bella italia stunden

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bella italia stunden
reise
r
Reise
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Stunden
Bella Italia
Text und Fotos: Doris Springenfels
Padua
Vero n a
Udine
Das Gute liegt so nah. Um voll ins italienische Leben einzutauchen bedarf es nur vier bis sechs Stunden Fahrzeit. Es muss nicht immer Venedig sein – in Oberitalien gibt es zahlreiche interessante Städte. Entdecken Sie mit uns die Schönheit Udines, Paduas und Veronas.
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Constance Halaveli
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Udine
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Reise
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dine ist für die meisten von uns der Beginn von Bella Italia.
Man brettelt die A2 in Richtung Süden, passiert bei Tarvisio die Grenze, fährt durchs Kanaltal und schon ist man
da. Das gilt natürlich nur für Ostösterreicher. Kärntner z.B.
sehen Udine sowieso als ihr erweitertes Wohnzimmer an. „Wo warst
Du am Wochenende?“ Na in Udine, natürlich. Zum Shoppen und
Herumflanieren, und zum gut Essen, denn auch das gehört zu einem
Kurztripp nach Italien einfach dazu. Doch davon später mehr. Wir
erarbeiten uns Udine erst mal langsam, von der historischen Seite.
Die nahe Vergangenheit
In den 70er Jahren war Udine einer der wichtigsten Anlaufpunkte für
die nach italienischem Flair lechzenden Herzen der Österreicher. Die
anderen waren die Adriaküste mit den Paradebadestädten Jesolo, Lignano und Caorle sowie Tarvis, um sich am Markt schnell mal eine
Lederjacke zu kaufen, die dann in der Tapezierung des Autos vor
dem Zoll versteckt wurde. In den 80ern fuhr man hin, um gut zu
schmausen. Als sich in Wien das italienische kulinarische Angebot
auf zu weiche Pastasciutta (mit Felix Sugo) und Pizza Cardinale mit
einer Riesenportion Oregano beschränkte, tauchte man in Udine
erstmals in den italophilen Antipasti-Himmel ein. In den 90ern wurde dann bekannt, dass man rund um Udine auch günstig Möbel
kaufen kann und schon ging die Pilgerei nach Tricesimo los, zum
Walcher und anderen Wohndesigntempeln. Alles war in Italien schöner – die Fliesen, die Sofas, die Lampen – heute haben wir längst
aufgeholt, nach Udine fahren wir aber immer noch gerne.
Was macht Udine so besonders?
Was hat diese Kleinstadt, was vergleichbare österreichische Städte
nicht haben? Vieles. Allem voraus, sie ist eben italienisch und hat
daher einen Sonder-Bonus bei uns. Die Uhren ticken hier anders.
Auch die am historischen Rathausturm am Piazza della Libertà.
Udine ist eine vornehme und gesellige Stadt. Am Spätnachmittag
trifft man sich nach der Arbeit in den Lokalen an den Piazze, um bei
einem Glas Aperol-Spritz oder Prosecco den Beginn des Abends zu
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feiern. Die Touristen verlassen langsam die Stadt, jetzt dominiert
wieder das Italienische vor dem Kärntnerischen. Die Piazza della
Libertà selbst beeindruckt durch gar vieles. Erstens durch ihre Lage
am Fuße des Burgberges, zweitens durch die schönen Paläste, die sie
umgeben, allen voran die Loggia di San Giovanni von 1553 und
der Palazzo del Comune, Loggia del Lionello genannt, mit seiner
schönen, offenen Bogenhalle. Er wurde im 15. Jahrhundert errichtet
und zeigt eindeutig den Einfluß Venedigs, der auch am Uhrturm und
an der hohen Säule mit dem Markuslöwen zu erkennen ist. Abgesehen davon ist er auch interessant, weil sich in ebendiesen Arkaden
das Caffè Contarena befindet, eine der angesagtesten Bars der Stadt.
Wobei Bar in Italien nicht Nachtclub bedeutet, sondern ein ganztägig
frequentiertes Caffé, wo es auch leckere Antipasti oder kleine Primi
zu essen gibt. Das Contarena ist auch deshalb ein guter Treffpunkt,
weil es am Beginn der Shoppingmeile liegt. Die Via Mercattovecchio
mit den Portici ist die breiteste Einkaufstraße der Stadt und die
Gassen rundherum sind voller Geschäfte – Max Mara, Stefanel,
Max&Co, Al duca d’Aosta, Falcomer, Carla oder Ciao – ein wahrer
Einkaufshimmel für Fashionistas.
Tiepolo ist allgegenwärtig
Diese interessante Stadt auf Shoppen und Kaffeetrinken zu reduzieren, damit würde man Udine allerdings nicht gerecht. Zu vieles gibt
es zu sehen, zu vieles zu entdecken. Allein schon der Spaziergang
zum Castello auf den Hügel oberhalb der Stadt, die ehemalige Residenz der venezianischen Statthalter, zu der man von der „Piazza
della Libertà“ durch ein von Andrea Palladio geschaffenes Tor aufsteigt, ist ein Erlebnis. Kulturinteressierte können in der Erzbischöflichen Residenz (Palazzo Arcivescovile) die Fresken von Giovanni
Battista Tiepolo bewundern oder im Dom von Udine, in der Kapelle
des Allerheiligsten, die meisterhaften Fresken (ca. 1725) von Giambattista Tiepolo, von dem auch das Auferstehungsbild (1738) im
eleganten Marmoraltar stammt, der wiederum Giuseppe Torretti
zugeordnet wird. Von Tiepolo ist auch das Altarbild in der Dreifaltigkeitskapelle.
Sie suchen venezianisches Flair, einladende Piazze, jede Menge Kunst und typische Ostarie? Dann sind Sie in Udine, der Hauptstadt Friauls genau richtig.
Mangiare bene
Udine-Tipps
Die im Zentrum gelegenen Plätze „Piazza Matteotti“ und „Piazza
XX Settembre“ mit ihren schönen historischen Häusern passiert
man immer wieder, wenn man durch Udine schlendert. Sie sind gesäumt von unzähligen Caffès, Insider biegen aber noch einmal um
die Ecke und stehen vor dem Al Capello, dem wohl bekanntesten
Beisl Udines. Von der Decke hängen Hüte (denen das Lokal und
das angeschlossenen Hotel seinen Namen verdankt), einige Katzen
verbringen hier ihr schläfriges Dasein im Gatto-Paradies und in der
Theke präsentieren sich köstliche Häppchen. Eine exquisite Auswahl an Minitoasts mit Tarfuffo, Pomodorini, Scampi, Bresaola,
viel besser als jedes Tramezzino. Wir haben auch noch einen anderen Tipp bekommen, abseits der Touristenpfade, wo man sehr gut
und in einem angenehmen Ambiente speist: Das Alla Tavernetta
in der Via Artico di Prampero 2. Die Speisekarte reicht von Fisch
bis Fleisch und schafft so manches Dilemma - es ist schwer, sich
nur für einen der köstlichen Vorschläge zu entscheiden. Genauso
geht es bei der Tischwahl - im Speisesaal am knisternden Kaminfeuer oder auf der Terrasse für ein Abendessen unter Sternen? Man
spürt hier förmlich den Enthusiasmus mit dem Roberto Romano
und seine Frau, Giuliana Petris, gemeinsam mit dem Küchenchef
Antonio Mereu und in Zusammenarbeit mit dessen Sohn Matteo
diese hervorragende Enoteca führen. „Ich wollte einen Ort schaffen, wo sich die Leute wie zu Hause fühlen, der gleichzeitig gepflegt sein und Traditionen folgen sollte“, so Roberto. Das ist ihm
gelungen, das Tavernetta ist ein Fixpunkt jedes Udinetrips für uns.
Lokale:
L’Hostaria alla Tavernetta, eines unserer Lieblingslokale in Udine
(siehe Beschreibung links). Via Artico di Prampero 2, Udine,
Tel. 0039/ 0432 501066 www.allatavernetta.com
Alla Ghiacciaia, ein Traum für Nostalgiker mit teilweise unverputzten Wänden, unbehandelten Holztischen, einer Kirchenbank
als Stammtisch, deftigen Gerichten zum Niederknien und christlichen Preisen. Via Zanon 13a, Udine, Tel. +39 043250 24 71.
Bibendum, ein bißchen schwierig zu finden (Tipp: Geben Sie in
Ihr Navi Orzano und nicht Remanzacco ein) aber dann ein Hit.
Köchin Barbara ist Autodidaktin und hat nicht umsonst einen
Michelin-Stern – jedes Gericht ist geschmackvoll, harmonisch, liebevoll und kreativ. Piazza Angeli 3, 33047 Orzano–Remanzacco
(Udine), Tel. +39 0432 64 90 55.
Shoppen: Dienstag bis Samstag. Am Sonntag fahren die Udineser
meistens aufs Land und montags sind in Italien traditionell die
Läden zu.
Märkte und Markttage: Ein großer Markt findet dienstags bis
samstags auf der Piazza Matteotti/Piazza San Giacomo statt.
Parken: Parken ist in Udine kein Problem. Rund ums Zentrum gibt
es mehrere Parkplätze, Parkhäuser und Kurzparkzonen. Unser
Tipp: der Parkplatz am Piazza 1. Maggio, wo sich auch die Tourismuszentrale befindet und es nur ein paar Schritte ins Zentrum sind.
Websites: www.turismofvg.it/de, www.friuliveneziagiulia.info
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Verona
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talienische Städte mit engen Gässchen, imposanten Plätzen, schmiedeeisernen Balkonen und geschichtsträchtigen
Gebäuden gibt es einige. Aber keine andere war Schauplatz der wohl bekanntesten Liebesgeschichte der Welt: Die
unglückselige Verbindung von Romeo Montague und Julia
Capulet entfacht auch heute noch Emotionen, inspiriert Filmemacher und Autoren. Nicht umsonst gehört „Briefe an Julia“
zu den erfolgreichen Lovestorys der letzten Jahre. Und gleich
der Protagonistin wandelt man ehrfürchtig durch ebenjene
schmalen Gässchen, bis man vom Strom der Menge zur Casa
di Giulietta getrieben wird. Denn anders als im Film sind die
Gassen Veronas alles andere als menschenleer – im zum Bersten vollen Innenhof rangeln sich Japaner um ein Bild mit der
schönen Verstorbenen, die in Form einer Bronzestatue unter
ihrem Balkon steht. Dreiste Hände greifen an ihren formvollendenten Busen und eigentlich verspürt man nur den Wunsch,
sie vor den Massen zu retten. Romeo, wo bist Du nur?
Flanieren in der Altstadt
Doch Verona hat noch viel mehr zu bieten als das Haus der
Julia. Opernbegeisterte aus aller Herren Länder reisen während
der Festspielzeit für bestimmte Aufführungen an. In der prächtigen Kulisse der Arena di Verona geraten Opernaufführungen
zu einem grandiosen Spektakel und auch Rockkonzerte finden
immer wieder in der Arena einen prächtige Szenerie. Doch
auch tagsüber ist das zur gleichen Zeit wie das Kolosseum in
Rom erbaute Amphitheater äußerst eindrucksvoll. Die Arena
ist meist das erste Monument, das man sieht, wenn man die
Innenstadt betritt. Verona ist gut ausgeschildert, rund ums
Zentrum befinden sich genügend Parkgaragen, eine davon
gleich ums Eck der Piazza Bra, eben jenem eleganten Platz,
dem die Arena sein unverwechselbares Aussehen verpasst. Ein
breiter Bürgersteig, der 1730 angelegte, gepflasterte Listone,
wird gesäumt von den Terrassen unzähliger Restaurants, die
in den Palazzi auf der Westseite des Platzes untergebracht sind.
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Wie alle Lokale mit besonderem Ausblick gilt auch hier, dass
dieser auch seinen Preis hat. Besser man schlägt sich in das
Gasserlwerk dahinter und taucht ein ins mittelalterliche Zentrum. Durch eine Einkaufsstraße, wo Furla, Coccinelle, Max
Mara und andere Verlockungen Frauenherzen höher schlagen
lassen erreicht man die Piazza delle Erbe, Marktplatz und
Versammlungsort der mittelalterlichen Stadtrepublik. An der
dem Durchgang zur Piazza dei Signori gegenüberliegenden
Schmalseite des Platzes stehen der wuchtige, an römische
Barockbauten erinnernde Palazzo Maffei von 1668 und der
mittelalterliche Uhrturm Torre del Gardello aus dem 14. Jahrhundert. Davor ragt eine Marmorsäule mit dem geflügelten
Markuslöwen empor. Die mittelalterlichen Bürgerhäuser der
Casa dei Mazzanti mit ihren Fresken begrenzen den Platz nach
Osten. Im Zentrum thront über einem antiken Brunnenbecken
die schon bald nach der Errichtung im 14. Jahrhundert zum
Symbol der Stadt gekürte „Madonna Verona“. Abgesehen
von diesen imposanten historischen Gebäuden ist die Piazza
delle Erbe aber auch interessant, weil sie täglich als Marktplatz genützt wird. Hat man genug von dem bunten Trubel,
braucht man nur ein paar Schritte weiter zu gehen und kommt
auf die Piazza dei Signori mit dem Denkmal Dante Alighieris.
Verona gilt als erste Zufluchtstätte des berühmten italienenischen Dichters, nachdem er 1302 aus Florenz verjagt worden war. Zu jener Zeit war Verona von den Scaligern beherrscht, die den Dichter mit offenen Armen aufnahmen. In
keiner anderen Stadt Norditaliens konnte Dante den Geist des
alten Roms so sehr wiederfinden. Heute erscheinen uns die
gotischen Paläste der Scaliger als düster und geheimnisvoll, damals aber war es eine Blütezeit der Architektur. Sehr viel einnehmender empfinden die meisten von uns die luftigen Renaissance-Bauten wie z.B. die Loggia Fra Giocondo, die ebenfalls
an der Piazza dei Signori steht. Nach so viel Herumflanieren ist
es an der Zeit sich mit den kulinarischen Highlights Veronas
auseinanderzusetzen.
Welche Oper würde besser nach Verona passen, der Heimatstadt des weltberühmten Liebespaars,
als „Romeo und Julia“? Wenn heuer am 31. August bei Einbruch der Dunkelheit Tausende von Kerzen angezündet werden, dann ist klar, weshalb ein Besuch der Arena ein ganz besonderer Kulturgenuss ist .
Gnocchi, Polenta & Co
Verona-Tipps
Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und wissen, dass
Gnocchi eines der beliebtesten Gerichte der Cucina alla Veronese sind. Oder Polenta. Die lokalen Köche bereiten die Polenta nach einem klassischen Rezept mit verschiedenen Saucen
zu. Bigoli sind die populärste Art Spaghetti zu genießen und
Rindfleisch steht ebenfalls hoch im Kurs als Brasato di manzo
all’ Amarone (in Wein gedünstet) oder als Peperate zubereitet (mit Gewürzen und Käse). Immer wieder stossen wir bei
unserem Rundgang auf kleine, nette Trattorien und Enotecas,
die auch Antipasti servieren. Aber wo findet man ein echtes
veronesisches Ristorante, das die besonders typischen Gerichte
auf den Teller bringt? Wir werden in der Via Scudo di Francia, 3 fündig. Die Antica Bottega del Vino ist ein wunderschönes historisches Lokal mit schweren Deckenbalken und einer
Karte, bei deren Lektüre einem bereits das Wasser im Mund
zusammenläuft. Wir entscheiden uns für Tortino di Sarde con
Verdure (eine Quiche mit Sardinen und Gemüse) und schwelgen dann weiter bei einem genau auf den Punkt gebratenen
Filetto di Manzo all’Amarone. Zum Abschluss darf natürlich
auch ein Dolce nicht fehlen: der veronesische Mandelkuchen
Sbrisolona passt da perfekt. Um das Lebensgefühl Veronas voll
auszukosten bedarf es nur noch eines guten Weines. Sollte in
einer Bottega del Vino kein Problem sein. Ist es auch nicht und
bei einem vorzüglichen Tropfen Amarone Tommasi geht ein
abwechsulungsreicher Tag zu Ende.
Kultur
Die künstlerischen Highlights finden in den Sommermonaten statt. In der römischen Arena beginnen Mitte Juni die
Veroneser Opernfestspiele (www.arena.it) und der Veroneser Theatersommer bietet im Teatro Romano und im Corte
mercato vecchio des Palazzo del Comune zahlreiche Aufführungen und Jazzkonzerte (www.estateteatraleveronese.it).
Zahlreiche Theater wie das Teatro Camploy (Via Cantare 32),
das Teatro Filarmonico (Via die Mutilati 4k), Teatro Romano
(Rigaste Redentore 2) und das Teatro Nuovo (Piazza Francesco
Viviani 10) spielen neben Tanz, Jazz und klassischer Musik
auch viele moderne und klassische Stücke.
Märkte und Markttage
Der traditionelle Markt Veronas ist die Piazza delle Erbe. Hier
wurden früher vor allem Lebensmittel gehandelt. Heute zieren
vor allem viele Souvenirstände die Piazza.
Parken
Parken in Verona ist eine eigene Wissenschaft. Die heiß begehrten Parkplätze sind alles andere als einfach zu bekommen.
Empfehlenswert ist daher, in einem der zahlreichen Parkhäuser
sein Glück zu versuchen. Folgende Parkhäuser bieten sich für
einen Besuch vom Zentrum Veronas an: nahe der Arena liegt
das Parkhaus Arena, Via M. Bentegodi. Oder das Parkhaus
Piazza Citadella, Piazza Citadella. Die Kosten liegen in etwa
bei 1,90 pro Stunde bzw. 14 Euro pro Tag. 4
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reise
Reise
Padua
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na Festa sui Prato, una bella compania, sang schon Italiens Nationalbarde Adriano Celentano. In Padua hat Prato noch eine andere Bedeutung als „Wiese“: der Prato
della Valle ist der drittgrößte Innenstadtplatz Europas,
nach dem Roten Platz in Moskau und dem Place de la Concorde
in Paris. Auf diesem Prato dominiert allerdings nicht gerade das
satte Grün. Ein riesiges gepflastertes Oval, umgeben von Statuen,
78 an der Zahl. Die berühmtesten Männer, die an der Universität gelehrt und gelernt haben, sind hier in Stein verewigt. Die
Inschriften zeigen berühmte Namen wie Galilei oder Petrarca,
schon Goethe war beeindruckt. Allerdings erst auf den zweiten
Blick. Als er währerend seiner zwei Jahre dauernden italienischen
Reise in Padua Halt machte, schrieb er erst „Heut’ abend setzt’
ich mich in einen Winkel und hatte meine stille Betrachtung; da
fühlt’ ich mich recht allein, denn kein Mensch in der Welt, der in
dem Augenblick an mich gedacht hätte, würde mich hier gesucht
haben.“ Doch als er eine Stadtrundfahrt mit der Kutsche machte
und die reichen Kunstschätze sowie den Botanischen Garten für
sich entdeckte, änderte er flugs seine Meinung. Zu viel gibt es
hier zu sehen, zu lebendig und mitreißend ist die Stadt am Ufer
der Flussriviera.
Blick zurück
Padua ist eine der ältesten Städte Italiens. Der Sage nach wurde
es von dem Trojaner Antenor um 1184 vor Chrristus gegründet.
Später entwickelte sich die Region zu einem wichtigen Zentrum der
Veneter sowie zu einer der wichtigsten und reichsten Handelsstädte des römischen Reiches. Von diesem antiken Padua sind
heute nur noch die Überreste des Amphitheaters und einige
Brückenfundamente erhalten. Ein Meilenstein in der Historie Paduas ist das Jahr 1222, als – nach Bologna und Modena – die
Universität Padua als dritte Universität in Italien gegründet wurde. Einige der wichtigsten italienischen Künstler arbeiteten oder
lebten in Padua. Im 16. Jahrhundert erfuhr Padua einen erneuten
Aufschwung. Die Stadt wurde um einige Gebäude erweitert, die
Stadtbefestigung weiter ausgebaut und an der Universität lehrten
viele italienische Gelehrte, unter anderem eben Galileo Galilei.
Heute ist Padua eine der reichsten Städt Norditaliens und auch
eine der beliebtesten.
Die Stadt der Arkaden
An die vier Millionen Touristen kommen pro Jahr, um
unter schattigen Arkadengängen die Stadt für sich zu entdecken.
Egal welches Wetter es hat, in Padua ist man immer geschützt
unterwegs – an heißen Tagen bieten die „Portici“ angenehmen
Schatten, an verregneten Novembertagen kommt man trockenen
Fusses durch die Stadt. Insgesamt sind es 30km, die Padua durchkreuzen. Wer nicht unter den Laubengängen wandelt, der fährt
Rad. Zumindest die meisten Paduesen tun es. Padua ist ein echtes
Radlerparadies. Bretteleben, mit vielen Wegen, wo es sich gut
Padua steht ganz oben auf unserer Liste der beliebtesten italienischen Städte. Warum? Padua ist kontrastreich: authentisch und lebendig, historisch und jung zugleich – eine wundervolle Stadt zum Verlieben.
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radeln läßt. Einzig das Kopfsteinpflaster verursacht uns Ungeübten mit der Zeit Schmerzen, wo keine sein sollten. Die meisten
Hotels verleihen gegen Gebühr Drahtesel, von Marke Waffenrad
bis hin zu modernen Citybikes sieht man alles. Wem Radfahren
zu anstrengend ist, der nimmt das Boot. Zweimal die Woche legt
die „Padovanella“ bei der Schleuse beim Corso del Popolo ab
und tuckert gemächlich den Bacchilione entlang, vorbei an unzähligen Brücken und malerischen Palazzi-Fassaden. Auch unser
Hotel, das „Methis“ liegt an der Flussriviera. Von dort ist es nur
einen Katzensprung in die Altstadt.
Dolce Far Niente alla Piazza
Uns zieht es in Richtung der drei grossen Piazze: Piazza dei Signori, Piazza dei Frutti sowie Piazza delle Ibiza/Beniras
Erbe. Letztere liegen
direkt an der Seitenfront des Palazzo della Ragione und gehörten
zu den traditionellen Handelsplätzen, die bereits im Mittelalter
für Padua eine wichtige Rolle spielten. Auch heute noch sind beide Plätze sehr eindrucksvoll. Tagsüber pulsierendes Leben durch
die unzähligen, farbenprächtigen Marktstände, abends Kulisse
für das Dolce Far Niente. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, mit welcher Geschwindigkeit sich diese drei Piazze vom malerischen Marktplatz zur angesagten Freiluftbühne verwandeln.
Da werden nachmittags die Standeln weggeräumt, das Pflaster
gereinigt, die Tische und Sesseln von den umliegenden Cafes und
Ristoranti hervorgeholt und schon hat sich das Bild komplett
gewandelt. Und das täglich. Was gibt es schöneres als auf einer
Piazza zu sitzen bei Aperol-Spritz, der hier auf keinem Tisch fehlen darf, Antipasti zu genießen und Menschen zu beobachten?
Apropos Antipasti: Das sollten sie in Wien auch einführen, jeder der zur Aperitivo-Zeit (zwischen 6 und 8 Uhr abends) etwas
bestellt, bekommt einen wahren Berg Antipasti (z.B. Oliven, kleine Tramezzini oder Blätterteigpasteten) dazu. Die Lokale versuchen sich gegenseitig zu übertrumpfen, manchmal ist es sogar
so viel, dass kein Platz mehr im Magen fürs Abendessen bleibt.
Das wäre schade, denn Padua hat auch kulinarisch viel zu bieten.
Das vielleicht berühmteste Gericht Bollito alla Paduana (Gekochtes nach Paduaner Art) müssen wir unbedingt ausprobieren,
auch die gehaltvolle Pasta e fasoi (Nudeln und Bohnen) sollte
man sich nicht entgehen lassen. Paduatypisch sind auch Gerichte
mit Pferdefleisch (die lassen wir lieber aus), Baccalá, Spargel, Radichio und das Risi e bisi (Reis und Erbsen), das sich auch bei uns
durchgesetzt hat. Ein guter Tipp stilvoll authentische padueser
Küche zu genießen ist die Trattoria Ai Porteghi unweit der Piazza
dei Frutti. Unbedingt als Antipasto Bigoli al ragu di corte ausprobieren (Pasta mit Fasan und Ente) und als Hauptgericht Tartara di fassona con porcini e provola affumicata kosten (warmes
Rindstartar mit Herrenpilzen und Provolonekäse).
Gardasee
Essen allein ist jedoch nicht alles.
Padua hat gar viele Sehenswürdigkeiten, die meisten davon gut zu Fuss zu erreichen. Wenige
Minuten sind es von der Piazza dei Frutti zum Dom von Padua
mit seinem Baptisterium. Die Universität liegt im Herzen der
Stadt, Sehenswürdigkeiten sind das Teatro Anatomico (ein interessanter Name für einen Seziersaal) und das Bò, das Hauptgebäude und Sitz der juristischen Fakultät. Die Scrovegni-Kapelle
ist aufgrund ihres Freskenzyklus von Giotto kunstgeschichtlich
bedeutend und im Palazzo della Ragione, dem heimlichen Wahrzeichen Paduas, kann man das riesige Bronzepferd besichtigen.
Uns zieht es jedoch in den 1545 gegründeten Botanischen Garten,
der heute als Weltkulturerbe gilt. In diesem ältesten botanischen
Garten der Welt kann man mühelos die Zeit vergessen. Die älteste Pflanze, eine Zwergpalme, die 1585 gepflanzt wurde und
„Goethe-Palme“ genannt wird, befindet sich in einem kleinen Gewächshaus, in direkter Nachbarschaft eines Ginkgos und einer
Magnolie aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Wenn man vor
diesen mehr als 300 Jahre alten Bäumen steht ist es fast wie eine
Zeitreise in eine andere Welt. Alltagshektik wird zum Fremdwort, aber das liegt auch ein bißchen an Padua im Allgemeinen.
Diese Stadt ist so entspannt, trotz all der Lebendigkeit, die sie 4
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Reise
Padua ist eine der elegantesten und dynamischsten Städte Italiens. Hier vermischt sich die Antike mit der Moderne, die Tradition mit der Avantgarde. Die vielen Arkadengänge, die Piazze und die Padueser selbst verleihen ihr einen besonderen und einzigartigen Charme.
versprüht. Unweigerlich wird man selbst entspannter, lässt all die
Plätze und Monumenti auf sich wirken, genießt es herumzutrödeln, durch die engen Gässchen. Oder sich im Caffè Pedrocchi,
einen Cappuccino und ein Cornetto schmecken zu lassen. Einst
war dieses Caffè im Herzen der Innenstadt Treffpunkt der Intellektuellen, heute finden sich hier Touristen wie auch Einheimische.
Das Pedrocchi liegt auch gut um sich von ausgedehnten Shoppingtouren zu erholen.
Shoppingparadies
Keine zehn Minuten zu Fuß vom lebendigen Zentrum Paduas entfernt, direkt am Flüsschen Specola befindet
sich das Methis Hotel. Das moderne Designerhotel besticht durch seine nach den vier Elementen gestalteten
Zimmer und die malerische Lage.
Padua-Tipps
Infos: Infomaterial findet man über www.turismopadova.it.
Mit der Padua Card (für 48 bzw 72 Stunden um 16 bzw. 21
Euro) gibt’s zahlreiche Vergünstigungen.
Parken: Gute zentrale Parkmöglichkeiten auf Parkplatz 1- Prato della Valle.
Schifffahrten: Auf den Kanälen von Padua. Zu den Villen und
Schlössern der Euganeischen Riviera. Durch den von Grün gesäumten Fluss Bacchiglione. Entlang des Kanals Pontelongo
zur Süd-Lagune von Venedig. Zu den Venetischen Villen am
Brenta-Kanal. [email protected], www.deltatour.it.
Kultur: Teatro Comunale Verdi, Via Dei Livello, 32, Biglietteria +39 049 87770213
Führungen: Sindacato Provinciale Guide Turistiche Autorizzate
Ascom Padova; Tel: +39 049 8209723, www.guidepadova.it
Kulinarisches:
Osteria di Fabri: stimmungsvolle Osteria nahe Piazza delle
Erbe, Via die Fabbri 13, Tel: +39 049 6503 36.
Da Guido: Folpari (Standel) mit Meeresfrüchten, Piazza delle
Frutta. Godenda: Weinbar im Zentrum nahe Piazza delle Erbe,
Via Squarcione 4, www.godenda.it. Baessato: angesagtes Caffè
mit tollen Antipasti im Shoppingviertel, www.baessatopadova.
com g
Methis Hotel
Von der Via San Fermo bis zur Galleria Borromeo, von
Armani bis Zegna – Padua ist ein Mekka zum Einkaufen. Nicht
nur Luxusmarken, auch viele kleine Boutiquen verführen zum
Geldausgeben. Italiener haben eben Stil. Und Humor. Vor uns
geht eine Gruppe Studenten, elegant gekleidet. Plötzlich bleiben
alle stehen und einer von ihnen wird entkleidet, muss sich bis auf
die Unterhosen ausziehen. Die Gruppe bildet eine Gasse, durch
die der Arme laufen muss. Sie skandieren: Ai dottori, ai dottori
und schlagen ihn (nicht zu fest). Eine andere ragazza bekommt
ein Gärtnergewand, und muss Blumentröge gießen. Sie alle haben
promoviert und müssen so einige Spässchen über sich ergehen
lassen. Dafür wird aber auch kräftig gefeiert. Mit Bergen von Antipasti, Pasta und ... naturalmente Aperol-Spritz! Salute Padua!
Hoteltipp IM HERZEN PADUAS: Methis
Das Designer-Boutique Hotel ist der optimale Ort, um nach einem Tag Herumwandern von
Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit wieder zur Ruhe zu kommen. Das Styling ist inspiriert
von den vier Elementen. Die Suiten präsentieren sich dementsprechend in Kamin- und
Scharlachrot (Feuer), in Braun- und Cremetönen (Erde), in kühlem Blau (Wasser).
Tipp: Die im obersten Stock gelegenen Luftsuiten erstrahlen regelrecht in duftigem, brillantem Weiß und verfügen über eigene Dachterrassen. Bei der Ankunft können die Gäste
(nach Verfügbarkeit) wählen, welche Farbharmonie ihre eigene Stimmung am besten
widerspiegelt. Die Lobby des Methis Hotels zeichnet sich ebenfalls durch natürliche Materialien aus, wie z.B. edles Holz, Bambus und Leinen. Im ganzen Hotel herrscht ein exklusives,
entspanntes Ambiente, das die Gäste in die italienische Lebensart entführt.
Noch ein Plus: der hauseigene Parkplatz.
Weitere Infos: METHIS HOTEL PADOVA, Riviera Paleocapa 70, 35141 Padova, Italien
Weitere Infos unter: Selective Reisen, [email protected]
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reise
Reise
Pa l ac e & Pa l ac e ( 3 )
Apulien: Gallipoli
Weitere Infos zum Relais Valle d’Idro und dem Relais Corte Palmieri unter: palace & Palace
Luxury Hotels www.otrantohotel.com oder Elfi Baumann-Pucher, www.italien-erleben.at
Das Gebiet des Salento, der Stiefelabsatz Italiens, ist bekannt für seine reizvolle,
bizarre Küstenlandschaft mit glasklarem Meer. Eindrucksvolle Städte, architektonische Meisterwerke und eine schlichte Landschaft, geprägt von Olivenhainen und
Ölmühlen, zeichnen die fruchtbare Ebene dieses Landstrichs aus. Die Hafenstadt
Otranto zählt mit ihren Bastionen, der romanischen Kathedrale, seinen engen Gassen
und lebhaften Plätzen zu den besonderen Orten an der Ostküste des Salento. Nur etwa 300
Meter von der Altstadt entfernt findet man das Relais Valle d’Idro, ein stylisches Hotel mit viel Flair.
Dormire bene in Bella Italia
... ob im Hotel, Agriturismo oder B&B – wie man sich bettet, so liegt man.
Wir haben für Sie einige Tipps für die schönsten Flecken Italiens parat.
Seit 1922 in Wien!
Lust auf Italienisch?
Jeden Monat neue Kurse
für jede Leistungsgruppe
Nur kleine Gruppen: 5 bis 8 Teilnehmer
Einsteigen mit Vorkenntnissen
jederzeit möglich
Kurse von Anfänger bis Zertifikat
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Trautsongasse 2, 1080 Wien
Tel. 408 30 65
www.dante.at
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Südländische Gelassenheit und
eine anmutige Atmosphäre erfüllen die auf einer vorgelagerten
Insel befindliche Altstadt von
Gallipoli. Eine Brücke vom Festland verbindet das neue, lebhafte
Stadtzentrum mit dem historischen
Stadtteil und seinem Gewirr enger
Gassen sowie der malerischen
Promenade. Unser Tipp: Das
Relais Corte Palmieri befindet sich
im Herzen des antiken Dorfteils
Gallipolis. Das Gebäude stammt
aus dem 17. Jahrhundert und
zum Glück hat man bei
der Renovierung den
ursprünglichen
Charme erhalten. Strahlend
weiße Wände,
Treppen, verschwiegene
Terrassen,
Bögen und
immer wieder
Blumen. Die Zimmer
des Relais Corte Palmieri sind alle unterschiedlich,
keines gleicht dem anderen,
weder im Stil noch in der Lage.
Einige Luxury-Zimmer verfügen
sogar über eine kleine Terrasse.
Gleich ist jedoch die technische
Ausstattung: Bei allem nostalgischen Charme sind sie mit modernstem Komfort ausgerüstet.
Gefrühstückt wird auf der großen
Dachterrasse mit Korbmöbeln,
lokale Köstlichkeiten und ein
kräftiger Espresso sorgen dafür,
dass man sich wieder gestärkt ins
Getümmel der engen Gässchen
ringsherum begibt.
Entspannte Toskana – Il Palagio
Was gibt es Schöneres, als zu Frühlingsbeginn ein paar Tage Richtung
Süden zu fahren? Bella Italia lockt immer wieder. Besonders schön ist es
im Chianti im April oder Mai, wenn überall die Mohnfelder in voller Blüte
stehen. Unser Tipp: Panzano, ein malerisches Festungsdorf, mitten im
Herzen der Toskana – und dort am besten ins „Il Palagio“.
Zimmer mit umwerfender Aussicht in Panzano bietet IL PALAGIO. Dieses liebevoll von
Fabrizio Piccini restaurierte Schmuckstück stellt ein Paradies auf Zeit für Italienfreunde
dar. Ein riesiger Pool verführt zum Sprung ins kühle Nass, mit Blick auf den hauseigenen
Weinberg und die Olivenhaine – die Basis für den von Hausherrin Monia Piccini
erzeugten hervorragenden Chianti Classico und das delikate kaltgepresste Olivenöl.
Zum Einsatz kommen dann diese kulinarischen Kostbarkeiten in der romantischen
Laube, in der man auch grillen kann, im Gemüsegarten wachsen Zucchini und Artischocken, die die Gäste ernten dürfen. Ins IL PALAGIO reist man am besten gemeinsam
mit lieben Freunden, es gibt zwei Sechser-Appartements, von denen eines sogar ein
Turmzimmer besitzt, drei Vierer-Appartements und ein Studio für verliebte Pärchen,
die lieber unter sich bleiben wollen. Alle haben eigene Terrassen oder Plätzchen im
Garten, um genügend Privatsphäre zu genießen.
IL PALAGIO & BB LA PIAZETTA, Monia Piccini, Via del Mascherone 47, I-50020 Panzano (FI),
Rezeption, Wein/Öl-Direktverkauf: Il Palagio: +39 (0)558 52 175, [email protected]
Reservierungen: Tel. +39 (0) 558 52 933, www.aziendaagricolailpalagio.com
Infos für AB-Leser unter dem Kennwort „Toscanini“ direkt über: [email protected]
A b s o l u t B e a u T i f u l
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