Forschungs- und Technologiebericht 2013

Transcription

Forschungs- und Technologiebericht 2013
Österreichischer
ForschungsÖsterreichischer
ForschungsTechnologiebericht
undund
Technologiebericht
2013
2013
Lagebericht gem. § 8 (1) FOG über
die ausgem.
Bundesmitteln
Forschung,
Lagebericht
§ 8 (1) FOGgeförderte
über die aus
Technologie
und Innovation
in Österreich
Bundesmitteln
geförderte
Forschung,
Technologie
und Innovation in Österreich
Der vorliegende Bericht ist im Auftrag der Bundesministerien für Wissenschaft und Forschung
(BMWF), Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) und Wirtschaft, Familie und Jugend
(BMWFJ) entstanden. Die Erstellung des Berichts erfolgte durch JOANNEUM RESEARCH (JR),
dem Austrian Institute of Technology (AIT), dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sowie unter Beteiligung der Statistik Austria.
AutorInnenteam: Andreas Schibany (Koordination, JR), Martin Berger (JR), Bernhard Dachs
(AIT), Brigitte Ecker (JR), Jürgen Egeln (ZEW), Helmut Gassler (JR), Sandra Gottschalk (ZEW),
Karl-Heinz Leitner (AIT), Bettina Müller (ZEW), Christian Rammer (ZEW), Christian Reiner
(JR), Gerhard Streicher (JR), Georg Zahradnik (AIT)
Impressum
Medieninhaber (Verleger):
Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung gemeinsam mit
Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie sowie
Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend
1010 Wien
Alle Rechte vorbehalten
Auszugsweiser Nachdruck nur mit Quellenangabe gestattet
Gestaltung und Produktion:
Peter Sachartschenko & Mag. Susanne Spreitzer OEG, Wien
Umschlagfotos: © DrHitch – Fotolia.com
Druck:
Gugler GmbH, 3390 Melk/Donau
Wien, 2013
Vorwort
Vorwort
Der Österreichische Forschungs- und Technologiebericht 2013 widmet sich als Lagebericht gemäß § 8 (1) FOG den aktuellen nationalen und
internationalen forschungs- und technologiepolitischen Herausforderungen durch Analysen aktueller Entwicklungen und Trends und die Aufbereitung umfangreichen Datenmaterials zu Forschung und Entwicklung sowie zu speziellen
Schwerpunktthemen.
Wie die Statistik Austria in ihrer jüngst publizierten Globalschätzung prognostizierte, werden
die gesamten Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Österreich 2013 um 2,9 % steigen
und einen Rekordwert von voraussichtlich € 8,96
Mrd. erreichen. Die Forschungsquote als Prozentanteil am Bruttoinlandsprodukt, das zuletzt
wieder merklich angestiegen ist, beträgt voraussichtlich 2,81 %. Damit liegt Österreich im internationalen Vergleich deutlich über dem EUDurchschnitt von 2,03 % und weist innerhalb
der EU-27 die fünfthöchste Forschungsquote auf.
Diese erfreuliche Entwicklung spiegelt das
verstärkte Engagement des Bundes der vergangenen Jahre wider: Der Bund hat seine Forschungsinvestitionen während der Wirtschaftskrise antizyklisch erhöht und 2012 seine F&E-Investitionen gegenüber 2011 um 14,2 % angehoben.
Genau so erfreulich ist es, dass 2013 die Investitionen in Forschung und Entwicklung von Seiten der Unternehmen wieder leicht steigen und
mit einem prognostizierten dreiprozentigen
Wachstum rd. € 3,93 Mrd. betragen werden.
Rechnet man die Auslandsfinanzierung von rd.
€ 1,3 Mrd., die zum überwiegenden Teil von ausländischen Unternehmen an österreichische
Tochterfirmen fließt, den Unternehmen hinzu,
wird hier ein Anteil von rd. 59 % an der gesamten F&E-Finanzierung erreicht. Die F&E-Ausga-
Forschungs- und Technologiebericht 2013
ben des Bundes werden um 2,8 % auf einen neuen Höchstwert von € 3,09 Mrd. steigen. Der gesamte öffentliche Sektor wird rd. 41 % der F&EAusgaben finanzieren.
Der diesjährige Forschungs- und Technologiebericht fasst zusammen, welche Schritte unter
anderem im letzten Jahr gesetzt wurden, um das
in der Strategie für Forschung, Technologie und
Innovation (FTI-Strategie) der Bundesregierung
festgelegte Ziel, bis 2020 zu einem der innovativsten Länder der EU zu zählen, zu erreichen.
Dazu gehören die im vorliegenden Bericht behandelten Themen der Schaffung neuer wichtiger
Governance- und Finanzierungsinstrumente für
die österreichischen Hochschulen durch den
Hochschulplan, der Implementierung einer kapazitätsorientierten, auf Studierende bezogenen
Universitätsfinanzierung, der Abstimmung bei
der Profil- und Schwerpunktsetzung im Bereich
F&E, der Erstellung eines Forschungsinfrastrukturplans sowie der Restrukturierungsprozesse
der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Ein weiteres Thema, das national und international immer bedeutender wird, ist das Publizieren wissenschaftlicher Ergebnisse im Internet
(Open access). Es wird im Bericht umfassend präsentiert, die Vor- und Nachteile werden analysiert sowie unterschiedliche Strategien im Umgang mit Open Access vorgestellt.
Ein weiteres wichtiges Schwerpunktthema im
aktuellen Bericht ist die Rolle der Industrie im
Innovationssystem. Die weltweite Wirtschaftsund Finanzkrise hat zu einer Neubeurteilung
wirtschaftspolitischer Optionen und des Strukturwandels geführt, und der Beitrag der Industrie
für Innovationen, Exporte und Beschäftigung
steht erneut im Zentrum wirtschaftspolitischer
3
Diskussionen. Zahlreiche Länder, aber auch die
Europäische Kommission verfolgen eine Strategie der Reindustrialisierung. Österreich gehört
im internationalen Vergleich zur Gruppe jener
Länder mit den höchsten Industrieanteilen gemessen an der gesamten Wertschöpfung. Österreich ist bei den von der Europäischen Union definierten Schlüsseltechnologien gut positioniert.
Dies gilt insbesondere auch für das rasch wachsende Segment der Umweltindustrie.
Insgesamt zeigt das Innovationsverhalten der
österreichischen Unternehmen, auch der Kleinund Mittelbetriebe, ein erfreuliches Bild. Österreich verfügt über ein horizontal ausgerichtetes
Fördersystem, das bewirkt, dass die Unterschiede
zwischen KMU und Großunternehmen im Innovationsverhalten geringer sind als in den meisten
anderen hoch entwickelten europäischen Industrieländern. Der Anteil innovierender Unterneh-
o. Univ.-Prof. Dr. Karlheinz Töchterle
Bundesminister für
Wissenschaft und Forschung
4
men liegt in Österreich deutlich über dem
Schnitt der EU-27, wobei die Innovatorenquote
in allen Branchen hoch ist.
Durch den diesjährigen Forschungs- und Technologiebericht wird deutlich, dass wir konsequent an der Umsetzung der FTI-Strategie arbeiten. Bis 2020 bedarf es aber noch weiterer außerordentlicher Anstrengungen und gezielter Investitionen, um Österreich an die Forschungsspitze
der EU zu führen. Evaluierungen, Jahresberichte
und statistische Erhebungen helfen uns bei der
Standortbestimmung in diesem aufstrebenden
Prozess. Sie runden gemeinsam mit Berichten
der einschlägigen Förderagenturen FWF, FFG,
AWS, der CDG sowie von PROVISO zu EU-Förderungen das Bild über die aktuellen Entwicklungen von Forschung, Technologie und Innovation in Österreich 2013 ab.
Doris Bures
Bundesministerin für
Verkehr, Innovation und Technologie
Forschungs- und Technologiebericht 2013
Inhalt
Executive Summary. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
1 Aktuelle Entwicklungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
1.1Entwicklung der F&E-Ausgaben in Österreich – Globalschätzung. . . . . . . . . . . . . . . .
1.2 Umsetzung der FTI-Strategie. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
1.2.1 Strukturelle Neuerungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
1.2.2 Ausgewählte neue Maßnahmen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
1.3Die Position Österreichs im internationalen Kontext . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
1.3.1Die Position Österreichs im Innovation Union Scoreboard IUS . . . . . . . . . .
1.3.2 „Innovationsindikator“ der Deutschen Telekom Stiftung und des
Bundesverbands der Deutschen Industrie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
1.4 Globale Trends in den F&E-Ausgaben. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
1.4.1 Globale Veränderungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
1.4.2 Langfristige Entwicklung innerhalb der OECD. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
1.4.3Verschiebungen der Ausgaben für F&E innerhalb der Europäischen Union. .
1.4.4 Internationalisierung von F&E. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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2 Die großen Förderagenturen des Bundes. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
2.1 Wissenschaftsfonds (FWF). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
2.2 Forschungsförderungsgesellschaft (FFG). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
2.3 Austria Wirtschaftsservice (aws). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58
3.1 Hochschulplan und Hochschulkonferenz als neue Governance-Instrumente
für den österreichischen Hochschulraum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3.2Die Finanzierung der Universitäten in den Jahren 2013 bis 2015 . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3.2.1Abschluss der Leistungsvereinbarungen 2013 bis 2015 . . . . . . . . . . . . . . . . .
3.2.2 Die Hochschulraum-Strukturmittel. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3.3Umsetzung des neuen Kollektivvertrages für die ArbeitnehmerInnen an den Universitäten. .
3.4 Externe Qualitätssicherung und Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria .
3.5Neupositionierung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. . . . . . . . . . . . . .
3.6 Open Access. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3.6.1 Green Road. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3.6.2 Gold Road. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3.6.3 Die Entwicklung von Open Access Journals. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3.6.4 Internationale Entwicklungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3.6.5 Status-quo in Österreich. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3.6.6Maßnahmen der österreichischen Universitäten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3.6.7 Weitere Entwicklungen des Open Access-Paradigmas. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
4.1 Die Renaissance der Industriepolitik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
4.2Globale Verschiebungen von industriellen Produktionskapazitäten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
4.3Wandel und Struktur der österreichischen Industrie im internationalen Vergleich . . . . . . . . . . .
4.4 Industrie, Wachstum und Innovation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
4.4.1 Industrie und Produktivitätswachstum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
4.4.2Hohe Industrieintensität bei den Innovation Leaders . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
4.4.3Industrie und Forschung und Entwicklung (F&E) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
4.4.4Innovationen und Innovationskooperationen im Industrie- und Dienstleistungssektor .
Forschungs- und Technologiebericht 2013
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Inhalt
4.5Österreichs Position bei Schlüsseltechnologien. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
4.5.1Bedeutung von Schlüsseltechnologien für industrielle Innovationen . . . . . . . . . . . . .
4.5.2Position Österreichs bei Patentanmeldungen im Bereich von Schlüsseltechnologien. .
4.5.3Position Österreichs im Außenhandel mit schlüsseltechnologiebasierten Produkten . .
4.6 Wachstumsfaktor Umweltindustrie. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
4.6.1Marktentwicklung und Marktpotenzial für Umweltschutzgüter. . . . . . . . . . . . . . . . . .
4.6.2Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Umweltindustrie . . . . . . . . . . . . . . . . . .
4.7Resümee. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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5 Innovation auf Unternehmensebene . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 135
5.1 Die Wirkung von F&E auf die Beschäftigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
5.1.1F&E-Intensität und Beschäftigungswachstum vor und nach der Krise . . .
5.1.2F&E-Intensität und Beschäftigungswachstum nach Unternehmensgröße .
5.1.3F&E-Intensität und Beschäftigungswachstum nach Unternehmensalter. .
5.1.4F&E-Intensität und Exportquote nach Unternehmensgröße. . . . . . . . . . .
5.2Innovationsaktivitäten im Unternehmenssektor und die Rolle von KMU . . . . . . . . .
5.2.1Die Innovationsperformance im europäischen Vergleich. . . . . . . . . . . . .
5.2.2Branchenspezifische Ergebnisse für Österreich. . . . . . . . . . . . . . . . . . .
5.2.3Innovationsstrategien der kleinen und mittleren Unternehmen . . . . . . . .
5.2.4Besonderheiten des Innovationsverhaltens von KMU in Österreich. . . . .
5.3 Schnell wachsende junge Unternehmen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
5.3.1Beschäftigungsentwicklung junger Unternehmen in Österreich. . . . . . . .
5.3.2 Gründungen aller Branchen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
5.3.3 Gründungen der wissensintensiven Branchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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6Evaluierungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 166
6.1Evaluierung der FWF Programme Elise Richter und Hertha Firnberg. . . . . . . . . . . . .
6.2Zwischenevaluierung der Dienst­leistungsinitiative. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
6.3Evaluierung des European Space Policy Institute (ESPI) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
6.4Evaluierung der Strategieprogramme IV2S und IV2Splus. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
6.5Interimsevaluation des österreichischen Sicherheitsforschungsprogramms KIRAS. . .
6.6Zwischenevaluierung der vom BMWF beauftragten Regionalen Kontaktstellen (RKS) .
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7Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 176
8Anhang. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 181
8.1Länderkürzel. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
8.2 Forschungsschwerpunkte an Österreichs Universitäten in der Periode der
Leistungsvereinbarungen 2013–2015 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
8.3 Liste der Einzelindikatoren des „Innovationsindikators“ der Deutschen Telekom Stiftung und des BDI.
8.4 Klassifikation von potenziellen Umweltschutzgütern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
8.5 Abgrenzung von Branchen nach Technologieintensität gemäß OECD-Klassifikation auf Ebene der
NACE 2-Steller (Statistik Austria 2012) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . 181
. . . . . . 181
. . . . . . 183
. . . . . . 184
. . . . . . 184
9Statistik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185
Tabellenübersicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 188
6
Forschungs- und Technologiebericht 2013
Executive Summary
Executive Summary
Der Forschungs- und Technologiebericht 2013
ist ein Lagebericht über die aus Bundesmitteln
geförderte Forschung, Technologie und Innovation in Österreich. Auf Basis aktueller Daten und
Befunde werden relevante Entwicklungstrends
und ausgewählte Themen des österreichischen
Innovationssystems beschrieben und vor einem
internationalen Kontext reflektiert. Der vorliegende Bericht ist im Auftrag der Bundesministerien für Wissenschaft und Forschung (BMWF),
Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT)
und Wirtschaft, Familie und Jugend (BMWFJ) erarbeitet worden. Sämtliche Beiträge wurden in
interministeriellen Arbeitsgruppen, in denen die
genannten Ressorts eingebunden waren, diskutiert und akkordiert.
Globalschätzung der F&E-Ausgaben für 2013
Gemäß der aktuellen Globalschätzung der Statistik Austria vom April 2013 werden die gesamten Ausgaben für Forschung und Entwicklung in
Österreich im Jahr 2013 voraussichtlich
8,96 Mrd. € betragen. Gegenüber dem Jahr 2012
bedeutet dies eine Zunahme von nominell ca.
255 Mio. € bzw. 2,9 %. Durch das für 2013 zu
erwartende nominelle Wachstum des BIP von
3 % auf 319,15 Mrd. €1 entspricht dies einer Forschungsquote (Bruttoinlandsausgaben für Forschung und Entwicklung im Verhältnis zum
Bruttoinlandsprodukt) von 2,81 %. Für 2012
wurde die Forschungsquote auf ebenfalls 2,81 %
(von 2,80 % in der Globalschätzung 2012) revidiert, 2011 betrug sie aufgrund des stärkeren Anstiegs des Bruttoinlandsprodukts 2,72 %. Seit
dem Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise
konnten die F&E-Ausgaben gesteigert und die
Forschungsquote auf konstanter Höhe gehalten
werden.
Mit einem Plus von 3 % verzeichnet im Jahr
2013 der Finanzierungssektor Unternehmen die
höchste Wachstumsrate. Dieser Sektor finanziert ein Volumen von 3,93 Mrd. € und trägt damit knapp 44 % zur Finanzierung der österreichischen Forschung und Entwicklung bei. Somit
weist der Unternehmenssektor den höchsten
Finanzierungsanteil auf. Zwar sind die Wachstumsraten der Forschungsfinanzierung des Unternehmenssektors geringer als in den Jahren vor
der Finanz- und Wirtschaftskrise, die Stagnation
in den unmittelbaren Krisenjahren 2009 und
2010 ist jedoch überwunden und die Forschungsfinanzierung durch den Unternehmenssektor
befindet sich wieder auf einem Wachstumspfad,
der jenem des (nominellen) BIP-Wachstums entspricht.
Der Bund finanziert mit 3,09 Mrd. € im Jahr
2013 ca. 34 % der gesamten Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Österreich. In absoluten Zahlen bedeutet dies gegenüber 2012 einen Anstieg von etwa 83 Mio. € bzw. 2,8 %. Dieser Anstieg ist vor dem Hintergrund zu sehen,
dass der Bund (nicht zuletzt durch die Erhöhung
der Forschungsprämie von 8 % auf 10 %) im Jahr
2012 eine Zunahme seiner F&E-Finanzierung
von 14,2 % bzw. plus 374 Mio. € in absoluten
Zahlen verzeichnete. Insgesamt hat der öffentliche Sektor (wobei der Bund hier den überwältigenden Anteil trägt) seine F&E-Finanzierung
seit der Krise stark ausgeweitet. Die F&E-Finan-
1Siehe WIFO-Konjunkturprognose März 2013.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
7
Executive Summary
zierung des öffentlichen Sektors wird im Jahr
2013 nominell um ca. 36 % höher sein als noch
im Rezessionsjahr 2009.
Der Finanzierungssektor Ausland (hauptsächlich ausländische Unternehmen, die F&E ihrer
österreichischen Tochterunternehmen mitfinanzieren sowie zu einem kleineren Teil auch
Rückflüsse aus den EU-Forschungsrahmenprogrammen) trägt mit 1,36 Mrd. € ca. 15 % zur Finanzierung der österreichischen Forschung und
Entwicklung bei.
Insgesamt übertrifft Österreich im Jahr 2011
(dem letzten Jahr, für das internationale Vergleichszahlen verfügbar sind) deutlich den EUDurchschnitt von 2,03 %, wenn auch die Forschungsquoten von Finnland, Schweden und
Dänemark über 3 % liegen. Nach Deutschland,
das mit 2,84 % knapp vor Österreich liegt, weist
Österreich somit die fünfthöchste Quote innerhalb der EU-27 auf.
Die Umsetzung der FTI-Strategie der
Österreichischen Bundesregierung
Die im März 2011 verabschiedete FTI-Strategie
der Bundesregierung verfolgt einen breiten, systemischen Ansatz zur Unterstützung und Strukturierung des Innovationsystems. Zeitgemäße
FTI-Politik ist nicht ausschließlich auf Wissenschafts- und Technologieförderung konzentriert,
sondern erfolgt in Abstimmung mit anderen Politikfeldern wie Bildung, Wettbewerbspolitik
und korrespondierenden Regelungsmaterien wie
etwa dem Steuer- und Finanzierungssystem und
berücksichtigt wechselseitig Wirkungszusammenhänge.
Daher wurde zur Konkretisierung und Koordination der Umsetzung der Strategie auf hoher
Verwaltungsebene unter dem Vorsitz des Bundeskanzleramtes, gemeinsam mit den relevanten Bundesministerien, die Task Force FTI eingerichtet. Ein kontinuierlicher Austausch dieses
Gremiums erfolgt umfassend auch unter Einbeziehung des Rates für Forschung und Technologieentwicklung. Darüber hinaus wurden unter
dem Dach der FTI-Strategie alle FTI-relevanten
8
Programme und Initiativen zusammengeführt
und neun Arbeitsgruppen in spezifischen wichtigen Bereichen eingerichtet.
Österreichs Position im Innovation Union
Scoreboard
Der Innovation Union Scoreboard (IUS) stellt eine jährliche Bewertung der Innovationsperformance der EU-Staaten dar. Österreich nimmt
im aktuellen Innovation Union Scoreboard den
9. Rang ein und bleibt damit fest in der ersten
Hälfte der Gruppe der „Innovation Followers“
verankert (gemeinsam mit den Niederlanden,
Luxemburg, Belgien, Großbritannien und Irland
auf den Plätzen 5 bis 10). Diese Gruppenzugehörigkeit ist seit einigen Jahren recht stabil, Verschiebungen der Positionen innerhalb dieser
Teilgruppe, wie sie im Jahresvergleich immer
wieder vorkommen, sollten nicht allzu hoch bewertet werden. Die absoluten Unterschiede bezüglich des Gesamtindikators sind innerhalb
dieser Gruppe nämlich sehr gering. Die Einzelindikatoren bestätigen das von früheren Ausgaben des IUS bzw. des EIS (European Innovation
Scoreboard als Vorläufer des IUS) bekannte Stärken/Schwächen-Muster Österreichs: Stärken
sind bei den wissenschaftlichen Publikationen,
den F&E-Ausgaben der Unternehmen sowie den
Indikatoren zum geistigen Eigentum festzustellen.
Gewisse Schwächen zeigen sich weiterhin in
der tertiären Ausbildung, in der Risikokapitalausstattung, bei den Lizenz- und Patenteinnahmen sowie den wissensintensiven Dienstleistungsexporten. Bei den aus dem Community Innovation Survey (CIS) abgeleiteten Indikatoren
(von den sechs aus dem CIS entnommenen Indikatoren betreffen vier das Innovationsverhalten
von KMU) weist Österreich im Zeitablauf merkliche Schwankungen auf; diese sind aber nicht
zuletzt durch geänderte Rahmenbedingungen
bei Design und Durchführung dieser Befragung
zurückzuführen. Anzumerken ist, dass der IUS
auf strukturelle Aspekte des Innovationssystems abzielt. Dementsprechend weisen viele der
Indikatoren eine langfristige Perspektive auf.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
Executive Summary
Unmittelbare Reaktionen auf veränderte Politikbedingungen, in Form kurzfristiger substanzieller Verbesserungen im IUS, sind daher nur
bedingt zu erwarten.
Globalisierung und Internationalisierung von F&E
Die weltweiten F&E-Ausgaben sind in den Jahren 2002 bis 2009 um mehr als die Hälfte gestiegen, 2009 betrugen die globalen F&E-Ausgaben
mehr als 1,2 Billionen US $ (zu Kaufkraftparitäten) gegenüber knapp 800 Mrd. US $ im Jahr
2002. Besonders die schnell wachsenden asiatischen Volkswirtschaften, insbesondere China,
konnten in den letzten Jahren deutlich ihre Anteile an den globalen F&E-Ausgaben erhöhen,
während die entsprechenden Anteile der USA,
Japans und der EU-27 zurückgingen. Vor diesem
Hintergrund ist es bemerkenswert, dass es Österreich als einem der wenigen EU-Länder gelang, seinen Anteil an den weltweiten F&E-Ausgaben stabil zu halten. Dank des starken Wachstums seiner F&E-Ausgaben erhöhte sich der Anteil Österreichs an der gesamten F&E der EU-27
sowie auch der OECD-Staaten deutlich, und
zwar auf 3 % gemessen an den EU-27 und 0,75 %
gemessen an den OECD-Staaten.
Der Anstieg der weltweiten F&E-Ausgaben
war begleitet von einer Internationalisierung der
F&E-Aktivitäten, getrieben vor allem durch die
großen multinationalen Unternehmen, die heute vielfach ein weltumspannendes Netz von Forschungsstandorten betreiben. Die Bedeutung
dieser ausländischen F&E-Investitionen ist vor
allem in kleineren und mittleren EU-Staaten
sehr hoch. Im Fall von Österreich tragen Unternehmen, die im ausländischen Besitz sind, bereits rund ein Drittel zu den gesamten F&E-Ausgaben bei und sind somit ein maßgeblicher Treiber des starken Anstiegs der F&E-Ausgaben im
Zeitraum von 2002 bis 2009.1a Einen besonderen
Stellenwert nimmt dabei das Nachbarland
Deutschland ein. Nach den USA ist Österreich
das zweitwichtigste Zielland für grenzüber-
schreitende F&E-Ausgaben deutscher Unternehmen. Der Anteil deutscher Unternehmen an allen ausländischen F&E-Investitionen in Österreich beträgt mehr als 50 %.
Neue Governance-Instrumente für den
österreichischen Hochschulraum
Die im Jahr 2011 eingeleitete Entwicklung des
Hochschulplans ist ein wichtiges wissenschaftsund bildungspolitisches Vorhaben mit dem Ziel,
durch abgestimmte Kooperation, Profilbildung
und der Bündelung von Ressourcen die höchste
Qualität von Lehre und Forschung sicherzustellen. Die zunehmende Ausdifferenzierung der
Akteure, die Internationalisierung der Forschung, veränderte Finanzierungssysteme, Initiativen und Politiken auf europäischer Ebene und
ambitionierte forschungspolitische Ziele erfordern, dass sich die Hochschulpartner und die Politik abstimmen und durch die Bündelung von
Ressourcen geschärft und weiterentwickelt werden. Der Hochschulplan versteht sich als ein rollierendes weiterzuentwickelndes Planungsins­
trument unter Einbeziehung wichtiger Akteure
im Hochschulbereich. Die Koordination im Bereich der Profilbildung, Lehre und Forschung ist
dabei eine zentrale Herausforderung. Sowohl im
Bereich der Schwerpunktbildung in der Forschung, als auch bei der Planung des Fächerangebots, ist hier eine Abstimmung und ein Abgleich
zwischen den Universitäten und insbesondere
zwischen den Standorten notwendig. Ein prioritäres Ziel der nationalen Hochschulpolitik ist
auch die Einführung der Studienplatzfinanzierung, deren Umsetzung bis zum Vollausbau in
mehreren Phasen bis zum Jahr 2021 geplant ist.
Um die Realisierung der im Hochschulplan
formulierten Ziele zu unterstützen und die koordinierenden Maßnahmen umzusetzen, wurde
im Frühjahr 2012 die Hochschulkonferenz kon­
stituiert. Es handelt sich dabei um ein koordinierendes beratendes Gremium, das Stellung-
1aDieser Wert ist nicht zu verwechseln mit der Finanzierung der F&E durch den sogenannten Auslandssektor, bei der es sich um tatsächliche Mittelzuflüsse aus dem Ausland nach Österreich handelt.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
9
Executive Summary
nahmen zu wichtigen wissenschaftspolitischen
Themen erarbeitet, Problembereiche priorisiert
und Empfehlungen und Lösungsvorschläge als
Input für den Hochschulplan einbringt.
Die Finanzierung der Universitäten
Die Finanzierung der Universitäten für die Jahre
2013 bis 2015 ist durch zwei wesentliche Merkmale geprägt: Zum einen gehen die Universitäten
eine neue dreijährige Leistungsvereinbarungsperiode ein und zum anderen wird das formelgebundene Budget durch das neue Instrument der
Hochschulraum-Strukturmittel abgelöst.
Die Leistungsvereinbarungen sind das zentrale Instrument für die Finanzierung und Steuerung der österreichischen öffentlichen Universitäten, mit deren Abschluss Globalbudgets über
eine Periode von drei Jahren allokiert werden.
Seitens des Bundes stellen der Hochschulplan,
aber auch die FTI-Strategie den strategischen
Rahmen zur Steuerung der Universitäten dar.
Die wichtigsten Ziele im Bereich Forschung, auf
welche die Universitäten mitunter auch im Rahmen ihrer Leistungsvereinbarung Bezug nehmen, sind dabei: die Fortführung der Schwerpunkt- und Profilbildung, die Intensivierung der
Kooperationen, der Ausbau der Internationalisierung, der strategische Ausbau der Forschungsinfrastruktur, sowie die weitere (quantitative
und qualitative) Entwicklung der Drittmittel­
einwerbung. Von Seiten der Universitäten werden die in den Leistungsvereinbarungen angestrebten Ziele und Maßnahmen durch die Erstellung von Entwicklungsplänen begleitet.
Im Rahmen einer Novelle des UG wurde im
Sommer 2012 das Instrument der Hochschulraum-Strukturmittel eingeführt. Damit wurde
die leistungsorientierte Finanzierung in Form
des Formelbudgets durch einen neuen Allokationsmechanismus abgelöst und der zur Finanzierung der Universitäten zur Verfügung stehende
Gesamtbetrag um die Hochschulraum-Strukturmittel ergänzt. Ziel der neuen Regelung ist es,
die bisherige komplexe indikatorenbezogene Finanzierung über das formelgebundene Budget an
10
Hand von wenigen Indikatoren nachvollziehbar
zu berechnen. Der den Universitäten zur Verfügung stehende Gesamtbetrag setzt sich daher für
die LV-Periode 2013 bis 2015 aus einem Teilbetrag für die Grundbudgets und einem Teilbetrag
für die Hochschulraum-Strukturmittel zusammen. Neben dem Grundbudget, das weiterhin
auf Basis von Leistungsvereinbarungen definiert
wird, werden für die LV-Periode 2013 und 2015
Hochschulraum-Strukturmittel in der Höhe von
450 Mio. € verteilt.
Neupositionierung der Österreichischen Akademie
der Wissenschaften
Die Österreichische Akademie der Wissenschaften hat eine lange Tradition im österreichischen
Wissenschaftssystem. Im Jahr 1847 gegründet,
besteht sie heute aus einer Gelehrtengesellschaft, einer Forschungsträgereinrichtung sowie
einer Nachwuchsförder- und Serviceeinrichtung. Seit 2000 ist insbesondere die Forschungsträgerorganisation beachtlich gewachsen. Darunter sind zahlreiche wissenschaftlich höchst
erfolgreiche Forschungsinstitute, welche in Gebieten wie der Molekularbiologie, Biomedizin,
Physik, angewandten Mathematik, Weltraumforschung, Materialwissenschaften sowie den
Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften tätig
sind. Dieser enorme Ausbau des wissenschaftlich sehr erfolgreichen ÖAW-Forschungsträgers
machte es auch notwendig, die Managementstrukturen der ÖAW zu modernisieren und anzupassen. Im Jahr 2011 traten daher eine neue
Satzung und Geschäftsordnung in Kraft, welche
die Implementierung moderner und transparenter Strukturen auf der Managementebene nach
sich zogen. Auch wurde als wesentlicher Schritt
erstmals in der Geschichte der ÖAW eine Leistungsvereinbarung geltend für die Periode 2012
bis 2014 abgeschlossen.
Renaissance der Industriepolitik
Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise hat
zu einer Neubeurteilung wirtschaftspolitischer
Forschungs- und Technologiebericht 2013
Executive Summary
Optionen und des Strukturwandels geführt. Im
Zentrum dieser global beobachtbaren Re-Orientierung steht insbesondere der industrielle Sektor. Ein großer Industriesektor galt lange Zeit als
Zeichen eines verzögerten Strukturwandels.
Dieses Urteil hat sich mittlerweile geradezu in
sein Gegenteil verkehrt. Neben einer Renaissance der Industriepolitik ist die Industrie durch
einen parallel ablaufenden technologischen Paradigmenwandel gekennzeichnet, der auch als
„Dritte industrielle Revolution“ bezeichnet
wird. Diese ist vor allem durch eine Konvergenz
verschiedener Technologien wie etwa Materialtechnologien, Internet, 3D-Printing oder Technologien im Zusammenhang mit erneuerbaren
Energien gekennzeichnet. Die Rolle der Indus­
trie und deren Beitrag für Innovation, Exporte
und Beschäftigung stehen heute erneut wieder
im Zentrum wirtschaftspolitischer Debatten. So
verfolgen zahlreiche Länder, aber auch die Europäische Kommission selbst, aktuell eine Strategie der Reindustrialisierung.
Die Rolle der Industrie im österreichischen
Innovationssystem
Österreich gehört im internationalen Vergleich
zur Gruppe der Länder mit den höchsten Indus­
trieanteilen gemessen an der gesamten Wertschöpfung. Dennoch hat der Industrieanteil im
langfristigen Vergleich abgenommen, wenngleich seit etwa 15 Jahren, ähnlich wie in
Deutschland oder der Schweiz, eine Stabilisierung des Industrieanteils an der Wertschöpfung
stattgefunden hat. Die Beschäftigung in der Industrie hingegen fällt sowohl nach der absoluten
Zahl als auch nach dem Anteil an der Gesamtbeschäftigung. In Bezug auf den technologischen
Wandel innerhalb der Industrie ergibt sich eine
starke Zunahme von Industrien im mittleren
Technologiesegment bei vergleichsweise geringem Anteil des Hochtechnologiesegments. Allerdings stellt sich die mitteltechnologische Industrie in Österreich als relativ F&E-intensiv
dar. Generell erlebte die österreichische Indus­
trie seit 1990 einen äußerst erfolgreichen ProForschungs- und Technologiebericht 2013
zess der Internationalisierung, der Ausdruck ihrer hohen Wettbewerbsfähigkeit ist und der ein
weiteres Abschmelzen des industriellen Kerns
verhindert hat.
Die Industrie trägt in deutlich überproportionalem Ausmaß zum technologischen Wandel
einer Volkswirtschaft bei. Der Großteil der F&Eund Innovationsaktivitäten Österreichs wird
von Industrieunternehmen – freilich oftmals in
enger Kooperation mit Dienstleistungsunternehmen – durchgeführt. Diese überdurchschnittliche Innovationsperformance setzt sich in dem
Maße fort, als die Industrie ein Motor des Produktivitätswachstums Österreichs ist. Die Rolle
der Industrie für F&E sowie Innovation wird
auch dadurch deutlich, dass die Innovation Leaders über durchwegs höhere Industrieanteile als
die Innovation Followers, Moderate Innovators
und Modest Innovators verfügen.
Österreichs Position bei Schlüsseltechnologien
Österreich ist sowohl hinsichtlich seiner F&Eals auch seiner Produktionskapazitäten gut bei
den Schlüsseltechnologien, wie sie jüngst von
Seiten der Europäischen Union definiert wurden, positioniert. In den vergangenen zehn Jahren haben die österreichischen Industrieunternehmen ihre Patentaktivitäten im Bereich industrieller Schlüsseltechnologien deutlich ausgeweitet. Dadurch hat Österreich an Gewicht
innerhalb der weltweiten Produktion neuen
technologischen Wissens in diesen besonders
wichtigen Technologiefeldern gewonnen. Damit
ging auch eine kräftige Ausweitung der Exporte
von schlüsseltechnologiebasierten Produkten
Österreichs einher.
Ebenso erfreulich ist die gute Performance der
österreichischen Industrie in einem besonders
rasch wachsenden Segment, nämlich der Umweltindustrie. Eine empirische Analyse der Internationalisierung der österreichischen Umweltindustrie zeigt eine positive Dynamik und eine
über die Zeit zunehmende Wettbewerbsfähigkeit.
Hohe Wachstumserwartungen für Umweltschutzgüter auf den Weltmärkten eröffnen hier
11
Executive Summary
Optionen für eine Expansion moderner und ökologisch nachhaltiger industrieller Aktivitäten.
Österreichs Industrie als Erfolgsgeschichte
Die österreichische Industrie ist insgesamt eine
Erfolgsgeschichte. Ihr Erfolg beruht wesentlich
auf motivierten, leistungsbereiten und kompetenten UnternehmerInnen sowie qualifizierten
Fachkräften. Hinzu kommen Rahmenbedingungen, die insbesondere durch die Sozialpartnerschaft und die europäische Integration vorteilhaft gestaltet sind. Die Ostöffnung und der europäische Binnenmarkt haben durch den steigenden Wettbewerbsdruck zu einer Dynamisierung
der heimischen Industrieunternehmen beigetragen. In Zukunft wird eine weitere Verbesserung
des Humankapitals von entscheidender Bedeutung sein. Schulen und Lehrlingsausbildung,
aber auch die Ausbildung von NaturwissenschaftlerInnen und IngenieurInnen an Universitäten und Fachhochschulen ist besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Die Industriepolitik,
die in Österreich im Wesentlichen und richtigerweise Innovationspolitik ist, kann Impulse und
Anreize für eine weitere Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit setzen. Dafür
sind die notwendigen Instrumente und Institutionen vorhanden. Es gilt also den erfolgreichen
Weg der letzten Jahre weiter zu gehen und flexibel und koordiniert auf neue Herausforderungen
für die österreichische Industrie zu reagieren.
Innovation als treibende Kraft für einen
­dauerhaften Unternehmenserfolg
Die kontinuierliche Umsetzung von Innovationen in marktfähige Produkte und Dienstleistungen ist die treibende Kraft für einen dauerhaften
Unternehmenserfolg und somit letztlich für
wirtschaftliches Wachstum und Beschäftigung.
12
Empirische Analysen der Europäischen Innovationserhebung (CIS) zeigen, dass Österreich im
europäischen Vergleich eine gute (bis sehr gute)
Position einnimmt, insbesondere auch in Hinblick auf die Performance des österreichischen
KMU-Sektors. Der Anteil innovierender Unternehmen liegt in Österreich deutlich über dem
Schnitt der EU-27, wobei die Innovatorenquote
in allen Branchen hoch ist.
Gleichzeitig sind die Innovationsausgaben
durch ein hohes Gewicht von F&E-Ausgaben gekennzeichnet. Auch eine Analyse des Zusammenhangs von F&E-Intensität und Beschäftigungsentwicklung deutet auf die große Bedeutung von F&E hin. F&E-intensive Unternehmen
weisen ein deutlich höheres Beschäftigungswachstum auf. Österreich ist somit durch ein
modernes Innovationssystem geprägt, dessen
Unternehmen ständig neues Wissen durch eigene F&E-Aktivitäten generieren und am Markt in
Form von neuen Produkten bzw. Dienstleistungen umsetzen und platzieren. Dabei sind Österreichs Unternehmen gut mit ihren Zulieferern
und KundInnen, aber auch mit den Hochschulen
in Innovationsnetzwerken verbunden. Die österreichische Wirtschaftspolitik hat bereits seit langem den hohen Stellenwert von unternehmerischen Innovationen erkannt und fördert das unternehmerische Innovationsverhalten mit vielfältigen Instrumenten. Österreich hat damit ein
Fördersystem mit einer großen Reichweite, d.h.
Innovationen werden horizontal adressiert. Der
Anteil der Unternehmen, die innovationsspezifische Förderungen erhalten, zählt zu den höchsten innerhalb der EU. Diese Breitenwirkung der
Förderung trägt wesentlich dazu bei, dass die Unterschiede zwischen KMU und Großunternehmen im Innovationsverhalten in Österreich geringer sind als in den meisten anderen hoch entwickelten europäischen Industrieländern.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
1 Aktuelle Entwicklungen
1 Aktuelle Entwicklungen
1.1Entwicklung der F&E-Ausgaben in Österreich
– Globalschätzung
Gemäß der aktuellen Globalschätzung der Statistik Austria vom April 2013 werden die gesamten
Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Österreich im Jahr 2013 voraussichtlich 8,96 Mrd. €
betragen. Gegenüber dem Jahr 2012 bedeutet dies
eine Zunahme von ca. 255 Mio. € bzw. 2,9 %.
Durch das für 2013 zu erwartende nominelle
Wachstum des BIP von 3 % auf 319,15 Mrd. €2
entspricht dies einer Forschungsquote (Bruttoinlandsausgaben für Forschung und Entwicklung
im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt) von
2,81 %. Für 2012 wird die Forschungsquote nunmehr auf ebenfalls 2,81 % (von 2,80 % in der
Globalschätzung 2012) revidiert, 2011 betrug sie
aufgrund des stärkeren Anstiegs des Bruttoinlandsprodukts 2,72 %. Die Entwicklung der Forschungsquote sowie der absoluten Beiträge der
einzelnen Finanzierungssektoren ist in Abb. 1
dargestellt. Seit dem Ausbruch der Finanz- und
Abb. 1: Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Österreich nach Finanzierungssektoren
10,0
3,00
9,0
2,50
8,0
2,00
6,0
1,50
5,0
F&E-Quote
F&E-Ausgaben in Mrd. €
7,0
4,0
1,00
3,0
2,0
0,50
1,0
0,0
2000
2001
Bund
2002
2003
Bundesländer
2004
2005
2006
Unternehmenssektor
2007
2008
Ausland
2009
2010
Sonstige
2011
2012
2013
0,00
F&E-Quote (rechte Achse)
Quelle: Statistik Austria, Globalschätzung vom Stand 11. April 2013, nominelle Werte.
2WIFO-Konjunkturprognose März 2013.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
13
1 Aktuelle Entwicklungen
Wirtschaftskrise konnten die F&E-Ausgaben gesteigert und die Forschungsquote auf konstanter
Höhe gehalten werden. Mit der prognostizierten
Forschungsquote von 2,81 % liegt Österreich
deutlich über dem Durchschnitt der EU-27, der
2011 bei 2,03 % lag und befindet sich damit an
fünfter Stelle hinter Finnland, Schweden, Dänemark und Deutschland.
Betrachtet man die Gesamtausgaben für Forschung und Entwicklung in Österreich differenziert nach den verschiedenen Finanzierungssektoren ergibt sich folgendes Bild (vgl. Abb. 2 und
Abb. 3):
• Der Bund finanziert mit 3,09 Mrd. € im Jahr
2013 voraussichtlich 34,4 % der gesamten
Ausgaben für Forschung und Entwicklung in
Österreich. In absoluten Zahlen bedeutet das
gegenüber 2012 einen Anstieg von ca. 83 Mio. €
bzw. 2,8 %. Dieser Anstieg ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass der Bund (nicht zuletzt
durch die Erhöhung der Forschungsprämie von
8 % auf 10 %) im Jahr 2012 eine Steigerung
seiner F&E-Finanzierung von 14,2 % (bzw.
plus 374 Mio. € in absoluten Zahlen) verzeichnete. Insgesamt hat der öffentliche Sektor (wobei der Bund hier den überwältigenden Anteil
trägt) seine F&E-Finanzierung seit der Krise
(und auch als wirtschaftspolitische Antwort
darauf) enorm ausgeweitet. Die F&E-Finanzierung des öffentlichen Sektors wird im Jahr
2013 nominell um ca. 36 % höher sein als
noch im Rezessionsjahr 2009 (siehe Abb. 2).
• Der Unternehmenssektor finanziert im Jahr
2013 voraussichtlich 3,39 Mrd. € an Forschung
und Entwicklung und weist mit 43,9 % den
höchsten Anteil aller Finanzierungssektoren
auf. Gegenüber 2012 ist die Finanzierung um
ca. 115 Mio. € gestiegen, was einem prozentuellen Wachstum von 3 % entspricht, also entsprechend dem geschätzten nominellen BIPWachstum. Bemerkenswert ist, dass – nachdem das nominelle Wachstum in den Jahren
2009 und 2010 als unmittelbare Folge der Krise nur jeweils unter 1,5 % blieb – die Zunahme der F&E-Finanzierung von Seiten des Unternehmenssektors mittlerweile seit 2011
14
wieder auf einen Wachstumspfad von 3 % und
mehr zum Liegen kommt (allerdings kommen
diese Wachstumsraten nicht an das Niveau
der Vorkrisenzeit heran).
• Der Finanzierungssektor Ausland (dabei handelt es sich überwiegend um mit österreichischen Unternehmen verbundene ausländische
Unternehmen sowie zu einem kleineren Teil
auch um Rückflüsse aus den EU-Forschungsrahmenprogrammen) trägt mit 1,36 Mrd. €
15,2 % zum Gesamtvolumen der österreichischen Forschung und Entwicklung bei. In absoluten Zahlen beträgt das Wachstum 36
Mio. € bzw. plus 2,7 % relativ gesehen.
• Die Bundesländer finanzieren voraussichtlich
0,43 Mrd. € und weisen damit einen Finanzierungsanteil von 4,8 % auf. Ihr Wachstum gegenüber 2012 beträgt 15 Mio. € bzw. 3,6 %.
• Der Sektor Sonstige (sonstige öffentliche Finanzierung z.B. durch Gemeinden oder Sozialversicherungsträger, privater gemeinnütziger
Sektor) trägt mit 0,15 Mrd. € etwa 1,7 % zum
Gesamtvolumen der österreichischen Forschungsfinanzierung bei. Sein Wachstum wird
für 2013 auf 5,5 Mio. € bzw. 3,7 % geschätzt.
Betrachtet man die Finanzierungsstruktur der
F&E-Ausgaben in Österreich, so zeigt sich, dass
der mit der Krise einsetzende Trend des relativen
Rückgangs des Finanzierungsanteils des Unternehmenssektors mittlerweile gestoppt werden
konnte (vgl. Abb. 3). Hatte der Unternehmenssektor vor der Krise im Jahr 2007 noch einen Anteil von 48,7 %, so ging mit Einsetzen der Krise
dieser Anteil sukzessive auf 43,8 % zurück. Da
für das Jahr 2013 in der Globalschätzung der Statistik Austria für den Unternehmenssektor ein
stärkeres Wachstum der F&E-Finanzierung prognostiziert wird, steigt nun dieser Anteil wieder
geringfügig auf 43,9 %. Rechnet man das Ausland mit hinzu (dessen Finanzierung ja zum
überwiegenden Anteil von ausländischen Unternehmen stammt, aus großteils internationalen
Konzernen, die Forschungs- und Entwicklungsvorhaben ihrer österreichischen Tochterunternehmen mitfinanzieren), ergibt sich ein Anteil
Forschungs- und Technologiebericht 2013
1 Aktuelle Entwicklungen
Abb. 2: Entwicklung der F&E in Österreich nach Finanzierungssektoren (Index, 2007=100)
170
160
150
140
130
120
110
100
90
80
2007
2008
2009
Öffentlicher Sektor
2010
Unternehmen
2011
Ausland
2012
2013
Summe F&E-Ausgaben
BIP
Anm.: D
er Finanzierungssektor „Sonstige“ (der u.a. die Gemeinden oder die Sozialversicherungsträger sowie den privaten gemeinnützigen Sektor umfasst) wurde hier zum
„Öffentlichen Sektor“ gezählt.
Quelle: Statistik Austria, Globalschätzung vom Stand 11. April 2013.
Abb. 3: Finanzierungsanteile für F&E in Österreich nach Finanzierungssektoren (in Prozent)
100%
43,86
43,82
45,24
44,76
47,06
46,11
48,70
48,38
45,62
70%
47,16
45,12
44,63
41,77
80%
41,81
90%
15,21
15,24
15,89
16,02
16,79
16,44
17,91
18,41
18,04
19,37
20,02
40%
21,39
19,65
50%
19,86
60%
36,34
33,21
33,39
37,45
36,15
39,22
38,87
40,94
40,93
2001
33,48
0%
34,86
2000
10%
33,98
38,58
20%
38,33
30%
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
öffentlicher Sektor
Ausland
Unternehmenssektor
Quelle: Statistik Austria, Globalschätzung vom Stand 11. April 2013.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
15
1 Aktuelle Entwicklungen
des privaten Sektors von annähernd 60 %. Somit
ist die Finanzierungsstruktur der Forschung und
Entwicklung in Österreich derzeit nicht allzu
weit vom generellen Ziel der Forschungs- und
Technologiepolitik der Europäischen Union als
auch des Ziels der FTI-Strategie der österreichischen Bundesregierung, nämlich einer ungefähren Verteilung der Finanzierungsanteile auf zwei
Drittel privat und ein Drittel öffentlich, entfernt.
1.2
Umsetzung der FTI-Strategie
Die im März 2011 verabschiedete FTI-Strategie
der Bundesregierung verfolgt – wie bereits im
vergangenen Forschungs- und Technologiebericht ausführlich dargelegt – einen breiten, systemischen Ansatz zur Unterstützung und Strukturierung des Innovationsystems. Zeitgemäße
FTI-Politik ist nicht ausschließlich auf Wissenschafts- und Technologieförderung konzentriert,
sondern erfolgt in Abstimmung mit anderen Politikfeldern wie Bildung, Wettbewerb und korrespondierenden Regelungsmaterien wie etwa
dem Steuer- und Finanzierungssystem, und berücksichtigt wechselseitige Wirkungszusammenhänge.
Daher wurde zur Konkretisierung und Koordination der Umsetzung der Strategie auf hoher
Verwaltungsebene unter dem Vorsitz des Bundeskanzleramtes, gemeinsam mit den relevanten
Bundesministerien, die Task Force FTI eingerichtet. Ein kontinuierlicher Austausch dieses Gremiums erfolgt umfassend auch unter Einbeziehung des Rates für Forschung und Technologieentwicklung.
Die FTI-Strategie ist grundsätzlich bis zum
Jahr 2020 ausgerichtet, was bedeutet, dass die
Gesamtentwicklung und die Wirkung der einzelnen Maßnahmen vielfach erst längerfristig eingeschätzt werden kann.
Welche Implementierungsschritte wurden
nun im vergangenen Jahr konkret gesetzt?
Insgesamt wurde die gut etablierte Zusammenarbeit der FTI-relevanten Ressorts stärker
strukturiert, intensiviert und weiter ausgebaut
und ist zu einem wesentlichen Instrument ge16
worden, um der steigenden Komplexität von Forschung, Technologie und Innovation sinnvoll zu
begegnen.
Konkret bedeutete dies zunächst das Zusammenführen aller FTI-relevanten Programme und
Initiativen unter dem Dach der FTI-Strategie.
Nach Diskussion sämtlicher Ziele und Maßnahmen der FTI-Strategie aus strategischer Perspektive wurden neun Arbeitsgruppen (AG) in spezifischen wichtigen Bereichen eingerichtet:
• Die AG 1 „Humanpotenziale“ beschäftigt sich
mit der Bedeutung von Bildung als Fundament
für ein leistungsfähiges Innovationssystem.
Ein erster zentraler Schwerpunkt liegt in der
Kooperation aller Ressorts im Rahmen von
Maßnahmen und Projekten, die MINT-Disziplinen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) betreffen. Dabei geht es vor
allem um die Begeisterung für, die Heranführung an und die Lehr- und Lernmethoden für
die MINT-Disziplinen. Das gilt natürlich für
alle Stufen der Bildungslaufbahn, hat engste
Wechselwirkungen zu den damit assoziierten
Berufsbildern und damit zu deren Attraktivität für Männer und insbesondere Frauen. Damit wird ein für den Innovationsstandort Österreich langfristiger wichtiger Kulturwandel
in den Bereichen Ausbildung, Bildung, Forschung und Arbeitswelt eingeleitet. Ziel der
AG sind dabei vor allem die Kohärenz und
Nachhaltigkeit dieser strukturverändernden
Maßnahmen.
• AG 2 und 3 beschäftigen sich mit den in der
FTI-Strategie festgelegten ressortübergreifenden Schwerpunktthemen „Klimawandel/
knappe Ressourcen“ (AG 2) und „Lebensqualität und demographischer Wandel“ (AG 3): In
diesen AGs wurden zunächst alle FTI-Initiativen zu diesen jeweiligen Themenbereichen
zusammengeführt, mit dem Ziel, ein klares
Gesamtbild der bereits existierenden Programme zu etablieren und Abstimmungs- und Kooperationspotenziale auszuloten. In beiden
Arbeitsgruppen steht auch im Vordergrund,
das Themenmanagement der Ressorts dort,
wo es Sinn macht, zu verschränken und verForschungs- und Technologiebericht 2013
1 Aktuelle Entwicklungen
stärkt Synergien im Fördersystem zu nutzen.
Als ein zentrales Thema im Bereich der AG 3
„Lebensqualität und demographischer Wandel“ hat sich „aktive Mobilität“ herausgegliedert.
• AG 4 beschäftigt sich im Wesentlichen mit
Großforschungsinfrastrukturen
(über
100.000,– €). Moderne, hochtechnologische
Forschungsinfrastrukturen, bzw. der Zugang
zu diesen, sind eine essentielle Grundlage für
exzellente Forschung und konkurrenzfähige
Technologieentwicklung in Österreich. Diese
bedürfen jedoch kostenintensiver Investitionen mit längeren Investitions- und Nutzungszeiträumen. Ziel der AG ist es daher, ein effizientes, ressortübergreifendes Monitoring zur
Implementierung der in der FTI-Strategie diesbezüglich genannten Maßnahmen sicherzustellen. Die AG beschäftigt sich mit der Vernetzung von Infrastrukturen und dem Ausbau
der Kooperationen im Bereich Infrastrukturnutzung zwischen den forschenden Einrichtungen sowie mit Finanzierungsmodellen und
rechtlichen Rahmenbedingungen für die Nutzung von Forschungsinfrastrukturen. Die AG
nimmt dafür ein Mapping bestehender oder
kurzfristig umzusetzender Maßnahmen vor
und wird einen Vorschlag im Sinne einer natio­
nalen Roadmap für Forschungsinfrastrukturen
vorlegen.
• AG 5 „Wissenstransfer und Gründungen“
wurde vor dem Hintergrund etabliert, dass die
Gründungsdynamik innovativer neuer Unternehmen in Österreich unterdurchschnittlich
ist, diese für den Strukturwandel in Richtung
wertschöpfungsintensiverer und FTI-intensiverer Produkte jedoch sehr wichtig wäre. Aufgabe von AG 5 ist es in diesem Zusammenhang, die Fördermaßnahmen verschiedener
Ressorts besser aufeinander abzustimmen, Lücken zu schließen und Synergieeffekte zu lukrieren.
• AG 6 „Unternehmensforschung“ dient im
Wesentlichen der weiteren Optimierung der
Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und
Wirtschaft. Im Konkreten bedeutet dies: Die
Forschungs- und Technologiebericht 2013
AG widmet sich der Weiterentwicklung des
kooperativen Sektors in Zusammenhang mit
der Entwicklung der Universitäten und der
Ausarbeitung von Vorschlägen, wie die steuerliche Forschungsförderung effizienter und effektiver werden kann.
• Die AG 7a „Internationalisierung und FTI-Außenpolitik“ und AG 7b „Aktionsplan Österreich und der Europäische Wissensraum 2020“
arbeiten an Strategien zur Positionierung
­Österreichs im europäischen Forschungsraum
bzw. an einer globalen österreichischen FTIAußenpolitik und -präsenz. Die Arbeitsgruppen werden von renommierten außeruniversitären Forschungsinstituten durch Analysen
unterstützt. Auch sind die zentralen österreichischen FTI-Stakeholder aktiv in den Prozess
eingebunden. Beide Arbeitsgruppen werden
im Juli 2013 Endberichte mit Empfehlungen
an die Task Force FTI vorlegen.
• AG 8 „Internationale Rankings“ dient der Rezeption diverser nationaler und internationaler FTI-Rankings und Indikatoren. Ziel ist hier
vor allem, ein gemeinsames Verständnis über
Potentiale und Mängel dieser Instrumente zu
entwickeln. Im vergangenen Jahr hat sich diese Gruppe auch intensiv mit dem Indikatorenset auseinandergesetzt, das im ersten Monitoringbericht des Rates für Forschung und Technologieentwicklung enthalten war und nun
noch weiter spezifiziert wurde.
Mitglieder aller AGs sind jedenfalls die betroffenen Bundesministerien, in vielen AGs sind aber
auch Stakeholder und Forschungsinstitute eingebunden. Wichtig bei der Etablierung der AGs war
außerdem, dass keine bestehenden Abstimmungsprozesse dupliziert werden. Alle neun Arbeitsgruppen stehen in enger Verbindung mit der
Task Force FTI bzw. sind Teil der Task Force FTI.
Im Juni 2012 fand zu diesem Zweck ein gemeinsamer Workshop der Vorsitzenden der AGs mit
den Mitgliedern der Task Force statt, bei dem die
ersten Zwischenergebnisse und die weiteren Pläne intensiv diskutiert und abgestimmt wurden.
17
1 Aktuelle Entwicklungen
Die Task Force diskutiert laufend auch jene
Maßnahmen und Ziele der FTI-Strategie, die thematisch nicht in den Arbeitsgruppen enthalten
sind, und wägt ab, in welchen Bereichen bereits
Maßnahmen gesetzt wurden und inwieweit
kurz-, mittel- oder längerfristig neue Initiativen
zu überlegen sind. Insbesondere jene Projekte,
die mehrere Ressorts berühren, sind regelmäßig
Gegenstand gemeinsamer Abstimmung, dazu
zählten im vergangenen Jahr beispielsweise das
Projekt der „Langen Nacht der Forschung“, das
OST (Office of Science and Technology) China
oder verschiedene Forschungsförderprogramme.
Darüber hinaus behandelt die Task Force regelmäßig die Empfehlungen des Rates für Forschung und Technologieentwicklung. Dabei werden die Empfehlungen zunächst auf ExpertInnen­
ebene unter allen Ressorts erörtert, abschließend
nimmt die Task Force FTI schriftlich dazu Stellung und übermittelt diese an den Rat.
Die aktuellen Innovation Leader aus Skandinavien zeigen anschaulich, dass kleine, offene
und innovative Volkswirtschaften nicht nur im
globalen Wettbewerb bestehen, sondern auch ihren gesellschaftlichen Wohlstand weiter ausbauen können. Mit der Umsetzung der FTI-Strategie
ist Österreich weiterhin auf diesem Weg.
Im Folgenden wird ein Überblick über die Umsetzung FTI-relevanter Maßnahmen und Initiativen der Ressorts im vergangenen Jahr gegeben.
Dem Überblick über strukturelle Maßnahmen
folgt eine Zusammenschau über die wichtigsten
Projekte und neuen Programme.
1.2.1 Strukturelle Neuerungen
Steuerliche Forschungsförderung
Mit dem Budgetbegleitgesetz 2011 wurden die
Forschungsfreibeträge abgeschafft und die Forschungsprämie von 8 % auf 10 % angehoben. Im
Zuge des 1. Stabilitätsgesetzes 2012, das seit 1.
April 2012 in Kraft ist, wurde im Rahmen der
steuerlichen Forschungsförderung ein neues Verfahren eingeführt, wodurch eine strengere Kontrolle der Anspruchsvoraussetzungen gewährleis18
tet werden soll: Bei der Prüfung der Anträge auf
Forschungsprämie wird nunmehr die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) eingebunden. Die
FFG soll die Förderwürdigkeit der Forschungsprojekte und die Qualität der eigenbetrieblichen
Forschung beurteilen. Die bescheidmäßige Forschungsbestätigung als Anspruchsvoraussetzung
für die Forschungsprämie wird weiters durch die
Möglichkeit einer bescheidmäßigen Feststellung
über die Höhe der Bemessungsgrundlage für die
Forschungsprämie ergänzt: Die neuen Regelungen betreffend Beantragung, Bestätigung und Gewährung der Forschungsprämie gelten ab
01.01.2013 für die Wirtschaftsjahre ab 2012.
Universitätsfinanzierung NEU
Mit der UG-Novelle 2013 zur schrittweisen Implementierung der kapazitätsorientierten, studierendenbezogenen
Universitätsfinanzierung
(„Studienplatzfinanzierung“) wird die Universitätsfinanzierung in Österreich auf eine neue Basis gestellt. Ziel ist eine transparentere sowie
stärker als bisher auf Leistung, Qualität und Kapazität hin ausgerichtete Gestaltung der Finanzierung der Universitäten. Gleichzeitig soll in
einer Testphase die Betreuungssituation in fünf
stark nachgefragten Studienfeldern verbessert
werden – einerseits durch zusätzliche Personalressourcen, andererseits durch die Festlegung von
Kapazitäten für StudienanfängerInnen und die
Möglichkeit von Zugangsregelungen, wenn diese
überschritten werden. Wesentliche Prämisse dabei ist, die Zahl der Studierenden österreichweit
insgesamt nicht zu verringern.
Insgesamt wird die Studienplatzfinanzierung
über mehrere Leistungsvereinbarungsperioden
umgesetzt. Die am 27.02.2013 im Nationalrat
beschlossene Gesetzesnovelle schafft dafür die
Grundlagen. Der Vollausbau ist ab der Leistungsvereinbarungsperiode 2019 bis 2021 geplant. Für
die fünf besonders stark nachgefragten Studienfelder – Wirtschaft, Architektur, Informatik, Biologie und Pharmazie – wurde ein „Qualitätspaket“ geschnürt, das die Betreuungssituation verbessern soll: einerseits durch zusätzliche PersoForschungs- und Technologiebericht 2013
1 Aktuelle Entwicklungen
nalressourcen (insgesamt wurden ca. 36 Mio. €
im Kontext der Leistungsvereinbarungen für zusätzliche ProfessorInnen bzw. Personaläquivalente in den Jahren 2013 bis 2015 zur Verfügung
gestellt) und andererseits durch die Festlegung
von Studienanfängerplätzen, bei deren Überschreitung die Universitäten Zugangsregelungen
einführen können, welche seitens der Universitäten weitgehend autonom gestaltet werden können. Langfristiges Ziel ist es, eine ausreichende
Zahl an Studienplätzen unter im internationalen
Vergleich adäquaten Studienbedingungen zur
Verfügung zu stellen. Damit soll ein effizienterer
Lehrbetrieb und Studierenden ein Studienabschluss in angemessener Zeit ermöglicht werden. Die Anzahl von Plätzen für StudienanfängerInnen in den genannten Fächern wird gesetzlich
festgelegt. Der Zielwert liegt bei österreichweit
20.220 Studienanfängerplätzen – das entspricht
den Anfängerzahlen 2011/12. Wie diese auf die
einzelnen Universitäten aufgeteilt werden, wird
jeweils im Rahmen der Leistungsvereinbarungen
geregelt.
Hochschulraum-Strukturmittel
Im Rahmen einer Novelle des UG wurde im
Sommer 2012 das Instrument der Hochschulraum-Strukturmittel eingeführt. Damit wurde
die leistungsorientierte Finanzierung in Form
des Formelbudgets durch einen neuen Allokationsmechanismus abgelöst und der zur Finanzierung der Universitäten zur Verfügung stehende
Gesamtbetrag um die Hochschulraum-Strukturmittel ergänzt. Ziel der neuen Regelung ist es,
die bisherige komplexe indikatorenbezogene Finanzierung über das formelgebundene Budget an
Hand von wenigen Indikatoren nachvollziehbar
zu berechnen. Der den Universitäten zur Verfügung stehende Gesamtbetrag setzt sich für die
LV-Periode 2013 bis 2015 somit aus einem Teilbetrag für die Grundbudgets und einem Teilbetrag für die Hochschulraum-Strukturmittel zusammen. Eine ausführliche Darstellung dieses
neuen Governance-Instruments findet sich in
Kapitel 3.2.2.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
Strukturelle Reform der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Rund ein Jahr nach Unterzeichnung der Lei­
stungsvereinbarung mit dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung ist im Dezember 2012 durch den Abschluss der Übertragung von 13 ÖAW-Einrichtungen und ÖAW-Forschungsgruppen an neun österreichische Universitäten ein wichtiges Ziel im Restrukturierungsprozess der ÖAW, nämlich die Fokussierung des
Forschungsträgers, erreicht worden. Damit wird
die Profilbildung an Österreichs Hochschul- und
Forschungseinrichtungen gefördert und bestehende Stärken an Universitäten können weiter
ausgebaut werden. Die ÖAW wiederum konzentriert sich dadurch verstärkt auf ihre in der Lei­
stungsvereinbarung verankerten Kerngebiete.
Statt 63 Forschungseinheiten Anfang des Jahres
2012 sind ein Jahr später 28 Institute unter dem
Dach der ÖAW versammelt.
Seit Mitte 2012 wird eine strukturelle Reform
der Akademie diskutiert; Ziel des Reformprozesses ist die Entflechtung von Gelehrtengesellschaft und Forschungsträger unter dem gemeinsamen ÖAW-Dach. Der diesbezügliche Grundsatzbeschluss wurde im Oktober 2012 von der
Gesamtsitzung der Akademie gefasst. Die Gelehrtengesellschaft soll in Zukunft ihr Engagement in der Gesellschafts- und Politikberatung
verstärken. Zur strukturellen Reform der ÖAW
siehe die weiteren Ausführungen, insbesondere
zu den Performance-Indikatoren, in Kapitel 3.5.
Innovationsfördernde öffentliche Beschaffung
(IÖB)
Im September 2012 hat der Österreichische Ministerrat das Leitkonzept für eine innovationsfördernde öffentliche Beschaffung (IÖB) verabschiedet, das von BMWFJ und BMVIT im Zuge
eines Stakeholderprozesses ausgearbeitet wurde.
Als konkrete Maßnahme, um in Zukunft das öffentliche Beschaffungswesen innovationsfördernder zu gestalten, wurden in dem IÖB-Leitkonzept u.a. Folgendes vereinbart: Das Bundes19
1 Aktuelle Entwicklungen
vergabegesetz soll um „Innovation“ als sekundäres Beschaffungskriterium erweitert werden;
es soll eine zentrale Servicestelle für IÖB eingerichtet werden; es sollen Themenworkshops mit
Anbietern und Beschaffern innovativer Produkte
und Dienstleistungen etabliert und regelmäßig
Informations- und Koordinationsveranstaltungen durchgeführt werden. Die 2011 gestartete Pilotausschreibung Verkehrsinfrastrukturforschung
befindet sich in der 2. Phase, der Prototypenentwicklung. Die erstmalige Anwendung dieses In­
struments der vorkommerziellen Beschaffung
brachte wichtige Erkenntnisse für die Akteure
(BMVIT, ÖBB, ASFINAG und FFG), welche die
Ausschreibung finanzierten bzw. durchführten.
Forschungsergebnisse werden erst für 2014 erwartet. Zum Thema Kälte/Wärme in historischen
Gebäuden wird ein Pilotvorhaben der Burghauptmannschaft Österreich in Kooperation mit der
BBG gestartet.
1.2.2 Ausgewählte neue Maßnahmen
MINDT-Initiative
In dem seit etwa zehn Jahren in mehreren Phasen
laufenden Projekt „Innovationen Machen Schule
Top“ (IMST) wurden wesentliche Bausteine für
einen verbesserten Unterricht in den Fächern
Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften,
Deutsch und Technik (MINDT) entwickelt. Ab
2013 sorgt das BMUKK über eine neue MINDTInitiative für eine Verbreitung der Ergebnisse an
weiteren österreichischen Schulen und auch bei
jenen Lehrkräften, die bisher noch nicht mit
IMST in Kontakt gekommen sind. Dabei werden
in Kooperationen zwischen Pädagogischen Hochschulen und Universitäten 80 bis 100 Schulprojekte durchgeführt und wissenschaftlich begleitet sowie die bisher bereits agierenden 17 regionalen Fachdidaktikzentren an Pädagogischen
Hochschulen und Universitäten quantitativ und
qualitativ weiter ausgebaut. Auch die in allen
neun Bundesländern etablierten regionalen Netzwerke (wie auch einige Bezirksnetzwerke und
ein Gender-Netzwerk) werden weiter unter20
stützt, da sie ganz wesentlich zu einer regionalen
Weiterentwicklung des MINDT-Unterrichts und
einer Vernetzung der Akteure in der Region beitragen.
Verstärkte Förderung von DoktorandInnen und
NachwuchswissenschaftlerInnen
Die Doktoratskollegs (DKs) des FWF sind ein bewährtes Instrument zur Schaffung qualitätsgesicherter, international sichtbarer Ausbildungszentren für den hoch qualifizierten wissenschaftlichen Nachwuchs an Österreichs Forschungsstätten mit Promotionsrecht. Im Gegensatz zur
klassischen Doktoratsausbildung werden DissertantInnen im Rahmen eines DKs von einem ganzen Team betreut. Dieses setzt sich aus fünf bis
20 Faculty-Mitgliedern zusammen, die auf Basis
eines klar definierten, idealerweise disziplinenübergreifenden Forschungsschwerpunkts im intensiven Austausch zusammenarbeiten. Die maximale Laufzeit eines DK beträgt drei Förderperioden zu je vier Jahren. Seit dem Jahr 2004 hat der
FWF 38 DKs mit knapp 108 Mio. € finanziert;
derzeit werden rund 380 DissertantInnen in den
strukturierten Doktorandenprogrammen ausgebildet. In Zukunft werden dem FWF – mittels der
neuen Initiative „DK Profil“ – zusätzlich 18 Mio.
€ für DKs zur Verfügung gestellt, die von bis zu
100 neue Stellen für DoktorandInnen schaffen
werden.
Das von der Nationalstiftung für Forschung,
Technologie und Entwicklung mit 8 Mio. € geförderte ÖAW-Impulsprogramm „New Frontiers
Groups“ wurde im Jahr 2012 erstmals ausgeschrieben. Ziel ist es, besonders begabten jungen
WissenschaftlerInnen den Aufbau und die Leitung einer Forschungsgruppe unter dem Dach
der ÖAW bei freier Wahl der Thematik und bei
Verwendung der zuerkannten Mittel nach eigenem Ermessen zu ermöglichen. Mit dem auf
Cutting Edge Forschung ausgerichteten Programm sollen neue, zukunftsträchtige und gesellschaftlich relevante Themen aufgegriffen
werden, die zur stetigen Erneuerung des Forschungsportfolios der ÖAW beitragen. Die LaufForschungs- und Technologiebericht 2013
1 Aktuelle Entwicklungen
zeit einer New Frontiers Group beträgt dabei maximal fünf Jahre mit einer Förderhöhe von höchstens 4 Mio. €.
Patentierungs- und Verwertungsstrukturen an
Universitäten
In den letzten Jahren ist es erfolgreich gelungen,
gut funktionierende Verwertungsstrukturen an
den Universitäten einzurichten und diese auch
in den Leistungsvereinbarungen mit den Universitäten zu verankern. Ein wichtiger Schwerpunkt
der Leistungsvereinbarungen 2013–2015 ist daher die professionelle Weiterentwicklung der
universitären Schutzrechts- und Verwertungsstrategien und damit der gezielte Ausbau des universitären Wissens- und Technologietransfers.
Damit soll ein vergleichbares, angemessenes
und nachgewiesenes Professionalisierungsniveau
im Wissenstransfer der öffentlichen Forschungseinrichtungen sichergestellt werden. Die Etablierung klarer Regelungen im Umgang mit geistigem Eigentum (insbesondere auch bei Gründungen) ist ein wichtiger Bestandteil der Schutzrechts- und Verwertungsstrategien. Die Universitäten leisten dadurch mitunter einen erheblichen Beitrag zur Umsetzung der EU-Empfehlungen (IP-Recommendation). Das bedeutet: Soweit
keine berechtigten universitären Geheimhaltungsinteressen entgegenstehen, sollen die Strategien sowohl universitätsintern als auch -extern
veröffentlicht werden, um dadurch eine möglichst offene Kommunikation insbesondere mit
den Partnern aus der Wirtschaft sicherzustellen.
Neue Josef Ressel-Zentren
Josef Ressel-Zentren sollen forschungserprobte
Fachhochschulen über stabile und langfristige
F&E-Kooperationen als regionale F&E-Partner
für die Wirtschaft stärken. Der Kompetenzaufbau in der angewandten Forschung soll gleichzeitig auch die Qualität der FH-Ausbildung verbessern (insbesondere hinsichtlich Nachwuchsförderung und Bereitstellung attraktiver Forschungsarbeitsplätze für die Region). Nach einer
Forschungs- und Technologiebericht 2013
positiven Evaluierung wurden alle drei laufenden
Josef Ressel-Zentren der Pilotaktion auf die Gesamtlaufzeit von fünf Jahren verlängert. Mit Jahresbeginn 2012 startete auch die Neuauflage des
Josef Ressel-Zentren-Programms.
Die neuen Josef Ressel-Zentren werden von
der Christian Doppler Forschungsgesellschaft im
Rahmen eines eigenständigen Programms betreut. Ausrichtung und Abwicklung orientieren
sich in wesentlichen Punkten am bewährten
CDG-Modell. Wie bei den CD-Labors werden
nach einem kompetitiven Auswahlverfahren
zeitlich befristete Zentren an Fachhochschulen
gefördert, die intensiv in Forschungsfragen mit
Unternehmen kooperieren und konkrete Lösungen für technische Probleme in der Wirtschaft
erarbeiten. Die Laufzeit ist mit fünf Jahren etwas
kürzer als bei den CD-Labors und der Fokus liegt
auf der angewandten Forschung mit hohem Niveau. Im Vergleich zu den CD-Labors ist das Fördervolumen pro Zentrum kleiner dimensioniert.
Des Weiteren sind keine in-kind Leistungen von
Unternehmenspartnern vorgesehen, sodass eine
Beteiligung grundsätzlich nur in Form von Geldleistungen möglich ist.
Produktion der Zukunft
Um den gegenwärtigen Herausforderungen (Globalisierung, demografische Entwicklungen und
alternde Gesellschaft und Arbeitsmarkt, zunehmende Ressourcenverknappung, notwendige
Energieeffizienz und höchste Umweltstandards)
angemessen begegnen zu können, hat das BMVIT
mit ExpertInnen aus Forschung und Industrie eine Strategie für eine Rahmeninitiative „Produktion der Zukunft“ erarbeitet. Ziel ist es, in Österreich Themen und Fragestellungen der Produktionsforschung – mehr als bisher – gezielt aufzugreifen und strategisch an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Wissenschaft zu fördern.
Im Jahr 2011 konnte eine erste, sehr erfolgreiche
Ausschreibung gestartet werden. Es wurden Projekte mit insgesamt 50 Mio € gefördert. Die
Nachfrage der Unternehmen war sehr hoch, das
Förderungsvolumen konnte 2012 weiter auf 95
21
1 Aktuelle Entwicklungen
Mio € gesteigert werden. Dies zeigt das große Interesse der Industrie an Förderungen für innovative Produkte, Prozesse, Technologien und Geschäftsmodelle zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit.
Jungunternehmerinitiative
Vor dem Hintergrund der aktuellen Konjunkturlage sind GründerInnen oftmals mit Finanzierungsbarrieren für neue Geschäftsideen konfrontiert. Ebenfalls stark betroffen von der Wirtschafts- und Finanzkrise ist der heimische Risikokapitalmarkt, welcher in Österreich traditionell schlecht entwickelt ist. Vor diesem Hintergrund wurde mit der neuen Initiative ein Gesamtpaket im Umfang von 110 Mio. € beschlossen, welches ab Anfang 2013 in Kraft trat und für
UnternehmensgründerInnen in der besonders
schwierigen Anfangsphase im Schnitt ein doppelt so hohes jährliches Unterstützungsvolumen
wie bisher ermöglicht. Zwei ergänzende Fonds
unterstützen dieses Ziel:
Gründerfonds: Der mit insgesamt 65 Mio. € ausgestattete Gründerfonds richtet sich an innovative Unternehmen maximal fünf Jahre nach deren
Gründung und ist branchenoffen. Die Beteiligungshöhe liegt zwischen 100.000 bis maximal
einer Mio. €. Die Dauer der Beteiligung von maximal zehn Jahren ermöglicht Investitions- und
Planungssicherheit für das Unternehmen; gleichzeitig ist es das Ziel, möglichst früh das Interesse
von privaten Investoren zu wecken.
Business Angel Fund: Ein mit insgesamt 45 Mio. €
ausgestatteter Business Angel Fund erhöht die
Risikokapitalversorgung, indem die Investitionskraft von Business Angels verdoppelt wird. Für
jeden Euro, den Privatinvestoren in junge Unternehmen investieren, wird ein weiterer € der öffentlichen Hand investiert. Durch die Einbindung der Europäischen Investitionsbank sowie
der privaten Business Angels kann eine Hebel-
wirkung für den Einsatz der öffentlichen Mittel
erzielt werden. Das bedeutet, in Summe stammen 15 Mio. € aus öffentlichen Mitteln in Österreich, 7,5 Mio. € vom Europäischen Investitionsfonds und 22,5 Mio. € von Investments durch
Business Angels. Der Fond richtet sich ebenfalls
an innovative Unternehmen maximal fünf Jahre
nach deren Gründung, wobei die Investitionshöhe zwischen 150.000 und 300.000 € pro Unternehmen liegt. Es wird eine Beteiligungsdauer
zwischen drei bis fünf Jahre erwartet, mit insgesamt 30 bis 50 Beteiligungen pro Jahr bzw. rund
300 Beteiligungen bis 2020. Bei einem Verkauf
fließen die öffentlichen Anteile in den Fund zurück und ermöglichen damit weitere Investments.
Markt.Start
Die öffentliche Finanzierung von F&E-Projekten
beschränkt sich in der Regel auf die technischen
Entwicklungen und endet mit einem funktionellen Prototyp. Der Weg zum Markt, der mit geringem technischen, aber mit hohem wirtschaftlichen Risiko verbunden ist, wird nicht gefördert.
Hier setzt die Förderungsmaßnahme Markt.Start
an3 und unterstützt nach erfolgreichem technischem Abschluss eines durch die FFG unterstützten F&E-Projektes der experimentellen Entwicklung den Eintritt in den Markt. Markt.Start fokussiert sich auf die Unterstützung von jungen, technologieorientierten Start Up-Unternehmen, die
als Kleinunternehmen (KU) eingestuft werden.
Gefördert werden die Markteinführung und Umsetzung innovativer Produkt-, Verfahrens- und
Dienstleistungsentwicklungen im Rahmen einer
Unternehmensförderung, welche ausschließlich
aus Darlehen von bis zu einer Mio. € besteht.
Frontrunner – Initiative
Die Frontrunner – Initiative im Umfang von 20
Mio. € wird von der FFG gemeinsam mit der aws
abgewickelt und richtet sich an Unternehmen
3www.ffg.at/marktstart
22
Forschungs- und Technologiebericht 2013
1 Aktuelle Entwicklungen
mit Sitz in Österreich, die eine technologische
Spitzenposition innehaben oder gerade auf dem
Sprung dorthin sind und ihre Position durch eine
offensive Frontrunner-Strategie stärken möchten. Sogenannte Frontrunner bewegen sich in einem kompetitiven Marktumfeld und müssen
daher laufend innovative Produkte oder Prozesse
entwickeln bzw. auch neue Märkte ansprechen.
Die dadurch notwendige offensive Unternehmens- bzw. Geschäftsfeldstrategie (Frontrunner
– Strategie) basiert dabei oft auf bahnbrechenden
und riskanten F&E Projekten, deren spezifische
Risiken durch das spezielle Förderangebot in
Form einer Zuschussförderung abgefedert werden sollen.
Kreativwirtschaftsscheck
Die Kreativwirtschaft ist ein immer wichtiger
werdender Treiber für Innovationen in anderen
wirtschaftlichen Bereichen. Jedoch besteht empirische Evidenz, dass diese Dienstleistungen von
KMU, besonders von Kleinst- und Kleinunternehmen, noch zu wenig genützt werden. Aus diesem Grund wurde mit Februar 2013 das Programm „Kreativwirtschaftsscheck“ gestartet.
Ziel ist es, die Nachfrageseite in der Kreativwirtschaft zu unterstützen und künftig kleineren und
mittleren Unternehmen einen finanziellen Anreiz zu bieten, mit Kreativwirtschaftsunternehmen zu kooperieren. Es soll die Innovationstätigkeit von KMU gesteigert, die Inanspruchnahme
von Kreativleistungen durch KMU erhöht und
damit die Kreativwirtschaft selbst gestärkt werden. Gefördert werden die Kosten der kreativwirtschaftlichen Leistungen zur Ideengenerierung, Konzeption, Entwicklung, Anwendung,
Umsetzung und/oder Marktüberleitung im Rahmen einer konkreten unternehmerischen Innovationsaktivität eines KMU. Die Förderung beträgt maximal 5.000 € (Gesamtkosten sind bis zu
dieser Höhe zu 100 % förderbar). Aufgrund des
großen Erfolges wurde das ursprüngliche Budget
von 1,5 Mio. € verdoppelt, wodurch für 2013
3 Mio. € zur Verfügung stehen. Da das Kontingent bereits überzeichnet ist, sind derzeit keine
weiteren Einreichungen möglich. Das Programm
soll aber – bei positiver Evaluierung – ab 2014
fortgesetzt werden.
Energieforschungsinitiative (EFI)
Die mit 12 Mio. € dotierte Energieforschungsinitiative4 ist eine neue Initiative zur Förderung von
innovativen Energieforschungsprojekten und
wird im Rahmen von laufenden Förderinstrumenten der FFG und der aws implementiert. Die neue
Energieforschungsinitiative soll österreichische
Unternehmen dazu motivieren, neue Wege in der
Energieforschung einzuschlagen und Forschungsergebnisse und damit verbundenen technologischen Fortschritt im Rahmen der „Europäischen
Energy Roadmap 2050“ zu ihrem Wettbewerbsvorteil zu machen.
Die Forschungsinitiative unterstützt die Nutzung erneuerbarer Elektrizität und trägt zu einer
Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien gemessen am österreichischen Gesamtverbrauch
bei. Die Initiative fördert nicht zuletzt die Entwicklung neuer Verfahren zur CO2-freien Erzeugung von Wasserstoff und den industriellen Einsatz von CO2 als Rohstoff für die Herstellung von
wirtschaftlich vermarktbaren Produkten bzw.
für den Einsatz in industriellen Prozessen. Hauptziel dieser Initiative ist die Realisierung von Prototyp- bis Demoanlagen für eine mögliche großtechnische industrielle Verwertung.
Climate Change Centre Austria (CCCA)
Das im Sommer 2011 eingerichtete CCCA5 ist
Anlaufstelle für Forschung, Politik, Medien und
Öffentlichkeit für alle Fragen der Klimaforschung
in Österreich und fördert somit einen nachhalti-
4www.ffg.at/efi/initiative
5www.ccca.boku.ac.at
Forschungs- und Technologiebericht 2013
23
1 Aktuelle Entwicklungen
gen Klimadialog und fungiert als koordinierende
Einrichtung zur Förderung der Klimaforschung in
Österreich. Dabei verfolgt das CCCA die folgenden Ziele: die Stärkung der Klimaforschungslandschaft in Österreich, die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und die Unterstützung des Wissenstransfers sowie die Beratung von
Politik und Gesellschaft und adressiert damit eine der „Grand Challenges“ unserer Gesellschaft.
Neben der CCCA Geschäftsstelle wurde das
CCCA Servicezentrum mit dem Ziel eingerichtet, Climate Services – also Informationen und
Daten zum Klimawandel, seiner Ursache und Folgen – für Forschung und Gesellschaft aufzubereiten und zur Verfügung zu stellen.
Vorbereitungen für HORIZON 2020
In den letzten Monaten wurde intensiv über das
künftige EU-Rahmenprogramm HORIZON 2020
verhandelt. HORIZON 2020 wird die Förderung
der gesamten Innovationskette von der Grundlagenforschung bis zur Markteinführung neuer
Produkte und Dienstleistungen ermöglichen.
Darüber hinaus wird die Erforschung gesellschaftlicher Herausforderungen („Grand Challenges“) ein Schwerpunkt des nächsten Förderprogramms sein.
Österreich hat auf Grundlage seiner im österreichischen Ministerrat vom 14. Februar 2012
beschlossenen Verhandlungsposition aktiv an
den europäischen Verhandlungen teilgenommen
und unter anderem die folgenden Änderungen erwirkt:
• Österreich hat die Herausforderung „Gesundheit, demographischer Wandel und Wohlergehen“ zwar in den Grundzügen begrüßt, hat
aber festgehalten, dass diese Programmschiene
(mit damals 16 Einzelmaßnahmen) nicht kohärent gestaltet war. Angesichts dessen hat
Österreich Vorschläge für eine kohärentere
Gestaltung vorgelegt – mit Erfolg, wurde doch
mit der nunmehrigen Struktur entlang von
sieben Einzelmaßnahmen eine deutliche Verbesserung erzielt.
24
• Im Zuge der Verhandlungen über den Verordnungstext hat Österreich eine Teilung der
sechsten Herausforderung der dritten Säule
befürwortet – mit dem positiven Ergebnis,
dass es nun jeweils eine Herausforderung für
die Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften sowie für die Sicherheitsforschung gibt.
• Österreich hat sich mit anderen Mitgliedsstaaten gemeinsam dafür stark gemacht, dass
KMU in Zukunft mehr Fördermittel erhalten
– mit Erfolg, werden doch 20 % der Fördermittel aus den Säulen „Industrial Leadership“ und
„Societal Challenges“ speziell für KMU zur
Verfügung gestellt werden.
Der Verhandlungsprozess wird im Herbst 2013
planmäßig abgeschlossen sein, wobei in den
kommenden Monaten die Einigung zwischen
Rat und Europäischem Parlament angestrebt
wird. Wichtig ist in diesem Zusammenhang vor
allem die Verteilung der Budgetmittel auf die
verschiedenen Bereiche von HORIZON 2020. In
Österreich wird währenddessen mit der FFG über
eine Beauftragung über die Beratung und Betreuung der österreichischen FTI-Akteure in HORIZON 2020 verhandelt.
1.3Die Position Österreichs im internationalen
Kontext
Die Innovationsleistung eines Landes wird von
einer Vielzahl von Faktoren bestimmt. Neben der
Innovationsfähigkeit der Wirtschaft spielen u.a.
Bildung und Wissenschaft, gesellschaftliche Einstellungen, die Rahmenbedingungen auf den Faktor- und Gütermärkten sowie die staatlichen
Maßnahmen zur Förderung von Forschung und
Innovation eine wesentliche Rolle. Um angesichts dieser Multidimensionalität einen zusammenfassenden Befund zur Position eines Landes
im internationalen Innovationswettbewerb anzubieten, wurden in den vergangenen Jahren verschiedene Indikatorensysteme entwickelt.6 Ihnen
gemeinsam ist, dass sie unterschiedliche Einzelindikatoren zur Innovationsleistung zu einem
Gesamtindikator bündeln. Damit erlauben sie
Forschungs- und Technologiebericht 2013
1 Aktuelle Entwicklungen
nicht nur Rückschlüsse auf die Position eines
Landes im Innovationswettbewerb, sondern spiegeln auch aktuelle Trends wider und geben Hinweise auf mögliche Ansatzpunkte für innovationspolitische Maßnahmen. Im Folgenden wird
die Position Österreichs im Innovation Union
Scoreboard (IUS) 2013 der EU-Kommission analysiert. Der IUS ist von besonderem Interesse, da
sich die österreichische Bundesregierung zum
Ziel gesetzt hat, dass Österreich mittelfristig in
diesem Ranking zur Gruppe der „Innovation Leader“ aufschließt. Ergänzend dazu wird ein weiteres Ranking betrachtet, der „Innovationsindikator“ der Deutschen Telekom Stiftung und des
Bundesverbands der Deutschen Industrie. Dieses
Ranking setzt im Vergleich zum IUS etwas andere
Prioritäten und ermöglicht damit Rückschlüsse
auf die Bedeutung methodischer Unterschiede für
die Positionierung von Ländern in internationalen Innovationsvergleichen.
1.3.1Die Position Österreichs im Innovation Union
Scoreboard (IUS)
Der IUS stellt eine Weiterentwicklung des Europäischen Innovationsanzeigers (European Innovation Scoreboard – EIS) dar und wurde erstmals
2010 dem europäischen Innovationsvergleich zugrunde gelegt. Der IUS wird auf der Basis der
Kommunikation der Europäischen Kommission
zur „Europe 2020 Flagship Initiative Innovation
Union“ eingesetzt, um die Innovationsentwicklung innerhalb der EU-27 sowie der EU gegenüber
anderen Volkswirtschaften (v.a. USA und Japan)
einschätzen und vergleichen zu können.7
Der IUS stellt eine (quantifizierbare) Performancedarstellung auf Basis bestimmter Indikatoren dar, die im Laufe der Jahre mit dem Ziel wei-
terentwickelt wurden, eine realistische und vergleichbare Einschätzung der Innovationsentwicklung zu erhalten.8 Verbesserungen in der Datenbasis sowie die konstante Weiterentwicklung der
Analysemethoden (und nicht zuletzt die zunehmende Länge der Betrachtungsperiode) ließen die
Vergleichbarkeit zwischen den Ländern und damit die Aussagekraft des IUS/EIS mit der Zeit
steigen.
Trotz dieser Verbesserungen müssen jedoch
auch die Grenzen von indikatorenbasierten Vergleichen von Innovationssystemen berücksichtigt
werden, zumal die im IUS verwendeten Einzelindikatoren zu einem Summary Innovation Index
(SII) zusammengefasst werden, woraus sich die
Notwendigkeit einer höchst vorsichtigen Interpretation dieser Zahl ergibt – nicht alle Determinanten und Einflussgrößen lassen sich mittels
quantifizierbarer Indikatoren erfassen. Aber diese
Grenzen berücksichtigend, hat sich der IUS als
geeignetes Instrument erwiesen, um Entwicklungen nachzuzeichnen und eine Basis für Vergleichsmöglichkeiten in den Bereichen F&E und Innovation zu erzielen.9
Der europäische Scoreboard (EIS und IUS) erfuhr im Laufe der Zeit Veränderungen und Verbesserungen; so verkürzte sich die Liste an verwendeten Indikatoren beispielsweise auf 25. Diese
decken die relevanten Bereiche von Forschung
und Innovation ab.10 Dabei wird zwischen drei Typen von Indikatoren (Enablers, Firm activities
und Outputs) sowie acht Dimensionen unterschieden. Eine Beschreibung der Indikatoren sowie der eingesetzten Methode findet sich in Hollanders und Tarantola (2011).
Tab. 1 gibt einen Überblick über die dem IUS
2013 zugrundeliegenden Indikatoren sowie deren
Quellen.
6Hierzu zählen u.a. das Innovation Union Scoreboard der EU-Kommission, der Global Competitiveness Report des World Economic
Forums, der World Competitiveness Report des IMD World Competitiveness Centre, der Global Innovation Index von INSEAD sowie
verschiedene Einzelstudien, wie z.B. Institut der deutschen Wirtschaft Köln (2012), Economist Intelligence Unit (2009), Boston Consulting Group (2009) und Information Technology and Innovation Foundation (2009).
7Europäische Kommission (2010a).
8Eine ausführliche Diskussion des EIS findet sich im Forschungs- und Technologiebericht 2008 (S. 17ff).
9Für eine ausführliche Diskussion dieser Aspekte siehe Schibany und Streicher (2008).
10Für Details siehe die Dokumentation auf http://www.proinno-europe.eu/metrics
Forschungs- und Technologiebericht 2013
25
1 Aktuelle Entwicklungen
Tab. 1: Die Indikatoren des IUS 2013
Indicator
Data Source
ENABLERS
Years
covered
Human resources
1.1.1 New doctorate graduates (ISCED 6) per 1000 population aged 25-34
Eurostat
2006 – 2010
1.1.2 Percentage population aged 30–34 having completed tertiary education
Eurostat
2007 – 2011
1.1.3 Percentage youth aged 20–24 having attained at least upper secondary level education
Eurostat
2007 – 2011
Open, excellent and attractive research systems
1.2.1 International scientific co-publications per million population
Science-Metrix (Scopus)
2007 – 2011
1.2.2 Scientific publications among the top 10 % most cited publications worldwide as % of total scientific publications of the country
Science-Metrix (Scopus)
2004 – 2008
Eurostat
2006 – 2010
1.2.3 Non-EU doctorate students as a % of all doctorate students
Finance and support
1.3.1 R&D expenditure in the public sector as % of GDP
Eurostat
2007 – 2011
1.3.2 Venture capital investment as % of GDP
Eurostat
2007 – 2011
FIRM ACTIVITIES
Firm investments
2.1.1 R&D expenditure in the business sector as % of GDP
Eurostat
2007 – 2011
2.1.2 Non-R&D innovation expenditures as % of turnover
Eurostat (CIS)
2006, 2008, 2010
2.2.1 SMEs innovating in-house as % of SMEs
Eurostat (CIS)
2006, 2008, 2010
2.2.2 Innovative SMEs collaborating with others as % of SMEs
Eurostat (CIS)
2006, 2008, 2010
CWTS (Thomson Reuters)
2007, 2011
Eurostat
2005, 2009
Linkages & entrepreneurship
2.2.3 Public-private co-publications per million population
Intellectual assets
2.3.1 PCT patents applications per billion GDP (in PPS€)
2.3.2 PCT patent applications in societal challenges per billion GDP (in PPS€) (environment-related technologies; health)
OECD / Eurostat
2005, 2009
2.3.3 Community trademarks per billion GDP (in PPS€)
OHIM2 / Eurostat
2007, 2011
2.3.4 Community designs per billion GDP (in PPS€)
OHIM / Eurostat
2007, 2011
OUTPUTS
Innovators
3.1.1 SMEs introducing product or process innovations as % of SMEs
Eurostat (CIS)
2006, 2008, 2010
3.1.2 SMEs introducing marketing or organisational innovations as % of SMEs
Eurostat (CIS)
2006, 2008, 2010
N/A
N/A
3.1.3 High-growth innovative firms
Economic effects
3.2.1 Employment in knowledge-intensive activities (manufacturing and services) as % of total employment
3.2.2 Contribution of medium and high-tech product exports to the trade balance
Eurostat
2007, 2011
UN
2007, 2011
3.2.3 Knowledge-intensive services exports as % total service exports
UN / Eurostat
2006, 2010
3.2.4 Sales of new to market and new to firm innovations as % of turnover
Eurostat (CIS)
2006, 2008, 2010
Eurostat
2007, 2011
3.2.5 License and patent revenues from abroad as % of GDP
Quelle: InnoMetrics.
26
Forschungs- und Technologiebericht 2013
1 Aktuelle Entwicklungen
Die „Innovationskraft“ jedes Landes wird auf
der Basis der zugrundeliegenden 25 Indikatoren
zu einem composite indicator (Summary Innovation Index – SII) zusammengefasst. Das Ranking
der 27 Mitgliedsstaaten wird sodann auf Grundlage dieser SII-Werte bestimmt.
Die grundlegende Reihung der EU-Mitgliedsländer im IUS/EIS ist seit der Einführung dieses
Benchmarks im Wesentlichen gleichgeblieben:
Die Gruppe der „Innovation Leaders“ umfasst
vier Länder: Schweden, Deutschland, Dänemark
und Finnland. In der Gruppe der „Innovation Followers“ finden sich mit Niederlande, Luxemburg, Belgien, Großbritannien, Österreich, Ir-
land, Frankreich, Slowenien, Zypern und Estland
zehn Länder, die noch über (bzw. knapp unter)
dem Durchschnitt der 27 EU-Mitgliedsstaaten
liegen.
Die Gruppe der „Moderate Innovators“ umfasst die Länder Italien, Spanien, Portugal, Tschechische Republik, Griechenland, Slowakische
Republik, Ungarn, Malta und Litauen (Positionen 15–23); die Gruppe der „Modest Innovators“
umfasst schließlich Polen, Lettland, Rumänien
und Bulgarien.
Diese Gruppen sind im Zeitablauf sehr stabil;
Änderungen in der relativen Positionierung erfolgen ganz überwiegend innerhalb dieser Grup-
Abb. 4: Ländervergleich auf Basis von IUS 2013 und IUS 201111
14
26
0,20
27
Rumänien
24
23
Litauen
21
22
Ungarn
0,30
Modest
Innovators
Malta
19
20
Slovak.Rep.
0,40
Griechenland
17
18
Portugal
Tschech. Rep.
Moderate Innovators
16
15
0,50
Spanien
12
13
11
10
7
8
6
9
IUS-Wert
0,60
25
4
5
0,70
IUS 2011
IUS 2013
Innovation Followers
Lettland
3
1
Innovation Leaders
2
0,80
0,10
Bulgarien
Polen
Italien
Estland
Zypern
Slowenien
EU27
Frankreich
Irland
Österreich
Belgien
Großbritannien
Luxemburg
Finnland
Niederlande
Dänemark
Schweden
Deutschland
0,00
Quelle: InnoMetrics. Darstellung JOANNEUM RESEARCH.
11Vorbemerkung zur Nomenklatur: Der neue IUS wird als „IUS 2013“ bezeichnet, bezieht sich also auf das Publikationsjahr t. Dies ist
eine Neuerung: Bisher wurde der IUS (früher EIS) auf das Publikations-Vorjahr t-1 bezogen – der letzte IUS ist also nicht der IUS 2012,
sondern der IUS 2011. Dies gibt natürlich Anlass zu Verwirrung, die nicht geringer wird, wenn man bedenkt, dass sich weder die neue
noch die alte Nomenklatur auf das letzte Datenjahr beziehen, das für die Berechnung des Scoreboard verwendet wurde – diese war in
der alten Nomenklatur das Jahr t-1 (der IUS 2011 hatte also als letztes Datenjahr 2010); im neuen IUS ist es entsprechend t-2 (der IUS
2013 bezieht sich also auf 2011 als aktuellstes Datenjahr). Um hier eine einheitliche Sicht zu gewährleisten, beziehen sich im Folgenden die Jahresangaben (etwa bei der Darstellung von zeitlichen Verläufen) auf das Publikationsjahr von IUS/EIS.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
27
1 Aktuelle Entwicklungen
Abb. 5: Publizierte Rangordnung der 27 EU-Staaten im Zeitablauf (Publikationsjahre 2008–2013)
15
20
Rang
25
Innovation
Followers
10
Moderate
Innovators
5
Modest
Innovators
SE
DE
DK
FI
NL
LU
BE
UK
AT
IE
FR
SI
CY
EE
IT
ES
PT
CZ
EL
SK
HU
MT
LT
PL
LV
RO
BG
Innovation
Leaders
0
30
2009
2010
2011
2012
2013
Publikationsjahr
Quelle: InnoMetrics. Darstellung JOANNEUM RESEARCH.
pen. Für Österreichs Position in den jeweiligen
Publikationsjahren bedeutet dies Folgendes:
Österreich belegt aktuell den 9. Platz und hat
sich damit nominell im Laufe der letzten Jahre
kontinuierlich vom 6. auf den 9. Platz verschlechtert. Gegenüber dem Vorjahr konnte Österreich
zwar seinen SII-Wert etwas steigern, wurde aber
trotzdem von Luxemburg (das nach dem 9. nun
aktuell den 6. Rang belegt) eingeholt. Wie bereits
28
in den vergangenen Technologieberichten dargelegt, ist dies allerdings mit Vorsicht zu interpretieren, nicht zuletzt, da die offiziellen Reihungen
in den jeweiligen Publikationsjahren auf der in
dem jeweiligen Jahr verfügbaren Datenbasis beruhen. Wenn ein Indikatorwert für ein Land noch
nicht verfügbar ist, wird er durch den letzten verfügbaren Wert substituiert. Dies bedeutet, dass
sich die Indikatoren nicht für alle Länder auf dasForschungs- und Technologiebericht 2013
1 Aktuelle Entwicklungen
selbe Datenjahr beziehen (müssen) – wenn zu einem späteren Zeitpunkt der Indikator dann doch
verfügbar wird, kann es passieren, dass sich die
relativen Positionen der Länder verändern. Des
Weiteren ist zu bedenken, dass durch das Ranking eine kontinuierliche Variable (der Summary
Innovation Index) in eine diskrete Variable (die
Position eines Landes innerhalb der EU-27) übersetzt wird; das Ausmaß der SII-Differenz geht dabei verloren.
Die aktuellen Positionen und – noch mehr –
leichte Veränderungen im Länder-Ranking sind
daher immer mit größter Vorsicht (und sehr unaufgeregt) zu interpretieren. Relevanter als die exakte Position ist die Ländergruppe, in der sich Österreich befindet: Wie aus Abb. 4 ersichtlich, liegt
Österreich in der Gruppe der „Innovation Followers“, und zwar in der ersten Hälfte dieser Gruppe; an dieser Gruppenzugehörigkeit hat sich in
den letzten Jahren nichts geändert. Diese Gruppe
ist durch sehr ähnliche Zahlenwerte des Summary Innovation Index gekennzeichnet; bereits
leichte Änderungen in diesem führen daher zu
merklichen Änderungen in der Positionierung eines Landes (und genau das passiert, wenn aufgrund mangelnder Datenverfügbarkeit in einem
Publikationsjahr alte Indikatorwerte fortgeschrieben werden). Die Gruppe der Länder, welche die
Plätze 5–10 belegen, unterscheidet sich in ihren
SII-Werten um nur 0,05; Rang 4 (Finnland) weist
hingegen einen um fast 0,04 höheren Wert als
Rang 5 (Niederlande) auf (die SII-Differenz zwischen Irland auf Platz 10 und Frankreich auf Platz
11 beträgt 0,03). Die Länder auf den Plätzen 5–10
können (und sollten) daher als eine recht homogene Gruppe betrachtet werden, in der sich bereits
geringfügige Datenveränderungen in merklichen
Rangverschiebungen auswirken können (und das
auch tun).
Ein Blick auf die Einzelindikatoren (in der folgenden Abbildung sind die österreichischen Werte zusammen mit den Minima bzw. Maxima der
EU-27 dargestellt, jeweils bezogen auf den Durchschnitt der verfügbaren EU-27-Länder) zeigt ein
verglichen mit den Ergebnissen der letzten Jahre
praktisch unverändertes Bild: Bei sieben Einzelindikatoren liegt Österreich mehr als 10 % unter
dem EU-27-Schnitt (bei weiteren 5 liegt Österreich in einer +/- 10 %-Bandbreite um den Durchschnitt herum); bei 12 Indikatoren weist Österreich deutlich überdurchschnittliche Werte auf.
Die Stärken und Schwächen sind durchaus wohlbekannt: Bei den Tertiärabschlüssen in der Gruppe der 30 bis 34-Jährigen liegt Österreich doch
deutlich (-30 %) unter dem EU-Schnitt (überdurchschnittlich hingegen die Position Österreichs bei den Doktoratsabschlüssen und beim
Bevölkerungsanteil mit zumindest Sekundarstufe
II-Abschluss).
Die Qualität der wissenschaftlichen Publikationen ist überdurchschnittlich: Im Fall der „meistzititierten Publikationen“ befindet sich Österreich zwar fast genau im EU-Schnitt, die internationalen Co-Publikationen betragen aber fast das
Vierfache des EU-27-Schnitts. Bei den DoktoratsstudentInnen aus Nicht-EU-Ländern liegt Österreich hingegen mehr als 50 % unter dem Durchschnitt (Dies verbirgt allerdings einen hohen Anteil von „normalen“ StudentInnen aus dem EUAusland, speziell aus Deutschland). Die Werte der
einzelnen Länder in diesem Indikator sind allerdings sehr ungleich verteilt und werden von einigen wenigen Ländern deutlich dominiert – was
dadurch verdeutlicht wird, dass Österreich, trotz
des deutlich unterdurchschnittlichen Zahlenwerts, bei diesem Indikator an 10. Stelle liegt.
In der Gruppe der 9 unternehmensbezogenen
Indikatoren liegt Österreich nur bei einem einzigen Wert unter dem Durchschnitt (hier allerdings
deutlich), nämlich bei den Ausgaben für nichtF&E-bezogene Innovationen.
Schwächere Positionen zeigen sich hingegen
bei den Exporten in wissensintensiven Dienstleistungen12 sowie den Umsätzen mit innovativen
12Die oft konstatierte Schwäche Österreichs bei den High-Tech-Sachgüterexporten findet sich im IUS nicht, da hier neben den HighTech auch die Medium-Tech-Exporte betrachtet werden, also auch Maschinen-, Anlagen- und Fahrzeugbau inkludiert sind – jene
Bereiche, in denen Österreich starke Strukturen aufweist.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
29
1 Aktuelle Entwicklungen
Abb. 6: Detaillierte Ergebnisse des IUS 2013: Österreich versus Minimum/Maximum der EU-27
Mittelwert über 27 EU-Länder = 1
4,0
3,0
2,0
1,0
0,0
Human resources
New doctorate graduates
Population completed tertiary education
Youth with upper secondary level education
Open, excellent
and attractive
research systems
5,1
International scientific co-publications
Scientific publications among top 10% most cited
Non-EU doctorate students
Finance
and support
Public R&D expenditure
Venture capital
Firm
investments
Business R&D expenditure
Non-R&D innovation expenditure
Linkages &
entrepreneurship
SMEs innovating in-house
Innovative SMEs collaborating with others
Public-private co-publications
PCT patent applications
Intellectual
Assets
PCT patent applications in societal challenges
Community trademarks
Community designs
Innovators
SMEs introducing product or process innovations
SMEs introducing marketing/organisational innovations
Economic effects
Employment in knowledge-intensive activities
[-4.4, 6,7]
Medium and high-tech product trade balance
Knowledge-intensive services exports
Sales of new to market and new to firm innovations
Licence and patent revenues from abroad
Quelle: InnoMetrics. Darstellung JOANNEUM RESEARCH.
30
Forschungs- und Technologiebericht 2013
1 Aktuelle Entwicklungen
Produkten und den Lizenzeinnahmen aus dem
Ausland: Dies bildet einen gewissen Widerspruch
zu der guten Positionierung in Patenten, Trademarks und KMU-Innovatoren.
Die Einzelindikatoren im Zeitablauf
Im Folgenden wird die zeitliche Entwicklung
der Einzelindikatoren von Österreich mit jener
der Innovation Leaders und Innovation Followers (jeweils ungewichtete Mittelwerte) verglichen. Der Vergleich wird auf Basis der originalen Indikatorwerte durchgeführt (in manchen
Jahren fehlende Werte wurden dabei durch den
letzten verfügbaren Wert approximiert) und für
die gesamte in der Datenbasis des IUS 2013 verfügbare Zeitperiode 2001–2011 dargestellt.
Bei den meisten Indikatoren zeigen Innovation Leaders bzw. Followers und Österreich ähnliche Tendenzen – dies bedeutet, dass die weiter
oben beschriebenen relativen Stärken-Schwächen-Strukturen Österreichs in den betrachteten fünf bis zehn Jahren recht stabil waren. Eine
gewisse Ausnahme bildet die Gruppe jener Indikatoren, die dem Community Innovation Survey (CIS) entnommen sind (dabei handelt es
sich um die Indikatoren 2.1.2, 2.2.1, 2.2.2, 3.1.1,
3.1.2 und 3.2.4 – jene Indikatoren, die „Innovation“ im Titel führen). Diese weisen für Österreich doch merkliche Sprünge auf. Der Grund
dafür liegt in der Erhebungsmethodik: Aufgrund
geänderter Rahmenbedingungen sind CIS 2006
und CIS 2008 in Österreich nur sehr bedingt
vergleichbar. Dazu schreibt die Statistik Austria
in Innovation 2006–2008 – Ergebnisse der
Sechsten Europäischen Innovationserhebung
(CIS 2008):
„Aus verschiedenen Gründen (zum Teil stark
veränderter Fragenprogramme, einer veränderten Stichprobenmethodik und einer verbesserten Durchführung der Non-Response-Analyse
[...], einer neuen Wirtschaftsklassifikation und
nicht zuletzt einer starken Ausweitung des Innovationsbegriffs) sind die Vergleichsmöglichkeiten über die Jahre aber stark eingeschränkt.
Für die Vergleichbarkeit zwischen den vorliegenden Ergebnissen und jenen des CIS 2006 gelten insbesondere die letzten beiden aufgezählten Gründe.“13
Bei den Indikatoren 1.3.1 und 2.1.1 (F&E-Ausgaben der öffentlichen Hand bzw. des Unternehmenssektors) weist Österreich sich ziemlich
genau in der Mitte zwischen Innovation Leaders
und Followers auf (und weist zudem eine sehr
ähnliche Dynamik auf). Im Vergleich sehr gering ist allerdings die österreichische Venture
Capital-Ausstattung (1.3.2): Mit nur 0,02 % des
BIP liegt es bei den aktuellsten Zahlen um einen
Faktor 6 unter den Vergleichsdurchschnitten
(zeigt dafür aber einen weniger markanten
Rückgang in den letzten Jahren).
Besondere Betrachtung erfordert Indikator
1.1.2, der Anteil von tertiär Ausgebildeten in der
Gruppe der 30 bis 34-Jährigen. Österreich weist
mit 24 % einen deutlich geringeren Anteil auf als
der Durchschnitt von sowohl Innovation Leaders
als auch Innovation Followers (mit jeweils über
40 %); der EU-Schnitt liegt bei 35 %. Der Grund
liegt nicht zuletzt in Zuordnungsproblemen zur
ISCED 1997, wobei hier die Klassifikation der
BHS-AbsolventInnen Probleme bereitet.14 Würden diese klassifikatorischen Unklarheiten zugunsten einer Zuordnung zu den tertiären Abschlüssen gelöst, wäre der tertiäre Anteil in Ös-
13Statistik Austria (2010), S. 15.
14Im Hinblick auf die Vergleichbarkeit problematisch [ist] allerdings die BHS-Matura, die nach Besuch der fünfjährigen Hauptform einer
HTL, HAK usw. als Abschluss der Ebene ISCED 4a klassifiziert ist, während die Sonderformen der BHS (Kolleg, Aufbaulehrgang, BHS
für Berufstätige) unter die Kategorie ISCED 5b fallen und dem Tertiärbereich zugerechnet werden. Das passiert aus der Logik heraus,
dass Bildungsgänge – die sequentiell aufeinander folgen und hierarchisch abgestuft sind – für die ISCED die Einheiten der Klassifikation darstellen.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
31
1 Aktuelle Entwicklungen
terreich bei 36,8 %15 – er wäre damit zwar über
dem Schnitt der EU-27, aber doch noch merklich
unter dem Niveau der Innovation Leaders und
Followers16. Und auch die zeitliche Entwicklung
zeigt in Österreich eine recht moderate Dynamik: Zwischen 2001 und 2011 stieg der Anteil in
Österreich von 21 auf 24 %, beim Schnitt der Innovation Followers hingegen von 29 auf 42 %
(bei den Innovation Leaders von 33 auf 41 %).
Sehr hoch ist in Österreich hingegen der Anteil
der 20 bis 24-Jährigen mit zumindest gehobener
Sekundarstufenausbildung (1.1.3); neben den
Skandinaviern sind es übrigens die „neuen“ Mitglieder aus Osteuropa, die hier die höchsten Werte aufweisen.
Interessant – und durchaus erfreulich – ist das
Abschneiden Österreichs in den Patentindikatoren: Bei den beiden Indikatoren zu den PCT17 Patentapplikationen (2.3.1 und 2.3.2) liegt Österreich über den Innovation Followers (wenn auch
deutlich hinter den Innovation Leaders); bei den
Indikatoren zu Community Designs und Community Trademarks liegt Österreich sogar über
dem Durchschnittsniveau der Innovation Leaders. Markant unterdurchschnittlich ist jedoch
das österreichische Lizenz- und Patenteinkommen aus dem Ausland (3.2.5): Der österreichische Wert beträgt nicht einmal ein Viertel der
Innovation Leaders und Followers (und auch nur
ein Drittel des Gesamt-EU-Schnitts).
Merklich sind die Unterschiede bei den beiden
Indikatoren „Beitrag der Medium- und HighTech-Exporte zur Handelsbilanz“ (3.2.2) und „Anteil der wissensintensiven Dienstleistungsexpor-
te“ (3.2.3): Kann Österreich im ersten Fall sehr gut
mithalten (und sogar höhere Beiträge aufweisen
als die Durchschnitte von Innovation Leaders und
Followers), liegt im zweiten Fall der österreichische Wert um mehr als 50 % unter dem jeweiligen Durchschnitt der Vergleichsländer. Hier ist
allerdings zu beachten, dass Dienstleistungen, die
von ausländischen Touristen in Österreich nachgefragt werden, als Dienstleistungsexporte gezählt werden, und der Tourismussektor in Österreich eine überdurchschnittliche Rolle in der Gesamtwirtschaft einnimmt.
Zusammenfassung
Österreich nimmt im aktuellen Innovation Union
Scoreboard (IUS 2013) den 9. Rang ein (nach Platz
8 im letztjährigen IUS 201118 und Platz 7 im IUS
2010) und bleibt damit fest in der (ersten Hälfte
der) Gruppe der „Innovation Followers“ verankert. Diese Gruppenzugehörigkeit ist seit einigen
Jahren recht stabil, Verschiebungen der Positionen
innerhalb dieser (Teil)Gruppe, wie sie im Jahresvergleich immer wieder vorkommen, sollten nicht
allzu hoch bewertet werden (das gilt allerdings
nicht nur für „Verschlechterungen“, sondern sollte auch bei allfälligen Verbesserungen im Ranking
bedacht werden). Österreich ist in guter Position
innerhalb der Innovation Followers (gemeinsam
mit den Niederlanden, Luxemburg, Belgien, Großbritannien und Irland auf den Plätzen 5 bis 10), die
als Gruppe allerdings auch deutlich hinter den Innovation Leaders (Schweden, Deutschland, Dänemark und Finnland) zurückliegen.
15Siehe dazu die Pressemitteilung 10.485-061/13 der Statistik Austria vom 19.03.2013: „Trotz Anstiegs der Tertiärquote liegt Österreich
auch weiterhin deutlich unter dem EU-Schnitt. Bei internationalen Vergleichen zählen neben Hochschul-, Akademie- und Kollegabschlüssen auch Meister- und Werkmeisterprüfungen zu den Tertiärabschlüssen. Im Sinne dieser Klassifikation konnten im Jahr 2010
19,3 % der österreichischen Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren einen Tertiärabschluss vorweisen. Im Schnitt jener 21 EUStaaten, die auch gleichzeitig OECD-Mitglied sind, verfügten allerdings 27,6 % dieser Altersgruppe über einen Tertiärabschluss. Da
die Tertiärquote in vielen Ländern rascher ansteigt als in Österreich, vergrößerte sich der Abstand zum EU-21-Durchschnitt in den
letzten Jahren kontinuierlich. Betrachtet man allerdings die aus Sicht des Europa 2020-Ziels relevante Gruppe der 30 bis 34-Jährigen,
so liegt die Tertiärquote unter Einbeziehung äquivalenter Bildungsabschlüsse mit 36,8 % knapp über dem EU-Durchschnitt und in
Reichweite des Zielwerts von 40 %.“
16Auf die Positionierung Österreichs im IUS 2013 hat dieses Problem nur geringe Auswirkungen: Zwar würde sich bei Unterstellung
einer Tertiärquote von 36,9 % der SII-Wert Österreichs an jenen von Großbritannien (Platz 8) deutlich annähern, für einen Positionswechsel würde es jedoch nicht reichen.
17Patent Cooperation Treaty (PCT) ist ein Zusammenschluß von 16 nationalen/regionalen Patentämtern.
18Zur Erklärung, warum dem IUS 2013 der IUS 2011 vorausgeht, sei auf die in der Fußnote 11 erwähnte Änderung in der Nomenklatur
verwiesen.
32
Forschungs- und Technologiebericht 2013
1 Aktuelle Entwicklungen
Abb. 7: Zeitliche Entwicklung der Einzelindikatoren, Teil 1: Österreich versus Innovation Leaders bzw. Innovation Followers
1.1.1 New doctorate graduates (ISCED 6) per
1000 population aged 25-34
78
76
1.2.2 Scientific publications among the top
10% most cited publications worldwide as %
of total scientific publications of the country
14
30
1.400
12
1.200
25
10
2011
2010
2009
2008
2006
2007
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
2003
2002
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
2003
2002
2001
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
2003
2002
2001
2011
2010
2009
2008
15
10
2011
2010
2009
2008
2006
2005
2004
2003
2001
2011
2010
2009
2008
2007
2006
0
2007
Leaders
Followers
Österreich
5
2005
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
2003
2002
0,2
20
2004
0,6
0,4
2.2.2 Innovative SMEs collaborating with
others as % of SMEs
25
2003
0,8
45
40
35
30
25
20
15
10
5
0
2002
1,0
2001
0,0
2.2.1 SMEs innovating in-house as % of SMEs
1,2
0,0
0,5
2007
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
2003
2.1.2 Non-R&D innovation expenditures as
% of turnover
1,0
2001
1,4
2002
0,0
2001
0,2
1,5
2006
0,4
2,0
2005
0,6
2.1.1 Business R&D expenditures as % of
GDP
2,5
2004
0,8
0,18
0,16
0,14
0,12
0,10
0,08
0,06
0,04
0,02
0,00
2003
1,0
2002
1,2
1.3.2 Venture capital (early stage, expansion
and replacement) as % of GDP
2001
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
0
2004
5
0
2003
2
0
2002
200
2001
4
2001
10
400
1.3.1 Public R&D expenditures as % of GDP
2005
15
6
600
2003
20
8
800
2004
1.2.3 Non-EU doctorate students3 as a % of
all doctorate students
1.600
1.000
2002
72
2001
2011
2010
2009
2008
2007
74
2002
1.2.1 International scientific co-publications
per million population
80
2006
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2003
2004
2002
0,0
2001
0,5
82
2005
1,0
86
2003
1,5
1.1.3 Percentage youth aged 20-24 having
attained at least upper secondary level
education
84
2004
2,0
88
2002
2,5
45
40
35
30
25
20
15
10
5
0
2001
3,0
1.1.2 Percentage population aged 30-34
having completed tertiary education
Quelle: InnoMetrics. Darstellung JOANNEUM RESEARCH.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
33
1 Aktuelle Entwicklungen
Abb. 8: Zeitliche Entwicklung der Einzelindikatoren, Teil 2: Österreich versus Innovation Leaders bzw. Innovation Followers
2.3.4 Community designs per billion GDP
(in PPS €)
2011
2010
2009
3.1.1 SMEs introducing product or process
innovations as % of SMEs
12
10
60
10
8
50
8
2008
2001
2010
2001
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2003
2004
2002
2001
2.3.3 Community trademarks per billion GDP
(in PPS €)
2007
0,0
2006
0
0
2005
0,5
2003
2
20
2011
1,0
2009
4
40
2008
1,5
2007
6
60
2006
80
2005
2,0
2003
8
100
2004
2,5
2002
10
120
2.3.2 PCT patent applications in societal
challenges per billion GDP (in PPS €) (climate
change mitigation; health)
2004
140
2.3.1 PCT patents applications per billion GDP
(in PPS €)
2002
2.2.3 Public-private co-publications per million
population
40
6
6
30
4
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
10
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
2003
2011
2010
2009
2008
2007
0
3.2.4 Sales of new to market and new to firm
innovations as % of turnover
16
2003
20
2001
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
2003
2002
2001
0
30
2006
10
40
2005
20
50
2004
30
3.2.3 Knowledge-intensive services exports as
% total service exports
60
2003
40
2001
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
2003
3,5
3,0
2,5
2,0
1,5
1,0
0,5
0,0
-0,5
-1,0
-1,5
50
2002
60
3.2.2 Contribution of medium and high-tech
product exports to trade balance
2001
3.1.2 SMEs introducing marketing or
organisational innovations as % of SMEs
2002
2001
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
0
2003
0
2002
10
0
2001
2
2002
20
2
2002
4
3.2.5 License and patent revenues from
abroad as % of GDP
1,0
14
0,8
12
10
0,6
8
0,4
6
4
0,2
2
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
2003
2002
2001
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
2003
2002
0,0
2001
0
Leaders
Followers
Österreich
Quelle: InnoMetrics. Darstellung JOANNEUM RESEARCH.
34
Forschungs- und Technologiebericht 2013
1 Aktuelle Entwicklungen
Die Einzelindikatoren bestätigen das von früheren Analysen von IUS/EIS bekannte Stärken/
Schwächen-Muster: Gewisse Schwächen zeigen
sich weiterhin in der tertiären Ausbildung, der
Risikokapitalausstattung, den Lizenz- und Patenteinnahmen und wissensintensiven Dienstleistungsexporten. Stärken sind bei den Sekundärabschlüssen, den wissenschaftlichen Publikationen, den F&E-Ausgaben der Unternehmen,
den Medium- und High-Tech-Sachgüterexporten
sowie beim geistigen Eigentum festzustellen. Bei
den aus dem Community Innovation Survey
(CIS) abgeleiteten Indikatoren (von den sechs aus
dem CIS entnommenen Indikatoren betreffen
vier das Innovationsverhalten von KMU) weist
Österreich im Zeitablauf merkliche Schwankungen auf; diese sind aber auf geänderte Rahmenbedingungen bei Design und Durchführung dieser
Befragung zurückzuführen. Bei vielen der 25 im
IUS versammelten Indikatoren zeigen Innovation Leaders bzw. Followers und Österreich ähnliche Tendenzen – dies bedeutet, dass die Stärken/
Schwächen-Strukturen Österreichs in den letzten 5-10 Jahren relativ stabil waren.
Abschließend sei erwähnt, dass von seiner Idee
und Durchführung her der IUS auf strukturelle
Aspekte abzielt; dementsprechend weisen viele
der Indikatoren eine langfristige Perspektive auf.
Unmittelbare Reaktionen auf veränderte Politikbedingungen, in Form kurzfristiger substanzieller
Verbesserungen im IUS, sind daher nur bedingt zu
erwarten; der IUS (wie auch ähnliche andere
Benchmark-Studien) soll hingegen strukturelle
Schwächen und Stärken aufzeigen, um daraus
langfristige Perspektiven ableiten zu können.
1.3.2„Innovationsindikator“ der Deutschen
Telekom Stiftung und des Bundesverbands
der Deutschen Industrie
Der „Innovationsindikator“ der Deutschen Telekom Stiftung und des Bundesverbands der Deut-
schen Industrie (BDI) wurde erstmals 2005 vorgelegt und im Jahr 2011 grundlegend überarbeitet.
Er vergleicht die Innovationsleistung von 28 Industrie- und Schwellenländern anhand von 38
Einzelindikatoren, die fünf Feldern (Wirtschaft,
Wissenschaft, Bildung, Staat und Gesellschaft)
zugeordnet sind. Er beruht auf einer ähnlichen
methodischen Basis wie des IUS. Im Gegensatz
zum IUS spielen allerdings „weiche“ Faktoren
wie Einschätzungen von ExpertInnen, gesellschaftliche Einstellungen zu Innovation sowie
die Vernetzung von Innovationsakteuren eine
größere Rolle, während die Innovationsleistung
von KMU nicht gesondert betrachtet wird und
Indikatoren aus den Community Innovation Surveys außen vor bleiben. Außerdem wird die Position eines Landes nicht im Vergleich zu allen anderen Ländern bestimmt, sondern gegenüber einer Gruppe von besonders leistungsstarken bzw.
größeren Ländern (USA, Japan, Deutschland,
Frankreich, Großbritannien, Italien und der
Schweiz), d.h. es wird ein anspruchsvollerer
Maßstab angelegt.
Österreich nimmt im aktuellen „Innovationsindikator 2012“ den 11. Platz ein (siehe Abb. 9).
Im Vergleich zum Vorjahresranking verlor Österreich drei Plätze, da einige im Jahr 2011 noch
knapp hinter Österreich gelegene Länder (Belgien, USA und Dänemark) ihre Indikatorwerte erhöhen konnten, während Österreichs Wert kon­
stant blieb. Im längerfristigen Vergleich zählt
Österreich allerdings zu den Ländern, die ihre
Position im „Innovationsindikator“ deutlich verbessern konnten. Der Gesamtindikatorwert Österreichs stieg zwischen 2000 und 2011 von 44
auf 53 Punkte.19 In Europa ist dies hinter den
Niederlanden, Norwegen und Irland die größte
Verbesserung. Damit konnte Österreich seinen
Abstand zu mehreren Ländern, die Anfang der
2000er Jahre noch zu den Innovationsführern
zählten, wie Schweden, die USA und Finnland,
deutlich verringern. Gleichwohl liegt Österreich
19Die Indikatorwerte werden ähnlich wie im IUS über eine Normierung der Einzelindikatoren an den höchsten und niedrigsten Werten
der führenden Innovationsnationen und eine Gleichgewichtung berechnet. Der Wertebereich der Indikatoren liegt zwischen 0 und 100.
Eine Erhöhung bedeutet somit, dass sich ein Land gegenüber den führenden Innovationsnationen verbessert hat.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
35
1 Aktuelle Entwicklungen
Abb. 9 Länderranking im „Innovationsindikator“ 2000 und 2011
Schweiz
Singapur
63
55
60
Schweden
Niederlande
59
47
49
56
Finnland
54
Norwegen
53
42
50
50
50
Kanada
45
Australien
44
Taiwan
28
Irland
39
Japan
Spanien
15
Italien
6
China
5
Polen
Südafrika
0
Türkei
Indien
0
0
Brasilien
0
0
0
52
48
48
23
44
42
44
17
9
10
5
Russland
19
49
48
36
Südkorea
59
53
44
Frankreich
Großbritannien
60
54
47
Österreich
62
56
USA
Dänemark
77
58
58
Belgien
Deutschland
69
21
4
2011
4
2000
14
10
20
30
40
50
60
70
80
Indikatorwert
Anm.: A
lle Indikatorwerte auf Basis der 2011 vorgenommenen methodischen Revision.
Quelle: Deutsche Telekom Stiftung/BDI: Innovationsindikator 2012. Berechnungen des Fraunhofer-ISI und ZEW
auch beim „Innovationsindikator“ am Ende einer Gruppe von „Innovation Followers“. Der Abstand zu den Ländern mit den höchsten Indikatorwerten – 2012 waren dies die Schweiz und
Singapur – ist weiterhin beträchtlich und hat
sich in den vergangenen zehn Jahren nicht merklich verringert.
Österreichs Stärken im „Innovationsindikator“ liegen in der Wissenschaft (2012: Rang 10)
und im Bereich der gesellschaftlichen Einstellungen zu Innovation (2012: Rang 7), wobei der letztgenannte Subindikator nur ein geringes Gewicht
36
für die Performance insgesamt hat. In der Wissenschaft konnte Österreich seinen Indikatorwert seit Mitte der 1990er Jahre deutlich und beinahe kontinuierlich erhöhen. Hinter dieser Entwicklung steht u.a. die Ausweitung der Patentaktivitäten der Universitäten und staatlichen
Forschungseinrichtungen, die Zunahme des Anteils ausländischer Studierender, die Erhöhung
der Anzahl Promovierter in den Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie die verstärkte Zitierung von Publikationen österreichischer WissenschaftlerInnen.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
1 Aktuelle Entwicklungen
Ebenfalls verbessert hat sich Österreich beim
Subindikator „Wirtschaft“, wenngleich hier in
den jüngsten Jahren kaum noch eine Erhöhung
des Indikatorwerts beobachtet werden konnte.
Neben der Steigerung der F&E-Ausgaben der
Wirtschaft, hohen Produktivitätszuwächsen sowie einer Verbesserung der Handelsbilanz bei
Hochtechnologiegütern zählte lange Zeit auch
die steuerliche F&E-Förderung zu den Pluspunkten der positiven Entwicklung Österreichs. Bei
der steuerlichen F&E-Förderung ist Österreich allerdings jüngst insofern zurückgefallen, als einige
andere Länder aus der Referenzgruppe – namentlich Frankreich und Japan – ihr Fördersystem
deutlich generöser ausgestaltet haben. Dadurch
ist auch der Indikatorwert im Bereich Staat nach
2007 deutlich zurückgegangen, da die steuerliche
F&E-Förderung ein wesentliches Element der Innovationspolitik ist. Der Rückgang des Indikator-
werts bedeutet allerdings nicht, dass sich die
staatliche Unterstützung für F&E in Österreich
verschlechtert hätte, sondern dass andere Länder
an dieser Stelle an Attraktivität gewonnen haben.
Ein weiterer Grund für die Abnahme des Indikatorwerts im Subsystem Staat sind relative Positionsverschlechterungen im staatlichen Bildungsbereich. Im Vergleich zu anderen Ländern
waren die Hochschulausgaben je Studierenden
weniger dynamisch, außerdem haben sich die Experteneinschätzungen zur Qualität von staatlichen Bildungs- und Forschungseinrichtungen
verschlechtert. Generell ist der Subindikator Bildung eher eine Schwachstelle der österreichischen Performance im Innovationsindikator. In
den vergangenen 15 Jahren konnte hier keine
nachhaltige Verbesserung der Indikatorwerte erreicht werden.
Abb. 10: Indikatorwerte Österreichs im „Innovationsindikator“ 1990–2011 nach Subindikatoren
90
80
Indikatorwert
70
60
50
40
30
20
'90
'91
'92
Wirtschaft
'93
'94
'95
Wissenschaft
'96
'97
'98
Bildung
'99
'00
Staat
'01
'02
'03
'04
Gesamtindikator
'05
'06
'07
'08
'09
'10
'11
Spitzenwert Gesamtindikator
Anm.: A
lle Indikatorwerte auf Basis der 2011 vorgenommenen methodischen Revision.
Quelle: Deutsche Telekom Stiftung/BDI: Innovationsindikator 2012. Berechnungen des Fraunhofer-ISI und ZEW.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
37
1 Aktuelle Entwicklungen
Der „Innovationsindikator“ unterscheidet
zwischen Input- und Outputindikatoren20.
Input­
indikatoren repräsentieren Investitionen
in das Innovationssystem, während Out­
putindika­
toren das Ergebnis von Forschungsund Innovationsbemühungen widerspiegeln.
Österreich zeichnet sich durch ein besonders
günstiges Verhältnis zwischen Outputs und Inputs aus, das als eine hohe Produktivität des Innovationssystems interpretiert werden kann.
Diese „Sy­stemproduktivität“ konnte von sehr
niedrigen Werten Anfang der 1990er Jahre deutlich gesteigert werden, wobei sich die Outputindikatoren stärker verbessert haben als die Input­
indikatoren. So konnte sich Österreich vom 15.
Rang im Jahr 1995 auf den 7. Rang im Jahr 2011
nach vorne arbeiten.
1.4
als: „ (…) schöpferische Tätigkeit, welche auf systematische Weise unter Verwendung wissenschaftlicher Methoden mit dem Ziel durchgeführt wird, den Stand des Wissens zu vermehren
sowie neue Anwendungen dieses Wissens zu erarbeiten“. Betrachtet werden die gesamten F&EAusgaben (Gross Expenditure on R&D – GERD)
in allen Durchführungssektoren (Unternehmenssektor, Hochschulsektor, Sektor Staat und Privater Gemeinnütziger Sektor). Nicht-OECD-Mitglieder folgen nur zum Teil den einheitlichen Definitionen, Standards und Methoden des Frascati
Manuals. Ein Vergleich von OECD- und NichtOECD-Ländern ist daher mit einer gewissen Vorsicht zu interpretieren. Des Weiteren ist die Datenverfügbarkeit für OECD bzw. EU-Länder deutlich besser als für Nicht-OECD-Mitglieder und
über längere Zeiträume möglich.
Globale Trends in den F&E-Ausgaben
Die weltweiten Ausgaben für F&E sind in den
vergangenen zehn Jahren trotz der schweren
Wirtschafts- und Finanzkrise um mehr als die
Hälfte gestiegen. Gleichzeitig hat sich die Verteilung der weltweiten F&E-Ausgaben deutlich zugunsten schnell wachsender Länder – insbesondere im Raum Asien – verschoben. Der folgende
Abschnitt zeigt diese Veränderungen auf und
geht der veränderten Rolle Österreichs und der
Europäischen Union (EU-27) in diesem Prozess
nach.
Um die globale Dimension und einen möglichst großen Zeitraum abzudecken, kommen dabei unterschiedliche Datenquellen (UNESCO,
OECD, Eurostat und Daten nationaler statistischer Ämter) zur Anwendung. Zumindest bei den
Daten der EU-27 und OECD-Mitgliedsstaaten ist
eine internationale Vergleichbarkeit durch die
Anwendung des Frascati-Handbuchs21 in der Datenerhebung gewährleistet. Dieses definiert Forschung und experimentelle Entwicklung (F&E)
1.4.1 Globale Veränderungen
Im folgenden Abschnitt wird zunächst die weltweite Verteilung der F&E-Ausgaben (und deren
Veränderung) auf die großen Weltregionen zwischen 2002 und 2009 betrachtet. In den sieben
Jahren von 2002 bis 200922 sind laut Daten der
UNESCO die weltweiten F&E-Ausgaben von 788
Mrd. PPP US $ 23 auf 1.277 Mrd. PPP US $ um
rund 62 % gestiegen.
Betrachtet man zunächst die Daten für 2009
(siehe Abb. 11), das aktuellste Jahr mit vollständigen weltweiten Daten, zeigt sich annähernd eine
Drittelung der weltweiten F&E-Ausgaben zwischen Nordamerika (32,7 %), Europa (inkl. europäischer Staaten, die keine EU-Mitglieder sind)
(28,5 %) und Asien (33,1 %). Südamerika, Afrika
und Ozeanien spielen mit einem gemeinsamen
Anteil von 5,7 % eine vergleichsweise kleine Rolle. Seit 2002 zeigt sich für sämtliche Weltregionen
ein deutliches absolutes Wachstum. Der Umfang
dieses Wachstums war aber äußerst unterschied-
20Die Liste der Einzelindikatoren findet sich im Anhang I.
21OECD (2002), S. 30
22Nur für die Jahre 2002, 2007 und 2009 liegen vollständige Daten zu den weltweiten F&E-Ausgaben nach Ländern und Regionen vor.
23PPP US $: Purchasing power parity US $ (Kaufkraftparitäten US $) zu laufenden Preisen.
38
Forschungs- und Technologiebericht 2013
1 Aktuelle Entwicklungen
Abb. 11: F&E-Ausgaben (GERD), 2002, 2007 und 2009
1.400
Rest der Welt
5,7%
1.200
10,3%
5,6%
10,2%
1.000
12.1%
GERD
(in Mrd. PPP US $)
8.9%
800
600
China
10.7%
5,1%
8,5%
5.0%
12,8%
4,9%
4,6%
13,7%
3,9%
400
sonstiges Asien
Japan
23,5%
23,5%
sonstiges Europa
26,1%
Europäische Union
200
32,7%
34,5%
37,7%
0
2002
Nordamerika
2007
2009
Anm.: s onstiges Asien: Hong Kong ,Indonesien, Malaysia, Philippinen, Südkorea und Singapur.
Quelle: UNESCO. Berechnungen AIT.
lich und führte zu einer Verschiebung der Anteile
der betrachteten Länder und Regionen an den
weltweiten F&E-Ausgaben, in erster Linie weg
von Nordamerika und Europa hin in Richtung
Asien.
Mit einer annähernden Vervierfachung der
F&E-Ausgaben weist China dabei von den größeren Volkswirtschaften das mit Abstand höchste
relative Wachstum auf; auch andere asiatische
Wachstumsmärkte wie Indien oder Korea weisen
ein überdurchschnittliches Wachstum der F&EAusgaben auf. Gleichzeitig ist mit Japan ein asiatisches Land auch das mit dem geringsten relativen Anstieg (+27 %) im Beobachtungszeitraum.
Neben dem Bedeutungsgewinn von Asien kam es
somit auch zu einer deutlichen Verschiebung innerhalb Asiens. Der relative Anstieg der F&EAusgaben in der EU-27 lag hingegen mit +46 %
zwar etwas unter dem weltweiten Wert, jedoch
nicht nur deutlich über Japan, sondern auch über
dem Vergleichswert für Nordamerika (40 %).
Das hohe relative Wachstum Chinas ist zum
Forschungs- und Technologiebericht 2013
Teil auch bedingt durch das vergleichsweise geringe Ausgangsniveau. Betrachtet man die absoluten Zuwächse, so sind diese in Nordamerika
mit 120 Mrd. PPP US $ am höchsten, gefolgt
von China mit 115 Mrd. PPP US $ und der Europäischen Union mit 94 Mrd. PPP US $. Mit insgesamt 127 Mrd. PPP US $ Zuwachs liegt Europa (inkl. europäischer Staaten, die keine EUMitglieder sind) absolut sogar knapp über den
entsprechenden Werten für Nordamerika und
China.
Als Folge des hohen Wachstums der chinesischen F&E-Ausgaben hat sich der Anteil Chinas
an den weltweiten F&E-Ausgaben von 5 % im
Jahr 2002 auf 12 % im Jahr 2009 erhöht (Abb.
11). Dieser Bedeutungsgewinn Chinas und anderer asiatischer Volkswirtschaften (exkl. Japan)
führte zunächst von 2002 bis 2007 zu einem
Rückgang des Anteils Nordamerikas (3 %-Punkte), der EU-27 (3 %-Punkte) und Japans
(1 %-Punkte) an den weltweiten F&E-Ausgaben.
In den beiden folgenden Jahren bis 2009 war der
39
1 Aktuelle Entwicklungen
Anteil der EU-27 stabil, während Nordamerika
einen weiteren 2 %-Punkteanteil und Japan
ebenfalls einen 2 %-Punkteanteil an den weltweiten F&E-Ausgaben einbüßte. Trotz des bemerkenswerten Anstiegs der Bedeutung Chinas
lagen im Jahr 2009 die F&E-Ausgaben gemessen
in PPP US $ in der EU-27 immer noch etwa auf
dem doppelten Niveau von China.
1.4.2 Langfristige Entwicklung innerhalb der OECD
Unterscheidet man bei der Betrachtung der weltweiten F&E-Ausgaben zwischen der OECD und
Nicht-OECD-Mitgliedsländern, so verfügen die
OECD-Staaten im Jahr 2009 über einen Anteil
von 75 % an den weltweiten F&E-Ausgaben. Bedingt durch die steigende Bedeutung Chinas und
anderer stark wachsenden Wirtschaften außerhalb der OECD entspricht dies einem deutlichen
Rückgang gegenüber 2002, als die OECD-Länder
in Summe noch über einen Anteil von 85 % verfügten. Auf Grund der Datenverfügbarkeit und
besseren Vergleichbarkeit der Erhebungsmethodik ist eine Analyse der Entwicklung der F&EAusgaben vor dem Jahr 2002 nur für die OECDMitgliedsstaaten möglich (Abb. 12).
Über den gesamten 30-jährigen Beobachtungszeitraum bleibt der Anteil der EU-27 an den F&EAusgaben in der OECD äußerst stabil und liegt
stets zwischen 30 und 35 %. Während in den
Abb. 12: Anteile an den gesamten F&E-Ausgaben der OECD (in PPP US $, 1981 bis 2010)
100,0%
0,80%
90,0%
0,70%
80,0%
0,60%
70,0%
0,50%
60,0%
0,40%
50,0%
40,0%
0,30%
30,0%
0,20%
20,0%
0,10%
10,0%
0,0%
81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10
Europäische Union
USA
Japan
sonstige OECD
0,00%
Anteil Österreich (rechte Achse)
Quelle: OECD. Berechnungen AIT.
40
Forschungs- und Technologiebericht 2013
1 Aktuelle Entwicklungen
1990ern eine leicht absteigende Tendenz zu erkennen ist, steigt der Anteil ab dem Jahr 2000
wieder leicht an und liegt im letzten Beobachtungsjahr 2010 mit 31,5 % fast exakt auf demselben Niveau wie im Jahr 1982 mit 31,4 %.
Mit einem Anteil von 41,5 % im Jahr 2010
sind die USA das Land mit dem mit Abstand
größten Anteil an den gesamten F&E-Ausgaben
im OECD-Raum und an den gesamten weltweiten F&E-Ausgaben. Dieser Anteil lag in den
1980er Jahren mit rund 45 % noch etwas höher
und ist dann wie in der EU in den 1990ern leicht
zurückgegangen. Im Gegensatz dazu schaffte es
die USA jedoch nur kurzfristig – um das Jahr
2000 – ihren Anteil wieder zu erhöhen und liegt
zuletzt wieder etwa beim selben Anteil wie in
den frühen 1990ern. Über die gesamten 30 Jahre
hinweg bewegte sich somit auch der Anteil der
USA innerhalb eines relativ engen Bereichs zwischen 41 % und 46 % der F&E-Ausgaben innerhalb der OECD.
Etwas größere Veränderungen in der Bedeutung sind für Japan zu konstatieren. Zunächst
stieg der Anteil Japans an den gesamten F&EAusgaben in der OECD von 1981 bis 1990 kontinuierlich von 16,0 % auf 19,7 %. Danach folgte
eine Phase des ebenso kontinuierlichen Rückgangs an diesem Anteil auf zuletzt nur mehr
14,5 %.
Deutlich zugenommen hat in den vergangen
30 Jahren die Bedeutung der sonstigen OECDLänder. Diese Gruppe umfasst einerseits mit Kanada und Australien große traditionelle Industrie­
länder, beinhaltet aber auch Schwellenländer wie
Korea oder Chile. Zum Teil sind diese Länder
auch erst im Beobachtungszeitraum der OECD
beigetreten und wurden erst ab diesem Beitritt in
den Daten berücksichtigt. Es ist daher von einer
leichten Überschätzung des Wachstums der
sonstigen OECD-Staaten auszugehen.
Vor dem Hintergrund des leicht sinkenden
Anteils der EU-27 an den F&E-Ausgaben der
OECD-Staaten ist der gleichzeitige Anstieg des
Anteils Österreichs bemerkenswert. Während in
den 1980ern nur rund 0,6 % der F&E-Ausgaben
in der OECD auf Österreich entfielen, stieg dieser Anteil seit den 1990er-Jahren kontinuierlich
auf zuletzt rund 0,75 %. In absoluten Zahlen
sind die österreichischen F&E- Ausgaben von gut
fünf Mrd. PPP US $ auf fast acht Mrd. PPP US $
gewachsen. Damit wuchsen die F&E-Ausgaben
in Österreich deutlich über dem OECD- oder EUSchnitt und konnten somit mit den hohen globalen Wachstumsraten Schritt halten.
1.4.3Verschiebungen der Ausgaben für F&E
innerhalb der Europäischen Union
In den 15 Jahren von 1995 bis 2010 sind die gesamten F&E-Ausgaben der EU-27 von 138 Mrd.
PPP US $ auf 305 Mrd. PPP US $ auf mehr als das
Doppelte gestiegen. Während dabei alle Mitgliedsstaaten ihre absoluten F&E-Ausgaben steigerten,
kam es auch innerhalb der EU-27 zu starken Verschiebungen der Anteile der Länder an den gesamten F&E-Ausgaben. Tab. 2 stellt daher diese Anteile der EU-Staaten dar. Zusätzlich wird die Veränderung in %-Punkten von 1995 bis 2010 sowie
die Positionierung der Länder im Innovation Union Scoreboard 24 (IUS) gezeigt.
Der Anteil Österreichs an den gemeinsamen
F&E-Ausgaben der EU-27 hat sich dabei in den
letzten Jahren deutlich von 2,1 % im Jahr 1995
auf 3 % im Jahr 2010 erhöht. Dabei handelt es
sich um den zweitgrößten Anstieg gemessen
in %-Punkten in der EU-27, nur Spanien konnte
deutlich stärker anteilsmäßig gewinnen. Aus der
Gruppe der Innovation Leader (Finnland, Dänemark, Deutschland und Schweden) konnten Dänemark und Finnland den Anteil in ähnlichem
Ausmaß steigern. Im Gegensatz dazu gingen die
Anteile Deutschlands und Schwedens – allerdings von einem hohen Niveau – leicht zurück.
Innerhalb der Gruppe der Innovation Follower
(IUS Rang 5 bis 14), zu der auch Österreich gehört, ist Österreich das einzige Land mit einem
deutlich steigenden Anteil an den F&E-Ausgaben
der EU-27. Die beiden größten Volkswirtschaften
24Siehe Europäische Kommission (2011a).
Forschungs- und Technologiebericht 2013
41
1 Aktuelle Entwicklungen
Tab. 2: Länderanteile an den gesamten EU-27 F&E-Ausgaben (in PPP US $), 1995, 2000, 2005 und 2010
Veränderung
IUS Rang
1995
2000
2005
2010
17
3,6 %
4,2 %
5,8 %
6,7 %
3,1 %
Österreich
8
2,1 %
2,4 %
2,9 %
3,0 %
0,9 %
Finnland
4
1,6 %
2,4 %
2,4 %
2,5 %
0,9 %
Portugal
15
0,5 %
0,7 %
0,8 %
1,4 %
0,9 %
2
1,6 %
1,9 %
1,9 %
2,2 %
0,7 %
23
1,3 %
1,4 %
1,3 %
1,8 %
0,5 %
Spanien
Dänemark
Polen
Irland
2010 zu 1995
9
0,6 %
0,7 %
0,9 %
1,0 %
0,5 %
Tschechische Republik
16
0,9 %
1,0 %
1,3 %
1,4 %
0,4 %
Ungarn
18
0,5 %
0,5 %
0,7 %
0,8 %
0,3 %
13, 25 und 27
n.V.
0,2 %
0,3 %
0,4 %
0,2 %
Baltische Staaten
Belgien und Luxemburg*
5 und 9
2,7 %
3,2 %
2,9 %
2,9 %
0,2 %
Griechenland
19
0,5 %
0,6 %
0,7 %
0,6 %
0,1 %
Slowenien
11
0,3 %
0,3 %
0,3 %
0,4 %
0,1 %
20 und 12
n.V.
n.V.
0,1 %
0,1 %
0,0 %
Bulgarien
26
0,2 %
0,1 %
0,2 %
0,2 %
0,0 %
Slowakei
22
0,3 %
0,2 %
0,2 %
0,3 %
0,0 %
Rumänien
24
0,7 %
0,3 %
0,4 %
0,5 %
-0,2 %
Schweden
1
4,5 %
5,1 %
4,6 %
4,1 %
-0,4 %
Niederlande
7
4,7 %
4,7 %
4,7 %
4,3 %
-0,5 %
Malta und Zypern
Italien
14
8,4 %
8,3 %
7,8 %
8,0 %
-0,5 %
Deutschland
3
29,0 %
28,5 %
28,0 %
28,3 %
-0,8 %
Vereinigtes Königreich
6
15,8 %
15,2 %
14,8 %
12,8 %
-3,0 %
10
19,8 %
17,9 %
17,1 %
16,4 %
-3,5 %
Frankreich
Anm.: R
ang 1 bis 4 Innovation Leader, Rang 5 bis 13 Innovation Follower, Rang 14 bis 23 Moderate Innovators, Rang 24 bis 27 Modest Innovators.
* 1995 nur Belgien
Quelle: OECD. Berechnungen AIT.
in dieser Gruppe, Frankreich und das Vereinigte
Königreich, sind hingegen die beiden Länder mit
dem stärksten Rückgang.
Während
große
Volkswirtschaften
wie
Deutschland, Frankreich und das Vereinigte Königreich innerhalb der EU an Bedeutung verlieren, steigt tendenziell der Anteil von kleineren
und mittleren Staaten. Neben Spanien, Österreich, Dänemark und Finnland gewannen in erster Linie die zwölf neuen EU-Mitgliedsstaaten an
Bedeutung. Trotz dieses Bedeutungsgewinns ist
deren Anteil mit in Summe 5,7 % im Jahr 2010
weiterhin vergleichsweise gering.
Eine direkte Folge der Zuwächse kleiner Länder ist die Abnahme der Konzentration der F&EAusgaben in der EU-27. Der Anteil der vier größ42
ten Mitgliedsstaaten – Deutschland, Frankreich,
Italien und das Vereinigte Königreich – an den
gesamten F&E-Ausgaben sank von 73 % im Jahr
1995 auf 65,5 % im Jahr 2010. Die Entwicklung
der F&E-Quote auf EU-Ebene wird daher im zunehmenden Maß auch von den Entwicklungen in
kleinen und mittleren Mitgliedsstaaten bestimmt.
1.4.4 Internationalisierung von F&E
Treibende Kraft bei der Steigerung der F&E-Ausgaben weltweit waren die Ausgaben des Unternehmenssektors für F&E. Dabei wuchsen die
F&E-Ausgaben von Unternehmen außerhalb des
jeweiligen Heimatlandes besonders stark, ein
Forschungs- und Technologiebericht 2013
1 Aktuelle Entwicklungen
Phänomen, das auch als Internationalisierung
bzw. Globalisierung von F&E bezeichnet wird.
Es stellt sich somit die Frage, inwieweit die F&EAusgaben ausländischer Firmen zu den massiven
Anstiegen der gesamten F&E-Ausgaben und zu
den beobachteten Verschiebungen beigetragen
haben.
Abb. 13 stellt dafür den Anteil der F&E-Ausgaben ausländischer Unternehmen an der gesamten F&E-Quote dar. Es zeigt sich, dass die auslandsfinanzierte Forschung in einigen kleineren
und mittleren Ländern für einen wesentlichen
Teil der F&E-Quote verantwortlich ist. Gleichzeitig spielt diese Forschung durch ausländische
Unternehmen in den großen Ländern wie den
USA, Japan oder Deutschland, die für große Teile
der gesamten F&E-Ausgaben verantwortlich
sind, eine eher geringe Rolle. Vollständige Daten
für F&E-Ausgaben ausländischer Unternehmen
für China liegen nicht vor, aber basierend auf Daten US-amerikanischer Unternehmen, die in
China F&E betreiben, wurden die F&E-Ausgaben
ausländischer Unternehmen in China auf zwischen 2,3 und 6,1 Mrd. € geschätzt25. Dies entspricht einem Anteil von unter 10 % an den gesamten F&E-Ausgaben in China. Trotz der zunehmenden Bedeutung Chinas als F&E-Standort
für ausländische Unternehmen kann somit der
starke Anstieg der F&E in China nicht nur durch
die F&E-Aktivitäten ausländischer Firmen in
China erklärt werden. Neben dem direkten Beitrag ausländischer Unternehmen in China kommen auch indirekte Effekte, wie spezifische Formen von Wissenstransfer, zum Tragen, die einheimische Firmen zu höheren F&E-Ausgaben
bewegen.
Abb. 13: Beiträge ausländischer Unternehmen zur F&E-Quote, 2007
5,0%
4,0%
in Prozent des BIP
3,0%
2,0%
1,0%
Is
Fin rael
nla
nd
**
Ja
pa
Sc
n
hw
ed
e
Ve
S
n
rei chw
nig ei
te z*
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Be
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ttl
an
d
Ma
lta
Po *
Ru len*
mä *
nie
n
Slo **
wa
Bu kei
lga
rie
n
0,0%
F&E-Ausgaben inländischer Unternehmen, Hochschulen, Staat und private Non-profit
F&E-Ausgaben ausländischer Unternehmen
Anm.: * 2008 statt 2007, ** 2006 statt 2007.
Quelle: OECD, Eurostat, nationale statistische Ämter. Berechnungen AIT.
25Vgl. Dachs et al. (2012).
Forschungs- und Technologiebericht 2013
43
1 Aktuelle Entwicklungen
Ausländische Unternehmen leisten einen besonders hohen Beitrag zur F&E-Quote in Schweden, Österreich, Belgien, der Tschechischen Republik und Irland. Mit der Ausnahme von Schweden konnten alle diese Länder auch innerhalb der
letzten 15 Jahre ihren Anteil an den F&E-Ausgaben der EU-27 deutlich erhöhen. Schweden verzeichnete zwar keinen solchen Anstieg, weist
aber die zweihöchste F&E-Quote innerhalb der
EU-27 auf. F&E-Ausgaben ausländischer Unternehmen haben somit einen relativ geringen Einfluss auf die globale Verteilung der F&E-Ausgaben, spielen aber gerade in kleineren und mittleren Ländern eine bedeutende und weiter zunehmende Rolle für die Entwicklung der F&E-Quote.
In Österreich entfällt mittlerweile rund ein Drittel der gesamten F&E-Ausgaben auf die F&EAusgaben von Unternehmen im ausländischen
Besitz – im internationalen Vergleich ein außerordentlich hoher Wert.25a
Die Internationalisierung von F&E wird maßgeblich durch Unternehmen im Sachgüterbereich vorangetrieben und ist besonders stark in
einigen exportintensiven Mittelhoch- und Hochtechnologie-Sektoren ausgeprägt26. Tab. 3 zeigt
die F&E-Ausgaben ausländischer Unternehmen
in Österreich nach Herkunftsland und vergleicht
diese mit den entsprechenden Ausgaben dieser
Länder in der gesamten EU-27. Die F&E-Ausgaben deutscher Unternehmen sind dabei mit einem Anteil von über der Hälfte der gesamten
F&E-Ausgaben ausländischer Unternehmen für
Österreich von besonderer Bedeutung. Österreich ist aber auch innerhalb der EU-27 der wichtigste Auslandsstandort deutscher Unternehmen, 38 % dieser Ausgaben konzentrieren sich
auf Österreich. Darüber hinaus tragen auch Unternehmen aus der Schweiz, den Vereinigten
Staaten, Kanada und der Niederlande maßgeblich
zu den F&E-Ausgaben in Österreich bei. Vor allem kanadische und Schweizer Unternehmen
konzentrieren sich mit 28 % bzw. 11 % ihrer EUweiten Forschungsaktivitäten auf Österreich.
Resümee
Während in globaler Perspektive schnell wachsende asiatische Volkswirtschaften, insbesondere China, in den letzten Jahren deutlich ihre Anteile an den gesamten globalen F&E-Ausgaben zu
Tab. 3: Österreich als Standort für F&E ausländischer Unternehmen (2007, in Mio. €)
Herkunftsland
Deutschland
F&E ausländischer Firmen in
Österreich
EU-27
Anteil Österreich
an EU-27
1,456
3,786
38 %
Schweiz
309
2,941
11 %
Vereinigte Staaten
228
13,535
2 %
Kanada
180
632
28 %
Niederlande
177
4,442
4 %
Schweden
40
893
4 %
Großbritannien
32
2,365
1 %
Frankreich
26
3,276
1 %
Belgien
18
300
6 %
Japan
16
1,133
1 %
Italien
14
705
2 %
Finnland
14
395
4 %
Anm.: N
ur Länder mit zumindest 10 Mio. € F&E-Ausgaben in Österreich berücksichtigt.
Quelle: OECD, Eurostat, nationale statistische Ämter. Berechnungen AIT.
25a siehe dazu Fußnote 1a, S. 9.
26Ebenda.
44
Forschungs- und Technologiebericht 2013
1 Aktuelle Entwicklungen
Lasten der USA, Japans und der EU-27 erhöhen
konnten, gelang es Österreich als eines der wenigen EU-Länder, seinen Anteil stabil zu halten.
Da dies in einem Umfeld massiv steigender globaler F&E-Ausgaben geschah, ging dieser stabile
Anteil Österreichs mit einer beträchtlichen absoluten Steigerung der Ausgaben einher. Der Anteil Österreichs an den F&E-Ausgaben der EU-27
sowie der OECD stieg dadurch deutlich.
Trotz der Verschiebungen der globalen Verteilung der F&E-Ausgaben in Richtung Asien sind
Europa und Nordamerika im Jahr 2009 immer
noch für über 60 % der globalen F&E-Ausgaben
verantwortlich. Innerhalb der EU-27 konnte
zwar ein Rückgang des Anteils der vier größten
Volkswirtschaften festgestellt werden, zum
Stand 2010 entfielen dennoch über 65 % der EU27 F&E-Ausgaben auf diese vier Länder. Neben
Österreich konnte eine Reihe weiterer Länder relativ an Bedeutung gewinnen. Neben Spanien ist
Forschungs- und Technologiebericht 2013
das in erster Linie eine Reihe kleinerer und mittlerer EU-Staaten inklusive der beiden Innovation
Leader Dänemark und Finnland, aber auch Belgien, Irland und die Tschechische Republik.
Während der Anstieg der F&E-Ausgaben in
China nur zu einem sehr geringen Teil durch ausländische F&E-Investitionen zu erklären ist, ist
ihre Bedeutung in kleineren und mittleren EUStaaten deutlich größer. Im Fall von Österreich
tragen ausländische Unternehmen bereits rund
ein Drittel zu den gesamten F&E-Ausgaben bei
und sind somit ein maßgeblicher Treiber des festgestellten starken Anstiegs der F&E-Ausgaben.
Einen besonderen Stellenwert nimmt dabei das
Nachbarland Deutschland ein. Nach den USA ist
Österreich das zweitwichtigste Zielland für
grenzüberschreitende F&E-Ausgaben deutscher
Unternehmen. Der Anteil deutscher Unternehmen an ausländischen F&E-Investitionen in Österreich beträgt mehr als 50 %.
45
2 Die großen Förderagenturen des Bundes
2 Die großen Förderagenturen des Bundes
2.1
Wissenschaftsfonds (FWF)
Der FWF steht in Österreich für die Förderung
der Grundlagenforschung, indem die vom FWF
finanzierten Projekte ihren „Wert“ aus ihrer Bedeutung für die Entwicklung der Wissenschaft,
der Erweiterung des wissenschaftlichen Kenntnisstandes und des Grundlagenwissens definieren. Demgemäß ruht die Arbeit des FWF auf drei
Säulen:
• Stärkung der wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit Österreichs im internationalen Vergleich sowie seiner Attraktivität als Wissenschaftsstandort, vor allem durch Förderung
von Spitzenforschung einzelner Personen bzw.
Teams, aber auch durch Beiträge zur Verbesserung der Konkurrenzfähigkeit der Forschungsstätten und des Wissenschaftssystems in Österreich;
• Qualitative und quantitative Ausweitung des
Forschungspotentials nach dem Prinzip „Ausbildung durch Forschung“;
• Verstärkte Kommunikation und Ausbau der
Wechselwirkungen zwischen Wissenschaft
und allen anderen Bereichen des kulturellen,
wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens, wobei insbesondere die Akzeptanz von
Wissenschaft durch systematische Öffentlichkeitsarbeit gefestigt werden soll.
Der Qualitätsbenchmark des FWF ist in allen seinen Arbeitsbereichen die internationale wissenschaftliche Community. Die Qualität der vom
FWF geförderten Forschungen wird mit einem
durchgängigen Peer Review System gesichert:
Nur ExpertInnen aus dem Ausland, deren Unbe-
46
fangenheit überprüft wird, sind in den Begutachtungsprozess der an den FWF gestellten Förderanträge eingebunden. Jährlich werden über 5.000
derartige internationale Gutachten eingeholt.
Tab. 4 und Tab. 5 geben einen Überblick über
die Förderungen des FWF im Jahr 2012. Das Jahr
2012 markiert mit einem Antragsvolumen von
676,7 Mio. € einen neuen Höchstwert. Im Jahr
2012 lag das Bewilligungsvolumen des FWF mit
196,4 Mio. € knapp unter der 200 Mio. € Marke.
Auch das stellt ein Rekordbewilligungsvolumen
dar, allerdings beträgt die Steigerung gegenüber
2011 lediglich 0,6%. Die Anzahl der entschiedenen Anträge war mit 2.216 im Jahr 2012 praktisch unverändert, die Anzahl der bewilligten
Projekte mit 684 leicht rückläufig. Die Bewilligungsquote des FWF insgesamt hat sich 2012 nur
marginal verändert. Gemessen an der Zahl der
bewilligten Neuanträge sank die Quote von
30,6% (2011) auf 30,2%. Das Verhältnis der Neubewilligungssumme zu den beantragten Mitteln
sank von 24,8% im Jahr 2011 auf 24,2% im Jahr
2012.
Die Antragssummen stiegen über die Jahre
hinweg kontinuierlich: Ein Vergleich mit dem
Jahr 2000 zeigt, dass sich die Zahl der eingereichten Projekte mehr als verdoppelt, die Höhe der
beantragten Summen sich aber rund verfünffacht
hat. Dieser Nachfrage konnten die Bewilligungen
nicht entsprechen: Im gleichen Zeitraum stieg
die Zahl der bewilligten Projekte um 30%, die
bewilligten Summen hatten sich lediglich verdoppelt. Somit klafft die Schere zwischen Nachfrage und Bewilligungsmöglichkeiten immer
stärker auseinander.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
2 Die großen Förderagenturen des Bundes
Tab. 4: Anzahl der Förderungen im Jahr 2012
Förderungsprogramm
Anträge entschieden
Einzelprojekte
Internationale Programme
2012
Bewilligungsquote in %
2012
Anzahl %-Frauen
1.080
Neubewilligungen
25,6%
2012
Anzahl %-Frauen
334
26,0%
Rate
Frauen
Männer
30,9%
31,5%
30,7%
311
15,4%
83
15,7%
26,7%
27,1%
26,6%
Spezialforschungsbereiche (SFBs)
65
16,9%
27
11,1%
12,5%
0,0%
15,0%
SFBs Verlängerungen
42
16,7%
35
11,4%
83,3%
57,1%
88,6%
6
16,7%
4
25,0%
66,7%
100,0%
60,0%
Nationale Forschungsnetzwerke Verlängerungen
START
53
20,8%
7
28,6%
13,2%
18,2%
11,9%
6
16,7%
6
16,7%
100,0%
100,0%
100,0%
START Verlängerungen
21
9,5%
2
0,0%
9,5%
0,0%
10,5%
Doktoratskollegs (DKs)
Wittgenstein
5
20,0%
2
0,0%
12,5%
0,0%
15,4%
DKs Verlängerungen
3
0,0%
2
0,0%
66,7%
0,0%
66,7%
Schrödinger
135
33,3%
68
30,9%
50,4%
46,7%
52,2%
Meitner
123
39,0%
40
40,0%
32,5%
33,3%
32,0%
Firnberg
52
100,0%
15
100,0%
28,8%
28,8%
-
Richter
57
100,0%
15
100,0%
26,3%
26,3%
-
Translational Research
Klinische Forschung (KLIF)
Programm zur Entwicklung und Erschließung der Künste (PEEK)
78
14,1%
21
9,5%
26,9%
18,2%
28,4%
123
30,1%
17
52,9%
13,8%
24,3%
9,3%
56
48,2%
6
66,7%
10,7%
14,8%
6,9%
2.216
28,7%
684
28,2%
30,2%
30,2%
30,2%
Konzeptanträge für SFBs
24
16,7%
6
16,7%
Konzeptanträge für DKs
16
18,8%
5
20,0%
Gesamt
Quelle: FWF.
Gemessen an den Anteilen an den Fördermitteln weisen die Förderungen von Einzelprojekten
das größte Gewicht auf. Im Jahr 2012 wurden in
Summe Einzelprojekte mit 319,7 Mio. € gefördert, das entspricht 47,2 % der gesamten Fördersumme des FWF. Es folgen die internationalen
Programme mit 71,8 Mio. € (Anteil von 10,6 %)
und START mit 57,8 Mio. € (Anteil von 8,5 %).
Der größte Teil der FWF-Förderungen fließt in
die Finanzierung von wissenschaftlichem Personal. Somit trägt der FWF also wesentlich zum
Ausbau des wissenschaftlichen Humanpotenzials bei. Im Vergleich zum Jahr 2000 hat sich die
Zahl des über FWF-Projekte finanzierten Forschungspersonals rund verdoppelt: Im Jahr 2012
standen 3.852 Personen auf der Payroll des FWF.
Setzt man das in Beziehung zur Gesamtheit des
wissenschaftlich-künstlerischen Personals der
Forschungs- und Technologiebericht 2013
Universitäten – laut Unidata zum Stichtag
31.12.2012 insgesamt 20.104,9 VZÄ – ist das ein
erhebliches Potenzial (siehe Tab. 6).
Besonders stark gestiegen ist die Zahl der sogenannten FWF-Fellows. Das sind ForscherInnen,
die ein FWF-Projekt leiten und ihr eigenes Gehalt
aus dem Projekt finanzieren. Ohne FWF-Projekt
hätten diese, fast ausschließlich jungen, WissenschaftlerInnen große Probleme, ihre Forschungsarbeiten durchzuführen, da die Forschungsstätten ihnen meist keine Karriereperspektiven eröffnen können. Ihr Anteil an den ProjektleiterInnen der Einzelprojekte stieg bewilligungsseitig in
den letzten fünf Jahren von 16% (2007) auf 20%
(2012). Eine weitere Herausforderung im Bereich
des wissenschaftlichen Personals stellt aus Sicht
des FWF der, mit rund 30% nach wie vor zu ge47
2 Die großen Förderagenturen des Bundes
Tab. 5: Fördersummen nach Programm im Jahr 2012
Förderungsprogramm
Anträge entschieden
Neubewilligungen
2012
2012
Einzelprojekte
Bewilligungsquote in %
2012
Summe
%-Frauen
Summe
%-Frauen
Rate
Frauen
Männer
€ 319,7
25,9%
€ 97,6
26,2%
29,8%
30,4%
29,6%
Internationale Programme
€ 71,8
13,4%
€ 16,2
15,2%
21,9%
24,8%
21,4%
SFBs
€ 25,9
17,9%
€ 12,0
8,0%
10,2%
4,6%
11,6%
SFBs Verlängerungen
€ 18,2
15,5%
€ 14,0
13,0%
77,0%
64,5%
79,2%
NFNs Verlängerungen
€ 3,7
24,6%
€ 2,6
32,0%
54,0%
68,7%
49,2%
START
€ 57,8
19,8%
€ 4,4
27,5%
7,4%
10,3%
6,7%
€ 3,3
18,1%
€ 3,3
18,1%
99,8%
100,0%
99,7%
Wittgenstein
€ 31,5
9,5%
€ 3,0
0,0%
9,5%
0,0%
10,5%
DKs
€ 11,9
18,0%
€ 6,5
1,3%
14,4%
0,0%
17,7%
€ 7,1
0,0%
€ 4,1
0,0%
58,6%
0,0%
58,6%
START Verlängerungen
DKs Verlängerungen
Schrödinger
€ 13,3
33,5%
€ 7,3
30,0%
52,9%
46,6%
56,0%
Meitner
€ 15,1
39,8%
€ 5,9
39,2%
33,6%
33,5%
33,6%
Firnberg
€ 11,0
100,0%
€ 3,3
100,0%
28,9%
28,9%
-
Richter
€ 15,6
100,0%
€ 4,7
100,0%
26,7%
26,7%
-
Translational Research
€ 25,9
13,3%
€ 6,1
7,8%
23,0%
13,2%
24,5%
KLIF
€ 28,4
27,1%
€ 3,3
52,8%
11,5%
22,5%
7,4%
PEEK
€ 16,4
52,4%
€ 2,0
69,3%
12,2%
16,3%
7,8%
€ 676,7
25,8%
€ 196,4
25,3%
24,2%
24,5%
24,0%
Konzeptanträge für SFBs
€ 104,9
18,9%
€ 24,6
13,1%
Konzeptanträge für DKs
€ 35,5
18,7%
€ 12,1
17,8%
Gesamt
Quelle: FWF.
Tab. 6: Durch den FWF finanziertes Forschungspersonal
im Jahr 2012
Postdocs
DoktorandInnen
2010
2011
2012
1.197
1.229
1288
Frauen
554
575
517
Männer
643
654
771
1.683
1.771
1935
Alle
Alle
Frauen
710
745
819
Männer
973
1.026
1116
Technisches Personal Alle
Sonstiges Personal
122
137
173
Frauen
82
98
118
Männer
40
39
55
Alle
403
405
456
Frauen
193
213
215
Männer
Summe
Quelle: FWF.
48
210
192
241
Alle
3.405
3.542
3852
Frauen
1.539
1.631
1669
Männer
1.866
1.911
2183
ringe, Anteil an Frauen bei den AntragstellerInnen von FWF Projekten dar. Erfreulich ist, dass
der Frauenanteil bei den Neubewilligungen von
25,9% im Jahr 2011 auf 28,2% im Jahr 2012 stieg.
Auf eine Erhöhung des Frauenanteils bei Projektleitungen zielt auch eine Zielvorgabe in den
Doktoratskollegs wie auch in den Spezialforschungsbereichen: Hier soll ein 30% Anteil von
Frauen in der Faculty bzw. im Team der Projektteilleitungen erreicht werden.
Im Hinblick auf die Aufteilung der FWF-Förderungen auf Wissenschaftsdisziplinen zeigen
sich auf höher aggregierter Ebene die Strukturen
über die Jahre hinweg vergleichsweise stabil.
Grob gesprochen kann man drei Bereiche beschreiben: Life Sciences, Naturwissenschaft und
Technik, Geistes- und Sozialwissenschaften. Im
Berichtsjahr 2012 flossen – bezogen auf die Gesamtbewilligungssumme – 73,8 Mio. € in den BeForschungs- und Technologiebericht 2013
2 Die großen Förderagenturen des Bundes
Abb. 14: Bewilligungen nach Wissenschaftsdisziplinen (Gesamtbetrachtung aller FWF-Programme)
2012
Durchschnitt 2007–2010
33,8 Mio. €
35,7 Mio. €
73,8 Mio. €
67,3 Mio. €
69,6 Mio. €
86,9 Mio. €
Geistes- und Sozialwissenschaften: 18, 2%
Naturwissenschaft und Technik: 44,2 %
Life Science: 37,6 %
Geistes- und Sozialwissenschaften: 18,8 %
Naturwissenschaft und Technik: 40,8 %
Life Science: 39,4 %
reich der Life Sciences, 86,9 Mio. € in den Bereich
Naturwissenschaft und Technik sowie 35,7 Mio.
€ in den Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften.
Diese Verteilung beruht nicht auf Quoten des
FWF, sondern ergibt sich aus der Antragslage. Allerdings gibt es zwei Bereiche mit Rahmenbedingungen, denen mit den allgemeinen Verfahrensmechanismen des FWF offenbar tatsächlich nur
ungenügend entsprochen werden kann, und denen der FWF daher mit eigenen Ausschreibungen
Rechnung getragen hat: Im Bereich der künstlerischen Forschung (PEEK) ging 2012 die vierte und
im Bereich der klinischen Forschung (KLIF) die
zweite Ausschreibung erfolgreich über die Bühne. In beiden Fällen setzte der FWF eine internationale Jury ein, um Fachkompetenzen einzubringen. Im Falle von KLIF hat sich jedoch herausgestellt, dass dies nicht mehr notwendig ist,
sodass die für diesen Bereich notwendigen, speziellen Verfahrensschritte im Rahmen der üblichen FWF-Verfahren abgedeckt werden können.
Die KLIF-Projekte werden infolgedessen nach einer letzten Ausschreibung 2012/13 analog zur
FWF-Einzelprojektförderung behandelt werden.
Ebenfalls positiv entwickelte sich die Abgeltung von Overheadkosten seit ihrer Wiedereinführung im Jahr 2011 bei den Einzelprojekten
und beim Programm zur Entwicklung und Erschließung der Künste (PEEK): Im Jahr 2012 zahl-
te der FWF mit 5,6 Mio. € um 4,3 Mio. € mehr
Overheads an österreichische Forschungsstätten
als im Vorjahr. Dieser Betrag ist nicht Bestandteil
des FWF-Bewilligungsvolumens, sondern kommt
gleichsam „on-top“ dazu. Angesichts des stringenten FWF-Budgets war es bis dato nicht möglich, eine Ausweitung der Overhead-Zahlungen
auf alle Programme des FWF zu erreichen. Die
Folge sind unerwünschte Verzerrungen in Programmen, wie z.B. in den internationalen Projekten, SFBs, DKs und Frauenprogrammen, wo WissenschaftlerInnen ohne Abgeltung von Overheadkosten durchaus einen Wettbewerbsnachteil
an den Forschungsstätten erfahren.
Quelle: FWF.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
2.2
Forschungsförderungsgesellschaft (FFG)
Die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) bietet ein differenziertes Portfolio unterschiedlichster Instrumente zur Förderung von Forschungsvorhaben von Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Die Bandbreite der Instrumente reicht dabei von niederschwelligen Einstiegsformaten bis hin zur Förderung von Spitzenforschung. Im Jahr 2012 kam
es innerhalb der FFG zu einigen organisatorischen Änderungen. So konnte die bereits früher
eingeleitete Umsetzung des Themen- und Portfoliomanagements-Konzepts weitgehend abgeschlossen werden. Die FFG verfügt damit über
49
2 Die großen Förderagenturen des Bundes
ein standardisiertes Set an Förderungsinstrumenten, ein durchgängiges Themenmonitoring,
das zeitnah die Allokation der Förderungsmittel
über Themen zeigt, sowie programmübergreifend aufgesetzte Thementeams, die einen kontinuierlichen Erfahrungsaustausch zwischen Programmen und eine Abstimmung des Instrumenteneinsatzes entlang von Themen sicherstellen.
Auf Instrumentenebene wurde im Jahr 2012 mit
der Initiative Markt.Start eine Neuerung durchgeführt. Mit dieser Initiative adressiert die FFG
im Auftrag des BMVIT einen neuralgischen
Punkt im österreichischen Innovationssystem:
Die Umsetzung erfolgreich abgeschlossener
F&E-Projekte am Markt. Mit diesem Instrument
bietet die FFG jungen Unternehmen, die ein Entwicklungsprojekt in den Basisprogrammen erfolgreich abgeschlossen haben, eine Darlehensfinanzierung für die anschließende Markterschließungsphase. Das Finanzierungsvolumen kann
bis zu 1 Mio. € umfassen. Zusätzlich ist noch zu
erwähnen, dass mit 01.01.2013 die FFG mit der
Begutachtung der für die Forschungsprämie geltend gemachten F&E-Aufwendungen betraut ist.
Tab. 7 gibt einen Überblick über die Zahl der
Projekte, Beteiligungen, die eingebundenen Akteure und die im Jahr 2012 vertraglich zugesicherten Fördermittel. Im Jahr 2012 konnte insgesamt ein Fördervolumen (inklusive Haftungen
und Darlehen) von 483,3 Mio. € zugesichert werden, was einem Barwert von 361 Mio. € entspricht. Gegenüber dem Jahr 2011 entspricht dies
einer Zunahme des Barwerts der Förderungen
von 3,4 % (2011: 349 Mio. € Barwert). Mit diesem
Fördervolumen konnten Forschungsvorhaben im
Gesamtausmaß von 979,3 Mio. € (plus 8,4 % gegenüber 2011) gefördert werden. Die Gesamtzahl
der geförderten Projekte betrug 2.913, die 5.125
Beteiligungen und 2.876 verschiedene Akteure
umfassten. Die Zahl der von der FFG geförderten
Akteure stieg dabei gegenüber dem Vorjahr (2.758
Akteure) um 4,3 %, was auf eine weiterhin laufende Verbreiterung der Forschungsbasis Österreichs hindeutet.
50
Gemessen am Barwert wie auch an der Anzahl
der Projekte und den induzierten Gesamtkosten
der Forschungsprojekte weist der Programmbereich der Basisprogramme das größte Gewicht
innerhalb des umfangreichen Portfolios der FFG
auf. Innerhalb dieses Bereichs sticht die Programmlinie Basisprogramm, das Kernprogramm
der bottom-up orientierten unternehmensorientierten Forschungsförderung der FFG, mit einem
Anteil von ca. 42 % am Barwert (und 43 % an
den Projekten) hervor. Mit 634 geförderten Projekten ist deren Zahl gegenüber dem Vorjahr
(2011: 607 geförderte Projekte) in der Programmlinie Basisprogramm um 4,4 % gestiegen. Besonders zu erwähnen ist auch der mittlerweile bewährte Innovationsscheck. In dieser Programmlinie, die darauf abzielt, kleinen und mittleren
Unternehmen den Einstieg in eine kontinuierliche F&E-Tätigkeit zu erleichtern, wurden insgesamt 486 Projekte gefördert.
Den zweitgrößten Programmbereich (gemessen am zugesagten Förderbarwert) der FFG umfassen die unterschiedlichen Strukturprogramme, die in Summe 111,4 Mio. € Barwert umfassen. Hervorzuheben ist hier das Kompetenzzentrumprogramm COMET. Im Jahr 2012 entfallen
79,9 Mio. € auf dieses Programm. Diese hohe
Summe ist dadurch bedingt, dass es im Jahr 2012
zu vertraglichen Verlängerungen von mehreren
bestehenden Kompetenzzentren gekommen ist.
Das Programm COMET ist das Nachfolgeprogramm der K-Programme (K-plus, K-ind, K-net)
und verfolgt das Ziel, die Kooperationskultur
zwischen Industrie und Wissenschaft weiter zu
stärken und den Aufbau gemeinsamer Forschungskompetenzen und deren Verwertung zu
forcieren. Das Programm orientiert sich besonders an Exzellenz, der Einbindung von internationalem Forschungs-Know-how sowie dem Aufbau und der Sicherung der Technologieführerschaft von Unternehmen zur Stärkung des österreichischen Forschungsstandorts.
Der dritte quantitativ bedeutsame Programmbereich des Förderportfolios der FFG ist der Bereich der thematischen Programme. Ziel dieser
Forschungs- und Technologiebericht 2013
2 Die großen Förderagenturen des Bundes
Tab. 7: FFG-Förderstatistik 2012 [Beiträge in 1.000 €]
Programm
ALR
ASAP
BP
Programmlinie Basisprogramm
EIP
SP
Beteiligung
Akteure
Gesamtkosten
Förderung inkl.
Haftungen u.
Darlehen
Barwert
6
11
9
1.574
934
934
6
11
9
1.574
934
934
634
656
515
382.757
208.798
98.060
Programmlinie Dienstleistungsinnovationen
36
38
37
12.427
6.567
5.397
Programmlinie Headquarter
20
22
22
56.113
24.963
17.883
Programmlinie Hightech Start-up
19
19
19
14.265
9.979
6.650
BRIDGE
59
197
183
21.997
14.662
14.662
EUROSTARS
12
12
11
6.713
3.906
3.906
Innovationsscheck
486
971
730
3.048
2.840
2.840
1.266
1.915
1.427
497.319
271.714
149.398
20
20
9
1.838
1.378
1.378
20
20
9
1.838
1.378
1.378
TOP.EU
AplusB
5
5
5
39.216
12.900
12.900
COIN
16
97
90
8.848
5.169
5.169
79.850
COMET
7
488
439
248.213
79.850
FoKo
14
203
189
5.432
4.336
4.336
Strat. Impulszentren
18
33
31
2.767
2.171
2.171
Talente
TP
Projekte
1.191
1.243
671
11.329
7.006
7.006
1.251
2.069
1.301
315.805
111.431
111.431
AT:net
4
4
4
1.138
284
284
benefit
31
61
54
10.945
6.656
6.656
ENERGIE DER ZUKUNFT
45
142
110
17.773
8.902
8.902
FIT-IT
36
60
41
29.435
10.979
10.979
GEN-AU
3
3
3
27
27
27
IEA
13
20
11
1.054
1.054
1.054
Intelligente Produktion
34
98
84
14.768
10.569
10.569
IV2Splus
92
272
185
22.762
15.821
15.821
KIRAS
19
107
70
12.058
8.229
8.229
Leuchttürme eMobilität
2
26
25
13.205
5.567
5.567
NANO
10
23
17
2.071
1.698
1.698
NANO-EHS
4
9
7
588
573
573
Neue Energien 2020
74
279
209
36.544
25.415
25.415
TAKE OFF
FFG Förderungen und Aufwendungen
3
6
6
430
430
430
370
1.110
675
162.798
96.204
96.204
2.913
5.125
2.876
979.335
481.661
359.345
1.654
1.654
1.654
483.315
483.315
360.999
FFG-Beauftragungen
FFG Operative Mittel 2012 gesamt
Anm.: D
ie quantitativen Angaben beziehen sich auf die im Jahr 2012 zugesagten Fördermittel.
Quelle: FFG.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
51
2 Die großen Förderagenturen des Bundes
Programme ist es, in ausgewählten Themen fokussiert Schwerpunkte zu setzen, um in strategischen Zukunftsfeldern auch international sichtbare kritische Massen der Forschung zu erreichen. Insgesamt entfallen auf die thematischen
Programme 96,2 Mio. € Barwert. Konkret umfassen diese Schwerpunktsetzungen Themen wie
Energie, IKT, Produktion oder Sicherheitsforschung. Etliche der Themen sind daher im besonderen Ausmaß anschlussfähig an die in HORIZON 2020 von der EU definierten „Grand Challenges“ wie auch an die „Key Enabling Technologies“ (KET). Somit sind die thematischen Programmlinien Teil einer neuen Missionsorientierung27 der österreichischen Forschungs- und
Technologiepolitik, wie sie auch in der 2011 beschossenen FTI-Strategie der österreichischen
Bundesregierung gefordert wird.
Die FTI-Initiative „Produktion der Zukunft“
fördert neue technologische Entwicklungen im
Bereich der Material- und Produktionstechnologien. Mit dem Programm „IKT der Zukunft“
werden Innovationen in verschiedenen Bereichen der Informations- und Kommunikationstechnologien, darunter auch in der Mikro- und
Nanoelektronik, unterstützt. Schließlich werden
Schlüsseltechnologieentwicklungen in wichtigen Anwendungsfeldern auch in Förderprogrammen der Bereiche Energie und Mobilität angesprochen, wie z.B. das Forschungs- und Demon­
strationsprogramm „Technologische Leuchttürme der Elektromobilität“, das Förderprogramm
„Energieeffiziente Fahrzeugtechnologien“ des
Klima- und Energiefonds, das österreichische
Luftfahrttechnologieforschungsprogramm TAKE
OFF und das Programm „Smart Cities“.
Angesichts der guten Position Österreichs bei
Schlüsseltechnologien (siehe Kapitel 4.5) kann
erwartet werden, dass das Land von den verstärkten forschungs- und technologiepolitischen Anstrengungen der Europäischen Kommission in
diesem Bereich, u.a. im Rahmen des Programms
Horizon 2020, profitieren wird. Die nationale
Förderung sollte die europäische Förderung an einigen Punkten gezielt ergänzen. Hierzu zählt erstens die weitere Stärkung der Verbindung zwischen industrieller und öffentlicher Forschung in
den einzelnen Schlüsseltechnologien, denn in
kaum einem anderen Bereich ist die Entwicklung
neuer Technologie so stark auf neue wissenschaftliche Forschungsergebnisse angewiesen
wie hier. Neben kooperativen Forschungseinrichtungen wie den Kompetenzzentren sollten
auch bilaterale Forschungsprojekte zwischen
Wissenschaft und Unternehmen mit ausreichenden Zeithorizonten unterstützt werden. Zweitens sollten die Potenziale im Schnittfeld von
zwei oder mehreren Schlüsseltechnologien besser genutzt werden. Drittens könnte die Verknüpfung von Schlüsseltechnologien und künftigen Anwendungsfeldern über die Programme
Smart Cities und Elektromobilität hinaus auch
auf andere Anwendungsgebiete, wie etwa Medizin/Gesundheitswirtschaft, nachhaltige Energienutzung oder neue Produktions- und Logistikkonzepte, ausgeweitet werden.
Das breite Förderangebot der FFG spiegelt sich
auch bei Betrachtung der Förderungen nach Organisationstyp wider (Tab. 8). Auf Basis der 2012
zugesagten Mittel beträgt der Anteil der Unternehmen 52 %. Gegenüber 2011 hat sich die Zahl
der Beteiligungen von Unternehmen um 10 %
erhöht (2011: 2.688 Beteiligungen). Die Zahl der
unterschiedlichen Akteure macht bei den Unternehmen 1.991 aus, ein prozentueller Anstieg gegenüber dem Vorjahr (mit damals 1.934 Akteuren) von 2,9 %. Dieser Anstieg kann wiederum
als ein zusätzlicher Hinweis über die anhaltende
Dynamik der Forschungsaktivitäten der österreichischen Wirtschaft und die laufende Verbreiterung der unternehmerischen Forschungsbasis
interpretiert werden.
In Bezug auf den Anteil am zugesagten Förderbarwert liegen die Forschungseinrichtungen mit
31 % an zweiter Stelle, gefolgt von den Hochschulen mit 11 %. Die Veränderung des Anteils
27Siehe zur sogenannten „neuen Missionsorientierung“ der Technologiepolitik Gassler et al. (2006).
52
Forschungs- und Technologiebericht 2013
2 Die großen Förderagenturen des Bundes
der Forschungseinrichtungen (im Vorjahr betrug
der diesbezügliche Anteil 21 %) ist auf die im
Jahr 2012 erfolgten Vertragsverlängerungen im
Rahmen des Kompetenzzentrumprogramms COMET zurückzuführen. Nach entsprechenden
Zwischenevaluierungen gab es hier im Jahr 2012
Verlängerungen und somit Förderzusagen, die es
im Jahr 2011 aufgrund des mehrjährigen Rhythmus dieser Vertragsverlängerungen nicht gegeben hat.
Die Förderung der FFG im Jahr 2012 nach den
unterschiedlichen Technologiefeldern ist in Abb.
15 dargestellt, wobei die Technologiefelder auf
Basis des „CORDIS Subject Index Classification
Codes“28 definiert sind. Zugunsten der Übersichtlichkeit sind hierfür einige der Technologiefelder (z.B. alle IKT-orientierten Technologiefelder, ebenso die drei Biotechnologiefelder, nämlich landwirtschaftliche, industrielle und medizinische, sowie einige kleinere, eng verwandte
Felder) zusammengefasst. Zu beachten ist, dass
die „Breite“ dieser Technologiefelder sehr unterschiedlich ist, die einzelne Reihung der Technologiefelder lässt also nicht auf ein entsprechendes Über- oder Untergewicht einer bestimmten
Technologie in Bezug auf die Förderung durch die
FFG schließen. Nichtsdestotrotz ist eine Betrachtung der Mittelflüsse nach diesen Technologiefeldern von Interesse, zeigt es doch, dass sich
mit der Werkstofftechnik (umfasst Stahl- und
Metallverarbeitung, Kunststoff- und Gummiindustrie etc.) und der industriellen Fertigung (Pro-
duktionstechnik, Werkzeugbau, industrielle Prozesse etc.) zwei zentrale Technologiefelder der
Sachgüterproduktion zwei große Stärkefelder der
österreichischen Industriestruktur auch in der
Förderungslandschaft der FFG prominent wiederfinden. Auf diese beiden Technologiefelder
entfallen mit 88,7 Mio. € immerhin ein Viertel
der gesamten zugesagten Fördermittel der FFG.
Weitere quantitativ bedeutsame Technologiefelder sind Energie, Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) sowie Elektronik/
Mikroelektronik. Mit den beiden Letztgenannten sind somit auch zwei zentrale Themenschwerpunkte auf EU-Ebene (in HORIZON 2020)
in besonderem Maße im Förderportfolio der FFG
abgedeckt. Mit den Technologiefeldern Energie
(das auch die erneuerbaren Energietechniken beinhaltet) sowie Umwelt & Nachhaltigkeit sind
auch zentrale „Missionen“ der österreichischen
FTI-Strategie bzw. einige der „Grand Challenges“ von HORIZON 2020 in einem quantitativ
besonders relevanten Ausmaß vertreten.
2.3
Austria Wirtschaftsservice (aws)
Die Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws) wurde im Jahr 2002 mit dem Ziel gegründet, zur Steigerung des österreichischen Wirtschaftswachstums beizutragen, wobei die Eigentümervertreter das BMWFJ und das BMVIT darstellen. Als
spezielle Förderbank des Bundes bietet die aws
dazu alle Formen der Unternehmensfinanzie-
Tab. 8: FFG-Förderungen nach Organisationstyp 2012 [in 1.000 €]
Organisationstyp
Unternehmen
Akteure
Beteiligungen
Gesamtförderung
Barwert
Anteile am Barwert
1991
2.959
310.378
188.308
52 %
Forschungseinrichtungen
151
771
112.157
111.910
31 %
Hochschulen
473
1.046
39.709
39.709
11 %
5 %
Intermediäre
52
77
16.286
16.286
Sonstige
209
272
3.132
3.132
1 %
Gesamt
2876
5.125
481.661
359.345
100 %
Quelle: FFG.
28Siehe http://cordis.europa.eu/guidance/sic-codes_en.html
Forschungs- und Technologiebericht 2013
53
2 Die großen Förderagenturen des Bundes
Abb. 15: FFG-Förderung nach Technologiefeldern 2012
Barwert der FFG-Förderungen nach Technologiefeldern (in 1000 €)
Werkstofftechnik
Industrielle Fertigung
Energie
IKT
Elektronik, Mikroelektronik
Oberflächenverkehr & -technologien
Umwelt & Nachhaltigkeit
Biotechnologie
Innovation, Technologietransfer
ohne Zuweisung
Medizin, Gesundheit
Sicherheit
Bautechnik
Biowissenschaften
Sonstige Technologie
Messverfahren
Nanotechnologie & Nanowissenschaften
Luftfahrt & Weltraum
Regionalentwicklung
Wirtschaftliche Aspekte
Lebensmittel
Landwirtschaft
Mathematik, Statistik
Robotik/Automatisierung
Soziale Aspekte
Unternehmensaspekte
Information, Medien
Geowissenschaften
Gesetze, Vorschriften
Forschungsethik
Koordinierung, Zusammenarbeit
0
5.000
10.000
15.000
20.000
25.000
30.000
35.000
40.000
45.000
Quelle: FFG.
rung an – von Garantien und Krediten über Zuschüsse bis zu Eigenkapitalinstrumentarien. Je
nach Unternehmensphase und Finanzierungsanlass wird dabei ein Finanzierungsmix, der die
Verteilung von öffentlichem und privatem Risiko berücksichtigt, erarbeitet. Neben monetären
Leistungen werden begleitend Coachingmaßnahmen angeboten, die von spezifischen Schulungen
für High-Tech UnternehmensgründerInnen bis
hin zu IP-Beratung und Verwertung sowie Tech54
nologie- und Marktrecherchen reichen. Durch
eine stark wachstums- und innovationsorientierte Förderungslogik wird dadurch ein breites Themenspektrum von der Gründungsvorbereitung
über die Markteinführungsphase bis hin zu größeren Wachstumssprüngen, wie Internationalisierungen in späteren Unternehmensphasen, abgedeckt.
Tab. 9 gibt einen Überblick über die Förderleistungen im Jahr 2012 im Bereich der FinanzieForschungs- und Technologiebericht 2013
2 Die großen Förderagenturen des Bundes
Tab. 9: AWS-Förderungsleistung 2012
Förderungszusagen [Anzahl]
Gesamtprojektvolumen [Mio. €]
Förderungsleistung [Mio. €]
2012
2011
2012
2011
2012
2011
759
672
458,0
863,0
199,9
195,3
Kredite
1.068
1.044
1.454,2
445,0
558,2
530,4
Zuschüsse
2.567
2.305
1.643,2
1.066,0
103,5
101,5
5
7
20,8
35,0
11,2
19,2
4.399
4.028
*2.609,1
2.409,0
872,8
846,4
Garantien
Eigenkapital
Gesamtergebnis
Anm.: * Gesamtergebnis um Mehrfachzählungen bereinigt.
Quelle: aws.
rungsinstrumente. Allein über die monetären
Instrumente werden jährlich rund 4.000 Unternehmen und deren Wachstums- und Innovationsprojekte mit einem Gesamtvolumen von
mehr als 2,6 Mrd. € unterstützt. Die im Jahr 2012
mit allen Finanzierungsinstrumenten gemeinsam erbrachte Förderungsleistung beläuft sich
auf mehr als 872 Mio. €. Dies bedeutet eine Steigerung der Förderleistung um knapp 3,2 % gegenüber dem Vorjahr. Darüber hinaus unterstützen die Coaching- und Awarenessmaßnahmen
der aws die FTI-politische Zielsetzung der Bundesregierung, Wertschöpfung durch Technologieverwertung am Markt zu verwirklichen.
Mehr als ein Viertel der gesamten Förderleistung der aws entfiel 2012 mit rund 200 Mio. € auf
die Übernahme von Garantien, wobei die Internationalisierung innovativer österreichischer
Unternehmen einen Schwerpunkt bildete. Im
Kreditbereich wurde eine Nachfragesteigerung
von mehr als 5 % des Kreditvolumens auf 558
Mio. € deutlich, was darauf hindeutet, dass sich
die Investitionsbereitschaft österreichischer Unternehmen wieder erhöht. Zudem ist ein Trend
in Richtung größerer Projekte (mehr als 5 Mio. €
Gesamtinvestitionsvolumen pro Unternehmen)
erkennbar. Die Eigenkapitalinstrumentarien der
aws gewinnen angesichts von mangelndem privatem Risikokapital in Österreich, insbesondere
für wissensintensive Unternehmungen, zunehmend an Bedeutung. So wurden im Rahmen der
Venture Capital Initiative im Jahr 2012 drei Beteiligungen an (internationalen) Fonds eingeganForschungs- und Technologiebericht 2013
gen, die sich verpflichten, in österreichische
High- und Cleantech-Unternehmen zu investieren. Schlussendlich konnte die aws auch im Zuschusssektor eine leichte Steigerung verzeichnen.
Die aws agiert vorwiegend in der Rolle einer
„Finanzierungspartnerin“ für – aus Sicht und im
Verhältnis zur Finanzierungskraft des geförderten Unternehmens vergleichsweise große – Innovationsvorhaben. Substanzielle Finanzierungsbeiträge beruhen einerseits auf mittels Krediten
und Zuschuss ausgereichten Unterstützungen.
Andererseits entstehen sie durch Hebeleffekte
der eingesetzten Eigenkapital- und Garantieinstrumente, indem sie zusätzliche private Finanzierungsquellen eröffnen, wie z.B. kommerziell ausgereichte Kredite oder zusätzliches privates Eigenkapital.
In den aufgelegten Programmen zeigt sich bei
der Selektion förderungswürdiger Vorhaben eine
starke Innovationsorientierung der aws, wobei
über reine F&E-Aktivitäten hinausreichende Realinvestitionen einen bedeutenden Ansatzpunkt
bilden (siehe Abb. 16). Konsequenterweise liefern die umgesetzten Projekte maßgebliche Beiträge zum Wissenstransfer sowie zur wirtschaftlichen Verwertung und Diffusion kommerziell
tragfähiger Innovationen im unternehmerischen
Kontext. Aus der Durchführung der Innovationsprojekte selbst folgen wiederum substanzielle
Beiträge zu jenen Unternehmensstrategien, die
sowohl eine Realisierung von Wachstumschancen ermöglichen als auch eine Verbesserung der
55
2 Die großen Förderagenturen des Bundes
Abb. 16: Ansatzpunkte zur Förderung innovativer Investitionsprojekte
ANSATZPUNKTE DER AWS-FÖRDERUNG
VON INNOVATIVEN
INVESTITIONSPROJEKTEN
QUELLE: AWS/ERP-FONDS
DURCH PROJEKTE VERWIRKLICHTE
WACHSTUMS- & WETTBEWERBSSTRATEGIEN
Erstmaliger Aufbau von Angebotskapazitäten
K
A
P
A
Z
I
T
Ä
T
E
N
REALINVESTITION
Investitionszweck
Erweiterung oder Ausbau
an bestehendem Standort
Erweiterung bestehender Angebotskapazitäten
Modernisierung bestehender Angebotskapazitäten
(insbesondere Prozessinnovationen)
Senkung spezifischer Angebotskosten
(Ziel: Kostenführerschaft ggü. Konkurrenten)
Reine Ersatzinvestition
(nicht förderbar)
Gründung oder Ausbau
an neuem Standort
F
Ö
R
D
E
R
U
N
G
FINANZINVESTITION
(Beteiligung, Übernahme)
Verbesserungen von Qualität oder Design bereits
in der Vergangenheit angebotener Produkte
P
O
R
T
F
O
L
I
O
Diversifizierung & Erweiterung der Produktpalette
um (aus Unternehmenssicht) neue Produkte
Portfolioerweiterung um aus Branchensicht
echte Marktneuheiten (Innovationsgehalt sehr hoch)
Erreichen oder Absichern der Technologieführerschaft in spezifischen Segmenten
IMMATERIELLE INVESTITION
Investitionszweck
Forschung & Entwicklung
Personal & Organisation
(Kompetenzen, Wissen)
Schutz & externe
Verwertung immaterieller
Investitionen
Art der Umsetzung von F&E-Projekten
Unternehmensinternes
F&E-Projekt
F&E-Kooperationen
(Einzelprojekte, Allianzen)
A
B
S
A
T
Z
Beauftragung eines Dritten
mit F&E-Projekt
P
O
T
E
N
Z
I
A
L
E
Aufbau neuer Geschäftsfelder mit auf
absehbare Zeit substanziellem Umsatzanteil
Neupositionierung entlang der Wertschöpfungskette
zugunsten wertschöpfungsintensiver Aktiv.
Absicherung oder Ausweitung der Absatzmöglichkeiten
auf (neuen) internationalen Märkten
Quelle: aws.
Wettbewerbsposition der Fördernehmer bewirken.
Die FTI-politische Bedeutung des aws-Instrumentariums beruht nicht nur auf einem breit gewählten Ansatz zur finanziellen Unterstützung
von Innovationsvorhaben, sondern auch auf Programmen, die Lösungen für spezifische Problemlagen ausgewählter Zielgruppen bereitstellen.
Ein Kernstück der aws-Tätigkeit stellen Förderungsangebote dar, die – wie insbesondere PreSeed, Seedfinancing, Impulse und die Venture
Capital Initiative – bei technologie- und wissensintensiven Gründungsvorhaben die Chancen auf einen erfolgreichen Marktauftritt bereits
in frühen Phasen erhöhen (siehe Tab. 10).
56
Tab. 10: Übersicht der monetären aws-Programme zur
Steigerung der wissensintensiven Gründungen 2012
Projekte
[Anzahl]
2012
Gesamtprojektvolumen
[Mio. €]
Förderungsleistung
[Mio. €]
PreSeed
27
6,1
4,1
Seedfinancing
18
124,9
12,3
Management auf Zeit
3
12,0
0,1
Kreativwirtschaft (Impulse)
75
9,8
4,6
Venture Capital Initiative (VCI)
5
32,6
16,3
128
185,4
37,4
Summe
Quelle: aws.
Im Zusammenhang mit Angeboten, die auf spezifische Zielgruppen fokussieren, wurden zusätzForschungs- und Technologiebericht 2013
2 Die großen Förderagenturen des Bundes
lich wirkungserhöhende Instrumente entwickelt: Das Angebot an monetären Unterstützungen findet Ergänzungen um Coaching- und Vermittlungsdienstleistungen, welche die Fördernehmer von der Ideenfindung über Konzeption,
Planung und Implementierung bis hin zur Verwertung von Projektergebnissen unterstützen
(siehe Tab. 11).
Tab. 11: Übersicht zu Awareness-, Coaching- und Vermittlungsdienstleistungen sowie Schulungsmaßnahmen 2012
2012
Awareness- und Coaching-Dienstleistungen
Projekte
[Anzahl]
Jugend Innovativ – Wettbewerb
539
Staatspreis Innovation
627
Businessplan Wettbewerb – Best of Biotech (BOB)
Intellectual Property (IP) – Beratung und Verwertung
aws-Bonitätsanalyse
Summe
Vermittlungsdienstleistungen
Business Angels – Börse (I²)
TeilnehmerInnen Schulungs- und Ausbildungsmaßnahmen
Life Science
Kreativwirtschaft
Summe
80
237
6
1.489
178
310
855
1.165
Quelle: aws.
Die Betreuungsintensität ist in der Vorgründungs- und Gründungsphase besonders hoch und
nimmt mit der zunehmenden Etablierung im
Unternehmenslebenszyklus ab. Genau daran orientieren sich die Awareness- und Coachingange-
Forschungs- und Technologiebericht 2013
bote der aws. Beginnend von Maßnahmen zur
Steigerung des „entrepreneurial spirit“ etwa
durch Jugend Innovativ, den SchülerInnenwettbewerb, bei dem 2012 539 Projektideen eingereicht wurden, oder auch den Businessplan Wettbewerb BOB (Best of Biotech), an dem 2012 80
Projekte teilgenommen haben, und nicht zuletzt
durch den Staatspreis Innovation setzen die
nicht-monetären Unterstützungsleistungen vor
allem in der Gründungsphase von wissensintensiven Unternehmen an. Speziell auf die Wachstumsfelder Life Sciences und Kreativwirtschaft
abgestimmt werden für Start-ups spezifische
Ausbildungsmodule angeboten, die 2012 von insgesamt 1.165 Personen angenommen wurden.
Das Coaching erstreckt sich für Start-ups und
KMU auch auf den Aufbau, die Nutzung und die
Verwertung von geistigem Eigentum (IP). Die
aws bietet daher KMU gemeinsam mit dem Österreichischen Patentamt das Service „discover.
IP“ an, um das Wissen österreichischer Kleinund Mittelunternehmen über die optimale Nutzung ihres geistigen Eigentums zu fördern und zu
vertiefen. Gemeinsam mit IP-Verwertungsberatungen der aws wurden 2012 diese Leistungen
von 237 Unternehmen in Anspruch genommen.
Einschlägige Maßnahmen wurden im Jahr
2012 auch bei der Dienstleistungsorientierung
gegenüber den Förderansuchenden gesetzt. So
konnte die Zeitspanne von der Einreichung bis
zum Vertragsabschluss um ein Drittel reduziert
werden.
57
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
Kein Sektor ist stets so vielen mannigfaltigen
Veränderungen ausgesetzt wie der Hochschulsektor. So wurden mit dem Hochschulplan und
der Hochschulkonferenz neue wichtige Governance-Instrumente für die Koordination und
Steuerung des gesamten österreichischen Hochschulraums geschaffen, die Leistungsvereinbarungen 2013 bis 2015 mit den Universitäten abgeschlossen und im Zuge dessen die Hochschulstrukturmittel eingeführt sowie die laufende
Umsetzung des neuen Kollektivvertrages für die
ArbeitnehmerInnen an den Universitäten evaluiert. Darüber hinaus wurde eine sektorenübergreifenden Agentur für Qualitätssicherung und
Akkreditierung Austria, die AQ Austria, etabliert und die Österreichische Akademie der Wissenschaften neu positioniert. Nicht nur national,
sondern auch international zieht – alle wissenschaftlich tätigen Institutionen betreffend – das
Thema Open Access mit dem Ziel, wissenschaftliche Publikationen im Internet weitgehend öffentlich zugänglich zu machen, große Aufmerksamkeit auf sich und findet sich bereits jetzt in
verschiedensten Ansätzen von Maßnahmen und
Initiativen hochschulpolitischer Akteure wieder.
3.1Hochschulplan und Hochschulkonferenz als
neue Governance-Instrumente für den österreichischen Hochschulraum
Die im Jahr 2011 eingeleitete Entwicklung des
Hochschulplans ist ein wichtiges wissenschaftsund bildungspolitisches Vorhaben mit dem Ziel,
durch abgestimmte Kooperation, Profilbildung
und der Bündelung von Ressourcen die höchste
Qualität von Forschung und Lehre sicherzustellen. Die zunehmende Ausdifferenzierung der Akteure, die Internationalisierung der Forschung,
58
veränderte Finanzierungssysteme, Initiativen
und Politiken auf europäischer Ebene und ambitionierte forschungspolitische Ziele erfordern,
dass sich die Hochschulpartner und die Politik
abstimmen und durch die Bündelung von Ressourcen Profile geschärft und weiterentwickelt
werden. Ein erster Hochschulplan – dieser versteht sich als rollierend weiterzuentwickelndes
Planungsinstrument – wurde im Dezember 2011
präsentiert und war Ergebnis der Arbeiten und
Abstimmungsprozesse zwischen der Universitätenkonferenz, der Fachhochschulkonferenz, der
Senate der Universitäten, des Wissenschaftsrates, einer internationalen ExpertInnengruppe
und des Bundesministeriums für Wissenschaft
und Forschung (BMWF). Der Hochschulplan
stützt sich auch auf Ergebnisse des Hochschuldialogs des BMWF und einen ExpertInnenbericht
von drei international renommierten HochschulforscherInnen.
Um die Realisierung der im Hochschulplan
formulierten Ziele zu unterstützen und die koordinierenden Maßnahmen umzusetzen, wurde im
Frühjahr 2012 die Hochschulkonferenz konstituiert. Es handelt sich dabei um ein koordinierendes und beratendes Gremium, das Stellungnahmen zu wichtigen wissenschaftspolitischen Themen erarbeitet, Problembereiche priorisiert und
Empfehlungen und Lösungsvorschläge als Input
für den Hochschulplan und den Bundesminister
einbringt. Die Hochschulkonferenz besteht aus
Mitgliedern des BMWF, der Universitätenkonferenz, der Fachhochschulkonferenz, des Wissenschaftsrates, den Senaten der Universitäten sowie
der Hochschülerschaft. Sie hat sich am 03.05.2012
konstituiert und seitdem im Rahmen von unterschiedlichen Arbeitsgruppen kontinuierlich Fragestellungen bearbeitet, um akkordierte PositioForschungs- und Technologiebericht 2013
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
nen zwischen allen Akteuren zu gewinnen. Die
Hochschulkonferenz folgt dabei dem Prinzip einer partnerschaftlichen Auseinandersetzung
zwischen den Hochschulen und ihren Interessensgruppen. Die Koordination zwischen den Arbeitsgruppen der Hochschulkonferenz erfolgt
über das Generalsekretariat des Ministeriums
und einer dafür eingerichteten Geschäftsstelle.
Im Sinne einer breiteren Kommunikation und
Abstimmung mit anderen Interessensgruppen ist
vorgesehen, dass andere Akteure, wie Ministerien, Forschungsförderungsfonds, Forschungsgesellschaften,
UniversitätslehrerInnenverband
oder die Landeshauptleutekonferenz, Stellungnahmen zu wichtigen Themen einbringen. Die
Hochschulkonferenz ist nicht gesetzlich formalisiert, nimmt jedoch eine wichtige Position in der
Governance der österreichischen Hochschulen
ein. Sie realisiert die Vorstellungen moderner
Governancekonzepte, die postulieren, dass die
Möglichkeiten zentraler politischer Steuerung
des Hochschulsystems vor dem Hintergrund der
größeren Autonomie, aber auch dem gestiegenen
Wettbewerb zwischen den Hochschulen, limitiert sind und eine Abstimmung zwischen den
einzelnen Akteuren erforderlich ist. Eine wichtige Leitmaxime des Hochschulplans und somit
auch der Hochschulkonferenz ist die Förderung
der Differenzierung und Profilbildung sowie die
Kooperation bei gleichzeitiger Wahrung der Autonomie der Akteure. Die Etablierung der Hochschulkonferenz als koordinierende Instanz kann
demzufolge als wichtige Weiterentwicklung des
österreichischen Wissenschafts- und Universitätssystems verstanden werden.
Im Rahmen der Erstellung des Hochschulplans wurden verschiedene Arbeitsgruppen gebildet und vier wesentliche Themen bearbeitet:
• Koordinierungsmaßnahmen
• Studienplatzfinanzierung
• Bauleitplan
• Forschungsinfrastrukturplan
Für die Umsetzung des Ziels einer besseren Koordination der nationalen Hochschulpolitik wurde,
wie oben angeführt, das Koordinierungsgremium
Forschungs- und Technologiebericht 2013
der Hochschulkonferenz etabliert. Unter Einbeziehung wichtiger Akteure des Hochschulraums
werden seit 2011 zentrale Fragestellungen für die
Hochschulentwicklung diskutiert. Die Koordination im Bereich Profilbildung, Lehre und Forschung ist dabei die zentrale Herausforderung.
Sowohl im Bereich der Schwerpunktbildung in
der Forschung als auch bei der Planung des Fächerangebots ist hier eine Abstimmung und ein
Abgleich zwischen den Universitäten und im Besonderen auch zwischen den Standorten notwendig.
Die Einführung der Studienplatzfinanzierung
ist ein prioritäres Ziel der nationalen Hochschulpolitik und ein wichtiges Vorhaben im aktuellen
Regierungsprogramm. Im Rahmen des Hochschulplans wurden erste Eckpunkte eines derartigen Modells durch eine von Universitätenkonferenz und BMWF beschickte Arbeitsgruppe definiert. Mit dem Ende 2012 publizierten Entwurf
zur kapazitätsorientierten studierendenbezogenen Universitätsfinanzierung hat der Gesetzgeber nach einer einjährigen Verhandlungsphase
der Regierung erste Konkretisierungen des Modells vorgenommen und nun dessen Umsetzung
in die Wege geleitet. Ziel ist eine transparente,
sowie stärker als bisher auf Qualität und Kapazität hin ausgerichtete Gestaltung der Finanzierung der Universitäten. Die Finanzierung der
Universitäten soll demzufolge zukünftig auf Basis von drei separaten Finanzierungsströmen erfolgen: Das Globalbudget wird sich zukünftig aus
einem Teilbetrag für Lehre, einem Teilbetrag für
Forschung und einem Teilbetrag für Infrastruktur und klinischen Mehraufwand zusammensetzen. Damit folgt Österreich dem internationalen
Trend der Trennung der Finanzierung von Forschung und Lehre. Entsprechend einem speziell
für Österreich entwickelten Modell stellt die Anzahl der angebotenen und betreuten Studienplätze, gewichtet nach Fächergruppen, dabei das wesentliche Kriterium für die Finanzierung der Lehre, aber auch einen Indikator für die Finanzierung
der Forschung dar. Dabei wird diejenige Forschung, die zur Aufrechterhaltung der Qualität
der forschungsgeleiteten Lehre erforderlich ist,
59
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
auf Basis der Anzahl der Studienplätze bemessen
und als Forschungszuschlag bezeichnet. Ein derartiges Modell wird auf internationaler Ebene
beispielsweise auch von der Schweiz umgesetzt.
Zusätzlich gibt es sowohl für die Lehre als auch
für die Forschung eine strategische Komponente.
Für die Finanzierung der universitären Forschung
sollte zusätzlich ein Subbetrag auf Basis eines
wettbewerbsorientieren
Forschungsindikators
dotiert werden.
Die Umsetzung bis zum Vollausbau ist in
mehreren Phasen, entsprechend den gesetzlichen
und budgetären Rahmenbedingungen, bis zum
Jahr 2021 geplant. Der erste Schritt erfolgt mit
der schrittweisen Optimierung der Studienbedingungen, die mit der Möglichkeit von Zugangsregeln in fünf besonders stark nachgefragten Studienfächern und der zusätzlichen Schaffung von
95 ProfessorInnenstellen in diesen Studienfeldern einhergeht.
Im Rahmen des Bauleitplans wurden für die
drei Planungsregionen Ost, Süd und West wichtige Bauvorhaben priorisiert. Der Bauleitplan legt
die Abfolge des Baugeschehens an den 22 staatlichen Hochschulen und der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften fest. Diese abgestimmte Gesamtplanung diente auch als Vorlage
für die Leistungsvereinbarungen.
Mit Hilfe des Forschungsinfrastrukturplans
sollen Investitionen in Großforschungsinfrastruktur geplant und abgestimmt werden. Dabei
wird eine Prioritätensetzung für die Finanzierung
und den Ausbau der kostenintensiven Forschungsinfrastruktur vorgenommen. In diesem
Zusammenhang kann auch auf die in den Jahren
2011 und 2012 durchgeführte systematische Erfassung der gesamten Forschungsinfrastruktur
an österreichischen Universitäten mit einem
Anschaffungswert von mehr als 100.000 € hingewiesen werden, die eine wichtige Basis für die
Entwicklung einer ForschungsinfrastrukturRoadmap liefert.
Die Förderung der Internationalisierung ist ein
weiteres wichtiges Ziel des Hochschulplans und
wird als Querschnittthema verstanden. Im Hochschulplan wurde die Entwicklung von Internatio60
nalisierungsstrategien an allen Universitäten als
wichtige Maßnahme definiert. Derartige Strategien müssen internationale, nationale als auch regionale Entwicklungen in Einklang bringen und
strategische Partnerschaften zwischen Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen
und der Wirtschaft bündeln. Um sich erfolgreich
an internationalen und europäischen Initiativen,
Programmen und Netzwerken zu beteiligen, ist
eine Abstimmung unter den nationalen Akteuren
notwendig. In diesem Zusammenhang empfiehlt
der Hochschulplan ebenfalls die Formulierung
von regionalen Spezialisierungsstrategien, international auch als „Smart Specialisation“ bezeichnet. Erklärtes Ziel ist es, dass die Hochschulen
und außeruniversitären Forschungseinrichtungen
im Hinblick auf die zukünftige Ausrichtung der
EU-Forschungspolitik in enger Kooperation mit
den jeweiligen regionalen Kontaktstellen der Förderungsagenturen regionale Spezialisierungsstrategien entwickeln. Ferner wird in diesem Zusammenhang im Hochschulplan angeregt, dass Forschungsservicestellen verstärkt ausgebaut werden
sollen, auch um Projektmanagementaktivitäten
von (international und europäisch finanzierten)
Drittmittelprojekten zu übernehmen und zu professionalisieren.
Die Notwendigkeit einer verstärkten Abstimmung auf regionaler Ebene demonstrieren auch
die ins Leben gerufenen Hochschulkonferenzen
der Bundesländer (derzeit in Tirol, Steiermark,
Burgenland und Salzburg), deren Zielsetzungen
jener der Hochschulkonferenz des Bundes entsprechen, wie z. B. die Abstimmung inhaltlicher
Positionierungen und die Förderung von Kooperationen unter Beibehaltung eigenständiger Profile. So soll z.B. in der Steiermark der Ressourceneinsatz des gemeinsamen Forschungs- und
Lehrraums optimiert und die Infrastruktur bestmöglich genutzt werden. Auch im Bereich der
Intellectual Property Rights und der Forschungsservices soll zukünftig verstärkt zusammengearbeitet werden.
Mit dem Hochschulplan und der Hochschulkonferenz wurden 2011 und 2012 wichtige politische Zielsetzungen und Positionen des zustänForschungs- und Technologiebericht 2013
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
digen Ressorts definiert. Die Abstimmung bei
der Profil- und Schwerpunktsetzung im Bereich
Forschung, die Erstellung eines Forschungsinfrastrukturplans sowie Maßnahmen zur Einführung
einer neuen Universitätsfinanzierung können an
dieser Stelle als besonderes relevant für die weitere Entwicklung des österreichischen Forschungs- und Innovationsstandorts charakterisiert werden. Die im Rahmen des Hochschulplans erarbeiteten Ziele und Strategien lieferten
eine wichtige Basis für die Ausarbeitung der Leistungsvereinbarungen für die Jahre 2013 bis 2015.
Die Leistungsvereinbarungen sind eines der zentralen Instrumente zur Umsetzung von Hochschul- und wissenschaftspolitischen Zielsetzungen auf Basis von budgetären Anreizmechanismen. Auf die im Jahr 2012 zwischen dem BMWF
und den Universitäten abgeschlossenen Leistungsvereinbarungen wird im Folgenden eingegangen.
3.2Die Finanzierung der Universitäten in den
Jahren 2013 bis 2015
Die Finanzierung der Universitäten für die Jahre
2013 bis 2015 ist durch zwei wesentliche Merkmale geprägt. Zum einen gehen die Universitäten eine neue dreijährige Leistungsvereinbarungsperiode ein, zum anderen wird das formelgebundene Budget durch das neue Instrument
der Hochschulraum-Strukturmittel abgelöst. Im
Folgenden werden zunächst die wesentlichen
Schwerpunkte und forschungspolitischen Strategien, die in den Leistungsvereinbarungen definiert wurden, beschrieben. Dabei wird im Besonderen auf die Schaffung kritischer Größen durch
nationale Kooperationen, auf Schwerpunktsetzungen im Bereich Forschung und auf den Ausbau der Großforschungsinfrastruktur eingegangen. Wenngleich die Bereitstellung von qualifizierten AbsolventInnen zweifelsohne einen
wichtigen Beitrag für den Forschungs-, Innovations- und Wirtschaftsstandort Österreich darstellt, soll auf die Entwicklungen im Bereich
Lehre und Weiterbildung im Forschungs- und
Technologiebericht nicht detaillierter eingeganForschungs- und Technologiebericht 2013
gen werden. Auf Basis der Leistungsvereinbarungen der öffentlichen Universitäten soll schließlich der Frage nachgegangen werden, i) wie weit
österreichische Universitäten bei der Profilbildung fortgeschritten sind, ii) welche grundsätzlichen Strategien eingeschlagen werden und iii) in
welchem Umfang Forschungsschwerpunkte definiert werden.
3.2.1Abschluss der Leistungsvereinbarungen
2013 bis 2015
Die Leistungsvereinbarungen wurden mit dem
UG 2002 eingeführt und sind das zentrale Instrument für die Finanzierung und Steuerung der österreichischen öffentlichen Universitäten. Mit
Hilfe der Leistungsvereinbarungen werden über
eine Periode von drei Jahren Globalbudgets für
Universitäten allokiert, deren Höhe an Ziele und
Leistungen gekoppelt sind. 2012 erfolgten die
Verhandlungen für die dritte Leistungsvereinbarungsperiode 2013 bis 2015. Als Ende April die
Entwürfe von Seiten der Universitäten vorlagen,
erfolgte eine erste Verhandlungsrunde und eine
schriftliche Stellungahme von Seiten des zuständigen Ressorts. Dazu wurden für die von den
Universitäten formulierten Vorhaben und Ziele
quantitative Analysen und Bewertungen vom
BMWF durchgeführt. Bis Ende Dezember konnten mit allen Universitäten die Verhandlungen
erfolgreich finalisiert werden. Der Abschluss der
neuen Leistungsvereinbarungen baute auch auf
den Erfahrungen der beiden ersten Leistungsvereinbarungen auf, berücksichtigte Empfehlungen
des Rechnungshofes und des Österreichischen
Wissenschaftsrates und erfolgte auf Grundlage
eines adaptierten Verhandlungsleitfadens.
Der Hochschulplan, aber auch die FTI-Strategie des Bundes stellen den zentralen strategischen Rahmen von Seiten des BMWF für die
Steuerung der Universitäten dar. Die wichtigsten
Ziele und Themen im Bereich Forschung für das
Ministerium waren, i) die Fortführung der
Schwerpunkt- und Profilbildung, ii) die Intensivierung der Kooperationen, iii) der Ausbau der
Internationalisierung, iv) der strategische Aus61
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
bau der Forschungsinfrastruktur sowie v) die
weitere (quantitative oder qualitative) Entwicklung der Drittmitteleinwerbung. Weiterhin waren hochschulpolitische Vorgaben die verstärkte
Koordinations- und Kapazitätsorientierung, die
im Lichte des Hochschulplans und der zukünftigen studierendenbezogenen Steuerung und Finanzierung eine zusätzliche Abstimmung zwischen den Akteuren erfordert. Beinahe alle Universitäten nehmen bei angestrebten Zielen und
Maßnahmen folglich auch explizit zum Österreichischen Hochschulplan Bezug.
Die Formulierung der Leistungsvereinbarungen von Seiten der Universitäten war begleitet
durch die Erstellung bzw. Adaptierung der Entwicklungspläne. Diese bilden die Grundlage für
die Erstellung der Leistungsvereinbarungsentwürfe durch die Universitäten.
Schwerpunkte und Strategien im Bereich Forschung
Die Bündelung und Ausrichtung der Forschungstätigkeiten auf Forschungsschwerpunkte ist ein
wichtiges und längerfristiges Ziel der Hochschulund Forschungspolitik. Die Schwerpunkt- und
Profilentwicklung ist dabei ein Vorhaben, das besondere Kompetenzen der österreichischen Universitäten bzw. Fakultäten stärken soll. Universitäten sollten dabei von ihren Ressourcen ausgehen und festlegen, worin ihre besonderen Stärken
liegen und was sie an vorhandenen Kapazitäten
ausbauen können, sodass sie nachhaltig in der
Scientific Community und am Forschungsmarkt
reüssieren können bzw. als einzigartig gesehen
werden. Bereits im Rahmen der Erstellung der
ersten Entwicklungspläne und Leistungsvereinbarungen in den Jahren 2004 und 2005 begannen
Universitäten mit der Formulierung von Forschungsschwerpunkten. Mit Beginn 2006 hatten
alle öffentlichen Universitäten auf Ebene der Fakultäten bzw. Departments Forschungsschwerpunkte formuliert und ein Großteil der Hochschulen hatte auch bereits auf gesamtuniversitärer Ebene gemeinsam prioritär zu bearbeitende
Forschungsthemen definiert. Die gesamtuniversitären „Forschungsschwerpunkte“ werden von
62
den Universitäten explizit als Forschungsschwerpunkte (z.B. Universität Innsbruck), aber auch
als Forschungscluster (z.B. Medizinische Universität Wien), Forschungsfelder (Medizinische Universität Graz), Fields of Expertise (Technische
Universität Graz), Kompetenzfelder (z.B. Universität für Bodenkultur), Profillinien (z.B. Veterinärmedizinische Universität Wien) oder Profilschwerpunkte (Universität für künstlerische und
industrielle Gestaltung Linz) bezeichnet. Zusätzlich haben einige Universitäten auch noch Forschungsplattformen oder Forschungszentren definiert, an denen mehrere Fakultäten gemeinsam
beteiligt sind. Insgesamt zeigt sich, dass die als
Forschungsschwerpunkte bezeichneten Forschungsthemen häufig enger definiert sind, während Kompetenzfelder, Forschungscluster oder
Forschungsfelder breiter gefasst sind. Für die
vollständige Liste aller von den Universitäten
verfolgten Forschungsschwerpunkte auf gesamtuniversitärer Ebene siehe auch Anhang III.
Der Prozess der Schwerpunktbildung war und
ist für die Universitäten ein herausfordernder und
teilweise schwieriger Prozess, gilt es doch, über
Instituts-, Fakultäts- und Disziplinengrenzen
hinweg gemeinsame Themen zu definieren und
dabei auch angestammte Pfade zu verlassen. Die
Schwerpunkte bzw. Themenfelder haben im Allgemeinen fast immer einen interdisziplinären
Charakter. Damit versuchen die Universitäten
die optimale Kombination aus erfolgreicher Einzelforschung, fakultären Forschungsschwerpunkten, interfakultären Forschungsschwerpunkten
und universitären Schwerpunkten zu finden.
Universitäten stehen dabei in einem Spannungsfeld: Sie wollen und müssen sich einerseits auf
ausgewählte Forschungsthemen konzentrieren,
wollen aber anderseits die notwendige Breite für
innovative Entwicklungen aufrechterhalten. Dabei ist die fachliche Breite vor allem für kleinere
Universitäten zur Realisierung der forschungsgeleiteten Lehre notwendig, wie dies etwa die Universität Linz bekräftigt. Zugleich liegt die Einsicht vor, dass in der Vielfalt auch eine Stärke
liegt und neue innovative Forschungsfelder vor
allem durch die Vernetzung von unterschiedliForschungs- und Technologiebericht 2013
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
chen Disziplinen entstehen. Die Universität Graz
bekennt sich in diesem Zusammenhang etwa zur
Methoden- und Themenvielfalt, definiert aber
zugleich in den Kernbereichen ihrer Wissenschaftsdisziplinen
Forschungsschwerpunkte.
Auch die Universität Wien betrachtet die auf disziplinärer Exzellenz beruhende interdisziplinäre
Forschung im besonderen Maße profilbildend. Interdisziplinäre Forschung wird dabei als etwas
verstanden, das – immer basierend auf hochqualifizierter disziplinärer Forschung – innerhalb einer
Fakultät, zwischen den Fakultäten bzw. Zentren
oder in der Zusammenarbeit zwischen Universitäten und außeruniversitärer Forschungseinrichtungen erfolgt. Dies illustriert die allgemeine
Her­ausforderung für Universitäten, die geeignete
Balance zwischen Differenzierung und Fokussierung zu finden. In diesem Zusammenhang weisen
einige Universitäten auch auf ihre einzigartige
Kombination von Fächern hin, so hebt etwa die
Universität für Bodenkultur die Verknüpfung von
Natur-, Ingenieur- sowie Sozial- und Wirtschaftswissenschaften hervor oder die Universität Linz
die Verschränkung der Natur-, Ingenieur-, Sozial-,
Wirtschafts- und Rechtswissenschaften.
Im Rahmen der rollierenden Entwicklungsplanung und der neu verhandelten Leistungsvereinbarung zeigt sich nun, dass beinahe alle österreichischen Universitäten explizit gesamtuniversitäre „Forschungsschwerpunkte“ definiert haben,
die – neben anderen forschungsstrategischen Zielen der Universitäten – prioritär entwickelt werden sollen. So haben etwa die Wirtschaftsuniversität Wien oder die Universität Klagenfurt 2012
ihren internen Schwerpunktbildungsprozess erfolgreich abgeschlossen; letztere hat die “Profilbildung durch fakultätsübergreifende Forschungsthemen“ als Vorhaben in der Leistungsvereinbarung definiert und will hierfür Koordinationsmechanismen etablieren.
Insgesamt handelt es sich bei der Profil- und
Schwerpunktbildung jedoch um einen kontinuierlichen Prozess. So waren in den letzten Jahren
einige Universitäten bestrebt, die Anzahl der Forschungsschwerpunkte zu reduzieren, eine Erwartung, die teilweise auch von den UniversitätsräForschungs- und Technologiebericht 2013
ten eingefordert wurde. So hat etwa die Technische Universität Graz in den vergangenen Jahren
die Anzahl der Forschungsschwerpunkte, dort
auch Fields of Expertise genannt, von sieben auf
fünf reduziert und vermarket diese auch als „Fingerprint“ der Universität. Die Universität Linz
fokussiert sich von vormals acht auf nun sechs
sogenannte Exzellenzschwerpunkte. In diesem
Prozess werden in manchen Fällen auch inhaltlich verwandte Themen stärker gebündelt. Einige Universitäten (Bsp. Medizinische Universität
Graz) sprechen indes explizit davon, dass keine
Zusammenlegung von Forschungsschwerpunkten vorgenommen wurde oder zukünftig geplant
ist. Zugleich haben fallweise Universitäten neue
vielversprechende Themen als zukünftig prioritär zu verfolgen definiert. So möchte die Montanuniversität Leoben in den nächsten Jahren die
Energietechnik verstärkt ausbauen und das
„Zentrum am Berg“ – ein Forschungs-, Sicherheits- und Ausbildungszentrum unter realen Betriebsbedingungen für Fachgebiete wie Geotechnik, Rohstoffgewinnung, Berg- und Tunnelbau
oder Petroleum Engineering – realisieren. Die
Wirtschaftsuniversität will zukünftig den neuen
Schwerpunkt „Global Transformations and Sustainability: People, Businesses and Policies“ –
hier als Ausbaubereich bezeichnet – neu etablieren und entwickeln. Die Medizinische Universität Innsbruck plant, den neuen Forschungsschwerpunkt „Genetik, Epigentik, Genomik“ zu
forcieren und argumentiert etwa, dass erfolgreiche GEN-AU Projekte dazu beigetragen haben,
dieses Thema auszubauen. Die Veterinärmedizinische Universität Wien will den Forschungsschwerpunkt „Tierverhalten und Mensch-TierBeziehung“ etablieren. Die Definition derartiger
Forschungsschwerpunkte erfolgt etwa bei der
Medizinischen Universität Innsbruck nach besonders stringenten Kriterien, wie die Anzahl der
bereits vorhandenen Publikationen im Themengebiet, die am Thema beteiligten WissenschaftlerInnen und die Möglichkeiten, erfolgreich Drittmittel einzuwerben.
Große Anstrengungen unternehmen die Universitäten auch, um die gesamtuniversitären
63
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
Schwerpunkte nachhaltig zu verankern und auszubauen. Dazu zählen die Ernennung von Koordinatoren, die zusätzliche Finanzierung aus universitären Mitteln, die Nachbesetzung bestehender und Schaffung neuer Professuren in den Forschungsschwerpunkten, der Aufbau von Doktoratskollegs, der Ausbau von Postdoc-Programmen sowie die Förderung einer gezielten internationalen Publikationsstrategie. Einzelne Universitäten haben die in den frühen Phasen noch
häufig sehr allgemein abgegrenzten Themen weiter spezifiziert und mit den Strategien der sich
beteiligenden Institute oder Fakultäten akkordiert. Die Technische Universität Wien spezifiziert in diesem Zusammenhang etwa die „TU
Forschungsmatrix“. Die Weiterentwicklung des
gesamtuniversitären Schwerpunktbildungsprozesses ist entsprechend häufig als explizites Vorhaben innerhalb der Leistungsvereinbarungen
definiert.
Insgesamt wurden von den Universitäten vielfach erste Analysen, Bewertungen und Evaluierungen der verfolgten Schwerpunkte durchgeführt. So werden etwa von den Medizinischen
Universitäten die Anzahl der Publikationen und
sogar der Zitationen auf Ebene der einzelnen Forschungsschwerpunkte ausgewertet. Aber auch
Drittmitteleinnahmen (wie z.B. FWF, Sonderforschungsbereiche, EU-Projekte, COMET) und die
Etablierung von strukturierten Doktoratsprogrammen bzw. Graduiertenkollegs werden als
wichtig erachtet. Die Einwerbung von Drittmitteln im Bereich der Forschungsschwerpunkte
wird dabei als Indikator für den Erfolg eines Forschungsschwerpunktes gewertet. Einige Universitäten verfolgen auch eine Strategie, bei der mittelfristig erfolgreiche Schwerpunkte oder Plattformen längerfristig institutionalisiert werden,
etwa in Form von Forschungszentren.
Gleichzeitig wollen die Universitäten neue
riskantere Themen abseits der definierten Forschungsschwerpunkte fördern. An der Universität Graz wird etwa in diesem Zusammenhang
argumentiert, dass das Forschungsprofil von Universitäten zu Recht auf bestehenden Stärken aufbaut und dazu kritische Massen gebildet werden.
64
Es wird jedoch argumentiert, dass es für Universitäten unerlässlich ist, Freiräume zu schaffen, in
denen Forschung, die vollkommen neue Wege
beschreitet und sich abseits des Etablierten entwickelt, entstehen kann. Ziel ist es entsprechend
an der Universität Graz, die Entwicklung von
„radikal (im Sinne von unorthodoxen) innovativen Forschungsansätzen“ zu fördern, vor allem
durch die Bildung von interdisziplinären Teams
aus verschiedenen Wissenschaftskulturen.
Neben der expliziten Forcierung der Profilentwicklung sind die Erhöhung des Drittmittelanteils, die Erhöhung der Anzahl der Publikationen, der Ausbau der Doktoratsprogramme und
die weitere Internationalisierung wichtige Vorhaben, die in den Leistungsvereinbarungen definiert wurden. Hier wurden auch konkrete Zielwerte innerhalb der Leistungsvereinbarungen
festgelegt. Zur quantitativen oder qualitativen
Weiterentwicklung der Drittmittel haben Universitäten Drittmittelstrategien definiert, auch
in Zusammenhang mit der Internationalisierung
und dem Verweis auf die Bedeutung der EU-Forschungsrahmenprogramme
und
Horizon
2020. Die Wirtschaftsuniversität Wien will in
diesem Zusammenhang die Schaffung einer eigenen EU-Stelle zur weiteren Professionalisierung
der Forschungsservices etablieren und finanzielle Mittel (Matching Grants) zur Unterstützung
der Anbahnung und Abwicklung großer EU-Projekte zur Verfügung stellen.
Des Weiteren zeigt die Analyse der neuen Entwicklungspläne und Leistungsvereinbarungen,
dass die Ausrichtung der Forschung zur Lösung
gesellschaftlicher Herausforderungen an Bedeutung gewinnt. Die EU hat hierfür den Begriff der
„Grand Challenges“ definiert, der bereits vielfach innerhalb der neuen Strategiedokumente
der Hochschulen rezipiert wird. Die Universität
Wien argumentiert in diesem Zusammenhang
etwa: „Die Europäische Kommission wird im
kommenden Rahmenprogramm „Horizon 2020“
ein verstärktes Augenmerk auf die Förderung
von Forschungsaktivitäten setzen, die sich mit
großen gesellschaftlichen Herausforderungen
beschäftigen. Auch deshalb ermutigt die UniForschungs- und Technologiebericht 2013
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
versität Wien ihre WissenschafterInnen dazu,
sich verstärkt an Projekten in diesen Bereichen
zu beteiligen und hat bereits beachtliche Vorarbeiten in entsprechenden Gebieten vorzuweisen.“ Dabei wird auch die Ausrichtung auf gesellschaftliche Problemstellungen als profilbildend angesehen. Um die gesellschaftlichen Herausforderungen zu adressieren, formuliert die
Universität für Bodenkultur Wien etwa das
„Drei-Säulen-Modell“ – Naturwissenschaften,
Technik sowie Sozial- und Wirtschaftswissenschaften – in Lehre und Forschung, das eine umfassende Bearbeitung gesellschaftsrelevanter Problemstellungen ermöglichen soll.
Strategien im Bereich Kooperation, Forschungs­
infrastruktur und Internationalisierung
Neben der Schwerpunktbildung auf universitärer
Ebene ist es ein wichtiges forschungspolitisches
Ziel von Seiten des BMWF, die Kooperation und
Abstimmung der Forschungstätigkeiten zwischen den Universitäten zu fördern. Ein weiterer
Kernpunkt für die Verhandlungen von Seiten des
Ministeriums war eine stärkere strategische
Steuerung bei der Planung von Investitionen in
Forschungsinfrastruktur und eine entsprechende
Abstimmung zwischen den Universitäten. In der
Leistungsvereinbarung 2013 bis 2015 mussten
die Universitäten vor diesem Hintergrund – auch
erstmals in einem eigenen Unterabschnitt im
Kapitel Forschung – ihre Investitionen in nationale und internationale Großforschungsinfrastruktur planen und den Bezug zur Forschungsstrategie darstellen. Beide Ziele sind, wie oben
angeführt, zentrale Vorgaben und Empfehlung
des Hochschulplans.
Die Kooperation im Bereich der Forschung
zwischen den heimischen Universitäten wurde
in den letzten Jahren sukzessive ausgebaut und
war teilweise auch durch die Notwendigkeit vorangetrieben, eine immer investitions- und
kosten­
intensivere Forschungsinfrastruktur gemeinsam zu nutzen. Infrastrukturen werden zunehmend kooperativ genutzt; die Universitäten
sprechen von fakultärer, interfakultärer und
Forschungs- und Technologiebericht 2013
inter­
universitärer gemeinsamer Nutzung von
Forschungsinfrastrukturen. So nennt etwa die
Universität Wien in diesem Zusammenhang je
ein Beispiel und führt aus, dass das Massenspektrometriezentrum gemeinsam von allen Instituten der Fakultät Chemie genutzt wird, das NMRSpektroskopie-Zentrum in Kooperation zwischen der Fakultät für Chemie und Lebenswissenschaften und das Fakultätszentrum Nano­
strukturforschung nicht nur von der Fakultät für
Physik und Chemie, sondern auch in Kooperation mit der Technischen Universität Wien und
der Universität für Bodenkultur genutzt wird.
Bekannte erfolgreiche Kooperationen, wie die
Max Perutz Laboratories in Wien (Universität
Wien und Medizinische Universität Wien), die
NAWI Graz (Universität Graz und Technische
Universität Graz) oder das High Performance
Computing in Wien (Universität Wien, Technische Universität Wien und Universität für Bodenkultur) sollten alle gemäß Leistungsvereinbarung weiter ausgebaut werden. Daneben können
beispielhaft neuere Vorhaben wie der Wassercluster Lunz (Universität Wien, Universität für
Bodenkultur und Donau-Universität Krems), das
Vienna Center for Computational Materials Science (Universität Wien und Technische Universität Wien), der Forschungsbereich Regenerative
Biologie (Universität Salzburg und Paracelsus
Medizinische Privatuniversität) oder Kooperationen im Bereich des Biobanking (Medizinische
Universitäten) angeführt werden. Neben Kooperationen zwischen Universitäten wurden im
Rahmen der Leistungsvereinbarungen auch Kooperationsvorhaben mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen geplant. Auch Vorhaben
im Bereich der Beteiligung an internationalen
Großforschungsinfrastrukturen werden angeführt. So beteiligt sich etwa die Technische Universität Wien am CERN, die Medizinische Universität am INSTRUCT, einer Initiative europäischer Strukturbiologen, – Leistungen, die einen
entsprechenden finanziellen Aufwand von Seiten
der Universitäten erfordern und innerhalb der
Leistungsvereinbarungen Berücksichtigung finden.
65
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
Im Kontext einer stärker abgestimmten Planung der Forschungsaktivitäten zwischen Universitäten und anderen Forschungsakteuren an
den einzelnen Standorten folgen Universitäten
häufig einer „Smart Specialisation“-Strategie.
Derartige Strategien sind derzeit in vielen Bundesländern in Ausarbeitung, häufig auch in Kombination mit einer gleichzeitig entwickelten Internationalisierungsstrategie. So soll am Standort Graz zukünftig verstärkt die Lipidforschung
zwischen den drei Grazer Universitäten ausgebaut werden. Die Veterinärmedizinische Universität Wien hat etwa die Bereiche „Biomed“ und
„Biomedtech“ innerhalb des Life Science Clusters Wien als passende Bereiche für die Einbindung in die Smart Specialisation-Strategie definiert.
Die Eingliederung von Instituten der Akademie der Wissenschaften ist ebenfalls ein wichtiges Vorhaben an einigen österreichischen Universitäten (siehe hierzu auch Kapitel 3.5) und
entsprechend als Vorhaben in der Leistungsvereinbarung definiert. Dies erfordert vielerorts die
Umsetzung integrativer Maßnahmen und die
Definition von neuen Forschungsstrategien.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Kooperation
im Bereich der Forschungsservices. Vor dem Hintergrund der bereits bewährten Kooperation in
der Steiermark (NAWI Graz, BioTechMed und
Steirische Hochschulkonferenz) ist etwa dort geplant, auch forschungs- und technologierelevanten Serviceleistungen der fünf Universitäten vermehrt aufeinander abzustimmen. Auch im Bereich der Patentaktivitäten und -verwertung soll
verstärkt zusammengearbeitet werden.
Die Entwicklung von „Internationalisierungsstrategien“ an allen Universitäten wurde im
Hochschulplan als eine wesentliche Maßnahme
zur Etablierung der europäischen und internationalen Orientierung formuliert. Die internationale Forschungsorientierung der Universitäten
wird auch durch die Orientierung am Horizon
2020 ersichtlich und dem bereits angeführten geplanten Ausbau der Forschungsservices für internationale Projekte und Programme an vielen
Universitäten. Einige Universitäten wollen sich
66
auch an Joint Programming Initiatives (JPIs) beteiligen und haben dies als explizites Vorhaben
definiert, so etwa die Medizinischen Universitäten Wien und Graz.
Insgesamt wurden im Leistungsbereich „Forschung“ 291 Vorhaben und 101 Ziele formuliert.
Dabei wurden von Seiten des BMWF, aber auch
von Seiten der Universitäten selbst vermehrt Indikatoren genutzt, um die Zielerreichung und
den Erfolg der Umsetzung von Vorhaben zu
quantifizieren und messbar zu machen. Des Weiteren wurden für die Umsetzung der Vorhaben in
stärkerem Umfang als in den letzten Leistungsvereinbarungen Meilensteine definiert. Was die
ausverhandelten Zielwerte betrifft, hat man hier
durchwegs konservative Zielwerte angesetzt. Besonders ambitionierte und vermutlich unrealistische Ziele will man vor dem Hintergrund eines
schwierigeren Umfelds, was die Finanzierung
und den steigenden Wettbewerb betrifft, nicht
vereinbaren. „Konstant halten“, „Stabilisierung“, oder „moderater Anstieg“ sind typische
Formulierungen in diesem Zusammenhang, die
vermutlich aber allesamt das Ziel einer „belastbareren“ Vereinbarungsbasis verfolgen.
Zusammenfassend kann an dieser Stelle der
Befund gestellt werden, dass der Profilbildungsprozess an den öffentlichen Universitäten eine
hohe Kontinuität bei den definierten und über
die Jahre verfolgten Forschungsschwerpunkten
aufweist. Daneben zeigt sich ein starker Entwicklungstrend in Richtung einer stärkeren Bündelung der Ressourcen und der Nutzung von gemeinsamen Infrastrukturen im Rahmen von gemeinsam definierten Forschungsthemen und
Forschungszentren. Alle Universitäten bekennen
sich dazu, die Aktivitäten im Bereich Kooperationen unter Berücksichtigung der Empfehlungen
des Hochschulplans strategisch fortzuführen.
Die Universitäten wollen zur Stärkung der Kooperation zukünftig auch gemeinsame Anträge
für eine Finanzierung aus den HochschulraumStrukturmitteln stellen, sobald die entsprechende Ausschreibung vorliegt.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
3.2.2 Die Hochschulraum-Strukturmittel
Im Rahmen einer Novelle des UG wurde im
Sommer 2012 das Instrument der Hochschulraum-Strukturmittel eingeführt. Damit wurde
die leistungsorientierte Finanzierung in Form
des Formelbudgets durch einen neuen Allokationsmechanismus abgelöst und der zur Finanzierung der Universitäten zur Verfügung stehende
Gesamtbetrag um die Hochschulraum-Strukturmittel ergänzt. Das Formelbudget wurde mit
dem UG 2002 eingeführt und für die Finanzierung einer eigenen Budgetkomponente im Zeitraum von 2004 bis 2012 angewendet. Gemeinsam mit dem Grundbudget bildet das formelgebundene Budget das Globalbudget, das jeweils für
die dreijährige Leistungsvereinbarungsperiode
im Voraus festgelegt wird. Diese Budgetkomponente machte insgesamt rund 20 % des Globalbudgets der Universitäten aus. Insgesamt wurden
im Formelbudget elf Indikatoren verwendet, die
unterschiedlich gewichtet wurden. Die Lehre
wurde durch vier Indikatoren bemessen und insgesamt mit 45 % gewichtet, die Forschung bzw.
Erschließung und Entwicklung der Künste (EEK)
wurden mit zwei Indikatoren bemessen, die in
Summe ebenfalls mit 45 % gewichtet wurden.
Des Weiteren wurden die Frauenförderung (zwei
Indikatoren) mit 7 % und die Studierendenmobilität (zwei Indikatoren) mit 3 % innerhalb der
Gesamtformel berücksichtigt. Mit der Anzahl
der prüfungsaktiven Studierenden, der Anzahl
der Studienabschlüsse und den Einnahmen aus
F&E-Projekten wurden beim Formelbudget drei
Indikatoren verwendet, die in adaptierter Form
nun auch beim Verteilungsmodell der Hochschulraum-Strukturmittel zur Anwendung kommen.
Ziel der neuen Regelung ist es, die bisherige
komplexe indikatorenbezogene Finanzierung
über das formelgebundene Budget an Hand von
wenigen Indikatoren nachvollziehbar zu berechnen. Der den Universitäten zur Verfügung stehende Gesamtbetrag setzt sich für die LV-Periode
2013 bis 2015 aus einem Teilbetrag für die
Grundbudgets und einem Teilbetrag für die
Forschungs- und Technologiebericht 2013
Hochschulraum-Strukturmittel zusammen. Neben dem Grundbudget, das weiterhin auf Basis
von Leistungsvereinbarungen definiert wird,
werden für die LV-Periode 2013 bis 2015 Hochschulraum-Strukturmittel in der Höhe von 450
Mio. € verteilt. Die Gesamtsumme wird in fünf
Teilbeträge mit folgenden Anteilen geteilt: 1.
Teilbetrag für prüfungsaktiv betriebene ordentliche Studien (60 %), 2. Teilbetrag für AbsolventInnen ordentlicher Studien (10 %), 3. Teilbetrag für
Wissenstransfer (14 %), 4. Teilbetrag für private
Spenden (2 %) sowie 5. Teilbetrag für Kooperationen (14 %). Die entsprechenden Indikatoren
sind wie folgt definiert: Indikator 1: „Anzahl der
prüfungsaktiv betriebenen ordentlichen Bachelor-, Diplom- und Masterstudien mit Gewichtung nach Fächergruppen“, Indikator 2: „Anzahl
der AbsolventInnen ordentlicher Bachelor-, Diplom- und Masterstudien mit Gewichtung nach
Fächergruppen“, Indikator 3: „Erlöse aus F&EProjekten/Projekten der Entwicklung und Erschließung der Künste in €“ sowie Indikator 4:
Erlöse aus privaten Spenden in € (gemäß Wissensbilanzverordnung 2010). Der Teilbetrag für
Kooperationen wird auf Basis von qualitativen
Kriterien von Ausschreibungen verteilt.
Die Indikatoren 1 und 2 werden jeweils nach
Fächergruppen gewichtet. Dabei wurden sämtliche von österreichischen Universitäten angebotene Studien sieben Fächergruppen zugeordnet,
die jeweils mit einem Faktor von 1 bis maximal
5 gewichtet werden. Auch im früheren Formel­
modell gab es bereits eine solche Gewichtung,
allerdings wurde hier nur zwischen drei nach
Studienrichtungen gegliederten Fächergruppen
differenziert. Die im Hochschulraum-Strukturmittel-Modell vorgenommene Differenzierung
in sieben Gruppen ist insofern relevant, da sie in
ihrer Logik mit der geplanten Einführung der
Studienplatzfinanzierung einhergeht. Bei der
Festlegung dieser Gewichte gab es zahlreiche
Konsultationsprozesse mit den Universitäten,
um unterschiedliche Kosten, die den Universitäten für die Durchführung der Lehre in unterschiedlichen Fächern entstehen, möglichst adäquat abzubilden. Die zwischen dem Ministeri67
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
um und der Universitätenkonferenz konstituierte Arbeitsgruppe zur kapazitätsorientierten Studienplatzfinanzierung hat im Jahr 2011 umfangreiche Abschätzungen der Kosten für die Lehre in
unterschiedlichen Fächern unter Berücksichtigung von angestrebten Zielwerten im Bereich der
Betreuungsverhältnisse durchgeführt, die eine
wichtige Grundlage für die Definition der sieben
Fächergruppen waren.
Sowohl die Regelung zur Verteilung der Hochschulraum-Strukturmittel als auch die Studienplatzfinanzierung verfolgen zur Schaffung eines
transparenteren Kalkulations-, Budgetierungsund Controlling-Rahmens eine Strategie der getrennten Ausweisung der Finanzierung von Forschung und Lehre. Vor dem Hintergrund der oben
angeführten Struktur werden für die LV-Periode
2013 bis 2015 im Kontext der HochschulraumStrukturmittel 315 Mio. € (Indikator 1 und 2) für
die Lehre verteilt. Für die Komponente Wissenstransfer stehen insgesamt 72 Mio. € (Indikator 3
und 4) zur Verfügung. Für die Komponente
„Kooperationen“ stehen 63 Mio. € zur Verfü­
gung. Der oben angeführte Indikator „Erlöse aus
F&E-Projekten/Projekten der Entwicklung und
Erschließung der Künste in €“ beruht auf der
Kennzahl I.C.2 „Erlöse aus F&E-Projekten/Projekten der Entwicklung und Erschließung der
Künste in €“ der Wissensbilanz-Verordnung
(WBV 2010). Hier werden jedoch nur jene Erlöse
berücksichtigt, die von FWF, Jubiläumsfonds der
OENB, EU, Ländern (inkl. deren Stiftungen und
Einrichtungen), Gemeinden und Gemeindeverbänden (ohne Wien), Unternehmen sowie Privaten (Stiftungen, Vereine etc.) als Förderung oder
Auftrag lukriert werden.
Wie oben angeführt wird ein weiterer Teil der
Hochschulraum-Strukturmittel im Rahmen von
Ausschreibungsverfahren für Kooperationsprojekte vergeben. Die Kooperationsprojekte sollen
folgende drei Bereiche des universitären Leistungsspektrums abdecken: Lehre, Forschung
bzw. Entwicklung und Erschließung der Künste
sowie Verwaltung. Es sollen jedenfalls Projekte
aus allen drei Bereichen gefördert werden, wobei
im Sinn der rechtlichen Vorgaben exzellenzför68
dernde bzw. strukturentwickelnde Kooperationsprojekte (insbesondere Cluster- & Schulbildung)
vorrangig Berücksichtigung finden sollen. Mit
dem Teilbetrag für Kooperationen werden die
Kosten einzelner Projekte bis zu einem Drittel
finanziert. Die Projektmittel dienen der Anschubfinanzierung. Zur Abwicklung des Ausschreibungs- und Vergabeverfahrens wird eine
Kommission eingesetzt. Die Kooperationsprojekte werden 2013 eingereicht. Einige Universitäten
haben bereits in den aktuellen Leistungsvereinbarungen mögliche Projekte definiert, die als
Projekte eingereicht werden sollen.
Wie auch schon in der Vergangenheit ist das
vom BMWF zugewiesene Globalbudget für die
LV-Periode 2013 bis 2015 frei disponierbar. Dabei
werden an den österreichischen Universitäten in
der Regel intern Zielvereinbarungen zwischen
dem Rektorat und den Fakultäten bzw. Departments definiert und einige Universitäten verwenden in Analogie zum Formelbudget bzw. den
Hochschulraum-Strukturmitteln
Indikatorenbezogene Modelle zur internen Allokation der
finanziellen Ressourcen.
Mit den Hochschulraum-Strukturmitteln
wurde ein neues, transparentes und leistungsorientiertes Finanzierungsmodell realisiert, welches in Bezug auf die Forschung Anreize setzt,
dass Universitäten Drittmittel akquirieren und
eine entsprechende Ko-Finanzierung vornehmen.
3.3Umsetzung des neuen Kollektivvertrages für
die ArbeitnehmerInnen an den Universitäten
Nach mehrjährigen Verhandlungen zwischen
dem Dachverband der Universitäten und der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst wurde der erste
Universitäts-Kollektivvertrag (KV) – gültig für
alle ArbeitnehmerInnen der Universitäten, welche nach dem 31. Dezember 2003 in ein Dienstverhältnis mit der Universität eingetreten sind –
abgeschlossen. Der KV ist per 01.10.2009 in Kraft
getreten, womit nun mehrere Jahre vergangen
sind und die Frage nach dem Umsetzungsgrad
Anlass war, den KV im Rahmen einer Studie des
Forschungs- und Technologiebericht 2013
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
Instituts für Wissenschaftskommunikation und
Hochschulforschung der Universität Klagenfurt
näher zu betrachten.29 Die Studie zeigt, dass die
Umstellung auf den Kollektivvertrag an den heimischen Universitäten weit fortgeschritten ist.
Im WS 2011 sind mehr als drei Viertel aller wissenschaftlich-künstlerischen MitarbeiterInnen
auf Basis des KV beschäftigt. Dabei ist zu beachten, dass der KV auf unterschiedlichen Personalstrukturen der Universitäten bzw. Universitätstypen30 aufsetzt und dass die unterschiedlichen Anteile der bestehenden (unbefristeten)
„Nicht-KV-Beschäftigungsverhältnisse“ ein Faktor sind, der den „Spielraum“ der Universitäten
bei der Umsetzung mitbestimmt und universitätsspezifische Unterschiede mitbedingt.
UniversitätsassistentInnen gemäß KV stellen
– wie Abb. 17 veranschaulicht – mit etwa einem
Drittel den größten Anteil des wissenschaftlichen-künstlerischen Stammpersonals an den
öster­reichischen Universitäten im WS 2011 dar,
gefolgt von den UniversitätsdozentInnen und
ProfessorInnen. Insbesondere die technisch-naturwissenschaftlichen Universitäten haben mit
einem Anteil von 41,4 % an Universitätsassisten­
tInnen gemäß KV an Stammpersonal, gefolgt von
den Volluniversitäten mit einem Anteil von
37,1 %, weitgehend auf die neuen Assistenzen
umgestellt. Die neuen Kategorien Senior Lec­­
turers und Senior Scientists sind hingegen gering
vertreten, mit Ausnahme an Kunstuniversitäten,
wo der Anteil an Senior Lecturers (20,4 %) am
Stammpersonal im Vergleich zu den anderen
Universitäten überdurchschnittlich hoch ist. Ein
Grund dafür ist, dass der Stellenwert der Lehre
(vor allem in Form des künstlerischen Einzelunterrichts) an Kunstuniversitäten besonders hoch
ist, und daher die Lehrenden verstärkt ins
Stammpersonal integriert sind. Anders ist die Situation an den Medizinischen Universitäten;
hier ist der Anteil an UniversitätsdozentInnen –
unbefristet beschäftigte habilitierte MitarbeiterInnen aus älteren Vertragsverhältnissen – am
Stammpersonal (37,5 %) noch überdurchschnittlich hoch. Darüber hinaus haben die Medizinischen Universitäten die Laufbahnstellen (7,4 %
an Stammpersonal) bislang am besten ausgebaut,
gefolgt von den Volluniversitäten (5,6 %).
Die Laufbahnstellen und damit das Instrument der Qualifizierungsvereinbarung bilden das
Kernstück des Kollektivvertrags. Die Motivation
hierfür ist, ähnlich dem US-amerikanischen
tenure track ein Laufbahnmodell an Österreichs
Universitäten zu schaffen, welches mit Erfüllen
einer Qualifizierungsvereinbarung (in der Regel
innerhalb von sechs Jahren) in ein dauerhaftes
Dienstverhältnis als „Assoziierte Professorin
bzw. assoziierter Professor“ mündet. Der wesentliche Unterschied zum amerikanischen Modell ist, dass in Österreich eine Bewerbung auf
eine Laufbahnstelle durchaus auch universitätseigenen MitarbeiterInnen offen ist, während im
US-amerikanischen System ausschließlich extern kompetitiv rekrutiert wird. Darüber hinaus
führt der tenure track im US-amerikanischen
System direkt in die Universitätsprofessur, während in Österreich die (durch das Universitätsgesetz „organisationsrechtlich“ geprägte) Professur
im Sinne des UG 2002 nach wie vor ausschließlich über ein Berufungsverfahren zu erlangen ist.
Dass es in Österreich den Universitäten frei
steht, Laufbahnstellen auch intern zu vergeben,
zeigt die Vergabepraxis der vergangenen Jahre:
68 % der im WS 2010 neu geschaffenen Laufbahnstellen wurden an ehemalige interne UniversitätsassistentInnen vergeben. Universitäten
29Siehe Pechar et al. (2012).
30Zu den Universitätstypen zählen „Volluniversitäten“, welche die Universitäten Wien, Graz, Innsbruck, Salzburg, Linz und Klagenfurt umfassen, „Technisch-naturwissenschaftliche Universitäten“, welche die Technischen Universitäten Wien und Graz, sowie die
Universität für Bodenkultur Wien und die Montanuniversität Leoben umfassen, „Medizinische Universitäten“, welche die drei humanmedizinischen Universitäten Wien, Graz und Innsbruck sowie die Veterinärmedizinische Universität Wien umfassen, „Kunstuniversitäten“, welche die Akademie der bildenden Künste, die Universität für angewandte Kunst Wien, die Universität für Musik
und darstellende Kunst Wien, die Universität Mozarteum Salzburg, die Universität für Musik und darstellende Kunst Graz sowie die
Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz umfassen. Die Wirtschaftsuniversität Wien lässt sich anhand dieser
Typologie nicht zuordnen und wird daher in der Kategorie „Alle Universitäten“ berücksichtigt.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
69
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
Abb. 17: Struktur des wissenschaftlich-künstlerischen Stammpersonals (Kopfzahlen) in Prozent, WS 2011
100%
90%
19,4
15,7
9,9
17,9
30,5
80%
70%
60%
50%
16,9
5,6
19,6
0%
0,3
4,9
6,7
12,9
12,2
23,4
7,4
9,5
8,6
41,4
37,1
33,6
6,8
31,1
20%
10%
8,5
4,4
40%
30%
20,8
37,5
2,3
3,7
2,2
Volluniversitäten
4,5
1,8
5,8
Technisch-naturwiss.
Universitäten
20,4
2,6
1,9
Medizinische
Universitäten
3,2
4,6
2,7
1,5
Kunstuniversitäten
ProfessorInnen
UniversitätsassistentInnen (KV)
UniversitätsdozentInnen (Ao. Prof. alt)
Senior Scientists
Wissenschaftlich-künstlerisches Personal auf
Laufbahnstellen (AssistenzprofessorInnen,
assoziierte ProfessorInnen)
Senior Lecturers (KV)
Wissenschaftliche MitarbeiterInnen
mit selbständiger Lehre und Forschung
Wissenschaftliche MitarbeiterInnen
ohne selbständige Lehre
Alle Universitäten
Quelle: Pechar et al. (2012), adaptiert.
begründen dies damit, dass sie im Sinn einer bewussten Nachwuchsförderung bereits hoch qualifizierte, im Haus beschäftigte MitarbeiterInnen
nicht verlieren wollten und ihnen daher ein Angebot auf eine Laufbahnstelle gemacht haben; in
Zukunft sollen Laufbahnstellen jedoch verstärkt
– dem internationalen Standard entsprechend –
kompetitiv vergeben werden. Mit Abstand die
meisten Laufbahnstellen eingerichtet hat bislang
die Medizinische Universität Wien (152 Lauf-
bahnstellen im WS 2011), gefolgt von der Universität Innsbruck (78 Laufbahnstellen) und Universität Graz (57 Laufbahnstellen). Laufbahnstellen,
in deren Rahmen in der Regel eine wissenschaftliche Qualifikation in Form einer Habilitation
erworben wird, haben jedoch nicht für jeden Typus von Universität denselben Stellenwert. So
werden von den künstlerischen Universitäten
Anstellungen auf Zeit statt Laufbahnstellen bevorzugt.31 Dies spiegeln auch die Ergebnisse in
31Siehe hierzu auch Universitätsbericht (2011), S. 87.
70
Forschungs- und Technologiebericht 2013
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
Abb. 17 wider. Einige Universitäten setzen Laufbahnstellen gezielt zur Förderung von Frauen
ein, beispielsweise die TU Graz, die in der Leistungsvereinbarungsperiode 2010 bis 2012 jährlich zwei Laufbahnstellen explizit für hoch qualifizierte Wissenschaftlerinnen geschaffen hat.
Eine weitere merkliche Veränderung betrifft
die Entwicklung der unbefristet Beschäftigten an
Österreichs Universitäten. Wie Abb. 18 veranschaulicht ist der Anteil der unbefristet Beschäftigten an der Gesamtzahl des wissenschaftlichen
Personals (inklusive drittfinanzierte Mitarbeite-
rInnen) in den letzten Jahren sukzessive zurückgegangen – auch mitbedingt durch die Übergangszeit nach Inkrafttreten des UG bis zum Inkrafttreten des KV.32 Im WS 2011 sind im Durchschnitt aller Universitäten 24,4 % des wissenschaftlichen Personals unbefristet angestellt. Die
Universitäten, welche den niedrigsten Anteil an
unbefristet beschäftigten wissenschaftlichen
MitarbeiterInnen haben, sind dabei vor allem die
Volluniversitäten (19,4 % im WS 2011) und die
Technisch-naturwissenschaftlichen Universitäten (21,5 % im WS 2011).
Abb. 18: Anteil unbefristet beschäftigter wissenschaftlicher MitarbeiterInnen am wissenschaftlichen Personal33
(Kopfzahlen) nach Universitätstyp in %, WS 2005–2011
70,0
60,0
60,0
55,7
50,0
47,0
40,0
55,0
53,3
53,5
47,7
42,8
42,7
39,0
36,6
30,0
35,8
34,1
Kunstuniversitäten
36,6
35,8
32,0
30,6
26,0
44,6
40,1
28,3
25,1
23,8
20,0
29,1
26,8
22,8
Medizinische Universitäten
Alle Universitäten
26,8
24,2
21,3
25,0
22,7
20,1
24,4
Techn. naturwiss. Universitäten
21,5
Volluniversitäten
19,4
10,0
0,0
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
Quelle: Pechar et al. (2012), adaptiert.
32So wurden seit Inkrafttreten des UG bei Neuaufnahmen von wissenschaftlich-künstlerischen MitarbeiterInnen bis zum Inkrafttreten
des KV vor dem Hintergrund der gesetzlichen Übergangsregelung (die Universitäten hatten sich beim Abschluss von Arbeitsverträgen
mit wissenschaftlich-künstlerischen MitarbeiterInnen am Vertragsbedienstetengesetz zu orientieren) fast ausschließlich befristete
Vertragsverhältnisse begründet.
33Die Kategorie „wissenschaftliches Personal“ umfasst sämtliche Mitglieder des wissenschaftlichen Stammpersonals, studentische MitarbeiterInnen, drittmittelfinanzierte ProjektmitarbeiterInnen sowie LektorInnen.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
71
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
Bei den befristeten Beschäftigungen ist auffällig,
dass insbesondere der Anteil von Prädoc-Stellen
an allen Universitäten tendenziell zugenommen
hat. Diese Arbeitsverhältnisse, die bei UniversitätsassistentInnen gemäß KV zur Vertiefung und
Erweiterung der fachlichen und wissenschaftlichen bzw. künstlerischen Bildung dienen, erfüllen primär eine Ausbildungsfunktion und führen
dazu, dass eine größere Zahl von DoktorandInnen institutionell integriert wird. Postdoc-Stellen – befristet auf vier bis sechs Jahre ohne Aussicht auf Qualifizierungsvereinbarung – verlieren
hingegen zunehmend an Attraktivität und werden z.B. an der Universität Salzburg gar nicht
mehr ausgeschrieben. Dies ist u.a. auch darauf
zurückzuführen, dass insbesondere Drittmittelanstellungen in den vergangenen Jahren enorm
zugenommen haben. Vor allem an den technischnaturwissenschaftlichen Universitäten stellen
die extern finanzierten ProjektmitarbeiterInnen
eine wichtige, teils sogar die größte Personalgruppe dar. Ein Großteil der Drittmittelstellen
wird dabei als Prädoc-Stellen eingerichtet, die
auch als Ausbildungsstellen fungieren. Ein nahtloser Übergang von einer Prädoc- auf eine Postdoc-Stelle ist an einigen österreichischen Universitäten, wie z.B. an der Universität Wien, Universität Graz und der Technischen Universität
Graz, heute nicht mehr möglich, sodass nach
dem Doktorat ein Institutionenwechsel vorzunehmen ist bzw. ein solcher Wechsel im Zuge
einer wissenschaftlichen Karriere heute auch generell empfohlen wird.
Das Karrieremodell des KV bringt es mit sich,
dass die Universitäten in ihrer Personalplanung
zwischen Rotations- bzw. Fluktuationsstellen
und Laufbahnstellen unterscheiden. Damit bietet
sich den Universitäten ein Gestaltungs- und
Handlungsspielraum, aber es eröffnet sich ihnen
zugleich auch ein Spannungsfeld, mit welchem es
umzugehen gilt: So sollen einerseits ausreichend
Rotationsstellen zur Verfügung stehen, um die
Ausbildung von qualifiziertem wissenschaftlichen Nachwuchs sicherzustellen; andererseits
sollen genug Laufbahnstellen vorhanden sein, um
dem hoch qualifizierten Nachwuchs Karriereperspektiven bieten zu können.34 Was die Größenordnung des adäquaten Verhältnisses von Laufbahnstellen zu Rotationsstellen betrifft, sind in den
Zielvorstellungen der einzelnen österreichischen
Universitäten durchaus Unterschiede festzustellen.
3.4 Externe Qualitätssicherung und Agentur für
Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria
Das externe Qualitätssicherungssystem für den
Hochschulbereich war in Österreich bislang –
historisch bedingt – sektorspezifisch geregelt.
Angesichts der Entwicklungen im Bereich Qualitätssicherung auf nationaler und europäischer
Ebene (wie z.B. Beschlussfassung der European
Standards und Guidelines) hat Österreich die
Weiterentwicklung des externen Qualitätssicherungssystems in das Regierungsprogramm für die
24. Gesetzgebungsperiode (2008 bis 2013) aufgenommen. Ziel war es, ein sektorenübergreifendes System zu schaffen und die drei bislang getrennt agierenden Qualitätseinrichtungen, nämlich den Österreichischen Fachhochschulrat
(FHR), den Österreichischen Akkreditierungsrat
für Privatuniversitäten (ÖAR) sowie die Österreichische Qualitätssicherungsagentur (AQA), in
eine zentrale Einrichtung zu integrieren. Die
Rechtsgrundlage für dieses neue System und eine
neue, sektorenübergreifende Qualitätssicherungseinrichtung wurden mit dem HochschulQualitätssicherungsgesetz (HS-QSG), das seit
01.03.2013 vollständig in Kraft ist, geschaffen.
Die neue Qualitätssicherungseinrichtung – die
Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria (AQ Austria)35 – hat ihre operativen
Tätigkeiten im März 2012 aufgenommen und
agiert als eine eigenständige Einrichtung mit vol-
34Siehe hierzu auch Universitätsbericht (2011), S. 87.
35www.aq.ac.at
72
Forschungs- und Technologiebericht 2013
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
ler Rechtsfähigkeit, für deren Rechtsaufsicht und
Finanzierung der Staat verantwortlich ist. Die AQ
Austria – bestehend aus vier Organen, dem Kuratorium, der Generalversammlung, dem Board und
der Beschwerdekommission – ist somit die zentrale Anlaufstelle für alle Agenden der externen
Qualitätssicherung für öffentliche und private
Universitäten sowie Fachhochschulen.
Das HS-QSG beinhaltet neben den Regelungen
zur Organisation und Aufgaben der AQ Austria
auch die Qualitätssicherungsverfahren und deren
Rahmenbedingungen. Explizites Ziel der externen Qualitätssicherung ist, nicht nur die Strukturen und Verfahren der Qualitätssicherung im Bereich Studium und Lehre zu erfassen, sondern
grundsätzlich alle Aufgabenbereiche der Hochschulen (wie auch Forschung, Personalentwicklung etc.) zu berücksichtigen. Damit soll die externe Qualitätssicherung einen doppelten Zweck
erfüllen: Sie soll zum einen dem Staat als Lenkungsinstrument wie auch zum anderen den
Hochschulen selbst als Hilfestellung für ihre Weiterentwicklung dienen.
Zu den zentralen Aufgaben der Agentur zählen die beiden Qualitätssicherungsverfahren, Audits und Akkreditierungen. Audits dienen der
verpflichtenden externen Überprüfung des hochschulinternen Qualitätsmanagementsystems an
öffentlichen Universitäten – mit dem Ziel, dass
eine Zertifizierung durch das Audit den Aufbau
eines Qualitätsmanagementsystems gemäß § 14
Universitätsgesetz 2002 bestätigt. Auch an bestehenden Fachhochschulen, die bereits eine institutionelle Evaluierung nach den Bestimmungen
des Fachhochschul-Studiengesetzes durchlaufen
haben, sind Audits durchzuführen. Für neue
Fachhochschulen sind institutionelle Akkreditierungen und für neue Studiengänge Programmakkreditierungen anzuwenden. Was die Privat­
universitäten betrifft, so werden institutionelle
Akkreditierungsverfahren angewandt. Neue Studiengänge unterliegen auch hier wiederum der
Programmakkreditierung.
Eine wesentliche Neuerung des HS-QSG ist,
dass die Hochschulen bei Audit-Verfahren Wahlfreiheit bezüglich der Qualitätssicherungsagenturen haben. Das bedeutet, dass öffentliche Universitäten für die Durchführung von Audits die nationale Agentur (AQ Austria) oder eine ausländische Qualitätssicherungsagentur beauftragen
können. Letztere hat jedoch die Bedingung zu erfüllen, dass die betreffende Agentur eingetragenes
Mitglied im European Quality Assurance Register for Higher Education (EQAR) oder eine international anerkannte und unabhängige Qualitätsagentur sein muss. Damit soll sichergestellt werden, dass die Audits den Prüfbereichen gemäß
HS-QSG und gängigen europäischen Verfahrensund Professionalisierungsstandards entsprechen.
Zugleich soll aber auch ein gewisser Grad an Offenheit des Systems signalisiert werden.
Diese Offenheit des Systems schlägt sich auch
in der verstärkten Einbeziehung von Studierenden in die externe Qualitätssicherung nieder. So
sieht das HS-QSG erstmalig vor, dass Studierende
im obersten Entscheidungsgremium der AQ Austria, im Board vertreten sind. Studierende sollen
darüber hinaus als Teil von Gutachtergruppen
agieren sowie u.a. von den neuen Bestimmungen
zur Transparenz (wie z.B. Veröffentlichungspflicht
der Verfahrensergebnisse) profitieren. Des Weiteren wurde eine weisungsfreie „Ombudsstelle für
Studierende“ als Ombuds-, Informations- und
Servicestelle im BMWF eingerichtet, welche die
bislang bestehende „Studierendenanwaltschaft“
integriert. Eine weitere Neuerung umfasst die Registrierungspflicht grenzüberschreitender Studien. Ausländische Anbieter von Studienprogrammen müssen sich in Zukunft beim BMWF registrieren lassen, um damit nicht nur einen adäquaten Überblick über die verschiedenen Angebote in
Österreich gewährleisten, sondern auch entsprechende Hintergrundinformationen bereitstellen
zu können.36
36Dieses Kapitel basiert auf der Sonderausgabe von Austria Innovativ (6a/2012) sowie auf Erlinger-Schacherbauer (2012).
Forschungs- und Technologiebericht 2013
73
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
3.5Neupositionierung der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften
Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) hat eine lange Tradition. Im Jahr 1847
gegründet, besteht sie heute aus einer Gelehrtengesellschaft, einer Forschungsträgereinrichtung
sowie einer Nachwuchsförder- und Serviceeinrichtung. Für das BMWF nimmt die ÖAW die Abwicklung von Forschungsprogrammen wahr, entwickelt in dieser Rolle Stipendienprogramme,
verwaltet und vergibt Stipendien aus zweckgebundenen öffentlichen Mitteln, aus Drittmitteln
sowie mit Unterstützung durch private SponsorInnen.
Seit 2000 ist insbesondere die Forschungsträgerorganisation beachtlich gewachsen. Darunter
sind zahlreiche wissenschaftlich höchst erfolgreiche Forschungsinstitute, welche in Gebieten
wie der Molekularbiologie, Biomedizin, Physik,
angewandten Mathematik, Weltraumforschung,
Materialwissenschaften sowie den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften tätig sind. Zu
den renommiertesten Forschungsgesellschaften
bzw. -einrichtungen zählen u.a. das Institut für
Molekulare Biotechnologie (IMBA), das Gregor
Mendel Institut für Molekulare Pflanzenbiologie
(GMI), das Forschungszentrum für Molekulare
Medizin (CeMM), das Johann Radon Institute for
Computational and Applied Mathematics (RICAM), das Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI), das Institut für Demographie, das Institut für Mittelalterforschung
und das Institut für Iranistik.
Den wissenschaftlichen Erfolg der ÖAW belegen die Performance-Indikatoren der letzten Jahre: So wurden im Jahr 2012 im MINT-Bereich
1.103 wissenschaftliche Publikationen – davon
46 Beiträge in hochrangigen Fachzeitschriften
wie „Nature“, „Science“ oder „Cell“ und deren
Schwesterjournalen – sowie im GSK-Bereich
1.106 wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht.
2012 wurden insgesamt 75 Preise und Auszeichnungen an ÖAW-MitarbeiterInnen vergeben. Als Highlight ist die Verleihung des mit 7,4
74
Mio. US $ dotierten „Innovator Award“ zu nennen, mit dem das US-amerikanische Verteidigungsministerium die Forschung am ÖAW-eigenen IMBA unterstützt. Zu zwei ÖAW-MitarbeiterInnen 2012 zuerkannten START-Preisen kommen 16 ERC-Grants (neun Starting Grants, sechs
Advanced Grants, sowie ein Proof of Concept
Grant), die mit einem Fördervolumen von insgesamt mehr als 24,3 Mio. € 2012 an ÖAW-Instituten laufen. Die Relation der von ÖAW-Forschungseinrichtungen im Jahr 2012 eingeworbenen Drittmittel zum Basisbudget von knapp
96,59 Mio. € ergibt eine Drittmittelquote von
45,39 % (MINT 47,76 %, GSK 38,68 %). Zahlreiche ÖAW-Forschungsergebnisse fanden rasch ihren Weg in die Anwendung – 2012 waren 39 Patente eingereicht –, in die wissenschaftsbasierte
Beratung, z.B. anhand demographischer Studien,
und durch Symposien, Vorträge und Ausstellungen auch in die Öffentlichkeit.
Im Bereich der Nachwuchsförderung wurde
2012 erstmals das von der ÖAW in Zusammenarbeit mit dem FWF entwickelte und von der Nationalstiftung mit 8 Mio. € für fünf Jahre finanzierte Impulsprogramm „New Frontiers Groups“
ausgeschrieben, mit dem selbständige Nachwuchsgruppen mit selbstgewählter wissenschaftlicher Thematik an ÖAW-Instituten eingerichtet
werden, die neue Impulse in die ÖAW-Forschung
einbringen. All dies spiegelt die hohe (nationale
und internationale) Wettbewerbsfähigkeit der
ÖAW wider, deren Attraktivität für wissenschaftliche Spitzenkräfte in Zukunft weiterhin
erhöht werden soll, indem internationalen Standards folgend auch an der ÖAW die Möglichkeit
eines Tenure Track – eines transparenten, leistungsgerechten wissenschaftlichen Karrierepfads
– geschaffen wird.
Der enorme Ausbau des wissenschaftlich sehr
erfolgreichen ÖAW-Forschungsträgers machte es
notwendig, die Managementstrukturen der ÖAW
zu modernisieren und anzupassen. Eine neue
Satzung und Geschäftsordnung traten 2011 in
Kraft, welche die Implementierung moderner
und transparenter Strukturen auf der Managementebene nach sich zogen:
Forschungs- und Technologiebericht 2013
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
• Ausweitung der Kompetenzen des Präsidiums,
• Einrichtung eines Akademierats mit Aufsichtsfunktion,
• Etablierung eines Direktors/einer Direktorin
für Finanzen und Administration sowie
• Erweiterung der Befugnisse der LeiterInnen
von Forschungseinrichtungen.
Als wesentlicher Schritt wurde im November
2011 erstmals in der Geschichte der ÖAW eine
Leistungsvereinbarung – geltend für die Periode
2012 bis 2014 – zwischen dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BMWF) und
der ÖAW abgeschlossen. Darin hat die Akademie
ihre für 2012 bis 2014 geplanten Leistungen dargelegt und im Gegenzug eine dreijährige finanzielle Planungssicherheit in Form eines Globalbudgets von 223,8 Mio. € seitens des Bundes erhalten.
Als größter außeruniversitärer Forschungsträger
mit über 1.100 MitarbeiterInnen (VZÄ) verfolgt
die ÖAW das Ziel, ihre führende Rolle in der anwendungsoffenen Grundlagenforschung in Österreich wie auch international zu halten sowie im
Rahmen von Schwerpunktsetzungen auszubauen. Die ÖAW hat daher eine Priorisierung in ihrem Forschungsportfolio vorgenommen, um sich
auf ausgewiesene disziplinäre und interdisziplinäre Stärken zu konzentrieren, und ihre Forschungsgebiete anhand von sechs Schwerpunkten spezifiziert: (1) Europäische Identitäten sowie
Wahrung und Interpretation des kulturellen Erbes, (2) Demographischer Wandel, Migration und
Integration von Menschen in heterogenen innovativen Gesellschaften, (3) Biomedizinische
Grundlagenforschung, (4) Molekulare Pflanzenbiologie, (5) Angewandte Mathematik inklusive
Modellierung und Bioinformatik, sowie (6) Quantenoptik und Quanteninformation.
Darüber hinaus hält die Leistungsvereinbarung 2012 bis 2014 weitere von der ÖAW in ihrer
Funktion als Forschungsträger zu erfüllende Ziele fest:
• Ausschließliches Betreiben von Forschungseinheiten mit fachspezifisch kritischer Größe,
• Weiterführung hochspezialisierter und/oder
langfristiger Forschungsvorhaben zur WahForschungs- und Technologiebericht 2013
rung und Interpretation des kulturellen Erbes,
• Beitrag zur Profilbildung und strategischen Positionierung innerhalb der österreichischen
Forschungslandschaft in Kooperation mit Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen sowie
• Beteiligung an regionalen, europäischen und
internationalen Forschungsinfrastrukturen im
Rahmen der European Roadmap for Research
Infrastructures.
Vorrangiges Ziel ist es, die Spitzenforschung der
ÖAW-Forschungseinrichtungen in Zukunft auf
einem international wettbewerbsfähigen Niveau
auszubauen. Ebenfalls unterstützt wird diese
Entwicklung vom Österreichischen Hochschulplan, welcher explizit auf die für den Forschungsstandort Österreich in Zukunft essentielle Fokussierung auf exzellente Forschungsbereiche
verweist und die Profilbildung an Hochschulund Forschungseinrichtungen postuliert. Die
ÖAW hat in diesem Sinne eine wichtige Maßnahme zur künftigen Schwerpunktsetzung und
Profilbildung gesetzt und einzelne ÖAW-Einrichtungen bzw. -Forschungsgruppen an österreichische Universitäten transferiert. Folgende Übertragungen sind erfolgt:
Übertragung an die Universität Innsbruck
• Institut für Limnologie (ILIM)
• Institut für Biomedizinische Alternsforschung
(IBA)
Übertragung an die Universität Salzburg
• Geographic Information Science (GIS)
• Kommission zur Herausgabe des Corpus der
lateinischen Kirchenväter (CSEL)
• Institut für Realienkunde des Mittelalters und
der frühen Neuzeit (IMREAL)
Übertragung an die Universität für Weiterbildung Krems
• Institut für Integrierte Sensor-Systeme (IISS)
(rückwirkend mit 1.1.2013)
Übertragung an die Medizinische Universität
Graz, Technische Universität Graz und Universität Graz
• Institut für Biophysik und Nanosystemforschung (IBN)
75
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
Übertragung an die Universität Graz
• Institut für europäisches Schadenersatzrecht
(ESR) (Forschungsgruppe)
Übertragung an die Montanuniversität Leoben
• Erich-Schmid-Institut für Materialwissenschaft (ESI) (Forschungsgruppe)
Übertragung an die Universität Wien
• Kommission für Rechtsgeschichte Österreichs
• Institut für europäische Integrationsforschung
• Kommission für Linguistik und Kommunikationsforschung (Forschungsgruppe)
Übertragung an die Universität Klagenfurt
• Kommission für vergleichende Medien- und
Kommunikationsforschung (Forschungsgruppe)
Die Fokussierung auf Schwerpunktfelder wurde
nicht nur mittels Übertragungen von Forschungseinrichtungen an Universitäten unterstützt, sondern auch innerhalb der ÖAW forciert, indem –
nach einschlägigen Evaluierungen – Forschungseinheiten zusammengelegt bzw. in bestehende
Institute eingegliedert wurden. Statt 63 Forschungseinheiten Anfang des Jahres 2012 sind
nun 28 Institute unter dem Dach der ÖAW versammelt. Das durch die Übertragungen und Zusammenlegungen freiwerdende Budget steht der
ÖAW zur Investition in ihre Schwerpunktfelder
zur Verfügung, um damit ihre wissenschaftliche
Exzellenz auch in Zukunft zu sichern.
3.6
Open Access
Eine Aufgabe von WissenschaftlerInnen ist es,
Wissen und Informationen zu schaffen und diese
zu verbreiten. In den meisten Disziplinen stellen
dabei Publikationen das wichtigste Medium zur
Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse dar.
Dabei werden in der Regel externe (anonyme) Begutachtungsverfahren eingesetzt, um die Einhal-
tung von Qualitätsstandards zu garantieren. Auf
dieser Grundlage entscheiden die herausgebenden Verlage über die Veröffentlichung der Publikation und diese wird, im Fall der positiven Beurteilung, kommerziell angeboten.
Diese Struktur der Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse hat in den letzten Jahren zu einer Konzentration der Anbieter sowie zu einer
erheblichen Preiserhöhung seitens der Verlagshäuser geführt. In manchen Wissenschaftsdisziplinen (wie Medizin, Naturwissenschaften und
Technik) haben sich die Preise in den letzten 20
Jahren vervierfacht, sodass die Budgets der wissenschaftlichen Bibliotheken den Kostensteigerungen der großen Verlage kaum Schritt halten
konnten.37 Die möglichen und erhofften Wirkungen durch den Einsatz digitaler Distributionsmöglichkeiten via Internet sind jedoch bislang in diesem Bereich ausgeblieben. Vor diesem Hintergrund sind daher Rufe nach neuen Modalitäten
und Strukturen der Distribution wissenschaftlicher Erkenntnisse laut geworden. Im Zentrum
steht dabei der Begriff Open Access (OA), „…den
freien Zugang zu wissenschaftlichen Resultaten
(Publikationen und Forschungsdaten) im Internet“.38
Gemäß dem Prinzip des offenen Zugangs
(Open Access-Paradigma) sollen Wissen und Informationen in Zukunft umfassend frei zugänglich werden, um nicht zuletzt damit auch einen
Beitrag zur besseren Transparenz, Nachhaltigkeit
und Interaktivität in einer Wissensgesellschaft
zu leisten.
Befürworter des Open Access führen mehrere
Gründe für diesen Paradigmenwechsel an:
• Mit dem Internet wurden technische Voraussetzungen geschaffen, wissenschaftliche Resultate jederzeit und von jedem Ort zugänglich zu machen;
• Die Verlage erhalten die wissenschaftlichen
37Siehe hierzu auch http://open-access.net/at_de/general_information/gruende_und_vorbehalte/gruende_F&Er_oa/
38Reckling (2013), S. 1. Das folgende Kapitel basiert im Wesentlichen auf einer von Falk Reckling im Februar 2013 verfassten Publikation
mit dem Titel „Open Access – Aktuelle internationale und nationale Entwicklungen“. An dieser Stelle sei Falk Reckling auch für seine
umfassende Unterstützung für das vorliegende Kapitel gedankt.
76
Forschungs- und Technologiebericht 2013
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
Publikationen von den in der Regel mit öffentlichen Geldern finanzierten AutorInnen meist
kostenlos;
• Externe GutachterInnen bieten ihre Leistungen für die Qualitätssicherung in den meisten
Fällen ebenfalls kostenlos an;
• Schließlich haben die enorm gestiegenen Kosten von Zeitschriftenabonnements und -lizenzen (getrieben durch die Preispolitik großer
renommierter Verlage) dazu geführt, dass nur
noch wenige Bibliotheken in der Lage sind, alle erforderlichen bzw. gewünschten Publikationen anzuschaffen.
Neben dem finanziellen Argument wird auch das
Postulat angeführt, dass die Erkenntnisse öffentlich finanzierter Forschung sehr wohl frei zugänglich sein sollten, nicht nur, um den Wissensaustausch mit der Scientific Community sicherzustellen, sondern auch um gegenüber der Gesellschaft einen Mehrwert zu schaffen. Der erst
jüngst in Großbritannien veröffentlichte FinchReport – mit dem Ziel, eine Basis für eine nationale OA-Strategie zu schaffen – nennt angesichts
der aktuellen Diskussionen folgende Argumente
für eine in Zukunft wegweisende OA-Politik:
• Verbesserte Transparenz und Zugänglichkeit,
mehr Verantwortungsbewusstsein, sowie ein
erhöhtes öffentliches Interesse an Forschung,
• Verbesserter Wissenstransfer insbesondere
zwischen Forschung und Innovation, und damit mehr Wirtschaftswachstum und Wohlstand,
• Höhere Effizienz, was den Forschungsprozess
selbst durch den erweiterten und erleichterten
Zugang zu Wissen, die Wissenssuche durch
den geringeren Zeitaufwand und den breiteren
und verbesserten Einsatz von Analysemethoden betrifft, sowie
• Verbesserte Legitimation gegenüber der Öffentlichkeit, insbesondere, wenn die Forschung
aus öffentlichen Mitteln finanziert wird.39
Maßgeblich für die Verbreitung des Open AccessParadigmas war die Berliner Erklärung über den
offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen
(2004), welche weltweit von 249 Institutionen
(darunter von drei österreichischen Institutionen
wie dem Österreichischen Wissenschaftsfonds,
der Österreichischen Rektorenkonferenz und der
Universität Wien) unterzeichnet wurde.40 Mittlerweile gibt es fast 400 institutionelle Unterzeichner.41 Darin ist festgehalten, dass Open AccessVeröffentlichungen im Wesentlichen zwei Voraussetzungen zu erfüllen haben:
1.Dass die Urheber und Rechteinhaber „…allen
Nutzern unwiderruflich das freie, weltweite
Zugangsrecht zu diesen Veröffentlichungen“
gewähren und ihnen erlauben, „…diese Veröffentlichungen – in jedem beliebigen digitalen
Medium und für jeden verantwortbaren
Zweck – zu kopieren, zu nutzen, zu übertragen und öffentlich wiederzugeben sowie Bearbeitungen davon zu erstellen und zu verbreitern, sofern die Urheberschaft korrekt angegeben wird“; sowie
2.Dass „eine vollständige Fassung der Veröffentlichung sowie aller ergänzenden Materialien, einschließlich einer Kopie der oben erläuterten Rechte [….] in einem geeigneten
elektronischen Standardformat in mindestens
einem Online-Archiv hinterlegt (und damit
veröffentlicht)…“ wird.42
Open Access als erstrebenswertes Ziel bedeutet
aber nicht, dass Publizieren in Open Access in
Zukunft „gratis“ sein wird. Im Gegenteil, die
Kosten für das wissenschaftliche Publizieren
39Vgl. Finch (2012).
40Neben der Berliner Erklärung sind noch die Budapest-Open-Access-Initiative (2002), welche sowohl von Einzelpersonen als auch von
Institutionen unterstützt wurde, sowie die Wiener Erklärung (2005) als weitere an die internationale Community adressierte proaktive Initiativen zu nennen.
41Siehe Liste der Signatoren unter: http://oa.mpg.de/lang/de/berlin-prozess/signatoren/
42Berliner Erklärung, S. 3.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
77
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
werden in der Umbruchphase steigen, wobei
prinzipiell zwei – jeweils zu finanzierende – Wege für die Umsetzung von OA beschritten werden können: Green Road und Gold Road.
chivierung durch die WissenschaftlerInnen bereits schon sehr weit verbreitet, wenn auch meist
nur in Form von Preprints.
3.6.2 Gold Road
3.6.1 Green Road
Die Grundprinzipien der Green Road sind, dass
jeder wissenschaftliche Beitrag parallel zur Publikation in einer Zeitschrift von den AutorInnen in
einer frei zugänglichen Datenbank – einem Repositorium – archiviert wird. Archiviert werden
können Preprints und Postprints.43 Unter Preprints werden die Manuskripte wissenschaftlicher Beiträge verstanden, die bei Zeitschriften
eingereicht wurden, aber zumeist noch keine
Qualitätssicherungsverfahren durchlaufen haben.
Die AutorInnen verfügen in der Regel daher noch
über die Nutzungsrechte, sodass der Selbstarchivierung meist keine rechtlichen Regelungen entgegenstehen. Bei den Postprints stellt sich die Situation anders dar, da diese bereits den Reviewprozess durchlaufen haben und zur Veröffentlichung akzeptiert wurden. Hier können rechtliche
Probleme auftreten, da die Verlage auf unterschiedliche Weise mit dieser Art der Zweitveröffentlichung umgehen. Viele Wissenschaftsverlage
definieren sogenannte Embargozeiten, d.h. sie gestatten eine zeitlich verzögerte Publikation von
Postprints. Da es sich bei den Embargozeiten um
Zeitperioden von zwischen 6 bis zu 36 Monaten
handelt, schränkt dies sowohl die Zitierfähigkeit
als auch die Aktualität der Veröffentlichung massiv ein.
Von Seiten der WissenschaftlerInnen werden
die Politiken (wie z.B. unterschiedliche Bestimmungen zu Embargozeiten, Formate, Archivierungsorte) der einzelnen Verlage als oft undurchsichtig, kompliziert und daher zu zeitintensiv
wahrgenommen. Dennoch ist in einigen Diszi­
plinen, wie zum Beispiel der Mathematik, Physik oder Wirtschaftswissenschaft, die Selbstar-
Als Gold Road wird eine Vorgehensweise verstanden, bei der die wissenschaftliche Originalarbeit
direkt in einer OA-Publikation erfolgt. Dabei wird
in der Regel ein Peer Review-Verfahren durchlaufen und die AutorInnen schließen mit dem Verlag
meist einen Publikationsvertrag ab, der die Nutzungsrechte und -bedingungen regelt. Auf der Internetplattform Directory of Open Access Journals sind bereits über 8.700 OA-Zeitschriften gelistet, bei denen ein Peer Review Verfahren Voraussetzung für eine Veröffentlichung ist.44 Die Finanzierung kann dabei über zwei mögliche Wege
erfolgen:
• Die erste Finanzierungsform basiert darauf,
dass die AutorInnen in Form von Gebühren
pro Artikel, über sogenannte Article Processing Charges (APC), die Kosten für die Publikationen übernehmen. Dieses Modell hat sich
vor allem im Bereich Life Sciences durchgesetzt. Um es weiter zu fördern, haben Förderorganisationen begonnen, wie es auch der Österreichische Wissenschaftsfonds seit Anfang
2004 praktiziert, die Publikationskosten für
ihre FördernehmerInnen zu übernehmen.
• Die zweite Finanzierungsform sieht vor, dass
sich Förderorganisationen, Forschungsstätten,
Fachgesellschaften und Bibliotheken neben
den kommerziellen Verlagen wieder stärker
im wissenschaftlichen Publikationswesen engagieren; d.h. WissenschaftlerInnen werden
die technischen und finanziellen Ressourcen
zur Verfügung gestellt, welche eine Herausgabe von Zeitschriften oder Buchreihen erlauben, ohne dass dabei Kosten von den AutorInnen getragen werden müssen. Diese Vorgehensweise hat bislang vor allem in kleineren
43Neben Preprints und Postprints wird auch zwischen institutionellen und fachspezifischen Repositorien unterschieden. In institutionellen Repositorien werden die wissenschaftlichen Aktivitäten von Institutionen gebündelt, während in den disziplinären Repositorien die wissenschaftlichen Beiträge disziplinenübergreifend zusammengeführt werden.
44http://www.doaj.org/doaj?func=browse&uiLanguage=en
78
Forschungs- und Technologiebericht 2013
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
Disziplinen und den Geistes- und Sozialwissenschaften verstärkt Anwendung gefunden.45
Bei beiden Finanzierungsformen werden die Kosten von den Lesern auf die AutorInnen der wissenschaftlichen Beiträge bzw. auf die Mitglieder
der Wissenschaftsorganisationen verschoben. Somit ist die Gold Road keineswegs kostengünstiger als das konventionelle System, dennoch können Effizienzgewinne entstehen, wenn durch eine verstärkte Konkurrenz die Gesamtkosten reduziert werden.
Nach jüngsten Schätzungen liegt der Anteil
der nach der Gold Road veröffentlichten referierten Artikel bei 10 bis 16 %. Offensichtlich weist
auch dieser Weg Probleme auf, welchen die WissenschaftlerInnen beim Publizieren gegenüberstehen. So zählt es als Nachteil, dass sich OAPublikationsorgane erst in den letzten zehn Jahren systematisch etabliert haben und heute vergleichsweise noch wenige OA-Publikationsorgane Renommee ausweisen, welches für die WissenschaftlerInnen Anreiz ist, in solchen Organen
zu publizieren. Ebenfalls engagieren sich bisher
nur wenige Forschungsstätten und Förderer bei
der finanziellen Unterstützung der Gold Road,
sei es entweder als Träger von OA Publikationsorganen oder sei es über die Bereitstellung der
Mittel für APCs für die WissenschaftlerInnen.
Hinzu kommt, dass der neue Markt Anbieter
hervorgebracht hat, welche zu relativ hohen Kosten eine geringe Qualität anbieten.
Folglich bieten zahlreiche Verlage neben der
Veröffentlichung in OA-Journalen sogenannte
Hybrid-Modelle an. Es handelt sich dabei um Hybrid-Zeitschriften, welche nicht Open Access
sind, den WissenschaftlerInnen aber die Option
anbieten, ihre Artikel „freizukaufen“ und somit
diese in Open Access zu publizieren. De facto
übernehmen die AutorInnen bzw. Förderorganisationen die Gebühren, um die Publikationen den
LeserInnen frei zugänglich zu machen. Was die
Verlage betrifft, so bieten heute international tätige Großverlage generell die Option des Publizierens in Hybrid-Zeitschriften an, was die Kritik
mit sich bringt, dass diese Verlage zwar steigende
Open Access-Beiträge von konventionellen Zeitschriften einfordern, jedoch die Abonnementkosten bislang noch nicht gesenkt haben; d.h. die Verlage nutzen die OA-Entwicklungen zu ihren
Gunsten.46
3.6.3 Die Entwicklung von Open Access Journals
Die ersten Open Access Journale (OAJ) wurden
bereits 1989 gegründet und, wie Abb. 19 veranschaulicht, ist die Anzahl der OAJ in den letzten
zehn Jahren exponentiell gewachsen. Insgesamt
geht man davon aus, dass heute von mehr als
30.000 referierten wissenschaftlichen Fachzeitschriften etwa ein Viertel OAJ sind.
Abb. 19: E ntwicklung von Open Access Journals (OAJ)
von 2003–2012
9000
8519
8000
7277
7000
6000
5739
5000
4279
4000
3522
3000
2685
2145
2000
1000
0
1662
1099
552
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Quelle: Falk (2013), übernommen von: www.doaj.org.
Open Access Journals werden im Directory of
OA Journals (DOAJ) registriert, wo aktuell Journals aus 121 Ländern gelistet sind. Weltweit führend ist die USA mit insgesamt 1.270 registrierten OAJ, gefolgt von Ländern wie Brasilien (801),
Großbritannien (575), Indien (463), Spanien (442),
45Vgl. Reckling et al. (2012).
46Vgl. Bauer, Stieg (2010). Eine Übersicht der Verlage, welche Hybridmodelle anbieten, bietet das Subverzeichnis der SHERPA/RoMEOSeite „Publishers with Paid Options for Open Access“ (http://www.sherpa.ac.uk/romeo/PaidOA.html).
Forschungs- und Technologiebericht 2013
79
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
Ägypten (350), Deutschland (259) und Kanada
(255). Gemessen an der Einwohnerzahl ist die
Schweiz (125) derzeit der größte Produzent von
OAJ. Demzufolge investieren vor allem wissenschaftsstarke Nationen in diesen neuen Markt,
aber auch wissenschaftlich aufstrebende Länder
wie Brasilien, Indien und Ägypten nutzen offenbar die kostengünstige Möglichkeit für einen
Markteintritt. Nach Disziplinen haben die Life
Sciences mit etwa 35 % den höchsten Anteil am
gesamten Markt, gefolgt von den Sozialwissenschaften (25 %), den Geisteswissenschaften
(15 %), den Naturwissenschaften (12 %), sowie
den Technik- und Ingenieurswissenschaften
(10 %). Was die Entwicklung von OAJ in Österreich betrifft, so wurden Ende 2012 insgesamt 40
OAJ publiziert, wobei zu den renommiertesten
Journals vor allem Living Reviews in European
Governance, European Integration online Papers, Myrmecological News oder Vienna Yearbook of Population Research zählen.
Getrieben wurde der Markt der OAJ vor allem
durch die technischen Möglichkeiten des Internets, welche einen Markteintritt nicht nur wesentlich preiswerter gestalten, sondern auch eine
Reihe von frei verfügbaren Softwarelösungen –
allen voran das von einem Verbund amerikanischer und kanadischer Universitäten finanzierte
Open Journal System – zur Verfügung stellen.
Weitere Antreiber für die rasante Entwicklung
von OAJ waren die nicht-kommerzielle Public
Library of Science (PLoS) und der kommerzielle
BioMedCentral Verlag.
Als weiteren Schritt hat die Public Library of
Science ein Publikationsmodell namens PLoSOne, ein sogenanntes Megajournal, etabliert, das
sich innerhalb weniger Jahre zur größten Fachzeitschrift der Welt entwickelt hat. Mit knapp
24.000 Beiträgen im Jahr 2012 folgt PLoSOne
drei Prinzipien: (1) umgehend zu publizieren, (2)
die Beiträge aller naturwissenschaftlichen Disziplinen zu akzeptieren sowie (3) keine editorische
Selektion etwa nach der wissenschaftlichen Be-
deutung der Beiträge zu machen. Damit geht einher, dass etwa 70 % aller eingereichten Beiträge
akzeptiert werden, die Kosten für den editorischen Aufwand sehr gering und somit auch die
APC pro Artikel (etwa 1.000 €) niedrig gehalten
werden. Auch diesem Modell folgten zahlreiche
Nachahmer bei kommerziellen Verlagen wie z.B.
SageOpen, Forum of Mathematics, OpenBiology, GigaScience oder die erst jüngst lancierte Initiative Open Library of Humanities.
3.6.4 Internationale Entwicklungen
In den USA wurde erst jüngst am 14. Februar
2013 die überparteiliche Gesetzesinitiative Fair
Access to Science and Technology Research Act
(FASTR) in den Kongress sowie in das Repräsentantenhaus eingebracht. Demnach sollen wissenschaftliche Publikationen, die von öffentlichen
Fördergebern (mit einem Jahresbudget von insgesamt mehr als 100 Mio. US $) finanziert werden,
entsprechend der Green Road mit einer maximalen Embargozeit von sechs Monaten in OA archiviert werden. Auf europäischer Ebene startete die
EU-Kommission bereits im August 2008 ein
Open-Access-Pilotprojekt, welches sich auf Teile
des 7. Europäischen Rahmenprogramms (FP7)
und European Research Council (ERC) bezieht.
Open Access wird dabei in ausgewählten Bereichen wie z.B. Energie, Umwelt, Gesundheit und
IKT gefördert, indem alle FördernehmerInnen
angehalten sind, ihre wissenschaftlichen (peerreviewed) Publikationen in einem Repositorium
abzulegen und nach einer Embargozeit von sechs
bzw. zwölf Monaten diese frei zugänglich zu machen. Gefördert werden sämtliche Publikationskosten inklusive AutorInnengebühren beim Goldenen Weg. Dieses Pilotprojekt wird begleitet
von einem Monitoring-Projekt namens OpenAIRE, welches den stetigen Austausch mit dem
Europäischen Parlament, den Mitgliederstaaten
und den Stakeholdern übernommen hat.47 Pro
aktiv unterstützt wird OA ebenfalls vom Euro-
47 Siehe „Open Access in FP7“, http://ec.europa.eu/research/science-society/index.cfm?fuseaction=public.topic&id=1300&lang=1
80
Forschungs- und Technologiebericht 2013
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
pean Research Council (ERC). So ist der ERC der
weltweit größten Volltextdatenbank für wissenschaftliche Publikationen in den Life Sciences,
dem Repositorium Europe PubMedCentral, beigetreten. Mit über 2,6 Mio. Papers ist Europe
PubMedCentral das mit Abstand bedeutendste
Postprint-Repositorium, zu dessen Aufbau die
Politiken tragender Förderorganisationen wie
NIH, Wellcome Trust, MRC, BBSRC, FWF und
ERC wesentlich beigetragen haben. Alle genannten Förderorganisationen verpflichten ihre ProjektnehmerInnen, in Europe PubMedCentral zu
archivieren.
In Zukunft soll das Publizieren in OA weiterhin
forciert werden. Es sollen alle Publikationen, die
im Rahmen der EU-Förderung entstehen, im
Open Access zugänglich gemacht werden. Für
Horizon 2020 bedeutet dies, dass alle geförderten Publikationen (inklusive Forschungsdaten) zu OA nach der Green Road oder der Gold
Road verpflichtet werden sollen.48 Darüber hinaus kommuniziert die EU-Kommission das Ziel,
dass alle Mitgliedsländer mittels entsprechender
Maßnahmen bis 2016 zumindest 60 % aller wissenschaftlichen Publikationen in OA veröffentlichen sollen. Die Förderorganisationen werden
dabei insbesondere in der Verantwortung gesehen, sich der Langzeitarchivierung wissenschaftlicher Daten anzunehmen. Um diese Entwicklung zu beschleunigen, hat die EU-Kommission
per 1. Februar 2013 den Mitgliedsländern empfohlen, entsprechend den europäischen Zielen, OAMaßnahmen für öffentlich finanzierte Forschung
auf nationaler Ebene zu setzen sowie eine klare
Politik hinsichtlich einer rascheren Umsetzung
von Open Access und Open Data zu definieren.49
Bislang praktizieren die EU-Mitgliedsländer
durchaus unterschiedliche Ansätze zur Umsetzung von Open Access, wobei zu den absoluten
Vorreitern sicherlich Großbritannien zählt.
Großbritannien hat als erstes Land der Welt an-
gekündigt, die Ökonomie des wissenschaftlichen
Publikationssystems in den kommenden Jahren
vollständig auf OA umzustellen. Wegweisend
hierfür ist der sogenannte Finch Report, an dessen Erstellung sämtliche Interessensgruppen beteiligt waren und in welchem Szenarien des Umstiegs entwickelt wurden. Für den Umstieg selbst
stellen die UK Research Councils in den nächsten Jahren rund 3 Mrd. Pfund zur Verfügung und
ändern ihre Politiken. Per 1. April 2013 müssen
alle wissenschaftlichen Publikationen, welche
durch Research Councils gefördert werden, in
OA zugänglich gemacht werden. Die sogenannten Article Processing Charges (APC) sollen dabei von eigens zur Verfügung gestellten Mitteln
finanziert werden. Darüber hinaus wird von den
Universitäten und Hochschuleinrichtungen erwartet, dass sie selbst Fonds zwecks Unterstützung des OA-Publishing aufsetzen.50
Unter den nordischen Ländern hat Dänemark
in den letzten Jahren Schritte in Richtung OA
unternommen. Nach einem Prozess der Abstimmung mit allen relevanten Stakeholdern hat Dänemark eine nationale OA-Strategie erarbeitet
und aufgesetzt. Schweden hat eigens ein OA-Programm, welches vom National Library’s Department for National Cooperation koordiniert wird,
ins Leben gerufen. Darüber hinaus sind die Universitäten gesetzlich verpflichtet worden, der Öffentlichkeit Zugang zu ihren Forschungsergebnissen inklusive „research results for commercial exploitation“ zu gewähren. Publizieren in
OA ist – begleitet von zahlreichen Verpflichtungen und Regelungen seitens der Universitäten –
auch in Finnland gängige Praxis geworden. Selbiges gilt in Norwegen, wo OA auf nationaler Ebene im White Paper on Research als übergeordnetes Ziel festgehalten wird. Demnach müssen alle
öffentlich finanzierten wissenschaftlichen Publikationen grundsätzlich frei zugänglich gemacht
werden. In den Niederlanden zeigen sich sowohl
48Bei der Green Road sollen die wissenschaftlichen Publikationen nach einer Embargozeit von sechs Monaten, in den Geistes- und Sozialwissenschaften nach einer Embargozeit von zwölf Monaten frei zugänglich gemacht werden.
49Siehe Council of the European Union (2013).
50Vgl. Osborn (2013).
Forschungs- und Technologiebericht 2013
81
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
die Scientific Community als auch die Bibliotheken als durchaus aktiv hinsichtlich der Umsetzung von OA, wenn auch drastische Budgetkürzungen keine zusätzlichen Investitionen in diesem Bereich in Zukunft erwarten lassen.51
Deutschland zählt zu jenen Ländern, welche
keine nationale OA-Strategie verfolgen. Es wird
vielmehr ein Bottom-up-Ansatz verfolgt; d.h.
ausschlaggebend für eine Weiterentwicklung von
OA sind vor allem einzelne Stakeholder-Initiativen. Forschungsorganisationen wie die Deutsche
Forschungsgemeinschaft (DFG) haben bereits eine eigene OA-Politik definiert. Ähnlich ist die
Strategie in der Schweiz. Der Schweizer Nationalfonds verpflichtete bereits seit 2007 seine FördernehmerInnen, in OA zu publizieren. Zwecks
weiterer Unterstützung von Open Access hat die
Schweiz nun einen Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft initiiert. Sowohl der Verbund der vier schweizerischen Akademien der
Wissenschaften als auch die Konferenz der Universitätsbibliotheken empfehlen dabei, wissenschaftliche Publikationen frei zugänglich zu machen bzw. haben Projekte zum Thema OA gestartet. So gibt es Pilotprojekte wie z.B. an der
Hauptbibliothek Universität Zürich, welche ab
2012 Open Access Publikationen im Bereich
Geistes- und Sozialwissenschaften mit einem
Publikationsfonds unterstützt.
3.6.5 Status-quo in Österreich
Wie in anderen europäischen Ländern gibt es
auch in Österreich keine national abgestimmte
OA-Politik bzw. zentral organisierte Initiativen.
So sind es in Österreich einzelne Institutionen
und WissenschaftlerInnen, welche das Publizieren in Open Access pro-aktiv vorantreiben. Mitunter hat die Österreichische Rektorenkonferenz
bereits 2004 die Berlin Declaration on Open Ac-
cess to Knowledge in the Sciences and Humanities unterzeichnet und nach einer Veröffentlichung der Recommendations from the EUA
Working Group on Open Access im Jahr 2008
eine Arbeitsgruppe zum Thema Open Access gegründet. Ergebnis dieser Arbeitsgruppe sind Empfehlungen der Österreichischen Universitätenkonferenz (uniko) zu einer Open Access-Politik
der Universitäten im Jänner 2010. Darin wird
den Universitäten empfohlen, den Übergang zum
Open Access-Paradigma aktiv zu unterstützen,
indem sie eine Green Road-Strategie verfolgen –
im Bewusstsein, dass die Benutzung von bestehenden bzw. die Errichtung von Repositorien zusätzlicher (mitunter drittmittelfinanzierter) Ressourcen bedarf. Darüber hinaus werden die Universitätsleitungen angehalten, eine Open Access
Politik zu verabschieden.52
Auf nationaler Ebene wurde Open Access als
(Zukunfts-)Thema insofern verankert, als dass
der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFTE) Open Access in der Strategie 2020
wie folgt verankert hat: „Der Rat betrachtet es
als Bringschuld von Wissenschaft und FTI – vor
allem jener, die mit öffentlichen Mitteln finanziert wird –, die Gesellschaft breit und umfassend über ihr Tun und Handeln sowie über ihre
Erkenntnisse und Entwicklungen zu informieren. Dazu gehört unter anderem, dass bis zum
Jahr 2020 alle öffentlichen Forschungsergebnisse
in Österreich (vor allem Publikationen, Forschungsprimärdaten etc.) frei im Internet zugänglich sind – Stichwort: Open Access.“53 Dementsprechend sind heute verschiedene Stakeholder zwecks Umsetzung und Verbreitung von OA
in Österreich aktiv bzw. sind bereits auch zahlreiche Maßnahmen seitens der Förderorganisationen, Forschungsgesellschaften und Universitäten hierfür implementiert worden.
51Vgl. Europäische Kommission (2011b).
52Siehe uniko (2010).
53RFTE (2009): Strategie 2020, S. 31.
82
Forschungs- und Technologiebericht 2013
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
Maßnahmen des Österreichischen
Wissenschaftsfonds (FWF)
Der FWF, einer der Erstunterzeichner der Berliner Erklärung, betreibt seit 2003 eine konsequente OA Politik, welche aktuell folgende Maßnahmen umfasst:
• Seit 2003 übernimmt der FWF Finanzierungen
von Publikationen nach der Gold Road. Das
waren im Jahr 2012 knapp 900 Zeitschriftenund Buchpublikationen mit einem Finanzumfang von etwa 1,6 Mio. €. Gemessen am Gesamtbudget ist diese Summe neben dem Wellcome Trust54 einer der höchsten Werte einer
Förderorganisation weltweit.
• Alle FördernehmerInnen gehen seit 2006 die
Verpflichtung ein, wann immer rechtlich möglich, ihre Publikationen nach Gold Road oder
Green Road frei zugänglich zu machen.
• Seit März 2010 beteiligt sich der FWF über das
Partnerrepositorium UKPubMedCentral an
PubMedCentral; das bedeutet, dass alle ProjektleiterInnen im Bereich Life Sciences ein
Projektkonto bei UKPubMedCentral erhalten,
um darin ihre Publikationen zu archivieren.
Bislang wurden knapp 3.000 Publikationen
aus FWF-Projekten im Bereich Life Sciences
über diese Initiative frei zugänglich gemacht.
• Der FWF hat zudem die Förderung von OpenAccess-Veröffentlichungen von Büchern ausgeweitet: Mit der Etablierung der FWF E-BookLibrary wird ein Repositorium, welches vom
PHAIDRA-Team der Universität Wien technisch unterstützt wird, zur Verfügung gestellt,
in welchem alle seit Dezember 2011 beim
FWF geförderten Publikationen zeitgleich mit
dem Erscheinen des Buches, des E-Books oder
Ähnlichem frei zugänglich gemacht werden.
Außerdem bietet der FWF an, alle vom FWF
geförderten und seit 2000 erschienen Bücher
zu digitalisieren und ebenfalls in der FWF EBook-Library zu veröffentlichen.
• Gemeinsam mit dem BMWF hat der FWF im
Oktober 2012 eine Interessensbekundung für
die Anschubfinanzierung von OAJ in den
Geistes- und Sozialwissenschaften ausgeschrieben. Damit sollen 2013 fünf bis zehn international hochklassige OAJ gefördert werden.
• International engagiert sich der FWF über Science Europe (eine Dachorganisation der europäischen Forschungsförderer und Forschungsträgerorganisationen) für gemeinsame europäische Standards in OA, welche im Frühjahr
2013 publiziert werden sollen.
• In Österreich hat der FWF in jüngster Zeit eine
Diskussion um eine University/Academic
Press angestoßen. Die Idee ist, dass Forschungsstätten und Verlage gemeinsam eine
Publikationsplattform gründen, welche die
technischen Voraussetzungen für international sichtbare Publikationen mit Qualitätssicherungsverfahren internationalen Standards
(wie z.B. Peer Review, Fachlektorate) und OA
schaffen.
Maßnahmen der wissenschaftlichen Institutionen
ÖAW und IST Austria
Implizit verfolgt die österreichische Akademie
der Wissenschaft (ÖAW) bereits seit 2005 eine
Open Access-Politik, formell beschlossen wurde
diese im Sommer 2011. So empfiehlt die Akademie den ÖAW-WissenschaftlerInnen, ihre Forschungsergebnisse frei zugänglich zu machen, indem diese möglichst zeitnah, in nach Fachgebieten differenzierter Form – sofern vertraglich möglich – gemäß der Green Road-Strategie archiviert
werden. Die ÖAW-AutorInnen haben dabei das
Recht, eine digitale Kopie ihrer wissenschaftlichen Publikation in einem Respositorium der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zu diesem
Zweck stehen ihnen das (seit 2006 etablierte) institutionelle Repositorium EPUB.OEAW, welches
54Der Wellcome Trust mit Sitz in London ist die weltweit zweitreichste Stiftung, die medizinische Forschung fördert.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
83
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
ebenso als elektronische Plattform des ÖAW-Verlags fungiert, oder auch andere fachspezifische
Dienste zur Verfügung. Der ÖAW-Verlag ist ein
sogenannter Green Publisher; d.h., dass Zeitschriftenartikel als Manuskript (nicht jedoch im
Verlagslayout) auf der Homepage des Wissenschaftlers oder im Repositorium der Forschungsinstitution bereits vor der Verlagsveröffentlichung
online gestellt werden dürfen. Die ÖAW behält
sich lediglich ein nicht exklusives Recht zur Veröffentlichung, was für die AutorInnen bedeutet,
dass sie ihre wissenschaftlichen Arbeiten ohne
weitere Einschränkungen weiterverwerten können. Diese Regelung hat ihre Gültigkeit für Zeitschriften, nicht aber für Bücher und Datenbanken. Darüber hinaus bietet die ÖAW im Rahmen
des Programms Author’s Choice die Option an,
gegen Bezahlung einer OA-Gebühr Zeitschriftenartikel oder Beiträge in Sammelbänden bereits
zum Zeitpunkt der Publikation im Internet frei
zugänglich zu machen. Diese Option ist durchaus
als eine Möglichkeit für die Gold Road zu sehen,
wenn auch die ÖAW in der Regel (vor allem aus
Kostengründen) die Green Road zu beschreiten
empfiehlt; für die Gold Road empfiehlt sie prinzipiell eine Drittmittelfinanzierung (wie z.B. durch
den FWF). Dass die ÖAW auch in Zukunft, ihr
OA-Angebot forcieren wird, ist mitunter in der
Leistungsvereinbarung 2012 bis 2014 zwischen
ÖAW und BMWF festgelegt. Publizieren in OA
soll somit auch seitens der ÖAW in Zukunft ausgebaut werden.55
Ebenfalls hat das Institute of Science and Technology Austria (IST Austria) ein eigenes Repositorium nach dem Open Access-Prinzip aufgebaut.
Ausschlaggebend hierfür war die Evaluierung des
IST Austria, welche u.a. auf sämtliche Publikationen des Instituts eingehen sollte. Beim Aufbau
selbst war ein Hauptaspekt, dass der Aufwand für
die Eingabe von Daten möglichst gering gehalten
werden sollte. Ziel war es, dass Daten und Files
von der Publikationsdatenbank einfach in das Repository übertragen werden können. Für die WissenschaftlerInnen sollte der Aufwand gering sein,
indem sie ihren Content einmalig in das System
laden, alle weiteren notwendigen Schritte von
den Diensten der Bibliothek übernommen werden. Insgesamt forciert daher auch die OA-Politik
des IST Austria – mittels Repositorium basierend
auf EPrints – die Green Road. Zusätzlich hat IST
Austria aber auch erst jüngst einen Publikationsfonds zur Förderung der Gold Road eingerichtet.56
3.6.6Maßnahmen der österreichischen
Universitäten
Die österreichischen Universitäten haben bereits
begonnen, Maßnahmen und Initiativen zur Umsetzung von OA zu setzen. Am weitesten gediehen sind die Open-Access-Aktivitäten der Universität Wien, welche Services und Infrastruktur
zur Selbstarchivierung (Green Road) der wissenschaftlichen Publikationen und primären Forschungsdaten anbietet und zugleich WissenschafterInnen bei ihren Publikationsvorhaben technisch, finanziell und mit bibliometrischer Begleitung unterstützt.57 Seit 2008 hat die Universität
Wien das gesamtuniversitäre Digital Asset Management System Phaidra (Permanent Hosting,
Archiving and Indexing of Digital Resources and
Assets) etabliert. Phaidra bietet als Repositorium
für Verwaltung, Forschung und Lehre die Möglichkeit der langfristigen Verwaltung von digitalen Inhalten in unterschiedlichen Formaten, so
dass wertvolle digitale Bestände dauerhaft gesichert und weltweit zugänglich gemacht werden
können. Der NutzerInnenkreis hat sich nach Inbetriebnahme von Phaidra rasch über die Grenzen
der Universität Wien ausgebreitet. So nutzt heute
eine Reihe von Institutionen Phaidra entweder als
eigenständige Installation oder als Hosting-Angebot, etwa die Kunstuniversitäten Graz und Linz,
55Vgl. Nentwich et al. (2012).
56Vgl. Rossini (2012).
57Siehe http://openaccess.univie.ac.at.
84
Forschungs- und Technologiebericht 2013
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
die Universität für Angewandte Kunst in Wien,
der Österreichische Wissenschaftsrat, die Österreichische Forschungsgemeinschaft, das Forum
Universitätsbibliotheken Österreichs oder der
Wissenschaftsfonds.58 Die Wirtschaftsuniversität
Wien verfügt ebenfalls über ein institutionelles
Repositorium. Seit zehn Jahren betreibt sie den
Open Access-Publikationsserver ePubWU, welcher
wissenschaftliche Arbeiten kostenfrei und dauerhaft online verfügbar macht. Aktuell sind etwa
1.300 Dokumente abrufbar, die im Rahmen der
urheberrechtlichen Bestimmungen zu wissenschaftlicher und privater Nutzung kopiert, ausgedruckt und zitiert werden können.
Auch andere Universitäten wie z.B. die Technische Universität Graz oder die Universität
Graz planen ein Repositorium zur Umsetzung
der Green Road. So ist es Ziel der Universität
Graz, einen Publikationsserver zu installieren, in
welchem Publikationen wie (1) Diplomarbeiten,
Dissertationen und Habilitationen, (2) Aufsätze,
Proceedings, Research Papers, Reports und Sonderdrucke, sowie (3) digitale Objekte aller Art
wie Bilder (z.B. Handschriften), Videoclips, Audio-Dateien, CD-ROMs, Begleitmaterialien etc.
gesammelt und über eine Online-Plattform der
Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden
können. Ähnlich soll an der Universität Mozarteum Salzburg ein Ausbau zur hybriden Bibliothek erfolgen. Publikationsfonds zur Förderung
der Gold Road haben darüber hinaus die Technische Universität Graz, die Universität Wien und
die Universität für Bodenkultur eingerichtet.
Insgesamt engagiert sich die überwiegende
Mehrheit der österreichischen Universitäten
sehr aktiv für eine Einführung und Entwicklung
von Open Access-Strategien bzw. für eine Weiterführung von Open Access-Initiativen. Die
Universitäten haben ihr Engagement hierzu u.a.
auch in den Leistungsvereinbarungen 2013 bis
2015 verankert. In Zukunft kommt dabei der
Weiterentwicklung von OA im Universitätenverbund eine besondere Relevanz zu. So gibt es
Kooperations- und Koordinationsaktivitäten im
Bereich Open Access in Zusammenarbeit mit
dem FWF und der österreichischen Bibliothekenverbund- und Service GmbH, an welchen sich
alle österreichischen Universitäten beteiligen.
Ziel ist es, eine österreichweite Lösung für Open
Access sowie für den Aufbau von Institutional
Repository für Preprints zu erarbeiten. Darüber
hinaus entwickeln sich auch auf regionaler Ebene Kooperationen wie z.B. die gemeinsame steirische Open Access-Plattform. An dieser Plattform
beteiligen sich die Universität Graz, Technische
Universität Graz, Medizinische Universität
Graz, Montanuniversität Leoben und Kunstuniversität Graz – mit dem Ziel, bis 2015 ein universitäres Repositorium inklusive einer elektronischen Langzeitarchivierung und eines repräsentativen Forschungsinformationssystems aufzusetzen.
Eine weitere Initiative nimmt sich der Finanzierung des österreichischen Anteils an der internationalen Initiative SCOAP³ (Sponsoring Consortium for Open Access Publishing in Particle
Physics) an. Ziel ist es, dass ab 2014 alle relevanten Fachzeitschriften der Hochenergiephysik in
OA erscheinen. Um dies zu organisieren, haben
sich die Universität Wien, die Technische Universität Wien, die Universität Graz, die Universität Innsbruck, die ÖAW, der FWF, das BMWF und
die Österreichische Bibliothekenverbund- und
Service GmbH (OBVSG) zusammengeschlossen.
Schließlich wurde Ende November 2012 auf Initiative der UNIKO und des FWF das OA Netzwerk Austria (OANA) konstituiert. Das Netzwerk strebt in Zukunft an, (1) die OA-Maßnahmen der österreichischen Forschungsstätten,
Fördergeber und der Forschungspolitik abzustimmen, (2) einheitliche Positionen gegenüber den
Informationsanbietern (v.a. gegenüber den Verlagen) zu formulieren, sowie (3) Ansprechpartner
und Informationsquelle für die (Forschungs-)Politik zu sein.
58Einen Überblick zu den Kooperationen liefert die 2012 eingerichtete Website http://phaidra.org
Forschungs- und Technologiebericht 2013
85
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
3.6.7Weitere Entwicklungen des
Open Access-Paradigmas
Das Internet hat die Art und Weise, wie WissenschaftlerInnen arbeiten und publizieren, wie die
Communities recherchieren und kommunizieren, nachhaltig verändert. Der Zugang zu Informationen hat sich verändert. Eine Wissenschaft
ist heute ohne Zugriff auf elektronische Publikationen, Datenbanken oder Präsenz im Internet nicht mehr denkbar. Damit geht auch einher, dass die Transparenz innerhalb der Forschung steigt. Der „Elfenbeinturm“ der Wissenschaften ist aufgebrochen – mittels Zugang zu
Publikationen, aber auch mittels Zugang zu
Forschungsdaten und integrativen Datenbanken
wie z.B. STAR METRICS in den USA. Letztere
tragen durch eine Verlinkung von Publikationen, Daten, Patenten, Forschungsinstitutionen,
Drittmittelgebern etc. wesentlich zum Fortschritt in OA bei.
Open Data
Der freie Zugang zu Forschungsdaten geht wie OA
ebenfalls mit der Forderung nach mehr interner
Transparenz in der Forschung einher, allerdings
ist dieser ungleich schwieriger umzusetzen, weil
sich hier anders als bei Publikationen die technischen Anforderungen und Standards zwischen
den Disziplinen sehr unterscheiden, und diese oft
nur national und für jede Disziplin einzeln gelöst
werden können. Insofern befindet sich die Diskussion um Open Data noch am Beginn, obgleich sich
einige allgemeine Prinzipien abzeichnen: So
herrscht in der Community Konsens, dass der
freie Zugang zu öffentlich geförderten Forschungsdaten ein essentieller Bestandteil von Wissenschaft ist, da dieser erst die Reproduzierbarkeit
wissenschaftlicher Erkenntnisse ermöglicht. Die
Nutzung und Wiederverwertung der Daten sollen
daher – unter Berücksichtigung ethischer und
rechtlicher Grenzen – in Zukunft möglichst rest-
riktionsfrei erfolgen, und die Archivierung eine
nachhaltige Verwertbarkeit erlauben.
Auf nationaler Ebene gibt es bereits vereinzelt
Ansätze, für die Forschung relevante Daten der
Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. So wird
eine Reihe von forschungsrelevanten Daten und
Materialien von öffentlich finanzierten Einrichtungen wie Museen, Bibliotheken, Statistikämtern oder meteorologischen Anstalten verwaltet
und auf eigens eigenrichteten Portalen publiziert. Allerdings ist der Zugang (wie z.B. zu den
Mikrodaten) oft nur sehr begrenzt oder muss wiederum freigekauft werden. Weiter fortgeschritten
ist im Gegensatz hierzu der Datenzugang in der
öffentlichen Verwaltung, auch Open Government Data genannt. Open Government Data bezieht sich auf „Datenbestände des öffentlichen
Sektors, die von Staat und Verwaltung im Interesse der Allgemeinheit ohne jedwede Einschränkung zur freien Nutzung, zur Weiterverbreitung
und zur freien Weiterverwendung frei zugänglich gemacht werden.“59 Angesichts des gesteigerten Interesses an Open Access werden in
jüngster Zeit auch in Österreich verstärkt Initiativen gesetzt, Daten der öffentlichen Verwaltung
frei zugänglich zu machen.60
STAR METRICS
Open Access hat auch im Bereich der öffentlichen
Forschungsförderung, im Speziellen bezugnehmend auf die Abwicklung durch Förderorganisationen, deutlich an Relevanz gewonnen. Vorreiter
sind hier wiederum die USA. So wurde im Jahr
2009 STAR METRICS (Science and Technology in
America’s Reinvestment – Measuring the Effects
of Research on Innovation, Competitiveness and
Science) als ein Kooperationsprojekt zwischen
dem US-amerikanischen Office of Science and
Technology Policy sowie der National Science
Foundation und den National Institutes for Health
initiiert. Ziel von STAR METRICS ist es, eine einheitliche Dateninfrastruktur als Grundlage stan-
59von Lucke, Geiger (2010).
60Siehe hierzu Open Government Data Austria (http://data.gv.at/).
86
Forschungs- und Technologiebericht 2013
3 Wissenschaftliche Forschung und tertiäre Bildung
dardisierter Evaluationsmethoden zur Analyse
von Forschungsprojekten aufzubauen. Der Aufbau des STAR METRICS-Programms gliedert sich
hierbei in zwei Stufen: In der ersten Stufe geht es
um die Ermittlung direkter Effekte von öffentlichen Forschungsinvestitionen auf die Beschäftigungssituation im Wissenschaftssektor; in der
zweiten Stufe sollen wissenschaftliche, soziale
und ökonomische Effekte von Forschungsinvestitionen weitgehend erfasst werden. Ähnlich kohärente Dateninfrastrukturen haben bereits Belgien
und Brasilien aufgebaut, auch für andere europäische Länder ist der Aufbau von Datenbanken zur
Dokumentation öffentlicher Forschungsförderung sowie zur Sichtbarmachung wissenschaftlicher Ergebnisse und Auswirkungen öffentlicher
Forschung eine unerlässliche Herausforderung. So
empfiehlt z.B. auch die deutsche Expertenkommission Forschung und Innovation im Jahr 2012
– bezugnehmend auf STAR METRICS – eine Initiierung ähnlicher Projekte in Deutschland.61
Resümee: Open Access als ein in Zukunft gelebtes
Paradigma
In einer Prospektion der Steigerungsraten sind einige ExpertInnen zum Ergebnis gekommen, dass
sich Open Access als dominantes Publikationsmodell in den nächsten 10-15 Jahren durchgesetzt
haben wird.62 Ob dies eintrifft, wird sich zeigen
müssen. Gleichwohl hat OA schon jetzt eine
Transformation des Rollenverständnisses der am
Forschungsprozess Beteiligten eingeläutet:
• Förderorganisationen werden Kosten für die
Publikationen, die als Ergebnis aus ihren Förderungen hervorgehen, in ihre Budgets einkalkulieren.
• Auf der einen Seite werden Forschungsstätten
und Bibliotheken die Mittel für die Publikationen teilweise auf die WissenschaftlerInnen
übertragen. Auf der anderen Seite werden sie
aber verstärkt die WissenschaftlerInnen durch
Verlagsinfrastrukturen und Repositorien aktiver im Publikationsprozess unterstützen.63
• Von den WissenschaftlerInnen wird verstärkt
erwartet werden, die Kosten für Publikationen
in ihren strategischen Planungen zu berücksichtigen.
• Den Verlagen muss bewusst sein, dass sie sich
nicht in einem „normalen“ Markt bewegen, wo
durch private Investitionen und Leistungen legitimer Weise Gewinne erzielt werden. Vielmehr beruht ihr Geschäft größtenteils auf öffentlich finanzierten Leistungen. Daher muss
die Preisbildung auch davon abhängig gemacht
werden, welchen Service und welche Qualität
das entsprechende Publikationsorgan erbringt.
• Die (Forschungs-)Politik wird für die Rahmenbedingungen (wie z.B. FWF-Politik, Verankerung der OA-Politik der Universitäten in den
Leistungsvereinbarungen, Schaffung von Repositorien) sorgen müssen, dass die öffentlichen Güter, welche die Wissenschaft produziert, durch einen freien Zugang auch einen
öffentlichen Mehrwert erzeugen.
Wie bei jeder Reform werden auch beim Paradigmenwechsel hin zu OA-Publikationen in der
Übergangsphase die Kosten wahrscheinlich steigen, bevor sich Effizienzgewinne einstellen. Die
Kosten werden dabei von den AutorInnen, nicht
mehr von der Leserschaft getragen. In den Geisteswissenschaften wird unterdessen dieser Paradigmenwechsel nicht so merklich sein, weil bislang die AutorInnen über Druckkostenzuschüsse
auch immer an den Publikationskosten beteiligt
waren; anders in den Naturwissenschaften (wo
hauptsächlich in Form von Artikeln, nicht in
Form von Monographien publiziert wird), wo OA
zu einer weitgehenden Kostenentlastung der
Wirtschaft durch die öffentliche Hand führen
wird. Mittelfristig dürfte eine freiverfügbare Wissenschaft allerdings kaum abschätzbare Innovationspotentiale eröffnen.
61Vgl. EFI (2012).
62Vgl. Lewis (2012).
63Das erst jüngst vorgestellte Konzept EpiSciences geht sogar davon aus, dass die Scientific Community auf der Basis von PreprintServern völlig ohne kommerzielle Anbieter auskommen könnte.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
87
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
Dieses Kapitel stellt die Rolle der Industrie im
Innovationssystem dar, wobei unter Industrie im
Wesentlichen der Abschnitt der Herstellung von
Waren (Abschnitt C der ÖNACE-Gliederung)
verstanden wird. Während die Beschäftigungsfunktion der Industrie zwar nach wie vor bedeutsam, aber rückgängig ist, erweist sich ihr Beitrag
zur Innovations- und damit zur Wachstumsperformance einer Volkswirtschaft längerfristig von
entscheidenderer Bedeutung.64 Hierzu wird zunächst ein kurzer Überblick über die Ursachen
der industriepolitischen Renaissance gegeben.
Anschließend setzt eine Darstellung des globalen
und österreichischen Strukturwandels den Rahmen, vor dem industrielle Entwicklungen interpretiert werden müssen. Schließlich werden die
vielfältigen Beiträge der Industrie zum technischen Fortschritt dargestellt, wobei hier explizit
eine breite Perspektive eingenommen wird. Deshalb erfolgt neben der Darstellung und Interpretation von innovationsbezogenen Indikatoren
auch eine Analyse von Produktivitätskennzahlen, die letztlich das Ergebnis von Innovationsprozessen und von herausragender Bedeutung für
die Wohlstandsentwicklung einer Volkswirtschaft sind. Zuletzt wird die Performance der österreichischen Industrie bei Schlüsseltechnologien und im Export von potenziellen Umweltschutzgütern dargestellt. Diese beiden Themen
sind von zentraler Bedeutung für die zukünftige
Entwicklung und internationale Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Industrie.
Jede empirische Analyse der Industrie und de-
ren Vergleich mit der Gesamtwirtschaft bzw.
dem Dienstleistungssektor hat einige Veränderungen dieser Sektoren zu berücksichtigen.65 Der
Verbund mit dem Dienstleistungssektor ist enger
als je zuvor und es kommt zu einem Anstieg des
Anteils von Dienstleistungsaktivitäten innerhalb des Industriesektors. Die Auslagerung von
Dienstleistungsaktivitäten durch Industrieunternehmen sorgt für ein Wachstum des Dienstleistungssektors auf Kosten der Industrie, ohne
grundsätzliche Änderung der Aktivitäten. Viele
Industriegüter werden heute als Güterbündel
verkauft, welches neben dem physischen Gut vor
allem auch Servicekomponenten enthält. Das
Organisieren von Prozessen und die Integration
von Systemen entlang von internationalen Wertschöpfungsketten sind zentrale Aufgaben einer
modernen Industrie, die den Einsatz von hochqualifizierten TechnikerInnen verlangen. All
dies deutet darauf hin, dass die Trennung in einen Industrie- und Dienstleistungssektor gemäß
herkömmlicher Branchenstatistik zunehmend
an inhaltlicher Substanz verliert. Weiterhin ist
zu bedenken, dass weder der Industrie- noch der
Dienstleistungssektor homogene Aggregate sind.
Vielmehr sind die Unterschiede innerhalb der
Sektoren größer als zwischen diesen. Allerdings
zeigen sich bei einer empirischen Analyse nach
wie vor deutliche Unterschiede zwischen diesen
beiden Sektoren. Gleichzeitig ist aber auch Vorsicht bei der Interpretation der Daten geboten
und viele Vergleiche haben notwendigerweise
den Charakter einer pointierten Darstellung.
64Vgl. Helper et al. (2012).
65Vgl. Pilat et al. (2006), Mc Kinsey (2012).
88
Forschungs- und Technologiebericht 2013
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
4.1
Die Renaissance der Industriepolitik
Energien gekennzeichnet. Als Folge davon könnte
es zusammen mit steigenden Produktionskosten
in China zu einer teilweisen Rückwanderung von
industriellen Fertigungsprozessen in OECD-Staaten kommen.67
Worin liegen die Ursachen für das neue Interesse der Wirtschaftspolitik an der Industrie? Zunächst einmal ist festzustellen, dass bereits vor
der Krise eine Popularitätszunahme der Industriepolitik etwa im Zusammenhang mit dem Aufstieg Chinas oder der Lissabon-Strategie zu beobachten war.68 Die Krise selbst hat dann vor allem
durch den Gegensatz zwischen dem offenbar an
seine Grenzen geratenen angelsächsischen, finanzmarktgeriebenem Wachstumsmodell und
dem erstaunlich robusten, industriegetriebenem
Geschäftsmodell Deutschland für eine wirtschaftspolitische
Neuausrichtung
gesorgt.69
Großbritannien, die USA, aber auch Frankreich
waren mit einer starken Deindustrialisierung in
Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise hat
zu einer Neubeurteilung wirtschaftspolitischer
Optionen und des Strukturwandels geführt. Im
Zentrum dieser global beobachtbaren Re-Orientierung steht insbesondere der industrielle Sektor.
Galt die Industrie lange Zeit als Auslaufmodell
und ein großer Industriesektor als Zeichen eines
verzögerten Strukturwandels, so hat sich dieses
Urteil mittlerweile geradezu in sein Gegenteil
verkehrt. Neben einer Renaissance der Industriepolitik ist die Industrie durch einen parallel ablaufenden technologischen Paradigmenwandel gekennzeichnet, der von einigen AutorInnen als
„Dritte industrielle Revolution“ bezeichnet
wird.66 Diese ist vor allem durch eine Konvergenz
verschiedener Technologien wie etwa Materialtechnologien, Internet, 3D-Printing oder Technologien im Zusammenhang mit erneuerbaren
Abb. 20: Industrieanteil und Leistungsbilanzsaldo
15
Schweiz
y = 0,9507x - 15,088
R = 0,36872
Leistungsbilannzdefizit, Durchschnitt 2003-2005
in % des BIP
10
Niederlande
Schweden
Finnland
5
Dänemark
Kanada
Belgien
Japan
Frankreich
0
Italien
Großbritannien
USA
-5
Deutschland
Österreich
Spanien
Australien
Neuseeland
Griechenland
Portugal
-10
8
10
12
14
16
18
20
22
24
Anteil Industrie an der Bruttowertschöpfung 2005
Quelle: OECD, Weltbank. Berechnungen JOANNEUM RESEARCH.
66Vgl. Rifkin (2011), Reiner (2012), Marsh (2012).
67Vgl. Fishman (2012), The Economist (2012).
68Vgl. Aiginger (2006), Riess, Välilä (2006).
69Vgl. Rattner (2011), Rürup, Heilmann (2012).
Forschungs- und Technologiebericht 2013
89
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
den Jahren vor der Krise konfrontiert.70 Die Befürchtung besteht, dass die Verlagerung sowie
das Schrumpfen der Industrie letztlich zu einer
Erosion des Innovationspotenzials der Volkswirtschaft führen.71 US-Präsident Obama hat die Erneuerung und Expansion der Industrie zu einem
wichtigen Ziel seiner Amtszeit auserkoren.72 In
Europa versuchen die südeuropäischen Staaten
ihre Leistungsbilanzdefizite in den Griff zu bekommen, was ebenfalls nach einer eine Umlenkung volkswirtschaftlicher Ressourcen in den
Industriesektor verlangt. Aber auch Großbritannien oder die USA sehen sich angesichts stark
negativer Handels- bzw. Leistungsbilanzen mit
der Herausforderung konfrontiert, ihren Exportsektor zu stärken. Abb. 20 zeigt, dass ein hoher
Industrieanteil mit einem Leistungsbilanzüberschuss einhergeht, während der Wegfall von industriellen Exportkapazitäten offenbar keineswegs automatisch durch steigende Dienstleistungsexporte substituiert werden kann.
Der Paradigmenwechsel in den nationalen
Wirtschaftspolitiken zeigt sich auch auf Ebene
der supranationalen Organisationen. Beispielsweise vertrat die OECD lange Zeit eine ablehnende Haltung gegenüber Industriepolitik unter
der liberalen Devise „deregulate and wait“. In
einer aktuellen Ausgabe des OECD Observer
wurde jedoch argumentiert, dass „industrial policy can be made to work“.73 Die EU hat ebenfalls
neue industriepolitische Akzente mit ihrer 2010
erschienen Strategie einer „integrierten Indus­
Abb. 21: Industrieanteil an der Wertschöpfung in der EU-27 und der Schweiz, Japan und USA
30,0
25,0
20,0
15,0
10,0
5,0
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u
Zy rg
pe
rn
0,0
2011
2007
EU 2020 Ziel
Quelle: AMECO, EU Commission, COM(2012) 582.
70Vgl. Shanmugalingam et al. (2010), Spence, Hlatshwayo (2011).
71Vgl. Pisano, Shih (2009), Tassey (2010).
72Vgl. The White House (2012).
73Vgl. Pilat (2012).
90
Forschungs- und Technologiebericht 2013
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
triepolitik“ als Teil von Europa 2020-Strategie
gesetzt.74 Diese wurde bereits zwei Jahre später
mit der Veröffentlichung eines „Updates“ dieser
Strategie überarbeitet und akzentuiert.75 In diesem „Update“ hat sich die EU das Ziel gesetzt,
einen Industrieanteil von 20 % an der Wertschöpfung zu erreichen. Als Motivation hierfür
werden vor allem die wichtige Rolle der Industrie
für Innovation und Exporte sowie der Standortwettbewerb mit den USA und Asien um die Ansiedlung zukunftsträchtiger Industrien genannt.
Wie Abb. 21 zeigt, liegt der aktuelle Industrieanteil der EU-27 bei ca. 16 %. Das bedeutet nicht
mehr und nicht weniger, als dass Europa nach
einer substanziellen Reindustrialisierung strebt,
nachdem Jahre lang der Strukturwandel vor allem durch eine Deindustrialisierung gekennzeichnet war. Österreich gehört mit 18,7 %
(2011) zur Gruppe der Länder mit einem hohen
Industrieanteil. Vor der Krise lag der Anteil noch
bei 19,9 % (2007). Betrachtet man nur Länder mit
ähnlichem Entwicklungsniveau, so ist Österreich nach Deutschland das Land mit dem höchsten Industrieanteil in der EU.
Generell dürfte das simultane Aufkommen
neuer industriepolitischer Initiativen den Wettbewerb um Industrieinvestitionen weiter erhöhen. Ähnliches trifft auch für die Standortkonkurrenz um die rasch wachsenden Umweltindustrien zu. Hier ist die Wirtschaftspolitik in besonderem Maße gefordert, einen klugen Mittelweg
zwischen industriepolitischen Initiativen und
dem Wirkenlassen der Marktkräfte zu finden.
4.2Globale Verschiebungen von industriellen
Produktionskapazitäten
Die letzten Jahrzehnte waren von einem tiefgreifenden Umbruch in der räumlichen Organisation
der globalen Industrieproduktion gekennzeichnet. Niemals zuvor in der Wirtschaftsgeschichte
gab es so viele Staaten, die industrielle Kapazitäten und Fähigkeiten aufweisen und im Standortwettbewerb um Investitionen und Produktionsaufträge konkurrieren. Insbesondere die Reorganisation der Industrie entlang von kontinentalen
und globalen Wertschöpfungsketten hat in einigen Schwellenländern zu einer dramatischen Zunahme der Industrie geführt.
Die Verschiebungen im weltweiten Industriegefüge lassen sich anhand der Veränderung von
Produktionsanteilen und absoluten Wertschöpfungsgrößen darstellen. In Anteilen betrachtet
nahm der Anteil der Entwicklungsländer an der
globalen industriellen Wertschöpfung von 24 %
im Jahr 1990 – über 27 % – um 2000 auf 42 % im
Jahr 2012 zu.76 Abb. 22 stellt die Entwicklung der
industriellen Wertschöpfung der zehn bedeutsamsten Produktionsländer weltweit im Jahr
2011 in Mrd. US $ dar. Die bedeutsamste Entwicklung im betrachteten Zeitraum von 1970 bis
2011 ist zweifelsohne die beeindruckende Performance von China, das 2010 die USA als Nation
mit der bislang höchsten Industriewertschöpfung
überholte und das einzige Land ist, welches über
zwei Billionen US $ an industrieller Wertschöpfung pro Jahr erreicht. Deutlich stagnierend erscheint demgegenüber die Entwicklung Japans,
das seit 1990 mit bislang nicht überwundenen
makroökonomischen Problemen kämpft. Auffallend ist auch die deutsche Entwicklung, die nach
einer längeren Null- bzw. Negativwachstums­
phase seit dem Jahr 2002 wieder deutlich an Dynamik gewonnen hat. Deutlich wird anhand von
Abb. 22 vor allem auch die hohe Konzentration
der Industriewertschöpfung auf die vier wichtigsten Produktionsländer China, USA, Japan und
Deutschland. Diese vier Staaten sind deutlich abgesetzt von den weiteren sechs wichtigsten Industriestandorten – Brasilien, Russland oder Indien sind gegenüber China von untergeordneter
Bedeutung.
74Vgl. Europäische Kommission (2010b).
75Vgl. Europäische Kommission (2012a).
76Vgl. Marsh (2012).
Forschungs- und Technologiebericht 2013
91
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
Abb. 22: Bruttowertschöpfung im Industriesektor in den 10 Hauptproduktionsnationen, Mrd. US $, 1970–2011
2500
2250
2000
1750
1500
1250
1000
750
500
250
1970
1971
1972
1973
1974
1975
1976
1977
1978
1979
1980
1981
1982
1983
1984
1985
1986
1987
1988
1989
1990
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
0
China
USA
Japan
Deutschland
Italien
Südkorea
Brasilien
Russland
Frankreich
Indien
Quelle: UN National Accounts. Berechnungen JOANNEUM RESEARCH.
Abb. 23 zeigt die Daten zur industriellen Wertschöpfung für die weltweit 25 wichtigsten Industriestandorte in Mrd. US $ für 2011. In diesen
Staaten erfolgt ca. 87 % der weltweiten Industriewertschöpfung. Die vier Länder China, USA,
Japan und Deutschland sind mit 54 % Wertschöpfungsanteil für mehr als die Hälfte des
weltweiten Industrieoutputs verantwortlich. Österreich liegt an 24. Stelle und gehört damit noch
knapp zu den 25 wichtigsten Industrieproduzenten.
Während die Abb. 22 und Abb. 23 die Bedeutung Chinas und weiterer Schwellenländer deutlich werden lässt, ergibt sich ein gänzlich anderes
Bild, wenn man die Industrieintensität einer Gesellschaft im Sinne der industriellen Wertschöp92
fung pro Einwohner als Maßstab heranzieht.
Abb. 24 zeigt dies für die gleichen Staaten wie in
Abb. 23. China, aber auch Indien, Brasilien oder
Russland erscheinen nunmehr als Staaten mit einer (noch) sehr niedrigen Industrieintensität. Beispielsweise ist die Industriewertschöpfung pro
Einwohner in der „Weltfabrik“ China mit ca.
1.700 US $ weniger als halb so hoch wie im stark
deindustrialisierten Großbritannien mit ca.
3.700 US $. Die Schweiz ist mit Abstand das industrieintensivste Land der Welt, gefolgt von
Deutschland, Japan, Österreich und Schweden.
Der wesentliche Erklärungsfaktor für diese Verteilung der Industrieintensität sind Produktivitätsunterschiede des Industriesektors zwischen
den OECD-Staaten und den Schwellenländern.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
Abb. 23: Industrielle Bruttowertschöpfung der 25 größten Industrieproduzenten, in Mrd. US $, 2011
2500
2000
1500
1000
500
Ja
p
sc an
hla
nd
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Sü ien
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Br a
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De
ut
Ch
ina
US
A
0
Quelle: UN National Accounts, World Bank. Berechnungen JOANNEUM RESEARCH.
Abb. 24: Industrielle Wertschöpfung in US $ pro Einwohner der 25 größten Industrieproduzenten, 2011
16000
14000
12000
10000
8000
6000
4000
2000
De
Sc
hw
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ut
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Ja
pa
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Ind
ien
0
Quelle: UN National Accounts, World Bank. Berechnungen JOANNEUM RESEARCH.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
93
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
4.3Wandel und Struktur der österreichischen
Industrie im internationalen Vergleich
Österreich ist so wie alle entwickelten Volkswirtschaften von einem langfristigen Deindustrialisierungsprozess gekennzeichnet. Eine genauere Analyse bringt jedoch die Erkenntnis, dass der
Strukturwandel keineswegs einheitlich verläuft
und dass die Deindustrialisierung einzelner
Volkswirtschaften kein Naturgesetz ist.77 Vor allem die letzten 10 bis 15 Jahre haben gezeigt, dass
einzelne reiche Volkswirtschaften einen hohen
Industrieanteil halten können, während andere
Länder wie z.B. Großbritannien oder Frankreich
durch eine teils sehr rasche Deindustrialisierung
gekennzeichnet waren.
Eine Darstellung der langfristigen Entwicklung der österreichischen Industrie zeigt Abb. 25.
Dabei werden die typischen Merkmale des Strukturwandels der Industrie deutlich. Zunächst ergibt sich ein säkularer Rückgang der Industrie an
der nominellen Wertschöpfung von 1960 bis
2011 von ca. 29 % auf 19 %. Allerdings wird auch
eine deutliche Abnahme des Rückgangs der Industrie und eine annähernde Stabilisierung des
Industrieanteils seit den frühen 1990er Jahren erkennbar. Dies ist insofern bemerkenswert, als
dies genau jene Zeit ist, in der es zu einer deutlichen Zunahme der Konkurrenz durch den Abbau
von Marktsegmentierungen kam (Ostöffnung,
EU-Beitritt). Demgegenüber nahm der Beschäftigungsanteil stetig von 25 % (1976) auf 15 %
(2011) ab. Die steigende Kurve in Abb. 25 stellt
den Anteil der realen Industriewertschöpfung an
der realen Gesamtwertschöpfung dar. Der reale
Anteil nahm aufgrund der relativ höheren Pro-
Abb. 25: Österreich: Industrieanteil an der Bruttowertschöpfung (nominell, real) und Beschäftigung, 1960–2011
30
28
26
24
22
20
18
16
14
1960 1962 1964 1966 1968 1970 1972 1974 1976 1978 1980 1982 1984 1986 1988 1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010
Anteil Industrie an der Bruttowertschöpfung (nominell)
Anteil Industrie an der Bruttowertschöpfung (real)
Anteil Industriebeschäftigte an Gesamtbeschäftigte
Quelle: AMECO, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung. Berechnungen JOANNEUM RESEARCH.
77Siehe Rürup und Heilmann (2012).
94
Forschungs- und Technologiebericht 2013
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
duktivitätssteigerungen in der Industrie zu. Dies
ist eine Folge der hohen Wettbewerbsintensität
auf Industriegütermärkten, welche die Unternehmen dazu zwingt, die Produktivitätsgewinne
in Form von niedrigeren Preisen an die Nachfrager weiterzugeben. Die geringeren Preissteigerungsraten im Industriesektor führen zwangsläufig dazu, dass – unter sonst gleichen Umständen
– eine Abnahme des Anteils an der Wertschöpfung gemessen in nominellen Preisen stattfindet.
Das hohe industrielle Produktivitätswachstum
erklärt auch den stärkeren Rückgang der Beschäftigung im Vergleich zur nominellen Wertschöpfung.
Einen internationalen Vergleich der österreichischen Entwicklung zeigt Tab. 12 anhand von
Indikatoren zur absoluten und relativen Deindustrialisierung. Dabei wurden aggregierte Ländergruppen gebildet, die jeweils unterschiedliche
sektorale Entwicklungspfade repräsentieren. In
Tab. 12 wird einerseits zwischen Wertschöpfungs- und Beschäftigungsindikatoren (Spalte 2
und 3) und anderseits zwischen Volumensgrößen
und Wertgrößen (Zeile 2 und 4) unterschieden.
Letzteres lässt Rückschlüsse darauf zu, ob es sich
um eine absolute oder relative Deindustrialisierung handelt. Von absoluter Deindustrialisierung spricht man, wenn die Indikatoren in absoluten Größen (Volumina) abnehmen, von relativer Deindustrialisierung, wenn die Anteile abnehmen. Die Volumina der industriellen Produktion, gemessen in Veränderung der realen Wertschöpfung, nahmen in allen Ländergruppen und
auch in Österreich zu. Die höchsten Zunahmen
weisen die nordischen Volkswirtschaften auf, die
niedrigsten Zunahmen zeigen die südeuropä­
ischen Staaten. Es existiert demnach keine absolute Deindustrialisierung bei der Wertschöpfung.
Das Gegenteil ergibt sich bei den Beschäftigungsvolumina. Diese nehmen in allen Ländergruppen
und auch in Österreich ab, wobei der Rückgang
in Österreich im Vergleich zu den Ländergruppen
am schwächsten ausfällt. In Österreich kam es
vor allem zwischen 2000 und 2007 nur zu einem
sehr geringen Rückgang der Beschäftigung. Der
stärkste Beschäftigungsrückgang zwischen 1995
und 2007/2010 fand in den angelsächsischen
Staaten statt.
Bei den Wertschöpfungsanteilen der Industrie
wird die Sonderrolle der kontinentaleuropäischen Staaten Deutschland, Schweiz und Österreich deutlich. Hier kam es zwischen 1995 und
2007 sogar zu einer leichten Zunahme der Industrie an der Wertschöpfung. Eine rasche Deindustrialisierung zeigen die angelsächsischen und
südeuropäischen Staaten, deren Industrieanteil
an der Wertschöpfung nunmehr bei ca. 14 %
liegt. Damit ergibt sich ein uneinheitliches Bild
bei der relativen Deindustrialisierung gemessen
am Wertschöpfungsanteil der Industrie und für
die Jahre 2007 bzw. 2010 ergibt sich eine deutliche Differenzierung zwischen den Ländergruppen. Bei den Beschäftigungsanteilen bestätigt
sich demgegenüber eine stetige relative Deindustrialisierung für alle Ländergruppen. Erneut weisen die kontinentaleuropäischen Staaten mit etwa 15 % den höchsten und die angelsächsischen
Staaten mit ca. 10 % den niedrigsten Industrieanteil auf.
Die Unterschiede in der Industriedynamik
sind das Ergebnis eines komplexen Zusammenwirkens unterschiedlicher Faktoren.78 Neben angebotsseitigen Ursachen wie Produktivitätsfortschritt oder Outsourcing der Industrie von
Dienstleistungsaktivitäten spielen auch nachfrageseitige Faktoren wie eine vermehrte Verwendung der Einkommen für Dienstleistungen eine
Rolle. Letzteres stellt im Übrigen keinen Sättigungseffekt dar, sondern ist vor allem ein Resultat der Konsumentenreaktion auf die Änderung
von relativen Preisen zwischen Industrie- und
Dienstleistungsgütern.79 Eine zunehmende Aufmerksamkeit wird dem Einfluss der Importe aus
Niedriglohnländern zuteil und der Verlagerung
78Siehe Nickel et al. (2008), Schettkat (2006).
79Siehe Debande (2006).
Forschungs- und Technologiebericht 2013
95
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
Tab. 12: Absolute und relative Deindustrialisierung: Volumen und Anteile industrieller Wertschöpfung und Beschäftigung
(1995=100)
Österreich
Volumen industrieller Wertschöpfung
Volumen industrieller Beschäftigung
1995
2000
2007
2010
1995
2000
2007
2010
100
120
153
144
100
97
96
92
Kontinentaleuropäische Staaten
100
111
137
126
100
96
90
88
Nordische Staaten
100
131
171
157
100
102
94
83
Angelsächsische Staaten
100
128
156
146
100
99
82
75
Südeuropäische Staaten
100
113
121
108
100
103
98
86
Anteile industrieller Wertschöpfung
Anteile industrieller Beschäftigung
1995
2000
2007
2010
1995
2000
2007
2010
Österreich
19,4
20,1
19,9
18,4
18,7
17,4
16,0
15,1
Kontinentaleuropäische Staaten
21,5
21,6
22,4
20,8
20,8
19,2
17,7
16,9
Nordische Staaten
20,6
20,5
18,4
15,4
17,8
17,1
14,9
13,4
Angelsächsische Staaten
18,0
15,9
13,4
12,8
16,0
14,7
11,3
10,2
Südeuropäische Staaten
18,0
17,3
14,4
12,8
18,4
17,3
14,7
13,5
Anm.: A
ls Beschäftigungsdaten für die angelsächsischen Staaten für 2010 wurden aufgrund mangelnder Datenverfügbarkeit Durchschnittswerte von 2008 und 2009
verwendet.
Kontinentaleuropäische Staaten: Deutschland, Österreich und Schweiz; Nordische Staaten: Schweden, Finnland und Dänemark; Angelsächsische Staaten: USA
und Großbritannien; Südeuropäische Staaten: Griechenland, Spanien, Frankreich, Italien und Portugal.
Quelle: AMECO. Berechnungen JOANNEUM RESEARCH.
von Industrieaktivitäten aus OECD-Staaten in
Schwellenländer.80 Generell dürften diese Faktoren für die verschiedenen Industriebranchen sehr
unterschiedliche Bedeutung aufweisen. Dennoch
zeigen empirische Studien sehr deutlich, dass die
quantitativ wichtigsten Effekte interne Faktoren
sind, wobei das Produktivitätswachstum von
entscheidender Bedeutung sein dürfte. Damit
schrumpft die Industrie nicht zuletzt gerade deshalb, weil sie so erfolgreich in der Steigerung ihrer Effizienz ist. Trotzdem hat der Einfluss der
Importkonkurrenz zur Erklärung der Deindustrialsierung in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen.81
Es bleibt jedoch die Frage offen, warum einige
Staaten trotz hoher Produktivitätsgewinne in der
Industrie einen relativ hohen Industrieanteil halten können. Offenbar schaffen es diese Industrie-
standorte, den Produktivitätsgewinn durch eine
starke Expansion ihres Absatzes zumindest teilweise zu kompensieren. Anders formuliert: Eine
hohe preisliche und vor allem nicht-preisliche
Wettbewerbsfähigkeit sowie eine vorteilhafte
Spezialisierung und Positionierung in internationalen Wertschöpfungsketten von Industriestandorten sind wichtige Elemente zum Erhalt eines
starken industriellen Kerns. Diese Elemente
dürften auch den Erfolg der deutschen oder österreichischen Industrie erklären, deren Angebotsstruktur mit einem Schwerpunkt auf hoch spezialisierte Investitionsgüter in Nischenmärkten
einen Qualitätsaufschlag ermöglicht und ausgezeichnet zum rezenten Globalisierungszyklus
und der damit einhergehenden Nachfrage nach
diesen Gütern aus den Schwellenländern passt.82
Im Gegensatz zur US-amerikanischen Industrie,
80Siehe Debande (2006), Dachs et al. (2006).
81Siehe Rowthorn, Ramaswamy (1998), Rowthorn, Coutts (2004).
82Siehe Rürup, Heilmann (2012).
96
Forschungs- und Technologiebericht 2013
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
welche durch massives Outsourcing nach Asien
zusammenschrumpfte, erhöhten Deutschland
oder Österreich durch den Aufbau europäischer
Wertschöpfungsketten unter Nutzung von osteuropäischen Lohnkostenvorteilen die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Produktion unter
Beibehaltung eines deutlich größeren Industriesektors als in anderen Staaten.83 Für die Jahre vor
der Krise konnte die österreichische Industrie
von einer Lohnmoderation profitieren, welche –
wenn auch in geringerem Ausmaß – wie in
Deutschland die preisliche Wettbewerbsfähigkeit erhöhte.84 In Summe dürften jedoch Produktivitätssteigerungen und der technische Fortschritt bedeutsamer für die Erklärung der hohen
Wettbewerbsfähigkeit und Dynamik der österreichischen Industrie sein.85 Darüber hinaus fungierten die osteuropäischen Staaten aber auch als
dynamische Exportmärkte für die österreichische Industrie.86 Allerdings zeigen neuere Studien, dass zunehmend qualifikationsintensive Aktivitäten aufgrund von Humankapitalengpässen
in Deutschland und Österreich nach Osteuropa
ausgelagert werden.87
Die Struktur der österreichischen Industrie ist
traditionell durch einen geringen Anteil von
technologie- und qualifikationsintensiven Industriesegmenten gekennzeichnet. So lag 2007 so-
wohl der Anteil der Hochtechnologieindustrie
als auch jener der qualifikationsintensiven Sektoren (inklusive einiger Dienstleistungsbranchen) unter dem Durchschnitt der EU-25 (ohne
Rumänien und Bulgarien), während für den Anteil der niedrigtechnologischen und qualifikationsextensiven Industrien das Gegenteil gilt: Hier
hat Österreich einen höheren Anteil als die EU25 (Europäische Kommission 2011c). Ein ähnliches Bild ergibt sich auch bei der Exportstruktur
(Reinstaller und Sieber 2012). Dieser vielfach als
negativ angesehene Befund für die Wirtschaftsstruktur bei gleichzeitig guter makroökonomischer Performance war und ist Anlass zur Diskussion.88 Tab. 13 zeigt zunächst den Anteil der
Industriesektoren nach F&E-Intensitäten im
Zeitverlauf (siehe Anhang I). In Summe ergibt
sich im Zeitraum von 1980 bis 2007 ein deutliches technologisches Upgrading der österreichischen Industrie. Die beiden weniger technologieintensiven Segmente verlieren, Mittelhochtechnologie und Hochtechnologie gewinnen. Allerdings ist der Hauptgewinner des Strukturwandels nicht die Hochtechnologie, sondern die
Mittelhochtechnologie, und der Anteil der Mittelniedrigtechnologie bleibt annähernd konstant.
Beispiele für das Segment der Mittelhochtechnologie sind der Maschinenbau und der Fahrzeug-
Tab. 13: Intersektoraler Strukturwandel: Wertschöpfungsanteile der österreichischen Industrie nach
Technologieintensität in % der industriellen Wertschöpfung insgesamt
1980
Hochtechnologie Industrie
1985
1990
1995
2000
2007
Veränderung 1980/2007
(in Prozentpunkten)
7,3
8,6
10,1
10,2
10,9
9,6
2,3
Mittelhochtechnologie Industrie
21,9
22,8
24,6
24,3
26,7
32,9
11,0
Mittelniedrigtechnologie Industrie
29,5
30,6
27,8
27,9
28,1
28,2
-1,3
Niedrigtechnologie Industrie
41,2
38,0
37,4
37,6
34,2
29,2
-12,0
Quelle: STAN Datenbank OECD. Berechnungen JOANNEUM RESEARCH.
83Siehe Wolfmayr et al. (2007).
84Siehe Tichy (2010).
85Siehe Ragacs et al. (2011)
86Siehe Wolfmayr et al. (2007).
87Siehe Marin (2008), (2010).
88Siehe Peneder (2008), Dachs (2009), Janger (2012).
Forschungs- und Technologiebericht 2013
97
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
bau (siehe Anhang I). Damit erhöhte sich vor allem der Anteil der Industrien mittleren Technologieniveaus, auf die nunmehr ca. 61 % der industriellen Wertschöpfung entfallen; 1980 betrug
dieser Anteil noch etwa 51 %.
Angesichts von Niedriglohnkonkurrenz aus
Osteuropa und Asien stellt sich die Frage, warum
Österreich trotz dieser offenbar niedrigen Technologie- und Qualifikationsintensität einen relativ großen und wettbewerbsfähigen Industriesektor aufweist. Einige Hinweise hierzu enthält Tab.
14. Diese zeigt den Anteil der Industrien im mittleren Technologiesegment und anschließend die
F&E-Intensität dieser Branchen im internationalen Vergleich. Österreich weist demnach nach
Deutschland den zweithöchsten Anteil im Segment der Mittelhochtechnologie auf. Der Anteil
Deutschlands ist mit 45 % noch wesentlich höher und verweist auf die außergewöhnlich starke
Spezialisierung der deutschen Industrie auf Maschinen- und Fahrzeugbau. Der Anteil Österreichs an mittelniedrigtechnologischen Industrien ist mit 28 % demgegenüber wesentlich höher
als in Deutschland und gleichauf mit Ländern
wie Italien oder Spanien.
Die Besonderheit der österreichischen Industrien im mittleren Technologiesegment stellt der
untere Teil von Tab. 14 dar. Hier zeigt sich, dass
die österreichische mitteltechnologische Indus­
trie überdurchschnittlich F&E-intensiv ist. Während der österreichische Industriesektor insgesamt eine wesentlich geringere F&E-Intensität
als Deutschland, Finnland oder die USA aufweist, ist der besonders dynamische österreichische Mittelhochtechnologiesektor F&E-intensiver als dessen Pendant in den genannten Staaten.
Einzig die schwedische und italienische Industrie ist hier F&E-intensiver als die österreichische
Industrie. Ein ähnlicher Befund ergibt sich für die
Mittelniedrigtechnologie. Mit 2,8 % F&E-Intensität ist dieser österreichische Industriesektor
überdurchschnittlich F&E-intensiv. Erneut zeigt
Italien hier eine höhere F&E-Intensität. Im Vergleich zu Italien wird aber deutlich, dass F&E nur
einen Teil der Industrieperformance ausmacht.
Während die österreichische Industrie im Zeitraum von 1995–2007 hohe Produktivitätsgewinne erzielte, kam es zu einem Rückgang der Produktivität in der italienischen Industrie.89 Ein
Vergleich der F&E-Intensitäten mit Spanien oder
Slowenien macht deutlich, dass die in der OECDKlassifikation zusammengefassten Branchen in
Wirklichkeit sehr große Unterschiede zwischen
den Staaten aufweisen: Der österreichische,
deutsche oder Schweizer Maschinenbauer dürfte
sich signifikant von einem spanischen oder slowenischen Maschinenbauer unterscheiden.
Tab. 14: Internationaler Performancevergleich von Industrien im mittleren Technologiesegment, 2007
Anteile an der industriellen Wertschöpfung
Finnland
Schweden
USA
Großbritannien
Italien
Spanien
Mittelhochtechnologie Industrie
Österreich Deutschland
32,9
45,1
23,0
31,8
22,9
24,2
27,0
26,6
Slowenien
26,9
Mittelniedrigtechnologie Industrie
28,2
22,8
24,0
23,3
25,3
21,9
30,9
32,9
29,2
Finnland
Schweden
F&E-Intensität
Österreich Deutschland
USA
Großbritannien
Italien
Spanien
Slowenien
Mittelhochtechnologie Industrie
11,2
9,8
7,4
15,0
9,8
7,2
11,8
4,1
4,1
Mittelniedrigtechnologie Industrie
2,9
1,9
3,1
2,7
k.A.
2,1
3,7
1,3
1,5
Quelle: STAN Datenbank OECD. Berechnungen JOANNEUM RESEARCH.
89Siehe Reiner (2012).
98
Forschungs- und Technologiebericht 2013
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
Zusammenfassend ergibt sich für Österreich
das Bild einer reifen, aber dynamischen Industrienation, die in Nischen im mittleren Technologiesegment offenbar sehr erfolgreich auf den internationalen Märkten reüssieren kann. Die Industrien
mittleren Technologieniveaus verlangen möglicherweise keine außergewöhnlich hohen F&Eund AkademikerInnenquoten, um international
wettbewerbsfähig zu sein.90 Der kumulative Aufbau von implizitem Erfahrungswissen in der Produktion, die Verfügbarkeit von gut ausgebildeten
FacharbeiterInnen und ein flexibles und intelligentes Suchen nach Marktnischen dürften eine
ebenso wichtige Rolle spielen.91 Darüber hinaus
zeigt sich aber auch, dass gerade die mitteltechnologischen Industriesegmente Österreichs F&Eintensiver sind als in wichtigen Vergleichsstaaten. Dieser Effekt bestätigt sich auch in dem Befund, dass Österreich eine höhere F&E-Quote
aufweist als dies aufgrund der Wirtschaftsstruktur zu erwarten wäre.92 Möglicherweise sind diese mitteltechnologischen Branchen mit einem
hohen Anteil an kumulativem Erfahrungsaufbau
und implizitem Wissen imitationsresistenter als
manche Hochtechnologieindustrie.93 Dies könnte
sich im zunehmenden Standortwettbewerb um
industrielle Kapazitäten als Vorteil erweisen. Voraussetzung hierfür ist jedoch die beständige Suche nach weiteren Verbesserungen und ein flexibles Reagieren auf sich verändernde Weltmarktstrukturen. Dies schließt freilich auch eine weitere Steigerung der F&E-Intensität, als eine neben
anderen Strategien zur weiteren Verbesserung der
Wettbewerbsfähigkeit, mit ein.
4.4
Industrie, Wachstum und Innovation
Eine Darstellung der Rolle der Industrie im Innovationssystem ist primär aus wachstumspolitischen Gründen von Interesse. Innovation und
F&E sind aus ökonomischer Perspektive Mittel
zum Zweck der Verbesserung der Wachstumsperformance und der Wohlfahrtszunahme. Daher ist zunächst nach dem generellen Wachstumsbeitrag der Industrie zu fragen. Von herausragender Bedeutung in diesem Zusammenhang
ist die Entwicklung der Produktivität und der
unterschiedlichen Beiträge der Sektoren hierzu.
Ökonomienobelpreisträger Paul Krugman (1994,
13) hat dies folgendermaßen auf den Punkt gebracht: „Productivity isn’t everything, but in the
long run it is almost everything.” Dahinter steht
die wachstumstheoretische Erkenntnis, dass eine Steigerung des Wohlstands letztlich nur durch
Produktivitätswachstum erreicht werden kann.
Die Produktivität und damit das Wachstum
und der Wohlstand einer Ökonomie werden – unter anderem – wesentlich von der Struktur der
Wirtschaft bzw. des Unternehmenssektors bestimmt. Die verschiedenen Branchen oder Sektoren weisen unterschiedliche Potenziale hinsichtlich ihres Beitrags zur Steigerung der ökonomischen Performance einer Volkswirtschaft auf.
Dabei sind vor allem jene Segmente der Wirtschaft als wachstumsförderlich anzusehen, die
zum Aufbau von Wissen beitragen und damit positive Externalitäten durch die Diffusion dieses
Wissen generieren, dynamische Skaleneffekte
aufweisen und Potenzial für Produktdifferenzierung bieten.94 Diese Eigenschaften dürften – bei
aggregierter Betrachtung – in besonderem Ausmaß für den Industriesektor zutreffen.
Aus theoretischer Sicht gibt es zwei Ansätze,
welche die Rolle der Industrie im Wachstumsprozess analysieren. Der erste Ansatz stammt
von Nicholas Kaldor (1967, 1972). Die Industrie
weist aufgrund von hohen Fixkosten, Lern- und
Spezialisierungseffekten in der Produktion sinkende Durchschnittskosten auf. Beides zusammen trägt zu einer überproportionalen Produkti-
90Siehe Tidd et al. (1997), Janger (2012).
91Siehe Malerba (2005), von Tunzelmann, Acha (2005).
92Siehe Reinstaller, Unterlass (2012).
93Siehe Tichy (2010).
94Siehe Janger (2012).
Forschungs- und Technologiebericht 2013
99
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
vitätssteigerung im Industriesektor bei und führt
dazu, dass die Industrie gleichsam die Wachstumsmaschine einer Volkswirtschaft bildet. Dieser Zusammenhang, der auch als Kaldor’s Wachstumsgesetz bezeichnet wird, ist in empirischen
Studien bestätigt worden.95
Die zweite Theorie wurde von William Baumol
(1967) in seinem Beitrag über die „Kostenkrankheit der Dienstleistungen“ entwickelt. Die geringeren Produktivitätssteigerungen der Dienstleistungsunternehmen bewirken unter bestimmten
Umständen eine beständige Zunahme des
Dienstleistungssektors an der Wertschöpfung
und Beschäftigung und damit letztlich eine
„Wachstumskrankheit“: Das gesamtwirtschaftliche Produktivitätswachstum stagniert und
Wohlstandszuwächse bleiben aus. Auch diese
Entwicklung wird in empirischen Untersuchungen nachgewiesen.96 Es muss aber auch festgestellt werden, dass einige Studien zum Schluss
kommen, dass keine Wachstumsverlangsamung
mit der Tertiärisierung der Wirtschaft einhergeht.97
4.4.1 Industrie und Produktivitätswachstum
Die Industrie weist ein höheres Produktivitätswachstum als der Dienstleistungssektor auf.
Dies ist ein äußerst robustes Ergebnis von zahlreichen empirischen Untersuchungen.98 Allerdings gibt es auch Dienstleistungsbranchen, die
ein überdurchschnittliches Produktivitätswachstum aufweisen, und die unterschiedlichen Bereiche der Industrie entwickeln sich ebenfalls keineswegs einheitlich.99 In Summe gilt jedoch, dass
der Strukturwandel in Richtung Dienstleistungsindustrie mit einem Abstieg auf der Produktivitätsleiter verbunden ist (structural change burden), während umgekehrt der Wandel von einer
Agrarökonomie in eine Industriegesellschaft mit
einem Aufstieg auf der Produktivtätsleiter einhergeht (structural change bonus).
Anschaulich berichtet Rodrik (2011) die negativen Wachstumseffekte durch die Deindustrialisierung in den USA und Großbritannien. Seit
1990 verzeichnen in den USA persönliche und
soziale Dienstleistungen die höchste Beschäftigungszunahme, während die Industrie stark
schrumpft. Aufgrund des positiven Produktivitätsdifferenzials zugunsten der Industrie kam es
in weiterer Folge zu einem um 0,3 Prozentpunkte niedrigeren jährlichen Produktivitätswachstum der gesamten US-Volkswirtschaft, da das
relative Gewicht der Industrie geringer wurde.
Das entspricht etwa einem Sechstel der tatsächlich realisierten Produktivitätsgewinne in den
USA. In Großbritannien ist der Einfluss noch bedeutsamer. Zwischen 1990 und 2005 hat der
Strukturwandel in Richtung weniger produktiver Dienstleistungen einen negativen Effekt von
0,5 Prozentpunkten auf das jährliche Produktivitätswachstum; das entspricht einem Viertel der
gesamten Produktivitätsgewinne.
Für Österreich zeigt Abb. 26 die Entwicklung
der Arbeitsproduktivität von Industrie und Gesamtwirtschaft für den Zeitraum von 1996 bis
2009. Dabei zeigt sich im Einklang mit der Theorie
und den Ergebnissen für andere Staaten ein höheres Produktivitätswachstum der Industrie als für
die Gesamtwirtschaft. Im Durchschnitt wuchs die
Industrie im betrachtenen Zeitraum mit einer
jährlichen durchschnittlichen Rate von ca. 2,9 %
beinahe doppelt so rasch wie die Gesamtwirtschaft, deren Produktivität um 1,5 % expandierte.
Auffällig ist in Abb. 26 die höhere Volatilität des
industriellen Produktivitätswachstums. Im Krisenjahr 2009 zeigte sich – so wie etwa auch in
Deutschland – eine drastische Abnahme der Arbeitsproduktivität. Diese Abnahme ist durch die
Hortung von Arbeitskräften trotz mangelnder
95Siehe Necmi (1999), Wienert (2009), McCasland, Theodossiou (2012), Oh et al. (2012).
96Siehe Peneder (2003), Hartwig (2012).
97Siehe Maroto-Sanchez, Cuadrado-Roura (2009).
98Siehe OECD (2005), Pilat et al. (2006).
99Siehe Jorgensen, Timmer (2011).
100
Forschungs- und Technologiebericht 2013
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
Abb. 26: Jährliches Wachstum der österreichischen Arbeitsproduktivität in Industrie und Gesamtwirtschaft in %
10
8
6
4
2
0
-2
-4
-6
-8
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
Gesamtwirtschaft (ohne Immobiliensektor)
2004
2005
2006
2007
2008
2009
Industrie
Quelle: OECD Productivity Database. Berechnungen JOANNEUM RESEARCH.
Auslastung begründet.100 Damit wurde aber gleichzeitig die Basis für einen raschen Aufschwung im
Folgejahr geschaffen, als die internationale Nachfrage nach Industriegütern wieder zunahm.
Durch eine Zerlegung der Beiträge zum gesamtwirtschaftlichen Produktivitätswachstum
kann die relative Bedeutung der Sektoren dargestellt werden. Dabei zeigen die Produktivitätsanalysen der OECD, dass die österreichische Industrie in den letzten zwei Jahrzehnten für ca.
40-50 % des gesamtwirtschaftlichen Produktivitätswachstums verantwortlich war. Während
dieser Wert für Länder wie Schweden oder Finnland noch höher wie für Österreich ist, sind Griechenland oder Großbritannien eher durch ein
dienstleistungsgetriebenes Produktivitätswachstum gekennzeichnet.101 Der Beitrag der österreichischen Industrie zum Wachstum des Sozial-
produkts liegt demgegenüber für den Durchschnitt der Jahre 1995 bis 2010 bei rund 30 %.102
Die Arbeitsproduktivität wird wesentlich von
der Höhe der Faktoreinsätze Arbeit und Kapital
bestimmt. Um die Effizienz der Produktion und
deren Veränderung über die Zeit isoliert von diesen Einflüssen zu erfassen, wird die so genannte
Multifaktorproduktivität berechnet.103 Diese
kann als ein Maß verstanden werden, welches
angibt, mit welcher Effizienz Inputs in Outputs
umgewandelt werden. Beispielsweise können
zwei Unternehmen mit gleich viel Kapital und
ArbeiterInnen sehr unterschiedliche Produktivität aufweisen. Die Ursache hierfür liegt in einem
unterschiedlichen Niveau der Multifaktorproduktivität begründet. Diese fasst so unterschiedliche Aspekte wie Technologie, Innovation, Anreizsysteme oder Organisationseffekte zusam-
100Siehe Rattner (2011).
101Siehe Pilat et al. (2006), OECD (2008).
102Siehe Ragacs et al. (2011).
103Siehe Syverson (2011).
Forschungs- und Technologiebericht 2013
101
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
men. Damit stellt die Multifaktorproduktivität
in einem sehr umfassenden Sinne technologische
und nicht-technologische Innovationen in einer
Maßzahl dar.
Wachstumszerlegungen für Österreich zeigen,
dass die Steigerung der Multifaktorproduktivität
den mit Abstand bedeutsamsten Beitrag zum
Wachstum des Sozialprodukts leistet. Kurz gesagt: Österreich wird nicht so sehr reicher, weil
mehr Kapital eingesetzt wird, sondern weil die
Ressourcen immer intelligenter und effizienter
eingesetzt werden.104 Das gilt im Übrigen für so
gut wie alle OECD-Länder.105 Eine sektorale Differenzierung des Wachstums der Multifaktorproduktivität zeigt Abb. 27.106 Dargestellt sind der
Industriesektor und ausgewählte große Dienst-
leistungsbranchen. Zunächst zeigt sich, dass die
Multifaktorproduktivität der Gesamtwirtschaft
zwischen 1980 und 2007 um etwas mehr als 25 %
zunahm. Im Gegensatz hierzu stieg die Effizienz
der Industrie mit 125 % mehr als fünfmal so rasch
an. Betrachtet man die Dienstleistungsbranchen,
so stieg die Effizienz im Groß- und Einzelhandel
zwar ebenfalls rascher als in der Gesamtwirtschaft, aber deutlich langsamer als in der Industrie. Die Multifaktorproduktivität in den großen
Dienstleistungsbranchen der sozialen und persönlichen Dienste nahm ebenso ab wie in den unternehmensnahen Dienstleistungen und der Finanzbranche. Damit zeigt dieser Indikator noch
eindrücklicher die höhere Dynamik der Industrie
und deren überproportionalen Beitrag zum ge-
Abb. 27: Entwicklung der Multifaktorproduktivität für Gesamtwirtschaft, Industrie und ausgewählte Dienstleistungsbranchen
(1980=100)
250
225
200
175
150
125
100
75
1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007
Gesamtwirtschaft
Groß- und Einzelhandel
Soziale und persönliche Dienstleistungen
Industrie
Finanzsektor, Immobilien und unternehmensbezogene Dienstleistungen
Quelle: EU KLEMS Datenbank. Berechnungen JOANNEUM RESEARCH.
104Siehe Gnan et al. (2004).
105Siehe Blanchard, Illing (2010).
106Siehe O‘Mahony, Timmer (2009).
102
Forschungs- und Technologiebericht 2013
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
samtwirtschaftlichen Produktivitätswachstum.
Im Zusammenhang mit den hier vorgetragenen Argumenten zum Produktivitätswachstum
wird oftmals auf Mess- und Erfassungsprobleme
im Dienstleistungssektor hingewiesen. Demnach könnten die Produktivitätssteigerungen im
Dienstleistungssektor höher sein als es die verfügbaren Daten zeigen. Es gibt aber auch einige
Hinweise, dass die Produktivitätsentwicklung
im Industriesektor unterschätzt wird. Eine Ursache hierfür liegt etwa in der mangelnden Erfassung von Qualitätsverbesserungen und Preisentwicklungen von innovativen Produkten, insbesondere im IKT-Bereich.107 Demgegenüber dürfte
eine Überschätzung der Produktivitätsentwicklung im Dienstleistungssektor insbesondere für
den Finanzsektor zutreffen, einem der dynamischsten Sektoren in den Jahren vor der Wirtschaftskrise.108 Weiterhin ist anzumerken, dass
die zunehmende Bedeutung von vor- und nachgelagerten Dienstleistungsaktivitäten im Industriesektor zu den gleichen Erfassungsproblemen
wie im Dienstleistungssektor führen. Kurzum,
in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur
ist die Frage, ob die Messprobleme im Industrieoder Dienstleistungssektor gravierender sind,
nicht eindeutig beantwortet.109 Durch die Verwendung von Wachstumsgrößen, anstatt des
Vergleichs von Niveaus, werden jedenfalls mögliche Verzerrungen reduziert.110
4.4.2Hohe Industrieintensität bei den
Innovation Leaders
Die Rolle und Bedeutung der Industrie für das Innovationssystem einer Volkswirtschaft kann in
einer ersten Annäherung durch eine Analyse des
Zusammenhangs zwischen Industrieintensität
und Innovationsperformance erörtert werden.
Letztere soll dabei zunächst sehr breit anhand
von synthetischen Indikatoren zweier Innovationsrankings definiert werden.
Abb. 28 zeigt die Durchschnittswerte der EU27 Staaten nach den unterschiedlichen Innovationsklassen gemäß Innovation Union Scoreboard (2011). Dabei wurden z.B. für die vier Innovation Leaders Schweden, Deutschland, Finnland und Dänemark Durchschnittswerte des
Industrieanteils und des BIP pro Kopf berechnet.
Betrachtet man zunächst den Industrieanteil an
der Wertschöpfung, so zeigt sich, dass die Innovation Leaders mit beinahe 20 % den höchsten
Industrieanteil an der Wertschöpfung aufweisen, während die Innovation Followers (ohne
Luxemburg) mit 15,5 % einen deutlich niedrigeren Industriealisierungsgrad zeigen.111 Die Moderate Innovators und Modest Innovators zeigen
wieder etwas höhere Industrieanteile von etwa
17,5 %; diese sind aber ebenfalls niedriger als in
der Gruppe der Innovation Leaders. Die Tatsache, dass die Innovation Leaders den höchsten
durchschnittlichen Industrieanteil aufweisen,
ist umso bemerkenswerter, als eine Betrachtung
der unterschiedlichen Entwicklungsniveaus das
genau gegensätzliche Ergebnis erwarten ließe.
Der typischerweise postulierte negative Zusammenhang zwischen Niveau des Sozialprodukts
und dem Industrieanteil gilt hier jedenfalls
nicht. Österreich weist nach Abb. 28 einen
gleich hohen Industrieanteil wie die Innovation
Leaders und ein etwas höheres BIP pro Kopf auf;
beide Werte liegen deutlich über dem Durchschnitt der EU-27.
Neben dem Innovation Union Scoreboard der
EU ist der deutsche Innovationsindikator112 ein
ebenfalls vielzitierter synthetischer Indikator
107Siehe Blanchard, Illing (2010).
108Siehe den Haan (2011).
109Siehe Schettkat (2006).
110Siehe Schettkat (2010).
111Bei Berücksichtigung von Luxemburg ergäben sich ein durchschnittlicher Industrieanteil von ca. 14,8 % und ein wesentlich höheres
BIP pro Kopf von 31.689.
112Siehe Innovationsindikator (2012).
Forschungs- und Technologiebericht 2013
103
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
Abb. 28: Durchschnittlicher Industrieanteil an der Wertschöpfung (2007) und BIP pro Kopf (2012) von unterschiedlich
innovativen Ländergruppen gemäß IUS 2011
25
35
30
20
25
15
20
15
10
10
5
5
0
0
Innovation Leaders
Innovation Followers Moderate Innovators
Industrieanteil an der Wertschöpfung (li. Achse)
Modest Innovators
Österreich
EU 27
BIP pc PPP (re. Achse)
Quelle: AMECO, IUS. Berechnungen JOANNEUM RESEARCH.
zur Einschätzung der relativen Innovationsperformance von Volkswirtschaften. Im aktuellsten
Ranking von 2012 werden die ersten fünf Plätze
von folgenden Ländern eingenommen: Schweiz,
Singapur, Schweden, Deutschland und Finnland.
All diese Staaten sind durch einen hohen Indus­
trieanteil gekennzeichnet, wobei sich ein Durchschnittswert von 18,5 % (2007) ergibt. Fasst man
alle restlichen, im Ranking berücksichtigten
Länder mit Ausnahme der BRICS-Staaten zusammen, so weisen diese einen durchschnittlichen
Industrieanteil an der Wertschöpfung von 16,8 %
auf. Erneut ergibt sich also das Bild, dass die innovativsten Volkswirtschaften einen durchschnittlich höheren Industrieanteil aufweisen als
die weniger innovativen Ökonomien.
Zusammengenommen unterstützen diese Ergebnisse die Vermutung, dass die Industrie einen
positiven Einfluss auf die Innovationsperformance hat. Ebenso beachtet werden muss aber
auch die umgekehrte Wirkungsrichtung: Eine
starke Innovationsperformance ermöglicht auch
in Hochlohnländern den Erhalt eines substanziellen industriellen Kerns trotz Niedriglohnkonkurrenz.
4.4.3Industrie und Forschung und Entwicklung
(F&E)
F&E-Investitionen und die F&E-Intensität des
Unternehmenssektors gelten als wichtige Bestimmungsgründe des volkswirtschaftlichen
Wachstums und der Wettbewerbsfähigkeit einer
Volkswirtschaft.113 Eine Analyse der F&E-Ausgaben nach Sektoren ergibt, dass die Industrie der
mit Abstand bedeutsamste Investor in F&E ist.
Abb. 29 zeigt dabei für EU- und OECD-Staaten
den Anteil der Industrie an den Gesamtausgaben
des Unternehmenssektors für F&E und den Anteil an der Industrie an der Wertschöpfung. Für
Österreich liegt der Industrieanteil etwas unter
20 %, aber gleichzeitig ist die Industrie für 70 %
113Siehe Aiginger, Falk (2005).
104
Forschungs- und Technologiebericht 2013
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
Abb. 29: Anteil der F&E-Ausgaben der Industrie an den gesamten F&E-Ausgaben des Unternehmenssektors (2010) in %
und Industrieanteil an der Wertschöpfung (2010)*
100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
Ja
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0
F&E-Ausgaben Industrie
Industrieanteil an der Wertschöpfung
Anm.: *Die Berechnung der F&E-Ausgaben der Industrie erfolgte indirekt über den Anteil der F&E-Dienstleistungsausgaben. Dabei können kleine Unschärfen auftreten, weil
etwa auch die Bauwirtschaft F&E-Ausgaben tätigt, allerdings sind diese gering.
Quelle: OECD STAN-Datenbank, AMECO.
der F&E-Ausgaben des Unternehmenssektors
verantwortlich. Selbst in Großbritannien oder
den USA, die als klassische Dienstleistungsökonomien gelten und deren Industrieanteil gering
ist, liegt der Industrieanteil an den F&E-Ausgaben sogar über jenen Österreichs. Die Innovation
Leader Deutschland, Schweden oder Finnland
weisen Industrieanteile bei den F&E-Ausgaben
von über 80 % auf.
Neben dem Anteil an den Ausgaben ist die
F&E-Intensität von Sektoren von Interesse. Diese ist in Abb. 30 im intersektoralen und internationalen Vergleich dargestellt. Die F&E-Intensität ist dabei als Anteil der F&E-Ausgaben an der
sektoralen Wertschöpfung berechnet. Neben
dem Industriesektor sind der Dienstleistungssektor insgesamt sowie die unternehmensbezogenen Dienstleistungen dargestellt. Zunächst ergibt sich erneut das Bild eines wesentlich F&Eintensiveren Industriesektors in allen dargestell-
Forschungs- und Technologiebericht 2013
ten Ländern. Weiterhin ist der Industriesektor,
der ja auch niedrigtechnologische Industrien wie
die Bekleidungs- und Textilindustrie umfasst,
auch wesentlich F&E-intensiver als die Gruppe
der hochwertigen Dienstleistungen. Für Österreich beträgt die F&E-Intensität der Industrie
7,4 %, jene des Dienstleistungssektors 0,9 % und
die der unternehmensbezogenen Dienstleistungen etwa 2,2 %. Im internationalen Vergleich hat
die österreichische Industrie in Summe damit eine deutlich geringere F&E-Intensität als die Innovation Leaders. Dieser Befund gilt jedoch nicht
für die österreichische Industrie im mittleren
Technologiesegment (siehe oben). Dänemark
und Deutschland, die noch am ehesten eine vergleichbare Industriestruktur aufweisen, geben
mit 9,0 % und 8,1 % F&E-Intensität relativ mehr
für F&E aus. Die Industriesektoren Finnlands
und Schwedens sind wiederum deutlich technologieintensiver als die Industrie der USA.
105
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
Abb. 30: F&E-Intensität (F&E-Ausgaben in % der Wertschöpfung) nach Branchen (2009 bzw. aktuellste verfügbare Daten)
16
14
12
10
8
6
4
2
Industrie
Dienstleistungen
i
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Po
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0
Finanzsektor, Immobilien und unternehmensbezogene Dienstleistungen
Quelle: OECD STAN-Datenbank. Berechnungen JOANNEUM RESEARCH
Die hohe Bedeutung der Industrie für F&E und
die relativ niedrige F&E-Intensität des Dienstleistungssektors legt die Vermutung nahe, dass die
Tertiärisierung mit einer Abnahme der F&E-Intensität und F&E-Quote verbunden sein könnte.
Tatsächlich zeigen empirische Analysen, dass der
Strukturwandel für zahlreiche Länder einen negativen Effekt auf die F&E-Quote hat (Struktureffekt) (Dachs 2009). Demgegenüber steht jedoch
eine Zunahme der F&E-Intensität in den Branchen (Intensitätseffekt). Es ist diese Zunahme der
F&E-Aktivitäten innerhalb von bestehenden
Branchen, welche die negativen Effekte des Strukturwandels auf die F&E-Quote überkompensieren. Allerdings ist diese Kompensation kein Naturgesetz und Großbritannien ist ein Beispiel dafür, wie die Deindustrialisierung auch mit einem
Rückgang der F&E-Ausgaben des Unternehmenssektors verbunden sein kann (Abb. 31).
4.4.4Innovationen und Innovationskooperationen
im Industrie- und Dienstleistungssektor
Dienstleistungsunternehmen weisen – bei aller
Heterogenität – technologisch bedingt unterschiedliche Innovationsmuster als Industrieunternehmen auf. Typischerweise wird dabei angenommen, dass Dienstleistungen primär nichttechnologische Innovationen (Marketinginnovation, organisatorische Innovation) durchführen,
während die Industrie vor allem technologische
Innovationen (Produktinnovation, Prozessinnovation) aufweist. Wenngleich diese Beschreibung
im Sinne einer Charakterisierung der relativen
Spezialisierung der beiden Sektoren zutreffend
ist, so verdeckt sie doch die Tatsache, dass die
Industrie letztlich in allen Innovationskategorien eine höhere Innovationsintensität aufweist.114
Dieses Ergebnis ist insofern interessant, als es
114Siehe Miles (2005).
106
Forschungs- und Technologiebericht 2013
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
Abb. 31: Beispiel Großbritannien: Deindustrialisierung und Rückgang der unternehmerischen F&E-Ausgaben am BIP
26
1,8
24
1,6
1,4
22
1,2
20
1
18
0,8
16
0,6
14
0,4
2008
2007
2006
2005
2004
2003
2002
2001
2000
1999
1998
1997
1996
1994
1995
1993
1992
1991
1990
1989
1988
1987
1986
1985
1984
0
1983
10
1982
0,2
1981
12
Industrieanteil an der Wertschöpfung (li. Achse)
Anteil der F&E-Ausgaben des Unternehmenssektors am BIP (re. Achse)
Quelle: OECD, AMECO. Berechnungen JOANNEUM RESEARCH.
die Ergebnisse des Vergleichs der F&E-Intensitäten bestätigt und nicht konterkariert.
Tab. 15 zeigt die Ergebnisse der aktuellen österreichischen Innovationserhebung. Im Sachgütersektor innovierten ca. 61 % aller Unternehmen in den Jahren von 2008 bis 2010, während
der entsprechende Wert für den Dienstleistungssektor bei 53 % liegt. Der Anteil der innovativen
Unternehmen im wissensintensiven Bereich
liegt mit 64 % etwas höher als im Segment der
mittelniedrigtechnologischen Industrie (61 %),
aber deutlich unter den Anteilen der Hochtechnologie oder Mittelhochtechnologie.
Bei den technologischen Innovationen ergibt
sich das zu erwartende Bild eines deutlich höheren Anteils von technologisch innovativen Industrieunternehmen im Vergleich zum Dienstleistungssektor. Allerdings gaben auch mehr als
die Hälfte der Unternehmen des wissensintensi-
ven Dienstleistungssektors an, dass sie im technologischen Sinne in den Jahren 2008 bis 2010
innovativ waren.
Die letzte Spalte von Tab. 15 zeigt den Anteil
der Unternehmen mit nicht-technologischen Innovationen in den jeweiligen Sektoren. Bei einem
aggregierten Vergleich ergibt sich für die Industrie
ein etwas höherer Anteil als für den Dienstleistungssektor. Allerdings ist anzumerken, dass bei
der letzten Innovationserhebung der Dienstleistungssektor einen höheren Anteil an nicht-technologisch innovativen Unternehmen aufwies.115
Eindeutig ist jedoch der wesentlich höhere Anteil
von nicht-technologischen Innovationen in der
Hochtechnologieindustrie. Die aktuellen Daten
weisen auch das Segment der Mittelhochtechnologie als innovativer im nicht-technologischen
Sinne als die Dienstleistungen aus. Diese Ergebnisse dürften primär eine Folge der Komplemen-
115Siehe CIS (2008), Statistik Austria (2010).
Forschungs- und Technologiebericht 2013
107
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
Tab. 15: Innovation im Industrie- und Dienstleistungssektor
Innovationsaktive
Unternehmen
in % aller Unternehmen
Innovationsaktive Unternehmen mit
technologischen Innovationen
in % aller Unternehmen
Innovationsaktive Unternehmen mit
nicht-technologischen Innovationen
in % aller Unternehmen
Herstellung von Waren
60.6
50.4
45.1
Hochtechnologie
95.9
89.3
79.9
Mittelhochtechnologie
80.4
73.8
57.8
Mittelniedrigtechnologie
61.1
50.4
43.7
Niedrigtechnologie
51.1
39.6
39.1
Dienstleistungen
53.4
38.9
43.6
Wissensintensive Dienstleistungen
63.9
51.6
51.6
Weniger wissensintensive Dienstleistungen
48.2
32.5
39.7
Quelle: CIS 2010. Berechnungen JOANNEUM RESEARCH.
tarität von technologischen und nicht-technologischen Innovationen sein. Die Einführung neuer
Produkte mag eine Marketinginnovation zu ihrer
Vermarktung nach sich ziehen und ein neuer Prozess selten ohne simultane organisatorische Neuerungen eingeführt werden.
Damit bestätigt sich grosso modo das Bild eines innovativeren Industriesektors. Dieses Ergebnis wird weiter verstärkt, wenn man bedenkt,
dass ein wichtiger Teil der Dienstleistungsinnovationen über den Zukauf von Industriegütern
stattfindet. Nach der adaptierten Innovationstaxonomie von Pavitt (Tidd et al. 1997) zählen weite Bereiche der Dienstleistungsökonomie zu den
sogenannten zulieferdominierten Branchen, deren Innovationsprozess vorwiegend darin besteht, externe Technologien zu erwerben. Auch
der Finanzsektor oder der Handel, die zu den informationsintensiven Sektoren zählen, sind wesentlich auf den Zukauf von Technologien aus
anderen Sektoren angewiesen. Man denke hier
beispielsweise an die Bankautomaten, die das
Geschäftsmodell der Banken in der Kundenbetreuung radikal verändert haben. Allerdings ist
gerade die Finanzbranche ein gutes Beispiel für
eine Dienstleistungsbranche mit einem hohen
Anteil an endogenen Innovationen, wenngleich
deren Nutzen im Nachhinein betrachtet zum
Teil fragwürdig erscheint. Diese Neigung des
Dienstleistungssektors zum Zukauf industrieller
Technologie zeigt sich jedenfalls auch in den Innovationsausgaben. Die anteilsmäßigen Ausgaben für den Erwerb von Maschinen und Sachmitteln für Innovation liegen im Dienstleistungssektor stabil und signifikant über jenen der Industrie. Die Industrie investiert demgegenüber
mehr in unternehmensinterne F&E.116 Damit
trägt der Industriesektor indirekt wesentlich zur
Innovation und Produktivitätssteigerung im
Dienstleistungssektor bei.
Freilich ist aber auch die umgekehrte Relation
zu beachten: Ein leistungsfähiger Dienstleistungssektor ist eine wesentliche Voraussetzung für eine
dynamische Industrieentwicklung. Allerdings zeigen Studien, dass die Industrie durch ihre Intermediärnachfrage wesentlich zur Entstehung und
Wettbewerbsfähigkeit unternehmensbezogener
Dienstleistungen beiträgt.117 Dies dürfte einer der
Gründe sein, warum es im Entwicklungsprozess
von Volkswirtschaften keine einfache Abkürzung
von einer Agrarökonomie in eine hochwertige
Dienstleistungswirtschaft geben kann.118
Die Leistung eines Innovationssystems wird
unter anderem vom Kooperationsverhalten der
116Siehe Statistik Austria (2012), (2010).
117Siehe Guerri, Maliciai (2005).
118Siehe Paque (2009).
108
Forschungs- und Technologiebericht 2013
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
Produktivtätsperformance von Industrie und
Dienstleistungen. Die beiden genannten Theorien vom Wachstumsmotor Industrie119 und von
der Kostenkrankheit der Dienstleistungen120 betonen beide das höhere Potenzial für Produktivitätssteigerungen in der Industrie. Darüber hinaus
ist aber aus innovationsökonomischer Perspektive zu betonen, dass die Industrie auch eine höhere F&E-Intensität und Innovationsintensität aufweist. Dies fördert wiederum den sektoralen
technischen Fortschritt und damit das Produktivitätswachstum.
Warum investieren aber Industrieunternehmen mehr in F&E als Dienstleistungsunternehmen, warum sind sie – jedenfalls laut verfügbaren Statistiken – im Durchschnitt innovativer?
Darauf können im Wesentlichen zwei Antworten gegeben werden: Erstens dürften F&E-Investitionen und Innovationsaktivitäten einen höheren Ertrag für Industrieunternehmen als für
Dienstleistungsunternehmen erbringen. Dies ist
letztlich wieder eine Folge produktionstechnologischer Unterschiede zwischen den Sektoren.
Zweitens ist der Wettbewerbsdruck in der Industrie aufgrund der Handelbarkeit von Gütern und
geringerer Marktsegmentierung durch Regulierungen wesentlich höher als in vielen Dienstleistungsbranchen. Dies wiederum zwingt die Industrie zur ständigen Suche nach Differenzierungsmöglichkeiten gegenüber der Konkurrenz mit-
Akteure beeinflusst. Üblicherweise wird davon
ausgegangen, dass intensivere Kooperationsmuster aufgrund der damit verbundenen Nutzung
von Komplementaritäten sowie der Diffusion
von Wissen vorteilhafter als fragmentierte Innovationssysteme sind. Damit jedoch die Innovationsfähigkeit dauerhaft erhalten bleibt, muss die
Offenheit von regionalen und nationalen Innovationssystemen gewährleistet sein. Tab. 16 stellt
das durchschnittliche Innovationskooperationsverhalten von Industrie- und Dienstleistungsunternehmen dar. Während 25 % der Industrieunternehmen Innovationskooperationen aufweisen, beträgt der entsprechende Anteil von Dienstleistungsunternehmen 20 %. Dieser Unterschied
vergrößert sich bei einer Betrachtung der Innovationskooperationen mit wissenschaftlichen Einrichtungen. Damit sorgen Industrieunternehmen
in überproportionalem Maße für die Diffusion
von wissenschaftlichem Wissen in den Unternehmenssektor und dessen anschließende Verwertung. Die beiden letzten Spalten in Tab. 16
verweisen auf die intensivere Vernetzung der Industrieunternehmen im Innovationssystem, weil
diese in höherem Ausmaß mit einer Vielzahl von
unterschiedlichen Kooperationspartnern in Innovationsbeziehungen stehen.
Die in diesem Kapitel dargestellte Innovationsperformance der Industrie eröffnet wichtige
Einblicke in die Ursachen der unterschiedlichen
Tab. 16: Innovationskooperationen von Industrie und Dienstleistungen im Vergleich
Anteil von Unternehmen mit
Innovationskooperation
in % aller Unternehmen
Anteil von Unternehmen mit ...
an allen Unternehmen mit Innnovationskooperation in %
... Kooperation mit wissenschaftlicher Einrichtung (z.B,
Universität, Fachhochschule)
… vier Arten von
Kooperationspartnern
… fünf und mehr Arten von
Kooperationspartnern
Gesamtwirtschaft
22,4
42,6
12,1
23,1
Herstellung von Waren
25,5
48,7
13,3
26,5
Dienstleistungen
19,8
35,7
10,5
19,4
Quelle: CIS 2010. Berechnungen JOANNEUM RESEARCH.
119Kaldor (1967).
120Siehe Baumol (1967).
Forschungs- und Technologiebericht 2013
109
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
tels Innovationsaktivitäten und F&E-Investitionen.121 Zusammengenommen sind Technologie
und Konkurrenz die beiden zentralen Faktoren
zur Erklärung der sektoralen Innovationsunterschiede zwischen Industrie und Dienstleistungen.
4.5Österreichs Position bei
Schlüsseltechnologien
Neue Technologien sind eine entscheidende
Triebkraft für Innovationen. Sie tragen wesentlich zu Wettbewerbsvorsprüngen und Produktivitätssteigerungen bei. Unter der Vielzahl neuer
technologischer Entwicklungen sind jene von
besonderem Interesse, die auf viele Anwendungsbereiche ausstrahlen und damit die Innovationsfähigkeit einer Volkswirtschaft in der Breite beeinflussen können. Solche breitenwirksamen
neuen Technologien werden häufig als Schlüsseltechnologien bezeichnet, da sie den Weg zu ganz
neuen Produkten, Dienstleistungen und Geschäftsmöglichkeiten eröffnen.
Die Bedeutung von Schlüsseltechnologien für
die industrielle Entwicklung wurde jüngst von
der Europäischen Kommission (2012b) in ihrer
Kommunikation „A European Strategy for Key
Enabling Technologies – A bridge to growth and
jobs“ betont. Gerade für die heute anstehenden
Herausforderungen etwa im Bereich der Energieversorgung, des Umweltschutzes und der Gesundheit können Schlüsseltechnologien entscheidende Beiträge für Innovationsdurchbrüche
leisten. Mit Hilfe neuer Materialien, neuer Verfahren und neuer Komponenten sind wesentliche
Fortschritte etwa bei der Steigerung der Energieeffizienz, beim Klimaschutz oder bei der Sicherung eines hohen Gesundheitsstands bei einer
alternden Bevölkerung zu erreichen. Die Nutzung von Schlüsseltechnologien gilt gleichzeitig
als eine Voraussetzung, um Europa als Industriestandort in einer globalisierten Welt zu erhalten.
Denn sie ermöglichen zum einen die Modernisierung der Produktionsbasis und tragen zum anderen zur Entstehung neuer, wettbewerbsfähiger
Produkte und Industriesegmente bei.
Die EU-Kommission definiert industrielle
Schlüsseltechnologien („Key Enabling Technologies“ – KETs) als „knowledge and capital-intensive technologies associated with high research
and development intensity, rapid and integrated
innovation cycles, high capital expenditure and
highly-skilled employment [...] of systemic relevance, multidisciplinary and trans-sectorial,
cutting across many technology areas with a
trend towards convergence, technology integration and the potential to induce structural
change“122 und hat sechs industrielle Schlüsseltechnologiebereiche identifiziert:123
- Werkstofftechnologie („Neue Materialien“)
- Industrielle („weiße“) Biotechnologie
- Optische Technologien („Photonik“)
-Nanotechnologie
- Mikro- und Nanoelektronik
-Produktionstechnologien124
Die EU-Kommission sieht bei Schlüsseltechnologien ein großes Potenzial, um den Industriestandort Europa zu stärken. Denn Europa steht in
vielen Schlüsseltechnologiefeldern in der Wissenschaft und bei technischen Erfindungen weltweit an der Spitze. Andererseits sieht die EUKommission auch große Defizite bei der Umsetzung von F&E-Ergebnissen in neue Produkte.
Deshalb schlägt die EU-Kommission die Förderung von Schlüsseltechnologien entlang der In-
121Siehe Schumpeter (2005), Syverson (2011).
122Siehe Europäische Kommission (2009a).
123Eine Definition und Beschreibung der sechs Schlüsseltechnologien findet sich in Europäische Kommission (2009b) und Aschhoff et al.
(2010). Vgl. auch den Bericht der High-level Expert Group on Key Enabling Technologies (2011) und des EU-Wettbewerbsfähigkeitsberichts 2010 (Europäische Kommission 2010).
124In der jüngsten EU-Kommunikation aus dem Jahr 2012 (Europäische Kommission 2012) wurden die Produktionstechnologien auf
fortgeschrittene Produktionstechniken, die in einer der fünf anderen Schlüsseltechnologien zum Einsatz kommen, eingeschränkt. In
der hier vorliegenden Analyse wird der ursprüngliche, weitere Produktionstechnikbegriff zugrunde gelegt, der alle fortgeschrittenen
Produktionsverfahren unabhängig von ihren Einsatzbereichen umfasst.
110
Forschungs- und Technologiebericht 2013
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
novationskette vor, d.h. von der Grundlagenforschung bis zu Pilotanlagen und groß dimensionierten Demonstrationsprojekten. Hierfür sollen
Mittel des Horizon-2020-Programms (alleine
über 6,6 Mrd. € für industrielle Anwendungen
von Schlüsseltechnologien), der Europäischen Investitionsbank, der EIT KICs und der Strukturfonds genutzt sowie neue Public-Private-Partnerships angestoßen werden.
Für die österreichische FTI-Politik stellt sich
die Frage, welche Rolle Österreich derzeit im Bereich der industriellen Schlüsseltechnologien sowohl bei F&E als auch in der industriellen Produktion einnimmt und wie sich die nationalen
FTI-Maßnahmen (die teilweise in direkter, teilweise in indirekter Verbindung zu Schlüsseltechnologien stehen) gegenüber den (geplanten) EUAktivitäten zur Förderung von KETs positionieren. Mit dem Ziel der Österreichischen Bundesregierung, Österreich als Innovation Leader zu
etablieren, erhält auch das Thema der industriellen Schlüsseltechnologien eine neue Bedeutung.
Denn um führend bei Innovationen zu sein, muss
ein Land nicht nur in der Lage sein, aktuelle
technologische Trends aufzugreifen, sondern es
muss auch selbst solche Trends setzen können.
Es wird daher untersucht, welche Position Österreich derzeit bei der Entwicklung und Vermarktung von industriellen Schlüsseltechnologien
einnimmt, und wie sich die Performance Österreichs in den zurückliegenden zehn Jahren verändert hat.
4.5.1Bedeutung von Schlüsseltechnologien für
industrielle Innovationen
Industrielle Schlüsseltechnologien sind eine
Form von Querschnittstechnologien,125 die eine
wesentliche Grundlage für technische Innovationen bilden. Als Bausteine für innovative, integrierte Lösungen eröffnen sie vielfältige Möglichkeiten für Produkt- und Prozessinnovationen in
einer großen Zahl von Branchen und Anwendungsfeldern. Im Unterschied zu anderen Querschnittstechnologien wie Informations- und
Kommunikationstechnologien126
beschränken
sich die direkten Innovationswirkungen von industriellen Schlüsseltechnologien allerdings im
Wesentlichen auf den Produktionssektor; denn
neue Werkstoffe, biotechnologische oder nanotechnologische Verfahren sowie optische oder
mikroelektronische Komponenten sind primär
für Innovationen bei Materialen und Herstellungsverfahren nutzbar. Gleichwohl bieten sich
auch in Dienstleistungssektoren indirekte Innovationspotenziale beim Einsatz von auf Schlüsseltechnologien basierenden Produkten, insbesondere im Gesundheitsbereich (Medizintechnik), im Transportgewerbe (energieeffizientere
und leisere Fahrzeuge) und in den Informationsund Kommunikationsdienstleistungen (leistungsfähigere Informations- und Kommunikationstechnik).
Entscheidend für die Wirkung von industriellen Schlüsseltechnologien – wie von Querschnittstechnologien generell – auf Innovation
und Wettbewerbsfähigkeit ist nicht nur die Entwicklung der grundlegenden Technologien, sondern vor allem ihre Nutzung in komplexen Produkten und Gesamtlösungen. Dabei geht es sowohl um die Geschwindigkeit der Diffusion neuer Technologien als auch um die Erschließung
neuer Einsatzbereiche. Eine große Herausforderung ist es, die technologischen Möglichkeiten,
die diese neuen Technologien bieten, mit den
Anforderungen der Nutzer, des Marktes und von
rechtlichen Vorgaben, den Fähigkeiten der weiterverarbeitenden Unternehmen und einer kosteneffizienten Produktion in Einklang zu bringen. Eine direkte Zusammenarbeit zwischen Akteuren auf verschiedenen Stufen von Innovationsprozessen und Wertschöpfungsketten, insbesondere zwischen den Technologieproduzenten
und den Anwendern der Basistechnologien, kann
125Vgl. Helpman (1998).
126Vgl. Ark, Piatkowski (2004).
Forschungs- und Technologiebericht 2013
111
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
solche Abstimmungsprozesse wesentlich unterstützen.127 Vor diesem Hintergrund ist es nicht
gleichgültig, wo neue industrielle Schlüsseltechnologien hervorgebracht werden. Eine starke einheimische technologische Basis erleichtert es
auch der weiterverarbeitenden Industrie, innovative Lösungen durch die Nutzung industrieller
Schlüsseltechnologien zu entwickeln.
Vor diesem Hintergrund zielen viele Aktivitäten zur Förderung von Schlüsseltechnologien
und zur Nutzung ihrer Innovationspotenziale
nicht nur auf die Forschungsförderung innerhalb
der Schlüsseltechnologiebranchen ab, sondern
auch auf Kooperationen zwischen diesen Branchen und der Wissenschaft, den Anwenderindustrien und den Endnutzern. Österreich folgt diesem Weg z.B. mit den Kompetenzzentren-Programmen (COMET) und der Förderung von Anwendungsfeldern neuer Technologien im Bereich
Smart Cities und Elektromobilität.
Die Erwartungen an die kurzfristigen Innovationswirkungen von industriellen Schlüsseltechnologien sollten allerdings nicht zu hoch geschraubt werden. Denn bei vielen Innovationsideen steht die Umsetzung erst am Anfang. Und
je höher der Innovationsanspruch ist, desto länger sind die Zeiträume, bis sich die Innovationsideen in alltagstaugliche Produkte umsetzen lassen, und desto höher sind die notwendigen Investitionen und die Barrieren, die überwunden werden müssen. Eine breite Diffusion setzt meist
erst ein, wenn sich ein technischer Standard herausgebildet hat und der Nutzen gegenüber bestehenden Produkten und Lösungen klar ersichtlich
und bewertbar ist. Erst dann wird die Nachfrage
ausreichend hoch sein, um über Skaleneffekte
die Produktionskosten zu senken und damit
niedrigere Produktpreise zu ermöglichen. Insofern haben sich viele Erwartungen an kurzfristig
realisierbare hohe Umsatzpotenziale der neuen
industriellen Schlüsseltechnologien, etwa im Bereich nanotechnologischer oder biotechnologischer Anwendungen128 als zu optimistisch erwiesen. Andere Bereiche der industriellen Schlüsseltechnologien, die in ihrem technologischen Entwicklungspfad bereits weiter fortgeschritten
sind, wie etwa die Mikro- und Nanoelektronik,
die optischen Technologien oder verschiedene
Felder der Werkstofftechnologien zeigen jedoch,
wie groß die Ausstrahlungseffekte von Schlüsseltechnologien auf Innovationen in den unterschiedlichsten Industriebranchen in längerfristiger Perspektive sein können.
4.5.2Position Österreichs bei Patentanmeldungen
im Bereich von Schlüsseltechnologien
Die Position Österreichs bei der Entwicklung
neuer Technologien in den einzelnen Feldern der
industriellen Schlüsseltechnologien kann anhand der Patentstatistik nachgezeichnet werden.
Hierfür wird auf eine Zuordnung von Patentklassifikationsnummern der Internationalen Patentklassifikation (IPC) zu den sechs Schlüsseltechnologiefeldern zurückgegriffen, die von der EUKommission für ein Monitoringsystem entwickelt wurde129.130 Um die Dynamik der technologischen Entwicklung in den sechs Feldern zu
untersuchen, werden alle Patentanmeldungen
von österreichischen Anmeldern bzw. ErfinderInnen im Zeitraum seit 2000 betrachtet und zu
Patentfamilien aggregiert (d.h. Patente, die sowohl an österreichischen als auch an ausländischen oder internationalen Ämtern angemeldet
wurden, werden nur einmal gezählt). Für die Positionierung Österreichs im internationalen Vergleich werden nur Patentanmeldungen am Europäischen Patentamt (EPO) und über das Verfah-
127Vgl. Fagerberg (1995), Porter (1990).
128Vgl. Europäische Kommission(2010).
129Vgl. van de Velde et al. (2013).
130Für die Produktionstechnologien wird nicht auf die in dieser Studie vorgeschlagene Abgrenzung zurückgegriffen, da diese nur Produktionstechnologien erfasst, die in direktem Bezug zu einer der fünf anderen Schlüsseltechnologien stehen. Stattdessen wird eine
Abgrenzung aus einer früheren Studie der Europäischen Kommission verwendet, die Produktionstechnologien breiter abgrenzt (vgl.
Aschhoff et al., 2010).
112
Forschungs- und Technologiebericht 2013
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
ren nach dem Patentkooperationsvertrag (patent
cooperation treaty – PCT) der World Intellectual
Property Organisation betrachtet, um so ein höheres Maß an Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Ländern zu erreichen. Die Analysen
beruhen auf der Patstat-Datenbank des Europäischen Patentamts (Ausgabe November 2012).
Aufgrund des Zeitverzugs zwischen Patentanmeldung und Patentveröffentlichung von 18 Monaten liegen vollständige Anmeldezahlen nur bis
zum Jahr 2010 vor. Für EPO/PCT-Anmeldungen
ist der Zeitverzug aufgrund des Abstands zwischen Erstanmeldung und Anmeldung an weiteren Patentämtern noch größer, sodass nur bis
zum Jahr 2009 internationale Vergleichszahlen
vollständig verfügbar sind.
Im Zeitraum 2000 bis 2010 wurden von Organisationen und Privatpersonen mit Sitz in Österreich131 insgesamt 32.838 Patente (im Sinn von
Patentfamilien) angemeldet. Von diesen sind
7.101 Patente (21,6 %) dem Bereich der industriellen Schlüsseltechnologien zuzuordnen. Dieser
Anteil stieg von gut 18 % Anfang der 2000er Jahre auf über 24 % am Ende des Jahrzehnts signifikant an. Die Patentdynamik war somit in den
Schlüsseltechnologien deutlich höher als im
Durchschnitt aller Technologiefelder. Während
die Anzahl der Patentanmeldungen insgesamt
von 2000 bis 2010 um 38 % zunahm, betrug das
Wachstum in den industriellen Schlüsseltechnologien 72 %. Die höchste Dynamik innerhalb der
Schlüsseltechnologien wiesen die Photonik so-
Abb. 32: Entwicklung der Anzahl der Patentanmeldungen in industriellen Schlüsseltechnologien in Österreich 2000–2010
450
Photonik
400
Mikro- und Nanoelektronik
Schlüsseltechnologien insgesamt
350
Produktionstechnologien
Indexreihe, 2000=100
300
Werkstofftechnologien
Alle Technologien
250
Industrielle Biotechnologie
200
Nanotechnologie
150
100
50
0
'00
'01
'02
'03
'04
'05
'06
'07
'08
'09
'10
Quelle: Patstat. – Schlüsseltechnologiedefinition aus van de Velde et al. (2013). – Berechnungen des ZEW.
131Eine Patentanmeldung wird aus Österreich kommend gewertet, wenn zumindest eine der anmeldenden Organisationen bzw. Privatpersonen ihren Sitz in Österreich hat. Diese Vorgangsweise wird einer Zuordnung über den Wohnsitz der ErfinderInnen vorgezogen, da
erstens dadurch besser erfasst werden kann, wo die Entscheidungen über die kommerzielle Verwertung der patentierten Erfindungen
erfolgt. Zweitens führt eine Zuordnung über den ErfinderInnensitz in grenznahen Regionen mit vielen grenzüberschreitenden ArbeitspendlerInnen zu unscharfen Ergebnissen. Dabei ist zu beachten, dass bei Patentanmeldungen von Unternehmen in Österreich, die
Tochtergesellschaften von ausländischen Unternehmen sind, in den meisten Fällen das Tochterunternehmen aus Österreich als Anmelder (mit) aufscheint. Eine Auswertung auf Basis der ErfinderInnensitze erbringt im Übrigen sehr ähnliche Ergebnisse bei insgesamt
etwas höheren Patentanmeldezahlen.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
113
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
wie die Mikro- und Nanoelektronik auf, in beiden Feldern verdreifachte sich die Anzahl der pro
Jahr angemeldeten Patente im Verlauf des vergangenen Jahrzehnts (vgl. Abb. 32). Angesichts
von nur wenigen Patentanmeldungen pro Jahr in
der Nanotechnologie verlief die Patentdynamik
dort sehr sprunghaft. Nach stärkeren Patentaktivitäten von 2005 bis 2007 gab es jüngst nur mehr
vereinzelt Patentanmeldungen in diesem Technologiefeld. In den Produktionstechnologien lag
das Patentwachstum leicht über dem Mittel aller
Technologiefelder, bei den Werkstofftechnologien entsprach es etwa der durchschnittlichen Veränderung der Patenanmeldezahlen in Österreich.
Der einzige industrielle Schlüsseltechnologiebereich mit einem unterdurchschnittlichen Wachstum während des vergangenen Jahrzehnts ist die
industrielle Biotechnologie.
Patente im Bereich industrieller Schlüsseltechnologien werden überwiegend international
angemeldet. Im Zeitraum 2000 bis 2010 wurden
über 85 % aller Schlüsseltechnologiepatente
(auch) an Patentämtern außerhalb Österreichs
angemeldet (Abb. 33). Bei 36 % der Patentanmeldungen wurden Schutzrechte in außereuropäischen Regionen geltend gemacht, bei weiteren
40 % in europäischen Ländern außerhalb Österreichs und Deutschlands. 11 % der Patente wurden auf internationaler Ebene einzig in Deutschland angemeldet. 14 % aller Schlüsseltechnologiepatente haben lediglich für Österreich Schutz
angesucht. Im Vergleich zu allen Patentanmeldungen durch österreichische Anmelder sind
Schlüsseltechnologiepatente deutlich stärker international orientiert. Dies weist auf eine hohe
Exportorientierung der Unternehmen hin, die
Erfindungen im Bereich der Schlüsseltechnologien hervorbringen. Über die Zeit haben die Anmeldungen in außereuropäischen Ländern an Bedeutung gewonnen. Dahinter steht u.a. auch die
verstärkte Nutzung des PCT-Verfahrens als Anmeldeweg.
Abb. 33: Verteilung der Patentanmeldungen in industriellen Schlüsseltechnologien in Österreich 2000–2010
nach Anmeldeämtern
1000
Schlüsseltechnologien
insgesamt
Anzahl Patentanmeldungen
900
Alle Technologien
800
Schlüsseltechnologien
insgesamt
700
Photonik
600
Nanotechnologie
500
Industrielle Biotechnologie
400
300
Werkstofftechnologien
200
Mikro- und Nanoelektronik
100
0
Produktionstechnologien
0
'00 '01 '02 '03 '04 '05 '06 '07 '08 '09 '10*
20
40
60
80
Anteil an allen Patentanmeldungen in %
nur am ÖPA
(auch) am DPMA
(auch) am EPA/PÄ anderer europ. Länder
(auch) über PCT-Verf. bzw. an außereurop. PÄ
100
Anm.: * 2010 Untererfassung der Patentanmeldungen über PCT-Verfahren bzw. an außereuropäischen Patentämtern und Überfassung der drei anderen Anmeldewege
aufgrund der oft erst späteren Anmeldung von Patenten an außereuropäischen Ämtern.
ÖPA: Österreichisches Patentamt, DPMA: Deutsches Patent- und Markenamt, EPA: Europäisches Patentamt, PÄ: Patentämter, PCT: Patent Cooperation Treaty.
Quelle: Patstat. – Schlüsseltechnologiedefinition aus van de Velde et al. (2013). – Berechnungen des ZEW.
114
Forschungs- und Technologiebericht 2013
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
Abb. 34: Verteilung der Patentanmeldungen in industriellen Schlüsseltechnologien in Österreich 2000–2010 nach Sektorzugehörigkeit der Anmelder
900
Schlüsseltechnologien
insgesamt
Alle Technologien
800
Schlüsseltechnologien
insgesamt
700
Photonik
Anzahl Patentanmeldungen
600
500
Nanotechnologie
400
Industrielle Biotechnologie
300
Werkstofftechnologien
200
Mikro- und Nanoelektronik
100
Produktionstechnologien
0
'00
'01
'02
'03
'04 '05
'06
'07
'08
'09
0
'10
20
40
60
80
100
Anteil an allen Patentanmeldungen in %
Unternehmen
öffentliche/kooperative Forschung
Einzelerfinder
Quelle: Patstat. – Schlüsseltechnologiedefinition aus van de Velde et al. (2013). – Berechnungen des ZEW.
70 % der industriellen Schlüsseltechnologiepatente wurden von Unternehmen angemeldet,
4 % von Hochschulen, öffentlichen oder kooperativen Forschungseinrichtungen und 26 % von
EinzelerfinderInnen.132 Die Bedeutung der Unternehmen als Patentanmelder ist in den Schlüsseltechnologien höher als im Mittel aller Technologiefelder (Abb. 34). Besonders hoch ist der Anteil
der Unternehmen in der Photonik und in den
Produktionstechnologien. Die öffentliche Forschung spielt in der Nanotechnologie und in der
industriellen Biotechnologie eine vergleichsweise große Bedeutung. Der Anstieg der Patentanmeldungen im Bereich der Schlüsseltechnologien im vergangenen Jahrzehnt geht im Wesentlichen auf das Konto der Unternehmen zurück,
aber auch die öffentliche Forschung hat ihre Pa-
tentaktivitäten – von sehr niedrigem Niveau aus
– merklich gesteigert.
Eine Zuordnung der Anmelder aus dem Bereich der Unternehmen und der kooperativen
Forschung zu Wirtschaftszweigen zeigt, dass der
größte Teil der Schlüsseltechnologiepatente aus
den Branchen Elektronik/Messtechnik/Optik
(auf die 28,6 % der Patentanmeldungen durch
Unternehmen im Zeitraum 2000 bis 2010 entfiel), Maschinenbau (15,0 %), Elektrotechnik
(11,8 %), Chemie/Mineralöl (9,8 %), Forschung
und Entwicklung (7,9 %) und Metallerzeugung
(4,2 %) stammt (Tab. 17). Die Branche Elektronik/Messtechnik/Optik ist in der Nanotechnologie, der Mikro-/Nanoelektronik und den Produktionstechnologien der größte Patentanmelder. In
der industriellen Biotechnologie stammen über
132Bei Patentanmeldungen, an denen sowohl Unternehmen, Hochschulen, öffentliche oder kooperative Forschungseinrichtungen einerseits und EinzelerfinderInnen andererseits beteiligt waren, wurden EinzelerfinderInnen nicht gezählt, da es sich bei ihnen fast immer
um Eigentümer oder Beschäftigte des Unternehmens bzw. der Forschungsorganisation handelt. Der Anteil der Patentanmeldungen
durch EinzelerfinderInnen bezieht sich somit auf Patente, die ausschließlich durch EinzelerfinderInnen angemeldet wurden. Bei EinzelerfinderInnen kann es sich um selbstständig tätige Personen, Eigentümer von Unternehmen oder Beschäftigte handeln.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
115
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
besonders schlüsseltechnologieaffin. Ihr Patentportfolio ist überdurchschnittlich stark auf
Schlüsseltechnologien ausgerichtet. Die Unternehmen der Branche F&E, die auch die kooperative Forschung einschließt, patentieren dagegen
überproportional häufig außerhalb der Schlüsseltechnologien.
75,8 % der von Unternehmen 2000 bis 2010
angemeldeten Schlüsseltechnologiepatente stammen von Großunternehmen (mit 250 oder mehr
Beschäftigten) und 24,2 % von KMU. KMU sind
im Bereich der Schlüsseltechnologiepatente insofern unterrepräsentiert, als ihr Anteil an allen Patentanmeldungen durch Unternehmen bei 30,4 %
45 % der Patentanmeldungen von Unternehmen
aus der Pharma- und Chemiebranche, in den
Werkstofftechnologien dominieren die Chemieindustrie und die Metallerzeugung, und in der
Photonik kommen über drei Viertel der Patente
aus der Elektrotechnik und Elektronik/Messtechnik/Optik.
Vergleicht man den Anteil einer Branche an
den Patentanmeldungen in allen Technologiefeldern mit dem Anteil an Schlüsseltechnologiepatenten, so erweisen sich Elektronik/Messtechnik/Optik, die Chemie- und Mineralölindustrie,
die Metallerzeugung und die Elektrotechnik als
Tab. 17: Verteilung der Patentanmeldungen aus dem Unternehmenssektor (inkl. kooperative Forschung) in industriellen
Schlüsseltechnologien in Österreich 2000–2010 nach Branchen
Branche
ÖNACE
Alle
ST
PH
NT
IB
WS
ME
PT
F&E
Nahrungsmittel/Getränke
10-12
0,6
0,2
0,0
0,0
2,3
0,2
0,0
0,1
0,6
Textil/Bekleidung/Leder
13-15
1,0
0,4
0,3
0,0
2,7
0,5
0,0
0,4
0,3
Holz/Möbel
16, 31
2,5
1,3
0,9
0,0
1,0
2,2
0,1
1,2
0,7
Papier/Druck
17-18
1,3
0,7
0,6
1,1
0,5
1,7
0,0
0,4
0,7
Chemie/Mineralöl
19-20
4,3
9,8
0,0
6,9
15,0
35,2
0,2
2,7
3,7
21
8,4
3,7
1,8
7,6
35,5
5,7
0,0
1,5
3,8
Pharma
Gummi/Kunststoff
22
3,3
1,6
0,4
0,0
0,6
4,1
0,4
1,0
2,2
Glas/Keramik/Steinwaren
23
2,2
2,2
1,7
0,0
0,0
6,3
0,4
1,1
1,4
Metallerzeugung
24
2,0
4,2
0,4
1,1
0,0
12,8
1,6
4,9
2,6
Metallverarbeitung
25
7,1
3,6
1,9
1,6
1,6
7,2
0,6
3,6
2,5
Elektronik/ Messtechn./ Optik
26
14,3
28,6
33,8
45,7
4,2
2,7
77,4
33,2
10,4
Elektrotechnik
Maschinenbau, Reparatur
27
7,5
11,8
42,4
15,2
2,1
2,6
9,9
5,4
16,2
28, 33
19,0
15,0
4,7
3,3
3,1
9,3
3,0
22,6
11,1
Automobilbau
29
4,8
2,4
1,2
0,0
0,0
1,0
1,6
3,3
7,2
Bahn-/Flugzeugbau
30
1,6
0,5
0,5
0,0
0,0
0,3
0,2
0,7
2,1
Medizintechnik/Sportwaren
32
3,2
0,9
0,4
1,1
0,0
0,7
0,2
1,2
1,8
Bergbau/Ver-/Entsorgung
5-9, 35-39
0,5
0,4
0,9
0,0
1,0
0,2
0,1
0,4
0,3
Bau/Immobilien
41-43, 68
0,9
0,5
0,0
0,0
2,1
0,4
0,0
0,7
0,6
Handel/Verkehr/Logistik
45-53
1,6
0,8
0,6
0,0
0,5
1,1
0,0
0,9
5,2
Software/Telekommunik.
61-63
1,5
0,9
1,5
0,0
0,4
0,2
0,3
1,0
4,1
Architektur-/Ingenieurbüros
71
2,5
1,9
0,9
1,1
4,8
0,8
0,1
2,8
7,5
F&E
72
8,8
7,9
4,1
15,3
20,1
4,2
3,6
9,9
12,6
1-3, 55-60, 64-66, 69-70, 73-96
1,3
0,8
1,0
0,0
2,3
0,6
0,2
0,9
2,2
sonstige Wirtschaftszweige
Anm.: A
lle: Alle Technologiefelder; ST: Schlüsseltechnologien insgesamt; PH: Photonik; NT: Nanotechnologie; IB: industrielle Biotechnologie; WS: Werkstofftechnologien;
ME: Mikro-/Nanoelektronik; PT: Produktionstechnologien; F&E: F&E-Ausgaben im Jahr 2009.
Quelle: Patstat. – Statistik Austria.- Schlüsseltechnologiedefinition aus van de Velde et al. (2013). – Berechnungen des ZEW.
116
Forschungs- und Technologiebericht 2013
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
Tab. 18: Verteilung der Patentanmeldungen aus dem Unternehmenssektor in industriellen Schlüsseltechnologien
in Österreich 2000–2010 nach der Unternehmensgröße
Alle
ST
PH
NT
IB
WS
ME
PT
F&E
KMU (bis 250 Beschäftigte)
Größenklasse
30,4
24,2
29,6
41,4
32,2
15,4
18,6
26,6
28,7
Großunternehmen (250 und mehr Beschäftigte)
69,6
75,8
70,4
58,6
67,8
84,6
81,4
73,4
71,3
Alle: Alle Technologiefelder; ST: Schlüsseltechnologien insgesamt; PH: Photonik; NT: Nanotechnologie; IB: industrielle Biotechnologie; WS: Werkstofftechnologien; ME:
Mikro-/Nanoelektronik; PT: Produktionstechnologien; F&E: F&E-Ausgaben im Jahr 2009.
Quelle: Patstat. – Statistik Austria.- Schlüsseltechnologiedefinition aus van de Velde et al. (2013). – Berechnungen des ZEW.
Tab. 19: Verteilung der Patentanmeldungen aus dem Unternehmenssektor und der öffentlichen und kooperativen Forschung
in industriellen Schlüsseltechnologien in Österreich 2000–2010 nach Bundesländern
Alle
ST
PH
NT
IB
WS
ME
PT
Burgenland
Bundesland
0,6
0,7
0,8
0,0
0,7
0,3
1,3
0,6
F&E
0,6
Kärnten
4,9
11,3
2,9
0,9
0,4
4,7
44,3
14,0
2,7
Niederösterreich
10,9
14,0
13,1
20,1
8,8
31,6
5,7
8,8
8,9
Oberösterreich
19,1
18,7
6,1
20,9
13,8
21,5
7,3
23,2
16,0
Salzburg
Steiermark
5,7
3,5
2,0
0,0
2,9
3,8
1,1
4,9
3,7
18,5
21,2
11,8
11,1
15,1
17,4
27,0
24,5
19,9
Tirol
13,6
8,2
8,4
4,5
28,4
14,7
3,3
5,3
9,1
Vorarlberg
10,6
11,0
41,2
2,7
0,0
1,5
3,7
6,7
2,7
Wien
16,0
11,4
13,9
39,6
30,0
4,5
6,3
12,1
34,0
Alle: Alle Technologiefelder; ST: Schlüsseltechnologien insgesamt; PH: Photonik; NT: Nanotechnologie; IB: industrielle Biotechnologie; WS: Werkstofftechnologien; ME:
Mikro-/Nanoelektronik; PT: Produktionstechnologien; F&E: F&E-Ausgaben im Jahr 2009.
Quelle: Patstat. – Statistik Austria.- Schlüsseltechnologiedefinition aus van de Velde et al. (2013). – Berechnungen des ZEW.
und ihr Anteil an den gesamten F&E-Ausgaben
der Unternehmen bei 28,7 % liegt. Der Anteil
von KMU an den Patentanmeldungen ist in der
Nanotechnologie mit 41,4 % und in der industriellen Biotechnologie mit 32,2 % vergleichsweise
hoch und in den Werkstofftechnologien und der
Mikro- und Nanoelektronik sehr niedrig.
Die regionale Verteilung der Anmelder von
Schlüsseltechnologiepatenten (ohne Privatanmelder) weicht signifikant von der regionalen
Verteilung der F&E-Kapazitäten (Unternehmen
inkl. kooperative Forschung, Hochschulen, Staat,
private gemeinnützige Einrichtungen) ab.133
Während im Durchschnitt der Periode 2000 bis
2009 auf Wien 34 % der gesamten F&E-Ausgaben
entfielen, kamen aus Wien nur 11,4 % der Schlüsseltechnologiepatente. Dieser Unterschied er-
klärt sich primär daraus, dass die industriellen
F&E-Aktivitäten der Wiener Wirtschaft überwiegend auf Bereiche außerhalb der Schlüsseltechnologien (wie z.B. Pharmazie/rote Biotechnologie, Nachrichtentechnik) ausgerichtet sind und
dass die Patentaktivitäten der öffentlichen Forschung (Hochschulen, Staat), die den größten
Teil der F&E-Kapazitäten Wiens stellt, generell
gering sind, da wissenschaftliche Publikationen
den Hauptverwertungsweg in der Wissenschaft
darstellen. Die beiden Länder mit den größten
Anteilen an den gesamten Patentanmeldungen
im Bereich der Schlüsseltechnologien sind die
Steiermark (21,2 %) und Oberösterreich (18,7 %).
Relativ hohe Anteile weisen außerdem die Länder Niederösterreich (14,0 %), Kärnten (11,3 %)
und Vorarlberg (11,0 %) auf. Innerhalb der einzel-
133Patente von Anmeldern mit mehreren Standorten in Österreich wurden jenem Standort zugeordnet, an dem der überwiegende Teil der
F&E-Aktivitäten des Anmelders erfolgt.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
117
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
nen Schlüsseltechnologiefelder ist die regionale
Verteilung der Patentanmeldungen teilweise
stark konzentriert. So kamen über 71 % der
2000–2010 angemeldeten Patente in der Mikround Nanoelektronik aus Kärnten oder der Steiermark, über 80 % der Nanotechnologiepatente
wurden von Unternehmen oder Einrichtungen
aus Wien, Niederösterreich oder Oberösterreich
angemeldet, und über 58 % der Patente in der industriellen Biotechnologie stammen aus Wien
oder Tirol. In der Photonik ist Vorarlberg das
Bundesland mit dem höchsten Anteil. In den
Werkstofftechnologien dominieren Niederösterreich und Oberösterreich, und in den Produktionstechnologien Oberösterreich und die Steiermark. Die regionale Verteilung wird insgesamt
stark durch die Aktivitäten einzelner Großunternehmen bestimmt.
Um die Entwicklung der SchlüsseltechnologiePatentanmeldungen in Österreich im internatio-
nalen Vergleich einzuordnen, werden die sogenannten „internationalen Patentanmeldungen“
betrachtet. Dabei handelt es sich um Anmeldungen am EPO oder über das PCT-Verfahren an der
WIPO. Diese Anmeldewege werden üblicherweise dann genommen, wenn ein Patent in vielen
Ländern geschützt und international vermarktet
werden soll. Aufgrund des höheren Aufwands,
der mit EPO bzw. PCT-Anmeldungen einhergeht,
gelten diese Patente auch als wertvoller. Der Anteil Österreichs an den weltweiten internationalen Patentanmeldungen stieg seit Mitte der
2000er Jahre deutlich an. Dies gilt für die Patentanmeldungen quer über alle Technologiefelder
und noch mehr für Patente in industriellen
Schlüsseltechnologien. Entfielen im Jahr 2002
0,66 % der weltweiten internationalen Patentanmeldungen in Schlüsseltechnologien auf österreichische Anmelder, so stieg dieser Anteil bis 2009
auf 1,73 % (Abb. 35). Damit war der Bedeutungs-
Abb. 35: Anteil Österreichs an den weltweiten internationalen Patentanmeldungen in industriellen Schlüsseltechnologien
2000–2009
2,0
alle Technologien
Schlüsseltechnologien insgesamt
Anteil an den weltweiten Patentanmeldungen in %
1,8
Photonik
1,6
Nanotechnologie
Industrielle Biotechnologie
1,4
Werkstofftechnologien
Mikro- und Nanoelektronik
1,2
Produktionstechnologien
1,0
0,8
0,6
0,4
0,2
0,0
'00
'01
'02
'03
'04
'05
'06
'07
'08
'09
Anm.: Internationale Patentanmeldungen: Anmeldungen am EPO oder über das PCT-Verfahren.
Quelle: Patstat. – Schlüsseltechnologiedefinition aus van de Velde et al. (2013). – Berechnungen des ZEW.
118
Forschungs- und Technologiebericht 2013
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
gewinn Österreichs in den Schlüsseltechnologien
merklich höher als im Mittel aller Technologien.
Besonders stark war der Anteilsgewinn Österreichs an den weltweiten Patentaktivitäten in
den Werkstofftechnologien, der Photonik, den
Produktionstechnologien und der Mikro- und
Nanoelektronik. In der industriellen Biotechnologie ist nur in den Jahren 2008 und 2009 ein Anstieg des Anteilswerts festzustellen, bei allerdings weltweit rückläufigen Patentaktivitäten in
diesem Feld. In der Nanotechnologie ist der Beitrag Österreichs zur weltweiten Anzahl internationaler Patentanmeldungen in nahezu jedem
Jahr unterdurchschnittlich.
Österreich weist bei fast allen industriellen
Schlüsseltechnologien eine höhere Patentdynamik als viele europäische Vergleichsländer auf
(Abb. 36). Mit einer Zunahme der Anzahl internationaler Patentanmeldungen in den Schlüsseltechnologien zwischen den Perioden 2000 bis
2003 und 2006 bis 2009 um 50 % liegt Österreich
deutlich vor Belgien, Finnland, Dänemark,
Schweden und der Schweiz, die auf Zuwachsraten zwischen 6 und 19 % kommen. In Deutschland und in der EU-27 blieb die Zahl der Schlüsseltechnologie-Patentanmeldungen
zwischen
den beiden Perioden jeweils konstant, in den
Niederlanden ging sie um 14 % zurück.
Abb. 36: Dynamik der internationalen Patentanmeldungen in industriellen Schlüsseltechnologien in den 2000er Jahren
in ausgewählten Ländern
AT
Alle Technologien
DE
CH
Schlüsseltechnologien insgesamt
NL
BE
DK
Photonik
FI
SE
EU-27
Nanotechnologie
Welt
Industrielle Biotechnologie
Werkstofftechnologien
Mikro- und Nanoelektronik
Produktionstechnologien
0
50
100
150
200
250
300
Patentanmeldungen 2006-2009 in % der Patentanmeldungen 2000-2003
Anm.: Internationale Patentanmeldungen: Anmeldungen am EPO oder über das PCT-Verfahren.
Quelle: Patstat. – Schlüsseltechnologiedefinition aus van de Velde et al. (2013). – Berechnungen des ZEW.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
119
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
Die im internationalen Vergleich hohe Patentdynamik Österreichs zeigt sich in fünf der sechs
Schlüsseltechnologien, einzig in der industriellen Biotechnologie sind die Patentanmeldezahlen – wie in fast allen anderen Ländern auch –
rückläufig. Im Bereich der Photonik und der Mikro- und Nanoelektronik erreicht kein anderes
Land aus der Gruppe der Vergleichsländer ein
ähnlich hohes Wachstum wie Österreich. Besonders beeindruckend ist die Zunahme in der Mikro- und Nanoelektronik, hier stieg das Aufkommen an internationalen Patentanmeldungen
durch österreichische Anmelder um 166 %. In
den Werkstofftechnologien und der Nanotechnologie liegt Österreich jeweils hinter Finnland an
zweiter Stelle der Patentdynamik. Bei Produktionstechnologien nimmt Österreich ebenfalls
Rang zwei ein, hier liegt Belgien voran.
Die starke Zunahme der Patentanmeldezahlen
im Verlauf der 2000er Jahre hat dazu geführt,
dass Österreich gegen Ende des Jahrzehnts eine
positive Spezialisierung auf Schlüsseltechnologien aufweist. Anfang des Jahrzehnts lag der Anteil
der Patentanmeldungen in Schlüsseltechnologien in Österreich dagegen noch niedriger als im
Mittel aller Länder. Die positive Spezialisierung
Abb. 37: Spezialisierung bei internationalen Patentanmeldungen in industriellen Schlüsseltechnologien 2006–2009:
relativer Patentanteil für ausgewählte Länder
AT
Schlüsseltechnologien insgesamt
DE
CH
NL
Photonik
BE
DK
FI
Nanotechnologie
SE
EU-27
Industrielle Biotechnologie
Werkstofftechnologien
Mikro- und Nanoelektronik
Produktionstechnologien
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
1,2
1,4
1,6
1,8
2,0
2,2
2,4
2,6
Relativer Patentanteil (Durchschnitt 2006-2009)
Anm.: R
elativer Patentanteil: Anteil der Patentanmeldungen 2006–2009 im jeweiligen Technologiefeld an den gesamten Patentanmeldungen 2006–2009 eines Landes,
geteilt durch den Anteil der Patentanmeldungen 2006–2009 im jeweiligen Technologiefeld weltweit an den gesamten Patentanmeldungen 2006–2009 weltweit.
Ein Wert größer 1,0 zeigt an, dass das jeweilige Land in diesem Feld überdurchschnittlich viel patentiert.
Quelle: Patstat. – Schlüsseltechnologiedefinition aus van de Velde et al. (2013). – Berechnungen des ZEW.
120
Forschungs- und Technologiebericht 2013
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
ergibt sich aus überproportionalen Patentaktivitäten in der Photonik, den Werkstofftechnologien und den Produktionstechnologien (Abb. 37).
In der Mikro- und Nanotechnologie ist trotz der
hohen Patentdynamik die Spezialisierung noch
immer leicht unterdurchschnittlich. Vergleichsweise niedrig sind weiterhin die Patentaktivitäten in der industriellen Biotechnologie und in der
Nanotechnologie. Insgesamt weist Österreich
recht ausgewogene Patentaktivitäten in den
sechs Schlüsseltechnologien auf. Andere Länder
ähnlicher Größe sind wesentlich stärker auf einzelne Technologiefelder ausgerichtet. So weist
Dänemark eine ausgesprochene Spezialisierung
auf die industrielle Biotechnologie auf, während
es in den meisten anderen Feldern kaum aktiv
ist. Das eher „flache“ Profil Österreichs ähnelt
eher größeren Ländern wie z.B. Deutschland. Angesichts des Umstands, dass es zwischen den
sechs Schlüsseltechnologien hohe Spillover-Potenziale und viele Überschneidungsbereiche für
gemeinsame oder aufeinander aufbauende technologische Entwicklungen gibt, kann ein breites
und ausgewogenes Schlüsseltechnologieportfolio
als vorteilhaft bewertet werden.
4.5.3Position Österreichs im Außenhandel mit
schlüsseltechnologiebasierten Produkten
Eine Bestimmung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eines Landes im Bereich der industriellen Schlüsseltechnologien ist weitaus
schwieriger als die Bestimmung der technologischen Leistungsfähigkeit. Denn die Produktionsund Außenhandelsstatistiken erlauben, im Gegensatz zur Patentstatistik, i.d.R. keine eindeuti-
ge Zuordnung der produzierten und gehandelten
Güter zu den einzelnen Technologiefeldern, da
in diesen Statistiken Güter nach ihrer Verwendung oder den überwiegend eingesetzten Materialien, nicht aber nach der in der Produktion eingesetzten Technologie oder bestimmten verwendeten technologischen Komponenten klassifiziert werden. In einem Projekt der EU-Kommission134 wurde gleichwohl der Versuch unternommen, in den gängigen Güterklassifikationen135
jene Produkte zu identifizieren, die als überwiegend schlüsseltechnologiebasiert angesehen werden können. Auf Basis dieser Zuordnung kann
die Entwicklung des Außenhandels in den sechs
Schlüsseltechnologiefeldern international vergleichend untersucht werden.136 Produktionsstatistische Auswertungen sind dagegen aufgrund
von Geheimhaltungen auf der Ebene einzelner
Güter in den zugrundeliegenden Statistiken
nicht möglich.
Der Anteil Österreichs an den weltweiten137
Exporten von schlüssteltechnologiebasierten Produkten ist in allen Technologiefeldern mit Ausnahme der Produktionstechnologien unterdurchschnittlich (Abb. 38). Während Österreich im Jahr
2011 einen Anteil von 1,5 % am gesamten Warenhandel erreicht hat, lagen die Anteile in fünf
Schlüsseltechnologien mit 0,4 % (Photonik) bis
1,0 % (Werkstofftechnologien) deutlich darunter.
In den Produktionstechnologien erreichte Österreich 2011 einen überdurchschnittlichen Welthandelsanteil von 1,8 %. Mitte der 2003er Jahre
lag er zum Teil sogar doppelt so hoch, wofür einzelne Großaufträge im Bereich der Metallurgietechnik und von Anlagen für die Halbleitertechnik wesentlich verantwortlich waren. In der in-
134Siehe van de Velde et al. (2013).
135Das ist die CPA (Classification of Products by Activity) und die darauf aufbauende Prodcom-Klassifikation der Europäische Kommissionim Bereich der Produktionsstatistik sowie das HS (Harmonised Commodity Description and Coding System) und die davon
abgeleitete CN (Combined Nomenclature) der EU-Kommission im Bereich der Außenhandelsstatistik.
136Hierfür wird auf eine eingegrenzte und von ExpertInnen validierte Liste zurückgegriffen, die nur den Kernbereich der einzelnen Technologiefelder abdeckt und nur jene Gütergruppen berücksichtigt, für die eine Zuordnung zu einem Schlüsseltechnologiefeld eindeutig
möglich ist. Aufgrund von Umstellungen in der Güterklassifikation im Jahr 2002 können nur Werte ab dem Jahr 2002 ausgewiesen
werden.
137„Weltweit“ ist hier auf eine Gruppe von 39 Ländern eingeschränkt, die für den Handel mit Schlüsseltechnologieprodukten besonders
bedeutend sind: EU-27-Länder, Schweiz, Norwegen, Island, Kroatien, Mazedonien, USA, Japan, Südkorea, Kanada, China, Russland
und Israel.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
121
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
dustriellen Biotechnologie, der Photonik, der Mikro- und Nanoelektronik und den Produktionstechnologien hat Österreichs Welthandelsanteil
in den vergangenen zehn Jahren tendenziell abgenommen, was auch dem Trend für alle verarbei-
tenden Industriewaren entspricht. In der Nanotechnologie und den Werkstofftechnologien
konnte Österreich seinen Welthandelsanteil dagegen stabil halten. Da gleichzeitig mit der weltwirtschaftlichen Integration der Schwellenländer
Abb. 38: Welthandelsanteil Österreichs in industriellen Schlüsseltechnologien 2002–2011
3,6
Industrielle
Biotechnologie
3,2
Nanotechnologie
Welthandelsanteil Österreichs in %
2,8
Mikro-/ Nanoelektronik
2,4
2,0
Photonik
1,6
Werkstofftechnologien
1,2
Produktionstechnologien
0,8
0,4
Alle verarbeitenden
Industriewaren
0,0
'02
'03
'04
'05
'06
'07
'08
'09
'10
'11
Anm.: W
elthandelsanteil: Anteil der Exporte Österreichs an den gesamten Exporten von 39 den Welthandel dominierenden Ländern (EU-27, Schweiz, Norwegen, Island,
Kroatien, Mazedonien, USA, Japan, Südkorea, Kanada, China, Russland, Israel).
Quelle: Comtrade. – Schlüsseltechnologiedefinition aus van de Velde et al. (2013). – Berechnungen des NIW und ZEW.
Abb. 39: Dynamik der Exporte Österreichs in industriellen Schlüsseltechnologien 2002–2011
370
Industrielle Biotechnologie
340
Nanotechnologie
310
Mikro-/Nanoelektronik
280
Photonik
Werkstofftechnologien
Indexreihe, 2002=100
250
Produktionstechnologien
220
Alle verarbeitenden Industriewaren
190
160
130
100
70
40
'02
'03
'04
'05
'06
'07
'08
'09
'10
'11
Anm.: Indexreihe auf Basis der Exportvolumina in €.
Quelle: Comtrade. – Schlüsseltechnologiedefinition aus van de Velde et al. (2013). – Berechnungen des NIW und ZEW.
122
Forschungs- und Technologiebericht 2013
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
der Wettbewerb auf den Weltmärkten zugenommen hat, stellt ein stabiler Welthandelsanteil eine beachtenswerte Leistung dar.
Die Exporte Österreichs stiegen in vier Schlüsseltechnologien deutlich rascher als im Durchschnitt aller Warengruppen (Abb. 39). In der Photonik und in den Werkstofftechnologien lagen die
nominellen Exporte 2011 um mehr als zweieinhalb Mal so hoch wie 2002, in der Nanotechnologie und in den Produktionstechnologien überstiegen die Exporte des Jahres 2011 das Niveau von
2002 um 87 (bzw. 74 %) (zu laufenden Preisen
gerechnet). In der industriellen Biotechnologie
gab es dagegen während der 2000er Jahre keinen
merklichen Anstieg der Exportvolumina. In der
Mikro- und Nanoelektronik lagen die Exporte
2011 sogar deutlich unter dem Wert von 2002.
Die Exportdynamik Österreichs im Bereich
der industriellen Schlüsseltechnologien unterscheidet sich in einigen Technologiefeldern deutlich von der weltweiten Außenhandelsdynamik
und weicht häufig auch von der durchschnittlichen Exportdynamik in der EU-27 ab. Vergleicht
man das Volumen der Exporte im Zeitraum 2007
bis 2011 mit dem der Jahre 2002 bis 2006, so
weist Österreich in den Werkstofftechnologien
eine besonders starke Zunahme auf, die sowohl
über dem weltweiten wie dem EU-Wert liegt als
auch den Exportzuwachs in jedem der Vergleichsländern übersteigt (Abb. 40). In der Photonik und
Abb. 40: Exportdynamik in industriellen Schlüsseltechnologien 2002–2011 in ausgewählten Ländern
AT
Industrielle Biotechnologie
DE
CH
NL
BE
Nanotechnologie
DK
FI
SE
Mikro-/Nanoelektronik
EU-27
Welt
Photonik
Werkstofftechnologien
Produktionstechnologien
Alle verarbeitenden
Industriewaren
50
75
100
125
150
175
200
225
250
275
300
325
Exporte 2007-2011 in % der Exporte 2002-2006
Anm.: E
xporte in US-$ zu laufenden Preisen.
* EU-27, Schweiz, Norwegen, Island, Kroatien, Mazedonien, USA, Japan, Südkorea, Kanada, China, Russland und Israel.
Quelle: Comtrade. – Schlüsseltechnologiedefinition aus van de Velde et al. (2013). – Berechnungen des NIW und ZEW.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
123
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
Perioden ab, weltweit stiegen sie um 14 % an.
Hintergrund dieser Außenhandelsentwicklung
ist die zunehmende Verlagerung der Produktion
mikroelektronischer Bauteile in die Regionen, in
denen diese in weiteren Verarbeitungsstufen eingesetzt werden. Dadurch verringerten sich die
Ausfuhren in den früheren Hauptexportländern
Japan, USA, Großbritannien und Deutschland.
Stark wachsende Ausfuhren melden ost- und
südostasiatische Länder, darunter Südkorea, Taiwan und China.
Neben der Exportdynamik ist die Außenhandelsbilanz ein zweiter wichtiger Indikator für die
Beurteilung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit im Bereich von industriellen Schlüsseltechnologien. In zwei Feldern – Produktionstechnologien und Mikro-/Nanoelektronik – weist Österreich in allen Jahren seit 2002 eine positive
Handelsbilanz auf, wobei die Überschüsse in den
Produktionstechnologien besonders hoch sind
(Abb. 41). In der industriellen Biotechnologie
wurden bis 2007 Überschüsse erzielt, seither
überwiegen die Importe die Exporte. Umgekehrt
der Nanotechnologie werden ebenfalls vergleichsweise hohe Zuwachsraten verzeichnet.
Unterdurchschnittlich war das Exportwachstum
im Bereich der Produktionstechnologien und der
industriellen Biotechnologie. Für alle fünf genannten Schlüsseltechnologien gilt, dass es im
Laufe der 2000er Jahre zu einer erheblichen Ausweitung des internationalen Handels gekommen
war. In der Nanotechnologie, der Photonik, den
Werkstofftechnologien und den Produktionstechnologien lag die Handelsexpansion deutlich
über dem Durchschnitt für alle Industriewaren,
in der industriellen Biotechnologie nahm das Exportvolumen etwa im Tempo der gesamten Handelsausweitung zu.
Eine Ausnahme stellt die Mikro- und Nanoelektronik dar. Hier nahm der Welthandel im
vergangenen Jahrzehnt nur leicht zu und in einigen Industrieländern zum Teil deutlich ab. Österreich reiht sich mit einem Rückgang der Exporte um 12 % im Vergleich von 2007/11 mit
2002/06 in diese Gruppe ein. In der EU-27 nahmen die Exporte um 17 % zwischen den beiden
Abb. 41: Außenhandelsbilanz Österreichs in industriellen Schlüsseltechnologien 2002–2011
70
Industrielle Biotechnologie
Nanotechnologie
Mikro-/Nanoelektronik
Photonik
50
Werkstofftechnologien
Produktionstechnologien
40
Alle verarbeitenden
Industriewaren
60
Außenhandelsbilanz in %
30
20
10
0
-10
-20
-30
-40
-50
'02
'03
'04
'05
'06
'07
'08
'09
'10
'11
Anm.: A
ußenhandelsbilanz: Exporte minus Importe in % des gesamten Außenhandelsvolumens (Exporte plus Importe).
Quelle: Comtrade. – Schlüsseltechnologiedefinition aus van de Velde et al. (2013). – Berechnungen des NIW und ZEW.
124
Forschungs- und Technologiebericht 2013
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
Abb. 42: Außenhandelsspezialisierung in industriellen Schlüsseltechnologien 2007–2011 in ausgewählten Ländern
Industrielle Biotechnologie
AT
DE
Nanotechnologie
CH
NL
BE
DK
Mikro-/Nanoelektronik
FI
SE
EU-27
Photonik
Werkstofftechnologien
Produktionstechnologien
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
3,5
4,0
4,5
5,0
RCA, Durchschnitt 2007-2011
Anm.: R
CA: Revealed Comparative Advantage: Export-Import-Relation in der jeweiligen Schlüsseltechnologie in Relation zur Export-Import-Relation für alle verarbeitenden
Industriewaren.
Quelle: Comtrade. – Schlüsseltechnologiedefinition aus van de Velde et al. (2013). – Berechnungen des NIW und ZEW.
war die Entwicklung in der Photonik, hier werden seit 2006 leichte Exportüberschüsse erzielt.
Eine negative Außenhandelsbilanz weisen die
Werkstofftechnologien und die Nanotechnologie
auf, wobei sich das Defizit Ende der 2000er Jahre
merklich geringer als noch zu Beginn des Jahrzehnts ausfiel.
Die aktuell positive Handelsbilanz bei Produktionstechnologien, Mikro-/Nanoelektronik
und Photonik bei einer im Gesamthandel ausgeglichenen Handelsbilanz bedeutet, dass Österreich auf den Handel mit diesen drei Schlüsseltechnologien spezialisiert ist. Am höchsten ist
die Spezialisierung in den ProduktionstechnoloForschungs- und Technologiebericht 2013
gien (Abb. 42). In der Mikro-/Nanoelektronik ist
sie leicht positiv, was im Vergleich zu anderen
hochentwickelten europäischen Industrieländern gleichwohl eine besondere Situation darstellt, da neben Österreich nur noch die Niederlande eine positive Spezialisierung in dieser
Schlüsseltechnologie aufweist. In der Photonik
zeigen neben Österreich noch die Schweiz,
Schweden und Dänemark positive Spezialisierungswerte. Die stärkste negative Spezialisierung zeigt Österreich in der Nanotechnologie.
Im internationalen Vergleich fällt das Spezialisierungsmuster Österreichs vergleichsweise
flach aus, d.h. Österreich ist in allen sechs
125
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
Schlüsseltechnologien vertreten und fokussiert
nicht nur auf einzelne Felder. Andere Länder vergleichbarer Größe weisen demgegenüber für einzelne Schlüsseltechnologien deutlich höhere
Spezialisierungskennzahlen auf. So sind Dänemark und Finnland sehr stark auf die industrielle
Biotechnologie ausgerichtet, die Niederlande auf
die Nanotechnologie, die Schweiz auf die Photonik sowie die Schweiz und Deutschland auf die
Produktionstechnologien.
Zusammenfassend kann konstatiert werden,
dass Österreich somit sowohl hinsichtlich seinen
F&E- wie von seinen Produktions- und Vermarktungskapazitäten her gut bei Schlüsseltechnologien positioniert ist. Österreich hat in den vergangenen zehn Jahren seine Patentaktivitäten im
Bereich industrieller Schlüsseltechnologien deutlich ausgeweitet und sein Patentportfolio in Richtung Schlüsseltechnologien verschoben. Dadurch
hat Österreich an Gewicht innerhalb der weltweiten Produktion neuen technologischen Wissens in diesen für die künftige Wettbewerbsfähigkeit der Industrie besonders wichtigen Technologiefeldern gewonnen. Die Stärken Österreichs
liegen dabei vor allem in den Produktionstechnologien, den Werkstofftechnologien und der Photonik. Im Gegensatz zu vielen anderen kleineren
hochentwickelten Volkswirtschaften verfügt Österreich jedoch in allen sechs Schlüsseltechnologiefeldern über signifikante F&E-Kapazitäten.
Mit der Stärkung der Position bei Patentanmeldungen ging auch eine kräftige Ausweitung der
Exporte Österreichs von schlüsseltechnologiebasierten Produkten einher. Besonders hohe Wachstumsraten verzeichneten die Photonik, die Werkstofftechnologien die Nanotechnologie und die
Produktionstechnologien. Allerdings ist der Welthandelsanteil Österreichs bei Schlüsseltechno­
logien mit Ausnahme der Produktionstechnologien unterdurchschnittlich. Wachstumspotenziale
sind somit noch vorhanden. Auch im Außenhandel bestätigt sich, dass Österreich in allen sechs
Schlüsseltechnologiefeldern gut vertreten ist.
Diese positiven Entwicklungen wurden von den
österreichischen Industrieunternehmen getragen
und von der FTI-Politik unterstützt.
4.6
Wachstumsfaktor Umweltindustrie
Ökonomisches Wachstum ist die Voraussetzung
für Beschäftigung, die Finanzierung sozialer Sicherungssysteme und damit auch steigender
Wohlfahrt. Die Wirtschafts- und Finanzkrise
macht gerade am Beispiel von Krisenstaaten wie
Griechenland oder Spanien deutlich, welch negative Folgen fehlendes Wachstum haben kann.
Gleichwohl stellt Wachstum um jeden Preis keine vernünftige wirtschaftspolitische Option dar.
Steigende Rohstoffpreise, ökologische Beschränkungen und Gefahrenpotenziale (Klimawandel)
sowie soziale Nutzeneinbußen durch Umweltdegradation unterstreichen die Relevanz von Strategien, die auf intelligentes, d.h. vor allem nachhaltiges Wachstum setzen.138
4.6.1Marktentwicklung und Marktpotenzial für
Umweltschutzgüter
Die Industrie spielt zur Realisierung eines intelligenten Wachstums eine zentrale Rolle, weil der
Wandel in Richtung einer umweltverträglichen
und nachhaltigen Wirtschaftsweise mit einem
massiven Investitionsbedarf verbunden ist. Es
geht dabei um den Umbau der materiellen Welt
durch das Ersetzen herkömmlicher, nicht nachhaltiger Technologien mit Investitionsgütern,
die eine ökologisch verträgliche Lebens- und
Wirtschaftsweise im Sinne von „low energy –
low carbon-low distance“139 sicherstellen. Diese
Phase der Transformation wird aller Voraussicht
nach einen bedeutsamen globalen Investitionszyklus auslösen und einen Nachfrageschub für
jene Industriegüter nach sich ziehen, die in der
Lage sind, die entsprechenden technologischen
138Siehe Aghion et al. (2009).
139Kletzan-Slamanig, Köppl (2009).
126
Forschungs- und Technologiebericht 2013
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
Anforderungen zu erfüllen.140 Allerdings ist dieser Wandel keineswegs eine alleine durch Marktkräfte erreichbare Vision. Starke Netzwerkeffekte von herkömmlichen Technologien behindern
vielfach den Umstieg auf alternative Systeme der
Energieversorgung oder Mobilität.141 Ebenfalls offen scheint noch die Frage, welche Staaten von
dieser Transformation durch die Zunahme „grüner“ Industrien profitieren können. Im Moment
herrscht jedenfalls ein intensiver Standortwettbewerb um die Erlangung von „first mover advantages“ und Agglomerationsvorteilen. Generell scheint die Verteilung der industriellen
Schwerpunkte noch nicht entschieden. Eine intelligente Industriepolitik kann hier positive Akzente setzen und somit neue Wachstumschancen
fördern, die aber letztlich von den Unternehmen
genützt und realisiert werden müssen.
Die zu erwartende Dynamik ist bereits in einigen Segmenten der Umwelttechnikindustrie erkennbar. Abb. 43 zeigt die globalen Investitionen
in erneuerbare Technologien, die sich im Jahr
2011 auf rund 206 Mrd. US $ beliefen. Bemerkenswert ist aber vor allem die hohe Dynamik
der Investitionen, sowohl in den Industrie- als
auch in den Entwicklungsländern. Diese Dynamik wird durch einen Vergleich der Wachstumsraten der Investitionen in erneuerbare Energien
mit der Wachstumsrate der Weltwirtschaft deutlich. Abb. 43 zeigt, dass die Investitionen, abgesehen vom Krisenjahr 2009, stets wesentlich rascher wuchsen als die Weltwirtschaft insgesamt.
Diese dürfte auch in der absehbaren Zukunft anhalten und innovativen Industrieunternehmen
neue Expansionsmöglichkeiten bieten.142
Abb. 43: Niveau bzw. Wachstum der globalen Investitionen in erneuerbare Energien in Industrie- und Entwicklungsländern
in Mrd. US $ bzw. Prozent
180
70
168
160
60
139
140
50
120
109
100
93
81
80
71
58
60
40
20
0
40
96
45
89
65
20
39
31
30
10
25
8
2004
0
16
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
Investitionen in Industrieländern (li. Achse)
Wachstumsrate Investitionen in ernauerbare Energie (re. Achse)
Investitionen in Entwicklungsländern (li. Achse)
Wachstumsrate Weltwirtschaft (re. Achse)
-10
Quelle: Bloomberg 2012, IMF World Economic Outlook Database. Berechnungen JOANNEUM RESEARCH.
140Siehe Rifkin (2011).
141Siehe OECD (2011b).
142Ebenda.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
127
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
4.6.2Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen
Umweltindustrie
Die bisherigen Analysen zu Struktur und Dynamik der österreichischen Umwelttechnikindustrie zeigen eine positive Performance und Wettbewerbsfähigkeit. Dies drückt sich etwa in steigenden Exporten und einer hohen Technologie- und
Innovationsintensität aus. Zahlreiche Unternehmen der Branche können dem Hochtechnologiesegment zugerechnet werden.143
Betrachtet man die Ausgangsposition Österreichs im Bereich Öko-Innovationen im internationalen Vergleich, so zeigt sich, dass Österreich
eine generell hohe Wettbewerbsfähigkeit sowie
eine dynamische Entwicklung aufweist. Abb. 44
zeigt dies am Beispiel des Gesamtindex des Eco
Innovation Scoreboards, der 16 Variablen berücksichtigt, die primär Inputs und Outputs von Ökoinnovationen abbilden. Beispiele für verwendete
Indikatoren sind etwa die Staatsausgaben für Umwelt- und Energieforschung, Ressourcenproduktivität, oder Umsatz in Ökoindustrien. Demnach
ist Österreich an sechster Stelle in der EU-27.
Länder wie Deutschland, Großbritannien, Niederlande oder Belgien, die im allgemeinen Innovation Scoreboard der EU vor Österreich platziert
sind, zeigen bei Öko-Innovationen eine schlechtere Performance als Österreich. Offensichtlich
weist die österreichische Volkswirtschaft gute
Voraussetzungen für die Realisierung und Vermarktung von Öko-Innovationen auf.
Die Entwicklung der Exporte ist einer der zentralen Indikatoren für die Wettbewerbsfähigkeit
von Branchen und von zentraler Bedeutung für
kleine offene Volkswirtschaften wie Österreich.
Im Folgenden wird auf Basis einer Klassifikation
des Niedersächsischen Instituts für Wirtschaftsforschung von potenziellen Umweltschutzgütern die Exportperformance und Spezialisierung
Österreichs in diesem Segment dargestellt (siehe
Anhang: Klassifikation von potenziellen Umweltschutzgütern (Gehrke et al. 2012)). Bei den
potenziellen Umweltschutzgütern handelt es
sich ausschließlich um Sachgüter, die in Gruppen gemäß ihrem Verwendungskontext – wie etwa Abfall oder Klimaschutz – eingeteilt werden.
Tab. 20 zeigt die Entwicklung der Exporte von
Abb. 44: Österreichs Öko-Innovationsperformance im internationalen Vergleich
(Gesamtindex Eco-Innovation Scoreboard 2011)
160
140
120
100
EU-27 = 100
80
60
40
20
Fin
n
Sc land
hw
e
Dä den
ne
m
Lu ar
xe k
mb
ur
Sp g
an
Ös ien
t
De errei
ut ch
sc
hla
nd
Irl
an
Be d
l
g
Slo ien
w
Ni enie
ed
Gr erl n
oß an
br de
ita
nn
Fra ien
nk
Tsc reic
he h
ch
ien
Ita
lie
Un n
ga
rn
Ma
Po lta
rtu
g
Le al
ttl
an
Es d
tla
n
Zy d
p
Ru ern
mä
n
Bu ien
Gr lga
iec rie
he n
nla
nd
Lit
au
Slo en
wa
ke
i
Po
len
0
Quelle: http://www.eco-innovation.eu/
143Siehe Kletzan-Slamanig, Köppl (2009).
128
Forschungs- und Technologiebericht 2013
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
Tab. 20: Österreichische Exporte von potenziellen Umweltschutzgütern in Mrd. € 2002–2011
2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
Abfall
0,4
0,4
0,5
0,6
0,7
0,8
0,8
0,7
0,7
0,8
Wasser
0,8
0,9
1,0
1,2
1,3
1,6
1,7
1,2
1,3
1,6
Luft
0,1
0,1
0,1
0,1
0,1
0,2
0,2
0,2
0,2
0,2
MSR
0,2
0,2
0,3
0,3
0,3
0,5
0,4
0,3
0,4
0,5
Lärm
0,1
0,1
0,1
0,1
0,2
0,2
0,3
0,2
0,2
0,2
Klimaschutz
1,1
1,3
1,5
1,7
1,9
2,2
2,6
2,3
2,5
2,7
Rationelle Energieverwendung
0,5
0,6
0,6
0,6
0,6
0,8
0,8
0,8
0,8
0,9
Rationelle Energieumwandlung
0,3
0,3
0,3
0,4
0,3
0,3
0,4
0,4
0,3
0,5
Erneuerbare Energiequellen
0,4
0,5
0,6
0,7
1,0
1,1
1,3
1,1
1,3
1,3
Exporte pot. Umweltschutzgüter insgesamt
2,7
3,0
3,4
3,8
4,4
5,2
5,8
4,6
5,1
5,7
Importe pot. Umweltschutzgüter insgesamt
2,6
2,8
3,1
3,5
3,9
4,2
4,3
3,6
4,1
4,6
Saldo Exporte-Importe pot. Umweltschutzgüter (in Mrd. €)
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
1,0
1,5
1,0
1,0
1,1
Anteil Umweltgüterexporte an Industriewarenexporten (in %)
4,0
4,3
4,3
4,7
4,8
5,2
5,6
5,7
5,4
5,4
Anm.: Um Doppelzählungen bereinigt.
1
Quelle: OECD, ITCS – International Trade By Commodities, Rev. 3 (versch. Jgge.). – COMTRADE-Datenbank, Statistik Austria.
Berechnungen des NIW.
potenziellen Umweltschutzgütern in Mrd. €. Zunächst zeigt sich, dass alle Gütergruppen im
Zeitraum von 2002 bis 2011 steigende Exportwerte aufweisen. Die bereits 2002 bedeutsamste
Gütergruppe der potenziellen Klimaschutzgüter
sorgte 2011 für einen Exportumsatz von 2,7 Mrd.
Euro, wobei etwa die Hälfte hiervon auf erneuerbare Energiequellen entfiel. Eine Betrachtung der
Exportwachstumsraten zeigt, dass die Güter für
erneuerbare Energiequellen das dynamischste
Wachstum aufweisen; von 2002 bis 2011 expandierten diese Exporte um 230 %, jene der Klimaschutzgüter insgesamt um ebenfalls beachtliche
140 %. Geringere Wachstumsraten weisen Güter
im Zusammenhang mit Luft und Lärm auf, auch
wenn diese bereits im Jahr 2002 von einem niedrigeren Niveau gekennzeichnet waren. Der Gesamtexport an potenziellen Umweltschutzgütern stieg von 2,7 Mrd. € um 109 % auf 5,7 Mrd.
€ im Jahr 2011. Im Vergleich hierzu stiegen die
Gesamtausfuhren an Industriewaren im gleichen
Zeitraum um ca. 53 % an. Als Folge davon nahm
der Anteil der potenziellen Umweltschutzgüter
am Export von Industriewaren von 4 % auf 5,4 %
zu. Weiterhin zeigt Tab. 20, dass der Handel mit
Umweltgütern einen positiven Beitrag zur Aktivierung der Warenhandelsbilanz leistet und 2011
einen positive sektorale Handelsbilanz in der Höhe von 1,1 Mrd. € realisiert wurde.
Diese gute Performance zeigt sich auch bei einer Analyse der komparativen Vorteile Österreichs im Vergleich mit anderen Volkswirtschaften. Dabei wird wie üblich die Maßzahl des Revealed Comparative Advantage (RCA) verwendet, die neben den Exporten auch die Importkonkurrenz berücksichtigt. Dazu wird die Import/
Exportrelation einer bestimmten Gütergruppe
mit der Import/Exportrelation für alle Industriewaren normiert. Positive Werte zeigen einen
komparativen Vorteil, negative Werte einen
komparativen Nachteil im Außenhandel für eine
bestimmte Gütergruppe an.144 Abb. 45 stellt die
Entwicklung der Spezialisierung bzw. der komparativen Vorteile Österreichs im Export von potenziellen Umweltschutzgütern dar. Für den gesamten Zeitraum von 2002 bis 2011 sind die
144Siehe Siebert, Lorz (2007).
Forschungs- und Technologiebericht 2013
129
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
Abb. 45: Spezialisierung ausgewählter Länder (RCA-Werte) bei potenziellen Umweltschutzgütern
80
80
70
70
60
60
50
50
40
40
30
30
20
20
10
10
0
0
-10
-10
-20
-20
-30
-30
-40
-40
-50
-50
-60
-60
-70
-70
-80
-80
-90
-90
2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
Österreich
Finnland
Schweiz
Schweden
Dänemark
Deutschland
2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
USA
China
Korea
Österreich
Anm.: R
CA: Positives Vorzeichen bedeutet, dass die Export/Import-Relation bei dieser Produktgruppe höher ist als bei Verarbeiteten Industriewaren insgesamt.
Quelle: OECD, ITCS – International Trade By Commodities, Rev. 3 (versch. Jgge.). – COMTRADE-Datenbank. Berechnungen des NIW.
RCA-Werte positiv; damit zeigen diese Daten,
dass Österreich einen komparativen Vorteil bei
potenziellen Umweltschutzgütern besitzt. Weiterhin wird deutlich, dass dieser in den Jahren
vor der Krise deutlich zugenommen hat. Im Vergleich zu anderen Ländern wie Deutschland oder
Finnland hat dieses Wachstum zu einem catching-up geführt, während Dänemark aufgrund
von Weltmarktführungspositionen wie etwa in
der Windindustrie noch wesentlich stärkere Spezialisierungsvorteile aufweist. Die Schweiz zeigt
einen zunehmenden komparativen Nachteil. Der
rechte Teil von Abb. 45 zeigt Österreich im Vergleich mit den USA, China und Korea. Diese beiden asiatischen Staaten investieren massiv in
Maßnahmen zur Förderung von Umwelttechnikindustrien. Tatsächlich ergibt sich insbesondere
im Falle Chinas eine außerordentlich dynamische Entwicklung, wenngleich diese erst kürzlich von einem komparativen Nachteil in einen
komparativen Vorteil mündete. In jedem Fall
130
aber dürfte mit einem Anhalten dieser Dynamik
der chinesischen Exporte von potenziellen Umweltschutzgütern in der mittleren Frist zu rechnen sein.
Während Abb. 45 die komparativen Vorteile
beim Handel mit potenziellen Umweltschutzgütern insgesamt im Vergleich zu anderen Staaten
zeigt, stellt Abb. 46 die komparativen Vorteile
(RCA) (rechte Seite) sowie den relativen Welthandelsanteil (RXA) (linke Seite) für die einzelnen Untergruppen der potenziellen Umweltschutzgüter aus Österreich dar. Ein positiver
RXA-Wert zeigt, dass Österreich bei der jeweiligen Gütergruppe einen höheren Exportanteil an
den österreichischen Gesamtexporten aufweist
als der Exportanteil dieser Gütergruppe an den
weltweiten Exporten ausmacht. Demgegenüber
wird beim RCA nur der nationale Exportsektor
berücksichtigt. Der RXA misst also die Abweichungen der österreichischen Exportstruktur
von der durchschnittlichen Weltexportstruktur
Forschungs- und Technologiebericht 2013
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
die Wettbewerbsfähigkeit von Branchen. Die
Entwicklung der Welthandelsanteile von potenziellen Umweltschutzgütern ist in Tab. 21 dargestellt, wobei die Staaten in absteigender Reihenfolge nach ihren Marktanteilsveränderungen geordnet sind. Die letzte Spalte zeigt, dass von den
Vergleichsländern vor allem China und etwas
weniger Korea Marktanteile gewinnen konnten.
Österreich ist die einzige hochentwickelte Volkswirtschaft, die keine Verluste an Weltmarktanteilen hinnehmen musste, sondern ihren Anteil
bei ca. 1,7 % stabilisieren konnte. Vor allem die
USA verlieren stetig an Weltmarktanteilen.
Eine regionale Verteilung der Exporte von potenziellen Umweltschutzgütern ist in Tab. 22
dargestellt. Die Entwicklung entspricht dabei
weitgehend dem wirtschaftspolitischen Ziel einer Diversifizierung der Exportmärkte sowie ei-
und ist damit ein Maß für die Exportspezialisierung. Ein positiver RXA-Wert weist auf eine Exportspezialisierung hin. Abb. 46 zeigt bei beiden
Indikatoren für die potenziellen Umweltschutzgüter insgesamt komparative Vorteile bzw. eine
positive Exportspezialisierung; diese Vorteile
und die Spezialisierung nehmen über den Zeitraum 2001–2011 zu. Deutlich zeigt sich eine
Zweiteilung bei den potenziellen Umweltschutzgütern in Abfall, Abwasser, Lärm und Klimaschutz einerseits sowie MSR (Mess-, Steuer- und
Regelungstechnik) und Luft andererseits. Bei der
ersten Gruppe weist Österreich komparative
Vorteile und eine positive Exportspezialisierung
auf, bei der anderen Gruppe nicht.
Wenngleich der Handel kein Nullsummenspiel darstellt, ist die Verschiebung von Welthandelsanteilen ein weiterer wichtiger Indikator für
Abb. 46: Außenhandelsspezialisierung Österreichs bei potenziellen Umweltschutzgütern,
RCA (links) und RXA (rechts)
100
100
90
90
80
80
70
70
60
60
50
50
40
40
30
30
20
20
10
10
0
0
-10
-10
-20
-20
-30
-30
-40
-40
-50
-50
-60
-60
-70
-70
-80
2002 2003 2004 2005 20020 2007 2008 2009 2010 2011
-80
2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
Abfall
Abwasser
Luft
Abfall
Abwasser
Luft
MSR
insgesamt
Lärm
Klimaschutz
MSR
insgesamt
Lärm
Klimaschutz
Anm.: R
XA: Positives Vorzeichen bedeutet, dass der Anteil am Welthandel bei dieser Produktgruppe höher ist als bei Verarbeiteten Industriewaren insgesamt.
RCA: Positives Vorzeichen bedeutet, dass die Export/Import-Relation bei dieser Produktgruppe höher ist als bei Verarbeiteten Industriewaren insgesamt.
MSR: Mess-, Steuer- und Regelungstechnik.
Quelle: OECD, ITCS – International Trade By Commodity Statistics, Rev. 3 (versch. Jgge.). – COMTRADE-Datenbank. Berechnungen und Schätzungen des NIW.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
131
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
Tab. 21: Welthandelsanteile und deren Veränderung bei potenziellen Umweltschutzgütern
2002
2003
2004
China
4
4,7
Korea
1,7
1,3
Österreich
1,7
Finnland
Deutschland
Schweden
2005
2006
2007
2008
2009
5,7
7
8,3
9,7
10,9
1,4
1,6
1,7
1,7
1,7
1,8
1,9
1,8
1,8
2
1,2
1,4
1,1
1,1
1,1
15,5
15,5
15,5
15,7
Veränderung 2002–2011
in Prozentpunkten
2010
2011
11,5
14
14,5
10,5
2,1
2,1
2,4
0,7
2
1,9
1,7
1,7
0
1,2
1,1
0,8
0,9
0,9
-0,3
15,8
15,6
16,1
15,7
15
15,2
-0,3
2
2,1
2,1
1,8
1,8
1,9
1,9
1,7
1,6
1,6
-0,4
Schweiz
1,9
1,8
1,8
1,7
1,5
1,6
1,6
1,7
1,5
1,4
-0,5
Dänemark
2,1
2
1,8
1,8
1,8
1,9
1,9
1,9
1,7
1,5
-0,6
14,4
12,4
11,8
12
11,3
10,6
10,4
11,3
11
10,8
-3,6
USA
Anm.: A
nteil der Ausfuhren eines Landes an den Weltausfuhren in %. Die Weltausfuhren sind berechnet aus den Exporten der OECD-Länder, Chinas und Hongkongs zuzüglich der Importe aus den nicht genannten Ländergruppen.
Quelle: OECD, ITCS – International Trade By Commodities, Rev. 3 (versch. Jgge.). – COMTRADE-Datenbank. Berechnungen des NIW.
Tab. 22: Regionale Struktur der Exporte von potenziellen Umweltschutzgütern
EU-27
USA
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
74,1
73,2
72,1
69,0
69,8
68,0
68,3
64,9
66,5
63,8
4,5
3,4
3,1
3,5
3,8
3,5
3,7
3,5
4,5
6,1
2,6
3,2
3,9
6,1
5,5
6,4
6,6
7,0
7,0
7,0
übrige Regionen
18,8
20,2
20,8
21,4
20,8
22,1
21,4
24,6
22,0
23,1
Welt
100
100
100
100
100
100
100
100
100
100
BRIC
Quelle: OECD, ITCS – International Trade By Commodities, Rev. 3 (versch. Jgge.). – COMTRADE-Datenbank. Berechnungen des NIW.
ner steigenden Präsenz in den BRIC-Staaten, um
an deren Wachstumsvorsprung zu partizipieren.
Der 2002 mit ca. 74 % dominante Anteil der EU27 ging bis zum Jahr 2011 um etwa 10 Prozentpunkte auf ca. 64 % zurück. Im Vergleich hierzu
belief sich der Anteil der gesamten Warenexporte in die EU-27 Staaten auf ca. 70 % im Jahr
2011. In Bezug auf die BRIC-Staaten ist das Bild
genau umgekehrt: Mit 7 % ist der Export von potenziellen Umweltschutzgütern in diesen Ländern höher als im Vergleich zum gesamten Warenexport (6,3 %).145
Zusammenfassend ergibt sich damit ein positives Bild der Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Umweltindustrie. Es zeigen sich zunehmende komparative Vorteile und positive
Exportspezialisierungen sowie ein überdurchschnittliches Wachstum der Exporte bei einer
deutlich positiven sektoralen Handelsbilanz. Österreich konnte seine Position auf den Weltmärkten bislang trotz massiver Aufholprozesse von
China und anderen aufstrebenden Volkswirtschaften halten und seine Exportstruktur bei potenziellen Umweltschutzgütern vorteilhaft diversifizieren. Die gute Positionierung im Eco-Innovation Scoreboard verweist auf attraktive Rahmenbedingungen. Damit besitzt Österreich eine
ausgezeichnete Ausgangsposition im Wettbewerb um industrielle Kapazitäten von Umwelttechnikindustrien. Diese gilt es zu nützen und in
Wertschöpfung und Exporterfolge umzusetzen.
145Siehe BMWFJ (2012).
132
Forschungs- und Technologiebericht 2013
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
4.7Resümee
Die Rolle der Industrie und deren Beitrag für Innovation, Exporte und Beschäftigung stehen erneut im Zentrum der wirtschaftspolitischen Debatten. Zahlreiche Länder und auch die Europä­
ische Kommission verfolgen eine Strategie der
Reindustrialisierung.
Die globale Verschiebung industrieller Produktionskapazitäten zeigt für China in den letzten Jahren ein außergewöhnlich dynamisches
Industriewachstum. Gleichzeitig ist der Output
der Industrie pro Kopf der Bevölkerung nach wie
vor in den OECD-Staaten wesentlich höher als in
China, Indien oder Brasilien.
Österreich gehört im internationalen Vergleich zur Gruppe der Länder mit den höchsten
Industrieanteilen. Dennoch hat der Industrieanteil im langfristigen Vergleich abgenommen,
wenngleich seit etwa 15 Jahren – abgesehen von
der Krise – ähnlich wie in Deutschland oder der
Schweiz eine Stabilisierung des Industrieanteils
an der Wertschöpfung stattgefunden hat. Die
Beschäftigung hingegen fällt sowohl nach der
absoluten Zahl als auch nach dem Anteil an der
Gesamtbeschäftigung. In Bezug auf den technologischen Wandel innerhalb der Industrie ergibt
sich eine starke Zunahme von Industrien im
mittleren Technologiesegment. Wenngleich der
Anteil der Hochtechnologie nach wie vor niedrig ist, so stellt sich diese mitteltechnologische
Industrie in Österreich als relativ F&E-intensiver als in relevanten Vergleichsstaaten dar. Generell erlebte die österreichische Industrie seit
1990 einen äußerst erfolgreichen Prozess der Internationalisierung, der Ausdruck ihrer hohen
Wettbewerbsfähigkeit ist und der ein weiteres
Abschmelzen des industriellen Kerns verhindert hat.
Die Industrie trägt in einem deutlich überproportionalen Ausmaß zum technologischen Wandel einer Volkswirtschaft bei. Ein Großteil der
F&E- und Innovationsaktivitäten wird von Industrieunternehmen – freilich oftmals in enger
Kooperation mit Dienstleistungsunternehmen –
durchgeführt. Unterschiedliche Technologien
Forschungs- und Technologiebericht 2013
und Wettbewerbsintensitäten dürften die wesentlichen Erklärungsfaktoren hierfür sein. Diese überlegene Innovationsperformance setzt sich
in dem Maße fort, als die Industrie ein Motor des
Produktivitätswachstums ist. Ähnliches lässt
sich auch für den Exportsektor feststellen. Die
Rolle der Industrie für F&E sowie Innovation
wird auch dadurch deutlich, dass die Innovation
Leaders über durchwegs höhere Industrieanteile
als die Innovation Followers, Moderate Innovators und Modest Innovators verfügen, obwohl
diese durch ein niedrigeres Entwicklungsniveau
gekennzeichnet sind.
Österreich ist sowohl hinsichtlich seiner F&Esowie seiner Produktions- und Vermarktungskapazitäten gut bei Schlüsseltechnologien positioniert. In den vergangenen zehn Jahren haben die
österreichischen Industrieunternehmen ihre Patentaktivitäten im Bereich industrieller Schlüsseltechnologien deutlich ausgeweitet. Dadurch
hat Österreich an Gewicht innerhalb der weltweiten Produktion neuen technologischen Wissens in diesen für die künftige Wettbewerbsfähigkeit der Industrie besonders wichtigen Technologiefeldern gewonnen. Mit der Stärkung der Position bei Patentanmeldungen ging auch eine kräftige Ausweitung der Exporte Österreichs von
schlüsseltechnologiebasierten Produkten einher.
Eine empirische Analyse der österreichischen
Umweltindustrie zeigt eine positive Dynamik
und eine über die Zeit zunehmende Wettbewerbsfähigkeit dieser Branchen. Durch die hohen
Wachstumserwartungen auf den Weltmärkten
für Umweltschutzgüter eröffnen sich hier realistische Optionen für eine signifikante Expansion
moderner und ökologisch nachhaltiger industrieller Aktivitäten.
Die Industrie wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle für die Performance von Innovationssystemen in hochentwickelten Ländern wie Österreich spielen. Diese These folgt vor allem aus
dem Argument, dass Produkt- und Prozessinnovationen gerade in den technologisch progressiven Branchen oftmals zueinander komplementär
sind. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit der
räumlichen Nähe zwischen F&E- und Designak133
4 Die Rolle der Industrie im Innovationssystem
tivitäten sowie Produktionsstandorten.146 Anders
formuliert: Eine Abwanderung der Produktion
kann mittelfristig eine Abwanderung von F&EAbteilungen nach sich ziehen.147
Die österreichische Industrie ist eine Erfolgsgeschichte. Ihr Erfolg beruht wesentlich auf motivierten leistungsbereiten und kompetenten
UnternehmerInnen und FacharbeiterInnen. Hinzu kommen Rahmenbedingungen die insbesondere durch die Sozialpartnerschaft und die europäische Integration vorteilhaft gestaltet sind.148
Die Ostöffnung und der Binnenmarkt haben
durch den steigenden Wettbewerbsdruck zu einer Dynamisierung der heimischen Industrieunternehmen beigetragen. In Zukunft wird eine
weitere Verbesserung des Humankapitals von
entscheidender Bedeutung sein. Schulen und
Lehrlingsausbildung, aber auch die Ausbildung
von NaturwissenschaftlerInnen und IngenieurInnen an Universitäten und Fachhochschulen ist
besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Die Industriepolitik, die in Österreich ja im Wesentlichen und richtigerweise Innovationspolitik ist,
kann Impulse und Anreize für eine weitere Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Industrie setzen. Dafür sind die notwendigen Instrumente und Institutionen vorhanden.
Es gilt also vor allem den erfolgreichen Weg der
letzten Jahre weiter zu gehen und flexibel und
koordiniert auf neue Herausforderungen für die
österreichische Industrie zu reagieren.
146Siehe Tassey (2010), Aghion et al. (2011), Psiano, Shih (2012).
147Siehe Kattinger (2012).
148Siehe Butschek (2012).
134
Forschungs- und Technologiebericht 2013
5 Innovation auf Unternehmensebene
5 Innovation auf Unternehmensebene
Die kontinuierliche Umsetzung von Innovationen ist die treibende Kraft für einen dauerhaften
Unternehmenserfolg und somit letztlich für wirtschaftliches Wachstum und Beschäftigung. Diesbezüglich werden die Auswirkungen von F&EAusgaben auf die Beschäftigungsentwicklung und
Exportorientierung von Unternehmen in Österreich untersucht. Darüber hinaus werden die Daten der europäischen Innovationserhebung (Community Innovation Survey – CIS) genutzt, um das
unternehmerische Innovationsverhalten in Öster­
reich zu analysieren und international zu vergleichen. Der vorliegende Beitrag widmet sich dabei
zunächst der Innovationsperformance österreichischer Unternehmen im internationalen Vergleich,
bevor er tiefergehend branchen- und vor allem
größenspezifische Unterschiede im Innovationsverhalten analysiert. Schließlich werden schnell
wachsende Jungunternehmen in Österreich und
Deutschland hinsichtlich der Nachhaltigkeit ihres Wachstumspfades untersucht. Hintergrund
ist, dass diesen Unternehmen eine wesentliche
Rolle für den Strukturwandel und die Generierung von Beschäftigung zugeschrieben wird. Weswegen auch die EU-Kommission im Rahmen von
„Europe 2020“ dem Thema „schnell wachsende
Unternehmen“ eine verstärkte Aufmerksamkeit
schenkt und ab 2013 einen entsprechenden Indikator einführen wird.
5.1
Die Wirkung von F&E auf die Beschäftigung
Spätestens seit Beginn der 1990er Jahre ist es evident, dass Forschung, technologische Entwicklung und Innovation mit Wachstum verbunden
sind. Auch auf europäischer Ebene ist es Common Sense, dass Innovationen für den Wirtschaftsstandort Europa als wichtiger Wachstumsmotor angesehen wird: „Europe’s competitivness, our capacity to create millions of new
jobs to replace those lost in the crisis and overall, our future standard of living depends on our
ability to drive innovation in products, services,
business and social processes and models.“149
Zwar wird proklamatisch immer wieder der
positive Zusammenhang zwischen F&E, Innovation, Wachstum und Beschäftigung postuliert,
aber die empirischen Evidenzen sind mitunter
schwierig zu deuten. Insbesondere auf gesamtwirtschaftlicher Ebene ist evident, dass der Wirkungszusammenhang zwischen Inputs (Forschung) und Outputs (Wachstum, Beschäftigung)
komplex und mehrdimensional ist.150 Neben der
Frage nach dem Einfluss der konjunkturellen
Entwicklung auf die F&E-Ausgaben sind diese
wohl noch mehr als alle anderen Investitionen
von Zukunftserwartungen abhängig und verhalten sich daher nicht unbedingt parallel zum Konjunkturzyklus. Denn die Effekte von Forschung,
technologischer Entwicklung und Innovation
(FTI) auf die Schaffung neuer Arbeitsplätze hängen insbesondere vom betrachteten Zeitraum ab,
von den jeweiligen neuen Technologien sowie
von der Wettbewerbssituation des entsprechenden Marktes und dem Strukturanpassungspotenzial des Arbeitsmarktes. Es ist daher kaum möglich, von einem direkten linearen Zusammenhang zwischen FTI und neuen Arbeitsplätzen in
der Gesamtwirtschaft zu sprechen. Dennoch
kommen die meisten gesamtwirtschaftlichen
149Europäische Kommission (2010a), S. 2.
150Siehe dazu Schibany, Gassler (2010).
Forschungs- und Technologiebericht 2013
135
5 Innovation auf Unternehmensebene
Modelle zur Beschäftigungswirkung von FTI zu
einem positiven Zusammenhang, da technischer
Fortschritt unterm Strich wachstumsstärkend
wirkt, und davon auch die Beschäftigung über
den Zusammenhang von Outputwachstum und
Beschäftigung betroffen ist – trotz der komplexen
Wirkungskanäle einer kleinen offenen Volkswirtschaft.151
Ähnlich wie die Abschätzung von FTI auf Beschäftigung und Wachstum auf gesamtwirtschaftlicher Ebene liegen auch theoretische Annahmen hinter den Modellen des Zusammenhangs von FTI und Beschäftigung auf Unternehmensebene. Allerdings ist es auf Firmenebene
nur in eingeschränktem Ausmaß möglich, Verdrängungseffekte abzuschätzen. Es kann nur
schwer unterschieden werden, ob die positiven
Umsatz- und Beschäftigungssteigerungen eines
innovativen und F&E-betreibenden Unternehmens auf eine reine Marktexpansion zurückzuführen ist, oder ob diese Entwicklung die Folge
eines Verdrängungseffektes ist.152
Dennoch lassen sich auf Unternehmensebene
viel deutlicher die Wirkungszusammenhänge
von FTI und Beschäftigung sowohl theoretisch
als auch empirisch erfassen. Natürlich ist auch
auf der Unternehmensebene die Entscheidung,
in F&E zu investieren, von vielen Einflussfaktoren abhängig, wie die jeweilige Nachfrage- und
Marktentwicklung, die volkswirtschaftlichen
Rahmenbedingungen oder ob diese Investition
tatsächlich die gewünschten Erträge bringt. Der
Tenor der meisten Studien lautet jedoch, dass
sich FTI für Unternehmen jedenfalls lohnt und
dass dies auch deutlich positive Auswirkungen
auf die Beschäftigung hat.
Für Österreich haben in einer jüngst veröffentlichten Studie Falk et al. (2013) die Auswirkun-
gen von F&E-Ausgaben auf die Beschäftigungsentwicklung und Exportorientierung untersucht.
Auf Firmenebene darf diese Studie – in der insbesondere auf die Entwicklung vor und den Zeitraum nach der Wirtschafts- und Finanzkrise eingegangen wird – zu den fundiertesten Studien zur
Wachstumsdynamik von F&E-betreibenden Unternehmen gezählt werden.
Datenbasis
Datenbasis sind die Firmendaten der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) mit Informationen
zu ca. 700 F&E-betreibenden Unternehmen für
den Zeitraum 2009 bis 2011. Diese Daten, welche
aus dem Förderansuchen der Basisprogramme
stammen, enthalten Angaben zu Umsatz, Beschäftigung, F&E-Ausgaben, F&E-Personal, Firmenalter, Exportquote, Cash-Flow und regionale
Zugehörigkeit. Die Daten sind von hoher Qualität und umfassen insbesondere auch Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten
sowie auch Dienstleistungsunternehmen.
5.1.1F&E-Intensität und Beschäftigungswachstum
vor und nach der Krise
Falk et al. (2013) gehen zunächst der Frage nach,
ob Unternehmen mit hoher F&E-Intensität eine
höhere Beschäftigungsintensität aufweisen. Dabei wird die Höhe der F&E-Aktivitäten als Anteil
der F&E-Ausgaben am Umsatz gemessen und die
Unternehmen in drei Klassen unterteilt: (i) weniger als 3 %, (ii) drei bis einschließlich 15 %, sowie (iii) mehr als 15 %. Die folgende Abb. 47 lässt
ein eindeutiges Bild erkennen. Das Beschäftigungswachstum steigt mit der F&E-Intensität
kontinuierlich an.
151„The long-run economic impact of innovation on employment is clearly not negative; many decades, and even centuries, of innovation
in advanced economies have been accompanied by employment growth instead oft he ever-decreasing levels of jobs that many predicted.“ (Harrison 2008, S. 2).
152Vgl. Harrison (2008).
136
Forschungs- und Technologiebericht 2013
5 Innovation auf Unternehmensebene
Abb. 47: Jährliche Beschäftigungszuwächse nach F&E-Intensität in %, 2006–2011
9
8
8,3
jährliche Beschäftigungsveränderung zw. 2006–2008
7,3
jährliche Beschäftigungsveränderung zw. 2009–2011
7
6,1
6
5
4,1
4
3
2,9
2,6
2
1
0
F&E/Umsatz=<3%
3%<F&E/Umsatz=<15%
F&E/Umsatz>15%
Anm.: A
uswertung basiert auf 1.752 (2006–2008) und 752 (2009–2011) Firmenbeobachtungen.
Quelle: FFG-Stammdaten. Berechnungen WIFO, Falk et al. (2013).
Zwischen 2006 und 2008 wiesen Unternehmen mit geringer F&E-Intensität ein durchschnittliches jährliches Beschäftigungswachstum von 2,9 % auf. Im gleichen Zeitraum erzielten Unternehmen mit mittleren F&E-Ausgaben
ein mehr als doppelt so hohes Beschäftigungswachstum von 6,1 %. Einen noch höheren Wert
erreichten Unternehmen mit einer F&E-Intensität von über 15 %. Zwar bremste die Finanz- und
Wirtschaftskrise die Beschäftigungsdynamik
deutlich ein, jedoch fiel bei Unternehmen mit einer hohen F&E-Intensität der dämpfende Effekt
schwächer aus.
5.1.2F&E-Intensität und Beschäftigungswachstum
nach Unternehmensgröße
Um ein detailliertes Bild über den Zusammenhang von F&E-Ausgaben und Beschäftigungswir-
Forschungs- und Technologiebericht 2013
kung zu erhalten, werteten Falk et al. (2013) die
Daten auch getrennt nach Unternehmensgrößenklassen aus. Dabei wurden die Unternehmen
hinsichtlich ihrer Firmengröße in drei Gruppen
unterteilt: (i) weniger als 50 Beschäftigte, (ii) zwischen 50 und 249 Beschäftigte und (iii) 250 Beschäftigte und mehr. Neugegründete und junge
Unternehmen, welche im Jahr 2006 oder später
gegründet wurden, sind in die Analyse nicht einbezogen worden, weil diese Unternehmen häufig
durch ein rasches Beschäftigungswachstum charakterisiert sind und somit nicht mit den etablierten Unternehmen vergleichbar sind. Auch bei
diesem Selektionskriterium bestätigt die deskriptive Statistik einen positiven Zusammenhang zwischen F&E-Intensität und Beschäftigungsentwicklung in allen Unternehmensgrößenklassen.
137
5 Innovation auf Unternehmensebene
Abb. 48: Jährlicher Beschäftigungszuwachs nach F&E-Intensität und Firmengröße in %, 2009–2011
8
7,1
7
6
F&E/Umsatz=<3%
3%<F&E/Umsatz=<15%
5,2
F&E/Umsatz>15%
5
4
4
4,3
4
2,6
3
2,2
2
1
0,1
0,1
0
1-50 Beschäftigte
50-249 Beschäftigte
250 Beschäftigte und mehr
Anm.: A
nzahl der Beobachtungen: 615. Stichprobe enthält keine jungen Unternehmen (Gründungsjahr 2006 oder jünger). Durchschnitt ist als Median über alle Unternehmen gemessen.
Quelle: FFG-Stammdaten. Berechnungen WIFO, Falk et al. (2013).
Die Ergebnisse zeigen, dass zwischen 2009
und 2011 Unternehmen mit mittlerer und höherer F&E-Intensität, unabhängig von der Beschäftigtenzahl, ein beträchtlich höheres Beschäftigungswachstum aufwiesen als Unternehmen
mit niedrigerer F&E-Intensität. Der höchste Beschäftigungszuwachs konnte bei forschungsintensiven Unternehmen mit 50 bis 249 Beschäftigten beobachtet werden. Unternehmen in dieser Größenklasse, die im Jahr 2009 zwischen drei
und 15 % bzw. mehr des Umsatzes in F&E-Aktivitäten investierten, erzielten im Zeitraum 2009
bis 2011 mit 5,2 % bzw. 7,1 % Jahresdurchschnitt
die höchsten Beschäftigungszuwächse. Auffallend ist insbesondere der Vergleich zwischen den
Kleinunternehmen mit geringer F&E-Intensität
und jenen mit einer F&E-Intensität von über
15 %. Innerhalb dieser Gruppe wurde das Beschäftigungswachstum somit ausschließlich von
den innovativsten, schnell wachsenden Unternehmen („Gazellen“) getragen.
138
Als Ergänzung zu den deskriptiven Ergebnissen führten Falk et al. (2013) auch eine Regressionsanalyse auf Basis von Querschnittsdaten
durch. Die empirischen Ergebnisse auf Basis der
Medianregression zeigen, dass die F&E-Personalintensität (definiert als Anteil der F&E-MitarbeiterInnen an der Gesamtbeschäftigung) der Unternehmen zu Beginn eines Zeitraumes (2006 und
2009) einen positiven und signifikanten Einfluss
auf das Beschäftigungswachstum in den nächstfolgenden Jahre hat. Das heißt laut Falk et al.
(2013), dass F&E-intensive Unternehmen bei vergleichbarer Größe und vergleichbarem Unternehmensalter schneller wachsen als nicht F&Eintensive Unternehmen. Für den jüngsten Zeitraum 2009 bis 2011 zeigen die Ergebnisse, dass
Unternehmen mit einer um zehn Prozentpunkte
höheren F&E-Personalintensität eine um 0,9
Prozentpunkte höhere Wachstumsrate der Beschäftigung aufweisen.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
5 Innovation auf Unternehmensebene
5.1.3F&E-Intensität und Beschäftigungswachstum
nach Unternehmensalter
bei etablierten und großen Unternehmen naturgemäß anders.
Werden die Jungunternehmen weiter nach ihrem Gründungsdatum unterschieden, so zeigt
sich die zunehmende Bedeutung der F&E-Intensität speziell bei jungen Unternehmen. Gleichzeitig deutet es auch auf einen Verjüngungsprozess der österreichischen Wirtschaft hin, wie
Falk et al. (2013) betonen (siehe Abb. 49).
Unternehmen, die im Jahr 2008 oder später gegründet wurden, wiesen im Zeitraum 2009 bis
2011 durchgängig eine höhere Beschäftigungsdynamik auf als Unternehmen, die zwei bzw. vier
Jahre früher gegründet wurden. Besonders stark
zeigt sich dieser Effekt bei Jungunternehmen mit
F&E-Ausgaben von mehr als 15 %. Sie erzielten
mit einem durchschnittlichen Beschäftigungswachstum von 41,4 % einen beinahe doppelt so
hohen Wert wie die nur zwei Jahre älteren Unternehmen mit ähnlicher F&E-Intensität. Es zeigt,
dass besonders junge forschungsintensive Unternehmen in den letzten Jahren ihre Beschäftigten-
Bei der Frage nach dem möglichen Einfluss des
Unternehmensalters auf die Beschäftigungswirkung lässt sich auf noch höherem Niveau dieser
positive Zusammenhang feststellen. Denn sehr
forschungsintensive Jungunternehmen (im Jahr
2006 oder später gegründet) weisen jährliche Beschäftigungsraten von 22,5 % auf, was doppelt so
hoch ist verglichen mit jungen Unternehmen
mit mittleren F&E-Ausgaben. Auch bei Jungunternehmen mit niedrigen F&E-Ausgaben kam es
mit +4,5 % zu einem überraschend starken Zuwachs der Beschäftigten, während die Beschäftigung im Durchschnitt aller Altersklassen um
jährlich -0,3 % sank. Freilich zeigt dieses Ergebnis gleichsam auch ein natürliches Ergebnis, weil
junge und neu gegründete Unternehmen zunächst nur Arbeitsplätze schaffen und noch keine abbauen können, solange sie noch keine unselbstständigen Beschäftigten aufweisen. Dies ist
Abb. 49: Jährlicher Beschäftigungszuwachs nach F&E-Intensität und Unternehmensalter zwischen 2009–2011
45
41,4
F&E/Umsatz=<3%
Jährliche Beschäftigungsveränderung zw.
2009-11 in %
40
3%<F&E/Umsatz=<15%
35
F&E/Umsatz>15%
30
25
22,5
20
16,1
14
15
10
9,1
6,1
10,2
10,3
6,9
5
0
Gründungsjahr 2004 oder
jünger
Gründungsjahr 2006 oder
jünger
Gründungsjahr 2008 oder
jünger
Anm.: D
urchschnitt ist als Median über alle Unternehmen gemessen. Anzahl der Unternehmen: 227 (Gründungsjahr 2004 oder jünger), 161 (Gründungsjahr 2006 oder
jünger) und 87 (Gründungsjahr 2008 oder jünger).
Quelle: FFG-Bilanzdaten. WIFO Berechnungen, Falk et al. (2013).
Forschungs- und Technologiebericht 2013
139
5 Innovation auf Unternehmensebene
zahl substantiell steigern konnten und damit einen wichtigen Platz im strukturellen Wandel der
österreichischen Wirtschaft einnehmen.
5.1.4F&E-Intensität und Exportquote nach
Unternehmensgröße
Die folgende Abb. 50 zeigt ebenfalls einen engen
Zusammenhang zwischen F&E-Intensität und
Exportneigung. Die Berechnungen von Falk et al.
(2013) ergeben einerseits einen positiven Zusammenhang zwischen Forschungsintensität und Exportneigung sowie andererseits die Unternehmensgröße als entscheidenden Faktor in Sachen
Export. Mittelgroße Unternehmen erzielten im
Beobachtungszeitraum 2009 bis 2011, selbst bei
geringer F&E-Intensität von weniger als 3 %, eine beträchtlich höhere Exportquote von 53 %
und damit mehr als das Eineinhalbfache der forschungsstärksten Kleinbetriebe. Bei einer F&EIntensität von zwischen 3 und 15 % finden diese
Unternehmen schon 68 % der Nachfrage im
Ausland. Selbiges gilt für Großunternehmen mit
250 Beschäftigten und mehr. In dieser Kategorie
exportieren jene Unternehmen mit mittlerer
F&E-Intensität 89 % ihrer Güter ins Ausland.
Falk et al. (2013) zeigen auf Basis eines quadratischen Regressionsmodells einen nicht-linearen
Zusammenhang zwischen Exportquote und der
F&E-Personalintensität. Das heißt, es steigt die
Exportquote zunächst mit Zunahme der F&EPersonalintensität kontinuierlich an, dieser positive Effekt des F&E-Einsatzes auf die Exportquote schwächt sich aber mit zunehmender Personalintensität ab. Ab einer F&E-Personalintensität von 45 % kommen Unternehmen bei der
durchschnittlichen Exportquote über den Sättigungspunkt von 52 % nicht mehr hinaus – die
Kurve flacht ab. Selbst nahezu reine Forschungsunternehmen mit drei Viertel F&E-Beschäftigten
erreichen im Durchschnitt keinen höheren Wert.
Falk et al. (2013) weisen auch auf die einschränkenden Faktoren in den vorliegenden Analysen hin. Denn die Datenbasis umfasst nur einen gewissen Teil der österreichischen Betriebe,
das bedeutet solche F&E-betreibenden Unternehmen, welche in der Datenbasis der FFG erfasst sind. In der Analyse wurden die Faktoren
Firmengröße, Gründungsdatum und Beobachtungszeitraum berücksichtigt, um die Effekte der
F&E-Intensität auf die Beschäftigungszuwächse
und Exportquoten statistisch zu erfassen. Daher
Abb. 50: Exportquote und F&E-Intensität 2009–2011
100
89
90
80
70
F&E/Umsatz=<3%
85
75
3%<F&E/Umsatz=<15%
68
F&E/Umsatz>15%
60
60
53
50
35
40
25
30
20
10
2
0
1-50 Beschäftige
50-250 Beschäftigte
250 Beschäftigte und mehr
Quelle: FFG-Bilanzdaten. Berechnungen WIFO, Falk et al. (2013).
140
Forschungs- und Technologiebericht 2013
5 Innovation auf Unternehmensebene
bleiben andere Einflussfaktoren unberücksichtigt. Dennoch kann durch eine derartige Analyse
der generelle Befund, dass in einer entwickelten
Volkswirtschaft der technologische Wandel einer
der wichtigsten Wachstumstreiber ist, ausreichend belegt werden.
5.2Innovationsaktivitäten im Unternehmenssektor und die Rolle von KMU
Im November 2012 wurden die Ergebnisse der
siebten Innovationserhebung (CIS 2010) publiziert. Diese Ergebnisse bilden die Datengrundlage dieses Kapitels in dem einerseits die Innovationsperformance österreichischer Unternehmen
im europäischen Vergleich (d.h. mit ausgewählten Ländern) positioniert wird und andererseits
für eine Reihe von Indikatoren einige österreichspezifische Ergebnisse im Detail (z.B. auf Branchenebene) dargestellt werden.
Anzumerken ist, dass im Rahmen der Europäischen Innovationserhebung ein subjektiver Innovationsbegriff angewendet wird, d.h. das befragte Unternehmen entscheidet aus seiner subjektiven Sicht heraus, ob und inwieweit Innovationsaktivitäten gesetzt wurden. Damit werden
also auch jene Innovationen erfasst, die zumindest für das Unternehmen neu sind, auch wenn
es sich dabei um keine eigentliche Marktneuheit
handelt. Zudem wird ein – wie in Innovationserhebungen mittlerweile allgemein üblich – breites Innovationsverständnis verwendet. Neben
technologischen Innovationen werden auch
nicht-technologische Innovationen wie organisatorische und Marketinginnovationen erfasst.
5.2.1Die Innovationsperformance im europäischen Vergleich
In Abb. 51 ist die Innovatorenquote (Anteil innovierender Unternehmen an allen Unternehmen)
für die teilnehmenden Länder dargestellt, wobei
zwischen den unterschiedlichen Innovationsty-
pen (bzw. Kombinationen davon, da Unternehmen im Beobachtungszeitraum auch Innovationstätigkeiten in den verschiedensten Bereichen
durchführen können) differenziert wird. Im europäischen Vergleich zeigen sich ausgesprochen
große Disparitäten hinsichtlich der Innovatorenquote; Die Spannweite reicht von einem Anteil
innovierender Unternehmen um die 80 % beim
Spitzenreiter Deutschland bis zu lediglich rund
25 % beim Schlusslicht Bulgarien, der europäische Durchschnittwert liegt bei 53 %. Österreich
kann auf eine Innovatorenquote von 56 % verweisen und liegt somit über dem europäischen
Durchschnitt.
Betrachtet man die unterschiedlichen Innovationstypen, lässt sich feststellen, dass – in praktisch allen Ländern – der Gutteil der Unternehmen gleichzeitig sowohl technologische als auch
nicht-technologische
Innovationsaktivitäten
durchführt. Deren Anteil an allen innovierenden
Unternehmen bewegt sich zwischen 30 % und
60 %. In Österreich fallen 55 % aller innovierenden Unternehmen in jene Gruppe, die sowohl
technologische als auch nicht-technologische Innovationsaktivitäten durchführt. Damit zeigt
sich, dass Innovationsprozesse mehrdimensional
sind, wobei technologische und organisatorische
Veränderungen miteinander verknüpft sind. Ein
Umstand, der von der Innovationsforschung in
den vergangenen Jahren immer wieder betont
wurde und letztlich auch Niederschlag in diversen innovationspolitischen Maßnahmen gefunden hat, die vielfach nicht mehr ausschließlich
auf „harte“ Technologien abzielen.
Der Vergleich zur sechsten Innovationserhebung153 zeigt, dass diese Strukturen über die Zeit
robust sind. Dies gilt auch für Österreich. Nur
wenige Länder verzeichnen wesentliche Abweichungen: So stieg die Innovatorenquote in den
Niederlanden von 45 % auf 57 % und in Schweden von 54 % auf 60 %, während sie in der Tschechischen Republik von 56 % auf 52 % sank.
153Siehe CIS 2008, vgl. FTB (2012).
Forschungs- und Technologiebericht 2013
141
5 Innovation auf Unternehmensebene
Abb. 51: Unternehmen mit Innovationsaktivitäten (in % aller Unternehmen) im Jahr 2010
DE
LU
IS
BE
PT
SE
IE
EE
NL
AT
IT
FI
DK
FR
EU-27
CZ
RS
TR
SI
CY
UK
NO
HR
MT
ES
SK
LT
Nur technologische Innovation
(Produkt, Prozess, laufend oder aufgegeben)
HU
RO
LV
Nur nicht-technologische Innovation
(Organisations- und/oder Marketinginnovation)
PL
Technologische und nicht-technologische Innovation
BG
0
20
40
60
80
100
Anm.: F
ür Großbritannien sowie für die EU-27 insgesamt ist keine Differenzierung nach Innovationstypen möglich.
Quelle: Eurostat CIS 2010. Berechnungen JOANNEUM RESEARCH.
142
Forschungs- und Technologiebericht 2013
5 Innovation auf Unternehmensebene
Für die Innovationsaktivitäten für Produktund Prozessinnovationen (also für die technologischen Innovationsprozesse) kann zwischen verschiedenen Tätigkeitsarten differenziert werden,
wobei die Gewichtung nach den monetären Aufwendungen für die einzelnen Tätigkeiten erfolgt.
Konkret wird zwischen (i) unternehmensinterner
Forschung und experimenteller Entwicklung (interne F&E), (ii) Vergabe von F&E-Aufträgen an
Dritte (externe F&E), (iii) Erwerb von Maschinen,
Ausrüstung und Software sowie (iv) Erwerb von
externem Wissen154 unterschieden. In Abb. 52
sind die Ergebnisse für ausgewählte Länder dargestellt. Im Großteil der hier angeführten Vergleichsländer (darunter auch in Österreich) hat
die interne F&E das größte Gewicht im Rahmen
der technologischen Innovationsaktivitäten:
Rund die Hälfte der Innovationsausgaben entfällt
auf interne F&E; in Österreich sogar zwei Drittel
(69 %). Die zweitwichtigste Ausgabenkategorie
sind Investitionen in Maschinen, Ausrüstung
und Software, die für knapp ein Drittel der Ausgaben (in Österreich ein Fünftel) verantwortlich
sind. Dieser embodied technological change ist
insbesondere für aufholende Innovationssysteme
wie in Ungarn oder Tschechien von großer Bedeutung. Dies galt auch für Österreich bis Mitte
der 1990er Jahre. Hingegen spielen für „reife“ Innovationssysteme unternehmensinterne F&EAnstrengungen eine größere Rolle. Diesbezüglich weist Österreich unter den Vergleichsländern inzwischen gar den höchsten Anteil von
F&E-Ausgaben an allen Innovationsaufwendungen auf und hat – im Vergleich zum CIS 2008 –
damit den ersten Rang von Finnland übernommen. Grundsätzlich sind aber auch die Ausgabestrukturen über die Zeit hinweg sehr konstant.155
Innovationskooperationen
Für die Leistungsfähigkeit eines Innovationssystems ist nicht nur die Innovationskraft der einzelnen Akteure, sondern auch deren Zusammenspiel in Form von Kooperationsnetzwerken von
großer Bedeutung. Intensive Kooperationsbeziehungen zwischen Unternehmen sowie zwischen
Unternehmen und (öffentlichen) Forschungsinstitutionen generieren positive Netzwerkeffekte,
Abb. 52: Aufteilung der Innovationsausgaben nach Tätigkeitsarten (in %, für Unternehmen mit technologischen
Innovationstätigkeiten) im Jahr 2010
100
Prozent
75
50
25
0
BE
CZ
DE*
FR
IT
HU
Erwerb Wissen
Erwerb Maschinen, Ausrüstung und Software
NL
AT
FI
externe F&E
interne F&E
SE
Quelle: Eurostat CIS 2010; außer * CIS 2008, da für Deutschland im CIS 2010 keine Differenzierung der Innovationsausgaben durch Eurostat
publiziert ist. Berechnungen JOANNEUM RESEARCH.
154Hierzu zählen der Ankauf von Patenten, Lizenzen etc.
155Vgl. FTB (2012).
Forschungs- und Technologiebericht 2013
143
5 Innovation auf Unternehmensebene
indem neu generiertes Wissen kontinuierlich
zwischen den Akteuren fließt, was zur raschen
Diffusion neuer Innovationen beiträgt. Letztlich
führen derartige Effekte zum Entstehen innovativer Milieus, die durch eine hohe Innovationskraft und intensive Austauschbeziehungen gekennzeichnet sind. In Abb. 53 sind die Anteile
der kooperierenden Unternehmen an allen Unternehmen mit technologischen Innovationen156
angegeben. In Österreich kooperiert jedes zweite
dieser Unternehmen – ein europäischer Spitzenwert. Zudem ist der Anteil der kooperierenden
Unternehmen somit seit dem CIS 2008 um rund
10 Prozentpunkte gestiegen.
Diese Kooperationen finden mit unterschiedlichen Akteuren statt. Der CIS unterscheidet dabei
folgende Gruppen: andere Unternehmen innerhalb der eigenen Unternehmensgruppe, Zulieferer, Auftraggeber/Kunden, Mitbewerber, Beratungsfirmen/private F&E-Einrichtungen, Universitäten/Fachhochschulen sowie öffentliche
außeruniversitäre Forschungsinstitutionen.
Die Kooperationshäufigkeit mit diesen unterschiedlichen Akteursgruppen ist in Abb. 54 für
eine Reihe von ausgewählten Ländern dargestellt.157 Auch wenn die Kooperationsdichte zwischen den Ländern stark schwankt, lässt sich ein
einheitliches Muster hinsichtlich der relativen
Bedeutung der jeweiligen Akteursgruppen für Innovationskooperationen erkennen. Vor allem
Zulieferer und oftmals auch Kunden sind die mit
Abstand wichtigsten Kooperationspartner. In der
Abb. 53: Innovationskooperationen im europäischen Vergleich (in % aller Unternehmen mit technologischer
Innovationstätigkeit) im Jahr 2010
70
60
50
40
30
20
10
0
CY AT SI LT HU BE EE
FI DK SE FR SK CZ NL PL HR LU IS NO LV IE RS DE RO BG ES PT TR MT
IT
Quelle: Eurostat CIS 2010. Berechnungen JOANNEUM RESEARCH.
156Die Frage nach Kooperationspartnern wird im CIS nur Unternehmen mit Produkt- oder Prozessinnovationen sowie andauernden und
abgebrochenen technologischen Innovationsaktivitäten gestellt.
157Unterschiede in den Ländermustern zwischen Abb. 42 und Abb. 43 erklären sich durch die Art der jeweiligen Frage: Abb. 42 zeigt den
Anteil der Unternehmen, die irgendeine Form von Innovationskooperation angegeben haben. Abb. 43 weist hingegen den Anteil der
Kooperationen mit unterschiedlichen Partnern auf, wobei Mehrfachantworten möglich sind. Beispielsweise kooperieren in Finnland
zwar nur knapp 40 % der Unternehmen, jedoch arbeiten diese mit vielen unterschiedlichen Partnern bei Innovationen zusammen.
144
Forschungs- und Technologiebericht 2013
5 Innovation auf Unternehmensebene
Abb. 54: Kooperationspartner nach Akteursgruppen (in % der Unternehmen mit technologischen Innovationsaktivitäten)
im Jahr 2010
40%
30%
20%
10%
0%
FI
SE
AT
HU
DK
BE
FR
CZ
NL
eigene Unternehmensgruppe
Lieferanten
Kunden
Wettbewerber/Unternehmen desselben Sektors
Berater/private F&E-Einrichtungen/Laboratorien
Hochschulen
DE
IT
Öffentliche Forschungseinrichtungen
Quelle: Eurostat CIS 2010. Berechnung JOANNEUM RESEARCH.
modernen, hochgradig arbeitsteiligen Wirtschaft
sind auch die Innovationsprozesse entlang der arbeitsteiligen Wertschöpfungsketten interaktiv
organisiert.158 Des Weiteren finden Innovationsprozesse vielfach in Zusammenarbeit mit Beratern/privaten Forschungseinrichtungen oder öffentlichen Hochschulen statt, wenn deren Bedeutung auch nicht an die der vertikalen Kooperationsbeziehungen heranreicht. „Horizontale“
Kooperationen mit Mitbewerbern oder Unternehmen der gleichen Branchen spielen hingegen
durchgängig eine geringere Rolle. Noch seltener
wird mit den – vergleichsweise wenigen – öffentlichen Forschungseinrichtungen zusammengearbeitet.
Österreich weicht in seinen Kooperationsbeziehungen nicht von diesem allgemeinen Muster
ab, wenngleich die Kooperationsintensität Österreichs nicht ganz an Länder wie Finnland oder
Schweden heranreicht. Gut ein Viertel der österreichischen Unternehmen mit technologischen
Innovationen kooperiert mit Lieferanten, mehr
als ein Fünftel mit Kunden oder Unternehmen
der eigenen Unternehmensgruppe. Zum Vergleich: In Finnland arbeiten 35 % mit Lieferanten
und 38 % mit Kunden zusammen. Bemerkenswert ist die relativ hohe Kooperationsdichte mit
Universitäten und Hochschulen, die in Österreich mit 22 % deutlich höher ist als in den meisten Vergleichsländern (Finnland als eines der
158Die Akteursgruppe „Andere Unternehmen innerhalb der Unternehmensgruppe“ kann ebenfalls zu diesen Akteuren hinzugerechnet
werden, da die verschiedenen Tochterunternehmen innerhalb einer Unternehmensgruppe vielfach arbeitsteilig organisiert sind, d.h.
z.B. Tochterunternehmen A ist Zulieferer von Tochterunternehmen B der gleichen Unternehmensgruppe.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
145
5 Innovation auf Unternehmensebene
Abb. 55: Innovationsförderung im europäischen Vergleich (in % aller Unternehmen mit technologischen
Innovationsaktivitäten), 2008/2010
50%
45%
40%
35%
2008
30%
2010
25%
20%
15%
10%
5%
RO
LV
SK
BG
LU
MT
PL
DE
BE
CZ
PT
EE
ES
HR
IT
SI
NL
HU
FI
LT
AT*
CY
FR
0%
Quelle: Eurostat CIS 2010 /2008, * nur CIS 2008. Berechnung JOANNEUM RESEARCH.
Spitzenländer erreicht 30 %). Offensichtlich ist
das österreichische Innovationssystem mittlerweile durch eine vergleichsweise intensive Austauschbeziehung des Unternehmenssektors mit
dem Universitätssektor gekennzeichnet, die seitens der FTI-Politik seit längerem intensiv gefördert wird.159
Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen
spielen in Österreich als Kooperationspartner in
unternehmerischen Innovationsprozessen eine
deutlich geringere Rolle als Universitäten; nur
9 % der Unternehmen gaben entsprechende Arrangements an. Dies ist international nicht unüblich (der einzige Ausreißer ist erneut Finnland
mit 23 %). Zudem ist zu berücksichtigen, dass
der außeruniversitäre Sektor in Österreich relativ klein ist.
Innovationsförderung
Die direkte Förderung von unternehmerischen
Innovationsaktivitäten ist eine der zentralen
Säulen der Technologiepolitik. Dabei stellt sich
die Frage, welche „Reichweite“ – unabhängig
vom monetären Rahmen160 – die entsprechenden
Förderinstrumente aufweisen, d.h. kommen sie
einer kleinen Gruppe von Unternehmen zu Gute
oder gelingt es mit diesen Instrumenten viele innovative Unternehmen anzusprechen. Die entsprechenden Ergebnisse im europäischen Ver-
159Siehe hierzu die Ausführungen im FTB 2012.
160Im Gegensatz zum öffentlich geförderten Anteil an den unternehmerischen F&E-Ausgaben gibt es keine Informationen hinsichtlich
des Förderanteils an den gesamten Innovationsausgaben des Unternehmenssektors. Beim Förderanteil an den F&E-Ausgaben ist Österreichs Fördersystem mit 1 % jedenfalls mit an der Spitze der europäischen Länder.
146
Forschungs- und Technologiebericht 2013
5 Innovation auf Unternehmensebene
5.2.2Branchenspezifische Ergebnisse für
Österreich
gleich sind in Abb. 55 angegeben. In Österreich
gaben 2008 ca. 40 % aller Unternehmen mit
technologischen Innovationsaktivitäten an, einschlägige Fördermaßnahmen von Seiten der öffentlichen Hand erhalten zu haben. Damit lag
Österreich an der Spitze aller europäischen Länder. Im CIS 2010 wurde diese Frage in Österreich
nicht mehr gestellt. Die aktuellen Daten zeigen,
dass inzwischen auch Länder wie Frankreich eine ähnliche Quote aufweisen, nachdem hier die
Förderung massiv ausgeweitet wurde161. Dennoch ist der Anteil der mit öffentlichen Mitteln
geförderten Unternehmen in Österreich weiterhin vergleichsweise hoch.
Im Folgenden werden ausgewählte Ergebnisse
der österreichischen Innovationserhebung auf
Branchenebene dargestellt. Unterschiede nach
Unternehmensgröße werden im Detail im darauffolgenden Kapitel betrachtet.
Abb. 56 zeigt die Innovatorenquote in den einzelnen Branchen, differenziert nach Art der Innovationsaktivität (technologisch versus nichttechnologisch). Dabei ist festzustellen, dass der
Anteil innovationsaktiver Unternehmen in allen
Branchen bei rund 50 % oder darüber liegt – die
Abb. 56: Innovatorenquote in Österreich nach Branchen (innovationsaktive Unternehmen in % aller Unternehmen)
im Jahr 2010
Insgesamt
Bergbau
Herstellung von Waren gesamt
Nahrung/Getränke/Tabak
Textilien/Leder/Schuhe*
Holz/ Papier/ Druck
Chemie/Pharma/Mineralöl*
Gummi/ Kunststoff/Glas/Keramik
Metall
EDV-Geräte/ Elektrotechnik/Optik
Maschinenbau
Fahrzeugbau
Möbel/ Reparatur/Installation
Energie
Wasser/Abfall
Dienstleistungen gesamt
Großhandel
Verkehr/Lagerei
IT/ Telekommunikation/Verlag
Finanz/Versicherung
Architektur/Ingenieurbüros
0
10
20
technologische und nicht-technologische Innovationen
30
40
50
nur technologische Innovationen
60
70
80
90
100
nur nicht-technologische Innovationen
Anm.: * Aus Geheimhaltungsgründen werden von der Statistik Austria keine Werte für nur (nicht) technologische Innovatoren in den Branchen Textilien/ Leder/ Schuhe und
Chemie/ Pharma/ Mineralöl veröffentlicht.
Quelle: Statistik Austria CIS 2010. Berechnung JOANNEUM RESEARCH.
161Hierzu zählen die Stärkung bzw. Neuerung in Bereichen der indirekten F&E-Förderung, der Clusterpolitik, der Innovationsförderung
für KMU durch die OESO sowie zusätzliche Fördermittel, die im Rahmen des „Investments for the future“ Programms zur Verfügung
gestellt wurden (vgl. ERAWATCH Country Reports für Frankreich, div. Jahre).
Forschungs- und Technologiebericht 2013
147
5 Innovation auf Unternehmensebene
einzige Ausnahme ist Verkehr und Lagerei mit
34 %. Besonders herausragend sind die „klassischen“ Technologiebranchen EDV/Elektrotechnik/Optik (hier erreicht die Innovatorenquote
90 %), die Chemie- bzw. Pharmabranche (84 %)
sowie der Maschinenbau und die Fahrzeugindustrie (je etwa 80 %). Der Dienstleistungssektor
weist insgesamt eine etwas niedrigere Innovatorenquote (53 %) als die Sachgüterproduktion
(61 %) auf. Allerdings ist die Heterogenität innerhalb der Dienstleistungen sehr hoch: So umfasst
sie neben dem erwähnten Schlusslicht Verkehr/
Lagerei auch die IT-Branche (IT/Telekommunikation/Verlag), die mit 81 % eine der höchsten
Innovatorenquote aller Branchen aufweist.
Bemerkenswert ist, dass in den meisten Branchen der Anteil der dualen Innovatoren, also jener Unternehmen, die sowohl technologische als
auch nicht-technologische Innovationaktivitä-
ten durchführen, überwiegt. Somit sind die Innovationsprozesse zumeist mehrdimensional und
kombinieren die Entwicklung neuer Produkte
oder Prozesse mit organisatorischen Innovationen und Neuerungen im Marketing.
Neben der Innovatorenquote stellt sich auch
die Frage nach der Intensität von Innovationsprozessen und inwieweit sich diese Intensität zwischen Branchen unterscheidet. Ein taugliches
Maß zur Erfassung der Intensität von Innovationsprozessen ist der Anteil der Innovationsausgaben am Umsatz, wie in Abb. 57 dargestellt ist.
Diesbezüglich zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen. Während
Innovationsaktivitäten also relativ gleich häufig
in den jeweiligen Branchen vorzufinden sind, ist
das relative Gewicht dieser Innovationsaktivitäten doch sehr unterschiedlich verteilt. Spitzenreiter sind Architektur- und Ingenieurbüros mit
Abb. 57: Innovationsintensität nach Branchen (Anteil der Innovationsausgaben am Umsatz – Unternehmen mit
technologischen Innovationsaktivitäten) im Jahr 2010
Insgesamt
Bergbau
Herstellung von Waren gesamt
Nahrung/Getränke/Tabak
Textilien/ Leder/Schuhe
Holz/ Papier/Druck
Chemie/ Pharma/Mineralöl
Gummi/Kunststoff/Glas/Keramik
Metall
EDV-Geräte/Elektrotechnik/Optik
Maschinenbau
Fahrzeugbau
Möbel/Reparatur/Installation
Energie
Wasser/Abfall
Dienstleistungen gesamt
Großhandel
Verkehr/Lagerei
IT/ Telekommunikation/Verlag
Finanz/Versicherung
Architektur/Ingenieurbüros
0
2
4
interne und externe F&E-Ausgaben
6
8
andere Innovationsausgaben
10
12
Quelle: Statistik Austria CIS 2010. Berechnung JOANNEUM RESEARCH.
148
Forschungs- und Technologiebericht 2013
5 Innovation auf Unternehmensebene
11 % vor der Herstellung von EDV-Geräten/Elektrotechnik/Optik mit 10 % des Umsatzes für Innovationsausgaben. In diesen beiden Branchen
dominieren interne und externe F&E-Aufwendungen die Innovationsausgaben. Dies ist in den
meisten Branchen mit hoher Innovationsintensität der Fall. Hingegen überwiegen in einigen der
weniger innovationsintensiven Branchen die
sonstigen Innovationsausgaben, so bei Nahrung/
Getränke/Tabak, Holz/Papier/Druck, Wasser/
Abwasser, Verkehr/Lagerei, Finanz/Versicherung, aber auch im Bergbau. Überdurchschnittliche F&E-Intensitäten finden sich traditionell zudem in den Branchen Maschinenbau (knapp 5 %)
und Fahrzeugbau (ca. 4 %). Generell ist die
durchschnittliche Innovationsintensität in der
Sachgüterproduktion mit ca. 3,3 % deutlich höher als im Dienstleistungssektor (0,7 %), wobei
erneut auf die bereits erwähnte Heterogenität im
Dienstleistungsbereich hinzuweisen ist. Ebenso
sei erneut die hohe Strukturpersistenz betont.
5.2.3Innovationsstrategien der kleinen und
mittleren Unternehmen
Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind
von besonderer Bedeutung für die österreichische Volkswirtschaft. Laut der Definition von
Eurostat zählen dazu alle Unternehmen, die
zwischen einem und 249 Beschäftigte162 haben.
Diese Gruppe macht 97 % aller österreichischen Unternehmen aus, beschäftigt zwei Drittel aller Beschäftigten und erwirtschaftet knapp
60 % der Bruttowertschöpfung (Tab. 23). Die
Innovationsperformance aller KMU kann allerdings nicht untersucht werden, da die europäische Innovationserhebung (CIS) keine Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftig-
ten berücksichtigt. Somit konzentriert sich die
vorliegende Analyse auf kleinere und mittlere
Unternehmen mit zehn bis 249 MitarbeiterInnen (die im Folgenden als KMU bezeichnet werden). Aufgrund der Vielzahl von Kleinstunternehmen machen die so definierten KMU zwar
nur 12 % aller Unternehmen aus; jedoch sind
sie immer noch für 42 % aller Beschäftigten und
41 % der Bruttowertschöpfung verantwortlich
und bilden damit das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft (Tab. 23).163 Aufgrund dieser
hohen Bedeutung stellt sich die Frage, inwieweit das Innovationsverhalten der österreichischen Unternehmen größenabhängig ist und inwiefern KMU ein spezifisches Innovationsmuster aufweisen.164 Bei der folgenden Analyse ist
allerdings zu berücksichtigen, dass KMU über
die Branchen nicht gleichverteilt sind. So weisen einige Branchen einen niedrigen Anteil der
Unternehmen mit 10 bis 249 Beschäftigten auf:
In der IKT-Branche (J) liegt dieser beispielsweise
bei 7 %, im Maschinenbau (C25) bei 29 % und
in der Papierindustrie (C17) bei 52 %. Das beobachtbare Innovationsverhalten der KMU ist somit nicht alleine durch ihre Größe, sondern
auch durch ihre spezifische Branchenzugehörigkeit geprägt. Der Einfluss dieser Branchenzugehörigkeit kann auf Basis der hier zunächst
durchgeführten sekundärstatistischen Auswertung der veröffentlichten Gesamtergebnisse der
österreichischen Innovationserhebung von 2012
nicht kontrolliert bzw. separat erfasst werden.
Allerdings werden im folgenden Abschnitt 5.2.4
ergänzende ökonometrische Analysen der unveröffentlichten Einzeldaten durchgeführt, die
es erlauben, den Einzeleffekt der Unternehmensgröße – auch im internationalen Vergleich
– zu ermitteln.
162Dazu zählen Kleinstunternehmen (1-9 Beschäftigte), kleine Unternehmen (10-49 Beschäftigte) und mittlere Unternehmen (50–249
Beschäftigte).
163Hinzu kommt, dass in Österreich im internationalen Vergleich – und zwar auch gegenüber anderen kleineren Ländern wie der Schweiz,
Finnland, Niederlande oder Schweden – auch die Großunternehmen relativ „klein“ sind und es kaum herausragende Großkonzerne
gibt.
164Zu Recht verweisen Kaufmann und Tödtling (2002) darauf, dass der KMU-Sektor sehr heterogen ist und sich „einfache Verallgemeinerungen“ somit verbieten. Nichtsdestotrotz soll auf Basis vorhander Daten ein erster Eindruck vermittelt werden.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
149
5 Innovation auf Unternehmensebene
Tab. 23: Anteil der Unternehmensgrößenklassen an der Wirtschaftsleistung Österreichs 2010 (in Prozent)
Anzahl
Unternehmen
Beschäftigte im Jahresdurchschnitt
Bruttowertschöpfung
zu Faktorkosten
insgesamt
unselbstständige
Großunternehmen (>= 250 Beschäftigte)
0,3
33,1
36,8
42,0
KMU (1–249 Beschäftigte)
97,3
66,9
63,2
58,0
Kleinstunternehmen (< 10 Beschäftigte)
87,4
24,8
17,3
17,3
kleine und mittlere Unternehmen (10–249 Beschäftigte)
12,2
42,2
45,9
40,7
davon
Quelle: Statistik Austria: Hauptergebnisse der Leistungs- und Strukturstatistik 2010 nach Gruppen (3-Stellern) der ÖNACE 2008
(Abschnitte B–N, S95) und nach Beschäftigtengrößenklassen. Berechnung JOANNEUM RESEARCH.
Innovationsverhalten von KMU – deskriptive
Analysen
Einer der Hauptunterschiede hierbei ist, dass
KMU seltener duale Innovatoren sind, also sowohl technische als auch nicht-technische (Organisations- und/oder Marketing-) Innovationen
hervorbringen.
Zudem zeigen die Ergebnisse der Statistik
Austria, dass kleinere und mittlere Unternehmen insgesamt deutlich weniger finanzielle Mittel für Innovationen aufwenden als größere Unternehmen (Abb. 59). Dies gilt zum einen absolut, zum anderen aber auch relativ, wenn die In-
Abb. 58 zeigt, dass ohne Berücksichtigung der
Branche ein ausgeprägter Zusammenhang zwischen Unternehmensgröße und Innovation besteht: Je größer ein Unternehmen ist, desto eher
werden Innovationsaktivitäten durchgeführt.
Zwar ist auch die Hälfte der Kleinunternehmen (10 bis 49 Beschäftigte) innovativ, der Wert
für Großunternehmen liegt jedoch bei fast 90 %.
Abb. 58: Innovationsformen und Unternehmensgröße im Jahr 2010
31
Insgesamt
10 bis 49
Beschäftigte
13
26
12
50 bis 249
Beschäftigte
13
46
15
250 und mehr
Beschäftigte
Prozent 0
13
11
67
10
20
sowohl technologische als auch
nicht-technologischen Innovationen
30
12
40
50
60
nur technologische Innovationen
70
8
80
90
100
nur nicht-technologische Innovationen
Quelle: Statistik Austria CIS 2010. Berechnung JOANNEUM RESEARCH.
150
Forschungs- und Technologiebericht 2013
5 Innovation auf Unternehmensebene
novationsausgaben in Bezug zum Umsatz gesetzt
werden: Die Innovationsintensität ist mit 1,3 %
(kleine) bzw. 1,2 % (mittlere) deutlich geringer
als bei Großunternehmen mit 2,2 % (Abb. 60).
Strukturell ist interne F&E zwar auch bei
KMU der wichtigste Kostenfaktor und somit die
wichtigste Aktivität für den Innovationsprozess.
Im Vergleich zu Großunternehmen zeigt sich jedoch, dass andere Innovationsaktivitäten einen
verhältnismäßig hohen Stellenwert genießen.
Dies gilt insbesondere für den Erwerb von Maschinen und Sachmitteln für Innovationen.
Die relativ geringere Bedeutung von F&E für
kleine und mittlere Unternehmen wird auch dadurch deutlich, dass mit 49 % der Anteil F&Etreibender KMU (an allen KMU mit technologischen Innovationsaktivitäten) klar unter dem
Anteil der F&E-treibenden Großunternehmen
(71 %) liegt. Zudem wird interne F&E von KMU
seltener kontinuierlich (25 %) durchgeführt als
von großen Unternehmen (57 %). Analysen von
Rammer et al. (2004) zeigen, dass F&E- und Innovationsaktivitäten auch in deutschen KMU weniger kontinuierlich sind und enger mit dem
Konjunkturverlauf schwanken als die Aktivitäten von Großunternehmen.
Auf die geringere Bedeutung von F&E in KMU
weisen auch die Zahlen der F&E-Erhebung
2009165 hin, wonach zwar 86 % aller F&E-durchführenden Einheiten KMU sind166, diese aber nur
29 % aller F&E-Aufwendungen tragen167 und
37 % der F&E-Beschäftigten168 angestellt haben.
Hintergrund hierfür ist, dass die Durchführung
von (kontinuierlicher) F&E KMU vor eine große
Abb. 59: Innovationsausgaben und -aktivitäten und Unternehmensgröße im Jahr 2010
100
2
3
4
1
7.000
13
19
6.000
12
10
5.000
8
Prozent
8
4.000
50
3.000
Mill. €
75
24
35
74
69
64
2.000
54
25
1.000
0
Insgesamt
10-49
Beschäftigte
(n=4675)
(n=7012)
50-249
Beschäftigte
(n=1753)
Interne F&E
Vergabe von F&E-Aufträgen an Dritte
Erwerb von Maschinen und Sachmitteln
Erwerb von anderem externen Wissen
250 und mehr
Beschäftigte
(n=584)
0
Innovationsausgaben insgesamt in Mill. € (rechte Achse)
Quelle: Statistik Austria CIS 2010. Berechnung JOANNEUM RESEARCH.
165Siehe Statistik Austria (2011).
166Bei der F&E-Erhebung werden auch Kleinstunternehmen berücksichtigt. Kleinst- und Kleinunternehmen machen 59 %, mittlere Unternehmen 26 % aus.
167Kleinst- und Kleinunternehmen 11 %, mittlere Unternehmen 18 %.
168Kleinst- und Kleinunternehmen 16 %, mittlere Unternehmen 21 %.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
151
5 Innovation auf Unternehmensebene
Abb. 60: Anteil der Innovationsausgaben am Umsatz nach Beschäftigungsgrößenklassen im Jahr 2010
Insgesamt
1,4
10 bis 49
Beschäftigte
0,4
0,8
50 bis 249
Beschäftigte
0,5
0,9
250 und mehr
Beschäftigte
0,3
1,9
0,0
0,5
0,3
1,0
1,5
2,0
2,5
in % vom Umsatz
interne und externe F&E-Ausgaben
andere Innovationsausgaben
Quelle: CIS 2010. Berechnungen JOANNEUM RESEARCH.
Herausforderung stellt. Hierzu zählen insbesondere Kosten (sunk costs), die durch den Unterhalt
der F&E-Infrastruktur, die Mindestgröße und
Laufzeit von F&E-Projekten entstehen sowie die
finanziellen Risiken, die durch die hohe technologische bzw. wirtschaftliche Unsicherheit von
F&E-Projekten hervorgehen und die für KMU
durchaus existenzgefährdend sein können.169
Die vergleichsweise geringere Bedeutung von
(interner) F&E für den Innovationsprozess heißt
jedoch nicht, dass KMU Neuentwicklungen
überwiegend auslagern würden. Zwar ist die Entwicklung von neuen Produkten oder Prozessen
durch andere bei kleineren Unternehmen etwas
üblicher als bei größeren, aber doch über 70 %
der KMU haben Produkte und über 50 % Prozesse im eigenen Unternehmen entwickelt. Ein Anteil, der auch unter Großunternehmen nicht viel
höher ist (80 % bzw. 64 %; siehe hierzu Tab. 24).
Eine Voraussetzung bzw. ein Erfolgsfaktor für
unternehmensinterne Innovationsaktivitäten ist
dabei die Qualität und das Qualifikationsniveau
der Beschäftigten. Hinsichtlich der Humankapitalausstattung – gemessen am Anteil der HochschulabsolventenInnen – zeigt sich der KMUSektor stärker geteilt als die Gruppe der Großunternehmen. So gibt es einen relativ großen Anteil
an KMU, die wenige bis gar keine HochschulabsolventInnen beschäftigen: Allein ein Drittel der
kleinen Unternehmen weist keine HochschulabsolventInnen unter der Belegschaft auf. Auf der
anderen Seite ist der Anteil der Unternehmen,
bei denen jeder zweite Beschäftigte einen Hochschulabschluss vorweist, bei kleinen Unternehmen mit 8 % deutlich höher als bei mittleren
und großen Unternehmen (Abb. 61).
Für die Teilgruppe des F&E-Personals weisen
Zahlen der F&E-Erhebung 2009170 auf relativ ge-
169Siehe Rammer et al. (2008).
170Siehe Statistik Austria (2011).
152
Forschungs- und Technologiebericht 2013
5 Innovation auf Unternehmensebene
Tab. 24: Wer hat die Produkt-/ Prozessinnovationen der Jahre 2008–2010 entwickelt?
(in % aller Unternehmen mit technologischen Innovationen, untergliedert nach Unternehmensgröße)
Entwicklung der Produkt-/ Prozessinnovation(en) durch ...
… das eigene
Unternehmen
… das eigene
Unternehmen zusammen
mit anderen
… eigene Anpassung/
Veränderung von
Entwicklungen anderer
… durch andere
Unternehmen/
Einrichtungen
Insgesamt
72,7
42,2
13,8
10,3
10–49
71,8
37,9
13,1
11,9
50–249
71,6
46,2
15,0
8,7
250 und mehr
80,2
58,1
15,1
4,5
Insgesamt
54,4
45,7
17,8
15,2
10–49
54,6
39,9
16,0
15,8
Beschäftigte
Produkt
Prozess
50–249
50,5
52,7
20,1
14,9
250 und mehr
63,7
64,4
24,1
11,5
Quelle: Statistik Austria CIS 2010. Berechnung JOANNEUM RESEARCH.
ringe strukturelle Unterschiede hin: So sind sowohl in Kleinst- und Kleinunternehmen wie
auch in Großunternehmen etwa 60 % des F&EPersonals WissenschaftlerInnen und IngenieurInnen. Lediglich in mittleren Unternehmen liegt
deren Anteil bei knapp 50 %. Der Anteil des höherqualifizierten nichtwissenschaftlichen Personals liegt entsprechend bei rund 35 % für Kleinstund Kleinunternehmen bzw. 45 % für mittlere
Unternehmen.
Abb. 61: Innovationsaktive Unternehmen nach dem Anteil der Beschäftigten mit Universitäts- oder Fachhochschulabschluss
an den gesamten Beschäftigten in % im Jahr 2010
Insgesamt
10 bis 49 Beschäftigte
50 bis 249 Beschäftigte
250 und mehr Beschäftigte
Prozent 0
0%
25
1% bis 4%
5% bis 9%
50
10% bis 24%
25% bis 49%
75
50% bis 74%
100
75% oder mehr
Quelle: Statistik Austria CIS 2010. Berechnung JOANNEUM RESEARCH.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
153
5 Innovation auf Unternehmensebene
Innovationskooperationen
Innovative kleinere und mittlere Unternehmen
nehmen seltener an Innovationskooperationen
teil als größere Unternehmen. Dies ist vor allem
darin begründet, dass kleinere Unternehmen üb-
licherweise eine schlechtere Ressourcenausstattung aufweisen, so dass für sie die Organisation
von Kooperationsbeziehungen vergleichsweise
aufwändiger ist. Dies gilt vor allem bei der
Durchführung einer Zusammenarbeit mit ausländischen Kooperationspartnern (Tab. 25).
Tab. 25: Anteil der Unternehmen mit Innovationskooperationen (a) in % aller Unternehmen mit technologischen
Innovationsaktivitäten und (b) in % aller Unternehmen mit Innovationskooperationen) im Jahr 2010
(b) davon mit
(a) Unternehmen mit
Innovationskooperationen
Beschäftigte
nationalen Partnern
internationalen Partnern
Insgesamt
51,0
85,6
60,7
10–49
44,7
83,5
55,5
50–249
59,1
87,4
61,7
250 und mehr
77,1
91,3
82,9
Quelle: CIS 2010. Berechnungen JOANNEUM RESEARCH.
Abb. 62: Innovationskooperationen mit unterschiedlichen Akteuren (in % aller Unternehmen mit Innovationskooperationen,
nach Beschäftigungsgrößenklassen) im Jahr 2010
Kunden
Zulieferer
Unternehmensgruppe
Mitbewerber/Unternehmen der gleichen Branche
Beratungsfirmen/private F&E-Einrichtungen/
Laboratorien
Hochschulen
öffentliche Forschungseinrichtungen
0
10
20
10 bis 49 Beschäftigte
30
40
50 bis 249 Beschäftigte
50
60
70
80
250 und mehr Beschäftigte
Quelle: CIS 2010. Berechnungen JOANNEUM RESEARCH.
154
Forschungs- und Technologiebericht 2013
5 Innovation auf Unternehmensebene
Hinsichtlich der Art der Kooperationspartner
zeigt sich, dass KMU interaktive Innovationsaktivitäten mit Kunden oder Zulieferern nahezu so
häufig suchen wie Großunternehmen (Abb. 62).
Seltener sind hingegen Kooperationen innerhalb
einer Unternehmensgruppe. Dies ist im Wesentlichen der Tatsache geschuldet, dass KMU seltener Teil einer solchen Unternehmensgruppe171
sind: Zu einer Gruppe gehören nur 11 % der kleinen, immerhin 33 % der mittleren, jedoch 62 %
der großen Unternehmen. Eine weitere Auffälligkeit ist, dass KMU nicht so oft mit Hochschulen
zusammenarbeiten. Kooperationen mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen sind allgemein selten. Ursache hierfür dürften die
Grundlagenorientierung und Fristigkeit entsprechender Kooperationen mit Forschungseinrichtungen sein, die teilweise zu hohe Anforderungen an die Ressourcen der KMU stellen.
Diese Erklärung gilt auch für die Fokussierung
auf wenige Kooperationspartner (bzw. -typen):
Die Daten belegen, dass KMU häufiger mit nur
einer Art oder zwei Arten von Kooperationspartnern (kleine: 61 %, mittlere: 44 %; große: 21 %
aller Unternehmen mit Innovationskooperationen) zusammenarbeiten, während Großunternehmen oft auch Kooperationsbeziehungen zu
fünf oder mehr Arten von Kooperationspartnern
unterhalten (können) (kleine: 15 %; mittlere:
27 %; große: 51 %).
Innovationsoutput
Als Ergebnis der Innovationsprozesse erzielen
Großunternehmen 14 % ihres Umsatzes mit innovativen Produkten. Mittelgroße Unternehmen
erreichen mit 12 % ein ähnliches Niveau, während kleine Unternehmen lediglich auf 8 % Umsatzanteil kommen. Für alle Unternehmensgrö-
ßenklassen sind Marktneuheiten dabei für einen
kleineren Umsatzanteil verantwortlich als Produktinnovationen, die nur neu für das Unternehmen sind (Abb. 63).
5.2.4Besonderheiten des Innovationsverhaltens
von KMU in Österreich
Um festzustellen, inwieweit sich das Innovationsverhalten der KMU in Österreich von dem
der KMU in anderen Ländern unterscheidet, werden regressionsanalytische multivariate Verfahren herangezogen. Dabei wird der Einfluss der
Unternehmensgröße auf die einzelnen oben dargestellten Innovationsindikatoren bei gleichzeitiger Kontrolle für die Branchenzugehörigkeit
und andere unternehmensspezifische Einflussfaktoren172 untersucht. Dieses Verfahren hat – im
Vergleich zu einer deskriptiven Analyse auf gesamtwirtschaftlicher Ebene – den Vorteil, dass
Gleiches mit Gleichem verglichen wird, nämlich
das Innovationsverhalten von Unternehmen, die
unter ähnlichen Rahmenbedingungen agieren.
Für diese Analysen ist der Zugriff auf die Originaldaten (Mikrodaten) der CIS-Erhebungen in
Österreich sowie in Vergleichsländern nötig. Eurostat stellt einen solchen Datenzugang zur Verfügung, allerdings sind darin die Mikrodaten aus
Österreich nicht enthalten. Diese können nur
durch die Statistik Austria analysiert werden.173
Dadurch sind direkte regressionsanalytische Vergleiche des Innovationsverhaltens österreichischer KMU mit KMU aus anderen Ländern nicht
möglich. Daher wird auf einen Ansatz zurückgegriffen, bei dem für jedes Land ermittelt wird, inwieweit sich KMU in ihren Innovationsaktivitäten von den Großunternehmen in ihrem Land
unterscheiden. Um differenzierte Aussagen zu
171Die Eingruppierung als KMU erfolgt auf Basis der Beschäftigtenzahl des befragten Unternehmens ohne Berücksichtigung etwaiger
Kapitalverflechtungen mit anderen Unternehmen. Die Frage nach der Zugehörigkeit zu einer Unternehmensgruppe basiert zudem
ausschließlich auf der Selbstauskunft des befragten Unternehmens im Fragebogen.
172Hierfür stehen in den CIS-Daten nur wenige Informationen zur Verfügung. In dieser Analyse werden drei Gruppen von Variablen
herangezogen: die Zugehörigkeit zu einer Unternehmensgruppe, die geographische Marktausrichtung (regionale, landesweite, europäische, außereuropäische Absatzmärkte; diese Information steht allerdings nicht für die Unternehmen aus Finnland zur Verfügung)
sowie die relative Produktivität (Umsatz je Beschäftigten in Relation zum Branchendurchschnitt) als Maß für Effizienzunterschiede,
die sich u.a. in einer unterschiedlichen Finanzierungssituation niederschlagen.
173An dieser Stelle sei Statistik Austria für die Durchführung der Datenanalysen gedankt.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
155
5 Innovation auf Unternehmensebene
Abb. 63: Umsätze mit Produktinnovationen (in % des Umsatzes, nach Beschäftigungsgrößenklassen) im Jahr 2010
16
14
12
10
8
7,3
6,8
7,3
6
4,8
4
2
6,2
5,1
3,6
4,4
0
Insgesamt
Marktneuheiten
10 bis 49
Beschäftigte
50 bis 249
Beschäftigte
250 und mehr
Beschäftigte
Produkte, die nur für das jeweilige Unternehmen neu waren
Quelle: CIS 2010. Berechnungen JOANNEUM RESEARCH.
ermöglichen, werden vier Gruppen von KMU unterschieden: sehr kleine Unternehmen (10-19 Beschäftigte), kleine Unternehmen (20-49 Beschäftigte), mittelkleine Unternehmen (50-99 Beschäftigte) und mittlere Unternehmen (100–249 Beschäftigte). Die folgenden Analysen beruhen auf
den Daten des CIS 2008, da zum Analysezeitpunkt die Mikrodaten des CIS 2010 noch nicht
zur Verfügung standen. Als Vergleichsländer dienen Deutschland, Frankreich, die Niederlande,
Norwegen, Schweden und Finnland, d.h. Länder
mit einem ähnlichen Entwicklungsstand, in denen Innovationsaktivitäten eine ähnlich hohe
Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen wie in Österreich besitzen.174
Der internationale Vergleich zeigt einige Besonderheiten des Innovationsverhaltens von
KMU in Österreich:
• Die Innovationsbeteiligung der mittleren Unternehmen (100 bis 249 Beschäftigte) unterscheidet sich weniger stark von jener der
Großunternehmen als in den meisten anderen
Ländern. Dies gilt insbesondere für technologische Innovationen sowie für Marketinginnovationen.
• Der Abstand in den F&E-Aktivitäten zwischen
KMU und Großunternehmen ist in Österreich
vergleichsweise gering. Dies gilt für alle Größenklassen innerhalb der KMU. Mittlere Unternehmen, die F&E unternehmensintern betreiben, weisen eine ähnlich hohe Bereitschaft
auf, F&E kontinuierlich zu betreiben (d.h. Personal eigens für F&E abzustellen bzw. eine eigene F&E-Abteilung zu unterhalten) wie
Großunternehmen. Ähnlich geringe Unterschiede wie Österreich weisen auch Frankreich und die Niederlande auf. In beiden Ländern existiert ebenso wie in Österreich eine
steuerliche F&E-Förderung, welche die breite
Masse der KMU erreicht und dazu beiträgt,
dass ein größerer Anteil der KMU F&E-Aktivitäten durchführt.
174Daten zu Dänemark und Belgien, die sich ebenfalls als Vergleichsländer anbieten würden, liegen nicht vor.
156
Forschungs- und Technologiebericht 2013
5 Innovation auf Unternehmensebene
• Bei der Inanspruchnahme einer finanziellen
öffentlichen Förderung für Innovationsaktivitäten sind die Unterschiede zwischen KMU
und Großunternehmen in Österreich niedriger
als in Deutschland und Finnland, jedoch größer als in Frankreich und den Niederlanden.
Berücksichtigt man aber zusätzlich die unterschiedliche F&E-Neigung von KMU und
Großunternehmen, so gibt es in Österreich –
im Gegensatz zu Frankreich und den Niederlanden – keinen statistisch signifikanten Unterschied in der Inanspruchnahme öffentlicher
Förderungen. Dies spiegelt den einfachen Zugang für F&E-betreibende Unternehmen zur
steuerlichen F&E-Förderung über die Forschungsprämie wider. Dadurch erhalten faktisch alle F&E betreibenden KMU in Österreich eine finanzielle Förderung.
• Keine Besonderheiten zeigen sich beim Kooperationsverhalten der KMU, d.h. hier ist der Abstand zu den Großunternehmen in Österreich
ähnlich hoch wie in den meisten der Vergleichsländer.
• Die Innovationsausgaben in Relation zum
Umsatz sind in kleineren Unternehmen aus
Österreich signifikant höher als in Großunternehmen (wobei jeweils nur Unternehmen mit
technologischen Innovationsaktivitäten betrachtet werden). Dieser Effekt zeigt sich in
keinem der Vergleichsländer. In Österreich
waren es im Jahr 2008 vor allem vergleichsweise hohe Ausgaben für interne F&E und für
den Erwerb von Maschinen und Software, die
zu einer höheren Innovationsintensität der
kleineren Unternehmen geführt haben.
• Beim Innovationserfolg zeigen mittlere Unternehmen aus Österreich, die Produktinnovationen eingeführt haben, eine ähnlich hohe
Wahrscheinlichkeit, Marktneuheiten einzuführen wie Großunternehmen. In den Vergleichsländern (ausgenommen Norwegen)
sind dagegen Großunternehmen signifikant
häufiger in der Lage, Marktneuheiten einzuführen. Beim Umsatzanteil mit neuen Produkten erreichen KMU höhere Anteile als Großunternehmen. Dies gilt für österreichische
KMU ebenso wie für KMU aus den meisten
Vergleichsländern.
Tab. 26: Unterschiede in der Innovationsbeteiligung zwischen KMU und Großunternehmen in ausgewählten Ländern
im Jahr 2008
Innovationsindikator
(Basis: alle Unternehmen)
Anteil der Unternehmen mit
technologischen Innovationen
Anteil der Unternehmen mit
nicht-technologischen Innovationen
Anteil der Unternehmen mit
internen F&E-Aktivitäten
Größenvariable
AT
DE
FR
NL
NO
SE
FI
Abweichung von Unternehmen mit 250 u.m. Beschäftigten in %-Punkten
10-19
-26
-27
-23
-21
-15
-32
-32
20-49
-27
-26
-21
-16
-12
-27
-24
50-99
-21
-22
-15
-11
-11
-24
-23
100-249
-9
-17
-8
-6
-10
-17
-14
10-19
-26
-22
-22
-25
-13
-32
-33
20-49
-19
-14
-17
-21
-11
-24
-23
50-99
-19
-11
-14
-15
-10
-17
-19
100-249
-9
-13
-7
-9
/
-15
-14
10-19
-17
-28
-17
-16
-20
-30
-39
20-49
-16
-27
-15
-12
-19
-24
-32
50-99
-12
-26
-10
-8
-11
-21
-29
100-249
-6
-21
-6
-5
-11
-16
-18
Anm.: A
bweichung in %-Punkten bei Kontrolle für Branchenzugehörigkeit, Zugehörigkeit zu einer Unternehmensgruppe, regionaler Marktausrichtung und relativer Produktivität.
„/“: kein statistisch signifikanter Unterschied bei <5 % Fehlerwahrscheinlichkeit. Werte in Klammern: Unterschied zwischen 5 und <10 % Fehlerwahrscheinlichkeit signifikant.
Quelle: CIS 2008. Berechnungen ZEW/Statistik Austria.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
157
5 Innovation auf Unternehmensebene
Tab. 27: Unterschiede zwischen KMU und Großunternehmen im Innovationsverhalten von Unternehmen mit technologischen
Innovationsaktivitäten in ausgewählten Ländern im Jahr 2008
Innovationsindikator
(Basis: Unternehmen mit technologischen
Innovationsaktivitäten)
Anteil Unternehmen mit Kooperationen
Anteil Unternehmen mit Inanspruchnahme
öffentlicher Förderung
Anteil der Unternehmen mit Inanspruchnahme
öffentlicher Förderung bei Kontrolle für F&EAktivität
Größenvariable
DE
FR
NL
NO
SE
FI
Abweichung von Unternehmen mit 250 u.m. Beschäftigten in %-Punkten
10-19
-21
-18
-18
-25
-12
-28
-36
20-49
-26
-22
-17
-24
-12
-23
-33
50-99
-22
-17
-15
-19
-14
-25
-30
100-249
-18
-20
-13
-10
-14
-11
-25
10-19
-18
-28
-5
-12
n.v.
n.v.
-26
20-49
-15
-26
-3
-9
n.v.
n.v.
-23
50-99
-14
-28
-4
-7
n.v.
n.v.
-21
100-249
/
-29
-3
(-4)
n.v.
n.v.
-19
10-19
/
-23
-3
(-7)
n.v.
n.v.
-19
20-49
/
-20
/
(-4)
n.v.
n.v.
-16
50-99
/
-23
-3
(-4)
n.v.
n.v.
-16
-16
100-249
Anteil der Innovationsausgaben insgesamt am
Umsatz
AT
/
-26
(-3)
/
n.v.
n.v.
10-19
+13
/
/
/
/
/
/
20-49
+5
/
/
/
/
/
/
50-99
/
/
/
/
/
/
/
100-249
/
/
/
/
/
/
/
Anm.: Abweichung
in %-Punkten bei Kontrolle für Branchenzugehörigkeit, Zugehörigkeit zu einer Unternehmensgruppe, regionaler Marktausrichtung und relativer Produktivität.
„/“: kein statistisch signifikanter Unterschied bei <5 % Fehlerwahrscheinlichkeit. Werte in Klammern: Unterschied zwischen 5 und <10 % Fehlerwahrscheinlichkeit signifikant.
Quelle: CIS 2008. Berechnungen ZEW/Statistik Austria.
Tab. 28: Unterschiede zwischen KMU und Großunternehmen im Innovationserfolg mit Produktinnovationen
in ausgewählten Ländern im Jahr 2008
Innovationsindikator
(Basis: Unternehmen mit Produktinnovationen)
Anteil der Unternehmen, die Marktneuheiten
eingeführt haben
Größen-variable
Umsatzanteil mit Marktneuheiten (nur Unternehmen mit Marktneuheiten)
DE
FR
10-19
(-9)
-13
20-49
(-9)
(-7)
-9
50-99
-16
-15
-8
100-249
Umsatzanteil mit neuen Produkten
AT
NL
NO
SE
FI
Abweichung von Unternehmen mit 250 u.m. Beschäftigten in %-Punkten
-9
/
/
-8
-13
/
/
-13
/
-10
/
-8
-21
/
-14
-11
(-5)
/
(-9)
-13
10-19
+10
+9
+10
+11
+8
+7
+6
20-49
/
+7
+7
+4
+6
+5
/
50-99
/
+5
/
+4
/
/
/
100-249
/
(+3)
+3
+3
/
/
/
10-19
+11
+9
+9
+10
+9
+8
+7
20-49
+6
+8
+7
+5
+7
+8
(+4)
50-99
/
+4
/
+4
/
+4
+6
100-249
/
/
+4
+3
/
+3
/
Anm.: A
bweichung in %-Punkten bei Kontrolle für Branchenzugehörigkeit, Zugehörigkeit zu einer Unternehmensgruppe, regionaler Marktausrichtung und relativer
­Produktivität.
„/“: kein statistisch signifikanter Unterschied bei <5 % Fehlerwahrscheinlichkeit. Werte in Klammern: Unterschied zwischen 5 und <10 % Fehlerwahrscheinlichkeit signifikant.
Quelle: CIS 2008. Berechnungen ZEW/Statistik Austria.
158
Forschungs- und Technologiebericht 2013
5 Innovation auf Unternehmensebene
Zusammengefasst unterstreichen die Ergebnisse
die Bedeutung eines breitenwirksamen Innovationsfördersystems für die Verringerung des Abstands zwischen KMU und Großunternehmen in
der Innovationsleistung. In Österreich konnten
dabei vor allem die mittleren Unternehmen an
die Großunternehmen „herangeführt“ werden.
Dies ist angesichts der Unternehmensstruktur in
Österreich mit dem im internationalen Vergleich
eher geringen Anteil von Großunternehmen
wichtig, um eine weitere Verbesserung der Innovationsleistung der österreichischen Wirtschaft
zu erreichen. Denn um den Aufstieg zu den Innovation Leaders zu schaffen, muss gerade auch der
KMU-Sektor wichtige Beiträge leisten. Deshalb
sollte auch der Weg einer breit angelegten Innovationsförderung fortgesetzt werden.
Resümee
Die Analyse der Europäischen Innovationserhebung zeigt, dass Österreich im europäischen Vergleich eine gute (bis sehr gute) Position einnimmt. Der Anteil innovierender Unternehmen
liegt in Österreich deutlich über dem Schnitt der
EU-27 und die Innovatorenquote ist durchgängig
in allen Branchen hoch. Gleichzeitig lässt sich
aus der Struktur der Innovationsausgaben mit
dem hohen Gewicht der F&E-Ausgaben auf ein
„reifes“, modernes Innovationssystem schließen, dessen Unternehmen laufend neues Wissen
generieren und am Markt in Form von neuen
Produkten bzw. Dienstleistungen platzieren. Dabei sind Österreichs Unternehmen gut mit ihren
Zulieferern und Kunden, aber auch mit Universitäten bzw. Hochschulen in Innovationsnetzwerke eingebunden. Die österreichische Wirtschaftspolitik hat bereits seit langem den hohen Stellenwert von unternehmerischen Innovationen anerkannt und fördert das unternehmerische Innovationsverhalten mit entsprechenden Instrumenten. Dabei hat Österreichs Fördersystem eine
hervorragende Reichweite, d.h. Innovation wird
„flächig“ adressiert, der Anteil der Unternehmen, die in den Genuss von innovationsspezifischen Fördermaßnahmen kommen, zählt zu den
höchsten innerhalb der EU. Diese Breitenwirkung der Förderung trägt wesentlich dazu bei,
dass die Unterschiede zwischen KMU und Großunternehmen im Innovationsverhalten in Österreich geringer als in den meisten anderen hoch
entwickelten europäischen Industrieländern
sind.
5.3
Schnell wachsende junge Unternehmen
In der wissenschaftlichen und auch in der politischen Diskussion wird der Gründungsdynamik
im Unternehmenssektor einer Volkswirtschaft
hohe Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit,
für die Innovationstätigkeit, für den Strukturwandel und für die Generierung von Beschäftigung zugeschrieben. Hierbei wird häufig auf die
sogenannten innovativen Gründungen abgestellt, und von diesen insbesondere auf die
schnell wachsenden Jungunternehmen, denen
eine wesentliche Rolle für den Strukturwandel
und die Generierung von Beschäftigung zugeschrieben wird. Mit der Bedeutung schnell wachsender kleiner und junger Unternehmen für die
Beschäftigungsentwicklung hat sich als einer der
ersten D.L. Birch auseinandergesetzt,175 von ihm
wurde auch der Begriff „Gazellen“176 für Unternehmen mit hohen Wachstumsraten eingeführt.
In jüngerer Zeit allerdings, wie beispielsweise
von Shane (2008), wird angezweifelt, dass sich
durch die Stimulierung des Gründungsgeschehens insgesamt die Anzahl schnell und nachhaltig wachsender Unternehmen erhöhen lässt. Er
plädiert vielmehr für eine Konzentration auf wenige neu aufkommende Branchen.
Gleichwohl wird die EU-Kommission dem
Thema „schnell wachsende Unternehmen“ eine
verstärkte Aufmerksamkeit widmen. So soll ab
175Siehe Birch (1979), Birch, Medoff (1994), Birch et al. (1995).
176Birch definierte als Unternehmen mit schnellem Wachstum solche, die über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren ein jährliches
Umsatzwachstum von mindestens 20 Prozent aufweisen.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
159
5 Innovation auf Unternehmensebene
2013 ein neuer Headline Indikator zur Messung
der Fortschritte im Rahmen von „Europe 2020“
den Anteil der schnell wachsenden jungen Unternehmen in den Ländern der Europäischen
Union ausweisen. Zusammen mit Indikatoren
zur Arbeitsproduktivität, zum Patentverhalten
der Unternehmen, zur Beschäftigung in wissensintensiven Bereichen und zum Beitrag des
Handels mit innovationsbezogenen Gütern zur
gesamten Handelsbilanz, soll der neue Indikator
ein Bild der Entwicklungen im Unternehmenssektor zeichnen.
Es hat sich gezeigt, dass sich Wachstum (aber
auch Innovationsverhalten) von jungen Unternehmen auch innerhalb von Branchengruppen
erheblich unterscheiden kann. Eine Klassifizierung auf der Ebene der Branchen, orientiert an
den jeweiligen Durchschnittswerten, birgt somit
gewisse Risiken der Fehlinterpretation. Differenzierende Analysen auch innerhalb von Sektoren
und Branchengruppengrenzen sind sinnvoll.
Über die Unterschiede hinsichtlich des Wachstums ist gegenwärtig noch wenig bekannt, hinsichtlich des Innovationsverhaltens zeigen Untersuchungen, dass auch in Branchen der Spitzentechnik nur 15 bis 20 % der Unternehmen
tatsächlich sehr hohe F&E-Intensitäten aufweisen. Auch in im Durchschnitt weniger innovativen Branchen finden sich Unternehmen mit hohem Wachstum und auch sehr hohen F&E-Intensitäten.
Für den Wachstumspfad, den junge Unternehmen tatsächlich einschlagen, sind neben ihrem
Engagement hinsichtlich der Innovationsaktivitäten noch zahlreiche andere Faktoren und Umstände verantwortlich. Hierfür können beispielhaft genannt werden:
• Die strategische Ausrichtung der jungen Unternehmen im Hinblick auf das Thema
„Wachstum“: Viele Gründer, auch solche von
Hochtechnologieunternehmen, suchen häufig
nicht die maximal mögliche Expansion ihres
Unternehmens. Sie gründen vielmehr mit einer bestimmten Geschäftsidee und wollen
selbstbestimmt arbeiten. Eine schnelle Expansion ihres Unternehmens, womöglich in Zu160
sammenhang mit einer Gewährung von Einflussmöglichkeiten an externe Finanziers,
würde ihr Gründungskonzept konterkarieren.
• Die Markt- und Wettbewerbsbedingungen auf
dem Absatzmarkt: Nicht alle Märkte bieten
die Möglichkeiten für eine schnelle und starke
Expansion junger Unternehmen. Hierfür sind
neben der Nachfrageintensität auch die
Schutzmöglichkeiten der eigenen Leistungen
vor Imitation oder Abwandlung (beispielsweise durch Patentschutz) ausschlaggebend. Genauso spielt die regionale Größe eines ökonomisch einheitlichen Heimatmarktes eine
wichtige Rolle. Trotz des europäischen Binnenmarktes sind diesbezüglich noch erhebliche Unterschiede für in Europa ansässige Unternehmen im Vergleich zu solchen auf dem
US-amerikanischen Markt zu verzeichnen.
• Die „individuellen“ Bedingungen der jungen
Unternehmen: Die unternehmerischen, technologischen und kaufmännischen Fähigkeiten
im Gründungsteam eines Unternehmens
müssen ausreichen, um starkes Wachstum –
auch strukturell – managen zu können. Da genügend qualifizierte MitarbeiterInnen akquiriert werden müssen, um einen Wachstumsprozess zu realisieren, muss die Personalpolitik entsprechend ausgerichtet sein. Eine häufig kaum zu überspringende Hürde stellt sich
hinsichtlich der Finanzierung eines Wachstumsprozesses, insbesondere dann, wenn es
erst zu sehr zeitverzögerten Rückflüssen aus
Investitionsaufwendungen kommt.
Diese Überlegungen verdeutlichen, dass die Ursachen für das Wachsen – und insbesondere auch
für das Nicht-Wachsen – von jungen Unternehmen sehr divergent und vielfältig sein können.
Inwieweit sie durch politische Maßnahmen oder
staatlich-administrative Interventionen adressiert werden können, ist völlig offen. Gerade deshalb ist es von besonderem Interesse, inwieweit
sich die Tendenz als junges Unternehmen einen
Wachstumskurs zu steuern, schon in der ersten
Phase am Markt zeigt und von welcher Persistenz sie ist. Ebenso von Interesse ist es, inwieForschungs- und Technologiebericht 2013
5 Innovation auf Unternehmensebene
weit sich Unterschiede hinsichtlich einer frühen
Wachstumsorientierung zwischen jungen Unternehmen zeigen, die Branchengruppen mit unterschiedlicher Technologieorientierung oder Wissensintensität zuzurechnen sind. Genau diesen
Fragen wird im Folgenden nachgegangen.
5.3.1Beschäftigungsentwicklung junger
Unternehmen in Österreich
Datenbasis für die Untersuchung bilden die Daten der Kreditauskunftei Creditreform. Seit 1996
übermittelt Creditreform dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mit Sitz
in Mannheim zweimal jährlich einen Komplettabzug seiner umfangreichen Datenbank mit Informationen zu wirtschaftsaktiven Unternehmen mit Sitz in Österreich (darunter auch Informationen zu bereits geschlossenen Unternehmen) für wissenschaftliche Zwecke. Die Informationen zu den Unternehmen werden in der
Regel mehrfach recherchiert und in der Datenbank jeweils aktualisiert. Informationen über die
Schließung von Unternehmen, sei es im Rahmen
von Insolvenzverfahren oder auch durch sogenannte freiwillige Schließungen, werden in der
Datenbank erfasst. Ebenfalls ermittelbar sind Fusionen oder Unternehmensübernahmen. Gegenwärtig liegen in dem hier verwendeten Datenbestand Angaben zu knapp 700.000 Unternehmen
mit Sitz in Österreich vor, rund 350.000 sind als
gegenwärtig sicher am Markt aktiv (nicht geschlossen) anzusehen. Es ist davon auszugehen,
dass die hier verwendete Datenbasis gewisse Untererfassungen von Einzelunternehmen und Freiberuflern aufweist, über deren Umfang gegenwärtig noch keine vollständige Klarheit besteht.
Aus diesem Grund werden Auswertungen basierend auf den Creditreformdaten mit analogen Berechnungen auf Basis von Daten der Arbeitsmarktdatenbank (AMDB) des Arbeitsmarktservice Österreich (AMS) gespiegelt, um die Tendenz der Aussagen abzusichern.
Kann aus der Beschäftigungsentwicklung von
Gründungen in jungen Jahren (zumindest tendenziell) auf die spätere BeschäftigungsentwickForschungs- und Technologiebericht 2013
lung geschlossen werden? Das ist im Kern die
Frage, der in den folgenden Betrachtungen nachgegangen wird. Dazu wird die Beschäftigtenentwicklung der österreichischen Gründungen der
Gründungsjahrgänge 2002 und 2003 in den Jahren 2007 und 2011 betrachtet und analysiert, inwieweit sich systematische Zusammenhänge
zwischen der Beschäftigungsentwicklung in den
ersten vier bis fünf Lebensjahren und der weiteren vier Lebensjahre der jungen Unternehmen
identifizieren lassen.
5.3.2 Gründungen aller Branchen
Zunächst werden alle österreichischen Gründungen der Jahrgänge 2002 und 2003 in die Untersuchung einbezogen, unabhängig davon, welchen Branchen sie zuzurechnen sind. Die überlebenden Unternehmen der beiden genannten
Gründungskohorten haben im Jahr 2007 auf Basis der Creditreformdaten im Durchschnitt 5,8
Beschäftigte (vgl. Tab. 29). Dabei werden sowohl
die sozialversicherungspflichtigen als auch die
sonstigen Beschäftigten mitgezählt. Die Zählung
erfolgt nach „Köpfen“, nicht in Vollzeitäquivalenten. Wird das Mannheimer Unternehmenspanel (MUP) des ZEW zugrundgelegt – das auf
Creditreformdaten zu Unternehmen mit Standort in Deutschland basiert – dann zeigt sich, dass
die deutschen Unternehmen der Gründungsjahrgänge 2002 und 2003 mit 4,6 Beschäftigten im
Jahr 2007 im Durchschnitt etwas kleiner sind als
die Gründungen Österreichs (vgl. Tab. 29).
Um abschätzen zu können, inwieweit „frühes“ Beschäftigungswachstum sich auf „späteres“ Beschäftigungswachstum niederschlägt,
wird die Population der österreichischen Unternehmen, die in den Jahren 2002 und 2003 gegründet wurden, anhand unterschiedlicher Kriterien
(Beschäftigungsschwellen) jeweils in zwei Gruppen aufgeteilt. Durch die Wahl dieser Schwellen
soll eine schrittweise Annäherung an „schnell
wachsende“ Gründungen erfolgen. Betrachtet
wird dann jeweils die weitere Beschäftigtenentwicklung der so separierten Gruppen bis zum
Jahr 2011.
161
5 Innovation auf Unternehmensebene
Zunächst werden die Gründungen danach aufgeteilt, ob sie 2007 einen überdurchschnittlichen
Beschäftigtenstand aufwiesen oder ob sie nur
über eine mindestens durchschnittliche Anzahl
von Beschäftigten verfügten (>5,8 versus ≤5,8).
Die Verteilung der 2002er und 2003er Gründungen über die Beschäftigtenzahlen 2007 ist deutlich rechtsschief. So fallen nur 10,4 % der Gründungen in die Gruppe derer mit überdurchschnittlicher Beschäftigtenzahl in 2007 (17,8 %
in Deutschland), entsprechend 89,6 % der Gründungen haben höchstens eine durchschnittliche
Beschäftigung. Die weitere Entwicklung der Beschäftigung in den Unternehmen ist nicht unabhängig davon, welcher dieser beiden Gruppen die
Unternehmen zuzurechnen sind. So weisen die
Unternehmen mit überdurchschnittlicher MitarbeiterInnenzahl 2007 im Jahr 2011 in Durchschnitt 12,7 Beschäftigte auf, die Gruppe mit der
höchsten durchschnittlichen Beschäftigtenzahl
2007 hat 2011 dagegen durchschnittlich nur drei
MitarbeiterInnen (siehe Tab. 29). Gründungen
der beiden betrachteten Gründungsjahrgänge, die
zwischen 2007 und 2011 aus dem Markt ausscheiden, werden 2011 mit der MitarbeiterInnenzahl von Null berücksichtigt. Die aus dem MUP
für deutsche Gründungen der Jahre 2002 und
2003 analog errechneten durchschnittlichen Beschäftigtenzahlen für 2011, separiert nach dem
gleichen Kriterium (2007 über- bzw. höchstens
durchschnittliche MitarbeiterInnenzahl) deuten
zum einen in die gleiche Richtung und sind zum
anderen den Werten für österreichische Gründungen sehr ähnlich (siehe Tab. 29)177.
Die Gruppe der Gründungen mit „hohem“ Beschäftigungswachstum wird in einem zweiten
Schritt weiter eingegrenzt. Nicht die Durchschnittsbeschäftigtenzahl dient hier als die Gruppen trennende Beschäftigungsschwelle, sondern
die MitarbeiterInnenzahl von 10 im Jahr 2007
(>10 versus ≤10). Nur 4,5 % der österreichischen
Gründungen der Jahre 2002 und 2003 weisen
mehr als 10 MitarbeiterInnen im Jahr 2007 auf
(5,3 % der deutschen Gründungen der beiden
Jahre). Diese Gruppe der Unternehmen hat im
Jahr 2011 im Durchschnitt deutlich mehr Beschäftigte (18,8) als die Unternehmen, die 2007
höchstens 10 Personen beschäftigten (4,2). Tab.
29 zeigt, dass auch für diese Beschäftigungsschwelle die Auswertungen für deutsche Unternehmen die gleiche Tendenz und ähnliche durchschnittliche Beschäftigungszahlen ergeben.
Tab. 29: Durchschnittlicher Beschäftigtenstand aller Gründungen der Jahre 2002/2003 in 2011
nach unterschiedlichen Beschäftigtenschwellen 2007
Gründungskohorten 2002 und 2003
Beschäftigtendurchschnitt 2007
Creditreformdaten Österreich
5,8
AMDB
3,4
MUP-Deutschland
4,6
2007 überdurchschnittlich
12,7
9,7
11,0
2007 höchstens durchschnittlich
3,0
1,9
3,0
2007 mehr als 10
18,8
19,4
19,2
2007 höchstens 10
4,2
3,0
4,2
2007 mehr als 20
35,5
31,1
33,3
2007 höchstens 20
5,9
3,8
5,2
Beschäftigtendurchschnitt 2011
Beschäftigtendurchschnitt 2011
Beschäftigtendurchschnitt 2011
Quellen: Creditreformdaten Österreich, Mannheimer Unternehmenspanel – Berechnungen des ZEW. Arbeitsmarktdatenbank (AMDB) des AMS –
Berechnungen von JOANNEUM RESEARCH.
177Die Kerndichtefunktionen der Verteilungen der Beschäftigung im Jahr 2011 in den jeweils durch die unterschiedlichen Beschäftigungsschwellen definierten Gruppen zeigen, dass die in Tab. 29 dargelegten Unterschiede der Durchschnittswerte der jeweiligen Gruppen
nicht auf wenige „Ausreißer“ zurückgehen, sondern auch in den Verteilungsfunktionen ihren Niederschlag finden.
162
Forschungs- und Technologiebericht 2013
5 Innovation auf Unternehmensebene
In einem dritten Schritt wird ein noch strengeres Kriterium als Beschäftigungsschwelle angewendet. Die Unternehmen werden danach differenziert, ob sie 2007 mehr als 20 oder mindestens
20 MitarbeiterInnen aufwiesen (>20 versus ≤20).
Die Unternehmen in der so definierten Gruppe
mit „hohem“ Beschäftigungswachstum haben in
den ersten vier bis fünf Lebensjahren einen MitarbeiterInnenstand von über 20 erreicht. Eine
Entwicklung, die man durchaus mit dem Begriff
„schnell wachsend“ belegen kann. Dieses Kriterium erfüllen allerdings nur sehr wenige Gründungen der Kohorten 2002 und 2003. Nur 0,7 %
von ihnen haben im Jahr 2007 mehr als 20 Beschäftigte (1,1 % der deutschen Gründungen dieser Kohorten). Die weitere Entwicklung, die diese Unternehmen bis zum Jahr 2011 nahmen, ist
beachtlich. Im Durchschnitt hatten sie 2011 35,5
Beschäftigte, die Gründungen mit höchstens 20
MitarbeiterInnen in 2007 wiesen dagegen nur
durchschnittlich 5,9 MitarbeiterInnen auf (vgl.
Tab. 29). Auch für diese Beschäftigtenschwelle
zeigen die analogen Berechnungen für Deutschland sehr ähnliche Werte.
Vergleichbare Auswertungen aus der Arbeitsmarktdatenbank des Arbeitsmarktservice Österreich ergeben qualitativ die gleichen Ergebnisse
(vgl. Tab. 29, mittlere Spalte). Hier werden nur
die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten
berücksichtigt, auch ist die Erhebungseinheit
hier eine einzelne Betriebsstätte und nicht, wie
in den Creditreformdaten für Österreich und im
MUP, ein Unternehmen. Aus diesem Grund
kann es nicht verwundern, dass die konkret errechneten Werte von den Werten auf Basis der
Creditreformdaten abweichen. Die Tendenz der
Ergebnisse und auch in etwa die Relationen der
Unterschiede hinsichtlich der MitarbeiterInnenzahlen in 2011 für Gruppen, definiert nach unterschiedlichen Beschäftigungsschwellen in 2007,
werden deutlich bestätigt.
Für die Gründungen insgesamt kann resümiert werden, dass Gründungen, die nach den
ersten Lebensjahren eine „hohe“ Beschäftigtenzahl erreichen, auch in der nächsten Lebensphase der Unternehmen mit erheblich größerer
Forschungs- und Technologiebericht 2013
Wahrscheinlichkeit deutlich an Beschäftigung
zulegen als solche, die zunächst klein bleiben.
Der überwiegende Anteil der nach einigen Jahren
noch „kleinen“ Unternehmen bleibt auch weiterhin klein.
5.3.3 Gründungen der wissensintensiven Branchen
Unter dem Gesichtspunkt des Wachstumspotenzials wird häufig den Gründungen aus den Branchen der forschungs- und wissensintensiven
Branchen aus der Sachgüterproduktion und dem
Dienstleistungsbereich besondere Bedeutung zugemessen. Um zu einer Einschätzung zu gelangen, ob das Einschlagen eines „frühen Wachstumspfades“ für Gründungen dieser Branchen
ebenfalls – oder gar ausgeprägter als im Durchschnitt aller Gründungen – einen Zusammenhang zur Entwicklung späterer Beschäftigtenzahlen zulässt, wird die Betrachtung nun auf die
Gründungen der forschungs- und wissensintensiven Branchen der Jahre 2002 und 2003 sowie auf
den Verlauf ihrer MitarbeiterInnenzahlen beschränkt.
Das hierfür gewählte Vorgehen entspricht
dem, das im vorstehenden Abschnitt für die Analyse der Beschäftigtenentwicklung für die Gründungen aller Branchen vorgenommen wurde –
einschließlich des Vergleichs mit analogen Auswertungen für die Gründungen in den forschungs- und wissensintensiven Branchen in
Deutschland.
Die 2002er und 2003er Gründungen in den forschungs- und wissensintensiven Branchen Österreichs weisen mit 6,8 MitarbeiterInnen nach vier
bzw. fünf Jahren im Durchschnitt einen Beschäftigten mehr auf, als dies für den Durchschnitt
aller Gründungen der Fall ist (vgl. Tab. 29). Die
Anteile der Unternehmen der forschungs- und
wissensintensiven Branchen der Gründungsjahrgänge 2002 und 2003, die 2007 die drei gewählten
Beschäftigungsschwellen übertrafen, unterscheiden sich nicht nennenswert von den Anteilen bei
Betrachtung aller Gründungen dieser Jahrgänge.
Diesbezüglich zeigt sich keine stärkere „Wachstumsorientierung“ der Gründungen dieser avan163
5 Innovation auf Unternehmensebene
cierten Wirtschaftszweige. So wiesen 2007
11,1 % der Gründungen der forschungs- und wissensintensiven Branchen Österreichs der betrachteten Gründungskohorten einen für diese
Branchengruppen überdurchschnittlichen Beschäftigungsstand auf (gegenüber 10,4 % bei allen Gründungen), 6,2 % der Gründungen der
avancierten Branchen hatten mehr als zehn MitarbeiterInnen (gegenüber 5,9 % bei allen Gründungen) und mehr als 20 Beschäftigte hatte ein
Anteil von 1,5 % der jungen Unternehmen dieser
Branchen (gegenüber 0,7 % bei allen Gründungen). Die deutschen Gründungen der Jahre 2002
und 2003 in den forschungs- und wissensintensiven Branchen sind 2007 mit 4,8 MitarbeiterInnen im Durchschnitt deutlich kleiner als die Österreichs (vgl. Tab. 30). Die Anteile von Unternehmen mit mehr als 10 und mit mehr als 20
Beschäftigten im Jahr 2007 unterscheiden sich
mit 6,4 % und 1,5 % kaum von den österreichischen Werten (auf einen Vergleich der Anteile
von Gründungen mit überdurchschnittlichen
MitarbeiterInnenzahlen wird wegen der unterschiedlichen Durchschnittwerte verzichtet).
Anders als in Deutschland, wo sich die nach
den unterschiedlichen Beschäftigungsschwellen
separierten durchschnittlichen Beschäftigungswerte der Gründungen der forschungs- und wissensintensiven Branchen für das Jahr 2011 kaum
von denen im Durchschnitt aller Branchen un-
terscheiden, sind in Österreich hier deutliche
Unterschiede zwischen den Gründungen der
avancierten Branchen und allen Gründungen zu
verzeichnen (vgl. Tab. 30). Die durchschnittlichen Beschäftigtenzahlen des Jahres 2011 der jeweiligen Gruppen mit über den 2007er-Beschäftigtenschwellen liegender Mitarbeiterzahl sind
erheblich höher, als dies bei Betrachtung aller
Gründungen der Fall ist. So wachsen österreichische Gründungen der forschungs- und wissensintensiven Branchen der Jahre 2002 und 2003 im
Durchschnitt auf 20,3 MitarbeiterInnen im Jahr
2011, wenn sie 2007 eine überdurchschnittliche
Beschäftigung zu verzeichnen hatten (gegenüber
12,7 MitarbeiterInnen bei allen Gründungen).
Hatten die jungen Unternehmen der hier betrachteten Branchen 2007 mehr als 10 MitarbeiterInnen, dann stieg die Durchschnittsbeschäftigung 2011 auf 27,5 Personen (gegenüber 18,8 bei
allen Branchen), und hatten sie mehr als 20 Beschäftigte, erreichten sie 2011 im Durchschnitt
einen MitarbeiterInnenstand von immerhin 64,9
(gegenüber 35,5 bei allen Gründungen). In den
forschungs- und wissensintensiven Branchen aus
dem Industrie- und Dienstleistungssektor weisen die jungen österreichischen Unternehmen,
die schon zu Beginn ihrer Marktaktivitäten auf
einen Wachstumskurs setzen auch im weiteren
Verlauf ihrer Geschäftstätigkeiten eine deutliche
Wachstumsorientierung auf. Für die Unterneh-
Tab. 30: Durchschnittlicher Beschäftigtenstand der Gründungen in den forschungs- und wissensintensiven Branchen
der Jahre 2002 und 2003 in 2011 nach unterschiedlichen Beschäftigtenschwellen 2007
Gründungskohorten 2002 und 2003
Beschäftigtendurchschnitt 2007
Creditreformdaten Österreich
6,8
MUP-Deutschland
4,8
2007 überdurchschnittlich
20,3
11,3
2007 höchstens durchschnittlich
3,5
3,1
2007 mehr als 10
27,5
19,3
2007 höchstens 10
4,4
4,4
2007 mehr als 20
64,9
30,4
2007 höchstens 20
6,3
5,6
Beschäftigtendurchschnitt 2011
Beschäftigtendurchschnitt 2011
Beschäftigtendurchschnitt 2011
Quelle: Creditreformdaten Österreich, Mannheimer Unternehmenspanel – Berechnungen des ZEW.
164
Forschungs- und Technologiebericht 2013
5 Innovation auf Unternehmensebene
men, die nicht über den jeweiligen Beschäftigungsschwellen liegen, zeigen sich kaum Unterschiede zur Betrachtung aller Gründungen. Dies
legt nahe, dass es auf die Wachstumsorientierung
der Unternehmen, ob sie auch auf mittlere Sicht
wachsen, und nicht auf ihre Branchenzugehörigkeit ankommt.178
Resümee
Die hier dargelegten Befunde legen nahe, dass
junge Unternehmen, die schon in einer sehr frühen Phase ihrer Marktaktivitäten einen vergleichsweise hohen Beschäftigtenstand aufbauen, auch im weiteren Verlauf ihrer Geschäftsaktivitäten – zumindest im Durchschnitt – deutlich
überdurchschnittliche Beschäftigtenzahlen aufweisen werden. Die „Weiche“ in einen „Wachstumspfad“ stellt sich somit sehr früh. Deutlich
wird ebenfalls, dass es nur ein geringer Anteil der
jungen Unternehmen ist, der tatsächlich auf einen Wachstumspfad, der dann auch zu nennenswerter Beschäftigung führt, einschwenkt. Beides
gilt auch für Gründungen in den sogenannten
forschungs- und wissensintensiven Branchen
(auch „innovative Branchen“ genannt). Die Tatsache, dass Unternehmen ihr Aktivitätsfeld so
wählen, dass sie diesen Branchen zuzurechnen
sind, lässt allein noch keine Rückschlüsse auf ihr
tatsächliches Beschäftigungswachstum zu. Auch
in diesen Branchen sind es nur sehr wenige Unternehmen, die nennenswerte Beschäftigungszunahmen zu verzeichnen haben. Ein hoher Beschäftigtenstand nach wenigen Jahren geht in
den forschungs- und wissensintensiven Branchen
mit im Durchschnitt noch höherem Beschäfti-
gungswachstum in der weiteren Geschäftsphase
der Unternehmen einher, als dies schon bei Betrachtung der Gründungen aller Branchen der
Fall ist.
Frühes Wachstum ist somit ein guter Indikator dafür, dass junge Unternehmen das Potenzial
zu weiterem Wachstum aufweisen und kann als
Anhaltspunkt für Investoren oder Fördermaßnahmen gelten. Es stellt sich allerdings die Frage,
ob das Fehlen von frühem Beschäftigtenaufbau
signalisiert, dass kein Wachstumspotenzial besteht.
Davon kann keinesfalls ausgegangen werden.
Es kann viele Ursachen geben, dass Gründungen
in den ersten Jahren ihres Bestehens keine große
Zahl von MitarbeiterInnen einstellen. Ein ganz
wichtiger Grund dafür ist, dass die meisten
GründerInnen gar kein Wachstum ihres Unternehmens anstreben. Sie wollen eine bestimmte
Geschäftsidee realisieren und möglichst unabhängig arbeiten.179 Diese GründerInnen wären
auch durch Investmentangebote oder Förderofferten nicht zu einer expansiveren Strategie zu
bewegen. Darüber hinaus ist allerdings davon
auszugehen, dass Finanzierungsengpässe, zu lange Entwicklungszeiten bis zur Marktreife von
Produkten und auch fehlende Qualifikation der
GründerInnen für eine Reihe von jungen Unternehmen restringierend wirken und Wachstum
verhindern. Wenn eine Identifizierung solcher
Unternehmen gelingt – die unternehmensindividuell und unabhängig von der Branchenkategorie
erfolgen muss – dann kann frühzeitiges Engagement helfen die „Weiche“ in Richtung Wachstum zu stellen.
178Die Betrachtung der Verteilungen der Beschäftigtenstände im Jahr 2011, separiert nach den drei hier verwendeten Beschäftigungsschwellen für die MitarbeiterInnenzahlen des Jahres 2007 für Gründungen in den avancierten Branchen, unterstützen den Eindruck
aus der Betrachtung der Durchschnittswerte.
179Vgl. Egeln et al. (2012).
Forschungs- und Technologiebericht 2013
165
6 Evaluierungen
6Evaluierungen
Evaluierungen sind heute sowohl in rechtlicher
Hinsicht als auch in der täglichen Praxis ein unabdingbarer Bestandteil im Prozess der Einführung und Implementierung von forschungs- und
technologiepolitischen Fördermaßnahmen. In
Österreich ist hierfür eine Reihe von Rechtsgrundlagen maßgeblich: das Forschungs- und
Technologieförderungsgesetz (FTF-G), das Gesetz zur Errichtung der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft 2004 (FFG-G), das
Forschungsorganisationsgesetz (FOG; Berichtswesen: §§ 6-9) sowie die auf diesen Gesetzen basierenden Richtlinien zur Forschungsförderung180
und zur Förderung der wirtschaftlich-technischen Forschung und Technologieentwicklung,
die sogenannten FTE-Richtlinien.181 Insbesondere das FTF-G (§ 15 Abs. 2) normiert auf gesetzlicher Ebene die Evaluierungsgrundsätze als Mindesterfordernisse für die Richtlinien. Dabei sehen die Richtlinien vor, dass „für alle auf den
FTE-Richtlinien basierenden Förderungsprogrammen und -maßnahmen ein schriftliches
Evaluierungskonzept zu erstellen ist, das den
Zweck, die Ziele und die Verfahren sowie die
Termine zur Überprüfung der Erreichung der
Förderungsziele enthält und geeignete Indikatoren definiert“.182
Nicht zuletzt aufgrund dieser rechtlichen
Grundlage werden heute in beinahe allen Forschungs- und Technologieprogrammen Evaluierungen im Zuge der Programmplanung (ex-ante
Evaluierungen), der Programmdurchführung
(Monitoring und Interimsevaluierung) sowie zu
Programmende (ex-post Evaluierungen) angewandt bzw. für die strategische Weiterentwicklung des österreichischen Forschungsförderportfolios durchwegs als essentiell und richtungsweisend angesehen.
Um daher regelmäßig einen Überblick über die
Evaluierungstätigkeiten der österreichischen Forschungsförderprogramme zu geben, werden seit
dem Jahr 2009 Ergebnisse rezenter Evaluierungen
im Forschungs- und Technologiebericht kurz vorgestellt. Für die Darstellung von Evaluierungen
gelten dabei folgende Auswahlkriterien:
• Die Evaluierung weist vornehmlich eine bundespolitische Relevanz auf.
• Ein approbierter Bericht der Evaluierung ist
verfügbar.
• Der Evaluationsbericht muss öffentlich zugänglich sein, das bedeutet, der Bericht ist auf
der Homepage der Plattform Forschungs- und
Technologieevaluierung183 veröffentlicht.
Im Folgenden werden daher Ergebnisse einiger
seitens der Bundesressorts in Auftrag gegebenen
Evaluierungen kurz dargestellt: die Evaluierung
der FWF Programme Elise Richter und Hertha
Firnberg (im Auftrag des BMWF), die Zwischenevaluierung der Dienstleistungsinitiative (im Auftrag des BMWFJ), die Evaluierung der Strategieprogramme IV2S und IV2Splus (im Auftrag des
180Richtlinien der Bundesregierung über die Gewährung und Durchführung von Förderungen gemäß §§ 10–12 FOG, BGBl. Nr. 341/1981.
181
Richtlinien zur Förderung der wirtschaftlich-technischen Forschung und Technologieentwicklung (FTE-Richtlinien) gemäß §
11 Z 1 bis 5 des Forschungs- und Technologieförderungsgesetzes (FTFG) des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie vom 27.09.2006 (GZ 609.986/0013-III/I2/2006) und des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit vom 28.9.2006 (GZ
97.005/0012C1/9/2006).
182FTE-Richtlinien, Abschnitt 2.2., S. 4.
183www.fteval.at
166
Forschungs- und Technologiebericht 2012
6 Evaluierungen
BMVIT), die Interimsevaluation des österreichischen Sicherheitsforschungsprogramms KIRAS
(im Auftrag des BMVIT), sowie die Zwischenevaluierung der vom BMWF beauftragten Regionalen Kontaktstellen (im Auftrag des BMWF).
6.1Evaluierung der FWF Programme
Elise Richter und Hertha Firnberg
Ziel der Evaluierung
Der Schwerpunkt der Evaluierung der Programme Hertha Firnberg und Elise Richter liegt vor
allem auf der Frage, welche Wirkungen die Programme auf die geförderten Wissenschaftlerinnen haben, sowie darüber hinaus ob und in welcher Form diese Programme auch Veränderungen
an den universitären Einrichtungen bewirken.184
Programmziele und Eckdaten
Beide Förderprogramme, Hertha Firnberg und Elise Richter, sind die Frauenförderprogramme des
FWF und zielen speziell darauf ab, hoch qualifizierte Wissenschaftlerinnen in ihrer wissenschaftlichen Karriereentwicklung zu unterstützen. Die Zielgruppe des Hertha Firnberg-Programms sind hoch qualifizierte Universitätsabsolventinnen aller Fachdisziplinen, welche am
Beginn der wissenschaftlichen Laufbahn bzw.
beim Wiedereinstieg nach der Karenzzeit bestmöglich unterstützt werden sollen. Zu diesem
Zweck sollen die Stipendiatinnen auch in der internationalen Scientific Community etabliert
sein, sich an internationalen Forschungskooperationen beteiligen und im Anschluss an die Förderung an der Forschungsstätte angestellt sein. Das
Elise Richter-Programm richtet sich komplementär dazu explizit an jene qualifizierten Forscherinnen, die eine Universitätskarriere anstreben. Ziel
ist es, nach Abschluss der Förderung eine Qualifikationsstufe zu erreichen, die zur Bewerbung um
eine in- oder ausländische Professur befähigt.
Insgesamt wurden im Rahmen des Hertha
Firnberg-Programms seit der Einführung im Jahr
1999 145 Stipendiatinnen und im Rahmen des
Elise Richter-Programms seit der Einführung im
Jahr 2006 insgesamt 70 Stipendiatinnen unterstützt. Das Budget für beide Frauenförderprogramme beträgt in den letzten Jahren etwa sechs
Mio. € pro Jahr, womit in den Programmen Hertha Firnberg und Elise Richter jeweils etwa 12 bis
13 neue Forschungsstellen pro Jahr genehmigt
werden konnten. Die Bewilligungsquoten in den
beiden Programmen sind durchaus unterschiedlich hoch. So weist das Hertha Firnberg-Programm im Jahr 2010 eine Bewilligungsquote von
26% und das Elise Richter-Programm eine Bewilligungsquote von 38,5% auf. Als Begründung für
die höhere Bewilligungsquote bei Elise Richter
ist vor allem die bessere Qualität der Anträge, die
wiederum in der höheren Erfahrung der Wissenschaftlerinnen begründet ist, zu nennen. In der
gesamten Programmlaufzeit wurden bislang die
meisten Förderstellen im Rahmen des Hertha
Firnberg-Programms im Bereich Life Sciences
(38%) bewilligt, gefolgt von den Bereichen Naturwissenschaft/Technik (34%) und Geistes- und
Sozialwissenschaften (28%). Ein etwas anderes
Bild zeigt sich beim Elise Richter-Programm:
Hier wurden in der gesamten Laufzeit bislang die
meisten Förderstellen in den Geistes- und Sozialwissenschaften (41%) bewilligt, gefolgt von den
Bereichen Naturwissenschaft/Technik (30%)
und Life Sciences (29%).
Ergebnisse der Evaluierung
Die Zustimmung der befragten Stipendiatinnen
zu den beiden evaluierten Programmen ist sehr
hoch wie es sich z.B. an der Weiterempfehlungsrate ausdrückt: 94 % der Herta Firnberg (HF) Stelleninhaberinnen und 96 % der Elise Richter (ER)
Stelleninhaberinnen sowie MAS geben an, dass
sie die Antragstellung einer befreundeten Kollegin bzw. Nachwuchswissenschaftlerin empfehlen
184Siehe Pohn-Weidinger, Grasenick (2011).
Forschungs- und Technologiebericht 2013
167
6 Evaluierungen
würden. Die finanzielle Ausstattung wird insgesamt weitgehend als angemessen angesehen. Die
Zustimmungswerte („stimme zu“, „stimme eher
zu“) liegen bei den Stelleninhaberinnen bei über
80 %.
Die Programme unterscheiden sich von anderen Förderprogrammen durch eine Reihe spezifischer Maßnahmen. Hierzu zählt die Betreuung
durch MitantragstellerInnen (MAS) ebenso wie
jährlich stattfindende zweitägige CoachingWorkshops bzw. die Möglichkeit individuellen
Coachings. Die Befragung zeigt, dass diese Maßnahmen mehrheitlich als „sehr wichtig“ bzw.
„wichtig“ angesehen werden. Im HF Programm
ist die Unterstützung durch MAS für 91 % der
Befragten ein „sehr wichtiges“ bzw. „wichtiges“
Element des Programms. Etwa vier Fünftel (HF:
80 %, ER: 77 %) geben an, dass ihnen KarriereCoaching-Workshops „sehr wichtig“ bzw. „eher
wichtig“ sind. Dieser Befund wurde auch in den
Interviews bestätigt.
Darüber hinaus werden Maßnahmen zur Verbesserung der Integration in internationale Netzwerke als wichtig erachtet. So wünschen sich
vier Fünftel der Hertha Firnberg-Stipendiatinnen
und etwa 70% der Elise Richter-Stipendiatinnen
Maßnahmen in diesem Bereich – eine Forderung,
die sich implizit auch an die Universitäten selbst
richtet. Damit verbunden ist auch die Forderung,
die Integration der Wissenschaftlerinnen während der Förderlaufzeit an den Universitäten zu
erhöhen sowie die beiden Frauenförderprogramme Hertha Firnberg und Elise Richter verstärkt
in die karrierefördernden Maßnahmen an den
Universitäten zu verankern.
6.2Zwischenevaluierung der Dienst­
leistungsinitiative
Ziel der Evaluierung
Die Zwischenevaluierung der Dienstleistungsinitiative umfasst einen Förderzeitraum von Ende
2009 bis einschließlich Oktober 2012. Neben der
Darstellung der Förderkennzahlen war es vor allem Ziel, die Wirkung der Förderung von Innovationsprojekten mit Mitteln der Dienstleistungsinitiative auf die geförderten Unternehmen zu
analysieren. Es geht dabei um die Wirkungen auf
Ebene der Projekte und der Initiative, des Konzepts, der Prozesse und der Organisation der
Dienstleistungsinitiative.185
Programmziele und Eckdaten
Mit der Verabschiedung des Basisdokuments zur
Dienstleistungsinitiative wurde Ende 2009 vom
BMWFJ ein neuer Weg zur Förderung innovativer
Dienstleistungen eingeschlagen: Anstatt ein genuin neues Programm ins Leben zu rufen, wurden
existierende Forschungsförderprogramme der FFG
um den speziellen Fokus auf Dienstleistungen ergänzt und budgetär ausgeweitet. Parallel dazu
wurden Begleitforschungsstudien durchgeführt
sowie verschiedene Awareness-Aktivitäten (wie
z.B. Veranstaltungen, Beratung) gesetzt. Übergeordnetes Ziel der Dienstleistungsinitiative ist es,
durch die verstärkte Förderung von Dienstleistungsinnovationen die Produktivität, Wertschöpfung und Exporte von Dienstleistungsunternehmen sowie von jenen Unternehmen im produzierenden Sektoren, die sich mit produktbegleitenden Dienstleistungen beschäftigen, zu erhöhen
und somit auch positive Effekte auf Beschäftigung
und Wohlstand zu erzielen. Mitunter sollen insbesondere folgende Ziele erreicht werden:
• Erhöhung der Innovationskraft der österreichischen Dienstleistungswirtschaft,
• Generierung positiver wirtschaftlicher Effekte
(vor allem Umsätze und Arbeitsplätze),
• Bewusstseinserweiterung der potentiellen
(auch neuen) FFG-KundInnen bezüglich des
FFG-Förderangebots,
• Anregung und Generierung neuer Projekte,
mit denen die FFG bisher nicht in Verbindung
gebracht wurde,
185Siehe Warta, Good (2012).
168
Forschungs- und Technologiebericht 2012
6 Evaluierungen
• Erschließung neuer KundInnenschichten und
Steigerung des Anteils an FFG-NeukundInnen,
• Aufbau einer Wissensbasis über Dienstleistungsinnovationen in Österreich (u.a. durch
die Begleitforschung),
• Sichtbarmachung spezifischer Eigenschaften
von Dienstleistungsinnovationen, um deren
stärkere Berücksichtigung im FFG-Förderportfolio zu ermöglichen.
Ein besonderes Merkmal der Dienstleistungsinitiative ist, dass sie im Rahmen von zwei laufenden bottom-up Förderprogrammen der FFG implementiert wurde: zum einen im Rahmen der
antragsorientierten Projektförderung in den Basisprogrammen und zum anderen im Rahmen
der Programmlinie COIN „Kooperationen &
Netzwerke“ der Strukturprogramme. Insgesamt
wurden bislang einschließlich Ende November
2012 78 Projekte in den Basisprogrammen gefördert; von diesen wurden 14 Projekte verlängert.
Das Fördervolumen für die Dienstleistungsinitiative in den Basisprogrammen betrug 13,9 Mio.
€. Darüber hinaus fanden in der Programmschiene COIN Kooperation & Netzwerke drei Ausschreibungen mit dem Schwerpunkt Dienst­
leistungsinnovationen statt, mittels derer Projekte mit einem Fördervolumen von insgesamt
8,8 Mio. € gefördert wurden. Zusätzlich wurden
im Rahmen der Dienstleistungsinitiative zwei
Begleitstudien zur Dienstleistungslandschaft in
Österreich finanziert sowie zwei öffentliche Veranstaltungen organisiert.
Ergebnisse der Evaluierung
Zentrales Ergebnis ist, dass insbesondere bei Kooperation und Netzwerk-Projekten im Rahmen
von COIN die Projektförderung durch die Dienstleistungsinitiative mehrheitlich dafür ausschlaggebend war, dass die Projekte überhaupt zustande kamen; bei Dienstleistungsprojekten im Rah-
Forschungs- und Technologiebericht 2013
men der Basisförderung ist dies nur für jedes vierte Projekt zutreffend, wenn auch dank der Förderung die Projektvorhaben deutlich größer und
konzentrierter durchgeführt werden konnten, als
dies andernfalls möglich gewesen wäre. Auch
zeigen sich unterschiedliche Ergebnisse hinsichtlich des wirtschaftlichen Nutzens: Verteilen sich
in COIN Kooperation & Netzwerk-Projekten die
wirtschaftlichen Effekte auf die unterschiedlichen NetzwerkpartnerInnen, so kommt bei
Dienstleistungsprojekten im Basisprogramm der
wirtschaftliche Nutzen meist der Projektleiterin
bzw. dem Projektleiter zu. Eine Hebelwirkung
der Förderung konnte speziell bei Start-Ups
nachgewiesen werden; so wurden in der Programmlinie Kooperation & Netzwerke von
COIN immerhin 47 % der FördernehmerInnen
als NeukundInnen erfasst. Bemerkenswert ist,
dass die geförderten Dienstleistungsinnovationsprojekte (74 %) bislang eine deutliche sektorielle
Konzentration in den Bereichen Informationsdienstleistungen und -technologien aufweisen.
Als überaus positiv zu werten ist, dass es innerhalb der FFG gelungen ist, Dienstleistungen als
ein Querschnittsthema zu etablieren; das bedeutet, dass seit dem Jahr 2012 alle Projekte dahingehend qualifiziert werden, ob sie Dienstleistungen betreffen oder nicht. Damit geht auch einher,
dass die Erfahrungen mit der Implementierung
der Dienstleistungsinitiative in zwei Bereichen
der bottom-up Förderung der FFG durchwegs positiv sind. Angesichts dessen wird daher auch
empfohlen, die Dienstleistungsinitiative mit der
gewählten und gegebenen Struktur fortzusetzen.
Langfristig soll die Initiative schließlich so angelegt werden, dass sie sich durch ihren Erfolg
selbst erübrigt. Um dies zu erreichen, ist es essentiell, die Schnittstelle mit den Basisprogrammen aktiv und transparent zu gestalten, sowie
für die künftige Ausrichtung der Dienstleistungsinitiative das Zielgruppenverständnis und die
Awarenessmaßnahmen zu überdenken bzw. zu
überarbeiten.
169
6 Evaluierungen
6.3Evaluierung des European Space Policy
Institute (ESPI)
Ziel der Evaluierung
Ziel der Evaluierung186 war es den Auf- und Ausbau des European Space Policy Institute (ESPI)
seit seiner Gründung im Jahr 2003 (offizielle Eröffnung im Jahr 2005) in Wien nachzuzeichnen,
zu bewerten und entsprechende Schlussfolgerungen und Empfehlungen für die weitere Entwicklung abzuleiten.
Programmziele und Eckdaten
Ziel des ESPI ist es als Denkfabrik („Think
Tank“) zu fungieren, in der mittel- bis langfristige Themen der Raumfahrt analysiert und bearbeitet werden und mit den Ergebnissen die strategischen Entscheidungsprozesse für diesen Politikbereich in Europa zu unterstützen. Im Jahr
2002 hat sich der ESA-Rat dafür entschieden,
Wien als Standort eines neu zu gründenden Instituts im Bereich der Weltraumpolitik(forschung)
zu wählen. Die gründenden Organisationen umfassten dabei einerseits die ESA (European Space
Agency) und andererseits die österreichische
Agentur für Luft- und Raumfahrt innerhalb der
FFG (ALR/FFG), die damit das BMVIT repräsentiert. Mittlerweile ist die Anzahl der Mitglieder
auf nunmehr 13 Organisationen (die wichtige
Stakeholder der Raumfahrtcommunity umfassen) angewachsen, wobei für die Zukunft eine
Fortsetzung dieser langsamen Wachstumsstrategie angestrebt wird.
Gegründet wurde das ESPI als Verein nach österreichischem Privatrecht, wodurch sich etliche
Vorteile, wie geringer Kapitalbedarf, Flexibilität
bei Mitgliedsänderungen, Status der Gemeinnützigkeit oder große Unabhängigkeit ergeben.
Nach einer Phase des institutionell-organisatorischen Aufbaus waren die Jahre ab 2007 durch
intensives Wachstum gekennzeichnet, allein das
jährliche Budget stieg von 228.000 € im Jahr 2005
auf 609.000 € im Jahr 2011, die Zahl der MitarbeiterInnen erhöhte sich bereits bis zum Jahr
2008 auf die ursprünglich angestrebten zwölf
und umfasst derzeit inklusive Leitung und Internships 16 MitarbeiterInnen. Im Zeitraum von
2004 bis 2011 waren im MitarbeiterInnenstab
des Instituts insgesamt 25 verschiedene Nationalitäten vertreten. Bemerkenswert ist außerdem
die annähernd ausgeglichene Genderbilanz (55 %
männlich, 45 % weiblich).
Der Output des ESPI ist durchaus beachtlich.
Bis Ende 2011 wurden 128 unterschiedliche Produkte fertiggestellt, darunter 39 ESPI Reports, 60
Publikationen in wissenschaftlichen Zeitschriften und 11 nicht publizierte Auftragsstudien.
Daneben wurden auch zahlreiche Netzwerkaktivitäten sowie Veranstaltungen und Konferenzen
durchgeführt. Darüber hinaus wird das ESPI zunehmend von europäischen Universitäten und
öffentlichen Forschungseinrichtungen für Vorlesungen und Präsentationen mit thematischem
Fokus auf Raumfahrt eingeladen.
Ergebnisse der Evaluierung und Empfehlungen
Insgesamt bescheinigt das Evaluierungsteam
dem ESPI eine bislang erfolgreiche Auf- und Ausbauzeit, die innerhalb der gesteckten Erwartungen bzw. Ziele liegen. Ansatzpunkte für Empfehlungen finden sich beim Prozess der Themenauswahl, der Möglichkeiten bietet, ihn transparenter zu gestalten (z.B. auch durch die intensivere
Einbeziehung externer ExpertInnen im Diskussionsprozess). Weitere Empfehlungen beziehen
sich vor allem auf die Bereiche Qualitätssicherung einerseits und aktive Politikbeeinflussung
durch ESPI andererseits. Hinsichtlich der Qualitätssicherung wird von Seiten der EvaluatorInnen beispielsweise vorgeschlagen, die Balance
zwischen senior und junior staff zu optimieren.
Auf längere Sicht wäre auch eine verstärkte Zusammenarbeit mit Universitäten anzudenken,
186Siehe Kaufmann, Streicher (2012).
170
Forschungs- und Technologiebericht 2012
6 Evaluierungen
mit der Absicht internationale Master und/oder
PhD Programme gemeinsam anzubieten. Dies ist
vor dem Hintergrund zu sehen, dass bereits derzeit die angebotenen Internships international
stark nachgefragt werden. Bezüglich der Einbeziehung des ESPI in einschlägige Politikdiskussionen halten die EvaluatorInnen fest, dass der Fokus noch verstärkt auf Weltraumpolitik als solche gelegt, die Einbeziehung in Netzwerke mit
supranationalen Netzwerken in den nächsten
Jahren weiter ausgebaut sowie auch die Beziehungen mit außereuropäischen Think Tanks mit
Schwerpunkt auf Weltraumfragen intensiviert
werden sollten. Zusätzlich wären Überlegungen
anzustellen, wie das Verhältnis zwischen ESPI
und der Europäischen Kommission zur Zukunft
zu definieren ist.
zielt darauf ab, mit Hilfe der Förderung von Forschung und Entwicklung zusätzlich auch Impulse für verkehrs- und umweltpolitische Agenden
zu setzen. Dementsprechend weist das Programm folgende drei Zieldimensionen auf:
• Gesamtgesellschaftliche Zielsetzungen im Bereich Verkehrs- und Umweltfragen
• Steigerung der unternehmerischen Wettbewerbsfähigkeit durch FTI
• Vernetzung und Kooperation (sowohl national
insbesondere zwischen Wissenschaft und Unternehmen als auch europäisch/international)
Ziel der Evaluierung war es den Programmverlauf (Laufzeit IV2S 2002 bis 2006, 2007 Start von
IV2Splus) bis Anfang 2012 nachzuzeichnen, wobei der Fokus der Evaluierung auf der Analyse der
Wirkungen der durch die Programme geförderten
Forschungsprojekte lag. Im Fall von IV2Splus
handelt es sich allerdings um eine Zwischenevaluierung, da das Programm und viele der dadurch
geförderten Projekte noch im Laufen sind und
entsprechende Wirkungen daher erst für die
nächsten Jahre zu erwarten sind.
IV2S war in drei unterschiedliche Programmlinien gegliedert: (i) Bahntechnik, (ii) KFZ-Zulieferindustrie und (iii) Telematik/Logistik. Somit orientiert sich das Programm an Stärkefeldern der
österreichischen Industrie und verknüpft gleichzeitig FTI-Fördermaßnahmen mit gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen („Mission“) bezüglich Verkehr und Umwelt.
Als Förderinstrument nutzt das Programm
nicht rückzahlbare Zuschüsse für F&E-Projekte
auf Grundlage der FTE-Richtlinie. Die Bandbreite von förderbaren Projektkategorien reicht dabei
von Grundlagenforschung bis hin zu Demonstrations- und Validationsprojekten, wobei auf Partnerschaftsprojekte (vor allem auch zwischen
Wissenschaft und Industrie) fokussiert wurde.
Für die operative Umsetzung wurden mehrere
Projekt-Calls in Form von Ausschreibungen jeweils pro Programmlinie durchgeführt. Die Auswahl der Themen erfolgte jeweils in enger Abstimmung mit den relevanten Communities.
Programmziele und Eckdaten
Ergebnisse der Evaluierung
Die Strategieprogramme IV2S – Intelligente Verkehrssysteme und Services (Laufzeit 2002 bis
2006) und das Nachfolgeprogramm IV2Splus für
den Zeitraum 2007 bis 2012 sind Programme zur
strategischen Förderung von Forschung und Entwicklung im Bereich der Mobilitäts- und Verkehrstechnologien. Sie liegen in der Verantwortung des BMVIT und werden operativ von der
FFG umgesetzt und abgewickelt. Das Programm
Zusammen wurden mit knapp 100 Mio. € Fördermittel in den beiden Programmen bis ca. Anfang 2012 etwa 450 F&E-Projekte angestoßen.
Diese umfassen gesamte F&E-Aufwendungen
von ca. 190 Mio. €. Die Gesamtzahl der teilnehmenden Organisationen betrug in IV2S 483, in
IV2Splus bis zum Evaluierungszeitpunkt 375
verschiedene Organisationen. Die Community
der Programmteilnehmer ist dabei durch einige
6.4Evaluierung der Strategieprogramme IV2S
und IV2Splus
Ziel der Evaluierung
Forschungs- und Technologiebericht 2013
171
6 Evaluierungen
zentrale Akteure aus der Forschung, der Industrie
(hier v.a. einige Großunternehmen) sowie der Betreiber charakterisiert. Über 50 % der Fördermittel konzentrieren sich auf nur 10 % aller teilnehmenden Organisationen. Gleichzeitig ist allerdings das Programm durchaus offen für Newcomer sowie für kleine und mittlere Unternehmen
(KMU), wenn auch deren finanzielle Projektanteile deutlich geringeren Umfangs sind.
Hinsichtlich des Projekttyps dominieren eindeutig Forschungsvorhaben im Bereich der angewandten Forschung (industrielle Forschung und
experimentelle Entwicklung). Der Anteil der
Grundlagenforschung lag in beiden Programmen
gemessen an den gesamten Projektkosten unter
10 %. Hinsichtlich der realisierten Kooperationen
zeigt sich, dass das Ausmaß der Kooperation in
beiden Programmen mit jeweils Anteilen kooperativer Projekte von ca. 90 % sehr hoch war, wobei
die durchschnittliche Zahl der Konsortialmitglieder pro Projekt bei drei bis vier Organisationen
lag. Zudem finden sich im Großteil der Kooperationsprojekte Teilnehmer sowohl von Seiten der
Wissenschaft als auch von Seiten der Wirtschaft.
Des Weiteren haben die Programme dazu beigetragen, die Vernetzung zwischen öffentlichen Forschungseinrichtungen und Unternehmen zu verstärken und auch gänzlich neue Kooperationen
mit Unternehmen außerhalb des eigentlichen
Verkehrsbereichs (z.B. IKT-Unternehmen) geführt.
Die potentiellen Mitnahmeeffekte der Programme können als gering eingeschätzt werden.
Eine Analyse der abgelehnten Projektanträge hat
gezeigt, dass nur weniger als 10 % aller abgelehnten Projekte dann auch ohne Förderung durchgeführt wurden.
Insbesondere für das Programm IV2S konnten
bereits beachtliche wirtschaftliche Wirkungen
(wie Umsatzerlöse, Patente, Nutzungslizenzen
und Kosten- und Ressourceneinsparungen durch
realisierte Effizienzgewinne) und wissenschaftliche Wirkungen (wie Publikationen und Vorträge)
identifiziert werden. Naturgemäß ist das Aus-
maß der bereits beobachtbaren Wirkungen im
Programm IV2Splus geringer, da zum Evaluierungszeitpunkt das Programm noch im Laufen
war und viele der geförderten Projekte noch im
Bearbeitungsstand waren.
Abschließend ist noch zu erwähnen, dass von
Seiten des Evaluierungsteams die Qualität der
Programmabwicklung und -umsetzung als hoch
eingestuft wurde.
6.5Interimsevaluation des österreichischen
Sicherheitsforschungsprogramms KIRAS
Ziel der Evaluierung
Im Jahr 2009 beauftragte das BMVIT ein Evaluationskonsortium, welches die begleitende Wirkungsevaluation des Sicherheitsforschungsprogramms KIRAS vornimmt. Die Interimsevaluation ist damit ein Baustein der begleitenden Evaluierung und legt den Fokus auf die quantitative
und qualitative Analyse der bisherigen Wirkungen und Ergebnisse von KIRAS.187
Programmziele und Eckdaten
Das österreichische Sicherheitsforschungsprogramm KIRAS unterstützt nationale Forschungsvorhaben mit dem Ziel, die Sicherheit Österreichs und seiner Bevölkerung zu erhöhen. Angesichts dessen wird eine Reihe von strategischen
Programmzielen von KIRAS angestrebt:
• Erhöhung der Sicherheit und des Sicherheitsbewusstseins der BürgerInnen
• Generierung sicherheitspolitisch erforderlichen Wissens
• Erzielung von Wissens-, Verfahrens- und Technologiesprüngen
• Wachstum der heimischen Sicherheitswirtschaft
• Auf- und Ausbau von Exzellenz im Bereich Sicherheitsforschung
187Siehe Pfirrmann et al. (2012).
172
Forschungs- und Technologiebericht 2012
6 Evaluierungen
Um diese strategischen Ziele zu erreichen, verfolgt KIRAS einen integrativen Ansatz, der nicht
ausschließlich auf technologische Lösungen,
sondern auch auf einer sozial- und geisteswissenschaftlichen Herangehensweise basiert. Diese
Herangehensweise soll insbesondere durch die
Realisierung des strategischen Querschnittziels
– Berücksichtigung gesellschaftlicher Fragestellungen in allen Aspekten der Sicherheitsforschung – unterstützt werden.
Die Programmverantwortung selbst liegt beim
BMVIT, welche die FFG mit dem Programm- und
Schirmmanagement beauftragt hat. Für die erste
Programmphase des Sicherheitsforschungsprogramms KIRAS ist eine Gesamtlaufzeit von 2005
bis 2013 (neun Jahre) geplant, wobei der Zeitraum 2005 bis 2007 als Aufbauphase galt. Bis zur
Berichtslegung des Interimsevaluationsberichts
wurden durch KIRAS insgesamt 107 Projekte gefördert, was etwa 34 % der beantragten Projekte
entspricht. Der Kostenrahmen pro Projekt beträgt dabei etwa 498.000 €.
Ergebnisse der Evaluierung
Alle geförderten KIRAS-Projekte haben bislang
durchgehend einen Beitrag zum prioritären Ziel,
die öffentliche Sicherheit zu erhöhen, geleistet.
Die Projekte adressieren insbesondere Bereiche
in denen ein konkretes Bedrohungspotential
existiert bzw. ein solches wahrgenommen wird.
Neben dem programmspezifischen Fokus auf den
Schutz kritischer Infrastruktursektoren hat in
letzter Zeit insbesondere der Themenbereich
Kriminalität (mit Themen wie „Terrorismus“)
sowie weitere Themen wie „Unfälle“ und „Naturkatastrophen“ an Bedeutung gewonnen. Spiegeln diese Themen durchaus die bestehenden
Ängste und Bedrohungswahrnehmungen der Bevölkerung wider, so sind die Beiträge der bislang
laufenden KIRAS-Projekte zur Erhöhung des Sicherheitsbewusstseins der Bevölkerung eher mo-
derat (lediglich in einem Drittel der KIRAS-Projekte sind spezifische Maßnahmen und Aktivitäten zur Bewusstseinsbildung der Bevölkerung
vorgesehen). Wesentlich besser sind hingegen die
Befunde zur Wissensgenerierung: Rund 45 % der
geförderten Unternehmen geben an, dass sie ohne KIRAS-Förderung die Projekte nicht durchgeführt hätten; mit dem Auslaufen der KIRAS-Projektförderung sind etwa 60 % der befragten Einrichtungen bereits an der Konzeption eines Folgeprojekts beteiligt; darüber hinaus sind KIRASProjekte tendenziell technisch komplexer und
deutlich kooperationsintensiver, und weisen eine höhere strategische Bedeutung auf als andere
Innovations- und Forschungstätigkeiten der beteiligten Einrichtungen. Auch die gesamtwirtschaftlichen Effekte des KIRAS-Programms sind
durchaus positiv: So haben das Fördervolumen
von 37 Mio. € bzw. die Projektvolumina von insgesamt 53 Mio. € über direkte, indirekte und induzierte Effekte etwa 74 Mio. € an Wertschöpfungsvolumen generiert. Damit wurden insgesamt rund 570 hochqualifizierte Arbeitsplätze
gehalten und rund 240 hochqualifizierte Arbeitsplätze neu geschaffen.188
Für die zukünftige Ausgestaltung von KIRAS
gilt es vor allem, Bedacht darauf zu nehmen, ein
besseres gemeinsames Projektverständnis mit
den Bedarfsträgern zu generieren. Darüber hinaus sollen die Komplexität und die zeitliche Abhängigkeit von einander aufbauenden KIRASProjekten in der Projektplanung stärker berücksichtigt werden.
6.6Zwischenevaluierung der vom BMWF beauftragten Regionalen Kontaktstellen (RKS)
Ziel der Evaluierung
Die Zwischenevaluierung hatte zum Ziel, die
Struktur und Dienstleistungen der vom BMWF
beauftragten Regionalen Kontaktstellen – als
188Die Angaben beziehen sich wiederum auf den Zeitraum bis zur Evaluierung.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
173
6 Evaluierungen
Teil des Beratungs- und Betreuungsnetzwerkes,
welches seit dem Beitritt Österreichs zu den EUForschungsprogrammen eingerichtet wurde – im
Hinblick auf ihre Effektivität und Effizienz zu
analysieren. Darauf basierend sollten Empfehlungen für eine zukünftige Optimierung sowie –
unter Berücksichtigung der auf EU-Ebene zu erwartenden Veränderungen – Grundlagen für allfällige Folgebeauftragungen erarbeitet werden.
Die Evaluierung deckt den Zeitraum 2009 bis
2012 ab.189
Programmziele und Eckdaten
gen Region zur Optimierung der österreichischen
Beteiligung an den EU-Programmen beauftragt
sind:
• CATT Innovation Management GmbH (Oberösterreich)
• ITG – Innovations- und Technologietransfer
Salzburg GmbH (Salzburg – Beauftragung
durch einen Kooperationsvertrag mit dem
Land Salzburg)
• SAT – Standortagentur Tirol/Tiroler Zukunftsstiftung (Tirol, Vorarlberg)
• SFG – Steirische Wirtschaftsförderungsgesellschaft (Steiermark, Kärnten)190
Um potenzielle Antragstellende in den EU-Forschungsrahmenprogrammen und anderen europäischen Programmen vor Ort professionell zu
unterstützen, wurde seitens des Bundes unter
Federführung des BMWF ein Beratungs- und Betreuungsnetzwerk eingerichtet. Dieses Netzwerk besteht einerseits aus dem bundesweit
agierenden Bereich Europäische und Internationale Programme (EIP) in der FFG und andererseits aus den Regionalen Kontaktstellen (RKS) in
den Bundesländern. Eine weitere Ebene bilden
die Forschungsservicestellen der Universitäten
und Forschungseinrichtungen. Der Bereich EIP
übernimmt dabei die wichtige Funktion der Koordinierung des Netzwerks – mit dem Ziel, die
Qualitätssicherung und inhaltliche Abstimmung
im gesamten nationalen Netzwerk sicherzustellen – und ist damit auch direkter Ansprechpartner der Regionalen Kontaktstellen. Finanziert
werden die Regionalen Kontaktstellen im Rahmen von Beauftragungsverträgen durch das BMWF, wobei derzeit vier Regionale Kontaktstellen
zur Betreuung der ForscherInnen in der jeweili-
Ziel der RKS ist es, regionale Stakeholder und
Akteure der Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung in Bezug auf die EU-Forschungsrahmenprogramme und andere europäische Programme
bestmöglich zu informieren, zu beraten und zu
betreuen. Gemäß Zusagen der Landesregierungen kofinanzieren die Länder die Beauftragungen
des BMWF mit 50%; das BMWF finanziert mit
seinem Budget rund 1,15 bis 1,26 VZÄ an den
RKS pro Jahr. Bemerkenswert ist, dass alle RKS
einen ganzheitlichen Beratungsansatz verfolgen
und damit eine Wegweiserfunktion erfüllen. In
den letzten Jahren hat sich dabei aber ihre Kundengruppe verändert: Universitäten sind als
wichtige Kunden weggefallen, da diese selbst
Forschungsservicestellen aufgebaut und ihre Beratung professionalisiert haben. Die Budgets der
RKS sind dennoch konstant geblieben, haben sie
stattdessen zusätzliche Aufgaben in Form von
strategischen Tätigkeiten in Bezug auf Horizon
2020 und im Zusammenhang mit regionalen
Wirtschafts- und Innovationsstrategien übernommen.
189Siehe Good, Radauer (2013).
190Ebenfalls Teil des regionalen Betreuungsnetzwerkes ist die RKS Niederösterreich – die TIP Technologie- und InnovationsPartner der
Wirtschaftskammer Niederösterreich, welche aber nicht vom BMWF finanziert wird und daher nicht Gegenstand der vorliegenden
Evaluierung war.
174
Forschungs- und Technologiebericht 2012
6 Evaluierungen
Ergebnisse der Evaluierung
Im Gesamtbild zeigt sich, dass die RKS ihre auftragsgemäße Funktion als Wegweiser und Orientierungshilfe in Bezug auf europäische und alternative Förderprogramme weitgehend erfüllen.
Auch hat die Integration der RKS in die Landesagenturen eine Professionalisierung mit sich gebracht und ist die Unternehmens- bzw. KundInnenzentrierung (im Gegensatz zur Förderprogrammzentrierung) in der Beratung als überaus
positiv zu werten. Die hohe KundInnenzufriedenheit belegt den Erfolg dieses Betreuungsansatzes. Zentrale Erfolgsfaktoren der RKS sind dabei engagierte und geschulte BeraterInnen, die
auf Unternehmen eingehen und als AnsprechpartnerInnen mit Kenntnis der regionalspezifischen Gegebenheiten vor Ort sind.
Zum Teil deutliche Unterschiede zwischen
den RKS gibt es im Hinblick auf die Art der Zielgruppenansprache, die Größe und Zusammen-
Forschungs- und Technologiebericht 2013
setzung der regionalen Zielgruppe, für welche
EU-Förderungen relevant ist, und die Intensität
der angebotenen Beratungsleistungen. Zu den
Hauptkunden der RKS zählen im Wesentlichen
Unternehmen, insbesondere KMU. Darüber hinaus zählen auch Angehörige der außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Fachhochschulen,
Privatuniversitäten und Intermediäre zum Kundenkreis. Gegenüber früher entfällt bei den meisten RKS die Kundengruppe der Universitäten,
womit sie mit einer geschrumpften Zielgruppe,
für welche EU-Förderprogramme nur zum Teil
von Relevanz sind, konfrontiert sind. Angesichts
dieser Entwicklung ist daher die Frage zu stellen,
ob der erbrachte und mögliche Nutzen der RKS
im Betreuungsnetzwerk den Mitteleinsatz rechtfertigt. Dem Evaluierungsteam ist die Heterogenität der RKS durchaus bewusst, womit sie auch
auf die Schwierigkeit, eindeutige Maßnahmenempfehlungen abzugeben, hinweisen.
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8 Anhang
8Anhang
8.1 Länderkürzel
AT Österreich
BE Belgien
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CN China
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CZ Tschechische Republik
DE Deutschland
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IE Irland
IS Island
IT Italien
JP Japan
LT Litauen
LU Luxemburg
LV Lettland
MT Malta
NL Niederlande
NO Norwegen
PL Polen
PT Portugal
RO Rumänien
RS Serbien
RU Russland
SE Schweden
SI Slowenien
SK Slowakei
TR Türkei
UK Vereinigtes Königreich
US Vereinigte Staaten
8
9
8.2 Forschungsschwerpunkte an Österreichs Universitäten in der Periode der Leistungsvereinbarungen 2013–2015
Universität
Universität Wien:
Forschungsplattformen
„Forschungsschwerpunkte“*
Active Ageing
Cognitive Science
Religion and Transformation in Contemporary
European Society
Migration and Integration Research
Characterisation of Drug Involved Mechanisms
Alternative Solvents as a Basis for Life Supporting
Zones in (Exo)Planetary Systems
Wiener Osteuropaforum
Structural and functional analysis of mRNA
Molecules Targeted by the RNA-binding Protein
Tristetraprolin
Theory and Practice of Subject Didactics/Teaching
Methodologies
Translational Cancer Therapy Research
Human Rights in the European Context
Life Science Governance
Interfakultäre Forschungsplattform und
Dokumentationsstelle für die Kulturgeschichte
Inner- und Südasiens
Neuverortung der Frauen- und Geschlechter­
geschichte im veränderten europäischen Kontext
Gödel Research Center
Ethik und Recht in der Medizin
Interdisziplinäre Forschungsplattform Archäologie
Universität Graz:
Forschungsschwerpunkte
Lernen – Bildung – Wissen
Heterogenität und Kohäsion
Kultur- und Deutungsgeschichte Europas
Modelle und Simulation
Molekulare Enzymologie und Physiologie (MEP)
Gehirn und Verhalten
Umwelt und Globaler Wandel
Universität Innsbruck:
Molekulare Biowissenschaften
Forschungsschwerpunkte
Physik
Alpiner Raum – Mensch und Umwelt
Medizinische Universität Wien: Allergologie/Immunologie/Infektiologie
Forschungscluster
Krebsforschung/Onkologie
Neurowissenschaften
Kardiovaskuläre Medizin
Imaging (Bildgebung)
Medizinische Universität Graz: Neurowissenschaften
Forschungsfelder
Krebsforschung
Kardiovaskuläre Erkrankungen
Molekulare Grundlagen Lipid-assoziierter
Erkrankungen
Medizinische Universität
Onkologie
Innsbruck:
Neurowissenschaften
Forschungsschwerpunkte
Molekulare und funktionale Bildgebung
Infektiologie und Immunität & Organ- und
Gewebeersatz
* Wie in den Leistungsvereinbarungen bezeichnet.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
181
8 Anhang
Universität Salzburg:
Forschungsschwerpunkte
Technische Universität Wien:
Forschungsschwerpunkte
Technische Universität Graz:
Fields of Expertise
Montanuniversität Leoben:
Kernkompetenzbereiche
Universität für Bodenkultur
Wien: Kompetenzfelder
Veterinärmedizinische
Universität Wien: Profillinien
Wirtschaftsuniversität Wien:
Forschungsschwerpunkte
Universität Linz:
Exzellenzfelder
182
Biowissenschaften und Gesundheit
Recht, Wirtschaft und Arbeitswelt
Wissenschaft & Kunst
Salzburg Centre of European Union Studies
Computational Science and Engineering
Information and Communication Technology
Materials and Matter
Quantum Physics and Quantum Technologies
Energy and Environment
Mobility & Production
Advanced Materials Science
Sustainability Systems
Information, Communication and Computing
Human- & Biotechnology
Rohstoffgewinnung und -verarbeitung
Hochleistungswerkstoffe
Umwelttechnik & Recycling
Prozess- und Produktengineering
Energietechnik
Metallurgie
Kunststofftechnik
Boden- und Landökosysteme
Wasser – Atmosphäre – Umwelt
Lebensraum und Landschaft
Nachwachsende Rohstoffe und
Ressourcenorientierte Technologien
Lebensmittel – Ernährung – Gesundheit
Biotechnologie
Nanowissenschaften und Nanotechnologie
Ressourcen und gesellschaftliche Dynamik
Physiologische Prozesse
Infektion, Prävention, Schwerpunkt Nutztiere
Lebensmittelsicherheit und Risikobewertung
Tiermodelle und Veterinärbiotechnologie
Tierverhalten und Mensch-Tier-Beziehung
Information Systems, Computing and Supply Chain
Management
Finance and Accounting
International Business Taxation
Applied Economics and Socioeconomics
Business and Economic Law
International Business, esp. CEE
Empirically-Focused Research on Management,
Marketing and Strategy
Unternehmensrecht
Soziale Systeme, Märkte & Wohlfahrtsstaat
Management & Innovation
Nano-, Bio- & Polymer-Systems
Computation in Informatics & Mathematics
Mechatronics and Information Processing
Universität Klagenfurt:
Forschungsthemen
Donau-Universität Krems:
Forschungsschwerpunkte
Akademie der bildenden
Künste Wien: Schwerpunkte in
Forschung, Entwicklung und
Erschließung der Künste
Universität für Angewandte
Kunst Wien: Disziplinen
Universität für Musik und
Darstellende Kunst Wien: Drei
Säulen
Universität für Musik und
darstellende Kunst Graz:
Schwerpunkte
Mozarteum Salzburg:
Entwicklungsschwerpunkte
Universität für künstlerische
und industrielle Gestaltung
Linz: Profilschwerpunkte
Bildungsforschung
Energiemanagement und -technik
Human Centered Computing and Design
Nachhaltigkeit
Selbstorganisierende Systeme
Unternehmertum
Visuelle Kultur
Gesundheit und Medizin
Bildung, Kultur und Architektur
Wirtschaft und Globalisierung
Institut für Bildende Kunst
Institut für Kunst und Architektur
Institut für das künstlerische Lehramt
Institut für Konservierung-Restaurierung
Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften
Institut für Naturwissenschaften und Technologie in
der Kunst
Architektur
Bildende und Medial Kunst
Design
Konservierung und Restaurierung
Kunst- und Kulturwissenschaft
Naturwissenschaften
Sprachkunst
Kunst- und Wissenstransfer
Kunstpädagogik und -vermittlung
Säule Konzertfächer
Säule Musikpädagogik
Säule Darstellende Kunst
Kammermusik
Jazz
Bühne (Schauspiel, Musiktheater,
Bühnengestaltung)
Zeitgenössische Musik
Forschung
Zeitgenössische Kunst
Bühnenkunst
Kammermusik / Ensemblespiel
Intermedialität
Raumstrategien
Künstlerisch-wissenschaftliche Forschung
Forschungs- und Technologiebericht 2013
8 Anhang
8.3 Liste der Einzelindikatoren des „Innovationsindikators“ der Deutschen Telekom Stiftung und des BDI
Beschreibung
Akteur/ Subsystem Input/ Output
Anteil der ausländischen Studierenden an allen Studierenden
Bildung
Input
Beschäftigte mit mind. Sekundarstufe II, ohne Hochschulabschlüsse als Anteil an allen Beschäftigten
Bildung
Output
Promovierte (ISCED 6) in den MINT-Fächern als Anteil an der Bevölkerung
Bildung
Output
HochschulabsolventInnen in Relation zu den hoch qualifizierten Beschäftigten im Alter 55 +
Bildung
Input
Anteil der Beschäftigten mit tertiärer Bildung an allen Beschäftigten
Bildung
Output
Jährliche Bildungsausgaben (Tertiärstufe einschl. F&E) je StudentIn
Bildung/Staat
Input
Qualität des Bildungssystems (Skala von 1 bis 7 auf Basis von Experteneinschätzungen)
Bildung/Staat
Input
Qualität der mathematisch-naturwissenschaftlichen Bildung (Skala von 1 bis 7 auf Basis von Experteneinschätzungen)
Bildung/Staat
Input
PISA-Index: Wissenschaft, Lesekompetenz, Mathematik (auf offener Skala mit Mittelwert 500 und
Standardabweichung 100)
Bildung/Staat
Input
E-Readiness Indicator (Skala von 1 bis 10)
Gesellschaft
Input
Bewertung der Erfolgswahrscheinlichkeit von Gründungen (nach Eigenangaben)
Gesellschaft
Input
Anzahl der Personalcomputer je 100 Einwohner
Gesellschaft
Input
Anteil Postmaterialisten (Inglehardt) an der Bevölkerung
Staatliche Nachfrage nach fortschrittlichen technologischen Produkten (Skala von 1 bis 7 auf Basis von
Experteneinschätzungen)
Input
Staat
Input
Nachfrage der Unternehmen nach technologischen Produkten (Skala von 1 bis 7 auf Basis von Experteneinschätzungen)
Wirtschaft
Input
Für die Frühphase eingesetztes Venture-Capital in Relation zum Bruttoinlandsprodukt
Wirtschaft
Input
Ausmaß von Marketing (Skala von 1 bis 7 auf Basis von Experteneinschätzungen)
Wirtschaft
Input
Anteil der internationalen Co-Patente an allen Anmeldungen von transnationalen Patenten
Wirtschaft
Input
Anteil der Wertschöpfung in der Hochtechnologie an der gesamten Wertschöpfung
Wirtschaft
Output
Anteil der Beschäftigten in wissensintensiven Dienstleistungen an allen Beschäftigten
Wirtschaft
Input
Intensität des einheimischen Wettbewerbs (Skala von 1 bis 7 auf Basis von Experteneinschätzungen)
Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf der Bevölkerung
Wirtschaft
Output
Patentanmeldungen transnationaler Patente je Einwohner
Wirtschaft
Output
Patentanmeldungen am USPTO je Einwohner
Wirtschaft
Output
Wertschöpfung pro Arbeitsstunde (in konstanten PPP - US $)
Wirtschaft
Output
Handelsbilanzsaldo bei Hochtechnologien gemessen an der Bevölkerung
Wirtschaft
Output
Anteil der von Unternehmen finanzierten F&E-Ausgaben der Hochschulen
Wirtschaft
Input
Interne F&E-Ausgaben der Unternehmen als Anteil am BIP
Wirtschaft
Input
B-Index der steuerlichen F&E-Förderung: Anteil der F&E-Ausgaben der Unternehmen, die durch eine steuerliche
F&E-Förderung finanziert werden
Wirtschaft/Staat
Input
Anteil der staatlich finanzierten F&E-Ausgaben der Unternehmen am BIP
Wirtschaft/Staat
Input
Anzahl der ForscherInnen in Vollzeitäquivalente pro 1.000 Beschäftigte
Wissenschaft
Input
Zahl der wissenschaftlich-technischen Artikel in Relation zur Bevölkerung
Wissenschaft
Output
Qualität der wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen (Skala von 1 bis 7 auf Basis von Experteneinschätzungen)
Wissenschaft
Input
Zahl der Zitate pro wissenschaftlich-technischer Publikation in Relation zum weltweiten Durchschnitt (gemessen am
Durchschnitt der jeweiligen Disziplin)
Wissenschaft
Output
Anzahl der Patente aus der öffentlichen Forschung je Einwohner
Wissenschaft
Output
Input
Anteil von internationalen Co-Publikationen an allen wissenschaftlich-technischen Artikeln
Wissenschaft
Anteil der F&E-Ausgaben in staatlichen Forschungseinrichtungen und Hochschulen am BIP
Wissenschaft/Staat Input
Anteil eines Landes an den 10 % am häufigsten zitierten wissenschaftlich-technischen Publikationen
Wissenschaft
Forschungs- und Technologiebericht 2013
Input
183
8 Anhang
8.4 Klassifikation von potenziellen Umweltschutzgütern (Gehrke et al. 2012)
Die Analyse der internationalen Handelsströme folgt einem angebotsorientierten Potenzialansatz und beruht auf einer in 2012 vom NIW in Zusammenarbeit mit dem
Statistischen Bundesamt erstellten neuen Liste von potenziellen Umweltschutzgütern. Potenzialorientiert bedeutet in diesem Zusammenhang, dass diese Güter
potenziell zur Nutzung in umweltrelevanten Bereichen eingesetzt werden. Diese umfassen zum einen die Güter zur Nutzung Erneuerbarer Energiequellen und zur
Steigerung der Energieeffizienz über rationelle Energieverwendung und -umwandlung (potenzielle Klimaschutzgüter, vgl. Kasten). Hinzu kommen Güter, die vor allem
auf den Schutz der klassischen Umweltbereiche (Abfall, Wasser, Luft, Lärm) abzielen sowie – bereichsübergreifend – Instrumente und Komponenten zum Messen,
Steuern und Regeln von Umweltschutzanlagen.
Die auf Basis der (achtstelligen) Produktionsstatistik ermittelten Güter wurden zur Durchführung von Außenhandelsanalysen vom NIW in die internationale
Außenhandelssystematik des Harmonisierten Systems (HS) auf der tiefstmöglichen (sechsstelligen) Gliederungsebene umgeschlüsselt. Als Datenquellen wurden die
Außenhandelsstatistik der OECD sowie die Comtrade-Datenbank der Vereinten Nationen verwendet. Der Analysezeitraum bezieht sich auf die Jahre 2002 bis 2011.
Die quantitativ wichtigste Gütergruppe stellen die potenziellen Klimaschutzgüter dar. Diese sind folgendermaßen unterteilt:
l Erneuerbare Energiequellen
w Windkraft
w Solarenergie
– Solarzellen und -module
– Übrige Solarenergiegüter (Wechselrichter, Spiegel, etc.)
w Wärmepumpen, Biomasse/-gas, Wasserkraft
l Rationelle Energieverwendung
w Im Wesentlichen Isolierung und Wärmedämmung
l Rationelle Energieumwandlung
w Gas- und Dampfturbinen
w Blockheizkraftwerke
8.5 Abgrenzung von Branchen nach Technologieintensität gemäß OECD-Klassifikation auf Ebene der NACE 2-Steller
(Statistik Austria 2012)
Hochtechnologie: Herstellung von pharmazeutischen Erzeugnissen (ÖNACE 21) sowie Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen
Erzeugnissen (ÖNACE 26).
Mittelhochtechnologie: Herstellung von chemischen Erzeugnissen (ÖNACE 20), Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (ÖNACE 27), Maschinenbau (ÖNACE
28), Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen (ÖNACE 29) sowie sonstiger Fahrzeugbau (ÖNACE 30).
Mittelniedrigtechnologie: Kokerei und Mineralölverarbeitung (ÖNACE 19), Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren (ÖNACE 22), Herstellung von Glas
und Glaswaren, Keramik, Verarbeitung von Steinen und Erden (ÖNACE 23), Metallerzeugung und -bearbeitung (ÖNACE 24), Herstellung von Metallerzeugnissen
(ÖNACE 25) sowie Reparatur und Installation von Maschinen und Ausrüstungen (ÖNACE 33).
Niedrigtechnologie: Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln (ÖNACE 10), Getränkeherstellung (ÖNACE 11), Tabakverarbeitung (ÖNACE 12), Herstellung von
Textilien (ÖNACE 13), Herstellung von Bekleidung (ÖNACE 14), Herstellung von Leder, Lederwaren und Schuhen (ÖNACE 15), Herstellung von Holz-, Flecht-, Korbund Korkwaren (ohne Möbel) (ÖNACE 16), Herstellung von Papier, Pappe und Waren daraus (ÖNACE 17), Herstellung von Druckerzeugnissen, Vervielfältigung von
bespielten Ton-, Bild- und Datenträgern (ÖNACE 18), Herstellung von Möbeln (ÖNACE 31) sowie Herstellung von sonstigen Waren (ÖNACE 32).
Wissensintensive Dienstleistungen: Schifffahrt (ÖNACE 50), Luftfahrt (ÖNACE 51), Verlagswesen (ÖNACE 58), Telekommunikation (ÖNACE 61), Erbringung
von Dienstleistungen der Informationstechnologie (ÖNACE 62), Informationsdienstleistungen (ÖNACE 63), Erbringung von Finanzdienstleistungen (ÖNACE 64),
Versicherungen, Rückversicherungen und Pensionskassen (ohne Sozialversicherung) (ÖNACE 65), mit Finanz- und Versicherungsdienstleistungen verbundene
Tätigkeiten (ÖNACE 66) sowie Architektur- und Ingenieurbüros, technische, physikalische und chemische Untersuchung (ÖNACE 71).
Weniger wissensintensive Dienstleistungen: Großhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen und Krafträdern) (ÖNACE 46), Landverkehr und Transport in
­Rohrfernleitungen (ÖNACE 49), Lagerei sowie Erbringung von sonstigen Dienstleistungen für den Verkehr (ÖNACE 52) sowie Post-, Kurier- und Expressdienste
(ÖNACE 53).
184
Forschungs- und Technologiebericht 2013
9 Statistik
9 Statistik
1. Finanzierung der Bruttoinlandsausgaben für
F&E und die Forschungsquote
Österreichs191 2013
Die österreichischen Bruttoinlandsausgaben für
Forschung und experimentelle Entwicklung
(F&E) werden nach einer Schätzung von Statistik
Austria im Jahr 2013 voraussichtlich 8,96 Mrd. €
betragen. Das entspricht einer Forschungsquote
(Bruttoinlandsausgaben für F&E im Verhältnis
zum Bruttoinlandsprodukt) von 2,81 %. Gegenüber 2012 wird die Gesamtsumme der österreichischen F&E-Ausgaben um geschätzte 2,9 %
ansteigen.
Von den gesamten prognostizierten Forschungsausgaben 2013 wird mit 43,9 % (rund 3,93 Mrd. €)
auch weiterhin der größte Anteil von österreichischen Unternehmen finanziert werden. Der öffentliche Sektor wird mit rund 3,62 Mrd. € einen
Finanzierungsanteil von 40,4 % an den Gesamtausgaben für F&E erreichen. Zu dieser Summe
wird der Bund rund 3,09 Mrd. € beitragen, die
Bundesländer rund 427 Mio. € und die sonstigen
öffentlichen Einrichtungen (Gemeinden, Kammern und Sozialversicherungsträger) rund 105
Mio. €. 15,2 % (rund 1,36 Mrd. €) der österreichischen Forschungsausgaben werden 2013 vom
Ausland finanziert werden. Die Finanzierung
durch das Ausland stammt zum überwiegenden
Teil von mit heimischen Unternehmen verbundenen ausländischen Unternehmen, deren Tochterunternehmen in Österreich F&E betreiben.
Eingeschlossen sind auch die Rückflüsse aus den
EU-Rahmenprogrammen für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration. 0,5 %
(rund 49 Mio. €) werden auf den privaten gemeinnützigen Sektor entfallen.
Die Forschungsfinanzierung durch den Bund
steigt nach der Statistik Austria vorliegenden Informationen über die Entwicklung der F&E-relevanten Budgetanteile und weiterer F&E-Fördermaßnahmen weiterhin an. Insbesondere aufgrund der Erstattungen an Unternehmen im Rahmen der Forschungsprämie ergibt sich 2012 ein
Zuwachs von 14,2 % und nach einem Plus von
2,8 % im Jahr 2013 werden die Bundesmittel den
bisherigen Höchstwert von 3,09 Mrd. € erreichen.
Die Forschungsquote, jener Indikator, der die
Bruttoinlandsausgaben für F&E als Prozentsatz
des Bruttoinlandsprodukts (BIP) darstellt, ist für
Österreich in den letzten zehn Jahren stark angestiegen. Trotz Wirtschaftskrise gingen die F&EAusgaben in Österreich nicht bzw. nur geringfügig zurück. 2009 betrug die Forschungsquote
2,71 %, im Folgejahr stieg sie insbesondere auf-
191 Auf der Grundlage der Ergebnisse der F&E-statistischen Vollerhebungen sowie sonstiger aktuell verfügbarer Unterlagen und Informationen, insbesondere der F&E-relevanten Voranschlags- und Rechnungsabschlussdaten des Bundes und der Bundesländer, wird
von Statistik Austria jährlich die „Globalschätzung der österreichischen Bruttoinlandsausgaben für F&E“ erstellt. Im Rahmen der
jährlichen Erstellung der Globalschätzung erfolgen auf der Basis von neuesten Daten jeweils auch rückwirkende Revisionen bzw. Aktualisierungen. Den Definitionen des weltweit (OECD, EU) gültigen und damit die internationale Vergleichbarkeit gewährleistenden
Frascati-Handbuchs entsprechend wird die Finanzierung der Ausgaben der in Österreich durchgeführten Forschung und experimentellen Entwicklung dargestellt. Gemäß diesen Definitionen und Richtlinien ist die ausländische Finanzierung von in Österreich durchgeführter F&E sehr wohl einbezogen, hingegen österreichische Zahlungen für im Ausland durchgeführte F&E sind ausgeschlossen
(Inlandskonzept).
Forschungs- und Technologiebericht 2013
185
9 Statistik
grund der vom öffentlichen Sektor eingesetzten
F&E-Mittel auf 2,79 %. 2011 führte der im Vergleich zu den Forschungsausgaben stärkere Anstieg des Bruttoinlandsprodukts zu einem kurzfristigen Absinken der Forschungsquote auf
2,72 %, 2012 stieg sie wieder über den Wert von
2010 und erreichte 2,81 %. Nach derzeitigem Informationsstand über die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts wird die Forschungsquote voraussichtlich auch 2013 auf diesem Niveau bleiben.
Österreich übertrifft weiterhin deutlich die
durchschnittliche Forschungsquote der EU-27
und liegt für das Vergleichsjahr 2011 (dem letzten
Jahr, für das internationale Vergleichszahlen verfügbar sind) über dem EU-Durchschnitt von
2,03 %. Die Forschungsquoten von Finnland,
Schweden und Dänemark liegen über 3 %, nach
Deutschland (2,84 %) weist Österreich somit die
fünfthöchste Quote innerhalb der EU-27 auf.
In der Schätzung der österreichischen Bruttoinlandsausgaben für F&E 2013 wurden vorläufige
Ergebnisse der F&E-Erhebung 2011 von Statistik
Austria bei Unternehmen, Voranschlags- und
Rechnungsabschlussdaten des Bundes und der
Bundesländer sowie aktuelle Konjunkturdaten
berücksichtigt.
2. F&E-Ausgaben des Bundes 2013
2.1. Die in Tabelle 1 ausgewiesenen Ausgaben
des Bundes für in Österreich 2013 durchgeführte
F&E setzen sich wie folgt zusammen: Gemäß jener der F&E-Globalschätzung zugrunde liegenden Methodik ist das Kernstück die Gesamtsumme des Teils b der Beilage T des Arbeitsbehelfes
zum Bundesfinanzgesetz 2013. Zusätzlich wurden die für 2013 nach derzeitigem Informations-
stand zur Auszahlung gelangenden Mittel der
Nationalstiftung für Forschung, Technologie und
Entwicklung sowie die voraussichtlich 2013 zur
Auszahlung gelangenden Forschungsprämien
einbezogen.192
2.2. Zusätzlich zu den Ausgaben des Bundes für
in Österreich durchgeführte F&E wird der Bund
im Jahr 2013 Beitragszahlungen an internationale Organisationen, die Forschung und Forschungsförderung als Ziel haben, in Höhe von 95
Mio. € leisten, die in der Beilage T/Teil a dargestellt sind, jedoch gemäß dem Inlandskonzept
nicht in die österreichischen Bruttoinlandsausgaben für F&E eingerechnet werden.
2.3. Die in der Beilage T (Teil a und Teil b) zusammengefassten forschungswirksamen Ausgaben des Bundes, welche die forschungswirksamen Anteile an den Beitragszahlungen an internationale Organisationen (siehe oben Punkt 2.2)
einschließen, werden traditioneller Weise unter
der Bezeichnung „Ausgaben des Bundes für Forschung und Forschungsförderung“ zusammengefasst und entsprechen dem auf Basis des FrascatiHandbuches von OECD und EU angewendeten
„GBAORD“-Konzept193. Dieses Konzept bezieht
sich primär auf die Budgets des Zentral- bzw.
Bundesstaates und berücksichtigt im Gegensatz
zum Inlandskonzept die forschungsrelevanten
Beitragszahlungen an internationale Organisationen, womit es die Grundlage der Klassifizierung
von F&E-Budgetdaten nach sozio-ökonomischen
Zielsetzungen für die Berichterstattung an EU
und OECD bildet.
Im Jahr 2013 entfallen auf folgende sozio-ökonomischen Zielsetzungen die stärksten Anteile an
192 Quelle: BMF.
193 GBAORD: Government Budget Appropriations or Outlays for R&D = „Staatliche Mittelzuweisungen oder Ausgaben für Forschung
und Entwicklung“ (EU-Übersetzung).
186
Forschungs- und Technologiebericht 2013
9 Statistik
den Ausgaben des Bundes für Forschung und Forschungsförderung:
• Förderung der allgemeinen Erweiterung des
Wissens: 30,4 %
• Förderung von Handel, Gewerbe und Industrie: 27,6 %
• Förderung des Gesundheitswesens: 20,8 %
• Förderung der Erforschung der Erde, der Meere, der Atmosphäre und des Weltraumes: 4,5 %
• Förderung der sozialen und sozio-ökonomischen Entwicklung: 3,5 %
• Förderung des Umweltschutzes: 3,3 %
• Förderung der Land- und Forstwirtschaft:
2,8 %
3. F&E-Ausgaben der Bundesländer
Die als Teilsumme in Tabelle 1 ausgewiesene
Forschungsfinanzierung durch die Bundesländer
beruht auf den von den Ämtern der Landesregierungen gemeldeten F&E-Ausgaben-Schätzungen
auf Basis der jeweiligen Landesvoranschläge. Die
F&E-Ausgaben der Landeskrankenanstalten werden gemäß einer mit den Landesregierungen vereinbarten Methodik von Statistik Austria jährlich geschätzt.
4. F&E-Ausgaben 2010 im internationalen
Vergleich
Die Übersichtstabelle 13 zeigt anhand der wichtigsten F&E-relevanten Kennzahlen die Position
Österreichs im Vergleich zu den anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union bzw. der
OECD.194
5. Beteiligung Österreichs an den Europäischen
Rahmenprogrammen für Forschung,
technologische Entwicklung und Demonstration
Die Tabellen 14 bis 16 geben einen Überblick
über die Beteiligung Österreichs an den Europäischen Rahmenprogrammen für Forschung und
Entwicklung anhand des laufenden Monitoringund Berichtssystems von PROVISO.
6. Forschungsförderung durch den
Wissenschaftsfonds (FWF)
In den Tabellen 17 bis 19 werden detaillierte Informationen über die Förderungen und die Anzahl der Projekte in den Programmen des FWF
bereitgestellt.
7. Förderungen durch die Forschungs­
förderungsgesellschaft (FFG)
Die Tabellen 20 bis 21 liefern detaillierte Angaben zu den Förderzusagen des Jahres 2012 von
Seiten der FFG.
8. aws-Technologieprogramme
Die Tabelle 22 zeigt einen Überblick bezüglich
der erfolgten Förderungen im Rahmen der awsTechnologieprogramme.
9. Christian Doppler Gesellschaft
Tabelle 23 bis 25 bezieht sich auf den Stand und
die zeitliche Entwicklung der CD-Labors.
194 Quelle: OECD: MSTI 2012-2.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
187
9 Statistik
Tabellenübersicht
Tabelle 1:Globalschätzung 2013: Bruttoinlandsausgaben für die F&E-Finanzierung der in Österreich durchgeführten
Forschung und experimentellen Entwicklung 1993 bis 2013. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 189
Tabelle 2:Globalschätzung 2013: Bruttoinlandsausgaben für F&E-Finanzierung der in Österreich durchgeführten
Forschung und experimentellen Entwicklung in Prozent des BIP 1993 bis 2013 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 189
Tabelle 3: Ausgaben des Bundes für Forschung und Forschungsförderung 2010 bis 2013 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 190
Tabelle 4: Beilage T des Arbeitsbehelfes zum Bundesfinanzgesetz 2013 (Finanzierungsvoranschlag). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 190
Tabelle 5: Ausgaben des Bundes für Forschung und Forschungsförderung nach sozio-ökonomischen Zielsetzungen 1997 bis 2013 . . . . . . . . . . . . . . 191
Tabelle 6: Ausgaben des Bundes für Forschung und Forschungsförderung nach sozio-ökonomischen Zielsetzungen und Ressorts 2011. . . . . . . . . . . 192
Tabelle 7: Ausgaben des Bundes für Forschung und Forschungsförderung nach sozio-ökonomischen Zielsetzungen und Ressorts 2012. . . . . . . . . . . 193
Tabelle 8: Ausgaben des Bundes für Forschung und Forschungsförderung nach sozio-ökonomischen Zielsetzungen und Ressorts 2013. . . . . . . . . . . 194
Tabelle 9: Allgemeine forschungswirksame Hochschulausgaben des Bundes (General University Funds) 1999 bis 2013. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 195
Tabelle 10:Forschungsförderungen und Forschungsaufträge des Bundes nach
Durchführungssektoren/-bereichen und vergebenden Ressorts 2011 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 196
Tabelle 11:Forschungsförderungen und Forschungsaufträge des Bundes nach
sozio-ökonomischen Zielsetzungen und vergebenden Ressorts 2011. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 197
Tabelle 12:Forschungsförderungen und Forschungsaufträge der Bundesdienststellen nach
Wissenschaftszweigen und vergebenden Ressorts 2011. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 198
Tabelle 13: Forschung und experimentelle Entwicklung (F&E) im internationalen Vergleich 2010. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 199
Tabelle 14: Österreichs Pfad vom 4. zum 7. EU-Rahmenprogramm für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration . . . . . . . . . . . . . . . 200
Tabelle 15: Ergebnisse Österreichs im 7. EU-Rahmenprogramm für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration . . . . . . . . . . . . . . . . . 200
Tabelle 16:Überblick über Projekte und Beteiligungen im 7. EU-Rahmenprogramm für Forschung,
technologische Entwicklung und Demonstration. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 201
Tabelle 17: FWF: Entwicklung der Förderungen in den Life Sciences 2010 bis 2012. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 201
Tabelle 18: FWF: Entwicklung der Förderungen in den Naturwissenschaften und Technik 2010 bis 2012 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 202
Tabelle 19: FWF: Entwicklung der Förderungen in den Geistes- und Sozialwissenschaften 2010 bis 2012 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 203
Tabelle 20: FFG: Förderungen nach Bundesland 2012. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 203
Tabelle 21: FFG: Projektkosten und Förderung nach Subject Index Code 2012. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 204
Tabelle 22: aws: Zuschüsse für Technologieförderung 2012. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 205
Tabelle 23: CDG: CD-Labors nach Universitäten/Forschungseinrichtungen 2012. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 205
Tabelle 24: CDG: Entwicklung der CDG 1989 bis 2012. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 206
Tabelle 25: CDG: CD-Labors nach Thematischen Clustern 2012 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 206
188
Forschungs- und Technologiebericht 2013
1993
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
159,06
3. Bruttoinlandsausgaben für F&E in % des BIP
1,45
1,69
1,60
Forschungs- und Technologiebericht 2013
142,41
206,23
248,50
280,14
171,26
291,62
207,88
330,17
219,98
263,18
354,35
273,37
405,17
408,73
412,51
427,40
1,77
191,91
56,86
684,63
1,89
199,27
70,59
738,91
1,93
208,47
70,23
800,10
2,05
214,20
64,08
2,12
220,53
58,09
2,24
225,00
71,29
2,24
234,71
87,49
2,46
245,24
96,32
2,44
259,03
106,20
2,51
274,02
113,04
2,67
282,74
115,83
2,71
276,15
132,97
2,79
286,40
137,86
2,72
300,71
142,94
2,81
309,90
148,21
2,81
319,15
153,67
863,30 1.001,97 1.009,26 1.016,61 1.087,51 1.163,35 1.230,24 1.240,53 1.255,93 1.278,54 1.301,14 1.327,16 1.362,99
1,45
1. Bruttoinlandsausgaben für F&E (in % des BIP)
0,19
0,02
0,04
0,02
Ausland4)
Sonstige5)
Fußnoten siehe Tabelle 1.
Stand: 11. April 2013.
Quelle: STATISTIK AUSTRIA (Bundesanstalt Statistik Österreich)
180,56
0,71
0,71
Unternehmenssektor3)
159,27
0,09
0,08
2. BIP nominell6) (in Mrd. € )
0,59
0,60
Bund1)
1,60
1996
Bundesländer2)
Davon finanziert durch:
1993
Finanzierung
184,32
0,03
0,26
0,73
0,09
0,58
1,69
1997
191,91
0,03
0,36
0,74
0,07
0,57
1,77
1998
199,27
0,04
0,37
0,78
0,10
0,60
1,89
1999
208,47
0,03
0,38
0,81
0,12
0,59
1,93
2000
214,20
0,03
0,40
0,86
0,13
0,63
2,05
2001
220,53
0,03
0,45
0,95
0,08
0,62
2,12
2002
225,00
0,03
0,45
1,01
0,13
0,62
2,24
2003
234,71
0,04
0,43
1,05
0,09
0,62
2,24
2004
245,24
0,04
0,44
1,12
0,13
0,72
2,46
2005
259,03
0,04
0,45
1,18
0,08
0,68
2,44
2006
274,02
0,04
0,45
1,22
0,10
0,70
2,51
2007
282,74
0,04
0,44
1,23
0,13
0,83
2,67
2008
276,15
0,05
0,45
1,27
0,10
0,83
2,71
2009
286,40
0,05
0,45
1,25
0,14
0,90
2,79
2010
0,05
0,43
1,23
0,14
0,87
2,72
2011
300,71
Tabelle 2: Globalschätzung 2013: Bruttoinlandsausgaben für F&E-Finanzierung der in Österreich durchgeführten Forschung und experimentellen Entwicklung
in Prozent des BIP 1993 bis 2013
1
309,90
0,05
0,43
1,23
0,13
0,97
2,81
2012
319,15
0,05
0,43
1,23
0,13
0,97
2,81
2013
) 1993, 1998, 2002, 2004, 2006, 2007 und 2009: Erhebungsergebnisse (Bund einschl. FWF, FFF/FFG sowie 1993, 1998 und 2002 auch einschl. ITF).
1996,1997, 1999-2001, 2003, 2005, 2008,2010-2011: Beilagen T/Teil b der Arbeitsbehelfe zu den Bundesfinanzgesetzen (jeweils Erfolg).
2005: Zusätzlich: 84,4 Mio. € Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung sowie 121,3 Mio. € ausbezahlte Forschungsprämien.
2008: Zusätzlich: 91,0 Mio. € Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung sowie 340,6 Mio. € ausbezahlte Forschungsprämien.
2010: Zusätzlich: 74,6 Mio. € Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung sowie 328,8 Mio. € ausbezahlte Forschungsprämien.
2011: Zusätzlich: 75,1 Mio. € Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung sowie 314,3 Mio. € ausbezahlte Forschungsprämien.
2012: Beilage T/Teil b des Arbeitsbehelfes zum Bundesfinanzgesetz 2013 (Finanzierungsvoranschlag). Zusätzlich: 53,9 Mio. € Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung sowie 574,1 Mio. € ausbezahlte Forschungsprämien (Quelle: BMF, April 2013).
2013: Beilage T/Teil b des Arbeitsbehelfes zum Bundesfinanzgesetz 2013 (Finanzierungsvoranschlag). Zusätzlich: 83,3 Mio. € Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung sowie 550 Mio. € nach dem derzeitigen Informationsstand voraussichtlich zur Auszahlung gelangende Forschungsprämien (Schätzung BMF, April 2013; aufgrund der neu in Kraft getretenen Pflicht zur Begutachtung der für die Forschungsprämie eingereichten eigenbetrieblichen
Forschungsaktivitäten durch die FFG ist die derzeitige Schätzung als „vorläufig“ anzusehen).
2
) 1993, 1998, 2002, 2004, 2006, 2007 und 2009: Erhebungsergebnisse. 1996,1997, 1999-2001, 2003, 2005, 2008 und 2010-2013: Auf der Basis der von den Ämtern der Landesregierungen gemeldeten F&E-Ausgaben-Schätzungen.
3
) Finanzierung durch die Wirtschaft.
1993, 1998, 2002, 2004, 2006, 2007 und 2009: Erhebungsergebnisse. 1996, 1997, 1999-2001, 2003, 2005, 2008 und 2010-2013: Schätzung durch Statistik Austria.
4
) 1993, 1998, 2002, 2004, 2006, 2007 und 2009: Erhebungsergebnisse. 1996,1997, 1999-2001, 2003, 2005, 2008 und 2010-2013: Schätzung durch Statistik Austria.
5
) Finanzierung durch Gemeinden (ohne Wien), durch Kammern, durch Sozialversicherungsträger sowie sonstige öffentliche Finanzierung und Finanzierung durch den privaten gemeinnützigen Sektor. 1993, 1998, 2002, 2004, 2006, 2007
und 2009: Erhebungsergebnisse. 1996,1997, 1999-2001, 2003, 2005, 2008 und 2010-2013: Schätzung durch Statistik Austria.
6
) 1993-2011: Statistik Austria. 2012: WIFO im Auftrag von Statistik Austria. 2013: WIFO Konjunkturprognose März 2013.
Stand: 11. April 2013.
Quelle: STATISTIK AUSTRIA (Bundesanstalt Statistik Österreich).
184,32
47,47
478,21
180,56
32,27
28,42
159,27
337,00
59,69
Ausland4)
2. BIP nominell6) (in Mrd. €)
167,35
1.128,40 1.290,76 1.352,59 1.418,43 1.545,25 1.684,42 1.834,87 2.090,62 2.274,95 2.475,55 2.750,95 3.057,00 3.344,40 3.480,57 3.520,02 3.572,24 3.703,82 3.815,68 3.930,91
Sonstige5)
Unternehmenssektor3)
957,12 1.066,46 1.077,59 1.097,51 1.200,82 1.225,42 1.350,70 1.362,37 1.394,86 1.462,02 1.764,86 1.772,06 1.916,96 2.356,78 2.297,46 2.586,43 2.630,28 3.004,26 3.087,36
129,67
Bundesländer2)
2.303,31 2.885,55 3.123,21 3.399,84 3.761,80 4.028,67 4.393,09 4.684,31 5.041,98 5.249,55 6.029,81 6.318,59 6.867,82 7.548,06 7.479,75 7.980,24 8.186,91 8.707,82 8.962,33
Bund1)
Davon finanziert durch:
1. Bruttoinlandsausgaben für F&E (in Mio. €)
Finanzierung
Tabelle 1: Globalschätzung 2013: Bruttoinlandsausgaben für die F&E-Finanzierung der in Österreich durchgeführten Forschung und experimentellen Entwicklung
1993 bis 2013
9 Statistik
189
9 Statistik
Tabelle 3: Ausgaben des Bundes für Forschung und Forschungsförderung 2010 bis 2013
Aufgliederung der Beilage T der Arbeitsbehelfe zu den Bundesfinanzgesetzen 2012 und 2013
Erfolg
Ressorts1)
Mio. €
Bundeskanzleramt
Bundesvoranschlag
20113)
20102)
%
Mio. €
%
Mio. €
%
1,973
0,1
1,898
0,1
2,385
0,1
2,237
0,1
0,0
0,801
0,0
0,933
0,0
0,911
0,0
62,380
2,7
63,436
2,7
70,793
2,9
66,842
2,6
Bundesministerium für Inneres
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Mio. €
20133)
0,789
4)
Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung
%
20123)
1.652,719 72,9 1.669,825 71,5 1.738,305 70,3 1.823,278 71,5
Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz
2,232
0,1
2,736
0,1
2,171
0,1
2,501
0,1
Bundesministerium für Gesundheit
4,959
0,2
3,772
0,2
5,374
0,2
4,916
0,2
Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten
2,147
0,1
2,259
0,1
2,383
0,1
2,386
0,1
Bundesministerium für Justiz
0,098
0,0
0,098
0,0
0,130
0,0
0,130
0,0
Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport
Bundesministerium für Finanzen
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend
Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie
2,440
0,1
2,079
0,1
2,589
0,1
2,380
0,1
31,437
1,4
33,970
1,5
34,466
1,4
34,620
1,4
60,927
2,7
77,425
3,3
86,609
3,5
76,048
3,0
103,200
4,5
110,489
4,7
107,076
4,3
104,338
4,1
344,685 15,2
Insgesamt
366,903 15,7
417,905 16,9
428,502 16,8
2.269,986 100,0 2.335,691 100,0 2.471,117 100,0 2.549,089 100,0
Stand: April 2013.
Quelle: Statistik Austria (Bundesanstalt Statistik Österreich).
) Entsprechend der im jeweiligen Jahr gültigen Fassung des Bundesministeriengesetzes 1986 (BGBl. I Nr. 3/2009).
) Arbeitsbehelf zum Bundesfinanzgesetz 2012.
3
) Arbeitsbehelf zum Bundesfinanzgesetz 2013 (Finanzierungsvoranschlag).
4
) Einschließlich oberste Organe. - Rundungsdifferenzen nicht ausgeglichen.
1
2
Tabelle 4: Beilage T des Arbeitsbehelfes zum Bundesfinanzgesetz 2013 (Finanzierungsvoranschlag)
Beilage T
Bundesvoranschlag 2013
Insgesamt
Bundesvoranschlag 2012
Forschung
Insgesamt
Erfolg 2011
Forschung
Insgesamt
Forschung
Mio. €
110.115
95.028
108.976
94.813
107.358
94.776
Teil b**
Teil a*
6.275.091
2.454.061
6.101.554
2.376.304
5.715.722
2.240.915
Insgesamt
6.385.206
2.549.089
6.210.530
2.471.117
5.823.080
2.335.691
Stand: April 2013.
Quelle: Bundesministerium für Finanzen.
* Beitragszahlungen an internationale Organisationen, die Forschung und Forschungsförderung (mit) als Ziel haben.
** Inlandsausgaben des Bundes für Forschung und Forschungsförderung (Bundesbudget Forschung).
190
Forschungs- und Technologiebericht 2013
Forschungs- und Technologiebericht 2013
in 1000 €
in %
in 1000 €
in %
in 1000 €
in %
in 1000 €
in %
in 1000 €
in %
in 1000 €
in %
in 1000 €
in %
in 1000 €
in %
in 1000 €
in %
in 1000 €
in %
in 1000 €
in %
in 1000 €
in %
in 1000 €
in %
in 1000 €
in %
in 1000 €
in %
in 1000 €
in %
in 1000 €
in %
1.132.901
100,0
1.207.908
100,0
1.281.498
100,0
1.287.326
100,0
1.408.773
100,0
1.466.695
100,0
1.452.124
100,0
1.537.890
100,0
1.619.740
100,0
1.697.550
100,0
1.770.144
100,0
1.986.775
100,0
2.149.787
100,0
2.269.986
100,0
2.335.691
100,0
2.471.117
100,0
2.549.089
100,0
54.939
4,8
85.538
7,1
91.387
7,1
86.343
6,7
92.134
6,5
94.112
6,4
96.812
6,7
84.670
5,5
85.101
5,3
76.887
4,5
80.962
4,6
87.751
4,4
104.775
4,9
103.791
4,6
108.228
4,6
111.154
4,5
115.312
4,5
49.177
4,3
69.262
5,7
75.421
5,9
79.177
6,2
78.480
5,6
85.313
5,8
86.018
5,9
61.182
4,0
57.618
3,6
57.698
3,4
64.637
3,7
66.273
3,3
66.647
3,1
67.621
3,0
67.184
2,9
68.069
2,8
71.467
2,8
Förderung
der Landund Forstwirtschaft
155.087
13,7
173.102
14,3
188.151
14,7
194.247
15,1
251.049
17,8
243.301
16,6
241.728
16,6
308.316
20,0
347.841
21,5
411.462
24,2
435.799
24,6
525.573
26,5
538.539
25,1
587.124
25,9
623.537
26,7
655.208
26,5
702.590
27,6
21.884
1,9
22.694
1,9
25.314
2,0
21.365
1,7
25.093
1,8
26.243
1,8
25.960
1,8
25.716
1,7
28.320
1,7
20.951
1,2
28.001
1,6
24.655
1,2
32.964
1,5
39.977
1,8
41.836
1,8
55.368
2,2
46.169
1,8
30.385
2,7
34.064
2,8
32.337
2,5
29.644
2,3
36.435
2,6
42.459
2,9
39.550
2,7
41.489
2,7
35.275
2,2
42.795
2,5
40.013
2,3
39.990
2,0
47.300
2,2
56.969
2,5
56.489
2,4
64.950
2,6
59.997
2,4
15.713
1,4
14.514
1,2
15.552
1,2
14.299
1,1
15.342
1,1
16.604
1,1
15.787
1,1
10.846
0,7
9.557
0,6
18.997
1,1
19.990
1,1
37.636
1,9
42.581
2,0
50.648
2,2
52.607
2,3
61.590
2,5
58.949
2,3
265.641
23,4
270.452
22,4
280.577
21,9
291.038
22,6
306.074
21,7
315.345
21,5
316.273
21,8
362.961
23,6
362.000
22,3
379.776
22,4
373.431
21,1
422.617
21,3
456.544
21,2
472.455
20,8
477.955
20,5
514.882
20,8
529.652
20,8
Förderung der Förderung des
Förderung von
Förderung des
Erzeugung,
Transport-,
Förderung des
Handel,
UnterrichtsSpeicherung Verkehrs- und
GesundGewerbe
und Bildungsund Verteilung Nachrichtenheitswesens
und Industrie
wesens
von Energie
wesens
davon für
79.076
7,0
86.414
7,2
91.162
7,1
89.881
7,0
94.474
6,7
97.860
6,7
92.762
6,4
73.670
4,8
73.978
4,6
81.812
4,8
90.639
5,1
90.879
4,6
97.076
4,5
99.798
4,4
82.839
3,5
85.952
3,5
89.934
3,5
43.121
3,8
41.747
3,5
42.771
3,3
43.301
3,4
43.909
3,1
45.204
3,1
49.487
3,4
41.336
2,7
46.384
2,9
53.279
3,1
56.075
3,2
57.535
2,9
67.985
3,2
67.114
3,0
80.959
3,5
93.053
3,8
83.923
3,3
6.433
0,6
10.090
0,8
10.136
0,8
10.006
0,8
10.739
0,8
11.153
0,8
10.665
0,7
13.260
0,9
13.349
0,8
9.602
0,6
9.673
0,5
12.279
0,6
14.522
0,7
12.792
0,6
13.078
0,6
13.914
0,6
14.483
0,6
31
0,0
57
0,0
12
0,0
336
0,0
174
0,0
21
0,0
4
0,0
163
0,0
243
0,0
126
0,0
27
0,0
142
0,0
133
0,0
123
0,0
119
0,0
111
0,0
112
0,0
11.178
1,0
11.549
1,0
11.348
0,9
11.502
0,9
11.939
0,8
12.579
0,9
12.966
0,9
15.724
1,0
16.165
1,0
894
0,1
-
400.236
35,4
388.424
32,1
417.329
32,6
416.187
32,2
442.931
31,5
476.501
32,4
464.112
32,0
498.557
32,4
543.909
33,5
544.165
32,2
570.003
32,1
621.445
31,3
680.721
31,6
711.574
31,2
730.860
31,2
746.868
30,2
776.501
30,4
Förderung der
sozialen und
Förderung der
Förderung des Förderung der Förderung der Förderung
sozioallgemeinen
UmweltStadt- und
Landesanderer ZielökonomiErweiterung
schutzes
Raumplanung verteidigung
setzungen
schen Entdes Wissens
wicklung
1
) Beilage T des Amtsbehelfes zum BFG 1999, Erfolg. - 2) Beilage T des Amtsbehelfes zum BFG 2000, Erfolg. Revidierte Daten. - 3) Beilage T des Amtsbehelfes zum BFG 2001, Erfolg. Revidierte Daten. - 4) Beilage T des Arbeitsbehelfes zum
BFG 2002, Erfolg. - 5) Beilage T des Arbeitsbehelfes zum BFG 2003, Erfolg. - 6) Beilage T des Arbeitsbehelfes zum BFG 2004, Erfolg. - 7) Beilage T des Arbeitsbehelfes zum BFG 2005, Erfolg. - 8) Beilage T des Arbeitsbehelfes zum BFG
2006, Erfolg. Revidierte Daten. - 9) Beilage T des Arbeitsbehelfes zum BFG 2007, Erfolg. - 10) Beilage T des Arbeitsbehelfes zum BFG 2008, Erfolg. Revidierte Daten. - 11) Beilage T des Arbeitsbehelfes zum BFG 2009, Erfolg. - 12) Beilage T
des Arbeitsbehelfes zum BFG 2010, Erfolg. - 13) Beilage T des Arbeitsbehelfes zum BFG 2011, Erfolg. - 14) Beilage T des Arbeitsbehelfes zum BFG 2012, Erfolg. - 15) Beilage T des Arbeitsbehelfes zum BFG 2013 (Finanzierungsvoranschlag),
Erfolg. - 16) Beilage T des Arbeitsbehelfes zum BFG 2013 (Finanzierungsvoranschlag), Bundesvoranschlag. - Rundungsdifferenzen nicht ausgeglichen.
Stand: April 2013.
Quelle: Statistik Austria (Bundesanstalt Statistik Österreich).
201316)
201216)
201115)
201014)
200913)
200812)
200711)
200610)
20059)
20048)
20037)
20026)
20015)
20004)
19993)
19982)
19971)
Berichtsjahre
Förderung der
Ausgaben Erforschung
des Bundes der Erde, der
für F&E
Meere, der
insgesamt Atmosphäre
und des
Weltraumes
Tabelle 5: Ausgaben des Bundes für Forschung und Forschungsförderung nach sozio-ökonomischen Zielsetzungen 1997 bis 2013
Auswertungen der Beilagen T (Teil a und Teil b) der Amtsbehelfe/Arbeitsbehelfe zu den Bundesfinanzgesetzen
9 Statistik
191
192
in 1000 €
1.898
in %
100,0
in 1000 €
801
in %
100,0
in 1000 €
63.436
in %
100,0
in 1000 € 1.669.825
in %
100,0
in 1000 €
2.736
in %
100,0
in 1000 €
3.772
in %
100,0
in 1000 €
2.259
in %
100,0
in 1000 €
98
in %
100,0
in 1000 €
2.079
in %
100,0
in 1000 €
33.970
in %
100,0
in 1000 €
77.425
in %
100,0
in 1000 € 110.489
in %
100,0
in 1000 € 366.903
in %
100,0
in 1000 € 2.335.691
in %
100,0
1
2.649
4,2
79.866
4,8
1.100
3,2
997
1,3
23.616
6,4
108.228
4,6
) Erfolg. - 2) Einschließlich oberste Organe.
Stand: April 2013.
Quelle: Statistik Austria
Insgesamt
BMVIT
BMWFJ
BMLFUW
BMF
BMLVS
BMJ
BMEIA
BMG
BMASK
BMWF
BMUKK
BMI
BKA2)
Ressorts
Förderung der
Ausgaben Erforschung
des Bundes der Erde, der
für F&E
Meere, der
insgesamt Atmosphäre
und des
Weltraumes
28.297
1,7
62
1,6
785
2,3
34.608
44,7
3.432
0,9
67.184
2,9
Förderung
der Landund Forstwirtschaft
319
0,5
305.828
18,3
6.329
18,6
108.663
98,3
202.398
55,2
623.537
26,7
48
2,5
13.578
0,8
1.105
48,9
288
0,8
540
0,5
26.277
7,2
41.836
1,8
27.865
1,7
604
1,8
28.020
7,6
56.489
2,4
29.452
46,4
22.545
1,4
489
1,4
88
0,1
33
0,0
52.607
2,3
425.369
25,5
188
6,9
3.709
98,4
7.511
22,1
41.178
11,2
477.955
20,5
Förderung der Förderung des
Förderung von
Förderung des
Erzeugung,
Transport-,
Förderung des
Handel,
UnterrichtsSpeicherung Verkehrs- und
GesundGewerbe
und Bildungsund Verteilung Nachrichtenheitswesens
und Industrie
wesens
von Energie
wesens
davon für
1.145
60,4
801
100,0
5.595
8,8
60.318
3,6
2.548
93,1
1
0,0
1.146
50,7
98
100,0
5.562
16,4
1.854
2,4
1.286
1,2
2.485
0,7
82.839
3,5
27.312
1,6
604
1,8
39.633
51,2
13.410
3,7
80.959
3,5
551
29,0
10.676
0,6
230
0,7
1.621
0,4
13.078
0,6
88
0,0
31
1,5
119
0,0
-
154
8,1
25.421
40,1
668.083
40,0
8
0,4
2.048
98,5
10.468
30,9
245
0,3
24.433
6,7
730.860
31,2
Förderung der
sozialen und
Förderung der
Förderung des Förderung der Förderung der Förderung
sozioallgemeinen
UmweltStadt- und
Landesanderer ZielökonomiErweiterung
schutzes
Raumplanung verteidigung
setzungen
schen Entdes Wissens
wicklung
Tabelle 6: Ausgaben des Bundes für Forschung und Forschungsförderung nach sozio-ökonomischen Zielsetzungen und Ressorts 2011
Aufgliederung der Jahreswerte 20111) der Beilage T des Arbeitsbehelfes zum Bundesfinanzgesetz 2013 (Finanzierungsvoranschlag, Teil a und Teil b)
9 Statistik
Forschungs- und Technologiebericht 2013
Forschungs- und Technologiebericht 2013
2.405
3,4
81.358
4,7
1.102
3,2
836
1,0
25.453
6,1
111.154
4,5
29.605
1,7
71
1,3
804
2,3
33.930
39,2
3.659
0,9
68.069
2,8
Förderung
der Landund Forstwirtschaft
1
davon für
319
0,5
320.174
18,4
6.406
18,6
105.394
98,4
222.915
53,3
655.208
26,5
47
2,0
14.135
0,8
1.138
47,8
298
0,9
39.750
9,5
55.368
2,2
29.069
1,7
596
1,7
35.285
8,4
64.950
2,6
37.393
52,7
23.520
1,4
506
1,5
109
0,1
62
0,0
61.590
2,5
457.638
26,3
184
8,5
5.287
98,4
7.597
22,0
44.176
10,6
514.882
20,8
Förderung der Förderung des
Förderung von
Förderung des
Erzeugung,
Transport-,
Förderung des
Handel,
UnterrichtsSpeicherung Verkehrs- und
GesundGewerbe
und Bildungsund Verteilung Nachrichtenheitswesens
und Industrie
wesens
von Energie
wesens
) Bundesvoranschlag. - 2) Einschließlich oberste Organe. - Rundungsdifferenzen nicht ausgeglichen.
Stand: April 2013.
Quelle: Statistik Austria (Bundesanstalt Statistik Österreich).
in 1000 €
2.385
in %
100,0
BMI
in 1000 €
933
in %
100,0
BMUKK
in 1000 €
70.793
in %
100,0
BMWF
in 1000 € 1.738.305
in %
100,0
BMASK
in 1000 €
2.171
in %
100,0
BMG
in 1000 €
5.374
in %
100,0
BMEIA
in 1000 €
2.383
in %
100,0
BMJ
in 1000 €
130
in %
100,0
BMLVS
in 1000 €
2.589
in %
100,0
BMF
in 1000 €
34.466
in %
100,0
BMLFUW
in 1000 €
86.609
in %
100,0
BMWFJ
in 1000 € 107.076
in %
100,0
BMVIT
in 1000 € 417.905
in %
100,0
Insgesamt in 1000 € 2.471.117
in %
100,0
BKA2)
Ressorts
Förderung der
Ausgaben Erforschung
des Bundes der Erde, der
für F&E
Meere, der
insgesamt Atmosphäre
und des
Weltraumes
1.279
53,6
933
100,0
6.272
8,9
62.102
3,6
1.987
91,5
16
0,3
1.236
51,8
130
100,0
5.777
16,8
1.671
1,9
1.682
1,6
2.867
0,7
85.952
3,5
28.545
1,6
596
1,7
49.850
57,6
14.062
3,4
93.053
3,8
897
37,6
11.141
0,6
238
0,7
1.638
0,4
13.914
0,6
93
0,0
18
0,7
111
0,0
-
162
6,8
24.404
34,5
680.925
39,2
9
0,4
2.571
99,3
10.546
30,6
213
0,2
28.038
6,7
746.868
30,2
Förderung der
sozialen und
Förderung der
Förderung des Förderung der Förderung der Förderung
sozioallgemeinen
UmweltStadt- und
Landesanderer ZielökonomiErweiterung
schutzes
Raumplanung verteidigung
setzungen
schen Entdes Wissens
wicklung
Tabelle 7: Ausgaben des Bundes für Forschung und Forschungsförderung nach sozio-ökonomischen Zielsetzungen und Ressorts 2012
Aufgliederung der Jahreswerte 20121) der Beilage T des Arbeitsbehelfes zum Bundesfinanzgesetz 2013 (Finanzierungsvoranschlag, Teil a und Teil b)
9 Statistik
193
194
in 1000 €
2.237
in %
100,0
in 1000 €
911
in %
100,0
in 1000 €
66.842
in %
100,0
in 1000 € 1.823.278
in %
100,0
in 1000 €
2.501
in %
100,0
in 1000 €
4.916
in %
100,0
in 1000 €
2.386
in %
100,0
in 1000 €
130
in %
100,0
in 1000 €
2.380
in %
100,0
in 1000 €
34.620
in %
100,0
in 1000 €
76.048
in %
100,0
in 1000 € 104.338
in %
100,0
in 1000 € 428.502
in %
100,0
in 1000 € 2.549.089
in %
100,0
2.427
3,6
86.388
4,7
1.102
3,2
1.132
1,5
24.263
5,7
115.312
4,5
31.716
1,7
71
1,4
804
2,3
34.721
45,7
4.155
1,0
71.467
2,8
Förderung
der Landund Forstwirtschaft
1
) Bundesvoranschlag. - 2) Einschließlich oberste Organe.
Stand: April 2013.
Quelle: Statistik Austria (Bundesanstalt Statistik Österreich).
Insgesamt
BMVIT
BMWFJ
BMLFUW
BMF
BMLVS
BMJ
BMEIA
BMG
BMASK
BMWF
BMUKK
BMI
BKA2)
Ressorts
Förderung der
Ausgaben Erforschung
des Bundes der Erde, der
für F&E
Meere, der
insgesamt Atmosphäre
und des
Weltraumes
319
0,5
342.886
18,8
6.406
18,5
102.656
98,4
250.323
58,4
702.590
27,6
48
2,1
14.945
0,8
1.155
48,4
298
0,9
29.723
6,9
46.169
1,8
30.905
1,7
596
1,7
28.496
6,7
59.997
2,4
33.288
49,8
25.008
1,4
506
1,5
109
0,1
38
0,0
58.949
2,3
469.258
25,7
184
7,4
4.841
98,5
7.597
21,9
47.772
11,1
529.652
20,8
Förderung der Förderung des
Förderung von
Förderung des
Erzeugung,
Transport-,
Förderung des
Handel,
UnterrichtsSpeicherung Verkehrs- und
GesundGewerbe
und Bildungsund Verteilung Nachrichtenheitswesens
und Industrie
wesens
von Energie
wesens
davon für
1.439
64,4
911
100,0
6.218
9,3
65.728
3,6
2.317
92,6
4
0,1
1.222
51,2
130
100,0
5.931
17,1
1.673
2,2
1.682
1,6
2.679
0,6
89.934
3,5
30.498
1,7
596
1,7
38.138
50,1
14.691
3,4
83.923
3,3
591
26,4
12.006
0,7
238
0,7
1.648
0,4
14.483
0,6
96
0,0
16
0,7
112
0,0
-
159
7,1
24.590
36,8
713.844
39,2
9
0,4
2.364
99,3
10.546
30,5
275
0,4
24.714
5,8
776.501
30,4
Förderung der
sozialen und
Förderung der
Förderung des Förderung der Förderung der Förderung
sozioallgemeinen
UmweltStadt- und
Landesanderer ZielökonomiErweiterung
schutzes
Raumplanung verteidigung
setzungen
schen Entdes Wissens
wicklung
Tabelle 8: Ausgaben des Bundes für Forschung und Forschungsförderung nach sozio-ökonomischen Zielsetzungen und Ressorts 2013
Aufgliederung der Jahreswerte 20131) der Beilage T des Arbeitsbehelfes zum Bundesfinanzgesetz 2013 (Finanzierungsvoranschlag, Teil a und Teil b)
9 Statistik
Forschungs- und Technologiebericht 2013
9 Statistik
Tabelle 9: Allgemeine forschungswirksame Hochschulausgaben des Bundes (General University Funds) 1999 bis 2013
Allgemeine Hochschulausgaben1
Jahre
insgesamt
F&E
Mio. €
1999
1.960,216
834,529
2000
1.956,167
842,494
866,361
2001
2.008,803
2002
2.104,550
918,817
2003
2.063,685
899,326
2004
2.091,159
980,984
2005
2.136,412
1.014,543
2006
2.157,147
1.027,270
2007
2.314,955
1.083,555
2008
2.396,291
1.133,472
2009
2.626,038
1.326,757
2010
2.777,698
1.310,745
2011
2.791,094
1.307,049
2012
2.946,922
1.384,819
2013
3.162,492
1.483,763
Stand: April 2013.
Quelle: Statistik Austria (Bundesanstalt Statistik Österreich).
1) Auf Basis der Beilagen T der Arbeitsbehelfe zu den Bundesfinanzgesetzen.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
195
13.139.233
3.090.515
1.343.027
49.208.227
74.067.418
BMUKK
BMVIT
BMWFJ
BMWF
Insgesamt
Universitäten (einschl. Kliniken)
5,4
3,4
2,2
-
0,9
53,8
13,8
-
41,8
1,7
-
7,2
-
29,1
Universitäten der Künste
0,0
0,0
-
-
-
-
-
-
1,1
-
-
-
-
-
0,4
0,5
-
-
-
-
-
-
2,5
-
-
-
-
-
Österr. Akademie der Wissenschaften
Fachhochschulen
Pädagogische Hochschulen
Versuchsanstalten an HTLs
Zusammen
6,0
4,0
2,2
-
1,0
53,8
45,9
-
45,4
1,7
-
7,2
-
29,1
Bundeseinrichtungen
(außerhalb des HS-Sektors)
19,5
0,6
6,8
-
96,3
18,1
-
-
11,1
72,7
-
17,7
-
-
0,1
0,1
-
-
-
0,8
-
-
-
-
-
-
-
-
Gemeinden
0,0
0,0
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
7,8
5,9
18,6
21,4
1,9
4,5
-
100,0
25,0
-
-
47,0
-
Ludwig Boltzmann Gesellschaft
0,2
0,3
-
-
-
-
8,6
-
-
-
-
-
-
-
in Prozent
überwiegend öffentlich finanzierte
private gemeinnützige Einrichtungen
24,0
Zusammen
27,6
6,9
25,4
21,4
98,2
23,4
8,6
100,0
36,1
72,7
-
64,7
-
24,0
1,2
0,7
1,4
4,0
0,4
7,7
17,0
-
2,7
2,7
-
-
-
-
0,8
0,9
-
-
0,3
0,8
18,3
-
1,8
4,8
-
2,0
-
-
2,0
1,6
1,4
4,0
0,7
8,5
35,3
-
4,5
7,5
-
2,0
-
-
3,3
0,4
7,6
65,3
-
4,2
-
-
-
-
-
-
-
-
0,4
0,1
-
3,1
-
1,9
-
-
-
18,1
-
-
-
-
11,8
15,0
18,1
5,4
0,1
5,0
10,2
-
14,0
-
-
26,1
-
21,1
15,5
15,5
25,7
73,8
0,1
11,1
10,2
-
14,0
18,1
-
26,1
-
21,1
Zusammen
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
7,9
10,4
45,3
0,8
-
3,2
-
-
-
-
-
-
-
-
41,0
61,6
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
25,8
) D.h. ohne Globalförderungen für: Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung, Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft mbH, Ludwig Boltzmann Gesellschaft, Österreichische Akademie der Wissenschaften und AIT
Austrian Institute of Technology GmbH.
0,0
0,0
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung
) Stand: August 2012.
0,0
0,0
-
-
0,1
-
-
-
-
-
-
-
-
-
Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft mbH
2
0,2
0,1
-
-
-
-
32,1
-
-
-
-
-
-
-
private gemeinnützige Einrichtungen
Unternehmenssektor
Ausland
1
Stand: April 2013.
Quelle: Statistik Austria (Bundesanstalt Statistik Österreich).
294.469
179.893
BMJ
3.160.854
446.187
BMI
BMLFUW
440.832
BMG
BMLVS
-
2.603.886
BMASK
BMF
-
160.295
in EUR
Teilbeträge
2011
BMEIA
BKA
Ressorts
Individualforscher/innen
Privater
gemeinnütziger Sektor
Zusammen
Sektor Staat
Kooperativer Bereich einschl.
Kompetenzzentren (ohne AIT)
Hochschulsektor
Austrian Institute of
Technology GmbH - AIT
davon vergeben an
firmeneigener Bereich
196
Landeseinrichtungen
Tabelle 10: Forschungsförderungen und Forschungsaufträge des Bundes nach Durchführungssektoren/-bereichen und vergebenden Ressorts 2011
Auswertung der Bundesforschungsdatenbank 1) ohne „große“ Globalförderungen 2)
9 Statistik
Forschungs- und Technologiebericht 2013
Forschungs- und Technologiebericht 2013
74.067.418
100,0
in €
in %
100,0
in %
100,0
49.208.227
in €
in %
100,0
1.343.027
in €
in %
100,0
3.090.515
in €
in %
100,0
13.139.233
in €
in %
100,0
3.160.854
in €
in %
100,0
294.469
in €
in %
100,0
179.893
in %
in €
446.187
100,0
in €
440.832
in €
-
in %
in %
-
100,0
in €
2.603.886
in €
in %
-
-
in €
100,0
in %
160.295
in €
in %
Teilbeträge
2011
-
) Stand: August 2012.
-
-
-
9,4
6.966.744
12,6
6 211 923
3,2
2.378.007
0,0
265
-
-
3,7
-
-
-
-
66,1
2 088 053
-
-
-
-
-
-
65,7
289 689
-
-
-
-
-
-
3,1
2.289.894
0,4
199 307
0,4
4 961
65,6
2 026 500
-
-
1,6
51 626
2,5
7 500
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
0,3
229.140
0,1
53 070
-
-
3,1
95 877
-
-
2,5
80 193
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
0,0
28.779
0,1
28 779
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
16,8
12.432.356
0,0
24 464
-
-
-
-
94,4
12 407 892
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
16,5
12.192.733
24,4
12 009 222
1,9
26 000
-
-
-
-
3,1
96 705
19,8
58 206
-
-
-
-
-
-
-
-
0,1
2 600
-
-
-
8,6
6.356.043
4,3
2 117 574
25,5
342 552
9,3
285 896
1,7
217 847
2,5
77 472
18,3
53 873
97,8
175 893
94,7
422 757
-
-
-
-
96,1
2 501 884
-
-
100,0
160 295
-
0,3
233.816
0,2
100 316
-
-
-
-
-
-
4,2
133 500
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
0,1
56.957
0,1
32 307
0,3
4 650
0,6
20 000
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
0,1
50.000
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
17,0
50 000
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
41,6
30.852.949
57,8
28 431 000
71,9
964 864
17,7
547 156
3,9
513 494
3,7
116 656
42,4
124 890
2,2
4 000
5,3
23 430
6,4
28 057
-
-
3,8
99 402
-
-
-
2
) D.h. ohne Globalförderungen für: Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung, Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft mbH, Ludwig Boltzmann Gesellschaft, Österreichische Akademie der Wissenschaften und AIT
Austrian Institute of Technology GmbH.
1
-
115 086
-
-
16,3
516 649
-
-
-
-
-
-
27,9
123 086
-
-
-
-
-
-
-
Stand: April 2013.
Quelle: Statistik Austria (Bundesanstalt Statistik Österreich).
Insgesamt
BMWF
BMWFJ
BMVIT
BMUKK
BMLFUW
BMLVS
BMJ
BMI
BMG
BMF
BMASK
BMEIA
BKA
Ressorts
Förderung der
Erforschung
Förderung der Förderung des
Förderung der
Förderung von
Förderung des
Förderung der
Förderung der
der Erde,
Förderung der
Erzeugung,
Transport-,
Förderung des sozialen und Förderung des
Förderung der
Handel,
UnterrichtsStadt- und
allgemeinen
der Meere,
Land- und
Speicherung Verkehrs- und
Gesundsozio-ökonomiUmweltLandesverteidiGewerbe und
und BildungsRaumErweiterung
der Atmosphäre Forstwirtschaft
und Verteilung Nachrichtenheitswesens
schen Entschutzes
gung
Industrie
wesens
planung
des Wissens
und des
von Energie
wesens
wicklung
Weltraumes
davon für
Tabelle 11: Forschungsförderungen und Forschungsaufträge des Bundes nach sozio-ökonomischen Zielsetzungen und vergebenden Ressorts 2011
Auswertung der Bundesforschungsdatenbank1) ohne „große“ Globalförderungen2)
9 Statistik
197
9 Statistik
Tabelle 12: Forschungsförderungen und Forschungsaufträge der Bundesdienststellen nach Wissenschaftszweigen und vergebenden
Ressorts 2011
Auswertung der Bundesforschungsdatenbank 1) ohne „große“ Globalförderungen 2)
davon für
Ressorts
BKA
BMEIA
BMASK
BMF
BMG
BMI
BMJ
BMLVS
BMLFUW
BMUKK
BMVIT
BMWFJ
BMWF
Insgesamt
1.0
Naturwissenschaften
Teilbeträge
2011
2.0
Technische
Wissenschaften
3.0
Humanmedizin
4.0
Land- und
Forstwirtschaft,
Veterinärmedizin
5.0
Sozialwissenschaften
6.0
Geisteswissenschaften
in €
160.295
-
-
-
-
160 295
-
in %
100,0
-
-
-
-
100,0
-
in €
-
-
-
-
-
-
-
in %
-
-
-
-
-
-
-
in €
2.603.886
-
-
2 600
-
2 601 286
-
in %
100,0
-
-
0,1
-
99,9
-
in €
-
-
-
-
-
-
-
in %
-
-
-
-
-
-
-
in €
440.832
35 578
-
-
405 254
-
-
in %
100,0
8,1
-
-
91,9
-
-
in €
446.187
-
-
-
-
362 209
83 978
in %
100,0
-
-
-
-
81,2
18,8
in €
179.893
-
-
-
-
175 893
4 000
in %
100,0
-
-
-
-
97,8
2,2
in €
294.469
172 890
30 133
58 206
-
33 240
-
in %
100,0
58,7
10,2
19,8
-
11,3
-
in €
3.160.854
742 287
125 000
-
2 111 066
182 501
-
in %
100,0
23,5
4,0
-
66,7
5,8
-
in €
13.139.233
-
29 500
-
-
12 710 739
398 994
in %
100,0
-
0,2
-
-
96,8
3,0
in €
3.090.515
309 886
2 445 877
-
-
316 752
18 000
in %
100,0
10,0
79,2
-
-
10,2
0,6
in €
1.343.027
137 000
11 961
76 000
-
1 092 869
25 197
in %
100,0
10,2
0,9
5,7
-
81,3
1,9
in €
49.208.227
42 033 760
1 416 229
1 429 837
145 638
3 431 425
751 338
in %
100,0
85,4
2,9
2,9
0,3
7,0
1,5
in €
74.067.418
43.431.401
4.058.700
1.566.643
2.661.958
21.067.209
1.281.507
in %
100,0
58,7
5,5
2,1
3,6
28,4
1,7
Stand: April 2013.
Quelle: Statistik Austria (Bundesanstalt Statistik Österreich).
1
) Stand: August 2012.
) D.h. ohne Globalförderungen für: Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung, Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft mbH, Ludwig Boltzmann Gesellschaft,
Österreichische Akademie der Wissenschaften und AIT Austrian Institute of Technology GmbH.
2
198
Forschungs- und Technologiebericht 2013
9 Statistik
Tabelle 13: Forschung und experimentelle Entwicklung (F&E) im internationalen Vergleich 2010
Land
Bruttoinlandsausgaben für F&E
in % des BIP
Finanzierung der
Bruttoinlandsausgaben
für F&E durch
Staat
Bruttoausgaben für F&E des
Wirtschaft
Beschäftigte
in F&E
in Vollzeitäquivalenten
Unternehmenssektors
in %
Hochschulsektors
Sektors
Staat
privaten
gemeinnützigen
Sektors
in % der Bruttoinlandsausgaben für F&E
Belgien
2,00
25,34)
58,64)
58.896
66,2
23,6
9,2
1,0
Dänemark
3,07
27,1c)
60,7c)
57.310
68,2
29,3
2,1
0,4
Deutschland
2,80
30,3
65,6
548.526
67,1
18,1
14,8o)
.n)
Finnland
3,90
25,7
66,1
55.897
69,6
20,4
9,2
0,7
Frankreicha)
2,24
37,0
53,5
392.875
63,2
21,6
14,0
1,3
Griechenland
0,60c)2)
46,81
31,11
28,6c)2)
49,2c)2)
20,9c)2)
1,3c)2)
Irland
1,71
29,5
52,6
19.721
68,6
26,5
4,9
.
Italien
1,26
41,6
44,7
225.632
53,9
28,8
13,7
3,6
.
c)
35.531c)2)
Luxemburg
1,48
34,8
44,3
4.988
67,6
12,7
19,7
Niederlande
1,85
40,94
45,14
100.544
47,9
40,4
11,7o)
Österreichc)
2,795
38,75
44,85
58.992
68,1
26,1
5,3
0,5
10,1
Portugal
1,59
44,9
44,1
52.348
46,1
36,7
7,1
Schweden
3,39c)
27,54
58,84
77.418c)
68,7c)
26,3c)
4,9c)
Spanien
1,39
46,6
43,0
222.022
51,5
28,3
20,1
.n)
0,0c)
0,2
Vereinigtes Königreichc)
1,80
32,3
44,0
350.766
60,9
27,0
9,5
2,5
EU 15b)
2,06
34,5
54,2
2.259.902
62,2
24,2
12,4
1,3
Estland
1,63
44,1
43,6
5.277
50,2
38,0
10,6
1,2
Polen
0,74
60,9
24,4
81.843
26,6
37,2
35,9
0,3
Slowakische Republik
0,63
49,6
35,1
18.188
42,1
27,6
30,0d)
0,3
Slowenien
2,09
35,3
58,4
12.940
67,8
13,9
18,2
0,1
Tschechische Republik
1,55
39,9
48,9
52.290
62,0
18,0
19,4
0,5
Ungarn
1,17
39,3
47,4
31.480
59,8v
19,9v
18,5v
.
EU 25b)
1,95
35,2
53,4
2.481.643
61,4
24,4
13,1
1,2
Rumänien
0,46
54,4
32,3
26.171
38,3
24,5
36,8
0,4
EU-27b)
1,91
35,3
53,3
2.524.323
61,2
24,4
13,3
1,2
Australien
2,20c)
34,63)
61,93)
137.4893)
58,0c)
26,6c)
12,4c)
3,0c)
Chile
0,42
37,3
35,4
11.491
Island
2,65p)3)
38,8p)3)
50,3p)3)
Israeld)
4,34
14,84
39,0a
.
Japan
3,26
17,2e)
75,9
877.928
76,5
12,9
9,0
1,6
Kanada
1,85
36,1c)
45,5
221.360p)
50,3
38,0
11,2
0,5
Korea
3,74
26,7
71,8
335.228
74,8
10,8
12,7
1,7
Mexiko
0,444
53,24
39,14
70.2932)
41,14)
29,24)
26,84)
2,94)
Neuseeland4)
1,30
45,7
38,5
23.800
41,4
32,8
25,7
.
Norwegen
1,68
46,84
43,64
36.121
51,2
32,3
16,4
Schweiz3)
2,87
22,8
68,2
62.066
73,5
24,2
3.7534)
38,7
30,6
54,6p)3)
25,1p)3)
17,8p)3)
8,4
79,2
13,3g)
3,9
0,7h)
22,3
2,5p)3)
3,6
.
1,6
Türkei
0,84
30,8
45,1
81.792
42,5
46,0
11,4
.
Vereinigte Staatenj)
2,83
32,5
61,0o)
.
68,3
14,7
12,5h)
4,5p)
OECD insgesamtb)
2,38
31,1
60,3
.
66,5
18,7
12,1
2,7
Quelle: OECD (MSTI 2012-2), Statistik Austria (Bundesanstalt Statistik Österreich).
a
) Bruch in der Zeitreihe. - b) Schätzung des OECD-Sekretariates (basierend auf nationalen Quellen). - c) Nationale Schätzung, wenn erforderlich vom OECD-Sekretariat den OECDNormen angepasst. - d) F&E-Ausgaben für Landesverteidigung nicht enthalten. - e) Nationale Erhebungsergebnisse. Vom OECD-Sekretariat den OECD-Normen angepasste Werte. - h)
Nur Bundesmittel oder Mittel der Zentralregierung. - j) Ohne Investitionsausgaben. - n) Anderswo enthalten. - o) Enthält auch andere Kategorien. - p) Vorläufige Werte. - v) Die Summe
der Gliederungselemente ergibt nicht die Gesamtsumme.
1
) 2005. - 2) 2007. - 3) 2008. - 4) 2009. - 5) Statistik Austria; entsprechend F&E-Globalschätzung 2013.
Vollzeitäquivalent = Personenjahr.
Forschungs- und Technologiebericht 2013
199
9 Statistik
Tabelle 14: Österreichs Pfad vom 4. zum 7. EU-Rahmenprogramm für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration
4. RP
5. RP
1994-1998
1998-2002
6. RP
7. RP
2002-2006
Datenstand
11/2012
Anzahl bewilligter Projekte mit österreichischer Beteiligung
1.444
1.384
1.324
1.882
Anzahl bewilligter österreichischer Beteiligungen
1.923
1.987
1.972
2.622
Anzahl bewilligter, von österreichischen Organisationen koordinierter Projekte
270
267
213
300
Vertraglich gebundene Förderungen für bewilligte österreichische Partnerorganisationen und Forschende in Mio. €
194
292
425
729 1
Anteil bewilligter österreichischer Beteiligungen an den insgesamt bewilligten
Beteiligungen
2,3%
2,4%
2,6%
2,5%
Anteil bewilligter österreichischer KoordinatorInnen an den insgesamt bewilligten
KoordinatorInnen
1,7%
2,8%
3,3%
3,4%
Österreichischer Anteil an rückholbaren Fördermitteln (Rückflussindikator, RI)
1,99%
2,38%
2,56%
2,66%
70%
104%
117%
126%
Österreichischer Anteil an rückholbaren Fördermitteln (RI) gemessen am österreichischen Beitrag zum EU-Haushalt (Rückflussquote)
Daten: Europäische Kommission. Bearbeitung und Berechnungen: PROVISO.
1
) D ie zu erwartende Fördersumme für österreichische Beteiligungen aller mit Datenstand 11/2012 bewilligten Projekte beläuft sich auf 832 Mio. € (Hochrechnung, durchschnittliche
Kürzungen im Rahmen der Vertragsverhandlungen sind berücksichtigt).
Quelle: Ehardt-Schmiederer, M., Brücker, J., Milovanović, D., Kobel, C., Hackl, F.,Schleicher, L., Antúnez, A., Zacharias, M. (2012): 7. EU-Rahmenprogramm für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration (2007–2013), PROVISO-Überblicksbericht, Herbst 2012, Wien.
Tabelle 15: Ergebnisse Österreichs im 7. EU-Rahmenprogramm für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration
7. EU-Rahmenprogramm1
Gesamt
AT
AT-Gesamt
B
K
N
ÖO
S
ST
T
V
W
k.A.2
Projekte
18.111
1.882
7
66
216
147
77
352
156
20
1.049
152
Beteiligungen
104.331
2.622
7
77
240
172
86
417
176
24
1.271
152
k.A.
941
0
25
14
69
44
182
110
5
492
0
Universitäten, Hochschulen
Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen
k.A.
539
0
3
114
19
16
94
3
0
290
0
Großunternehmen (ab 250 MitarbeiterInnen)
k.A.
175
0
19
11
26
5
45
8
6
55
0
Kleine- und Mittlere Unternehmen (bis 249 MitarbeiterInnen)
k.A.
479
7
28
52
45
14
83
50
9
191
0
Restliche Kategorien
k.A.
488
0
2
49
13
7
13
5
4
243
152
8.784
300
0
17
25
18
12
62
20
0
146
0
KoordinatorInnen3
Universitäten, Hochschulen
k.A.
119
0
0
2
10
7
24
16
0
60
0
Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen
k.A.
92
0
0
19
4
5
23
0
0
41
0
Großunternehmen (ab 250 MitarbeiterInnen)
k.A.
11
0
1
0
1
0
8
0
0
1
0
Kleine- und Mittlere Unternehmen (bis 249 MitarbeiterInnen)
k.A.
49
0
15
3
1
0
6
4
0
20
0
Restliche Kategorien
k.A.
29
0
1
1
2
0
1
0
0
24
0
Daten: Europäische Kommission. Bearbeitung und Berechnungen: PROVISO.
1
) M
it Datenstand 11/2012 liegen PROVISO nur teilweise Angaben über die Verhandlungsergebnisse der Projekte vor. Da es im Zuge der Vertragsverhandlungen erfahrungsgemäß zu
Änderungen kommen kann (z.B. Vertrag über ein bewilligtes Projekt kommt nicht zustande, Konsortien ändern sich innerhalb eines Projektes, Kürzungen der „beantragten“ Fördersummen), verstehen sich die Angaben als Richtwerte.
2
) V.a. EinzelforscherInnen der Säule Menschen (Researchers, StipendiatInnen/PreisträgerInnen der Säule Menschen) und der Säule Ideen (Principal Investigators).
3
) Nicht berücksichtigt sind Projekte der Säule Ideen sowie Individualstipendien und Preise (awards) der Säule Menschen.
Quelle: Ehardt-Schmiederer, M., Brücker, J., Milovanović, D., Kobel, C., Hackl, F.,Schleicher, L., Antúnez, A., Zacharias, M. (2012): 7. EU-Rahmenprogramm für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration (2007–2013), PROVISO-Überblicksbericht, Herbst 2012, Wien.
200
Forschungs- und Technologiebericht 2013
9 Statistik
Tabelle 16: Ü
berblick über Projekte und Beteiligungen im 7. EU-Rahmenprogramm für Forschung, technologische Entwicklung und
Demonstration
Bewilligte Projekte
(gesamt)
Bewilligte Projekte mit
österreichischer Beteiligung
Anteil bewilligter Projekte mit
österreichischer Beteiligung
an bewilligten Projekten (gesamt)
Zusammenarbeit
5.542
1.189
21,5%
Ideen
3.189
112
3,5%
Menschen
7.770
341
4,4%
Kapazitäten
1.610
240
14,9%
Gesamt
18.111
1.882
10,4%
Bewilligte Beteiligungen
(gesamt)
Bewilligte
österreichische Beteiligungen
Anteil bewilligter
österreichischer Beteiligungen
an bewilligten Beteiligungen (gesamt)
Zusammenarbeit
61.801
1.730
2,8%
Ideen
6.726
139
2,1%
Menschen
20.478
420
2,1%
Kapazitäten
15.326
333
2,2%
Gesamt
104.331
2.622
2,5%
Daten: Europäische Kommission. Bearbeitung und Berechnungen: PROVISO. Datenstand: 11/2012.
Quelle: Ehardt-Schmiederer, M., Brücker, J., Milovanović, D., Kobel, C., Hackl, F.,Schleicher, L., Antúnez, A., Zacharias, M. (2012): 7. EU-Rahmenprogramm für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration (2007–2013), PROVISO-Überblicksbericht, Herbst 2012, Wien.
Anmerkung: Mit Datenstand 11/2012 liegen PROVISO nur teilweise Angaben über die Verhandlungsergebnisse der Projekte vor. Da es im Zuge der Vertragsverhandlungen erfahrungsgemäß zu Änderungen kommen kann, verstehen sich die Angaben als Richtwerte.
Tabelle 17: FWF: Entwicklung der Förderungen in den Life Sciences 2010 bis 2012
2010
Anatomie, Pathologie
2011
Summe
(in Mio. €)
Anteil
Summe
(in Mio. €)
2012
Anteil
Summe
(in Mio. €)
Anteil
1,9
1,1%
2,3
1,2%
4,9
2,5%
Med. Chemie, med. Physik, Physiologie
10,3
6,0%
14,1
7,2%
8,3
4,2%
Pharmazie, Pharmakologie, Toxikologie
6,1
3,5%
3,7
1,9%
3,1
1,6%
Hygiene, med. Mikrobiologie
6,0
3,5%
9,9
5,1%
9,5
4,8%
Klinische Medizin
2,0
1,1%
5,1
2,6%
4,9
2,5%
Chirurgie, Anästhesiologie
0,4
0,2%
0,3
0,2%
0,3
0,1%
Psychiatrie, Neurologie
3,1
1,8%
3,1
1,6%
2,0
1,0%
Gerichtsmedizin
0,0
0,0%
0,0
0,0%
0,0
0,0%
Sonstige Bereiche der Humanmedizin
1,5
0,9%
0,7
0,4%
0,7
0,3%
Veterinärmedizin
Biologie, Botanik, Zoologie
Summe Life Sciences
Gesamtbewilligungssumme
Forschungs- und Technologiebericht 2013
0,4
0,2%
1,4
0,7%
0,8
0,4%
38,2
22,2%
43,1
22,1%
39,3
20,0%
69,8
40,7%
83,7
42,9%
73,8
37,6%
171,8
100,0%
195,2
100,0%
196,4
100,0%
201
9 Statistik
Tabelle 18: FWF: Entwicklung der Förderungen in den Naturwissenschaften und Technik 2010 bis 2012
2010
Summe
(in Mio. €)
Mathematik, Informatik
20,2
Physik, Mechanik, Astronomie
Chemie
2011
Anteil
Summe
(in Mio. €)
11,8%
27,3
21,2
12,3%
2012
Anteil
Summe
(in Mio. €)
Anteil
14,0%
31,5
16,0%
25,9
13,3%
26,1
13,3%
11,1
6,4%
10,3
5,3%
12,0
6,1%
Geologie, Mineralogie
4,4
2,6%
2,2
1,1%
1,5
0,8%
Meteorologie, Klimatologie
1,2
0,7%
1,0
0,5%
2,2
1,1%
Hydrologie, Hydrographie
0,7
0,4%
0,7
0,4%
0,7
0,4%
Geographie
0,9
0,5%
0,7
0,3%
1,2
0,6%
Sonstige Naturwissenschaften
1,9
1,1%
2,1
1,1%
1,7
0,9%
Bergbau, Metallurgie
0,6
0,4%
0,6
0,3%
0,5
0,2%
Maschinenbau, Instrumentenbau
0,2
0,1%
0,5
0,3%
0,5
0,3%
Bautechnik
0,8
0,5%
0,1
0,1%
0,9
0,4%
Architektur
0,6
0,4%
0,2
0,1%
1,0
0,5%
Elektrotechnik, Elektronik
0,9
0,5%
3,9
2,0%
2,0
1,0%
Technische Chemie, Brennstoff- und Mineralöltechnologie
0,4
0,2%
0,4
0,2%
0,4
0,2%
Geodäsie, Vermessungswesen
0,2
0,1%
0,4
0,2%
0,5
0,3%
Verkehrswesen, Verkehrsplanung
0,0
0,0%
0,0
0,0%
0,0
0,0%
Sonstige Technische Wissenschaften
1,9
1,1%
0,9
0,5%
1,8
0,9%
Ackerbau, Pflanzenzucht, -schutz
0,0
0,0%
0,2
0,1%
0,5
0,2%
Gartenbau, Obstbau
0,0
0,0%
0,0
0,0%
0,0
0,0%
Forst- und Holzwirtschaft
0,6
0,3%
0,5
0,2%
0,5
0,3%
Viehzucht, Tierproduktion
0,3
0,2%
0,3
0,1%
0,3
0,2%
Sonstige Bereiche der Land- und Forstwirtschaft
0,3
0,2%
0,1
0,1%
0,9
0,5%
Summe Naturwissenschaften und Technik
Gesamtbewilligungssumme
202
68,3
39,8%
78,2
40,1%
86,9
44,2%
171,8
100,0%
195,2
100,0%
196,4
100,0%
Forschungs- und Technologiebericht 2013
9 Statistik
Tabelle 19: FWF: Entwicklung der Förderungen in den Geistes- und Sozialwissenschaften 2010 bis 2012
2010
Summe
(in Mio. €)
2011
Anteil
Summe
(in Mio. €)
2012
Anteil
Summe
(in Mio. €)
Anteil
Philosophie
2,1
1,2%
1,3
0,7%
2,1
1,1%
Theologie
0,8
0,5%
0,8
0,4%
1,1
0,5%
Historische Wissenschaften
8,0
4,7%
8,5
4,4%
8,5
4,3%
Sprach- und Literaturwissenschaften
3,6
2,1%
3,2
1,6%
4,0
2,0%
Sonstige philologisch und kulturkundliche Richtungen
1,7
1,0%
4,1
2,1%
2,7
1,4%
Kunstwissenschaften
3,8
2,2%
3,7
1,9%
4,2
2,1%
Sonstige Geisteswissenschaften
0,8
0,5%
0,9
0,4%
0,5
0,3%
Politische Wissenschaften
0,5
0,3%
0,6
0,3%
3,6
1,8%
Rechtswissenschaften
0,9
0,5%
1,1
0,6%
1,0
0,5%
Wirtschaftswissenschaften
3,7
2,2%
3,5
1,8%
1,9
1,0%
Soziologie
1,5
0,9%
1,3
0,7%
1,6
0,8%
Psychologie
1,4
0,8%
2,0
1,0%
1,6
0,8%
Raumplanung
0,1
0,1%
0,2
0,1%
0,2
0,1%
Angewandte Statistik
1,8
1,1%
0,2
0,1%
0,1
0,1%
Pädagogik, Erziehungswissenschaften
0,7
0,4%
0,2
0,1%
0,6
0,3%
Sonstige Sozialwissenschaften
2,2
1,3%
1,6
0,8%
2,1
1,1%
Summe Geistes- und Sozialwissenschaften
Gesamtbewilligungssumme
33,6
19,6%
33,2
17,0%
35,7
18,2%
171,8
100,0%
195,2
100,0%
196,4
100,0%
Tabelle 20: FFG: Förderungen nach Bundesland 2012
Bundesland
Burgenland
Beteiligungen
Gesamtförderung
Barwert
Anteile am Barwert
52
7.713
5.138
1,4%
Kärnten
214
30.199
20.307
5,7%
Niederösterreich
579
28.263
23.077
6,4%
Oberösterreich
765
113.908
70.832
19,7%
Salzburg
201
18.780
9.093
2,5%
1.160
147.146
122.170
34,0%
Tirol
244
24.139
18.483
5,1%
Vorarlberg
117
12.405
6.708
1,9%
1.522
97.945
82.373
22,9%
Ausland
271
1.164
1.164
0,3%
Gesamt
5.125
481.661
359.345
100,0%
Steiermark
Wien
Forschungs- und Technologiebericht 2013
203
9 Statistik
Tabelle 21: FFG: Projektkosten und Förderung nach Subject Index Code 2012
Gesamtkosten
Gesamtförderung
Werkstofftechnik
Subject Index Code
138.300
62.995
44.836
Industrielle Fertigung
136.158
63.806
43.739
Elektronik, Mikroelektronik
129.259
53.893
31.309
67.438
39.736
31.180
Oberflächenverkehr und -Technologien
Barwert
Umwelt
77.139
27.013
25.273
Ikt-Anwendungen
47.883
27.349
20.604
Regenerative Energieträger
34.111
18.026
15.640
Informationsverarbeitung, Informationssysteme
35.124
19.587
14.373
Innovation, Technologietransfer
41.492
14.790
14.023
Medizinische Biotechnologie
34.953
16.293
12.850
Ohne Zuordnung
19.947
12.390
12.390
Medizin, Gesundheit
35.576
17.176
12.207
Energieeinsparung
26.195
13.996
11.764
Energiespeicherung, -Umwandlung und Transport
15.350
9.831
9.556
Sicherheit
12.926
8.775
8.709
Bautechnik
16.774
9.912
7.162
Biowissenschaften
19.875
11.393
6.392
Sonstige Technologie
20.578
12.740
5.683
Messverfahren
14.393
7.619
4.855
6.221
3.486
3.459
Nachhaltige Entwicklung
Nanotechnologie und Nanowissenschaften
5.369
3.498
3.415
Sonstige Energiethemen
3.748
2.828
2.322
Regionalentwicklung
2.662
2.094
2.094
Wirtschaftliche Aspekte
2.708
1.913
1.690
Lebensmittel
3.573
2.141
1.634
Luftverkehr- und Technologien
2.815
1.831
1.511
Landwirtschaft
3.313
1.819
1.414
Landwirtschaftliche Biotechnologie
3.577
1.516
1.374
Mathematik, Statistik
3.834
2.215
1.359
1.289
Industrielle Biotechnologie
3.799
2.093
Weltraum
1.574
934
934
Abfallwirtschaft
2.247
1.319
766
Robotik
2.011
1.420
597
Netzwerktechnologien
1.735
1.127
504
Soziale Aspekte
671
504
504
Telekommunikation
844
593
388
Unternehmenaspekte
921
644
380
Information, Medien
672
336
336
Geowissenschaften
411
305
305
Gesetze, Vorschriften
278
278
278
Forschungsethik
2.866
1.433
233
Automatisierung
13
10
10
5
5
5
979.335
481.661
359.345
Koordinierung, Zusammenarbeit
Gesamtergebnis
204
Forschungs- und Technologiebericht 2013
9 Statistik
Tabelle 22: aws: Zuschüsse für Technologieförderung 2012
Anzahl
%
[in 1.000 €]
[in 1.000 €]
%
PreSeed
LISA PreSeed
8
6,7
1.884
1.566
7,5
PreSeed IKT & Physical Sciences
19
15,8
4.237
2.580
12,3
LISA Seed
8
6,7
75.516
6.050
28,8
Seedfinancing IKT & Physical Sciences
10
8,3
49.350
6.260
29,8
Kreativwirtschaft (impulse XL, XS)
72
60,0
8.610
3.687
17,5
Kreativwirtschaft (impulse LEAD)
3
2,5
1.231
869
4,1
Gründungs-Technologiescheck
5
4,2
7
5
0,0
ProTRANS
21
17,5
10.080
3.151
15,0
Seedfinancing
Kreativwirtschaft
Management auf Zeit
Summe
3
2,5
11.955
82
0,4
120
100,0
140.828
21.012
100,0
Tabelle 23: CDG: CD-Labors nach Universitäten/Forschungseinrichtungen 2012
Universität/Forschungseinrichtung
Anzahl der CD-Labors
Gesamtlaborbudget1 in €
Medizinische Universität Graz
1
173.680
Medizinische Universität Innsbruck
1
220.000
Medizinische Universität Wien
10
3.684.542
Montanuniversität Leoben
6
2.737.793
Technische Universität Graz
8
2.791.605
Technische Universität Wien
9
2.411.204
Universität für Bodenkultur Wien
8
2.745.729
Universität Graz
1
426.067
Universität Innsbruck
2
631.862
Universität Linz
7
2.753.317
Universität Salzburg
3
1.205.000
Universität Wien
2
123.089
Veterinärmedizinische Universität Wien
2
645.888
Research Center for Non Destructive Testing GmbH
1
132.292
Max-Planck-Institut für Eisenforschung GmbH
1
458.000
Technische Universität München
1
322.000
Universität Bochum
1
431.525
Universität Göttingen
1
264.000
University of Cambridge
Summe
1
310.878
66
22.468.470
Anmerkung: Die Gesamtzahl an CD-Labors beträgt 64; es gibt 2 CD-Labors mit Doppelleitungan an verschiedenen Universitäten.
1
) Plan per 07.12.2012
Forschungs- und Technologiebericht 2013
205
9 Statistik
Tabelle 24: CDG: Entwicklung der CDG 1989 bis 2012
Jahr
1
Ausgaben der CD-Labors in €
Aktive CD-Labors
1989
247.087,6
1990
1.274.681,5
7
1991
2.150.389,2
11
1992
3.362.572,0
16
Aktive Mitgliedsunternehmen
5
1993
2.789.910,1
17
1994
3.101.676,6
18
1995
2.991.213,9
14
1996
2.503.324,9
15
1997
2.982.792,5
16
9
1998
3.108.913,4
17
13
1999
3.869.992,6
20
15
2000
3.624.962,6
18
14
2001
4.707.302,0
20
18
2002
7.295.956,9
31
40
2003
9.900.589,6
35
47
2004
10.711.821,9
37
63
2005
11.878.543,2
37
66
2006
12.840.466,3
41
79
2007
14.729.107,6
48
82
2008
17.911.783,7
58
99
2009
17.844.292,0
65
106
2010
19.768.684,4
61
110
6
2011
20.378.065,9
61
108
20121)
22.468.470,0
64
114
) Plan per 07.12.2012.
Tabelle 25: CDG: CD-Labors nach Thematischen Clustern 2012
Thematischer Cluster
Chemie
Anzahl der CD-Labors
Gesamtlaborbudget in €
9
3.281.551
12
2.963.702
Maschinen- und Instrumentenbau
6
1.743.647
Mathematik, Informatik, Elektronik
13
5.199.644
Medizin
11
3.937.122
Metalle und Legierungen
10
4.323.623
3
1.019.180
64
22.468.470
Life Sciences und Umwelt
Nichtmetallische Werkstoffe
Summe
206
Forschungs- und Technologiebericht 2013