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Aktuelle Trends aus Kenia
17.01.2014
Ausbau von Windparks, sanierungsbedürftige Stromleitungen, Aufwertung der Eisenbahn
- Infrastruktur hat absolute Priorität / Von Martin Böll
Nairobi (gtai) - Kenia will mit allen Mitteln seine Infrastruktur verbessern. Priorität hat die Stromversorgung,
während die Eisenbahn eine Renaissance erlebt. Finanziert wird durch Kredite und öffentlich-private PPP.
Selbst der IWF wird wieder umworben. Dank der neuen Infrastruktur soll das Wirtschaften billiger und Kenia
konkurrenzfähiger werden. Dass dies nicht reicht, erfährt derzeit der Blumensektor. Germany Trade & Invest
berichtet regelmäßig über aktuelle Trends aus Kenia als Erstinformation.
Neuer Windpark geplant
Der staatliche kenianische Stromerzeuger KenGen will in Meru, am Fuße des Mt. Kenya, eine 100-MW-Wind­
kraftanlage errichten. Dies wäre die zweitgrößte des Landes nach dem 300-MW-Turkana-Vorhaben, das 2016
ans Netz gehen soll. Eine Durchführbarkeitsstudie liege bereits vor, sagt KenGens geschäftsführender Direktor,
Simon Ngure. Das Unternehmen erzeugt derzeit 5,1 MW durch Windkraft. Im März 2014 kommen 6,8 MW von
einem Projekt auf den Ngong-Bergen hinzu und im September 2014 weitere 13,6 MW. Das Unternehmen prüft
derzeit zusätzliche zwölf potenzielle Standorte und glaubt, binnen der nächsten vier Jahre insgesamt 630 MW
durch Windkraft erzeugen zu können. KenGen steht nach eigenen Angaben 2014 ein Investitionskapital von um­
gerechnet 1,2 Mrd. US$ zur Verfügung. Das Unternehmen verkauft seinen Strom bislang exklusiv an die eben­
falls staatliche Kenya Power.
Die US-amerikanische General Electric hat unterdessen einen Auftrag für die Lieferung von 38 Turbinen mit je­
weils 1,6 MW Leistung für den kenianischen Kinangop-Windpark gewonnen. Der 150 Mio. US$ teure 60,8-MWPark soll Mitte 2015 ans Netz gehen. Entwicklungsgesellschaft ist das privatwirtschaftlich aufgestellte Unter­
nehmen Aeolus Kenya, Bauunternehmer Iberdrola Engineering.
Stromleitungen werden saniert
Der kenianische Stromdistributor Kenya Power erhält einen 370-Mio.-US$-Kredit, um sein Stromnetz erweitern
und modernisieren zu können. Das Darlehen wurde möglich, weil Kenya Power erfolgreich Strompreiserhöhun­
gen durchsetzen und damit sein Kredit-Standing verbessern konnte. Die geplante Ausgabe von Corporate
Bonds/Eurobonds ist damit erst einmal vom Tisch. Das Unternehmen braucht nach eigener Einschätzung 1,83
Mrd. US$, wenn es sein marodes Netz sanieren, die hohen Stromverluste verhindern und die künftige Nachfrage
befriedigen will.
Ehrgeizige Kraftwerkspläne
Kenia hat zehn Firmen und Konsortien gebeten, Angebote für ein 900-MW-Kohlekraftwerk abzugeben. Weitere
zwölf sollen für ein 700-MW-Gaskraftwerk bieten. Vorausgegangen waren Interessensbekundungen von insge­
samt 60 Unternehmen. Kenia hat das ehrgeizige Ziel, binnen der nächsten 40 Monate rund 5.000 MW an neuen
Kraftwerkskapazitäten ans Netz zu bringen. Die Kostenschätzung liegt bei 17,5 Mrd. US$. Aktuell hat das Land
eine installierte Kapazität von 1.700 MW, von denen wegen "Systemverlusten" nur 1.375 MW zur Verfügung ste­
hen.
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Die neuen Kapazitäten sollen für eine aufzubauende Eisen- und Stahlindustrie (2.000 MW), eine neue Normal­
spureisenbahn (1.175 MW), neue IT-Parks (675 MW) und das Lapsset-Projekt (350 MW; Lamu Port South Sudan
Ethiopia Transport Corridor) zur Verfügung stehen.
Geplante neue Kraftwerkskapazitäten
Energieträger
MW
Geothermie
1.600
Kohle
1.920
Wind
650
Flüssiggas
700
Summe
=SUM(ABOVE) 4.870
Quelle: "The East African", 11. bis 17.1.14
Westkenia träumt von regionalem Eisenbahnnetz
Kaum dass der erste Spatenstich für die neue Normalspureisenbahn von Mombasa nach Nairobi und dann wei­
ter zur Grenze mit Uganda erfolgt ist, träumen die Western Counties Kenias bereits von einem neuen Eisen­
bahnzeitalter: Nach ihren Überlegungen soll in ihren Landkreisen ein umfassendes Eisenbahnnetz von 500 km
Länge und mit 57 Stationen geschaffen werden und Kakamega, Homa Bay, Kisii, Nyamira, Kericho und Nandi
miteinander verbinden sowie an die neue Normalspureisenbahn angeschlossen werden. Diese wird, so die opti­
mistische Annahme, 2018 die Stadt Kisumo am Viktoriasee erreichen. Die finnische Beraterfirma Pöyry soll für
das westkenianische Eisenbahnnetz bereits ein Konzept erarbeitet haben, berichtet die kenianisches Tageszei­
tung "Daily Nation".
Kenia hat aus der Kolonialzeit ein umfassendes Schmalspureisenbahnnetz von 2.730 km geerbt, das dann aber
weitgehend verfiel. Ende November 2013 erfolgte der offizielle Baubeginn für eine 13,8 Mrd. US$ teure Normal­
spureisenbahn von Mombasa über Nairobi zur kenianisch-ugandischen Grenzstadt Malaba. Von dort geht es
weiter in die ugandische Hauptstadt Kampala und die ruandische Hauptstadt Kigali. Auch das südsudanesische
Juba soll eines Tages angeschlossen werden.
Die VR China hat bislang zugesagt, von den Kosten für die Mombasa-Nairobi-Strecke von etwa 7 Mrd. US$ rund
5,2 Mrd. US$ zu übernehmen. Die staatliche chinesische China Road and Bridge Corp. soll die Strecke bis 2017
bauen. Die kenianische Antikorruptionsbehörde hat unmittelbar nach Baubeginn Untersuchungen eingeleitet
und will ermitteln, warum das Projekt ohne Ausschreibung freihändig vergeben wurde. Ein Parlamentsausschuss
will sich ebenfalls mit dem Thema beschäftigen. In der Presse wird über Korruption spekuliert, zudem wurden
Zweifel laut, ob das chinesische Unternehmen im Eisenbahnbau überhaupt ausreichende Erfahrungen habe. Der
kenianische Vizepräsident William Ruto verteidigte die Entscheidung: Die Präsidenten Kenias und Chinas hätten
das Geschäft persönlich vereinbart, deshalb sei alles in Ordnung und es bedürfe keiner Ausschreibung.
Weltbank hilft bei Erdöl-Masterplan
Kenia steht vor der schwierigen Aufgabe, eine Roadmap für eine etwaige Öl- und Gasförderung sowie die an­
schließende Verarbeitung und den Transport zu erstellen. Das Land bekommt nun Hilfe von Experten im Auftrag
der Weltbank. Im Wesentlichen geht es um Fragen des Transports in Pipelines, die Lagerung, die Weiterverarbei­
tung und den Vertrieb. Der Plan soll vorsorglich für den Fall erstellt werden, dass Kenia überhaupt kommerziell
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verwertbare Vorkommen findet. Während sich die Regierung dessen sicher wähnt, warnen Insider vor voreiligen
Schlüssen. Es müssten noch viele weitere Bohrungen niedergebracht werden, heißt es. Die bisherigen Funde sei­
nen zwar ermutigend, mehr als die Rechtfertigung für weitere Bohrungen lieferten sie bislang jedoch nicht. Das
Öl ist zudem extrem zähflüssig und erkaltet an der Erdoberfläche schnell zu einem zähen Teer, der für einen
Pipelinetransport erst teuer wieder verflüssigt werden müsste.
Mit Hilfe des angestrebten Masterplans will die Weltbank die kenianische Bürokratie und den Gesetzgeber auf
die anstehenden Aufgaben einstimmen. Dazu zählen auch sensible Fragen der Landnutzung für die Pipelinever­
legung und die Koordinierung von verschiedenen Behörden. Die Weltbank will in Kürze ein geeignetes Berater­
unternehmen beauftragen.
Kostenexplosion gefährdet Gartenbausektor
Kenia droht seine Vormachtstellung als ein wichtiger Exporteur von Gartenbauprodukten zu verlieren. Eine Rei­
he von Problemen gefährdet den Sektor, sagt die Kenya Investment Authority. So seien die Produktionskosten
binnen eines Jahres um 30% gestiegen, bedingt vornehmlich durch höhere Strompreise, teurere Vorprodukte
und heraufgesetzte Löhne. Zudem seien die wichtigen Handelsgespräche zwischen der Ostafrikanischen Ge­
meinschaft und der EU noch nicht abgeschlossen. Wenn bis Oktober 2014 keine Einigung erzielt wird, dürfte Ke­
nia Zollvorteile in der EU verlieren.
Die Behörde sieht die Gefahr, dass sich vor allem europäische Blumenimporteure anders orientieren könnten. So
würde Äthiopien wettbewerbsfähiger, während Indien auf dem Sprung sei, Kenia in ein paar Jahren als Blumen­
exporteur den Rang streitig zu machen. Kenia ist derzeit der zweitgrößte Blumenexporteur der Welt nach Ko­
lumbien und der größte Blumenlieferant der EU. Kenia ist ferner der zweitgrößte Exporteur von Gartenbauer­
zeugnissen in Subsahara-Afrika nach Südafrika. Blumen machen derzeit knapp ein Zehntel der kenianischen Ex­
porte aus. Nach Erhebungen der Horticultural Crops Development Authority exportierte das Land 2012 Blumen
im Wert von 503 Mio. US$. Im Jahr zuvor waren es 523 Mio. US$. Der kenianische Blumensektor beschwert sich
darüber, 41 verschiedene Steuern und Abgaben zahlen zu müssen. Demnächst kämen sogar weitere neue kom­
munale Abgaben hinzu. Dabei verschweigt der Sektor geflissentlich, dass die großen Gewinne bei "Zwischen­
händlern" in Steueroasen wie dem Emirat Ra's al-Chaima oder den Jungferninseln gemacht werden.
Ausländische Investoren verschmähen Kenia
Kenia hat im Finanzjahr 2012/13 (1.7. bis 30.6.) ausländische Direktinvestitionen von lediglich 188 Mio. US$ ange­
zogen, berichtet die einheimische Tageszeitung "Business Daily" unter Berufung auf neue Weltbank-Zahlen.
Uganda und Tansania hätten dagegen im gleichen Zeitraum 1,8 Mrd. beziehungsweise 1,5 Mrd. US$ bekommen.
Kenia müsse dringend seine wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern, wenn es für ausländische Inves­
toren attraktiv werden wolle, sagt die Bank. Im letzten "Doing Business Ranking" der Weltbank landete Kenia
auf dem 129. Platz, im Jahr 2008 noch auf Platz 72.
Verhandlungen mit dem IWF
Kenia hat den Internationalen Währungsfonds gebeten, eine "Sicherheits-Fazilität" bereitzustellen, um darauf
im Krisenfall kurzfristig zurückgreifen zu können. Die Rede ist von 750 Mio. US$. Noch Ende Januar 2014 will das
Land ferner einen Eurobond in Höhe von 1,5 Mrd. US$ auflegen. Der Bond sollte bereits 2007 aufgelegt werden,
was dann aber an der Finanzkrise und den Unruhen in Kenia gescheitert war. Mit dem Geld sollen vornehmlich
Infrastrukturprojekte finanziert werden.
(M.B.)
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