Seniorenzeitung Nr 61.indd

Transcription

Seniorenzeitung Nr 61.indd
ZUM
Sicht
MITN
EHM
Ausgabe 61
EN
September, Oktober und
November 2014
Arnsberger GenerationenMagazin
Mit großem Sonderbericht:
Klimawandel und die Ruhr in Arnsberg
Jede Zeit hat ihre Schönheit
Sicht
Nr. 61 Seite 2
INHALT
Die Geburtstagsrede ........................................................... 2
„Prima ist der Klimawandel ...
auch für den Gemüsehandel“ ............................................. 3
Danke an die fleissigen Sammler ....................................... 4
Vorstellung des Buches „Knast“ von Joe Bausch ............... 5
? bunt gemischt ! ................................................................. 5
4. Benefizkino ..................................................................... 6
Teatron Theater - Kinder von Damals ................................. 7
Festung des Abendlandes ................................................. 8
Seneka - Bildung für alle Herbstsemester 2014 ... ........... 10
Patientenverfügung in 30 Sekunden - (k)eine
außergewöhnliche Geschichte ......................................... 11
Kommen Sie mit ...? Fantasie und Wirklichkeit ................ 12
Seniorennachmittag in Alt-Arnsberg ................................. 13
Der Seniorenbeirat informiert - Einladungen zu den
Seniorennachmittagen Neheim und Hüsten ...................... 14
Senioren-Treffpunkt .......................................................... 15
Die schwarze Hand .......................................................... 16
Früher bei uns im Dorf ....................................................... 18
KIDZELN - Kindern Demenz erklären ............................... 20
Von 0 auf 100 in elf Leben - GEO-Foto-Ausstellung ........ 22
Die BAGSO fordert bezahlbares Wohnen im Alter und die
Schaffung zukunftsorientierter Wohn- und Lebensformen 24
Einladung zur 6. Arnsberger Oldie-Party ......................... 25
Busbegleiter-Ausflug ......................................................... 26
Notfallschilder an den Bänken des Ruhrtalradweges ......... 27
Mit dem Panzer zum Rendevous ...................................... 28
Das geschlechtergerechte Ehrenamt - „Not an Mann!“ .... 29
Aus dem Tagebuch eines Pensionärs .............................. 30
Deutsch-Japanisches Symposium 2014 in Arnsberg
Natürlich war der Anfang nicht leicht ... ............................ 32
... altern heißt Leben - es beginnt nach der Geburt ... ....... 34
Der Seniorenbeirat informiert - Vorankündigung .............. 34
Lösungen zu ? bunt gemischt ! ......................................... 34
Deutsch-Japanisches Symposium 2014 in Arnsberg
„Begegnungen gestalten Zukunft“ .................................... 35
Text von Natsuno Ikeda in japanischen Schriftzeichen ..... 36
Deutsch-Japanisches Symposium 2014 in Arnsberg
Mein Engagement für Demenzkranke .............................. 37
Reife Früchte treffen junges Gemüse................................ 38
Die SICHT empfiehlt ... Alte Menschen haben graue Haare . 38
Im Herbstwind.................................................................... 39
Rückwärts ... ..................................................................... 39
An Änne!
Am Abend des 16. April 1915 ........................................... 40
Sonntags-Treff in Hüsten .................................................. 42
Finden Sie die Tiere ........................................................... 42
Buchvorstellung: Arnsberg weltweit .................................... 43
Voßwinkeler Rückblicke ..................................................... 44
Voßwinkel in den Jahren von 1933 bis 1939 ..................... 45
Lass‘ und geh‘n ................................................................. 45
Gender - Was ist das eigentlich? ....................................... 46
Der 77. Geburtstag ........................................................... 47
Bilderrätsel SICHT - Ausgabe 61 ...................................... 48
Auflösung SICHT - Ausgabe 60 ......................................... 48
Unerhört schön ................................................................. 49
Das Geld ... ....................................................................... 49
War es Mord? .................................................................... 50
Sonderbeitrag - Klimawandel und die Ruhr in Arnsberg.... 51
Impressum ...................................................................... 55
Bildquellennachweis ......................................................... 55
Streichholzrätsel ............................................................... 55
Pinnwand ........................................................................ 56
Die Geburtstagsrede
Ernst Bode
Wer neunzig wird der soll sich schämen;
die Rentenkasse so auszunehmen!
Das ist arg und hinterlistig
so’n Kerl versaut doch die Statistik.
Denn schließlich muss der deutsche Mann,
malochen bis er nicht mehr kann!
Am besten so bis siebenundsiebzig.
Dann muss er sterben - laut Statistik!
Der Staat spart dadurch allerhand,
und schickt das Geld nach Griechenland.
Dann haben die armen Krankenkassen!
Ihr Leute, das ist nicht zu fassen.
20 Milliarden in der Hinterhand,
ist denen zu wenig für unser Land!
Die Rentenbeiträge können sie nicht senken,
denn wir müssen an die Zukunft denken.
Das sparen ist bei denen Mode;
die sparen sich noch mal zu Tode!
… wenn Sie sich,
liebe Leserinnen und Leser unserer SICHT,
einmal als Dichterin oder Dichter,
als Lyrikerin oder Lyriker
versuchen möchten;
bei uns haben Sie die Möglichkeit und
Gelegenheit Ihre Gedanken zu
veröffentlichen.
Egal ob zu den Jahreszeiten,
bestimmten Feiertagen, wie Ostern oder
Weihnachten, zu Geburtstagen, Hochzeiten
oder einfach zum Weltgeschehen.
Senden Sie Ihre Werke an die
Fachstelle „Zukunft Alter“
der Stadt Arnsberg,
Clemens-August-Straße 120
59821 Arnsberg
oder per email an:
[email protected]
Sicht
Nr. 61 Seite 3
„Prima ist der Klimawandel …
auch für den Gemüsehandel“
Akademie 6 bis 99 unterwegs - Thema: Klimawandel
Der globale Klimawandel ist ein abstraktes und schwer greifbares Phänomen - dennoch wird er
die Art und Weise, wie wir unsere Städte planen und bauen, wie wir arbeiten, wohnen und leben,
nachhaltig verändern.
Was treibt die asiatische Tigermücke nach
Deutschland? Warum wird in MecklenburgVorpommern neuerdings Weinbau betrieben?
Welche Schuhgröße hat mein CO2-Fußabdruck? Warum packen wir unsere Häuser immer dicker ein, obwohl es doch immer wärmer
wird?
Diese und viele andere Fragen rund um den
Klimawandel werden wir in der Akademie 6
bis 99 am Samstag, den 20. September 2014,
spielerisch und experimentell beantworten.
Jung und Alt werden hier hautnah erleben
können, welchen Einfluss der Klimawandel
auf uns hier in Arnsberg und der Region haben wird.
Referenten:
Sebastian Marcel Witte, Klimaschutzmanager
Stadt Arnsberg
Dr. Mark Fleischhauer,
Technische Universität Dortmund
Datum: Samstag, 20. September 2014, 10:30 - 14:00 Uhr
Treffpunkt: R-Café, Dicke Hecke 30, 59755 Arnsberg
Als die Feuerwehr ankam,
war das Haus schon ohne ihre Hilfe abgebrannt.
(Aus einem Schüleraufsatz)
Sicht
Nr. 61 Seite 4
DANKE AN DIE FLEISSIGEN SAMMLER
Anni und Uwe Künkenrenken
Wieder einmal konnten wir, Dank Ihrer Hilfe, ein großes Paket voller Briefmarken an die Briefmarkenstelle Bethel senden.
Dazu schreibt Pastor Ulrich Pohl von der Briefmarkenaufbereitungsstelle Bethel:
Dieses Dankeschön möchten wir gerne an Sie weitergeben.
Helfen Sie mit, in Bethel wichtige Arbeitsplätze zu erhalten.
Gemeinsam sammeln, sammeln Sie mit:
„Fachstelle Zukunft Alter“, Clemens-August-Straße 120, 59821 Arnsberg
Sicht
Nr. 61 Seite 5
Vorstellung des Buches „Knast“ von Joe Bausch
Rolf Hilje
In Anlehnung an meinen Artikel „War es Mord?“
(Seite 50 in dieser Ausgabe) möchte ich kurz
das Buch des Autors Joe Bausch – „Knast“ –
vorstellen. Er berichtet über seine Tätigkeit als
Gefängnisarzt in Werl und in sehr eindrucksvoller Weise über den Alltag in der Justizvollzugsanstalt. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schreibt dazu: „Das Buch öffnet
ein Fenster zu einer Welt, von deren Wirklichkeit wir keine Ahnung haben.“ Es handelt primär vom Zustand des Strafvollzugs und nicht
von Einzelschicksalen. Zunächst geht der Autor von der Erkenntnis aus, dass die Insassen
nicht deshalb einsitzen, weil sie so nette, rücksichtsvolle Zeitgenossen sind. Der Knast ist
im Gegensatz zum Leben in Freiheit eine Parallelwelt mit einigen Gesetzen und Umgangsformen. Ein Beispiel dafür ist die in meinem
Artikel angesprochene Hierarchie. Grundsätzlich ist festzustellen, dass unsere Gesellschaft
nicht nur aus Musterexemplaren an Tüchtigkeit
und Verantwortungsbewusstsein besteht. Sie
besteht auch aus den sogenannten Verlierern,
aus den Zukurzgekommenen, aus den Untüchtigen und aus den Schuldigen. Dies wird
uns durch die Berichterstattung in den Medien
täglich vor Augen geführt. Unsere Gesellschaft
muss deshalb von ihrer Buchführung, wenn sie
redlich ist, die Habenpositionenebene genau führen und ausweisen, wie ihr Defizitäres, wie ihr
Soll. Die Verpflichtung zum sozialen Handeln ist permanent. Das Buch ist nicht nur spannend zu
lesen, sondern der Autor macht deutlich, dass trotz unseres Wissens über die Allgegenwart von
Untaten, Verbrechen und Schuld auch für den Strafvollzug die Verpflichtung zum Sozialen gilt.
? bunt gemischt !
1.
2.
3
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
Eau de Cologne ist?
Was ist U2?
Afghanistans Hauptstadt?
Ikarus war?
Was bezeichnet man als Airbag?
Eine Nabe ist das?
Was ist ein Taifun?
Der Bajazzo ist?
Was ist ein Nabob?
„Da capo“ bedeutet?
11.
12.
13.
14.
15
16.
17.
18.
19.
20.
Gottlieb Daimler war?
Stauden sind?
Der Faaker See liegt in?
Was besagt obligat?
Konard Adenauer wurde wie alt?
Ypsilon ist?
Den Sauerampfer findet man?
Die Quadriga ist?
Was ist Lamee?
Eine Kaution leistet man als?
Sicht
Nr. 61 Seite 6
4. BENEFIZKINO
im Residenz-Kino-Center in Arnsberg wieder ein voller Erfolg 3.300 Euro konnten an die Hospizstiftung Arnsberg-Sundern
übergeben werden
Edwin Müller
Auch in diesem Jahr war das nun in Arnsberg schon zur Tradition gewordene und beim Publikum
sehr beliebte BENEFIZKINO zugunsten der Hospiz-Stiftung in Arnsberg wieder ein voller Erfolg.
Mit 274 Teilnehmern war das Kino fast bis auf den letzten Platz ausverkauft. Das Publikum war
von dem sehr sehenswerten Film „Sein letztes Rennen“ mit Dieter Hallervorden begeistert und
von den schauspielerischen Leistungen emotional stark beeindruckt.
So ergaben der Kartenverkauf und die Spendenaktion einen Gesamterlös von 3.300 Euro, der an
die Hospizstiftung übergeben werden konnte.
Damit sind nun mit dieser 4. Aktion mehr als 13.000 Euro an die Hospiz-Stiftung gegangen, deren
vorbildliche Arbeit vor Filmbeginn von Frau Elisa Witteler, der Leiterin des ambulanten Hospizes
für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Sternenweg sowie Frau Maria Stute, Leiterin des stationären Hospizes Raphael vorgestellt worden war.
Präsentiert wurde dieses erfolgreiche Gemeinschaftsprojekt, das natürlich auch 2015 wieder
starten soll, wie immer vom Lions-Club Arnsberg-Sundern, dem Residenz-Kino-Center mit Herrn
Huber Nieuwdorp und dem Seniorenbeirat der Stadt Arnsberg.
Zusätzlich unterstützt wurde das Benefizkino auch in diesem Jahr von der Bäckerei Vielhaber,
Sundern-Stockum, der Sparkasse Arnsberg-Sundern, der Veltins Brauerei, dem Hotel Menge
und der Firma Wosberg aus Arnsberg.
Sicht
Nr. 61 Seite 7
TEATRON THEATER
Kinder von Damals
„Meine frühesten Erinnerungen sind wie in
der Ferne aufzuckende Blitze in
pechschwarzer Nacht, bei denen sich für
Augenblicke Bilder aus dem Dunkel formen
mit Umrissen, Farben, Bewegungen."
(Hellmuth Karasek: Auf der Flucht)
Es sind die 70- bis 80-jährigen, die sich heute noch an den 2. Weltkrieg erinnern können,
und die um die 60-jährigen, die noch Erinnerungen an die unmittelbare Nachkriegszeit und
die direkten Auswirkungen des Krieges haben,
und dies aus der Perspektive des Kindes, das
zwar betroffen, jedoch nicht verantwortlich war
für das, was geschah.
Dieses Theaterprojekt lädt Menschen ein, ihre Erinnerungen an ihr Leben während der Kriegszeit
und Nachkriegszeit aufzuspüren. Diese Mosaiksteine sollen zusammengetragen und verbunden
werden, und dies in einem theatralen Raum, der die Abgrenzungen von Realität und Phantasie
aufhebt und ein kreatives Verarbeiten und Darstellen ermöglicht. Die Ergebnisse dieser Arbeit
werden, als Theaterstück geformt, vorgestellt.
TERMINE:
28. November 2014 (Premiere)
29. November 2014
30. November 2014
Jeweils 20:00 Uhr in der Kulturschmiede, Apostelstraße 5, 59821 Arnsberg
KARTENBESTELLUNG:
Stadtbüro Arnsberg, Alter Markt 15, Alt-Arnsberg,  02931 893-1143 und an der Abendkasse in
der KulturSchmiede Arnsberg, Apostelstraße 5, 59821 Arnsberg,  02931 23471 - ab 1 Stunde
vor den Vorstellungen.
Das Projekt wird gefördert durch: Arnsberg - Kultur erleben, Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW, Topas-Veranstaltungstechnik
Anmerkung der Redaktion:
Das TEATRON THEATER wurde 1991 von Yehuda und Ulla Almagor gegründet.
Die Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten im Austausch mit anderen Kunstspaten ist
Ziel und Weg des TEATRON THEATERs.
Es verbindet klassisches Schauspiel mit Elementen des Figuren- und Objekttheaters. Ebenso
wird seine Arbeit durch den Austausch mit dem Tanz- und Musiktheater und der bildenden
Kunst bestimmt.
Sicht
Nr. 61 Seite 8
Festung des Abendlandes
Bernd Kipper
Diese Bezeichnung hat
aufgrund des geschichtlichen Verlaufs diese Insel
im Mittelmeer verdient. Ein
Archipel, 95 km südlich von
Sizilien gelegen, geologisch der Rest einer
Landbrücke zwischen den Kontinenten Europa und Afrika. Die Rede ist von der Insel Malta, sie ist nur 27 km lang und 14 km breit.
Die geschichtliche Chronologie hat mich
doch überrascht. Dass hier auf der Insel, mit
der noch kleineren Schwesterinsel Gozo (14
km lang, 7 km breit) Menschen schon in der
Jungsteinzeit gelebt haben. Sie haben vor
5000 Jahren Tempel aus Megalithen gebaut
und das geschah bereits 1000 Jahre vor den
ersten Pyramidenbauten in Ägypten. Diese
sogenannten Megalithbauten befinden sich
Dieses Eiland besteht überwiegend aus steinigem Karstgelände ohne Flüsse, in dem nur
wenige Süßwasserquellen entspringen. Die
Geländestufe der “Great Fault“ durchzieht die
Insel vom hügeligen Südosten nach dem flacheren Nordwesten. Da über Jahrhunderte
Raubbau betrieben wurde, ist die natürliche
Bewaldung völlig abgeholzt worden. Neue
Umweltprojekte nehmen die teilweise Aufforstung ins Ziel, z. B. durch Rekultivierung und
Neuanlage von Ölbaumpflanzungen.
auf der ganzen Welt. Bei uns bekannt durch
die Hünengräber oder durch den Steinkreis
von Stonehege. Man kann die unvorstellbare Kraftanstrengung nur erahnen, welche die
Erbauer geleistet haben, sind doch manche
Bauteile bis zu 50 Tonnen schwer. Sie wurden
nachweislich auf Steinkugeln bewegt. Warum
dieses Inselvolk um 2500 v. C. spurlos verschwand, ist heute noch ein Rätsel.
Die wechselhafte Besiedlung erfolgte durch
Sicht
die Phönizier, Karthager, Römer, Goten, Vandalen, Byzantiner, Araber, Normannen, Spanier, Franzosen, Engländer. Dieses erstreckt
sich über einen Zeitraum vom 6. Jhd. v. C. bis
heute, hin zu den Maltesern. Mit den Johannitern, den Ordensrittern und deren Sieg über
die Belagerung durch die osmanische Flotte
(1565) begann der Aufstieg des Malteser Ritterordens. Dies zeigt sich durch den Ausbau
Maltas zum sogenannten Bollwerk des Christentums. Valetta ist im 17. Jahrhundert die
stärkste Festung in Europa. Die weitere Entwicklung der Geschichte und Politik will ich mir
sparen, weil ich auf die St. John´s Ko-Kathedrale zu sprechen kommen will.
Dieser Sakralbau ist ein Zeugnis von internationaler Bedeutung. Sie war mehr als 200
Jahre die Konventkirche der Ritter des Johanniterordens. Durch Spenden und Beiträge von
Künstlern, der Ritter und Großmeister wurde
sie zum prächtigsten und prunkvollsten Gebäude des Hochbarocks.
Dabei vermutet man bei Ansicht des Äußeren
Nr. 61 Seite 9
eher eine Burg als ein Gotteshaus.
Durch die Schlichtheit wird man nach Betreten
im Inneren durch die Darstellung vom Sinnbild
der Macht und des Reichtums fast erschlagen.
Neben dem imposanten Gewölbe nimmt einen
der Steinteppich aus Grabplatten gefangen. Hier
wollten die Ritter sich wohl ein Denkmal für die
Ewigkeit setzten. Allein der Besuch der St. John´s
Ko-Kathedrale ist ein Besuch Maltas wert.
Die Betrachtung, was Menschen alles schaffen
können, ist zu bewundern. Jeder Zeitabschnitt
hat die Entwicklung vorangetrieben und die
Menschen klüger aber nicht besser gemacht.
Tatkraft und Fortschritt hat es immer gegeben,
sonst wäre die Menschheit heute nicht auf der
Erde. Leider sind diese Bestrebungen mit viel
Leid, Tod, Vertreibung und Hunger verbunden.
Schaue man nur hin, was jetzt auf der Welt in
unserer aufgeklärten Zeit passiert. Eigentlich
muss sich die Krone der Schöpfung schämen
und sicher noch mehr als das.
Nr. 61 Seite 10
Sicht
Sicht
Nr. 61 Seite 11
Patientenverfügung in 30 Sekunden –
(k)eine außergewöhnliche Geschichte
Manuela Völkel
Der 79-jährige kranke Herr Unverfügt (Name
geändert) liegt am Mittag bewusstlos im Erbrochenen am Boden seines Hauses. Wie lange,
weiß die demente Ehefrau nicht genau, denn
ihr Tag/Nacht-Rhythmus ist verschoben, sie ist
gerade erst aufgestanden.
Zufällig kommt die Tochter zu Besuch und der
Vater wird aufgefunden, mit kalten Gliedmaßen, nicht mehr ansprechbar, aber reaktiven
Pupillen. Bis das Rettungsteam und der Notarzt eintreffen, gehen der Tochter, die selbst
Pflegefachfrau ist, einige Gedanken wirr durch
den Kopf:
Was ist passiert? Ihr Vater hatte über den Winter starke Hüftschmerzen, die er immer wieder
entgegen aller Beratung mit magenschädlichen Schmerzmitteln therapierte.
Hat er nun ein blutendes Magengeschwür?
Oder ist es doch die Folge von dem Sturz des
Vortages, weil er nun alleine den Haushalt regeln muss, seit seine Frau erkrankt ist?
Das Fenster putzen mit der Hüftarthrose hatte
ihn zum Stürzen gebracht, er schlug sich dabei den Kopf an.
Hat er nun eine Hirnblutung? Schließlich ist
er ein Marcumar-Patient. Vielleicht ist es aber
auch das Herz, die 15 Jahre alten Bypässe
sind ja schon lange wieder zu.
Oder sein Diabetes ist entgleist?
Viele Fragen, keine Antworten.
Nach kurzer, aber gefühlt sehr langer Zeit ist
das Rettungsteam endlich da und arbeitet sehr
kompetent, der Notarzt fragt nach den vielen
Erkrankungen, während sich der Bewusstseinszustand des Vaters verschlechtert.
Plötzlich die Frage: „Intubieren*?“
Wie aufgeschreckt fragt die Tochter zurück:
“Was? Intubieren? Meinen Vater?“ Der Assis-
tent sagt: „Ja, wir können doch erst mal intubieren!“
Tochter: „Nein, erst mal intubieren gibt es
nicht! Das ist eine große Entscheidung, vielleicht für immer!“
Notarzt: „Ja das stimmt. Gibt es eine Patientenverfügung?“
Tochter: „Nein, ich habe vor zwei Wochen versucht mit Vater darüber zu reden, aber er wich
aus. Er wollte bis zuletzt zu Hause bleiben!
Auch gestern nach dem Sturz wollte er nicht
ins Krankenhaus, so wie auch vor 10 Tagen,
als er so starke Magenschmerzen hatte.
„Ich glaube (unsicher) nicht … intubieren!“
Der Notarzt ist außergewöhnlich empathisch,
erfasst die Situation und entscheidet: „Okay,
wir intubieren nicht, aber tun alles andere!“ Da
ist die Tochter ein wenig erleichtert und fühlt
sich unterstützt in ihrer unsicheren Entscheidung über Leben und Tod des Vaters.
Nach einer Stunde ist der Vater zwar immer
noch bewusstlos, aber transportfähig und die
Tochter möchte und kann sozusagen als „lebende Patientenverfügung“ den Vater begleiten und mit ins Krankenhaus fliegen.
Auf der Notfallstation bleibt sie an seiner Seite,
um für eventuell notwendige weitere Entscheidungen da zu sein.
Nach insgesamt 6 Stunden wacht er auf und
die Glukose hat seine Unterzuckerung endlich
erfolgreich therapiert, so dass Herr Unverfügt
mit einer Lungenentzündung davon kommt.
Nicht immer fühlt sich eine Entscheidung am
Lebensende, die in weniger als einer Minute
gefällt werden muss, für alle Beteiligten so gut
an und geht so gut aus.
Hoffentlich hat Herr Unverfügt inzwischen
gute Gespräche geführt und eine Patientenverfügung in seinem Sinne verfasst.
*Intubieren= Beatmung über einen Schlauch
In Arnsberg berät Sie gerne der Betreuungsverein des Sozialdienstes katholischer Frauen
Hochsauerland e. V. Der Verein bietet Informationen - zur gesetzlichen Betreuung - zur
Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung - zu Haftungsfragen.
Apothekerstraße 12, 59755 Arnsberg,  02932 6398810,  02932 6398822,
 [email protected]
Sicht
Nr. 61 Seite 12
Kommen Sie mit ...?
Fantasie und Wirklichkeit
Sigrid Grobe - Märchenerzählerin
Würde mir in diesem Moment eine Fee erscheinen, um mir drei Wünsche zu erfüllen,
dann käme mir spontan nur eine Nebensächlichkeit in den Sinn: „Ich wünsche mir meinen
Opa zurück. Mit ihm würde ich den mystischen
Ort aufsuchen, der im Arnsberger Wald liegt
und den man ‚Port Hüölleken‘ nennt.“
Gewiss gibt es viel wichtigere Wünsche als
ausgerechnet diesen. Und doch will ich diese
geheimnisvolle Stelle im Arnsberger Wald finden. Dieses „Port Hüölleken“ wurde für mich
im Laufe der Zeit zum Sinnbild für Geborgenheit.
Ich höre noch heute Opas zuversichtliche
Worte: „Sollte uns eines Tages der Feind bedrohlich nahe kommen, dann verstecken wir
uns im „Port Hüölleken“. Da, tief im Wald, findet uns niemand. Da sind wird geschützt!“ Damit wollte mir Opa gewiss keinen Bären aufbinden.
Aber welcher Feind? Ich hatte keinen Feind.
Wie sollte ich ihn mir nur vorstellen? Doch Opa
wusste genau wovon er sprach. Er hatte zwei
Weltkriege erlebt. Er kannte die Angst, wenn
die Sirenen aufheulten und vor einem Fliegerangriff warnten. Und so war der Gedanke, den
Angriff an einem sicheren Ort zu überleben,
nur zu verständlich.
Ob es diese „Pforte zur Hölle“ nach 70 Jahren noch gibt? Und will ich heute noch da hin?
Während mein Opa den Weg genau kannte,
werde ich ihn gewiss lange suchen müssen.
Zwischen Neuhaus und Wilhelmsruh - parallel
zum Rennweg - nahe der Kreuzeiche - noch
näher zum Teufelssiepen und zur Teufelsküche - wo sich Heve und Schmalenau durchs
Dickicht schlängeln - ganz tief im Unterholz
versteckt, da muss „Port Hüölleken“ sein.
Genau dieser Ort wird in dem bekannten Wanderlied besungen: („Wir wollen zu Land ausfahren ...) v. Hjalmar Kutzleb
„Und wandelt aus tiefem Tale heimlich uns still
die Nacht –
Und sind vom Mondenstrahle Gnomen und
Elfen erwacht –
Dämpfet die Stimmen, die Schritte im Wald –
so hört ihr und seht ihr manch Zaubergestalt
Die wallt mir uns durch die Nacht, die wallt mir
uns durch die Nacht.
In meiner Kinderzeit war dieses „Port Hüölleken“ das Symbol für Geborgenheit. Jeder kennt
Momente beklemmender Angst, wie z.B.
stockfinstere Nacht oder unerträglichen Lärm.
In diesen Angstmomenten kommen mir Opas
Worte in den Sinn und ich spüre wieder das
Gefühl der Geborgenheit. Doch heute läuft mir
der eiskalte Schauer über den Rücken, bei der
Vorstellung, plötzlich an der Pforte der Hölle
zu stehen.
Die Herkunft von „Port Hüölleken“ ist nicht
eindeutig geklärt. Historiker vermuten den
Sicht
Nr. 61 Seite 13
Ursprung der Namen
Port Hüölleken, Teufelssiepen, Teufelsküche in
der mythologisch heidnischen Vergangenheit
unserer Ahnen. In der
Zeit der Christianisierung
flohen die sogenannten
„Heiden“ in die Wälder.
In den Siepen fühlten
sie sich vor christlichen
Missionaren sicher und
opferten dort weiterhin
ihren Göttern. Zu diesen mystischen Orten
wagten sich die „Bekehrer“ nicht. Sie glaubten
an einen Pakt mit dem Teufel und gaben den
Opferstätten ihren Namen. (Quelle das Buch
„Möhnesee Neuhaus Eine kleine Chronik“)
Doch sicher ist – auf die
Fee warte ich vergeblich.
Darum sollte ich mich auf
den Weg machen - zum
sichersten Ort der Welt.
Und das ist „Port Hüölleken“. –
Kommen Sie mit ... doch nicht, wenn Nebelschwaden uns umhüllen!
Seniorennachmittag in Alt-Arnsberg
Hildegard Henneke
Am Donnerstag, den 23. Oktober 2014 lädt
der Seniorenbeirat der Stadt Arnsberg wieder
zum beliebten Unterhaltungsnachmittag ein.
Die Festhalle der Arnsberger Bürgerschützen
ist Schauplatz dieser Veranstaltung. Eine Kindertanzgruppe und ein Kinderchor, die Arnsberger Stadtmusikanten und weitere Künstler
werden den Nachmittag gestalten.
Wichtig für das Gelingen einer solchen Veranstaltung ist, dass es genug Gelegenheit
zu einem Schwätzchen gibt, dass die Musik
bekannte Melodien spielt und dass auch bei
alten Liedern mitgesungen werden kann. Natürlich gibt es auch Kaffee und Kuchen.
Der Nachmittag beginnt um 15:00 Uhr, geöffnet ist die Festhalle aber schon ab 14:00 Uhr.
Die Karten gibt es zum Preis von 5,00 € ab
dem 1. Oktober 2014 im Stadtbüro (Altes Rathaus am Alten Markt).
Nr. 61 Seite 14
Sicht
Der Seniorenbeirat informiert
Einladung zu den Seniorennachmittagen
in Neheim und Hüsten
Inge Nüsken
In diesem Jahr laden wir Sie, die Seniorinnen und Senioren aus Neheim, Hüsten und Alt-Arnsberg zu getrennten Seniorennachmittagen ein.
Seniorennachmittag in Neheim:
In Neheim findet der Seniorennachmittag am Mittwoch, 22. Oktober 2014 von 15:00-17:00 Uhr
in der Gaststätte Schwiedinghauser 1220, Jahnallee 38, statt.
Es erwartet Sie der Zauberer Christian Bach, der Mundwerker aus Sundern und zum gemeinsamen Musizieren und Singen der Mundharmonika-Chor aus Bruchhausen.
Der Verzehrgutschein kostet 5 €. Darin sind enthalten ein Stück Kuchen und zwei Tassen Kaffee.
Der Verkauf der Verzehrgutscheine beginnt am 1. September und endet am 10. Oktober im Stadtbüro Neheim, Schwester-Aicharda-Straße 12 und Rathaus, Rathausplatz 1.
Seniorennachmittag in Hüsten:
In Hüsten findet der Seniorennachmittag am Mittwoch, 29. Oktober 2014, von 15:00-17:00 Uhr
im Petrus-Haus am Marktplatz statt.
Der Zauberer Christian Bach wird Sie unterhalten, der Kinderchor der Schüttler-Chöre sowie der
Mundharmonika-Chor aus Bruchhausen.
Der Verzehrgutschein kostet 5 €. Darin sind enthalten ein Stück Kuchen und zwei Tassen Kaffee.
Der Verkauf der Verzehrgutscheine beginnt am 1. September und endet am 10. Oktober im Stadtbüro Hüsten in der Ludgeri-Passage, Marktstraße 3.
Die Anzahl der Plätze ist begrenzt, reservieren Sie frühzeitig!
Seniorennachmittag in Alt-Arnsberg:
Siehe Seite 13
So ist das …
Eine Frau, die mit einem Archäologen verheiratet ist, darf sich glücklich schätzen, denn je
älter sie wird, desto interessanter wird sie für ihren Mann.
Agatha Christie
Sicht
Nr. 61 Seite 15
Senioren - Treffpunkt
Wir treffen uns wieder.
Wo?
In der Villa Bremer, jeden dritten Donnerstag im Monat.
Was ist denn da los?
Senioren-Kaffee ab 16:00 Uhr!
Für Unterhaltung sorgen die Arnsberger Stadtmusikanten. Sie spielen die schönsten Volks- und
Wanderlieder. Alle können mitsingen, denn es liegt immer ein Liedertextheft auf dem Tisch.
In den Pausen wird der ein oder andere Witz oder eine Geschichte erzählt. Es gibt dabei viel zu
lachen. Auch Fritz spielt ab und zu mit seinem Alphorn eine schöne Weise, dann wird es meist
sehr ruhig. Das ändert sich schlagartig, wenn Ede ein Gedicht vorträgt oder irgendein Lied singt.
Bei Ede gibt es immer etwas zu lachen.
Auch Dieter und Marianne verwöhnen uns ab und zu mit sogenannten Küchenliedern, auch Moritaten genannt.
Huch!!!
Es ist schon 18:00 Uhr und schon Schluss für heute. Wir sind immer so 30 - 40 Leute.
Über viele Stammgäste und auch neue Gesichter freuen wir uns. Wir sehen uns schon bald wieder, am dritten Donnerstag im September.
Es freuen sich besonders auf Ihr Kommen der Seniorenbeirat der Stadt Arnsberg, vertreten durch
Inge und Walter Bräutigam.
Zum Beitrag über die Sütterlin-Schrift von Albert Hoffmann, Ausgabe 60, Seite 18/19
erreichte uns folgender Leserbrief. Herzlichen Dank.
Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Hoffmann,
das Computerprogramm kennt durchaus auch das runde <S> in der Sütterlinschrift:
Für verbundene Schriften wie z. B. Sütterlin oder andere Handschriften benötigt man entweder ein besonderes Verbinde-Programm zusätzlich zur TrueType-Schrift oder eine OpenType-Schrift, wenn man neuere Programme benutzt.
Da die Regeln für die orthographisch korrekte Verwendung von rundem und spitzem <S> aber
recht kompliziert sind, wird man in der Regel um Handarbeit nicht herum kommen.
Das runde <S> liegt bei der von mir installierten Sütterlinschrift auf der Taste mit dem Doppelkreuz #.
Hilfreiche Hinweise und Schriften findet man bei Will-Software im Internet.
Mit freundlichem Gruß
Reiner Ahlborn
Sicht
Nr. 61 Seite 16
DIE SCHWARZE HAND
Uwe Künkenrenken
Mythen, Legenden und unzählige Geschichten ranken sich um schwarze Hände. Die
drei bekanntesten im hiesigen Raum sind die
„Schwarze Hand von Bödefeld“, die „Schwarze Hand von Hohenlimburg“ und die „Schwarze Hand von Wedinghausen!“
Rätsel geben sie alle auf! Denn die Herkunft
und Zuordnung konnte bis heute nicht genau
geklärt werden.
Auch nicht die der Schwarzen Hand in Arnsberg, welche von dem Arnsberger Klosterschreiber Richard von Arnsberg stammen soll.
Die schwarze Hand von Bödefeld fand man
1722.
In solchen Fällen bilden sich im Volke viele
Legenden, die versuchen, diese Rätsel zu beschreiben oder zu lösen.
Die eine Legende will wissen, ein junges Mädchen habe in bösem Zorn nach der Mutter
geschlagen. Bald darauf sei das Mädchen gestorben und auf dem Friedhof neben der Bödefelder Kirche beerdigt worden. Am folgenden Morgen habe der Küster bemerkt, dass
die rechte Hand der Leiche aus dem Grabe
herausgekommen sei. Der Pfarrer habe die
Hand wieder unter die Erde gedrückt. Aber
auch am folgenden Tage und noch mehrmals
sei die Hand aus dem Grab herausgewachsen. Da habe der Pfarrer erkannt, dass Gott
hier eine Warnung an alle Kinder gerichtet habe, sich nicht an den Eltern
zu vergreifen. Er schnitt, so erzählt die
Legende, die Hand ab, die mittlerweile
ganz schwarz und trocken geworden
war, und bewahrte sie in der Kirche auf
als sichtbares Zeichen und Mahnung für
die Beachtung des vierten Gebotes.
Eine andere Legende führt in die alte
Zeit der Femegerichte zurück und in
die Zeit des harten germanischen Strafrechts, wonach Kindern, die ihre Eltern
geschlagen, die rechte Hand auf der
Gerichtsstätte abgehackt wurde.
Oberfreistuhl in Arnsberg (Historischer Gerichtsplatz)
Der sauerländische Geschichtsforscher Johann Suitbert Seibertz, der selber früher mehrfach in Bödefeld war und sich mit der Herkunft
und der Geschichte der "Schwarzen Hand"
beschäftigte, schreibt in seinem Buch "Landes- und Rechtsgeschichte des Herzogtums
Westfalen" aus dem Jahre 1864:
„Eine abgeschnittene rechte Hand fand man
1722 beim Neubau der Pfarrkirche zu Bödefeld in einem Sarge, die jetzt hinter dem
Hochaltar aufbewahrt wird. Sie ist schwarz,
unverwest und anscheinend durch ein scharfes Instrument vom Körper getrennt." Nachweisbare Mitteilungen über Herkunft, Alter und
Grund für die Nichtverwesung liegen nicht vor.
So soll es auch in diesem Fall auf dem
Gerichtsplatz geschehen sein. Wie es möglich war, dass die Hand unverwest blieb, sagt
die Legende nicht. Man glaubt, die abgehackte Hand sei unter Eichenbäumen in der Erde
vergraben und dort durch die Beize der Eichenlauge mumifiziert worden; diese Deutung
jedoch klingt wenig glaubhaft.
Bekannt ist auch die mumifizierte „Schwarze
Hand“ aus Hohenlimburg. Nach einem Blitzeinschlag 1811 und den folgenden Abbrucharbeiten der ausgebrannten Turmhaube fand man
die Hand als eingemauertes Relikt. Unklar ist,
ob es sich um einen Schutzzauber oder ein
nicht mehr benötigtes Leibzeichen handelt.
Sicht
Ein Leibzeichen ist ein Stück des Leibes oder
ein am Leib gewesener Gegenstand als Beweismittel hinsichtlich einer von einem unbekannten oder einem entflohenen Täter verübten Tötung. Solche Leibzeichen wurden in
älterem Recht für erforderlich, aber auch genügend erachtet, um gerichtliche Handlungen
gegen den Täter einzuleiten. Was aber hat es
nun mit der „Schwarzen Hand“ von Richard
von Arnsberg“ auf sich?
„Richard von Arnsberg“ auch Richardus Anglicus genannt bzw. Richard von Wedinghausen, war Schreiber im Kloster Wedinghausen
und stammte wahrscheinlich aus England. Die
Klosterchroniken geben sein Todesjahr mit
1190 an. Als man zwanzig Jahre später sein
Grab öffnete, fand man seine rechte Hand so
unversehrt und frisch, als sei sie soeben vom
lebendigen Körper abgeschnitten. Das übrige Fleisch war zu Staub geworden. Im Buch
„Arnsbergs alte Schriften“ schreibt der Verfasser und Stadtarchivar Michael Gosmann über
die „Schwarze Hand“:
Wie Cäsarius von Heisterbach erzählt, wurde
die unversehrt aufgefundene rechte Hand des
Richard von Arnsberg noch bis in seine Zeit
(um 1200) als Zeichen eines großen Wunders
in Wedinghausen verwahrt. Nach der mündlichen Überlieferung des Wedinghauser Kanonikers und späteren Abtes Johann Köster (von
1587 - 1610), der ein großer Reliquienfreund
war, wurde die wertvolle Hand, die Abt Adrian
Tütel (1513 - 1531) in einem kostbaren Reliquiar hatte neu fassen lassen, in einem besonderen, verschließbaren Silberkasten auch
noch bis zum Jahre 1583 wohl behütet.
Nr. 61 Seite 17
zerschlagen, die im Kloster gehüteten Reliquien geschändet und verstreut. Auch die
Hand des Richard von Arnsberg blieb seit der
Zeit verschollen.
Als der Prälat Norbert Becker 1714 das alte
Beinhaus an der Pfarrkirche abbrechen und
die Gebeine der verstorbenen Pfarrkinder
zum neuen Beinhaus neben dem Portal und
Eingang der Pfarrkirche übertragen ließ, fand
man eine Hand.
„Mit größter Wahrscheinlichkeit können wir
urteilen, dass diese die Hand des seeligen
Richard ist. Dennoch haben wir keine Sicherheit“, schreibt Abt Karl Berg 1720 in den jüngeren Klosterchroniken. Abschießend schreibt
er:
“Die entdeckte Hand hat allerdings keine frische fleischfarbene Haut mehr sondern ein
schwärzliches und eingetrocknetes Fleisch.
Die Finger sind jedoch alle in ihrer natürlichen
Lage und Ordnung, wie sie die Hand eines
Schreibenden zu haben pflegt, die sich dem
Schreibrohr anschmiegt. Sogar die Fleischfasern kann man sehen, wo und wie sie laufen
und auch den Muskel unterhalb des Daumens.
Zur Beglaubigung all dieser Dinge haben wir
diese unsere Bemerkungen unterschrieben
und jene Hand in den Reliquienschrein niedergelegt im Jahre 1718 am 23. Oktober, dem
Festtag der Hl. Reliquien.
Das bezeugen wir: F. Karl Berg, Abt (zu Wedinghausen); F. Herm. Ascheberg, Prior daselbst.; F. Caspar Leine, Subprior und Pastor
ebenda; F. Laurentius Synn, einst Kellner nun
Senior; F. Werner Fincke, Subsenior.
In den Truchsessischen Wirren kam die Reliquie jedoch abhanden. Im Juni und August des
Jahres 1583 plünderten und verheerten die
Soldaten des zum Protestantismus übergetretenen Kölner Erzbischofs Gebhard Truchseß
zu Waldburg das dem alten Glauben treu gebliebene Stift.
Monatelang konnten die Mönche nicht in die
Klostermauern zurückkehren, die Soldaten
führten ein wüstes Leben. Orgel und Altäre
wurden zerstört. Bilder, Heiligenfiguren und
die wertvollen mittelalterlichen Glasfenster
Quellen: Wikipedia, Meyers Großes Konversationslexikon und „Arnsbergs alte Schriften“ Kulturamt und Stadtarchiv, Michael Gosmann und Dr. Jürgen Richter.
ISBN-NR. 3-87793-022-0
Sicht
Nr. 61 Seite 18
Früher bei uns im Dorf
Benedikt Jochheim
In den letzten Wochen jährte sich zum 100.
Mal der Beginn des 1. Weltkrieges.
Am 1. August 1914 gab der Deutsche Kaiser den Befehl zur Mobilmachung. Zwei Tage
später, am 3. August, erklärte Deutschland
Frankreich den Krieg. Vorausgegangen war
bekanntlich das Attentat auf den österreichischen Thronfolger. Auch aus unserem Dorf
wurden sofort Männer zum Militärdienst einberufen.
Einige führten gleich ein Tagebuch. So ist bei
einem zu lesen, dass mehrere aus unserem
Dorf sich am 3. August in Arnsberg melden
mussten, unter ihnen mein Vater. Von hier
ging es Richtung Mainz und dann zur französischen Grenze. Ein anderer Veteran berichtet, dass er sich am 5. August in Meschede
meldete und dort viele frühere Regimentskameraden antraf. Am Montag, den 10. August,
nachmittags 3 1/2 Uhr, ging es mit klingendem Spiel und alles bekränzt von Meschede
fort - über Siegen, Frankfurt, Mainz nach Bad
Kreuznach. Am 20. August erreichten sie den
kleinen Ort Martelange (Belgien). Dort treffen
sie Klemens Henke und Franz Stutmann. „Am
21. August überschreiten wir die Grenze. Be-
ziehen in dem Örtchen Ebly Massenquartier“.
Unser Schreiber trifft auf den Stabsarzt Dr.
Kaufmann aus Hüsten. „Machte ihm und uns
große Freude, denn wir waren noch mehrere
von Hüsten und Umgebung“, so schreibt er.
Am gleichen Tage trifft er auf Fritz Humbeck,
von den 87 Mann des 18. aktiven Armeekorps.
Dieser sprach von großen Verlusten an den
vergangenen Tagen. Am 22. August des morgens 5 Uhr wurde angetreten. Es ging zum
nächsten Städtchen Neufchateau, Hier hatten
sich die Franzosen versteckt, so gerieten sie
in einen Hinterhalt. Es gab 37 Tote und 85
Verwundete. Unter den schwer Verwundeten
der Tagebuchschreiber. „Wir bezogen dann Biwak bei dem Dorfe Petit Roselle“ heißt es weiter. „Als zum Essen angetreten werden sollte,
verlangte keiner mehr was, denn durch den
furchtbaren Verlust waren alle missgestimmt.
Von unserer Komp. traten nach dem Gefecht
50 - 60 Mann an.“
In den ersten Kriegswochen gab es mehr Tote
und Verwundete als in den nächsten Kriegsjahren. Für viele war aufgrund ihrer Verwundung der Krieg gleich vorbei.
Sicht
Unter den ersten Toten war auch der Förster
aus dem nahen Forsthaus. Sein Nachfolger
verlor im Gefecht ein Auge und trat nach Genesung im Jahr 1915 seinen Dienst an. Die
vielen toten Kameraden gleich zu
Anfang des Krieges, insbesondere am 22. August 1914, waren
für die heimkehrenden Krieger
Anlass genug, nach dem Krieg
eine
Veteranenkameradschaft
zu gründen. An der Spitze Fritz
Humbeck vom 81er Regiment.
Bei ihren Zusammenkünften trafen sie sich an schönen Tagen
in der von ihnen erbauten 81er
Hütte, am Waldesrand, auf dem
Spreiberg in Müschede. Am 22.
August jeden Jahres gedachten
sie mit einer hl. Messe in der Petrikirche und der Niederlegung eines Blumengebindes am Erinnerungsstein der
toten Kameraden.
Die Gründungsmitglieder sind schon lange
verstorben, aber von ihren Nachfahren wird
bis heute die Tradition fortgeführt.
Ein weiterer Kamerad berichtet ausgiebig
vom Verlauf des Krieges. Schreibt von seiner
schweren Verwundung. Der schmerzhaften
Fahrt mit einem Pferdewagen über Gräben
und Granattrichter. Weiter mit der Feldbahn.
Und dann mit der Reichsbahn bis Arnsberg.
Der Fahrt auf einer zweirädrigen Karre, über
das Kopfsteinpflaster bis zum Lazarett im Kurhotel.
„Es gab damals in Arnsberg vier Lazarette:
Kurhotel, Seminar, Seuchenhaus und Krankenhaus“, so der Schreiber. Hier im Lazarett
lernte er seine spätere Frau kennen. Ebenso
erging es meinem Vater, der nach einer schweren Verwundung im Jahr 1914 in einem Lazarett an der Mosel meine Mutter kennenlernte.
Die Menschen im Jahre 1914 fürchteten den
Krieg wie alle friedfertigen Menschen. In der
Ausgabe des Central-Volksblatt vom 26. Sept.
1914 kann man lesen:„Am heutigen Morgen
wurde von dem Nachbarorte Hüsten aus eine
Prozession nach unserer alten Bitt- und Wall-
Nr. 61 Seite 19
fahrtskapelle zu den Rodentelgen unternommen. Schön und erhebend war es, als man
die große Zahl der Teilnehmer sah, die, gleich
ihrer Vorfahren in schwer bedrängten Zeiten,
auch heute hierhergekommen, in demütigem
Vertrauen zu Gott dem Schlachtenlenker zu
flehen und Trost und Hilfe zu erbitten. „Nun
gehet in die Kirche und betet“ war das Kaiserwort ... und so ist es auch der Mahnruf unserer
Bischöfe.“
Die Rodentelgen als Bitt- und Wallfahrtskapelle. Wie die Chronik u. a. berichtet, hat man
bereits im Mittelalter bis zum Beginn des 18.
Jahrhunderts, als an der Pest und anderen
ansteckenden Krankheiten und im Herbst
1857 an der Ruhr-Epidemie ganze Städte und
Landstriche ausstarben, zu unserer Kapelle
häufiger Wallfahrten unternommen.
Nicht umsonst flehte man auch in dieser bedrängten Zeit, wie das Bild des hl. Rochus,
welcher stets in hohen Ehren gestanden hat,
zeigt: „Vor Pest, Hunger und Krieg bewahre
uns, oh Herr.“
Aus dem Krieg mit den 17 Millionen Toten, den
anschließenden wirtschaftlichen Folgen, haben die Politiker damals nichts gelernt. Vor 75
Jahren brach der 2. Weltkrieg aus.
Mögen alle Menschen, vor allem die Politiker,
die Worte beherzigen: „Vor Hunger und Krieg
bewahre uns und lass uns in Freiheit leben“.
Sicht
Nr. 61 Seite 20
KIDZELN - Kindern Demenz erklären
Ein Blick in die Praxis
Marita Gerwin
„Schaut mal, was ich hier habe: Ein Neuro eine klitzekleine Gehirnzelle. Manche sagen
auch, es sei eine graue Zelle. Kleiner als ein
Stecknadelknopf.“ Ein graues, mit Watte gefülltes Stoffwesen, mit Verästelungen die aussehen wie Finger, wird herumgereicht. „Dieser
Neuro vernetzt sich gern mit anderen Neuros.
Wenn sich unsere Nervenzellen verbinden,
dann lernen wir.“
„Das Gehirn eines Erwachsenen wiegt 1,5 Kilogramm. Fühlt mal, wie schwer das ist.“ Ein
mit Reis gefülltes Leinensäckchen kreist herum, wird von einem zum anderen weitergereicht. “Ganz schön schwer, so ein Gehirn.“
Alle staunen. Lernen mit allen Sinnen.
Die Teilnehmerinnen stehen im Kreis. Ein
grünes Wollknäuel wird von einem zum anderen geworfen. Mit beiden Händen festhaltend,
entsteht ein verwirrendes Netz durch den gesamten Raum. Die Teilnehmerinnen verstehen schnell, dass dieses Wollnetz die Funktion des Gehirns eines Menschen symbolisiert.
An dieses Netz werden mit Wäscheklammern
Papierschnipsel geheftet, auf denen 5 Freunde - unsere Sinne - geschrieben stehen. Dazu
weitere Zettel mit Talenten, Charakterzügen,
Temperamente, Neigungen, Gefühle, Fähigkeiten. Dinge, die uns als Mensch auszeichnen. Nach und nach werden einige Dinge, die
im Laufe der Demenzerkrankung verloren gehen, vom Netz genommen.
Einiges geht unwiederbringlich verloren, anderes bleibt erhalten: die Gefühle, der Humor,
das Lachen, die Wut, die Angst, die Fröhlichkeit, die Traurigkeit. Die Kinder begreifen
durch diese altersgerechte Vorstellung, wie
ein Gehirn funktioniert und wie es sich bei einer Demenz verändert.
Aber das Herz eines Menschen mit Demenz
wird nicht dement!
Das verstehen die Kinder von ganz allein!
Sicht
Nr. 61 Seite 21
KIDZELN – Kindern Demenz erklären – eine
Multiplikatoren-Schulung in Arnsberg
und Spielfreude die über 4 Monate berufsbegleitende Schulung absolviert.
18 Teilnehmerinnen erhielten ihre AbschlussZertifizierung.
Die Zertifikate wurden verliehen an folgende
Mitarbeiterinnen der Kinder- und Senioreneinrichtungen: Städt. Kita Krähennest-Herdringen, Städt. Kita Kleine Strolche-Arnsberg,
Städt. Kita Marienhospital-Arnsberg, Städt.
Kita Eulenkindergaten-Müschede, Städt. Kita
Karolinenhospital-Hüsten, Städt. Kita Rappelkiste-Oeventrop, AWO Kindergarten-Niedereimer, Kath. Kindergarten Hl. Geist-Hüsten und
die Senioreneinrichtungen „Haus zum Guten
Hirten“ Arnsberg der Diakonie Ruhr Hellweg,
Altenhilfeeinrichtung „Ernst-Wilm-Haus“ Hüsten, Ev. Perthes Werk und die Tagespflegen
Sundern, Hüsten und Arnsberg des CaritasVerbandes Arnsberg-Sundern e. V.
Die Kinder von heute sind die Gesellschaft von
morgen. Im Zuge des demographischen Wandels braucht es zukünftig junge Menschen, die
Interesse daran haben, mit alten Menschen
zusammen zu sein und sich für sie einzusetzen.
Es wird immer wichtiger, bei den heranwachsenden Generationen den Grundstein zu legen, „Anderssein“ als „Normal“ zu betrachten.
Diese Haltung ist der erste Schritt zu einer
gelebten Inklusion. Ziel ist es, Eltern, beruflich
Erziehende und andere Interessierte dabei zu
unterstützen, Kinder behutsam zu begleiten,
sich auch dem Phänomen „Demenz“ altersentsprechend zu nähern. Eine wertschätzende Haltung gegenüber Menschen mit Demenz
zu entwickeln ist essentiell, soll die „Inklusion“
dieser Menschen in unsere Gesellschaft nicht
eine bloße Worthülle bleiben. Die 18 Arnsberger Teilnehmerinnen haben mit Begeisterung
Die KIDZELN Qualifizierung wurde initiiert und
unterstützt durch die Fachstelle Zukunft Alter
der Stadt Arnsberg in Kooperation mit dem
Caritas-Verband Arnsberg-Sundern e. V., den
Partnern im Netzwerk Demenz Arnsberg. und
dem Demenz-Servicezentrum Region Südwestfalen im Caritas-Verband Siegen-Wittgenstein.
Wegen der großen Nachfrage in der Region Arnsberg, konnten bei dieser ersten Schulungsreihe nicht alle Interessenten berücksichtigt werden. Es ist ein zweiter Kurs im Winter 2014/
2015 geplant.
Interessenten wenden sich an die Fachstelle Zukunft Alter der Stadt Arnsberg, Marita Gerwin
und Marin Polenz,  02932 201-2207 oder 02932-201 2206  [email protected] oder
[email protected]
Referentinnen der KIDZELN-Qualifizierungsreihe:
Demenz-Servicezentrum Region Münsterland
Sonja Steinbock (KIDZELN Initiatorin)
Wilhelmstraße 5, 59227 Ahlen,  02382 94099710 oder 0172 5142422
[email protected] www.demenz-service-muensterland.de
Andrea Brinker (KIDZELN Initiatorin)
Oberkirchweg 8, 59494 Soest
 02921 71226
 [email protected]
Die beste Arznei für den Menschen ist der Mensch.
Der höchste Grad dieser Arznei ist die Liebe.
Paracelsus
Nr. 61 Seite 22
Sicht
Von 0 auf 100 in elf Leben - GEO-Foto-Ausstellung
Marita Gerwin
Texte von GEO Redakteurin Hanne Tügel, die
die Portraitierten interviewte. Spannende Altersbilder entdeckte sie.
Unsere Gesellschaft verändert sich. Wir sollten dies als Chance begreifen, die Potenziale
entdecken und das Alter neu erfinden.
In nur einem Jahrhundert haben die Menschen
20 Jahre an Lebenszeit gewonnen. Von „geschenkten Jahren“ ist nicht nur in Deutschland
die Rede. Alter scheint immer noch peinlich zu
berühren. Warum versteckt sich die MarketingSprache hinter englischen Worten, wenn sie
die Älteren als „Best Ager, Silversurfer, Golden
Oldies oder Classicals“ verhübscht. Oder lieber eine 50++ einführt, als die fünfundsiebzig
beim Namen zu nennen.
Marga Spiegel, die Protagonistin dieser eindrucksvollen Foto-Ausstellung, hält stolz das
Baby Leandra Beck in ihren Armen. Marga
Spiegel wurde 1912 geboren und Leandra
Beck 2012.
100 Jahre Lebenszeit liegen zwischen beiden
Personen auf dem Portrait. Dass Menschen,
die ein Jahrhundert trennt, gemeinsam auf
der Welt sind, wird in Zukunft immer häufiger
vorkommen. Das Foto der beiden ist eins der
elf Bilder der gemeinsamen Foto-Ausstellung
des Magazins GEO und der Körber-Stiftung in
Hamburg.
Für die Ausstellung lichtete der Fotograf Olaf
Martens Kinder, Frauen und Männer ab, die
im Jahr 2012 ihren runden Geburtstag feierten. Die Portraitreihe stellt Menschen vor und
zeigt ihre Sicht auf sich selbst und auf das Älter werden. Ergänzt werden die Bilder durch
Eine Hoffnung ist, dass unsere Gesellschaft
sozialer, reifer, klüger und entspannter wird,
weil der Mensch jenseits der 60, 65 Zeit hat,
Erfahrungen zu schenken, zu teilen und sich
um andere zu kümmern. Schon häufig habe
ich auf dem flotten Flitzer einer jungen Frau
den Sticker gesehen „Gesponsert von Oma“.
Und wie sieht es mit der Würdigung von Erfahrungen aus? Wie viel zählt sie in der Arbeitswelt? Häufig nicht so viel, wie Studien der
Bertelsmann Stiftung belegen. Kein Wunder,
dass das Altern und das Alter, obwohl es nie
jünger war als heute, außer Zuversicht auch
immer noch Bedrückung auslöst. Eine Studie
der Körber-Stiftung in Hamburg besagt, dass
sich sowohl die Vorfreude auf neue Freiheiten,
auf Weiterentwicklung und sinnvolles Engagement offenbart - wie umgekehrt die Furcht vor
einem Zerreißen des sozialen Netzes geäußert wird.
Wenn wir über die Alten der Zukunft reden,
dann reden wir über uns selbst.
Sicht
Nr. 61 Seite 23
Dieser scheinbar überflüssige Hinweis der
Forscherin Jutta Gampe hat das Magazin
GEO in Hamburg zum Anlass genommen, die
Reportage „Geschenkte Jahre“ mit Porträts
von Menschen aller Altersstufen zu begleiten,
fotografiert von Olaf Martens aus Leipzig.
Beginnend mit der 10jährigen, die sich über
ihre Rolle in Friedrich Dürrenmatts „Besuch
der alten Dame“ freut. Im Interview äußert sie
ihre ganz eigene Sicht vom Alter: „Alt sein fängt
für mich so ab 40 an. Mitte 20 ist man noch jugendlich, Mitte 30 hat man Kinder. Richtig alt
ist man dann ab 70, 80, 90. Typisch ist, dass
Menschen dann manchmal ein bisschen ver-
gesslich werden und nicht mehr schnell laufen
können.“
Marga Spiegel, die 100jährige Dame aus
Münster, erzählt im Interview: „Mir kommt
mein Leben lang vor - oder auch kurz - je nach
Stimmung. Was mich selbst jung hält ist die
Freundschaft zu vielen aus der Generation der
Jungen. Und das Lesen.“
Lassen Sie sich inspirieren von den Geschichten und Bildern dieser Ausstellung.
Wir danken der Körber-Stiftung in Hamburg
und dem Magazin GEO für die freundliche
Leihgabe der Ausstellung.
Die GEO-Foto-Ausstellung „Von 0 auf 100 in elf Leben“
wird auf vielfachen Wunsch in der Zeit
von Montag, 15. September 2014 bis Sonntag, 4. Januar 2015
im Sauerlandtheater, Feauxweg 9, 59821 Arnsberg zu sehen sein.
Spezielle Führungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene
mit Annemarie Günther, können gern vereinbart werden über die
Stadt Arnsberg - Fachstelle Zukunft Alter,
Clemens-August-Straße 120, 59821 Arnsberg
 02932 201-2207  02932 529056  [email protected]
Sicht
Nr. 61 Seite 24
Die BAGSO fordert bezahlbares Wohnen im Alter
und die Schaffung zukunftsorientierter
Wohn- und Lebensformen
BAGSO-Pressemitteilung 12/2014
Als Interessenvertretung älterer Menschen tritt die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) dafür ein, dass
Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit die Menschen, die es
wünschen, auch im hohen Lebensalter zu Hause und in der vertrauten
Nachbarschaft leben können.
In einem Grundsatzpapier fordert die BAGSO, die über ihre mehr als
100 Mitgliedsverbände rund 13 Millionen ältere Menschen in Deutschland vertritt, die politisch Verantwortlichen im Bund, in den Ländern
und Kommunen dazu auf, den Kostenanteil des Wohnens am Gesamteinkommen in Grenzen zu halten und Investitionen in familienphasenund alternsgerechte Neubauten und Bestandssanierung zu fördern.
„Schon heute fehlen mindestens 2,5 Millio-nen barrierearme Wohnungen. Ältere Menschen werden durch bauliche Barrieren wie Treppen, fehlende Aufzüge oder nichtbarrierefreie Bäder in
ihrer Selbständigkeit eingeschränkt.
„Die Beseitigung baulicher Barrieren gilt nicht nur für den Wohnraum, sondern auch für das gesamte Wohnumfeld“, so die Vorsitzende der BAGSO und ehemalige Bundesfamilienministerin
Prof. Dr. Ursula Lehr.
Die BAGSO fordert u. a. gesetzliche Grundlagen zur Förderung barrierefreien Wohnens bei Neubauten und Sanierungen, eine präventive Gestaltung des Wohnumfelds, die Förderung alternativer Wohnformen und sozialer Netze wie Nachbarschaften, bezahlbare haushaltsnahe Dienstleistungen sowie den Ausbau wohnortnaher Beratungsstellen.
Das ausführliche Positionspapier zum Thema „Wohnen im Alter – oder: Wie wollen wir morgen leben?“ steht zum Download unter www.bagso.de zur Verfügung. Gern können Sie eine gedruckte
Version – auch in größerer Stückzahl – bei der BAGSO anfordern.
Weitere Informationen:
Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e.V. (BAGSO)
Ursula Lenz, Pressereferat, Bonngasse 10, 53111 Bonn
 0228 24999318,  0228 24999320
 [email protected]
www.bagso.de
Kapitän Heinrich Piepenbrink kommt von großer Südamerikafahrt mit seinem Containerschiff
im Hamburger Hafen an. Der Zollbeamte begrüßt ihn: „Moin Hein, schön dass Du wieder da
bist. Hast Du was zu verzollen?“ „Nöö“! „Was hast Du denn da im Seesack?“ „Nur schmutzige
Wäsche und einen Papagei!“ „Papagei – ist der ausgestopft oder lebt der?“ „Wieso?“ „Ja wenn
der tot ist, kostet er 20 Euro Zoll, wenn er aber lebt 500 Euro!“
Da ertönt aus dem Seesack eine Stimme: „Hein mach kein Scheiß!“
Sicht
Nr. 61 Seite 25
Der Seniorenbeirat der Stadt Arnsberg
lädt ein zur
6. ARNSBERGER OLDIE PARTY
Samstag, 13. September 2014
ab 19:00 Uhr in der Kulturschmiede.
Karten im Vorverkauf 10 € an der Abendkasse 12 €
Vorverkaufsstellen:
Arnsberg: Friseur Haarscharf, Alter Markt
Hüsten: Reisebüro Meyer, Marktstraße
Neheim: Optik Klasmeyer, Bexleyplatz
Sicht
Nr. 61 Seite 26
Busbegleiter-Ausflug
Als kleines Dankeschön für nun ein Jahr ehrenamtlichen Einsatz als Busbegleiter gab es einen
Tagesausflug. Die Fahrt, unterstützt von der RLG und der Stadt Arnsberg, ging nach Köln - natürlich mit dem öffentlichen Personennahverkehr.
In der Domstadt standen ein Altstadtbummel und eine Stärkung in einer typischen Kölner Kneipe
auf dem Programm. Bei der anschließenden Stadtrundfahrt gab es selbst für häufige Köln-Besucher aus der Gruppe Neues zu sehen und zu erfahren. Selbstverständlich wurde im Dom am
Grab von Graf Gottfried eine Gedenkminute eingelegt, bevor bis zur Rückfahrt mit dem Zug die
Gastronomie noch einmal getestet wurde.
Es war ein rundherum gelungener Tag. Alle waren sich einig, dass solch ein Ausflug jährlich
stattfinden sollte, weil er die Kollegialität fördert. Die Busbegleiter haben sich alle nach den Aufrufen durch den Seniorenbeirat selbst gemeldet und decken an den Markttagen in Neheim die
Stadtlinien C2 und C4 ab, wobei die Linie C4 bisher nur samstags befahren wird, weil noch nicht
genügend Freiwillige mitmachen. Die Busbegleiter und der Seniorenbeirat sind deshalb weiter
auf der Suche nach weiteren ehrenamtlichen Helfern.
Dank und Anerkennung im Dienst auf den Bussen und Extras wie eine solche Tour nach Köln sind
Anreiz, dabei zu sein und anderen, vor allem älteren Menschen zu helfen.
Wer Interesse hat kann sich jederzeit bei den Organisatoren aus dem Seniorenbeirat erkundigen,
und zwar bei Horst Thomas,  02931 6621, Manfred Pollmeier,  02931 1652 und Karl Keßler,
 02937 6058.
Sicht
Nr. 61 Seite 27
Notfallschilder an den Bänken
des Ruhrtalradweges
Nun sind sie angebracht - die Notfallschilder 37 Stück an der Zahl. Sie sind selbsterklärend.
Die Nummer der Bank ist bei der Feuerwehr in
einem Lageplan hinterlegt. So kann im Notfall
die Feuerwehr oder der Notarzt sehr schnell
zur Hilfe kommen, wenn Sie anrufen.
Der Seniorenbeirat machte den Vorschlag,
Bürgermeister Hans-Josef Vogel unterstützte
das Projekt, das Grünflächenamt hat die notwendigen Arbeiten ausgeführt.
Wir danken allen Beteiligten.
Hans und Grete
Waltraud Ypersiel
Hans: Sag` willst du das wirklich tun? Grete: Jaaa.
Hans: Was hast du denn davon? Grete: Ich möchte meine Zeit sinnvoll nutzen.
Hans: Bekommst du was dafür? Grete: Oh ja!
Hans: Geld? Grete: Nein!
Hans: Was denn? Grete: Ein Lächeln, ein Danke vielleicht, wer weiß.
Hans: Ist das alles? Grete: Das ist doch viel.
Hans: Du kannst deine freie Zeit doch besser nutzen. Grete: Ach ja?
Hans: Verreise, mach es dir schön. Grete: Das kann ich doch trotzdem.
Hans: Ich verstehe dich nicht. Grete: Wieso?
Hans: Du wolltest doch nichts mehr tun, wenn du in Rente bist. Grete: Jaa?!
Hans: Und jetzt suchst du wieder nach neuen Aufgaben? Grete: Ja, aber nach etwas, was mir
Spaß macht.
Hans: Was kann das denn sein? Grete: Vielleicht ein Ehrenamt!
Hans: Ein Ehrenamt? Was für eins? Mit welchen Aufgaben? Grete: Weiß ich noch nicht, es
gibt unzählige.
Hans: Und wie kommt man daran? Grete: Ich werde bei der Engagementförderung der Stadt
nachfragen.
Hans: Hm, wäre das auch was für mich? Grete: Natürlich, wenn du dich engagieren möchtest,
findest du sicher auch das Richtige.
Hans: Haben wir dann auch noch Zeit für uns? Grete: Aber jaaa!
P.S.: Ohne ehrenamtliche Helfer wäre das soziale, kulturelle oder sportliche Leben in Deutschland um vieles ärmer.
Sicht
Nr. 61 Seite 28
Mit einem Panzer zum Rendezvous
Rolf Hilje
Im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit als
Bewährungshelfer habe ich gelegentlich auch
außergewöhnliche Fälle erlebt, die einer gewissen Komik nicht entbehrten.
Um einen solchen Fall geht es in dem folgenden Artikel. Durch das zuständige Gericht wurde mir die Betreuung und Aufsicht für einen
jungen Mann übertragen, der zum Zeitpunkt
der Unterstellung seinen Wehrdienst bei einer Panzereinheit der Bundeswehr, die in der
Nähe des Harzes stationiert war, ableistete.
Nach der Beendigung der Grundausbildung
wurde A., so werde ich ihn im weiteren Artikel
nennen, einer Panzerbesatzung zugeteilt und
entsprechend ausgebildet.
In dieser Zeit lernte er eine junge Frau kennen und lieben, die in einem Ort wohnte, der
ca. 10 Kilometer von der Kaserne entfernt lag.
Die Liebe ist nicht nur eine Himmelsmacht,
sondern geht manchmal auch sehr seltsame
Wege, wie der vorliegende Fall zeigt. Es war
an einem Wochenende und A. musste aus
dienstlichen Gründen in der Kaserne bleiben,
obwohl er mit seiner Freundin verabredet war.
Offenbar war A. mit dieser Situation total überfordert und reagierte seinen Frust ab, indem
er aus einer Halle einen Panzer entwendete.
Damit machte A. sich auf den Weg zu seiner
Freundin. Die wachhabenden Soldaten konnten ihn nicht aufhalten und der Panzer durchbrach zunächst die Schranke am Eingang
zum Kasernengelände. Alles, was sich dem
Panzer entgegenstellte, drohte niedergewalzt
zu werden.
Die Fahrt führte stellenweise über
eine Bundesstraße und auch die inzwischen alarmierte Polizei konnte
die Panzerfahrt nicht stoppen. Um
Schlimmeres zu verhindern sperrte
die Polizei einen Teil der Zufahrtstraßen und erst kurz vor dem Wohnort
der Freundin konnte A. zur Aufgabe
überredet werden. In der späteren
Gerichtsverhandlung wurden die Tatumstände und somit auch die Motive ausführlich besprochen. Das
Gericht wies A. im Verlauf der Hauptverhandlung mehrfach daraufhin,
welches Gefährdungspotential für
die Öffentlichkeit durch sein Verhalten bestanden hat. Trotz erheblicher
Bedenken wurde er als Heranwachsender nach dem Jugendstrafrecht
zu einer Jugendstrafe von 10 Monaten verurteilt. Die Vollstreckung der Strafe wurde zur
Bewährung ausgesetzt und die Bewährungszeit auf zwei Jahre bestimmt.
Als Bewährungshelfer habe ich mehrfach
Wehrdienstleistende betreut, wenn die Vollstreckung der jeweiligen Strafen zur Bewährung ausgesetzt worden war. Dabei war in den
meisten Fällen die Zusammenarbeit mit dem
Dienstvorgesetzten der Bundeswehr sehr gut.
Mich hat immer wieder überrascht und beeindruckt, mit welchem Verständnis auf das Fehlverhalten der anvertrauten Soldaten reagiert
wurde.
Sicht
Nr. 61 Seite 29
Das geschlechtergerechte Ehrenamt - „Not an Mann!“
Manuela Völkel
Laut Freiwilligensurvey waren im Jahre 2009
40% der Männer in Deutschland ehrenamtlich
engagiert und dominierten in den eher „harten“ Bereichen wie Sport, Politik, der freiwilligen Feuerwehr und in Rettungsdiensten. Die
„weicheren“ bzw. sozialen Bereiche wurden
eher weiblich besetzt, es sei denn, die Männer
hatten schon vorher einen beruflichen Bezug
in dieser Richtung, z. B. als Lehrer, Pfleger,
Sozialarbeiter oder Pfarrer.
Besonders in der „Rush Hour“ des Lebens,
also im Alter von 20 bis etwa 34 Jahren, sind
aufgrund der Berufsqualifizierungs- und Familienphase mit klassischer Rollenverteilung
mehr Männer als Frauen ehrenamtlich aktiv.
Männer, die sich schon während ihrer Berufstätigkeit stark oder auch häufig bis über ihre
Grenzen hinaus ehrenamtlich engagierten,
führen das in der Regel über das Rentenalter hinaus fort. Ihre Lebenswelten sind auf das
„Außen“ orientiert und ihre Leitmotive sind:
• Förderung des Gemeinwohls
• Gesellschaftliche Teilhabe
• Persönliches Interesse.
Balance zwischen Ruhe und Aktivität halten
Ein 74jähriger Ehrenamtlicher teilte mit:
„Ich habe ja früher schon jahrelang die Jungs
im Fußball trainiert und viele soziale Projekte
angeleiert, so dass der Renteneintritt für mich
keine Vollbremsung, sondern eher einen fließenden Übergang darstellte.
Heute engagiere ich mich in der Kommune,
unterstütze Projekte mit Jugendlichen und
generationsübergreifende Projekte mit Kindergartenkindern und Menschen mit Demenz.
Es sind vielleicht 8 Stunden in der Woche, in
denen ich mich durchschnittlich engagiere;
das gibt mir ein Wohlgefühl und eine Wochenstruktur. Ich versuche eine Balance zwischen
Ruhe und Aktivität zu halten und zwischen
Außen- und Innenaktivitäten, denn auch die
Freizeit mit meiner Frau, unseren Kindern und
Enkelkindern ist mir sehr wichtig.“
Versöhnung zwischen harten und weichen
Anteilen
Dieses Beispiel zeigt, dass das traditionelle
Männerleitbild im Wandel ist.
Immer häufiger versuchen Männer den „Sowohl-als-auch-Weg“ zu gehen, anstatt den
„Entweder-oder-Weg“.
Sie versöhnen sich zunehmend mehr mit der
Einstellung ihrer sogenannten harten und weichen Anteile und zeigen dies „selbst-bewusster“ nach außen.
Durch ein soziales Ehrenamt in unserer Stadt
können wichtige Dialoge unterstützt werden,
denn als Ehrenamtliche werden sie im Gegensatz zu den Professionellen eher in ihrer sozialen Rolle als Mann oder Frau wahrgenommen, da ihr gesamtes Auftreten die Farben
des normalen Alltags widerspiegeln. Sie sind
sozusagen die Experten und Expertinnen für
ihr gewähltes Aufgabengebiet.
Sie gelten auf diese Weise auch als Vorbild
unter Gleichaltrigen, aber vor allem als Leitfigur für die nachfolgenden Generationen.
Geschlechtergerechtes Ehrenamt
Im sozialen, betreuungsnahen Ehrenamt sind
jedoch nur wenige männliche Engagierte anzutreffen. Diese Tatsache sollte uns Anlass
genug sein, gezielter die geschlechtergerechte Teilhabe auch im Ehrenamt im Blick zu haben, zu thematisieren und Rollen sensibler zu
verteilen, denn Männer und Frauen möchten
in ihren weiblichen und männlichen Anteilen
bis ans Lebensende würdevoll wahrgenommen werden.
Gerade in Zeiten des demografischen Wandels
benötigen wir alle eine kreative Sorgekultur
geschlechtergerechten sozialen Miteinanders,
um auch den nachfolgenden Generationen für
die Herausforderungen in den verschiedenen
Lebensphasen ein möglicher Wegweiser unter Einbezug unseres sozialen Geschlechts
sein zu können.
Sicht
Nr. 61 Seite 30
Aus dem Tagebuch eines Pensionärs
Meinolf Gerwin
31. August
Es ist geschafft. Mein letzter Arbeitstag. Ich bin endlich Pensionär. Jetzt geht mein Leben richtig
los. Ich will einfach das machen, woran mich diese verdammte Arbeit immer gehindert hat …
1. September
Ich stehe früh auf, und weiß gar nicht, was ich zuerst tun soll. Der Rasen muss gemäht werden,
ich will die Dachrinne reparieren, ich muss die Wasserhähne entkalken, ich will ein Vogelhäuschen bauen und endlich mal "Krieg und Frieden" lesen. Treffe vor dem Haus meinen Nachbarn.
Er ist auch Rentner. Er läuft unrasiert im Jogginganzug rum. Er schaut den ganzen Tag Nachmittagstalkshows oder löst Kreuzworträtsel. Das wäre nichts für mich. Ich mähe erst mal den Rasen, reinige die Dachrinne und fange mit einem Vogelhäuschen an. Das Leben ist doch einfach
wunderbar.
9. September
Der Rasen ist gemäht, die Dachrinne gereinigt und das Vogelhäuschen ist fertig. Die Piepmätze
kommen an und tirilieren fröhlich. Ich fahre zum Baumarkt, besorge Entkalker für die Wasserhähne. Der Laden ist voll mit Rentnern. Jeden Morgen trifft sich die muntere Schar am Holzzuschnitt.
Fahre nach Hause und entkalke die Wasserhähne.
12. September
Etwas länger geschlafen. Dann frühstücke ich und kontrolliere, ob die Wasserhähne nicht neuen
Kalk angesetzt haben. Danach Rasenmähen und auf geht‘s zum Baumarkt. Lasse mir Holz für
ein weiteres Vogelhäuschen zuschneiden. Dann habe ich zwei. Eins für die Vogelmännchen und
eins für die Vogelweibchen.
22. September
Bis mittags geschlafen. Dann noch ein Vogelhäuschen gebaut für die Enkel. Anschließend Rasen
gedüngt, damit er schneller wächst und häufiger gemäht werden muss. Danach Tee mit meiner
Frau! Ich gebe ihr Tipps für den Haushalt. Aber manchmal habe ich den Verdacht, ich nerve sie.
Zum Beispiel, wenn wir im Garten zusammen Darts spielen. Nicht dass wir uns streiten – aber
warum klebt sie vor dem Werfen immer mein Foto auf die Dartscheibe?
13. Oktober
Schlafen bis Zwei. Danach Rasen mähen und ein Vogelhäuschen basteln. Im Garten stehen jetzt
28 Stück. Als ich es aufstellen will, entdecke ich auf dem Rasen einen Brief. Die Vögel haben ihn
geschrieben: "Hör endlich auf, Vogelhäuschen zu zimmern. Wir sind satt und es ist uns vor den
anderen Tieren peinlich." Mein Nachbar bietet mir ein Kreuzworträtselheft an. Ich schau mal rein.
Russischer Fluss mit 7 Buchstaben. Ach, was denkt der sich nur? Als ob ich Zeit habe, mir im
Atlas russische Flüsse mit 7 Buchstaben rauszusuchen?
1. November
Es gibt insgesamt 1.376 russische Flüsse mit 7 Buchstaben. Die bekanntesten sind: BJELAJA,
DNJESTR, IRTYSCH, UTSCHUR und WOLCHOW.
30. November
Krieg und Frieden lese ich nicht mehr. Schaue jetzt mehr Nachmittagstalkshows. Na ja, ein bisschen lehnen sich die ja auch an „Krieg und Frieden“ an.
Sicht
Nr. 61 Seite 31
1. Dezember
Meine Frau meint, wir sollen etwas für unsere Körper tun … Wellness … Sobald man Rentner ist,
soll alles nur noch Wellness sein. Man soll die Seele baumeln lassen … Warum? Wenn man älter
wird, baumelt am Körper sowieso schon so viel. Da muss die Seele nicht auch noch mit baumeln.
Meine Frau schleppt mich zum Yoga, zur Sauna, zum Pilates und zum Joggen.
12. Dezember
Beim Yoga soll ich die Figur machen: „Das Gnu liegt in der Morgensonne“. Ich mache die Figur
„Der Arbeitnehmer betätigt die Stechuhr“. Werde aus dem Kurs geworfen! Meiner Frau ist das
sichtlich peinlich. Warum nur?
3. Februar
Habe mit dem Sport aufgehört. Nur den Jogginganzug trage ich noch ganz gern. Rasieren tu
ich mich auch nicht mehr so ganz regelmäßig. Meine Frau will mich aktivieren und schafft einen
Dackel an. Ich schäme mich. Aber ich geh mit ihm spazieren. Sitze im Wald auf einer Bank, mein
Blick fällt auf die Ameisen am Boden. Tja, die arbeiten und arbeiten, von denen sagt keine „Ich
bin in Rente und mach jetzt Pilates“.
12. März
Bin nachts nicht müde. Wovon auch? Stehe deshalb auf, setze mich ins Auto und fahre durch die
nächtliche Stadt. Ich lande bei meiner alten Firma, steige aus, streichle das Gebäude.
12. Mai
Ich glaub, ich mach mich selbstständig. Frage mal den ein oder anderen Gleichgesinnten, den ich
aus dem Baumarkt ganz gut kenne, ob er Lust hat, mit mir eine Firma zu gründen. Am Nachmittag
sitzen wir zusammen und überlegen, was wir noch machen können: Wir wollen einen Konzern
erschaffen, wir wollen ackern und reinhauen. Auch mit 65 kann man noch viel bewegen. Eine
Geschäftsidee für unseren Konzern haben wir schon: Vogelhäuschen!
Nr. 61 Seite 32
Sicht
Deutsch-Japanisches Symposium 2014 in Arnsberg
Natürlich war der Anfang nicht leicht …
Hanna Radischewski
„Kann man denn mit den Alten überhaupt etwas machen?“, recht kritisch beäugten unsere Zirkuskinder die Idee, ein Projekt mit dem
anliegenden Altenheim zu starten. Anfänglich
zumindest. Auch ich war skeptisch, als dieses Experiment 2008 ins Rollen kam. Unser
Zirkus Fantastello ist der Inbegriff von Lebhaftigkeit, Freude und oft auch Chaos – eine
Horde Kinder von sieben bis 14 Jahren voller
Power und Talent. Wie sollte man diese Welt
mit der ruhigen, gut behüteten und geregelten Welt der Senioren vereinen? Während die
Betreuer und Trainer dieses absolut neue, generationenübergreifende Projekt
akribisch
durchdachten
und planten, ließen wir Kinder
es einfach auf
uns zukommen.
Diese Gabe der
Offenheit
und
Aufgeschlossenheit verliert
sich scheinbar
leicht während
des Erwachsenwerdens. Sie ist
aber unbezahlbar für die generationenübergreifende Arbeit.
Mittlerweile bin ich selber seit vier Jahren Trainerin des Kinder- und Jugendzirkus in Arnsberg und ich merke, dass ich immer wieder die
Rolle des akribisch planenden Erwachsenen
einnehme. Ob man es glaubt oder nicht, für
uns Trainer, aber auch für jeden anderen Erwachsenen ist es unglaublich wichtig immer
wieder aufs Neue die Offenheit und Leichtigkeit der Kinder zu spüren. In stressigen Situationen kann man sich so viel einfacher sagen:
„So wie es ist, ist es gut und alles andere wird
sich ergeben.“
Wenn ich auf das Projekt zurückblicke, erkenne ich, wie wertvoll die Erfahrung letztlich war.
Für die Kinder, für die Trainer, für die Senioren
und deren Betreuer, aber vor allem für mich
selbst.
Natürlich war der Anfang nicht leicht: Wie sollte ein Rollstuhlfahrer in die Akrobatik passen?
Wie sollten sich die Demenzkranken die Nummern merken? Kann man denn in dem Alter
überhaupt noch Zirkus machen? Nun, wir haben es einfach ausprobiert. Natürlich wussten
wir noch keine Antworten, aber grade solche
Ungewissheiten machen ja
die Abenteuer aus, in die
man sich stürzen kann. Der
Plan war, dass
die Senioren
an
unserem
Tr a i n i n g s t a g
von unseren
Zirkuskindern
abgeholt und
zum JBZ Arnsberg gebracht
werden
sollten. Und so
unruhig
und
aufgedreht die
Bande zuvor
war, waren die
Kinder aufmerksam und bedacht, als sie die
kleine große Verantwortung trugen, eine Oma
oder einen Opa wohlbehalten ins JBZ zu bringen. Im Trainingssaal angekommen waren
wir nun eine große Runde. Unser „Zirkusdirektor“ erklärte für alle das einmalige Projekt.
Im Winter würden wir bei unserer jährlichen
Gala zusammen mit den Senioren auftreten.
In den folgenden Wochen endeckten Alt und
Jung immer mehr Möglichkeiten miteinander
umzugehen. Nicht nur die Zirkuskinder tauten nach anfänglicher Schüchternheit schnell
Sicht
auf, sondern auch die Senioren. Immer wieder
hörte man Mutmacher wie: „Trauen Sie sich
ruhig, wir helfen Ihnen!“ Es blieb den Kleinen
natürlich nicht verborgen, dass ihre neuen
Trainingspartner durch das Alter gezeichnet
waren. Ihre Namen wurden immer wieder
vergessen, einige konnten sich nicht daran
erinnern schon einmal hier gewesen zu sein,
zitterten mit den Händen oder schienen wie
eingefroren. Aber sie lernten, geduldig damit
umzugehen. Sie probierten aus, steckten Niederlagen ein, wenn etwas nicht klappte und
probierten weiter. Aus den „alten Knackern“
wurden die „älteren Damen und Herren „ und
die „Omis und Opis von nebenan“. Nicht nur
unsere Kinder blühten auf – vor allem auch die
Senioren strahlten und lachten! Die Gala im
Winter wurde eine der schönsten und ist uns
immer noch eine wunderbare Erinnerung.
Projekte wie dieses sind wichtig. Zum einen
für Kinder, um sie mit dem Alter vertraut zu
machen. Sie lernen auf diesem Wege, Verantwortung mitzutragen und sich um andere zu
kümmern und aufmerksam zu sein. Die Senioren entdecken sich zum Teil noch
einmal völlig neu und sehen, dass
ihnen das Alter keinesfalls ihre Kräfte und Möglichkeiten raubt, ihr Leben
noch selbst zu gestalten. Oft hatte ich
während des Projektes sogar das Gefühl, dass sie durch die Arbeit mit den
Kindern selbst ein wenig jünger wurden und wieder ein bisschen mehr Lebensfreude in ihnen aufblühte.
In einem Buch heißt es: „Zirkus macht
Kinder stark!“ Aber ich denke, Zirkus
macht nicht nur die Kinder stark. Zirkus lebt von der Unterschiedlichkeit
aller und das haben wir in diesem generationenübergreifenden Experiment
in alle Richtungen ausgelebt.
Seit ich fünf Jahre alt bin, bin ich Zirkuskind im Zirkus Fantastello in Arnsberg – jetzt bin ich achtzehn, habe meine Zirkus-Jugendleiterausbildung und
einige Fortbildungen absolviert und
auf internationalen Zirkustreffen viele
wertvolle Erfahrungen gesammelt. Ich
Nr. 61 Seite 33
habe grade mein Abitur geschafft und werde
jetzt erst einmal einen Bundesfreiwilligendienst machen. Ich glaube, es war von Vorteil,
dass ich schon relativ früh intensiven Kontakt
mit älteren Menschen hatte. Meistens gehen
die Beziehungen zwischen Alt und Jung nicht
über die üblichen Großeltern-Enkelkind-Beziehungen hinaus und das ist sehr schade. Ich
habe gelernt, wie wichtig ist, dass junge und
alte Menschen wieder Kontakte zueinander
knüpfen. Denn sie können sich gegenseitig
bereichern und viel voneinander lernen. Ganz
gleich welche Idee man hat, um die Generationen wieder näher zueinander zu bringen, man
sollte es einfach ausprobieren. Denn der Wille
ist sowohl auf Seite der Jugendlichen als auch
auf Seite der Senioren da, nur weiß das niemand. Man versteckt sich hinter der Annahme
„Die wollen das bestimmt gar nicht“, aber das
ist nicht richtig! Um die Beziehungen und vielleicht sogar einen Teil der Gesellschaft wieder
mehr in Schwung zu bringen und in Takt zu
halten muss man nun mal über den eigenen
Schatten springen und Wagnisse eingehen.
Sicht
Nr. 61 Seite 34
.... altern heißt leben - es beginnt nach der Geburt ...
Marita Gerwin
Biologen und Mediziner betrachten das Alter als einen Zerfallprozess des Organismus, den es aufzuhalten oder wenigstens
zu verlangsamen gilt. Ich habe meine ganz eigene Sichtweise
des Alters entwickelt, die neben der Belastung auch die Gewinne und die Chancen eines langen Lebens aufzeigt. Es geht darum herauszufinden, wie den Bedrohungen und Verlusten auch
Positives und Ermutigendes abgewonnen wird.
Es geht darum, mit Lebensmut die eigene Spur im Leben und
im Alter zu finden. Das Altern ist wie eine Wanderung mit unvorhersehbaren neuen Anforderungen, mit Höhen und Tälern.
Altern bedeutet dabei, eine Zukunft zu meistern, die manchmal durchaus entmutigend erscheint.
Die eigene Spur im Leben wirkt als Ermutigung. Wir sind, wer wir sind, und das ist gut so! Leben
verlangt Mut. Besonders im Alter.
Der Seniorenbeirat informiert:
Vorankündigung
Der Seniorenbeirat plant in Zusammenarbeit mit Polizeihauptkommissar Günter Goßler und hiesigen Sanitätshäusern in den Stadtteilen Alt-Arnsberg, Neheim und Hüsten ein Sicherheitstraining für Rollatorennutzer.
Die Sanitätshäuser werden Beachtenswertes bei der Nutzung von Rollatoren erklären und Hinweise auf die Sicherheit und Zubehör geben.
Herr PHK Günter Goßler wird im Rahmen der Aktion „Sicher mobil“ mit Ihnen praktisch üben,
z. B. Überqueren einer Straße, holprige Straße usw.
Beachten Sie bitte die Hinweise in der Tagespresse.
Lösungen zu ? bunt gemischt !
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
Ein Duftwasser - Kölnischwasser
Eine irische Rockband
Ist Kabul
Eine griechische Sagengestalt
Ein Sicherheitssystem im Auto
Mittelstück eines Rades
Ein tropischer Wirbelsturm
Ein Possenreißer, Spaßmacher
Eine reiche Person
Noch einmal, von vorne
11. Deutscher Erfinder, Motorentechnik
12. Mehrjährige Pflanzen
13. Österreich, Kärnten
14. Unerlässlich, unvermeidlich
15 91 Jahre *5.1.1876 +19.4.1967
16. Ein griechischer Buchstabe
17. In der Natur, Knöterichgewächs
18. Ein Gespann mit 4 Zugtieren
19. Ein Gewebe aus Metall
20. Sicherheit z. B. bei Mieten
Sicht
Nr. 61 Seite 35
Deutsch-japanischen Symposium in Arnsberg
„Begegnungen gestalten Zukunft“
Sehr geehrte Damen und Herren,
egal, ob Sie an einer Schule, in einem Kindergarten, einer Pflegeeinrichtung oder in einem Kulturzentrum arbeiten: Sie erfahren täglich, welche Themen Kinder, Teenager und Senioren bewegen,
was sie glücklich macht und wovor sie Angst haben. Vielleicht betreuen Sie auch generationsübergreifende Projekte und wissen, welche Faktoren zum Gelingen beitragen – und welche nicht.
Ihre Erfahrungen sind gefragt
Bei dem deutsch-japanischen Symposium
„Begegnungen gestalten Zukunft“ widmen wir
uns genau diesen Fragen: Was bringt junge
und alte Menschen ins Gespräch? Wie lässt
sich der Zusammenhalt der Generationen untereinander stärken, wie die Interessen von
Jung und Alt in einer alternden Gesellschaft
wahren? Welche kreativen Methoden eignen
sich dafür? Wir laden Sie herzlich ein, an der
Tagung im nordrhein-westfälischen Arnsberg
teilzunehmen und ihre Erfahrungen mit Teilnehmern aus Japan, Deutschland, Österreich
und der Schweiz zu teilen.
Deutsch-japanischen Symposium „Begegnungen gestalten Zukunft“
25. September 2014, Kulturzentrum Berliner Platz 5, 59759 Arnsberg
Von guten Beispielen lernen
Die Tagung ist Teil eines Forschungsprojekts des japanischen Sprach- und Kommunikationswissenschaftlers Yasuyuki Sugatani, Professor an der Medizinischen Universität im japanischen
Osaka: Ähnlich wie in vielen europäischen Staaten werden auch die Menschen in Japan immer
älter, erkranken an Demenz oder sind im Alter hilfsbedürftig. Gleichzeitig stellt sich dort die Frage
nach dem Verhältnis zwischen Jung und Alt. Er sucht in Deutschland, Österreich und der Schweiz
nach guten Beispielen, Konzepten und Methoden, wie sich diese Herausforderungen meistern
lassen.
Interessiert?
Dann melden Sie sich beim Servicetelefon der Stadt Arnsberg (02932 2010) oder per E-Mail
(servicetel[email protected]) an. Die Tagung wird finanziert vom japanischen Ministerium für
Erziehung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie. Weitere Informationen zur Tagung und
zum Programm finden Sie auf der Internetseite: www.arnsberg.de/zukunft-alter/projekte/DeutschJapanisches-Symposium.php
Wir freuen uns auf Sie!
Prof. Yasuyuki Sugatani/ Kansai, Medizinische Universität Oaska/Japan
Marita Gerwin, Martin Polenz und Manuela Völkel
Stadt Arnsberg - Zukunftsagentur/Zukunft Alter, Clemens-August-Straße 120, 59821 Arnsberg,
 02932 201-2207,  [email protected]
Nr. 61 Seite 36
Sicht
Text von Natsuno Ikeda in japanischen
Schriftzeichen von Seite 37
Sicht
Nr. 61 Seite 37
Deutsch-Japanisches Symposium 2014 in Arnsberg
Mein Engagement für Demenzkranke
Natsuno Ikeda
Zum ersten Mal kam ich als 13-jährige in der ersten Klasse der japanischen Mittelschule mit dem
Thema Demenz in Kontakt. Ich war erstaunt darüber, wie negativ sich die Krankheit auf das Leben der Betroffenen auswirkt. Als ich die Mitglieder einer Gruppe für Erkrankte traf, erlebte ich
aber auch die berührende Warmherzigkeit demenzkranker Menschen. Aus dieser Begegnung
heraus entstand die Idee, eine Gesellschaft zu fördern, in der Menschen mit und ohne Demenzerkrankung gemeinsam glücklich leben.
Meine Mittelschule bot einige Aktivitäten an, innerhalb derer die Schüler von Senioren lernen
konnten: Wie fühlt es sich an, als älterer Mensch in der Stadt unterwegs zu sein oder im Rollstuhl
zu sitzen? Dieser Unterricht machte mir deutlich: Es ist wichtig, Gefühle und Probleme von Alten
und Behinderten zu verstehen und diese Menschen in ihrem Alltag zu unterstützen.
Ein eindrucksvolles Beispiel für eine solche Unterstützung findet sich in der Stadt Ohmuta: Das
„Hayame Minami“, was so viel bedeutet wie das warmherzige Netzwerk, ist ein Zusammenschluss
für Menschen mit Demenz. Durch die Arbeit in diesem Netzwerk habe ich vieles gelernt. Der Gedanke, dass auch ich als 13-jährige Schülerin etwas für die Gesellschaft leisten konnte, stellte
einen wichtigen Grundstein für meine weiteren Bemühungen dar. Im Oktober 2006 nahm ich mit
meiner Schulkameradin Yuki Sueta am internationalen Alzheimer-Kongress in Berlin teil und referierte über die Aktivitäten in Ohmuta. Als besonders beeindruckend empfand ich die vielen Teilnehmer des Kongresses. Sie alle beschäftigen sich weltweit mit einem gesellschaftlich relevanten
Thema und tragen ihren Teil zu einem besseren Leben für Menschen mit Demenz bei.
Nach dem Kongressbesuch in Deutschland
bot sich die Gelegenheit, meine Gedanken
und Erfahrungen zu veröffentlichen und mit
Fachärzten sowie Patienten zu sprechen.
Dies hat mich geprägt und mein Interesse weiter wachsen lassen. Seit zwei Jahren erfahre
ich die Auswirkungen von Demenz nun selbst,
da meine Großmutter sehr vergesslich geworden ist. Für meine Familie waren diese Veränderungen zunächst nur schwer zu begreifen,
aber durch meine Erfahrungen mit der Erkrankung kann ich mich gut um meine Großmutter
kümmern und auch im Umfeld vieles erklären.
Das bestätigt mir, wie wichtig es ist, Kinder mit
dem Thema Demenz vertraut zu machen. Aus
diesem Grund studiere ich nun Grundschullehramt. Denn Schulen, Familien und Verwaltung müssen an einem gemeinsamen Ziel
arbeiten: eine Gesellschaft zu fördern, in der
Kinder und ältere oder demenzerkrankte Menschen Hand in Hand leben können.
Sicht
Nr. 61 Seite 38
Reife Früchte treffen Junges Gemüse
Erdbeerfest der Sozialstation Arnsberg
Barbara Uerschels
Patienten der Sozialstation Arnsberg und Schüler der Klasse 2 der Bodelschwingh Grundschule
Arnsberg trafen sich im Juni im Gartenzwerk der Caritas Integra, um gemeinsam einen Nachmittag bei leckerem Erdbeerkuchen, Bowle und Grillwürstchen zu verbringen.
Frei nach dem Motto: „Reife Früchte treffen Junges Gemüse“.
Als Überraschung hatten die Schüler, anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der Caritas Arnsberg,
ein Buch mit amüsant, tiefgründigen Anmerkungen über das „Altsein“ im Gepäck. Jeder Gast
durfte sich über ein Exemplar, welches in Kooperation mit der Sozialstation entstand, freuen. Aus
Sicht der Kinder sind alte Leute Menschen mit weißen Haaren, die langsam laufen, gut kochen,
gerne Geschichten erzählen, weil sie viel Zeit haben und auch wenn sie manchmal „nerven“,
durchaus nett und kuschelig sind. Fazit, es war ein tolles Fest.
Die SICHT empfiehlt …
Alte Menschen haben graue Haare
Aus Sicht der Kinder haben alte Leute weiße Haare, alte Menschen laufen langsam und
kochen gut, um nur einige wenige Punkte zu
nennen. Kommentar der Lehrerinnen Manuela
Zöllner und Nicole Friedrich, die dieses Projekt
mit den Schülern durchgeführt haben: „Die Aktion, was Kinder über alte Menschen denken,
hat uns sehr angesprochen. Die Ergebnisse
waren zum einen lustig, aber auch ernst und
führten zu vielen Denkanstößen.“
Das Buch mit Bildern und Texten der Schülerinnen und Schüler aus der 2. Klasse der
Bodelschwingh-Grundschule in Arnsberg,
erhalten Sie zum Preis von 7,50 Euro in der
Geschäftsstelle des Caritasverbandes an der
Hellefelder Straße 27-29, 59821 Arnsberg.
Sicht
Nr. 61 Seite 39
Herbstwind
Uwe Künkenrenken
Es ist Herbst, die Blätter fallen
und der Wind fegt übers Land.
Diese Zeit gefällt nicht allen,
wen sie erfreut - der hängt am Band!
Es sind die Kinder, deren Drachen
hoch am Himmel schweben
überall hört man sie lachen –
wie schön ist doch das Leben!
Die Drachen, fest in Kinderhand
über Feld und Wiesen
gehalten nur an ihrem Band der Herbstwind sei gepriesen.
Das Bild wurde zur Verfügung gestellt vom
Kindergarten „Krähennest“, Herdringen
Rückwärts …
… geschrieben haben wir dieses Mal Aussagen berühmter Menschen. Nachdem Sie in den beiden letzten Ausgaben geübt haben, müssen Sie heute erst den Anfang finden. Viel Spaß!
ekralC enrobliH aloraK
.netsiel sinthcädeG sethcelhcs nie hcis nnak ,tgas tiehrhaW eid remmi reW
Theodor Heuss
etseB sad dnu lesniztahcS red fua etuebnetariP sla nrehcüB ni eztähcS rhem tbig sE
.neßeineg snebeL senied gaT nedej muthcieR neseid tsnnak ud ,tsi
Walt Disney
thciN eid nehcilkcülG dnis .rabknad sE dnis eid ,nerabknaD ied hcilkcülg .dnis
Francis Bacon, Englischer Philosoph
Sicht
Nr. 61 Seite 40
An Änne!
Am Abend des 16. April 1915.
1.
Ich hab wohl nie so heiß nach dir verlangt,
noch nie so sehnend Dich wie heut´ gerufen!
In Ängsten sich mein Herz um Deines bangt –
in Scham steh ich vor den zerbroch´nen Stufen.
2.
Die ich in sel´gen Glück mir stolz gebaut
empor zu Deines Herzens hoher Güte nun bin ich all ihr Hoffnung je beraubt,
die nicht am Weg wie rote Rosen glühte.
3.
Der Weg in Trümmer und so hoch das Ziel,
und so voll Bitterkeit und bangem Jagen
Ist mir das Herz - der eigenen Schuld zu viel!
Oh hilf mir doch mein Leid in Stille tragen! -
4.
O reich noch einmal Deine liebe Hand
zu mir herab, gib Mut mir, neu zu bauen,
Hast meines Herzens Ruopen ja erkannt,
so schenk ihm neu in Gnaden dein Vertrauen!
5.
Dann will ich bauen jede Stufe kühn
und fest und stolz und mutig aufwärts steigen.
Am Wege sollen rot die Rosen blühn´bis sich dein roter Mund will zu mir neigen.
6.
Und aller Seligkeiten Führigkeit,
in deinem Kuß ich wieder hab gefunden,
dann wird aus bitt´rer Reu und wehem Leid
mein krankes Herz im Jubel neu gefunden!
7.
Ich hab wohl nie so heiß nach Dir verlangt,
noch nie so sehnend Dich wie heut´ gerufen!
In Ängsten sich mein Herz um Deines bangt!
In Scham ruf ich vor den zerbroch´nen Stufen!
Walther
Transkription eines Gedichtes (rechts) aus den Liebesbriefen des Grafen Johann Baptist
Friedrich Walther von Saurma-Jeltsch, geb. 12.11.1868 in Laskowitz.
Geschrieben vor fast 100 Jahren an seine Geliebte, Annemarie Ilgner, (Schauspielerin)
geb. 26.01.1894 in Langschede.
Einige der Liebesbriefe sind in der Ausstellung „Von 0 auf 100 in elf Leben“ zu sehen.
Sicht
Nr. 61 Seite 41
Sicht
Nr. 61 Seite 42
Sonntags-Treff in Hüsten
Lisa Conze
Seit Oktober 2013 gibt es nun den Sonntags-Treff in Hüsten für alleinstehende Menschen und
alle, die den Sonntag gern in geselliger Runde verbringen möchten. Jeden dritten Sonntag ab
15:00 Uhr im Petrushaus.
Termine Sonntags-Treff in Hüsten:
21. September 2014/19. Oktober 2014
November 2014 entfällt/21. Dezember 2014
Sybille Klein, eine ehrenamtliche Helferin der ersten Stunde hat mit den Teilnehmern einen Plan
für Halbtagesfahrten (Ausflüge in die nähere Umgebung) erstellt. Herzlich eingeladen sind selbstverständlich nicht nur die Teilnehmer des Treffs.
Hier die Termine: Ausflüge ab Hüstener Markt
20.09.2014 Winterberg: Kahler Asten, evtl. noch Heideblüte auf der Hochheide
05.10.2014 Sorpesee: Schifffahrt, ein Stunde und Zeit zur freien Verfügung
05.12.2014 Weihnachtsmarkt in Soest
Alle Ziele sind auch für Personen geeignet, die auf einen Rollator angewiesen sind.
Nähere Informationen bei: Sybille Klein, Iringweg 36, 59757 Arnsberg; Anmeldung ab 19:30 Uhr
unter 0171 6049466 oder 02932 494018
Finden Sie die Tiere
Spalte 1
Spalte 2
Gehirn
________________________
Decakl
________________________
Suma
________________________
Rtate
________________________
Easiem
________________________
Kmeal
________________________
Salu
________________________
Focrsh
________________________
Neudesh
________________________
Senktitir
________________________
Ohnsrsei
________________________
Pgeapai
________________________
Geifel
________________________
Rgeunrwem ________________________
Konnten Sie die Spalte 2 leichter lösen als die Spalte 1?
Wissen Sie warum? In Spalte 2 stimmen die Anfangs- und Endbuchstaben. Deshalb!
Lösung:
Spalte 1
Hering/Maus/Ameise/Laus/Seehund/Hornisse/Fliege
Spalte 2
Dackl/Ratte/Kamel/Frosch/Stinktier/Papagei/Regenwurm
Sicht
Nr. 61 Seite 43
Buchvorstellung:
Arnsberg weltweit
Wissen Sie, wie oft der Name Arnsberg als Ortsname geführt wird? Und wissen Sie auch, dass
sogar Berge, Burgen, Straßen, ein Kinderheim, ein Flugzeug, eine Schule, eine Apotheke und ein
Tagungsraum diesen Namen führen?
Dieses können Sie in dem sehr interessanten Buch „Arnsberg weltweit“ von Albert Hoffmann aus
Müschede nachlesen. Zusätzlich finden Sie eine fachkundige Deutung des Namens „Arnsberg“.
Auch die Partnerstädte wurden nicht vergessen.
Sie können das Buch in allen heimischen Buchhandlungen kaufen. Der Preis beträgt 14,50 €. Der
Verkaufserlös fließt komplett an die Hospiz-Stiftung Arnsberg-Sundern.
• Gebundene Ausgabe: 144 Seiten • Verlag: Becker, F. W. (10. Dezember 2013) • Sprache:
Deutsch • ISBN-10: 3943973123 • ISBN-13: 978-3943973129
Die ARNSBERG-APOTHEKE entdeckte Walter Bräutigam in Arnstadt auf der Arnsberger Seniorenbeiratsreise im Mai 2014 durch Thüringen.
Sicht
Nr. 61 Seite 44
9R‰ZLQNHOHU5FNEOLFNH
————%HLWUlJH]XU+HLPDWJHVFKLFKWH$XVJDEH-XQL————
/LHEH0LWEUJHULQQHQXQG0LWEUJHU/LHEH/HVHUGHU5FNEOLFNH
$XI]ZHLEHVRQGHUH-DKUHVWDJHN|QQHQGLH9R‰ZLQNHOHULQGLHVHP-DKU]XUFNEOLFNHQ
'DLVWHLQPDOGLHHUVWH(UZlKQXQJGHUYHUPXWOLFKXPJHEDXWHQ.LUFKHYRQ9R‰
ZLQNHOLQHLQHU 8UNXQGHGHV.ORVWHUV 2HOLQJKDXVHQDXVGHP -DKUH 'DLVW ]XP
DQGHUHQGLH(LQZHLKXQJGHVJUR‰HQ$QEDXVGHU6W8UEDQXV.LUFKHLP-DKUH
0LWGHP-DKUHVWDJGHUHUVWHQ(UZlKQXQJZHUGHQZLUXQVQRFKDQDQGHUHU6WHOOH
EHIDVVHQ ,QWHUHVVDQWHU HUVFKLHQ HV GHP $UEHLWVNUHLV 'RUIJHVFKLFKWH 9R‰ZLQNHO VLFK
PLWGHP-DKUHVWDJGHU(LQZHLKXQJGHUQHXHQ.LUFKHDP-XQL]XEHIDVVHQ]X
PDO VLFK LQ GLHVHP -DKU DXFK GHU %HJLQQ GHV :HOWNULHJHV DP 6HSWHPEHU ]XP0DOMlKUW
0LWGLHVHP6FKZHUSXQNWWKHPDEHVFKlIWLJHQZLUXQVLQGLHVHU$XVJDEHDXI6HLWHQ
XQG]HLJHQGLH9HUlQGHUXQJHQLP'RUIELV]XP.ULHJVEHJLQQDXI
:LUELWWHQXP9HUVWlQGQLVZHQQ6LHGLHJHZRKQWH7KHPHQYLHOIDOWYHUPLVVHQVROOWHQ
•
92‰:,1.(/,1'(1-$+5(1
%,6
•
'(5$1%$8'(5.,5&+(
•
'$6:$/'6&+/g‰&+(1
7(,/
•
*(',&+7921+2/%(&.6
*(5'
,KU$UEHLWVNUHLV'RUIJHVFKLFKWH9R‰ZLQNHO
•
$86816(5(5'25)*(
6&+,&+7(
7KHPHQLQGLHVHU$XVJDEH
9R‰ZLQNHOLQGHQ-DKUHQ-
-DKUH(LQZHLKXQJGHV.LUFKHQDQEDXV--DKUH%HJLQQGHV:HOWNULHJHV
8QVHU'RUILQHLQHUPHQVFKHQYHUDFKWHQGHQXQVLFKHUHQXQGNLUFKHQIHLQGOLFKHQ=HLW
hEHU GLH 9HUJU|‰HUXQJ XQVHUHU 6W
8UEDQXV-.LUFKH LVW VFKRQ ]X YHU
VFKLHGHQHQ$QOlVVHQEHULFKWHWZRU
GHQ'HU$UEHLWVNUHLV'RUIJHVFKLFKWH
P|FKWHKLHUDXI]HLJHQZLHXQGXQWHU
ZHOFKHQ 8PVWlQGHQ XQVHUH (OWHUQ
RGHU *UR‰HOWHUQ HV JHVFKDIIW KDEHQ
HLQ VROFKHV %DXYRUKDEHQ LQ GLHVHU
XQVLFKHUHQ=HLW]XUHDOLVLHUHQ
'D]X JHK|UW HV GLH +LQ
WHUJUQGH ]X EHOHXFKWHQ
XQG GLH 3UREOHPH XQG
9HUlQGHUXQJHQ LQ GLHVHU
PHQVFKHQYHUDFKWHQGHQ
XQG NLUFKHQIHLQGOLFKHQ
=HLW DXI]X]HLJHQ 'HQQ
VHLW GHU 0DFKWHUJUHLIXQJ
GXUFK GLH 1DWLRQDOVR]LD
OLVWHQ XQWHU $GROI +LWOHU
DP-DQXDUZXU
GH GDV |IIHQWOLFKH /HEHQ
ÄJOHLFKJHVFKDOWHW³ ZDV
GLUHNWH $XVZLUNXQJHQ
VRZRKO DXI GLH 9HUHLQH
DOV DXFK DXI GDV NLUFKOL
FKH/HEHQLP'RUIKDWWH
$XFKZHQQHVXPMQJH
UH *HVFKLFKWH JHKW HV
JLEW QXU QRFK ZHQLJH
=HLW]HXJHQXQGGLHKHXWL
JH *HQHUDWLRQ NDQQ VLFK
GLH9HUKlOWQLVVHJDUQLFKW
PHKUYRUVWHOOHQ
'LHSROLWLVFKH6LWXDWLRQLQ
'HXWVFKODQG
8QPLWWHOEDU QDFK LKUHU 0DFKWEHU
QDKPHEHJDQQGLH)KUXQJGHU1DWL
RQDOVR]LDOLVWLVFKHQ'HXWVFKHQ$UEHL
WHUSDUWHL16'$3PLWGHU$XVVFKDO
WXQJ MHQHU 2UJDQLVDWLRQHQ GLH VLFK
LKUHP 7RWDOLWlWVDQVSUXFK ]X ZLGHU
VHW]HQ GURKWHQ $OOH SROLWLVFK $Q
GHUVGHQNHQGH ZXUGHQ YHUIROJW 'HU
+DVV GHU 1D]LV WUDI YRU DOOHP GLH
-XGHQDEHUDXFK+RPRVH[XHOOH6LQ
WLXQG5RPDXQG0HQVFKHQPLW%H
KLQGHUXQJHQ
(LQH$QSDVVXQJDOOHUVWDDWOLFKHQXQG
JHVHOOVFKDIWOLFKHQ ,QVWLWXWLRQHQ DQ
GLHSROLWLVFK-LGHRORJLVFKHQ=LHOHGHU
16'$3 VROOWH GLH SOXUDOLVWLVFKH
9LHOIDOW GHU :HLPDUHU 5HSXEOLN HU
VHW]HQ %HL GHU 'XUFK
GULQJXQJ GHV 6WDDWHV GHU
-XVWL] XQG GHU *HVHOO
VFKDIWVRZLHEHLGHU(WDE
OLHUXQJ LKUHV +HUUVFKDIWV
V\VWHPV EHGLHQWHQ VLFK
GLH 1DWLRQDOVR]LDOLVWHQ
YRU DOOHP GHU *OHLFK
VFKDOWXQJ GLH GXUFK GLH
]ZHL *OHLFKVFKDOWXQJVJH
VHW]H YRP 0lU] XQG YRP $SULO JHUHJHOWZXUGH
1DFK GHQ 9RUVWHOOXQJHQ
GHU3DUWHLJDEHVQXUQRFK
GHXWVFKH ,QWHUHVVHQ ]X
YHUWUHWHQ
'LH9R‰ZLQNHOHU.LUFKH
DOV$XVVFKQLWWHLQHU3RVWNDUWHXP
$XFK IU GLH9HUHLQH JDE
HV MHZHLOV QXU QRFK HLQHQ
9HUEDQG GHU QDFK GHQ
9RUVWHOOXQJHQ GHU 3DUWHL
DXVJHULFKWHW ZXUGH $Q
GHUH2ULHQWLHUXQJHQGXUIWH
Sicht
Nr. 61 Seite 45
Voßwinkel in den Jahren von 1933 bis 1939
75 Jahre Weihe der Kirche 75 Jahre Beginn des 2. Weltkrieges
Michael Filthaut
Mitglieder des Arbeitskreises Dorfgeschichte haben die neue Ausgabe der "Voßwinkeler
Rückblicke" jetzt vorgestellt. In dieser zweimal
jährlich erscheinenden heimatkundlichen Zeitschrift wird den Lesern eine interessante und
abwechslungsreiche Themenauswahl angeboten.
Um die Leser nicht weiter auf die Folter zu
spannen, gibt es in dieser Ausgabe den zweiten Teil der Geschichte des "Waldschlößchens"
am früheren Voßwinkeler Bahnhof ab dem Jahr
1920. Die Familie Unger führte das Haus noch
in der zweiten bzw. dritten Generation. Jetzt
prägt die Familie Keitsch schon in der zweiten
Generation die positive Entwicklung des HotelRestaurants. Der Senior, Werner Keitsch, war
auch vielen Neheimern bekannt als letzter Wirt
im "Evangelischen Bahnhof" in Neheim.
Aus aktuellem Anlass hat sich der AK mit der
Entwicklung des Heimatortes in der Zeit des
Nationalsozialismus von 1933 bis 1939 befasst und das Ergebnis der Recherchen jetzt
veröffentlicht.
Ausgangspunkt der Überlegungen war der 75.
Jahrestag der Weihe der St. Urbanus Kirche
am 29. Juni 1939 nach dem großen Anbau,
zwei Monate vor Ausbruch des 2. Weltkrieges.
Der AK ist der Frage nachgegangen, wie es die
Eltern bzw. Großeltern geschafft haben, in der
menschenverachtenden, unsicheren und kirchenfeindlichen Zeit ein solches Bauvorhaben
zu realisieren. Entstanden ist eine umfangreiche Dokumentation über die Entwicklung des
Dorfes unter der Nazi-Herrschaft. Darin wird
die rasante Entwicklung durch die "neue Bewegung" mit den Veränderungen im Dorfleben
dargestellt. Michael Rademacher, Vorsitzender
des AK: "Wir sind heute überrascht, wie schnell
die große Politik in den dörflichen Strukturen
umgesetzt wurde." Gleichschaltung, Umstellung auf das "Führerprinzip" und Verbote veränderten das Vereinsleben gravierend. Auch
die Folgen der "NS-Rassenhygiene" (z.B. Euthanasie), Beurteilungen der Menschen nur
nach ihrer "Brauchbarkeit" und vieles mehr belasteten das Zusammenleben. Einschränkungen für die Kirchengemeinde wurden in allen
Bereichen spürbar.
In dieser Zeit wurde der dringend notwendige
Erweiterungsbau der Kirche geplant und umgesetzt. Aufgezeigt werden die Probleme bei
der Neubesetzung der Pfarrstelle, der Streit
beteiligter Architekten ebenso wie die Auseinandersetzungen mit Behörden und Gemeindemitgliedern. Der AK Dorfgeschichte versteht
diesen Bericht auch als Beitrag zum 75. Jahrestag des Gedenkens an den Beginn des 2.
Weltkrieges. Die Kirchengemeinde feierte das
Jubiläum der Kirchweihe am Samstag, den 28.
Juni.
Die "Voßwinkeler Rückblicke", diesmal mit 28
Seiten und mit vielen Bildern, sind ab sofort
bei den Mitgliedern des Arbeitskreises, in vielen Voßwinkeler Geschäften und im Neheimer
Buchhandel zum Preis von nur drei Euro zu
erwerben.
Lass‘ uns geh‘n
Waltraud Ypersiel
Aufgewacht!
Die Sonne lacht,
lass uns geh´ n
die Welt anseh´ n
Der Tag wird schön,
du wirst es sehen.
Nimm den Rucksack, Huckepack,
Wanderschuhe und Proviant
wir wandern durch das schöne Land
bergauf, bergab durch Wald und Flur,
in der herrlichen Natur.
Die Welt ist schön,
komm lass uns geh´n.
Sicht
Nr. 61 Seite 46
Manuela Völkel
Gender - Was ist das eigentlich?
Das soziale Geschlecht
Das biologische Geschlecht wird im Englischen als „sex“ bezeichnet und das soziale
Geschlecht wird „gender“ genannt. Das biologische Geschlecht ist die Basis, worauf jedem
Menschen das Soziale zugewiesen wird. Diese sogenannte „Vergeschlechtlichung“ erfolgt
also überall auf dieser Welt und erhält durch
die jeweilige Kultur eine besondere Färbung.
Es fängt bereits bei der Geburt des Neugeborenen mit der allerersten Frage nach dem Geschlecht des Kindes an.
Eltern kleiden ihr Kind „gender-gemäß“, um
sich Fragen nach dem Geschlecht zu ersparen. Es ist nicht nur wichtig anzuschauen, wie
Gender individuell erlebt wird, sondern es soll
auch als eine soziale Institution betrachtet
werden. Damit ist gemeint, dass „gender“ eines der wichtigsten Ordnungsprinzipien für die
Lebensgestaltung der Menschen in der Gesellschaft ist.
sie verhalten sich in der Kleidung und in der
Arbeit als Frauen, übernehmen soziale Verantwortung wie Frauen und werden wie Frauen
behandelt, von daher sind sie keine Männer,
aber auch keine weiblichen Frauen. Sie sind
bei uns männliche Frauen. Analog zur modernen westlichen Gesellschaft entsprechen dem
die Transvestiten und Transsexuellen, die aber
nicht als dritte Gender institutionalisiert sind.
(Lorber)
(Anmerkung:
In Deutschland werden bis dato nur die beiden
Geschlechtseinträge männlich und weiblich
zugelassen. Eine Änderung des geschlechtlichen Personenstandes im Nachhinein ist
aber möglich und seit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts in 2011 erfreulicherweise auch ohne, dass eine operative Geschlechtsangleichung nachgewiesen werden
muss. Es ist auch kein Mindestalter mehr
vorgeschrieben, so dass unnötige körperliche
Eingriffe vermieden werden können.)
Jeder und jede macht ständig „gender“
Jedem sozialen Geschlecht werden kulturabhängig spezifische Verhaltensweisen, Aufgaben, Berufe, Stellungen in der Hierarchie u.a.
zugewiesen, die nicht nur von Begabungen,
Motivationen und Kompetenzen abhängen,
sondern auch und vor allem von den Erwartungen an die Genderrolle, der Rasse und der
ethnischen Zugehörigkeit.
„Dass gender ständig in der menschlichen Interaktion, aus dem sozialen Leben heraus geschaffen und wiedergeschaffen wird und der
Stoff und die Ordnung des sozialen Lebens ist,
erscheint den meisten Menschen kaum glaublich. Und doch ist gender genauso etwas vom
Menschen Produziertes wie die Kultur und genau wie dies darauf angewiesen, dass jede
und jeder ständig `gender macht` […]“ (Lorber)
Westliche Gesellschaften haben nur zwei gender, „Mann“ und „Frau“, doch es gibt auch Gesellschaften mit drei gender – Männer, Frauen und Berdachen oder Hijras oder Xaniths
werden als biologische Männer bezeichnet;
Gender ist wichtig für unsere sorgende Gesellschaft
Elisabeth Reitinger als Genderforscherin
sagt dazu: „Als Gesellschaft sind wir weiterhin gefordert, Lebensmöglichkeiten für beide
Geschlechter so weit zu fördern, dass Unterschiede zwischen verschiedenen Frauen und
Unterschiede zwischen verschiedenen Männern tatsächlich größer werden, als Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Bis an
das Lebensende und darüber hinaus.“
Das bedeutet also, dass es uns ein Anliegen
sein sollte, die Heterogenität von Männern und
Frauen zu erkennen:
Besonders in Extremsituationen des Lebens
zeichnen sich die mangelhaft erkannte Heterogenität der Männer und Frauen und die dadurch entstehenden Nachteile dieses Systems
ab. Beispiele hierfür sind: Unheilbare Erkrankungen wie bspw. Krebs oder Demenz; aber
auch der Eintritt ins Rentenalter, Pflegebedürftigkeit oder Trauerprozesse bzw. das Sterben.
Sicht
Nr. 61 Seite 47
Zum Nachdenken:
•
Denken Sie doch einmal über Ihre persönlichen Eigenschaften des Frau- oder MannSeins nach!
Wie werden Sie von außen wahrgenommen? Stimmt das mit Ihrer Innenwahrnehmung überein?
•
Trainieren Sie diese genderspezifische
Sensibilität im täglichen Leben und betrachten sie die Vielfalt wohlwollend als Bereicherung!
•
•
Was wäre anders in Ihrer Familie/ bei der
Arbeit/ in der Freizeit/ im Freundeskreis,
wenn die Geschlechterrollen umgekehrt
wären?
Haben sich Ihre weichen und harten Anteile
im Lauf des Lebens verändert?
Hinweis:
Die Bedeutung des sozialen Geschlechts für
das bürgerschaftliche Engagement einer Stadt
können Sie im Artikel „Geschlechter-gerechtes
Ehrenamt“ auf Seite 29 nachlesen!
Der 77. Geburtstag
Waltraud Ypersiel
„Ist das Jahr wirklich schon wieder um?“ fragt
die Bekannte, als ich angerufen habe, um zu
gratulieren. Ich wollte wissen, wie es für sie
war, das vergangene Jahr.
Darüber habe sie nicht nachgedacht. Ein Tag
folgte dem Nächsten, Woche reihte sich an
Woche und Monat an Monat und ehe sie sich
versah, war das Jahr vorbei und sie wieder ein
Jahr älter.
Damit hat sie sich arrangiert. Ich frage weiter:
„Was erwarten Sie, was möchten Sie in Ihrem
Alter?“ Nicht viel, und doch das aller wichtigste: Gesundheit. Je älter sie wird, umso wichtiger wird für sie die Gesundheit.
Selbstständig in der eigenen Wohnung bleiben.
Allein, ohne fremde Hilfe zurechtkommen. Das
sind ihre Wünsche für das kommende Jahr.
Lernen, mit den Altersgebrechen umzugehen
ohne zu klagen, was manchmal ganz schön
schwer fällt.
Sie sagt, wenn ich alt werden will, muss ich
wohl oder übel damit leben. So versucht sie
es auch immer wieder. Was wünscht sie sich
noch? Dass ihre Familie gesund bleibt und sie
sich keine Sorgen machen muss. Dass es allen gut geht, sie zufrieden und glücklich sind.
Auch das sind ihre Wünsche am Geburtstag.
Auf Geschenke kann sie verzichten, aber sie
freut sich sehr, wenn man an sie denkt, ihr liebe Grüße und gute Wünsche schickt.
Sie feiert nicht, und lädt auch nicht ein. Dieser
Tag gehört ihr ganz allein.
An diesem Tag ist sie Egoist und denkt nur an
sich. Nicht an Gestern, nicht an Morgen.
Ihr Geburtstag ist heute. Und wenn sie ehrlich
ist, ist ihr auch der ganze Aufwand einer Feier
zu viel. Sie geht spazieren, Kaffee trinken oder
ein Eis essen, worauf sie gerade Lust hat. Und
schon ist auch dieser Tag vorbei. Sie hofft,
dass sie noch ein paar Geburtstage bei guter
Gesundheit erleben kann. Eine liebe Nachbarin im gleichen Alter wünschte ihr auf dem
Geburtstagsgruß: viel Gesundheit und dass
wir noch einige Jahre zusammen sein können.
Und das wünscht sie sich auch.
Gibt es ein schöneres Geburtstagsgeschenk?
Sicht
Nr. 61 Seite 48
Bilderrätsel SICHT – Ausgabe 61
Kunst im Kreisverkehr
Wie hat der Künstler Rudi Olm sein
Werk genannt?
Es ist die ……………………….........
25 Kugeln als Blüten versinnbildlichen die kulturelle und historische
Eigenheit eines Landes und seiner
Bevölkerung in seiner bunten Vielfalt. Die gekrümmten Stängel symbolisieren die oft schwierigen Wege
der Staaten innerhalb der Union.
Der oder die Gewinner/ in erhält einen Gutschein für ein „Gute Laune-Frühstück“ für 2 Personen
von der Bäckerei Theodor Greve, Dungestraße 3, Herdringen.
Bei mehreren richtigen Einsendungen entscheidet das Los.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Der Betrag kann nicht ausgezahlt werden.
Lösungen bitte schriftlich an:
Stadt Arnsberg Fachstelle Zukunft Alter / GenerationenMagazin SICHT
Clemens-August-Straße 120, 59821 Arnsberg, eines der Stadtbüros, oder mailen Sie unter:
[email protected]
Einsendeschluss: 5. November 2014
Auflösung SICHT – Ausgabe 60
Die richtige Antwort:
Dieses wunderschöne Wasserschloss liegt im
Arnsberger Ortsteil Voßwinkel.
Aus den vielen Einsendungen wurde Werner
Wessendorf ermittelt und gewinnt einen Menü-Gutschein in Höhe von 25 € von Beate und
Robert Polniak vom Kolpinghaus Neheim.
Herzlichen Glückwunsch
hre Rätselredaktion
vom GenerationenMagazin SICHT
Sicht
Nr. 61 Seite 49
Unerhört schön
Verlag „ANDERE ZEITEN E. V.“
An einer U-Bahn-Haltestelle in Washington DC steht an einem kalten Januarmorgen 2007 ein
Mann mit einer Violine. Er spielt Bach, auch Schubert.
Während dieser Zeit kommen im morgendlichen Berufsverkehr Hunderte von Menschen an ihm
vorbei. Es dauert ein paar Minuten, bis der erste Passant den Geiger bemerkt. Er verlangsamt
seinen Schritt für ein paar Sekunden. Aber er unterbricht seinen Weg nicht. Kurz darauf wirft eine
Frau den ersten Dollar in den Hut des Musikers, aber auch sie bleibt nicht stehen. Ein junger
Mann hält kurz inne, um zuzuhören. Aber ein Blick auf seine Uhr treibt ihn an, weiterzugehen.
Dann nähert sich ein etwa dreijähriger Junge. Er möchte stehen bleiben, aber seine Mutter zieht
ihn an ihrer Hand weiter. Das Kind schaut im Gehen zurück, will der Musik weiter zuhören. Die
Mutter treibt es an. Wie dieser Junge verhalten sich einige Kinder, aber ausnahmslos drängen
ihre Eltern sie zur Eile.
Der Geiger spielt, ohne abzusetzen. Insgesamt sechs Menschen bleiben vor ihm stehen und hören ihm für kurze Zeit zu. Vielleicht 20 Vorübergehende werfen ihm eine Münze in den Hut. Nach
einer knappen Dreiviertelstunde beendet der Geiger sein Konzert. Es wird still. Aber niemand
nimmt davon Notiz, niemand applaudiert. 32 Dollar sind zusammengekommen. Der Violinist war
Joshua Bell, einer der besten Musiker der Welt. Er spielte unter anderem eines der komplexesten
und schwierigsten Musikstücke, die jemals geschrieben wurden: die „Chaconne in d-Moll“ von
Johann Sebastian Bach. Die Geige, die er dafür verwendete, war 3,5 Millionen Dollar wert.
Zwei Tage davor hatte Joshua Bell vor einem ausverkauften Haus in Boston das gleiche Konzert
gegeben. Die Karten für dieses Ereignis kosteten durchschnittlich 100 Dollar.
Sein Auftritt in der U-Bahn-Station war ein Experiment. Die Zeitung „Washington Post“ hatte es in
Auftrag gegeben. Die Redaktion interessierte die Frage, ob Menschen Schönheit auch in einem
ganz alltäglichen Umfeld wahrnehmen. Ob wir die Besonderheit einer Situation in einem unerwarteten Kontext erkennen. Und ob wir uns in unserem routinierten Tagesablauf vom Augenblick
berühren lassen.
Das Geld …
Es kann ein Haus kaufen … aber kein Zuhause.
Es kann ein Bett kaufen … aber keinen Schlaf.
Es kann eine Uhr kaufen … aber keine Zeit.
Es kann ein Buch kaufen … aber kein Wissen.
Es kann eine Position kaufen … aber keinen Respekt.
Es kann einen Arzt bezahlen … aber keine Gesundheit.
Es kann Blut kaufen… aber kein Leben.
Unbekannter Autor
Sicht
Nr. 61 Seite 50
War es Mord?
Rolf Hilje
In dem folgenden Artikel geht es um einen
der traurigsten FälIe, den ich in meiner langen
Praxis als Bewährungshelfer erlebt habe. Der
Täter war Anfang der sechziger Jahre wegen
Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe
verurteilt worden.
Die Tat war in einer Kleinstadt in Niedersachsen geschehen und hatte in den Medien für
großes Aufsehen gesorgt. Das Opfer war ein
zweijähriger Junge.
25 Jahre der lebenslangen Freiheitsstrafe hatte der Täter in einer Justizvollzugsanstalt in
Niedersachsen verbüßt. Die Vollstreckung der
noch offenen Strafe wurde durch den Ministerpräsidenten auf dem Gnadenweg zur Bewährung ausgesetzt und die Bewährungszeit auf
fünf Jahre bestimmt. Noch vor der Entlassung
hatte K., so werde ich ihn in meinem weiteren
Bericht nennen, durch Briefkontakte eine Frau
aus dem Sauerland kennengelernt und vor
seiner Entlassung geheiratet. Wie er mir später mitteilte, war ihm von der Familie des Opfers Rache geschworen worden, so dass eine
Rückkehr an seinen Heimatort nicht möglich
war und für ihn eine erhebliche Gefährdung
bedeutet hätte. Im Rahmen der Entlassungsvorbereitungen wurden der Dienststelle der
Bewährungshilfe in Arnsberg sämtliche Akten
des Strafverfahrens zugeschickt.
Zunächst landeten diese Akten auf meinem
Schreibtisch und ich war über das Tatgeschehen mehr als betroffen. Als Vater von vier Kindern sah ich keine Möglichkeit, die Betreuung
vorurteilsfrei zu übernehmen.
Mein Kollege, Vater von zwei Kindern, kam
nach eingehender Prüfung der Akten zum gleichen Ergebnis. Wir waren uns im Klaren darüber, dass einer von uns beiden die Betreuung
übernehmen muss. Bei der weiteren Entscheidung spielten methodische und sozialpädagogische Aspekte keine Rolle, sondern das Los
musste entscheiden. Als Verlierer habe ich
dann die Bewährungsbetreuung übernommen.
Anfangs waren unsere Gespräche alles an-
dere als erfreulich und insbesondere habe ich
deutlich gemacht, dass es mir schwer gefallen
sei, die Betreuung zu übernehmen.
Die Gründe habe ich sehr offen mit ihm besprochen und daraufhin hingewiesen, dass ich den
Schwerpunkt meiner Arbeit primär in einer optimalen Kontrolle und Überwachung sehe. Erst
nach Ablauf von etwa sechs Monaten wurde
die Gesprächsatmosphäre etwas entspannter
und K. erklärte mir, dass er unschuldig verurteilt worden sei.
Diese Einlassung konnte und wollte ich nicht
akzeptieren und wies ihn darauf hin, dass ich
vor seiner Entlassung Einsicht in die Ermittlungsakten nehmen konnte. Unter anderem
erwähnte ich sein Geständnis gegenüber der
Polizei. Ferner erklärte ich ihm, dass ich zu
Beginn unserer Zusammenarbeit erhebliche
Vorurteile hatte und inzwischen feststellen
musste, dass er nicht nur der Mörder, sondern
auch ein Mensch sei, mit dem ich auf einer
sachlichen Ebene zusammenarbeiten kann.
Die Erlebnisse im Strafvollzug hatte K. in keiner Weise verarbeitet und berichtete über brutale Attacken seiner Mitgefangenen. In der Gefängnishierarchie wurde er als Kindesmörder
ständig angefeindet und bedroht. Der Autor
des Buches „Knast“, Joe Bausch, ist nicht nur
als Gerichtsmediziner Dr. Joseph Roth aus der
Fernsehkrimiserie Kölner Tatort bekannt geworden, sondern im wahren Leben als Gefängnisarzt in der Justizvollzugsanstalt Werl. In seinem
Buch befasst er sich unter anderem mit dem
Gefängnisalltag, den Täterpersönlichkeiten und
der Hierarchie unter den Gefangenen. Nach den
Erkenntnissen des Autors genießt der Bankräuber oder räuberische Erpresser das höchste Ansehen unter den Gefangenen. Nicht nur der Kindesmörder, sondern auch der Kinderschänder
steht auf der untersten Stufe der Hackordnung
und dies bestätigt die Erfahrungen des von mir
betreuten Probanden. Entgegen aller Vermutungen ist er in den fünf Jahren der Bewährungszeit und auch danach strafrechtlich nicht wieder
in Erscheinung getreten.
Sicht
Nr. 61 Seite 51
Sonderbeitrag
Klimawandel und die Ruhr in Arnsberg
Dr. Gotthard Scheja, Umweltbüro Stadt Arnsberg
In der letzten Ausgabe der SICHT hatten wir uns
mit dem Thema „Klimawandel und Gesundheit“
beschäftigt. Dabei ging es in erster Linie um
Temperaturveränderungen und deren Folgen
für den Menschen und die Natur. Betrachten wir
heute die Ruhr, so hat der Klimawandel noch einen anderen Aspekt, der indirekt mit der Temperatur zusammenhängt.
Niederschlag oder Regen. Aus der Physik weiß
man, dass die Atmosphäre pro Grad Erwärmung
7 % mehr Wasser aufnehmen kann. Bei einer globalen Erwärmung, wie
sie im Zuge des Klimawandels diskutiert
wird (2 – 4o C), heißt
das, dass sich die Atmosphäre deutlich mit
Wasser
anreichern
wird. Dieses wird entsprechend dem Kreislauf des Wassers wieder zur Erde zurück
gelangen und je nach
Dauer und Heftigkeit
des
Niederschlags
zu Problemen führen.
Natürlich passiert das
nicht gleichmäßig auf der Welt. In Abhängigkeit
von vielen Faktoren (Wind, Topographie u. a.)
gibt es Gebiete, die stärker betroffen sein werden und andere, die unter Regenmangel leiden.
Klimamodelle versuchen auf regionaler Ebene
Aussagen zu treffen. Für NRW wird vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung prognostiziert, dass sich im Bezug auf den Jahresniederschlag keine großen Veränderungen ergeben
sollen. Es wird eine Tendenz zu nasseren Wintern und trockeneren Sommern geben. Des Weiteren gibt es eine Tendenz zu extremeren Niederschlägen, die an Häufigkeit zunehmen.
Welche Auswirkungen hat das für uns und unsere Ruhr? Schauen wir uns die Vergangenheit
an, dann gab es in Arnsberg immer mal wieder
nennenswertes Hochwasser in der Ruhr (1968,
1970, 2007), die im Vergleich zu neueren Berechnungen und historischen Ereignissen in den
letzten Jahrzehnten keine großen Schäden verursacht haben. Die stärksten Hochwasser gab
es im November 1890 (Katharinenflut) und in
Folge der Möhnekatastrophe (Mai 1943).
Es kann aber schlimmer kommen. Das belegt
der „Hochwasseraktionsplan Ruhr“ aus dem
Jahr 2003. Hiernach hat Arnsberg bei einem neu
berechneten 100-jährigen Hochwasserereignis
die höchsten Schäden
im gesamten Verlauf
der Ruhr zu erwarten.
Die
Berechnungen
basieren auf aktuellen Daten (Einzugsgebiet, Topographie,
Landnutzung
u.a.).
Dabei sind die Probleme zunächst nicht
auf den Klimawandel
zurück zu führen. Die
starke
Inanspruchnahme der Flussaue
für Siedlungszwecke
und der Ausbau der
Ruhr in den vergangenen Jahrhunderten haben
den Überschwemmungsbereich eingeengt und
gleichzeitig teuere und empfindliche Infrastruktur
ans Gewässer gebracht. Die massive Zunahme
der versiegelten Bereiche (Siedlung, Verkehrswege), deren Niederschlagswasser sehr schnell
in die Gewässer gelangt, sind mit Ursache für
diese gestiegene Empfindlichkeit.
Fotos aus Neheim „Binnerfeld“ zeigen die Veränderungen, die innerhalb von 100 Jahren vonstatten gingen. 1841 hatte die Ruhr einen anderen Verlauf als 1950 und war nicht eingedeicht.
Die Eindeichung erfolgte ca. 1930 zum Schutz
der Neheimer Bebauung und der vorgelagerten
Gärten und landwirtschaftlichen Flächen. Des
Weiteren ist östlich der Ruhr ein „Altarm“, der
seinerzeit als Untergraben im Vorgriff auf eine
Nr. 61 Seite 52
Wasserkraftanlage (im Bereich des jetzigen Rathauses) abgegraben, aber nicht weiter verfolgt
und später zugeschüttet wurde. Durch Mitwirkung des „Reichsarbeitsdienstes“ wurden um
die dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts die
Ruhrufer befestigt. Das zeigt, dass gegenüber
einem vormals recht natürlichen Zustand Veränderungen stattgefunden haben, die die Ruhr in
ihrem Verlauf stark beeinträchtigen.
Alleine das hätte ausgereicht, um Gegenmaßnahmen einzuleiten. Da kommt der Klimawandel
noch hinzu, bei dem die Niederschläge im Winter
mehr und heftiger werden sollen. In der Gesamtschau für die Ruhr heißt das, dass wir in vielen
Stellen im besiedelten Bereich Hochwasserprobleme bekommen werden. Diese Problembereiche sind aufgrund der neuen Abflussmodelle
bekannt. Es gibt nun zwei Möglichkeiten:
1. Wir legen die Hände in den Schoß und hoffen,
dass es (wie in der Vergangenheit) zu keinen
großen Schäden kommt.
2. Wir befassen uns mit der Sachlage und Verbessern die Situation.
Letzteres ist der nachhaltigere Weg. Dabei teilen
sich die Aufgaben zwischen Kommune und Privatpersonen auf. Das für Hochwasser zuständige Wasserhaushaltsgesetz sagt in seinem § 31
a Abs. 2: Jede Person, die durch Hochwasser
betroffen sein kann, ist im Rahmen des ihr Möglichen und Zumutbaren verpflichtet, geeignete
Vorsorgemaßnahmen zum Schutz vor Hochwassergefahren und zur Schadensminderung zu
treffen. Das bedeutet, jeder der durch Hochwasser Schaden nehmen könnte, muss in seinem
Einflussbereich versuchen, den Schaden so gering wie möglich zu halten. Das beginnt damit,
seinen PKW nicht bei drohendem Hochwasser
in einem derart gefährdeten Bereich zu parken
und endet mit Maßnahmen am eigenen Haus,
die ein Eindringen von Wasser verhindern.
Was hat die Stadt unternommen?
Als dies 2003 bekannt war, kamen wir hier im
Rathaus nicht nur wegen der damalig hohen
Temperaturen ins Schwitzen. Die Tatsache, dass
eine so starke Gefährdung für die Stadt auftreten kann, war Anlass zum Handeln. Dabei war
eine Voraussetzung, dass hier nicht das Gewäs-
Sicht
ser begradigt und mit Deichen und Mauern versehen werden sollte, um das Wasser schnellst
möglich aus dem Stadtgebiet zu transportieren.
Dies mit der Folge, dass die Unterlieger damit zu
Recht kommen müssten. Weil auch gleichzeitig
die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen
Union (2002) den „guten ökologischen Zustand
der Gewässer“ forderte, sollte Hochwasserschutz und Strukturverbesserung der Gewässer
(Ökologie) kombiniert werden. Daraus erwuchsen in den Jahren 2003 bis 2014 insgesamt 18
Maßnahmen an Ruhr, Möhne und Röhr, die unter der Definition „Renaturierung“ liefen.
Ziel ist es, die Eigendynamik des Gewässers
zu fördern, den ökologischen Zustand und die
Strukturvielfalt sowie den Hochwasserschutz zu
verbessern. Im Sinne einer ökologischen Verbesserung ist das Gewässer mit den Renaturierungsabschnitten ganzheitlich in seinem Umfeld
zu sehen und angepasst an die jeweilige Situation optimal zu verbessern. Die Maßnahmen zur
Verbesserung der Strukturgüte beinhalten:
• die weiträumige Aufweitung des Fließquerschnittes durch Abgraben des Vorlandes zur
Schaffung einer abwechslungsreich strukturierten Fließgewässerlandschaft,
• die Schaffung von eng verzahnten wassergebundenen, landwassergebundenen und
Land-Lebensräumen durch Anheben der
Sohle, Anlegen von Stillwasserbereichen und
Flutmulden mit variabel geneigten Böschungen,
• das Entfernen von Sohl- und Uferverbauungen in Bereichen ohne einschränkende Infrastruktureinrichtungen und den Ersatz von Betonsicherungen durch naturnah strukturierte
Schüttsteinpackungen (schlafende Sicherungen).
Den Fluss erleben. Neben den ökologischen
Verbesserungen und dem Hochwasserschutz
spielt die Thematik „Erlebbarmachen des
Flusses“ für die Bevölkerung (Naherholung)
und ggf. Freizeitnutzung (Tourismus, RuhrTalRadweg) eine große Rolle. Maßnahmen an
kleineren Gewässern bieten die Möglichkeit
Beschäftigungsinitiativen einzusetzen. Hier
ist aufgrund der Lage und Topographie ein
Maschineneinsatz in größerem Umfang nicht
sinnvoll und notwendig.
Sicht
Die Renaturierungsmaßnahmen leisten aufgrund der Aufweitung des Abflussquerschnitts
und der Abflachung der Ufer einen wesentlichen
Beitrag zum Hochwasserschutz, insbesondere
in den besiedelten Bereichen und bei häufiger
wiederkehrenden Ereignissen.
Der grundlegende Gedanke ist, zunächst eine
ökologische Verbesserung des Gewässers herbei zu führen und die Eigendynamik zu fördern,
um im Anschluss die noch erforderlichen technischen Hochwasserschutzmaßnahmen (in Form
von Dämmen und Mauern, ggf. auch mobiler
Hochwasserschutz für ein 100-jähriges Ereignis)
in weit geringerem Umfang durchzuführen. Hierzu wird derzeit ein weitergehendes Konzept zum
zusätzlichen technischen Hochwasserschutz
erstellt, was derartige Notwendigkeiten bezeichnet.
Finanzierung
Die Finanzierung erfolgt zu:
• 80 % aus Mitteln des Maßnahmenprogramms
zur Umsetzung der EU Wasserrahmenrichtlinie des Landes NRW
• 20 % Eigenanteil der Stadt (Refinanzierung
durch Ökokonto der Stadt)
Bei den zur Verfügung stehenden Fördermitteln
und dem städtischen Eigenanteil handelt es sich
um zweckgebundene Mittel. Diese können nicht
für anderweitige Maßnahmen (z.B. Löcher in
den Straßen, Schulrenovierungen o. a.) verwendet werden.
Resonanz in der Bevölkerung
Aus den durchgeführten Maßnahmen lassen
sich einige grundlegende Vorgehensweisen darstellen, die zum Gelingen und Akzeptanz in der
Öffentlichkeit beitragen. Eine Beteiligung aller
Betroffenen (Anwohner, Träger öffentlicher Belange, Angler, Naturschutz usw.) zu Planungsbeginn, spätestens jedoch deutlich bevor die
wasserrechtliche Genehmigung beantragt wird,
ist ein wichtiger Punkt. Die sich hieraus ergebenden Anregungen und Hinweise sollten (soweit
möglich) in die Planung mit einbezogen werden.
Z. B. war bei einer innerstädtischen Maßnahme
vorgesehen, eine Wiesenfläche als nur im Hoch-
Nr. 61 Seite 53
wasserfall anspringende Umflutmulde auszubilden, in der sich temporäre stehende Tümpel
entwickeln konnten. Hier gab es deutlichen Widerstand aus der Bevölkerung, da dort Brutstätten für Mücken gesehen wurden. Der Abschnitt
wurde umgeplant und ein durchflossener Seitenarm angelegt.
Die Angelvereine haben in Arnsberg das Problem geringer Wasserführung in Ausleitungsstrecken in den Sommermonaten. Von daher wurden Maßnahmen in diesen Bereichen kritisch
gesehen und es bedurfte einiger Überzeugungsarbeit die Vorteile der renaturierten Strecken
darzustellen. Angler wurden daher nicht nur bei
der Planung beteiligt, sondern hatten auch die
Möglichkeit, während der Bauzeit z. B. Einfluss
auf die Ausbildung von Kolken oder das Einbringen von Totholz zu nehmen. Diese Zusammenarbeit führte letztlich dazu, dass Vereine eigene
Renaturierungsmaßnahmen an ihren Pachtgewässern durchgeführt haben.
Die Arnsberg Kommunalpolitik hat die Maßnahmen von Beginn an unterstützt, da eine Reihe
von Synergien (vorrangig Hochwasserschutz) erzielt werden konnten. Von großer Bedeutung für
die reibungslose Durchführung der Maßnahmen
war das Zusammenspiel zwischen Maßnahmenträger, Aufsichtsbehörde und Fördergeber. Alle
Projekte wurden in enger Abstimmung und unter
Mitwirkung von Bezirksregierung Arnsberg, der
Wasserbehörde des Hochsauerlandkreises, den
Planungsbüros und der Stadt Arnsberg durchgeführt. Dabei kam das Interesse eines jeden Mitwirkenden fördernd zur Geltung.
Bilanz
Die Renaturierungsmaßnahmen an der Ruhr
gelten in Arnsberg als die kommunalen Maßnahmen mit den meisten positiven Effekten. Hier
sind zunächst die positiven ökologischen Auswirkungen zu nennen.
Durch die wiedererlangten eigendynamischen
Entwicklungsmöglichkeiten des Flusses ergeben sich die für den „schottergeprägten Mittelgebirgsfluss“ wichtigen Strukturen. Eine Vielzahl
kleinräumiger Lebensraumelemente bieten unterschiedlichen Arten und Entwicklungsstadien
wesentlich günstigere Lebensraumbedingun-
Nr. 61 Seite 54
gen. Die ersten Maßnahmen wurden 2007 im
Rahmen des Europäischen Ideenwettbewerbs
„Unsere Gewässer“ ausgezeichnet (www.ourwaters.net). Arnsberg ist dann im Mai 2013
ebenfalls im Rahmen der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“ für die Gesamtmaßnahmen ausgezeichnet worden (www.un-dekade-biologische-vielfalt.de).
Seit 2009 ist die Ruhr in Arnsberg (33 Kilometer Fließstrecke) komplett durchgängig. Hierzu
wurden ein Wehr und mehrere Sohlschwellen
entfernt sowie 3 Fischaufstiegsanlagen durch
die Stadt errichtet. Private Wasserkraftbetreiber
haben ebenfalls 3 Fischtreppen angelegt.
Als weiterer Punkt wird die Verbesserung des
Hochwasserschutzes gesehen. Arnsberg, als
eine stark von Hochwasser betroffenen Kommune an der Ruhr hat auf ökologisch sinnvolle
und nachhaltige Weise entscheidende Minderungen der Hochwassergefahren erzielt. Für
die Renaturierungsmaßnahmen ist die Stadt
beim bundesweit ausgeschriebenen „DWA Gewässerentwicklungspreis“ 2010 ausgezeichnet
worden.
Die renaturierten Abschnitte (bis 2013) umfassen eine Gesamtfließstrecke von rund 10 km
und haben Kosten in Höhe von 9.7 Mio. € verursacht. Die Veränderung der Flusslandschaft,
insbesondere innerstädtisch, hat bei der Bevölkerung sehr hohen Anklang gefunden.
Die Menschen haben „ihren“ Fluss wiederentdeckt und wert geschätzt. Damit verbunden ist
eine Steigerung des Naherholungswertes und
der touristischen Attraktivität - der viel befahrene Ruhrtal-Radweg begleitet die Renaturierungsstrecken. Diese Gesamtthematik fand
Niederschlag in der Auszeichnung: „ausgezeichnete Orte „Deutschland - Land der Ideen –
Ideen finden Stadt“ 2013 (www.land-der-ideen.
de/ausgezeichnete-orte).
Natur in der Stadt Arnsberg
Die Stadtentwicklung hat in Flussnähe eine positive Entwicklung genommen. Diese mündet
in der Neuansiedlung bzw. Attraktivierung von
Gastronomiebetrieben. Damit ist eine weitere
Form der Wertschöpfung in einer ansonsten
Sicht
finanzschwachen Stadt entstanden. Durch die
Maßnahmen hat der weiche Standortfaktor
„Natur in der Stadt“ einen weit höheren Stellenwert erlangt als vorher. Dies wirkt sich auf
die Zufriedenheit der Bevölkerung aus. In 2012
wurde Arnsberg im Rahmen des bundesweiten
Wettbewerbs „Lebenswerte Stadt“ ausgezeichnet (http://www.duh.de/3787.html). Die Stadt
Arnsberg zum „Deutschen Nachhaltigkeitspreis“ 2013 nominiert.
Weitere Synergieeffekte, die direkt mit den Renaturierungsmaßnahmen zusammenhängen,
wie z.B. die Erhöhung eines Lärmschutzwalles
an der A 46 durch die Stadt und die Abdeckung
einer Deponie mit dem bei den Renaturierungen anfallenden Aushubmaterial, fördern die
Akzeptanz zusätzlich. Die Verlängerung und
behinderten gerechte Gestaltung der Denz
(Schützen-)brücke über die Ruhr im Binnerfeld
wurde durch die Renaturierungsmaßnahmen
möglich. Alle diese Effekte unterscheiden die
abschnittsweise „neue“ Ruhr von ihrem vormaligen begradigten und unattraktiven Zustand.
Wichtig ist dabei, dass der Mensch einbezogen
ist und den Fluss in seiner neuen Form wahrnehmen und die wiedererlangte Natur schätzen
lernen kann.
Die Aktivitäten der Stadt haben dazu geführt,
dass Angelvereine („Gut Wasserwaid“ an der
Möhne (2006) und „Ruhrwellen“ an der Ruhr
im „Alten Feld“ (2012) und der Walpke (2013)),
der Hegering Arnsberg an der Ruhr (2013) sowie die Beschäftigungsinitiative „Neue Arbeit
Arnsberg“ (2011- 2013) mittlerweile eigene Renaturierungsmaßnahmen durchführen. Stabilere Lebensbedingungen für die Natur und den
Menschen.
Alles in Allem wird durch diese Maßnahmen
dem Klimawandel begegnet, indem stabilere Lebensbedingungen für die Natur und den
Menschen geschaffen sind und permanente
Verbesserungen des Hochwasserschutzes erzielt werden konnten.
Über weitere Folgen des Klimawandels (Starkregenereignisse und Anpassungen bei kleineren Gewässern) wird in einer weiteren Folge
der SICHT berichtet.
Sicht
IMPRESSUM:
GenerationenMagazin
der Stadt Arnsberg
Nr. 61 Seite 55
BILDQUELLENNACHWEIS:
Sicht
Titelbild: Olaf Martens
Die Beiträge geben die Meinung des Verfassers wieder. Diese muss nicht der des Herausgebers entsprechen.
Für Fehler in den Beiträgen ist ausschließlich der Autor verantwortlich. Die Redaktion
behält sich vor: Artikel zu kürzen, zu überarbeiten zu drucken und elektronisch zu veröffentlichen.
Beachtung der Bildrechte. Verwendung von
veröffentlichten Bildern und Texten, nur mit
Genehmigung der SICHT-Redaktion bzw.
des Autors.
Redaktion:
Marita Gerwin, Stefan Gößling,
Sigrid Grobe, Karola Hilborne-Clarke,
Rolf Hilje, Bernd Kipper, Uwe Künkenrenken
Martin Polenz, Manuela Völkel,
Waltraud Ypersiel
Layout:
Petra Krutmann, Uwe Künkenrenken
Bürgermeisteramt - Pressestelle:
Elmar Kettler
Herausgeber:
Stadt Arnsberg, Der Bürgermeister,
Rathausplatz 1, 59759 Arnsberg
Email: [email protected]
Seite 3 K_by_lichtkunst.73_pixelio.de(1)
Seite 6/26/32/35/36 privat
Seite 7/33
Uwe Künkenrenken
Seite 8/9
Bernd Kipper
Seite 12/13 Sigrid Grobe
Seite 16/48 Hanni Borzel
Seite 18/19 Archiv Benedikt Jochheim
Seite 20/34/39 Marita Gerwin
Seite 22/23 Olaf Martens
Seite 27
Seniorenbeirat
Seite 28
Maria Büttner, pixelio.de
Seite 31
Eule, pixelio.de
Seite 37
Barbara Uerschels
Seite 43
Walter Bräutigam
Seite 51
NZO Bielefeld
www.arnsberg.de/zukunft-alter/sicht.pdf
Streichholzrätsel
Welches Streichholz muss
umgelegt werden, damit die
Gleichung stimmt?
Welches Streichholz muss
umgelegt werden, damit die
Gleichung stimmt?
Lösung: Streichholz 15 auf 6
Auflösung in Ausgabe Nr. 62
Sicht
Nr. 61 Seite 56
PINNWAND
Das Senioren-Internet-Café im Bürgerzentrum
Bahnhof Arnsberg sucht dringend Mitarbeiter/Innen
für die Vermittlung von Computer-Grundkenntnissen in
Senioren-Anfängergruppen.
Kontakt:
Mo. bis Fr. 9:00-12:00 Uhr  02931-4877
sonst 02931-788769 Serge Mathieu
oder 02932-3993 Jürgen Renner
www.senioren-internet-cafe-arnsberg.de
Sicht
62. Ausgabe
Neue
erscheint
Anfang
Dezember 2014
Redaktionsschluss:
1. November 2014
SOS Dienst
Arnsberger Tafel
für pflegende Angehörige
Ausgabestelle Neheim
Möhnestraße 35
 02932 941286
Montag und Freitag:
09:00-12:00 Uhr
Dienstag, Mittwoch und
Donnerstag:
15:00-17:00 Uhr
Sie brauchen eine kurze Auszeit?
Sie haben einen kurzfristigen
Arzttermin?
Wir helfen ehrenamtlich und
kostenlos.
Engagementförderung Arnsberg
 02931 9638-104
Seniorennachmittag
in Alt-Arnsberg
Donnerstag 23.10.2014
Saalöffnung 14:00 UIhr
Beginn 15:00 Uhr
Festhalle der Bürgerschützen
Karten im Stadtbüro Alter Markt
€ 5 (siehe auch Bericht Seite 13)
Jeden 2. und 4. Mittwoch
im Monat
16:00 bis 18:00 Uhr
Bürgerzentrum Bahnhof
Arnsberg
Clemens-August-Str. 120
Senioren Kaffee
und Klönnachmittag
Zuhören-verstehen-begleiten
Sie leben allein?
Wünschen sich ein offenes
Ohr, ein gutes Gespräch?
Die Ehrenamtlichen des
Projektes Zuhören, verstehen,
begleiten besuchen sie gern.
Engagementförderung
Arnsberg
 02931 9638-104
Seniorenkino Arnsberg
Residenz-Kino-Center
Ausgabestelle Arnsberg
Ruhrstraße 74 d
 02931 936563
Mittwoch
10:00 bis 12:00 Uhr und
14:00 bis 15:30 Uhr
Ausgabestelle Sundern
Hauptstraße 54
 02933 9099295
Donnerstag:
13:00 bis 16:30 Uhr
mit den
Arnsberger Stadtmusikanten
jeden 3. Donnerstag
ab 16:00 Uhr
(siehe auch Seite 15)
Beginn: 14:30 Uhr
Seniorenkino Neheim
Apollo-Theater
24. September 2014
29. Oktober 2014
26. November 2014
Beginn: 14:30 Uhr
Titel entnehmen Sie bitte
der Tagespresse.
Titel entnehmen Sie bitte
der Tagespresse.
27. September 2014
22. November 2014