Special: Peavey 5150/6505-Amps

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Special: Peavey 5150/6505-Amps
gear-special amp
© PPVMEDIEN 2012
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SPECIAL: PEAVEY 5150/6505-AMPS
Und Eddie sah, dass es gut war
Über Edward Van Halen sind unzählige Texte geschrieben worden, über seine Riffs, seine Songs und Soli, seine Spieltechniken, sein
Equipment. Und wenn wir an dieser Stelle der Peavey-6505-Verstärkerserie einen Artikel widmen, so soll er dort beginnen, wo die
Zusammenarbeit zwischen Mr. Van Halen und Peavey ihren Anfang nahm.
Ende der Achtziger hatte Eddie Van Halen seinen legendären
1959-SLP-Marshall in der Wand seines Studios verankert. Auf der Bühne
war der Marshall bereits 1987 einem modernen Soldano SLO100 gewichen – ein äußerst hochwertiger und bis heute beliebter ZweieinhalbKanaler mit immensen Gainreserven. Offenbar konnte man dem Meister
bei Peavey aber ein so verlockendes Angebot machen, dass er sich zu
einem Wechsel entschloss, um fortan auf Verstärker, Boxen und Gitarren
des amerikanischen Vollausstatters zurückzugreifen.
Das erste Ergebnis dieser Zusammenarbeit war 1991 der 5150, dessen
Name sich natürlich auf das gleichnamige Van-Halen-Album von 1986
und Eddie van Halens eigenes Tonstudio bezog. Gleichzeitig handelt es
sich um einen Code, den die kalifornische Polizei für flüchtige, geistig
130 guitar 1/12
verwirrte Kriminelle nutzt, die für sich selbst und vor allem für andere
eine Gefahr darstellen.
Der 5150, dessen Gesamtaufbau dem SLO100 durchaus ähnelt, bietet
eine 120-Watt-Röhrenendstufe und eine Vorstufe mit Gainreserven bis
zum Abwinken. Bereitgestellt wird ein Rhythmuskanal (der grüne Kanal)
mit umschaltbaren Clean-/Crunchmodi sowie ein „roter“ Leadkanal. Die
Klangregelung erfolgt über einen globalen, passiven Dreiband-EQ, einen
Brightschalter im Clean/Crunchbereich (+6 dB bei 2 kHz) sowie Presenceund Resonance-Steuerung in der Endstufe. Beide Kanäle verfügen über
getrennte Gain- und Lautstärkeregler. Ein einfaches Konzept, das um einen seriellen Effektweg hinter dem EQ und einen Lineausgang (für weitere Endstufen) komplettiert wird.
amp
gear-special
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Nach dem Wechsel
2004/2005 beendete Van Halen die Kooperation mit Peavey und wechselte zu Fender. 5150 und 5150 II blieben bis heute unter besagten neuen
Namen im Programm. 6505 steht dabei für 40 Jahre Peavey (1965 bis
2005)! Technisch änderte sich entgegen gegenläufiger Gerüchte nichts an
den Amps, was übrigens auch für die beiden 5150-Varianten mit EVHInitalien auf der Front und der neueren Version mit Unterschrift gilt.
Zuletzt hat Peavey den Dauerbrenner um zwei Modelle erweitert. Zum
einen hat man dem 6505+ eine Comboversion mit 60 Watt (2 6L6GC) zur
Seite gestellt, das Modell 6505+ 112. Als 1x12“-Version fällt dieser Combo wohnzimmertauglich und größenmäßig transportabel aus. Erstaunlich
ist der günstige Preis von 729 Euro, den man durch die Fertigung in
Fernost erreichen konnte. Dabei bietet der Combo ebenfalls Federhall und
sogar einen XLR-Direktausgang, der einen mikrofonierten Verstärkerklang simuliert.
Letzter Streich ist das Modell 6534+. Dieses US-Topteil greift in der
Endstufe auf EL34-Röhren zurück (4 Ruby EL34BHT), die sich im Original
5150/6505 standardmäßig nicht verbauen ließen. Ein interessantes Experiment, versprechen die Röhren doch eine andere klangliche Gangart,
allerdings mit einem kleinen Aufpreis gegenüber der 6L6-Variante.
Klang
Die Peavey-Modelle klingen allesamt dicht und setzen sich im Bandgefüge großartig durch. Sie sind breit und kräftig im Bass, ohne dabei Matsch
zu produzieren. Dabei unterstützt der Fokus im Tiefmittenbereich insbesondere tiefe Stimmungen sehr gut. Gleichzeitig liefern die Amps ein
gutes Attack und vermeiden bissige Höhen.
Für den 5150 oder den 6505, wie er heute heißt, standen sowohl Peaveyeigene Geräte als auch der Soldano SLO100 Pate, ganz sicher aber auch
eine klare Klangvorstellung von Eddie van Halen. Nähere Details lest ihr
in den beiden Interviews, die wir mit 5150-Chefentwickler James Brown
und Peavey-Experte Jerry Pinnelli geführt haben.
Das Ergebnis ist ein eigenständiger Verstärker, dessen eindeutiger
Schwerpunkt auf dem High-Gain-Leadkanal liegt, der mit sechs Gainstufen aus drei 12AX7 arbeitet (nebst weiteren 12AX7 für den Effektweg
und dem Phaseninverter). Nicht umsonst findet sich dieser Verstärker bis
heute bei Peavey im Programm.
Nach einiger Zeit wünschte sich Eddie eine Comboversion des 5150,
der mit halber Leistung 1995 auf dem Markt erschien. Der 5150 212 (heute 6505 212) arbeitet mit zwei 12“-Sheffield-Speakern in einem geschlossen, schweren Gehäuse und verfügt über einen eingebauten Federhall.
Letzter Streich ist schließlich der 5150 II – heute 6505+ – von 1999. Hier
legte Eddie van Halen ein weiterentwickeltes Topteil nach, bei dem der
Rhythmuskanal eine separate Klangregelung samt eigenen Presence- und
Resonance-Reglern verpasst bekam – plus die Möglichkeit, Clean- und
Crunchmodi per Fußschalter abzurufen.
Das Signal im Clean/Crunchweg durchläuft eine separate Vorstufenröhre, wurde also vom Leadkanal stärker entkoppelt. Eine weitere Detailverbesserungen ist auch das abnehmbare Netzkabel – dieses war vorher
nicht abnehmbar. Schließlich ließ es sich Mr. Van Halen nicht nehmen,
die zugehörigen 4x12“-Boxen zu entwerfen. Die Boxen sind identisch,
aber als gerade und angewinkelte Version verfügbar.
Die Modelle im Vergleich
Typ
6505
Bauart
Head
Leistung
120 Watt
Speaker
Head
Röhren
4 x 6L6
5 x 12AX7
EQ
1
Reverb
Herkunft
USA
Direct-Out
Preamp-Out
+
Send/Return
+
Footswitch
inklusive
Funktionen FS
Ch, FX
Biaspunkt
Gewicht
22 kg
Preise
1.396,- E
6505 412 Straight
6505 412 Slant
www.peavey.com
6505+
Head
120 Watt
Head
4 x 6L6
6 x 12AX7
2
USA
+
+
inklusive
Ch, Cr, FX
+
22 kg
1.759,- E
6534+
Head
120 Watt
Head
4 x EL34
6 x 12AX7
2
USA
+
+
inklusive
Ch, Cr, FX
+
22 kg
1.899,- E
6505 212
Combo
60 Watt
2 x 12“
2 x 6L6
5 x 12AX7
1
+
USA
+
inklusive
Ch, Rv
38 kg
1.649,- E
6505+ 112
Combo
60 Watt
1 x 12”
2 x 6L6
5 x 12AX7
2
+
China
+
+
optional
Ch, FX
29 kg
729,- E
1.150,- E
1.150,- E
131
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Die zweite Generation: 5150 mit EVH-Script-Logo
anstelle des früheren Blockletter-Logos
Tipps, Tricks und Fehlerquellen
Nur der 5150/6505 verfügt über einen um 6 dB im Pegel abgesenkten Normaleingang. Insbesondere mit aktiven Tonabnehmern
kann das Klangbild hierdurch etwas aufgeräumt werden. Eine gute
Alternative für das Doppeln einer Spur, ebenso wie der Crunchmodus mit vorgeschaltetem Overdrive. Naheliegend ist zudem der
Anschluss eines Noise-Gates. Eine Geschmacksfrage ist die Hinzunahme eines BBE Sonic Maximizers im Effektweg. Hier gewinnt
der Sound nochmals an Bassgewalt und Transparenz, verliert aber
ein wenig an Direktheit. Wer den zweiten Master-Volume schmerzlich vermisst, kann einen neutralen Booster im seriellen Effektweg
platzieren.
Alle Topteile eignen sich hervorragend als kräftige Endstufen.
Noch besser die Plus-Version: Speist man einen anderen Preamp in
den Returnistdieses
(oder
in den
6505+einen
112), definierten,
bleiben
Ultratight
keinesVerstärkers
der Modelle.
Man
bekommt
Reglersätze
Presence
erhalten,
umaberdessen
auch zwei
verzeihenden
Tonfürserviert,
derund
mitResonance
nahezu jedem
Humbucker
schaltbar
per Fußschalter!
gilt auch
fürunbedingt
den preiswerten
Com-vereinen
guten Sound
liefert und Das
im Metal
nicht
nach EMGs
bo Im
6505+
112.
langt.
Bandkontext
funktioniert er aufgrund seiner Klangfülle prima
Damit
dereiner
5150/6550
einen „fixed
bias“
Bias
verfügt, denn
kann der
in Bands
Gitarre.über
Im Gitarrenduo
muss
man
aufpassen,
man prinzipiell
ein Konkurrenten
neues 6L6-Quartett
einstecken.
5150/6505
drückt soeinfach
manchen
gern an
die Wand.DenMit eiist deroder
Röhrentausch
durch
den Fachmann
sinnvoll,
da dieserzunemnoch
JCM800
einem Dual
Rectifier
spielt er jedoch
wunderbar
den Bias prüfen sowie defekte Schutzgitter und Widerstände lokasammen.
lisieren
kann. Eine
typische Modifikation
ist der Einbau
eines
BiasIm
spannenden
Direktvergleich
der drei Topteile
an einer
4x12“-Box
Reglers.G12T-75)
Messpunkte
sindder
zwar
an den im
II/Plus-Topteilen
vorhan(Celestion
macht
Leadkanal
Downtuning mit
aktiven
den, dort aber
nicht sehr
aussagekräftig.
5150/6505
und dievon
PlusHumbuckern
den Anfang.
Mögen
510/6505 und
5150II/6505+
Eddie
sind in
derNugent
Endstufe
Werk mit einer
vanModelle
Halen oder
Ted
fürabRocksounds
undeher
Soli„kalten“
genutzt Biasworden
Einstellung
(22und
mA)Hardcorefraktion
versehen worden.hat
Hier
regelt
der Techniker
sein:
Die Metaldiese
Verstärker
längstimaufServicefall
gern nach.
Da dieser Eingriff
zu Klangveränderungen
grund
ihrer Brutalität
liebgewonnen
und zu Denkmälern
erhoben.
führt,
das etwas weniger
definierte,
dafür
jedoch Head,
„rundere“
ErZu
denistbekanntesten
Anwendern
gehören
Machine
In Flames,
gebnisund
eines
eingestellten
BiasAndy
reine Sneap.
Geschmacksfrage.
Trivium
derwärmer
erfolgreiche
Produzent
Mit aktiven oder
Generell sind
Peavey-Modelle
zuverlässig.
leistungsstarken
Humbuckern
braucht äußerst
man den
GainreglerTypische
tatsächlich
Fehler
sinddieKurzschlüsse
einer Endstufenröhre,
ein Mehr
verdreckter
kaum
je über
12-Uhr-Einstellung
hinaus zu bewegen.
Gain hat
Effektloop
(Kabel
zur Überbrückung
und an
mögliche
kaum
ein anderer
Verstärker!
Gleichzeitig einstecken)
hapert es weder
der Lautdefekte
Die Verstärker
zwar
über eine
stärke,
nochSicherungen.
fängt der 5150/6505
besondernverfügen
schnell an
zu pfeifen.
Alleninternsind
sindbei
aber
weitere
platziert.
fallsAußensicherung,
die Nebengeräusche
dieser
hohen
Vorverstärkung nicht zu
überhören.
132 guitar 1/12
Alle drei Amps liefern ein richtig druckvolles Brett. Wir reden also bei der
folgenden Differenzierung eher über Klangnuancen als über unterschiedliche Klangwelten. Tatsächlich klingt das Original etwas roher und bietet
mehr Gainreserven, die man allerdings kaum je ausschöpfen wird. Der
5150/6505 hat einen weniger definierten Klang; dafür liefert er bei tiefen,
halb abgedämpften Akkorden ein aggressives Basswummern.
Dieser Verstärker ist besonders wütend. Die Plus-Modelle zeigen sich
hingegen etwas aufgeräumter, weniger breit und brutal und im Höhenbereich schnittiger. Hier gibt es etwas mehr Attack, was je nach Spielart
durchaus von Vorteil ist.
Da der wesentliche Klang aller Modelle aus der Vorstufe kommt, ist
auch der neue 6534+ seinem Bruder sehr ähnlich. Dennoch gibt es Unterschiede: Die 6L6-Bestückung (Ruby 6L6GCMSTR), die von Bullet for my
Valentine, As I Lay Dying und Black Stone Cherry genutzt wird, liefert
etwas mehr Pfund im Bassbereich und etwas schnittigere Höhen. Sie ist
daher die Idealbesetzung für den Metaller. Die EL34-Bestückung hingegen weist einen leicht anderen Mittenfokus auf. Die typischen Tiefmitten
sind weniger präsent und werden um dezente Marshall-Anleihen ergänzt.
Im Bassbereich hat die EL34 weniger Headroom und ist daher nicht ganz
so definiert. Eine gute Alternative, wenn man weniger metallische, sondern eher rockige Sounds bevorzugt. Bei hohen Gaineinstellungen, vor
allem mit schwächeren Tonabnehmern, gefällt mir persönlich der 6534+
besser, denn er ist weniger bissig.
Sauber und dreckig
Während alle Modellen mit aktiven Tonabnehmern im Cleankanal nur
mit niedrigen Gaineinstellungen sauber arbeiten, sind Vintage-Humbucker im Vorteil. Hier erfolgte der Test in Normalstimmung. Erwartungsgemäß unterscheiden sich Clean- und Crunch-Sektion der Original- und der
Plus-Serie. Dank der zusätzlichen Umschaltmöglichkeit zwischen Clean
und Crunch liefern beide Plusmodelle drei Kanäle und damit das bühnenübliche Trio Clean, Crunch und High-Gain. Der Cleansound gewinnt gegenüber dem Original deutlich, da hier drei statt sechs Gainstufen (im
5150/6505) in Betrieb sind. Entsprechend sauberer klingt der Cleankanal.
In der 6L6-Variante klingt es im unteren Gaindrittel sauber, offen und
durch die zweite Klangregelung auch gut formbar. Hierbei sei hervorgehoben, dass neben dem passiven Dreiband-EQ der Vorstufe eben auch ein
zweites effektives Paar Regler – Resonance und Presence – zur Verfügung
stehen. Ich empfinde den Cleansound zumindest für den Live-Einsatz in
härteren Genres als akzeptabel, selbst wenn ihm die Perkussivität
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Die glücklichen Eltern: Eddie und 5150-Entwickler James Brown
mancher Spezialisten fehlt. Ein echtes Kaufargument ist dieser Kanal
jedoch nicht, im Original schon gar nicht. Eine kleine Überraschung birgt
der 6534+: Hier wirken sich entweder die EL34-Röhren positiv aus, oder
Peavey hat kleinere Änderungen im Rhythmuskanal vorgenommen. Der
Cleansound wirkte auf mich generell runder und der untere Gainbereich
schien breiter nutzbar. Er punktet somit gegenüber seinem Bruder und
wird für mich zum flexibelsten Modell der Baureihe.
Schaltet man 6505+/6534+ von klarem Clean auf Crunch um, ergibt
sich ein guter, fülliger Hardrock-Sound. Hingegen benötigen 5150/6505
und 6505+ 112 für klare Sounds besonders niedrige Gainwerte, so dass
der Crunchkanal hier an Härte einbüßt. Frei justiert hingegen bietet der
Auch im Studio ein gern gesehener Gast:
Produzent Andy Sneap schwört seit Jahren
auf den Peavey 6505
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Der Planer: James Brown
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James Brown war etliche Jahre als leitender Entwickler bei Peavey tätig. Dabei
entstanden Verstärker wie der Classic sowie die Signature-Modelle für Eddie Van
Halen und Joe Satriani. Danach war er als leitender Entwickler bei Kustom tätig,
konzentriert sich inzwischen aber voll und ganz auf seine eigene Firma namens
Amptweaker.
(www.amptweaker.com).
Welchen Verstärker wollte Eddie Van Halen
mit dem 5150 verbessern beziehungsweise
ersetzen?
Eddie nutzte in dieser Zeit sowohl einen
Soldano SLO100, aber auch seinen Marshall
SLP. Der 5150 sollte den Soldano für den
Studio- und Bühneneinsatz ersetzen. Für
bestimmte cleane Rhythmusparts im Studio
griff er weiter zu seinem Marshall. Die
Referenz, die er uns damals setzte, war sein
SLO100, dessen Vorstufe über die Endstufe
seines alten Marshalls lief und über
eine 4x12“-Marshallbox mit zwei unterschiedlichen Celestion-Typen
wiedergegeben wurde.
Wie sah die Konstruktionsbasis für den 5150 aus?
Bei Peavey spielte Eddie testweise die Modelle VTM120 und Ultra, dazu
die Rockmaster-Vorstufe in Kombination mit einer Classic-120/120Röhrenendstufe. Von letzterer stammt die Resonance-Schaltung. Ihm
gefiel das Modell VTM am besten. Unsere Arbeit begann daher mit
Crunchmodus Gainreserven, die einen JCM800 locker übertreffen. Insbesondere die Originalversion besitzt mit sechs Gainstufen immense Gainreserven und eine ähnliche Klangcharakteristik wie der Leadkanal. Dieser
Kanal kann, je nach Stilistik, fast noch brutaler als der Leadkanal klingen.
In den Plusmodellen sind die Gainreserven etwas beschnitten, dennoch
ist man aufgrund der doppelten Klangregelung klar im Vorteil. Eines wird
jedoch immer wieder klar: Allen Modellen fehlt eigentlich ein separater
Gainregler für den Crunchkanal!
Interessant ist auch der Eindruck mit Pedalen: Die Plusmodelle reagieren nach meinem Empfinden nicht unbedingt positiv auf Booster,
während der 5150/6505 im Crunchbereich durchaus gute Ergebnisse
liefert (getestet mit Amptweaker Tightboost, siehe Seite 157). Im Unterschied dazu hilft ein dezent eingestellter Overdrive (hier VHT V-Drive)
dem Crunchkanal zu einem zweiten High-Gain-Sound, der mit viel
Attack auch Thrasher erfreuen dürfte.
Van-Halen-Sound im Comboformat
Auch die Combos sind in der grundsätzlichen Klangcharakteristik vergleichbar und bieten sogar noch einen Federhall. Aufgrund des geringeren Headrooms und der kleineren Übertrager klingt der 5150/6505 212
etwas „harmloser“, weniger druckvoll, definiert und mächtig sowie etwas
dunkler. Sein Leadkanal entspricht weitgehend dem 5150II/6505+. Auch
der 6505+ 112 tendiert in diese Klangrichtung. Beide Combos wurden
bewusst mit geschlossenen Lautsprechergehäusen ausgestattet, um einen
druckvolleren Klang zu erreichen.
Natürlich ließ es sich Mr. Van Halen nicht nehmen, passende 4x12“Boxen einzufordern, die bis heute in gerade und angewinkelter Version
verfügbar sind. Es handelt sich um robuste Konstruktionen in Standardgröße, bei denen Peavey, wie auch in den Combos, die hauseigenen Sheffield-1200-Lautsprecher einsetzt.
Die Box liefern reichlich Druck und ein sattes Bassfundament. Dabei
klingt die Box im Mitten- und Höhenbereich vergleichsweise rund und
wenig bissig. Diese Charakteristik wurde bewusst gewählt und bringt erst
134 guitar 1/12
diesem Modell und der Classic-120/120-Endstufe. Als Übertrager kam
der überdimensionierte Typ aus dem Modell Roadmaster zum Einsatz, der
eigentlich für sechs Endstufenröhren konzipiert war.
Gibt es besondere Schaltungskniffe im 5150?
Der regelbare Resonanzparameter in der Endstufe war eine echte
Besonderheit, die den Bassgehalt des Verstärkers an die jeweilige Box
anpassen kann. Außerdem führte ich eine Gainstufe mit Puffer vor der
Klangregelung ein. Die Gainreserven im 5150 sind immens. Eddie hat
den Gainregler selten weiter als 7 aufgedreht. Ihm gefiel, dass es eine
Reserve für den Fall der Fälle gab. Ironischerweise wird der 5150/6505
heute gerade für seine Gainreserven geschätzt.
Eddie hat doch früher eher auf Endstufenverzerrung gesetzt. Auch ein
Cleankanal mit so vielen Gainreserven ist ja eher ungewöhnlich ...
Eddies Marshall-Sound bedurfte auf der Bühne umfassender Nachbearbeitungen am Mischpult, um dem Klang der Platten nahe zu kommen.
Mit Vorstufenverzerrung kommt man diesem Ergebnis leichter näher. Er
konnte sogar die Mitten weit herunterregeln, ohne dabei Sustain und
Chunk einzubüßen.
Wie sah der Ansatz für das Voicing der Kanäle aus?
Wir haben das Voicing über Jahre verfeinert; es war ein stetiger Austausch
zwischen Eddie und uns. Den Cleankanal hat er zunächst überhaupt nicht
eingesetzt, sondern lieber das Lautstärkepoti der Gitarre runtergedreht.
Als er später den Cleankanal zu nutzen begann, haben wir direkt an
dessen Verfeinerung für den 5150 II begonnen.
Um was ging es im Modell 5150 II? Was war die Idee des Combo-Verstärkers?
Eddie wünschte sich einen Combo-Verstärker. Allerdings war es
aufgrund der geringeren Leistung sehr schwer, den Druck des Topteils zu
Die nächste Generation:
Robb Flynn von Machine
Head
amp
gear-special
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transferieren. Infolgedessen habe ich mich verstärkt mit den Bauteilen der
Vorstufe, die sich der Definition im Attack des verzerrten Klangs widmen,
auseinandergesetzt. Eddie war von diesen Möglichkeiten begeistert und
wünschte sich unmittelbar einen entsprechend modifizierten 5150. Dieser
in der Attackansprache modifizierte Verstärker kam auf dem Album
Balance zum Einsatz und stellte auch die Basis für den Leadkanal des
5150 II dar. Übrigens war genau dieser Unterschied im Attack eine der
Inspirationsquellen für den Tight-Regler meiner Amptweaker-Pedale.
sprache. Es gab etliche Lautsprechervarianten, bevor Eddie mit dem
Klang zufrieden war.
Hat Eddie denn später beide Verstärkerversionen genutzt?
Gibt es einen Grund, warum die Endstufe „kalt“ eingestellt wurde?
Ich bin mir nicht sicher, ob er das erste Modell nach Erscheinen des 5150
II noch für Aufnahmen eingesetzt hat. Ich hatte immer den Eindruck,
dass er auf einer permanenten Suche nach Optimierungen war, um den
Klang, den er in seinem Kopf hatte, umzusetzen.
Ich kann nicht sagen, dass wir die Endstufe bewusst kälter als üblich justiert hätten. Da wir allerdings so viel Vorstufenverzerrung zur Verfügung
hatten, spielte der Bias der Endstufe klanglich eine eher untergeordnete
Rolle. Mit der kälteren Biaseinstellung verschleißen die Endstufenröhren
zudem weniger schnell. Und da wir wirklich wenige Defekte und Ausfälle zu beklagen hatten, war ich mit der getroffenen Wahl auch glücklich.
Was war der Ansatz für die passende Lautsprecherbox?
Eddie spielte seinen Verstärker meist nur durch eine 4x12“-Box. Damit
fügte er seinem Klang ein gutes Stück „Pappenzerre“ hinzu. Für mich
hatten seine Lautsprecher weniger hohe Mittenanteile im Klang. Ich
glaube, dass dieser Klang Eddie dazu bewog, den Verstärker zum Ausgleich
im Höhenbereich kräftig auszuführen. Die Lautsprecherbox gehörte zu
den aufwendigsten Arbeiten unserer Zusammenarbeit. Hier spielen jede
Menge Details eine wichtige Rolle, etwa die Verbindung der Seitenwände,
die Holzart und -stärke und natürlich die Gesamtabmessungen. All
diese Details beeinflussen den Klang letztlich mehr als der verbaute
Lautsprecher. Und Eddie hat wirklich ein außergewöhnlich gutes Gehör.
Wie habt ihr den geeigneten Lautsprecher ausgewählt?
Die Lautsprecher wurde von den Peavey-Ingenieuren entwickelt, die auch
für die Übertrager zuständig waren. Mein Anteil betraf das Gehäuse und
die Vermittlung zwischen Eddies Klangvorstellung und der Ingenieurs-
Warum fiel die Wahl auf 6L6-Röhren?
In seinem Soldano nutzte Eddie 5881-Endstufenröhren. Diese gefielen
ihm nicht sonderlich. Da wir für 6L6-Röhren bereits Übertrager zur Verfügung hatten, haben wir mit diesen unsere Arbeit begonnen und auch
das gewünschte Ergebnis erreicht.
Gibt es eine Erklärung, warum zwei 5150/6505-Modelle oft unterschiedlich
klingen?
Die Antwort ist einfach: Zu dem Zeitpunkt, als wir das EVH-Logo entfernten, um einem Konflikt mit Electro Voice aus dem Weg zu gehen,
ging uns bei Peavey der Bestand an Philipsröhren aus. Diesen Bestand
hatte Hartley Peavey in den Achtzigern angelegt. Stattdessen setzten wir,
beginnend mit dem neuen Frontlogo, chinesische Endstufenröhren ein.
Ein anderer Grund für deutliche Klangunterschiede können die Vorstufenröhren sein. Die Röhren können dabei sowohl bei der Verzerrung als
auch im oberen Frequenzspektrum variieren. Ab Mitte der Neunziger gab
es Engpässe bei den chinesischen Röhren und so testeten wir verschiedene Typen und entschieden uns schließlich für Sovteks. Was Peavey
heute im 6505 verbaut, weiß ich leider nicht. Ich habe Peavey verlassen,
noch bevor die Zusammenarbeit mit Eddie endete.
durch die zähmende Wirkung den gewünschten Van-Halen-Sound. Hier
kommt es also auf die Anwendung an. Wer es gern aggressiver hat, greife besser zu Celestions, mit denen die Verstärker ebenfalls bestens harmonieren. Vintage 30, G12T-75 oder G12K-100 sind eine gute Wahl. Dabei
belohnen alle drei Topteile hochwertige Boxenkonstruktion durchaus mit
mehr Definition und Schub. Ein abschließendes Wort zu den Namensvettern aus dem Hause Fender: Der 5150 III weist laut Jerry Pinelli von FJA
Mods im Leadkanal Ähnlichkeiten zum Original auf, während die übrige
Schaltung deutlich abweicht. Ebenfalls gibt es Unterschiede im Effektweg und der Stromversorgung. Außerdem ist der 5150 III nicht mit dem
ebenfalls klangprägenden Resonance-Regler ausgestattet. Im Cleankanal
ist dieser Verstärker den Peavey-Modellen überlegen.
Neues Gewand, innerlich zum Glück noch der Alte: der neue 6505
135
gear-special amp
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Fazit
Der markante, fette und immens durchsetzungsfähige High-Gain-Sound
der 5150/6505-Serie erfreut Van-Halen-Freunde ebenso wie Liebhaber
harter Extremstile. Die 5150/6505-Reihe zählt nicht umsonst zu den modernen Klassikern. Für Downtunings sind diese Amps längst ein Standard. Da sieht man schon einmal über das Rauschen im Leadkanal hinweg und verzeiht, dass die Cleankanäle allenfalls in den Plusmodellen
akzeptabel, aber dennoch kein Kaufargument sind. Innerhalb der Serie
geht der 5150/6505 als Hard- und Metalcore-König durchs Ziel. Er ist das
One-Trick-Pony für brutale und natürlich Van-Halen-Sounds.
Der 6505+ ist das flexiblere Bühnengerät und gleichzeitig der Spezialist für Metaller. Sein Bruder, der 6534+, ist gleichermaßen flexibel und
livetauglich und eine willkommene, leichte Klangalternative. Was den
Amps bis heute fehlt, ist ein separater Gain/Level-Regler für den Crunchkanal und ebenso ein zweiter Master-Regler, wie ihn der Konkurrent Dual
Rectifier bietet. Wer den Peavey-Sound sucht, wird auch in deutlich teureren Preisgefilden kaum fündig. Da kann man sich über die attraktiven
Straßenpreise weiterhin nur freuen.
Ulf Kaiser
Der Bastler: Jerry Pinnelli
Jerry Pinnelli von FJA Mods (www.fjamods.com) gilt als einer der führenden Experten
weltweit, was den 5150/6505 betrifft. Er ist dafür bekannt, den Amp durch seine
Modifikationen weiter zu optimieren. Hier könnt ihr bequem die Version II/Plus auf
den Leadkanal des ersten Modells rückrüsten oder den Original-5150/6505 mit drei
fußschaltbaren Kanälen bestücken lassen und vieles mehr. Jerry liefert uns ein wenig
Hintergrundwissen.
Inwieweit ähnelt der 5150 einem SLO100?
Der 5150 ist durchaus mit dem Soldano
SLO100 vergleichbar. Überhaupt gibt es
schaltungstechnisch viele Verwandtschaften
zwischen SLO100, 5150, der Recitifer-Serie
und dem Framus Cobra. Allerdings klingen
die Verstärker allesamt unterschiedlich.
So nutzt der Framus einen völlig anderen
Equalizer. Der Effekteinschleifweg im 5150
wiederum ist völlig anders als bei Soldano
umgesetzt. Der Loop sitzt hinter dem EQ und
dem Lautstärkeregler.
Blockletter, Signature-Logo und 6505
Das Gerücht, die „Blockletter“-Version des 5150 würde besser als die
Folgemodelle klingen, ist falsch und eine Idee, höhere Preise auf eBay
zu erzielen. Hier wurden weder andere Übertrager noch bessere Bauteile
verwendet. Auch beim 6505 handelt es sich um den gleichen Verstärker.
Tatsächlich gab es über die Jahre einige Bauteilwechsel, etwa bei den
Potis, die aber nicht den Modellversionen zuzuordnen sind. Auch wurde
das Layout der 5150-Endstufe geändert, um eine identische Platine
für den 5150 II nutzen zu können. Schließlich gab es eine Änderung
des Platinengrundstoffs und interner Flachbandkabel. Außerdem
wechselte Peavey den Hersteller des Ausgangsübertragers im Laufe der
6505-Generation. Allerdings gibt es keinen einzigen Wechsel, der dazu
führen könnte, den einen Amp besser als den anderen zu bewerten. Einzig
die Röhren machen den Unterschied. So klangen die ersten Röhrentypen
(Sylvania/Philips) in der Endstufe besser als die Folgemodelle von Sovtek
und Ruby Tubes. Weiterhin unterliegen viele Teile im Verstärker einer
gewissen Toleranz, die dazu führt, dass zwei gleiche Modelle auch etwas
anders klingen. Das hat aber mit dem Frontlogo nichts zu tun. Auch zwei
Blockletter-Modelle können unterschiedlich klingen.
136 guitar 1/12
Auch Matt Tuck, Sänger und Gitarrist der Schnuckelmetaller Bullet for my
Valentine steht auf den Klassiker
Lässt sich der 5150/6505 mit anderen Endstufenröhren betreiben?
Nein, die Endstufe wurde spezifisch für den Betrieb mit 6L6-Röhren
entwickelt. Natürlich lässt sich der Verstärker entsprechend modifizieren,
was allerdings aufwendig ist und zudem die Gefahr eines Defekts birgt.
Grundsätzlich erzielt der 5150/6505 seinen Klang im Wesentlichen
durch die Vorstufe. Er verfügt über ausreichende Gainreserven, und eine
zusätzliche Verzerrung im Bereich der Endstufenröhren würde meines
Erachtens nur stören. Im Falle des 5150/6505 halte ich das Ergebnis der
Modifikation nicht für gerechtfertigt. Der Amp klingt nicht schlecht mit
EL34s, man sollte allerdings das Gain weniger hoch einstellen, sonst
beginnt es, undefiniert zu klingen. Der neue 6534+ basiert auf dem
5150II/6505+, der mit weniger Gain arbeitet. Dieses Modell (6534+) ist
bis auf einige kleine Anpassungen der Endstufe im Prinzip identisch. Hier
ist die EL34 als Klangalternative durchaus sinnvoll.
Inwieweit unterscheidet sich der günstige 6505+ 112 von den amerikanischen
Modellen?
Schaltungstechnisch ähnelt der Leadkanal im 6505+ 112 den US-Geräten,
während der Rhythmuskanal mehr Änderungen aufweist. Der Effektweg
arbeitet auf Transistorbasis, daher gibt es eine 12AX7 weniger. Wichtiger
jedoch sind die Inverterstufe und die Endstufe. Diese Schaltungen sind
gänzlich unterschiedlich und entsprechen eher den Peavey-Modellen
Windsor und Valve King. Da dort auch die negative Rückkopplung der
Endstufe abweichend arbeitet, haben auch Presence und Resonance eine
andere Wirkung. Der Resonanzschaltkreis selbst ist zwar identisch, nicht
jedoch die Presenceschaltung. Würde man aus dem Effekt-Send in eine
eher Marshall-verwandte Endstufe wie die des 5150/6505 weiterleiten,
wäre dieser Combo wohl näher am Original.