AUSTRICKSEN URALTER INSTINKTE

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AUSTRICKSEN URALTER INSTINKTE
AUSTRICKSEN URALTER INSTINKTE
KOPFSACHE – so kriegen wir unsere Reflexe im Beruf in den Griff.
Vor 300 Millionen Jahren war das Gehirn der Säugetiere bei Gefahr auf drei Reaktionen
programmiert, den Kampf – die Flucht – oder das unauffällige Totstellen.
In der Evolution haben uns diese das Leben, Überleben gerettet.
Obwohl uns heute am Arbeitsplatz keine direkte Lebensgefahr droht, überrumpeln uns die
uralten Instinkte bei Stress immer noch. Nur reagieren wir heute zivilisierter:
° Der Kampf mit Keulen weicht einer verbalen Konfrontation,
° die Flucht endet in einer Rauch- oder Kaffeepause im Meeting und
° das Totstellen nennt man heute „Burn-out“.
Dies stellte der Hirnforscher und Management-Trainer Bernd Hufnagl bei einem Vortrag über
„unsere biologischen Verhaltensmuster und wie sie unseren Arbeitsalltag beeinflussen“ fest.
Seine Erkenntnis: „Wir arbeiten nicht hirngerecht“.
INNERE BREMSE ZIEHEN
Zu komplex sei die tägliche Informationsflut, zu intransparent unsere Aufgaben, zu unkreativ
unsere Lösungen. Wir versteinern im Angesicht unserer unsicheren Zukunft, das Gehirn
schreit „bleib doch auf der sicheren Seite“ dadurch stagniert der Fortschritt. Das erzeugt
Stress.
Unter diesem Druck schießt eine Menge Adrenalin in den Körper, das macht uns übermütig
und für den Kampf bereit. Um nicht auszurasten, empfiehlt Bernd Hufnagl für zwei Minuten
auf Distanz zu den Kollegen zu gehen. So lange braucht das Stammhirn um die Aufregung
wieder zu vergessen. „Gehen Sie auf die Toilette, drehen Sie kaltes Wasser auf und lassen Sie
es über Ihre Handgelenke laufen“, sagt der Experte. Durch die Unterkühlung de Nervus
Vagus, unserer „inneren Bremse“, beruhigen wir uns und bekommen den sprichwörtlich
kühlen Kopf wieder. Das Gleiche gilt auch beim Verfassen emotionaler eMails: Zuerst
abspeichern, später noch einmal lesen und erst dann – gegebenenfalls – abschicken.
Schwieriger wird es, sich aufzurappeln, wenn der Körper jegliches Verfahren gegen Stress
(Flucht und Kampf) aufgibt.
„Das Herz schlägt, der Muskel funktioniert, doch man kann nicht mehr aufstehen“.
Die Handlungsunfähigkeit setzt ein. Eine, von der sich laut der aktuellen Monster –
Jobwechsler – Studie 87 Prozent der Österreicher bedroht fühlen: Burn-Out.
Stellen sich Tiere tot, werden sie von ihren Jägern als unattraktiv empfunden oder einfach
übersehen. Auch bei Menschen führt dieser Reflex dazu, dass sie sich rar machen, in die
soziale Isolation. Amerikanische Studien fanden heraus, dass das Hormon Oxytocin dafür
verantwortlich ist, ob wir an zu viel Stress erkranken oder ihm standhalten. Oxytocin wird bei
Empathie und Fürsorge für andere Menschen produziert. Je mehr soziale Kontakte wir also
haben, desto resistenter werden wir bei Aufregung – nicht nur im Berufsleben.
IN DER ERFOLGSSPIRALE
Auch das Aufstehen nach Rückschlägen, das innere Motivieren wird durch Hormone
verursacht. Unser Gehirn versorgt uns mit Erfolg mit Dopamin – und merkt sich, wie gut das
dem Körper tut. Der Gehirnteil Hypocampus ist wiederum dafür verantwortlich, dass wir
Negatives schnell vergessen. Die Kombination dieser beiden Reaktionen pusht uns immer
aufs Neue, der Glücksrausch will wieder erlebt werden.
Läuft es allerdings eine Weile zu gut, sind wir auch wieder nicht glücklich, sagt Hufnagl.
Schlimmer noch: Die Trägheit setzt ein. „Wir sind für zwei Dinge gar nicht gebaut: Für
permanenten Misserfolg und für dauernden Erfolg“. Leichtes Spiel fordere uns nicht. Der
Mensch bräuchte stets Situationen oder Mitstreiter, an denen er sich messen und wachsen
kann – siehe Kinder im Spiel.
Erst wenn wir es uns verdient haben, würde uns das Gehirn mit Dopamin versorgen. Und
erst dann könnte kreative Arbeit und Innovation entstehen.
Quelle: Bericht über ein Referat von Bernd Hufnagl im Karrieren-Kurier
GEHIRN AUS – ERFOLG AN?
Entscheidungen zu treffen, ist oft keine leichte, noch seltener eine leichte angenehme Sache.
Wie wir gut entscheiden, ist Forschern immer noch ein Rätsel.
Klar ist aber: Der Bauch redet mit – oft klüger und schneller als der Kopf.
Negative Fakten im Mitarbeitergespräch ausblenden oder ehrlich bleiben? Bei einer
Gehaltsverhandlung forsch oder bescheiden auftreten? Den erzürnten Mitarbeiter zum Chef
schicken oder selbst die Situation schlichten?
Pro Tag treffen wir (angeblich) 20.000 Entscheidungen. Zum Glück den Großteil davon
unbewusst, weil uns sonst die ständige Auswahl an den Rand des Wahnsinns treiben würde.
Aber selbst die vergleichsweise wenigen Entscheidungen, die verbleiben, haben genug
Sprengkraft, unsere Psyche auf die Probe zu stellen. Denn eine einzige Fehlentscheidung kann
einen schlimmen Schaden nach sich ziehen.