Menschen machen Medien 1

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Menschen machen Medien 1
inhalt
titelthema datenpoker
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8
14 Rückwärts in die Zukunft?
Zeitungsverleger für „Rückbau“
der Tarifverträge und Tarifwerk 2
15 Gemeinsam aufstehen
Redakteurinnen und Betriebsräte zur Tarifrunde
16 Stellenstreichungen
Umstrukturierung in Kiel:
Verhandlungen kommen voran
16 Erhalt der Metadaten
in Fotos gefordert
17 Arbeitswelten
Fotografische Einblicke in einen
nichtöffentlichen Bereich
18 Flucht aus Flächentarif
18 Ippen zieht sich zurück
18 dpa-Tarifrunde
ohne Annäherung
18 Schon entdeckt?
Der Wedding
19 Gehalt gekürzt
Vertreter des Bauer Verlages:
Mediation ist
kein Waffenstillstand
(Alp-)Traum WikiLeaks
Von Christiane Schulzki-Haddouti
11 Anonyme Depots
Konkurrenz zu WikiLeaks formiert
sich mit neuen Konzeptionen
12 Für ein Optimum
an Transparenz
Gespräch mit Professor
Horst Pöttker
von der TU Dortmund
leserumfrage
4
Medienpolitik auf Platz 1
Kritik und Vorschläge: Leserinnen und Leser bewerten M –
Menschen Machen Medien
kolumne
6
Im Arbeitsprozess vereint
60 Jahre Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union
(dju) – eine Erfolgsstory
porträt
rundfunk
7
20 Hohe Qualität statt Masse
ARD-Vorsitzende Monika Piel
in Zeiten kostenloser Apps und
neuer Gebührenverfahren
Der vernetzte Eigensinn
Journalist und Gewerkschafter
Uli Röhm prangert oft Missstände an
Zu Unrecht verweigert
Von Peter Nowak | Klagen lohnt sich. Diese Erfahrung konn-
M 1– 2.2011
22 Spiegel TV baut stellen ab
23 Parteieneinfluss
begrenzen
ver.di im ZDF begrüßt Klage
gegen Staatsvertrag
musikmedien
24 Prince und Pop
Musikpresse hat schon bessere
Zeiten gesehen
25 Nur noch Pay-TV
Geht das klassische
Musikfernsehen seinem
Ende entgegen?
26 Zeichen von Abschied
Interview mit Musikproduzent
und Autor Tim Renner
film
28 Tarifeinigung bei CinemaxX
Kein Arbeitsplatzabbau
bei Kinodigitalisierung
28 Vom Roten Teppich
zu Hartz IV
Finanzielle Situation von
Schauspielern keinesfalls rosig
29 Befristung ist realitätsfremd
Nur wenige Anträge bewilligt
aktuell
30 Lobende Erwähnung für
Parodie von WDR-PRINT
30 Journalistensitz im rbbRundfunkrat bleibt frei
kommentiert
ten im Jahr 2010 Kamil Majchzak (siehe M 12 / 2010) und
Friedrich Burschel (S.35 in dieser Ausgabe) machen. Beiden
Journalisten war die Akkreditierung zum G8- bzw. Natogipfel zu
Unrecht verweigert wurden, wie die Gerichte feststellten.
Schon die Datensammlung, die zu der Ablehnung führte, war
rechtswidrig. Ende gut – alles gut? Leider nicht. Die Kollegen
hatten finanzielle Einbußen, weil sie von den Gipfeln nicht
berichten konnten. Burschel wurde von konservativen Medien
in die Extremistenecke gestellt und verlor zweimal seinen Job.
Noch immer sind im Internet die diskriminierenden Artikel
mühelos zu finden.
Über das Burschel entlastende Urteil hingegen berichteten
wenige Medien. Die Zeitungen, die so schnell mit Vorverurteilungen bei der Hand waren, brachten keine Zeile. Zudem waren
nicht nur die beiden Journalisten von der Akkreditierungsverweigerung betroffen. Doch die anderen wollten den langen
Rechtsweg nicht beschreiten, was auch Burschel und Majchzak
nur mit Unterstützung von ver.di möglich war. Ihre juristischen
Erfolge können auch nicht verhindern, dass bei kommenden
politischen oder sportlichen Großereignissen wieder Journalisten
ausgeschlossen werden. Denn die Urteile gelten nur für den
2
Karikatur: Kostas Koufogiorgos
konkreten Fall. Es kann aber nicht hingenommen werden, dass
Journalisten keine Entschädigung bekommen, obwohl ihnen
Gerichte bescheinigten, dass sie zu Unrecht an der Ausübung
ihres Berufes behindert wurden. Ganz wichtig ist es jetzt, Vorsorge zu treffen, dass solche Einschränkungen der Pressefreiheit
nicht mehr möglich sind.
Die Mittel liegen längst bereit. So haben sich die Journalistenund Medienorganisationen dju in ver.di und DJV, gemeinsam
mit ARD, ZDF, den Verlegerverbänden für Zeitungen und
Zeitschriften, des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien
und dem Deutschen Presserat auf Eckpunkte und Grundsätze
zur Akkreditierung geeinigt (http://dju.verdi.de). Sie sehen
einen grundsätzlichen Rechtsanspruch auf die Akkreditierung
eines Journalisten vor. Die soll nur noch verweigert werden
können, wenn konkrete Anhaltspunkte vorliegen, dass der Journalist durch sein Verhalten die Sicherheit der Veranstaltung
stört.
Eine „falsche“ politische Einstellung würde dann zur Zurückweisung eines Journalisten nicht mehr ausreichen. Jetzt müssen
diese Akkreditierungsgrundsätze auch von den Veranstaltern
der Großereignisse akzeptiert werden. Dabei könnte eine größere öffentliche Debatte den Druck erhöhen.
editorial
30 dju Hessen: Bilanz aus
vier Jahren im Netz
30 Bunter und Jünger
Medienfachbereich RheinlandPfalz / Saar startet durch
journalismus
31 Stuttgart 21
im Medienspiegel
Debatte über Bürgermedien im
digitalen Zeitalter
32 Unheiliger Zensurversuch
Popgruppe „Unheilig“ wollte
Rezension gegenlesen
32 GRENZENlos
Die Linke Medienakademie geht
in die nächste Runde
33 Standbein halbrechts
Umstrittenes Anzeigenblatt
sucht Journalisten
für Mini-Bezahlung
34 Fuß fassen auf Tour
dju lud an der Uni Leipzig zu
Workshops und Vorträgen ein
34 Kampf um Journalistik
Strukturdiskussionen in Leipzig
recht
35 Kein Burgfrieden
Urteil um Fotoaufnahmen im
Schlösser-Streit nicht eindeutig
35 Beobachtung rechtswidrig
Verfassungsschutz durfte Daten
nicht weitergeben
36 mediafon-Ratgeber-Buch
für Selbstständige
36 Zeit abgelaufen
für Total Buy-Out
Gewerkschaften obsiegten
gegen AGB des Zeit Verlages
36 Verfassungswidrig
internationales
37 Neue Mediengewerkschaft
Schweiz: Fusionskongress von
Kommunikation und comedia
37 Lukaschenko
verstärkt den Druck
38 Überwacht und zensiert
Ungarn: Trotz heftiger Kritik
keine Veränderung
an Mediengesetzen
39 Im Aufbruch
Tunesien: Nach Sturz
des Präsidenten sortieren sich
die Medien neu
rubriken
13
40
42
44
Briefe an M
Service
Impressum
Leute / Preise
Ringen um Demokratie
Die arabische Welt ist aus den Fugen.
In mehreren Ländern geht das Volk
für Demokratie und Meinungsfreiheit,
gegen Ungerechtigkeit und Korruption auf die Straße. Regierende wie
Ägyptens Mubarak klammern sich an
die Macht. Jedes Mittel scheint recht.
Menschen sterben, werden schwer
verletzt und inhaftiert. Freie Berichterstattung, Grundpfeiler jeglicher
Demokratie, steht dabei im Wege.
Reporter geraten mit den Demonstranten ins Visier der Machthaber.
In Ägypten wurden Journalisten geschlagen, ihrer Ausrüstung beraubt,
festgenommen. Betroffen sind Reporter ohne Grenzen zufolge unter
anderem Mitarbeiter von BBC,
Al Dschasira, CNN, Al Arabija, ABC
News und AP. Internet und Mobilfunk
wurden gekappt. Derweil besteht in
Tunesien Hoffnung auf einen demokratischen Neubeginn, auf mehr Meinungsfreiheit. Journalisten und Blogger kamen frei. Die Medien sortieren
sich neu (S. 39).
Rückwärts gewandt scheint dagegen
Europa. In Ungarn demonstrieren
seit Wochen Zehntausende gegen
& aufgespießt
Von Ernst Heilmann | Die Medien im Rampenlicht der Politik –
das ist in dieser Form einmalig in Deutschland. Die Situation
der Presse in Mecklenburg-Vorpommern erscheint den Abgeordneten des Schweriner Landtags mittlerweile derart beängstigend, dass sich das Thema zum Dauerbrenner entwickelt hat.
Die Schadensbilanz, die sich den Mitgliedern des Innenausschusses bei ihrer Anhörung über den zweiten Medienbericht
der Landesregierung Ende 2010 bot, war ernüchternd: Im Nordosten existiert keine Tageszeitung mehr mit einer echten Vollredaktion. Die drei Monopolblätter, die das Bundesland entlang
der ehemaligen DDR-Bezirksgrenzen aufteilen, sind mittlerweile
bis zur Schmerzgrenze geschrumpfte Anhängsel ihrer westdeutschen Mutterkonzerne. Outsourcing, Tarifflucht, Personalabbau – das Arsenal der betriebswirtschaftlichen Optimierungsinstrumente hat kapitalen Flurschaden hinterlassen und die
Ressourcen für die journalistische Arbeit eingedampft. Die starke Schlagzeile dominiert; für den Blick auf Hintergründe und
Zusammenhänge fehlt immer häufiger die Zeit. Ein Befund, der
symptomatisch ist für die Situation in ganz Deutschland, wo die
Erosion von Qualität und Vielfalt allenthalben voranschreitet.
Den Blick der Politiker für diese Problemlage hat vor allem die
von ver.di maßgeblich getragene Initiative „Unser Land braucht
die neuen Mediengesetze des konservativen Ministerpräsidenten Orbán.
Ihre Festlegungen von Zensur und
Überwachung sind beispiellos in der
Europäischen Union. Die beeindruckte das kaum, sie ließ Orbán in Ruhe
die Ratspräsidentschaft übernehmen
und will nun prüfen, ob die Gesetze
mit EU-Recht kollidieren. Dabei ist
kaum etwas offensichtlicher, enscheidet doch die neue Aufsichtsbehörde
nicht nur über den ungarischen
Rundfunk, sondern auch über Presseinhalte (S. 38).
Die Rolle und die Verantwortung der
Medien im weltweiten Ringen um
Öffentlichkeit und Demokratie zeigen
sich derzeit auch in der Debatte um
WikiLeaks, Vor- und Nachfolge-Plattformen für Whistleblower und BürgerInformanten. (Titel S. 8 –13) Ein
spannendes Thema in dieser ersten
M des neuen Jahres, für das leider
nur acht M-Ausgaben vorgesehen
sind. Zur inhaltlichen Profilierung
werden dabei die Ergebnisse der
Leserbefragung (S. 4 / 5) beitragen.
Karin Wenk,
verantwortliche Redakteurin
Ernüchternde Bilanz
seine Zeitungen. Qualität und Vielfalt sichern.“ geschärft. Doch
die Debatte über das Problem ist noch nicht seine Lösung. Die
Politik ist gefordert, den von den Verlegern ausgerufenen
„geordneten Rückzug“ aus der Fläche zu stoppen. Medien sind
schließlich kein Selbstzweck, sondern wesentlicher Bestandteil
einer funktionierenden Demokratie. Das Erstarken der rechtsextremen NPD, die seit 2006 im Schweriner Landtag und vielen
Lokalparlamenten sitzt, zeigt drastisch, wohin (Vermittlungs-)
Defizite führen können.
Was Not tut, ist ein klares Bekenntnis zur Bedeutung der Medien
für die Gesellschaft. Der seit 2008 von der Landesregierung jährlich erhobene Bericht ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Als nächstes gilt es, endlich Pflöcke einzurammen, um die Erosion des Journalismus zu stoppen. Transparenz und Mitwirkung
sind die Hebel, um Leser und Journalisten auf Augenhöhe zu
bringen und ihnen den Rücken zu stärken. Das muss in einem
neuen Pressegesetz des Landes verankert werden. Gerade wegen
der besonders dramatischen Situation ist Mecklenburg-Vorpommern aufgerufen, in dieser Frage eine Vorreiterrolle zu übernehmen.
Ernst Heilmann leitet das ver.di-Landesbüro MV, das die Initiative
organisiert. www.qualitaet-und-vielfalt-sichern.de.
3
M 1– 2.2011
leserumfrage
Medienpolitik auf Platz 1
Kritik und Vorschläge: Leserinnen und Leser bewerten M Menschen Machen Medien
Im letzten Quartal 2010 wurde für ver.di
Publik sowie für die drei Fachmedien M –
Menschen Machen Medien, Druck+Papier,
Kunst+Kultur eine Leserbefragung telefonisch und per Online- und Offline Fragebogen durchgeführt. ver.di wollte wissen: Wie
bewerten, wie nutzen die Leserinnen und
Leser ihre Publikationen. Dabei wurden folgende Themenbereiche genauer betrachtet:
die Lese- und Nutzungsintensität der Fachmedien, die Themen- / Rubrikenbewertung,
die Mediennutzung im allgemeinen, das
Zusammenspiel Online / Print und die Strukturdaten der Leser (Aufgabenbereiche, Branche). Als Quotierungsmerkmal wurde die
Altersstruktur der Mitgliedsdatei herangezogen. Pro Erhebung der Nutzer wurde eine
Netto-Fallzahl von 300 rekrutiert (bei M:
177 Fragebögen online und 123 auf Papier);
der telefonischen Erhebung der Nichtnutzer
liegen jeweils 100 vollständige Interviews
zugrunde. Insgesamt füllten 523 Leser einen
M-Fragebogen aus: Schade, dass es nicht
mehr waren.
An dieser Stelle sollen vor allem die Ergebnisse für M – Menschen Machen Medien
zusammengefasst werden, mitunter mit
einem Blick auf Publik und die beiden anderen Publikationen des Fachbereiches
Medien, Kunst und Industrie. So lässt sich
zunächst sagen, dass insgesamt die Leserbindung aller vier Publikationen positiv
bewertet wird. Ähnlich gleich ist in allen
Fachgruppen bzw. bei den Lesern die Altersverteilung. Den größten Teil finden
wir bei 50 Plus (M 50%, D+P 59%, K+K
62%). Bis 39 Jahre sind es dagegen bei M
nur 21 % (D+P 14%, K+K 12%).
Publik und M erschienen bisher neun
Mal im Jahr. Hier gaben bei Publik 68 %
und bei M 81 % an, alle Ausgaben zu lesen.
Gelesen wird überwiegend zu Hause. Mitleser gibt es kaum. Die Lesedauer liegt –
alle vier zusammen genommen – zwischen
33 und 52 Minuten, bei M sind es 43 Minuten. 64 % geben an von M fast alle Seiten zu lesen, 23 % lesen etwa ein Viertel.
Während 85 % der Befragten das
Magazin-Format von M hoch einschätzen
(Note 1,7) gibt es für die Verständlichkeit,
den Informationswert die Länge der Beiträge und die journalistische Qualität nur
die Note zwischen 2,3 und 2,5. Die Politische Tendenz, das Themenangebot und
der Nutzen für den beruflichen und betrieblichen Alltag kommen auf die Note
2,7. Die Prägnanz der Beiträge erhält eine
4
M 1– 2.2011
2,9. Exklusivität, Neuigkeitswert und Aktualität liegen bei 3,1 bzw. 3,0 – Titelseite
ebenfalls bei 3,0 und optische Aufmachung und Design auch bei 3,1. Gering
wird der Unterhaltungswert mit der Note
3,9 eingeschätzt. So ergibt sich im Durchschnitt eine Note von 2,6 für M. Das ist
kein schlechtes Ergebnis. Schaut man sich
jedoch für M wichtige Bereiche wie Nutzen für den beruflichen und betrieblichen
Alltag, Prägnanz, Exklusivität oder auch
die Gestaltung an, zeichnen sich deutlich
Steigerungsmöglichkeiten ab (vgl. 1. Grafik).
Interessant sind auch die Ergebnisse
der Inhalte-Bewertung bei M. Auf die
Frage: Wie wichtig sind für den Einzelnen
die behandelten Inhalte, steht an erster Stelle Medienpolitik, es folgen Berufspolitik,
Rechtspolitik, Tarifpolitik, Gewerkschaftspolitik und Service-Seiten (2. Grafik unten).
49 % der Befragten wünschen sich mehr
medienpolitische Themen. Bei der Berufspolitik, der Tarifpolitik, der Gewerkschaftspolitik und der Rechtspolitik sagen zwischen 57 und 61 %, dass die Menge der
Inhalte optimal sei, zwischen 11,7 % (Ge-
Wie beurteilen Sie M – Menschen Machen Medien hinsichtlich der folgenden Kriterien?
Durchschnittsnote
Medienpolitik
Verständlichkeit
Informationswert
Länge der Beiträge
politische Tendenz
51 %
34 %
17 %
66 %
19 %
65 %
11 %
62 %
85 %
66 %
65 %
62 %
11 %
61 %
61 %
journalistische Qualität
Themenangebot
11 %
61 %
61 %
11 %
48 %
48 %
Sprache / den Schreibstil
11 %
48 %
48 %
Prägnanz der Beiträge
Titelseite
Exklusivität
11 %
45 %
45 %
11 %
44 %
45 %
11 %
44 %
Neuigkeitswert
11 %
43 %
Aktualität
Nutzen für den beruflichen
und betrieblichen Alltag
optische Aufmachung / Design
Unterhaltungswert
11 %
40 %
11 %
40 %
11 %
37 %
3 % 14 %
17 %
44 %
Erklärung:
rot gab Note 1,
grau Note 2
43 %
40 %
40 %
37 %
Quelle: Leserumfrage M Menschen Machen Medien, Ausgabe Oktober 2010, 300 Netto-Interviews
1,7
2,3
2,4
2,5
2,7
2,5
2,7
2,7
2,9
3,0
3,1
3,0
3,0
3,1
3,1
3,9
18
Wie wichtig sind für Sie die in M – Menschen Machen Medien behandelten Inhalte?
84 %
Medienpolitik
Berufspolitik
71 %
Rechtspolitik
54 %
Tarifpolitik
54 %
Gewerkschaftspolitik
Service-Seiten
47 %
40 %
Quelle: Leserumfrage M Menschen Machen Medien, Ausgabe Oktober 2010, 300 Netto-Interviews
21
leserumfrage
Was beschreibt Ihre aktuelle berufliche Situation am besten?
48 %
selbstständig, freiberuflich
Fachangestellte/r,
Redakteur/in
48 %
Rentner/in,
Altersteilzeitler/in
48 %
48 %
Facharbeiter/in, Fachkraft
Auszubildende/r, Volontär/in
Schüler/in, Student/in
48 %
nicht berufstätig
48 %
Minijobber/in
Niedriglöhner/in
48 %
Helfer/in, Hilfskraft
48 %
Quelle: Leserumfrage M Menschen Machen Medien, Ausgabe Oktober 2010, 300 Netto-Interviews
42
In welchem Berufsfeld arbeiten Sie?
39 %
Journalist/in
31 %
Zeitung / Zeitschrift
Öffentl.-rechtl. Rundfunk
26 %
Privater Rundfunk / sonstiger
Audiovisueller Dienstleister
9%
6%
Agentur
3%
Filmbranche
Technische/r Angestellte/r
2%
Kaufmännische/r
Angestellte/r
2%
Kino
1%
Quelle: Leserumfrage M Menschen Machen Medien, Ausgabe Oktober 2010, 300 Netto-Interviews
werkschaftspolitik) und knapp 25 % wünschen sich mehr davon. Für 46 % der Leser
ist die Menge an Service-Seiten optimal, nur
15,8 % würden gern mehr davon haben.
Zahlreiche Anregungen bringen die Antworten auf die Frage: Gibt es andere Themen, über die M berichten sollte? Einige
Beispiele der aufgeführten Anmerkungen:
• Akteure vorstellen, mehr aktuelle Interviews, allgemeine Essays zum Thema
Medien, Testberichte
• Freischaffende bei Bühne / Film / Fernsehen (Stab, d.h. Techniker, Handwerker,
Dienstleister, Künstler) statt Schwerpunkt Journalismus
• weniger über irgendwelche Podiumsdiskussionen und geschraubte Gewerkschaftsprosa, mehr aus dem journalistischen Alltag
• mehr über Medienpolitik in anderen Ländern wie Schweden, Kanada, Norwegen.
Also „normale“, gibt es Zensur, Druck usw.
43
• Ich würde ab und an Porträts von freien
Medienschaffenden,
die
in
außergewöhnlichen Feldern tätig sind,
begrüßen; bislang waren die meisten
Porträts von Betriebsräten oder sonstigen Festangestellten
• Ressortabstufungen, z.B. mehr Wissenschaft, Berichte über Nachwuchsjournalisten – über die Werbelandschaft,
Agenturen etc. Das wird leider komplett
ignoriert
• Porträts von (Zeitungs-)verlagen aus
Gewerkschaftssicht.
Das Image von M sehen die Befragten
eher kritisch. Lediglich 49 % „halten M
für eine gute Werbung“ für ver.di (D+P
66%, K+K 59%) und demnach bejahen
nur 44 % die Aussage, dass ihnen ohne
ihre Fachbeilage etwas fehlen würde.
(D+P 73 %, K+K 65%). Gering insgesamt
ist die Bereitschaft für die Fachbeilage et-
was zusätzlich zu zahlen, bei M nur 7%,
bei D+P 12% und bei K+K 14%.
Der Vorschlag eines Online-Angebotes anstelle des gedruckten Mediums oder
gar eines Newsletters als Ersatz, ist in allen
drei Zielgruppen nicht gewünscht. Auch
eine Auslage in den Betrieben trifft bei den
Lesern auf ganz wenig Zustimmung.
Die Online-Affinität liegt in allen Zielgruppen im positiven Bereich: M 92 %,
D+P 66%, K+K 74%. Und obwohl das Internet intensiv genutzt wird, ist das Internetangebot der einzelnen Fachbeilagen
entweder nicht bekannt oder wird äußerst
selten genutzt. In der Abfrage, welche
ver.di-Seiten am stärksten genutzt werden,
punkten verdi.de, dju.verdi.de, mediafon.net und druck.verdi.de.
Mehr als 13 % der an der Umfrage Beteiligten sind seit mehr als 40 Jahren in
der Gewerkschaft, 13 % zwischen 5 und 10
Jahren. Dazwischen bis 20, 25, 30, 35 Jahre jeweils zwischen 7 und 12 %. 19,3 %
aller Teilnehmer/innen an der Umfrage
haben gewerkschaftliche oder betriebliche
Funktionen inne.
In der telefonischen Erhebung der
Nichtnutzer (Bezieher, die ihre Fachbeilage zwar zur Kenntnis nehmen, aber nur
ganz wenige Ausgaben nutzen) wurde
nach den Gründen der „Verweigerung“
gefragt. Dazu heißt es in der Auswertung
des Instituts unter anderem: Auch in diese
Zielgruppe trifft der Informations-Overflow, sodass die mangelnde Zeit von allen
drei Befragtengruppen am häufigsten als
Grund der Nichtnutzung genannt wird.
Bedenklich allerdings sind die Aussagen
„die dort behandelten Themen interessieren mich nicht“ (28% over all), die „Publik-Themen haben zu wenig mit meiner
Arbeits- und beruflichen Situation zu tun“
(50 over all) und „Infos zu den dort
behandelten Themen hole ich mir aus anderen Quellen“ (46% over all). Damit attestieren die Nichtnutzer den erhobenen
Medien einen zu geringen Nutz- und Informationswert.
Im Detail wird bei M vor allem das
Format (85 %), die Verständlichkeit (66 %),
der Informationswert (65 %), die Länge
der Beiträge (62 %) und die politische Tendenz (61 %) auf die ersten 5 Plätze gewählt.
Bei der Betrachtung der Themenerwartungen zeigt sich auch hier im Wunschprofil
ein klares Votum für Medienpolitik (84 %,
Note 1,7) und die Berufspolitik (71 %,
Note 2,2). Danach kommen die Rechtspolitik (54 %), Tarifpolitik (54 %) und die
Gewerkschaftspolitik (47 %). Unterm Strich
gibt es trotz relativ großer Akzeptanz und
positiver Leserbindung also jede Menge zu
verbessern in M!
Karin Wenk ■
Die Leserbefragung wurde im Auftrag
von ver.di vom PMF Public Marketing,
Würzburg / München durchgeführt.
5
M 1– 2.2011
kolumne
Im Arbeitsprozess vereint
60 Jahre Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) – eine Erfolgsstory
6
M 1– 2.2011
Buchbinder, für die Lithographen und für
die Hilfskräfte. Für die Zeitungsredakteure
gab es von 1926 an die „Reichstarifgemeinschaft der deutschen Presse“.
Nach dem Ende der Nazi-Terrorherrschaft war in fast allen Branchen Schluss
mit der unseligen organisatorischen und
politischen Zersplitterung der abhängig
Beschäftigten: Wie in den Baracken von
Buchenwald vereinbart, schufen Sozialdemokraten, Kommunisten, Christen, Liberale und andere – „im Arbeitsprozess
vereint“ – die politisch unabhängige Einheitsgewerkschaft unter dem Dach des
DGB. Eine Sonderrolle dabei spielten –
übrigens nicht nur in der westdeutschen
Republik, sondern auch in der DDR – und
spielen bis heute die Journalistinnen und
Journalisten der Zeitungen und Zeitschriften. Sie gründeten 1949 den berufsständischen Deutschen Journalisten-Verband.
Einem kleinen Häuflein Aufrechter
hingegen (das es aber in sich hatte) blieb
es vorbehalten, im April 1951 die „Fachgruppe Journalisten in der IG Druck und
Papier“ ins Leben zu rufen. Zu den Beteiligten zählten die Sozialdemokraten Willy
Brandt und Heinz Kühn, später Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, aber
auch die nachmaligen CDU-Bundesminister Jakob Kaiser und Ernst Lemmer:
Einheitsgewerkschaft par excellence! Das
war die Geburtsstunde der heutigen Deutschen Journalistinnen- und JournalistenUnion (dju) in der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), die mit
rund 20.000 Mitgliedern anno 2011 auf
eine Geschichte von 60 Jahren schauen
kann, eine Erfolgsstory, die – unter den erschwerten Bedingungen der Konkurrenz
des DJV – den Schweiß und die Mühen
von Generationen aktiver Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter gekostet hat.
Eine Skizze der
Entwicklung ein wenig im Schweinsgalopp: Die dju blieb in
den 50er und 60er
Jahren klein, der DJV
wuchs, blieb aber –
mit Verlaub – tarifpolitisch erfolglos.
Bis die IG Druck und
Papier 1966 in Nordrhein-Westfalen mit
der Ankündigung eines Streiks der Drucker und Setzer, der
Foto: Renate Koßmann
Von Henrik Müller | Mörderische Verhältnisse in einem – natürlich fiktiven –
Kölner Zeitungsverlag sind im Januar 2011
Thema eines „Tatorts“ vom Westdeutschen
Rundfunk mit dem Titel „Unter Druck“.
Umgebracht wird ein junger Unternehmensberater. In der Berliner Zeitung, neuerdings „Tochter“ eines – realen – Kölner
Zeitungskonzerns, stellt Fernsehkritikerin
Judith Sternburg unter der Überschrift
„Von Druckern und Schnöseln“ fest, dass
in dem WDR-Krimi „im Kontrast zu den
karikaturesken Beratern“ lediglich „die aus
gegebenem Anlass bleichen Drucker“
stehen, und scheint ein wenig pikiert: „Redakteure kommen nicht vor.“
Mit anderen, zum Beispiel weniger
bilderreichen Worten hätte die Autorin
der Berliner Zeitung aus gegebenem Anlass
deutlich machen können: Redakteurinnen, Redakteure, freie Journalistinnen und
Journalisten wie auch Verlagskaufleute
sind doch gleichermaßen Opfer moderner
Unternehmensstrategien im zeitgenössischen Kapitalismus wie die Drucker, die
Leute in der Weiterverarbeitung und die
Zeitungsboten. Unser Kollege Dr. Karl Marx,
einst Chefredakteur der liberalen Rheinischen Zeitung für Politik, Handel und Gewerbe – ebenfalls zu Köln am Rhein – und
später Herausgeber der Neuen Rheinischen
Zeitung, hatte ja schon im 19. Jahrhundert
analysiert: „Wie im Natursystem Kopf und
Hand zusammengehören, vereint der Arbeitsprozess Kopfarbeit und Handarbeit.“
Ob der Philosoph sich auch persönlich mit den Druckern und Setzern seiner
Zeitungen im Arbeitsprozess vereint gefühlt hat, mag dahingestellt bleiben. Mit
dem „Sein“, das das Bewusstsein prägt,
kann das ja so eine Sache sein. Jedenfalls
muss nicht Marxist/in sein, wer als abhängig Beschäftigte/r die eigenen Ansprüche
und Interessen gegenüber ihrem/seinem
„Arbeitgeber“ – in den Redaktionen gerne
auch „Verleger“ genannt, für den Kollegen
Marx: Kapitalisten – durchsetzen will und
auf die Idee kommt, sich zu diesem Behufe
mit gleichermaßen Interessierten zusammenzuschließen.
„Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer“ gaben deshalb bereits vor knapp
150 Jahren in Leipzig reichsweit eine „politische Wochenschrift“ unter dem Titel
Correspondent heraus und gründeten 1866
daselbst den Verband der Deutschen
Buchdrucker. Es entstanden daneben aber
weitere eigenständige Verbände: für die
legendären „Aktion Federblitz“, den Verband der Zeitungsverleger zwang, Tarifverträge künftig nicht mehr nur mit dem DJV,
sondern auch mit der für Redakteurinnen
und Redakteure zuständigen DGB-Gewerkschaft abzuschließen.
Von nun an ging es bergauf: Die dju
zog in der Mitgliederstärke allmählich mit
dem DJV gleich, gewann insbesondere in
vielen Betrieben und Betriebsräten den
dominierenden Einfluss unter den Journalistinnen und Journalisten. Das blieb – im
Arbeitskampf vereint – bis heute nicht
ohne Auswirkung auf die Politik des DJV,
der sich irgendwann sogar den „Untertitel“ Gewerkschaft der Journalisten zulegte. Gemeinsam errang man in den 70er,
80er und 90er Jahren bis hin zum ersten
eigenständigen Journalisten-Streik um die
Regelung der Journalistenausbildung bei
den Zeitungen die großen tarif- und sozialpolitischen Erfolge, die es in den heutigen Zeiten des Raubtier-Kapitalismus mit
Anstand zu verteidigen gilt – nicht zuletzt
mit einer starken Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft im Rücken. Auch im
Interesse übrigens der mittlerweile vielen
tausend dju-Mitglieder, die freiberuflich
arbeiten, oft nicht freiwillig, sondern nur
unter dem Druck der Verhältnisse. Verbesserungen für sie erreichen können ver.di,
dju und DJV nur, wenn sie auch innerhalb
der Medienunternehmen Einfluss haben
und ernst genommen werden.
Die parallel ablaufenden Lohn-, Gehalts- und Manteltarifrunden des Jahres
2011 für die Redaktionen und die Druckereien werden dafür wohl den Stresstest
darstellen. Wie es geht, dazu haben die Beschäftigten der „Frankfurter Neuen Presse“
und der Frankfurter Societäts-Druckerei
im Vorjahr bekanntlich eine neue „Blaupause“ der Solidarität vorgelegt.
■
➧ Henrik Müller
Der stellv. Chefredakteur der ver.di-Mitgliederzeitung Publik ist seit 1996 auch verantwortlich für die ver.di-Branchenzeitung
Druck+Papier. Von 1982 bis 1989 hatte er
die feder redigiert, Zeitschrift der damaligen
IG Druck und Papier für Journalisten und
Schriftsteller. Zuvor war er Volontär und
Betriebsratsmitglied bei der Siegener Zeitung,
später Lokalchef und stellv. Betriebsratsvorsitzender bei der Westfalenpost.
Foto: ZDF / Sascha Baumann
porträt
Der vernetzte
Eigensinn
Journalist und Gewerkschafter Uli Röhm prangerte oft Missstände an
Von Rudi Gültner | Mit 65 endete im November 2010 sein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsleben. Sein Engagement für das,
was ihn über alle beruflichen Stationen bewegt und beschäftigt hat, setzt er auf neuen
und alten Plattformen fort: Uli Röhm geht
und bleibt doch.
Sein Berufsweg verläuft serpentinenhaft
und führt dennoch, bei aller Unterschiedlichkeit der Tätigkeiten, unbeirrt einem
Ziel zu: Denen eine Stimme zu geben, die
sich in Wirtschaft und Gesellschaft oft nur
unzureichend Gehör verschaffen können.
Als gelernter Möbelschreiner kennt er
die Lehrlingsweisheit: „Wo gehobelt wird,
da fallen nun mal Späne, heißt es, doch
die Späne trifft es härter als den Hobel –
meistens“. Damit das nicht passiert, ist gewerkschaftliches Engagement fast schon
zwangsläufig. Ebenso wenig verwundert
es, dass Uli Röhms Weg als Gewerkschafter
gleich in die Schaltstellen der „Macht“
führte. Als Leiter der Pressestelle beim
Hauptvorstand der damaligen Gewerkschaft ÖTV war sein Beruf zunächst nur
„Verkäufer“. Seine Berufung fand er auf
der anderen Seite des Schreibtischs: als
Journalist beschäftigte er sich fortan
hauptberuflich mit Arbeitnehmer- und
Verbraucherfragen, blieb aber immer auch
ehrenamtlich als Gewerkschafter aktiv, ob
in der RFFU, der IG Medien oder in ver.di.
Uli Röhm gehört zu den WISO-Redakteuren der ersten Stunde und arbeitete
27 Jahre lang für das ZDF-Wirtschaftsmagazin. Bei seinen Langzeitrecherchen
kümmert er sich um Themen und Fälle,
die schwierig zu knacken sind. Seine
zweite Spezialität waren die „WISO“-Tests,
wenn Prominente und Produktverantwortliche bei „Blindverkostungen“ Lebensmittel vergleichen. Dabei ging es ihm
nicht nur um Verbraucheraufklärung. Den
Mehrwert des Nährwerts suchte er in der
unterhaltsamen Form, in der über das jeweilige Produkt informiert wurde. Da setzte
sich ein gestandener Bundesminister schon
einmal mit dem Schimpansen Charly aus
der ZDF-Serie an den Tisch, um Eier zu verkosten. Beim überraschenden Ergebnis –
geschmacklich landete ein Ei aus Käfighaltung vor den Bio-Produkten – konnte man
anschließend trefflich darüber streiten,
wer sich nun zum Affen gemacht hat.
Hauptsache, es dient dem Kunden und
Fernsehzuschauer.
„Als Wirtschaftsjournalist in einem
Verbrauchermagazin stehe ich auch auf
Seiten der Verbraucher und ich denke, es
ist wichtig, wenn wir Journalisten Partei
nehmen für die Benachteiligten“, formulierte Uli Röhm seinen journalistischen
Ansatz. Und dieses Ziel verfolgte er nicht
nur als Fernsehredakteur. Auch als Buchautor beschäftigte ihn die Aufdeckung von
Missständen: Billiglöhne prangert er im
Report „Das Lohndumpingkartell“ ebenso
an wie kriminelle Machenschaften im Speditionswesen, mit denen sich das Schwarzbuch „Tatort Autobahn“ beschäftigt. So
sehr ihm Schwarz als Farbe bei der Titelgebung seiner Bücher lag, politisch stand
und steht er mehr auf Rot.
Dabei galt das besondere Augenmerk
des Fernsehjournalisten Röhm natürlich
der Medienpolitik. Im ZDF ist eine medienpolitische Institution mit seinem Namen
verbunden: „ver.di im Gespräch“ hieß die
Reihe, in der Röhm hochrangige Politiker
und Fachleute zu aktuellen Fragen vor das
Mikrofon bat. Ob Verfassungsrichter, KEFVorsitzende oder Medienpolitiker – sie alle
stellten sich seinen kritischen Fragen,
wohl weil sie ahnten, dass es bei seinem
an zermürbende Penetranz grenzenden
Beharrungsvermögen ohnehin aussichtslos wäre, sich dem Gespräch entziehen zu
können.
Am 19. Januar nun wurde der letzte
Vertreter des „WISO“-Gründerteams in
den Ruhestand verabschiedet. Eingeladen
hatte ver.di im ZDF und gekommen waren
nicht nur zahlreiche Weggefährten aus
dem ZDF und von ver.di, sondern auch
hochrangige Gäste wie z. B. Ministerpräsident und ZDF-Verwaltungsratsvorsitzende
Kurt Beck oder der Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel. Unter dem Motto
„Statt eines Nachrufs – Aus Erfahrung
lernen“ charakterisierte der Kabarettist
Matthias Deutschmann Uli Röhm als den
„vernetzten Eigensinn“ – und wie vernetzt
Röhm war, zeigte die breite Palette derer,
die Bilanz zogen. So unterschiedlich ihr
Ansatzpunkt war, stets ging es darum,
Perspektiven aufzuzeigen und Mut zu machen. Oder wie es Kurt Beck formulierte:
„Wir brauchen Leute, die wissen, dass niemand allein so gut sein kann, dass er nicht
irgendwann auf die Solidarität einer starken Gemeinschaft wie z. B. einer Gewerkschaft angewiesen ist.“
Uli Röhm bleibt nach seinem offiziellen Ruhestand aktiv: Auch wenn er mit
seinem ZDF-Abschied nach 20 Jahren im
ZDF-Personalrat seinen Sitz räumt, dem
Vorstand der ver.di-Betriebsgruppe bleibt
er für eine weitere Wahlperiode treu. Daneben wird er ein weiteres Betätigungsfeld
beackern: Ende 2010 wurde er von der
evangelischen Dekanatssynode Ingelheim
zum Präses gewählt.
Vom Gewerkschafter über den Journalisten zum Kirchenfunktionär – was so
unterschiedlich scheint, hat doch viele
Gemeinsamkeiten – alle wollen möglichst
viele Menschen erreichen, alle haben ein
Sendungsbewusstsein und eine Botschaft,
alle wollen Menschen gewinnen, damit sie
Mitglieder, Zuschauer oder Kirchensteuerzahler werden. So arbeitet er also in alten
und neuen Funktionen weiter an der Erreichung seines Ziel: den Schwachen eine
Stimme zu geben, ob Gewerkschafter, als
Journalist und jetzt eben als Präses.
Und da ein Schwabe ohnehin erst mit
40 g’scheit wird, ist er nach schwäbischer
Zeitrechnung erst 25 und befindet sich erst
jetzt im Zenit geistiger Schaffenskraft. ■
7
M 1– 2.2011
titelthema
dokumentenpoker
(Alp-)Traum
WikiLeaks
Welche Redaktion träumt nicht davon, auf einen Schlag eine Masse
hochbrisanter Dokumente aus höchsten Machtzirkeln in der Hand
zu halten? Als WikiLeaks-Gründer Julian Assange das über 251.000
Dokumente umfassende Konvolut aus dem US-Außenministerium
ausgesuchten Redaktionen anbot, dürfte diesen etwas schwummerig geworden sein. Denn das Problem ist nicht nur das der Klasse –
vermutlich hochwertige Informationen müssen fachkundig bewertet
werden – sondern auch der Masse: Wie sind die Daten journalistisch
und organisatorisch auf verantwortliche
Weise zu bewältigen?
Von Christiane
Schulzki-Haddouti
24 Tage protokollierte die britische Tageszeitung The Guardian auf
ihrer Website, was die New York Times,
Der Spiegel, Le Monde, El País und sie
selbst über die 251.000 Depeschen
des US-Außenministeriums veröffentlichten. Am 22. Dezember schließlich
der letzte Eintrag, der unter anderem
auf ein Interview des Spiegels mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière hinwies, der WikiLeaks als „ärgerlich, aber
keine Bedrohung“ bezeichnete. Einen Tag
zuvor hatte US-Vize-Präsident Joe Biden
WikiLeaks-Chef Julian Assange noch als
„Hightech-Terrorist“ bezeichnet.
Eine Auswertung dieser Chronologie
zeigt, dass der Guardian mit Abstand das
Meiste aus den Depeschen machte: Er
veröffentlichte in den ersten 24 Tagen
158 Artikel, das sind 7 Artikel täglich.
Etwa auf einer Augenhöhe befinden sich
der Spiegel mit 30 Beiträgen, die New York
Times mit 32 Beiträgen und El País mit 33
Beiträgen – und etwa 1,4 Artikeln pro Tag
im Schnitt. Deutliches Schlusslicht ist
Le Monde mit 23 Beiträgen – mit gerundet
etwa einem Beitrag täglich. Allerdings
sind etliche Artikel des Spiegels dabei nicht
berücksichtigt. Nach Auskunft des SpiegelSprechers Hans Ulrich Stoldt veröffent-
8
M 1– 2.2011
lichte der Spiegel im Heft, online sowie
Special-Heft in diesem Zeitraum insgesamt
143 Beiträge. Damit ist der Guardian aber
immer noch unangefochtener Spitzenreiter.
Die meisten Beiträge wurden in der
ersten Woche veröffentlicht, in der zweiten Woche ging die Frequenz zurück, in
der Woche vor Weihnachten stellten
einige Redaktionen die Berichterstattung
ganz ein. Der Spiegel veröffentlichte laut
der Zählung des Guardian nur noch eine
einzige Geschichte. Von Weihnachten
bis zum 18.1. veröffentlichte er nach
Angaben von Stoldt nur noch weitere
fünf Beiträge. Eine Planung, in welchem
Tempo weiterhin veröffentlicht werden
soll, gebe es nicht.
Keine Auswertung gibt es darüber,
in welchem Ausmaß diese Berichte von
anderen Medien aufgegriffen und weiter
recherchiert wurden. Vielleicht eine Aufgabe für künftige Journalistik-Studien.
Unzählig hingegen sind die Berichte über
den Fall des WikiLeaks-Gründers Julian
Assange.
Deutlich wird jedenfalls die Führungsrolle des Guardians bei der redaktionellen Auswertung der US-Depeschen.
Dies zeigt sich nicht nur an der Menge
der bearbeiteten Informationen, sondern
auch an der Art, wie diese präsentiert
werden: Nämlich möglichst übersichtlich
für die Leser – und im Sinne der vom
Guardian seit Jahren offensiv propagierten „Open Data“-Philosophie, die bereits
zahlreiche aufsehenerregende Datenjournalismus-Projekte inspirierte.
In diesem Zusammenhang ist es auch
erwähnenswert, dass der Guardian die
Metadaten der WikiLeaks-Cables in einer
offenen Datenbank zur Auswertung frei
gegeben hat – während etwa der Spiegel
die Depeschen lediglich in einer von
außen unzugänglichen
Flash-Grafik aufbereitet hat. Auf diese
Weise entstanden auf
Grundlage
der Guardian-Daten
einige interessante Auswertungen.
Karikatur: Klaus Stuttmann
Unter anderem visualisierte eine Grafik
Themenstränge für die Jahre 2001 bis
2003 und zeigt damit den Impact des
11. September auf Amerikas Diplomatie
(http://www.closr.it/show/LIkJxaoZVbl).
Gefährdet wird durch die Freigabe der
titelthema
Depesche weder verlinkt, noch wurde der
Bericht der Aftenposten erwähnt.
Die Redaktionen scheinen mit den
Depeschen mit einer nahe liegenden
Methode umzugehen: Sie recherchieren
die Themen, die sie kennen. Werden sie
fündig und erscheint das Material interessant genug, berichten sie darüber. Es ist
offensichtlich, dass auf diese Weise noch
längst nicht alles publiziert wurde, was
Nachrichtenwert besitzt. Die bislang veröffentlichten Geschichten reflektieren damit vermutlich vor allem die aktuelle Interessenslage und Themenkompetenz der
jeweiligen Redaktion.
Exklusivvertrag mit WikiLeaks?
Metadaten niemand, doch nicht nur für
Journalisten, sondern auch für Politikwissenschaftler und Historiker können
solche Auswertungsmöglichkeiten wertvoll sein.
Exklusive Themenauswahl
Wie gingen die von WikiLeaks bedachten Redaktionen bislang mit den
Depeschen um? Auffallend ist, dass sie
darauf achteten, eigene Themen zu setzen.
Eine Geschichte des Guardian mit Deutschlandbezug, die kurz vor Weihnachten erschien, wurde beispielsweise
vom Spiegel nicht aufgegriffen. Darin ging es um
das zeitweise Engagement des Energiekonzerns RWE in
einem Kernkraftwerkprojekt in Bulgarien, das laut der
Depeschen von ständigen Sicherheitsproblemen begleitet war.
Für die Briten war es
offenbar deshalb eine
Geschichte, weil RWE
Besitzerin von Großbritanniens größtem Energieversorger npower ist, der das
Projekt durchführte.
Es scheint, als wäre die große Enthüllungswelle erst einmal zum Erliegen
gebracht. Seit Weihnachten werden die
Depeschen auf der WikiLeaks-Website
denn nur noch tröpfchenweise veröffentlicht. Der stete Enthüllungsstrom, auf den
man sich ursprünglich einstellte, scheint
zum Erliegen gekommen zu sein. Woran
dies liegt, darüber lässt sich spekulieren.
Da diesen Redaktionen alle Depeschen
vorliegen und auch in der Regel nur
Depeschen von WikiLeaks veröffentlicht
wurden, deren Inhalte mit einer veröffentlichten Geschichte korrelierten, könnte
es daran liegen, dass der Sprengstoff der
Depeschen schlicht verbraucht ist.
Aftenposten sprengt
Kreis der Auserwählten
Dass dies nicht der Fall ist, zeigen die
jüngsten Veröffentlichungen der norwegischen Tageszeitung Aftenposten. Sie hat
seit Ende Dezember laut eigenen Angaben
Zugriff auf alle Dokumente – durch ein
Leck innerhalb von WikiLeaks. Offenbar
gibt es innerhalb von WikiLeaks Personen,
die die bisherige Veröffentlichungspolitik
torpedieren. Von diesem Leck profitierte
inzwischen auch Die Welt, die dank einer
Kooperation mit der Aftenposten seit Mitte
Januar ebenfalls „ohne jede Beschränkung“
Zugriff auf alle Depeschen hat.
Die ersten Veröffentlichungen der
Aftenposten lösten internationale Resonanz aus. So erläuterten Dokumente der
US-Botschaft in Oslo die Verhandlungen
zwischen Norwegen und Russland über
die gemeinsame Grenze im Barents-Meer.
Eine AFP-Meldung griff einen weiteren
Aftenposten-Bericht auf, wonach Deutschland und die USA für rund 205 Millionen
Euro gemeinsam ein hochauflösendes
Satellitensystem unter dem Projektnamen
HiROS gegen Widerstände aus Frankreich
entwickeln wollten. Dieser Satellit soll
unter der Kontrolle des Bundesnachrichtendienstes und des Deutschen Zentrums
für Luft- und Raumfahrt (DLR) stehen.
Etliche Tage später berichtete auch Spiegel
Online über das Projekt – und dass die
Bundesregierung es nicht unterstützen
wolle. Dabei wurde die entsprechende
Die Aftenposten gehört nicht zu dem
erlauchten Kreis der vier großen Publikationen, dem Guardian, Le Monde, El País
und Spiegel, die mit WikiLeaks die Veröffentlichung vereinbart hatten. Die New
York Times selbst hat die Dokumente vom
Guardian bekommen. Aftenposten-Redaktionsleiter Ole Erik Almlid sagte laut der
Nachrichtenagentur dapd: „Wir haben
diese Dokumente ohne Auflagen und
ohne etwas dafür zu bezahlen bekommen“.
Die Zeitung werde die ihr wichtig erscheinenden Depeschen veröffentlichen und
unter Umständen heikle Informationen
wie Namen unkenntlich machen.
Die Äußerung von Almlid wirft aber
auch ein interessantes Licht auf die mutmaßliche Vereinbarung zwischen WikiLeaks und den vier Redaktionen. SpiegelSprecher-Stoldt jedenfalls sagt: „Es gibt
keinerlei Vereinbarungen mit WikiLeaks.
Ausnahme: Der Termin zur ersten Veröffentlichung der Depeschen war mit WikiLeaks und den anderen Medienpartnern
abgesprochen.“ Der US-Fernsehsender
CNN und das Wallstreet-Journal hatten
nach eigenen Angaben eine Zusammenarbeit jedoch abgelehnt, da sie nicht bereit waren, die von WikiLeaks geforderten
Vertragsklauseln zu unterzeichnen. Diese
sollen unter anderem eine nicht mit
WikiLeaks abgestimmte Publikation verbieten. Außerdem ist die Rede von einer
Vertragsstrafe von 100.000 Dollar bei Zuwiderhandlung.
Ob eine mindestens mündlich getroffene Vereinbarung zwischen den Verlagen
und der Enthüllungsplattform presserechtlich ebenfalls als Exklusivvertrag zu
werten ist, darüber wird der Presserat im
März entscheiden müssen. Im Falle des
Spiegels geht es immerhin um einen exklusiven Zugang innerhalb des deutschsprachigen Raums. Nach Ansicht der
Beschwerdeführerin verstößt der Spiegel
gegen die Richtlinie 1.1. des Pressekodex.
Sie untersagt Exklusivverträge mit Informanten über „Vorgänge oder Ereignisse,
9
M 1– 2.2011
die
für die
Meinungs- und
Willensbildung
wesentlich sind“.
Weiter heißt es: „Wer
ein Informationsmonopol anstrebt, schließt die
übrige Presse von der Beschaffung von Nachrichten dieser Bedeutung aus und behindert damit
die Informationsfreiheit.“
Eine Frage der Masse
Das Besondere an den WikiLeaksDepeschen ist ganz offensichtlich die
schiere Masse: Um sie auswerten zu können, muss eine Redaktion nicht nur über
genügend Manpower und Know-How
verfügen. Sie sollte auch in der Lage sein
mit anderen journalistischen Organisationen vertrauensvoll zu kooperieren. Trotz
des angeblich fehlenden Vertrags ist der
Spiegel dazu aber anders als die Aftenposten nicht bereit. Stoldt zu dieser Frage:
„Es sind keine Kooperationen mit anderen Redaktionen vorgesehen.“
Aus Sicht der Journalisten als Protagonisten der Meinungs- und Pressefreiheit muss das Hauptinteresse darin bestehen, die Informationen einzuordnen,
zu bewerten – und dann erst Öffentlichkeit bei einem Optimum an Transparenz
herzustellen. Aus Sicht der Whistleblower
muss der Informantenschutz gewahrt –
und eine größtmögliche Öffentlichkeitswirkung erzielt werden.
Weil in den Datennetzen von Behörden und Unternehmen immer mehr
10
M 1– 2.2011
Dokumente gespeichert werden,
werden künftig
immer wieder
Whistleblower massenhaft Daten an die Öffentlichkeit bringen wollen.
Für Journalisten ist das sowohl
Anlass zur Freude, als auch zur
Sorge. Einerseits erhält man brisantes
Material für aufsehenerregende Geschichten. Andererseits müssen die Dokumente wie andere auch auf Authentizität
und Echtheit überprüft werden. Außerdem müssen Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden um den Informanten samt
Material zu schützen. Eine Aufgabe, der
sicherlich nicht jeder Journalist und auch
nicht jede Redaktion gewachsen ist.
Auch muss eine Redaktion sich mit
der Frage auseinandersetzen, wie weit das
eigene Veröffentlichungsinteresse tatsächlich reicht. Die Masse der Dokumente
reicht aus, um die Berichterstattung auf
Jahre hinaus zu versorgen. Doch darauf
wird sich kein Verlag einlassen, da es immer auch konkurrierende Themen gibt,
die möglicherweise von größerer Relevanz
sind. Im Ergebnis sind die Archive der jeweiligen Redaktionen um eine wertvolle
zusätzliche Quelle erweitert. Im Sinne
einer informierten Öffentlichkeit stellt
sich jedoch die Frage, ob eine Privatisierung dieses Informationsschatzes richtig
ist. Auf dies würde es nämlich hinauslaufen, wenn WikiLeaks das aktuelle Veröffentlichungstempo beibehält – und dies
stünde der ursprünglichen Intention der
Whistleblower-Plattform entgegen.
Ganz offenbar müssen Journalisten
und Whistleblower neue Prozeduren entwickeln, um verantwortlich mit dem
Material umzugehen. Einerseits müssen
sie Informanten schützen, andererseits
müssen sie so viele Informationen wie
möglich strukturiert veröffentlichen. Dabei müssen sie viele, sich widerstreitende
Interessen austarieren.
Nüchtern betrachtet besteht das Neue
an WikiLeaks vor allem in der Masse der
Veröffentlichungen, ihrem weltweiten
Erfolg und darin, der Weltöffentlichkeit
einen tragischen Helden zu liefern. Seit Jahrzehnten gibt es nämlich schon die Web-
site Cryptome.org
des New Yorker Architekten John Young, die
ebenfalls vertrauliche Dokumente aus aller Welt im Internet veröffentlicht. Er musste ebenfalls bereits mehrere Gerichtsprozesse
durchstehen – erfolgreich. Denn die
Presse- und Meinungsfreiheit werden in
den USA von den Gerichten so hoch
bewertet, dass John Young bislang immer
durchkam.
Ob ein Prozess gegen WikiLeaks in
den USA erfolgreich sein wird, ist zweifelhaft. Man müsste Assange schon nachweisen, dass er den verhafteten Whistleblower Bradley Manning zum „Verrat“
von Staatsgeheimnissen anstiftete. Dies
würde dann in die Kategorie „Spionage“
fallen, was zu ahnden wäre. Dafür könnte
es genügen, Manning zu einer entsprechenden Aussage zu bringen. Assange äußerte selbst diese Vermutung gegenüber
dem britischen Nachrichtenmagazin New
Statesman: „Bradley Manning zu knacken,
ist nur der erste Schritt. Ganz offensichtlich ist es das Ziel, ihn zu brechen und
ein Geständnis zu erzwingen, dass er sich
in irgendeiner Weise mit mir verschworen hat, um die nationale Sicherheit der
USA zu verletzen.“
Nächste Schritte
Immer wieder betonten die Macher
von WikiLeaks, dass ihre Technik so
ausgestaltet ist, dass die Identitäten der
Whistleblower gegenüber der Plattform
unbekannt bleiben. Anonymität ist damit
nicht nur ein Schutz der Quelle, sondern
auch automatisch ein rechtlicher Schutz
für die Empfänger.
Angesichts des unbestreitbaren Erfolgs
der Plattform ist es erstaunlich, dass es im
Zeitalter innovativer Zeitungsausgaben
für das mobile Internet nicht schon längst
auf allen Verlagswebsites anonyme digitale Wurfkästen für Informanten gibt. Die
Technik dafür gibt es nicht erst seit heute. Schon seit etwa zehn Jahren unterstützen etwa das Kryptoprogramm „Pretty
Good Privacy“ und das Anonymisierungstool JAP kostenlos die sichere und anonyme Kommunikation. Dass ehemalige
WikiLeaks-Mitarbeiter nun mit OpenLeaks ein handliches Tool für Whistleblower anbieten wollen, dass dies aus einer Hand bietet, ist überfällig. Diese Initiative hätte aber auch von professionelljournalistischer Seite kommen können.
Ein weiterer nächster Schritt könnte
darin bestehen, sich in Deutschland für
die rechtliche Absicherung von Informanten einzusetzen. Einen gesetzlichen
Whistleblower-Schutz gibt es nämlich
■
ebenfalls bis heute nicht.
titelthema
Anonyme Depots
Konkurrenz zu WikiLeaks formiert sich mit neuen Konzeptionen
In den letzten Wochen gingen eine Reihe
von Internetplattformen und Verlagsdienstleistungen an den Start, die sich WikiLeaks
zum Vorbild nehmen. Prominent kündigten
etwa die WikiLeaks-Dissidenten Daniel BergDomscheit und Herbert Snorrason einen
Nachfolgedienst mit einer neuen Konzeption
an: Openleaks.org.
OpenLeaks soll Journalisten, Gewerkschaften und Menschenrechtsgruppen die
technische Infrastruktur zur Verfügung
stellen, damit Informanten ihre Informationen anonym deponieren können.
Damit nehmen die Entwickler der Technik kein juristisches Risiko auf sich – es
verbleibt traditionell bei denen, die die
Materialien verwenden: Den Journalisten.
Diskussionen darüber, ob eine solche
Plattform „journalistisch“ sei, erübrigen
sich dann. Ebenso die Entscheidung, wie
und wann die Dokumente veröffentlicht
werden sollen. Die Technik soll kostenfrei
zur Verfügung stehen. Medienorganisationen sollen jedoch eine „Infrastrukturspende“ entrichten. Die Rede ist von
monatlich zwischen 200 und 500 Euro,
die die jährlichen Kosten von schätzungsweise 100.000 Euro decken sollen. Demnächst soll der Probebetrieb starten.
In Deutschland stellte Der Westen
bereits einen Leserservice namens „Dateiupload“ bereit, den Informanten anonym
nutzen können, sowie eine anonyme
E-Mail-Kontaktmöglichkeit. Beide Funktionen werden über ein Webformular
realisiert. In dem einen Fall kann man
eine Datei hochladen, in dem anderen
Fall eine Nachricht schicken. Dass so etwas auch für die Lokalpresse sinnvoll sein
kann, hatte sich im August 2010 gezeigt,
als auf WikiLeaks Dokumente zur Planung
der Loveparade in Duisburg veröffentlicht
worden waren. Seitdem WikiLeaks nur
noch die US-Depeschen veröffentlicht,
gibt es außer Cryptome keine bekannten
Alternativen mehr für Informanten. Eine
Veröffentlichung garantiert die WAZ allerdings nicht.
Die WAZ hat einige technische Vorkehrungen getroffen: „Unsere Datenleitungen sind elektronisch gesichert. Niemand wird Sie enttarnen können“, verspricht Recherche-Leiter David Schraven.
In der Tat nutzt die WAZ-Gruppe eine
SSL-Verschlüsselung für ihre Verbindung.
Auch sollen die Dateien mit GnuPG,
einer Open-Source-Variante des berühmten
und immer noch sicheren Kryptopro-
gramms „Pretty Good Privacy“ verschlüsselt werden. Wirklich sicher ist das aber
auch noch nicht: Jeder Besucher hinterlässt nämlich auf dem Server der Website
mit seiner IP-Adresse eine Spur, die zur
Identifizierung genutzt werden kann.
Nutzer, die wirklich anonym bleiben wollen, sollten daher dafür sorgen, dass ihre
IP-Adresse verschleiert wird, wenn sie die
Website besuchen. Das geht über Dienste
wie JAP: Die JAP-Rechner, die unter anderem vom schleswig-holsteinischen Landesdatenschutzzentrum betrieben werden,
verschleiern über mehrere Stufen, welchen Internet-Zugangsserver ein Informant verwendet. Einen entsprechenden
Hinweis darauf gibt es auf der Website
des Westens aber nicht.
In Brüssel haben indessen Journalisten selbst das Heft in die Hand genommen und zusammen mit Aktivisten und
tionen, die die innere Funktionsweise der
EU zentral abbilden“.
Zu Beginn bot BrusselsLeaks eine Datenübermittlung nur über ein gesichertes
Webformular an, das auf Wordpress-Software beruht sowie E-Mail-Kontakt über
den kanadischen Dienstleister Hushmail.
com, der E-Mails verschlüsselt. Wie auch
beim Westen gibt es keinen Hinweis darauf, dass die IP-Adressen der Besucher
letztlich nicht geschützt sind. Welche
Technik „Brussels Leaks“ letztendlich einsetzen wird, ist noch ungewiss. Bislang
gibt es nur eine Ankündigung, die ein
großes Medienecho erfuhr. Bis auf Weiteres sind die Macher auf Tauchstation
gegangen.
Ähnliche Ankündigungen und Protoypen gibt es inzwischen auch für Indonesien in Form eines „Indoleaks“, das
einen E-Mail-Kontakt über Googlemail
anbietet. In Bulgarien ging „Balkanleaks.eu“
an den Start. Wikispooks.com wiederum
basiert auf der Mediawiki-Software. Sie
bietet PGP-verschlüsselten E-Mail-Kontakt
sowie einen SSL-gesicherten anonymen
Datei-Upload an. Dabei versichert sie,
keine IP-Adressen zu protokollieren. Diese
Karikatur: toonpool.com / Mariolars
Kommunikationsprofis
„BrusselsLeaks.com“ gegründet. Die Idee
dahinter war, dass Journalisten zwar gute
Kontakte zu möglichen Informanten in
den Behörden und Lobbyvereinigungen
in Brüssel pflegen. Da die Verbindungen
jedoch in der Regel bekannt sind, ist es für
diese riskant, die Informationen weiterzugeben. Anders wäre dies, so das Kalkül,
wenn die Daten durch einen Trichter
kommen und dann verteilt werden. Eine
Art Datenwäsche sozusagen. Anonymität
wird auf Wunsch versprochen. Das Ziel
ist hochgesteckt: Aufgedeckt werden sollen „die vor Ort gesammelten Informa-
Website richtet sich an Mitarbeiter von
Sicherheitsbehörden sowie Freunde von
Verschwörungstheorien.
Ob diese Plattformen und Dienstleistungen auf der Bugwelle von WikiLeaks
für den Journalismus erfolgreich sein werden, ist ungewiss. Seit Jahren gibt es etwa
die so genannte Privacybox der German
Privacy Foundation, einer Art geschützten
digitalen Briefkasten. 2.000 Personen aus
Deutschland, Frankreich, Spanien und
Russland nutzen zurzeit die etwa 3.000
sicheren Postfächer. Deutsche Medien
haben dieses Angebot bislang nicht angenommen. Christiane Schulzki-Haddouti ■
11
M 1– 2.2011
titelthema
Für ein Optimum
an Transparenz
Gespräch mit Horst Pöttker, Professor für Journalistik
an der TU Dortmund und Vorsitzender des Vereins zur Förderung
der publizistischen Selbstkontrolle
HORST PÖTTKER | Das würde ich nicht
sagen, da hierzu auch die Auswertung
von Quellen gehört. WikiLeaks verschafft
Journalisten allerdings Zutritt zu großen
Mengen an Quellen und Daten, was für
eine journalistische Tätigkeit wichtig ist.
M | Einige wenige, aber zentrale Informationen hat WikiLeaks durchaus selbst analysiert.
PÖTTKER | Das würde ich schon zum
Journalismus rechnen. WikiLeaks ist eine
Institution, die aus dem journalistischen
Blickwinkel handelt. Aber das, was Journalismus ausmacht, wenn es sich nicht
um einzelne Auswertungen handelt, erfüllt WikiLeaks nicht vollständig. Wenn
man 251.000 Dokumente für bestimmte
Medien öffnet und dann sukzessive paketweise veröffentlicht, ist damit ein Selektionsvorgang verbunden. Dieses Vorgehen
kann man als journalistisch bezeichnen.
Im Wesentlichen ist es eine Tätigkeit, die
für Journalisten enorm wichtig ist und aus
dem professionellen Interesse von Journalisten erfolgt, aber selbst noch nicht Journalismus ist. Dazu würde nämlich auch
die journalistische Darstellung gehören.
M | Genießt WikiLeaks damit bereits denselben Schutz wie journalistische Organisationen?
PÖTTKER | Journalist ist keine geschützte
Berufsbezeichnung. Man muss keine
Ausbildung durchlaufen haben. In der
NS-Zeit musste man einer entsprechenden
Kammer angehören, um als Journalist
tätig sein zu dürfen. Das ist heute nicht
der Fall. Insofern ist es immer mit einer
Interpretationsbandbreite verbunden, ob
Personen oder Institutionen diesen Status
genießen dürfen und damit das Recht haben, Informanten zu schützen. Bei WikiLeaks würde ich sagen: Ja, dieses Recht ist
gegeben. Die Gerichte haben immer das
Öffentlichkeitsprinzip hochgehalten –
und die Betreiber von WikiLeaks als jour-
12
M 1– 2.2011
nalistischer Institution haben insofern
auch das Recht gegenüber einem Richter
die Auskunft über ihre Informanten zu
verweigern.
M | US-Politiker fordern, die New York Times
ähnlich wie WikiLeaks wegen Geheimnisverrat zu belangen. Wie sorgfältig müssen
Journalisten mit Geheimnissen umgehen?
PÖTTKER | Ja, natürlich. Es gibt Grenzen
der Pressefreiheit. Das ist im Grundgesetz
festgelegt. Militärische Geheimnisse, die
die Sicherheit des eigenen Landes gefährden, darf man als Journalist nicht verraten. Das sehe ich aber bei den bislang
veröffentlichten Dokumenten nicht gegeben. Einschätzungen von Diplomaten
gefährden noch nicht die Sicherheit eines
Landes. Grundsätzlich gibt es Grenzen:
Aber sogar im Fall der Spiegel-Veröffentlichung „Bedingt abwehrbereit“ von 1963
hatten die obersten Bundesgerichte entschieden, dass dies nicht der Fall war. Sie
hatten das Öffentlichkeitsprinzip höherrangig bewertet. Augstein und andere
wurden dann rehabilitiert.
Journalisten sind nur an das Recht gebunden. Sie sind keine Politiker und sollten sich auch nicht als Personen mit politischer Verantwortung sehen. Das ist seit
1945 vorbei. Es ist nicht die journalistische Aufgabe Öffentlichkeit herzustellen,
die dem Staat nützt, sondern Öffentlichkeit im Sinne eines Optimums an Transparenz. Dies allerdings wird durch Persönlichkeitsrechte und andere Grenzen eingeschränkt. Aber bei WikiLeaks kann ich
nichts Entsprechendes erkennen.
M | Was ist jedoch, wenn die Veröffentlichungen tatsächlich die Arbeit von Sicherheitsbehörden beeinträchtigen?
PÖTTKER | Öffentlichkeit ist in der Tradition der Aufklärung keine Bedrohung,
sondern ein Schutz und ein Menschenrecht. Missstände gedeihen nur hinter
verschlossenen Türen. Öffentlichkeit
schützt auch vor Missständen und Ver-
Foto: Malte Wicking, Institut für Journalistik
M | Ist das, was WikiLeaks tut, Journalismus?
brechen. Ich habe manchmal das Gefühl,
dass wir das in den letzten Jahrzehnten
vergessen haben. Wir denken zu oft an
Öffentlichkeit als Bedrohung und zu wenig an die Funktion von Öffentlichkeit,
Missstände zu verhindern.
M | Das Amtsgeheimnis hat hier ja auch
eine jahrhundertelange Tradition.
PÖTTKER | Wir haben seit 2006 ein Informationsfreiheitsgesetz und Journalisten
sollten sich öfter dieses Gesetzes bedienen.
Behörden sind auskunftspflichtiger als die
Praxis hier in Deutschland zeigt. Behörden oder Gerichte schieben manchmal
den Datenschutz vor, um keine Akteneinsicht zu gewähren. Wir haben ja auch im
Pressekodex einschränkende Aussagen zur
verdeckten Recherche. Sie kann gerechtfertigt sein, wenn ein besonderes öffentliches Interesse besteht. In den USA ist
das anders. Da wird verdeckte Recherche
auch von den Verlagen selbst härter sanktioniert. Das liegt daran, dass Behörden
stärker zur Auskunft verpflichtet sind.
M | Angenommen eine deutsche Zeitung
hätte die 251.000 Depeschen erhalten. Wie
hätte sie damit umgehen müssen?
PÖTTKER | Es wäre vernünftig gewesen,
wenn die Zeitung die Dokumente so
schnell wie möglich angesehen hätte
und dann die für Deutschland relevanten
briefe an «m»
Dokumente in journalistisch aufbereiteter
Form veröffentlicht hätte. Den Rest hätte
sie auf ihrer Homepage einstellen können,
damit andere Journalisten die Dokumente auch verwenden können.
M | Wie beurteilen Sie die Entscheidung
von WikiLeaks, nur fünf ausgewählten journalistischen Medien Einblick in die 250.000
Depeschen zu gewähren. Hat der Spiegel
damit jetzt nicht auf Monate voraus einen
Informationsvorsprung?
PÖTTKER | Das sehe ich problematisch im
Sinne der Richtlinie 1.1 des Pressekodex,
die Exklusivverträge untersagt. WikiLeaks
schafft ja nur die Voraussetzung für Journalismus, doch diese sollte für alle geschaffen werden. Hier kann man eine
Verletzung der Richtlinie 1.1 sehen – insofern könnte man Beschwerde einlegen.
Es gibt übrigens nur sehr wenige Beschwerden, die sich auf die Richtlinie 1.1
beziehen.
M | Der Guardian hat mit der New York
Times Unterlagen geteilt, die diese von WikiLeaks nicht bekam. Verzerrt es nicht den
Wettbewerb, wenn wenige Verlage derart
exklusiv bedient werden?
PÖTTKER | Ich argumentiere nicht als
Ökonom. Was mich interessiert, ist die
Herstellung von Öffentlichkeit. Da sind
diese Exklusivitätsgeschichten problematisch. Man geht oftmals davon aus, dass
Kommerzialität und Publizität einander
ausschließen. Das denke ich nicht so,
weil es ja auch um die Frage geht, wie das
größtmögliche Publikum zu erreichen ist.
Gespräch:
Christiane Schulzki-Haddouti ■
Wir freuen uns über Briefe.
Manchmal müssen wir Leserbriefe kürzen.
Wir bitten dafür um Verständnis.
ver.di Bundesverwaltung
Karin Wenk, «M»-Redaktion,
10112 Berlin
Telefon: (030) 69 56 23 – 26
Fax: (030) 69 56 23 – 76
E-Mail: [email protected]
Im Persönlichkeitsrecht
beschnitten
M 6 / 7, M 11, M 12
– neues Gebührenmodell
Ich bin wirklich sehr froh, in der M 12/
10 endlich einen kritischen Beitrag über
das neue Gebührenmodell zu lesen –
auch wenn es sich leider nur um einen
Leserbrief handelt!
Vor etwa zehn Jahren habe ich meinen Fernseher abgeschafft, nachdem das
Programmniveau drastisch gesunken
war. Dafür zahle ich weiterhin gern meinen Rundfunkbeitrag und hoffe damit
mitzuhelfen, dass die Qualität meines
bevorzugten Senders erhalten bleibt. Der
GEZ muss ich jedes Jahr auf die Anfrage
antworten, ob ich denn womöglich „vergessen“ hätte, dass ich inzwischen auch
einen Fernseher besitze.
Ich fühle mich in meinem Persönlichkeitsrecht beschnitten, wenn man
mich ab 2013 fürs Fernsehen zur Kasse
bittet. Wenn es wirklich darum geht, den
allgemeinen kulturellen und Bildungsauftrag zu unterstützen, dann sollte dies
innerhalb der Steuerabgaben geschehen,
und zwar prozentual zum Einkommen.
Für Geringverdiener sind achtzehn Euro
monatlich zu viel!
Constanze Suhr, per Mail ■
Der eigentliche Skandal
In die Tiefe M 12 / 2010
Das ist natürlich wacker vom dju-Journalistentag, von der iranischen Regierung
die „sofortige Freilassung“ der beiden
Bild am Sonntag-Journalisten zu fordern.
Haben die 240 Teilnehmer auch darüber
gesprochen, wie die beiden auf die Idee
kommen konnten, mit einem Touristenvisum einzureisen und sich so in große
Gefahr zu begeben? Wer ihnen den Auftrag dazu gegeben hat? M zitiert „Reporter ohne Grenzen“: die beiden hätten die
„restriktive Visa-Praxis für ausländische
Journalisten im Iran“ umgehen wollen.
Da machen es sich alle zu einfach. Für
die genannte Zeitung und die beiden Reporter war doch klar, dass sie auf diese
Weise sich, die verurteilte Frau und ihren
Sohn, den sie interviewen wollten, extrem gefährden würden. Gegen die eingeschränkte Pressefreiheit im Iran kämpfen zwei Bild am Sonntag-Journalisten mit
einem Touristen-Visum nicht wirkungsvoll an. Und das ist der eigentliche Skandal: dass Journalisten freiwillig oder im
Auftrag mit einem Touristen-Visum ins
Feuer gehen oder geschickt werden.
Thomas Tennler, Stuttgart, per Mail ■
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Rückwärts
in die Zukunft?
Zeitungsverleger für „Rückbau“ der Tarifverträge und Tarifwerk 2
jetzt beschäftigten Redakteur/-in und
nicht nur Berufseinsteiger betreffen wird.
Dieses zweite Tarifwerk sieht Absenkungen
im Vergleich zum bisherigen Gehalts-,
Mantel- und Altersversorgungstarifvertrag
vor. Bestehend aus einer über 15 Prozent
niedrigeren Gehaltsstruktur. Hinzu kämen
über 10 Prozent Kürzung im Manteltarifvertrag bestehend aus Erhöhung der Arbeitszeit auf 40 Stunden, Kappung des Jahresurlaubs bei 30 Tagen und Streichung
des Urlaubsgeldes. Zudem wollen die Verleger die Arbeitgeberbeiträge zur Presseversorgung für künftige Redakteursverträge
von fünf auf 2,5 Prozent senken. Das
macht bereits nach zehn Redakteursjahren
über 100.000 € niedrigere Einkommen
und eine schlechtere Altersversorgung.
Nach diesem Maßstab soll in Redaktionen der Zukunft gearbeitet und weniger
am Ende des Monats
gezahlt werden. Wohlgemerkt soll dies nicht
in Einzelfällen oder in
Verlagen in wirtschaftlicher Not so praktiziert
werden, sondern in allen tarifgebundenen
Verlagen. Wenn denn
die Journalisten-Gewerkschaften einem
solchen Plan zustimmen würden.
Doch die dju in
ver.di und DJV weisen
diese Pläne nicht nur
zurück, sondern haben
eigene Forderungen
aufgestellt. Es soll deutliche Tariferhöhungen
von 4 % geben und
kein niedrigeres Tarifniveau. Lediglich für Notlagen soll, so wie
in einzelnen Verlagen bereits vereinbart,
ein Verfahren zur Beschäftigungssicherung
greifen. Dies würde zunächst über Arbeitszeitverkürzung und damit Gehaltsverzicht
zur wirtschaftlichen Entlastung des Verlages führen.
Alles was darüber hinaus an Arbeitnehmerbeitrag zur Sanierung eines Verlages
nötig wäre, müsste dann mit den Tarifparteien vor Ort verhandelt werden. Solche
Vereinbarungen bestehen bereits, doch
Karikatur: Rainer Hachfeld
In den Tarifverhandlungen für die rund
14.000 Redakteurinnen und Redakteuren in
Tageszeitungen geht es zwischen dem Verlegerverband BDZV einerseits sowie DJV und
der dju in ver.di andererseits mal wieder um
die Zukunft. Wie in jeder ordentlichen
Tarifrunde sollte es eigentlich um Tariferhöhungen und Verbesserungen der Arbeitsbedingungen gehen. Doch die Verleger beschreiben mit ihren nun in aller Deutlichkeit
genannten Tarifforderungen einen Niedergang des Journalismus, statt eines Angebots
für notwendige Verbesserungen. Ein Verlegervertreter hat dies zynisch mit „Rückbau“
bezeichnet. Der stellvertretende ver.di-Vorsitzende und Verhandlungsführer der dju,
Frank Werneke, erklärte dazu: „Die Forderungen der Verleger sind in keiner Form akzeptabel. Sie bedeuten zudem eine Abwertung des Journalistenberufs.“
Was genau lehnt ver.di damit ab? Der
BDZV fordert massive Tarifabsenkungen
für den Neuabschluss der Redakteurs-Tarifverträge. Jetzt in den Verlagen arbeitende
Redakteurinnen und Redakteure sollen
demnach kein Urlaubsgeld mehr und damit 5 Prozent weniger Jahresgehalt bekommen. Generell soll für alle zukünftig
eingestellten Redakteurinnen und Redakteure ein neues – über 25 Prozent niedrigeres – Tarifniveau gelten, das aber auch bei
Outsourcing oder Verlagswechsel jede/n
14
M 1– 2.2011
der BDZV will sie Tarifregelung nicht haben. „Die dju in ver.di lehnt diese generellen Verschlechterungen in Zeitungsredaktionen strikt ab, die ohnehin in den vergangenen Jahren durch Kostensenkungsprogramme schon massiv ausgedünnt
worden sind. Wir wollen keine Tarifverträge zu Lasten der jetzigen und der kommenden Journalistengeneration abschließen“, bewertete Frank Werneke die Verlegervorschläge. Die Zeitungsverleger müssten aufpassen, so Werneke weiter, dass sie
sich damit im Wettbewerb um die guten
Köpfe nicht selbst die Zukunft verbauen.
Das sei auch eine Frage der Wertschätzung
der Arbeit in den Redaktionen – auch vor
dem Hintergrund fortschreitender Arbeitsverdichtung in Zeiten von verstärkter online-Veröffentlichung und Apps für mobile Medien.
Die Zeitungsverleger werden den Tarifvertrag der Zukunft, also den nächsten
Abschluss, nicht verschenken, ganz im
Gegenteil. So schwere Herausforderungen
hat es für die Journalisten-Gewerkschaften
noch nicht gegeben. Es wird also eine Frage der Durchsetzungskraft werden, welche
Seite dem Tarifergebnis ihr Gepräge gibt.
Was will die dju in ver.di? Die dju
setzt sich für eine Fortführung des bisherigen Tarifwerks ein, mit Tariferhöhungen
und Ausdehnung auf Online-Journalismus. Das soll ergänzt werden um eine
Notlagen- bzw. Sanierungs-Regelung. Für
die veränderten Arbeitsweisen von Redakteurinnen und Redakteuren ist Qualifizierung nötig, dies ist fair und damit tarifvertraglich zu regeln. Zudem soll künftig in
Verlagen ein sogenanntes „equal pay“ gelten: also als Leiharbeitskräfte beschäftigte
Redakteurinnen und Redakteure ebenso
wie Pauschalisten sollen vergleichbare
Einkommensbedingungen erhalten.
Andere Branchen gehen diesen Weg
bereits. Es gibt solche ersten vorbildhaften
Tarifabschlüsse. In Zeitungsverlagen mit
den verschiedenen Formen der Beschäftigung ist es an der Zeit diesem Vorbild zu
folgen. Denn die Redaktionen der Zukunft
brauchen gute, qualifizierte und fair bezahlte Journalistinnen und Journalisten.
Die Verleger schlagen mit ihren Forderungen ein ganz altes Buch auf, das keiner
lesen will. Denn es gibt ja bereits Erfahrungen aus anderen Branchen, in denen
eine Tarif- und Berufsentwicklung, die an
den Erwartungen der umworbenen Fachkräfte vorbei geht, zu Problemen und dauerhaftem Qualitätsmangel führt. Die Zeitungsverleger sind dabei in diese Richtung
zu gehen, diesen Richtungswechsel sogar
von den Gewerkschaften einzufordern.
Die dju in ver.di will dem aus vielen guten
Gründen nicht folgen.
Matthias von Fintel
ver.di-Tarifsekretär Medien ■
print
Unter dem Motto „Tarif.Aktiv“ kam Mitte Januar in Berlin erstmals die Arbeitsgruppe
der Tarifkommission Zeitungen zusammen, die sich mit der Information und Mobilisierung
für die laufende Gehalts- und Manteltarifrunde (S. 14) beschäftigt.
Worauf es ihnen dabei ankommt:
Schlag ins Gesicht
Es geht um die Wurst
Bei den Verlegern
scheinen sich Kräfte
durchgesetzt zu haben, die Zeitungen für
Gelddruckmaschinen
halten und sich um
ihre gesellschaftliche
Verantwortung nicht
scheren. Statt Qualität
zu sichern, werten sie
den Journalistenberuf
immer mehr ab. Jetzt wollen sie trotz vielfach guter Gewinne erneut die Bedingungen für den Redakteursnachwuchs verschlechtern. Das ist ein Schlag ins Gesicht
der jungen Kolleginnen und Kollegen, die
mit viel Enthusiasmus und großem Engagement ins Berufsleben starten. Mit dieser
Politik setzen die Verleger die Zukunft der
ganzen Branche aufs Spiel. Das dürfen wir
nicht zulassen.
Renate Angstmann-Koch,
Betriebsratsvorsitzende,
Schwäbisches Tagblatt ■
Dieses Mal geht es
wirklich
um
die
Wurst. Die Zeitungsverleger haben in der
aktuellen Tarifrunde
zum Generalangriff
gegen die Redakteurinnen und Redakteure und den journalistischen Nachwuchs
geblasen. Sie sprechen
von Steigerung der Qualität. Doch die bisherigen Maßnahmen und Vereinheitlichungen der Inhalte vieler Zeitungen und
Zeitschriften sowie die jetzt geforderten
tariflichen Einschnitte sprechen eine andere Sprache: Die journalistische Arbeit
wird missachtet, die Leser werden der Meinungsvielfalt beraubt! Es geht um unsere
Zukunft! Und leider stehen wir da nicht
allein - auch bei Angestellten und Druckern sind die Tarifverträge gekündigt und
ähnliche Tarifforderungen der Verleger auf
dem Tisch. Deshalb müssen wir den Verlegerforderungen eine klare Absage erteilen.
Gemeinsam Aufstehen für unsere Arbeitsbedingungen, unseren Beruf und unsere
Berufung!
Renate Gensch,
Betriebsratsvorsitzende,
Berliner Verlag ■
Bogen überspannt
Wertschöpfung durch
Wertschätzung,
dieses System haben
die Verleger seit etlichen Jahren vergessen.
Permanente
Arbeitsverdichtung,
sinkende Redaktionsetats, Arbeitsplatzabbau, Überstunden –
und dann noch weniger Geld? Diese Unverschämtheiten der
Verleger werden wir nicht länger hinnehmen. Wir haben mit der Mobilisierung in
den Redaktionen, den Druckereien und in
den Verlagen begonnen nach dem Motto
„Guter Lohn, gute Leute, gute Arbeit“.
Dieses Mal haben die Verleger den Bogen
überspannt, und das werden sie in Kürze
merken.
Frank Bell, Betriebsratsmitglied,
Neue Westfälische Bielefeld ■
Gerecht geht anders
Die Verleger tun in
den Verhandlungen
so, als würde die Zeitungsbranche krank
daniederliegen. Wenn
es so wäre, hätten sie
unternehmerisch versagt. Nein, die Branche ist quicklebendig,
und die Gewinne
sprudeln – nicht zuletzt auf Kosten vieler Redakteure und Volontäre, die sich seit mehreren Jahren mit
Gehaltseinbußen, Personalabbau, Leiharbeit oder Ausgliederungen herumplagen
müssen. Ich finde, wer von Wertschätzung
redet, darf nicht Geringschätzung üben.
Die Verlegerforderungen vom 8. Dezember sind aber Ausdruck von Geringschätzung. Die Arbeitgeber wollen den Journalistenberuf abwerten. Gleichzeitig geben sie zu, dass die Anforderungen an
Zeitungsredakteure steigen. Gerecht geht
anders.
Ulrich Janßen,
Betriebsratsvorsitzender
Nordwest-Zeitung ■
Das Maß ist voll
In den Redaktionen
kocht die Wut hoch.
Die Kollegen haben
begriffen, dass es in
diesen Tarifverhandlungen nicht um eine
Gehaltserhöhung,
sondern um den Ausverkauf ihres Berufstandes und damit
um alles geht. Das
werden die Verleger zu spüren bekommen.
Und dabei werden sich ältere Kollegen
auch nicht gegen jüngere ausspielen lassen. Schon deshalb nicht, weil die Arbeitgeber sie Jahre lang ohne Rücksicht auf
ihre Gesundheit, ihre Familien und ihr
Privatleben ausgenutzt haben. Das Maß ist
übervoll.
Corina Lass,
Neue Westfälische,
Lokalredaktion Herford ■
Schlüsselwort Solidarität
Das Schlüsselwort dieser Tarifrunde heißt
Solidarität, wenn man
diesen „Tarifvertrag 2“
betrachtet.
Hinzu
kommt: Je mehr es
uns gelingt, Volontäre, freie Mitarbeiter,
befristet Beschäftigte
und leitende Redakteure einzubeziehen,
desto mehr Durchschlagskraft entfaltet
ein Arbeitskampf. Der Solidarität bedarf
es aber auch im Verhältnis zwischen Journalisten, Druckern und Verlagsangestellten. Und selbst im Verhältnis zwischen
den beiden Journalisten-Gewerkschaften.
Fotos: Christian v. Polentz / transitfoto.de
Gemeinsam
aufstehen
Norbert Freund,
Redakteur,
Saarbrücker Zeitung ■
15
M 1– 2.2011
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Stellenstreichungen
Umstrukturierung in Kiel: Verhandlungen kommen voran
Rüdiger Knaack – bei den Kieler Nachrichten
Betriebsratsmitglied – hätte es nun gern
leise: „Was halten Sie davon, wenn Sie mal
gar nichts berichten?“ Das vergangene Jahr
brachte auch wirklich genug Paukenschläge
an der Förde. Denn die seit 2009 zur Mediengruppe Madsack gehörenden Kieler Nachrichten (KN) wollen mit aller Macht Kosten
reduzieren.
Als erstes bekamen das die 389 Produktionshilfen des ausgegliederten Druckzentrums Moorsee zu spüren. Die Tabel-Gruppe setzte sie zum 30. Juni an die Luft, als
dort neue Leiharbeitsfirmen unter Vertrag
kamen. Zugleich kündigte die Geschäftsführung der Kieler Nachrichten an, auf
mehr als zehn Prozent der 400-köpfigen
Stammbelegschaft künftig verzichten zu
wollen. Durch Teilbetriebsschließung und
Fremdvergaben würden vor allem Stellen
in den Bereichen Telefonische Kundenbetreuung bei Anzeigen und Vertrieb sowie im Satz wegfallen. Auch die Pförtner
sollten vor die Tür.
Damit war eine innerbetriebliche Auseinandersetzung unvermeidlich. ver.di,
mit etwa 130 Mitgliedern im Zeitungshaus
vertreten, sowie der DJV verlangten die
Rücknahme der Entlassungspläne. Auch
der Betriebsrat schloss sich dem an. Für
den Fall, dass an den Kündigungen festgehalten werde, wurde ein Sozialtarifvertrag
eingefordert. Eine Voraussetzung, um
streikfähig „von Macht zu Macht“ zu verhandeln. Martin Dieckmann, ver.di-Verhandlungsführer und Fachbereichsleiter
in Norddeutschland, wollte als Ultima
Ratio auch einen Arbeitskampf nicht ausschließen. „Die Gespräche bei KN liefen
jedoch von vornherein pragmatisch und
konstruktiv“, lobt er nun die Suche nach
alternativen Lösungen mit der Geschäftsführung. Diese habe sich von der ersten
Runde an kompromissbereit gezeigt. Das
Verhandlungsmandat als Gewerkschaft
und die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat hätten sich bewährt.
Auch Jürgen Heinemann, Chefredakteur und Prokurist der Kieler Nachrichten,
hebt das konstruktive Klima und die bisherigen Ergebnisse des Feilschens mit den
Beschäftigtenvertretern hervor. Die Umstrukturierungen sind in seinen Augen je-
doch zwingend. Vor allem im Anzeigenbereich brechen Umsätze weg, ist die Entwicklung „katastrophal“, klagt er. Die großen Ketten diktieren Rabatte. „Wir sind
abhängig, ganz klar.“ Aus unternehmerischer Verantwortung dürfe man „nicht
erst dann handeln, wenn man in den roten Zahlen steht“. Noch bis zum 30. April
können sich freiwillig ausscheidende Mitarbeiter bei ihm als „goldenen Handschlag“ eine ordentliche Abfindung abholen. Neben dieser „Sprinterprämie“
steht bis dahin auch das Angebot auf eine
attraktive tarifvertragliche Altersteilzeitlösung. Die Resonanz darauf sei „erstaunlich
gut“, so Heinemann. Sind die Entlassungen damit vom Tisch? Festlegen möchte
sich der KN-Chef nicht.
Von einer endgültigen Lösung möchte auch Martin Dieckmann nicht sprechen. Entscheidend bleibt die Rückendeckung durch die Beschäftigten und die
aktiven Gewerkschafter. „Verhandlungskommt von Handlungsfähigkeit gegen
solche Drohszenarien. Das erste und das
letzte Wort haben die Mitglieder“, betont
der ver.di-Funktionär.
Peter Steiniger ■
➧ Erhalt der Metadaten in Fotos gefordert
Als kritischer Mensch ist man bemüht, möglichst
wenige persönliche Informationen preiszugeben
oder gar ins Netz zu stellen. Fotografinnen und
Fotografen sehen das naturgemäß ganz anders.
Sie würden gern öfter ihre Daten, genauer, ihre
Metadaten im Internet wiederfinden. Eine Stichprobenuntersuchung des Bundesverbandes der
Pressebild-Agenturen und Archive e.V. (BVPA)
auf 40 der meist besuchten Nachrichtenseiten
Deutschlands hat ergeben, dass 70 bis 80 Pro-
zent der dort veröffentlichten Agenturbilder keine
Metadaten mehr enthalten. „Es bleibt offen, ob
dieses Entfernen der Urhebernachweise vorsätzlich oder versehentlich geschieht. Im Ergebnis
führt es zu Millionen von Fotos, deren Urheber
nicht mehr identifizierbar sind“, schreibt der
BVPA. „Wir haben ein Rundschreiben an die
betreffenden Tageszeitungen verschickt, um auf
das Problem hinzuweisen und warten jetzt auf
die Reaktionen“, erklärt BVPA-Vorstandsmitglied
und Keystone-Geschäftsführer Jan Leidicke. Der
Aufruf des BVPA wird von Mitgliedern der AG
Foto der dju in ver.di unterstützt.
Bei Metadaten handelt es sich vor allem um die
IPTC-Daten, die der Fotograf oder die Fotografin
den Bilddateien bei der Bearbeitung am PC anhängt. Die meisten Kameramodelle unterstützen
auch den Eintrag eines Copyrightvermerks bei
den kamerainternen EXIF-Daten.
Mathias Thurm ■
Der Urheber hat das Recht auf Anerkennung seiner Urheberschaft am Werk. Er kann bestimmen,
ob das Werk mit einer Urheberbezeichnung zu
versehen und welche Bezeichnung zu verwenden
ist (§13 UrhG). Diese Bestimmung des Urheberrechtes gilt selbstverständlich auch für digitale
Bilder.
Im Gegensatz zum physisch verbreiteten Foto,
kann ein Urhebervermerk am digitalen Werk nur
in Form von Metadaten erfolgen. Wer diese entfernt, nimmt dem Urheber das Recht auf Namensnennung.Dennoch finden sich schon jetzt
im Internet Millionen von Bilddateien, deren
Metadaten keinen Rückschluss mehr auf den
Urheber zulassen.
Der BVPA verurteilt die elektronische Veröffentlichung und Verbreitung digitaler Bilder, aus
denen die Metadaten und insbesondere die
Informationen zur Urheberschaft, vor der Veröffentlichung entfernt wurden.
Wir fordern jeden, der digitale Bilder elektronisch veröffentlicht und / oder verbreitet, auf, die
vom Urheber oder dessen Vertreter in den Bilddaten hinterlegten Informationen zu bewahren
und ausschließlich Bilder zu veröffentlichen, die
diese Metadaten vollständig enthalten.
Ein außerhalb einer Bilddatei, z.B. im dazu gestellten Text, angebrachter Urheberhinweis kann
den Erhalt der Metadaten nicht ersetzen, da
die digitalen Bilder jederzeit aus diesem Kontext
herausgelöst werden können.
Wir weisen in diesem Zusammenhang ausdrücklich auf die bereits existierenden Rechtsvorschriften des §95c UrhG hin, die eine
unberechtigte Entfernung der Metadaten untersagen.
16
M 1– 2.2011
Arbeitswelten
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Fotografische Einblicke in einen nichtöffentlichen Bereich
„Es ist die Arbeit, die die Werte schafft.“
Diese eigentlich banale Tatsache, die angesichts von Börsenhype und Finanzkrise in
Vergessenheit geraten zu sein scheint, wollen Werner Bachmeier und Udo Achten mit
ihrem Bildband Arbeitswelten, Einblicke in
einen nichtöffentlichen Raum buchstäblich
wieder ins Blickfeld rücken.
Bilder aus der Arbeitswelt, zumal von ausgewiesen gewerkschaftsnahen Autoren, da
denkt man schnell an ölverschmierte
schwielige Hände, rußgeschwärzte Gesichter, von der Last der Arbeit gebeugte Körper oder aber an Helden der Arbeit, die mit
ihrem sprichwörtlich starken Arm notfalls
alle Räder anhalten. Nichts von all dem ist
in dem Buch zu sehen. „Die Bildauswahl
zeigt Beispiele aus dem normalen Arbeitsalltag. Extreme Verhältnisse, wie sie Günter Wallraff durch seine Reportagen ins
Licht der Öffentlichkeit gerückt hat, sind
fotografisch schwer zu erfassen. Hinzu
kommen rechtliche Vorschriften, die beim
Fotografieren und bei der Veröffentlichung zu berücksichtigen sind“, schreibt
Udo Achten in der Einleitung.
Aber wozu Fotos aus der Arbeitswelt, wenn
man der freundlichen Kassiererin nicht
ansieht, wie wenig sie verdient, ob der
Montagearbeiter nur einen befristeten
Arbeitsvertrag besitzt und dass die Büroangestellte vielleicht mit einem berufsbedingten Bandscheibenschaden zu kämpfen hat? Es ist vor allem das Anliegen und
das Verdienst des Buches, das Interesse auf
einen schwer zugänglichen, zugleich zentralen Raum unserer Gesellschaft zu lenken und damit ein Stück weit „die Volkswirtschaft wieder vom Kopf auf die Füße“
zu stellen. Die Auswahl der gezeigten
Branchen und Situationen ist breit, sie erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Udo Achten liefert in seinen
Zwischentexten die Zahlen und Hintergrundinformationen über Arbeit und
Beschäftigung, die aus den Bildern nicht
herauszulesen sind.
Was die Fotos von Werner Bachmeier
auszeichnet ist, dass Menschen und nicht
Maschinen im Mittelpunkt stehen. Zwar
fehlt der klassische Hochofenabstich nicht
als Motiv, deutlich wird aber, dass Bildschirme auch in der Produktion zunehmend die Welt der Arbeit bestimmen. Die
abgebildeten Menschen sind meist konzentriert bei der Sache. Ihre konkreten Tätigkeiten scheinen ein hohes Maß an Geschicklichkeit, Kenntnissen und Erfahrungen zu verlangen. In der Regel steht bei
den Bildern der sachliche Informationsgehalt im Vordergrund. Manche Fotos erzählen auch kleine Geschichten, zeigen
die persönlichen Seiten der Arbeit oder
zeugen von Humor. Da schauen zwei
Siemens-Kollegen von hinten betrachtet
scheinbar gelangweilt auf ihre Bildschirme, während über ihnen im Stile realsozialistischer Arbeitsparolen die Losung
prangt: „unchain your workflow!“. Oder
die Arbeiterin in der Klavierfabrik. Sie hat
sich aus einem abgesägten Stuhl und einem Rollbrett ihren eigenen beweglichen
Arbeitsplatz gezimmert. Der Devisenhändler, der vor einer Wand von Bildschirmen
sitzt, könnte jeden Geschäftsbericht
schmücken, wenn da nicht im Vordergrund das große Lebkuchenherz hängen
würde.
Mathias Thurm ■
Werner Bachmeier / Udo Achten
Arbeitswelten
Einblicke in einen nichtöffentlichen Raum
224 Seiten Hardcover,
Klartext Verlags GmbH Essen, 2010,
ISBN 978-3-8375-0163-6; 24,95 Euro
Journalisten-Preis
Das Kriminalitätsopfer
in der Gesellschaft
2011 wird der Journalisten-Preis
des WEISSEN RINGS zum dritten
Mal ausgelobt. Im Vordergrund
steht die sensible und aufklärerische Darstellung opferrelevanter
Themen sowie Aspekte der Opferproblematik.
Eingereicht werden können journalistische Arbeiten aus den Bereichen Print, TV und Hörfunk,
die in Deutschland veröffentlicht
wurden.
Der Preis ist mit insgesamt 9.000
Euro dotiert. Darüber hinaus kann
die Jury in allen drei Bereichen
Sonderpreise vergeben.
Einsendeschluss:
30. April 2011
Ausschreibung und weitere
Informationen unter
www.weisser-ring.de
oder bei:
WEISSER RING e. V.
- Journalisten-Preis Weberstraße 16
55130 Mainz
Ansprechpartner:
Veit Schiemann
Tel.: 06131-8303-42
Fax: 06131-8303-60
E-Mail: schiemann.veit@
weisser-ring.de
Ausstellung bei ver.di
Die Ausstellung „Arbeitswelten“ mit Fotos von
Werner Bachmeier wird ab Mitte März in der Galerie
der Bundesverwaltung in Berlin zu sehen sein.
17
M 1– 2.2011
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Flucht aus Flächentarif
Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck
hat auch bei ihren letzten tarifgebundenen Regionalzeitungen, Saarbrücker Zeitung und Trierischer Volksfreund, die Bindung an die Flächentarife beendet. ver.di
kritisiert diese Entscheidung als Verschärfung der Konflikte in den Zeitungsverlagen. Von den Verlegern würden die Rahmenbedingungen für die Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter in Redaktionen, Druckereien und Verlagen derartig verschlechtert,
dass jegliche Ansprüche an Qualitätsmedien verloren gingen.
„Viele Verlage haben, wie jetzt Holtzbrinck, in den letzten Jahren und verstärkt
in den letzten Monaten die Tarifbindung
an Flächentarifverträge aufgegeben und
Arbeitsprozesse in nicht tarifgebundene
Firmen verlagert. Dabei wurden branchenweit Personal abgebaut und gleichzeitig
die Anforderungen an den einzelnen Arbeitsplätzen erhöht. In den meisten Fällen
wurden die erreichten Kostensenkungen
schlicht zur Renditesteigerung genutzt.
Das Maß an Zumutungen ist überschritten. ver.di ruft daher alle Beschäftigten
von der Redaktion bis zur Technik dazu
auf, in den anstehenden Tarifrunden offensiv für ihre Interessen einzutreten“, kündigte der stellvertretende ver.di-Vorsitzende Frank Werneke an.
PM ■
Ippen zieht sich zurück
Zum 1. Dezember hat die Verlagsgruppe
Ippen den Oranienburger Generalanzeiger
und die Anzeigenblätter Märker und
BRAWO an die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) verkauft. Der SWMH gehört bereits in Brandenburg die Märkische
Oder-Zeitung (MOZ) in Frankfurt/Oder,
deren Geschäftsführung jetzt auch die
Neuerwerbung leitet. Der Oranienburger
Generalanzeiger hat in Verlag und Redaktion 68 Beschäftigte, im dazugehörenden
Druckhaus 99. Das Bundeskartellamt hat
dem Verkauf bereits zugestimmt.
Sil ■
dpa-Tarifrunde
ohne Annäherung
Auch die dritte Runde der Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der dpa
GmbH am 11. Januar 2011 in Berlin hat
keine Annäherung gebracht. Geschäftsführung und Chefredaktion beharren auf
ihrer Forderung nach massiven Einsparungen bei den Personalkosten, etwa durch
die komplette Streichung des Urlaubsgelds. Dies hätte Einbußen von fast 6 Prozent zur Folge.
Die Tarifkommission aus DJV und
ver.di dagegen betonte erneut, die Beschäftigten seien zu keinerlei Abstrichen
in der Mantel- und Gehaltstarifrunde
bereit. Die Mitarbeiter hätten in den vergangenen Jahren bereits deutliche Zugeständnisse gemacht. Die Tarifkommission
unterstrich ihre Forderung nach Einkommenserhöhungen von vier Prozent.
Die Tarifverhandlungen sollen am
9. Februar 2011 in Berlin fortgesetzt werden.
PM ■
Schon entdeckt?
Engagierte Medien abseits des Mainstreams sind hochinteressant, aber wenig bekannt.
Deshalb stellt M mit dieser Rubrik in jedem Heft eines davon vor.
Der Wedding
Der Berliner „Problembezirk“ Wedding ist „Programm und Inspiration“ für ein jährliches unabhängiges Magazin zur Alltagskultur. Ein von Chefredakteurin Julia Boeck und Herausgeber Axel
Völcker bewusst gewählter Name, um einen anderen journalistischen Blick auf die Stadt zu pflegen.
Die Idee entstand beim Blick aus Völckers Küchenfenster auf seinen Weddinger Hinterhof mit einer
Kutsche und allerlei Sammelsurium. Davon inspiriert beschloss er, ein Magazin herauszugeben, das
den Bezirk authentisch widerspiegelt. Seitdem
sind drei 116 Seiten dicke jeweils monothematische Journale erschienen, das vierte wird im September herauskommen.
18
M 1– 2.2011
Kleine Begebenheiten des Großstadtalltags werden thematisiert, die praktisch überall vor der
Haustür passieren. Damit ist das Blatt auch Spiegel
ähnlicher Kietze anderer Städte. An den sensibel
erzählten Geschichten und sie begleitenden Bildstrecken arbeiten etwa 30 freie Autoren, Fotografen und Illustratoren, die „symbolisch bezahlt“
werden, wie Boeck sagt. Die Themenfindung ist ein
„langer Prozess, für den wir uns viel Zeit lassen.“
Menschen müssen für diese Sichten ihre Türen öffnen – „Komm`se rin!“ hieß deshalb auch das Auftaktheft vor drei Jahren. Die noch aktuelle Ausgabe 2010 beschäftigt sich mit dem Thema Arbeit in
einem entindustrialisierten Stadtgefüge. Die Lebensader Müllerstraße wird in der Gegenüberstellung
von gestern und heute als eine Straße der Gegensätze vorgestellt, deren glanzvolle Zeiten vorbei
sind. Heutigem Broterwerb, der Arbeit von Kreativen, ortsansässigen Gewerbetreibenden oder auch
der Ruhelosigkeit im Alter wird viel Raum gegeben. Und berichtet wird über eine besondere Form
der Arbeit, das Betteln. Die von einem auf Produktfotografie spezialisierten Fotografen perfekt abgelichteten Bettelschilder und die Geschichten ihrer
Besitzer erzählen vom Geben und Nehmen und der
Würde derer, die ganz unten sind.
Jedes Heft ist anders strukturiert ohne klassische
Rubrizierung. Vier Teile der aktuellen Ausgabe sind
durch ein „Bürolexikon“ schwarz auf knallrot
getrennt, in dem Bürovokabular erläutert wird:
„Wir haben aus großer Auswahl affektierter Bürosprache das Schrecklichste genommen“, meint die
Chefredakteurin. Ganz hinten finden sich gelbe
Seiten mit individuell geschriebenen Empfehlungen aus dem Bezirk a là: Man läuft immer wieder
dran vorbei – am Zuckermuseum, dem Fachgeschäft Klebeland, dem Restaurant Tante Elli …
„Diese Tipps sind auch Teil unserer Finanzierung
durch Anzeigen.“ Die Grafik wird aus dem Thema
für jede Ausgabe entwickelt: „Keine gestellten
Fotos, kein Photoshop, keine Spielereien sondern
klare Sprache in Typografie und Bild“ erläutert
Cheflayouter Axel Völcker. Die Gestaltung dient
dem Inhalt, das ist für den gelernten Kommunikationsdesigner Prämisse: „Zum Wedding passt
kein Hochglanz“.
Der Wedding wird in einer Auflage von 5.000 gedruckt und für 6 Euro (im Wedding selbst für 5) im
Presse- und Buchhandel auf Bahnhöfen und Flughäfen und in ausgewählten Läden verkauft. Bei
wachsender Leserschaft in ganz Deutschland und
geplanter Auflagensteigerung macht sich Julia
Boeck, die als freie Journalistin mit Völcker eine
Bürogemeinschaft betreibt, keine Sorgen um die
Zukunft des Magazins. „Wir haben das Gefühl, es
machen zu müssen, weil Geschichten, wie wir sie
erzählen, im Medienalltag hinten runter fallen.“
www.derwedding.de
Bettina Erdmann ■
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Gehalt gekürzt
Vertreter des Bauer Verlages: Mediation ist kein Waffenstillstand
Zweiter Termin im Arbeitsrechtsstreit der
Konzernbetriebsratsvorsitzenden Kersten
Artus gegen den Hamburger Bauer Verlag
am 7. Januar. Doch diesmal geht es nicht wie
im vergangenen November um das ersatzweise Zustimmungsbegehren zur fristlosen
Kündigung durch das Hamburger Arbeitsgericht, das wegen der laufenden Mediation
bis Ende Januar ausgesetzt wurde, sondern
die Redakteurin Artus klagt gegen Gehaltskürzungen und für die Rücknahme diverser
Abmahnungen.
Und wieder ist der Andrang zum Verhandlungssaal 109 gewaltig, wird Solidarität
mit Kersten Artus gezeigt. Im Vorfeld zu
dem fristlosen Kündigungsbegehren, das
mit einer „beharrlichen Arbeitsverweigerung“ begründet wurde, hatte der Bauer
Verlag akribisch Buch geführt und die Ak-
tivitäten der Betriebsrätin, Gewerkschafterin und Politikerin, die in die tägliche
Arbeitszeit fielen, minutiös aufgelistet.
Mehrere Abmahnungen wurden ausgesprochen und das Gehalt um insgesamt
1038 Euro gekürzt.
Gleich zu Beginn des Termins wirft
Arbeitsrichter Esko Horn die Frage auf, ob
eine solche Verhandlung während der laufenden Mediation zwischen den Parteien
sinnvoll sei. Doch der Bauer Verlag hat in
der Zwischenzeit eine weitere Abmahnung
gegen seine ungeliebte Konzernbetriebsrätin erlassen und erklärt kampfeslustig:
„Mediation ist ja kein Waffenstillstand.
Wir werden während des Mediationsverfahrens weiter normal miteinander umgehen.“ Das, so ein Prozessbeobachter, sei
die „klassische Normalität nach Gutsherrenart“. Der nächste Verhandlungstermin
ist für den 6. April anberaumt. Angesetzt
wird für die beiden Komplexe Zustimmungsbegehren und Gehaltskürzung / Abmahnung ein ganzer Verhandlungstag.
Esko Horn: „Diese Verfahren sind nicht
alltäglich.“ Er selbst aber werde dann das
Verfahren nicht mehr führen, denn zum
1. Februar werde er in die Hamburger Justizbehörde wechseln. Eine für Gewerkschafter sehr fragwürdige Entscheidung fällte er aber noch: Der Betriebsrat müsse „auflisten, was konkret an Betriebsratsarbeit“
gemacht worden ist. „Die Stichworte würden mir jetzt nicht mehr reichen, es muss
ein bisschen mehr Substanz kommen.“
Konkrete Substanz und eine Abmahnung der ganz anderen Art erhielt dieser
Tage der Bauer Verlag selbst: Bauer muss
ein Bußgeld in Höhe von 2.000 Euro zahlen, das sie aus der Portokasse bezahlen
dürften. Monatelang war das Hamburger
Amt für Arbeitsschutz dafür den Vorwürfen nachgegangen, dass bei dem Peoplemagazin Life & Style die vorgeschriebenen
Arbeitszeiten nicht eingehalten würden
und Redakteure gesetzwidrig mitunter bis
tief in die Nacht arbeiten müssten.
Wulf Beleites ■
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AUS- UND WEITERBILDUNG
FÜR JOURNALISTEN
Traumberuf Journalist?
Das ifp bietet 2011 folgende Weiterbildungsseminare in München an:
• Unterwegs mit der Flipkamera - Crossmedial arbeiten
mit Michael Praetorius, Publizist, Medienberater, München
19.03.2011
• Facebook, Twitter & Co. - Crossmedial arbeiten
mit Christian Jakubetz, Autor, Dozent, Berater, Arnstorf
20.03.2011
• „Achtung Studio!“ - Einführung in die TV-Moderation
mit Heinz Wolf, Moderator, ZDF, heute journal, Mainz
23.03.-25.03.2011
• Authentisch am Mikro - Radiomoderation für Fortgeschrittene
mit Patrick Lynen, Moderator (hr1), Trainer, Programmberater,
Bergheim-Glessen
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• „Achtung Studio!“ - TV-Moderation für Fortgeschrittene
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Referenten arbeiten in renommierten Redaktionen. Nach erfolgreich absol-
• Die Geschichte hinter der Nachricht Reportage für Fortgeschrittene
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M 1– 2.2011
rundfunk
Hohe Qualität
statt Masse
ARD-Vorsitzende Monika Piel in Zeiten kostenloser Apps
und neuer Gebührenverfahren
Am 1. Januar 2011 übernahm Monika Piel
turnusmäßig für zwei Jahre den Vorsitz der
ARD. Piel ist seit 2007 Intendantin des Westdeutschen Rundfunks, der größten ARD-Anstalt. M sprach mit ihr über die Situation und
aktuelle Probleme des Senderverbunds.
M | Seit Jahren tobt der Konflikt mit Verlegern und Privatfunkern um die Online-Präsenz von ARD und ZDF. Sie haben zur Jahreswende angekündigt, sich für die Kostenpflichtigkeit der ARD-Apps einzusetzen,
wenn gleichzeitig auch die Verleger diesen
Schritt tun. Ein taktischer Kniff, um den Ball
an den medienpolitischen Gegner zurück zu
spielen?
MONIKA PIEL | Ich verstehe gut, dass manche Verleger in einer wirtschaftlich außerordentlich schwierigen Situation sind.
Wenn ich sie frage, was stört euch am
meisten an unserem Online-Angebot,
dann monieren sie jedes Mal die kostenlosen Apps. Ich kann das persönlich nicht
nachvollziehen, weil wir ja z.B. bei „tagesschau“- und „sportschau“-App nur die Inhalte anbieten, die sonst ja auch schon auf
unseren Internetseiten stehen und die wir
für einen anderen Verbreitungsweg nur
optimieren. Also frage ich zurück: Die
kommerziellen Unternehmen bieten kostenlose Apps – alleine beim Sport sind es
über 100 – an, und wir sollen unsere kostenpflichtig machen? Das geht doch absolut nicht. Diese Inhalte sind schließlich
mit den Rundfunkgebühren bereits bezahlt. Mein Angebot an die Verleger:
Wenn ihr es hinkriegt, eure Politik umzustellen und ihr nur noch kostenpflichtige
Apps anbietet, dann würde ich mich dafür
einsetzen, dass wir in der ARD auch kostenpflichtige Apps – als zusätzliches kommerzielles Angebot – zum Abruf bereit
stellen.
M | Wie würden diese ARD-Apps dann aussehen?
PIEL | Denkbar wäre, dass für eine App
eigens neue Inhalte zusammen gestellt
werden oder zum Beispiel Rechte erworben werden müssen. Sie müsste also einen
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M 1– 2.2011
Mehrwert aufweisen, das wäre dann nicht
diese 1:1-Abbildung dessen, was jeder im
Internet schon vorfindet. Für die Produktion solcher Apps und die Vermarktung
wären dann aber die kommerziellen Mediatöchter zuständig. Ein gutes Beispiel
dafür ist z.B. die Loriot-App.
M | Aufreger des letzten Jahres war der DreiStufen-Test. Ihr Vorgänger, SWR-Intendant
Peter Boudgoust, nannte zu Beginn seiner
Amtszeit den Test ein „bürokratisches Monster“. Was hat dieses Monster gebracht?
PIEL | Wir mussten zulasten des Publikums aufgrund der gesetzlichen Vorgaben
unendlich viele Inhalte löschen. Das Publikum hat darauf verständlicherweise
recht heftig reagiert: „Das ist ja so, als hättet ihr ‘ne Bibliothek abgefackelt“. Es hat
andererseits dazu geführt, dass die Internet-Auftritte, bei denen ja schnell auch
ein Wildwuchs entsteht, Seite für Seite
durchgesehen wurden. Wir haben uns
dann auf die wirklich relevanten Dinge
beschränkt. Nach dem Motto: Hohe Qualität statt Masse. Wir hatten gehofft, und
das war ja auch die Intention der Politik,
dass dadurch ein bisschen Ruhe in unseren Streit mit den Verlegern einkehren
würde. Diese Hoffnung hat getrogen.
M | Ab 2013, nach Ihrer Amtszeit im ARDVorsitz, greift das neue Gebührenverfahren.
Bringt die Haushaltsabgabe mehr Geld in die
Kassen der öffentlich-rechtlichen Anstalten?
PIEL | Voraussetzung ist zunächst, dass
alle Landtage zustimmen. Hier gibt es keinen Automatismus. Nach unseren bisherigen Berechnungen werden wir keine
großen Mehreinnahmen haben, aber das
Beitragseinkommen wird sich immerhin
wohl auf der Höhe der Einnahmen des
Jahres 2009 stabilisieren. Der Vorteil des
neuen Modells: Es ist einfacher und transparenter, weil nicht mehr gerätebezogen.
Bliebe es beim bisherigen Modell, würden
wir – unter anderem wegen des demografischen Wandels und der steigenden Zahl
an Gebührenbefreiungen – tendenziell immer weniger Einnahmen haben.
M | Auch TV-Verweigerer, die gar kein Gerät
besitzen, müssen ab 2013 blechen. Haben
hier nicht die Kritiker Recht, die von einer
Zwangsgebühr oder gar von einer „Zwangssteuer“ reden?
PIEL | Rein juristisch ist es ein Beitrag, genauer: ein Beitrag zur Infrastruktur. Für 95
Prozent aller Haushalte ändert sich gar
nichts. Rund anderthalb Millionen Menschen werden sogar finanziell entlastet.
Den bewussten Fernseh- und Hörfunkverweigerern sage ich: Das ist eine Art Infrastrukturbeitrag. Ich muss auch für viele
Dinge Abgaben, Steuern, Beiträge zahlen,
die ich zwar vielleicht persönlich nie im
Leben in Anspruch nehme, die aber ein
wichtiger Beitrag für die Gesellschaft, für
die Allgemeinheit sind. Dieses Land leistet
sich ganz bewusst einen starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Aber die Zahl
derer, die weder Radio, Fernsehen noch Internet nutzen, dürfte sowieso relativ klein
sein; zumal man nicht übersehen darf,
dass unsere Inhalte und Leistungen immer
häufiger auch am PC und über mobile
Endgeräte abgerufen werden.
M | 2013 wird auch mit dem Einstieg in den
Ausstieg aus dem Sponsoring – vor 20 Uhr –
begonnen. Wäre im Interesse einer Systemreinheit nicht die gänzliche Abschaffung von
Sponsoring und Werbung wünschenswert?
PIEL | Ich könnte sowohl auf Sponsoring
als auch auf Werbung verzichten, wenn
das über die Gebühr ausgeglichen werden
könnte. Ich sehe aber nicht, dass es dafür
eine Bereitschaft gibt. Aber wir hatten
schon in den letzten zehn Jahren erhebliche finanzielle Einbrüche. Daher könnten
wir einen Verzicht auf Werbung ohne materielle Kompensation nicht einfach so bewältigen. Die Einführung von Werbung
und Sponsoring erfolgte durch die Politik
damals mit der Absicht, die Höhe der
Gebühren niedrig zu halten. Ich war zu
dieser Zeit als Redakteurin sehr dagegen.
Wir haben uns da unwahrscheinlich gegen Werbung im Programm gewehrt.
Wenn man aber zu dem früheren Status
wieder zurück will, kann man diese Einnahmen nicht einfach ohne Ausgleich
wegfallen lassen.
M | Demnächst wird in der ARD von Sonntag
bis Donnerstag jeden Abend getalkt. Fürchten
Sie nicht, das Publikum mit diesem Overkill
mittelfristig zu ermüden oder zu verscheuchen?
PIEL | Bisher gibt es dafür keine Anzeichen. Das Gerede vom vermeintlichen
Overkill kommt nicht aus dem Publikum.
Und die Akzeptanzdaten weisen auch
nicht in diese Richtung. Das Erste bringt,
rundfunk
Foto: WDR / Herby Sachs
M | Die AG Dok kritisiert
den Wegfall eines wöchentlichen Sendeplatzes für Dokus
in der ARD. Ist diese Kritik
wirklich unbegründet?
so das Ergebnis der jüngsten „TNS Infratest“-Umfrage, nach Meinung von 78 Prozent des befragten Publikums die besten
politischen Talkshows. Ich selbst finde die
Häufung des Formats nicht schlimm, weil
wir da ja schließlich keine Banalitäten
behandeln, sondern uns mit relevanten
gesellschaftspolitischen Themen auseinandersetzen. Wir erreichen damit auch ein
Publikum, das sich sonst vielleicht für die
klassischen Politiksendungen nicht interessiert.
M | Aber ist jetzt nicht mit einem gnadenlosen Wettbewerb zwischen Günter Jauch und
Frank Plasberg um die immer gleichen A- und
B-Promis zu rechnen?
PIEL | Wir werden unter der Koordination
von ARD-Chefredakteur Baumann natürlich drauf achten, dass dies nicht geschieht. Außerdem: Maischberger und
Beckmann sind beide in der Unterhaltung
angesiedelt. Da handelt es sich streng genommen nicht um aktuelle Politiktalks,
sondern es geht um längerfristig gesellschaftspolitisch relevante Themen. Bei
den drei Moderatoren, die in der Information angesiedelt sind, werden wir genau
hinkucken. Wenn da immer das Gleiche
passieren würde, wäre eine Ermüdung des
Publikums vermutlich die Folge.
PIEL | Die „AG Dok“ muss
sich so äußern, sie ist
schließlich Interessenvertreterin in eigener Sache. Für
mich war wichtig – und
diese Zusicherung habe ich
erhalten –, dass zahlenmäßig keine Dokus wegfallen.
Den Sendeplatz am Montag um 20.15 Uhr, an dem
bisher nur Naturfilme liefen,
werden wir künftig auch
für politische Dokus öffnen,
wenn die Aktualität das
sinnvoll und nötig erscheinen lässt. Auch die Budgets
bleiben gleich. Die Anzahl
der Talkshow-Sendeplätze
dagegen haben wir von 40
auf 36 pro Jahr und Format
verringert. An den dadurch
frei werdenden Sendeterminen werden wir dann
zum Teil auch Dokus senden. Wichtig ist doch, dass
die Anzahl der Dokus insgesamt stabil bleibt.
M | Im NDR kursierte vor einiger Zeit ein
Papier, in dem für Experimente mit Scripted
Reality geworben wurde, dem pseudodokumentarischen Format, das der Medienwissenschaftler Pörksen als „Sozialporno“ bezeichnet. Können Sie ausschließen, dass in der
ARD demnächst Sendungen à la „Familien im
Brennpunkt“ laufen, mit denen RTL derzeit
im Nachmittagsprogramm abräumt?
PIEL | Ja, das würde ich ausschließen. Wir
haben natürlich die so genannten Dokudramen – um ein Stück wie „Contergan“
haben wir lange auch juristisch gestritten –, aber das ist doch schon noch ein
ganz anderes Genre als diese „Scripted
Reality“ am Nachmittag . Uns stört allerdings, dass nach den GfK-Daten diese
Nachmittagstalks als Information gewertet
werden. Unser Informations- und Realitätsbegriff ist dann doch ein anderer.
M | Günther Jauch, Kai Pflaume, Stefan
Raab – drei Protagonisten des Privatfernsehens, die in diesem Jahr auch in der ARD
tragende Rollen übernehmen. Ohne eine zunehmende Konvergenz der Systeme zu unterstellen: Wird durch derartige Kooperationen nicht
das öffentlich-rechtliche Profil verwässert?
PIEL | Für mich ist Herr Jauch ein Ausnahmefall. Wichtig ist daher, dass er „Infor-
mation“ nur bei uns macht. Es gab eine
hohe Medienresonanz auf den Wechsel
von Steffen Hallaschka, der aus unserem
System kommt, zu RTL (Hallaschka moderiert seit Januar „stern-tv“ auf RTL, d. R.).
Da hat kein Mensch gefragt, ob es eigentlich sein müsse, dass die Kommerziellen
sich einen Info-Mann aus der ARD holen,
ob die denn keine eigenen Leute hätten.
Zu uns kommen in der Regel Leute in die
Unterhaltung. Wie gesagt: Jauch ist in der
Information eine Ausnahme, der hat aber
auch – nebenbei bemerkt – als Volontär
beim BR angefangen. Auch die Mitwirkung von Herrn Raab ist eine einmalige
Sache, die bezieht sich nur auf den Eurovision Song Contest. Und Herr Pflaume
wurde nach reiflicher Überlegung vom
NDR verpflichtet.
M | Auch der WDR-Rundfunkrat appelliert
angesichts der „Verpflichtung von Protagonisten der privaten Konkurrenz“ an die Geschäftsleitung, sowohl in der Unterhaltung
als auch in der journalistischen Information
die Nachwuchsarbeit zu verstärken...
PIEL | Wir haben gerade im Bereich Unterhaltung eine ganze Reihe von neuen
Leuten an den Start gebracht: Hirschhausen, Plasberg, Ranga Yogeshwar, auch Sven
Lorig ist eines unserer Gewächse. Dass wir
da noch ein Stück mehr machen können,
räume ich aber ein. Gerade bei Einsfestival
wollen wir noch mehr dem Nachwuchs
die Möglichkeit geben, seine eigene Form
zu finden, sich in Ruhe zu entwickeln. Das
ist wichtig. Denn wenn jemand heutzutage nicht sofort überzeugt, fällt gleich das
ganze Land über ihn her.
M | Die ARD wurde im letzten Jahr von RTL
bei den Marktanteilen knapp überholt –
schmerzt Sie das?
PIEL | Wenn man sich ankuckt, woran es
liegt, dann punktet RTL unter anderem
mit den umstrittenen Nachmittagsformaten. Die erfolgreichsten 20 Formate unserer kommerziellen Konkurrenz sind in der
Regel wirklich Formate, die bei uns keinen
Platz finden könnten und sollten.
M | Besorgniserregender erscheint da wohl die
Tatsache, dass der Marktanteil der ARD bei
den Jungen abermals um 0,7 auf 7,3 Prozent
gesunken ist, während RTL nochmals um 1,1
auf 18,1 Prozent zugelegt hat. Gefährdet ein
solcher Generationenabriss nicht allmählich
den Integrationsauftrag der ARD?
PIEL | Dieses Thema bereitet uns viele Sorgen und Kopfzerbrechen. Es geht ja darum, junge Menschen mit Formaten zu
begeistern, die unserem öffentlich-rechtlichen Auftrag entsprechen. Das ist keine
21
M 1– 2.2011
rundfunk
leichte Aufgabe, vor der ja auch Printmedien, Konzerthäuser, Theater, Opern usw.
stehen. Die meisten Formate, die bei den
Privaten die junge Zielgruppe ansprechen,
können wir nicht übernehmen. Sie entsprechen nicht unserem öffentlich-rechtlichen Auftrag. Wir selbst haben die „Tatorte“ und Krimis, Sport, Spielfilme – all
das gucken auch die Jüngeren doch sehr
intensiv. Wir müssen einfach noch mehr
für diese Zielgruppe testen – und da bietet
unser Digitalkanal Einsfestival sehr gute
Möglichkeiten.
M | Das ZDF versucht, mit dem digitalen
Jugendkanal ZDFneo gegenzusteuern. Hat die
ARD etwas Ähnliches vor?
PIEL | Die ARD hatte das schon vor dem
ZDF, nämlich mit Einsfestival...
M | … das hat die Öffentlichkeit aber nicht
so richtig mitbekommen …
PIEL | Das ist möglich, weil wir kaum
Geld haben, das ausreichend zu bewerben.
Der Kanal hat kein großes Budget. Das
heißt aber nicht, dass er weniger erfolgreich wäre als ZDFneo. Und da gibt es
eben auch Formate für junge Leute. Jung
meint in diesem Zusammenhang Menschen ab 30. Ab dem Alter interessieren
sich Menschen, die schon ein bisschen
gesettelt sind, vielleicht Familie gegründet
haben, auch wieder verstärkt für Dinge,
die eher öffentlich-rechtlich geprägt sind,
also Ratgebersendungen, spezielle politische Formate. Wir denken zum Beispiel
über eine Talkshow für jüngeres Publikum
in Einsfestival nach.
M | Wo sehen Sie noch Sparpotential für die
ARD? Wird es verstärkte Kooperationen der
einzelnen Landesrundfunkanstalten geben?
PIEL | Das ist der wichtigste Punkt. Wir
wollen natürlich in den Programmen weiter autonom und unterscheidbar bleiben.
Wir sollen ja das föderale Geschehen abbilden, daher haben die Kooperationen
auch natürliche Grenzen. Synergien und
Sparmöglichkeiten sehe ich am ehesten in
programmfernen Bereichen, etwa bei Beschaffungen oder in der Verwaltung.
M | Die ARD richtet dank Lenas Erfolg in
Oslo in diesem Jahr den Grand Prix aus. Trifft
es zu, dass dieser Event mit einem Kostenaufwand von 25 bis 30 Millionen Euro annähernd so teuer ist wie die jährlichen Ausgaben für das gesamte ARD-Korrespondentennetz?
PIEL | Nein, diese Zahlen beziehen sich
auf die Kosten, die letztes Jahr in Oslo angefallen sind. Wir wollen deutlich darun-
22
M 1– 2.2011
ter bleiben – abschließende Zahlen gibt es
aber noch nicht. Natürlich ist so ein einmaliger Event immer noch aufwändig. Andererseits haben wir in Deutschland vom
nicht so guten Abschneiden der vergangenen Jahre profitiert, weil auf diese Weise
immer andere Länder und Sender dieses
teure Ereignis ausrichten mussten. Jetzt,
wo Deutschland nach 1982 erstmals wieder gewonnen hat, gehört es für uns als
Mitglied in der European Broadcasting
Union (EBU) selbstverständlich auch dazu,
dass wir neben den vielen, vielen erfreulichen Auswirkungen auch die Kosten akzeptieren müssen.
M | Bei großen Sportübertragungen wie Fußball-Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen ist es selbstverständlich, dass ARD und
ZDF nicht parallel, sondern alternierend berichten, wegen der hohen Rechtekosten. Wieso
ist das bei der kommenden Royal Wedding von
Prinz William und Kate Middleton anders?
PIEL | Es ist nicht so, dass wir bei solchen
Ereignissen alles selbst produzieren. Wir
würden wie alle Anstalten z.B. die Bilder
von der Hochzeit über die EBU kostenlos
bekommen. Die Kosten, die für eine parallele Ausstrahlung anfallen würden, wären
deshalb mehr als überschaubar und geringer als bei einer Regelsendung auf diesem
Sendeplatz. Es soll nicht der Eindruck entstehen, als würden ARD und ZDF mit 30
Ü-Wagen anrücken und separat jeweils für
den eigenen Sender den jeweiligen Event
covern. So ist es nicht. Aber es handelt
sich hier bei der englischen Königs-Hochzeit um ein Ereignis, das offenbar sehr
viele Menschen interessiert. Es gibt nicht
wenige Printmedien, die sich seit der
Bekanntgabe des Hochzeitstermins davon
ernähren. Aber wir sind da auch noch in
einem Diskussionsprozess.
M | Die Landesregierung von RheinlandPfalz klagt gegen den ZDF-Staatsvertrag. Was
halten Sie von diesem Normenkontrollverfahren gegen den dominanten Einfluss staatlicher
Vertreter und Parteien in den ZDF-Gremien?
PIEL | Es ist legitim, dass man diese Vorgänge nach der Diskussion des vergangenen Jahres nochmal überprüfen lässt. In
den Gremien von ARD und ZDF ist diese
Frage sehr unterschiedlich geregelt. In den
ARD-Gremien sitzen verhältnismäßig wenige Staats- und Parteienvertreter. Und
auch keine Mitglieder der Landesregierungen, sondern Abgeordnete ohne Regierungsamt. In dem Moment, wo jemand
Minister oder Staatssekretär wird, muss er
bei uns ausscheiden. Das ist der große Unterschied. Die ARD kommt mit ihrem System sehr gut zurecht.
Das Gespräch führte Günter Herkel ■
Spiegel-TV baut
Personal ab
Einen Tag vor Weihnachten schickte die
Geschäftsführung von Spiegel-TV und
den angeschlossenen Unternehmen
eine Mail an ihre 261 Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter. Es war kein schöner
Tag – aber welcher Tag ist schon gut
dafür, um erste Details zu verkünden,
wie man sich bei der Fernsehsparte der
Spiegel-Gruppe die Einsparung von 15
Prozent der Stellen vorstellte.
Der „Teileinigung“ waren erste Verhandlungen mit dem Betriebsrat vorausgegangen. Deren vorläufiges Ergebnis
lautete: Die Geschäftsführung werde
bis zum 19. Januar 2011 keine Gespräche über die Beendigung von Arbeitsverhältnissen aufnehmen, diese dann
aber im Zeitraum vom 20. Januar bis
zum 19. Februar führen. Ab dem
20. Februar behielte sich die Geschäftsführung dann das Recht auf betriebsbedingte Kündigungen vor, so dass bereits zum Ende des ersten Quartals 2011
ein Teil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeitslos werden könnte.
Dass bei der Fernsehsparte der Spiegel-Gruppe Stellen abgebaut werden,
war zum Ende des Jahres 2010 bereits
seit Wochen bekannt. Aufträge, Formate
und Sendeplätze waren verloren gegangen, Umbau und Sparkurs längst verordnet worden. 40 Beschäftigte würden
gehen müssen, hieß es deshalb schon
im November, davon 25 in Berlin, wo
nur noch der Produktionsstandort
erhalten bleiben sollte. Im Gegenzug
wolle man die Redaktion in Hamburg
bündeln.
Die Geschäftsführung von SpiegelTV hatte zunächst auf Freiwilligkeit
gesetzt: „Diejenigen, die ihr Arbeitsverhältnis aufheben wollen, mögen uns
ansprechen.“ Man freue sich, hieß es,
für Kolleginnen und Kollegen, die mit
Veränderungsgedanken tragen, eine
Entscheidungsgrundlage geschaffen zu
haben.
Die noch im Dezember getroffene
Vereinbarung mit dem Betriebsrat, dass
bis 20. Februar nicht betriebsbedingt
gekündigt werden darf, schuf Zeit, den
erforderlichen Sozialplan und konkrete
Abfindungsregeln zu verhandeln. Bei
Redaktionsschluss dauerten diese Verhandlungen noch an. Kathrin Gerlof ■
Parteieneinfluss
begrenzen
ver.di im ZDF begrüßt die angekündigte Klage der Landesregierung
von Rheinland-Pfalz gegen den ZDF-Staatsvertrag beim Bundesverfassungsgericht. Durch das Normenkontrollverfahren kann nach
Auffassung der Gewerkschaft der Beweis erbracht werden, dass in
den ZDF-Gremien staatliche Vertreter und politische Parteien ein unzulässiges Übergewicht haben, die Besetzung des ZDF-Fernseh- und
Verwaltungsrates nicht staatsfern ist und damit einen Verstoß gegen die im Grundgesetz gewährleistete Rundfunkfreiheit darstellt.
Die Gewerkschafter im ZDF hoffen, dass die Karlsruher Richter
zu mehr als dieser Feststellung kommen und nicht nur kleine
Reförmchen einfordern. Sie sehen in dieser Klage die Chance, die
Gremienbesetzung im Rundfunk so neu zu ordnen, dass sie den
gesellschaftlichen Realitäten des 21. Jahrhunderts gerecht wird.
Ändern muss sich die Zusammensetzung des ZDF Verwaltungsrats. Dort sind bisher Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
nicht stimmberechtigt vertreten (im Gegensatz zum Hessischen
Rundfunk). Auch die Berufung der ZDF-Fernsehratsmitglieder
muss geändert werden. Die 77 Mitglieder dieses höchsten ZDFGremiums werden bisher von Bundes- und Landesregierungen
sowie von verschiedenen „gesellschaftlich relevanten Gruppen“
gestellt. Aber derzeit werden viele Fernsehratsmitglieder von
Verbänden zwar vorgeschlagen, aber letztlich von den Ministerpräsidenten bestimmt.
„Der Parteieneinfluss ist faktisch aber noch viel größer“
kritisiert Uli Röhm, der medienpolitische Sprecher von ver.di im
ZDF und sieht in diesem Zusammenhang Doppelmandate als
besonders problematisch. Dazu zählen beispielsweise Vertreter
aus der Gruppe der Verbände, wie Erika Steinbach, die Vertreterin des „Bundes der Vertriebenen“, die gleichzeitig Mitglied der
CDU / CSU-Bundestagsfraktion ist. Dr. Angelika Niebler, Mitglied
des Europäischen Parlaments und Landesvorsitzende der CSUFrauen-Union in Bayern. Doris Pack, früher CDU-Bundestagsabgeordnete und jetzt im Europäischen Parlament oder Anja
Stahmann, Grüne Politikerin in der Bremer Bürgerschaft oder Katrin Budde, Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion des Landes
Sachsen-Anhalt. „Solche Mandate müssen ebenfalls den politischen Parteien zugerechnet werden.“
Auch die Vorstellung, Vertreter von Interessenverbänden
könnten allein die Pluralität der Gesellschaft abbilden, entspricht ständestaatlichem Denken und ist einer demokratischen
Gesellschaft nicht mehr angemessen. Deshalb schlägt ver.di im
ZDF vor, Modelle für die Mitwirkung von Zuschauern und Gebührenzahlern im Bereich des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
zu entwickeln, wie es in anderen Ländern der Fall ist.
Kaum öffentlich diskutiert wird bisher über Interessenkollisionen bei der Fernsehratsarbeit. Was haben beispielsweise zwei
Vertreter des Verbandes der Zeitungsverleger im ZDF-Fernsehrat
zu suchen, die in Fragen neuer Medien in Konkurrenz mit dem
ZDF stehen und sogar juristisch gegen das ZDF vorgehen? Auch
Vertreter von Sportverbänden oder der Filmwirtschaft könnten
wirtschaftliche Vorteile erlangen, wenn sie über Investitionsvorhaben, Trends und Schemastrukturveränderungen frühzeitig informiert sind. Für die Gewerkschaft gilt es, den Blick auf den Einfluss der politischen Parteien zu behalten, aber nicht darauf zu
verengen. ver.di im ZDF erwartet deshalb von den Bundesverfassungsrichtern ein Verbot für Vertreter von Institutionen im
Fernsehrat, die mit dem ZDF im direkten Wettbewerb oder in engen Geschäftsbeziehungen stehen.
ver.di im ZDF / Red. ■
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rundfunk
musikmedien
Prince und Pop
Musikpresse hat schon bessere Zeiten gesehen
So richtig gut geht es der Musikpresse nicht.
Kein Wunder, befindet sie sich doch in einem
gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis zur
Musikindustrie. Die CD-Verkäufe der Musikfirmen schwächeln, neue Geschäftsmodelle
im Internet können die Verluste längst nicht
ausgleichen. Wenn die Industrie darbt, trifft
das auch Magazine wie Musikexpress, Rolling
Stone und Spex.
Was vermutlich die wenigsten Rockfans
wissen: Zwei der bekanntesten deutschen
Musikmagazine erscheinen im Axel Springer
Verlag – der Musikexpress seit dem Jahr
2000, die deutsche
Lizenzausgabe
des
Rolling Stone seit 2002.
Nicht zu vergessen Metal Hammer, das Blatt für
die Freunde des ganz
harten Sounds. Vor einem Jahr zogen die Redaktionen von München
nach Berlin um. Für Rainer Schmidt, in Personalunion Chefredakteur von
Musikexpress und Rolling
Stone, ein logischer Schritt. Als Standort
für die Musikpresse sei Berlin nicht zu toppen. „Es gibt nirgends in der Republik eine
lebendigere Szene, hier finden Sie Heavy
Metal Konzerte genauso wie vielleicht den
wichtigsten Club der Republik, das Berghain“, schwärmt Schmidt.
Näher dran an die Szene, heißt die
Losung. Das ist auch nötig, denn sowohl
Musikexpress als auch der altehrwürdige
Rolling Stone haben schon bessere Zeiten
gesehen. Die Auflage beider Blätter stagniert jeweils bei wenig mehr als 50.000
Exemplaren. Vor zehn Jahren lag sie noch
doppelt so hoch. Beide Blätter leiden ein
wenig unter Nachwuchsmangel. Speziell
über den Rolling Stone lästern böse Zungen, er sei mittlerweile ein Blatt, in dem
„alte Männer für alte Männer über alte
Männer“ schreiben. Ein Klischee, winkt
Chefredakteur Schmidt ab. „Das schreiben
die Medien gern voneinander ab, weil es
sich ja so gut anhört“, sagt er. Mit der Zusammensetzung der Redaktion und der inhaltlichen Ausrichtung der Zeitschrift
habe dieses Vorurteil jedenfalls nichts zu
tun. Tatsächlich wird die Redaktion eher
von jüngeren Kräften bevölkert. Und thematisch wildert der Stone längst in allen
24
M 1– 2.2011
Bereichen der Popkultur, seien es Kunst,
Film oder Literatur.
Das gilt auch für andere Musikmagazine. Etwa für die nur noch zweimonatlich erscheinende Spex aus München, die
sich konsequenterweise gleich „Magazin
für Popkultur“ nennt. So widmete sich unlängst eine Ausgabe schwerpunktmäßig
aktuellen Theatertendenzen, enthielt unter anderem das letzte Interview mit dem
verstorbenen Christoph Schlingensief. Die
Ausweitung des Themenspektrums komme nicht von ungefähr, findet Hagen Liebing, Musikredakteur des Berliner Stadtmagazins TIP. „Wenn man als
Macher jetzt Mitte 40 ist, hat
sich eben die ganze Erlebniswelt erweitert“, sagt er. Da genieße man auch gern mal
Rotwein, gehe ins Theater
oder in eine Ausstellung,
nehme das Kulturleben in
seiner ganzen Breite wahr.
Dementsprechend sei auch
die Bandbreite eines Magazins wie der Spex sehr gewachsen. Bislang zahlte sich die Hinwendung zu einem breiten Kulturbegriff
für Spex allerdings nicht aus. Bis Ende
2010 war die verkaufte Auflage auf gerade
mal 17.200 Exemplare geschrumpft.
Der Musikexpress wiederum hat sich in
den letzten Jahren – schon um sich vom
Rolling Stone abzugrenzen – stark auf den
Indie-Bereich fokussiert, eine
musikalische Öffnung auch
zu Pop, Elektro, Hiphop
vorangetrieben. Beide Blätter betreiben auch eine Art
musikalische Nachwuchsförderung: Jeder Ausgabe
liegt eine CD mit musikalischen Kostproben von
Newcomer-Bands
bei.
Eine kleine Sensation
war die exklusive Herausgabe
der
neuen
Prince-CD in der vorjährigen August-Ausgabe des Rolling Stone. Ein
Scoop, der dem Magazin die höchsten
Verkäufe seit Jahren bescherte und die
IVW-Zahlen für das III. Quartal 2010 auf
über 70.000 hochschnellen ließ. Ein kurzlebiger Effekt, der schnell wieder verpuffte. Die Konkurrenz des World Wide Web
mit seinen vielen musikalischen Links
schreckt Rainer Schmidt nicht. Es gebe da
gute und schlechte Sites, meint er. Er kenne aber noch nicht „diese eine, wo ich mit
derselben Treffsicherheit die gleiche Qualität finde wie im Print“.
Angesichts der eher wuseligen Informationslage im Netz, findet er, komme
den Musikredaktionen mehr denn je die
Funktion zu, Leser und Fans zu orientieren, Spreu vom Weizen zu trennen. Auf
diese Weise werde die eigene Marke gestärkt. Markenpflege betreibt der Stone
auch durch die Herausgabe einer 12-teiligen Musik-DVD-Kollektion in Kooperation mit Arthaus. Konzert- und Festivalveranstaltungen sind weitere Wege, um
die materiellen Folgen von Auflagenschwund und Anzeigenverlusten zumindest partiell auszugleichen. Wo auch das
nicht reicht, wird gelegentlich Zuflucht
bei den Mitteln des Boulevardjournalismus gesucht, wie der letztjährige Dezembertitel des Rolling Stone unter der reißerischen Headline „Kiffen, Koksen, Saufen“
eindrucksvoll belegt.
Seit jeher steht die Musikpresse im
Verdacht, mit der Industrie unter einer Decke zu stecken, mehr für die Plattenfirmen
zu schreiben als für die Fans. Da ist was
dran. Schließlich werden die Magazine
von den Labels mit aktuellen Produktionen bemustert, bekommen Konzertkarten
und manches mehr.
Aber: „Da das Anzeigengeschäft schwächelt, bekommen die Blätter paradoxerweise derzeit mehr
Unabhängigkeit von der
Industrie“, sagt TIP-Redakteur Liebing.
Das US-amerikanische
Mutterblatt des Rolling Stone
provozierte im vergangenen
Juni sogar einen handfesten
Politskandal. Auf eine Story
über den damaligen NATOOberbefehlshaber
Stanley
McChristal und dessen abfällige Bemerkungen über die amerikanische
Regierung reagierte US-Präsident Barack
Obama mit dem Rauswurf des hochdekorierten Generals. Immerhin: Der deutsche
Stone stellte eine Übersetzung des Textes
online.
Günter Herkel ■
Foto: DWP - Fotolia.com
musikmedien
Nur noch Pay-TV
Geht das klassische Musikfernsehen seinem Ende entgegen?
MTV, vor 30 Jahren Vorreiter des Musikfernsehens, ist seit Anfang Januar im Pay-TV verschwunden. Dass der einstige Konkurrent
VIVA die Lücke schließen kann, erscheint
zweifelhaft.
„I want my MTV“, Ich will mein MTV –
der Song der Dire Straits „Money for Nothing“ lieferte vor 30 Jahren den Soundtrack zum Erfolg von Music Television, der
Mutter aller Musikkanäle. Es war die Blütezeit der Musikvideos. Kaum eine Band,
die auf sich hielt, konnte es sich leisten,
auf dieses Promotionsinstrument zu verzichten. Der Sender als Plattform und Abspielkanal für die Erzeugnisse der Musikindustrie. Plattenfirmen und Künstler profitierten von einem ebenso simplen wie
einträglichen Geschäftsmodell. Schnell erlangte der Sender Kultstatus. In den Anfangsjahren galt MTV geradezu als Hort
von Anarchie und Größenwahn, verkörpert durch schrille Clips und schräge Moderatoren. Eine Videoproduktion wie
Michael Jacksons „Thriller“ schlug schon
mal mit einer Million Dollar zu Buche.
Dann kam das Internet, und die kostenlosen Abspielspielkanäle für Musikvideos vervielfachten sich. Schleichend
büßte MTV seine Funktion als Pfadfinder
im Produktionsdschungel der Musikindustrie ein. Seit dem 1. Januar ist MTV ausschließlich als Premium TV-Paket bei
diversen großen Plattformbetreibern wie
Kabel Deutschland, Sky Welt Extra oder
per Lifestyle-Paket der Deutschen Telekom
erhältlich. Was MTV im Werbetrailer als
„einzigartige Inhalte“, als „unglaubliche
Ideen, die uns zu Trendsettern machen“,
zu verkaufen versucht, markiert in Wirklichkeit den Abgesang auf das klassische
Musikfernsehen.
Tim Renner, Ex-Deutschland-Chef des
Musikmajors Universal, heute Betreiber des
Labels Motor Music, sieht die Flucht ins
Pay-TV denn auch eher als ein „Zeichen
von Abschied“, als Eingeständnis, dass
letztlich keine überzeugende Antwort auf
die Herausforderungen des digitalen Zeitalters gefunden werden konnte (Interview
S. 26 – 27).
Video killed the Radiostar – mit diesem Song der Buggles gab MTV seinerzeit
den Startschuss ins Musik-TV-Zeitalter.
Heute müsste der Slogan wohl eher lauten:
Internet killed the Videostar. Das Netz
liefert dem Musikliebhaber nahezu unerschöpfliche MöglichkeiFoto: dp
ten, sich über aktuelle
a / LUSA
Trends der Musikszene
zu informieren, zeitsouverän und natürlich kostenlos. Ob
Youtube, MySpace
oder MyVideo, ob
tape.tv, Putpat TV
oder auch Tim Renners Motor TV –
längst haben große Internetplattformen oder ambitionierte WebTV-Sender MTV
den Rang abgelaufen.
Der einstige Pionier des
Musikfernsehens dagegen hatte sich in
den vergangenen Jahren mehr und mehr
auf die Ausstrahlung billiger Promi- und
Datingshows verlegt. Oder das auf allen
Kommerzkanälen grassierende CastingFieber befeuert. Das gilt auch für den einstigen Konkurrenten VIVA. Die 1993 vom
umtriebigen Musikmanager Dieter Gorny
gegründete deutsche Antwort auf MTV
war 2004 vom US-Konzern Viacom geschluckt worden.
Mit einschneidenden Folgen für’s Programm. Beliebte deutsche Eigenproduktionen wurden durch US-Formate ersetzt.
Kultmoderatoren wie Stefan Raab, Heike
Makatsch oder Sarah Kuttner machten
anderswo Karriere. An ihre Stelle traten
Quasselstrippen wie Gülcan oder Collien,
die marktschreierisch anbiedernd die immer gleichen Bands für die überwiegend
weibliche Teenie-Gemeinde ansagten.
Offenbar um die Fans nicht vollends
zu verprellen, wird ein Teil der erfolgreichsten MTV-Formate künftig beim Schwestersender VIVA weiterhin kostenlos ausgestrahlt. VIVA soll im Rahmen der neuen
Arbeitsteilung bei den MTV Networks
künftig als zentraler Musik- und Entertainmentkanal im Free-TV fungieren. Ob MTV
mit der neuen Strategie verlorenen Boden
wieder gutmachen kann, halten Experten
mit Blick auf versprochene „einzigartige
Inhalte“ für eher unwahrscheinlich.
Einige Musikformate wie der „MTV
Breakfast Club“ oder die „New Video Charts“
wurden – wie es heißt – kreativ überarbeitet. Als neue Show-Highlights preist der
Sender US-Formate wie „Death Valley“,
„Paris Hiltons BFF Dubai“ und „16 & Pregnant“ an. Das Ganze wird angereichert
mit bewährten Kultklassikern wie „Pimp
my Ride“, „The Osbournes“ und „Jackass“.
Für Tim Renner ein Menü, das ein wenig
an „Prekariatsfernsehen, nur halt auf jung“
erinnert, wie es bisweilen von Late-NightTalker Harald Schmidt karikiert wird.
In der Gruppe der 14 – 29jährigen
verfügte MTV zuletzt über einen Marktanteil von immerhin 1,8 Prozent. Ob diese
Klientel unter den neuen
Konditionen gehalten
werden
kann,
erscheint
zweifelhaft. Immerhin handelt es sich
um den ersten ernsthaften Versuch eines
etablierten Senders,
sein Geschäftsmodell
von Werbefinanzierung auf ein Bezahlangebot umzustellen. Angesichts des dauernden
Siechtums von Murdochs Sky Television
und dem umfangreichen
hiesigen Free-TV-Angebot
bedarf es schon einer gehörigen Portion
Optimismus, an einen Erfolg des Experiments zu glauben. Bereits in den neunziger Jahren scheiterte ein Versuch, MTV als
kostenpflichtiges Satellitenprogramm zu
vermarkten.
Nicht wenige Mitglieder der bisherigen MTV-Gemeinde reagierten jedenfalls
erbost auf den neuen Geschäftskurs. „Eine
bodenlose Frechheit“ oder „bin extrem
angepisst“ – so einige der harmloseren
Kommentare. Ein weiterer enttäuschter
Liebhaber prognostizierte: „Ein Jahr, dann
sind die pleite oder wieder öffentlich zu
empfangen.“
Günter Herkel ■
25
M 1– 2.2011
musikmedien
Zeichen von
Abschied
Musikproduzent, Journalist und Buchautor Tim Renner
über Angebot und Nachfrage, Verteidigungsstrategien und
Perspektiven in der Musik(medien)branche
M | Die meisten alten Geschäftsmodelle haben im digitalen Zeitalter ausgedient. Wieso
tut sich gerade die Medienbranche so schwer
mit dieser Erkenntnis?
TIM RENNER | Die Medienbranche hat ein
Problem: Ihre Kernumsätze kommen noch
aus den analogen alten Modellen. Und die
Hinwendung zu gänzlich neuen Geschäftsmodellen heißt, die alten analogen
Modelle selbst mit anzugreifen. Das aber
ist sowohl emotional schwierig – schließlich leben sie davon heute noch – als auch
faktisch schwer vermittelbar für jeden
Investor.
M | In den meisten Industriebranchen gelten
die großen Player als Techniktreiber und
Avantgarde – Beispiel Automobilindustrie. In
der Musikbranche scheint es eher umgekehrt
zu sein …
RENNER | Anders als die Automobilindustrie, braucht Medienproduktion keine Fabriken. In der Digitalisierung fallen sogar
die Druckereien auf Dauer weg. Ergo treiben immer diejenigen am massivsten, die
bei einer Veränderung des Geschäftsmodells am wenigsten zu verlieren haben.
Am meisten wagen die Leute, die keine
gigantischen Kataloge und große Werte
hinter sich haben. Das ist so ähnlich wie
im Journalismus: Ein digital versierter
freier Journalist macht Projekte mit Netzzeitschriften und versucht, seinen eigenen
Blog zu kapitalisieren, während derjenige,
der top bezahlt, in einem großen Verlagshaus arbeitet, hofft, dass die alte Welt so
lange erhalten bleibt wie nur irgend möglich.
M | Die Branche wird von verschiedenen Seiten bedroht. Einmal durch die illegalen
Tauschbörsen und Downloads, auf die sie mit
Klagen und Bußgeldern reagiert. Hat diese
Verteidigungsstrategie überhaupt eine Perspektive?
RENNER | Nicht wirklich, denn nach den
Regeln der Marktwirtschaft kann nur der-
26
M 1– 2.2011
jenige im Wettbewerb gewinnen, der ein
Angebot hat, was mindestens so gut ist
wie das der Wettbewerber. Unsere Branche – egal ob Print, Musik, Rundfunk oder
Kino – muss begreifen, dass die Konkurrenz in diesem Fall die illegalen Angebote
sind. Das ist zwar unfair und mag wahnsinnig gemein sein, aber es ist faktisch so.
Und erst wenn ich ein legales Angebot
mache, was mindestens so gut ist wie das,
was der Konsument sich bereits illegal verschaffen kann, habe ich eine reale Chance, gegen das Illegale vorzugehen.
M | Welche Chancen hat unter diesen Vorzeichen im digitalen Zeitalter das aktuelle Urheberrecht?
RENNER | Man kann in zwei Richtungen
denken. Man kann einerseits sagen: Das
Urheberrecht und dessen Durchsetzung
muss maßgeblich verschärft werden in
dem Moment, wo sich freiheitliche Verbreitungswege wie das Internet etablieren.
Oder man kann umgekehrt sagen: In dem
Moment, wo viel mehr Leute Gestaltungsmöglichkeiten bekommen, müsste man
eigentlich das Urheberrecht liberalisieren.
Ich glaube, man denkt in die falsche Richtung, wenn man jetzt auch noch verschärfen will.
Man sollte lieber darüber nachdenken, wie man sich den Realitäten stellen
kann. Welche Wege gibt es, reales Tun
zum legalen Tun zu machen, die Kreativität von möglichst vielen Menschen zu
heben und nicht zu behindern. Gleichzeitig sollte aber auch darüber nachgedacht
werden, wie eine faire Vergütung der Kreativen sicher gestellt werden könnte. Das
sind doch die beiden Aktionsfelder, in denen eigentlich die Politik gefragt ist. Wie
kann ich Kreativität forcieren und wie
kann ich daraus eine Wertschöpfung machen? Und nicht: Wie kann ich den Konsumenten möglichst in seinem Tun behindern oder eben auch den Produzenten?
Denn eine Verschärfung des Urheberrechts träfe natürlich auch den Produzenten.
M | Zum Jahresbeginn hat MTV als erster
Sender in Deutschland von Free auf Pay TV
umgestellt. Ist das ein Zeichen von Stärke oder
Schwäche?
RENNER | Eher ein Zeichen von Abschied.
MTV war ursprünglich ein extrem dominanter Musiksender. Der Rückzug auf das
Modell eines reinen Pay-TV-Senders ist ein
Eingeständnis, dass es nicht gelungen ist,
eine Antwort zu finden auf das, was erst
MySpace und dann Youtube gemacht hat.
MTV hätte es gut angestanden, eine Rolle
als Musikdatenbank zu entwickeln. Videoclips gibt es heute auf diversen Portalen.
Insofern ist MTV als reiner Servicekanal
für Musikvideos leider obsolet geworden
und zieht daraus die Konsequenzen. Die
Leute, die dort klassisch old-school-mäßig
entweder Musikvideos in der Vorauswahl
sehen wollen oder eben den angloamerikanischen Reality-Soap-Kram, die sollen
halt zahlen. Das ist zwar konsequent, ist
aber auch ein Weg rückwärts und der Abschied aus dem Relevant Set des Pop.
M | Die Inhalte des angeblich so innovaten
Pay-MTV: Ein paar überarbeitete Musikmagazine, ein paar neue Formate wie „Paris Hiltons BFF UK“, „16 & pregnant“ sowie die
Kultklassiker „Pimp my ride“ und „Jackass“wer will für sowas zahlen.
RENNER | Das klingt so ein bisschen wie
das, was man hierzulande als Prekariatsfernsehen bezeichnet oder Unterschichtenfernsehen, nur halt auf jung. MTV
kann da sehr schnell vor einem doppelten
Problem stehen. Die angepeilte Zielgruppe
dürfte nicht besonders zahlungskräftig
sein. Andererseits hat diese Zielgruppe viel
Zeit. Wer viel Zeit hat, der findet gerade im
Internet Umgehungstechniken, um sich
im Zweifel „16 & pregnant“ auch ohne zu
zahlen, zugänglich zu machen.
M | Angeblich sollen auch die MTV-OnlineAngebote teilweise kostenpflichtig sein. Kann
das in Zeiten von Youtube, tape-tv und MySpace funktionieren?
RENNER | Nein, ganz ehrlich, ich stehe
bislang ein wenig ratlos vor dem Konzept.
Ich verstehe das Konzept so, dass die
MTV / VIVA-Gruppe über VIVA den Konsumenten anfüttern will. Er soll Appetit bekommen auf das, was bei MTV oder auf
kostenpflichtigen Online-Flächen fortgeführt wird. Ich verstehe nur nicht ganz,
wie das bei der real existierenden OnlineKonkurrenz funktionieren soll und ich
versteh auch nicht, wie das bei der Zielgruppe funktionieren soll.
M | Im Fernsehen wenden sich immer mehr
User einer zeitsouveränen Nutzung zu, blen-
musikmedien
M | Die gegenseitige Abhängigkeit von
Musikindustrie und Musikjournalismus ist
bekannt. Wie beurteilen Sie den aktuellen
Zustand des Musikjournalismus hierzulande?
Ist er korrupter als andere journalistische
Genres?
Foto: Vision X
RENNER | Ich glaube, dass die Musikpresse
sogar unabhängiger und besser geworden
ist. In der Breite kann sie mit den Anzeigen aus der Musikindustrie kaum mehr
Geld verdienen, insofern besteht eine geringe Abhängigkeit. Auch die schicken
Reisen, die ich noch als junger Musikjournalist erleben durfte zu irgendwelchen
Interviews, sind lange vorbei. Diese indirekten Bestechlichkeiten gibt es nicht
mehr.
den mit ihren Festplattenrekordern Werbung
aus. Was sollte die TV-Branche tun, um nicht
die Fehler der Musikindustrie zu wiederholen?
RENNER | Sie sollte meiner Meinung nach
mehr und mehr Rechte generieren statt
Rechte einfach nur aufführen. Das Erlösmodell rein über Werbung ist endlich.
Teilweise wird das auch schon verstanden,
wie der Fall „Starwatch“ bei der ProSiebenSat.1-Gruppe zeigt. Hier baut man ein
eigenes Label auf, das zum Beispiel Musikrechte kontrolliert entwickelt monetarisiert. Dann die interaktionsbasierten Modelle – es gibt ja kaum noch eine StefanRaab- oder Reality-Show, die sich nicht
schon fast allein durch Zuschauerpartizipation per Voting finanzieren kann.
M | Ist das nicht unter journalistischen Gesichtspunkten teilweise problematisch?
RENNER | Wenn der Kanal zunehmend
zum Absatzmittler wird, ist das natürlich
heikel. Wenn ein Medium nicht primär nur
ein Informationsinteresse hat, sondern ein
Vermarktungs- und Verkaufsinteresse, wie
neutral kann dann noch die Berichterstattung sein? Man denke nur an Bild und Bild
Online mit der ganzen Volksprodukt-Serie.
Das ist ein zweischneidiges Schwert. Man
gibt dann auch Unabhängigkeit auf.
M | Heute werden Pop-Bands und Sternchen
per Castingshows inklusive Zuschauervoting
erzeugt. Geht damit nicht ganz viel Authentizität verloren?
RENNER | Ich glaube, man muss da trennen. Eine Casting-Show gibt einem natürlich das Gefühl, emotional sehr nah an
dem Prozess der Werdung eines Stars teilhaben zu können. Man sitzt ja mit allen
Katastrophen und Erfolgen, die der ver-
meintliche Star hat, im TV praktisch neben
ihm und entwickelt so eine emotionale
Bindung. Diese Bindung ist allerdings eine
emotionale Bindung nicht zu einem Musiker, sondern zu einem TV-Format. Das ist
auch auf Dauer immer das Problem der
Casting-Stars.
Das heißt, dass die Emotionalisierung,
die von Musik ausgeht, beim Konsumenten so lange hält, wie die Sendung nachwirkt. Ein Jahr später ist der meist schon
komplett vergessen, der kleine CastingStar. Und das belegt ja: Es hat weniger mit
Musik zu tun, sondern mehr mit einer
cleveren TV-Auswertung. Musik wird hier
zum Merchandise-Produkt einer TVSendung.
M | Das schon totgesagte Digitalradio unternimmt jetzt mit DAB Plus offenbar einen letzten Anlauf. Im Zeitalter der Digitalisierung
halten allerdings viele Experten einen eigenständigen Übertragungsweg für das Radio für
anachronistisch. Ihre Beteiligung Motor FM,
ist das die Radiozukunft: ein digitaler Spartensender, mit starker lokaler Anbindung, auf
allen Transportwegen?
RENNER | Die Begrenzung von Radio auf
eine terrestrische Verbreitung wird tatsächlich obsolet. Solange der analoge Verbreitungsweg dominiert, was nicht mehr
lange der Fall sein wird, ist es wahnsinnig
wichtig, dass ich mir eine hohe lokale
Kompetenz aneigne und möglichst beginne, Sparten zu besetzen. Die lokale Kompetenz macht mich standfest gegenüber
dem zunehmenden Wettbewerb, den ich
zwangsläufig via Internet bekommen werde. Die Sparte gibt mir die Möglichkeit
einer stärkeren Expansion über meinen
eigentlichen Kernmarkt hinaus, wenn ich
vorher schon eine Spartenglaubwürdigkeit
erworben habe.
M | Die einstigen „Zentralorgane“ wie Rolling Stone oder Spex haben im vergangenen
Jahrzehnt viel Auflage eingebüßt...
RENNER | Die Musikpresse ist insgesamt
kleinteiliger geworden. Es gibt viel mehr,
nicht mehr nur die großen Blätter à la Musikexpress und Rolling Stone, sondern viele
kleine Publikationen. Man hat eine Art
Professionalisierung des Fanzine-tums erlebt in vielen Nischen. Besonders im Bereich des Gothic, der Publikationen für die
schwarzen Kuttenträger, sind erstaunlich
viele Publikationen unterwegs. Aber es ist
halt mehr und mehr so ein Fan-Journalismus, wo Leute, die entweder kaum oder
nur unter schwierigen Verhältnissen von
ihrem journalistischen Tun leben können.
Der sich selbst ausbeutende Fan oder eben
der einer Lebensvision als Journalist hinterher läuft. Da zeichnet sich ein soziales
Problem ab.
M | Welche Perspektive hat die Musikpresse?
Was müsste sie machen, um im digitalen
Zeitalter weiter erfolgreich zu sein?
RENNER | Musiktitel müssen sich gesamtheitlich als Musikmarken begreifen. Die
Medienkonvergenz führt dazu, dass ich als
Printmacher nicht nur Print denken kann.
Es geht vielmehr darum, eine Kompetenz
für einen bestimmten Musikbereich auszubilden und daraus lukrative Geschäftsmodelle zu entwickeln.
Das Gespräch führte Günter Herkel ■
➧ Tim Renner
Tim Renner war von 2001 bis 2004 Vorstandschef der Universal Group Deutschland.
Letzte Publikation: „Kinder, der Tod ist gar
nicht so schlimm – Die Zukunft der Musikindustrie“ (akt. 2008)
27
M 1– 2.2011
film
Kein Arbeitsplatzabbau
bei Kinodigitalisierung
In der dritten Verhandlungsrunde zwischen CinemaxX und ver.di über die
Digitalisierung der Kinoprojektion und
die Einführung von Kombikassen wurde
eine Einigung erzielt.
Damit wird durch verbindliche Tarifregeln sichergestellt, dass keine Arbeitsplätze abgebaut werden und, dass ein
finanzieller Ausgleich an die betroffenen Mitarbeiter zu zahlen ist. Auf dieser
Basis können dann die konkreten betrieblichen Vereinbarungen zur Umstellung der Arbeitsabläufe aufbauen.
Für Kinovorführer wird beim
Wechsel in einen anderen Arbeitsbereich über drei Jahre eine Ausgleichszahlung gezahlt, für die Arbeit an Kombikassen ist mit dem örtlichen Betriebsrat eine Zulage für die Kinomitarbeiter
zu vereinbaren.
Im Einzelnen ist für die Digitalisierung
der Kinoprojektion vereinbart worden:
• Wird die Projektion digitalisiert, erhalten die Vorführerinnen und Vorführer ein Weiterbeschäftigungsangebot im Kino.
• Eine künftige Entgeltdifferenz wird
über drei Jahre ausgeglichen. Im ersten Jahr wird das gleiche Entgelt
gezahlt, im zweiten Jahr zu zwei
Drittel und im dritten Jahr zu einem Drittel ausgeglichen.
• Diese Regelung läuft bis Ende 2015.
Für die Einführung der Kombikasse
gilt als Rahmenregelung: Voraussetzung für den Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Kombikassen ist, dass eine Betriebsvereinbarung die Zustimmung dazu gibt
und darüber hinaus festlegt,
• wie hoch die Zulage für die Arbeit
an Kombikassen ist.
• Betriebsbedingte Kündigungen sind
ausgeschlossen.
• Die Rahmenregelung zur Kombikasse ist bis Ende 2011 befristet.
Damit seien für die Arbeitsplatzveränderungen „zuverlässige Mindeststandards
für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei CinemaxX geschaffen“, erklärte
der Tarifsekretär Matthias von Fintel.
PM ■
28
M 1– 2.2011
Vom Roten Teppich
zu Hartz IV
Finanzielle Situation von
Schauspielern keinesfalls rosig
Vom Roten Teppich zu Hartz IV. Für viele der
20.000 Film- und Fernsehschaffenden in
Deutschland ist dies seit Jahren bittere Realität. Mit dem umstrittenen Änderungsgesetz
zum Bezug von Arbeitslosengeld 1, das am
1. August 2009 in Kraft trat, wollte die Große
Koalition ihnen unter die Arme greifen. Ob das
Gesetz die Lage der Betroffenen verbessert,
soll jährlich überprüft werden. Nach drei
Jahren wird dann evaluiert. Doch schon jetzt
zeichnet sich ab, dass die Kritiker Recht
behalten. Das Gesetz geht wohl an den spezifischen Bedingungen der Branche vorbei.
Um dies mit eigenem Datenmaterial zu unterlegen, hat der Bundesverband Film von
ver.di eine Umfrage gestartet. Bis zum
31. März können sich Filmschaffende unter
http://umfrage.connexx-av.de beteiligen.
Tatort-Kommissarin beim Arbeitsamt
skandalisierte die Boulevardpresse und
stellte Ulrike Folkerts als Sozialschmarotzerin hin. „Ich kann von meiner Gage bei
den Tatorten gut leben. Auch wenn sie bei
weitem nicht so hoch ist, wie die Zahlen,
die mal verbreitet wurden,“ kontert die beliebte Schauspielerin. „Ich melde mich in
der drehfreien Zeit beim Arbeitsamt, denn
ich möchte später eine Rente bekommen,
für die ich die lückenlose Beitragszahlung
belegen muss.“
Tausende Filmschaffende ohne übertarifliche Gagen haben nicht das finanzielle Polster wie Ulrike Folkerts, Monate
ohne Aufträge finanziell abzufedern. Arbeitslosengeld bekommen nur die wenigsten, obwohl alle einzahlen müssen. In
letzter Sekunde wollte die Große Koalition
ihre Situation verbessern. Auf Druck von
Finanzminister Peer Steinbrück entstand
jedoch ein kompliziertes Regelwerk, von
dem die Vertreter der Kreativen sofort befürchteten, es gehe an den Interessen der
Beschäftigten vorbei.
Wer Arbeitslosengeld erhalten möchte,
muss in zwei Jahren mindestens sechs Monate angestellt gewesen sein. Der sozialversicherungspflichtige Verdienst darf in
den letzten 12 Monaten vor der Antragstellung nicht höher als 30.240 € brutto
sein, was dem Jahres-Durchschnittsentgelt
der abhängig Beschäftigten entspricht. Die
Beitragsbemessungsgrenze, bis zu der auch
Beiträge bezahlt werden und sonst ALG I
Foto: © demarco - Fotolia.com; Retusche: Petra Dreßler
Tarifeinigung
bei CinemaxX
gewährt wird, ist allerdings doppelt so hoch.
Die Dauer der einzelnen Beschäftigungsverhältnisse sollte sechs Wochen nicht
überschreiten, wenn doch, kann dies bei
einer einmaligen Überschreitung durch
viele kurzfristige Engagements wieder ausgeglichen werden. Ein Kameramann, der
an einem Spielfilm im Schnitt 15 Wochen
arbeitet, müsste also 15 Wochen plus einen
Tag aus anderen Verträgen zusammen bekommen.
Die BEMA Forschungsgruppe an der
Uni Münster befragte im Auftrag des Bundesverbands der Film- und Fernsehschauspieler im August/September 2010 dessen
Mitglieder nach deren Erfahrungen. Danach sind nur 4,6 % der Betroffenen zusätzlich in den Genuss von Arbeitslosengeld gekommen 50,7 % der 700 Mitglieder
des BFFS, die sich beteiligten, gaben aber
an, in den letzten zwei Jahren weniger als
sechs Monate sozialversicherungspflichtig
beschäftigt gewesen zu sein.
Fast 40 % der Schauspielerinnen und
Schauspieler scheitern an der zweiten Hürde, die eine Befristung der Engagements
auf höchstens sechs Wochen vorsieht, wobei sich hier vor allem Theaterengagements negativ auswirken. 68,1 % der Befragten gaben an, in den letzten 12 Monaten weniger als 30.240 Euro verdient zu
haben, womit sie immerhin die dritte Hürde des Reformgesetzes erfüllen. Gut ein
Drittel der Betroffenen liegt darüber. Sie
haben damit keine Chance ALG I zu erhalten, obwohl sie besonders viel eingezahlt
haben.
Die Leiterin der Studie, Prof. Dr. Andrea D. Bührmann, resümiert: „Unsere
Studie zeigt, dass die finanzielle Situation
von Schauspielern und Schauspielerinnen
keinesfalls rosig ist. Öffentliche Wahrnehmung und Schauspieler-Realität liegen zumeist weit auseinander.“
Katharina Dockhorn ■
film
Befristung ist
realitätsfremd
Nur wenige Anträge auf Arbeitslosengeld bewilligt
Die Gesetzesänderung (Bezug von Arbeitslosengeld I / Änderung zum 1.8.2009 – neue
Anwartschaftszeit nach §123 Abs. 2 SGB III)
ist auch von ver.di gefordert worden, allerdings mit einer praxisnäheren und realistischer zu erfüllenden Ausgestaltung. Zu den
Politikern, die an der vorliegenden Formulierung des Gesetzes mitgewirkt haben, gehört
Angelika Krüger-Leißner, SPD, stellv. Vorsitzende des Kulturausschusses des Bundestages
und Mitglied im Sozialausschuss.
M | Entsprechen die Erfahrungen der Schauspieler den Daten der ersten MonitoringRunde des Gesetzes?
Foto: Pressefoto von a-k-l.info
ANGELIKA KRÜGER-LEISSNER | Leider ja.
Der erste Bericht liegt uns seit November
2010 vor und stützt sich auf Zahlenmaterial aus den ersten neun Monaten nach
Inkrafttreten des Gesetzes. Es zeichnet sich
ab, dass es an den Betroffenen vorbei geht.
Von Kulturschaffenden, alle aus dem Bereich Film / Fernsehen, Bühne, wurden 429
Anträge gestellt, von denen nur 80 bewilligt wurden. Die geringe Zahl der Anträge
erkläre ich mir damit, dass viele Künstler
schon nach der Beratung in den Arbeitsagenturen verzichtet haben, weil sie erkannten, dass sie keine Aussicht haben
ALG I zu erhalten.
M | Sind auch die Hauptgründe für die Ablehnungen bekannt?
KRÜGER-LEISSNER | Die Überschreitung der
Jahresarbeitsentgeltgrenze spielte bei den
Ablehnungen eher eine untergeordnete
Rolle. Die Überschreitung der Befristung der
einzelnen Arbeitsverhältnisse auf sechs
Wochen war der Hauptgrund für die Ablehnungen, was alle Experten vorher befürchtet hatten. Kulturstaatsminister Bernd
Neumann und ich hatten ja, weil wir die
durchschnittlichen Arbeitszeiten kennen,
für drei Monate plädiert. Arbeitsminister
Olaf Scholz hatte sich für zwei Monate
ausgesprochen. Nur Peer Steinbrück und
der Haushaltsausschuss blieben hart, weil
sie sonst Mehrausgaben für die Bundesanstalt für Arbeit in Höhe von bis zu 50 Mio.
Euro fürchteten.
M | Und wie viel Mio. wurden tatsächlich
ausgegeben?
KRÜGER-LEISSNER | In dem Untersuchungszeitraum wurden 2,4 Mio. Euro
ausgezahlt.
M | Wie geht es jetzt weiter?
KRÜGER-LEISSNER | Ich habe mich im Januar mit dem Vorstand der Bundesanstalt
für Arbeit, Heinrich Alt, getroffen, um einen Einblick zu bekommen, wie die
Künstler beraten werden und um abzuklopfen, wie sie die Wirkung des Gesetzes
einschätzen. Seine Behörde braucht einen
größeren Pool an Zahlenmaterial, um besser argumentieren zu können, warum das
Gesetz nicht greifen kann. Ich bitte daher
alle Betroffenen, auch wenn es auf den ersten Blick für sie keinen Sinn macht, einen
Antrag zu stellen. Nur so können wir erkennen, wo gezielt angesetzt werden
muss.
M | Wird es denn vor Sommer 2012 eine
Gesetzesänderung geben können?
KRÜGER-LEISSNER | Nach Gesprächen mit
den Vertretern der Film- und Fernsehschaffenden möchte ich noch im ersten
Halbjahr zu Eckpunkten für Gesetzesverbesserungen kommen. Dabei schließe ich
➧ Berlinale-Diskussion
Zum Erfahrungsaustausch über dieses und
alle anderen Themen lädt der Bundesverband
Film von ver.di während der Berlinale ein.
„Wege aus der Selbstausbeutung bei Film
und Fernsehen“ ist die traditionelle BerlinaleDiskussion überschrieben. Karsten Aurich,
Filmproduzent; Olla Höf, Cutterin, ver.di, Mitglied im Verwaltungsrat der FFA; Hans-Werner
Meyer, Schauspieler, Vorstand Bundesverband
Film- und Fernsehschauspieler; Alexander
Thies, Vorstand Allianz deutscher Produzenten
sowie ein Vertreter des Regieverbandes diskutieren im Salon Königin Luise im Opernpalais ,
Unter den Linden 5, Berlin, am 13. Februar
2011, von 11-14 Uhr über die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen.
Am 12. Februar veranstaltet der Filmverband
in ver.di traditionell das Filmfrühstück für seine Mitglieder, zu dem auch die befreundeten
Filmverbände eingeladen sind. Es findet von
11 bis 14 Uhr an einem neuen Ort statt: in der
Stadtklause (nähe Anhalter Bahnhof).
eine Rückkehr zu der alten Regel, nach der
in drei Jahren 360 Arbeitstage erbracht
werden müssen, aus. In das Gesetzgebungsverfahren können wir dann Ende des
Jahres gehen, wenn die Umfrageergebnisse
von ver.di und der 2. Monitoring-Bericht
vorliegt.
M | Können Sie sich denn die ersatzlose Streichung der sechs Wochen sowie der 30.240
Euro-Grenze vorstellen, die Juristen sowieso
für verfassungswidrig halten?
KRÜGER-LEISSNER | Natürlich kann ich mir
vorstellen, dass beides raus fällt. Insbesondere die Einkommensgrenze, schon allein,
weil die Betroffenen ja auch bis zur Beitragsbemessungsgrenze einzahlen. Auch
sonst wird ja nicht ausgeschlossen, wer
vorher mehr verdient hat.
M | Im Zuge der Diskussion 2009 hatten Sie
auch mal laut nachgedacht, einfach auf die
Pflicht-Beiträge zur Arbeitslosenversicherung
zu verzichten. Wäre dies ein gangbarer Weg?
KRÜGER-LEISSNER | Das wäre eine Flucht
vor dem Problem, aber keine Lösung gewesen. Wer wenig verdient, kann von den
gesparten Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung bestimmt keine Polster anlegen,
die ihn in Zeiten ohne Verdienst vor dem
Abrutschen in Hartz IV retten. Es wäre
auch rein rechtlich nicht zu machen und
könnte eine Tür öffnen, die wir nicht wollen. Denn letztlich geht es doch darum
hinzubekommen, dass Film- und Fernsehschaffende wie alle anderen Arbeitnehmer
in Zeiten der Beschäftigung einzahlen und
in Perioden der Arbeitslosigkeit von der
Solidargemeinschaft profitieren.
Gespräch: Katharina Dockhorn ■
29
M 1– 2.2011
aktuell
Lobende Erwähnung für
Parodie von WDR-PRINT
Der Bert-Donnepp-Preis / Deutscher Preis
für Medienpublizistik des Vereins der
Freunde des Adolf-Grimme-Preises
geht für das Jahr 2010 an Diemut
Roether und Michael Ridder. Diemut
Roether leitet die Fachkorrespondenz
epd medien, Michael Ridder ist Redakteur dieser vom Gemeinschaftswerk der
Evangelischen Publizistik (Frankfurt)
herausgegebenen Publikation. Die beiden Ausgezeichneten, so die Begründung der Jury, hätten in den vergangenen Jahren „immer wieder ihre Stimme
erhoben, klare Positionen bezogen und
medienpublizistische Akzente gesetzt,
die in Erinnerung blieben und manchen forderten, den eigenen Standpunkt besser zu reflektieren und zu
kommunizieren“. Eine Lobende Erwähnung sprach die Jury einem Kreis von
freien Autoren des WDR zu, die unter
der Schlagzeile „Auferstanden von den
Quoten“ eine Parodie der WDR-Hauszeitschrift WDR PRINT veröffentlicht
hatten. Mit ihrem „hintersinnigen
Fake“, so die Begründung der Jury, hätten die Autoren einen „einfallsreichen
und seriösen medienpolitischen Diskussionsbeitrag“ geleistet, der den Blick
freimache auf eine mögliche Zukunft
des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
und damit eine Denkübung leiste, „die
in allen Sendern des öffentlich-rechtlichen Systems ernst genommen werden sollte“.
Red. ■
Journalistensitz im
rbb-Rundfunkrat bleibt frei
ver.di Landesbezirk Berlin-Brandenburg sowie die Landesverbände des Deutschen Journalistenverbandes DJV Berlin und JVBB bedauern, dass aufgrund der Kompromissunfähigkeit des Mini-Verbandes DJV Brandenburg der den Journalisten zustehende Sitz im
Rundfunkrat des rbb in der beginnenden
Amtsperiode unbesetzt bleiben wird.
Nach § 14 (1) Zi. 6 des rbb-Rundfunkstaatsvertrags wird das journalistische Mitglied
des Rundfunkrates „gemeinsam“ von
ver.di Landesbezirk Berlin-Brandenburg,
dem DJV Berlin und dem DJV Brandenburg nominiert. In der letzten Legislaturperiode stellte, mit der Landesbezirksleiterin Susanne Stumpenhusen, ver.di die Vertreterin der Journalistengewerkschaften.
ver.di und DJV Berlin haben, in Kooperation mit dem JVBB (insgesamt vertreten sie über 7.500 Journalisten in der
Region) vergeblich versucht, mit dem DJV
Brandenburg (letzte offiziell angegebene
Mitgliederzahl: 359) zu einer Einigung über
einen gemeinsamen Kandidaten zu kommen. Dessen Vorsitzender Hans Werner
Conen beharrte darauf, in der nunmehr
dritten Amtsperiode des rbb-Rundfunkrates müsse sein Verband die Nominierung
vornehmen können. Die anderen Verbän-
de argumentierten mit der Bedeutungslosigkeit des Mini-Verbandes, der im rbb
so gut wie keine Aktivitäten aufweisen
kann.
Die im rbb stetig aktiven Verbände
ver.di, DJV Berlin und JVBB sind der Ansicht, dass die Journalistinnen und Journalisten der Region im rbb-Rundfunkrat von
jemandem vertreten werden müssen, der
in der Region lebt und arbeitet. In einem
ersten Anlauf hatten die drei Verbände
sich auf einen Kandidaten geeinigt, der
dem JVBB angehört. Bei der anschließenden Suche nach einem Kompromiss mit
dem DJV Brandenburg präsentierten sie
einen unabhängigen Kandidaten, der keinem der insgesamt vier Verbände angehört. Vorgeschlagen wurde Christian Böhme, Chefredakteur der Jüdischen Allgemeinen. Darüber kam es jedoch mit dem DJV
Brandenburg, vertreten durch Herrn Conen weder zu einer Einigung noch präsentierte dieser einen anderen Kompromisskandidaten.
Die drei in der Region aktiven Verbände bedauern gegenüber dem Sender und
seinem Rundfunkrat, dass es bis auf Weiteres keine Vertretung der Journalistengewerkschaften in diesem Gremium geben
wird.
PM ■
dju Hessen: Bilanz
aus vier Jahren im Netz
Bunter und jünger
Der Landesvorstand der dju Hessen hat
seinen Tätigkeitsbericht der vergangenen vier Jahre auf die Seite der dju Hessen gestellt. Der Bericht war Teil der
Mitgliederversammlung am 30. Oktober und zeigt in mehreren Bereichen
Veränderungen für gewerkschaftlich organisierte JournalitInnen auf. Benannt
wird die Tendenz der hessischen Zeitungsverlage, aus der Tarifbindung auszusteigen, dem gegenüber gehen die
klassischen Treffpunkte der schreibenden (und fotografierenden) KollegInnen
im Ortsverein zurück. Auch die Arbeitsweise den Vorstands hat sich leicht
verändert: 36 Newsletter informierten
die Mitglieder und Interessierten, statt
landesweiter Veranstaltungen setzte er
auf regionale Diskussionsabende, das
Mentorenprogramm und Kooperationen
wurden fortgeführt. Mehr unter
http://www.dju-hessen.de/
Red. ■
Medienfachbereich startet in Rheinland-Pfalz / Saar durch
30
M 1– 2.2011
Mit 18 „Neuen“ und im Durchschnitt acht
Jahre jünger, so startet der Fachbereich 8
im Saarland nach seiner Mitgliederversammlung am 16. Oktober durch. Erstmals wurden neue Vorstandsmitglieder
auch auf betrieblichen Mitgliederversammlungen nominiert – ein Novum im
Fachbereich Rheinland-Pfalz / Saar. Kriterium für die Auswahl der Betriebe, die im
Vorstand vertreten sind: es müssen dort
spürbare gewerkschaftliche Aktivitäten
stattfinden.
Dem Fachbereichsvorstand gehören
neben dem Saarländischen Rundfunk und
seiner Enkelin Globe TV, der Privatsender
Radio Salü und das Staatstheater an. Druckindustrie und Verlage – immer noch mitgliederstärkste Fachgruppe im FB 8 – sind
durch die Betriebe Saarbrücker Zeitung,
Westpfälzische Verlagsdruckerei, Fermedia
und Krüger Druck und Verlag vertreten.
Der Bereich Industrie wird durch den Reifenhersteller Michelin repräsentiert, der
Verband der Schriftsteller Saar durch seinen Vorsitzenden.
Dass wir viele Probleme zu stemmen
haben war eine – allerdings nicht neue –
Erkenntnis der Zukunftswerkstatt, die der
neue Vorstand Mitte November durchführte. Tarifauseinandersetzungen beim
Saarländischen Rundfunk, bei Globe TV,
bei der Saarbrücker Zeitung, beim Staatstheater und weitere Sanierungen in Druckbetrieben, das sind die tarifpolitischen
Herausforderungen für 2011. Die Tarifrunde 2011 beim Saarländischen Rundfunk
soll mit einer Organizing-Kampagne begleitet werden.
Inga Kulms ■
journalismus
Stuttgart 21 im
Medienspiegel
Debatte über das Potenzial von Bürgermedien im digitalen Zeitalter
Steigen im Zeitalter digitaler und sozialer
Medien die Chancen für kritische Bürgermedien? Um Möglichkeiten und Grenzen solcher Alternativmedien kreiste eine Diskussion in Berlin, die im Januar beim „mediatuesday“ der Tageszeitung geführt wurde.
Veranstalterin der Reihe ist die Linke Medienakademie.
Die Auseinandersetzungen um das Bahnprojekt Stuttgart 21 fanden breiten Widerhall in den Medien, wenn auch mit einiger Verspätung. Erst nach dem harten
Polizeieinsatz gegen die S21-Gegner am
30. September vergangenen Jahres stiegen
die etablierten Medien voll in die Berichterstattung ein. Wie beim Konflikt um die
Castor-Transporte spielten aber vor allem
die von den Aktivisten selbst geschaffenen
Medien eine überragende Rolle bei der
Herstellung von Öffentlichkeit.
„Oben bleiben, oben bleiben“ skandierten die S21-Gegner während der Montagsdemonstrationen vor dem Stuttgarter
Hauptbahnhof. „Die etablierten Medien haben das Thema verschlafen, und sind erst
aufgewacht, als massenhaft Bürger protestiert haben, als die Bürger massenhaft
Leserbriefe schrieben und als viele Leser
die Stuttgarter Zeitung oder die Stuttgarter
Nachrichten abbestellt haben“, resümierte
der Filmemacher und freie Journalist Hermann G. Abmayr. Ähnlich zurückhaltend
habe auch der Südwestrundfunk anfangs
agiert. Ausgerechnet die Redaktion „Eisenbahnromantik“, die normalerweise Bahnlinien im Schwarzwald oder in fernen Län-
dern porträtiert, habe eine halbstündige
Doku über S21 gedreht und so die öffentlich-rechtliche Informationspflicht eher
zufällig erfüllt. Auch Abmayr hat das Thema filmisch aufgearbeitet. Unter dem Titel
„Stuttgart steht auf“ stellte er das – wie es
im Untertitel heißt – „Porträt einer neuen
Demokratiebewegung“ vor. Darin analysiert
er auch die Rolle der Medien im Konflikt
um das Prestigeprojekt der baden-württembergischen Landesregierung. In diesem
Film stellen einige Bürger den regionalen
Medien kein gutes Zeugnis aus. Sie werfen
ihnen vor, oft einseitig berichtet und die
Leser schlecht informiert zu haben.
Der Medienjournalist Daniel Bouhs
teilte diese Auffassung. Zum Medienhype
um S21 sei es erst gekommen, als „Wutbürger“ und Establishment aufeinanderprallten. Spätestens das beim Polizeieinsatz vom 30. September entstandene Bild
des Seniors, der aus den Tränensäcken
blutete, habe auch die Boulevardmedien
aufgeschreckt. Richtig Angst hätten die
politisch Verantwortlichen erst bekommen, als die S21-Aktivisten sich eigene
Medien schufen. Erst Recht, nachdem diese Bürgermedien in Untersuchungsausschüssen oder bei den Schlichtungsgesprächen für die vorher vermisste Transparenz
gesorgt hätten.
Ob alte oder neue Medien, ob Flugblatt oder Internet – ohne eigene Kommunikationsmittel wäre Stuttgart nie Protesthauptstadt geworden. Neben den traditionellen Protestformen haben die S21Gegner auch die sozialen Medien für sich
Foto: Kurt Walz
Hermann G. Abmayr (Mitte) und Kameramann Felix Hugenschmidt
auf der Montagsdemo am 18. Oktober 2010 im Stuttgarter Schlossgarten
entdeckt. Die entsprechende FacebookGruppe zählte Mitte Januar bereits rund
100.000 „Freunde“. Ein Reflex auf die Unzufriedenheit vieler engagierter Bürger mit
der Berichterstattung der etablierten Medien. Früher hieß es: Was in den Medien
nicht vorkommt, findet nicht statt. Heute
sind – die Digitaltechnik macht’s möglich –
bei jedem Protest Kameras vor Ort, die
ohne großen Aufwand das herstellen, was
linke Medientheoretiker einst als „Gegenöffentlichkeit“ bezeichneten. So auch in
Stuttgart, meinte Filmemacher Abmayr.
An erster Stelle nennt er das so genannte
„fluegel-tv“, benannt nach dem Nordflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Mittels
einer gegenüber dem Nordflügel aufgestellten Webcam wurden die Abrissarbeiten minutiös dokumentiert und weltweit
im Internet übertragen. Auch die Medieninitiative CAM-S21 übertrug Bilder – etwa
von der Besetzung des Südflügels – per
UMTS-Funk live ins Netz. Dies geschah
mit kleinen Kameras, die von den Aktivisten an Handys angeschlossen wurden.
Gleichwohl sollte das politische Potenzial des Webs nicht überschätzt werden.
Als Mittel der Organisation von Protesten
gewinnt das Internet zwar massiv an Bedeutung. Als Mittel zur Politisierung und
Bewusstseinsbildung taugt es jedoch nur bedingt. Darauf deuten zumindest die Ergebnisse einer Untersuchung der Forschungsgruppe Zivilgesellschaft am Wissenschaftszentrum Berlin. Weniger als 15 Prozent
der befragten 1.500 Stuttgarter Bürger gaben demnach an, erst durch S21 politisiert
worden zu sein. Demnach hatten vier von
fünf Bürgern bereits vorher Protesterfahrungen gesammelt. „Als Mobilisierungsinstrument werden die neuen sozialen Medien immer wichtiger“, erklärte Projektmanagerin Britta Baumgarten. Als Musterbeispiel gelten ihr die Proteste im Wendland.
„Dort wurde wirklich mit Twitter durchgegeben, wann der Transport welche Dörfer
passiert hat, in welchen Camps noch Lebensmittel benötigt werden und solche
Geschichten“.
Hermann Abmayr glaubt an eine
Wechselwirkung zwischen politischen Bewegungen und Neuen Medien. Dabei geht
er medienhistorisch einige Jahrzehnte in
die Hochzeit der Anti-AKW-Bewegung in
Baden-Württemberg zurück. In den siebziger Jahren seien die Freien Radios im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung
um das Atomkraftwerk Wyhl entstanden.
Jetzt habe die Bürgerbewegung Medien
wie fluegel-tv oder CAM-S21 geschaffen.
Diese Medien seien wichtig, allerdings
nur, solange sie mit politischen Inhalten
gefüllt werden könnten. „Ohne die Bereitschaft zum Protest, ohne den Widerstand
der Bürger hätten diese Medien natürlich
keine Funktion.“
Günter Herkel ■
31
M 1– 2.2011
journalismus
Foto: Christian v. Polentz / transitfoto.de
Unheiliger
Zensurversuch
Popgruppe „Unheilig“ wollte
Rezension gegenlesen
Nicht nur Fotografen werden von Konzertveranstaltern drangsaliert, sondern
neuerdings auch Rezensenten: Für den
jüngsten Auftritt der erfolgreichen Popmusikgruppe „Unheilig“ in Bremen sollte
der Weser-Kurier (WK) nur unter der Bedingung kostenlose Pressekarten erhalten, dass er seine Konzertkritik vor der
Veröffentlichung einem „Unheilig“-Mitarbeiter vorlegen würde.
Inzwischen will keiner mehr für diesen
Zensurversuch richtig verantwortlich
sein. Auf Anfrage von M behauptete
„Unheilig“-Sprecherin Alexandra Dörrie, es habe sich um ein „Versehen“ und
eine „Misskommunikation“ gehandelt.
Der örtliche Veranstalter namens Revue-Konzerte habe die Rezension gerne
gegenlesen wollen, habe sein Vorgehen
aber nicht mit dem Management der
Gruppe abgesprochen. „Wir autorisieren natürlich keine Konzertbesprechungen, weil das nicht dem Presserecht entspricht“, so die Sprecherin.
Nach Informationen von M berief
sich Revue-Konzerte aber sehr wohl auf
eine Vorgabe des „Unheilig“-Managements. Auf Nachfrage wollte sich
Revue-Chef Stefan Paul nicht dazu
äußern, sondern verwies auf seinen
Ansprechpartner Dirk Verseck von der
Agentur Headline, der dem „Unheilig“Management „vorgekoppelt“ sei.
Verseck wiederum, nach eigenen
Worten „Booker“ der Musikgruppe, behauptet, das Gegenlesen sei nur „wünschenswert“, aber keine Bedingung für
Pressekarten gewesen. Denn der ortskundige Revue-Chef Paul habe beim
WK „ein bisschen Bedenken gehabt“:
„Die zerreißen immer alles in der Luft“.
Nach Informationen von M hing die
Presseakkreditierung aber eindeutig davon ab, dass die Rezension an Verseck
geschickt und vom „Unheilig“-Management freigegeben würde.
Wer auch immer letztlich verantwortlich war: Der WK ließ sich auf den
Zensurversuch nicht ein, sondern kaufte sich eine reguläre Karte und machte
den Vorfall nach dem Konzert publik:
„So etwas nennt man Zensur.“
Verseck und „Unheilig“ haben sich
inzwischen beim WK entschuldigt.
Dessen Konzertkritik war übrigens
überwiegend positiv. Eckhard Stengel ■
32
M 1– 2.2011
GRENZENlos
Die Linke Medienakademie (LiMA) geht in die nächste Runde
Vom 9. bis 13. März 2011 findet zum achten
Mal die Akademie für Journalismus, Bürgermedien, Öffentlichkeitsarbeit & Medienkompetenz statt. Im vergangenen Jahr kamen
fast 1.000 Menschen. 2002 hatte man mit 14
Leuten angefangen. Eine Erfolgsgeschichte.
Links von der Mitte ist viel Gestaltungsraum für guten Journalismus und spannende Medienkonzepte. Die LiMA steht
seit neun Jahren für den Anspruch, alternatives Denken, politische Haltung und
gesellschaftliches Engagement mit Professionalität und Kompetenz zu verknüpfen.
Im März findet sie wieder statt und wieder
wird sie sich von anderen Kongressen
darin unterscheiden, dass an die Stelle des
„Frontalunterrichtes“ Formate treten, die
alle Teilnehmenden zu mitarbeitenden,
mitgestaltenden, mitdenkenden Beteiligten machen. Rund 200 Veranstaltungen –
Workshops, Diskussionen, Werkstätten,
Kurse, Trainings – werden stattfinden. Der
Promifaktor ist inzwischen hoch und
schon lange findet man auf der LiMA
nicht mehr nur die „einschlägigen Verdächtigen“.
Christoph Nitz, Geschäftsführendes
Vorstandsmitglied Linke Medienakademie
e.V., beschreibt den Kongress als „Bildung
im Event-Format“. Zu tief gestapelt, denn
inzwischen ist die LiMA Ereignis und Prozess zugleich. In den vergangenen Jahren
wurde sehr stark auf Regionalisierung und
Verstetigung gesetzt. Regionalkonferenzen, kleinteilige Bildungsangebote vor
Ort, Vernetzung auch außerhalb des Kongresses – rund 2000 Menschen nahmen all
die damit verbundenen Chancen im vergangenen Jahr wahr. „Wir entwickeln uns
in Richtung Bürgermedien, freie Radios,
nachhaltige Kommunikationsstrategien
im Web 2.0“, sagt Christoph Nitz. „Inzwi-
schen haben wir Netzwerk Recherche als
ständigen Partner gewonnen, NGOs bringen sich mit eigenen Ideen ein, unser
LiMAunion camp hat die Kooperation mit
der dju auf ein stabiles Fundament gestellt, die Idee der Partizipation und der
Vernetzung trägt gute Früchte.“
Das Motto der LiMA 2011 ist „GRENZENlos“: Nichts ist heilig, alles kann auf
den Prüfstand, in allen Bereichen der
Kommunikation werden neue Ideen gebraucht. Grenzenlos meint aber auch, dass
die Grenzen zwischen den verschiedenen
Medien verschwinden oder neu definiert
werden müssen. Hybride Formen entstehen,
neue Formate werden entwickelt, andere
unterliegen einem gewaltigen Transformationsprozess. Vernetzung ist eine Möglichkeit zu bestehen, aber sie schafft zuerst
einmal kreatives Chaos. Gleichzeitig ist
Vernetzung die einzige Chance, sich gegen
den Mainstream aufzustellen und klugen
Journalismus zu machen.
An der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) wird im März
versucht, möglichst viele Menschen durch
möglichst gute Bildungsangebote zu befähigen, diesen Prozess mitzugestalten.
Bei der 8. LiMA kann man so vermeintlich einfache Dinge wie „Visualisierung am Flipchart“ lernen, man kann sich
über gute open-source-Produkte informieren, Layout-Essentials vermittelt bekommen, Grundlagen im Fundraising erwerben,
über Management und Steuerung politischer Kampagnen diskutieren, im Workshop erfahren, wie Gewerkschaften eine
gute Pressearbeit in Zeiten von Arbeitskämpfen machen können. Aber alle Beispiele geraten zur bloßen Aufzählung.
Klug machen kann man sich unter
www.linke-medienakademie.de, anmelden
auch.
Kathrin Gerlof ■
journalismus
Standbein halbrechts
Umstrittenes Anzeigenblatt sucht Journalisten für Mini-Bezahlung
Die Situation freier Journalisten ist auch in
Thüringen oft prekär. Für manche könnte
deshalb das Jobangebot des Arnstädter
Stadtechos durchaus attraktiv sein – trotz
Dumpinglohn. Der Haken: Das Anzeigenblatt
ist heftig umstritten.
Ein Jobangebot wie viele andere? Ende
2010 suchte das Arnstädter Stadtecho auf der
Internet-Börse der Arbeitsagentur einen
Journalisten. Mit eigenem Pkw sollte er
„zur Kundenbetreuung und zur Erreichung
der Terminorte“ (Originaltext der Anzeige)
zu Presseterminen fahren, recherchieren,
Artikel verfassen und fotografieren. Die
Stelle war als geringfügige Beschäftigung
oder Mini-Job mit 20 Stunden pro Woche
ausgewiesen und mit einem Stundenlohn
von fünf Euro dotiert.
Lohndumping oder ein Missverständnis – Herausgeber Stefan Buchtzik hat
dazu einiges zu sagen, will jedoch nicht
zitiert werden. Die Arbeitsagentur bestreitet ein Versehen. Der zuständige Mitarbeiter habe sich genau an eine E-Mail des
Arbeitgebers gehalten, bekräftigt AgenturSprecherin Lydia Gebauer. Allerdings hätte
ihm bei der Dateneingabe auffallen müssen, dass Anforderung und Entlohnung
nicht zusammenpassen, räumt sie ein.
Unterbezahlungen gehören für freie
Journalisten in Thüringen oft zum Alltag,
Honorare von 15 Cent pro Druckzeile und
zehn Euro pro Foto sind nicht ungewöhnlich. Den Tageszeitungs-Markt teilen sich
im Freistaat die Verlagsgesellschaften HofCoburg-Suhl und die WAZ-Mediengruppe,
die je drei der sechs Tageszeitungen herausgeben. Bei beiden ist es üblich, Texte
und Fotos titelübergreifend in Print- und
Onlineausgaben zu nutzen – die Freien erhalten dafür keinen Cent. Wenn sie überhaupt einen Auftrag ergattern, denn der
Markt ist eng. Ein 20-Stunden-Job könnte
da ein sicheres zweites Standbein sein, vor
allem für Quereinsteiger, denen Veröffentlichungen oft wichtiger sind als eine tarifgerechte Bezahlung.
Doch hinter der Jobanzeige steckt
mehr. Das Arnstädter Stadtecho gilt als
Sprachrohr der nationalen und erzkonservativen Wählergemeinschaft „Pro Arnstadt“. Seit 1996 stellt sie in der 25.000Einwohner-Stadt den Bürgermeister. Auch
Herausgeber Buchtzik sitzt für „Pro Arnstadt“ im Stadtrat und fungiert zudem als
stellvertretender Fraktionsvorsitzender.
Das Stadtecho versteht sich als „Stadt- und
Heimatzeitung für Arnstadt und Umgebung“, so der Untertitel. Einmal monatlich landen 20.000 Exemplare kostenlos
und ungefragt in den Arnstädter Briefkästen. Gewerbetreibende und soziale Einrichtungen der Stadt werben in der Zeitung oder präsentieren sich in redaktionellen Beiträgen und Interviews – trotz eines
Boykottaufrufes von Linken und Antifaschisten. Allerdings ist dem Blatt, ebenso
wie Bürgermeister Hans-Christian Köllmer, offener Rechtsextremismus nicht
nachzuweisen. Vielmehr bewegt es sich in
einer Grauzone, benutzt immer wieder
Versatzstücke aus Rechtspopulismus, Heimattümelei, Geschichtsrevisionismus und
steht fragwürdigen Personen, Organisationen und Ansichten nah. Analysen auf der
jüdischen Internetseite hagalil oder dem
NPD-Infoblog des Journalisten Patrick
Gensing bestätigen diesen Eindruck.
Da wäre die Nähe zur Bürgerbewegung „Pro Deutschland“, einer rechtspopulistischen Gruppierung.
2007 stellte das Verwaltungsgericht
Hamburg
klar, dass „hinreichend
wichtige Anhaltspunkte
den Verdacht begründen,
dass
die
Vereinigung
Bestrebungen gegen die
freiheitlich-demokratische
Grundordnung entfaltet“.
Die Pro-Bewegung habe
sich „im internationalen
Kontext der Rechtspopulisten und Rechtsextremisten
als aktiver Partner der europaweiten ‚Anti-Islamisierungskampagne’ etablieren
können“, beantwortete die
Bundesregierung im Oktober 2010 eine kleine Anfrage der SPD.
Im März 2010 lag dem
Stadtecho eine vierseitige
„Sonderbeilage zu den Vorwürfen gegen Pro Arnstadt
und Bürgermeister Köllmer“ bei, die als Anzeige
deklariert war. Vorausgegangen war ein Versuch
von SPD und Linke im
Stadtrat, den Bürgermeister abzuwählen. Sie enthält
einen auch von Köllmer
unterzeichneten offenen
Brief an Thilo Sarrazin. Da-
rin dankt die Gruppierung Sarrazin für
sein „starkes Rückgrat“, verurteilt das „An
den Pranger stellen“ durch „Möchtegernpolitiker und die linke Presse“ sowie die
„Gleichschaltung der Medien“. Ebenfalls
in dieser Ausgabe: das Programm von „Pro
Deutschland“.
Im Internet kursiert eine Video-Aufzeichnung mit weiteren Hinweisen. Die
sechs Youtube-Clips zeigen den langjährigen Stadtecho-Herausgeber, Hans-Joachim
König, bei einem Pro-DeutschlandStammtisch im Februar 2010 in Berlin.
Bundesvorsitzender Manfred Rouhs bescheinigt dem Stadtecho darin, einen
„wesentlichen Beitrag“ zur „politischen
Bewusstseinsbildung in Arnstadt“ zu leisten. Antifaschisten machen zudem Kontakte aus zu bekannten Arnstädter Neonazis und zur „neuen Rechten“, wie dem
Publizisten Joachim Siegerist, der häufig
für das Stadtecho schreibt.
Anke Engelmann ■
Anzeige
33
M 1– 2.2011
journalismus
dju lud an der Uni Leipzig zu
Workshops und Vorträgen ein
Berufsorientierung bieten, Nachwuchsjournalisten und junge Freie beraten und
ganz nebenbei in eigener Sache werben –
die „Fuß-fassen-Tour“ der dju richtet sich
mit viel Nutzwert an Schüler und Studenten. Zur Auftaktveranstaltung am 21. Januar in der Universität Leipzig erschienen
auf Einladung der ver.di-Hochschulgruppe
und des Fachschaftsrates über 40 angehende Journalisten und Schülerzeitungsredakteure.
Einen ganzen Nachmittag lang diskutierten sie gemeinsam mit dju-Referenten in verschiedenen Workshops und
auf dem Podium. Die Jugendpresse
Deutschland und die Jugendpresse
Sachsen unterstützten die Ehrenamtlichen des dju-Nachwuchsprojekts bei
der Organisation.
Klaus Schrage, Betriebsrat und Redakteur bei den Nürnberger Nachrichten,
lieferte zunächst einen kurzweiligen
Überblick über den Zustand der Branche. Er berichtete von der wachsenden
Kluft zwischen festen und freien Mitarbeitern, von der aktuellen Tarifrunde
und den anvisierten Kürzungen, die vor
allem junge Journalisten treffen. Sein
Fazit: Journalismus ist nach wie vor ein
Traumjob – doch der Nachwuchs sollte
sich auch der Veränderungen und Pervertierungen des Marktes bewusst sein.
Die anschließenden Workshops
richteten sich sowohl an Berufseinsteiger, die in Leipzig bereits Journalistik
studieren, als auch an Schüler, die noch
keine konkreten Studienpläne haben.
ver.di-Referent Gunter Haake informierte die jungen Freien etwa über das
Thema soziale Sicherung. Gundula
Lasch, selbst freie Journalistin aus Leipzig, gab ihnen Tipps zu Auftragsakquise
und Selbstmarketing. Den Schülern
und Studenten mit einem eher vagen
Berufsziel standen schließlich Susanne
Stracke-Neumann, freie Journalistin aus
Berlin, und der Journalistik-Student
Jonathan Fasel Rede und Antwort: Wie
komme ich an ein Praktikum? Was sollte
ich studieren? Welche Weiterbildungsmöglichkeiten habe ich? Die Referenten waren begehrt und die WorkshopZeit zu knapp bemessen. Der Bedarf
nach nutzwertiger Information ist also
vorhanden, die „Fuß-fassen-Tour“ wird
weiterziehen.
fra ■
34
M 1– 2.2011
Kampf um
Journalistik
Am Leipziger Institut schlagen Strukturdiskussionen hohe Wellen
Schon vor drei Jahren hatte der Leipziger
Studiengang Diplom-Journalistik Federn
lassen müssen, als ihm durch die BolognaReform das Grundstudium abhanden kam (M
8 – 9 / 2007). Jetzt tobt am Leipziger Institut
für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Kampf um den von Michael Haller
im Herbst 2010 geräumten Lehrstuhl.
weitung nutzen und warnten vor dem
Austrocknen des Journalistik-Studiums.
dju-Bundesgeschäftsführerin Ulrike
Maercks-Franzen erklärte den geplanten
„Kahlschlag“ als „nicht nachvollziehbar“
und bezweifelte, dass so eine fundierte
Journalistenausbildung möglich sei. In einem Offenen Brief reagierten bisher rund
100 Absolventen des Leipziger Journalistik-Studiums aus DDR- und Nachwendezeiten „mit Entsetzen“ auf die Kürzungspläne (www.trice.de/2011/01/23/offenerbrief-journalistik/).
Allerdings sind in den Kommentaren
auch Kritikpunkte zu lesen, die schon in
der „Richtigstellung“ des Institutsrats
(www.kmw.uni-leipzig.de ) angesprochen
wurden: Die gut ausgestattete Journalistik
bringe sich zu wenig in die vom Sparzwang diktierte Strukturdiskussion des
Instituts ein und habe durch innere Kämpfe, Schroffheit nach außen und Querelen
mit Studierenden ihr Image beschädigt,
arbeite nun aber mit „öffentlichen Kampagnen und Lobbyingaktivitäten“. Die
scheinen – vorerst – Erfolg zu haben. Die
Entscheidung des Fakultätsrats über das
Profil des Instituts, für den 25. Januar an-
Der Institutsrat hatte vor Weihnachten beschlossen, den Lehrstuhl in eine Juniorprofessur umzuwandeln und stattdessen
eine Professur für Gesundheits- und Umweltkommunikation einzurichten. Die
Studentenzahl für den Journalistik-Master
soll von 44 auf 20 und die bisher 5,75 Assistentenstellen auf eine reduziert werden,
wie den Mitarbeitern Anfang Januar bekannt wurde. Dafür soll das Institut Forschung und Qualifizierung des eigenen
Nachwuchses verstärken. Der JournalistikMaster ist nämlich ein nicht-konsekutiver
Studiengang und rekrutiert seine Teilnehmer nicht aus den Bachelor-Absolventen
des Instituts, sondern aus Fächern, die früher zum Kanon des Zweitfachs gehörten.
Gleichzeitig entstand ein MasterStudiengang „Hörfunk“, in dem Rüdiger
Steinmetz die Institutsstudenten beim Unradio
„Mephisto 97,6“ willkommen hieß. Der Master ist nicht in der Journalistik angesiedelt, sondern in der Medienwissenschaft. Er soll künftig
als Master Medienwissenschaft und Medienpraxis mehr Studierenden Platz bieten und die
Radioausbildung ganz
übernehmen.
Der verbliebene Journalistik-Professor Marcel Debatte im Fakultätsrat über den Umbau der JournalistenMachill, Haller-Vertreter ausbildung am 25. Januar – Entscheidung noch offen
Foto: dpa / Jan Woitas
Fuß fassen
auf Tour
Martin Welker, sowie
Mitarbeiter und Studierende der Journalistik protestierten öffentlich gegen die Sparpläne zugunsten der Abteilung Public Relations / Kommunikationsmanagement,
die von Institutsdirektor Ansgar Zerfaß
und Dekan Günter Bentele geleitet wird.
Machill und Haller kritisierten, die PR-Professoren wollten die Vakanz zur Machtaus-
gesetzt, wurde von Dekan Bentele vertagt.
Jetzt geht die Diskussion zurück in den
Institutsrat, an der dann auch die dort
nicht vertretenen Journalistik-Professoren
Machill und Welker teilnehmen werden.
Verlangt wird ein Alternativvorschlag zu
den bisherigen Strukturideen.
Susanne Stracke-Neumann ■
recht
Kein
Burgfrieden
Urteil um Fotoaufnahmen im Schlösser-Streit nicht eindeutig
Im sogenannten „Schlösser-Streit“ hat der
Bundesgerichtshof der Stiftung Preußische
Schlösser und Gärten (SPSG) in Teilen Recht
gegeben. Demnach darf die SPSG die „ungenehmigte Herstellung und Verwertung von
Foto- und Filmaufnahmen der von ihr verwalteten Gebäude und Gartenanlagen zu gewerblichen Zwecken untersagen“. Dennoch
war das Urteil nicht eindeutig. Denn dies gilt
nur, wenn die SPSG Eigentümerin der Gebäude und Gartenanlagen ist und die Aufnahmen von ihren Grundstücken aus hergestellt
worden sind.
fungsgericht zurücküberwiesen. Dort soll
geklärt werden, ob die Stiftung Eigentümer
oder lediglich Verwalter der Schlösser und
Gärten ist. Träger der Stiftung sind die
Bundesländer Berlin und Brandenburg sowie der Bund. „Dass der Staat jetzt auch
noch von freien Fotografen eine Gebühr
Keine Schlösser-Fotos mehr auf Seiten von
Bildagenturen!
Die SPSG verlangt von Fotografen und
Agenturen Gebühren, wenn sie Fotos
kommerziell verwerten, auf denen Anlagen zu sehen sind, die von der Stiftung
verwaltet werden. Dies betrifft mehr als
150 historische Bauten und rund 800 Hektar Gartenanlagen in Berlin und Brandenburg – darunter die Schlösser Sanssouci,
Charlottenburg und Rheinsberg. Dazu
hatte die SPSG eigens „Richtlinien“ für
Foto-, Film- und Fernsehaufnahmen erstellt. Dort wird ein „Nutzungsentgelt“ gefordert: „Bei der Vereinbarung des Nutzungsentgeltes ist von den bei der Stiftung
geltenden Tarifen auszugehen. Die Tarife
erlässt der Generaldirektor der Stiftung.“
Konkret hatte der Bundesgerichtshof
in drei Fällen unterschiedlich geurteilt.
Die Klage der SPSG gegen die Fotoagentur
Ostkreuz (V ZR 45/10) wurde an das Beru-
verlangen kann, wenn sie Fotos anfertigen,
kann nicht im Interesse der Allgemeinheit
sein“, sagte dju-Bundesgeschäftsführerin
Ulrike Maercks-Franzen. Die Stiftung erhalte durch die Vermarktung von Fotosund Filmaufnahmen der Schlösser und
Gärten zudem kostenfreie Werbung, deren
Gegenwert nicht bezifferbar ist. „Sollte es
letztendlich darauf hinauslaufen, dass Fotografen dafür zahlen müssen, können wir
als Gewerkschaft den Kolleginnen und
Kollegen nur abraten, in diesem Rahmen
Aufträge anzunehmen“, stellte MaercksFranzen fest. Die ohnehin niedrigen Fotohonorare ließen die Zahlung einer „FotoGebühr“ an die Stiftung nicht zu.
Im zweiten Fall (V ZR 46/10) urteilte
der Bundesgerichtshof, dass das Eigentum
der Klägerin festgestanden habe. Der Beklagte hatte eine DVD über Potsdam angefertigt und gewerblich vertrieben.
Nicht durchsetzen konnte sich die
Stiftung mit ihrer Klage (V ZR 44/10)
gegen eine Online-Plattform, auf der Fotografen und Fotoagenturen Bilder vermarkten. Die Beklagte habe die Aufnahmen
nicht selbst angefertigt und könne ihnen
auch nicht ansehen, ob sie mit oder ohne
Genehmigung entstanden sind.
sil ■
Beobachtung
rechtswidrig
Verfassungsschutz durfte
Daten nicht weitergeben
Das Bundesamt für Verfassungsschutz
(BfVS) kassierte gleich zwei juristische
Niederlagen gegen den Journalisten
Friedrich Burschel.
Ein knappes Jahrzehnt war der Journalist vom Verfassungsschutz (VS) beobachtet worden. In seiner Akte waren
neben Artikeln zu antifaschistischen
und antirassistischen Themen aus unterschiedlichen Zeitungen auch Demonstrationsanmeldungen aufgelistet,
beispielsweise zu einem Ostermarsch in
Weimar. Ein Negativvotum des VS hatte 2007 dazu geführt, dass Burschel die
schon gewährte Akkreditierung zum
G8-Gipfel in Heiligendamm wieder
entzogen wurde. Der VS hatte sich
dabei auf die Erkenntnisse in der Akte
gestützt. Schon im Frühjahr 2009 hatte
das Verwaltungsgericht Köln entschieden, dass das BfVS mit der Abgabe des
Votums rechtswidrig gehandelt hatte.
Die gleiche Kammer empfahl dem Amt
im Dezember, sämtliche über Burschel
gesammelten Daten zu löschen und seine Beobachtung einzustellen. Das BfVS
nahm den Vorschlag an.
„Die Stigmatisierung des Klägers
zum gefährlichen Linksextremisten fiel
vor Gericht wie ein Kartenhaus zusammen“, kommentierte der Kieler Rechtsanwalt Alexander Hoffmann, der Burschel vertreten hatte, den Ausgang der
Klage. Burschel zeigt sich gegenüber M
über den juristischen Erfolg sehr erleichtert. „Für mich hat das Urteil zur
Folge, dass ich mich nicht mehr einem
Hintergrundverdacht ausgesetzt sehe,
der mein berufliches Leben enorm eingeschränkt hat. Zweimal habe ich auf
indirektem Wege einen Job durch diesen Stempel ‘linksextrem’ eingebüßt“,
erklärte der Publizist, der bei seiner Klage von ver.di unterstützt worden ist.
Mit Verweis auf das VS-Dossier war Burschel im Focus und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als Extremist diffamiert
worden. Der Journalist sieht in dem Urteil auch ein Signal über seinen individuellen Fall hinaus: „Das Gericht hat
sehr deutlich auf das Grundgesetz und
Verfassungsgerichtsurteile rekurriert
und festgestellt, dass Demonstrationsanmeldungen und zugespitzte journalistische Texte keine Beobachtung rechtfertigen.“
Peter Nowak ■
35
M 1– 2.2011
recht
Zeit abgelaufen
für Total Buy-Out
Gewerkschaften obsiegten gegen AGB des Zeit Verlages
mediafon-Ratgeber-Buch
für Selbstständige
Mit seinem 220-seitigen „Ratgeber
Selbstständige“ hat mediafon, das
ver.di-Beratungsnetz für Selbstständige,
jetzt ein Schlüsselbuch im doppelten
Sinne herausgebracht: Es enthält alle
Haupttexte
des
Online-Ratgebers
(www.mediafon-ratgeber.de) – also alle
wesentlichen
Informationen,
die
Selbstständige im beruflichen Alltag
brauchen. Spätestens Mitte des Jahres
soll das Buch dann auch der Schlüssel
werden, um ein Vielfaches an vertiefenden Informationen in der Internetversion aufrufen zu können.
„Nicht-Mitglieder der ver.di werden damit stärker an der Finanzierung
des Ratgebers und des Beratungsnetzes
beteiligt“, begründet mediafon-Geschäftsführer Gunter Haake den Schritt,
den Online-Ratgeber zukünftig mit
Passwörtern zu schützten, die sich im
gedruckten Werk finden lassen. Der
Hauptgrund, das Buch herauszugeben,
sei jedoch, „dass Solo-Selbstständige aller Berufe das notwendige geschäftliche
Grundwissen nun auch ohne IT-Hardware erschließen können“. Tatsächlich
bietet das neue Werk des Autors Goetz
Buchholz einen gewohnt leicht lesbaren und gleichzeitig umfassenden
Überblick über alle zentralen Fragen.
Etwa zu Steuern und Sozialversicherung, Kalkulation und Kooperationen,
Alltagsfragen und Urheberrecht.
Goetz Buchholz: Der Ratgeber Selbstständige
Berlin: mediafon 2011
ISBN 978-3-9814091-0-9
Das Buch kostet 25 Euro,
für ver.di-Mitglieder 5 Euro; die (Bestell-)Details
sind unter www.mediafon.net veröffentlicht
36
M 1– 2.2011
Umfangreich eingeräumte Nutzungsbedingungen, abgegolten mit einem einmaligen
Pauschalhonorar sind ungültig – zu diesem
Ergebnis kam bereits im Juni vergangenen
Jahres das Landgericht Hamburg (Az. 312 O
224/10). Aber erst im Dezember wurde das
Urteil versandt – und dort wurde deutlich,
dass die Richter der Argumentation von dju
in ver.di und DJV komplett gefolgt sind. Die
Gewerkschaften hatten gegen die Verwendung von Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Zeit-Verlages (Die Zeit, Zeit
Magazin, Zeit online) eine einstweilige Verfügung erwirkt.
Nach dem Urteil darf der Verlag nicht von
den freien Autoren verlangen, dass sie gegen ein einmaliges Pauschalhonorar umfänglich ihre Rechte abtreten. Dies hatte
der Verlag sogar für Beiträge verlangt, die
in der Vergangenheit erschienen waren.
Dies ist nach Ansicht des Gerichts unwirksam: „Eine solche Klausel, mit der durch
die erste und einzig gezahlte Vergütung
alle Nutzungen und Verwertungsrechte –
einschließlich des Rechts zur Übertragung – durch die Antragsgegnerin selbst
oder Dritte abgegolten sind, widerspricht
dem gesetzlichen Leitbild, wonach der Urheber ausnahmslos an jeder Nutzung seines Werkes zu beteiligen ist.“ Es ist ebenfalls unzulässig, die Rechte weltweit für
die Dauer der gesetzlichen Schutzfrist zu
fordern. Nach einem Urteil des Bundesge-
richtshofes (BGH) müssen die Interessen
der Urheber bei der Vergütung angemessen berücksichtigt werden. Der BGH bezog
sich hierbei zwar auf Übersetzer, aber letztlich nicht nur auf diese Berufsgruppe, es
nannte sie im Urteil Urheber. Der Zeit-Verlag hatte argumentiert, Textautoren könnten anders als Übersetzer eine Vielzahl von
Beiträgen zum gleichen Thema verfassen
und verschiedenen Verlagen anbieten.
Hier zeigte das Landgericht Hamburg, wie
gut die Richter die tatsächlichen Marktverhältnisse kennen: Dies sei zwar grundsätzlich richtig, „nach Erfahrung der Kammer
aber keineswegs üblich, was sich nur so
erklären lässt, dass Verlage nicht daran
interessiert sind, einen bereits veröffentlichten Artikel geringfügig abgeändert als
‚Zweitverwerter’ noch einmal erscheinen
zu lassen.“ Würde der Artikel im größeren
Umfang geändert, sei der Arbeitsaufwand
für den Autor mit einer Neuerstellung vergleichbar.
Ebenso unzulässig ist der Ausschluss
des Auskunftsanspruchs, wo der eigene
Beitrag durch den Verlag oder sogar durch
Dritte verwendet wurde. „Das Urteil bestätigt erneut unsere Rechtsauffassung und
stärkt die freien Journalistinnen und Journalisten“, sagte Ulrike Maercks-Franzen,
dju-Bundesgeschäftsführerin. Es ist zu erwarten, dass es auch auf künftige Urteile
zu zweifelhaften AGB Einfluss haben wird.
Silke Leuckfeld ■
Verfassungswidrig
Die Durchsuchung der Räume des Hamburger Radiosenders FSK und die Sicherstellung von Redaktionsunterlagen stellen
einen Eingriff in die Presse- und Rundfunkfreiheit dar und waren somit verfassungswidrig (Aktenzeichen 1BvR 1739 / 04
und 1BvR 2020 / 04), erklärte das Bundesverfassungsgericht am 5. Januar.
Am 25. November 2003 verschafften
sich zwei Hundertschaften Polizei, Staatsanwaltschaft und Staatsschutz Zutritt zu
den Räumen des lokalen Radiosenders
und riegelten ihn einen Nachmittag lang
von der Außenwelt ab. Mitarbeiter des
Senders wurden daran gehindert, ihrer
Arbeit nachzugehen. Anlass für die Durchsuchung war ein Telefon-Interview, das
ein FSK-Redakteur mit einem Polizeipressesprecher geführt und ohne dessen ausdrückliches Einverständnis aufgezeichnet
und gesendet hatte. Sowohl in der Entscheidung der Durchsuchung als auch in
ihrer Prüfung durch die Hamburger Gerichte, so das Bundesverfassungsgericht
weiter, sei keine tragfähige Beurteilung der
Verhältnismäßigkeit des Eingriffes zu erkennen gewesen. Der Fall wird nun an das
Amtsgericht zurückverwiesen.
Red. ■
internationales
Neue Mediengewerkschaft
Schweiz: Fusionskongress von Kommunikation und comedia in Bern
In der Schweiz ist eine neue Gewerkschaft
entstanden. Am 3. Dezember 2010 haben
300 Delegierte der Gewerkschaften Kommunikation und comedia auf einem Fusionskongress im Stade de Suisse in Bern die
Gewerkschaft Medien und Kommunikation
syndicom gegründet.
syndicom ist mit rund 47.000 Mitgliedern
eine der drei größten Gewerkschaften im
Schweizerischen Gewerkschaftsbund, SGB.
Sie vereint Arbeitnehmende in den Sektoren Logistik (Branchen: Post, KEP, Mail,
Verkehr / Infrastruktur), Telecom (Branchen: Telecom, IT, Call Center, Telekommunikationsgewerbe) und Medien (Branchen: Grafische Industrie und Verpackungsdruck, Buch und Medienhandel, Presse
und elektronische Medien, visuelle Kommunikation).
Die neue Gewerkschaft verfügt auch
über eine erneuerte, effizientere und bes-
ser für den Wandel der Branchen gewappnete Struktur – dank mehr Präsenz in der
Fläche. Denn syndicom ist seit dem 1. Januar in nicht weniger als 17 Regionalsekretariaten präsent (bisher waren es 9
bei der Gewerkschaft Kommunikation
und 5 bei comedia). Zunächst wurde ein
Kopräsidium gewählt: Es besteht in den
nächsten drei Jahren aus Alain Carrupt,
bisher Zentralpräsident Gewerkschaft
Kommunikation, und Danièle Lenzin,
vormals Kopräsidentin comedia.
Auf dem Gründungskongress verabschiedete syndicom ihr Leitbild und setzte
erste Meilensteine für die Zukunft. syndicom wird sich entschieden für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in ihren Branchen, gegen die Aushöhlung des
Sozialstaates und gegen die Auswüchse einer neoliberalistischen Wirtschaft und
Politik einsetzen. In Resolutionen forderte
die neue Gewerkschaft zudem Lohn-
erhöhungen und eine Verbesserung der
Arbeitsbedingungen bei Swisscom, ein Nein
zum aktuellen – ungenügenden – Entwurf
des Jugendförderungsgesetzes in der
Schweiz sowie die Verpflichtung zur Solidarität mit Erwerbslosen und Ausgesteuerten. syndicom wird zudem im Rahmen
von «20 Jahre Frauenstreik» am 14. Juni
2011 ein Zeichen setzen.
Paul Rechsteiner, Präsident des SGB,
begrüsste die neue Gewerkschaft als starke
Kraft in der Schweizer Sozialpolitik. Philip
Jennings, Generalsekretär von UNI Global
Union, wünschte der neuen Gewerkschaft
im Namen der 20 Millionen Mitglieder in
150 Ländern und 900 Gewerkschaften viel
Erfolg. „Wir wollen uns gegenseitig versprechen, die Arbeitswelt zu verändern. Es
braucht neue Spielregeln, in der Schweiz
und auf der ganzen Welt! Diesen Kampf
kämpfen wir gemeinsam!“, sagte er auf dem
Gründungskongress.
www.comedia.ch ■
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Lukaschenko
verstärkt den Druck
In Weißrussland ist Präsident Alexander Lukaschenko nach seiner
umstrittenen Wiederwahl am 19. Dezember 2010 vermehrt gegen
unabhängige Journalisten vorgegangen. Nach Protesten gegen den
offiziellen Ausgang der Wahl nahm die Polizei in der Hauptstadt Minsk
zahllose Demonstranten fest. Auch viele Journalisten, die über die
Kundgebung berichteten, wurden Opfer der staatlichen Willkür.
Der weißrussische Journalistenverband BAJ veröffentlichte die
Namen von 25 Reportern, die nach dem 19. Dezember für
mehrere Tage inhaftiert wurden – unter ihnen auch Mitarbeiter
ausländischer Medien. Ob es zu Anklagen kommt, bei denen
dann hohe Haftstrafen drohen, steht noch nicht fest.
Internationale Journalistenverbände riefen die Staatengemeinschaft auf, bei Lukaschenko gegen den Umgang mit Medien
lautstark zu protestieren. Bei der Amtseinführung des Präsidenten – oft als „letzter Diktator Europas“ betitelt – nahmen demonstrativ keine Vertreter der Europäischen Union teil. Das Europäische Parlament in Straßburg verabschiedete eine Resolution, in
der wegen der Unterdrückung der Opposition Sanktionen gegen
Weißrussland gefordert werden.
Die Behörden setzten ihr Vorgehen auch im neuen Jahr unbeeindruckt fort. Am 11. Januar ließ Lukaschenko den Hörfunksender „Awtoradio“ schließen. Dort waren – einmalig in
Weißrussland – unterlegene Präsidentschaftskandidaten zu Wort
gekommen. Auch die Hausdurchsuchungen bei Reportern gingen
weiter – beispielsweise am 12. Januar bei Irina Chalip, der Korrespondentin der russischen Nowaja Gaseta oder bei Andrei Pachobut,
der für das polnische Blatt Gazeta Wyborcza arbeitet.
hg ■
37
M 1– 2.2011
Foto: Reuters / Bernadett Szabo
internationales
Protestaktion gegen die neuen Mediengesetze in Budapest am 27. Januar 2011.
Die Demonstranten tragen Masken mit dem Wort „Pressefreiheit“.
Überwacht
und zensiert
Ungarn: Trotz heftiger Kritik keine Veränderung an Mediengesetzen
Vor dem neogotischen Gebäude des ungarischen Parlaments vergeht keine Woche ohne
eine Demonstration für die Meinungsfreiheit. Bis zu 15.000 Studenten, Journalisten
und Vertreter der Zivilgesellschaft versammeln sich dort regelmäßig mit Trillerpfeifen
und Transparenten. Auf dem Freiheitsplatz,
auf dem die Menschen 1989 gegen die kommunistische Diktatur demonstrierten, protestieren sie nun gegen die neuen Mediengesetze des rechtspopulistischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán.
Die ungarischen Mediengesetze sehen
eine in der Europäischen Union beispiellose Einschränkung der Pressefreiheit vor.
Sie definieren die Rahmenbedingungen
sowohl für öffentlich-rechtliche als auch
für private Radio- und Fernsehsender, für
Printmedien und Onlineportale. Seit 2011
überwacht ein neuer Medienrat, was Journalisten schreiben und senden. Geleitet
wird er von einem Direktor, den der Ministerpräsident direkt ernennt, und vier
weiteren Mitgliedern, die vom Parlament
gewählt werden. Da Viktor Orbáns FideszPartei sich im Parlament auf eine Zweidrittelmehrheit stützt, wundert es niemanden, dass alle fünf Medienwächter aus
Fidesz-nahen Kreisen stammen. Ihre Amtszeit beträgt neun Jahre, die Befugnisse
sind großzügig definiert. Die neue SuperAufsichtsbehörde entscheidet über jeden
eventuellen Verstoß gegen „objektive und
ausgeglichene Berichterstattung“, unab-
38
M 1– 2.2011
hängig davon, ob der Fall im Radio, im
Fernsehen, in einer Zeitung oder in den
Onlinemedien vorkommt. Die Medienwächter können private und staatliche
Medieninstitutionen mit Geldstrafen belegen, die umgerechnet bis zu 700.000
Euro betragen. Seit Sommer 2010 bestimmen sie bereits die inhaltichen und personellen Richtlinien beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk und entscheiden dort
sogar über Haushaltsfragen.
Ungarische Tages- und Wochenzeitungen protestieren seit Monaten gegen
die neuen Gesetze. Die wichtigste Qualitätszeitung Népszabadság, sowie etliche
Zeitschriften ließen aus Protest ihre Titelseiten leer. Die ungarischen Redakteure
des öffentlich-rechtlichen Kossuth-Radio
Zsolt Bogár und Attila Mong protestierten
mit einer Schweigeminute gegen die Mediengesetze – und wurden prompt suspendiert. „Wir werden unseren Stil nicht ändern“, schreibt auch der Journalist Daniel
Rényi vom Nachrichten- und Kulturmagazin Magyar Narancs. „Ich schäme mich
für Ungarn. Das sind keine europäischen
Gesetze“, fügt er hinzu.
Doch von solchen Protestaktionen
zeigt sich Regierungschef Viktor Orbán
bislang ungerührt. Denn er weiß: Die Kritiker haben wenig Chancen, an den umstrittenen Gesetzen etwas zu ändern. Die
Mehrheit der ungarischen Bevölkerung
steht weiter hinter Orbán. Die Umfragewerte sprechen für ihn: Rund die Hälfte
der Ungarn geben in Befragungen an, sie
würden Orbáns nationalkonservative Partei Fidesz wieder wählen. Darunter sind
auch viele Journalisten, die eng mit der
Regierung verbunden sind. Die Wochenzeitung Héti Válasz wird gar von Orbáns
ehemaligem Regierungssprecher geleitet.
Rechtskonservative Journalisten sprechen
sich daher öffentlich gegen die Proteste
aus. Die Mediengewerkschaften sind ebenso polarisiert wie der Rest der Gesellschaft.
Nur die größte Oppositionspartei im Parlament, die sozialdemokratische MSZP, zeigt
Geschlossenheit: Sie wirft Orbán autoritäre Tendenzen vor. Fidesz beabsichtige,
alle Medien zu Parteimedien zu machen,
sagte die Abgeordnete und frühere Vorsitzende der MSZP, Ildikó Lendvai. Ungarns
Sozialdemokraten haben beim Verfassungsgericht in Budapest Klage gegen die
Mediengesetze erhoben.
Nach der Verabschiedung des letzten
Teils der Mediengesetze Ende Dezember
hagelte es Kritik, denn Ungarn übernahm
zeitgleich die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union. Der Europäische Journalistenverband und die Organisation für
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(OSZE) verurteilen aber schon seit Monaten die „undemokratischen“ und „diktatorischen“ Bestimmungen. Die Fraktionschefs der Sozialdemokraten, Grünen und
Linken im Europäischen Parlament sprachen vor kurzem von „Gefährdung der
Meinungsfreiheit“ und „autoritärer Machtausübung“.
Die Europäische Kommission überprüft die Gesetze nun auf ihre Rechtmäßigkeit. Sie beschäftigt sich mit der Frage,
ob das ungarische Mediengesetz die EURichtlinie zu den audiovisuellen Medien
verletzt und ob ein Verstoß gegen das
Grundrecht der Meinungsfreiheit nachgewiesen werden kann. Kommissionschef
José Manuel Barroso glaubt, dass „Anpassungen notwendig sind“. Doch das Verfahren könnte Monate, wenn nicht Jahre,
dauern. Offiziell hat Orbán mehrmals erklärt, dass seine Partei bereit sei, die Gesetze zu ändern, sollten sie tatsächlich
gegen EU-Recht verstoßen. Aber Orbán
weiß auch, dass sich die politischen Risiken für seine Regierung in engen Grenzen
halten, denn der Spielraum der EU ist in
solchen Fällen immer noch relativ gering.
Bei einer Auseinandersetzung im Europäischen Parlament am 19. Januar verteidigte
er seine Gesetze aufs schärfste. Er sei „demokratisch gewählt“ und „lasse es nicht
zu, dass das ungarische Volk beleidigt
wird“. Seine Regierung sei zu dem Schluss
gekommen, dass die Gesetze „notwendig
sind“.
Außerdem reagierte die Europäische
Union zu spät. Monatelang schaute sie zu,
wie das Parlament in Budapest Teile der
internationales
umstrittenen Gesetze verabschiedete. Die
pressefeindlichen Neuerungen waren in
Ungarn bereits seit dem vergangenen
Sommer Thema in einem politisch extrem
polarisierten Land. Auch in seinen acht
Jahren in der Opposition hatte Viktor Orbán sich über die „linke Presse“ beschwert.
Bei den Wahlen im April erlangte Orbáns
Fidesz, durch die Wirtschaftskrise nach
oben gespült, eine komfortable Zweidrit-
telmehrheit. Sie erlaubt es dem Ministerpräsidenten, jedes Gesetz und sogar die
Verfassung nach Belieben zu ändern, ohne
eine starke Opposition fürchten zu müssen. Als die neue Regierung kurz nach dem
Amtsantritt ankündigte, dass sie eine
grundsätzliche Neuregulierung der Medien vorbereitet, überraschte dies niemanden in Ungarn. Auch für den Fall, dass die
Europäische Union weiterhin die Medien-
gesetze kritisiert, hat Orbán vorgesorgt.
Laut einem Paragraphen, der aus der ersten
offiziellen englischen Übersetzung der
Mediengesetze ausgelassen wurde, darf die
neue Aufsichtsbehörde Geldstrafen erst ab
dem 1. Juli verhängen. Also ab dem ersten
Tag nach Ende der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft.
Silviu Mihai
n-ost-Korrespondent, Budapest / Berlin ■
Im Aufbruch
früher immer gesagt, was wir schreiben
sollen. Ehrlich gesagt, ist unser kritischer
Verstand dabei ziemlich auf der Strecke
geblieben.“
„Mit jedem Tag, an dem die neue Freiheit ausprobiert wird, ist es unwahrscheinlicher, dass die Entwicklung zurückgedreht
werden kann“, meint Anja Viohl von
ROG. Auch wenn sie das System Ben Ali
für abgeschlossen hält, warnt sie vor möglichen Rückschlägen. „Wir werden genau
hinschauen, was die Übergangsregierung
macht, wie die Wahlen ablaufen und ob
die früheren Menschenrechtsverletzungen
untersucht und bestraft werden.“ Die Befürchtungen sind nicht ganz unbegründet, denn nicht nur die bisherigen Machthaber, sondern auch Islamisten oder Staaten wie der Iran und Saudi-Arabien beobachten genau, was derzeit in Tunesien
passiert und versuchen, ihren Einfluss zu
sichern. Dass deren Ziele Aufbruch und
Meinungsfreiheit heißen, darf getrost ausgeschlossen werden.
Noch ist nicht absehbar, wie sich Tunesien
künftig entwickeln wird. Mit dem Sturz von
Alleinherrscher Zine el-Abedine Ben Ali bieten sich den Medien aber völlig neue Möglichkeiten. Oppositionelle und Journalisten
konnten im Januar erstmals nach mehr als 23
Jahren frei ihre Meinung äußern; inhaftierte
Medienvertreter kamen frei. Internationale
Journalistenorganisationen sind vorsichtig
optimistisch.
Für Fahem Boukadous öffneten sich am
19. Januar 2011 die Gefängnistore. Der
Fernsehjournalist hatte es 2008 gewagt, in
dem autoritär regierten Tunesien über Proteste von Arbeitern in der Minenregion
Gafsa zu berichten. Wegen angeblicher
„Bildung einer kriminellen Vereinigung“
verurteilten die Richter ihn im Juli 2010
endgültig zu vier Jahren Freiheitsentzug.
18 Monate später war das Urteil hinfällig. Präsident Ben Ali setzte sich nach
23 Jahren an der Macht nach Saudi-Arabien ab, nachdem es im Land wochenlang
Proteste gegen seine Politik und gegen die
Hoffnungslosigkeit der Jugend gegeben
hatte. Danach ging alles schnell: Die Übergangsregierung von Ministerpräsident Mohammed Ghannouchi ließ die politischen
Gefangenen frei, versprach Meinungsund Pressefreiheit und erlaubte die unzensierte Einfuhr ausländischer Zeitungen,
Bücher und elektronischer Medien.
Das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) jubelte. „In den Verliesen der
tunesischen Regierung sind kein Journalist
und kein Blogger mehr inhaftiert“, sagt
der Nordafrika-Experte der Organisation,
Mohamed Abdel Dayem. Vor Fahem Boukadous waren schon ein Rundfunkjournalist, ein Zeitungskollege und mehrere
Internet-Autoren aus der Haft entlassen
worden. Auch Hamma Hamami, der frühere Redakteur der unter Ben Ali verbotenen Zeitung Alternatives und Vorsitzender
der Kommunistischen Arbeiterpartei Tunesiens, kam auf freien Fuß.
Andere Journalisten kehrten aus dem
Exil zurück. „Das wäre vor Wochen undenkbar gewesen“, betont Anja Viohl von
den „Reportern ohne Grenzen“ (ROG).
Sihem Bensedrine, die zwischenzeitlich
auch in Deutschland gelebt hatte, packte
ihre Koffer in Barcelona. In Tunesien angekommen warnte sie umgehend, dass ein
Neuanfang nur mit einer neuen Verfassung und neuen Mediengesetzen funktionieren könne. Sie weiß, wovon sie spricht:
Bensedrine war in Tunesien wegen ihrer
journalistischen Arbeit für das OnlineMagazin „Kalima“ seit 2001 Schikanen und
Übergriffen ausgesetzt. Sie wurde inhaftiert, bedroht und zusammengeschlagen,
bis sie schließlich aus Angst um ihr Leben
das Land verließ. „Wir brauchen jetzt die
Unterstützung Europas“, unterstreicht sie.
Zugleich kritisiert Benserine, dass die Europäische Union das gestürzte Regime so
lange stützte. In der Tat war Ben Ali trotz
der brutalen Unterdrückung Andersdenkender in der EU wohlgelitten, weil er
wirtschaftlich mit der Union zusammenarbeitete, die Islamisten von der Macht
fernhielt und afrikanische Flüchtlinge
nicht nach Europa durchließ.
Unsicherheit in den Redaktionen
In vielen Redaktionen weiß man noch
gar nicht, wie man künftig arbeiten wird.
Die gegenwärtige Unsicherheit der tunesischen Medien wird vor allem am Beispiel
der Zeitung La Presse deutlich. Das Blatt
war so etwas wie das Sprachrohr Ben Alis
und suchte Ende Januar noch nach einem
neuen Kurs. Auf Konferenzen berieten die
Journalisten über den Umgang mit der
neuen Freiheit. Auch Selbstkritik wurde
laut. La Presse-Redakteurin Nadja Chamed
sagte dem Sender „3Sat“: „Man hat uns
Foto: dpa: Corentin Fohlen / Handout
Tunesien: Nach Sturz des Präsidenten sortieren sich die Medien neu
Für den Wandel mussten Oppositionelle, Menschenrechtler und kritische Journalisten viele Opfer bringen. Auch noch
während der jüngsten Proteste wurden
Demonstranten niedergeprügelt, Menschen inhaftiert und Journalisten an ihrer
Arbeit gehindert. Der deutsch-französische Fotograf Lucas Mebrouk Dolega (Bild)
musste das sogar mit dem Leben bezahlen.
Der 32-jährige Mitarbeiter der Fotoagentur
„European Press Photo Agency“, ein Kooperationspartner der dpa, wurde am 14. Januar aus nächster Nähe vom Schuss aus
einer Tränengasgranate im Gesicht getroffen. Drei Tage später erlag er seinen schweren Verletzungen.
Harald Gesterkamp ■
39
M 1– 2.2011
serviceseminare
Journalismus aktuell
ABP, München. 14. bis 16. März: Kreatives Schreiben – Zeitung I. 17. / 18.
März: Presserecht und Medienethik.
25. / 25. März: Crossmedia für Fachzeitschriften. 28. bis 30. März: Multimediales Storytelling.
ABZV, Bonn. 21. / 22. März: Die Lust
am Lesen wecken. 23. / 24. März:
Schreiben für Menschen und Maschinen.
30. / 31. März: Recherche und Auskunftsanspruch. 6. / 7. April: Redigieren
für die Tageszeitung.
ADB, München. 4. April: Crashkurs
Deutsche Rechtschreibung und effizientes Korrekturlesen.
ADR, Rottenburg-Stuttgart. 11. bis
13. März: Schreibpraxis II – Teil 1.
25. bis 27. März: Schreibpraxis II – Teil 2.
AFP, Hamburg. 31. März / 1. April:
Recherchieren – Fachzeitschriften.
4. / 5. April: Schreiben für Kinder.
AGI, Marl. 21. bis 23. März: Was denken, was sagen, was zeigen – Medienmacher und Nachhaltigkeit.
AKAD, Berlin. 24. März: Beginn des
3-wöchigen Onlinekurses „Einfach
besser texten – Wie Sie mit guten Texten überzeugen“. 29. März: Beginn des
3-wöchigen Onlinekurses „Recherche
im Internet“.
APB, Tutzing. 16. bis 18. März: Lust
auf Recherche – Werkstattseminar für
Journalisten.
AR, Remscheid. 21. bis 25. März:
Wirksam schreiben – Werkstattkurs.
ARD.ZDF, Wiesbaden. 7. bis 9. März:
Agenda-Setting-Journalism.
15. / 16. März: Recht im Internet –
Roundtable. 24. / 25. März: Neue Medien
– Neue Vertragsgrundlagen: Was steckt
dahinter? 31. März bis 2. April: Journalisten und Produktionsmitarbeiter in
Krisenregionen – Aufbaukurs.
4. / 5. April: Kritische Beiträge – Professionelle Recherche und juristische Absicherung.
7. / 8. April: Aktuelle Entwicklungen im
Urheberrecht. 7. / 8. April: RechercheStrategien.
BJS, Berlin. 7. / 8. März: Mit Witz und
Pointe schreiben. 9. / 10. März: Lebendig
und wirkungsvoll schreiben.
21. / 22. März: Investigative Recherche
und Sicherheit im Internet.
23. / 24. März: Schreiben für Kinder.
31. März/1. April: Ein Sachbuch schreiben.
DGB, Hattingen. 20. bis 25. März:
„Ihr werdet euch noch wünschen, wir
seien unpolitisch!“ – Wie Blogs, Twitter
und soziale Netzwerke dabei helfen, die
Demokratie zu beleben.
40
M 1– 2.2011
IFP, München. 9. bis 11. März: Auf den
Punkt gebracht – Moderieren für Printjournalisten I.
JA, München. 26. März: Texte redigieren
(dju-Mitglieder erhalten 50 % Rabatt).
JHB, Hagen. 30. März bis 1. April:
Journalistisches Schreiben für Einsteiger.
KEP, Wetzlar. 18. / 19. März: Die journalistische Recherche.
MAZ, Luzern. 9. / 10. März: Geschichten
erzählen – Narrativer Journalismus.
21. bis 24. März: Quellen und Recherche
– Den Fakten auf der Spur.
28. / 29. März: Redigieren – Zusammenstreichen? Zusammen streichen!
28. / 29. März: Dialog mit dem Leser –
So gelingt er. 28. März bis 1. April: Journalistisches Texten I – Was ist ein guter
Text? 29. März bis 2. April: Storytelling
– Vom Anfang, der Mitte und dem Ende.
MH, Hamburg. 5./6. März: Social Media.
21. bis 25. März: Journalistisches Schreiben. 30. März (+ sechs weitere Termine):
Abendkurs Journalistisches Schreiben.
NK, Rendsburg. 11. bis 13. März:
Leere Blätter – Schreibblockaden erkennen, wahrnehmen, lösen.
25. bis 27. März: Textwerkstatt Nordtext
III. 1. bis 3. April: Selbst ist der Autor –
Buchgestaltung und -herstellung
TA, Augsburg. 15. / 16. März in Stuttgart: Textwerkstatt I + II. 30. / 31. März
in München: 100-Ideen-Seminar I + II.
Journalistische Themen
ABP, München. 9. bis 11. März: Verbraucherjournalismus. 9. bis 11. März:
Wissenschaftsjournalismus.
ADR, Rottenburg-Stuttgart. 21. bis
25. März: Wissenschaftsjournalismus.
AFP, Hamburg. 21. / 22. März: ServiceJournalismus.
ANM, Kulmbach. 9. bis 11. März:
Sportberichterstattung.
ARD.ZDF, Wiesbaden. 16. bis 18. März:
Verbraucherthemen im Fernsehen.
21. bis 23. März: Nachgefragt bei den
Europäischen Institutionen in Brüssel.
28. bis 30. März: Aktuelle Sportberichte
im Fernsehen – mit Laptopschnitt.
BJS, Berlin. 14. bis 16. März: Die Gerichtsreportage.
FES / JAK, Bonn. 5. bis 8. April: Politischer Journalismus in der Praxis
– Recherche und Interview (Basismodul
Politikberichterstattung).
MAZ, Luzern. 14. bis 17. März: Sportberichterstattung – Wie wir alle gewinnen. 21. bis 23. März: Hunger, Migration,
Klima – Journalismus global.
MH, Hamburg. 11. bis 13. März: Wissenschaftsjournalismus.
Journalistische Formen
Layout / Infografik
ABP, München. 21. bis 26. März: Feature.
ABZV, Bonn. 17. / 18. März: Reportage
und Feature. 21. / 22. März: Die große
Kunst der kleinen Texte. 23. / 24. März in
Stuttgart: Interviewtechnik. 4. / 5. April
in Stuttgart: Die Kunst der Glosse.
AFP, Hamburg. 28. bis 30. März: Die
Magazin-Geschichte.
ARD.ZDF, Wiesbaden. 14. bis 18.
März: Interview. 21. bis 24. März: Fragen auf den Punkt gebracht – Das Interview im Fernsehen.
FES/JAK, Bonn. 14. bis 16. März in
Hamburg: Kurz und prägnant – Das 1 x
1 des Nachrichtenschreibens (Basismodul Medienpraxis). 22. / 23. März in Berlin: Wer fragt, der führt – Interviews
führen mit politischen Mandatsträgern
(Basismodul Politikberichterstattung).
JSR, Essen. 8. / 9. März: Workshop Interview-Training. 10. / 11. März: Workshop Interview-Training.
MAZ, Luzern. 7. bis 10. März: Nachricht und Bericht – Das journalistische
Einmaleins. 21. / 22. März: Das Interview
und seine drei Gesichter. 29. März bis 2.
April: Porträt – Du sollst dir (k)ein Bildnis machen. 4. bis 6. April: Porträt. 5. bis
8. April: Interview – Im Dialog ermitteln
und vermitteln. 4. bis 7. April: Nachricht
und Bericht – Das journalistische Einmaleins.
ABP, München. 4. bis 8. April: Webdesign.
BJS, Berlin. 5. / 6. März: MagazinLayout – Gestalten wie die Profis.
JHB, Hagen. 30. März bis 1. April:
Grundlagen moderner Magazingestaltung.
MAC, München. An den Standorten
München, Stuttgart, Köln, Osnabrück
und Hamburg werden laufend zahlreiche mehrtägige Kurse in den Bereichen
Grafik, Bildbearbeitung, AV, 3D-Animation, Multimedia und Internet angeboten. Kurse gibt es etwa zu Printdesign,
InDesign, Photoshop, Adobe Illustrator,
Freehand und QuarkXpress, Flash, Dreamweaver, CSS oder Typo 3.
Informationen zu den genauen Terminen bitte im Internet suchen oder telefonisch erfragen (siehe Kasten).
NK, Rendsburg. 1. bis 3. April: Selbst
ist der Autor – Buchgestaltung und
-herstellung.
Journalismus online
ABP, München. 16. bis 18. März: Web
2.0.
AFP, Hamburg. 10. / 11. März: Geld
verdienen im Netz. 14. / 15. März:
Recherche in sozialen Netzwerken.
21. / 22. März: Community-Management.
ARD.ZDF, Wiesbaden. 7. / 8. März:
Schreiben fürs Netz. 8. / 9. März: Texten
von Überschriften und Teasern. 28. / 29.
März: Mobile Journalism.
BJS, Berlin. 17. bis 19. März: Videos
fürs Web – Wenn Printjournalisten online gehen. 1. April: Suchmaschinenoptimierung. 4. bis 6. April: Einführung in
den Online-Journalismus.
IFP, München. 20. März: Facebook,
Twitter & Co – Crossmedial arbeiten.
25. bis 27. März: Audio-Slideshows –
Crossmedial arbeiten.
JA, München. 21. bis 23. März: Professionelles Arbeiten mit Texten (dju-Mitglieder erhalten 50 % Rabatt).
JHB, Hagen. 14. bis 18. März: Video
fürs Internet.
MAZ, Luzern. 10. März: Trends im Online-Journalismus – Mehrwert für Web
und Print.
Volontäre
ABP, München. 14. bis 25. März in
Kulmbach: Grundkurs I – Zeitung.
21. März bis 1. April in München: Grundkurs I – Zeitschrift. 4. bis 15. April in
Kulmbach: Grundkurs I – Zeitschrift.
4. bis 15. April in München: Grundkurs
II – Zeitschrift.
ABZV, Bonn. 14. bis 25. März: Grundlagen journalistischer Arbeit A2.
28. März bis 1. April: in Stuttgart: Aufbauseminar. 4. bis 15. April: Grundlagen
journalistischer Arbeit B1.
AFP, Hamburg. 7. März bis 1. April:
Kompaktkurs für Printvolontäre.
4. bis 29. April: Kompaktkurs für Printvolontäre.
JHB, Hagen. 28. März: bis 21. April:
Volontärseminar.
JSR, Essen. 28. März bis 1. April:
Grundseminar Reportage.
KLARA, Berlin. 7. März bis 1. April:
Volontärskurs Printmedien.
7. März bis 15. April: Der große Volokurs.
Fotografie
ABP, München. 14. bis 18. März: Fotojournalismus.
ADB, München. 6. April: Professionelle
Fotografie für die Buch- und Zeitschriftenproduktion.
AFP, Hamburg. 4. / 5. April: Bildgestaltung. 6. / 7. April: Bildbearbeitung.
DGB, Hattingen. 3. bis 8. April in
Starnberg: Das Selbst als eine Andere –
Frauen und ihr fotografisches Selbstbild.
service
➧ Kontakt zu den Seminaranbietern
Die Adressen zu unten stehenden Kontakten sind im Internet abrufbar
unter: http://mmm.verdi.de
ABP Fon 089 / 49 99 92 – 0,
www.a-b-p.de
ABZV Fon 02 28 / 259 00 – 0,
www.abzv.de
ADB Fon 089 / 29 19 53 84,
w ww.buchakademie.de
ADR Fon 07 11 / 16 40 726,
www.seminarprogramm.info
AFP Fon 040 / 41 47 96 -0,
www.akademie-fuer-publizistik.de
AGI Fon 023 65 / 91 89 – 0,
www.grimme-akademie.de
AKAD Fon 030 / 61655 – 0,
www.akademie.de
AM Fon 02 11 / 43 69 01 50,
www.medienverband.de
ANM Fon 092 21 / 13 16, www.bayerische-medienakademien.de
APB Fon 081 58 / 256 – 0,
www.apb-tutzing.de
AR Fon 021 91 / 794 – 0,
www.akademieremscheid.de
ARD.ZDF Fon 06 11 / 59 05 04 – 0,
www.ard-zdf-medienakademie.de
BET Fon 040 / 4 10 84 – 0,
http://bet.de
BJS Fon 030 23 27 60 02,
www.berliner-journalisten-schule.de
BKB Fon 053 31 / 808 – 418,
www.bundesakademie.de
DGB Fon 023 24 / 50 80,
www.hattingen.dgb-bildungswerk.de
DJU Fon 030 / 88 66 41 06,
www.dju-berlinbb.de
EAR Fon: 02 28 / 95 23 – 201,
www.ev-akademie-rheinland.de
FCP Fon 089 / 34 07 79 77,
www.forum-corporate-publishing.de
FES/JAK Fon 02 28 / 883 -7124,
www.fes.de/journalistenakademie
FFH Fon 061 01 / 988 – 140,
www.ffhacademy.de
FHB Fon 040 / 399 099 31,
www.filmschule-hamburg-berlin.de
FHF Fon 069 / 13 37 99 94,
www.filmhaus-frankfurt.de
FV Fon: 089 / 74 89 99 21,
www.fotovisuelle.de
HFS Fon 069 / 92 10 74 05,
www.hoerfunkschule-frankfurt.de
FES/JAK, Bonn. 14. bis 18. März in
Würzburg: Fotojournalismus: Ein Foto
sagt die Wahrheit – oder? (Basismodul
Medienpraxis).
FV, München. 6. und 13. März: Fotogrundkurs für Frauen.
19. / 20. März: Fotogrundkurs für Frauen.
26. / 27. März: Fotogrundkurs für Frauen.
JA, München. 18. bis 20. März: Bildbearbeitung mit PhotoShop.
8. bis 10. April: Licht und Kamera (djuMitglieder erhalten 50 % Rabatt).
IFFMA Fon 089 / 89 39 89 60,
www.iffma.de
IFP Fon 089 / 54 91 03 – 0,
www.ifp-kma.de
IFRA Fon 061 51 / 733 – 6,
www.wan-ifra.org
IP Fon 07 11 / 997 86 91,
www.interspherial.com
ISFF Fon 030 / 200 92 – 74 42,
www.isff-berlin.eu
JA Fon 089 / 167 51 – 06,
www.journalistenakademie.de
JHB Fon 023 31 / 365 – 6 00,
www.hausbusch.de
JSR Fon 02 01 / 80 41 961,
www.journalistenschule-ruhr.de
KEP Fon 064 41 / 91 51 66,
www.cma-medienakademie.de
KFH Fon 02 21 / 222 710 – 0,
www.koelner-filmhaus.de
KLARA Fon 030 / 690 415 85,
www.KLARAberlin.de
MAC Fon 089 / 544 151 – 74,
www.macromedia.de
MAZ Fon 00 41 / 41 / 226 33 33,
www.maz.ch
MEZ Fon 030 / 68 30 20 90,
www.medienkonkret.de
MFW Fon 089 / 20 333 712,
www.muenchner-filmwerkstatt.de
MH Fon 040 / 306 201 140,
www.medienbuero-hamburg.de
MKZ Fon 022 24 / 955 – 129,
www.ksi.de
MQ Fon 02 21 / 29 93 05 – 31,
www.medienqualifizierung.de
MSD Fon 030 / 30 87 93 15,
www.masterschool.de
NA Fon 040 / 41 13 – 28 42,
www.newsaktuell.de
NK Fon 043 31 / 14 38 – 11,
www.nordkolleg.de
PRO Fon 0331 / 721 21 81,
www.probabelsberg.de
RTL Fon 02 21 / 82 02 – 0,
www.rtl-journalistenschule.de
TA Fon 08 21 / 41 90 36 – 0,
www.textakademie.de
VSM Fon 089 / 83 51 91,
www.videoschule.de
MAZ, Luzern. 9. bis 14. März: Fotojournalismus – Flexibel, aber doch individuell. 21. bis 25. März: Masterclass Fotografie.
Hörfunk
AFP, Hamburg. 8. / 9. April: Radio-Personality.
ANM, Kulmbach. 14. bis 16. März:
Neues aus der Heimat – Kulturberichterstattung. 28. März bis 1. April: Come-
dy und Kreatives Schreiben im Hörfunk.
7. / 8. April: Themenfindung im Hörfunk.
ARD.ZDF, Wiesbaden. 21. bis 23.
März: Wirtschaftsjournalismus in Zeiten
der Krise. 21. bis 23. März: Grundlagen
der Bühnenmoderation. 28. März bis
1. April: Die Reportage im Radio.
BJS, Berlin. 24. / 25. März: On Air –
Sprechtraining fürs Mikrofon.
BKB, Wolfenbüttel. 11. bis 13. März:
Wer zum Teufel ist Alex? - Werkstatt
Hörspiel und Szenisches Schreiben.
FFH, Bad Vilbel. 11. / 12. März: The
Voice – Das bist Du! Sprechtraining für
junge Radio- und Fernseh-Talente.
18. / 19. März: Hinhörer und Einschalter
– Verbraucherjournalismus mit Quote
und Spaß. 25. / 26. März: Routine, nein
danke – Täglich on air mit Lust und
Laune. 8. / 9. April: Close-up – Interviews
face to face gekonnt führen.
HFS, Frankfurt. 12. März: Musikjournalismus im Radio – Zwischen Abwechslung und den stärksten Hits.
30. März: Ist Gott ein Demokrat? –
Filmabend zum Ausbildungsradio.
KLARA, Berlin. 4. bis 15. April: Radio
und Fernsehen für Einsteiger.
MAZ, Luzern. 10. März: Der Radiotrailer – Werbung in eigener Sache.
23. bis 25. März: Gesprochene Sprache
– Zungenfertig schreiben. 28. bis
30. März: Nachrichten im Radio – Die
Würze der Kürze. 4. / 5. April: Palaver im
Parlament – Story im Radio.
MEZ, Berlin. Diverse, frei zusammenstellbare Seminare vor allem zum
Radio-, aber auch zum TV-, Web- und
Printjournalismus unter: www.medienkonkret.de.
MH, Hamburg. 26. / 27. März: Radiomoderation.
MQ, Köln. 16. März: Sport vor Ort.
16. März: QMB – Grundlagen des Qualitätsmanagements für Bürgermedien.
26. / 27. März: Der Regio-Reporter.
2. April: QMB – Leitbild und Definition
des Gelungenen.
NK, Rendsburg. 8. bis 10. April: Der
geschriebene Dialog – Die Kür spannenden Erzählens.
Film & TV
ABP, München. 21. bis 25. März: Fernsehmoderation.
AFP, Hamburg. 28. bis 31. März: Der
TV-Beitrag. 7. / 8. April: TV-Moderation.
ARD. ZDF, Wiesbaden. 7. bis 11. März:
Fernseh-Porträt und Personalisierung.
14. / 15. März: Recherche für FernsehDokumentationen.
21. bis 25. März: Fernseh-Magazine.
21. bis 23. März: Emotionen in Nachrichten- und Magazinbeiträgen – mit
Laptopschnitt.
28. bis 30. März: Fernseh-Erklärstücke.
4. bis 7. April: Sprechen vor dem Mikrofon. Eine Vielzahl weiterer, auch technisch orientierter Seminare finden Sie
unter: www.ard-zdf-medienakademie.de/veranstaltungsangebot.html.
BET, Hamburg. 21. bis 23. März: Videotechnik Spezial HD. 25. bis 27. März:
Broadcast Kamerarecorder HD.
BJS, Berlin. 7. bis 25. März: Intensivtraining Videojournalismus. 28. bis 30.
März: Einführung in den Videojournalismus. 1. April: Video-Schnitt und -Produktion mit dem Avid Media Composer.
FES/JAK, Bonn. 22. bis 24. März: DokuSoap, Doku-Drama, Doku-was? Analyse
und Einordnung aktueller Fernsehdokumention (Basismodul Medienpraxis).
28. März bis 1. April in Hamburg: Mit
Bildern sprechen – Grundlagen des
Fernsehjournalismus (Basismodul Medienpraxis).
FHB, Hamburg. 5. / 6. März: Exposé,
Treatment und Konzept. 11. bis 13. März:
Das Familiengeheimnis … und wie man
davon erzählt. 12. / 13. März: Filmisch
zeichnen – Die Kunst des Storyboardens. 26. / 27. März: Dokumentarisch
arbeiten – Filmische Beobachtung.
1. bis 3. April: Einführung in das Drehbuchschreiben.
FHF, Frankfurt. 12. März: Infonachmittag Verleih und Vertrieb. 19. März: Informationsreihe Film- und TV-Produktion
in der Rechtspraxis IV – Mitwirkendenverträge. 26. / 27. März: Digitaler Bildschnitt am AVID Mediacomposer.
2. April: Informationsveranstaltung Produktionsvorbereitung, Marketing, Förderungen. 8. bis 10. April: Was gehört zum
guten Ton?
IFFMA, München. 12. / 13. März:
Workshop Film-Grammatik. 13. März:
Praxisworkshop – Canon EOS
1D/5D/7D. 17. / 18. März: Alexa Workshop. 21. / 22. März: Praxisworkshop
SONY PMW-F3.
IFP, München. 19. März: Unterwegs mit
der Flipkamera – Crossmedial arbeiten.
23. bis 25. März: „Achtung Studio!“ –
Einführung in die TV-Moderation.
IFRA, Darmstadt. 14. März: OnlineVideo für Zeitungs-Websites – Themen
Update. 15. / 16. März: Online Videoproduktion: Drehen, Schneiden, Vertonen.
IP, Stuttgart. Reihe Schreiben für Kino
und TV: 12. März: Mythen und Archetypen; 13. März: Das Enneagramm.
ISFF, Berlin. 18. bis 20. März: Dokumentarische TV-Beiträge. 2. / 3. April:
Gründung eines Medienunternehmens.
KEP, Wetzlar. 25. bis 27. März: Grundkurs Regie.
KFH, Köln. 12. / 13. März: Meister des
Lichts. 25. bis 27. März: Licht-Masterclass. 25. bis 27. März: Final Cut Pro –
41
M 1– 2.2011
service
Basic. 25. bis 27. März: Drehbuch –
Three Genres. Potsdam-Babelsberg:
31. März bis 1. April: Regie Masterclass.
31. März bis 3. April : Intensivkurs digitale Filmkamera. 1. bis 3. April: Final Cut
Basic. 1. bis 3. April: Short Documents.
2. / 3. April: Fiktionales Schreiben – Von
der Idee zur Geschichte.
MFW, München. 5. / 6. März: Stoffentwicklung erfolgreich organisieren.
5. / 6. März: Hollywood auf dem Schulhof – Filmprojekte mit Kindern und Jugendlichen. 12. / 13. März: Filmhochschul-Bewerbungstraining. 12. / 13. März:
Berufsrecht für Filmschaffende.
19. / 20. März: Grundlagen der Bildgestaltung II – Fortgeschrittene.
19. / 20. März: Hands on Steadicam.
26. / 27. März: Erzählen in bewegten
Bildern – Auflösungskurs. 26. / 27. März:
Selbstvermarktung für Schauspieler.
2. / 3. April: Urheber- und Persönlichkeitsrecht.
MH, Hamburg. 18. bis 20. März: Bildtraining für TV und Video.
MSD, Berlin. 9. März bis 1. Juni:
6-monatiges Abendseminar DrehbuchDevelopment.
10. März bis 5. Juni: 3-monatiger Online-Grundkurs Drehbuch.
PRO, Potsdam. 25. März: Bildgestaltung – Eine Frage des Formats?
30. März: Hollywood digital – Was kann
IT für einen erfolgreichen Filmstandort
Babelsberg tun?
RTL, Köln. 5. / 6. April: Storytelling
Masterclass mit Waltermedia
VSM, München. 12. März: HD-Videofilmen mit HDV- und AVCHD-Camcordern. 18. / 19. März: Videofilmer-Workshop – Schritte zur Professionalität.
25. März: Außergewöhnliche Kamerapositionen – Workshop Flughafen München-Erding. 2. April: Camcorder Videoseminar – Der richtige Umgang mit der
DV- oder HDV-Videokamera. 8. April:
PINNACLE Studio 14 - Intensivkurs für
Einsteiger und Aufsteiger in das PCSchnittsystem.
Selbst- und
Medienmanagement
ABP, München. 9. März: Freie Journalisten – Social Networks. 9. bis 11. März:
Pressemitteilung. 14. / 15. März: Public
Relations Strategien – Aufbauseminar.
21. bis 23. März: Online-Texten für PR
und Unternehmenskommunikation. 1.
April: Kreatives Schreiben – PR III. 4. bis
6. April: Management in Redaktionen
(MiR) - Relaunch und Redesign Zeitschrift. 7. / 8. April: MiR – Begleitendes
Coaching für Führungskräfte I.
ADB, München. 10. / 11. März in Frankfurt: Freies Lektorat I – Sicher Redigie-
42
M 1– 2.2011
ren. 24. / 25. März: Von der Fachzeitschrift zur Medienmarke – Grundwissen, Werkzeuge und Beispiele der crossmedialen Markenführung. 31. März /
1. April: Freies Lektorat III – Die bessere
Lösung finden und begründen.
4. / 5. April in Hamburg: Freies Lektorat I
– Sicher redigieren. 7. / 8. April in Berlin:
Freies Lektorat II – Kunden finden und
binden.
AFP, Hamburg. 9. bis 11. März: PRWerkstatt. 17. / 18. März: Themensetting
in der PR. 23. bis 25. März: Rhetorik I.
25. / 26. März: Strategien für mobile
Endgeräte.
AM, Düsseldorf. 15. März: Zu Gast
bei Hörfunk und Fernsehen – Medientraining. 29. / 30. März: Change Management – Wenn Organisationen sich
verändern. 31. März / 1. April: Corporate
Publishing – Mitglieder-, Kunden- und
Mitarbeitermagazine. 4. / 5. April: Veranstaltungen und Events moderieren –
Praxistraining für erfolgreiche Auftritte.
ARD.ZDF, Wiesbaden. 28. bis 30. März:
Love it, change it, leave it? Selbstführung und Selbstmanagement. 29. / 30.
März: Zeit- und Selbstmanagement.
4. bis 6. April: Konferenzmoderation.
BJS, Berlin. 8. März: Körpertraining für
Medienmenschen. 14. März: Techniken
der Image-Pflege. 15. / 16. März: Corporate Publishing. 17. / 18. März: Erfolgreich frei – Selbstmarketing für Journalisten. 28. / 29. März: Eventmanagement
– Veranstaltungen professionell konzipieren und durchführen. 28. / 29. März:
Texten von Pressemitteilungen.
30. / 31. März: Fit durch die Krise – Der
Journalist als Unternehmer. 30. / 31. März:
Online-PR – Pressearbeit im Internet.
DJU, Berlin. 22. März: Tagesseminar
„Selbstvermarktung freier journalistischer Arbeit.“ 29. März: Tagesseminar
„Existenzgründung für Journalisten,
Medienberufler und Künstler.“
EAR, Bonn. 25. / 26. März: Zusammenarbeit und Wettbewerb – Kooperation
als Erfolgsfaktor für selbständige Unternehmer und Freiberufler.
FCP, München. 18. März: Der Pitch –
Professionelle Vorbereitung und Erfolgsfaktor. 23. März in Hamburg: Corporate
Books. 1. April: Storytelling für Corporate
Publisher. 7. / 8. April: The Client Inside –
Wie tickt der Kunde?
➧ Impressum
«M – Menschen Machen Medien»
Medienpolitische ver.di-Zeitschrift,
erscheint neun Mal im Jahr
Herausgeber: Fachbereich 8 (Medien,
Kunst, Industrie), Bundesvorstand: Frank
Bsirske / Frank Werneke
Redaktion: Karin Wenk (verantwortlich), Telefon 030 / 69 56 23 26
Anschrift: ver.di Bundesverwaltung /
Karin Wenk, Redaktion M,
Paula-Thiede-Ufer 10, 10179 Berlin,
Fax: 030 / 69 56 36 76
E-Mail: [email protected]
Für unverlangt eingesandte Artikel und
Bilder übernimmt die Redaktion keine
Verantwortung. Gezeichnete Beiträge
stimmen nicht immer mit der Meinung
der Redaktion überein.
Layout: Petra Dreßler, Berlin
Tel. 030 / 322 18 57
Titelbild: Hermann J. Haubrich,
Berlin, Tel. 0171 / 343 88 10
Druck und Vertrieb:
alpha print medien AG (apm)
Kleyerstraße 3, 64295 Darmstadt
Jahresabonnement:
36,– € einschließlich Versandkosten.
Abonnementsverwaltung:
Verlagsgesellschaft W.E. Weinmann
mbH, Postfach 1207, 70773 Filderstadt,
Telefon 0711 / 700 15 30. Fax: –10
E-Mail: [email protected]
Für Mitglieder der Medien-Fachgruppen
ist die Bezugsgebühr im Mitgliedsbeitrag
enthalten. ver.di-Mitglieder aus anderen
Fachgruppen zahlen 18 € – eine gesonderte Bestellung ist notwendig.
Anzeigen:
Network Media GmbH
Stresemannstraße 30, 10963 Berlin
Ansprechpartner:
Nicole Stelzner (Leiterin)
Tel: 030 / 255 94 – 180
Fax: 030 / 255 94 – 190
E-Mail: [email protected]
Weitere Publikationen:
„Kunst & Kultur“
verantwortlich: Burkhard Baltzer
Tel. 030 / 69 56 – 10 60
„Druck + Papier“ verantwortlich:
Henrik Müller Tel. 030 / 69 56 – 10 76
Gültige Anzeigenpreisliste:
Nr. 16 gültig ab 1.1.2011
M im Internet
http://mmm.verdi.de
Redaktionsschluss:
M 1 – 2.2011: 21.01.2011
M 3.2011: 1.03.2011
ISSN-Nr.: 09 46 – 11 32
FES/JAK, Bonn. 7. / 8. April in München: Erfolg ist kein Zufall – Rhetorik
für Journalisten (Basismodul Kernkompetenz).
IFRA, Darmstadt. 30. / 31. März:
Druckkostenkalkulationsmodelle.
4. / 5. April: Platte & Druck.
JA, München. 26. März: Sprechertraining. 8. bis 10. April: Online-PR und SEO
(dju-Mitglieder erhalten 50 % Rabatt).
JHB, Hagen. 14. bis 18. März: Grundlagen der Pressestellenarbeit.
28. bis 30. März: Krisenkommunikation.
4. bis 6. April: PR-Kampagnen.
KEP, Wetzlar. 1. April: Crashkurs Pressesprecher. 8. / 9. April: Präsentieren mit
PowerPoint 2007 für Einsteiger. 8. bis
10. April: Mit der Stimme zum Erfolg.
KFH, Köln. 2. / 3. April: Selbstmanagement.
MAZ, Luzern. 10. / 11. März: Atem und
Stimme – Entspannte Spannung.
25. März: Feedback geben – und (an-)nehmen.
MKZ, Köln. 19. / 20. März: Grundlagen
der Pressearbeit. 25. / 26. März: eLearning Seminar Fundraising. 6. April:
Weiterführende Pressearbeit.
NA, Hamburg. 15. März in Zürich:
Führen ohne Vorgesetztenfunktion.
17. März in Zürich: Internet-Newsletter.
21. / 22. März in Düsseldorf: Krisenmanagement. 21. / 22. März in Berlin:
Überzeugend präsentieren. 23. März in
Berlin: Effizientes Korrekturlesen.
24. März in Zürich: Einsatz von Facebook für PR- und Marketingmaßnahmen.
25. März in Zürich: Einsatz von Twitter
für PR- und Marketingmaßnahmen.
28. / 29. März in Hamburg: Medientraining. 30. März in Düsseldorf: Social
Media Basics. 31. März / 1. April in Hamburg: Betriebswirtschaft für PR-Profis.
31. März / 1. April in Düsseldorf: Pressearbeit für Einsteiger.
TA, Augsburg. 23. März in Frankfurt:
Powertag Suchmaschinen-Marketing,
Website-Optimierung, Social Media
Marketing (Elemente können auch einzeln gebucht werden).
termine
Journalismus
Freiheit und Zukunft der Medien
LEIPZIG. Die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig vergibt den „Preis für die
Freiheit und Zukunft der Medien“ an
Journalisten, Verleger und Medieninstitutionen, die sich mit Risikobereitschaft,
persönlichem Engagement, Beharrlichkeit, Mut und demokratischer Überzeu-
service
gung für die Sicherung und Entwicklung
der Pressefreiheit einsetzen. Dotierung:
Insgesamt 30.000 €. Einreichschluss:
28. Februar. Informationen: Medienstiftung der Sparkasse Leipzig, Fon: 03 41 /
562 96 61, E-Mail: [email protected], Internet: www.leipzigermedienstiftung.de.
Advances in Renal Cancer
KÖLN. Bayer HealthCare und die Kidney
Cancer Association (KCA) Bayer würdigen Arbeiten, in denen sich Journalisten
kritisch und objektiv mit der Problematik des Nierenkrebses auseinandersetzen. Die Auszeichnung ist mit insgesamt 7.500 € dotiert und berücksichtigt
Veröffentlichungen aus den Bereichen
Print, Hörfunk, Fernsehen und Film, die
zwischen dem 1. März 2010 und dem
28. Februar 2011 publiziert wurden.
Einsendeschluss: 1. März. Kontakt:
Project Office Kindey Cancer Association, Fon: 022 03/599 47 – 19, E-Mail:
[email protected],
www.viva.vita.bayerhealthcare.de.
Deutscher Sozialpreis
BERLIN. Der Medienpreis der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) zeichnet Print-,
Hörfunk- und Fernsehbeiträge aus, die
sich mit der Situation und mit Problemen notleidender oder benachteiligter
Gruppen oder Personen in der BRD befassen und die Öffentlichkeit anregen,
sich mit sozialen Themen zu befassen.
Zugelassen sind Beiträge aus 2010,
die über die nachrichtliche allgemeine
Berichterstattung zu sozialpolitischen
Meldungen hinausgehen.
Dotierung: Insgesamt 15.000 €.
Einreichschluss: 1. März.
Kontakt: BAGFW, Fon: 030 / 240 89 121, E-Mail: [email protected],
Internet: www.deutscher-sozialpreis.de.
Meridian-Journalistenpreis
FRANKFURT. Meier’s Weltreisen prämiert Printbeiträge junger Reisejournalisten unter 35 Jahren über außereuropäische Länder. Sie sollen unterhalten,
vor allem aber Lust machen, Länder und
Kulturen zu entdecken, fremde Völker
kennen zu lernen, Fauna und Flora zu
erkunden und zur Völkerverständigung
beitragen. Die Texte müssen zwischen
1. März 2010 und 28. Februar 2011 in
einem deutschsprachigen Printmedium
oder dessen Online-Auftritt erschienen
sein. Dotierung: Recherchereisen im
Wert von insgesamt 6.000 €. Einsendeschluss: 7. März. Kontakt: Meier’s Weltreisen, Unternehmenskommunikation,
Fon: 069 / 95 88 16 06, E-Mail: presse@
der.net, Internet: www.der.net.
Deutsch-Französischer
Journalistenpreis
SAARBRÜCKEN. Der Preis wird für Print-,
Fernseh-, Hörfunk- und Internetbeiträge
vergeben, die zum gegenseitigen Verständnis beider Völker beitragen oder
aus eigener Sicht Themen des anderen
Landes behandeln. Zugelassen sind Beiträge, die zwischen 2. März 2010 und
1. März 2011 veröffentlicht wurden.
Dotierung: Insgesamt 24.000 €, zusätzlich ein mit 4.000 € dotierter Nachwuchspreis für Journalisten bis zu 30 Jahren.
Einsendeschluss: 1. März. Kontakt:
Saarländischer Rundfunk, Funkhaus
Halberg, Fon: 06 81 / 602 - 24 07, E-Mail:
[email protected], Internet: www.dfjp.eu.
S-CARD Service
STUTTGART. Der Journalistenpreis
„Bezahlen mit Karte im Alltag“ soll die
seriöse Medienberichterstattung zu
Kartenthemen fördern und Zusammenhänge vermitteln. Zugelassen sind
Beiträge in Wort, Ton oder Bild, die
zwischen dem 1. September 2010 und
dem 28. Februar 2011 in Deutschland
publiziert wurden. Dotierung: Insgesamt
10.000 €. Einsendeschluss: 15. März.
Kontakt: S-CARD Service, Stephan Arounopoulos, Fon: 07 11/782 99 - 230, EMail: [email protected],
Internet: www.scard.de/presseforum/
journalistenpreis.
BVKJ-Medienpreis
KÖLN. Jedes fünfte Kind in Deutschland
lebt in relativer Armut – Tendenz steigend. Hilfe für Kinder, die im sozialen
Abseits leben, kann nur aus der Gesellschaft kommen. Mit dem Medienpreis
werden journalistische Print-, Fernsehund Hörfunkbeiträge ausgezeichnet, die
das Thema „Kinder im sozialen Abseits“
publikumsnah und fachlich kompetent
behandeln. Eingereicht werden können
deutschsprachige Beiträge die 2010
veröffentlicht wurden. Dotierung:
Insgesamt 15.000 €. Einsendeschluss:
30. März. Kontakt: BVKJ, Stichwort:
BVKJ-Medienpreis, Fon: 02 21 / 68 90 90,
E-Mail: [email protected],
Internet: www.kinderaerzte-im-netz.de.
www.kinderaerzte-im-netz.de/bvkj/pressezentrum/show.php3?id=311&nodeid=105
Alternativer Medienpreis
NÜRNBERG/MÜNCHEN. Der Preis will
die kritische und demokratische Kultur
in Deutschland festigen. Inhaltliche
Schwerpunkte liegen auf der Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich und
der Neuen Rechten sowie auf feministischen Themen. Prämiert werden jeweils
zwei Beiträge aus den Kategorien Print,
Internet, Audio / Hörfunk und Video / Film
mit 500 €. Die Beiträge sollten mindestens eins der Kriterien erfüllen: medienübergreifende Darstellung, innovative Umsetzung, Bearbeitung eines von
den großen Medien vernachlässigten
Themas, intensive Auseinandersetzung
mit gesellschaftlichen Missständen oder
mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. Einsendeschluss: 31. März.
Kontakt: Nürnberger Medienakademie
c/o Journalistenakademie, Fon: 089 / 167
51 06, E-Mail: [email protected], Internet: www.alternativer-medienpreis.de.
Deutscher Preis Denkmalschutz
BONN. Der Journalistenpreis ehrt vorbildliche Berichterstattung über Schutz
und Pflege von Kulturdenkmalen und
will ermutigen, den Denkmalschutzgedanken zu verbreiten. Ausgezeichnet
werden Journalisten, die kontinuierlich
– regional und überregional – in kritisch-konstruktiver Weise auf die Fragestellungen und Probleme von Denkmalschutz und Denkmalpflege aufmerksam
gemacht haben. Dotierung: 2.500 €.
Einsendeschluss: 31. März.
Kontakt: Deutsches Nationalkomitee für
Denkmalschutz, Dr. Juliane Kirschbaum,
Fon: 018 88 / 681 – 35 54, Internet:
www.nationalkomitee.de.
Journalistenpreis
des Europäischen Parlaments
BERLIN. Ausgezeichnet werden Journalisten, die wichtige europäische Themen
aufgreifen oder mit ihrer Arbeit dazu
beitragen, dass sich das Verständnis für
die EU-Institutionen und/oder die EUPolitik insgesamt verbessert. Teilnehmen
können Staatsangehörige oder Einwohner von EU-Mitgliedsländern. Die Beiträge müssen in einer offiziellen EUSprache zwischen 1. Mai 2010 und
31. März 2011 veröffentlicht worden sein.
Jede der Kategorien Print, Radio, Fernsehen und Online ist mit 5.000 € dotiert. Einsendeschluss: 31. März.
Information: Europäisches Parlament,
Infobüro Berlin, Unter den Linden 78,
10117 Berlin, Fon: 030 / 22 80 – 10 00,
E-Mail: [email protected],
Internet: www.europarl.de.
Ludwig-Demling-Medienpreis
GIEßEN. Die Gastro-Liga e.V. zeichnet
Arbeiten aus, die wissenschaftlich korrekt und anschaulich über gastroenterologische Erkrankungen und deren
Prävention berichten bzw. zum grundsätzlichen Verständnis der Verdauungsprozesse, des Stoffwechsels und der
Ernährung beitragen. Eingereicht werden können Print-, Hörfunk-, Fernseh-,
Video- und Internetarbeiten, die 2010
veröffentlicht wurden. Dotierung:
Insgesamt € 5.000. Bewerbungsschluss:
31. März. Kontakt: Gastro-Liga,
Fon: 06 41 / 974 81 – 0,
E-Mail: [email protected],
Internet: www.gastro-liga.de.
Georg von Holtzbrinck Preis
für Wissenschaftsjournalismus
BERLIN. Eingereichte Arbeiten sollen
allgemein verständlich sein und wissenschaftliche Sachverhalte, insbesondere
aus den Bereichen Naturwissenschaften,
Technologie und Medizin, populär
machen und originell darstellen. Die Bewerbung besteht aus drei Arbeitsproben
der letzten zwei Jahre, eine davon muss
zwischen dem 1. März 2010 und dem
31. März 2011 veröffentlicht worden
sein. Dotierung: Insgesamt 10.000 €.
Einsendeschluss: 1. April. Information:
Veranstaltungsforum der Verlagsgruppe
Georg von Holtzbrinck GmbH,
Fon: 030 / 27 87 18 – 20,
E-Mail: [email protected],
Internet. www.vf-holtzbrinck.de.
n-ost Reportagepreis
BERLIN. Prämiert werden Reportagen
aus osteuropäischen Ländern, die
zwischen dem 1. April 2010 und dem
31. März 2011 in deutschsprachigen
Medien erschienen sind. n-ost will Berichterstattung über Osteuropa fördern,
die Stereotype durchbricht und Grenzen
überwindet. Entscheidungskriterien sind
genaue Beobachtung, gute Recherche
und einfühlsame Beschreibungen. Eingereichte Arbeiten müssen in deutschsprachigen Tages- und Wochenzeitungen, Zeitschriften oder Online-Medien
erschienen sein. Dotierung: Insgesamt
3.500 €. Einsendeschluss: 15. April. Kontakt: n-ost – Netzwerk für OsteuropaBerichterstattung, Tamina Kutscher, Fon:
030 / 259 32 83 – 0, E-Mail: [email protected], Internet:www.n-ost.de.
Film
Deutscher Animationsdrehbuchpreis
STUTTGART. Zum Wettbewerb im Rahmen des Internationalen Trickfilm-Festivals Stuttgart können bis zum 24. Februar Drehbücher eingereicht werden.
Ziel ist es, deutschsprachige Animationslangfilme schon in der Entwicklungsphase zu fördern und ihre inhaltliche
Qualität zu verbessern. Die Auszeichnung richtet sich an deutschsprachige
abendfüllende Animationsfilmprojekte,
auch in der Realisierungsphase. Dotierung: 5.000 €. Einzelheiten zur Bewerbung: www.itfs.de/wettbewerbe/deutscher-animationsdrehbuchpreis.html.
43
M 1– 2.2011
leute
Deutscher Kamerapreis
KÖLN. Die Auszeichnungen in den Kategorien Kinospielfim, Fernsehfilm / Dokudrama, Kurzfilm, Bericht / Reportage,
Dokumentation sowie Fernsehserie werden an deutsche oder in Deutschland
wohnende Kameraleute und Cutter vergeben. Ebenfalls zugelassen sind Arbeiten ausländischer Kameraleute für deutsche Fernsehanstalten/private Fernsehveranstalter zum Zweck der Ausstrahlung in Deutschland oder der Schweiz.
Die Produktionen müssen 2010 fertig
gestellt worden sein. Dotierung: Trophäe und Urkunde, zusätzlich zwei Förderpreise für Nachwuchstalente in Höhe
von 5.000 €. Einreichschluss: 28. Februar. Kontakt: Deutscher Kamerapreis Köln
e.V., Claudia Köhler, Fon: 02 21 / 53 97
28 -17, E-Mail: [email protected], Internet: www.kamerapreis.de.
Kurzsuechtig
LEIPZIG. Vom 27. bis 29. April 2011 präsentiert das Leipziger Kurzfilmfestival
„Kurzsuechtig2011“ innovative Kurzfilme aus der Region. Filmemacher aus
Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen
sind eingeladen, Animations-, Dokumentar- und Kurzspielfilme bis zu 30 Minuten ab Produktionsjahr 2009 zum Wettbewerb zu melden. Zu gewinnen sind
filmspezifische Sachpreise und Geldprämien, außerdem ein Nachwuchsförderpreis in Höhe von 500 €. Einreichschluss:
1. März. Kontakt: Kurzsuechtig, Maria
Kusnezow, Fon: 03 41 / 46 26 27 – 14,
E-Mail: [email protected],
Internet: www.kurzsuechtig.de.
Fotografie
beiten als „Best of the Best“ bestimmt.
Teilnehmen können Studentinnen und
Studenten, die vom 1. April 2010 bis
31. März 2011 ihren Abschluss an einer
inländischen oder ausländischen Hochschule oder Fachhochschule mit Erfolg
erreicht haben. Dotierung BFF-Förderpreis: Insgesamt 12.500 €, ReinhartWolf-Preis: 2.500 €. Einreichschluss:
9. April. Kontakt: BFF (Bund Freischaffender Foto-Designer), Norbert Waning,
E-Mail: [email protected], www.BFF.de.
Stipendien
Marion-Gräfin-Dönhoff-Stipendium
BERLIN. Die Internationalen Journalisten
Programme (IJP) schreiben ein Stipendienprogramm für Osteuropa aus. Austauschländer werden voraussichtlich
Polen, Russland, Belarus, die Ukraine,
Georgien, Armenien und Aserbaidschan
sein. Fünf junge deutsche Journalisten
bis zu 35 Jahren sollen in den Monaten
Oktober und November bei einem russisch- bzw. polnischsprachigen Medium
als Gastredakteur arbeiten. Das Stipendium besteht aus einer einmaligen
Zahlung von 3.500 € für Reisekosten,
Verpflegung, Unterkunft, Visa-Gebühren
und Krankenversicherung. Bewerbungsschluss: 15. April. Kontakt: IJP e.V.,
Postfach 310746, 10637 Berlin, E-Mail:
[email protected], Internet: www.ijp.org.
Deutsch-Türkisches
Journalistenstipendium
BERLIN. Die IJP schreiben ein Stipendienprogramm für die Türkei aus. Fünf
junge deutsche Journalisten bis zu 35
Jahren erhalten die Möglichkeit, zwei
Monate bei einem türkischen Medium
zu arbeiten. Die Stipendiaten sollen zum
einen als Gastredakteur in einer türkischen Redaktion mitarbeiten. Zum anderen erwarten die IJP, dass sie für ihre
Heimatredaktion als Korrespondent auf
Zeit über ihr Gastland berichten. Das
Stipendium besteht aus einer einmaligen Zahlung von 3.500 Euro für Reisekosten, Unterbringung und Verpflegung.
Bewerbungsschluss: 15. April. Kontakt:
IJP e.V., Postfach 310746, 10637 Berlin,
E-Mail: [email protected], www.ijp.org.
Wiesbadener Fototage
WIESBADEN. Zum Motto „Wagnis Fotografie“ können bis zum 31. März Fotos
eingereicht werden. Gesucht werden
Bilder, die außergewöhnliche Themen
finden, neue Bildsprachen erarbeiten,
Realitäten und Fiktionen künstlerisch
umsetzen, fotografische Grenzen ausloten. Ausgelobt ist ein Förderpreis
von 2.000 €. Kontakt:
Wiesbadener Fototage, Photowork e.V.,
Reinhard Berg, Fon: 06 11 / 30 04 29,
E-Mail: [email protected],
Internet: www.wiesbadener-fototage.de.
Varia
BFF-Förderpreis
& Reinhart-Wolf-Preis
STUTTGART. Der BFF-Förderpreis zeichnet die besten Hochschulabschlussarbeiten im Bereich Fotografie aus. Der
Reinhart-Wolf-Preis wird als zusätzliche
Auszeichnung für diejenige Abschlussarbeit vergeben, die die Jury aus den für
den BFF-Förderpreis ausgewählten Ar-
Israel-Studienreise
BONN. Die Bundeszentrale für politische
Bildung (bpb) bietet Journalisten eine
Studienreise nach Israel an (begrenzte
Teilnehmerzahl). Die Reise vom 3. bis
14. April 2011 steht unter dem Motto
„Facts und Fiction – Wahrnehmung Israels zwischen Stereotypen, Vorurteilen
und Realität“ und kostet 990 €. Interes-
44
M 1– 2.2011
senten können sich ab sofort bewerben,
ausschließlich mit dem Bewerbungsformular auf der Homepage www.bpb.de/
veranstaltungen/WD37ND,0,Facts_and_
Fiction.html. Kontakt: Bundeszentrale
für politische Bildung, Internationale
Studienreisen – Israel – Daniel Nicolás
Cabello, Fon: 02 28 / 995 15 – 511.
Kurt-Tucholsky-Preis
für literarische Publizistik
MINDEN. Die Kurt-Tucholsky-Gesellschaft (KTG) zeichnet engagierte und
sprachlich prägnante Werke der literarischen Publizistik aus. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den „kleinen
Formen“ wie Porträt, Pamphlet, Traktat,
Essay, Satire, Groteske und Couplet.
Die Texte sollen sich auf zeitgeschichtlich-politische Vorgänge beziehen und –
in der Tradition Tucholskys – für Verständigung, Toleranz und ein friedliches
Miteinander eintreten. Dotierung:
3.000 €. Einreichschluss: 31. März.
Kurt-Tucholsky-Gesellschaft e. V.,
Bernd Brüntrup, Fon: 05 71 / 837 54 40,
E-Mail: [email protected],
Internet: www.tucholsky-gesellschaft.de
leute
Domenika Ahlrichs, bislang als
Mitglied der Chefredaktion für die
Online-Redaktion der Berliner Zeitung
verantwortlich sowie Chefredakteurin
der Netzeitung (Berlin), wurde stellv.
Chefredakteurin von Zeit Online.
Daniel Albrecht, zuletzt Chef vom
Dienst der Zeitschrift DigitalPHOTO,
übernahm die Chefredaktion der Fotomedien-Sparte des Kieler Medienhauses
falkemedia (DigitalPHOTO, Photoshop,
Foto Easy) von Nico Barbat, der ausschied.
Chris Berdrow, bisher Sportchef von
Hit Radio FFH, folgte als Leiter der
Nachrichten- und Hessen-Redaktion des
Senders auf Peter Hartmann, der Leiter des FFH-Regionalstudios Wiesbaden
wurde.
Der Publizist und Pamphletist Henryk
M. Broder (u.a. Spiegel, Spiegel Online)
schreibt nunmehr exklusiv für die Titel
der Welt-Gruppe.
Katja Burghardt, zuletzt Chefredakteurin des Magazins Essen & Trinken (G+J),
folgte als Chefredakteurin der Frauenund Gesundheitszeitschrift Vital (Jahres-
zeiten Verlag) auf Joy Jensen, die das
Unternehmen verließ.
Wim Dohrenbusch, bisher Redakteur
bei WDR 2, löste im WDR-Büro Kleve
Jürgen Kleikamp ab, der für die Hörfunkprogramme des WDR und der ARD
aus Bonn berichten wird.
Thomas Fuchs, Direktor der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein
(MA HSH), löste als Vorsitzender der
Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten in Deutschland (ALM) und
damit Vorsitzender der Direktorenkonferenz (DLM) sowie der Kommission
für Zulassung und Aufsicht (ZAK) Thomas Langheinrich ab, den Präsidenten
der Landesanstalt für Kommunikation
Baden-Württemberg (LfK). Wiedergewählt wurde Hartmut Richter von
der LfK als Vorsitzender der Gremienvorsitzendenkonferenz (GVK). Darüber
hinaus gab es bei der DLM, der ALM
und ZAK weitere personelle Veränderungen. Die Agentur Grothe Medienberatung (Hamburg) wurde von der ALM
mit der Unterstützung ihrer Pressearbeit
beauftragt; Friederike Grothe löste
als Pressesprecherin von DLM und ZAK
Axel Dürr ab.
Michael Hannwacker, zuletzt Textchef
bei dem Wirtschaftsmagazin Euro, löste
als Chefredakteur des zweimonatlich
erscheinenden Kunstmarkt-Magazins
Artinvestor Reinhard Haas ab.
Angela Hennersdorf, bislang bei der
Wirtschaftswoche Leiterin der OnlineRedaktion, wechselt als Korrespondentin nach New York.
Peter Stefan Herbst, Chefredakteur
der Saarbrücker Zeitung, wurde zusätzlich Sprecher aller Chefredakteure der
Saarbrücker Zeitungsgruppe (Trierischer
Volksfreund, Lausitzer Rundschau,
Pfälzischer Merkur) sowie Prokurist der
Saarbrücker Zeitung Verlag und Druckerei GmbH.
Inge Höltzcke, bisher Mitglied in der
Chefredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung
(Heidelberg), und Klaus Welzel, bislang
stellv. Chefredakteur, übernahmen die
Redaktionsleitung des Blatts von dem
langjährigen Chefredakteur Manfred
Fritz, der zum Jahresende 2010 in den
Ruhestand trat.
Franz Kadell, bisher Chefredakteur
der Magdeburger Volksstimme, hat das
Magdeburger Verlags- und Druckhaus
verlassen. Die Redaktionsleitung übernahmen kommissarisch die bisherigen
preise
Stellvertreter Peter Wendt und Günther Tyllack.
Grote, der Geschäftsführer der Oldenburgischen Volkszeitung (Vechta) wurde.
Michael Kallinger, bisher stellvertretender Chefredakteur des Monatsmagazins Reader’s Digest in Deutschland,
der Schweiz und Österreich sowie der
Zeitschrift Daheim in Deutschland
(Das Beste GmbH, Stuttgart), folgte als
Chefredakteur auf Andreas Scharf, der
das Unternehmen verließ.
Erhard Scherfer, bislang Redakteur,
Reporter und Moderator bei Phoenix,
löste im Berliner Phoenix-Büro Ines
Arland ab, die in die Redaktion der
„Phoenix-Runde“ wechselte. Simone
Fibiger, bisher Referentin der WDRIntendantin, wurde Leiterin Zentrale
Programmaufgaben und -koordination
bei Phoenix. Ihr Vorgänger Dr. Wolfgang
Maier-Sigrist ist seit April 2010 Pressesprecher des Senders und verantwortet
die Unternehmenskommunikation.
Thomas Kloß, als Chef vom Dienst
und Leitender Redakteur Mitglied der
WAZ-Chefredaktion, folgte als Chefredakteur Online des regionalen Nachrichtenportals DerWesten.de
(WAZ-Mediengruppe) auf Ulrich Reitz,
Chefredakteur der WAZ.
Thomas Langheinrich wurde als
Präsident der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LfK)
wiedergewählt.
Der Journalist Torge Löding gab seine
Tätigkeit als Berater und deutscher Korrespondent beim Kommunikationszentrum „Voces Nuestras“ in San José /
Costa Rica auf. Er übernahm die Leitung
des Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung
für Mittelamerika und die Karibik in
Mexiko-Stadt.
Eric Markuse, bisher Programmchef
des MDR-Jugendradios Sputnik (Halle),
verließ nach einer von ihm nicht mitgetragenen Programmreform der Welle
im August 2010 den Sender zum 31.1.
2011. Sein Nachfolger ist Reinhard
Bärenz, zuvor Musikchef der Welle.
Ulli Neuhoff (SWR) löst als Leiter
des ARD-Studios in Johannesburg / Südafrika Richard Klug ab.
Sabine am Orde, bisher stellv. Leiterin
des Ressorts Inland bei der taz, wurde
stellv. Chefredakteurin.
Judy Peng wurde in der Nachfolge von
Dr. Barbara Janssens Chefredakteurin
der Zeitschrift Biotechnology Journal
(Wiley-VCH Verlag, Weinheim).
Richard David Precht, Autor und
Philosoph, wird Mitherausgeber der
zweimonatlich erscheinenden Zeitschrift
agora42 / Magazin für Ökonomie und
Philosophie (DESA-Verlag, Sindelfingen).
Christoph Reisinger, zuletzt Leiter
der Nachrichtenredaktion der Neuen
Osnabrücker Zeitung, folgt als Chefredakteur der Stuttgarter Nachrichten
und von Sonntag aktuell auf Christoph
Robert Schneider, zuvor stellv. Chefredakteur von Bild am Sonntag, folgte
als Chefredakteur der Super Illu (Hubert
Burda Media) auf Jochen Wolff, der als
Herausgeber des Titels fungiert.
Gunnar Schupelius, bisher Chefkolumnist und -reporter der B.Z., folgte als
Leiter des Focus-Hauptstadtbüros auf
Kayhan Özgenc, der jetzt dem Ressort
Recherche vorsteht. Vizeleiter des
Hauptstadtbüros ist Frank Thewes.
Konstantin von Stechow, bisher bei
RTL Television Referent der Bereichsleitung Kommunikation, folgte als verantwortlicher Redakteur für die externe
Unternehmenskommunikation von RTL
Television und der Mediengruppe RTL
Deutschland auf Bettina Klauser, die
vor einem Jahr Leiterin der Pressestelle
von n-tv wurde.
Julia Stöcklein, bisher stellv. Pressesprecherin beim SPD-Landesverband
NRW, übernahm die Leitung der Abteilung Grundsatz / Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Medienpolitik des DGBBezirks NRW, dessen Pressesprecherin
sie damit ist. Ihre Vorgängerin Barbara
Hemkes wechselte ins NRW-Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales.
Personalien Süddeutsche Zeitung: Kurt
Kister wurde nach einer langjährigen
Laufbahn bei der SZ, zuletzt als stellv.
Chefredakteur, Nachfolger von Hans
Werner Kilz als Chefredakteur. Neues
Mitglied in der Chefredaktion ist Heribert Prantl, nach wie vor Ressortleiter
Innenpolitik. Stellv. Leiter dieses Ressorts sind Alexandra Borchardt, bisher
Chefin vom Dienst im Wirtschaftsressort, und Detlef Esslinger. Stefan
Plöchinger, bislang Geschäftsführender
Redakteur und Chef vom Dienst bei
Spiegel Online, löst zum 1. März als
Chefredakteur von sueddeutsche.de
Hans-Jürgen Jakobs ab, der zur Printausgabe der SZ zurückkehrt und mit
Marc Beise das Ressort Wirtschaft
leiten wird. Roman Deininger, bislang
SZ-Korrespondent in Nürnberg, ersetzt
als Landeskorrespondent für BadenWürttemberg in Stuttgart Bernd Dörries, der Mitte 2010 Korrespondent im
Düsseldorfer SZ-Büro wurde.
Dr. Carsten Wieland, zuletzt im
dpa-Vertrieb für nationale und internationale Fachprojekte zuständig, übernahm kommissarisch die Leitung Unternehmenskommunikation und Public
Affairs bei der Nachrichtenagentur.
Als Pressesprecher folgt er damit Justus
Demmer nach, der Unternehmenssprecher beim RBB wurde.
Dr. Rosemarie Wilcken (SPD), bis
Juli 2010 Bürgermeisterin von Wismar,
und Dr. Wolfgang Peiner (CDU), früher
Hamburger Finanzsenator, tauschten
ihre Ämter im NDR-Verwaltungsrat:
Wilcken wurde zur Vorsitzenden gewählt, Peiner ist ihr Stellvertreter.
Stefan Wirtz, bisher verantwortlicher
WDR-Redakteur der Polit-Talkshow
„hart aber fair“ (ARD), löste als ARDSprecher Harald Dietz (SWR) ab; stellv.
Sprecherin wurde Bettina Altenkamp,
bisher Hörfunkkorrespondentin für den
WDR im ARD-Hauptstadtstudio.
Jürgen Wutschke, zuletzt Wirtschaftsredakteur bei der Nachrichtenagentur
dapd, folgte als Chef des dapd-Landesdienstes Thüringen auf David Rollik,
der zum Fränkischen Tag (Bamberg)
wechselte.
Christine Zerwes, bisher Redakteurin
mit den Schwerpunkten Mode und Lifestyle beim SZ-Magazin, wechselt in das
Ressort Kultur und Style des Stern.
preise
ARGUS-Journalistenpreis 2010 der
Argus-Stiftung zum Thema „Richtiger
Umgang mit Antibiotika“ – Print
(3.000 €): Kai Kupferschmidt für
„Stumpfe Wunderwaffen“ (Tagesspiegel) und „Das Ende der Antibiotika“
(Zeit Online); Hörfunk / Fernsehen (3.000
€): Team um Claudia Heiss für „Tödliche Keime – Gefahr aus dem Krankenhaus“ („Quarks & Co“, WDR Fernsehen);
Sonderpreis (1.500 €): Dr. Thomas
Hartl (Österreich) für „Antibiotika:
Verantwortungsvoller Einsatz“ (ForumGesundheit.at).
32. Bayerischer Filmpreis – eine Auswahl der Preisträger. Produzentenpreis
(200.000 €): Uli Aselmann für „Das
Blaue vom Himmel“ von Hans Steinbichler; Regie (10.000 €): Tom Tykwer
für „Drei“; Darstellerin (10.000 €):
Sophie Rois für ihre Rolle in „Drei“;
Darsteller (10.000 €): Edgar Selge für
seine Rolle in „Poll“ von Chris Kraus;
Nachwuchsdarstellerin (5.000 €):
Paula Beer für ihre Rolle in „Poll“;
Nachwuchsdarsteller (je 5.000 €) Jacob
Matschenz und Burak Yigit für ihre
Rollen in „Bis aufs Blut – Brüder auf
Bewährung“ von Oliver Kienle; Nachwuchsregie (10.000 €): Sebastian Stern
für „Die Hummel“; Drehbuch (10.000 €)
und Publikumspreis: Florian David Fitz
für „Vincent will meer“ von Ralf Huettner; VGF-Preis für Nachwuchs-Produzenten der Verwertungsgesellschaft für
Nutzungsrechte an Filmwerken (60.000
€): Ralf Westhoff für „Der letzte schöne Herbsttag“; Szenenbild (5.000 €):
Silke Buhr für „Poll“; Bildgestaltung
(10.000 €): Matthias Fleischer für
„Das Lied in mir“ von Florian Cossen;
Dokumentarfilm (10.000 €): Jens
Schanze für „Plug & Pray“; Kinderfilm
(10.000 €): Holger Tappe und Reinhard Klooss für „Konferenz der Tiere“;
Ehrenpreis: Hannelore Elsner.
Prof. Dr. Klaus Böhme, langjähriger
Chefredakteur der Fachzeitschrift NL
Neue Landwirtschaft, wurde von der
Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft
(DLG) mit der Max-Eyth-Denkmünze für
Agrarpublizistik ausgezeichnet.
Christoph Boekel (München) gewann
mit seinem Dokumentarfilm „Liebesgeschichten aus Moskau 1993 – 2009“
(Baum-Film / WDR / MDR / BR) beim
Internationalen Dokumentarfilmfestival
in Saratov / Südrussland den 1. Preis.
Michael Bonewitz, u.a. Betreiber einer
Agentur für Öffentlichkeitsarbeit und
eines Verlags, wurde anlässlich seines
zehnjährigen Jubiläums als Chefredakteur der Mainz Vierteljahreshefte und
für seine vielfältigen ehrenamtlichen
Tätigkeiten von der Stadt Mainz die
Gutenberg-Statuette verliehen.
Deutscher Menschenrechts-Filmpreis –
Kategorie Profi: Ali Samadi Ahadi für
die Dokumentation „Iran Elections
2009“ (WDR / ARTE); Kategorie Filmhochschule: Catalina Molina für „Talleres Clandestinos“; Kategorie Amateur:
Güclü Yaman für das Dokumentarspiel
„Reise ohne Rückkehr – Endstation
Frankfurter Flughafen“; Kategorie Kurzfilm / Magazin: Markus Schmidt und
45
M 1– 2.2011
preise
Markus Zeidler für die Dokumentation
„Wegschauen und vertuschen?“ (WDR);
Kategorie Bildungspreis: Martina Morawietz für die Reportage „Rückkehr
ins Elend – Abschiebung der Roma ins
Kosovo“ (ZDF).
Der Deutsche Reporterpreis wird vom
Reporter-Forum vergeben, einer Initiative von Journalisten aus vielen Zeitungsund Zeitschriftenredaktionen.
Die Preisträger 2010 – Reportage:
Carolin Emcke „Der erste Schuss fällt
nach fünf Minuten“ (Zeit Magazin); Essay: Andreas Weber „Lasst sie raus!“
(Geo); Kulturreportage: Tobias Kniebe
und Alexander Gorkow „Junge Nummer Eins“ (SZ); Interview: Beate Lakotta „Ein Leben wie im Fegefeuer“
(Der Spiegel); Lokalreportage: Volker
ter Haseborg „Er wollte so gern ein
Deutscher sein“ (Hamburger Abendblatt); Freier Reporter: Mario Kaiser
„Herrn Inces Lohn“ (brand eins); Politische Reportage: Roland Kirbach „Der
Kinderknast von Lesbos“ (Die Zeit);
Web-Reportage: Felix Seuffert „After
the War“ (Agentur 2470media).
Der Dieter Baacke-Preis wird von der
Gesellschaft für Medienpädagogik und
Kommunikationskultur (GMK) sowie
dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für beispielhafte Projekte der Bildungs-, Sozial- und
Kulturarbeit verliehen. Die Preisträger
2010 - Projekte von und mit Kindern:
„Ein Plüschtier auf Reisen“, BITS 21 im
fjs e.V. (Berlin), und „Oh Schreck, Gaby
ist weg“, Kindertagesstätte Pusteblume
(Aachen). Projekte von und mit Jugendlichen: podknast.de, Justizministerium
NRW (Düsseldorf), und „Red Carpet Experience“, Ev. Versöhnungs-Kirchengemeinde Iserlohn. Interkulturelle und internationale Projekte: „euXperience“,
jfh Kubu / Bildungsmarkt e.V. (Berlin). Intergenerative und integrative Projekte:
„Spiel- und Lieblingsorte: Ein Rundgang
für die Ohren“, PH Freiburg. Projekte
mit besonderem Netzwerkcharakter:
„LEONAU.TV – Das Web-TV für St. LEOnhard & SchweiNAU“, Medienzentrum
Parabol (Nürnberg). Besondere Anerkennung: Offener Kanal Merseburg-Querfurt e.V. für seine Ferienaktionen. Die
Preise sind pro Kategorie mit 2.000 €
dotiert.
Die Europäischen Filmmusikpreise 2010
wurden beim Medienmusikkongress
SoundTrack_Cologne vergeben. Filmscore: Martin Batchelar (Großbritannien); Zusammenarbeit Komponist –
Sounddesigner: Jens Heuler und Dominik Campus (Münster); Peer Raben
46
M 1– 2.2011
Music Award für einen Kurzfilm (1.500
€): Jewgeni Birkhoff für „Jetzt ist
wichtig“. Ehrenpreis: Christian Bruhn.
Einmalig vergeben wurde ein undotierter Deutscher Fernsehmusikpreis als Zeichen gegen die Abschaffung der Musikund Kreativkategorien beim Deutschen
Fernsehpreis. Fernsehfilm: Fabian Römer für „Tatort: Weil sie böse sind“ von
Michael Proehl und Florian Schwarz
(ARD); Mehrteiler / Serie: Sven Rossenbach und Florian van Volxem für „Im
Angesicht des Verbrechens“ von Rolf
Basedow und Dominik Graf (ARD /
ARTE); Dokumentation: Michael Kadelbach für „Henners Traum – Das größte
Tourismusprojekt Europas“ von Klaus
Stern (ZDF).
23. Europäischer Filmpreis der European
Film Academy – eine Auswahl der Preisträger. Film: „Der Ghostwriter“ von Roman Polanski (Frankreich / Polen); Regie: Roman Polanski („Der Ghostwriter“); Schauspielerin: Sylvie Testud
(„Lourdes“ von Jessica Hausner); Schauspieler: Ewan McGregor („Der Ghostwriter“); Drehbuch: Robert Harris und
Roman Polanski („Der Ghostwriter“);
Kamera: Giora Bejach („Lebanon“);
Schnitt: Luc Barnier und Marion Monnier („Carlos“ von Olivier Assayas);
Szenenbild: Albrecht Konrad („Der
Ghostwriter“); Filmmusik: Alexandre
Desplat („Der Ghostwriter“); Europäische Entdeckung 2010: „Lebanon“ von
Samuel Maoz (Israel); Kurzfilm: „Hanoi
– Warszawa“ von Katarzyna Klimkiewicz (Polen); Prix ARTE Dokumentarfilmpreis: „Nostalgia de la luz“ von
Patricio Guzmán (Frankreich / Deutschland / Chile); Publikumspreis: „Mr. Nobody“ von Jaco van Dormael (Belgien); Ehrenpreise: Schauspieler Bruno
Ganz für sein Lebenswerk und Komponist Gabriel Yared für seinen „europäischen Beitrag zum Weltkino“.
32. Filmfestival Max Ophüls Preis in
Saarbrücken – eine Auswahl der Preisträger. Hauptpreis (18.000 €): „Der
Albaner“ von Johannes Naber
(Deutschland); Spezialpreis der Jury:
„Inside America“ von Barbara Eder
(Österreich); Filmpreis des saarländischen Ministerpräsidenten (5.500 €):
„Fliegende Fische müssen ins Meer“
von Güzin Kar (Schweiz / Deutschland);
Kurzfilmpreis (5.000 €): „Zwischen Himmel und Erde“ von York-Fabian Raabe
(Deutschland); SR/ZDF-Drehbuchpreis
(13.000 €): zu gleichen Teilen an
„Abgebrannt“ von Verena S. Freytag
(Deutschland) und „Der Mann, der über
Autos sprang“ von Nick Baker Monteys (Deutschland); Förderpreis der
DEFA-Stiftung (4.000 €): „Anduni –
Fremde Heimat“ von Samira Radsi
(Deutschland); Dokumentarfilmpreis
(7.500 €): „The Other Chelsea“ von Jakob Preuss (Deutschland); Nachwuchsdarstellerin (3.000 €): Sarah Horváth;
Nachwuchsdarsteller (3.000 €): Burak
Yigit; Preis für mittellange Filme (5.000
€): „Halbe Portionen“ von Martin
Busker (Deutschland); Publikumspreis
(3.000 €): „Der Sandmann“ von Peter
Luisi (Schweiz); Interfilmpreis (2.000 €):
„Silberwald“ von Christine Repond
(Schweiz).
Georg von Holtzbrinck Preis für Wirtschaftspublizistik 2010 - Print (5.000 €):
Autorenteam Beat Balzli, Michaela
Schießl und Thomas Schulz für die
Artikel „Der Mann, der zu viel wusste“
und „Trio Infernale“ (Der Spiegel); Elektronische Medien (5.000 €): Autorenteam Ingolf Gritschneder und Georg
Wellmann für die Sendungen „Karstadt
– Der große Schlussverkauf“ und „Unterirdisch – Der Kölner U-Bahnbau“
(WDR Fernsehen); Online: kein Preis;
Nachwuchs (je 2.500 €): Sven Prange
(Handelsblatt) und Felix Rohrbeck (Die
Zeit).
German Paralympic Media Award
2010 – Print / Foto: Arno Schupp (Weser-Kurier, Bremen); Radio / TV: Cornelia
Linse (MDR 1 Radio Sachsen-Anhalt);
Online: Fabian Vögtle (schekker.de, das
Online-Jugendmagazin des Presse- und
Informationsamtes der Bundesregierung); Ehrenpreis: Arno Schade, langjähriger ehrenamtlicher Medienvertreter
und Pressesprecher der deutschen Paralympics-Mannschaften.
Ulrich Heyden, Korrespondent in Moskau (u.a. Sächsische Zeitung), wurde
von der russischen Organisation Mediasojus für seinen „Beitrag im internationalen Journalismus“ zusammen mit
sieben Journalisten aus EU-Staaten ausgezeichnet.
Das Hörspiel „Memory Loops - 300 Tonspuren zu Orten des NS-Terrors in München 1933 - 1945“ (BR) der Künstlerin
Michaela Melián wurde von der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste als Hörspiel des Jahres 2010 ausgezeichnet.
Florian Huber, Claudia Moroni und
Willi Waschull erhielten für die Dokumentation „Duell in den Wolken – Der
letzte Flug des kleinen Prinzen“ („Terra
X“, ZDF) den Deutschen Journalistenpreis für Luft- und Raumfahrt 2010 in
der Sparte Fernsehen.
IFD-Medienpreis 2010 der Initiative Finanzstandort Deutschland - 1. Preis
(10.000 €): Bernd Wittkowski für den
Artikel „Non-Profit-Banking“ (BörsenZeitung); 2. Preis (5.000 €): Mark
Schieritz, Heike Buchter und Arne
Storn für den Beitrag „Sind Spekulanten böse?“ (Die Zeit).
Journalistenpreis Bürgerschaftliches
Engagement 2010 der Robert Bosch
Stiftung – Print: Ariane Heimbach für
die Reportage „Elvis, einer von uns“
(Magazin chrismon plus); Hörfunk:
Anja Rosenow-Sottorf für ihre Reportage „Heiles Herz für Mubarak – Das
Hamburger Albertinen-Krankenhaus
hilft afghanischen Kindern“ („Lokaltermin“, NDR Info); Fernsehen: Markus
Henssler und Sebastian Georgi für
den Beitrag „Rollis für Afrika – ein
Rollstuhl, ein Leben!“ („Auslandsreporter“, SWR); Marion-Dönhoff-Förderpreis
für Printjournalisten unter 30 Jahren
(5.000 €): Vanessa Seifert für den
Artikel „Musik gegen den Tod“ (Hamburger Abendblatt). Der Preis ist mit je
10.000 € dotiert.
Der Journalistenpreis der ERGO Direkt
Versicherungen wurde erstmals vergeben. Print: 1. Preis: Frank Donovitz,
Elke Schulze, Joachim Reuter und
Rolf-Herbert Peters für „Das große
ABC der Versicherung“ (Stern); 2. Preis:
Carsten Jasner für „Gefühlte Sicherheit“ (brand eins); 3. Preis: Hilmar
Poganatz für „Mehr Sicherheit – dank
Risiko“ (Zeitschrift Emotion). Online:
1. Preis: Internet-Auftritt der Sendung
„Nackt, aber sicher?“ („Quarks & Co“,
WDR Fernsehen); 2. Preis: Verena Töpper für „Das Leben hängt am Gartenschlauch“ (Spiegel Online); 3. Preis:
Werner Eckert für das Radiofeature
„Risiko-Kommunikation“ (SWR Online).
Die Auszeichnung war mit jeweils 5.000
€ (1.Preis), 2.500 € (2. Preis) und 1.000
€ (3. Preis) dotiert.
Journalistenpreis der Landwirtschaftskammer Niedersachsen – 1. Preis
(1.500 €): Anna Sprockhoff (Landeszeitung Lüneburg); 2. Preis (1.000 €):
Gabriele Schulte (Hannoversche Allgemeine Zeitung); 3. Preis (500 €):
Peer Körner (dpa).
Journalistenpreis des Presseklubs
Bremerhaven-Unterweser e.V. – 1. Preis
(750 €): Maren Beneke (Weser-Kurier,
Bremen); 2. Preis (500 €): Julia Böhme
(Nordsee-Zeitung, Bremerhaven) und
Mounia Meiborg (Weser-Kurier,
Bremen); 3. Preis (250 €): Stephan
Glesers (Wilhelmshavener Zeitung).
preise
Der KAUSA-Medienpreis wurde erstmals 2010 vom Bundesministerium für
Bildung und Forschung (BMBF) ausgeschrieben, um junge Journalistinnen
und Journalisten zu unterstützen, „die
zu einer differenzierten Berichterstattung über kulturelle Vielfalt in Berufsbildung und Arbeitswelt beitragen“.
Organisiert wurde der Wettbewerb von
der Koordinierungsstelle Ausbildung bei
Selbstständigen mit Migrationshintergrund (KAUSA) beim Bundesinstitut für
Berufsbildung. Print / Online: 1. Anna
Kistner (SZ), 2. Nicole Lauscher
(Freundin), 3. Hannah Menne; Hörfunk:
1. Mareike Gries (SWR 2) und Marianna Mamonova (Alex Radio Berlin),
3. Basak Demir (WDR); Fernsehen:
1. Vivian Perkovic (WDR Fernsehen),
2. Elisabeth zu Eulenburg (ZDF),
3. Katharina Kerzdörfer (BR Fernsehen). Die Preisgelder betrugen insgesamt rund 25.000 €.
Hans Werner Kilz, Ex-Chefredakteur
der SZ, wurde mit der Carl-ZuckmayerMedaille des Landes Rheinland-Pfalz
ausgezeichnet.
Herbert Knur, Direktor der Akademie
der Bayerischen Presse (München),
und Siegfried Hännl, der u.a. Chef der
Regionalausgaben der SZ, des BayernRessorts und der Reportageseite sowie
Chefredakteur des Fränkischen Tags
war, wurden für ihre Verdienste um
die Aus-, Fort- und Weiterbildung des
publizistischen Nachwuchses von der
Akademie für Neue Medien in Kulmbach (Bildungswerk) e.V. mit dem
Johann-Georg-August-Wirth-Preis ausgezeichnet.
Dieter Kosslick, Leiter der Internationalen Filmfestspiele Berlin, erhielt den
B.Z.-Kulturpreis in der Kategorie Film.
Der Nachwuchs-Pressepreis „Goldene
Feder“ wird von fjp>media (Verband
junger Medienmacher in Sachsen-Anhalt), dem Kultusministerium und dem
Sozialministerium des Landes SachsenAnhalt vergeben. Die Preisträger 2010 –
Nachwuchsjournalistin: Alina Maria
Pöhl (Eilsdorf). Schülerzeitung – Gymnasium: „Das Martinshorn“ vom Gymnasium Martineum (Halberstadt);
Sekundarschule: „Petripost“ (Schwanebeck); Grundschule: „Die SchülerRakete“ (Magdeburg); Förderschule:
„Laky-News“ der Reinhard LakomySchule (Halberstadt); weitere Schulen:
„Euro Report“ der Euro-Schulen (Halle).
Sonderpreis „Wir sind stark“: „BAGZSchool News“ (Grundschule Bad
Schmiedeberg), „Das Lindenblatt“ (För-
derschule Gräfenhainichen), „Petripost“
(Schwanebeck) und „Reality“ (KurfürstJoachim-Friedrich-Gymnasium Wolmirstedt). Der Preis ist mit 500 € je Kategorie dotiert. Fjp>media erhielt einen
mit 1.000 € dotierten Ehrenpreis des
Sozialministeriums.
Das zweisprachige Kindermagazin
National Geographic World (G+J)
gewann mit der Sommerausgabe 2010
zum Thema Dinosaurier, der eine spezielle Software beilag, den Innovationspreis der Deutschen Druckindustrie in
der Kategorie Druckprodukte / Crossmediale Vernetzung Print-Online.
Die Niederelbe-Zeitung (Otterndorf)
erhielt für das Projekt „Kinderreporter“
den mit 2.000 € dotierten 3. Preis des
„Kinder-haben-Rechte“-Preises 2010,
der vom Land Niedersachsen und vom
Landesverband Niedersachsen des
Deutschen Kinderschutzbundes vergeben wird.
Annette Ramelsberger, bei der SZ
stellv. Ressortleiterin München / Region /
Bayern, wurde mit der Verfassungsmedaille des Freistaates Bayern in Silber
ausgezeichnet.
Reporter ohne Grenzen (ROG) wurde im
Rahmen der kress Awards 2010 des
Mediendienstes kressreport für die Bildbandserie „Fotos für die Pressefreiheit“
in der Kategorie „Relaunch des Jahres“
ausgezeichnet. Den „OMS Award –
Konvergenz Print/Online“ gewann die
Welt-Gruppe für ihre Social MediaOffensive in Welt kompakt.
Die „Rückblende 2010 - der deutsche
Preis für politische Fotografie und Karikatur“ wird vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) getragen. Karikaturenpreis – 1. Preis (5.000
€): Reiner Schwalme (Sächsische Zeitung); 2. Preis (2.000 €): Ioan Cozacu
(Thüringische Landeszeitung); 3. Preis
(1.000 €): Martin Erl (Saarbrücker Zeitung). Politische Fotografie – 1. Preis
(7.000 €): Fabrizio Bensch (Reuters);
2. Preis: Ina Fassbender (Reuters);
3. Preis: Axel Schmidt (dapd).
vom Förderkreis der Europa-Universität
Viadrina (Frankfurt / Oder) vergeben wird.
UmweltMedienpreis der Deutschen Umwelthilfe – Printmedien: Dagmar Dehmer Politikredakteurin beim Berliner
Tagesspiegel; Hörfunk: Katja Huber,
Redakteurin der Sendereihe „ZündfunkGenerator“ (BR 2) sowie Florian Fricke
für den Beitrag „Apocalypse später“
und Matthias Leitner für „Die Praxis
der Utopisten“ (Zündfunk-Generator“,
BR 2); Film: Werner Boote, Autor und
Regisseur des Kinofilms „Plastic Planet“;
Neue Medien: Dr. Felix Kolb, Dr. Günter Metzges und Christoph Bautz, die
Initiatoren der Internet-basierten Nichtregierungsorganisation Campact (campact.de); Sonderpreis: Adrienne Goeh-
ler, Kuratorin, und Jaana Prüss,
Projektleiterin der Ausstellung „Zur
Nachahmung empfohlen – Expeditionen
in Ästhetik und Nachhaltigkeit“.
Hildegard Werth, Koordinatorin und
Reporterin für Wissenschaftsthemen in
der ZDF-Hauptredaktion Aktuelles, erhält die Medaille für Naturwissenschaftliche Publizistik der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG).
Hörspielautor Hubert Wiedfeld, Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller in ver.di, erhielt den Günter-EichPreis der Medienstiftung der Sparkasse
Leipzig.
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Andreas Schirmer, langjähriger dpaSportjournalist, zuletzt Sportchef für
NRW, wurde mit dem Medienpreis des
Deutschen Leichtathletik-Verbandes
(DLV) ausgezeichnet.
Der Filmregisseur Volker Schlöndorff
erhielt für seine Verdienste um die
deutsch-polnische Verständigung den
mit 2.500 € dotierten Viadrina-Preis, der
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M 1– 2.2011