Lust auf Wildwest

Transcription

Lust auf Wildwest
urlaub!
Reise-Extra
OKTOBER 2011
Wüste & Meer:
Vom Oman auf
die Malediven
Luxus für alle!
Golfen in Vietnam
Auswärtsschläfer:
Tipps eines
Hotel-Dauergasts
Schauspielerin
Alexandra Kamp auf
der „Apache Spirit
Ranch“ in Arizona
Lust auf
Wildwest
Indianer und Cowboys: Warum eine Ranch im Süden Arizonas
ein Sehnsuchtsort für Urlauber aus Deutschland ist
Fotos: Corbis, R. Castka/Spor tpixgolf.com Apache Spirit Ranch
URLAUB
Länder-Hopping: erst Oman, dann Malediven – und andere Traumkombinationen
Tief im Western: Ein Deutscher hat in
Arizona eine Ranch für Gäste gebaut
Südostasien (hier: „Thai Country Club“
in Bangkok) wird zum Traumziel für Golfer
Arizona: Wilder Westen made in Germany ...........................................................................................
4
Kofferpacken: Patrick-Louis Vuitton über die feine Art des faltenfreien Reisens ............................... 10
Die neuen Weltmeister: Warum machen so viele Chinesen in Deutschland Urlaub? ......................... 12
Wüste & Meer: Erst Kultur, dann Strand – diese Ziele lassen sich gut kombinieren ........................... 16
Reise-Apps: Kleine Helfer auf dem Smartphone ................................................................................... 21
Auswärts essen: FOCUS-Korrespondenten und ihre Lieblingsrestaurants ......................................... 22
Prämienmeilen: Die besten Methoden gegen den Statusverlust ......................................................... 24
Golfen: Nirgendwo spielt man luxuriöser als in Südostasien ................................................................ 26
Höllenfahrt: US-Reporter Carl Hoffman reist auf gefährlichen Wegen um die Welt ............................ 32
Fremdschläfer: Der Brite Paul Carr wohnt immer im Hotel – und gibt ein paar Tipps ....................... 34
Trends: Mehr Luxus, mehr Platz, mehr Wellness .................................................................................. 36
Mein New York: Star-Geiger David Garrett über Verführungskünste und russisches Essen .............. 38
FOCUS „urlaub!“
FOCUS Magazin Verlag GmbH, Arabellastraße 23, 81925 München, Postfach 81 03 07, 81903 München, Telefon: 0 89/92 50-0, Fax: 0 89/92 50 - 20 26
Herausgeber: Helmut Markwort
Chefredakteur: Uli Baur
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Konzeption & Redaktion: Ellen Daniel, Barbara Jung-Arntz,
Stefan Ruzas
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Jobst-Ulrich Brand, Claudia Frickel, Imke Henkel, Susann Remke,
Dorothea Rieker, Marika Schaertl, Noelani Waldenmaier
Titel/Grafik: Kristina Runge
Infografik: Ulrich Gerbert, Stefan Hartmann
Bildredaktion: Rüdiger Schrader; Edith Eberl
FOCUS-Dokumentation/-Schlussredaktion
FOCUS 41/2011
Herstellung: Helmut Janisch, Christoph von Schiber
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Redaktionstechnik: Ingo Bettendorf; Kai Knippenberg
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3
URLAUB
Tief im
WESTERN
Peter Stenger führt ein erstaunliches Doppelleben. In Deutschland ist er Finanzplaner
und Familienvater – im Süden von Arizona hat er eine Ranch im Stil des Wilden Westens gebaut
4
FOCUS 41/2011
Fotos: Arizona Spirit Ranch
Cowboy und Indianer
Ranch-Gründer Stenger
(Mitte) mit den beiden
Apachen Jon (r.) und
Joe (l.) und einem Cowgirl
vom Stamm der Cherokee
5
URLAUB
Z
wanzig gehäufte Löffel Kaffeepulver
braucht die Sonne, um aufzugehen.
Genau 20 Löffel. Wie jeden Morgen
entfacht Jack Wheeler – schwarzer
Cowboyhut, goldglänzende Gürtelschnalle – das Lagerfeuer, streift ein Paar Handschuhe über seine Finger und hängt die blaue
Emaillekanne an das gusseiserne Dreibein über
die Flammen. Wie jeden Morgen kocht er einige
Löffel aus der braunen Papiertüte mit der Aufschrift
„Arbuckles’ Ariosa Coffee“ mit kaltem Wasser
auf, nimmt die Kanne vom Feuer, rührt geduldig
um, bis sich das braune Mehl auf dem Boden der
Kanne absetzt, und gibt abermals gehäuften Kaffee
und Wasser hinzu. Jeder Handgriff ist Selbstverständlichkeit, alles hat seinen Platz, auch die Sonne
am weit entfernten Horizont.
Pünktlich um sieben Uhr kommen
die erste Gäste der „Apache Spirit
Vorsicht, heiß!
Ranch“ aus ihren Häusern, grüßen
Jack kann nicht nur Feuer und Kaffee
karg, setzen sich auf die Holzbänke
machen, sondern auch singen
rund um das Feuer und warten, bis
Jack ihnen den glühend heißen
Die Menschenflüsterer
Kaffee in die zur Kanne passenden
Zurzeit sind 20 Pferde auf der
Tassen gießt. Plötzlich ist ein CowRanch, bald werden es 27 sein
boy-Coffee zum Sonnenaufgang
etwas völlig Normales und Angemessenes. Hier in Cochise County
im Süden des US-Bundesstaats
Arizona, rund 1500 Meter über dem Meer. Nach
zwei Tassen und wenig mehr Worten reiten einige
der Gäste erst einmal aus, gemeinsam mit Eunice,
dem blonden Cowgirl. Natürlich heißt eines ihrer
Pferde Sunrise, wie sonst.
Zum Frühstück, das im Haupthaus der Ranch
angerichtet ist, werden die Reiter wieder zurück sein. Vorher aber geht es auf den Tieren im
Morgenlicht durch die Hochwüste, die früher
das Land der Apachen war. Vorbei an knorrigen
Mesquitebäumen, Kakteen und staubigen Sträuchern, hinein in die Washes, wie die ausgetrockneten Bachläufe genannt werden. Und die sind
allemal gut für einen ersten Galopp.
Peter Stenger ist einfach sitzen geblieben am
Feuer. Er ist der Chef der Ranch, ihr Erfinder
und Mitbesitzer. Eigentlich ist der dreifache Vater
aus Hohenbrunn bei München selbstständiger
Finanzfachmann und Mitglied im Verband der
Ruhestandsplaner. Mit der Ranch hat sich der
47-Jährige einen Jungentraum erfüllt. Winnetou
sei der Held seiner Kindheit gewesen, sagt er, unzählige Bücher von Karl May habe er damals verschlungen – und noch viele mehr über Indianer.
Mehr als 20 Jahre war all das nahezu vergessen, irgendwie, bis Stenger im Jahr 1999 nach
einem Praktikum bei einer Immobilienfirma im
texanischen Dallas auf einmal Lust hatte, Büffel zu
sehen, echte Bisons eben. Der Deutsche quartierte
6
Fotos:Stefan Ruzas/FOCUS-Magazin, Arizona Spirit Ranch (2)
sich auf einer Ranch ein und lernte bei seinen
ersten Ausflügen in die Wildnis von New Mexico
Joe Saenz kennen, einen echten Apache-Indianer,
der eigentlich Wolfshorse heißt. In den Jahren danach kehrte der Mann aus Bayern immer wieder
zu Saenz zurück, um mit ihm nach WinnetouArt tagelange Touren auf dem Pferd zu machen,
um das Reiten richtig zu lernen, das Schlafen unter
freiem Himmel und vieles mehr. Schon als Junge,
mit der Taschenlampe unter der Bettdecke, war
Stenger lieber Indianer als Cowboy.
Dann kam der 2. Oktober 2007, der Tag, an dem
Saenz mit Stenger zurück zum Flughafen El Paso
in New Mexico fuhr. Am Straßenrand stand ein
Schild, dass Land verkauft würde. „Wenn ich mal
eine Ranch habe, würdest du dann für mich arbeiten?“, fragte der Deutsche den Apachen. Und
Joe sagte einfach so ja. Weil er ihm, dem Deutschen, vertrauen würde. „Das hat mich einfach
nicht mehr losgelassen“, erinnert sich Stenger.
Seiner Frau erzählte er davon sofort nach seiner
Rückkehr. Auf dem Münchner Oktoberfest.
Erst sollte es eine private Farm samt Rinderzucht sein, dann, als immer mehr Freunde auch
Gäste sein wollten, entwickelte es sich zu einem
größeren Projekt und einer Geschäftsidee. Monatelang stöberte Stenger im Internet, zwölf Grundstücke schaute er sich gemeinsam mit seinem
Apachen-Freund Joe an, bis er nach Tombstone
kam, einem kleinen, nostalgieversunkenen Ort,
der bis heute vom zweifelhaften Ruhm einer der
bekanntesten Schießereien des Wilden Westens
lebt. Die Erinnerung an die ballernden Helden
namens Wyatt Earp oder Doc Holliday, die schon
Dutzende Male in Hollywood-Filmen variiert
wurde, lockt bis heute jährlich eine halbe Million
Besucher in die Siedlung an der State Route 80,
die bis an die nahe mexikanische Grenze führt.
„Wenn, dann hier, Peter!“, sagte Joe, als sie auf
einem 110 Hektar großen Gebiet drei Meilen
außerhalb von Tombstone standen. Warum?
„Hörst du nicht die Vögel singen?“, fragte Joe.
Das war im August 2008. Seit dem Herbst vergangenen Jahres steht dort ein komfortables und mit
viel Detailliebe eingerichtetes Resort im Stil einer
Westernstadt. Fast sechs Millionen Dollar hat die
Ranch gekostet, die Stenger gemeinsam mit amerikanischen und deutschen Partnern gebaut hat.
17 Gästehäuser sind es, und jedes ist anders:
„Wells Fargo Bank“ heißt das eine, „Wyatt Earp
Suite“ das andere. Besonders beliebt bei Gästen sei das plüschige „Bordello“,
so Stenger, oder auch das Luxusgefängnis namens „Jail“. So manStatt Sattel
ches ist gar deutsche Wertarbeit:
FOCUS-Redakteur Ruzas pausiert auf
„Alle Türen, alle Fensterrahmen,
der Veranda der „Apache Spirit Ranch“
sogar den kompletten Saloon hat
mein Schwager in Deutschland
FOCUS 41/2011
»Wenn, dann hier, Peter!
Hörst du nicht
die Vögel singen?«
Apache-Indianer Joe Saenz 2008 bei der Landbesichtigung
7
URLAUB
Diner for more
Abends serviert der
kundige Koch Arturo
Delgado seinen Gästen
auch mal frittierten
Kaktus oder Bisonsteaks
Von der Kunst, ein Cowboy zu werden
NEVADA
Las Vegas
8
150 km
UTAH
Grand
Canyon
Monument
Valley
A R I Z O NA
Scottsdale
Cowboy College
PHOENIX
Tombstone
„Apache Spirit
Ranch“
STEFAN RUZAS
Übernachtung pro Person/Tag inkl. Vollpension,
Ausritte und Ranch-Unterhaltungsprogramm ab 150 Euro,
10-Nächte-Paket (eine Nacht gratis) ab 1345 Euro,
Flüge, u. a. American Airlines, nach Tucson ab 700 Euro
LEHRER WACHMAN
NACH DEM PAUKEN IN DEN POOL
NEW MEXICO
Ein 1-Tages-Kurs kostet rund 330 Euro,
der 6-Tages-Kurs rund 1650 Euro.
Übernachtungstipp: „Four Seasons Resort
Scottsdale“, Übernachtung p. P. ab 95 Euro
M E X I KO
FOCUS 41/2011
Fotos:Stefan Ruzas/FOCUS-Magazin (2) Arizona Spirit Ranch
EINE KUH ZU UMZINGELN und – auf einem Pferd sitzend – einzufangen ist
gar nicht so einfach. Nicht mal wenn
die Kuh eigentlich nur eine schwarze
Plastiktonne ist. Es ist eine der ersten
Lektionen in dem 1990 gegründeten
Cowboy College in Scottsdale bei
Phoenix. Leiter der ein- bis sechstägigen Kurse ist Rocco Wachman. Er gilt
amerikaweit als einer der bekanntesten Vorzeige-Cowboys. Interessierte
Frauen und Männer lernen all das,
was ein Westler einfach können muss:
nicht nur das Reiten und Behufen von
Pferden, sondern auch Rinderzucht,
das Führen einer Ranch und die Reparatur von Zäunen. In dem sechstägigen Seminar mit maximal acht Teilnehmern geht es nach drei Tagen in die
Prärie und die umliegenden Berge,
geschlafen wird unter freiem Himmel.
KALIFORNIEN
geschreinert“, erzählt der Neu-Rancher. Die
Wände in den Themenzimmern zieren Tapeten
mit viktorianischen Mustern, die Schränke sind
aus dunklen Hölzern, auf den Kommoden finden sich neben alten Reit-Accessoires auch ein
ganz moderner Flachbildschirm und eine ganz
moderne Kaffeemaschine. Sogar freien InternetZugang gibt es, bei Bedarf auch am sichtgeschützten Swimming-Pool samt Jacuzzi – gleich
neben dem Haupthaus „Old Trappmann Saloon“.
Dort werden gekühlte Getränke gereicht, nach
den Reitstunden zum Beispiel oder nach anderen Beschäftigungen wie Lassowerfen, Revolverschießen oder einer Trekkingtour durch die imposanten Dragoon Mountains.
Nein, eine „Working Ranch“ sei der Wilde Westen made in Germany nicht, betont Stenger, auch
kein idealer Ort für allzu besessene Reiter. Eher
ein Sehnsuchtsort für wildromantische Abenteurer, Paare etwa, die wie er selbst die Stille und
Weite des Landes genießen. Und ein Treffpunkt für
Menschen, die sich auch für das Chiricahua-Camp
mit den Strohzelten – Wikiups genannt – interessieren, das mit der Main Street der Gästehäuser
durch eine symbolhafte Brücke verbunden ist.
Das Indianische bleibt seine Herzenssache. Nicht
nur wegen der indianischen Energiemassagen, die
er auf der Ranch anbietet, oder der Pferdebemalungen und Touren entlang alter Indianerpfade.
Gemeinsam mit Charlie „Onehorse“ Hill, einem
Yaqui-Indianer, offeriert Stenger seit Kurzem auch
„Vision Quests“, mehrtägige Reisen in die Einsamkeit, die in der Kultur der Indianer als Übergangsritual den Eintritt ins Erwachsenenalter markieren.
Am wichtigsten aber: Joe kommt, Stengers
Apache und Wildnisführer. Anfang November
zieht er mitsamt seinen sieben Pferden von Silver
City in New Mexico auf Stengers Ranch, um dort zu
leben und zu arbeiten. Er hat gefehlt.
■
URLAUB
Die
feine Art
des
faltenfreien
Reisens
è
Ihr Butler hat geerbt und
ist auf und davon?
Lernen Sie selbst, Koffer
professionell zu packen.
Patrick-Louis Vuitton hat Tipps
é
ê
W
ELLEN DANIEL
10
Foto: Mazen Saggar
ë
Illustration: J.Dommel/FOCUS-Magazin
enn Sie zu den Menschen gehören, die mit großem Gepäck aus
dem Haus Vuitton verreisen,
dann blättern Sie jetzt einfach weiter. Wer
seine Garderobe in eleganten Schrankkoffern verstauen kann, hat keine Faltenprobleme. Falls Sie dagegen mit Handkoffer
oder Reisetasche auskommen müssen,
kennen Sie das Problem: Gerade noch
frisch gebügelt, sehen weiße Hemden
plötzlich aus wie die vergessenen Butterbrottüten im Schulranzen der Kinder.
Patrick-Louis Vuitton, Ururenkel und
Koffermacher, beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Frage, wie Menschen
ihre Dinge von A nach B transportieren
und dabei gut aussehen können. Wir finden: Seine Tipps gehören ins Curriculum
einer jeden englischen Butlerschule. Und
haben das Wichtigste in dieser Anleitung
zusammengestellt. Persönlich ist Vuitton
zwar viel unterwegs, aber nicht aus Leidenschaft, wie er FOCUS verriet: „Der
schönste Moment beim Reisen ist doch,
wenn man wieder nach Hause kommt.“
Die Ansicht muss man nicht teilen, um
vom Amateur zum Profi zu avancieren.
Rein koffermäßig gesehen.
■
FOCUS 41/2011
Oberste Lage
empfindliche Materialien:
•
•
•
•
Hemden/Blusen
Abendgarderobe
Jacken/Mäntel
Seidentücher/Krawatten
é Die Hemden sollten gefaltet werden.
è Stellen Sie die Kragen der Hemden auf.
Versuchen Sie, das Gewicht Ihrer
Kleidungsstücke gleichmäßig zu verteilen.
Stopfen Sie Jacken- und Mäntelärmel
mit Seidenpapier aus.
Mittlere Lage
so gut wie knitterfrei:
• Hosen/Röcke
• T-Shirts/Lingerie
• Twin-Sets/Pullover
ê Rollen Sie T-Shirts
zusammen.
ë Strümpfe und Socken
füllen zusammengerollt Zwischenräume.
Vermeiden Sie scharfes
Knicken der Stoffe.
Patrick-Louis Vuitton
Koffermacher in fünfter Generation
Unterste Lage
schwere und sperrige Gegenstände:
í
•
•
•
•
Schuhe
Bücher
Kosmetikbeutel
Ladekabel
í Packen Sie schwere Gegenstände auf die den
Griffen entgegengesetzte Seite des Koffers.
Füllen Sie die Zwischenräume mit Seidenpapier.
Die Lagen sollten eben bleiben.
FOCUS 41/2011
11
URLAUB
Shoppen, Schweinebraten . . .
Chinesen reisen sehr gern – und außerdem läuft die Wirtschaft gut. Bis etwa
1980 war das Land ja verschlossen, und
die meisten Leute waren bitterarm. Heute
wollen vor allem Ältere Erfahrungen
nachholen. Viele Airlines haben diese
Entwicklung vorausgesehen und ihre
Flüge aufgestockt. Seit diesem Frühjahr
fliegen wir auch erstmals mit Chartermaschinen von Peking nach Zürich.
Dazu kommt, dass der Wechselkurs sehr
günstig ist und der Yuan permanent aufgewertet wird. Und eines machen Chinesen noch lieber als reisen: shoppen.
Was kaufen die denn so in Deutschland?
Markensachen made in Germany:
12
Reiseveranstalter
Mang Chen erklärt,
warum immer mehr
Chinesen in Deutschland
Urlaub machen
Messer, Geschirr, Kochtöpfe, Schmuck,
vor allem Uhren. Ein chinesischer Urlauber gibt durchschnittlich mehr als
500 Euro in Deutschland aus. Die Ausflüge ins Shopping-Center gehören zu
den Höhepunkten unserer Rundreisen.
Und was schauen sich Ihre Kunden
außer Shopping-Center noch an?
München, Neuschwanstein, den Kölner
Dom und Berlin. Danach fahren sie weiter nach Frankreich, Italien und in die
Schweiz. Das sind die beliebtesten Länder, Deutschland steht auf Platz vier.
Warum sind gerade diese Länder so beliebt?
Unsere Schüler lernen viel über Frankreich und Italien, diese Länder sind
in China einfach sehr bekannt. Die
Schweiz wiederum hat wahnsinnig
viel in Werbung investiert. Sie gilt als
Gegensatz zu China, das mit seinen
vielen Menschen und dem lebhaften
Lebensstil ja ganz schön anstrengend
sein kann. In der Schweiz wohnen
kaum Menschen in einer wunderschönen Landschaft. Diese Ruhe! Das ist
faszinierend für Chinesen.
Also besuchen Ihre Gruppen halb
Europa in zehn Tagen?
FOCUS 41/2011
Foto: Wolf Heider-Sawall/FOCUS-Magazin
100 Millionen Ihrer Landsleute werden
2020 pro Jahr im Ausland unterwegs sein,
so prognostiziert die Welthandelsorganisation. Ist China neuer Reiseweltmeister?
. . . und dann
diese Ruhe!
Der Reise-Chinese
Mang Chen, 51
Seine 1993 gegründete Firma
Caissa Touristic ist eine der führenden Veranstalter für Reisen von und
nach China. 20 000 Chinesen reisen
jährlich mit Caissa nach Deutschland.
Mang versteht sich auch als Kulturvermittler: Als Jugendlicher begeisterte er sich für die Musik Beethovens und brachte sich autodidaktisch
Deutsch bei. Später begleitete er
deutsche Reisegruppen durch China.
Heute lebt er in Hamburg und betreibt neben Caissa Touristic ein
Fortbildungszentrum für chinesische
Manager und eine Reiseleiterschule.
Das war früher so. Acht Länder in zehn
Tagen war Standard. Heute kommen
viele ein zweites Mal und bleiben dann
auch eine Woche in einem Land. Und
in Zukunft werden mehr Chinesen individuell durch Europa reisen. Die junge
Generation spricht sehr gut Englisch
und mag keine Gruppenreisen.
Sie organisieren auch China-Reisen für Deutsche. Reisen Deutsche anders als Chinesen?
Chinesen sind wie Kindergartenkinder,
sie brauchen 24 Stunden am Tag einen
Reiseleiter. Deutsche dagegen sind sehr
gut vorbereitet, reisen selbstständiger
und sind auch mal allein unterwegs. Außerdem wollen sie landestypisch essen.
Und die Chinesen?
Die wollen überall chinesisch essen.
Außer in München, da gibt es Schweinebraten und Bier im Hofbräuhaus.
Bieten Sie noch Ihre legendären Touren für
Selbstfahrer auf der deutschen Autobahn an?
Nicht mehr. Es gab zu viele Nachahmer,
die das Ganze übertrieben haben. Die
sind mit 50 Chinesen über die Straßen
gebrettert, ohne Vorbereitung. Das totale
Chaos. Wir haben unsere Kunden damals schon in China mit den deutschen
Verkehrsregeln vertraut gemacht, dann
haben wir in Deutschland fahren geübt, bevor wir – natürlich mit Begleitung
– auf der Autobahn gefahren sind. Ein
echtes Highlight! Vor zehn Jahren gab
es in China ja noch nicht so viele gute
Autos. Mittlerweile haben die meisten
selbst ein Fahrzeug, und das chinesische
Verkehrsnetz ist prima ausgebaut.
Chinesische Touristen haben in Deutschland
keinen allzu guten Ruf. Die Regierung
in Peking hat vor einiger Zeit sogar Benimmkurse für Reisende angeboten.
Das war auch nötig. Viele haben auf
den Boden gespuckt, Essensreste unter den Tisch geworfen und sich
WACHEN SIE AUF UND
TRÄUMEN SIE WEITER.
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URLAUB
So schön hier Schloss Neuschwanstein gehört zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten chinesischer Touristen – neben Einkaufszentren
Machen denn Deutsche in China
immer alles richtig?
Ehrlich gesagt, ja. Den Touristen muss
ich ein Kompliment machen. Anders
sieht es mit Geschäftreisenden aus.
China ist für die deutsche Wirtschaft ein
schwieriger Partner. Viele Firmen haben große Probleme, weil sie die Sitten
nicht kennen. Wir überlegen gerade,
wie wir als Reiseunternehmen und Kulturvermittler deutschen Firmenvertretern helfen können, die chinesischen
Gepflogenheiten besser zu verstehen.
Auch in Ihrer Branche gab es Schwierigkeiten: Europäische Reiseveranstalter haben
sich vom Markt zurückgezogen, weil sie
gegen die Kampfpreise der chinesischen
Pauschalreisen-Anbieter keine Chance hatten.
Die chinesische Bevölkerung ist sehr
preisbewusst und handelt gern. Dadurch kam es zu einer richtigen Preisschlacht. An diese Mentalität sind die
europäischen Anbieter nicht gewöhnt.
Reisen denn auch mehr deutsche Touristen nach China?
14
Die Chinesen kommen!
2,0
Übernachtungen –
aktuelle und langfristige
Entwicklung (ohne Camping)
in Millionen
1,5
1,0
0,5
Prognose
2001
03
05
07
09 10
…
0,0
2020
Und zwar in Massen In den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl der
chinesischen Übernachtungsgäste in
Deutschland um 100 Prozent. Bis 2020
erwartet die Deutsche Zentrale für
Tourismus eine weitere Verdoppelung
Nein. Leider werden zu wenig individuelle Touren angeboten. Wir nehmen nächstes Jahr zum Beispiel wieder
kulinarische Reisen in unser Programm.
Esssen ist ja auch Kultur. Außerdem
werden wir Kunstreisen für Sammler anbieten. Die Preise für chinesische Kunst sind in den letzten Jahren
extrem gestiegen und damit auch das
Interesse daran.
Der Umgang Pekings mit kritischen Künstlern, zuletzt mit Ai Weiwei, stößt weltweit
auf Kritik. Wie sehen Sie die politische
Entwicklung in Ihrem Heimatland?
China wird sich öffnen und demokratisieren. Aber wir haben eine andere
Kultur als Europa mit seiner jahrhundertealten demokratischen Tradition.
Der Konfuzianismus Chinas ist das Gegenteil einer demokratischen Staatsform, jeder hat seine Rolle auszufüllen.
Individualität wird nicht geschätzt. Ein
Land mit 1,3 Milliarden Menschen zu
demokratisieren ist ein langer Weg, der
nicht in Anarchie und Chaos enden darf.
Aber China wird diesen Weg gehen. ■
INTERVIEW: BARBARA JUNG
FOCUS 41/2011
Foto: ddp
riesige Portionen auf den Frühstücksteller geladen. Dank dieser Benimmkurse ist das schon besser geworden.
URLAUB
Sandmeer &
Erst arabische Kultur im Sultanat Oman,
Länder-Hopping ist Urlaub für Fortgeschrittene
OMAN
Land: Wer Stille und
Weite sucht, findet sie in
der Wahiba-Wüste.
Die Beduinen-Heimat
wird gerade erst für den
Tourismus erschlossen
16
Meerblick
dann an die Traumstrände der Malediven:
– und öffnet die Augen für die Vielfalt unserer Welt
Iran
Pakistan
Maskat
Saudi-Arabien
Oman
Indien
MALEDIVEN
See: Die Inseln im
Südmale-Atoll lassen
sich am besten
per Wasserflugzeug
erreichen – traumhafte
Aussicht inklusive
Malediven
FOCUS 41/2011
Male
Fotos: laif, Corbis
Sri Lanka
URLAUB
D
ie Insel mitten im Indischen
Ozean lässt sich zu Fuß in einer Viertelstunde umrunden.
Der feine weiße Sand ist warm,
und die untergehende Sonne glüht so golden hinter den Palmen hervor, als wolle sie
gemeinsam mit dem türkisfarbenen Meer
auf eine Panoramatapete. Ein kleines Paradies, das noch charmanter wirkt, wenn
man am Tag zuvor durch karge arabische
Gebirgslandschaften gefahren ist. Traumstrände hier, surrealistische Felsformationen da – der Gegensatz ist so erstaunlich,
dass man sich fragt, wie beides gleichzeitig auf unseren Planeten passt.
Heute Oman, morgen Malediven. „Reisende sind anspruchsvoller geworden“,
sagt Philippe Piscol, Geschäftsführer von
Radermacher Reisen. Das Unternehmen
hat sich mit seinen Angeboten auf diese
wachsende Kundschaft spezialisiert: Urlauber, die nicht nur am Strand liegen, sondern die Welt sehen wollen. Zu viel Kultur
soll es aber auch nicht sein, schließlich ist
Urlaub. „Gerade bei Fernreisen lohnt es
sich, zwei Ziele miteinander zu verbinden.
Viele Länder lassen sich im direkten Vergleich intensiver erfahren“, so Piscol. Ein
klassisches Stop-over-Ziel wie Hongkong
18
Kuh sucht Käufer
Der Viehmarkt in der
omanischen Oasenstadt
Nizwa ist wie ein Ausflug
in Sindbads Zeiten –
und natürlich Männersache
oder Singapur (siehe Seite 20) ist das Sultanat Oman allerdings nicht: Fünf Tage sollte
man mindestens einplanen, bevor es Richtung Malediven weitergeht.
Der Oman ist Orient für Einsteiger. Die
Frauen tragen Kopftuch, gehen aber selbstbewusst ihrer Wege. Rigide Geschlechtertrennung wie in Saudi-Arabien gibt es hier
nicht. Der Muttrah Souk, der älteste Markt
der Hauptstadt Maskat ist bunt, laut und
voll, aber die Schmuckhändler feilschen
lange nicht so aufdringlich wir ihre Kollegen in Kairo. Wer das stille Arabien sucht,
der fährt von Maskat gleich weiter Richtung Süden in die Wahiba-Wüste und legt
sich zivilisationsmüde im Schlafsack unter einen Sternenhimmel aus Tausendundeiner Nacht.
Der Massentourismus ist hier noch nicht
angekommen, erst seit ein paar Jahren investiert das Land am südöstlichen Zipfel
der Arabischen Halbinsel verstärkt in den
Fremdenverkehr. Sultan Qabus, schon am
Flughafen milde von Plakaten lächelnd, verspricht eine Ära des Wachstums, des Wohlstands und des Glücks. Bis 2020, so möchte
es der Herrscher, sollen jährlich zwölf Millionen Urlauber sein Reich besuchen. 2009
waren es gerade mal 1,6 Millionen.
Qabus mag es überdimensional. Seine
Jacht im Hafen ist die größte, und die
staatseigene Parfümerie Amouage produziert den teuersten Duft der Welt. Im reich
geschmückten Gebetsraum der SultanQabus-Moschee – ja, es ist die größte des
Landes – hängt außerdem der weltgrößte
Swarovski-Kristallleuchter. Prunkvolles
Arabien eben, das dekadente Dubai ist
auch nur vier Autostunden entfernt. Aber
wer will da schon hin, wenn gleich vor
den Stadttoren Maskats eine Landschaft
von bizarrer Schönheit beginnt?
Feuerrot leuchten die Felsformationen des
Hadschar-Gebirges in der Morgensonne.
Davor liegen die berühmten Wadis, kilometerlange, ausgetrocknete Flussläufe.
In den Oasen inmitten dieser Steinwüste
stehen die Dattelpalmen so dicht, dass
sie von den Hügeln ringsum aussehen
wie große grüne Seen. Der westliche Teil
des Gebirges wird Dschabal al-Achdar
FOCUS 41/2011
FOCUS 41/2011
Touristen auf Schnorchel- und Tauchausflügen die zauberhafte Unterwasserwelt
erklärt. „Die Deutschen interessieren sich
vor allem für Umweltaspekte“, erzählt die
französische Wissenschaftlerin Magali Marion, die auf der Insel Baros arbeitet. „Asiaten wollen wissen, welche Fische man
essen kann.“ Die Angelfans unter ihren
Kunden schickt sie dann auf Hochseetour
mit Ahmed Shuhan, der im Resort eigentlich als Front-Office-Manager arbeitet,
aber als Sohn, Enkel und Urenkel eines
Fischers auch dieses Handwerk versteht.
Und während er im Morgengrauen an
Deck seine fünf Angeln sortiert und auf
die ersten Fische wartet, erzählt er vor
atemberaubend schöner Kulisse von seinem ganz persönlichen Urlaubstraum:
einmal im Herbst nach Europa.
■
BARBARA JUNG
Große Badewanne
28 Grad unter Wasser –
das mögen nicht nur
Fische: eine Schnorchlerin
unterwegs im abgeschiedenen Meemu-Atoll
Oman Air fliegt regelmäßig die Strecke
Frankfurt–Maskat–Male. Teuer und schön in
Maskat: „The Chedi“, ab 320 Euro. Günstiger:
„Lanavilla Oman“, ab 75 Euro. Malediven für
Verliebte: „Baros“, ab 150 Euro. Für Gesellige
und Familien: „Kandooma“ ab 125 Euro
Fotos: ScienceFotoDE, look
genannt oder der Grüne Berg. Hier trotzen Bauern in mühsamster Handarbeit
auf Terrassen in über 2000 Meter Höhe
den Felsen Knoblauch, Äpfel und Weizen
ab – und Rosen für die Parfümproduktion.
So duftet der Oman: betörend.
Und so stinkt er auch, denn freitags
ist Tiermarkt in der Oase Nizwa. Schafe
blöken auf den Ladeflächen der Pick-upTrucks, Ziegen meckern, und die Tierhändler zerren bockende Kühe an Stricken hinter sich her. Das Vieh wird verkauft wie zu
Zeiten Sindbads: Der Händler führt es so
lange im Kreis, bis einer der umstehenden
Bieter einen angemessenen Preis nennt.
Die bärtigen Männer in ihrer traditionellen Tracht, dem blütenweißen Dischdascha, könnten direkt bei einer Neuverfilmung des Seefahrer-Märchens mitspielen.
Der Markt ist voll, staubig, und es ist unglaublich heiß. Wie die Männer es schaffen, dass ihre Gewänder so sauber bleiben? Ein orientalisches Rätsel.
Tradition spielt im Oman noch immer
eine große Rolle, Traumstrände leider
nicht. In Maskats Ausgehviertel al-Qurum
promenieren junge Leute zwar Händchen
haltend am Strand, Touristinnen im Bikini dürften hier aber keine ruhige Zeit
verbringen. Auch ein 5-Sterne-Hotel wie
das „The Chedi“ hat zwar einen wunderschönen Pool mit Blick aufs Meer, der
Strand davor aber ist schmal und wenig
einladend. Man fliegt nicht zum Sonnenbaden in den Oman – dafür reist man auf
die Malediven.
Wir sind in einer Steinwüste gestartet und
landen in einer Wasserwüste. Wie grüne
Tupfen ragen die Inseln des NordmaleAtolls aus dem Indischen Ozean. Die Malediven sind genauso schön wie auf den
Bildern der Reisekataloge: das Meer türkis,
die Strände weiß, der Himmel azurblau.
200 bewohnte Inseln gehören zu diesem
Paradies, 87 sind als Hotelresorts erschlossen. Der Vorteil am Inselurlaub: Man fühlt
sich wie Robinson Crusoe. Der Nachteil:
Außer Traumstränden und Restaurants gibt
es nichts – und ohne Boot kommt man nicht
weg. Kurz auf einen Tee in die Hauptstadt
Male? Geht nicht. Aber Tee und Kultur gab
es im Oman ja schon genug.
Die wahren Schönheiten der Malediven liegen ohnehin unter Wasser, nämlich
eines der letzten intakten Riffgebiete der
Erde mit einer unglaublichen Vielfalt an
Farben, Formen und Fischen. Viele Resorts
beschäftigten einen Meeresbiologen, der
19
URLAUB
SINGAPUR ➜ LOMBOK
Von der multikulturellen Supermetropole zu ursprünglicher Natur
und trotzdem von einer Vielfalt, die wenige
Metropolen zu bieten haben: Singapur ist
ganz Asien in einer Stadt. In Chinatown
soll es die beste Pekingente außerhalb
Pekings geben, in Little India essen indische Geschäftsleute ihr Tandoori-Hühnchen mit den Fingern direkt vom Bananenblatt. Auf dem Basar des Arab Street
Districts schlürfen Teppichhändler viel zu
süßen Tee, und in der Orchard Road shoppen die Schönen und Reichen in internati-
onalen Designerläden. Spektakulär ist die
Aussicht auf Asiens kleinsten Staat vom
weltgrößten Riesenrad aus, dem Singapore Flyer – an klaren Tagen kann man sogar die Nachbarstaaten Malaysia und Indonesien sehen. Und Singapurs Zoo gilt als
einer der schönsten der Welt, mehr als
3000 Tiere leben hier.
Die indonesische Insel Lombok ist das
maximale Kontrastprogramm. Anders als
die berühmte Schwester-Insel Bali wird
Lombok gerade erst für den Massentou-
MAURITIUS ➜ AUSTRALIEN
Hotelklassiker in Singapur: „Raffles“, ab 350
Euro. Kleines Designhotel: „New Majestic“
ab 150 Euro. Empfehlenswertes Resort auf
Lombok: „Qunci Villas“ ab 66 Euro
HONGKONG ➜ BALI
Strandstopp Richtung Süden
Asiens Inselschönheiten
DER WEG NACH DOWN UNDER IST WEIT. Auch wer die
IN CHINAS SONDERVERWALTUNGSZONE RAST DAS LEBEN
kürzeste Route mit Stop-over im Shopping-Paradies Dubai
wählt, sitzt mindestens 16 Stunden im Flieger. Nur zweieinhalb Flugstunden länger ist die Reise mit einem Zwischenstopp auf Mauritius. Hier kann man sich am Strand
von der Enge im Flugzeug erholen, mit dem Mountainbike
um die Halbinsel Le Morne Brabant kurven oder eine
Runde in grandioser Landschaft golfen. Und das Beste:
Nach Down Under sind es nur noch sieben Stunden.
Zwischen den Hochhäusern hetzen Geschäftsleute zu
Terminen, junge Hongkong-Chinesinnen vertreiben sich die
Zeit beim Speed-Shoppen in den zahlreichen Einkaufszentren und eilen danach zum Date in eine der Skybars mit
atemraubender Aussicht. Nach einer Tour durch Hongkong
ist Bali in all seiner kontemplativen Schönheit der perfekte
Ort, um sich zu erholen.
Mauritius: „Paradis“, ab 190 Euro. Sydney mit Hafenblick: „Intercontinental“, ab 130 Euro. Günstiger: „Harbour Rocks“ ab 75 Euro
20
rismus entdeckt und darf noch als Geheimtipp gelten. Im Süden der Insel warten unberührte Strände, im Westen
wunderschöne Hotel-Resorts mit MeerVillen und Spa, im Norden lädt der als
magischer Berg vereehrte Gunung Rinjani
zu Trekking-Touren ein.
Hongkong, teuer und schön: „Ritz-Carlton“, ab 425 Euro, preiswert
und schön: „Le Rivage“, ab 100 Euro. Bali exklusiv: „Alila Villas
Uluwatu“, ab 480 Euro. Billiger: „Amertha Bali Villas“, ab 65 Euro
FOCUS 41/2011
Fotos: laif (5), vario-images
NICHT EINMAL SO GROSS WIE HAMBURG
Sternengucker
Survival-Tipps Was
macht man nach einem
Quallenbiss? Wie verhält
man sich im Fall einer Entführung? Die
App „Boiling Frog“ (iPhone und Android, Englisch, 2,39 Euro bzw. 2,03
Euro) gibt hilfreichen Rat in brenzligen
Situationen – auch per Video und Audio.
Bei
der Orientierung am Sternenhimmel hilft die App
„Star Walk 5.4“ (iPhone, Deutsch,
2,39 Euro). Die Anwendung bestimmt
mehr als 20 000 Sterne, aber auch Satelliten, Galaxien und Sternbilder. Dank
GPS wird auch offline stets der passende Himmelsausschnitt gezeigt.
Karten im Retrolook
Sonnenschutz Abhän-
Die wunderschöne Anwendung „The Cartographer“
(iPhone, Englisch, 2,99 Euro) trimmt
Karten aus Google Maps auf Alt, sodass sie an historische Reisetagebücher erinnern. Eigene Notizen können eingefügt werden.
gig von Hauttyp und Standort errechnet „Sun Alert“
(iPhone, Englisch, 0,79 Euro), wie lange man ungeschützt in der Sonne bleiben kann. Für längere Strandtage empfiehlt das Tool auch den geeigneten
Lichtschutzfaktor der Sonnencreme.
Zeichensprache
Wer die Sprache seines
Reiselands nicht gut beherrscht, kommt mit dem Bildwörterbuch „Icoon“ (iPhone, Deutsch, 0,79
Euro) häufig weiter. Das Deuten auf
eines der 500 einfachen Symbole, die
in Kategorien wie Geld, Gesundheit,
Essen und Unterkunft geordnet sind,
erleichtert die Verständigung.
Stadtpläne Mit der
App „OffMaps2“ (iPhone,
Deutsch, 0,79 Euro) lädt
man zu Hause Land- und Stadtkarten auf das Apple-Handy. Im Ausland
lassen sich die Pläne ohne InternetZugang nutzen. Das Tool ortet den
aktuellen Standort per GPS.
Kofferpacken Individuelle Packlisten lassen sich
mit „Pack The Bag“ (iPhone,
Deutsch, gratis) im Handumdrehen
erstellen. Je nach Urlaubsart – ob
Camping, Flugreise oder Skiurlaub
– schlägt das Tool bereits Dutzende
Dinge vor, die in den Koffer müssen.
Reisewetter Ob in den
Kleine
Helfer
Das Smartphone sollte
im Urlaubsgepäck nicht
fehlen. Reise-Apps können
dem Weltenbummler
nützliche Dienste
erweisen – auch ohne
teure Web-Verbindung.
Die FOCUS-App-Expertin
Claudia Frickel weiß,
welche Apps hilfreich sind
kommenden Tagen Regen
droht, verrät „Weather
Pro“ (iPhone und Android, Deutsch,
2,99 Euro). Das Tool macht Vorhersagen für zwei Millionen Orte weltweit
und bis zu sieben Tage im Voraus. Wer
es anschaulich haben will, kann sich
auch Satellitenbilder laden.
Reiseführer Die App
„Wikitude World Browser“
(Android, Deutsch, kostenlos) weist auf nahegelegene Restaurants und Sehenswürdigkeiten hin.
„Wikihood Plus“ (iPhone, Deutsch,
3,99 Euro) zeigt Wikipedia-Einträge,
die sich mit der Umgebung befassen.
Urlaubs-Knigge Wie
viel Trinkgeld gibt man in
Norwegen, ab welchem Alter dar f man in Arizona Alkohol trinken,
und wie verbeugt man sich vor Asiaten
richtig? Fettnäpfchen lauern in fremden Ländern überall. „World Customs“
(iPhone, Englisch, 0,79 Euro) kennt
Benimmregeln aus aller Welt.
Urlaubspost Eigene Bilder mit Grüßen vom Strand
verschickt die App „Postman“ (iPhone, Deutsch, 2,39 Euro) via
E-Mail, Twitter oder Facebook. Für 1,90
Euro inklusive Porto stellt „Fundcard“
einen Gruß als echte Postkarte zu.
FOCUS 40/2011
Übersetzer Hält man
die iPhone-Kamera auf einen spanischen Text, liefert „World Lens“ (iTunes, 7,99 Euro)
die englische Übersetzung. Für andere
Sprachen gibt es die App leider nicht.
21
URLAUB
Auswärts essen
Insider-Tipps für die Welt: FOCUS-Korrespondenten verraten ihre Lieblingsrestaurants
Esther Blank
Sydney
„Sydneysider“ leben mehr draußen als drinnen. Ich wohne
in Coogee Beach und empfehle, in Wylie’s Baths ein paar
Runden zu drehen. Das ist ein riesiger nostalgischer
Meerwasser-Pool. Danach sollten Sie bei „Barzura“ frühstücken, einem zum Meer hin offenen Restaurant und Straßencafé. Mit Badeanzug ist man da morgens angemessen gekleidet. Probieren Sie das Müsli mit Ananas,
Papaya und saftigen Zuckerbananen. Danach können Sie
ganz entspannt sitzen bleiben; abends verwandelt sich das
„Barzura“ zu einem Spezialitäten-Restaurant mit Cocktailbar. Dann sollten Sie allerdings ein Paar Shorts anziehen. ■
Gunnar Heesch
Bangkok
Das beste thailändische Essen gibt
es in den zahlreichen Garküchen, in
denen Tag und Nacht und an beinahe
jeder Straßenecke gekocht wird.
Manchmal möchte man aber an
einem Tisch sitzen und bedient
werden: Das Restaurant „Rim Nam“
neben der Phra-Nang-Klao-Brücke am
Chaopraya-Fluss ist seit einigen
Jahren mein Tipp für gute Thai-Küche.
Fisch und Garnelen werden frisch
zubereitet, man sitzt im Freien am
Wasser. Spezialität des Hauses sind
gebackene Fischkuchen (Hoh Mok),
die Sie unbedingt probieren sollten.
Der Markt „Bon Marché“ in der
Prachaniwet Road klingt überhaupt
nicht thailändisch, ist aber ein
kleines Paradies für landestypische
Spezialitäten. Übrigens: Thailand
hat eine der größten japanischen
Communities weltweit. In den
Seitenstraßen zwischen der Sukhumvit Soi 33 und Soi 55 findet man
unzählige authentische Restaurants
■
zu äußerst günstigen Preisen.
22
Christian
Feiland
Istanbul
Familien auf der
Suche nach ein
bisschen Ruhe und
Grün sei das Santral
Istanbul empfohlen.
Das ehemalige
Elektrizitätswerk am Goldenen Horn wurde
vor ein paar Jahren umgebaut und
beherbergt jetzt eine Uni, ein Museum,
zwei Konzerthallen, ein Theater und eine
Reihe kleiner Geschäfte. Alles liegt in
einem schönen großen Park.
Fisch mit Bosporus-Blick esse ich am
liebsten im „Trivana“, einem zum
Restaurant umgebauten Fischerboot in
der Köybasi-Straße. Man sitzt mit
atemberaubendem Blick auf die asiatische
Seite, vor allem abends. Wenn ein großer
Tanker vorbeifährt, wackeln die Tische
ordentlich. Das „Trivana“ ist ein Familienrestaurant, also gibt es keinen Alkohol.
Es ist ratsam, beim Eigentümer auf dem
Handy anzufragen, ob das Lokal geöffnet
■
ist: 00 90-5 32-7 48 70 53.
FOCUS 41/2011
Andreas Fink
Buenos Aires
Richtig gutes argentinisches Fleisch
gibt’s im „La Choza“ im Stadtviertel
Palermo. Palermo ist der Prenzlauer
Berg von Buenos Aires, also trendig
und preislich sehr im Aufwind. Das
„La Choza“ ist eine typische argentinische Parrilla, wo man alle Formen
von gegrilltem Fleisch mit Salat und
Wein bekommt. Und das noch zu
Preisen von maximal 20 Euro pro
Person.
Ebenfalls in Palermo befindet sich der
„Club Eros“, ein Club Social. Besucher
müssen erst einmal durch eine
Sporthalle, wo die Alteingesessenen
des Viertels Karten und Fußball
spielen. Dahinter liegt das einfach
eingerichtete Restaurant, in dem es
Steak, Wiener Schnitzel und sensationelle Eintöpfe gibt. Hier essen junge
Kreative genauso wie die Elektriker
der vielen TV-Stationen in Palermo.
Nicht zu vergessen auch das „Miramar“, ein ehemaliger Hutsalon, im
Viertel San Cristobal. Für ausgezeichnete Tortillas, Kanincheneintöpfe
und Königskrabben in nostalgischem
■
Ambiente.
Susann Remke
Fotos: Privat (5) chris lane
New York
Moderne amerikanische Küche von
Bio-Starkoch Jean-Georges Vongerichten gibt es in der fantastischen „ABC
Kitchen“ in der 35 East 18th Street.
Möglichst viele Vorspeisen essen und
auf das günstige Mittagsmenü für 26
Dollar achten. Statt in die überlaufene
„Grand Central Oyster Bar“ schicke
ich New-York-Besucher lieber zu
„Mary’s Fish Camp“ in der Charles
Street. Essen sollte man die
wunderbare Lobster Roll oder gleich
einen ganzen Hummer mit zerlassener Butter.
Beste Restaurant-Alternative für eilige
Stadtbesichtiger sind die hippen Food
Trucks. Die ambulanten Imbissbuden
in den Straßen von New York bieten
Fast Food höchster Qualität und
halten jeden Mittag an einer anderen
Stelle. Per Twitter oder auf Facebook
erfährt man Näheres: „Go Burger
Truck“ (Hamburger, Pommes und
Milch-Shakes), „Korilla BBQ“ (koreanische Tacos). Und „Schnitzel & Things“
■
für heimwehgeplagte Deutsche.
Dorothea Rieker
Neu-Delhi
Versteckt im chaotischen Gewirr der Gassen Alt-Delhis liegt eine Insel für
die Liebhaber mogulischer Küche: das „Karim’s“. Abends finden sich die
Gläubigen ein, die in der nahe gelegenen Dschama Maschid-Moschee
beten, Frauen in der Burka sitzen neben Touristinnen in Shorts und
Flip-Flops. Dann schöpfen Köche aus riesigen Metallkesseln duftende
Gerichte, Bäcker ziehen nonstop Fladenbrote aus dem Tandoor-Ofen. Die
Spezialitäten sind Zicklein am Spieß, gefüllt mit Trockenfrüchten, oder ein
lang schmorender Fischeintopf: 61 Gali Kabab Wali, 00 91-11-23 26 98 80. ■
23
URLAUB
Gern oben
George Clooney als Bonusmeilen-König in „Up in the Air“
Was Überflieger wissen
Prämienmeilen sind Status, keine Frage. Gegen Verlustängste zum Jahresende helfen
oft nur noch ungewöhnliche Maßnahmen – zum Beispiele Flüge im Privatjet
24
U
ngewöhnlich ist es schon, dieses Angebot: „Passend zur herbstlichen Jagdsaison eröffnen wir die Meilenjagd!“, tönt
es auf der Internet-Seite Vornesitzen.de: „Für all
diejenigen, denen noch Meilen zur Erreichung
oder Erhaltung ihres Miles & More-Status fehlen,
haben wir ein exklusives Privatjet-Special mit
Lufthansa Privat Jet.“
3999 Euro kostet der Flug von München über
Innsbruck nach Mailand in einer gediegenen
Hawker 750/800. An einem Tag hin und zurück,
Limousinen-Service, Sicht durch das Cockpitfenster und VIP-Catering an Bord inklusive.
Die erste der achtsitzigen Maschinen ist für den
15. Oktober schon ausgebucht, die zweite am
22. Oktober fast. Immerhin 50 000 Statusmeilen bringt der Jagdausflug mit dem Jet über die
Alpen – samt Executive-Bonus natürlich.
„Unser Angebot läuft gut“, berichtet Matthias
Levinger, Chef des Reisebüros Destinations Touristik in Kempten/Allgäu. Im Mai vergangenen
Jahres gab es für kurze Zeit schon mal die fünffache Meilensumme. Levinger: „Wir hatten viele
Jets in der Luft und haben der Lufthansa sehr
viele neue Senatoren und HON Circle Member
beschert.“
Mehrere hundert Passagiere auf der Warteliste
gingen damals leer aus, so der Reisevermittler,
schließlich konnte jeder von ihnen innerhalb
von drei Tagen in den ehrenvollen HON Circle
aufsteigen. „Was verständlicherweise nicht im
Sinne der Lufthansa war, deswegen hat sie das
Angebot sehr schnell eingeschränkt.“
Die 200 weltweiten Vielfliegerprogramme der
Airlines gelten als Statussymbol, Sammelobjekt
und Suchtstoff zugleich. Aber nicht nur. Denn
auch wenn Sachprämien wie Aluminiumkoffer selten lukrativ und Steuern und Gebühren
aus Freiflügen nicht gerade Schnäppchen sind
(siehe Kasten), ist die Summe der Prämienmeilen für besonders häufige Luftreisende echter
Nutzwert: Immerhin geht es um Priorität auf den
Wartelisten, um schnellere Abfertigung am Flughafen, um Upgrades bei Hotels und Mietwagen
und um die Vorteile der Lounges am Airport.
Wie viele es genau sind, die die ganz besonderen Statusprivilegien genießen, verrät die
Lufthansa nicht einmal auf Nachfrage. Den
Werbeunterlagen ihres Magazins „Exclusive“
zufolge besitzen mittlerweile aber weltweit
290 000 Kunden eine Plastikkarte mit Kranich,
die sie als Frequent Traveller, Senatoren oder gar
HON-Circle-Mitglied ausweist. Letztere müssen
dafür in zwei aufeinander folgenden Jahren mindestens 600 000 Miles & More-Meilen auf ihrem
Konto horten.
Dann werden sie aber auch auf Wunsch ordentlich prestigeträchtig mit einem Porsche Cayenne
FOCUS 41/2011
1 Alle Meilen
mitnehmen, aber
nicht nach ihnen
schielen. Also jede
Möglichkeit des Meilensammelns nutzen
– nicht nur durch
Fliegen, sondern vor
allem durch den Kreditkarteneinsatz
oder das Ausnutzen
lukrativer Angebote.
2 Meilenverfall
kann man auch durch
die Kreditkarten von
Fluggesellschaften
ausschließen. Solange man beispielsweise Inhaber einer
Lufthansa-Kreditkarte
ist, verfallen die
Meilen nicht. Bis
zum 15. November
bekommt man sogar
bis zu 20 000 Meilen
(reicht für zwei
Meilenprämienflüge)
bei Beantragung
der Karte.
3 Prämienticket
nicht blind
buchen, sondern
regulären Kaufpreis
mit erforderlichem
Meileneinsatz (jeweils ohne Steuern)
vergleichen und
dann entscheiden.
4 Sachprämien
sowie Hotel- oder
Mietwagenprämien
haben nicht
die Wertigkeit
von Flugprämien.
5 Den größten Gegenwert erhält man
für interkontinentale
Flüge in der Firstoder Business-Class,
während bei innerdeutschen oder innereuropäischen Flügen
ein Meileneinsatz
nur sinnvoll ist,
wenn der reguläre
Flugpreis hoch ist
(etwa bei kurzfristigen Buchungen).
oder einer Mercedes S-Klasse direkt vom Flieger abgeholt, bekommen zum Einchecken einen
persönlichen Assistenten an die Seite gestellt,
der lästige Formalitäten erledigt, und haben auf
Flughäfen wie in Frankfurt die Gelegenheit,
sich in separaten Spa-Bereichen „den Zauber
der frischen, alpinen Gebirgswelt auf der Haut
zerschmelzen“ zu lassen – mit beruhigendem
Blick auf das Rollfeld. Abgesehen von angenehmen Nebeneffekten wie freien Nachbarsitzen, einem Concierge-Service, der bei der Auswahl von Restaurants berät und Geschenke besorgt, oder garantierte Prämienflugverfügbarkeit
für die gesamte Familie – selbst zu begehrten
Ferienzeiten.
Experten schätzen, dass mittlerweile mehr als
15 000 Lufthansa-Kunden zum Kreis der HONs
gehören, darunter aber nicht nur vielfliegende
Manager, sondern auch IT-Fachkräfte, Immobilienmakler und Servicetechniker.
Den mit Abstand größten Gegenwert, dass wissen gerade die Ehrenkunden am besten, erhalten Vielflieger für interkontinentale Flüge in der
Business- und First-Class. Bei innereuropäischen
oder innerdeutschen Flügen ist der Einsatz von
Prämienmeilen nur selten sinnvoll. Wie vor einigen
Monaten ein umfassender Test der Fachzeitschrift
„Reise & Preise“ bei verschiedenen Prämienprogrammen von Airlines wie Air France, Lufthansa oder Emirates ergab, ist das günstigste
Bezahlticket oftmals billiger als der mühsam
erflogene Freiflug.
Diejenigen, die trotzdem tüchtig Bonusmeilen
sammeln, tauschen sich häufig im Internet über
die besten Möglichkeiten aus – auf Seiten wie
Vielfliegertreff, Vielfliegerforum oder Insideflyer.
Wichtigste Disziplin neben dem Handeln von Neuigkeiten wie der, dass British Airways neuerdings
auch auf die Billigtarife volle Meilen gutschreibt:
der sogenannte „Segmente-Run“ oder „MeilenRun“. Eine Art Rennen also, in dem gerade in
den Herbstmonaten in möglichst kurzer Zeit
möglichst meilenträchtig geflogen wird. Mit dem
Angebot „Business Saver“ der Schweizer Fluglinie Swiss kommen manche der Meilenjäger
schnell auf 15 bis 18 Flüge in drei Tagen. Und
landen statt in Innsbruck oder Mailand deswegen
vorzugsweise in Städten wie Belgrad, Warschau
oder Sofia.
„Die Meilen sind das Ziel“, sagt George
Clooney als Unternehmensberater und Bonusmeilen-König Ryan Bingham in dem HollywoodFilm „Up in the Air“. Recht hat er. Luftfahrtexperten haben 2010 ausgerechnet, dass weltweit Bonusmeilen im Wert von 170 Milliarden
US-Dollar im Umlauf sind.
■
STEFAN RUZAS
25
Foto: Inter foto
FÜNF GEBOTE:
URLAUB
Auf einen Ball!
Göttliche Ruhe
Der „Thai Country Club“ in Bangkok
weckt grüne Glücksgefühle
26
FOCUS 41/2011
Fotos: Spor tpixgolf.com, Look
Thailand, Vietnam, Kambodscha: Südostasien entwickelt
sich zum Traumziel für Golfer. Mit luxuriösen Plätzen,
die in anderen Ländern nur Clubmitgliedern zugänglich wären
Bar mit Aussicht
Die Nacht in Bangkok startet perfekt
an der „Sky Bar“ des Hotels „Lebua“
FOCUS 41/2011
27
URLAUB
D
er Himmel über dem „Thai
Country Club“ hat ein lachsrosa Band gespannt. Seerosen
wippen, Paspalum duftet. Die
Zeit scheint stillzustehen. Der perfekte
Golfschwung, jetzt könnte er gelingen.
Doch irgendetwas irritiert den jungen
Amerikaner. Als Caddy Lisa ein dackelgroßes, schuppiges Wesen von der Driving
Ranch scheucht, ist der Störenfried identifiziert. Es war ein Duméril-Waran, der sich
mangels Mangrovenwäldern im Großraum
Bangkok mit Fairway und Rough begnügt
und dabei prächtig zu gedeihen scheint.
könnte, die thailändischen Geister hätten einen sphärischen Bannring um sie
gelegt. In den Umkleiden zeigen Nussbaumhölzer schlichte Eleganz. So sieht
es in den Sportclubs amerikanischer
Eliteuniversitäten aus. Tand und Kitsch:
Fehlanzeige. Selbst der Orchideenschmuck ist für thailändische Verhältnisse
dezent. Das gilt auch für das Design der
Anlage. Auf Spektakuläres wie Terrassenhänge wurde verzichtet. Die 18 Löcher spielen sich, wie man in einer edlen
Limousine reist: auf süchtig machende
Art bequem.
sen werden. Spezielle Offerten zu wenig
frequentierten Zeiten oder Ladys-onlyAktionen bieten puren Luxus für weniger als 50 Euro. Auch weil der gereiften
Golfnation die aufstrebende Konkurrenz
im Nacken sitzt.
Vietnam holt auf. Erklärtes Ziel ist es, in
den kommenden zehn Jahren von 25 auf
50 Plätze zu wachsen. Was hätte Staatsgründer Ho Chi Minh wohl zu dieser Bunker-Offensive gesagt? Neueste Attraktion
ist der „Sea Links“-Golfclub in Phan Thiet.
In dem Küstenort, der für seine Fischwürzsoße und seine Strand-Resorts berühmt ist,
Sehnsuchtsorte Die Bucht von Halong im Norden Vietnams
Im Süden überrascht Saigon mit Luxusplätzen wie
„Echsen wirken spöttisch, weil sie den
Kopf neigen“, sagt Daniel Wyborn, der
Pro. „Sie schauen dich von der Seite an,
und du weißt wieder: Golf wird mit dem
Kopf gespielt.“ Manche Gesetze sind
eben universell. Andere gelten ortsspezifisch: Im edelsten Club Thailands herrscht
Caddypflicht. Es sind ausnahmslos Damen, die ihre Gäste nicht ans Steuer der
Cars lassen und auch sonst selbstbewusst auftreten. Die 18-Loch-Anlage
ist ein Klassiker. Sie liegt einen Sprung
vom Internationalen Flughafen Suvarnabhumi entfernt und bietet eine so tiefe
Ruhe und gute Luft, dass man glauben
hat sich die giganteske 36-Loch-Anlage
auf Hügel und Terrassen geschmiegt, gespielt wird an vielen Löchern mit Blick
auf das südchinesische Meer. Viel ist viel,
scheint das Design des überpenibel gepflegten Grüns den Spielern zuzurufen. 50
Sandbunker, zahllose Wasserhindernisse
und achterbahnartige Höhendifferenzen
warten auf die Spieler.
„Wer seinen Körper kräftigt, dient auch
dem Doi Moi“, hat der durchaus beliebte
Premierminister Nguyen Tan Dung die
Vietnamesen belehrt. Doi Moi ist das
Pendant zur chinesischen Politik der Wirtschaftsöffnung. Freie Bahn für privates Un-
28
Der Luxus ist subtiler Art. „Hier arbeiten mehr als 400 Menschen“, sagt Pro Daniel, der Brite. „In einem englischen oder
schottischen Club gleicher Größe hätte
man vielleicht 20 Leute eingestellt.“ Hartnäckig hält sich das Gerücht, der „Thai
Country Club“ sei nur für Mitglieder, was
in den Anfangsjahren auch stimmte. Doch
heute können Gäste wochentags für 72
Euro inklusive Caddy-Fee spielen. Damit
liegt der Platz am oberen Ende der landesüblichen Preisskala.
Die meisten Clubs im Land lassen
Gäste gegen Greenfee spielen. Oft muss
nicht einmal ein Handicap nachgewie-
FOCUS 41/2011
ternehmertum, Vietnam funktioniert nach
den Gesetzen eines ziemlich kapitalistischen Marktes. Auf den ersten Blick erinnern nur die Hammer-und-Sichel-Flaggen
vor den Polizeistationen daran, dass sich
die Republik Vietnam sozialistisch nennt.
Fast alles hat sich geändert nach 20 Jahren der Öffnung. Nur die kommunistische
Partei bleibt an der Macht und tut einfach
so, als gäbe es auch einen Karl Marx der
Kleinunternehmer und der Bauern auf eigener Scholle. Es fügt sich, dass Premier
Nguyen Tan Dung selbst ein passionierter
Golfer ist. Seine Grußnote zur Eröffnung
Fotos: Superbild, Long Thanh Golf Club, Visum
dem „Long Thanh Golf Club“
Golfplätze
will Vietnam seinen
Besuchern in zehn
Jahren bieten. Heute
sind es 25. Das ist die
Politik der Öffnung
Die Garküchen in Hanoi und Saigon bieten Fast Food mit Tradition
liegt im Gästebuch des „Sea Links“-Golfhotels, einem 5-Sterne-Haus mit PekingGigantismus und allen westlichen Annehmlichkeiten. Zwar mussten hier keine
Reisfelder weichen. Bei anderen Golfprojekten im Land war das durchaus der Fall.
Ist das der späte Sieg angelsächsischer
Gepflogenheiten über den Vietcong?
Geoffrey Halber aus Illinois denkt
lange nach, ob er über sein persönliches
Vietnam sprechen will. Er sitzt mit seinem Golf-Bag in der Lobby des edlen
Saigoner Hotels „Majestic“ und ringt
mit Erinnerungen. Der amerikanische
Banker ist nicht so sehr des Sports weFOCUS 41/2011
50
überrascht hat ihn, dass dort auch die
Leiden der Amerikaner gewürdigt werden; Agent-Orange-Opfer wurden auch
die Piloten, die das Gift in den Himmel
brachten. Abends wird Halber mit seiner
Frau an einem angesagten Saigoner Club
vorbeikommen, der „Apokalypse now“
heißt. Darüber kann er herzlich lachen:
„Ich verstehe, wenn die Jungen nach vorn
schauen wollen.“
Tourismus ist eine wichtige Säule des
neuen Wohlstands, das bezweifelt niemand. Phan Thi Thanh vom Management
des „Sea Links“ erklärt die meist große
gen gekommen, das war eher ein Trick,
mit dem er seine Frau überreden konnte.
Halber will „einen Schlussstrich ziehen“
unter seine Zeit als GI im Jahr 1970. Gerade hat er sich die Fotoaustellung im
Kriegsmuseum an der Vo-Van-Tan-Straße
angeschaut. Die furchtbarsten Bilder haben amerikanische Kriegsreporter geschossen, es handele sich also nicht um
fragwürdige Propaganda, „sondern um
die Wirklichkeit“, sagt Halber, der zittert,
als er Tee nachgießt. „Ich finde nichts
Verkehrtes daran, wenn Amerikaner als
Golftouristen kommen. Aber sie sollten
alle in dieses Museum gehen.“ Positiv
Freundlichkeit, mit der Vietnam seine
Gäste empfängt: „Zuerst kamen die Chinesen und blieben 1000 Jahre. Später
kamen die Franzosen, dann die Japaner,
dann die Amerikaner. Heute kommen
alle zusammen, aber in friedlicher Absicht. Das ist doch wunderbar!“ Er hat
die Gärtner gerade angehalten, die Orchideenbeete erst spät am Abend zu sprengen, wenn die Gäste auf ihren Zimmern
sind: „Manche Arten duften zu intensiv,
wenn sie mit Wasser benetzt sind.“ Es hat
tatsächlich entsprechende Beschwerden
gegeben. Allein in Ho-Chi-Minh-Stadt,
das viele Vietnamesen der Einfachheit
29
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Telefon: +66 26 51 53 00-6
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Telefon: +8 48 62 80 01 01
Amata Spring Country Club, Bangkok
Song Be Golf Resort, HCMS
www.amataspring.co.th
Telefon: +66 38 46 88 88
www.songbegolf.com
Telefon: +84 65 03 75 50 85
Bangsai Country Club, Bangkok
Sea Links, Phan Thiet
www.bangsaicountryclub.com
Telefon: +66 35 37 24 50-2
www.sealinkscity.com
Telefon: +8 46 23 74 16 66
Chiang Mai Highlands, Chiang Mai
Ocean Dunes Golf Club, Phan Thiet
www.chiangmaihighlands.com
Telefon: +6 65 32 61 35 49
www.vietnamgolfresorts.com
Telefon: +84 88 24 36 40
Lam Luk Ka Golf, Patum Thani
Montgomerie Links, Danang
www.lamlukkagolf.net
Telefon: +6 62 99 52 30 04
www.montgomerielinks.com
Telefon: +84 51 03 94 19 42
Siam Country Club, Pattaya
Dalat Palace Golf Club, Dalat
www.siamcountryclub.com
Telefon: +66 38 90 96 00
www.dalatresorts.com
Telefon: +8 46 33 82 54 44
Red Mountain Golf Club, Phuket
King’s Island Country Club, Hanoi
www.redmountainphuket.com
Telefon: +66 76 32 20 00
www.thaicountryclub.com
Telefon: +6 62 65 15 00-6
Black Mountain Golf Club, Hua Hin
www.bmghuahin.com
Telefon: +66 32 61 86 66-7
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Kambodscha
Phokeethra Country Club, Siem Reap
Vietnam
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Telefon: +8 55 63 96 46 00
Long Thanh Golf Club, HCMS
Angkor Golf Resort, Siem Reap
www.longthanhgolfresort.com.vn
Telefon: +8 46 13 51 25 12
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Telefon: +8 55 63 76 76 88
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FOCUS 41/2011
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Der „Sea Links Golf Club“ zeigt
das sozialistische Vietnam von
seiner geschäftstüchtigen Seite
Foto: Sea Links Golf Club
BALD DIE PERFEKTE WELLE REITEN:
UNBEZAHLBAR
halber weiter Saigon nennen, gibt es fünf
Golfplätze, die jedem zugänglich sind.
Edle chinesische Gartenarchitektur bietet der „Long Thanh“-Golfclub, der 2004
eröffnet wurde. Die 36-Loch-Anlage ist
mehr als 350 Hektar groß und liegt in
Reisfeldern am Fluss Dong Nai, eine
knappe Autostunde vom Zentrum Saigons
entfernt. Wochentags beträgt die Greenfee inklusive Caddy knapp 40 Euro. Marketing-Manager Hung Tran Quoc verrät,
wohin die Reise geht: „Wir werden nach
Laos expandieren.“ Das kleine, kulturell hochinteressante Nachbarland spiele
mangels Küste zwar eine noch untergeordnete Rolle im Tourismus. „Aber wer
braucht ein Meer, wenn man fantastische
Pool-Architekten engagieren kann?“
Business first. Eine zugeknöpfte „Members only“-Politik käme in Südostasien niemandem in den Sinn. Man lebt sehr gut
vom Golftourismus. Dass die Gäste heute
überwiegend Japaner und Südkoreaner
sind, muss in Zukunft nicht so bleiben.
Immer mehr Hotels in Vietnam und Kambodscha bieten Golfpackages an. Spezialisierte Reisebüros erarbeiten individuell
zugeschnittene Touren, die Kultur und
Sport verbinden. Warum nicht grenzüberschreitend? Viele Golfurlauber beginnen
der besseren Flugverbindungen wegen in
Thailand und fliegen von Bangkok nach
Phnom Penh, Saigon oder Hanoi. Im spürbar ideologischeren Norden Vietnams wartet nicht nur die sagenhafte Halong-Bucht.
Sondern auch traumhafte Golfplätze. Man
sollte sich von den grimmigen Beamten im
Visa-Büro nicht beeindrucken lassen. Und
■
einfach an Doi Moi denken.
ELLEN DANIEL
FOCUS 41/2011
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URLAUB
Fahr zur Hölle!
Zerschundene Vehikel und unwegsame Pisten: US-Reporter Carl
Hoffman ist um die Welt gereist – auf den gefährlichsten Routen
M
indestens 45 Menschen sterben
bei einem Busunglück in den
peruanischen Anden. Ein kubanischer Jet zerschellt nahe der venezolanischen Stadt Valencia. Eine überfüllte
Fähre kentert im Süden Bangladeschs –
die Rettungskräfte suchen nach mehr als
500 Vermissten.
Es sind solche Schreckensmeldungen auf
den vermischten Seiten von Tageszeitungen, die den amerikanischen Journalisten
Carl Hoffman seit Langem umtreiben. Und
die ihm beweisen, dass Reisen lebensgefährlich ist, zumindest in den entlegenen,
weniger entwickelten Regionen dieser
Welt. Als Reporter wollte er herausfinden,
warum sich dennoch täglich Abermillionen von Menschen, die meisten von ihnen
bitterarm, solchen Risiken und Strapazen
aussetzen. Warum sie sich in schrottreife
Flugzeuge zwängen oder auf rostige Fähren, in vollgestopfte Züge oder klapprige
Überlandbusse. Er wollte reisen wie die
überwiegende Mehrheit der Weltbevölke-
32
Lustvolle Quälerei
Reise-Held Carl Hoffman
Der Amerikaner hat aus dem Kongo,
dem Sudan und Sibirien berichtet.
Er fuhr das Baja 1000, eines der härtesten Autorennen der Welt. Und er
segelte 250 Meilen in einem offenen
Dinghi. Für sein Buch „Frauen &
Kinder zuerst“ legte er mehr als
80 000 Kilometer zurück: von
Kanada über Südamerika und Afrika
bis nach Indonesien und Afghanistan.
Matsch Fun? Unterwegs auf
rung: ohne Klimaanlage, ohne Gepäcktransport, ohne Vollkaskoschutz.
Also hat er sich aufgemacht zu einem Trip
der besonderen Art, mit nicht viel mehr als
einem gut bestückten Erste-Hilfe-Set im
Gepäck. Hoffman ist einmal um die Welt
gereist, und zwar in den jeweils gefährlichsten Verkehrsmitteln, die sich finden ließen.
Er ist von Havanna nach Bogotá geflogen in
einer uralten Iljuschin der Fluggesellschaft
Cubana, die als eine der unsichersten der
Welt gilt. Er hat die Anden überquert in einem klapprigen Nachtbus auf unbeleuchteten Pisten, immer ganz nah am Abgrund.
Er fuhr in Indonesien auf Seelenverkäufern,
die ein Vielfaches der zugelassenen Passsagierzahl beförderten, und im indischen
Mumbai (Bombay) in grotesk überfüllten
Pendlerzügen, in denen Insassen regelmäßig zu Tode gequetscht werden.
Von seinen Abenteuern berichtet Hoffman
im Buch „Frauen & Kinder zuerst!“, das jetzt
im Münchner Verlag btb erschienen ist.
Es sei ihm nicht um den Nervenkitzel gegangen, stellt er darin klar. Sondern um
die Begegnung mit Menschen, die nicht
unterwegs sein wollen, sondern müssen.
Die für ein paar Pesos oder Rupien ein
Ticket lösen und sich stunden-, manchmal tagelang einem dubiosen Fahrer
anvertrauen, auf dem Weg zu Angehörigen oder einem kärglichen Job.
FOCUS 41/2011
Fotos: btb-Verlag (3)
Warten erster Klasse Die Abfahrt des Schnellzugs Bamako–Dakar verzögert sich auf unbestimmte Zeit
IM NORDEN
ZUHAUSE.
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799,-
zzgl. Serviceentgelt *
amburg,
Jetzt ab H
e.
arnemünd
Kiel und W
Wasserstraßen in Kolumbien
Hoffman hat versucht, seine Reiseerfahrungen den ihrigen anzugleichen.
„Wenn sie in Bombay, Kalkutta oder Bangladesch Leitungswasser tranken, dann
trank ich es ebenfalls“, erzählt er. „Wenn
sie Tee von Straßenverkäufern kauften,
tat ich es ihnen gleich. Wenn sie mit den
Fingern aßen, aß ich auch mit den Fingern, ganz gleich, ob man mir Besteck
gab oder nicht. Diese Verhaltensweisen
lösten eine wahre Lawine der Freigebigkeit und Neugier aus, die mich verblüffte.
Mir wurden Tür und Tor geöffnet, man
lud mich immer wieder ein. Die Tatsache,
dass ich mit ihnen ihr Essen, ihre Leiden,
ihre Gefahren teilte, faszinierte sie und
bestätigte sie zugleich auf ungeahnte Art
in ihrem Dasein.“
So ist er nur einmal auf dieser 80 000Kilometer-Fahrt wirklich deprimiert: bei der
Fahrt im Greyhound-Bus von Los Angeles
nach Washington D.C. „Die Menschen
in diesem Bus waren die traurigsten der
Welt“, sagt er. „Und das Amerika draußen vor dem Fenster erschien mir als ein
Land voll verlorener Seelen.“ Am Ende
war dieser Bus dann auch das einzige
Verkehrsmittel auf seiner langen Reise,
das tatsächlich irgendwann den Geist
aufgab – und nicht zu reparieren war. ■
Jeden Tag eine andere Stadt erobern?
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Paris und Amsterdam. Oder wandeln Sie auf den Spuren der
Zaren bis nach St. Petersburg. Nach soviel Abenteuer an Land
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Gebühr nicht berechnet. Das Angebot Kids & Teens gratis ist für bis zu 2 Kinder bis einschl. 18 Jahre in einer
Kabine mit 2 Erw. gültig. Weitere Informationen im Nordland Katalog 2012.
KREUZFAHRTEN
URLAUB
Der Fremdschläfer
Seit drei Jahren schläft
Paul Carr, 31, jede Nacht
in einem Hotel – derzeit im
„Plaza Hotel“ in Las Vegas.
Den Entschluss, auf
Dauer in Hotels zu leben,
fasste der britische
Schriftsteller Anfang 2008,
als die Miete für seine
bescheidene Wohnung
in London drastisch erhöht
wurde. Hat er nach mehr
als 1000 Tagen unterwegs das
Hotelleben nicht langsam satt?
„Nein, ich liebe es immer noch“,
sagt er. „Ich lebe in den
aufregendsten Städten
der Welt, ich treffe tolle
Leute.“ Also Fremdbetten auf
ewig? „Wenn ich heiraten sollte,
dann muss ich ein sehr ernstes
Gespräch mit meiner Frau
führen. Aber sonst: kein Ende
in Sicht.“ Immerhin kann es
sein, dass Carr auch als Ehemann im Hotel bleibt: Seine
Freundin ist Flugbegleiterin.
Über seine Erfahrungen hat
Paul Carr das Buch „The Upgrade: A Cautionary Tale Of
A Life Without Reservations“*
geschrieben – und ein paar
Tipps für Einsteiger parat:
*Verlag Weidenfeld & Nicolson
34
1
Verwechseln Sie das Leben im Hotel auf keinen Fall mit einem Dauerurlaub.
Im ersten Jahr legt sich im Gehirn ein Schalter um, sobald man ein Hotel
betritt: Man erwartet Freizeit, Freiheit, grenzenloses Vergnügen. Wehren Sie
sich dagegen. Nach den ersten Monaten hat mich mein Partyleben im Hotel
beinahe umgebracht. Zwingen Sie sich zu einem regelmäßigen Tagesablauf.
Zwingen Sie sich dazu, bestimmte Stunden am Tag zu arbeiten.
2
Feilschen Sie, und prüfen Sie die Ausstattung. Kostenloser Web-Zugang
ist wichtig, wenn Sie im Hotel arbeiten wollen. Jedes Hotel liebt Dauergäste.
Ich frage stets, wer für Gruppenbuchungen zuständig ist. Das ist nämlich die
Person, mit der Sie Rabatte aushandeln können. Wenn Sie sagen, dass Sie
zwei oder drei Monate bleiben wollen, bekommen Sie garantiert einen Nachlass. Früher ausziehen können Sie meistens trotzdem. Verlangen Sie stets
das günstigste Zimmer. Wenn Sie angereist sind, sagen Sie, das Zimmer
sei aber wirklich sehr klein oder dunkel oder was auch immer. Die meisten
Hotels bieten Ihnen dann zum selben Preis ein besseres Zimmer an.
3
4
Vermeiden Sie große Hotelketten, denn dort können Sie im Allgemeinen
nicht verhandeln. Ich habe immer die kleinen, unabhängigen Hotels bevorzugt.
5
Behandeln Sie alle Hotelangestellten gut. Trinkgeld ist angebracht. Das
Zimmermädchen wird dabei von den meisten Hotelgästen vergessen, weil sie
das Zimmer aufräumt, nachdem man ausgezogen ist. Aber wer in Hotels lebt,
besucht ein Hotel meist mehr als einmal. Da empfiehlt es sich, einen guten
Eindruck zu hinterlassen. Das gilt auch, wenn Sie Partys feiern. Fünf bis
sechs Leute können Sie vielleicht noch in Ihr Zimmer einladen. Aber wenn es
größer und lauter wird, sollten Sie unbedingt eine eigene Suite dafür mieten.
6
Hören Sie nicht auf Ratschläge. Wenn Sie ein ängstlicher Mensch sind und
erst eine ganz genaue Anleitung brauchen, bevor Sie den Sprung wagen, dann
ist ein Leben im Hotel nichts für Sie. Es ist ein Abenteuer. Natürlich ist es
auch etwas gruselig, das soll es ja auch sein. Genau deshalb ist es ein
Aufgezeichnet von Imke Henkel
Riesenspaß.
Die Empfehlung eines Freundes ist die beste Hotelkritik. Internet-Seiten
wie Tripadvisor sind für Leute gedacht, die im Hotel nur ein paar Tage Urlaub
machen wollen. Die achten auf andere Dinge als jemand, der in Hotels lebt.
Unfreundliches Personal deutet übrigens auf ein schlechtes Management
hin. Vermeiden Sie solche Hotels besser.
FOCUS 41/2011
URLAUB
Erlebnisvermittler
Katharina John arbeitet als „Reisefreundin“
Sie ist eine begabte Fotografin, sie ist die Frau des Schauspielers Ulrich Tukur (Foto) und lebt seit zwölf Jahren mit
ihm in Venedig. Was Katharina John auch ist: Reiseunternehmerin. Gemeinsam mit der Italienerin Miriam Fiordeponti
bietet sie unter dem Namen Vita Vino Viaggi als „Erlebnisvermittler“ individuell gestaltete Reisen durch die Lagunenstadt an. Es ist ein Kennenlernen von innen. Privat, bis in die
Wohnzimmer befreundeter Adeliger oder Maler, aber auch
ursprünglich beim gemeinsamen Essen mit dem Wirt einer
Hafenkantine: „Unser Wunsch ist, dass man am Ende einer
Reise keine Sammlung abgerissener Eintrittskarten hat, sondern echte Erinnerungen“, sagt John. Es gehe darum, sich in
der Fremde wie bei Freunden zu fühlen. Gemeinsam mit dem
Berliner Büro Windrose offeriert sie pro Jahr vier Reisen,
darüber hinaus begleiten John und Partnerin einzelne oder
■
Gruppen auf Anfrage. Neuerdings auch in den Apennin.
Reise-Trends
Mehr Luxus, mehr Wellness, mehr Platz: Die Deutschen geben trotz Krise
viel Geld für Urlaub aus – und erwarten viel. Die Branche stellt sich darauf ein
Im Bett mit Armani
Immer mehr Modemacher gestalten Hotels
Die Strategie kann theoretisch nicht schiefgehen: Ein
bekannter Designer richtet ein Hotel ein – die Publicity
kommt von allein. Welche Fashionista möchte nicht im
„Hotel Missoni“ in Kuwait (Foto), im „Maison Moschino“
in Mailand oder bei „Armani“ in New York wohnen? Immer
mehr Modemacher entdecken diese Design-Spielwiese, das
Ergebnis ist zuweilen ernüchternd. Im „Hotel du Petit Moulin“ im Pariser Stadtviertel Marais beeindruckt vor allem die
Chuzpe von Designer Christian Lacroix: Der hat das Haus im
Stil einer Modestudenten-WG eingerichtet, die über Nacht zu
Geld gekommen sind. Ein getönter Spiegel über dem Bett
reicht ihm als „Design“ – dafür rund 300 Euro? Dann lieber die doppelte Summe ausgeben und das „La Maison
Champs-Elysées“ vom Maison Martin Margiela buchen. Der
Belgier liebt die Farbe Weiß und versteht es, sein ästheti■
sches Niveau auch als Innenarchitekt zu halten.
36
FOCUS 41/2011
Urlaub mit Arzt
In Asien boomt der
Medizintourismus
Sauna auf See
Die Kreuzfahrt-Branche setzt auf Wellness
Warum hat es eigentlich so lange gedauert, bis sich der
Langzeittrend „Wellness“ mit dem neuen Trend „Kreuzfahrten“ paaren durfte? Das Ergebnis sind Saunen,
Dampfbäder und Beautyfarmen, die freundlich schaukelnd alle Welt bereisen. Der moderne Kreuzfahrer verbringt einen Schlechtwettertag auf See bei vielen
Anbietern mittlerweile am angenehmsten im sprudelndwarmen Whirlpool oder beim Aufguss mit Ausblick auf die
Öresundbrücke. Der deutsche Branchenführer AIDA hat
die Idee am konsequentesten umgesetzt: Einen über
2600 Quadratmeter großen Wellnessbereich bietet das
jüngste Schiff der Flotte, die AIDAsol. Die sehr geräumigen Saunen auf den AIDA-Schiffen haben den Charme
einer finnischen Landpartie und Panoramafenster, die
ihren Namen verdienen: Sie befinden sich grundsätzlich
■
auf einem der obersten Decks.
Mehr Platz!
Neue Sitze in der Economy
Der Raum im Flugzeug ist knapp, in der EconomyKlasse erst recht. Businessflüge aber können in
wirtschaftlich angespannten Zeiten auch für Geschäftsreisende zu teuer werden. Für diese Klientel bietet die Air New Zealand eine Zwischenklasse
an: Die Premium Economy mit sogenannten Spaceseats (Foto). Der Markt für diese Klasse wird wachsen. Laut einer Studie der britischen Zivilluftfahrtbehörde CAA reisen drei von vier Geschäftsreisenden auch auf Langstrecken nicht mehr Business. ■
FOCUS 41/2011
Man braucht eigentlich keine
Zukunftsforscher, um die
Wünsche unserer alternden
Gesellschaft zu ergründen: Frauen
wollen „längere Schönheit“,
Männer „längere Vitalität“, so
eine neue Studie. Kein Wunder,
dass der Medizintourismus
boomt: Die Branche rechnet in
den nächsten Jahren mit einer
Wachstumsrate von mehr als
20 Prozent. „Urlaub wird immer
häufiger verbunden mit internistischen Gesundheitschecks und
ästhetisch-chirurgischen
Eingriffen“, sagt Michael
Schummert, Geschäftsführer der
deutschen Kosmetikmarke Babor,
die weltweit Hotel-Spas beliefert.
Derzeit profitieren vor allem
Wellness-Resorts in Asien –
sie können viele Behandlungen
■
günstiger anbieten.
Luftschiff, ahoi
Exklusiv und teuer:
der „Kreuzflieger“
Für Leute, die gern richtig viel
Geld für Reisen ausgeben, hat
Hapag-Lloyd die Ära der „Kreuzflüge“ eingeleitet. Wie der Name
schon sagt: Es geht im Flugzeug
kreuz und quer durch die Welt.
Und weil das Flugzeug ein
Privatjet ist, fallen keine nervigen
Wartezeiten an, und man schafft
stressfrei in 17 Tagen New York,
Toronto und Vancouver, per
Hubschrauber dann noch den
Yellowstone-Nationalpark, die
Rocky Mountains und den
Denali-Nationalpark . . . Oder man
reist über Silvester die Route
Hamburg, Jaipur, Agra Gan,
Villingili, Maskat, Hamburg.
Kosten: ab 28 790 Euro – wenn
man den umgebauten Airbus 319
CJ mit 36 Freunden oder Familienangehörigen teilt und im Doppelzimmer schläft. Einzelzimmer
sind noch ein bisschen teurer. ■
37
URLAUB
Stadt der Frauen
New York hat mindestens zwei Vorzüge: russisches Essen im „Mari Vanna“
und verführbare Mädchen. Findet David Garrett
Aufgezeichnet von Marika Schaertl
Star-Geiger und Frauenschwarm
David Garrett, 31, verbringt jedes Jahr vier
Wochen in seiner Wahlheimat Manhattan
38
FOCUS 41/2011
Fotos: The Rezidor Hotel Group, Peter Rigaud/laif, ddp (2), Roba-Press
E
s gibt Dinge, die man nur in New York erlebt. Wie neulich, nachts im Taxi in Manhattan: Mein Fahrer sprang
an einer roten Ampel plötzlich aus dem Auto und goss
einem anderen Taxifahrer einen Becher Wasser über den Kopf.
Hüpfte zurück in den Wagen und raste mit quietschenden Reifen
bei Rot über die Ampel. An der nächsten Ampel holte uns der
Kontrahent wieder ein, stürmte aus seinem Auto und hämmerte
mit einem Brecheisen zwei Minuten lang auf unseren Wagen
ein. Obwohl die Türen verriegelt waren, wurde mir mulmig. Im
Rückblick finde ich das Abenteuer witzig: So was gehört eben
zu dieser verrückten Stadt.
Normalerweise ist New York für mich eher ein Ruhepol, der
Ort, an dem ich entspannen und auftanken kann.
Seit mehr als zehn Jahren lebe ich hier. Der schönste Moment
ist immer der, an dem ich den Schlüssel meiner Wohnung in
Chelsea umdrehe und spüre: Hier bin ich zu Hause. Das klingt
kurios – schließlich verbringe ich nur vier Wochen im Jahr
hier. Aber mein Zuhause ist dort, wo ich Freunde habe. New
York war der erste Ort, an dem ich soziale Kontakte aufbauen
konnte. Früher in Aachen, wo ich aufgewachsen bin, war ich so
selten in der Schule, dass ich gar keinen Freundeskreis hatte.
Hier habe ich viele Freunde gefunden, seit ich an der Juilliard
School studiert und – der hohen Studiengebühren wegen – als
Bibliothekar, Model und Straßenmusiker gejobbt habe.
Das Schöne an New York ist: Man kann an Freundschaften nahtlos anknüpfen, auch wenn man ein paar Monate nicht hier war
und nicht angerufen hat. Keiner hat einen vermisst, keiner flößt
einem ein schlechtes Gewissen ein. Okay, das mag oberflächlich
klingen. Aber für mich und mein derzeitiges Leben mit all den
Konzertreisen quer durch die Welt, funktioniert das prächtig.
Meine Freunde sind Musiker, Schauspieler, Maler, Promis
wie Mary-Kate Olsen – Leute, mit denen man gut feiern kann.
Ich lade gern zum Dinner zu mir ein. Ein Freund und Chefkoch hilft mir. Mein Lieblingsrestaurant heißt „Mari Vanna“,
ein russisches Lokal in der Nähe des Gramercy Parks. Naomi
Campbell, Spike Lee und Rammstein waren schon hier. Ich
komme wegen der Küche und aus Nostalgie: Meine aus Kiew
stammende Großmutter hatte mir in meiner Jugend in Aachen
immer zum Geburtstag Borschtsch zubereitet – diese typisch
russische Suppe mit Gemüse, Fleisch und Rote Bete.
Für Verabredungen mit Frauen habe ich einen ganz besonderen
Tipp: Ich lade sie gern in die Metropolitan Opera ein. Da sind die
Mädels immer so perplex, dass sie spontan zusagen. Wenn man
nur vorschlägt, abends essen zu gehen, fängt man sich bei den
verwöhnten New Yorkerinnen eher ein Nein ein. Meine Methode
ist viel sicherer. Ich bekomme nie eine Absage.