Kaffee Verkehrt: Wien liegt nördlich von Berlin

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Kaffee Verkehrt: Wien liegt nördlich von Berlin
Globus
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Das Wiener Café in Istanbul
Was mit einem Feinkostladen begonnen hat, ist nun ein erfolgreiches Kaffeehaus nach
Wiener Tradition in der britischen Hauptstadt.
† VON G A B R I E L
Wer ein Wiener Kaffeehaus der alten
Schule mit hohen Räumen, dünnem
Kaffee und grantigen Kellnern sucht,
wird enttäuscht werden. Wer hingegen eine gelungene Verknüpfung von
Tradition und Gegenwart finden will,
wird vom „Kipferl“ begeistert sein.
Steht eine dampfende Tasse Kaffee
und ein Stück Sachertorte mit Schlag
vor dem glücklichen Kunden, könnte
er glatt vergessen, dass er sich an einer
der schicksten Ecken des Nordlondoner Trendbezirks Islington befindet.
Das „Kipferl“ ist das Lokal des Österreichers Christian Malnig, der seit
17 Jahren in London lebt und hier
nach einem Wirtschaftsstudium zu-
DUYGU ÖZKAN
D
ie Geschichte entbehrt nicht
eines gewissen Witzes: Als
die kleine Gruppe von Absolventen einer Tourismusschule ein Kaffeehaus in Istanbul eröffnen wollte – ein authentisches, gutes
Kaffeehaus wohlgemerkt – bemerkten
sie, dass die opulente Kaffeekultur in
dieser brodelnden Stadt fast schon verschwunden war. Nach dem Ort mit der
prominentesten
Kaffeehaustradition
mussten die Freunde freilich nicht lange suchen, also fassten sie einen Plan:
den Wiener Kaffee zurück nach Istanbul bringen. Ausgerechnet in die
Hauptstadt jenes Reiches, von wo der
Kaffee überhaupt nach Wien gelangte.
Das Preisniveau kann für
Londoner Verhältnisse als
günstig bezeichnet werden.
Ein Wiener Kaffeehaus in
Istanbul, von wo der Kaffee
erst nach Wien gelangte.
MUTTER
ARQUETTE
Schauspielerin
Patricia Arquette
über ihre Rolle im
Langzeitprojekt
„Boyhood“ , ihre
chaotische
Kindheit und die
schwierige Rolle
als Mutter.
Auf den Straßen des Nobelviertels
Nişantaşi ist Şebnem Sükan in den feinen Nieselregen geraten, den sie am
Eingang des Café Wien von ihrer Jacke
schüttelt. Ein Garderobenständer steht
dort – freilich ein Wiener Original –,
gleich daneben hängen die Zeitungshalter. Als das Café Wien vor rund 25
Jahren eröffnete, war Nişantaşi eine
verschlafene Gegend, nördlich des
ganzen Trubels im touristischen Beyoğlu. Kaum jemand hat sich hierher verirrt, und dass das Konzept des Wiener
Kaffeehauses trotzdem Erfolg hatte,
mag im Rückblick selbst die Betreiber
verwundern. Şebnem Sükan leitet das
Café seit rund 17 Jahren. Wenn sie gelegentlich in Wien ist und Adressen abklappert – Café Landtmann, Hawelka,
Prückel usw. – dann schaue sie sich
um, was es denn für Neuigkeiten gebe,
erzählt sie. Manchmal sind es die
Mehlspeisen, ein anderes Mal fällt ihr
etwas an der Einrichtung auf. Grosso
modo aber, sagt die 40-Jährige, habe in
Wien alles Bestand, während sich
Istanbul quasi minütlich verändere.
Diese Wiener Beständigkeit haben die
Betreiber ebenfalls an den Bosporus
holen wollen.
Was Sükans Team von Anfang an
geplant hat, ist bis heute so geblieben:
Wer ins Café Wien kommt, macht das
bewusst. Etwas versteckt in einer
Durchgangspassage fällt das Café den
Besuchern nicht gleich auf – und man
wird das Gefühl nicht los, dass das Café
auch weiterhin ein Geheimtipp bleiben
möchte. Werbung wird keine gemacht,
und wer das Catering in Anspruch nehmen möchte, muss um das Angebot
wissen. Die meisten Gäste, erzählt Sü-
kan, sind Stammbesucher. Sie kommen, um Zeitung zu lesen, halten ihre
Meetings hier ab, verabreden sich zum
Essen. Das Mittags- und Abendmenü
besteht unter anderem aus Gulasch
und Schnitzel (Rind, Huhn), es gibt
aber auch Schweinefleisch in Form von
Frankfurtern. Die Kaffeekarte hat Wiener Länge: Vom Espresso über die Melange bis hin zum Einspänner sind die
wichtigsten Vertreter vorhanden, und
die Mehlspeisen werden in einer Konditorei gebacken. Sachertorte, Linzer
Schnitte, Apfelstrudel – auch hier wurde nicht an Originalität gespart.
Şebnem Sükan
leitet das Café Wien
in Istanbul.
• Özkan
Bittere Note. Tatsächlich können sich
die Besucher hier in Wien wähnen. Die
Melange schmeckt rund und leicht bitter, wie es sich gehört, und wird mit
R AT H
Österreich im schicken Norden Londons
Semmel und Schnitzel im »Kipferl«
Vor rund 25 Jahren wurde
in der türkischen
Metropole das Café Wien
eröffnet. Obwohl von
Anfang an erfolgreich,
ist es bis heute ein
Geheimtipp geblieben.
† VON
////
einem Glas Wasser serviert. Die Einrichtung des Cafés wurde eins zu eins
einem Wiener Pendant nachempfunden: Die Marmortische wurden eigens
für das Haus hergestellt, so auch die
Zeitungshalter, die es in Istanbul nicht
zu kaufen gab.
Rund 150 Gäste werden hier täglich
bewirtet, erzählt Sükan. Manchmal trudeln tatsächlich Gäste aus Wien ein,
wenn etwa die Hotels auf das Café aufmerksam machen. Und wenn sich diese Besucher zufrieden zeigen, dann ist
überhaupt alles gewonnen, sagt Sükan.
Ganz unbekannt ist das Café Wien in
Wien übrigens auch wieder nicht. Die
Handelskammer hat nur drei Jahre
nach der Eröffnung das Haus als „erfolgreichstes Wiener Kaffeehaus“ ausgezeichnet – als einziges im Ausland. •
nächst auf dem Finanzsektor gearbeitet hat. „Ich hatte immer schon den
Wunsch, im Gastgewerbe aktiv zu
werden“, erzählt er. Was zunächst als
Feinkostladen für österreichische
Spezialitäten mit einer kleinen, feinen
Auswahl an selbst zubereiteten Speisen auf dem Smithfields Market begann, hat sich mittlerweile zu einem
florierenden Gastbetrieb entwickelt:
„Am Wochenende haben wir 500–600
Gäste am Tag.“
Die Gäste bekommen hier das
volle Angebot der traditionellen österreichischen Küche, vom Wiener
Frühstück mit Originalsemmel und
Marillenmarmelade über das Wiener
Schnitzel bis zum Kaiserschmarren.
Die Lebensmittel werden teilweise
eingeführt: „Versuchen Sie einmal,
brauchbare Semmelbrösel in London
zu finden“, sagt Malnig. Das Stadtmagazin „Time Out“ schreibt in seinen
Empfehlungen: „Ein viel aufregenderes Frühstück als ein Müsli.“ Bestseller am Vormittag ist aber das Bauernomelett, das von den Kunden in
einem Facebook-Wettbewerb auf die
reguläre Karte gehievt wurde. Das
Preisniveau kann für Londoner Verhältnisse als günstig bezeichnet werden: „Bei uns kann man unter zehn
Pfund mittagessen, und das wollen
und können sich viele leisten.“
Das „Kipferl“ hat ein schickes und
entspanntes Ambiente. Erst auf den
zweiten und dritten Blick enthüllen
sich viele liebevoll angeordnete Kleinigkeiten, wie etwa Schwarz-WeißAufnahmen von österreichischen Nationalhelden wie Bruno Kreisky, Hans
Krankl und Mundl Sackbauer. Die Fotos sind überraschend klein, das Lokal drängt sich nicht auf, sondern lädt
ein zum Verweilen. Auch österreichische Zeitungen hängen aus (an dem
Angebot wird noch gearbeitet).
„Wenn jemand auf einen Kaffee
kommt und drei Stunden Zeitung
liest, ist mir das auch recht“, meint
Malnig. An den meisten Tischen hat
das vorwiegend junge Publikum aber
neben Kaffee und Kuchen auch einen
Laptop stehen.
Zweites Kaffeehaus. Die Gäste sind
vorwiegend aus Österreich, Deutschland, Osteuropa und Israel. „Die
meisten leben heute in London, haben aber irgendeinen Österreich-Bezug“, sagt Malnig. In wenigen Wochen steht die Eröffnung eines zweiten „Kipferl“ im Westen der Stadt bevor. Malnig, der mittlerweile 25 Leute
beschäftigt, über sein Erfolgsgeheimnis: „Es ist die Liebe zum Detail, die
unsere Gäste am meisten schätzen.
Das reicht vom Schriftzug unseres Lokals bis zu der Art, wie der Löffel serviert wird.“ Und wie es sich gehört,
wird zum Kaffee – der freilich aus Österreich eingeführt wird – ein Glas
Wasser gereicht.
•
LEGENDE
Georg Franz
Kolschitzky, so lautet
die Legende, erhielt
für seine Dienste
während der zweiten
Türkenbelagerung
1683 das Privileg, das
erste Kaffeehaus in
Wien zu eröffnen.
Tatsächlich wurde
das erste Kaffeehaus
von dem Armenier
Johannes Theodat –
er wurde in Istanbul
geboren – in der
heutigen Rotenturmstraße eröffnet.
Kolschitzky erhielt
das Privileg nach
Theodat. Ob
Kolschitzky je ein
Kaffeehaus eröffnet
hat, ist nicht bekannt.
Bis zu 600 Gäste
besuchen am
Wochenende das
„Kipferl“ in
London.
• Café Kipferl
• Reuters
SEITE 40
ENDE
Melanie
Griffith und
Antonio
Banderas
haben die
Scheidung
bekannt
gegeben.
SEITE 40
ANFANG
Popsänger
Eros
Ramazzotti
hat in Mailand
geheiratet.
SEITE 40
Die auferstandene Kaffeehauskultur von Lemberg
Kaffee verkehrt: Wien liegt nördlich von Berlin
Im westukrainischen Lwiw, einst Teil des österreichisch-ungarischen Kaiserreichs, erlebt der Kult um die Bohne eine Renaissance. Und
die Sonnenterrasse des Wiener Cafés ist der Lieblingsort aller Schaulustigen.
† VON J U T TA S O M M E R B A U E R
In einer Villa auf dem Land hat ein Werber-Paar sein Wohnzimmer in ein Wiener Kaffeehaus verwandelt. »Das geht nie«, warnten
Freunde und Banken. Heute zollen sogar Österreichs Kaffeesieder dem »Morgenrot« Respekt – per Ehrentitel. † V O N K A R L G A U L H O F E R
Bis heute verweisen die Ukrainer stolz
darauf, dass Georg Franz Kolschitzky,
geboren 1640 in Sambir nahe Lwiw
(heute Ukraine, damals Polen-Litauen)
das erste Wiener Kaffeehaus in der
Wiener Innenstadt eröffnete. Kolschitzky, ein Geschäftsmann, der Türkisch sprach und während der Zweiten
Türkenbelagerung 1683 als Spion ins
osmanische Lager gelangte, soll von
seinen Auskundschaftungen den Kaffee mitgebracht haben.
Auch wenn diese Geschichte in
Historikerkreisen den Status einer Legende hat: Lemberg hat ein spezielles
Verhältnis zum Kaffee. Das ist wenig
verwunderlich, zumal Galizien Teil des
k. u. k. Reichs war und der Kaffee ja irgendwie herkommen musste. In Lemberg hat man die aromatische Bohne
in den vergangenen Jahren neu entdeckt. Bei Touristen kommt das gut an,
es könnte langfristig auch die ukrainische Kaffeekultur heben: Denn im Rest
des Landes sind der bittere Löskaffee
oder die modernere Variante „Drei in
eins“ (fertige Kapseln mit Kaffeepulver,
Milch und Zucker) verbreitet.
Lemberg also vermarktet seine kaffeeaffine Geschichte äußerst erfolg-
reich: Es gibt fahrende Kaffeewagen im
Nostalgiestil, deren galizische Baristas
unter freiem Himmel einen „Latte“ zubereiten, ein Kaffeefestival, viele Kaffeegeschäfte und natürlich Kaffeehäuser.
Das bekannteste Café liegt am Freiheitsprospekt 12. Stolz nennt es sich
Wiener Kaffeehaus – ein Name als
Qualitätsauszeichnung. So altehrwürdig es ist, in seinem Inneren erinnert es
Freier Blick auf die
Flaniermeile der
Stadt: das Wiener
Kaffeehaus in
Lemberg.
• Wiener Kaffeehaus
„bedauerlicherweise eher an den Wartesaal des lokalen Hauptbahnhofs als
an ein gemütliches Wiener Kaffeehaus“, wie ein Online-Reiseführer treffend notiert. Die Lemberger schätzen
es dennoch. Die Karte ist groß, das Essen gut, die Süßspeisen fein. Hier wird
längst nicht nur Kaffee, sondern auch
viel Lemberger Bier konsumiert.
Blick auf den Freiheitsprospekt. Am
besten ist das Kaffeehaus in der warmen Jahreszeit. Auf der Sonnenterrasse
– gleich hinter dem Bronzedenkmal für
Nationaldichter Taras Schewtschenko,
nur ein paar Schritte vom Opernhaus
entfernt – hat man freien Blick auf den
Freiheitsprospekt, die beste Flaniermeile der Stadt. Da bleibt keine Zeit
zum Zeitunglesen. Die Autos lärmen
zwar, doch könnte man hier nicht so
unbeschwert im Freien sitzen, wenn
nicht in der Kaiserzeit die Straße gebaut worden wäre. Sie überdeckte den
Fluss Poltwa, eine (damals zumindest)
stinkende Kloake. Einen Blick auf die
Poltwa werfen kann man übrigens in
der Oper, wo eine Treppe zum steinernen Flussbett hinabführt. Aber das ist
eine andere Lemberger Geschichte. •
Das Kaff heißt Hohen Neuendorf. Es
liegt in der Mark Brandenburg im Norden von Berlin und ist gerade noch mit
der S-Bahn zu erreichen. Eines dieser
Schläferstädtchen mit viel Ost-Tristesse, holprigen Straßen und Diskontmärkten. Ein Ort, wie geschaffen für
Schützenvereine, Kännchenkaffee und
Schwarzwälder Kirsch. Ausgerechnet
hier haben Eva und Axel Bollmann ein
Wiener Kaffeehaus eröffnet, das vor
Authentizität nur so trieft.
Vergessene Varianten. Noch dazu in
der eigenen, pittoresk verwitterten
Gründerzeitvilla: Sie zogen einfach aus
der Beletage in den Stock darüber. Bilder, Teppiche und Bücher blieben da,
hinzu kamen Thonetstühle und Kaffeehaustische mit Marmorplatten und
gusseisernem Fuß. Auf die Karte des
„Morgenrot“ setzten sie Altwiener Varianten wie Kaffee verkehrt oder den
überstürzten Neumann, die selbst hierzulande kaum noch jemand kennt. „Oh
Gott, das klappt nie“, stöhnten Freunde. „So was läuft hier oben nicht“, erklärte fachkundig die Bankberaterin
und verweigerte jeden Kredit. Bis dahin
hatte das Ehepaar eine Werbeagentur
in Berlin betrieben und seinen Kunden
verrückte Ideen präsentiert. Jetzt mussten sie selbst daran glauben.
Axel (53) wuchs in Wien auf, Eva
(48) ist aus Frankfurt. Als Ostpioniere
restaurierten sie die Kaufmannsvilla,
bekamen zwei Töchter – und erkannten 2004, dass ihnen der Stress zu viel
wurde. Wehmütig dachte Axel an seine
Bummelstudentenzeit zurück, als er
Glas Wasser und
Silbertablett: Alles
„comme il faut“ im
„Morgenrot“ in
Brandenburg.
• Villa Morgenrot
Nachmittage im Kaffeehaus als verlängertem Wohnzimmer verträumte – und
der Plan ward geboren.
Eva schupft den Laden (ihr zweiter
Vorname ist Tiffany, was ihr nun erlaubt, mit „Frühstück bei Tiffany“ zu
werben). Axel sorgt für originale Zutaten: Weine vom Kattinger aus Stammersdorf, Römerquelle, Almdudler,
Mautner Markhof Senf zu den Debreczinern. Selbst die Teebutter ist aus
Österreich. Die Torten liefert ein Edelpatissier aus Berlin. Barista-Autodidakt
Axel bereitet seine eigene Bohnenmischung zu und reist zu Plantagen in
Guatemala und Ruanda. Das beeindruckt sogar den Klub der Wiener Kaffeehausbesitzer, die das „Morgenrot“
zum bisher einzigen „Botschafter der
Wiener Kaffeehauskultur“ erhoben.
Gäste kommen mittlerweile von
weit her. Am Wochenende oder bei
Heurigenabenden mit Zithermusik ist
ohne Reservierung kaum ein Platz zu
bekommen. Aber wer einmal sitzt, darf
bleiben, so lang er will. Erst ist sie den
Nordlichtern sehr fremd, dann lernen
sie sie lieben: Die Kunst der Entschleunigung, die zum Kaffeehaus gehört wie
das Glas Wasser zur Melange.
•
8. JUNI 2014
0 GLOBUS 39
Unterwegs
WAS EINEM AUF REISEN SO
ALLES ÜBER DEN WEG LÄUFT
Der Automatisierungswahn
der Fluglinien lässt das
Wort Fluggast zusehends
anachronistisch erscheinen.
† VON
OLIVER GRIMM
W
ozu eigentlich gibt es
Fluggesellschaften?
Ich habe mir diese
Frage neulich bei der Lektüre
des „Wall Street Journal“ gestellt. Darin stand von einem
Bericht der IATA, des Weltverbands der Fluglinien, zu lesen, derzufolge die Industrie
heuer weltweit eine Gewinnmarge von anämischen 2,4
Prozent erzielen dürften. Das
wären pro Fluggast weniger
als 4,50 Euro!
Um die Bosse der Airlines
muss man sich keine Sorgen
machen, die verdienen schon
saftig. Als Investor würde ich
allerdings die Finger von
Fluglinienaktien lassen. Und
eine Airline zu gründen? Nun,
ich sage bloß Lauda Air und
SkyEurope.
Diese prekäre Ertragslage
fördert jenen Automatisierungseifer, der das Fliegen zur
Mühsal werden lässt. Nicht
genug, dass man an hässlichen und benutzerfeindlichen Maschinen die Bordkarten selbst ausdrucken muss,
Maschinen, deren Software
von dementen Pavianen geschrieben sein muss. Bei USFluggesellschaften und zumindest bei Lufthansa in
München muss man bereits
den Koffer selbst wiegen und
mit einem Aufkleber versehen. Auch hier spinnt die
Technik oft, auch hier geht es
ohne menschliche Handreichung eben doch nicht.
Und trotz dieser vermeintlichen technologischen Optimierung, trotz der Abschaffung von Getränken und Essen an Bord bleiben nur 2,4
Prozent Reingewinn? Vielleicht wäre es an der Zeit für
Heterodoxie: Menschen statt
Maschinen, Flugbegleiter, die
sich wieder um ihre Passagiere kümmern können. Wir
Fluggäste würden es mit der
wertvollsten Währung im
Dienstleistungsgewerbe danken: Unternehmenstreue. •
‹ [email protected]
AUF DEM RADAR
Schweiz:
Kurzausflug
eines Mörders
aus dem Knast
Vier Tage, nachdem er aus dem Gefängnis in Genf ausgebrochen war,
hat sich ein verurteilter französischer Mörder diese Woche wieder
zurückgemeldet – so, wie er es zuvor in einem Brief versprochen hatte. Der 38-Jährige war voriges Wochenende von seiner Arbeitsstelle
außerhalb des Gefängnisses nicht
zurückgekehrt. In einem Brief an
seine Mutter hatte er erklärt, er
brauche einige Tage in Freiheit, um
„Luft zu schnappen“. Er werde sich
in der Zeit auch benehmen. Der
Mann war 2005 wegen Mordes an
einer Prostituierten verurteilt worden. Die Haftstrafe bis 2019 werde
nicht verlängert, teilten die Behörden mit, der Mann komme aber
wieder in geschlossenen Vollzug. •