Neues über Goodwill und immaterielle Werte - Treuhänder

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Neues über Goodwill und immaterielle Werte - Treuhänder
RECHNUNGSWESEN
Oliver P. Pfeil, Hendrik J. Vater
Neues über Goodwill
und immaterielle Werte
Analyse der SFAS No. 141/142
Teil 2: Finanzwirtschaftliche Auswirkungen
Die neuen FASB-Standards SFAS No. 141 «Business
Combinations» und 142 «Goodwill and Other Intangible Assets» werden die Praxis der Rechnungslegung
für immaterielle Güter, ihre Bewertung und somit
letztlich die finanzwirtschaftliche Analyse nachhaltig
verändern. Nachdem in Teil 1 die wichtigsten Regelungen der neuen Standards vorgestellt wurden (ST
6-7/02, S. 585), sollen nun ihre finanzwissenschaftlichen Auswirkungen untersucht und hinterfragt werden. Vorrangig werden dabei Ertragslage und Kapitalstruktur von Unternehmen betrachtet.
1. Auswirkungen auf die
Kapitalstruktur
Bei der Bewertung der finanziellen Solidität achten Finanzanalysten vielfach
auf die in der Bilanz dargestellte Kapitalstruktur von Unternehmen. So wird
zunächst die Relation zwischen Eigenund Fremdkapital auf der Passivseite,
das unternehmerische Kapitalportfolio, analysiert [1]. Es gilt, durch die Optimierung der Kapitalstruktur, steuerliche Belastungen und Kapitalkosten
zu minimieren. Gleichzeitig ist aber
auch die fristengerechte Finanzierung
der Aktivseite der Bilanz eine wichtige Aufgabe des Finanzmanagements.
Ferner gilt es sicherzustellen, dass die
Bilanzrelationen – insbesondere die
Deckung der langfristigen Anlagen
durch Eigenkapital – nicht durch Sondereffekte oder Wertbeeinträchtigungen in Mitleidenschaft gezogen werden.
Durch die Neufassung der Goodwillund Intangibles-Bewertung in SFAS
No. 142 ist der historisch als Restgrösse
Der Schweizer Treuhänder 8/02
nicht weiter aufspaltbarer «unsichtbarer» Werte behandelte Bilanzposten
Goodwill bei einer festgestellten Wertbeeinträchtigung gar durch eine vollständige Abschreibung bedroht. Zwar
Oliver P. Pfeil, lic. oec. HSG, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Schweizerischen Institut für Banken und Finanzen
der Universität St. Gallen, Lehrstuhl
Prof. Dr. Klaus Spremann, St. Gallen
stellen Sonderabschreibungen auf
Goodwill nicht-zahlungsmittelwirksame Aufwendungen dar, jedoch beeinflussen sie dennoch die Höhe des
bilanziellen Eigenkapitals und somit
verschiedene wichtige Bilanzkennziffern. Wie dramatisch ausserordentliche
Wertberichtigungen von Goodwill die
Bilanzrelationen von Unternehmen
beeinflussen können, belegen zahlreiche Beispiele des SMI (siehe Tabelle 1).
Die Zahlen belegen, dass auch die
Kapitalstruktur grosser und solider
Unternehmen durch hohe GoodwillAbschreibungen in Gefahr geraten
kann. Die Goodwill-Relationen zeigen
das hohe Verlustpotential auf, das sich
in den Bilanzen verschiedener Unternehmen versteckt: so beziffern sich
bspw. die von Adecco im Konzernabschluss 2001 aktivierten immateriellen
Güter und der Goodwill auf 146% des
Buchwertes des Eigenkapitals, nach
141% im Jahr 2000. Absolut gesehen
wurde der bei 23 Mrd. CHF stagnierende Goodwill der CS Group in
diesem Jahr noch von Nestlé mit über
26 Mrd. CHF übertroffen. Beim weltweit führenden Nahrungsmittelkonzern machen die aktivierten immateriellen Werte sogar knapp 28,5% der
gesamten Aktiven aus und der Anteil
am Eigenkapital beträgt 84%. Dieser
Wert wird jedoch vom Anlagenbauer
ABB mit 163,8% Goodwill zu Eigenkapital weit übertroffen. Hingegen
beläuft sich der bilanzierte Goodwill
bei Swatch – sowohl in bezug auf das
Eigenkapital als auch auf die gesamten
Aktiva – auf einen verschwindend geringen Prozentanteil, obwohl gerade
dieses Unternehmen von seinen immateriellen Werten, die in diesem Fall
tatsächlich «unsichtbar» sind, profitiert. Die Swatch-Bilanz zieht in diesem Fall Nutzen aus einer restriktiven
Aktivierungspolitik, die Investoren
665
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Tabelle 1
Bedeutung von Goodwill für die Kapitalstruktur ausgewählter
Unternehmen des SMI
Unternehmen
in Mio. CHF
ABB
Adecco
Ciba
Clariant
Credit Suisse
Givaudan
Julius Bär
Lonza Group
Nestlé
Novartis
Roche Holding
Sulzer
Swisscom
UBS
Unaxis Holding
Goodwill
EK
Total Aktiva
GW/EK
in %
GW/Aktiva
in %
5 536
2 292
2 147
1 420
22 850
1 055
75
89
26 151
6 548
14 943
338
2 562
19 085
422
3 380
1 569
3 776
1 912
35 800
2 724
1 447
1 487
31 123
39 887
27 852
1189
11 341
43 530
1 641
53 412
9 323
11 718
10 141
1022 513
4180
14 860
3 686
91 868
63 550
73 876
2 760
23 538
1253 297
2 936
163,8
146,0
56,9
74,3
63,8
38,7
5,2
6,0
84,0
16,4
53,7
28,4
22,6
43,8
25,7
10,4
24,6
18,3
14,0
2,2
25,2
0,5
2,4
28,5
10,3
20,2
12,2
10,9
1,5
14,4
Daten: Thomson Financial / Datastream
jedoch erfahren (zu) wenig über den
Wert der immateriellen Erfolgstreiber,
den wichtigen Marken des Konzerns.
Bei sieben der betrachteten Unternehmen, ABB, Adecco, Ciba, Clariant,
Credit Suisse, Nestlé und Roche, beträgt der Goodwill über 50% des
bilanziellen Buchwertes – im Durchschnitt erreichen die betrachteten Unternehmen einen Wert von 55,3%. Sollten sich nun Wertberichtigungen als
notwendig erweisen, beispielsweise aufgrund gefallener Beteiligungswerte im
Internet- oder Technologiesektor, so
wären hohe Bilanzverluste zu verbuchen. Das Eigenkapital (bzw. die Neubewertungsreserven) würde dramatisch schmelzen und gleichzeitig einen
Vertrauensverlust der Kapitalmärkte
nach sich ziehen. In diesem Fall muss
damit gerechnet werden, dass sich Aktionäre von ihren Aktien trennen und
die Börsenkurse daraufhin einbrechen.
Gläubiger würden gleichsam auf der
Stellung (zusätzlicher) Sicherheiten
bestehen und dadurch die Liquiditätssituation des betroffenen Unternehmens indirekt in Mitleidenschaft ziehen. Der Fall Swissair hat erst kürzlich
die Gefahr eines schwachen Liquiditätsspielraumes deutlich vor Augen geführt: gerade im Falle schwer oder gar
nicht liquidierbarer Aktiva, wie es
666
bspw. bei Fluggesellschaften häufig
durch Leasingverträge der Fall ist, besteht ein eingeschränkter Handlungsspielraum in Krisenzeiten. Betrachtet
man die Situation der Banken, so verschlechtert sich mit der EigenkapitalRelation auch die durch die Basler
Eigenkapital-Vorschriften geforderte
Unterlegung von Krediten mit eigenen
Mitteln. Im harten internationalen
Wettbewerb könnte diese Gefahr zu
einem grossen Wettbewerbsnachteil
werden. Die beiden schweizerischen
Grossbanken Credit Suisse und UBS
sind mit hohen Goodwill-EigenkapitalRelationen von 63,8% und 43,8% in
der Übersichtstabelle 1 zu finden. Interessant ist auch die Betrachtung des
Goodwill in bezug zu den gesamten
Aktiven. Je höher diese Relation, desto
mehr ist der Erfolg des Unternehmens
von immateriellen Werten abhängig.
Aus Tabelle 1 wird ersichtlich, dass
Nestlé mit 28,5% unter den Vergleichswerten hervorsticht, gefolgt von Givaudan mit gut 25%. Ebenfalls hohe Goodwill/Aktiva-Relationen weisen Titel
der Chemie- und Pharmabranche auf,
so z.B. Roche, Clariant und Ciba.
Die Bedeutung von Sonderabschreibungen auf Beteiligungen wird häufig
vom Management heruntergespielt. So
wird vielfach argumentiert, dass es sich
bei den Wertberichtigungen um reine
Buchverluste handele, die nicht operativ bedingt seien und zudem den Unternehmenswert auf DCF-Basis [2]
mangels Cash-Flow-Relevanz nicht veränderten. Hintergrund dieser Überlegungen ist, dass Firmenkäufe in der
Vergangenheit oft mit eigenen Aktien
bezahlt wurden und somit keine Barmittel aufgewendet werden mussten.
Verschwiegen wird bei dieser Interpretation jedoch, dass durch die Kapitalerhöhungen die sich in Umlauf befindliche Anzahl Aktien erhöht wurde, was
wiederum einen negativen Einfluss auf
den Unternehmensmarktwert hatte [3].
Da sowohl die den Aktionären zustehenden Earnings per Share (EPS) als
auch ihr Stimmenanteil am Gesamtkapital verwässert wurden, haben Aktionäre eine nachhaltige Schmälerung
ihrer Entscheidungsbefugnisse und
ihrer Vermögensposition erlitten. Da
jedoch die Unternehmensbilanzen geschönt wurden, sind Investoren vielfach geschädigt worden, ohne dies überhaupt zu bemerken.
2. Auswirkungen auf
die Ertragslage
Hendrik J. Vater, Dipl.-Kfm., Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl
Prof. Dr. Giorgio Behr für Rechnungslegung, Institut für Accounting,
Controlling & Auditing (ACA) der
Universität St. Gallen, St. Gallen
Die FASB-Neuregelungen beeinflussen durch die dauerhafte Aktivierung
des Goodwill und das Verbot regelmässiger Abschreibungen auch die
Erfolgsrechnung. Betrachtet man beDer Schweizer Treuhänder 8/02
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kannte Ertragsrelationen, wie z. B.
ROI, ROCE oder EVA, so sind zwei
gegenläufige Effekte in Folge der
SFAS No. 141 und 142 festzustellen.
Durch die Nichtabschreibung des
Goodwill wird das Management gezwungen, auch auf dieses Aktivum die
von den Märkten geforderte Verzinsung zu erzielen. Gleichzeitig bewirken
die nicht mehr anfallenden GoodwillAmortisationen steigende Bilanzgewinne und lassen die Kapitalverzinsung
«automatisch» steigen. Interessant für
Beobachter des Kapitalmarktes ist
nun, ob die Erhöhung von Zähler oder
Nenner den grösseren Effekt auf die
Erfolgskennzahlen ausübt. Tabelle 2
analysiert genau diese Frage auf Basis
der Bilanzen des vergangenen Geschäftsjahres ausgewählter SMI-Unternehmen: die Neuberechnung der
ROI [4] nach den FASB-Neuregelungen, d.h. unter der Annahme, dass
Goodwill als «non-wasting Asset» in
der Bilanz verbleibt und keine Sonderabschreibungen anfallen, zeitigt bei
sämtlichen betrachteten Unternehmen
steigende Werte. Besonders starke Auswirkungen sind auf die ROI-Werte von
Adecco und Clariant zu verzeichnen,
die ihre Rentabilität um jeweils mehr
als 10% steigern können. Dieses unter
vereinfachenden Annahmen erzielte
Ergebnis verdeutlicht die steigende
Attraktivität der US GAAP auch für
nicht-amerikanische Unternehmen.
Das Ausmass der Effekte auf die Unternehmensgewinne wird aus Tabelle 3
deutlich: so hätte das Personaldienstleistungsunternehmen Adecco im vergangenen Geschäftsjahr statt eines
Verlustes in Höhe von 418 Mio. CHF
einen Gewinn von 688 Mio. CHF ausweisen können, wenn nicht Abschreibungen auf den Firmenwert des im
Jahre 2000 übernommenen US-Unternehmens Olsten das Ergebnis belastet
hätten. Durch die FASB-Neuregelungen wird sich die Situation für Adecco
jedoch dramatisch ändern: der US
GAAP-Anwender Adecco wird die
im vergangenen Jahr gewählte Amortisationsdauer von 5 Jahren nicht mehr
ausnutzen dürfen. Im Finanzbericht
2001 kündigt das Unternehmen deshalb auch bereits eine «Einsparung»
an Goodwill-Abschreibungen in Höhe
von ca. 850 Mio. CHF vor Steuern für
das kommende Geschäftsjahr an [5].
Der Schweizer Treuhänder 8/02
Tabelle 2
ROI-Werte ausgewählter SMI-Unternehmen mit und ohne
Berücksichtigung von Goodwill-Abschreibungen
Unternehmen
ABB
Adecco
Ciba
Clariant
Credit Suisse
Givaudan
Julius Bär
Lonza Group
Nestlé
Novartis
Roche Holding
Sulzer
Swisscom
UBS
Unaxis Holding
ROI alt
in %
ROI neu
in %
Differenz
in %
–2,0
–4,5
3,3
–12,2
0,2
6,6
1,7
10,9
7,5
11,1
5,1
–21,9
22,1
0,4
1,8
–1,2
6,6
4,1
1,0
0,3
8,1
1,8
11,4
8,1
11,9
7,0
–18,8
27,1
0,5
4,2
0,8
11,1
0,8
13,2
0,2
1,6
0,1
0,5
0,6
0,8
2,0
3,1
5,0
0,1
2,4
Quelle: eigene Berechnungen, Daten: Thomson Financial / Datastream
Es ist somit mit dem dauerhaften Verbleib des Restgoodwills in der Bilanz
zu rechnen, sofern die Werthaltigkeit
der übernommenen Werte nicht überschätzt worden ist. Hohe GoodwillAufwände waren im vergangenen Jahr
auch bei anderen SMI-Unternehmen
festzustellen. Bei Clariant lassen sich
bereits die Folgen der Neuregelungen
ausmachen. Nachdem im Geschäftsjahr
2000 lediglich Abschreibungen in Höhe von 125 Mio. CHF vorgenommen
Tabelle 3
Bedeutung von Goodwill für die Kapitalstruktur ausgewählter
Unternehmen des SMI
Unternehmen
ABB
Adecco
Ciba
Clariant
Credit Suisse
Givaudan
Julius Bär
Lonza Group
Nestlé
Novartis
Roche Holding
Sulzer
Swisscom
UBS
Unaxis Holding
Jahresüberschuss (JÜ)
in CHF
Goodwill-Abschreibungen
in CHF
GW-Abs.
in %
des JÜ
JÜ zzgl.
GW-Abs.
in %
–1 047 689
–418 000
390 000
–1 233 000
1 814 000
275 000
250 245
403 000
6 873 000
7 043 000
3 731 000
–605 000
5 202 000
5 317 000
53 000
398 156
1106 000
92 000
1349 000
1563 000
71 000
15 763
20 000
644 000
564 000
1553 000
72 000
1602 000
1323 000
73 000
38
265
24
109
86
26
6
5
9
8
42
12
31
25
138
–649 533
688 000
482 000
116 000
3 377 000
346 000
266 008
423 000
7 517 000
7 607 000
5 284 000
–533 000
6 804 000
6 640 000
126 000
Daten: Thomson Financial / Datastream
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Oliver P. Pfeil, Hendrik J. Vater, Neues über Goodwill und immaterielle Werte
wurden, musste das Spezialchemieunternehmen 2001 1,349 Mio. CHF abschreiben. Nach eigenen Angaben resultiert der um mehr als das 10fache
höhere Wert aus einer Anpassung der
Goodwill-Bewertung der im Jahre 2000
übernommenen BTP plc. Die Sonderabschreibung von 1,226 Mio. CHF sei,
so Clariant im Geschäftsbericht 2001,
notwendig geworden, da «Clariant die
Geschäfte der ehemaligen BTP im
Hinblick auf die künftige Generierung
von Cash-Flows neu beurteilt hat» und
nun «vorsichtigere Annahmen» getroffen hat [6]. Gleichzeitig wird den
den [7]. Auf internationaler Ebene
dürfte die Vergleichbarkeit von Geschäftsabschlüssen deshalb stark sinken, da sowohl das IASC als auch
nationale Standardsetter im Gegensatz
zu den FASB weiterhin die regelmässige Abschreibung des Goodwill verlangen. Der zu erwartende Anstieg der
ausgewiesenen Nachsteuergewinne
derjenigen Unternehmen, die nach US
GAAP berichten, wird aber den Vergleich mit sämtlichen Unternehmen,
die nach anderen Standards berichten
sowie die Unternehmensanalyse insgesamt nachhaltig erschweren.
«Eine Frage bleibt: Werden bzw. wann werden
europäische und der schweizerische Standardsetter
den amerikanischen Vorgaben nacheifern?»
Aktionären aufgrund der Sonderabschreibung eine Verbesserung des Ergebnisses im laufenden Geschäftsjahr
in Höhe von 74 Mio. CHF in Aussicht
gestellt. Nicht kommentiert wird jedoch, aus welchen Gründen sich das
Management zu einer offensichtlichen
Fehlinvestition hat hinreissen lassen,
die eine Belastung der Erfolgsrechnung
von über 1,2 Mrd. CHF im Jahresergebnis 2001 verursachte. Jedenfalls
wird den Aktionären durch die Änderung der Goodwill-Bilanzierung die
durch das Management verursachte
Wertvernichtung aufgrund überhöhter
Kaufpreisprämien klar vor Augen geführt.
3. Die internationale
Vergleichbarkeit von
Geschäftsabschlüssen
Die unternehmerische Ertragslage
kann – wie bereits in Teil 1 dieses Beitrags gesehen – durch eine geschickte
Zuteilung von derivativem Goodwill
auf einzelne Reporting Units bewusst
durch das Management gesteuert werden. Ein eventuell entstandener Abschreibungsaufwand kann nämlich
durch die implizite Aktivierung von
originärem Goodwill vermieden wer668
Aufgrund der wegfallenden Amortisationsaufwendungen ist zudem mit einer
steigenden Bedeutung von Kennzahlen wie EBITDA [8] zu rechnen, die
den Gewinn vor Sondereinflüssen
und Goodwill-Amortisationen darstellen [9]. Andere Kennzahlen, die
diese Effekte nicht berücksichtigen,
Nettogewinnkennzahlen oder EBIT,
werden hingegen an Bedeutung verlieren. Wie empirische Studien beweisen,
sinkt die Relevanz [10] von Gewinnkennzahlen ohne Berücksichtigung
von Amortisationsaufwendungen in
bezug auf Aktienrenditen nicht und
bleibt stärker, als die Aussagekraft
operativer Cash-Flows [11]. Investoren,
die im Rahmen der Unternehmensanalyse auf die Aussagekraft von Gewinnkennzahlen vertrauen, werden keine
Nachteile durch die FASB-Neuregelungen erfahren. Die Unternehmensbewertung anhand der DCF-Methode
ist von den Neuregelungen hingegen nicht betroffen. Regelmässige wie
ausserordentliche Goodwill-Abschreibungen sind nämlich nicht zahlungsmittelwirksam und beeinflussen den
Cash-Flow als Basis der DCF-Bewertung nicht [12]. Bei der Ertragsanalyse
ist ferner der erhöhte diskretionäre
Handlungsspielraum des Managements
bei der Realisierung von Verlusten zu
beachten, der durch die subjektive
Auswahl der aus dem derivativen
Goodwill zu extrahierenden Intangibles und ihre Zuordnung auf einzelne Reporting Units entsteht.
4. Aspekte der Transparenz,
Informations- und
Markteffizienz
Wichtige Kernelemente der neuen
FASB-Regelwerke sind die erhöhte
Transparenz der unternehmerischen
Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage
und die gesteigerte Verantwortlichkeit
des Managements für Fehlsteuerungen. Seitens der Unternehmen besteht
grundsätzlich die Pflicht, Sonderabschreibungen auf Goodwill und immaterielle Assets offenzulegen und zu
begründen [13]. Investoren erhalten
dadurch einen Eindruck über die strategischen und operativen Qualitäten
des Managements, denn hohe Sonderabschreibungen fällen ein negatives
Qualitätsurteil über das Management.
Die bislang aus den verschiedensten,
zumeist nicht weiter identifizierbaren
Komponenten zusammengesetzte Bilanzposition des Goodwill wird durch
die in SFAS No. 141.39 geforderte separate Aktivierung einzelner Intangibles deutlich transparenter. Fraglich
bleibt jedoch, ob der Informationsgehalt in den Märkten ausreichende Beachtung im Rahmen der Unternehmensbewertung finden wird [14]. Die
in den letzten Jahren beobachtbaren
Übertreibungen an den Börsen lassen
zumindest darauf schliessen, dass die
Kapitalmärkte wenig effizient sind und
nur diejenigen Faktoren berücksichtigen, die der Öffentlichkeit auch bekannt gemacht werden [15]. Dementsprechend ist mit einer höheren Informationseffizienz in Folge der neuen
FASB-Standards zu rechnen. Andererseits muss bedacht werden, ob die vermehrte Transparenz über Intangibles
und Goodwill nicht die in ihrer Undurchschaubarkeit liegende Vorteilhaftigkeit zerstört [16]. Es ist auch
damit zu rechnen, dass Unternehmen
vermehrt durch Sammelklagen von
Investoren bedroht werden. Die fehleranfällige Bewertung von immateriellen Gütern könnte Investoren
veranlassen, aufgrund von subjektiv
wahrgenommenen Fehl- oder FalschinDer Schweizer Treuhänder 8/02
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Oliver P. Pfeil, Hendrik J. Vater, Neues über Goodwill und immaterielle Werte
formation gegen ein Unternehmen zu
klagen [17]. Bedeutsam ist deshalb die
Schaffung umfangreicher Safe Harbour-Regeln, um Unternehmen gerade
in der Frühphase der verstärkten
Berichterstattung über immaterielle
Werttreiber zu schützen und gleichzeitig auch zu ermuntern [18].
5. Zur steigenden Bedeutung
des Intellektuellen Kapitals
Das Intellektuelle Kapital, also das in
den Unternehmen vorhandene Wissen
und Know-how, stellt eine konzeptionelle Brücke zwischen der bilanziellen
und finanzwirtschaftlichen Perspektive
auf Immaterialgüter und der strategischen Sichtweise auf immaterielle
Faktoren dar [19]. Meist werden Kennzahlenysteme finanzieller und nichtfinanzieller Indikatoren benutzt, um
eine ausgewogene Darstellung des
materiellen, finanziellen und intellektuellen Kapitals aufzuzeigen. Ziel ist
der bewusste Einsatz und Aufbau knapper Unternehmensressourcen. Zur monetären Bewertung des Intellektuellen
Kapitals wurde vielfach ein ProxyWert als Indikatorgrösse betrachtet:
die Differenz zwischen dem Marktund dem Buchwert eines Unternehmens [20]. Der Marktwert repräsentiert die vom Kapitalmarkt erwarteten
zukünftigen Geldzuflüsse, die mit
sämtlichen Ressourcen generiert werden können, während der Buchwert
den Wert der aktivierten materiellen
und finanziellen Werte darstellt. Die
Marktwert-Buchwert-Relation (M/B)
Tabelle 4
Überblick über die Marktwerte und Buchwerte ausgewählter
Unternehmen
Name
ABB
Adecco
Baloise
Ciba
Clariant
Credit Suisse
Givaudan
Holcim
Julius Bär
Kudelski
Lonza Group
Nestlé
Novartis
Swiss Life
Richemont
Roche Holding GS
Serono
SGS Surveillance
Sulzer
Swatch Group
Swiss RE
Swisscom
Syngenta
UBS
Unaxis
Zurich Financial
Daten: Reuters
670
Kurs in CHF
12.04.02
Buchwert /
Aktie
Marktwert /
Buchwert
14.95
101.25
137.75
125.75
39.45
59.70
582.00
368.50
542.00
86.30
110.50
376.50
65.20
537.00
39.50
126.25
1382.00
435.00
355.00
35.55
162.75
497.50
101.50
81.65
191.50
395.00
1.68
12.85
133.31
59.20
12.76
29.95
331.30
244.55
163.42
14.44
33.55
84.99
14.64
652.51
14.82
41.24
190.21
140.54
326.83
23.58
72.05
164.09
36.30
35.01
126.57
246.45
7.91
6.88
0.03
1.12
2.09
0.99
0.76
0.51
2.32
4.98
2.29
3.43
3.45
-0.18
1.67
2.06
6.27
2.10
0.09
0.51
1.26
2.03
1.80
1.33
0.51
0.60
bietet somit einen ersten Hinweis auf
die durch das Intellektuelle Kapital zu
erwartenden Mehrwerte in Form freier
Cash-Flows. Hervorstechend sind in dieser Betrachtung die SMI-Werte ABB,
Adecco und Serono mit M/B-Werten
von über 7 bzw. 6 (siehe Tabelle 4). Ein
negatives Intellektuelles Kapital [21]
deutet auf eine äusserst pessimistische
Markt-Einschätzung in bezug auf den
Erfolg eines Unternehmens hin. Wie
Tabelle 4 verdeutlicht, betrifft dies derzeit lediglich Swiss Life, die nach einem
starken Kursrückgang in den letzen
Monaten weit unter ihrem Buchwert
gehandelt werden. Nach einem Kursanstieg bei gleichzeitiger Verringerung
der Buchwerte pro Aktie notiert Sulzer
mit einem, wenn auch nur geringen,
aber dennoch positiven M/B-Verhältnis. Die schwere Unternehmenskrise
hatte die Kennzahl über eine längere
Phase hinweg negativ werden lassen.
Auch der Kurs der Bâloise bewegt sich
seit einiger Zeit in der Nähe ihres
Buchwertes. Die Märkte scheinen die
Zukunftsaussichten des Versicherers
nicht besonders optimistisch zu bewerten.
Eine wichtige Forschungsfrage der
Zukunft betrifft die Auswirkung der
neuen FASB-Standards auf die Bewertung des Intellektuellen Kapitals. Vermutet werden kann, dass die erhöhte
Transparenz und die Kenntnis der
Investoren über einzelne Intangibles
neben dem Goodwill zu einer veränderten Bewertungsperspektive führen
wird. Anzunehmen ist, dass den immateriellen Werten in Zukunft eine
höhere Bedeutung zukommen wird.
Dem kann jedoch entgegnet werden,
dass insbesondere bei M&A-Transaktionen auch bisher immaterielle Werte
berücksichtigt wurden. Es ist demnach
Aufgabe der Forschung, die Wertrelevanz des Intellektuellen Kapitals und
Möglichkeiten seiner Bewertung stärker herauszuheben.
6. Bewertung
In Anbetracht des grossen Handlungsspielraums, den die Unternehmen aufgrund der Vorschriften der SFAS No.
141 und 142 gewinnen, muss bei einem
geschickt agierenden Management mit
einer Verbesserung der Ertragslage
Der Schweizer Treuhänder 8/02
RECHNUNGSWESEN
Oliver P. Pfeil, Hendrik J. Vater, Neues über Goodwill und immaterielle Werte
von allen US-GAAP-Anwendern gerechnet werden. Es gilt deshalb, besondere Bedeutung auf die Auswahl und
Interpretation von Gewinnkennzahlen
zu legen. Wie das oben angeführte Beispiel von Clariant verdeutlicht, haben
Aktionäre mit der Einführung des IOA
die Möglichkeit, wertvernichtende Investitionen leichter zu erkennen als
dies bei regelmässigen Abschreibungsregimen der Fall ist. Das Management
muss sich nun vermehrt den kritischen
Fragen unzufriedener Investoren stellen. Aus finanzwissenschaftlicher Sicht
ist die verstärkte Transparenz und
Markteffizienz der neuen Standards
hervorzuheben. Durch die Entscheidung des FASB, den Goodwill zukünftig nicht mehr abzuschreiben, begeht es
zwar einen konzeptionellen Systembruch, der im traditionellen Denken
verhafteten Bilanzlesern missfallen
wird, und begibt sich ausserdem in
Widerstreit mit sämtlichen internationalen Standardsetzern. Jedoch gilt es,
lobend zu bemerken, dass materielle
und immaterielle Werte durch die Einführung des IOA gleich behandelt werden. So sind dementsprechend auch
wertvolle Marken als Cash-Flow generierende Intangibles den Bilanzen zu
entnehmen. Endlich wird der von vielen renommierten Wissenschaftlern
und Praktikern geforderte Schritt in
Richtung zu mehr Transparenz den in
der New Economy dominierenden immateriellen Werttreibern Beachtung
geschenkt [22]. Eine Frage bleibt: Werden bzw. wann werden europäische
und der schweizerische Standardsetter
Der Schweizer Treuhänder 8/02
den amerikanischen Vorgaben nacheifern?
7. Zusammenfassung
Die Einführung des IOA in den neuen
FASB-Richtlinien beeinflusst sowohl
die Bilanzpraxis als auch die finanzwirtschaftliche Bewertung von Unternehmen. Besonders die Kapitalstruktur
und die Ertragslage von Unternehmen
werden von den revolutionären Änderungen betroffen. Eine Anwendung des
IOA auf schweizerische SMI-Unternehmen zeigt, dass auch grosse Unternehmen durch hohe Sonderabschreibungen auf Goodwill in der Solidität
ihrer Kapitalstruktur gefährdet sind.
Gleichzeitig profitieren nach US
GAAP bilanzierende schweizerische
Unternehmen von steigenden Gewinnausweisen und auch von steigenden
ROI-Werten. Fallende ROI sind aufgrund der Neuregelungen hingegen
nicht zu ermitteln. Aufgrund der tendenziell steigenden Gewinnkennzahlen ist mit einem verstärkten Interesse
schweizerischer Unternehmen an der
US GAAP zu rechnen.
Die finanzwirtschaftlichen Auswirkungen der neuen SFAS No. 141 und No.
142 sind teilweise gegenläufiger Natur,
da einerseits das zu verzinsende Kapital ansteigt, andererseits jedoch ein
allgemeiner Trend zu höheren Erfolgsausweisen und Gewinnkennzahlen zu
beobachten sein wird. Deswegen wird
die Nichtvergleichbarkeit von Ab-
schlüssen, die auf unterschiedlichen
Standards basieren, zu einer Ausrichtung auf Erfolgsgrössen und Kennzahlen führen, die nicht durch unterschiedliche Bilanzierungstechniken verzerrt
werden. Besonderer Bedeutung wird
wohl der EBITDA-Kennzahl zukommen, die bereits heute eine rapide steigende Verbreitung erfährt.
Insgesamt führt die verstärkte Beachtung der immateriellen Werttreiber
durch die Pflicht zu Extraktion und Bewertung einzelner Intangibles zu einer
stärkeren Beschäftigung mit dem noch
jungen Gebiet des Intellektuellen Kapitals [23]. Das Intellektuelle Kapital,
das das im Unternehmen vorhandene
Wissen repräsentiert, kann durch die
Entdeckung verfeinerte Proxy-Verfahren an Bedeutung gewinnen. Es gilt
deshalb, monetäre und nicht-monetäre
Kennzahlen zu entwickeln, die den
Wert der wichtigsten Unternehmensressource genauer approximieren.
Anmerkungen
1 Vgl. zu den Grundlagen der Kapitalstruktur:
Spremann/Pfeil/Weckbach (2001), S. 260ff.
2 Zur Erläuterung der DCF-Methode im Rahmen des Wertmanagement, vgl. Spremann/
Pfeil/Weckbach (2001), S. 20 ff. und S. 172ff.
3 Vgl. Herz/Hussla (2001), S. 12.
4 Zum ROI, siehe Spremann/Pfeil/Weckbach
(2001), S. 397.
5 Vgl. Adecco Geschäftsbericht 2001: Finanzbericht, S. 5.
6 Vgl. Clariant Geschäftsbericht 2001, S. 52.
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RECHNUNGSWESEN
Oliver P. Pfeil, Hendrik J. Vater, Neues über Goodwill und immaterielle Werte
7 Vgl. Pellens/Sellhorn (2001b), S. 718f.; Pellens/Sellhorn (2001a), S. 1685f.
8 Earnings before Interest, Taxes, Depreciation
and Amortization.
9 Vgl. Alich (2001), S. 31; Pellens/Sellhorn
(2001a), S. 1681f.
10 Im Sinne einer höheren, statistisch signifikanten Korrelation mit Aktienrenditen.
11 Vgl. Moehrle/Reynolds-Moehrle/Wallace
(2001), S. 248 ff.
12 Vgl. Stauber/Ketterle (2001), S. 962.
13 Vgl. SFAS No. 142.47.
14 Vgl. Pellens/Sellhorn (2001a), S. 1689.
15 Vgl. Gu/Lev (2001), S. 3.
16 Vgl. Blair/Wallmann (2001), S. 37.
17 Vgl. Cohausz/Mävers/Moerschen (2001), S.33.
18 Vgl. Blair/Wallmann (2001), S. 70f.
19 Das Standardwerk über das Intellektuelle
Kapital am Beispiel des schwedischen Versicherers Skandia bieten Edvinsson/Malone
(1997); siehe auch Spremann/Pfeil/Weckbach
(2001), S. 245ff.
20 Vgl. Edvinsson/Malone (1997), S. 13.
21 In Tabelle 4 wird ein negatives Intellektuelles
Kapital durch einen unter dem Buchwert pro
Aktie liegenden Marktwert (Aktienkurs) signalisiert.
22 Anstatt vieler: Lev (2001), S. 79ff. (Lev, Professor für Accounting an der New York University, gilt als Vorreiter einer stärkeren Kon-
zentration auf das Intellektuelle Kapital von
Unternehmen. In seinem Buch Intangibles
legt er die gesammelten empirischen Beweise
für die Wertrelevanz immaterieller Werte
überzeugend dar. Er folgert daraus die Notwendigkeit der stärkeren Integration von
Informationen über Intangibles in den Bilanzen.)
23 So auch Blair/Wallmann (2001), S. 40f.
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RESUME
Du nouveau à propos du goodwill
et des valeurs incorporelles
L’introduction de l’approche «impairment only» (IOA) dans les nouvelles
directives du FASB a des répercussions tant sur l’établissement des bilans que sur l’évaluation économique
et financière des entreprises. En particulier, la structure du capital et les résultats des entreprises subissent des
modifications révolutionnaires. L’application de l’IOA dans les petites et
moyennes entreprises montre que,
même dans les grandes entreprises,
des amortissements spéciaux sur le
goodwill peuvent mettre en péril la
solidité de la structure du capital. Parallèlement, les entreprises suisses qui
établissent leur bilan conformément
aux normes US GAAP profitent de
l’accroissement des bénéfices déclarés
et des valeurs ROI. Les nouvelles
réglementations n’obligent pas en
revanche à établir les ROI en baisse.
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Compte tenu de la tendance à la hausse des ratios concernant les bénéfices,
on peut prévoir que les entreprises
suisses seront de plus en plus intéressées par les normes US GAAP.
Les répercussions financières et économiques des nouvelles directives du
SFAS nos 141 et 142 sont en partie
contradictoires car, d’une part, le capital à rémunérer progresse, alors que,
d’autre part, on observe une tendance
générale à la hausse des résultats
comptabilisés et des paramètres du
bénéfice. De ce fait, l’impossibilité de
pouvoir comparer des clôtures qui
sont établies sur des standards différents conduit à une orientation des
résultats et des chiffrent repères qui
ne peuvent pas être redressés par des
techniques différentes dans l’établissement du bilan. Le ratio EBITDA
acquerra à coup sûr une importance
que laisse présager la propagation rapide qu’il connaît déjà aujourd’hui.
Dans l’ensemble, une attention accrue
vouée aux agents générateurs de valeurs immatérielles, conditionnée par
l’obligation d’extraire et d’évaluer
certaines valeurs incorporelles, induira une occupation accrue dans le
domaine encore récent du capital intellectuel. Le capital intellectuel, qui
représente le savoir-faire d’une entreprise, peut gagner en importance
grâce à la découverte d’une procédure
«Proxy» affinée. Il s’agit donc de développer des paramètres qui permettent de fixer avec précision la valeur
de la ressource principale de l’entreprise.
OPP/HJV/MA
L’Expert-comptable suisse 8/02