, sondern auch von auflagenstarken Nachrichten-, Hochglanz- und
Frauenmagazinen. Bei Konzerten füllt
sie mühelos große Arenen wie den New
Yorker Madison Square Garden oder die
Hollywood Bowl in Los Angeles. Drei ihrer bislang zehn Alben wurden mit einem
Grammy prämiert, dazu kommen Dutzende andere Auszeichnungen wie der
kanadische Juno-Award oder der deutsche Echo-Preis. In den Jazzcharts landet
sie mit ihren Alben regelmäßig auf dem
ersten Platz, in einigen Ländern ist es ihr
sogar schon gelungen, in den Popcharts
den ersten Rang zu erklimmen. Und dennoch – oder eben gerade wegen dieses
überwältigenden Erfolges und der medialen Omnipräsenz Diana Kralls – gibt es
genügend Jazzkritiker und -aficionados,
denen die Künstlerin suspekt ist.
Die 1964 in der kanadischen Kleinstadt
Nanaimo (auf der Pazifikinsel Vancouver
Island) geborene Diana Krall ist sicher
nicht angetreten, den Jazz zu revolutionieren. Dies tun aber, nebenbei bemerkt,
ohnehin die allerwenigsten Jazzmusiker.
Aufgewachsen mit der Musik von Fats
Waller, Earl Hines, Oscar Peterson und
Nat „King“ Cole, hat Diana zugegebenermaßen einen recht traditionellen
oder – nennen wirs ruhig so – konservativen Musikgeschmack kultiviert, der
sich erst in jüngster Zeit auch neuen
Einflüssen zu öffnen beginnt. Ihr Repertoire stellt sie aber, seit sie 1993 mit dem
Album „Steppin’ Out“ bei Justin Time
Records debütierte, bevorzugt aus dem
immensen Fundus des „Great American
Songbook“ mit all seinen zeitlosen Jazz-
RZ_JazzEcho_3-07.indd 8
standards zusammen. Als gleichermaßen
talentierte Sängerin und Pianistin folgt
sie der genealogischen Traditionslinie,
die Jazzkünstlerinnen wie Nina Simone,
Shirley Horn, Blossom Dearie und Barbara Carroll begründeten. Wobei sich Diana Kralls interpretativer Ansatz von dem
der genannten Sängerinnen und Pianistinnen klar unterscheidet.
Kritiker, die Diana Krall mehr als eine
Entertainerin mit einer gewissen Jazzaffinität denn als ernstzunehmende Jazzmusikerin betrachten, sollten vielleicht
daran erinnert werden, dass einige über
jeden Zweifel erhabene Jazzgrößen Mentoren der jungen Kanadierin waren. Etwa
der Bassist Ray Brown,
der von 1948 bis 1952
kurzzeitig mit keiner
Geringeren als Ella Fitzgerald verheiratet war
und bis zu seinem Tod
im Jahr 2002 ein über- Diana Krall.......
aus gefragter Begleiter
von hochkarätigen Jazzsängerinnen und pianistinnen war. Brown nimmt Krall früh
unter seine Fittiche und holt sie nach ihrem Studium am Berklee College Of Music nach Los Angeles. Dort gewinnt sie
in dem Pianisten Jimmy Rowles, der ihr
Privatunterricht gibt, einen weiteren musikalischen Ziehvater. Auch Bassist John
Clayton und Schlagzeuger Jeff Hamilton,
zwei Ankerfiguren des zeitgenössischen
Mainstream-Jazz, erkennen früh die in
Diana Krall schlummernden Talente. Das
exzellente Rhythmusgespann unterstützt
sie 1993 bereits bei ihrem Plattendebüt
und steht ihr später auch auf ihren beiden letzten Alben – „Christmas Songs“
(2005) und „From This Moment On“
(2006) – mit dem swingenden ClaytonHamilton Jazz Orchestra zur Seite. Ray
Brown wiederum spielt auf Diana Kralls
zweitem Album „Only Trust Your Heart“
(1995), auf dem mit dem Tenorsaxophonisten Stanley Turrentine noch eine weitere Jazzlegende zu hören ist. Zu ihrem
Fürsprecher entwickelt sich aber natürlich
auch Kanadas bekanntester Jazzkünstler,
der Pianist Oscar Peterson. Von Tommy
Flanagan wiederum sind diese lobenden
Worte überliefert, die er einst bei einem
Blindfold-Test äußerte: „Sie weiß, worauf
es ankommt, und sie weiß, was sie hinter sich hören will. Das ist es, worum es
beim guten Begleiter geht, ob nun für
sich selbst oder für einen anderen Sänger:
Support geben, das ist
es, und das ist genau
das, was sie tut. Die
einzige andere mir bekannte Person, die das
so gut konnte, war
Nat Cole.“
Nat „King“ Cole
und seinem schlagzeuglosen Trio hat
Diana Krall 1996 ihr drittes Album „All
For You“ gewidmet, das gerade unter
Jazzkritikern immer noch als eines ihrer
besten Alben gilt, weil es im Gegensatz
zu einigen der späteren Produktionen,
bei denen sich Kralls Schwerpunkt mehr
zum Gesang hin verlagerte, sowohl ihre
pianistischen als auch die stimmlichen Fähigkeiten in voller Blüte bietet. Mit ähnlicher Besetzung – an der Gitarre wieder
Russell Malone, am Bass Christian McBride
– folgt 1997 das balladeske Album „Love
Scenes“, das Diana Kralls bevorstehenden
Ausbruch aus dem reinen Jazzzirkel bereits andeutet und erstmals die zuvor erwähnten kritischen Stimmen laut werden
lässt. Diese mehren sich in demselben
Maße, wie die Erfolge der Sängerin größer werden. Glaubwürdigkeit wird im
„Mein Vater
besitzt jede Platte,
die Fats Waller je
aufgenommen hat.“
Jazz von vielen noch immer mit einem
Underdog-Dasein und sicherem Abstand
zu den Verkaufszahlen eines Popalbums
gleichgesetzt. Und genau gegen diese
Regeln verstößt Diana Krall.
Mit ihrem ersten Verve-Album „When
I Look In Your Eyes“ (1999) gelingt ihr
ein Kunststück, das schon ein Vierteljahrhundert lang keinem Jazzmusiker
mehr geglückt war: Das Album verschafft ihr Grammy-Nominierungen in
den besonders prestigeträchtigen und
genreübergreifenden Kategorien „Album
des Jahres“ und „Künstlerin des Jahres“.
Ausgezeichnet wird es letztendlich zwar
„nur“ als „bestes Jazzgesangsalbum“,
aber allein die Nominierungen zeigen,
dass Diana Krall längst ein Crossover-Star
geworden ist. Noch deutlicher macht
dies 2001 „The Look Of Love“, auf dem
die Sängerin, von Claus Ogerman mit
üppigen Streicherarrangements gerahmt,
hemmungslos in romantischen Stimmungen schwelgt. Mit dem mehrfach mit
Platin ausgezeichneten Album zieht sie
nun auch zum ersten Mal in die obersten Regionen der Popcharts ein. Dass sie
über all diese Erfolge ihre Wurzeln im Jazz
nicht vergessen oder gar verloren hat,
zeigt sie schon ein Jahr später auf dem
ausgezeichneten Konzertmitschnitt „Live
In Paris“. Das Album gibt ihr auch erneut
Gelegenheit, ihr kraftvoll swingendes Pianospiel wieder etwas mehr in den Vordergrund zu rücken. Von dem Konzert
erscheint später auch eine DVD.
2004 überrascht sie ihre glühenden
Fans ebenso wie ihre Kritiker mit dem
Album „The Girl In The Other Room“.
Sicherlich beflügelt durch Elvis Costello,
mit dem sie seit 2003 verheiratet ist, hat
sich Diana Krall unüberhörbar musikalisch
Neuem geöffnet. Das brillante Album –
ein weiterer Höhepunkt in ihrer Diskogra-
phie – enthält nicht nur sehr persönliche
Interpretationen von Songs aus der Feder
von Tom Waits, Mose Allison, Joni Mitchell und Bonnie Raitt, sondern erstmals
auch sechs Titel, die Krall gemeinsam mit
Costello geschrieben hat. Auch als Songschreiberin offenbart sie außergewöhnliches Talent.
Die beiden nächsten Alben nimmt sie
dann mit dem Clayton-Hamilton Jazz Orchestra und den Musikern ihrer eigenen
Band auf: 2005 erscheint zunächst das erstaunlich locker swingende Weihnachtsalbum „Christmas Songs“ und 2006 „From
This Moment On“, eine musikalische
Zeitreise in die goldene Ära der Songwriter, als Frank Sinatra, Ella Fitzgerald und
ganz besonders Nat „King“ Cole ihre Blütezeit hatten. Parallel zur Veröffentlichung
von „From This Moment On“ verkündet
die Künstlerin, dass sie Nachwuchs von
ihrem Ehemann Elvis Costello erwartet.
Im Dezember 2006 bringt sie Zwillinge
mit den Namen Dexter Henry Lorcan und
Frank Harlan James zur Welt und legt verständlicherweise eine mehrmonatige Babypause ein. Ihre Rückkehr auf die Bühne
zelebriert sie im Juni 2007 mit Gitarrist
Anthony Wilson, Bassist John Clayton und
Schlagzeuger Jeff Hamilton im bekannten
Jazzclub Yoshi’s im nordkalifornischen
Oakland. Der San Francisco Chronicle
verkündet gleich: „Diana Krall is back,
and she’s all jazz“.
Seitdem absolvierte sie schon wieder
einige weitere Auftritte – mal mit ihrem Quartett und dann wieder mit dem
Clayton-Hamilton Jazz Orchestra – und
begann mit der Arbeit an einem neuen
Album, das aller Voraussicht nach erst
im September 2008 erscheinen wird.
Was uns darauf erwartet, steht natürlich
noch in den Sternen. Die Wartezeit kann
man sich allerdings nun mit der CD „The
Very Best Of Diana Krall“ verkürzen. Eine
solche Zusammenstellung hat es von ihr
bisher noch nicht gegeben. Das Album
enthält zwölf Highlights aus den Alben,
die Krall bis heute auf den Labels GRP,
Impulse und Verve vorgelegt hat. Ein musikalisches Krall-Kompendium, das beiden
Facetten der Künstlerin gerecht wird: der
Pianistin ebenso wie der Sängerin. Was
Krall-Fans ganz besonders freuen dürfte:
Als Bonus gibt es auch noch drei bislang
unveröffentlichte Aufnahmen von den
beiden Standards „You Go To My Head“
und „Only The Lonely“ sowie Tom Waits’
traumhafter Ballade „The Heart Of Saturday Night“. Und in einer limitierten
Auflage wird es außerdem eine spezielle
Edition mit einer Bonus-DVD geben, die
einige Musikvideos und Live-Aufnahmen
(inklusive bisher nicht veröffentlichtem
Material) der singenden Pianistin bietet.
DIANA KRALL
The Very Best Of
Diana Krall
Verve
06025 173 9968
BONUS FÜR ALLE
Die erste Auflage von „The Very Best
Of Diana Krall“ erscheint in besonderer
Ausstattung mit drei bisher unveröffentlichten Titeln und einer Bonus-DVD.
Aber auch wenn Sie dieses Sammlerstück nicht mehr ergattern sollten,
müssen Sie nicht leer ausgehen. Das
JazzEcho verlost 15 original VerveShirts. Einfach Ihre T-Shirt-Größe und
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05.09.2007 9:10:58 Uhr
Nummer 3 • Jahrgang 10
Seite
9
Planet Jazz
JAZZECHO-Anz
Afreaky
M
amani Keita ist eine Bambara aus
Bamako. Für wen das böhmische
Dörfer sind, der sollte besonders gut
zuhören, wenn die Sängerin aus Mali
ihre Stimme erhebt. Schließlich liegen
im westafrikanischen Mali, nach ziemlich
einhelliger
Expertenmeinung,
die
Wurzeln des Blues – und damit auch des
Jazz. Hank Jones und Dee Dee
Bridgewater sind nur zwei der vielen
amerikanischen Jazzmusiker, die deshalb
zwischen Bamako und Timbuktu auf
musikalische Spurensuche gegangen
sind. Und Mamani Keita war beide Male
mit von der Partie. Die ehemalige
Backgroundsängerin von Salif Keita, die
auch schon mit Manu Dibango, der
Super Rail Band und deren Supergitarristen Djelimady Tounkara gesungen
hat, sorgte vor einigen Jahren mit ihrem
ersten Soloalbum „Electro Bamako“ für
Aufsehen. Jetzt kommt „Yelema“ (zu
deutsch „Veränderung“) in die Läden,
ihre zweite elektro-afrikanische Exkursion.
Seite 1
Allerdings mit dem Ziel, „diesmal nicht
Afrika in die Moderne zu bringen,
sondern den Anteil Afrikas an dieser
Moderne zu offenbaren.“ Mamani Keitas
instrumentaler Reiseleiter ist Nicolas
Repac, Freunden von „Le Pop“ auch als
Arrangeur, Multi-Instrumentalist und
Komponist für Arthur H bekannt. Dazu
kommen einige Gäste, unter anderem
Keyboarder Jean Philippe Rykiel und
Gitarrist Djeli Moussa Kouyate. Vor allem
aber ist es Mamani Keita und ihrer
extremen und eindringlichen Stimme zu
verdanken, dass dieser Brückenschlag
zwischen Mali und Moderne so
harmonisch und organisch klingt – und
dabei so aufregend wie fernwehmütig.
MAMANI KEITA &
NICOLAS REPAC
Yelema
No Format
06007 530 1239
Aus den goldenen Jahren des indischen Films
kommt eine sechsteilige CD-Reihe mit Soundtracks zu uns
in die alte Welt.
ollywood bewegt. So sehr, dass heute
westliche Entertainer Bombays bunte
Filmwelt kopieren. Etwa der französische
Sänger Olivier Leroy, der als Olli and the
Bollywood Remix Orchestra klassische
Filmi-Songs auf Hindi vorträgt. Ob er
deren Texte selbst versteht? Ist eigentlich egal, denn Bollywoods schwelgende
Emotionen brauchen nicht notwendigerweise eine Übersetzung. Aus seinem
„goldenem Zeitalter“ – den 50er-Jahren – stammen die Song-Klassiker der
ebenso preiswert wie attraktiv gestalteten sechsteiligen CD-Reihe „The Golden
Voices Of Bollywood“. In diesem Jahrzehnt erlebte die indische Filmindustrie
ihren ersten großen Höhepunkt. Nach
den politischen Wirren der Unabhängigkeit und der grausamen Spaltung
15:34 Uhr
MAMANI KEITA und NICOLAS REPAC schlagen Brücken
zwischen Mali und Moderne.
Goldenes Bollywood
B
02.08.2007
von Indien und Pakistan stürzte eine
Riesenwelle von talentierten Performern
über die Studiobosse von Bombay herein. Schnell kristallisierte sich eine Elite
heraus, deren „Familien“ bis heute das
indische Filmbiz dominieren: Natürlich
die Schwestern Lata Mangeshkar und
Asha Bosle. Der große Mohammed Rafi
und der Schauspieler und Sänger Kishore
Kumar gelten immer noch als die Kings
des Bollywood-Songs. Ihre und andere
Originalaufnahmen aus den Archiven
von Indiens größter Plattenfirma Saregama wurden digital bestmöglich remastert. Wer sich schon mal über schlecht
klingende Kassetten oder MP3-CDs aus
dem Asia-Shop geärgert hat, kann aufatmen und in einer Musik schwelgen die
– besser als das Techno-Bollywood von
heute – westliche und hindustanische
musikalische Elemente kreativ und bewegend miteinander verband.
Zwischen Mali und Moderne: COVERAUSSCHNITT „YELEMA“
Blues
ist Wahrheit
Es gibt nur noch wenige, die den Blues so spielen wie
ROBBEN FORD – und kaum jemanden, der ihn so meint.
D
LATA MANGESHKAR
The Nightingale Of
India
Emarcy 06007 530 0388
Die indische Nachtigall heute: LATA MANGESHKAR
C U RT I S S T I G E R S
„Der Blues, wie er heute ist“: ROBBEN FORD
ie Musik auf ‚Truth‘ repräsentiert
den Blues, wie er heute ist“, meint
Robben Ford. „Einige der Songs sind im
Wesentlichen gesellschaftspolitisch, aber
trotzdem nicht humorlos. Und der
musikalische Rahmen ist sehr frisch.“
Tatsächlich sind die elf Songs auf „Truth“
mindestens so frisch, ehrlich und
humorvoll wie der Gitarrist selbst schon
immer war und wohl immer bleiben
wird. Ford hat in seinen 55 Lebensjahren
gerne und oft mit ebenso unterschied–
lichen wie integren Musikern gespielt –
wie etwa Jimmy Witherspoon oder Joni
Mitchell, Miles Davis und George
Harrison. Außerdem hat der mehrfach
für den Grammy nominierte Kalifornier
mindestens neunzehn Alben unter eigenem Namen aufgenommen, mit mehr
oder weniger Blues. „Der Blues ist einfach
und ehrlich“, meinte Robben Ford
einmal in einem Interview mit Ben
Sidran. „Aber eben weil die Basisform so
einfach ist, kann man sich sehr große
Freiheiten in Richtung Jazz und Funk und
Soul nehmen – und nachher trotzdem
wieder sicher zur Basis zurückkehren.“
Auf Album Nummer 19, dem oben
erwähnten „Truth“, glänzt Robben Ford
allerdings nicht nur als abenteuerlicher
Interpret an der Gitarre, sondern vor
allem auch als Sänger und Songschreiber.
Ob in den Funksongs „Nobody’s Fault
But Mine“ und „There’ll Never Be
Another You“ oder beim rockenden
Boogie „You’re Gonna Need A Friend“,
bei der Hymne „Riley B. King“ oder dem
Soulsong „Peace On My Mind“,
beständig überzeugt Robben Ford als
musikalisches Dreigestirn. „Truth“ ist
Blues. Und der ist zumindest musikalische
Wahrheit.
real emotional TOUR 2007
Neues Album im Handel erhältlich:
‘Real Emotional’ CONCORDRECORDS/UNIVERSAL
03.11.07 Düsseldorf // Savoy-Theater
04.11.07 Hamburg // Fabrik
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Hamburg // Dt. Schauspielhaus
Frankfurt // Mousonturm
Dortmund // Konzerthaus
ROBBEN FORD
Truth
Concord
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Hans im Glück
Zwölf Jahre lang waren Maria João
und Mário Laginha das kreative
Traumpaar des portugiesischen Jazz.
Nach
acht
gemeinsamen
Alben
beschlossen die beiden einvernehmlich,
vorerst getrennte künstlerische Wege zu
gehen. Zunächst brachte der Pianist sein
Soloalbum „Canções & Fugas“ heraus,
jetzt zieht die Vokalistin mit „João“ nach.
Auf den ersten Blick scheint sie darauf
kein großes Wagnis einzugehen. Das
Repertoire
besteht
aus
vierzehn
populären brasilianischen Songs von
Chico Buarque, Caetano Veloso, Ary
Barroso, Baden Powell, Marisa Monte,
Lenine, Carlinhos Brown und anderen.
Doch tatsächlich war es, wie die Sängerin
unterstreicht,
ein
„sehr
riskantes
Unternehmen, weil es die meisten Lieder
schon
in
zahlreichen
bekannten
Versionen gibt.“ Um gleich deutlich zu
machen, dass es sich bei ihren
Interpretationen um ausgesprochen
persönliche handelt, wählte sie für das
Album den Titel „João“. João wird die
RZ_JazzEcho_3-07.indd 9
Sängerin, die mit ganzem Namen Maria
João Monteiro Grancha heißt, nämlich
nur von ihren besten Freunden und
Verwandten gerufen. Und tatsächlich
gelingt es ihr, sich den MPB-Klassikern,
Sambas und Bossas auf ganz eigene Art
zu nähern und Vergleichen auszuweichen.
Partner auf diesem ersten Album ohne
Laginha sind die Gitarristen Mário
Delgado und Cláudio Ribeiro, Pianist
Miguel Ferreira (von der Popband Clã)
und die brasilianische Rhythmusgruppe
mit Bassist Yuri Daniel, Drummer
Alexandre Frazão und Perkussionist Filipe
Deniz. Fazit: João Sortudo! Zu Deutsch:
Hans im Glück! Obwohl … mit Glück
hatte das Gelingen des Albums natürlich
nichts zu tun.
24.09.07 BERLIN // Kammermusiksaal
25.09.07 DORTMUND // Konzerthaus
26.09.07 KARLSRUHE // Tollhaus
28.09.07 DARMSTADT // Centralstation
29.09.07 KAISERSLAUTERN // Kammgarn
30.09.07 STUTTGART // Theaterhaus
02.10.07 BREMEN // Glocke
03.10.07 HAMBURG // Laeiszhalle - Musikhalle
04.10.07 KIEL // Schloß
07.10.07 BIELEFELD // Ringlokschuppen
08.10.07 DÜSSELDORF // Tonhalle
09.10.07 MÜNCHEN // Muffathalle
AKTUELLE CD:
‘DARKNESS OUT OF BLUE’
Mit freundlicher Unterstützung
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MARIA JOÃO
João
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Auf den ersten Blick kein großes Wagnis: MARIA JOÃO
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05.09.2007 9:11:04 Uhr
Seite
10
Nummer 3 • Jahrgang 10
Mix
Trauriger Teddy
Für sein neues Album hat sich der Brite TEDDY
THOMPSON im Country seiner amerikanischen
Wahlheimat umgehört.
Der JazzEcho-Konzertführer
Alle Angaben ohne Gewähr. Aktuelle Tournews freitags auf WWW.JAZZECHO.DE.
Melancholiker, trotz Erfolges schüchtern geblieben und ernsthaft geworden.
Mit sanftem Ton und deutlich britischerem Akzent als auf seinem neuen Album
„Upfront & Down Low“, schwärmt er
von den Liebesleidliedern von George
Jones und Merle Haggard. „Nach einer
langen Zeit auf Tour hatte ich einfach
keine Lust, gleich wieder Songs zu schreiben,“ gesteht er. „Also vertrieb ich mir
die Zeit damit, die Country-Favoriten zu
singen, die ich früher zu Hause mit meinen Eltern hörte.“ Bald kamen zu den
Klassikern noch ein paar obskurere Landlieder dazu. Als dann Nick Drakes Stringexperte Robert Kirby und sogar Teddys
Kumpel Rufus Wainwright Arrangements
für Streicherquartett dazu schrieben,
wurde ein Album daraus. Ein besinnliches, melancholisches Werk. Ungeeignet
für die After-Rodeo-Scheunenparty, aber
perfekt für den Kaminabend zu zweit.
N
chene Herzen und verlassene Seelen. Und
ich liebe traurige Songs.“ Der 31-jährige
Sohn der Folk-Rock-Legenden Richard
und Linda Thompson ist der geborene
Folk-Vater poltert
Gleich der erste Song dieses Soundtrackalbums, „Grey in L. A.“, ist erst im
Abspann des Films zu hören. Und das ist
gut so. Wahrscheinlich hat die Teenagerkomödie „Knocked Up“ („Beim ersten
Mal“) ihre Berechtigung. Aber rein gar
nichts an dieser Geschichte
eines Slackers, der eine
strebsame Fernsehansagerin beim One
Night Stand schwängert und aus lauter
Liebe zum ehrbaren
Vater mutiert, kann es
mit den vierzehn Songs
von „Strange Weirdos“
aufnehmen. Wichtig
ist also die Unterzeile: „Music From
Eivind
03.11.
06.11.
09.11.
12.11.
13.11.
Kristin
23.10.
24.10.
25.10.
27.10.
28.10.
30.10.
01.11.
02.11.
03.11.
06.11.
07.11.
08.11.
09.11.
10.11.
Aarset
Innsbruck (A), Treibhaus
München, Unterfahrt
Wien (A), Porgy & Bess
Aschaffenburg, Colos-Saal
Berlin, Osterkirche Wedding
Asbjørnsen
Hamburg, Fabrik
Weimar, Monami
Isernhagen, Kulturscheune
Köln, Jazz Cologne
Marburg, KFZ
Schwäbisch-Hall, Hospitalkirche
Langenau, Martinskirche
Karlsruhe, Tollhaus
Dortmund, Domicil
Wien (A), Porgy & Bess
Innsbruck (A), Treibhaus
München, Unterfahrt
Zürich (CH), Moods
Ingolstadt, Jazztage
The Bad Plus
05.10. Berlin, A-Trane
06.10. Leipzig, Leipziger Jazztage
08.10. Berlin, A-Trane
09.10. Mannheim, Alte Feuerwache
10.10. Karlsruhe, Tollhaus
Bajofondo
02.11. Mannheim
03.11. Potsdam, Nikolaisaal
Rebekka Bakken
14.09. Braunschweig, Kulturzelt
29.09. Pforzheim, Kulturhaus Osterfeld
(mit Wolfgang Muthspiel)
Nicht zum Kuscheln: TEDDY THOMPSON
iemand hat irgendjemanden verlassen“, kontert Teddy Thompson die
Mutmaßung des Interviewers. „Es gibt
einfach viele Countrysongs über gebro-
Misha Alperin
18.09. Rostock, Museum
And Inspired By The Film ‚Knocked Up‘“.
Tatsächlich haben sich Loudon Wainwright III., den man heutzutage am
liebsten als „Vater von Rufus Wainwright“
vorstellen möchte, und sein Produzent
Joe Henry einen Spaß daraus gemacht,
den Film musikalisch zu kommentieren
und zu karikieren. Ihre Lieder, umgesetzt
in einer etwas erwachseneren Variante
des Country-Folk-Jazz einer Norah Jones,
bieten ebenso viel akustische Oberfläche wie poetischen Tiefgang. Besonders das ohne Umschweife mitsingbare
„Grey In L. A.“, eine wortspielerische
Ökohymne,
und die sentimentale
Titelballade
hallen
köstlich nach.
JazzLink: wainwright
LOUDON
WAINWRIGHT III
Strange Weirdos
Music From And
Inspired By The Film
„Knocked Up“
Concord
08880 723 0301
TEDDY THOMPSON
Upfront & Down Low
Verve Forecast
06025 173 2999
Top Ten
Die drei von The Bad Plus brauchten
etwa drei Minuten für ihre Top Ten. Und
hätten gerne noch drei Stunden weiter ihre
Lieblingsalben aufgelistet. Dass Bassist Reid
Anderson, Pianist Ethan Iverson und Drummer David King diese zehn zuerst einfielen,
ist ebenso bezeichnend wie „purer Zufall“,
wie sie selbst meinen.
1. JOHN COLTRANE
Live At Birdland
2. J. COLTRANE & J. HARTMAN
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
John Coltrane & Johnny Hartman
MILES DAVIS
Miles Smiles
THE POLICE
Ghost In The Machine
RADIOHEAD
Kid A
GLENN GOULD
Bach 2 & 3 Part Inventions
KEITH JARRETT
Fort Yawuh
THELONIOUS MONK
Thelonious Monk Trio
WILCO
Yankee Hotel Foxtrot
ORNETTE COLEMAN
Science Fiction
Carla Bley
31.10. Essen, Philharmonie
Mari Boine
07.11. Ravensburg, Trans4JAZZ
08.11. Innsbruck (A), Treibhaus
09.11. Salzburg (A), Oval
12.11. Jena, Volkshaus
13.11. Marburg, Stadthalle
14.11. Magdeburg, Karstadt Kultur Café
15.11. Dresden, Alter Schlachthof
17.11. Kaiserslautern, Kammgarn
18.11. Ludwigsburg, Scala
20.11. Nürnberg, Karstadt Kultur Café
Stefano Bollani
05.10. Leipzig, Jazztage (mit Antonello Salis,
Paolo Fresu, Furio di Castri)
20.10. Langenau, Pfleghofsaal
21.10. Esslingen, Dieselstraße (mit Antonello Salis)
29.10. Elmau, Festival (mit Antonello Salis)
17.11. Potsdam (mit Enrico Rava)
Dee Dee Bridgewater
26.10. Genf (CH)
27.10. Luzern (CH)
03.11. Salzburg (A)
Frank Chastenier
15.09. Essen, Philharmonie (Trio)
18.09. Köln, Stadtgarten (mit der WDR Big Band)
18.10. Essen, Zeche Zollverein
(mit der WDR Big Band)
19.10. Köln, Philharmonie (mit der WDR Big Band)
20.10. Schwerin
(Trio mit der Staatskapelle Schwerin)
25.10. Essen (mit der WDR Big Band)
26.10. Köln, Klaus-von-Bismarck-Saal
(mit der WDR Big Band)
03.11. Fürth (mit Roger Willemsen)
07.11. Leverkusen, Jazztage (mit der WDR Big Band)
09.11. Aachen (mit Roger Willemsen)
10.11. Bonn „Benefizgala mit Roger Willemsen“
mit Sophie von Kessel, Gottfried John u.a.
17.11. Köln, Altes Pfandhaus (mit Roger Willemsen)
22.11. Unna (mit der WDR Big Band)
Barbara Dennerlein
19.09. Regensburg, Neupfarrkirche
20.09. Herdecke, Hotel Zweibrücker Hof,
Okey Tastenfestival
22.09. Einbeck, BBS, Berufsbildende Schulen
23.09. Karlsruhe-Durlach, Stadtkirche
11.10. Esslingen, Jazzkeller
12.10. Ottenstein, Liebfrauenkirche
13.10. Peine, Forum
19.10. Harsewinkel, Farm House Jazz Club
20.10. Werne, Rathaussaal
21.10. Senden, Steverhalle
24.10. Bremen, Glocke
25.10.
27.10.
28.10.
08.11.
Rheda-Wiedenbrück, St. Clemenskirche
Melle-Buer, Martinikirche
Lüdenscheid, Kulturhaus
Betzdorf, Ev. Kreuzkirche
Mark Feldman
11.10. Singen
12.10. München, Unterfahrt
22.10. Ulm
Christian Muthspiel Trio
23.09. Passau, Scharfrichtersaal
26.09. München, Unterfahrt
27.09. Essen, Philharmonie
Robben Ford Band
24.10. Koblenz, Café Hahn
26.10. Verden/Bremen, Stadthalle Verden
27.10. Freudenburg, Duc Saal
30.10. Offenburg, Reithalle
31.10. Tuttlingen, Rittergarten
02.11. Aarburg (CH), Moonwalker
03.11. Bern (CH), Mühle Hunziken
04.11. Dortmund, Live Station
05.11. Leverkusen, Jazz Festival
06.11. Bremen, Meisenfrei Bluesclub
07.11. Krefeld, Rennbahn
08.11. Darmstadt, Centralstation
09.11. Münster, Hot Jazz Club
10.11. Minden, Jazzclub
11.11. Siegen, Oase
13.11. München, Bayerischer Hof
14.11. Freiburg, Jazzhouse
15.11. Isernhagen , Blues Garage
16.11. Dresden, Tante Ju
Silje Nergaard
24.09. Berlin, Kammermusiksaal
25.09. Dortmund, Konzerthaus
26.09. Karlsruhe, Tollhaus
28.09. Darmstadt, Centralstation
29.09. Kaiserslautern, Kammgarn
30.09. Stuttgart, Theaterhaus
02.10. Bremen, Glocke
03.10. Hamburg, Laeiszhalle
04.10. Kiel, Schloss
07.10. Bielefeld, Ringlokschuppen
08.10. Düsseldorf, Tonhalle
09.10. München, Muffathalle
Nylon
26.09. Esslingen, Kulturzentrum Dieselstraße,
Voices-Festival
27.09. Leipzig, Nato
03.10. Bremen, Schwankhalle
04.10. Hamburg, Mandarin Kasino
Llibert Fortuny
19.09. Berlin, Hebbel Space 2
Jean-Luc Ponty
29.09. Chemnitz, Jazzfestival
08.11. Weingarten, Jazzfestival
(mit Wolfgang Dauner)
Jan Garbarek
10.10. Usedom, Heringshof Kursaal
18.10. Ludwigshafen, Feierabendhaus
19.10. Braunschweig, Stadthalle
20.10. Dresden, Alter Schlachthof
21.10. Leipzig, Gewandhaus
22.10. Frankfurt/Main, Alte Oper
23.10. Fulda, Orangerie
24.10. Marbug, Stadthalle
25.10. Flensburg, Deutsches Haus
26.11. Kiel, Schloss Kiel
28.10. Aachen, Audimax der Universität
20.11. Hamburg, Laeiszhalle
21.11. Essen, Zeche Zollverein
23.11. Kreuztal, Stadthalle
24.11. Köln, Philharmonie
25.11. Bremen, Glocke
27.11. Göttingen, Stadthalle
28.11. Ulm, CCU
29.11. Würzburg, Mainfrankensäle
Louis Sclavis
30.10. Elmau, Festival
John Scofield
21.11. Friedrichshafen, Graf-Zeppelin-Haus
22.11. Saarbrücken, Aula Universität Saarbrücken
23.11. Basel (CH), Off Beat, Jazzschule
26.11. Linz (A), Brucknerhaus Linz/Großer Saal
27.11. Wien (A), Konzerthaus
29.11. Dortmund, Domicil
30.11. Braunschweig, Musikerinitiative Braunschweig
Denzal Sinclaire
14.09. Potsdam, Foyer Nikolaisaal
Gonzales
02.10. Berlin, Glenn Gould Festival @ Babylon:Mitte
Tord Gustavsen
22.10. Donauwörth
Lacht: LOUDON WAINWRIGHT III
Fünf Fragen an Johnny Liebling
Chris Kiel und
Ralf Beulshausen,
zu zwei Fünfteln Johnny Liebling,
geben 100 % Antwort
Was wären Sie geworden, wenn nicht Musiker?
Ralph Beulshausen: Vermutlich so Drogentypen … Chris Kiel: Aber wir sind
doch so Drogentypen! Beulshausen: Ach ja, dann eben Sexpriester an einem geheimen, warmen Ort. Das Leben könnte so schön sein, wenn …
Kiel: … man endlich ein eigenes Fahrrad hätte. Beulshausen: Ja, vielleicht sogar
eins von diesen Bonanzadingern … Es gibt nichts Schlimmeres als …
Beulshausen: … die Eltern kommen viel zu früh nach Hause. Kiel: … dieser riesige Typ will das Geld zurück. Der perfekte Song ist... Kiel: Schnappi, von …
von … äh … Beulshausen: … laut oder aber leise. Nicht ohne meine ...
Kiel: … Liebhabepuppe. Beulshausen: … 20-jährige russische Stiefmutter.
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Keine Mitsing-Messages fürs Stadionpublikum: MESHELL NDEGEOCELLO
Nach Redaktionsschluss
+++ Am 28.09. kann RTL-Moderator
Oliver Geissen einen ganz besonderen
Gast in seiner „Ultimativen Chartshow“
präsentieren: den Sänger und Saxer Curtis Stigers (siehe Titelgeschichte im letzten JazzEcho) +++ Mit ihren Indie-Alben
„Soulsinger“ und „Feeling Orange But Sometimes Blue“ etablierte sich die Sängerin
Ledesi als große Neo-Soulerin. Den Vorgeschmack auf ihr Jazztalent bot ein Song
auf dem neuen Ella-Tribute „We All Love
Ella“. Nun ist die New Orleanserin ganz
beim Verve-Label untergekommen und
veröffentlicht dort im Januar ihr Majordebüt „Lost And Found“ +++ Wo war
eigentlich Bugge Wesseltoft die ganzen
Jahre? Auf Tour mit der Jazzland Community und solo (zum Beispiel im Sommer
auf dem Berliner Badeschiff, im Rahmen
des Jazzland-Summercamps). Nach drei
Jahren Albumpause veröffentlicht er im
Oktober sein neues Album „IM“ +++ Viele
Stars haben schon umjubelte Konzerte
beim Montreux Jazz Festival gegeben, ein
Konzertmitschnitt allerdings ist ein echter
Klassiker geworden: Monty Alexanders
„Montreux Alexander“. Das vor genialer
Spielfreude nur so sprühende Album, das
der Pianist im Juni 1976 mit Begleitung
von John Clayton und Jeff Hamilton
aufgenommen hat, entwickelte sich zum
Dauerbrenner des MPS-Labels. 30 Jahre nach Erstveröffentlichung der LP erscheint deshalb im Oktober eine „30th
Anniversary Edition“ auf CD, mit drei bislang unveröffentlichten Bonustracks sowie
einem komplett neuen Remastering. Im
nächsten jazzEcho schreibt Monty Alexander selbst, was das Album für ihn heute
noch bedeutet +++
Curtis
03.11.
04.11.
05.11.
06.11.
09.11.
10.11.
Stigers
Düsseldorf, Savoy-Theater
Hamburg, Fabrik
Berlin, Quasimodo
Mainz, Frankfurter Hof
Ingolstadt, Ingolstädter Jazztage
Aalen, Aalener Jazzfest
Vienna
11.10.
12.10.
13.10.
14.10.
15.10.
16.10.
20.10.
21.10.
Roy Hargrove Quintet & WDR Big Band
09.11. Leverkusen, Jazztage
Al Jarreau & NDR Big Band
19.11. München, Deutsches Theater
21.11. Kaiserslautern, Kammgarn
23.11. Nürnberg, Meistersingerhalle
25.11. Düsseldorf, Tonhalle
26.11. Frankfurt, Alte Oper
29.11. Baden-Baden, Festspielhaus
30.11. Dortmund, Konzerthaus
Teng
Stuttgart, BIX Jazzclub
Heidelberg, Karlstorbahnhof
Köln, Altes Pfandhaus
Berlin, Babylon
Jena, Volkshaus
Darmstadt, Centralstation
Minden, Jazzclub
Karlsruhe, Tollhaus
Anna Ternheim
18.09. Berlin, Passionskirche
19.09. Dresden, Star Club
20.09. München, Ampere
25.09. Heidelberg, Karlstorbahnhof
26.09. Köln, Stadtgarten
27.09. Bielefeld, Ringlokschuppen
28.09. Hamburg, Übel & Gefährlich (Reeperbahn Festival)
Keith Jarrett
21.10. Frankfurt/Main, Alte Oper
João
Coesfeld, Theater
Köln, Pfandhaus
Bremen, Glocke
Darmstadt, Centralstation
Düsseldorf, ZAKK
Karlsruhe, Tollhaus
Leipzig, Spitz
Dornbirn (A), Spielboden
Stuttgart, Theaterhaus
Gianluigi Trovesi/Gianni Coscia
20.10. Neuhardenberg, Schloss
30.11. Allensbach, Evangelische Kirche
01.12. Darmstadt, Centralstation
02.12. Regensburg, Leerer Beutel
04.12. Ulm, Roxy
05.12. Kaiserslautern, Kammgarn
06.12. Offenburg, Salmen
Molly Johnson
19.11. München, Ampere
20.11. Köln, Stadtgarten
21.11. Hamburg, Stage Club
22.11. Berlin, Quasimodo
Bugge
30.10.
31.10.
09.11.
10.11.
25.11.
26.11.
Manu Katché
25.09. Berlin, Philharmonie, Kleiner Saal
26.09. Essen, Grillo Theater
27.09. Hamburg, Fabrik
30.09. München, Muffathalle
Ohne Augenaufschlag
Die in Deutschland geborene Bassistin
MESHELL NDEGEOCELLO überrascht musikalisch und
bleibt politisch standfest.
Laginha
Frankfurt, Musikhochschule
Ludwigsburg, Scala
Dresden, Staatsschauspiel
Nils Petter Molvæer
12.11. Karlsruhe, Tollhaus
14.11. Berlin, Babylon
15.11. Leipzig, Ballhaus Schaubühne
Torun Eriksen
19.10. Hameln, Jazztival
20.10. Köln, Altes Pfandhaus
Maria
19.09.
20.09.
21.10.
23.10.
27.10.
28.10.
30.10.
01.11.
03.11.
Mário
15.11.
16.11.
17.11.
F
undamentalistenterror,
der
Irak,
Hurrikan Katrina und die globale
Erderwärmung: Das sind die heute prominenten Themen im Pop für Über-30Jährige. „Wenn du der Auserwählte bist,
warum bringst du dich dann nicht um,“
provoziert die Songwriterin Meshell Ndegeocello und überblendet im weiteren
Verlauf ihres neuen Albums die Anspielung auf den islamischen Selbstmordattentäter mit Szenen aus psychedelischen
Zukunftsromanen.
Mitsing-Messages
für ein „Live Earth“-Stadionpublikum
interessieren die wichtigste Bassistin im
R’n’B genausowenig wie das prägnante
PR-Image. Nach 20 Karrierejahren,
sechs veröffentlichten Alben und neun
Grammy-Nominierungen hat sie damit
aufgehört, sich der Welt anders zu erklären als mit ihren Songs. Auf ihnen überhöht die Musikerin, die Anfang der 90er
aus Washingtons Go-Go-Szene durchbrach, die aktuellen politischen Schlagzeilen zu abstrakten und persönlichen
Wesseltoft
Hamburg, Fabrik
Berlin, Babylon
Darmstadt, Centralstation
Dortmund, Domicil
Bern (CH), Bee-flat
Zürich (CH), Moods
Statements, hinterfragt die „unvermeidbare, unfassbare Brutalität in der Welt“
(Pressetext) mit Gefühlsbekenntnissen
aus Wut, Freude und nagenden Zweifeln.
Musikalisch überrascht sie uns in jedem
Moment der knappen Dreiviertelstunde
Spielzeit. „The World Has Made Me The
Man Of My Dreams“ ist das rockigste
Album der in Deutschland geborenen
Individualistin. Das Clash-Riff auf „The
Sloganeer“ reißt aus jeder Lethargie, die
einem Trip ähnliche Coda im ansonsten
geradeaus rockenden „Blacknuss“ zieht
einen in die Tiefe. Gast im Studio war
unter anderem Pat Metheny. Kompromisslos und künstlerisch wertvoll hält Meshell Ndegeocello der Welt einen Spiegel
vor – manchmal verzerrt er, doch niemals
reflektiert er Klischees.
MESHELL
NDEGEOCELLO
The World
Has Made Me The Man
Of My Dreams
Emarcy
06024 984 6675
IMPRESSUM
Herausgeber
UNIVERSAL JAZZ, Berlin
Litho
RAWA, Hamburg
Konzept und Gestaltung
G9 Design GmbH, Hamburg
Druck
Axel Springer AG, Ahrensburg
Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit vorheriger schriftlicher Zustimmung des Herausgebers:
Fax: (030) 52007-2597, E-Mail: [email protected]
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(die Sie im Anschreiben über Ihrem Namen finden) an: JazzEcho, A-Nr. 5285, Postfach 90 06 41, 06058 Halle.
UNIVERSAL JAZZ, STRALAUER ALLEE 1, 10245 BERLIN
Komplette Händlerliste auf www.jazzecho.de
05.09.2007 9:11:09 Uhr