till und Poesie im Pub - The Ireland Whiskey Trail

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till und Poesie im Pub - The Ireland Whiskey Trail
till und Poesie im Pub
Dublin verfugt uber schatzungsweise sieben Mai mehr Pubs als Miinchen Biergarten hat, in Zahlen ausgedruckt zwischen 700 und 800. Darunter sind Trend-Bars genauso zu finden wie Traditionshauser aus
viktorianischer Zeit oder der kleine Stamm-Pub um die Ecke. Und viele locken mit weit mehr als Guinness
Bier oder Jameson Blend. Nebenbei hat die Hauptstadt der Grunen Insel kulturell viel zu bieten, wobei
Kultur und Kneipe in Dublin ganz und gar keinen Widerspruch darstellen. Eindrucke von Katja Syri.
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WhiskeyRegion
• Kreativitat nahe
der Old Jameson
DistilleryL. Mulligan Grocer
• O'Neill's Bar
& Restaurant ist
stolz auf iiber 300
Jahre Geschichte.
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E
ine Reise-, u n d vor allem
Pub-Empfehlung uber D u blin z u schreiben, ist eine
Sisyphusarbeit, die durch einige
drams u n d spontane Gesprache m i t
gastfreundlichen Iren versuGt w i r d ,
wie beispielsweise i n der „Bowes
Lounge". Die Bar i n der Fleet Street
ist ein entspannter Pub alter Schule
mit bemerkenswerter Auswahl an
schottischen u n d irischen Whisk e y s . Wo sich fruher Redakteure
der „Irish Times" auf der Suche
nach einem Geistesblitz tummelten,
trifft m a n heute eine angenehme
Mischung aus Einheimischen, Geschaftsleuten, Studenten u n d vereinzelten Touristen. Gaste aller
Couleur kommen hier schnell ins
Gesprach. Wer seinem Tresennachbarn generos einen Barhocker anbietet, lehnt wenig sparer m i t einem
spendierten Redbreast 12 Pure Pot
Still Whiskey a m Tresen, verwickelt
in ein Gesprach uber Angela Merkel
und die Finanzkrise. Dabei erklart
der Ire m i t einem A u g e n z w i n k e r n ,
das Anbieten einer Sitzgelegenheit
von M a n n z u M a n n sei i n Irland
G r u n d fur einen Gratisdrink - auch
Whisky-Botschafter 4-2012
an Deutsche. Anlasse z u m Feiern
zu finden, darin sind die Iren auch
in wirtschaftlich schwereren Zeiten
Meister.
HAUPTSTADT OHNE
HOCHHAUSER
Irland, vor wenigen Jahren noch als
„keltischer Tiger" bezeichnet, hat
rasante wirtschaftliche Veranderungen hinter sich. Mittlerweile sind
die meisten Krane aus der Hauptstadt - fast ohne Hochhauser - verschwunden. Katerstimmung ist
trotzdem kaum z u spiiren. D u b l i n
ist bei Touristen, angelockt durch
die lebendige Kunst- u n d Kulturszene, noch beliebter als je zuvor.
Dabei finden sich Besucher i n der
kompakten Innenstadt m i t ihren
HaupteinkaufsstraSen
O'Connell
u n d Grafton Street, gequert v o m
River
Liffey,
schnell
zurecht.
Wer sich einen Eindruck v o n der
1.000-jahrigen Stadtgeschichte verschaffen w i l l , der besucht „Dublinia", eine Multivisionsshow, oder
gleich das Nationalmuseum. Das
Gefangnis K i l m a i n h a m Gaol, west-
lich des Stadtzentrums gelegen,
ist ein bedriickendes Zeugnis des
irischen Unabhangigkeitskampfes.
Das D u b l i n Castle ist ebenso ein
Muss w i e die St. Patrick's Cathedral m i t dem Grab von Jonathan
Swift, bekannt durch „Gullivers
Reisen", der hier Dekan war. M i t
dem D u b l i n Writers M u s e u m w u r de unter anderem den drei irischen
Literatur-Nobelpreistragern
William Butler Yeats, Samuel Beckett
und George Bernhard Shaw ein
Denkmal gesetzt. Letzter w i r d i i b r i gens m i t den Worten zitiert: „Whiskey ... ist flussiges Sonnenlicht".
Wer sich i n D u b l i n speziell f u r
irischen Whiskey interessiert, dem
sei der kostenlose Fiihrer „The
Ireland Whiskey Trail" empfohlen. Die v o n H e i d i Donelon, der
Botschafterin des Irish Whiskey,
initiierte
Website
www.irelandwhiskeytrail.com ist iiberhaupt eine
Fundgrube fur jeden Freund des
irischen uisgebaugh. Sie fiihrt d e n
Interessierten z u aktiven Destillerien u n d Museen, sie erzahlt die
Geschichte langst geschlossener
WhiskeyRegion
Brennereien, empfiehlt Pubs, Bars,
Hotels u n d Restaurants. Nicht nur
zahlreiche Privatpersonen haben
mit dieser Hilfe schon den Ireland
Whiskey Trail erkundet, sondern
auch Journalisten von Printmedien
u n d Fernsehen. Unter den Tipps in
diesem Guide findet sich auch „The
Celtic Whiskey Shop", in einer ParallelstraBe der Grafton Street nahe
Saint Stephen's Green gelegen. A u f
der Suche nach einem „Connemara Bog Oak", Einzelfassem aus der
Midleton Brennerei oder besonderen Tastings, sind Besucher hier
richtig. Die Auswahl an Lebenswasser von der Griinen Insel, aber auch
an weltweiten Raritaten, w i r d nur
von Fachwissen u n d Freundlichkeit
des Personals ubertroffen. Michael
Lawlor v o m Celtic Whiskey Shop
malt gerne zahlreiche Kreuzchen
auf die Dublin-Stadtkarte, die die
besten Pubs der Stadt markieren
- definitiv zu viele fur ein verlangertes Wochenende. Das Z e n t r u m
lasst sich gut zu Fills' erkunden, wer
es bequemer mag, der sollte sich
eine „Leap C a r d " fur fiinf Euro anschaffen, die bei Ruckgabe der Karte erstattet werden. M i t einer beliebigen Summe aufgeladen, kann die
„Leap C a r d " zu giinstigeren Preisen
in Bussen, der StraSenbahn „Luas"
oder der elektrischen Stadtbahn
DART eingesetzt werden.
I n FuSweite der O l d Jameson
Distillery liegt „L. Mulligan Grocer"
- nicht, w i e der Name vermuten
lasst, ein Gemischtwarenhandler,
sondern ein Pub mit langer Tradition. Die Gerichte sind ausgezeichnet,
und die Speisen- u n d Getrankekarte k o m m t zwischen den Buchseiten
eines alten Schmokers daher. Literatur u n d leibliches Wohl gehen i n
Dublin schon seit Jahrhunderten
Hand i n Hand. Z u jedem Essen
gibt es die entsprechende Whisk(e)y-Empfehlung, rund 200 sind i m
Angebot, oder landestypische Biere
kleiner Brauereien. Guinness gibt
es hier zwar auch, doch ein handwerklich gebrautes Pale Ale, w i e
zum Beispiel „Galway Hooker", ist
wahrlich einen Versuch Wert.
Der Trend zur Hausbrauerei u n d
einem breiten Angebot globaler
Biervielfalt ging v o n Porterhouse
aus. Neben Flaschenbieren aus aller
Welt bietet der Pub zehn Biersorten
aus der hauseigenen Brauerei. Von
Ale uber Porter bis Lager, m i t A l koholstarken zwischen 3,7 u n d 7%.
Mittlerweile gibt es vier Pubs dieser
A r t i n D u b l i n , einen i n London u n d
sogar einen Ableger i n N e w York.
Spannende Plane verfolgt einer der
Porterhouse-Mitbegrunder, Oliver
Hughes, derzeit i m Siidwesten der
Insel. Unter dem Namen „Dingle
Whiskey Distillery" entsteht dort
eine Mikrobrennerei, die i m OktoRUNDGANG DURCH
ber m i t ihrer geplanten JahresproOLD JAMESON
d u k t i o n v o n 75.000 L i t e m Alkohol
Die nachstgelegene
StraSenbahn- starten soil. Die ersten 500 Fasser
station z u m Besuch der O l d Jame- mit dem dreifach gebrannten u n d
son Distillery i n der Bow Street ist ungetorften N e w Make werden exSmithfield an der roten Tramlinie. klusiv an die „Founding Fathers",
Nach einen millionenschweren Re- also Griindervater verkauft, zu
novierung beherbergt die ehema- Preisen zwischen 6.100 u n d 6.600
lige John Jameson Brennerei heute Euro, je nach Fasstyp. Der Dingle
ein Visitor Centre m i t Shop, Bar Whiskey, der jetzt schon i n manund Restaurant. Der Jameson w i r d chen Dubliner Bars zu finden ist,
langst i n Midleton produziert, le- stammt aus der Cooley Brennerei.
diglich eine Abfullanlage steht noch
in D u b l i n . Wirklich lohnend ist REVIVAL DER IRISH PURE
der Ausblick v o m 56 Meter hohen
POT STILL WHISKEYS
umgebauten Schornstein uber die
Stadt.
Die Whiskeyproduktion i n Irland
u n d der Hauptstadt D u b l i n hat • Die Bison Bar
eine lange u n d ehrenwerte Ge- am River Liffey
schichte, dabei wirkte sich das will kunftig auch
20. Jahrhundert m i t zwei Weltkrie- Tastings anbieten.
gen, der Prohibition i n den USA
sowie den Unabhangigkeitskampfen u n d wirtschaftlichen Auseinandersetzungen m i t Grofibritannien
katastrophal auf die Absatzmarkte
aus. A n f a n g der 1970er Jahre waren
noch zwei Brennereien auf der Insel
aktiv, keine davon in der Hauptstadt Dublin. M i t der Eroffnung von
Cooley u n d Kilbeggan, neben den
bestehenden Brennereien Midleton
u n d Bushmills in Nordirland, w u r de auch bei den Iren das Interesse
am Lebenswasser wieder erweckt.
Mehr und mehr Pubs achten auf ein
Angebot hochwertiger Blends von
der Griinen Insel oder haben die gen u i n irischen „Pure Pot Still Whiskeys" i m Ausschank, die aus gemalzter und ungemalzter Gerste in
der Regel dreimal gebrannt werden.
Lange waren Redbreast u n d Green
Spot, ein v o m Dubliner Wein- und
Spirituosenhandler Mitchell & Son
nachgereifter Whiskey, die einzigen
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• Das Porterhouse ist ein
Mekka fur Bierfreunde.
• Die Temple Bar
gab einem ganzen
Stadtviertel seinen Namen.
U In der Palace
Bar wird nicht nur
Whiskeygeschichte lebendig.
Pot Stills i m Regal. Das Aufkaufen
von Fassern u n d Nachreifen w a r
friiher i n D u b l i n iiblich. Seit 1805
als Handler tatig, intensivierten
die Mitchells ihre Geschaftsverbindungen zur Whiskey-Industrie 1887
und schickten alte Sherryfasser zur
Jameson Brennerei. Dort w u r d e n
sie m i t Rohwhiskey befullt u n d
anschlieGend v o m Weinhandler gelagert, abgefullt u n d verkauft. Blue
Spot mit 8 Jahren, Green Spot m i t
10, Yellow Spot m i t 12 u n d Red Spot
nach einer Lagerzeit v o n mindesten
15 Jahren. Alle auSer Green Spot
verschwanden i n Laufe der Jahre
aus den Regalen, doch die Rechte
am Namen blieben bei Mitchell &
Son. M i t Pernod Ricard, den aktuellen Besitzern v o n Midleton, einigte sich die Familie, mittlerweile
in der siebten Generation, uber die
Neuauflage von Green u n d Yellow
Spot. Dabei vermarktet der Konzern
die Single Pot Still Whiskeys zwar
weltweit, doch die Vertriebsrechte
fur Irland halt weiterhin Mitchell
& Son. Besucht man den Wein- u n d
Whiskeyhandler am Custom House
Quay, plaudert Boss Peter D u n n
auch mal aus dem Nahkastchen der
Whiskey-Industrie oder deutet an,
dass es vielleicht bald wieder einen
Red Spot i m Regal geben konnte.
Auch die „Irish Distillers", die
Whiskey auf der Griinen Insel dominieren, haben m i t Power's John's
Lane Single Pot Still u n d dem exklusiven Midleton Barry Crockett
Legacy nachgezogen. Cooley hat
zudem einen dreifach gebrannten
Pot Still Poitfn (also N e w Make) auf
den Markt gebracht, den ersten auGerhalb der Midleton Brennerei seit
Jahrzehnten.
M i t der Bison Bar hat i m Juli ein
Pub aufgemacht, der sich ganz auf
die Bediirfnisse v o n Whiskeyconnaisseuren einstellen w i l l . I n der
Nachbarschaft des beruhmten „The
Clarence" Hotels v o n Bono u n d The
Edge gelegen, sitzen die Gaste hier
auf echten Pferdesatteln als Bar-
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WhiskeyRegion
O Grofte Auswahl
gute Infos - der
Celtic Whiskey
Shop
hocker. Die A u s w a h l an irischen,
schottischen
und
japanischen
Whisk(e)ys soil in den nachsten Wochen auf rund 150 Flaschen steigen,
und auch Tastings sind geplant.
• Da k o m m t
Single Pot Still
Whiskey auf den
HOCHKULTUR UND
HOCHPROZENTIGES
P u n k t - Mitchell
& Son Ltd.
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Pubs sind ein sozialer M i t t e l p u n k t
i m irischen Alltag - als Diskussionsforum, Flirttreffpunkt
sowie
Wohn- u n d Arbeitszimmer der Nation. Ohne sie ware die irische Literatur nicht annahernd so geistvoll.
Der groGe Schriftsteller James Joyce
erwahnte einige davon i n seinem
Walzer „Ulysses", u n d selbst Literaturmuffel nutzen a m „Bloomsday"
die Gunst der Stunde u n d heben
in d e n entsprechenden Kneipen
ein paar Glaser zu Ehren v o n A u tor u n d Werk. Wer Hochkultur m i t
Hochprozentigem verbinden w i l l ,
dem sei der „Dublin Literary Pub
C r a w l " empfohlen. Er beginnt i m
„The D u k e " i n der Duke Street, einer Seitenstrafse der Grafton Street,
und verbindet ein, zwei Pints m i t
ausgewahlten Passagen irischer
Werke, die v o n zwei Schauspielern
vorgetragen werden. Nebenbei erfahren die Gaste so manches zur
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Stadtgeschichte - w o etwa der U n abhangigkeitskampfer Michael Collins inkognito seine Informanten
traf oder w i e Samuel Beckett in der
Cricket-Liga landete. Die Liste der
Autoren, die am Trinity College i m
Herzen Dublins studierten, liest
sich w i e das „Who is W h o " der
irischen Literatur - Jonathan Swift,
Oscar Wilde, Bram Stoker - u n d
Touristen sind beim Anblick der
altehrvvurdigen Bibliothek sprachlos. Dort w i r d auch das „Book of
Kells" aufbewahrt, eine vim 800 geschaffene prachtvolle Handschrift
mit den vier Evangelien in Latein.
Bevor der „Literary Pub C r a w l "
auch nur einen Hauch trocken w i r d ,
steht der nachste Kneipenstopp an.
Das O ' N e i l l ' s ist ein verwinkelter
Pub m i t iiber 300 Jahren Geschichte
im Herzen Dublins, der auch v o n
Touristengruppen stark frequentiert
w i r d . Angelockt v o n der irischen
Folkmusik i m Obergeschoss, lassen sich die Massen aber umgehen,
vorausgesetzt, m a n bleibt i n der
Public-Bar i m Erdgeschoss, i n der
sich auch viele Einheimische ihr Pint
gonnen. Das „Irish Breakfast" hier
ist legendar u n d w i r d den ganzen
Tag iiber serviert. Auch die grofJe
Bier- u n d Whisk(e)yauswahl macht
den Stopp lohnenswert. M i t einer
deftigen Spielszene aus einem Drama v o n Brendan Behan - der liber
sich selbst sagte, er sei „kein Schriftsteller m i t einem Alkoholproblem,
sondern ein Alkoholiker mit einem
Schreibproblem" - k o m m t ein A u tor des 20. Jahrhunderts zu Wort.
Im Davy Byrne's Pub, erwahnt i n
„Ulysses", klingt die Tour bei einem
Guinness aus.
GUINNESS TIME
IST JEDERZEIT
„Guinness is good for y o u " - dank
der originellen Werbekampagne ist
das dunkle Bier aus D u b l i n selbst
Abstinenzlern ein Begriff. Die Geschichte der Stadt und ihrer i n die
ganze Welt exportierten Irish Pubs
ist ohne die beruhmte Marke kaum
denkbar. Sie nahm ihren Anfang,
als A r t h u r Guinness 1759 eine kleine Brauerei aufkaufte u n d begann,
ein Porter z u brauen, jenes dunkle
Bier, das bei den Lasttragern (englisch „Porter") i m Londoner Hafen
so beliebt war, so w i l l es die Legende. Die Brauerei selbst kann nicht
besichtigt werden, w o h l aber das
Guinness Storehouse, ein architek-
WhiskeyRegion
• Eine Hauptbesucherattraktionen der Stadt
- die Old Jameson
Distillery
• Dublin Literary
Pub Crawl bringt
Kultur in die
Kneipe.
tonisch beeindruckendes siebenstockiges Besucherzent r u m , i n dem bis 1988 die Garanlage stand. In mehreren Ebenen u m eine glaserne Struktur i n Form eines
Pint-Glases gruppiert, erfahrt der Besucher viel iiber
Geschichte u n d weltweite Vermarktung der Produkte.
Z u m Beispiel, dass A r t h u r Guinness 1759 einen Pachtvertrag iiber 45 Pfund fur das Gelande abschloss, der
9.000 Jahre Laufzeit hat. Oder dass der Wohltater seine
Mitarbeiter stets m i t einem Gratisessen u n d zwei Pints
am Tag versorgte sowie dass gewaltige Guinness Brauereien heute - neben Irland - i n Nigeria oder Malaysia
stehen. I n D u b l i n entsteht derzeit eine neue Anlage fur
153 Millionen Euro, die i m Sommer 2013 i n Betrieb gehen soil.
Die dunkle Farbe des obergarigen Starkbiers entsteht
durch den etwa 15-prozentigen Anteil an gerostetem
Malz bei der Produktion. Die erfolgreichsten Produkte
sind „Foreign Extra" m i t hoherem Alkoholgehalt u n d
„Draught", dem ein Gemisch aus 30 Prozent Kohlensaure u n d 70 Prozent Stickstoff zugesetzt w i r d . Das
macht den Schaum haltbarer, cremiger u n d tragt z u m
Guinness typischen Geschmack bei. Doch der ist bei
weitem nicht in jedem Pub gleich. Abhangig von Lagerung, Temperatur u n d Expertise des Barmanns herrscht
ein regelrechter Krieg i n der irischen Hauptstadt, i n
welchem Pub das beste Guinness gezapft w i r d . Eindeutig das m i t der besten Aussicht gibt es i n der Gravity
Bar. Uber dem Guinness Storehouse, w o sich der Besucher am Ende der Fiihrung sein Gratis-Pint abholt, hat
man einen fantastischen 360-Grad-Blick uber die Stadt.
Die Brauerei westlich des Stadtzentrums ist auch die
ideale Ausgangsbasis fur eine Entdeckungstour zu D u blins Whiskeybrennereien - heute allesamt Geschichte.
Doch i m Stadtbild finden sich noch ihre Spuren.
STUDIEREN NEBEN ALTEN STILLS
Der St. Patrick's Tower, gut z u sehen von der Gravity Bar aus, erinnert noch an die „George Roe" Brennerei i n der Thomas Street. Der Turm lag einst mitten
auf dem Gelande einer der grofiten Brennereien ihrer
Zeit. Weder architektonisch noch i n den Erinnerungen
der Dubliner ist von der 1757 gegriindeten u n d 1923
geschlossenen Destillerie viel iibrig. Die Gebaude w u r den z u m Teil v o m Nachbarn Guinness iibernommen
und abgerissen, der Whiskey ist i n Vergessenheit geraten. Besser sieht es da bei Powers aus, der als Blend
mit hohem Pot Still-Anteil heute i n Midleton hergestellt w i r d . Die Brennerei, 1791 v o n James Power in der
irischen Hauptstadt gegrundet, schloss ihre Tore in der
John's Lane 1974 endgiiltig, gebrannt wurde zuletzt
vermutlich 1945. Doch einige der Gebaude u n d sogar
die Brennblasen sind erhalten. I n den 1980er Jahren
zog das „National College of A r t and Design" auf das
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• Der allgegenwartigen
Guinnessbrauerei
e n t k o m m t man
nicht.
• Die „ H a ' p e n n y
Bridge" ist heute
gratis.
Gelande. Das ehemalige Kontor der Brennerei, noch an vielen Stellen mit dem „ P " fur
„Powers" dekoriert, w i r d als Biirogebaude
genutzt. Das Kiln-Gebaude m i t seiner t y pischen Form ist gut erkennbar, u n d einige
Maschinenhauser
u n d Schornsteinfundamente haben den Zahn der Zeit iiberdauert.
Besonders beeindruckend sind die drei grofien Kupfer-Brennblasen, die g r i i n angelaufen
i m H o f stehen u n d Studenten Schatten spenden. Das College ist eigentlich nicht offentlich
zuganglich, doch wer sich am Empfang meldet u n d als Whiskey-Fan z u erkennen gibt,
w i r d nicht abgewiesen.
Auch von der D u b l i n Whiskey Distillery, kurz
D.W.D., i n der Jones' Road sind Spuren geblieben. Das Hautgebaude w u r d e i n Appartements umgewandelt u n d steht jetzt unter
Denkmalschutz. In vielen Pubs konnen Gaste
den D.W.D.-Schriftzug auf groGen Spiegeln
bewundern, doch nur die „Palace Bar" besitzt
noch eine original Whiskeyflasche der Brennerei, natiirlich unverkauflich. Das herrlich
altmodische Haus i n der Fleet Street, gerade
einen Steinwurf v o n den larmenden Touristenstromen i m Temple Bar-Bezirk entfernt,
bietet ansonsten eine exzellente A u s w a h l
(nicht absolut einmaliger) irischer Whiskeyraritaten. Besonders stolz ist Willie Aherne,
Betreiber des Pubs i n der dritten Generation,
auf seine eigene A b f i i l l u n g . Den 9-jahrigen
„Palace Bar" Single Cask Irish Whiskey aus
der Cooley Brennerei gibt es n u r hier. Trotz
der traditionellen „Snugs", durch einen Sichtschutz abgeteilte Bereiche, kommen die Gaste, sofern gewiinscht, schnell ins Gesprach.
Der Slogan des Pubs i n t e r n a t i o n a l beruhmt
fur unsere intellektuellen Erfrischungen" bezieht sich auch auf die grolBen Geister irischer
Kunst oder Politik, die hier ein u n d aus gingen u n d immer noch gehen. Wer das umfangreiche Bier- u n d Whisk(e)y-Angebot sieht,
versteht w a r u m .
Das Nachzahlen aller Pubs i n Dublin zahlt
w o h l zu den letzten groGen Herausforderungen der Menschheit. Doch wer sich dieser
Aufgabe verschreibt, ist i n bester Gesellschaft
von Literaten w i e Joyce, Beckett oder Wilde.
U n d bieten Sie ruhig m a l einem Iren Ihren
Barhocker an...
II
FOTOS: A L E X A N D E R SYRI, FOTOLIA
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TOUREN
SHOPS
PUBS
a Old Jameson Distillery
• The Celtic Whiskey Shop
• Bowes
Bow Street
27-28 Dawson Street
31 Fleet Street, Dublin 2
Smithfield Village, Dublin 7
Dublin 2
www.jamesonwhiskey.de
www.celticwhiskeyshop.com
• L. Mulligan Grocer
• Mitchell's Wines 8c Spirit
www.lmulligangrocer.com
18 Stoneybatter, Dublin 7
(Besichtigungen Mo-Sa von 9-18 Uhr und
So von 10-18 Uhr; Fuhrungen alle 20 Min.)
CHQ Building
• Dublin Literary Pub Crawl
IFSC Docklands
• The Porterhouse (Central)
Suffolk Chambers
Dublin 1
45-47 Nassau Street, Dublin 2
1 Suffolk Street, Dublin 2
www.mitchellandson.com
www.porterhousebrewco.com
www.dublinpubcrawl.com
(Fuhrungen von April-Oktober tagl., von
• Bison Bar
Nov.-Marz Do-So, jeweils urn 19.30 Uhr.)
Wellington Quay, Dublin 1
• Guinness Storehouse
• O'Neill's Bar 8c Restaurant
St James's Gate, Dublin 8
Suffolk Street, Dublin 2
www.guinness-storehouse.com
www.oneillsbar.com
(Offnungszeiten tagl. von 9.30-17 Uhr
(letzter Einlass). Langere Offnungszeiten
• The Palace Bar
im Juli und August (19 Uhr letzter Einlass))
21 Fleet Street, Dublin 2
www.thepalacebardublin.com
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Vorwarts in die
Vergangenheit
Als Produktionsbetrieb hat die Jameson Distillery schon vor gut 40 Jahren aufgehort zu
existieren. Als Museum „The Old Jameson Distillery" ist sie heute eine Attraktion fur Besucher der irischen Hauptstadt. Karl Rudolf hat sie fiir uns erkundet.
D
ie StraEenbahn in Dublin w i r d als Luas bezeichnet; dieses Wort aus dem Irischen kann
iibersetzt werden m i t „Geschwindigkeit". Wir
nehmen die „Red L i n e " (es gibt aufierdem die „Griine
Linie") u n d steigen an der Haltestelle Smithfield aus.
N u r ein paar Schritte weiter u n d w i r sind i n der Vergangenheit: Fur 13 Euro pro K o p f werden w i r binnen
einer knappen Stunde die Geschichte v o n John Jameson u n d seinem Whiskey sehen u n d horen konnen;
iiberdies w i n k t uns eine Fiihrung durch die Brennerei
samt einem kostenlosen dram Jameson an deren Ende.
Z u Beginn macht ein Film die Besucher m i t der Historic des irischen Whiskeys i m Allgemeinen u n d der des
Jameson i m Besonderen vertraut. Was heute als „Whis-
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key-Erlebniswelt" The Old Jameson Distillery ein Muss
fur Touristen ist, w u r d e freilich nicht v o n John Jameson
gegriindet, dessen Whiskey heute - iibrigens als einziger Irish - auf der Weltrangliste der 100 PremiumMarken steht. Es war vielmehr John Stein, der ab 1780
in sein Boiv Street Distillery ein „water of life" brannte.
Der u m 1777 aus Schottland eingewanderte, durch H e i rat m i t den Familien Haig u n d Stein verwandte John
Jameson war zunachst n u r Teilhaber u n d General M a nager dieser Brennerei. Erst 1805 ubernahm er den Betrieb ganz, vergrofierte ihn betrachtlich u n d benannte
ihn fiinf Jahre spater u m in John Jameson & Son.
Die Jamesons galten als beispielhafte Arbeitgeber, ihr
Whiskey war auGerst gefragt sowohl in Irland wie auch
VisitorCentre
auSerhalb. Aber auch die Brennerei
in D u b l i n , N u m m e r 1 i m Land seit
Beginn des 20. Jahrhunderts, konnte sich aus eigener Kraft nicht gegen
den Sog stemmen, der den irischen
Whiskey i m Weltmarkt immer tiefer zog. U n d so schlossen sich John
Jameson & Son am 8. Marz 1966 mit
der Cork Distilleries Co. u n d John
Power & Son zur Irish Distillers
Group zusammen. Die Produktion i n ihrer Destillerie i n Dublins
Bow Street w u r d e 1966 eingestellt,
Jamesons Whiskey w u r d e zunachst
v o m IDG-Partner Power i n dessen
John's Lane Distillery u n d schliefilich ab 1971 i n Midleton hergestellt,
zunachst noch i n der dortigen alten,
ab 1975 dann i n der neuen Zentralbrennerei der Irish Distillers Group
Limited.
Es ist w i r k l i c h beeindruckend, was
Pernod Ricard aus den Resten (!)
der einstmals sehr grofien Brennerei
gemacht hat. Von der waren ab 1971
n u r noch einige grofiere Gebaude
als „Hauptquartier" der Irish Distillers genutzt worden; der stattliche
Rest w a r abgebaut oder verkauft.
Zehn Jahre nach Ubernahme der
Irish Distillers Group durch Pernod
Ricard lie6 die franzosische Mutter
den Teil dessen restaurieren, was
von der Brennerei iibrig war, die
102 Jahre zuvor, anno 1886, m i t 300
Mitarbeitern noch eine M i l l i o n Gallonen Whiskey per annum erzeugt
hatte. M i t jener Investition i m Jahr
1988 wurde ein gutes Stuck irischer
Whiskey-Geschichte nicht n u r bewahrt, sondern i n gewisser Weise
sogar wiederbelebt.
haben, durfen bei einem Tasting
einen Jameson m i t einem Scotch
u n d einem Bourbon vergleichen
und dafiir eine U r k u n d e m i t nach
Hause nehmen, die ihnen bescheinigt, jetzt ein „Irish Whiskey Taster" z u sein... U n d einen Jameson der Standardklasse gibt's „auf
Kosten des Hauses" z u m Ende der
Fuhrung dann fur alle, die an der
Tour teilgenommen haben.
D Brennerei-Griinder John Jameson
• Alt und Neu
wurden ideal
kombiniert.
M i t dem Wort „Museum" ist die
alte Jameson-Brennerei allerdings
unzureichend definiert, denn sie
ist auf3erdem ein Gastronomiebetrieb, eine Lokalitat f u r vielerlei
Veranstaltungen, sogar eine K o n ferenzstatte. So eignet sich z u m
sich bereits naher m i t dem Werde- Beispiel d i e „Sine M e t u Suite"
gang des Irish Whiskey vertraut fur Galas m i t bis z u 200 Gasten;
gemacht haben, zwar nicht immer kleinere Gesellschaften finden ein
tiefschiirfend genug sein, f u r die sehr ansprechendes Ambiente i m
„Einsteiger" hingegen ist The Old „Still House" v o r oder auch i n
Jameson Distillery eine ganz attrak- der privaten ,,1780 Bar"; u n d i m
tive Quelle des Wissens. Jene Be- „Jameson A u d i t o r i u m " konnen
sucher, die sich rechtzeitig - heifit: 80 Teilnehmer bequem konferienach der Audio-Video-Show, vor der ren. Das w i r d den Dublin-BesuFuhrung - als ..volunteers" gemeldet cher, der n u r a m Whiskey u n d
Der Tour Guide fuhrt seine Gruppe durch samtliche wesentlichen
Abteilungen einer scheinbar funktionsfahigen Destillerie. Wie diese
noch vor zig Jahren u n d auch viel
fruher arbeitete, konnen die Besucher an den akribisch restaurierten
- oder vielleicht auch nachgebauten
- Geratschaften sehen, ja geradezu
„erleben". Die Erlauterungen der
Guides mogen f u r Besucher, die
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VisitorCentre
• Still Room in
der Old Jameson
Distillery
• Einblicke:
Was ist „ a n g e l s '
share"?
• Momentaufnahme im alten
warehouse
dessen „Drumherum" interessiert
ist, allerdings kaum interessieren.
Der hat aber doch die Moglichkeit,
aus einem hochst appetitlichen
Angebot an Speisen zu wahlen. I m
Restaurant „3d Still", das zu finden
ist i m Hochparterre, w i r d Mittagsmenii serviert v o n 12.00 bis 15.30
Uhr u n d danach - bis 16.45 U h r Nachmittagsmenii. Dieses Restaurant, das einen schonen Ausblick
bietet auf das Treiben i n The Old
Jameson Distillery, ist auch bei den
Einheimischen sehr beliebt, u n d wer
nicht reserviert hat (reservations©
ojd.ie) lauft Gefahr, m i t leerem Magen v o m Balkon des Restaurants i n
die Tiefe schauen zu miissen.
In dem Fall bleibt als Trost ein D r i n k
in einer der beiden Bars: ,JJ's Bar"
lockt Gaste schon i m Empfangsbereich an, die „Jameson Reserve
Bar" ist „upstairs" gelegen. So ein
D r i n k lasst sich allerdings vor Ort
auch i n einem iiberaus angenehmen
Rah men geniefien: Von A p r i l bis
Oktober veranstaltet die Old Jameson Distillery jeweils am Donnerstag, Freitag u n d Samstag die so
bertihmte w i e gefragte „Jameson
Shinding N i g h t " . Z u m Start gibt's
eine private Tour durch die Destillerie, danach einen Jameson Signature Drink als Appetitanreger. Den
braucht's w o h l auch, u m die f o l genden vier Gange plus Nachspeise
plus „Irish Coffee" zu verkraften.
Fur angeregte Unterhaltung an
diesem langen Abend sorgen z u m
einen die „Jameson Players" u n d
zum anderen die „Claddagh Dancers". Wer das noch nicht fur genug
halt, u m Familie oder Freunden ein
auBergewohnliches Erlebnis zu bieten, der kann noch hinzubuchen,
eine Whiskeyprobe unter sachkundiger Anleitung z u m Beispiel. Oder
auch personliche Geschenke aus
dem Shop...
...ach ja, dieser Shop i n The Old
Jameson Distillery. Der ist schon eine
Attraktion fur sich. Souvenirsiichtige konnten ihre Kreditkarten platt-
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Whisky-Botschafter 4-2012
VisitorCentre
machen m i t einer Vielzahl von Jame- gibt. Der Jameson Distillery Reserve
son-Artikeln, die hier als Gegenge- etwa w i r d nur hier verkauft oder i m
wicht zu den i n Dublin ansonsten „Schwester-Museum", i n der alten
omniprasenten Guinness-Souvenirs Midleton Distillery, die unter dem
stehen. Der Whiskey-Aficionado offiziellen Namen The Jameson Herihingegen w i r d hier sein Geld fur tage ein weiteres Ziel sein konnte...
Jameson ausgeben, denn er steht vor
der Wahl der Qual unter allem (!), Nein, w i r bleiben i n D u b l i n ! W i r
was es unter diesem Markennamen nehmen noch ein dram i n der Bar
dieses so sehens- w i e erlebens-
werten
„Visitor
Centres"
und
sparer, auf d e m Weg ins Hotel,
• Herzlich
willkommen:
Empfangshalle
vielleicht noch einen D r i n k i n der
beruhmten „Temple Bar". Denn die • Und danach ein
ist nur ein ganz kurzes Stuck Wegs
von Old Jameson gelegen. Ein naheliegender Besuch also...
II
WISSENSWERTES
The Old Jameson Distillery
Bow Street
Smithfield Village
Dublin 7
www.jamesonwhiskey.com/ojd
Reservierungen:
Tel. +353 (l) 80 72 348
reservationsrajojd.ie
Offnungszeiten:
taglich aufser Karfreitag, 17.03.
sowie 24., 25. und 26.12.
Mo-Sa: 9-18 Uhr
So: 10-18 Uhr
Preise fur Fuhrungen:
Erwachsene
€ 13,00
Familie*
€29,00
Studenten**
€ 9,60
Senioren
€ 9,60
Kinder (< 18 J.)
€
Gruppentarife***
€ 9,60
7,70
*2Erw., 3 Kinder < 18 J.
** < 18 J. mit Ausweis
*** ab 15 Teilnehmern
Preise fur Tastings:
Vergleich*
€
8,00 p.P.
Premium 1**
€
18,00 p.P.
Premium 2***
€ 28,00 p.P.
* Jameson vs. Scotch u. Bourbon
** ohne Anleitung
*** mit Anleitung
Alle Angaben ohne Gewahr.
Drink in „jj's Bar"