Peter Bieri

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Peter Bieri
Peter Bieri
Peter Bieri (* 23. Juni 1944 in Bern, Pseudonym: Pascal
Mercier) ist ein Schweizer Philosoph und Schriftsteller.
Als Pascal Mercier wurde er mit seinem erfolgreichen
Roman Nachtzug nach Lissabon bekannt.
1
ich nur Fassaden ohne etwas dahinter. Das Gleiche läßt
sich an den Universitäten beobachten, die zur Zeit durch
die Perspektive der Unternehmensberatung kaputtgemacht
werden. Wir bekommen ständig Fragebögen: Wie viele
Gastprofessuren haben Sie wahrgenommen? Wie viele
Drittmittel haben Sie eingeworben? Eine Diktatur der Geschäftigkeit. All diese Dinge haben mit der authentischen
Motivation eines Wissenschaftlers gar nichts zu tun.“ [3]
Kindheit und Jugend
Bieri wuchs in einer kleinbürgerlichen Familie in einem
Vorort von Bern auf.[1] Sein Vater war Komponist.[1]
In seiner Kindheit las er die 53 Romane von Karl May 3 Arbeiten als Philosoph
und spielte gerne Fußball.[1] Beim Endspiel der Fußballweltmeisterschaft 1954 guckte er zum ersten Mal Am bekanntesten ist Bieris Buch Das Handwerk der
Fernsehen.[1] Die Matura legte er am Berner Gymnasium Freiheit mit der Kernthese:
Kirchenfeld ab. Auf dem Gymnasium lernte er Latein,
Griechisch und Hebräisch.[1]
Auch wenn die Naturgesetze bestimmen, was
wir tun und denken, können wir uns unter Berücksichtigung der jedem Menschen gegebenen
2 Akademischer Werdegang
Bedingtheiten als frei verstehen. Frei sind wir in
diesem Sinne genau dann, wenn wir unseren eigenen Überzeugungen gemäß handeln können.
Nach der Matura begann Bieri ein Studium der AltphiEin solcher Freiheitsbegriff, der ein bewusslologie in Bern, brach das Studium ab und ging we[1]
tes Reflektieren und eine bewusste Entscheigen einer Liebesbeziehung nach London. In London
dung voraussetzt, aber auch für möglich hält,
und in Heidelberg studierte er Philosophie, Anglistik
steht nicht im Gegensatz zum Determinismus.
und Indologie. In Heidelberg promovierte er 1971 bei
Die Idee einer „absoluten Freiheit“, die gegen
Dieter Henrich und Ernst Tugendhat mit einer Arbeit zur
den Determinismus gerichtet ist, ist begrifflich
Zeit, in der er sich umfassend mit der Zeiterfahrung des
inkohärent.
englischen Philosophen John McTaggart Ellis McTaggart beschäftigte. Es folgten Studien an der University
of California, Berkeley, der Harvard University, dem
Wissenschaftskolleg zu Berlin und dem Van Leer Institut
in Jerusalem. 1983 wurde er an die Universität Bielefeld
berufen. Danach arbeitete Bieri als wissenschaftlicher
Assistent am Philosophischen Seminar der Universität
Heidelberg.
In dem Aufsatz „Was macht das Bewußtsein zu einem
Rätsel?“ [4] argumentiert Peter Bieri gegen die Idee, dass
die Neurowissenschaften das Phänomen „Bewusstsein“
erklärt hätten. Auch wenn wir immer mehr über die
neuronalen Korrelate von Bewusstsein erfahren, so wissen wir dennoch nicht, warum diese Prozesse von Bewusstsein
begleitet sind. Bieris Argumentation ähnelt hier
Bieri war Mitbegründer des Forschungsschwerpunktes
Thomas
Nagel, Joseph Levine und David Chalder
von
Kognition und Gehirn der Deutschen Forschungsgemers.
Siehe
dazu:
Bieri-Trilemma.
meinschaft. Die Schwerpunkte seiner Forschung sind
Philosophische Psychologie, Erkenntnistheorie und In einem Spiegel-Essay[5] reagiert er auf ein zuvor veröfMoralphilosophie. Von 1990 bis 1993 war er Professor fentlichtes Streitgespräch zwischen dem Neurobiologen
für Geschichte der Philosophie an der Universität Mar- Gerhard Roth und dem Moraltheologen Eberhard Schoburg; ab 1993 lehrte Peter Bieri Philosophie an der Freien ckenhoff.[6] Roth berichtete darin, dass ZusammenhänUniversität Berlin am Lehrstuhl für Sprachphilosophie ge zwischen neuronalen Vorgängen und einer Willensals Nachfolger von Ernst Tugendhat. 2007 zog sich entscheidung nachweisbar sind, bevor sich der Mensch
Bieri vorzeitig in den akademischen Ruhestand zurück, der Entscheidung bewusst ist. Dadurch sei bewiesen, dass
verärgert über den Universitätsbetrieb.[2] Die Verärge- menschliche Entscheidungen alleine abhängig sind von
rung Bieris über die Lage an den Universitäten äußert den Genen und neuronalen Vorgängen, die determiniert
sich in folgendem Zitat: „Wenn ich mir ansehe, wer im sind durch frühkindliche Ereignisse und Erfahrungen alFernsehen oder in den Zeitungen die Helden sind, so sehe ler Lebensjahre.
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Bieri kritisiert diese Argumentation als Kategorienfehler:
„denken wir uns jemand, der ein Bild zerlegte, um herauszufinden, was es darstellt ... Es geht nie gut, wenn wir
Fragen, die sich auf der einen Beschreibungsebene stellen, auf einer anderen beantworten.“
2006 zeichnete ihn die Akademie der Wissenschaften zu
Göttingen mit der Lichtenberg-Medaille aus. 2010 erhielt
Bieri die Ehrendoktorwürde der Universität Luzern.[7]
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Arbeiten als Schriftsteller
WERKE
• Was bleibt von der analytischen Philosophie? In:
Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 2007, Heft III,
S. 333–344.
• Wie wollen wir leben? Residenz, St. Pölten 2011,
ISBN 978-3-7017-1563-3.
• Eine Erzählung schreiben und verstehen. Hörbuch,
Komplett Media, München 2013, ISBN 978-38312-6483-4.
• Eine Art zu leben: Über die Vielfalt menschlicher
Würde. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-44624349-1.
Unter dem Pseudonym Pascal Mercier hat Peter Bieri
bisher vier Romane veröffentlicht: Perlmanns Schweigen
6.1.2 als Herausgeber
(1995), Der Klavierstimmer (1998), Nachtzug nach Lissabon (2004; 2013 verfilmt) und Lea (2007). Im Jahr 2006
• Analytische Philosophie des Geistes. Hain, Königerhielt er für sein literarisches Werk den Marie-Luisestein/Ts. 1981 (Neuauflagen 1993 und 2007).
Kaschnitz-Preis.
• Analytische Philosophie der Erkenntnis. Athenäum,
Frankfurt am Main 1987.
5
Privates
6.2 Literarisches Werk
Bieri ist verheiratet mit der Malerin Heike Bieri-Quentin,
er lebt mit seiner Frau in Berlin.
veröffentlicht unter dem Pseudonym Pascal Mercier:
6
Werke
• Perlmanns Schweigen. Roman, Albrecht Knaus,
München 1995, ISBN 3-442-72135-0.
Philosophisches Werk
• Der Klavierstimmer. Roman, Albrecht Knaus, München 1998, ISBN 3-442-72654-9.
veröffentlicht unter dem Namen Peter Bieri
• Nachtzug nach Lissabon. Roman, Hanser, München
2004, ISBN 3-446-20555-1.
6.1.1
• Lea. Novelle, Hanser, München 2007, ISBN 978-3446-20915-2.
6.1
als Autor
• Zeit und Zeiterfahrung. Exposition eines Problembereichs. Dissertation, 1971, Suhrkamp, Frankfurt am
6.3
Main 1972.
• Philosophische Psychologie. Überlegungen zur Begriffsbildung. In: Neue Hefte für Philosophie 11
(1977), S. 26–81.
• Nominalismus und innere Erfahrung. In: Zeitschrift
für philosophische Forschung 36 (1982), S. 3-24.
• Sein und Aussehen von Gegenständen. Sind die Dinge
farbig? In: Zeitschrift für philosophische Forschung
36 (1982), S. 531–552.
• Evolution, Erkenntnis und Kognition. Zweifel an der
evolutionären Erkenntnistheorie. In: Wilhelm Lütterfelds (Hrsg.): Transzendentale oder evolutionäre Erkenntnistheorie? Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1987, S. 117–147.
• Das Handwerk der Freiheit. Über die Entdeckung des
eigenen Willens. Hanser, München 2001, ISBN 3596-15647-5.
Artikel und Reden
• Was macht Bewußtsein zu einem Rätsel? (rtf; 56 kB),
veröffentlicht in „Gehirn und Bewusstsein“ (Hrsg.
W. Singer), Spektrum der Wissenschaft. Heidelberg
1994, S. 172–180.
• Wie wäre es, gebildet zu sein? (pdf; 71 kB), Festrede
von Peter Bieri an der Pädagogischen Hochschule
Bern über Bildung vom 4. November 2005.
• Wie wollen wir leben? Was heißt es, über unser Leben
selbst zu bestimmen? Zeit Online, Magazin Leben, 7.
Juni 2007, Nr. 24.
• Fühlen, um zu erkennen. Was macht Bewusstsein zu
einem Rätsel? Zeit Online, Magazin Leben, 30. August 2007, Nr. 36.
• Ensemble von Fähigkeiten. Was macht uns zu Personen? Zeit Online, Magazin Leben, 25. Oktober
2007, Nr. 44.
3
• Brücke zum fremden Geist. Was macht die Sprache Normdaten (Person): GND: 122434080 | LCCN:
mit uns? Zeit Online, Magazin Leben, 19. Dezember n82256770 | VIAF: 27208794 |
2007, Nr. 52.
7
Literatur
• Peter Bieri im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei
abrufbar)
8
Weblinks
•
Wikiquote: Peter Bieri – Zitate
• Literatur von und über Peter Bieri im Katalog der
Deutschen Nationalbibliothek
• Kurzbiografie und Rezensionen zu Werken von Peter Bieri bei perlentaucher.de
• Kurzbiografie und Rezensionen zu Werken von Pascal Mercier bei perlentaucher.de
• Peter Bieri (Berlin): „Was bleibt von der analytischen
Philosophie, wenn die Dogmen gefallen sind?“ , Bieris Zustandsbericht über die analytische Philosophie
als Video
• Pascal Mercier, Autorenwebsite des Carl Hanser
Verlags
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Einzelnachweise
[1] Eins zu Eins. Der Talk mit Peter Bieri (Memento vom 3.
Dezember 2013 im Internet Archive)
[2] Manfred Papst: Peter Bieri alias Pascal Mercier hat genug
von der Universität, NZZ am Sonntag, 27. Mai 2007 (mit
FAZ-Zitat vom 23. Mai 2007).
[3] David Salomon: Eingreifende Wissenschaft, Junge Welt, 2.
Oktober 2009.
[4] Peter Bieri: Was macht Bewußtsein zu einem Rätsel? (rtf;
56 kB), veröffentlicht in „Gehirn und Bewusstsein“ (Hrsg.
W. Singer), Spektrum der Wissenschaft, Heidelberg 1994,
S. 172–180.
[5] Peter Bieri: Unser Wille ist frei, Der Spiegel, 10. Januar
2005, S. 124 f.
[6] Katja Thimm/Gerald Traufetter: Das Hirn trickst das Ich
aus, Der Spiegel, 20. Dezember 2004, S. 116–120 (Streitgespräch zwischen Gerhard Roth und Eberhard Schockenhoff).
[7] Ehrenpromotionen der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, Website der Universität Luzern, abgerufen
am 8. April 2012.
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10 TEXT- UND BILDQUELLEN, AUTOREN UND LIZENZEN
10
10.1
Text- und Bildquellen, Autoren und Lizenzen
Text
• Peter Bieri Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Bieri?oldid=141441088 Autoren: Fristu, Aka, Stefan Kühn, Asthma, Mkleine, Napa, Mawa, Larf, ArtMechanic, Karl-Henner, J budissin, Urizen, Darkone, Voyager, HenHei, Catrin, Ot, Vettähylikviä, Mink95, Koerpertraining, Cepheiden, ChristophDemmer, Sammy, Redf0x, Cartaphilus, Leipnizkeks, Hadi, Rufinus, Frente, Mbdortmund, Albrecht1, David
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Bilder
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10.3
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