Zahnerkrankungen bei Hunden, Dr. Michaela Peters

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Zahnerkrankungen bei Hunden, Dr. Michaela Peters
SSV-Kurier 2-2011
Zucht, Gesundheit, Ernährung
Zahnerkrankungen
Noch vor wenigen Jahren war es nicht üblich, sich regelmäßig um die Gesundheit der Zähne
unserer Haustiere zu kümmern. Erst, wenn beim Hund übler Maulgeruch und Futterverweigerung auffiel, wurde die Mundhöhle einer genaueren Untersuchung unterzogen. Das hat sich
heute geändert: Zu den routinemäßigen Untersuchungen im Rahmen der jährlichen Schutzimpfungen gehört immer ein Blick auf die Zähne.
Zahnerkrankungen bei Hunden
Hundewelpen kommen zahnlos zur Welt. Erst im
Alter von 5-6 Wochen brechen die Milchzähne
durch. Insgesamt besteht das Milchgebiss aus
28 Zähnen. Das zweite Gebiss, das sogenannte
bleibende Gebiss der erwachsenen Tiere zählt
42 Zähne.
Der Wechsel vom Milchgebiss zu den bleibenden Zähnen ist im Alter von 6-7 Monaten abgeschlossen. Der Hund verfügt also schon in einem
sehr jungen Alter über ein komplettes Gebiss.
Sein Gebiss so angelegt, dass er feste Nahrung
(Muskelfleisch, Knorpel, Knochen und Sehnen)
zerkleinern kann.
Die Wurzeln der Zähne sind dabei doppelt so
lang wie die sichtbaren Zahnkronen. Die Zähne
bzw. die Zahnwurzel sind über elastische Fasern
fest im Kieferknochen verankert. Zwischen dem
letzten vorderen Backenzahn des Ober- und
dem ersten hinteren Backenzahn des Unterkiefers kommt es bei jeder Kaubewegung zu einer
erheblichen Kraftentwicklung. Nicht umsonst
sind dies die mächtigsten Zähne des Gebisses,
die auch Reißzähne genannt werden. Sie dienen
vorrangig dem Zerkleinern der Nahrung. Die
Schneidezähne werden nicht nur zum Abnagen
von Knochen eingesetzt, sie spielen auch bei
der täglichen Körperpflege des Tieres eine nicht
unbedeutende Rolle.
In der Regel verläuft der Zahnwechsel problemlos und ganz von alleine. Manchmal kommt es
aber zu sogenannten persistierenden Milchzähnen. Dies tritt auf, wenn sich der fertige Ersatzzahn bereits aus dem Zahnfleisch schiebt, der
Milchzahnvorgänger aber nicht ausfällt. Dem
Besitzer fällt dann auf, dass sein Hund einen oder
mehrere doppelte Zähne hat. Diese zusätzlichen
Zähne fallen häufig später noch aus, sie müssen
nur gezogen werden, wenn sie das Wachstum
des bleibenden Zahnes so stark behindern, dass
dieser sich z. B. in das Zahnfleisch zu bohren
droht.
Bei Hunden stehen Erkrankungen des
Zahnhalteapparates im Vordergrund. Sie
finden sich bei mehr als 85 % der Hunde,
die über 3 Jahre alt sind.
Am Beginn dieser Erkrankungen steht immer
die Zahnfleischentzündung, die durch Bakterien verursacht wird. Diese Bakterien finden im
Zahnstein, der sich im Laufe des Lebens bei der
Mehrzahl der Hunde auf den Zähnen bildet,
einen idealen Nährboden und sind dort auch
gleich an Ort und Stelle, um eine am Ende
unheilbare Entzündung des Zahnhalteapparates mit der Folge des Zahnverlustes
hervorzurufen.
Noch dazu maskiert der Zahnstein in vielen
Fällen die Zahnfleischentzündung, so dass diese
nicht weiter auffällt und die Schädigung in Ruhe
weiter um sich greifen kann. Dies ist bedauerlich,
denn eine einfache Zahnfleischentzündung ist
in der Regel heilbar. Wird hier allerdings nicht
eingegriffen, weicht das entzündete Zahnfleisch
von den Zähnen zurück und es bilden sich
Taschen, in denen sich weitere Bakterien und
Nahrungsreste ansammeln können. In der Folge kommt es zu tiefen Entzündungen, die auf
den Kieferknochen übergreifen. Es kommt zur
Lockerung der Zähne und später Zahnausfall.
Im Extremfall können vereiterte Zahnwurzeln
abszedieren und durch die Kieferhöhle nach außen durchbrechen. Man sieht dann Fistelgänge
unter dem Auge, aus denen sich auf Druck Eiter
entleert.
Die Abwehrprozesse des Körpers gegen die
Entzündungsherde an den Zähnen führen zu
chronischen Entzündungen der Mandeln mit
erhöhter Infektanfälligkeit. Außerdem können
Eiter und Bakterien mit dem Blutstrom aus der
Mundhöhle abgeschwemmt werden und Folgeerkrankungen in anderen Organen verursachen.
So wird eine Vielzahl der Herzklappenfehler im Alter, aber auch viele Nieren- oder
Leberentzündungen von vernachlässigten
Zähnen ausgelöst!
Regelmäßige Zahnpflege von Anfang an ist
also ein MUSS.
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Schon beim Welpen sollte damit begonnen
werden, das Tier daran zu gewöhnen, dass die
Mundhöhle vom Besitzer und vom Tierarzt
untersucht wird.
Gleichzeitig sollte das Trainieren der regelmäßigen Zahnreinigung begonnen werden: Zuerst
wird nur mit dem Finger auf dem Zahnfleisch
entlanggerieben. Wenn Hund oder Katze dies
widerspruchslos akzeptieren, kann man eine
Fingerzahnbürste für Haustiere benutzen und
wenn auch das klappt, sollte man eine spezielle
Zahncreme für Haustiere einsetzen. Die Zahnreinigung sollte täglich erfolgen und immer
gewissenhaft durchgeführt werden. Besonders
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wichtig ist die regelmäßige Kontrolle und
Reinigung der Backenzähne, da dort oft besonders viel Zahnstein auftritt.
Ebenfalls möglich, aber deutlich weniger effektiv
als das tägliche Zähneputzen ist das Verfüttern
von Zahnreinigungsstreifen oder -kauknochen.
Eine relativ neue Möglichkeit liegt in einem nur
beim Tierarzt erhältlichen Spezialfutter. Dieses
Futter ist in Kroketten gepresst, die beim Hineinbeissen nicht einfach zerbröseln, sondern durch
ihre besondere Faserstruktur den Zahnstein wie
ein Scheibenwischer vom Zahn schieben. Zumindest als Futterergänzung sollte man diese
Möglichkeit in Betracht ziehen.
Zahnkontrolle
Ziehen Sie die Lefzen Ihres Hundes auseinander, um die
Backenzähne zu sehen. Hier sind Plaque, Zahnstein und
Entzündungen meist am deutlichsten ausgeprägt.
Was ist Zahnstein?
Zahnstein oder Plaque ist ein gelblich-grauer Belag an der Zahnoberfläche, ein Filzwerk aus Keimen, Nahrungsresten, abgeschliffenen Zellen,
Speichelinhaltsstoffen usw. Vom Zahnfleischrand
ausgehend, überziehen diese Beläge bald den
ganzen Zahn und werden dabei immer dicker.
Mineralsalze aus dem Speichel lagern sich ein.
So entsteht im Laufe der Zeit aus dem weichen
Zahnbelag durch Verkalkung der knochenharte
Zahnstein. Damit beginnt ein Teufelskreis, denn
der Zahnstein drückt auf das Zahnfleisch und
schiebt sich zwischen dieses und den Zahnhals.
Wenn trotz aller Mühe der Zuwachs an Zahnstein
nicht zu verhindern ist, sollte das Gebiss in regelmäßigen Abständen vom Tierarzt gereinigt werden. Dies geschieht mit einem Ultraschallgerät
und ist wegen der dabei auftretenden hochfrequenten Geräusche nur in Vollnarkose möglich.
Leider findet man unter dem Zahnstein oft kariöse Zähne oder Zähne, deren Wurzeln schon so
gelockert sind, dass ein Erhalt nicht möglich ist.
Da Hunde nicht mehr darauf angewiesen sind,
sich ihre Nahrung selbst zu erjagen, sondern alle
über einen zweibeinigen „Dosenöffner“ verfügen, kann man es verantworten, diese Zahnruinen zu ziehen. Das ist auf jeden Fall besser als
das Belassen der Eiterherde.
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Und jetzt noch einige Bilder von gesunden und kranken Gebissen:
1. Gesundes Gebiss
normales, nicht entzündetes
Zahnfleisch mit klarer Ab
Grenzung von Maulschleim
Haut und Zahnfleisch. Das
Zahnfleisch ist rosa und fest
mit dem Knochen verbunden. Es sind weder Zahnstein noch Maulgeruch vorhanden.
Normal erscheinende
Grenzen zwischen Kiefer
knochen und Peridonta
Ispalt (weißer Pfeil). Die
horizontale Knochenlinie
Liegt auf der Ebene der
Schmelz/Zementgrenze
(roter Pfeil)
Das Zahnfleisch ist nicht
geschwollen und es ist kein
Zahnstein vorhanden
2. Frühe Zahnfleischentzündung (Gingivitis)
Leichte Gingivitis eines
oberen, rechten 4. Backenzahnes. Oberhalb des Zahnfleischsaumes ist wenig
Zahnstein zu erkennen. Der
Zahnfleischsaum ist geschwollen und entzündet.
Mundgeruch, eines der
ersten Zeichen einer
Periodontitis, ist festzustellen.
Es können noch keine
röntgenologischen Veränderungen festfestellt
werden.
Plaque und Zahnstein
haben sich auf dem Zahn
abgelagert.
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3. Fortgeschrittene Zahnfleischentzündung (Gingivitis)
Der Mundgeruch ist merklich
verstärkt. Zahnfleischschwellung
und Zahnfleischbluten sind stärker ausgeprägt
Geringgradiger Knochenverlust wird
sichtbar. Die horizontale Knochen- linie befindet sich unter der
Schmelz/Zementgrenze.
Plaque und Zahnstein
dehnen sich bis zur
Zahnwurzel aus.
4. Frühe Entzündung des Zahnhalteapparates (Periodontitis)
Taschentiefe wird per Sonde gemessen. Zwischen 10 und 30
Bei der Sondierung blutet das Zahn- Prozent des Knochens
fleisch, der Zahn kann beweglich sein. rund um die Zahnwurzel
Starker Mundgeruch ist vorhanden. sind abgebaut.
Plaque und Zahnstein
haben sich auf die Zahnwurzel ausgedehnt. Die
Zahnfleischtaschen sind vertieft,
der Kieferknochen stark abgebaut.
5. Fortgeschrittene Entzündung des Zahnhalteapparates (Periodontitis)
Hochgradige Periodontitis geht mit Verlust des Zahnfleisches einher, Zahnfleischtaschen werden tiefer, das Zahnfleisch blutet
sehr leicht. Nahrungsreste
und Eiter sind unter Zahnstein
eingeschlossen, Zähne extrem
beweglich, Mundgeruch
extrem ausgeprägt.
Bei diesem unteren vierten Backenzahn sind über 70
Prozent des Kieferknochens um die Zahnwurzeln herum
abgebaut.
Stark ausgedehnte Plaque und
Zahnstein, hochgradige Entzündung, sehr tiefe Zahntaschen,
hochgradiger Verlust von Knochen
Zahnfleisch.
Dr. med. vet. Micaela Peters