Materialmappe

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Junges Staatstheater Braunschweig
Spielzeit 2014/2015
www.staatstheater-braunschweig.de
[email protected]
Tel. (0531) 1234 542
»This is for everyone« ɕ12+
Stückentwicklung von Thomas Freyer, Ulrike Hatzer,
Stephan Thiel & Ensemble
Uraufführung
Materialmappe
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Grenze zwischen on- XQGRIIOLQH"*LEW¶VGLHEHUKDXSW".DQQPDQHVVSUHQ
das Netz? Und ± ist es ein freier Ort für alle oder bestimmen Global Player darüber, was dort passiert?
1
»Und dann kannst du dich. So wie
du bist. Entscheiden, ob du auch
ein Arschloch bist. Oder eben
keins. Da hast du jederzeit die
Möglichkeit dazu.«
Annika, Robert und Norman haben sich bei einem Waldspaziergang verlaufen. Sie versuchen herauszufinden, wie das passieren konnte und wie sie einen Weg nach Hause finden.
Diese Analogie vom sich-im-Wald-verlieren, dient der Inszenierung sich mit
einem der größten Phänomene unserer Zeit auseinanderzusetzen: dem Internet.
Seit das Internet 1994 privat genutzt wird, hat es sich rasant ausgebreitet.
Rund um den Globus entstand ein komplexes Netzwerk von Servern, Kabeln
und Satelliten, das die Welt hat schrumpfen lassen. Kommunikation wurde radikal vereinfacht. Mussten in einer scheinbar vergessenen Zeit Informationen
in Archiven und Bibliotheken recherchiert werden, genügt heute ein Griff in die
Hosentasche, um Zugang zum gesamten Wissen der Menschheit zu erhalten.
Auf der anderen Seite hat sich die Hoffnung, das Netz würde zu einer Demokratisierung menschlicher Zivilisationen führen, nur bedingt erfüllt. Im Netz geben zunehmend große Internetfirmen den Ton an, sie bestimmen, wo sich
Menschen online treffen und sie verwerten die Daten, die sie von uns Nutzern
erhalten, zu Milliardengewinnen.
»This is for everyone« setzt sich mit der Gleichzeitigkeit von Überforderung
durch und Faszination für das Internet auseinander. Die Inszenierung möchte
Digitalisierung weder verteufeln noch glorifizieren. Sie möchte ein BewusstVHLQGDIUVFKDIIHQGDVVZLUQLFKWQXU¾8VHU½DOVR%HQXW]HUVRQGHUQJOHLFhzeitig Gestalter der Entwicklung sind, die gerade passiert.
In dieser Materialmappe befinden sich inhaltliche Anregungen und Aufgaben
zur Vor- und Nachbereitung Ihres Theaterbesuchs.
Wir wünschen viel Freude bei dem Theaterbesuch und hoffen, dass der Besuch neue Eindrücke liefert. Anregungen zur Gestaltung und zum Inhalt der
Materialmappe nehmen wir dankend entgegen.
Carsten Weber
für das Junge Staatstheater Braunschweig
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Anja Dreischmeier (als Annika)
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Kontakte
[email protected]
Tel. (0531) 1234 542
Leiter Junges Staatstheater
[email protected]
Tel. (0531) 1234 521
Dramaturgie & Organisation
[email protected]
Tel. (0531) 1234 542
Dramaturgie
[email protected]
Tel. (0531) 1234 524
Theaterpädagogik
[email protected]
Tel. (0531) 1234 541
Theaterpädagogik
[email protected]
Tel. (0531) 1234 504
Herausgeber Staatstheater Braunschweig,
Am Theater, 38100 Braunschweig
Generalintendant Joachim Klement
Leiter Junges Staatstheater Andreas Steudtner
Redaktion und Gestaltung Carsten Weber (verantw.), Luca Schooß Neves,
Lea Sewalla
Fotos Volker Beihnhorn
Redaktionsschluss 21.04.2015
Änderungen vorbehalten
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Nikolaij Janocha (als Norman), Ralph Kinkel (als Robert)
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Besetzung
Text Thomas Freyer
Inszenierung Ulrike Hatzer
Fachberatung Stephan Thiel
Bühne und Kostüme Ulrike Hatzer, Stephan Thiel, Ensemble
Licht Stefan Simon
Dramaturgie Carsten Weber
Theaterpädagogik Thiemo Hackel, Anne Hartmann
Mit
Anja Dreischmeier
Ralph Kinkel
Nikolaij Janocha
Regieassistenz & Spielleitung Esther Jurkiewicz Hospitanz Jens
Perlick (Regie), Luca Schooß Neves (Dramaturgie) Produktionsassistenz Karin Haberich, Marzieh Sargaran, Christine Wagenleiter Ausstattungsleitung / Technische Direktion Ralf Wrobel Ton-, Bühnen- &
Beleuchtungstechnik Jens Hanking, Katharina Höffert,
Frank-Wolfgang Rosenthal Leitung Requisite Sascha Kaminski
Leitung Kostümabteilung Ernst Herlitzius Leitung Maskenabteilung
Nicolas Guth Maske Lisa Widdeke Leitung Ausstattungswerkstätten
Petra Röder Produktionsingenieur Stephan Busemann Leitung
Malsaal Sonja Bähr Leitung Tischlerei Peter Kranzmann Leitung
Schlosserei Armin Zühlke Leitung Deko- & Möbelabteilung Axel
Schneider
Premiere 22. April 2015 im Haus Drei
Aufführungsdauer ca. 70 Minuten, keine Pause
Aufführungsrechte Rowohlt Theater Verlag, Rinbek
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Nikolaij Janocha (als Robert)
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Schlaglichter
Die folgenden Schlagworte sind einige Themen der Inszenierung.
Algorithmen
»Algorithmus. Computersprache. Immer wenn du ein rotes Licht siehst, furzt
du. Immer wenn jemand ja sagt, wegrennen. Immer wenn einer furzt, klatschen. So funktioniert das. Computer denken nicht. Die machen, was man
denen sagt. Und die Sprache dafür: Algorithmus.«
Technologische Singularität
»Die Entwicklung von Technik wird, wenn ihr das mal eben rekapitulieren
wollt, immer schneller. Exponentieller Fortschritt. In immer kürzerer Zeit werden die Maschinen immer leistungsstärker. Immer schneller. Und wir? Keine
Entwicklung. Das Leistungsvermögen des menschlichen Gehirns ist und bleibt
konstant.«
Selbstdarstellung und Identitätskonstruktion
»Bin vielleicht auch ich hässlich? Das fragen sich, ihr werdet mir da
zustimmen müssen, das fragen sich manchmal auch die, die im Allgemeinen
als schön gelten. Die wachen früh auf. Und da ist dann plötzlich dieses
seltsame Gefühl. Diese Unsicherheit. Als wenn man über Nacht quasi jemand
anderes geworden wäre. Und eben auch ein wenig hässlich dazu.«
Datensammlung
»Reine Angstmache. Wenn ihr mich fragt. Datensammler. Sollen die doch
machen. Sollen die mal ihre Daten sammeln. Juckt mich am Ende auch nicht,
wenn die wissen, wo ich gestern war. Was ich liebe. Was ich kaufe.«
Netzutopie
ª+LSSLHV>«@'LHGDFKWHQMHGHQIDOOVGDV1HW]PDFKWDOOHJOHLFK'LH
dachten, dass das Netz die Lösung aller Probleme sein würde. Keine
Unterdrückung. Kein Machtmissbrauch. Weil jeder die Möglichkeit hat mit
jedem frei zu kommunizieren. Die dachten, das Netz wäre so was wie
ein neuer Lebensentwurf. Ist natürlich Blödsinn.«
Selbstoptimierung
»Ich bin längst nicht am Ziel. Mein Körperfettanteil liegt immer noch nicht
unter zehn Prozent. Wie sollte ich da zufrieden sein?«
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Inhalt des Stücks
Dieses Kapitel dient vor allem zum Wissen für die Lehrerinnen und Lehrer,
die Schülerinnen und Schüler sollten diese Inhaltsangabe
vor dem Inszenierungsbesuch nicht kennen.
Das Stück ist in zwei Ebenen aufgeteilt. Die erste Ebene (linke Spalte) ist situativ und erzählt vom Verlaufen der drei Protagonisten Annika, Norman
und Robert. Die zweite Ebene (rechte Spalte) behandelt Themen, die sich mit Internet, Technologie, Digitalisierung etc. auseinandersetzen. Alle Texte
werden von drei Schauspielern gesprochen.
situativ (im Wald)
diskursiv
-
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Algorithmen
Wem gehören die Daten im Netz?
digitalisierter Finanzmarkt
Konstruktion von Identität
Annika, Robert und Norman haben sich im Wald verlaufen. Annika fühlt sich unwohl und betont, dass sie die Idee von vorneherein nicht gut fand. Im Gegensatz zu ihr finden Norman und
Robert den Spaziergang schön. Ihnen gefällt es an der frischen
Luft zu sein und andere Dinge zu sehen. Robert war nur zur
Einschulung einmal im Stadtpark gewesen. Als er einen alten
Baum entdeckt hinterfragen die drei die eigene Bedeutung im
Verhältnis zur Natur. Norman überlegt, ob nicht so ein Baum einen viel größeren Stellenwert hat als ein Mensch.
Sie versuchen mit Hilfe ihrer Handys ihre Position zu bestimmen, was allerdings nicht funktioniert. Auch ein Anruf Annikas
bei ihrer Freundin Claudia hilft nicht weiter. Sie fühlen sich hilflos
und der Wald macht zu mindestens Annika Angst.
Norman verschwindet, um den Weg zu suchen und auch Robert
geht nach kurzer Zeit auf der Suche nach Norman ab und lässt
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Annika alleine zurück.
3
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Annika versucht den Wald zu verstehen, indem sie ihn katalogisiert: Sie sammelt alle Daten, die sie auf einem Quadratmeter
finden kann, wie zum Bsp. die Anzahl der verschiedenen Tierund Pflanzenarten. Im Laufe der Szene wird ihr sogenanntes
¾:HOWHQPRGHOO½LPPHUNRPSOH[HUAnnika fühlt sich von Norman
nicht ernst genommen und schickt ihn Robert suchen, der nicht
wieder aufgetaucht ist.
-
5
-
6
Technische Singularität - ist der Moment, in dem Maschinen
in der Lage sein werden, sich selbst zu verbessern
Auswirkungen technologischen Fortschritts auf das
menschliche Leben
Schönheitsideale
digitaler Informationsoverflow, durch die zu bewältigende
Datenflut an E-Mails, Facebook usw.
Identität und Selbstdarstellung im Netz
Robert taucht wieder auf. Er gibt vor eine Simulation seiner
selbst zu sein. Norman glaubt ihm kein Wort und ist genervt von
Roberts Spiel. Er sucht weiter nach einem Weg nach Hause.
Annika ist mit ihrem Weltenmodell beschäftigt. Sie glaubt nie alle
zu berücksichtigenden Daten erfassen zu können. Die RobertSimulation gibt an, sein Original hätte einen Weg hinaus gefunden. Sie könne Norman und Annika aus dem Wald herausführen, weil sie angeblich genauso viel weiß wie ihr Original.
Norman ist von Roberts Spiel genervt. Er glaubt ihm kein Wort.
Anders als Annika, die Robert glaubt.
-
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Überblick über persönliche Informationen, die Nutzer im Internet hinterlassen
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Die drei irren durch den Wald und finden keinen Weg.
Die Robert-Simulation meint, sie sei noch nicht ausreichend
entwickelt und schleicht davon. Norman und Annika bleiben alleine zurück.
-
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In dieser Szene verschwimmen die Grenzen zwischen diskursiven und situativen Texten. Die drei versuchen in einem Spiel gegenseitig an persönliche Informationen des Anderen zu kommen. Sie simulieren so das Vorgehen vieler Internetdienstanbieter.
Annika bekommt Normans Daten, indem sie ihm verspricht alles für ihn zu erledigen, für ihn einzukaufen und alles bis zu seiner Haustür zu liefern. Sie wird beim Reden immer leiser. Robert benutzt einen anderen Trick um an Annikas Daten zu kommen. Er redet so
viel und lange, dass Annika nicht mehr weiß, was er ihr überhaupt verspricht und einfach zustimmt. Norman benutzt sein Wissen, um
an die Daten von Robert zu kommen. Dieser möchte den Weg wissen und Norman beanspruchte für diese Information Zugriff auf Roberts Daten.
Nachdem sie an die Daten gekommen sind, fühlen sie sich leer, weil sie keine Geheimnisse mehr voreinander haben.
Sie überlegen wie sie diese Informationen verwerten können.
Das leise reden von Annika und das schnelle reden von Robert sind szenische Übersetzungen der Themen Intransparenz und Komplexität von AGBs (Allgemeine Geschäftsbedingungen vieler Internetdienste.
Plötzlich meint Robert wieder seine Simulation in der verbesserten Version 1.1 zu sein.
Annika hat Angst im Wald zu sterben. Sie ruft nochmal bei ihrer Freundin Claudia an und macht ein Testament. Im Gegensatz zu Annika glaubt Norman nicht, dass sie verloren sind. Dann wird es Nacht. Ein Traum beginnt.
-
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exponentielles Datenwachstum im Netz
Selbstoptimierung, Tracking, Gesundheit
Annika wacht aus einem Alptraum auf. Sie hat Angst im Wald zu verschwinden und nie wieder heraus zu kommen.
Um im Wald besser überleben zu können, fangen sie an Aufgaben zu verteilen und systematisch nach Materialen und Nahrung zu suchen. Sie wollen das Internet dazu nutzen an alle brauchbaren Informationen zu kommen. Der Wald wird zu einem Ort, den sie selbst
gestalten können, so wie das Netz. Im Wald ist jeder Baum, jedes Holz Material um einen Unterschlupf zu bauen. Online sind es die
Daten, mit denen wir das Internet gestalten. Die drei fangen an Aufgaben zu verteilen und sich im Wald/im Netz einzurichten. Norman
ruft dazu auf, die Möglichkeiten des Netzes zu nutzen und sich nicht mit der scheinbaren Unübersichtlichkeit im Netz abzufinden.
-
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Hoffnungen, die die Internetpioniere mit dem Netz verbanden; dass das Netz eine bessere Welt hervorbringen würde
Die Welt ist durch das Netz keine andere geweorden; das
Netz ist Teil ein und derselben Welt, mit der sich alle auseinandersetzen müssen
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Annika fragt Norman, ob er nicht schon die ganze Zeit im Wald
bleiben wollte. Dieser beantwortet die Frage nicht, aber Robert
vermutet, dass auch Annika sich verlaufen wollte. Sie machen
sich daran, das Dach ihres Unterschlupfs fertigzustellen.
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Stückentwicklung
Das Stück entstand innerhalb eines Jahres durch zahlreiche Vorbereitungstreffen mit Regie, Dramaturgie und dem Autor des Stücks. Zudem wurde die
Produktion durch den Interfacedesigner Stephan Thiel unterstützt, der mit den
Themen des Stücks in seinem Berufsalltag zu tun hat und dessen inhaltlicher
Zuarbeit wesentlichen Anteil an dem hat, was auf der Bühne verhandelt wird.
Die drei Schauspieler wurden bereits vor dem Probenbeginn in den Entstehungsprozess mit einbezogen. In einem dreitätigen Workshop wurden sie an
das Thema herangeführt und in Improvisationen haben sie mit ersten Textfragmenten gespielt. Diese hat Autor Thomas Freyer in seinem Text verarbeitet.
Der schlussendliche Stücktext wurde vom Produktionsteam und den Schauspielern auf den Proben dann weiter angepasst und in kontinuierlichem Austausch mit dem Autor verändert und spezifiziert. So hat er beispielsweise
Szenen inhaltlich ausgebaut, andere Szenen wurden gestrichen oder innerhalb des Stücks verschoben.
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Anja Dreischmeier (als Annika), Ralph Kinkel (als Robert), Nikolaij Janocha (als Norman)
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Nikolaij Janocha (als Norman), Anja Dreischmeier (als Annika)
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»All Watched Over By Machines Of
Loving Grace«
von Richard Brautigan
I like to think (and
the sooner the better!)
of a cybernetic meadow
where mammals and computers
live together in mutually
programming harmony
like pure water
touching clear sky.
I like to think
(right now, please!)
of a cybernetic forest
filled with pines and electronics
where deer stroll peacefully
past computers
as if they were flowers
with spinning blossoms.
I like to think
(it has to be!)
of a cybernetic ecology
where we are free of our labors
and joined back to nature,
returned to our mammal
brothers and sisters,
and all watched over
by machines of loving grace.
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Ralph Kinkel (als Robert)
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Vorbereitung
Nicht alle hier angegeben Aufgaben sind notwendig, um die Klasse auf den
Aufführungsbesuch vorzubereiten.
Stücktext und Spielweise
1. Wie in der Inhaltsangabe beschrieben, ist der Text in zwei Ebenen gegliedert (siehe S. 9-12.) Nachfolgend finden Sie einen Ausschnitt aus
dem Text. Es sind insgesamt 3 Szenen, die exemplarisch für die Form
des Textes sind:
Szene 7
Nur mal kurz ein kleiner Überblick darüber, was über dich bekannt sein dürfte.
Geschlecht. Alter. Wohnort. Modegeschmack. Ansteckende Krankheiten.
Religionszugehörigkeit. Sexuelle Vorlieben. Musikgeschmack. Lieblingssendung
im TV. Lieblingsbücher, falls einer von euch wirklich Bücher liest. Psychische
Erkrankungen. Anzahl der Zusendungen mit der Post. Art der Produkte, die zugestellt
wurden. Finanzielle Möglichkeiten. Eine relativ unübersichtliche Anzahl an Bildern, F
o
tos, Filmchen von euch. Eine noch viel unübersichtlichere Anzahl an mehr oder
weniger sinnvollen Kommentaren, Posts, Tweeds. Der Ort, an dem ihr euch
momentan aufhaltet. Die Orte, an denen ihr euch aufgehalten habt. Die Art und
Weise, wie ihr euch fortbewegt. Mit wem ihr euch trefft. Liebe. Eure schlechten
Gedanken. Euer schlechtes Gewissen. Euer guter Wille. Jemandem hier klar, was
man wirklich von euch weiß?
Szene 8
Im Wald.
R
Es muss hier sein. Hier ist er lang gelaufen. Genau hier. Aber. Da. Da. Hier
muss der Weg sein.
N
Wir kommen hier nicht weiter. Da ist alles zugewachsen. Und dort ist der Abhang.
A
Hier kann keiner lang gelaufen sein.
R
Hier muss es sein. Hier.
A
Du musst dich konzentrieren, Robertsimulation. Konzentrier dich.
R
Ich. Verliere. Den Kontakt. Ich.
A
Was?
R
Robert!
N
Ich glaub`s nicht.
R
Robert!
Stille.
A
Und?
Stille.
R
Nichts.
N
Natürlich ist da nichts. Weil dieser Vollidiot bereits neben dir steht. Es. Gibt.
Keine. Simulation. Es. Gibt. Sie. Nicht.
R
Bin gescheitert. Eine gescheiterte Version. Unzureichender Entwicklungsstand. Fähigkeiten, die mir fehlen. Keine störungsfreie Kommunikation möglich. Leistungsfähigkeit weit unter der des Originals. Muss kurz allein sein.
Muss kurz weg.
Robert schleicht davon.
N
Lass mal.
A
Meinst du?
N
Der kommt gleich zurück.
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Szene 9
Eins Komma acht Zettabyte. Ich wiederhole: eins Komma acht Zettabyte. Das ist die
Summe aller Daten, die wir Menschen zurzeit produzieren. In einem Jahr. Genauso
irrsinnig wie das Wort Zettabyte ist die Tatsache, dass da an einer kleinen, einsamen
Eins ganze 21 Nullen hängen. Zehn hoch 21. Was ganz zurückhaltend darauf hindeutet,
dass diese Datenansammlung ein unvorstellbares Ausmaß annimmt. Prognosen gehen
im Moment davon aus, dass sich diese Zahl etwa aller zwei Jahre verdoppeln wird.
Wenn
ihr mich fragt, ist das natürlich Quatsch. Das wird sich, und da bin ich mir sicher, sehr
viel schneller verdoppeln. Ist nur ne kleine Zwischeninfo. Falls euch mal jemand eine
Frage stellt, bei der ihr das unumstößliche Gefühl habt, jetzt etwas ausgesprochen
Kluges antworten zu müssen, erzählt einfach die Nummer mit den eins Komma acht
Zettabyte. Nicht vergessen. Zettabyte.
2. Teilt euch in Kleingruppen von jeweils 3 SchülerInnen auf und überlegt
euch, wie ihr diese Szenen spielen würdet.
3. In Szene 8 spielt ihr Annika, Robert und Norman. Die Spieler bleiben in
den Szenen 7 und 9 dieselben, aber ihr tragt nun die Fließtexte vor.
- Wer könntet ihr in den Szenen 7 und 9 sein?
- Wie stellt ihr den Unterschied zu den Figuren Annika, Robert
und Norman dar?
- Wie können Übergänge zwischen den Szenen gestaltet werden.
4. Unterhaltet euch in den Kleingruppen über eure Ideen und probiert sie
aus. Nach einer Probe von ca. 30 Minuten präsentiert ihr eure Ergebnisse vor den anderen Gruppen und tauscht euch über die gesehenen
Unterschiede und Gemeinsamkeiten aus.
Selbstreflektion zum Umgang mit persönlichen Daten
Diskussion, um eigene Positionen und Argumente zum
Umgang mit Daten zu entwickeln (ca. 20 Minuten)
1. Für den Ablauf wird ein leerer Raum benötigt. Die Übung kann sowohl
auf dem Schulhof, in der Aula oder auch im Klassenraum durchgeführt
werden.
2. Es wird Krepp oder ein anderes Band durch den Raum gespannt, so
dass zwei Pole entstehen. Die Linie steht für Unentschieden und die
EHLGHQDQGHUHQ6HLWHQMHZHLOVIUÄMD³XQGÄQHLQ³
3. Nun werden von der Lehrkraft persönliche Angaben gemacht zu denen
sich die SchülerInnen auf dem markierten Feld positionieren müssen.
Diese könnten sein:
- Alter
- Geschlecht
- Geburtstag
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- Freunde & Familienangehörige
- Hobbies
- Lieblingsmusik
- «
4. Nach jedem Begriff werden zwei SchülerInnen mit gegensätzlichen
Standpunkten zu den Gründen ihrer Position befragt. Sie sollen ihren
Standpunkt vor der anderen Person verteidigen.
5. Erweiternd könnten sich auch zwei Gruppen aus den beiden Polen bilden, die vor einer Diskussion ihre Argumente sammeln und dann eine
Klassendiskussion führen.
Algorithmen
1. Die SchülerInnen können in einer Unterrichtseinheit oder Projekt anschaulich verstehen, was ein Algorithmus ist, indem sie sich selbst einen bauen. Für diese Übungen sollten Sie ca. 3 Stunden einplanen.
2. Ein Algorithmus fragt bestimmte Parameter ab und reagiert entsprechend seiner Programmierung (z.B.: Wenn es orange leuchtet, piepen,
wenn es nicht leuchtet, blinken).
3. Um verständlich zu zeigen, wie ein Algorithmus funktioniert, bietet sich
GLHVHhEXQJDQLQGHUPLWHLQHU¾:(11'$11-0DVFKLQH½HLQ$OJorithmus in seiner Funktionsweise nachgebaut wird.
4. Dazu bauen Sie gemeinsam mit der Klasse aus verschiedenen Materialien ein System, indem ein Ereignis eine Kettenrektion auslöst. Welche Materialien Sie benutzen wollen, obliegt Ihrer Phantasie. Es bieten
sich u.a. folgende an:
- Luftballons
- Wasserbeutel
- Klopapierrollen
- Diverse Schnüre und Seile
- Bälle in verschiedenen Größen
- «
5. Zur Inspiration dient die Installation der Künstlergruppe Fischli Weiß
»The Way Things go«
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Sensibilisierung für die Möglichkeiten der Datenverwertung
Es werden verschieden Akteure und deren Interessen vorgestellt. Die SchülerInnen sollen die Notwendigkeit solcher Datenerhebungen hinterfragen (ca. 25
Minuten)
1. Als Grundlage dieser Übung ist eine interaktive Animation, die unter
dem Link : http://panopti.com.onreact.com * zu finden ist.
In der Animation können die SchülerInnen einen Tag mit Paul erleben
und bekommen anschauliche Beispiele wie oder wodurch Paul überwacht werden kann. Es wird sich außerdem mit den Folgen einer solchen Überwachung für die Gesellschaft beschäftigt.
2. Nachdem die SchülerInnnen die Animation gesehen haben, können
sie einordnen welche Institutionen oder Unternehmen wo und wann bei
Paul Daten erheben konnten. Ferner sollten die Jugendlichen darauf
achten für welchen Zweck die jeweiligen Daten gesammelt und wie sie
weiter verarbeitet werden.
3. Im Klassengespräch können nun die Ergebnisse zum Bsp. in Form einer Tabelle auf der Tafel gesammelt werden. So entsteht eine Übersicht welche Akteure wann, wo und wie und zu welchem Zweck Daten
sammeln.
4. Im Anschluss kann eine Grundsatzdiskussion geführt werden, in der
die SchülerInnen zu einem eigenen Standpunkt zu den Fragen mehr
Sicherheit oder Freiheit kommen sollen. Es ist sinnvoll sich hierbei
auch noch mit den möglichen Konsequenzen der jeweiligen Positionen
auseinander zu setzen.
* In der Animation wird die Pflicht zur Vorratsdatenspeicherung er
wähnt. Diese ist politisch umstritten. Derzeit (2015) sieht die
Gesetzeslage in Deutschland keine Vorratsdatenspeicherung ± und
nicht wie in der Animation behauptet ± für zwei Jahre vor, allerdings
können Internetanbieter die IP-Adressen ihrer Kunden bis zu sieben
Tage speichern.
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Zur Bühne und zur Form des
Stücktextes
Stücktext & Spielweise
Der Text zur Inszenierung gliedert sich in zwei Ebenen. Eine Ebene erzählt
die Geschichte von Annika, Robert und Norman, die sich bei einem Waldspaziergang verlaufen haben. Diese Szenen sind dialogisch aufgebaut und die
drei Schauspieler verkörpern die Figuren.
Die zweite Ebene sind Fließtexte, keine dialogischen Szenen. Die Spieler
agieren in diesen Szenen weniger in ihren Figuren. Vielmehr sind sie Performer und Stellvertreter der Themen, die in diesen Texten verhandelt werden.
Diese Texte sind immer an das Publikum gerichtet und die Szenen unterscheiden sich vom Einsatz der Mittel von denen, die im Wald spielen.
Bühnenraum & Kostüme
'LH%KQHLVWGXUFKGHQ*HJHQVDW]YRQ¾7HFKQLN½XQG¾1DWXU½JHNHQQ]HLFhnet. Im Raum verteilt sind Pflanzen, die den Wald andeuten sollen, ihn aber
bewusst nicht naturalistisch darstellen. Er bleibt ein abstraktes Bild. Unterstützt wird dieses Bild durch das Einspielen von Vogel- und Waldgeräusche,
die kaum wahrnehmbar über allen Szenen im Wald liegt.
Des Weiteren dominieren zwei Hohlkehlen den Bühnenraum, auf denen projiziert werden kann. Zu sehen sind dort neben verschiedenen Videos auch Bilder von Naturumgebungen. Auch hier gibt es wieder die Verbindung von Natur
und Technik.
Der gesamte Bühnenraum ist also keine realistische Umgebung, sondern
bleibt vielmehr eine Versuchsanordnung, in der die Schauspieler agieren, und
mit dem Publikum ihre Gedanken zum Stückinhalt teilen. Die sogenannte
¾9LHUWH :DQG½ DOVR GLH JHGDFKWH 7UHQQXQJ ]ZLVFKHQ =XVFKDXHU- und Bühnenraum wird immer wieder gebrochen.
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Anja Dreischmeier (als Annika)
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Nachbereitung
Eindrücke nach dem Theaterbesuch
Für diese Aufgabe ist es sinnvoll die Vorbereitungsaufgabe 1 mit den SchülerInnen bearbeitet zu haben.
1. Nun habt ihr die Vorstellung besucht. In der Vorbereitungsaufgabe 1
habt ihr euch mit Darstellungsmöglichkeiten der verschiedenen Textformen beschäftigt.
2. Tauscht euch in den Gruppen aus der Vorbereitungsaufgabe über eure
Eindrücke aus. Wie wurden die Übergänge zwischen den Szenen gestaltet? Haben sich z.B. Licht, Ton oder die Sprache der Spieler verändert?
Persönliche Information im Netz - Privatsphäre in sozialen Netzwerken
1. Die Lehrkraft erstellt zwei fiktive Facebook-Profile und stellt diese den
SchülerInnen vor.
2. Die Jugendlichen sollen so viele Informationen wie möglich aus den
Profilen herausfiltern und analysieren.
3. Später soll reflektiert werden, welche der Informationen die SchülerInnen selbst posten und überlegen, welche davon für sie sinnvoll sind zu
teilen und welche nicht und wer überhaupt davon profitiert; also welches Unternehmen an personalisierter Werbung interessiert sein könnte.
4. Es soll ein Bewusstsein geschaffen werden, dass Dienste wie Google
Maps oder Angry Birds nicht kostenlos sind, sondern ein klares Geschäftsmodell mit unseren Daten verfolgen.
Wie stellen sich die SchülerInnen ihre Zukunft in einer digitalen Welt
vor?
1. Im Stück stellt sich Robert als seine eigene Simulation vor und ihr habt
erfahren welche Möglichkeiten des vernetzten Körpers es gibt.
2. Wie stellen sich ihr euch euer Leben mit Computern und Netzwerken
in 25 Jahren vor?
- Habt ihr Angst davor?
- Glaubt ihr das Leben wird leichter, bequemer oder unheimlicher
und entfremdet?
- Werden die Menschen mit Robotern in ihrem Alltag leben?
- Oder wird sich gar nicht so viel verändern?
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Literaturempfehlungen und weiter-­
führende Links
Lanier, Jaron: Wem gehört die Zukunft. Du bist nicht der Kunde der Internetkonzerne. Du bist ihr Produkt. aus dem Amerikanischen von Dagmar
Mallett und Heike Schlatterer. Hoffman und Campe, Hamburg 2014, ISBN
978-3-455-50318-0.
Buchter, Heike;; Straßmann, Burkhard: Die Unsterblichen. unter:
http://www.zeit.de/2013/14/utopien-ray-kurzweil-singularity-bewegung (abgerufen am: 20.04.2015)
Grassegger, Hannes: Der Haken an der Sache. unter: http://szmagazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/41951/Der-Haken-an-der-Sache
(abgerufen am: 20.04.2015)
Mühl, Melanie: Die Vermessung des Körpers. unter:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-digital-debatte/sensiblegesundheitsdaten-die-vermessung-des-koerpers-13047158.html (abgerufen
am: 20.04.2015
3DXOGHQNW«Welche Spuren hinterlassen wir wo? Unter:
http://panopti.com.onreact.com/swf/index.htm (abgerufen am: 20.04.2015)
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Glossar
Folgende Begriffe kommen in der Inszenierung vor, sind aber einigen
SchülerInnen (oder LehrerInnen) vielleicht unbekannt. In der rechten
Tabellenspalte sind kurze Definitionen zu finden.
Algorithmus
Big Data
Ist eine eindeutige Handlungsvorschrift zur Lösung eines oder mehrerer
Probleme. Ein A. besteht aus vielen Einzelschritten. Bei der Problemlösung
wird eine bestimmte Eingabe in eine bestimmte Ausgabe überführt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Algorithmus
Unter dem Begriff Big Data werden zwei Aspekte zusammengefasst: zum
einen schnell wachsenden Datenmengen, zum anderen IT-Lösungen und
Systeme wie Hadoop, die Unternehmen dabei helfen, die Informationen zu
analysieren und zu verwerten. Vor allem Daten aus sozialen Netzwerken
machen einen Großteil von Big Data aus.
Black Box Trading
http://www.computerwoche.de/k/big-data,3457
Bezeichnet den automatischen Kauf und Verkauf mit einem Computersystem, das Millionen von Aktionen in Bruchteilen von Sekunden ausführen
kann.
Flash Crash
2010
http://www.davemanuel.com/investor-dictionary/black-box-trading/
Bezeichnet einen Einbruch der US-amerikanischen Aktienmärkte. 2010 sind
innerhalb von wenigen Minuten einige Aktien und Indexe deutlich gesunken
doch genauso schnell wieder gestiegen.
Selfie
http://de.wikipedia.org/wiki/Flash_Crash
Ist ein Foto, das man von sich selbst macht, um es auf eine Internetplattform
hochzuladen.
Technologische
Singularität
Text to Speech
Simulation
Zettabyte
http://www.oxforddictionaries.com/definition/learner/selfie
Darunter wird der Zeitpunkt verstanden, ab dem sich Maschinen mittels
künstlicher Intelligenz selbst verbessern können. Der Erwartung einer technologischen Singularität liegt die Beobachtung zugrunde, dass sich Technik
und Wissenschaft seit Anbeginn der Menschheit immer rascher weiterentwickeln und viele zahlenmäßige Entwicklungen wie Wissens- und Wirtschaftsentwicklung einem mindestens exponentiellen Wachstum folgen. Dazu zählt
insbesondere die Rechenleistung.
http://de.wikipedia.org/wiki/Technologische_Singularit%C3%A4t
Ist die computergesteuerte Umwandlung von einem geschriebenen Text in
eine akustische Sprachausgabe, zum Beispiel bei einer Übersetzungsplattform.
http://de.wikipedia.org/wiki/Sprachsynthese
Eine Nachbildung eines Problems, um daran zu experimentieren, damit man
es dann wieder auf das reale Problem anwenden kann.
http://en.wikipedia.org/wiki/Biohacking
Ist die 21fache Potenz (1021) von 10 (Byte) und drückt die Kapazität eines
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AGB Allgemeine Geschäftsbedingun
gen
Biohacking
Smart Home
Selbstoptimierung
Computerspeichers aus.
http://searchstorage.techtarget.com/definition/zettabyte
Sind vorformulierte Vertragsbedingungen, die beim Abschluss eines Vertrages vom Anbieter gestellt werden.
http://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Gesch%C3%A4ftsbedingungen
Beim Biohacking geht es darum, dass Menschen versuchen mit der Implantation von Technologie in ihren Körpern eine Verbesserung dessen Funktionen herbeizuführen. .
http://en.wikipedia.org/wiki/Biohacking
Ist ein Oberbegriff für Technik und Vernetzung durch eine Fernsteuerung
über das Internet in Wohnräumen. Dies kann zum Beispiel die Steuerung
von Heizungssystemen, Licht und Kommunikationssystemen betreffen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Smart_Home
Tabellen und selbsterstellte Tagesprotokolle werden eingesetzt um festzuhalten, was man isst, wie effektiv man arbeitet, wie lange man schläft etc.
Diese Statistiken über den eigenen Tagesablauf können ausgewertet werden und man kann überprüfen, ob man seine Leistungen steigert oder sie
abfallen.
http://www.zeit.de/2013/33/selbstoptimierung-leistungssteigerung-apps
35 Kilo Hoffnung ² Materialmappe
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Theaterknigge
(LQ7KHDWHURKQH3XEOLNXPLVWZLH«
«Nullen ohne Einsen.
« ein Wald ohne Bäume.
« die Welt ohne das Internet.
Daher freuen wir uns darüber, dass ihr da seid! Da es im Theater ein paar
Regeln zu beachten gibt, haben wir dieses kleine Lexikon als Hilfe für euch
zusammengestellt:
Abendkleid, das: Viele Menschen ziehen sich gerne schön an, wenn sie ins
Theater gehen. Sie wollen den Schauspielerinnen und Schauspielern ihren
Respekt erweisen, oder selber auch ein bisschen glitzern, falls jemand zu
ihnen in die Loge schaut. Heute ist schicke Kleidung aber keine feste Regel
mehr im Theater.
Essen, das: Ihr könnt euch vorstellen wie sehr es stören würde, wenn bei
ganz leisen oder traurigen Szenen plötzlich jemand im Publikum in einen
knackigen Apfel beißen würde. Und dann stellt euch vor, dass jemand neben
euch eine Knistertüte auspackt ... Also, das Essen im Theater ist grundsätzlich
nicht erlaubt.
Fotografieren, das: Auch das Fotografieren ist leider nicht erlaubt. Wenn ihr
schöne Bilder von dem Stück haben wollt, fragt doch im Theater nach.
Meistens gibt es Erinnerungsbilder zum mit nach Hause nehmen auf Plakaten
und Postkarten.
Klatschen, das: Nachdem ein Stück vorbei ist, kommen die
Schauspielerinnen und Schauspieler auf die Bühne und alle können heftig
applaudieren. Je besser einem das Stück gefallen hat, desto lauter kann der
Applaus sein.
Unterhalten, das: Vermeidet es bitte, euch während der Vorstellung zu
unterhalten. Die Schauspieler können euch, anders als im Kino, hören! Merkt
euch eure Anmerkungen und Gedanken einfach, bis das Stück zu Ende ist,
dann habt ihr noch genug Zeit über das Gesehene zu diskutieren.
Turnschuhe, die: Turnschuhe sind im Theater erlaubt. Vielleicht solltest du
sie nicht grade ausziehen, wenn du deine Füße vorher nicht gewaschen hast
und deine Socken stinken könnten.
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Ralph Kinkel (als Robert)
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