DIE GESCHICHTE BOLLYWOODS

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DIE GESCHICHTE BOLLYWOODS
DIE GESCHICHTE BOLLYWOODS
1896 Die Filme der Gebrüder Lumière werden im Hotel Watson in Bombay vorgeführt.
1913 Dhundiraj Govind Phalke gilt als «Vater» des indischen Kinos: Er verfilmte seit seinem Erstling
Raja Harishchandra (1913) immer wieder Episoden aus den grossen indischen Epen – dem
Mahabharata und Ramayana.
Nach 1920 entwickelt sich die indische Filmindustrie Schritt für Schritt; es entstehen immer mehr
Produktionsfirmen.
Im März 1931 wird in Indien der erste Tonfilm produziert. Der Tonfilm hilft den indischen
Produzenten, definitiv Fuss zu fassen; der ausländische Filmimport verliert an Bedeutung. Im selben
Jahr werden auch im Süden Indiens und in Bengal erste Tonfilme in Tamil, Telugu und Bengali produziert.
In den Dreissigerjahren sind drei Produzenten (Prabhat, Bombay Talkies, New Theatres) tonangebend im Realisieren von sozialkritischen Unterhaltungsfilmen.
Die Zeit während des Zweiten Weltkriegs und der Unabhängigkeit Indiens ist eine bedeutende Phase für das indische Kino. Viele unvergessliche Filme entstehen während dieser Zeit.
1952 findet in Bombay das erste indische Filmfestival statt. 1955 sorgt der Filmemacher Satayajit
Ray mit «Pather Panchali» für die grosse Wende in der westlichen Wahrnehmung des indischen
Filmschaffens: Als erster indischer Film erhält er an europäischen Festivals internationale Anerkennung.
In den kommenden Jahren konzentriert sich die indische Filmindustrie auf Unterhaltungsfilme.
Dies und vor allem die wachsende Wichtigkeit der Stars verändert die Branche stark.
1964 Der legendäre Regisseur, Produzent und Schauspieler Raj Kapoor kommt für die Dreharbeiten
von «Sangam» zum ersten Mal in die Schweiz.
In den Siebzigerjahren entstehen im Mainstreamkino vorwiegend Actionfilme.
1989 Meera Nair gewinnt mit ihrem Erstlingswerk «Salaam Bombay» die Goldene Kamera an den
Filmfestspielen in Cannes.
1995 Aditya Chopra landet mit dem mehrheitlich in der Schweiz gedrehten «Dilwale Dulhaniya Le
Jayenge» den Toperfolg des Jahres, was viele Nachahmer auf den Plan ruft.
Seit den späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahren erleben die melodramatischen
Liebesgeschichten ein grosses Revival. Während die Musiknummern in den Fünfziger- und
Sechzigerjahren insbesondere von der poetischen Qualität der Texte und ihrer kunstvollen Interpretation
lebten, bestechen sie heute besonders durch die aufwändig produzierten und spektakulär choreographierten Tanzeinlagen.
25. Mai bis 8. September 2002
Museum für Gestaltung Zürich / Halle
BOLLYWOOD
DAS INDISCHE KINO UND DIE SCHWEIZ
Was für Hollywood einst der Orient, das ist für Bollywood heute die Schweiz: Ein lockendes
Paradies, der Himmel auf Erden. Bollywood, die grösste Traumfabrik des indischen Subkontinents, ist
die produktivste Filmindustrie der Welt. Über 800 Produktionen bringen die indischen Studios jedes
Jahr ins Kino. Hollywood schafft zum Vergleich nur deren 600. Romantische Komödien sind das zugkräftigste Genre des Bollywood-Kinos, formelhafte Stories mit der richtigen Mischung aus Glück und
Verzweiflung, Liebe, Wut und Kummer, Erstaunen und Heldenmut. Zur Grundausstattung jedes
Bollywood-Films gehören romantische Sing- und Tanznummern. Die Filme dauern im Schnitt drei
Stunden und umfassen mindestens sechs Songs, in denen sich Heldin und Held singend und tanzend
ewige Liebe schwören, ob die Story des Films dazu nun direkten Anlass bietet oder nicht. Gedreht
werden die Sing- und Tanznummern auch in der Schweiz. Saftige Matten, weisse Gipfel, Eisenbahnen
und Chaletfassaden bilden den idealen Schauplatz für die melodischen Liebesschwüre der BollywoodStars. Früher wurden die Song-Nummern meist im Kaschmir gedreht, dem angestammten
Sehnsuchtsort der indischen Mythologie. Wegen der politischen Unruhen und der Grenzstreitigkeiten
mit Pakistan kommt das Kaschmir-Tal aber als Drehort kaum mehr in Frage. Die Schweiz mit ihrer einwandfreien Infrastruktur und ihren Bergen, die denen des Kaschmir an Schönheit in nichts nachstehen,
hat sich zum beliebtesten Ausweichraum entwickelt. Mittlerweile werden in der Schweiz mehr Meter
Film pro Jahr von indischen Filmequipen belichtet als von einheimischen. Im Alltag der indischen
Kinofans (angesichts der Zuschauerzahlen könnte man vereinfachend auch sagen: im indischen Alltag)
hat sich die Schweiz denn auch längst zu einem Fluchtpunkt der Fantasie entwickelt: als Mischung aus
den Klischees des Landes, die man weltweit kennt, und den Sehnsuchtsbildern, die Bollywood-Filme
auf die schweizerischen Alpen projizieren.
Wer es vermag, überprüft das Paradies neuerdings auch mit eigenen Augen. Angehörige der indischen Mittelschicht reisen immer häufiger in die Schweiz. Auch wenn der Vergleich der Filmfantasie mit
der Wirklichkeit bisweilen zu Ungunsten der letzteren ausfällt, so lassen sich die indischen Kinotouristen
doch die Gelegenheit nur ungern entgehen, auf den Gipfeln von Rigi und Titlis die Songs ihrer verehrten Leinwandidole nachzusingen.
«Bollywood. Das indische Kino und die Schweiz» ist eine Ausstellung des Museums für Gestaltung
Zürich, die auf einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit dem Seminar für Filmwissenschaft der
Universität Zürich basiert. Anhand von Filmausschnitten, Stills, Fotografien, Plakaten, Modellen und
Götterfiguren illustriert sie die Konstruktion der emotionalen Landschaft «Schweiz» im indischen Kino –
eine Landschaft, die wir so gut zu kennen glauben, und die wir doch wieder neu entdecken können.
PUBLIKATION
BOLLYWOOD – DAS INDISCHE KINO UND DIE SCHWEIZ
EDITION MUSEUM FÜR GESTALTUNG ZÜRICH
Ein illustriertes Lesebuch
30 x 23 cm, 192 Seiten, 250 Farbabbildungen
ISBN 3-907065-95-6, ca. CHF 48 / Euro 25
Die Autor/innen stammen aus dem Umfeld Film und Indien. Sie sind als
Filmwissenschaftler/innen, Filmkritiker, Filmschaffende, Ethnologinnen, als
Geograf, Indologin, Fotografin oder als Schriftsteller tätig und leben in Berlin,
Bern, Bombay, Delhi, London, Auckland, New York und Zürich.
INHALTSÜBERSICHT:
SALAAM. WILLKOMMEN. NAMASKAR
Einleitung (Alexandra Schneider, Zürich / Cecilia Hausheer, Zürich)
Die Schweiz: Ein Disneyland der Liebe (Meenakshi Shedde, Bombay)
Das populäre Kino Indiens (Dorothee Wenner, Berlin)
PARADIES. MUSIK. EMOTIONEN
Eine Enzyklopädie der Liebe (Riyad Vinci Wadia, Bombay, New York /
Dorothee Wenner, Berlin)
Mythos, Metapher, Masala – kulturelle Aspekte des Bollywood-Films
(Amrit Gangar, Bombay)
Bollywood singt und tanzt in der Schweiz (Till Brockmann, Zürich)
«Das Kino ist unsere zweite Religion» (Dayanita Singh, Delhi)
La! La La La Laaa! – kein Bollywood-Film ohne Musik
(Riyad Vinci Wadia, Bombay, New York)
Das Darshana der Stars (Vikram Chandra, Bombay)
LANDSCHAFT. TOURISMUS. MOBILITÄT
Landschaft der Liebe – die indischen Mittelschichten, die romantische Liebe und
das Konsumdenken (Rachel Dwyer, London)
«Da muss man gewesen sein» – der indische Tourismus in der Schweiz
(Urs Keller, Zürich)
Ein Zug sagt mehr als 1000 Worte (Vinzenz Hediger, Zürich)
Bollywood reist durch die Schweiz – ein Katalog (Alexandra Rozkosny, Zürich)
Die Berge aus Schweizer Sicht – ein Streifzug durch den Schweizer Spielfilm
(Yvonne Zimmermann, Zürich)
OSTEN. WESTEN. MIGRATION
«Home away from home» oder Warum die Schweiz im indischen Kino (k)eine
Rolle spielt (Alexandra Schneider, Zürich)
Indien ist anders (Dorothee Wenner, Berlin)
Das mediale Fenster zur Heimat – Tamilinnen und Tamilen im Schweizer Exil und
der indische Film (Damaris Lüthi, Zürich)
Das Herz bleibt indisch: Bollywood und die südasiatische Diaspora (Shuchi
Kothari / Nabeel Zuberi, Auckland)
FILMREIHE
Bollywood-Filme im Kino Xenix Zürich, 27. Mai bis 11. Juli.
Im Kino Xenix werden die in der Ausstellung geweckten Emotionen in voller
Filmlänge und als nahezu authentisches Kinoerlebnis auszukosten sein. Die
Filmreihe, die am 27. Mai im Volkshaus Zürich mit einer Galavorführung ihren
Auftakt feiert, gibt mit ungefähr 15 Titeln einen Überblick über die Geschichte und
Entwicklung des kommerziellen Hindi-Kinos – von den Dreissigerjahren bis zur
Gegenwart.
www.xenix.ch
VORTRAGSREIHE
Referate im Museum für Gestaltung Zürich
Während der Ausstellung finden eine Reihe von Vorträgen von namhaften
Filmwissenschaftler/innen, Kritiker/innen und Filmschaffenden zum BollywoodKino statt («Die Erotik des nassen Saris», «Die Internationalisierung Bollywoods»
usw.). Genaue Daten sind der Tagespresse zu entnehmen.
IMPRESSUM
BOLLYWOOD – DAS INDISCHE KINO UND DIE SCHWEIZ
Eine Kooperation des Museums für Gestaltung Zürich mit dem
Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich.
Die Forschung wurde von der Gebert Rüf Stiftung unterstützt.
FORSCHUNGSTEAM
Alexandra Schneider, Zürich / Till Brockmann, Zürich / Cecilia Hausheer, Zürich.
Projektmitarbeiter/innen: Dorothee Wenner, Berlin / Alexandra Rozkosny, Zürich /
Urs Keller, Zürich / Riyad Vinci Wadia, Bombay, New York
AUSSTELLUNG
Kuratorinnen: Cecilia Hausheer, Meret Ernst
Ausstellungsassistenz: Gabriella De Gara
Ausstellungsgestaltung: This Dormann
Ausstellungssekretariat: Tina Schalow
PUBLIKATION
Redaktion: Alexandra Schneider, Christina Reble, Doris Senn
Buchgestaltung: Trix Wetter
FILMREIHE
Kuratorin: Rosa Maino