Assessorato al Turismo e ai Beni Culturali

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Assessorato al Turismo e ai Beni Culturali
Assessorato al Turismo
e ai Beni Culturali
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Region Kampanien
Reiseführer
Kampanien
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Inhaltsverzeichnis
4 Warum Kampanien
6 Neapel - Stadt der tausend Gesichter
Der antike Stadtkern von Spaccanapoli
bis Piazza Mercato
Von Castel Nuovo bis Foria und Sanità
Der Seeweg von Chiaia bis Posillipo
Die Hügel von Vomero bis Capodimonte
40 Die Phlegräischen Felder
Agnano
Pozzuoli
Die Solfatara
Lucrino- und Avernosee
Baia, Bacoli und Miseno
Cuma
58 Der Vesuv
Herculaneum und seine Schätze
Pompeji, die begrabene Stadt
Der Königspalast von Portici
und die Villen der Goldenen Meile
Nola und die Basiliken von Cimitile
72 Die Inseln des Golfs von Neapel
Procida
Ischia
Capri
92 Die amalfitanische Küste
Von Positano bis Amalfi
Von Ravello bis Vietri
106 Salerno und das Cilento
Salerno
Die Seleebene
Paestum
Das Cilento
Das Vallo di Diano
122 Caserta und Matese
Die königlichen bourbonischen Stätten:
Caserta, San Leucio und Carditello
Das Städtchen Casertavecchia
Terra di Lavoro
Die domitische Küste: Von Licola bis Baia
Domizia
Matese
138 Benevent und Sanniogebiet
Benevent
Valle Caudina
Valle Telesina und Valle del Fortore
148 Avellino und Irpinia
Avellino, Mercogliano und Wallfahrtskirche
Montevergine
Das grüne Herz Kampaniens
Von Sabato bis Ufita
84 Die Sorrentiner Halbinsel
Von Castellammare di Stabia bis Sant’Agata
Oberes Irpinia
sui Due Golfi
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Warum Kampanien
4
Neapel und der Vesuv
Berühmte Reisende
Diese Region ist so glücklich, so reizend, so vom Schicksal begünstigt, dass man darin
eindeutig das Lieblingswerk der Natur erkennt. Diese kraftvolle Luft, der stets milde Himmel,
das so fruchtbare Land, die sonnigen Hügel, die sicheren Wälder, die in den Wolken
verlorenen Berge, die üppigen Reben und Olivenbäume… sowie viele Seen und eine Fülle
an Zuflüssen und Quellen, viele Meere und Häfen! Ein allseits dem Handel offenes Land,
das fast wie eine Auffordeung für die Menschheit seine Arme ins Meer streckt.“
Plinius der Ältere, 1.Jh.n.Chr.
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5
Im Herzen Europas und des Mittelmeers bezaubert
die Region Kampanien Besucher und kuriose
Reisende wie die legendäre Sirene, Parthenope,
nach der der Mythos benannt ist, mit ihren
unvergleichlichen Naturschönheiten, mildem Klima,
archäologischen Ausgrabungen, kunsthistorischen
Reichtümern, sprichwörtlichem önogastronomischen
Erbe, sowie bedeutenden zeitgenössischen
Veranstaltungen in Kunst, Musik und Theater.
„Unter allen anderen das fruchtbarste Land“, wurde
es in der Antike genannt, Campania felix in den
Tagebüchern der aristokratisschen Reisenden der
Bildungsreise „Grand Tour“. Aber dieses
außergewöhnliche Reiseziel unterscheidet sich vor
allem durch seine unvergleichliche Vielfalt an
jahrtausendealten historischen Sehenswürdigkeiten,
wunderbaren Naturschauspielen, die von den
berühmtesten und meist besuchten Monumenten der
Welt übersät sind, wie dem Vesuv mit Pompeji und
Herculaneum zu seinen Füßen, dem zauberhaften
Golf zwischen den Halbinseln von Sorrent und
Amalfi, Capri und dem phlegräischen Tuffstein,
Ischia und Procida, dem herrlichen Schloss von
Caserta…
Neapel, seit über sechshundert Jahren Hauptstadt
des Südens, steht natürlich im Mittelpunkt dieser
großartigen Reise für all jene, die mit offenen Augen
und aufgeschlossen den Reiz des Neuen erleben
wollen. Aber auch die anderen Gebiete dieser
Region bieten dem Besucher ebenso überraschende
Emotionen sowie den Vorteil, in Ruhe weniger
bekannte und überfüllte Orte genießen zu können:
Salerno mit dem mittelalterlichen Stadtkern, der
Die Weinstraßen
in Kampanien
In der gesamten Region
wurden Weinstraßen
eingerichtet: Routen führen
zu Weinkellern, die
besichtigt werden können,
Weingärten, typischen
Restaurants,
Handwerkstätten, um in
historischen Stadtkernen
und im Herzen reizvoller
Landschaften typische
Produkte verkosten zu
können. Die Weinstraßen
sollen zu einem Besuch
oder Urlaub animieren und
Seepromenade, den ambitionierten
Stadtumbauplänen im Herzen einer weitläufigen
Provinz, in der die üppige Naturoase des Cilento die
große Seleebene liegt. Benevent und das
Sanniogebiet, wo auf ungewöhnliche Weise reine
Umwelt, antike Zivilisationen und sich ständig
weiterentwickelndes Wein- und Gastronomieerbe
verschmelzen; Avellino im bergigen Irpinia, das
grüne Herzen Kampaniens, pflegt wiederum sorgsam
Traditionen, volkstümliche Feste, und authentische
Folklore; die Terra di Lavoro mit dem grandiosen
bourbonischen Schloss und dem Park, die vom
genialen Vanvitelli entworfen wurden, mit seltenen
Perlen wie Casertavecchia und dem antiken Capua.
Und auch hier wiederum überraschen schattige
Grotten, historische Burgen, alte Wallfahrtskirchen
und faszinierende Kultstätten wie Montevergine und
Pietrelcina…
Dazu eine umfassende Palette an „Sinnesfreuden“
für jeden Geschmack, um Körperpflege und
Wohlbefinden nicht zu vernachlässigen: moderne
Thermalbäder in unvergleichlich schönen
Naturszenarien, kristallklares Meer, modern
ausgestattete Anlagen, Naturschutzgebiete,
agritouristische Betriebe, Wein, Zitronen,
Kirschtomaten, Mozzarella (Büffelkäse), leckere
Süßspeisen, vielseitige und originelle
Geschmackseindrücke, große Küchenchefs und
typische Gaststätten…
Für jede Jahreszeit und nicht nur an Festtagen, für
jeden Geldbeutel, von den anspruchsvollsten
Reisenden, die Ruhe und internationalen Standard
suchen, bis zu den Familien, die berechtigterweise
ein gutes Preis-Leistungsverhältnis vorziehen.
dienen als „Quereinstieg“,
um das Gebiet, fast wie
einen großen Park der
ländlichen Kultur dieser
Region, in vollen Zügen
genießen zu können
(www.sito.regione.campania.it
/agricoltura/home.htm).
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Neapel - Stadt der
tausend Gesichter
6
Blick auf den Golf
von Neapel
Berühmte Reisende
Es gibt niemanden, der nicht schon
geträumt hätte, Neapel zu sehen.
Paul Edme de Musset, 1885
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7
Im Schatten des Vesuv blüht ein traditionsreicher
Tourismus: Auf den Spuren griechischer Siedler
errichteten vornehme Aristokraten und römische
Kaiser entlang des gesamten Golfverlaufs
prachtvolle Villen und Oasen des Friedens.
Nicht umsonst lebt die Magie dieser tausendjährigen
Kultur am Morgen des dritten Jahrtausends weiter
und bringt ständig neue erstaunliche Wunder hervor,
wie die Bewahrung von alten Bauwerken und
Traditionen – Folklore, Gastronomie, ursprüngliche
Anbaukulturen, die unwiderbringlich verloren
schienen –, sowie Events und Veranstaltungen von
Weltklasse und neue Ideen für künstlerische und
wissenschaftliche Forschung.
Unzählig sind in Neapel die sehenswerten
Kunstschätze, wie die Altstadt, die von der Unesco
als Kulturdenkmal geschützt wird, die Paläste,
Kirchen, Katakomben und unterirdischen Routen,
das Archäologische Museum, die Machtzentren in
Mittelalter und Renaissance vor allem um
Castel Nuovo und Palazzo Reale, die unvergessliche
Seepromenade von Castel dell’Ovo bis Posillipo.
Das Hügelgebiet des Vomero bietet in den
restaurierten und neu ausgestatteten Bauten,
beispielhaft aber im Palazzo Reale di Capodimonte
und der Kartause San Martino,
Museumssammlungen, die zu den bedeutendsten
der Welt zählen.
Ein Weg durch die Stadt des 20.Jahrhunderts führt
zwischen bemerkenswerten urbanistischen und
architektonischen Objekten bis zur zweckmäßigen
Architektur des Messegeländes (Mostra d’Oltremare)
mit dem Park sowie dem Sport- und
Ausstellungsgelände; unweit davon liegt die Città
della Scienza (Sience Center), in der
industriearchäologische Anlagen und
wissenschaftliche Traditionen Raum finden.
Ungewöhnlich und überraschend ist hingegen die
Entdeckung neuer Orte zeitgenössischer Kunst:
Monumentale Bauten wie das PAN (Palazzo delle
Arti Napoli), das Madre (Museo d’Arte
Contemporanea Donnaregina), ein Unikat, das
weltweit wie die Kunststationen der Metro bewundert
wird, zeigen deutlich die eigentlichen Horizonte
einer – endlich – weitsichtigen Kulturpolitik.
Neapel ist und bleibt gänzlich, trotz der
Schwierigkeiten und Widersprüchlichkeiten jeder
Metropole, eine außergewöhnliche Stadt, die es zu
erleben, bewundern und in jeder Hinsicht zu
verkosten gilt: Kunst und Kultur, haben ihre
Geschichte geprägt, mildes Klima begleitet Tag und
Nacht Veranstaltungen, Theater- und
Musikfestspiele, Ausstellungen, Messen, religiöse
Festlichkeiten, Gaumenfreuden enthüllen dem
Besucher jahrhundetealte gastronomische
Traditionen, zu denen Meeresgerichte und „typische“
Produkte (mozzarella di bufala – Büffelkäse, Pizza,
DOCG Weine, ein erlesenes und vielseitiges
Süßspeisenangebot) zählen, die in allen Variationen
in zahlreichen historischen oder verborgenen
Lokalen angeboten werden.
i
Campania > Artecard:
3, 7 oder 365 Tage Kombiticket ohne Anstellen
für den Besuch der
wichtigsten Museen und
archäologischen
Ausgrabungsstätten der
Region und die Benutzung
des öffentlichen Verkehrsnetzes
der UnicoCampania und
entsprechender Shuttledienste.
www.campaniartecard.it
City Sightseeing:
50 Minuten oder 2 Stunden
Fahrten, bei denen man
beliebig während der Rundfahrt
zu- oder aussteigen kann,
solange das Ticket gültig ist.
tel. 081 5517279
www.napoli.city-sightseeing.it
Ente Provinciale
per il Turismo di Napoli
piazza dei Martiri 58
tel. 081 4107211
www.eptnapoli.info
Azienda Autonoma
di Cura Soggiorno
e Turismo di Napoli
Palazzo Reale
tel. 081 2525711
www.inaples.it
Museo Archeologico
Nazionale
piazza Museo 19
tel. 848 800288
Museo di Palazzo Reale
piazza Plebiscito
tel. 848 800288
Charaktermaske
Pulcinella
Die typische
neapolitanische
Charaktermaske soll 1656
von Andrea Calcese gen.
Ciuccio, einem Schneider
aus Acerra, einem Ort in der
Provinz von Neapel,
erfunden worden sein.
Diese Figur existierte
bereits in den Atellanen und
ihr Name geht vermutlich
auf das altlateinische Wort
Pullicenus (Küken) zurück.
Pulcinella ist Ausdruck des
„Armen“ und
„Misshandelten“, typisch
für ihn ist der ewige,
unersättliche Hunger. Er
scheint naiv, unerfahren, ein
wenig „dümmlich“, ist aber
in Wirklichkeit ein Mann
mit vielen Gesichtern. Mit
seinem sympathischen
Wesen gelingt es ihm
immer, auch die
schwierigsten Situationen
zu meistern. Der Philosoph
Benedetto Croce defnierte
ihn als das „Abbild, die
Karikatur oder das Ideal des
Neapolitaners.
Museo Nazionale
di Capodimonte
via Miano 1
tel. 848 800288
Museo Nazionale
di San Martino
largo San Martino 8
tel. 848 800288
MADRE
via Settembrini 79
tel. 081 5624561
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Nicht versäumen
Piazza del Plebiscito
Castel Nuovo
‘Spaccanapoli’ und Altstadt
Castel dell’Ovo
Archäologisches
Nationalmuseum
Museo di Capodimonte
Museum und Kartause San
Martino
Neapel an einem Tag
Palazzo Reale und Piazza
del Plebiscito
Castel Nuovo
Archäologisches
Nationalmuseum
‘Spaccanapoli’ und Altstadt
Castel dell’Ovo
und Seepromenade
Neapel in drei Tagen
Palazzo Reale und Piazza
del Plebiscito
Castel Nuovo
Kartause und Museum
San Martino
Archäologisches
Nationalmuseum
‘Spaccanapoli’ und Altstadt
Museo di Capodimonte
Castel dell’Ovo und Borgo
Marinari
Seepromenade
und Mergellina
Posillipo
MADRE Museo d’Arte Donna
Regina
8
Die Ursprünge der Stadt liegen weit zurück und
werden in faszinierenden Legenden überliefert. In
der glaubwürdigsten Version werden die Anfänge in
das 9.Jh.v.Chr. gesetzt, als die Griechen den Golf
kolonialisierten, um zu den Erzvorkommen des oberen
Thyrrenischen Meers vorzustoßen. Im Jahre 326 v.
Chr. wurde Neapel zur römischen Kolonie erklärt.
Nach dem Untergang des Römischen Reichs, wurde
Neapel die Hauptstadt eines bedeutenden
Herzogtums, dem es gelang, den
Longobardeninvasionen standzuhalten.
1137 kam das Herzogtum unter die Herrschaft der
Normannen, die die Integration verschiedener
ethnischer Faktoren förderten. Der Hafen von Neapel
stieg zum wichtigsten Hafen des Mittelmeers auf. Nach
dem Tod von Friedrich II von Schwaben, hielt Karl von
Anjou 1266 seinen triumphalen Einzug in Neapel.
Alfons von Aragonien übernahm 1442 nach einem
langen Krieg das schwer mitgenommene Reich. In
kurzer Zeit aber änderte sich die Situation, es
wurden große Arbeiten (Kanal- und Straßenbau) und
Umbauten vorgenommen (Castel Nuovo erhielt
einen Triumphbogen). Andere Werke (wie die
Eröffnung der Via Toledo und der Bau des
Spanischen Viertels, die Restaurierung der Riviera di
Chiaia) wurden während der zwei Jahrhunderte des
Spanischen Vizekönigreichs (1503-1707) bis zur
Ankunft der Bourbonen (1734) durchgeführt, die das
Königreich Neapel bis 1860, dem Jahr der
Vereinigung Italiens, regierten.
Unsere Entdeckungsreise beginnt mit der Altstadt, in
der die alte griechisch-römische Anlage erhalten
wurde, weiter zu den Machtzentren in Mittelalter und
Renaissance vor allem um Castel Nuovo und Palazzo
Reale. Es folgt die berühmte Seepromenade von Castel
dell’Ovo bis Posillipo, um von hier das Hügelgebiet
von Capodimonte und Vomero anzupeilen.
Kunst und Archäologie
Castel Sant’Elmo
Castel Nuovo
Altstadt und „Napoli
sotterranea“ (unterirdsiches
Neapel)
Kartause und Museum San
Martino
Archäologisches
Nationalmuseum
Museo di Capodimonte
Museo Duca di Martina
Palazzo Reale
Pompeji und Herculaneum
Schloss von Portici
Vesuvianische Villen
des Miglio d’Oro
Natur und Parks
Kreuzgang Santa Chiara
Kreuzgang San Gregorio
Armeno
Neapel Schlossgarten
Botanischer Garten
Parco di Capodimonte
Parco Virgiliano
Villa Comunale
Villa Floridiana
Parco Nazionale del Vesuvio
Für die jungen Leute
Arenile di Bagnoli
(im Sommer)
Borgo Marinari
Piazza Bellini und Altstadt
Piazza dei Martiri
und Umgebung
Piazza Vanvitelli
und Umgebung
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Einkäufe
Krippen und Krippenfiguren
von San Gregorio Armeno
Korallen und Kameen
Porzellan von Capodimonte
Markt von Antignano
(Vomero)
Lebensmittelmarkt
von Pignasecca (Montesanto)
Fischmarkt bei der Porta
Nolana (via Marina)
Objekte aus Lavastein, Kupfer,
Schmiedeeisen, Weidenruten
Mit Kindern unterwegs
Aquarium der
Meereesbiologischen Station
‘Anton Dohrn’
Città della Scienza (Science
Center)
Archäologisches
Nationalmuseum, didaktischer
Rundgang für Kinder
Vergnügungspark Edenlandia
Pompeji
Parco Nazionale del Vesuvio
Osservatorio Vesuviano
Portici Schlosspark
Villa Bruno in San Giorgio
in Cremano
9
Kreuzgang der Kirche
San Gregorio Armeno
Gaumenfreuden
Babà, Caffè
Mozzarella di bufala Dop
(Büffelkäse DOP)
Pizza margherita Dop
Salami Napoli
Mürbes und krauses
Blätterteiggebäck (sfogliatella)
Spaghetti alle vongole veraci
(mit Venusmuscheln)
Aprikosen und Kirschtomaten
vom Vesuv
Wein vom Vesuv
Thermen und Wellness
Beauty center der großen
Hotels
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Der antike Stadtkern
von Spaccanapoli
bis Piazza Mercato
10
Der „Bauch“ von Neapel ist der griechisch-römische
Stadtkern mit seinem schachbrettartigen Grundriss,
mit drei Straßenachsen, die „Decumani“, die
rechtwinkelig von so genannten „Cardi“ durchquert
werden.
Hier schlägt das Herz der Stadt inmitten von kleinen
Gassen, Werkstätten, zahlreichen Kunstwerken, die
den Besucher an allen Ecken überraschen und von
den Stimmen der Neapolitaner untermalt werden.
Hier liegt das „kulturelle“ Zentrum von Neapel mit
der Universität in der Via Mezzocannone, den
Literatenkaffees auf der Piazza Bellini, den
Buchläden der Port’Alba, dem Italienischen Institut
für Historische Studien in der Via Benedetto Croce.
Die Piazza del Gesù Nuovo ist das Eingangstor
zum Herzen der Altstadt.
Die Fiale der Immaculata (1747) und die Kirche
Gesù Nuovo, in deren Fassade die Kragsteine des
Palazzo Sanseverino aus dem 15.Jh. eingebunden
sind (bevor dieser zur Kirche wurde, gehörte das
Gebäude der Familie Sanseverino, die hier ihre
königliche Residenz hatte), leiten den barocken
Kirchenbau der Stadt ein. Das Kircheninnere ist eine
wahre Pracht an Marmor, Stuck und Fresken, mit
Werken von Francesco Solimena, Luca Giordano
und Massimo Stanzione.
In der Nähe erhebt sich die strenge Kirche Santa
Chiara, die 1310 Robert von Anjou in gotischem
Provenzalstil errichten ließ und Mitte des 18.Jh.
barockisiert wurde. Nach den Bombenschäden von
1943 wurde sie im ursprünglich schlichten Stil
restauriert.
Blätterteiggebäck und
andere Delikatessen
Die sfogliatella ist eine
typisch neapolitanische
Süßspeise, die im 18.Jh.
von Pintauro erfunden
wurde. Sie ist mit Ricotta
und kandierten Früchten
gefüllt und heisst frolla
(mürbe), wenn sie in
Mürbteig, und riccia
(kraus), wenn sie in feinsten
gebackenen Blätterteig
gehüllt ist.
Bei Pintauro in der Via Toledo
kann die klassische süße
sfogliatella gekostet werden.
Die berühmte Konditorei
Scaturchio auf der Piazza
San Domenico macht sie
sowohl süß als auch
gesalzen. Weitere
Delikatessen sind der babà,
der dick, weich und in Rum
getränkt ist und die
pastiera, eine Ostertorte
angevinischen Ursprungs,
aus Mürbeteig, Ricotta,
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Spaccanapoli
Weizen und kandierten
Früchten, die das ganze
Jahr angeboten wird.
In der Weihnachtszeit sollte
man nicht verabsäumen, die
struffoli zu kosten,
gebackene, weiche
Teigkugeln, die mit Honig
serviert und mit bunten,
kandierten Konfekten
bestreut werden. Auf keinen
Fall sollte man auf den
neapolitanischen Espresso
(caffè) verzichten, der heiß,
süß und sehr stark serviert
wird.
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Der verschleierte
Christus in der Kapelle
San Severo
Portal der Kirche
Gesù Nuovo
12
Diese Kirche beherbergt die Grabmale (14.Jh.) der
Königsfamilie der Anjou, einem Bildhauerwerk der
toskanischen Schule.
Auf keinen Fall sollte man auf einen Spaziergang im
berühmten Kreuzgang der Klarissinnen
verzichten, der von Domenico Antonio Vaccaro
entworfen wurde. Hier zeigt sich Neapel plötzlich
von seiner stillen Seite und versinkt im Duft von
Glyzinien und Narzissen; gelb, grün und blau sind
die Farben der herrlichen Majolikakacheln der
achteckigen Säulen und Sitze, die die
neapolitanischen „riggiolari“ (Ziegelmaler) Donato
und Giuseppe Massa mit ländlichen und
mythologischen Szenen zierten.
In der Via Benedetto Croce liegt der Palazzo
Filomarino della Rocca aus dem 14.Jh., wo der
Philosoph Benedetto Croce lebte, der hier das
Italienische Institut für Historische Studien gründete,
ein noch heute reges Forschungsinstitut, das über
eine große Bibliothek verfügt.
Die Piazza San Domenico ist eine der
bemerkenswertesten Anlagen der Stadt aus
agevinischer Epoche und gliedert sich zweckmäßig
in den Rahmen von Bauten unterschiedlicher
architektonischer Stile, wie die „offizielle“ Kirche der
aragonischen Dynastie aus dem 13.Jh., von der noch
die Sarkophage erhalten sind, die Fiale von San
Domenico aus dem 17.Jh. und die schönen Fassaden
des Palazzo Corigliano aus dem 18. Jh., der heute
Sitz des Orienatlistikinstiuts der Universität ist, sowie
Palazzo Sansevero. Auf der Piazzetta Nilo erhebt
sich die hellenistische Statue des Nils, die im
Mittelalter gefunden wurde und von den Neapolitanern
liebevoll „Körper von Neapel“ genannt wird.
Hier befindet sich die kleine Kirche Sant’Angelo a
Nilo. Sie wurde 1385 errichtet, im 18.Jh. umgebaut
und beherbergt das wunderschöne
Renaissancegrabmal von Kardinal Rinaldo Brancaccio,
einem Werk von Donatello und Michelozzo, das in
Pisa von 1426-28 ausgeführt und nach Neapel auf
dem Meeresweg gebracht wurde, sowie andere
Kunstwerke aus dem 15. und 16.Jh. Bei einem
Spaziergang durch die Via San Biagio dei Librai (auch
Spaccanapoli – Spalte Neapels genannt) kann man
einen Blick in die zahlreichen kleinen Antiquitäten -,
Sakralkunst- und Juwelierläden werfen.
An Hausnr. 114 stößt man auf ein Meisterwerk des
Spätmanierismus aus dem 17.Jh., die Kapelle
Monte di Pietà, die in den monumentalen Palazzo
Carafa eingebunden und mit Fresken von Belisario
Corenzio, Luigi Rodriguez und Battistello
Caracciolo, geschmückt ist.
Fast versteckt in einer kleinen Seitenstraße des Vico San
Domenico befindet sich die kleine, außergewöhnliche
Kapelle Sansevero. Dieser spektakuläre
Barockkomplex sollte unbedingt besichtigt werden.
Inmitten von besonderen Kunstwerken wird die
Skulptur des Cristo Velato (Verschleierter Christus),
einem Werk von Giuseppe Sanmartino aufbewahrt;
der Effekt, die virtuose Bearbeitung des Marmors
und das Lichtspiel sind ein wahres Meisterwerk. Wie
sollte man von den vielen ausgestellten Erfindungen
und anatomischen Geräten nicht gebannt sein, die
Sansevero den (unberechtigten) Ruf des
Hexenmeisters und Zauberers eingebracht haben?
Die belebte Via San Gregorio Armeno ist das Herz
des handwerklichen Neapels, das durch den
Hängeturm der gleichnamigen Kirche geprägt ist. In
den zwei Monaten vor Weihnachten verwandelt sich
San Gregorio Armeno in eine der belebtesten
Straßen der Altstadt und füllt sich mit Ständen, an
denen Krippenfiguren und -dekorationen verkauft
werden. Neben den traditionellen Jesuskindern,
Maria und Joseph wetteifern die Handwerker darin,
zeitgenössische Personen als „Hirten“ darzustellen.
Im Klosterkomplex San Gregorio Armeno, der an
die Kirche angeschlossen ist, die mit einem barocken
Kirchenschiff und einer außergewöhnlichen
Kassettendecke prunkt, sollte unbedingt der
Kreuzgang zwischen Zier-, Gemüsegärten und
Agrumenhainen besichtigt werden.
Am Ende der Krippenstraße gelangt man ins Herz
der griechisch-römischen Stadt, wo einst
Agorà und Forum lagen, von denen man noch heute
die Spuren der Schichtkonstruktion sehen kann.
Der Mittelpunkt dieser Anlage war die heutige
Piazza San Gaetano, auf der sich die Kirchen San
Paolo Maggiore, die zwischen dem 8. und 9.Jh.
gebaut wurde, und San Lorenzo Maggiore
befinden, in dessen Kreuzgang griechisch-römische
Ausgrabungen gefunden wurden (eine Kuriosität am
Rande: Hier traf Giovanni Boccaccio seine
Fiammetta am Karsamstag des Jahres 1336).
Das
Puppenkrankenhaus
Das Puppenkrankenhaus
entstand Ende des 19.Jh. und
hier werden seit drei
Generationen Puppen aller Art
restauriert. Das Werk des
Begründers Luigi Grassi wird
vom Neffen, der auch Luigi
heißt, und dessen Tochter
Tiziana weitergeführt.
Ein „Besuch“ im historischen
kleinen Laden in der Via San
Biagio dei Librai 81 sollte
telefonisch (Tel. 081 203067
www.ospedaledellebambole.it)
angemeldet werden.
Kreuzgang Santa
Chiara
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Piazza San Domenico Maggiore
Handwerkstätten in San Gregorio Armeno
Berühmte Reisende
Man gelangt von der Piazza Dante durch die Port’Alba in die Via dei Tribunali, und von
der Via Toledo, auf der Höhe des Palazzo Maddaloni, in die Via San Biagio dei Librai,
und kann hier das Haus suchen, wo auf einem vom Hausbesitzer eingelassenen
Gedenkstein zu lesen ist: „In diesem Haus wurde der berühmteste Bewohner Neapels,
der Hl.Gennaro, geboren“ und wo der Portier auf die Frage, warum er sich dessen so
sicher sei, einfach nur die Schultern hochzieht und in neapolitanischem Dialekt
antwortet: „So heißt’s“
Giovanni Ansaldo, 1961
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Domfassade
Detail der Dekoration
von Santa Maria del Purgatorio
ad Arco
14
Die Reise zum unterirdischen Neapel ist eine besonders
reizvolle Erfahrung, bei der Geheimnisse, Geschichten und
Legenden der Stadt aufgedeckt werden. Niemand kennt die
tatsächlichen Ausmaße des dunklen Neapel, aber
Speläologen haben in den letzten Jahren auf einer Fläche
von einer Million Kubikmeter ca. 700 Höhlen gezählt. Eine
Reise in die Vergangenheit sollte bei der Piazza San
Gaetano im Herzen des alten Stadtkerns mit einem
zweistündigen Rundgang durch unterirdische Gänge und
Zisternen begonnen werden. Interessant ist das griechischrömische Theater, zu dem man durch einen pittoresken
Eingang einer ärmlichen Erdgeschosswohnung in Vico
Cinquesanti gelangt. Vom Kreuzgang der Kirche San
Lorenzo Maggiore sind es nur wenige Schritte, um 2600
Jahre zurückzugehen und inmitten griechischer Gemäuer zu
wandeln. Schließlich steigt man im Spanischen Viertel
(Quartieri Spagnoli) 40 m eine Treppe hinunter, um zu
Zisternen antiker Aquädukte zu gelangen, die während der
Bombenangriffe im Krieg als Zufluchtsort dienten.
In der Via Tribunali erhebt sich links die kleine
Kirche Santa Maria del Purgatorio ad Arco, die
eine bizarre Barockdekoration ziert;
Bronzeskulpturen von Schädeln und Schienbeinen
vor der Kirche symbolisieren die Devotion des
neapolitanischen Volkes für die „armen Seelen“, die
sogenannten „pezzentelle“, da sie ohne Verwandte
gestorben sind.
Etwas weiter vorne stößt man auf die Kirche und das
ehemalige Kloster San Pietro a Majella, wo seit
1826 eines der berühmtesten Musikkonservatorien
Italiens seinen Sitz hat. Die wunderschönen
Gemälde von Mattia Preti sind Meisterwerke der
italienischen Malerei aus dem 17.Jh.
Die nahe Piazza Bellini ist vor allem in der Nacht
besonders belebt und gesäumt von Literatenkaffees.
In der Gegenrichtung am Ende der Via Tribunali
erhebt sich die Chiesa dei Girolamini, von der aus
man zur gleichnamigen Bildersammlung mit
Werken aus dem 16. – 18.Jh. gelangt.
des Erdbebens 1349 ein – wude mehrmals verändert. Der
dreischiffige Innenraum der Kirche hat die Form eines
römischen Kreuzes und ist reich dekoriert. Das Mittelschiff
spiegelt die barocken Eingriffe des 18.Jh. wider.
Vom linken Kirchenschiff gelangt man in die antike
frühchristliche Basilika Santa Restituta, die im 4.Jh. von
Kaiser Konstantin gegründet und nach dem Erdbeben von
1688 eindrucksvoll barockisiert wurde.
Vermutlich gehören die großflächigen Fragmente eines
Mosaikbodens zur anderen frühchristlichen Basilika
Stefania aus dem 6.Jh. Unter Santa Restituta können
archäologische Funde aus griechisch-römischer Zeit
besichtigt werden.
Von der rechten Apsisseite wiederum gelangt man zum
Baptisterium San Giovanni in Fonte, das zwischen dem
4. und 5.Jh. errichtet wurde. Der quadratische Grundriss
wird von einer mosaikgeschmückten Kuppel dominiert.
Außer den mittelalterlichen Kapellen, die reich mit Fresken
und Dekorationen geschmückt sind, ist die wunderschöne
Cappella del Tesoro di San Gennaro zu sehen, die
zwischen 1609 und 1637 gebaut wurde. Für die prunkvolle
malerische Gestaltung wurden die berühmtesten Künstler
jener Zeit beauftragt (Fanzago, Domenichino, Ribera,
Lanfranco). Die Pracht der Kapelle wird noch durch die
wertvolle Ausstattung und die großen Silberreliquienbüsten
unterstrichen. Hier wird anlässlich des Wunders zwei
Wochen lang die Reliquie mit dem Blut des heiligen
Gennaro ausgestellt.
An Nr. 288 der Via Duomo befindet sich das Museo
Civico Filangieri, das 1882 Gaetano Filangieri,
Fürst von Satriano, der Stadt schenkte. Die
Museumssammlung umfasst eine Reihe
Kunstobjekte, die von Waffen bis zu
Porzellangegenständen, von Gemälden bis zu
Trachten, von Büchern bis zu Möbelstücken reichen.
Die Via dei Tribunali kreuzt sich mit der Via Duomo, die
nach dem gotischen Dom benannt ist, der von Robert von
Anjou 1313 fertiggestellt wurde. Die heutige Fassade – die
ursprüngliche stürtzte ebenso wie der Kampanile während
Das Wunder
des heiligen Gennaro
Hoffnungen, Erwartungen,
Spannung und Anrufungen
verbreiten sich unter den
Gläubigen, die der
Verflüssigung des Blutes
des Hl. Gennaro beiwohnen.
Seit 600 Jahren wird am
ersten Maisonntag
(Erinnerung an die erste
Überführung des Körpers
des Heiligen) und am 19.
September (Tag des
Märtyriums), ein Ritus im
Dom vollzogen, dem eine
Prozession durch die engen
Gassen der Altstadt
vorangeht.
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Berühmte Reisende
Der Dom, der eines der schönsten Portale und Säulen aus
afrikanischem und ägyptischem Granit hat, die einst den
Apolltempel schmückten, beherbergt das berühmte Blut des
Hl. Gennaro oder Januarius. Es wird in zwei Phiolen in einem
Silberschrein aufbewahrt und verflüssigt sich
wundersamerweise dreimal im Jahr, ein Ereignis, das vom
Volk voller Begeisterung verfolgt wird.
Charles Dickens, 1845
Wunder
des Hl. Gennaro
San Lorenzo
Maggiore
15
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Kampanile
und Interieur
der Basilika Santa
Maria del Carmine
16
Über den Dom hinaus liegt in einer rechten
Querstraße der Palazzo Donnaregina. Hier ist das
Museum MADRE (Museo d’Arte Donnaregina)
untergebracht, das der berühmte portugiesische
Architekt Alvaro Siza entworfen hat und ein großes
Museum von internationalem Flair ist. Die
Dauerausstellung umfasst Werke der vielen Künstler,
die in der Vergangenheit mit der Stadt
zusammengearbeitet haben; zu sehen sind daher die
Kreationen, die die Piazza Plebiscito und das Museo
Archeologico in den letzten Jahren schmückten
sowie für dieses Museum erdachte, entworfene,
gemalte und realisierte Werke, darunter bedeutende
Arbeiten von Long, Bianchi, Clemente, Horn,
Kapoor, Kounellis, Paolini, Sol Lewitt, Serra und
vielen anderen. Nach der Via Duomo noch auf der
Via dei Tribunali erhebt sich zu rechter Hand der
Komplex Pio Monte della Misericordia, der 1601
gegründet wurde und zu den ältesten mildtätigen
Stiftungen der Stadt zählt. In der achteckigen Kirche
befindet sich auf dem Hauptaltar das riesige
Gemälde mit der Darstellung der Werke der
Barmherzigkeit, einem Meisterwerk des
Caravaggio. Interessant ist auch die
Bildersammlung, die vorwiegend aus Schenkungen
besteht. Zu den Hauptsponsoren zählt der Maler
Francesco De Mura, der 1782 der Sammlung gut
192 Gemälde vermachte, von denen heute noch 42
übrig sind.
Am Ende der Via dei Tribunali stößt man direkt auf
Castel Capuano, die älteste der vier Burgen
Neapels. Sie wurde in normannischer Zeit errichtet,
Eine königliche
Pizza
Durch den richtigen
„Rahmen“ unterscheidet
sich die wahre
neapolitanische Pizza von
allen anderen Pizzen auf der
Welt. 3-4 cm breit und
richtig gebacken umgibt er
das Herzstück aus weichem
und elastischem Teig.
Um die klassische Pizza,
die Pizza Margherita
(1889 vom Pizzaiolo
Raffaele Esposito der
Pizzeria „Brandi“ anlässlich
eines Neapelbesuchs der
diente später dann als Gerichtsgebäude und bis vor
wenigen Jahren als Zivilgericht. Hier ist auch eines
der Stadttore Neapels, Porta Capuana, zu sehen,
das 1484 errichtet wurde und den östlichen
Haupteingang der Stadt darstellte.
Hier und bei der nahen Porta Nolana, unweit des
Bahnhofs auf der Piazza Garibaldi, finden zwei der
malerischsten Märkte von Neapel statt, auf denen
Fisch, Obst und Gemüse angeboten werden.
Nicht weit davon liegt die Kirche San Giovanni a
Carbonara, die zwischen 1343 und 1418 erbaut
wurde. Sehenswert sind die eleganten Kapellen
Caracciolo del Sole (1427) und Caracciolo di Vico
(1516) sowie das monumentale Grabmal von
Ladislaus von Durazzo (1428), dem König von
Neapel.
Die letzte Station ist die Piazza Mercato, eines der
Zentren der Geschichte Neapels: Hier wurde 1268
Konrad von Schwaben enthauptet und hier
versammelte 1647 Masaniello das Volk während der
von ihm angeführten Aufstände gegen die Spanier.
Der Platz wird von einer der beliebtesten und meist
verehrten Kirchen Neapels, der Basilika Santa
Maria del Carmine beherrscht, die der Santa Maria
la Bruna geweiht ist. Ihr zu Ehren wird jedes Jahr im
Juli ein Fest mit Feuerwerkswettbewerben
veranstaltet, das mit dem „Brand“ des stadthöchsten
Kampanile (75 m) beendet wird. Auf der Via Nuova
Marina erstreckt sich schließlich der Hafen, der von
Karl II. mit der Gründung der Mole Angioino
begonnen und im Laufe der Jahrhunderte bis Mitte
des 20. Jh. zur heutigen Größe erweitert wurde.
Königin von Savoyen
erfunden) zuzubereiten,
arbeitet der Pizzabäcker mit
der Handfläche und den
Fingerkuppen, verwendet
San Marzano Tomaten,
Mozzarella (Büffelkäse),
Olivenöl, geriebenen
Parmigiano Reggiano
(Parmesan) und ein paar
frische Basilikumblätter.
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Berühmte Reisende
„Und so scheint weder respektlos angesichts der Stunde
des letzten Grußes, noch banal das Sprichwort «Neapel
sehen und sterben!»“.
Herman Melville, 1857
17
MADRE - Museo d’Arte
Contemporanea
Donnaregina (Museum
zeitgenössischer Kunst)
Castel Capuano
Die Werke
der Barmherzigkeit
von Caravaggio
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Von Castel Nuovo
bis Foria und Sanità
18
Das Gebiet zwischen Castel Nuovo und Museo
Archeologico Nazionale durch die Via Toledo ist das
Zentrum von Neapel, der Stadtteil, den die
Neapolitaner als den repräsentativsten ansehen und
der einige der typischen Monumente der Stadt
enthält, wie Maschio Angioino (angevinische
Festung), Palazzo Reale, Piazza del Plebiscito, Teatro
San Carlo, Galleria Umberto I, Museo Archeologico
Nazionale.
Castel Nuovo (das so genannt wurde, um es von
den alten Königsresidenzen Castel dell’Ovo und
Castel Capuano zu unterscheiden) ist auch als
Maschio Angioino bekannt.
Die imposante Festung wurde 1279 von Karl I von Anjou
begonnen, aber von den Aragoniern umgebaut; sie weist
einen Trapezgrundriss auf und ist umgeben von einem
Burggraben mit den hohen Fundamenten der fünf
zylindrischen Türme.
Der Triumphbogen am Burgeingang ist dessen
Hauptornament. Er wurde errichtet, um den triumphalen
Einzug von Alfons von Aragon nach Neapel 1443 zu feiern.
Die prachtvollen Bildhauerreliefs sind das schönste
Beispiel für Renaissanceskulptur Süditaliens.
Im Burginnneren befinden sich die Cappella Palatina, die
als einziges Bauwerk ihren ursprünglichen Charakter
bewahren konnte, und die außergewöhnliche Sala di
Baroni. 1992 wurde das Museo Civico (Stadtmuseum)
eröffnet.
Castel Nuovo thront mitten auf der Piazza
Municipio. Im oberen Teil der Piazza erhebt sich der
Palazzo San Giacomo, der Sitz der Stadtgemeinde
Neapel, in dem sich die aus dem sechzehnten
Jahrhundert stammende Kirche San Giacomo degli
Spagnoli befindet. Hinter dem Hauptaltar ist das
Monumentalgrab des Vizekönigs Pedro von Toledo
zu sehen.
Castel Nuovo
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Berühmte Reisende
Welch bedrohliche Mauern sehe ich? Eine Festung im
Herzen der Stadt ? Genau so ist es. Ich betrachte sie
fasziniert.
Herman Melville, 1857
19
Palazzo Reale
Die Handwerker
der Rua Catalana
Um die Via Medina, nahe
der Piazza Municipio, stößt
man auf die enge Rua
Catalana, in der zahlreiche
Werkstätten auf die
Bearbeitung von Eisen,
Kupfer und Blech
spezialisiert sind. Diese
Gasse und die nahen
Straßen Vicolo Graziella,
Via Basile und Calata
Ospitaletto sind eine
ständige Ausstellung von
ironischen Laternen und
Eisenskulpturen geworden,
die von den
Blechschmiedemeistern
kreiert werden.
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Berühmte Reisende
Zunächst hat man den Eindruck, sich in den Palast eines orientalischen
Kaisers verirrt zu haben. Nichts in Europa gleicht auch nur entfernt
diesem Schauspiel. Die Augen sind geblendet, die Seele hingerissen…
Stendhal, 1826
20
Die Galleria Umberto I (1887-1890) wird von einer
herrlichen, gut 57 m hohen Glas-Eisenkonstruktion
bedeckt, zu dem der elegante Marmorintarsienboden
besonders gut passt. Im Galerieinnneren sind
Geschäfte, Kaffeehäuser und Buchhandlungen
untergebracht.
Ebenso befindet sich darin die Kirche Santa
Brigida, deren Kuppel ein schönes Fresko von Luca
Giordano Das Paradies ziert.
Das Theater San Carlo, das am 4.November 1737
anlässlich des Namenstages von Karl von Bourbon
eröffnet wurde, auf den der Bau zurückgeht, ist das
älteste Opernhaus der Welt. Das Gebäude wurde
nach der Zerstörung durch einen Brand 1816 von
Antonio Niccolini wiederaufgebaut, von dem auch
die Fassade stammt. In der ersten Hälfte des 19.Jh.
erlebte das Teatro San Carlo dank des
Theateragenten Domenico Barbaja eine
erinnerungswürdige, ruhmvolle Bühnenzeit, in der
Musiker wie Gioachino Rossini und Gaetano
Donizetti engagiert wurden.
Vor dem Teatro San Carlo liegt die sehr belebte
Piazza Trieste e Trento (eh. Piazza San
Ferdinando), auf der sich das historische Caffè
Gambrinus befindet, das 1860 gegründet wurde
und in dem sich einst Dichter und Intellektuelle
trafen.
Die barocke Kirche San Ferdinando auf dem
selben Platz steht im Mittelpunkt einer wichtigen
Tradition: Am Karfreitag wird hier Stabat Mater von
Pergolesi vorgetragen.
Nach der Piazza Trieste e Trento gelangt man zur
berühmten Piazza del Plebiscito, dem größten
Platz Neapels, der oft den spektakulären Rahmen für
kulturelle Veranstaltungen und Konzerte bildet.
Geprägt wird dieser Platz von der Kirche San
Francesco di Paola mit ihrer neoklassizistischen
Kolonnade und dem vom Pantheon in Rom
inspirierten Innenraum.
In der Mitte des Platzes blicken zwei Reiterstatuen
von Karl von Bourbon (ein Werk von Antonio
Canova) und Ferdinand I auf den großen Palazzo
Reale.
Der Bau begann Anfang des 17.Jh. nach einem
Entwurf von Domenico Fontana. Der Palast wurde
von Joachim Murat und Karoline Bonaparte mit
Dekorationen und neoklassizistischen Möblen, die
teils aus den Tuilerien stammen, bereichert, durch
einen Brand 1837 beschädigt und danach von
Gaetano Genovese restauriert.
Um das prachtvolle Interieur zu besichtigen, überquert man
den weiten Ehrenhof, von dem aus man in das Museo
dell’Appartamento Storico – Museum der Historischen
Gemächer – (dreißig Säle in einem Stockwerk), in dem
noch Originaldekorationen und –möbel zu bewundern sind,
gelangt. Besonders schön sind die Monumentaltreppe
aus polychromen Marmorplatten und das kleine
Hoftheater, ein Festsaal, der 1768 von Ferdinando Fuga in
ein reizendes Rokkokoambiente umgestaltet wurde. In
anderen Räumen des Palastes ist die Nationalbibliothek
untergebracht, die eine Sammlung von über eineinhalb
Millionen Bänden umfasst, darunter auch wertvolle
mittelalterliche Kodices. Auch die berühmten Papyrusrollen
aus Herculaneum werden hier aufbewahrt.
Silvester auf der Piazza
del Plebiscito
Seit 1994, als der Platz zur
Fußgängerzone gemacht
wurde, ist die Piazza del
Plebiscito das Symbol der
Wiedergeburt der Stadt und
Silvester wird mit einem
großen Konzert begangen,
bei dem Sänger und
Medienstars auftreten. In
der Weihnachtszeit stellen
auf dem Platz internationale
Künstler Installationen aus.
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Galleria Umberto I
Theater San Carlo
21
Piazza
del Plebiscito
und Kirche San
Francesco
di Paola
Istituto Italiano
di Studi Filosofici
Von der Piazza del
Plebiscito geht es hinauf
die Via Gennaro Serra bis
zur Via Monte di Dio im
Viertel Pizzofalcone, dem
ersten Kern griechischer
Besiedlungen in Neapel.
Hier hat das Istituto Italiano
di Studi Filosofici im
monumentalen Palazzo
Serra di Cassano mit
Prunktreppe seinen Sitz.
Der Haupteingang wurde
1799 von den Herzögen
Serra di Cassano
zugemauert, nachdem ihr
Sohn Gennaro als Märtyrer
der Neapolitanischen
Revolution 1799 gehängt
worden war.
Wie in einem Unesco-Bericht
geschrieben wurde, hat das
Institut „weltweit einzigartige
Dimensionen erzielt und
macht aus Neapel eine wahre
Kulturhauptstadt“.
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Berühmte Reisende
„Wir wollen Don Peppe sehen!“
rief das neapolitanische Volk unter dem Balkon von Palazzo Doria d’Angri, wo Giuseppe Garibaldi
wohnte.
22
Von der Piazza del Plebiscito geht die Via Toledo
weg, die Hauptachse der Stadtentwicklung, die 1536
vom Vizekönig Pedro von Toledo angelegt wurde.
Für viele Neapolitaner ist sie einfach nur die
„Toledo“, für andere Via Roma (seit 1870 bis in die
80-er Jahre des 20.Jh.). Via Toledo ist eine der
größten Straßen der Stadt und wird von Kirchen und
alten Palästen, wie Carafa di Maddaloni (1582)
und Doria D’Angri (1755) geprägt, die dem Genius
des Luigi Vanvitelli zu verdanken sind. Von dessen
Balkon verkündigte Giuseppe Garibaldi den
Anschluss des „Königreichs der zwei Sizilien“ an
das Königreich Italien.
Hinter der Via Toledo und am Fuß des Hügels San
Martino erstreckt sich netzartig das Spanische
Viertel.
Von der Piazza Carità wird ein Abstecher zu zwei
Juwelen der Renaissance, den Kirchen Monteoliveto
und Santa Maria la Nova, gemacht.
Monteoliveto oder Sant’Anna dei Lombardi
wurde im 15.Jh. erbaut und konnte im
Kircheninneren die einfache Formenstrenge der
ursprünglichen Struktur bewahren. Die Altäre Del
Pezzo und Ligorio sind Meisterwerke der
Bildhauerkunst der Renaissance. Im Apsisbereich
befindet sich die prachtvolle Gruppe der Beweinung
Christi mit lebensgroßen Terrakottafiguren, die nach
der Tradition die Mitglieder der Königsfamilie der
Aragonier darstellen sollen.
Aus der Renaissance stammt auch die Kirche Santa
Maria la Nova mit beeindruckenden Kreuzgängen.
Sie wurde im 13.Jh. erbaut und ab 1596 komplett
erneuert. Wunderschön ist die Kassettendecke aus
vergoldetem Holz, in die 46 Tafeln eingelassen sind,
die von den bedeutendsten neapolitanischen
Künstlern Ende des 16.Jh. gemalt wurden.
Der letzte Teil der Via Toledo mündet in die Piazza
Dante.
Das Spanische Viertel
Das Spanische Viertel, das
im 16.Jh. nach einer
schachbrettartigen Anlage
mit kleinen Parzellen
entworfen wurde, um die
spanischen Truppen und
deren Familien aufzunehmen,
hat sich im Laufe der Zeit in
eine Stadt in der Stadt zu
einem lebendigen und
pittoresken Viertel entwickelt.
Bei einem Spaziergang durch
dieses Viertel (Vorsicht ist
geboten), stößt man auf
Fußball spielende Kinder und
Stände, an denen alles
mögliche verkauft wird.
Sie wird vom Dantedenkmal (1872) von Tito
Angelini geschmückt und vom Halbkreis des Foro
Carolino begrenzt, das von Luigi Vanvitelli errichtet
wurde. Links vom Halbkreis erhebt sich die
Port’Alba (1625), von der aus man in die
gleichnamige Straße gelangt, in der sich einige der
ältesten Buchläden von Neapel befinden.
Nahe der Piazza Dante liegt das Archäologisches
Nationalmuseum, das weltweit bedeutendste
Museum für klassische Archäologie. Karl von
Bourbon brachte in diesem Palast (eh. „Palazzo
degli Studi“, also Universität) die Sammlung
Farnese, die größte Kunstsammlung Italiens unter,
die er von seiner Mutter Elisabeth geerbt hatte. Zu
diesem Vermächtnis kam im Laufe der Zeit die
größte archäologische Sammlung dazu, in der die
Funde der beim Vesuvausbruch 79.n.Chr.
begrabenen Städte und Villen aufgenommen wurden.
Den wertvollsten Kern des Museums bilden die Mosaike,
Gemälde, Juwelen und Gegenstände der vesuvianischen
Häuser. Diese einzigartige Sammlung zieht jährlich
Millionen Besucher an.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die wunderschöne Sammlung
klasssischer Skulpturen, die vor allem römische Kopien
nach griechischen Originalen umfassen, darunter die
berühmten farnesischen Skulpturen (Stier und farnesischer
Herkules und ein Dutzend anderer Werke). Reich ist die
Sammlung an Kameen und geschliffenen Gemmen,
darunter die farnesische Tasse). Besonders bedeutend ist
die Sammlung von über 2000 Inschriften in fast allen
einst in Kampanien gesprochenen Sprachen (von
Griechisch bis Oskisch, von Etruskisch bis Latein). Die
ägyptische Sammlung ist nach Turin die zweitwichtigste
in Italien. Eine Abteilung ist der Villa dei Papiri gewidmet,
dem berühmten römischen Haus in Herculaneum, in dem
eine große Menge archäologisches Material, unter anderem
berühmte Bronze- und Marmorstatuen, gefunden wurde.
Ungewöhnlich ist das Gabinetto Segreto (Geheimkabinett),
eine Sammlung aus dem 19.Jh. von Werken, die damals als
„obszön“, galten, und nur befugten Besuchern vorbehalten
waren. Es handelt sich dabei um Skulpturen, Fresken,
Mosaike, Amulette, Öllampen und erotische Graffiti, die
vorwiegend aus den Vesuvausgrabungen stammen.
Mercato (Markt)
della Pignasecca
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Berühmte Reisende
Ich reise ab. Ich werde weder die Via Toledo noch all die
anderen Viertel von Neapel vergessen. In meinen Augen ist
sie, ohne Zweifel, die schönste Stadt der Welt.
Stendhal, 1817
23
Mosaik von
Alexander dem
Großen
Archäologisches
Nationalmuseum
Metrò dell’Arte
(die Kunstmetro)
Die Tyrannenmörder.
Archäologisches
Nationalmuseum
Metrò dell’arte
(Kunstmetro)
Als „das beste Museum
zeitgenössischer Kunst
Italiens“ ist die Linie 1 der
U-Bahn von Neapel definiert
worden. Die Stationen der
Strecke Vanvitelli-Dante, die
die Altstadt mit dem Bezirk
Vomero verbindet, werden
„Kunststationen“ genannt.
Während international
anerkannte Architekten den
umliegenden Raum konzipiert
haben, wurden die Stationen
mit zeitgenössischen
Kunstwerken bereichert. In
der Station „Museo“, die von
Gae Aulenti signiert ist, sind
ein großer Bronzepferdekopf,
das so genannte Carafa-Pferd
(Stück des Archäologischen
Museums), und eine Kopie
des Farnesischen Herkules
ausgestellt, die von den
Schülern der Akademie der
Schönen Künste von Neapel
ausgeführt wurde.
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24
Vom Museum gelangt man auf die Piazza Cavour,
hier geht die Via Foria weg, die die populären
Viertel Sanità, Vergini und Sant’Antonio durchquert.
In dieser Zone ist die schöne Kirche Santa Maria
della Sanità aus dem 17.Jh. mit der zweiläufigen
Freitreppe sehenswert, die die Krypta umrahmt. Von
der Kirche gelangt man zu den Katakomben des
Hl. Gaudioso. In diesem Viertel befinden sich der
Palazzo dello Spagnolo und Palazzo Sanfelice
aus dem 18.Jh., effektvolle Architekturen, die auch
als Modell für Bühnenbilder verwendet wurden und
beide ein Werk von Ferdinando Sanfelice sind.
Weiter führt die Via Foria zum Botanischen Garten.
Der botanische Garten wurde 1807 von Giuseppe Bonaparte
eingerichtet und war ursprünglich dazu gedacht,
Nutzpflanzen für Landwirtschaft und Handel sowie
Heilpflanzen kennenzulernen. Heute wachsen auf einer ca.
12 ha großen Fläche ca. 10 tausend Arten und insgesamt
fast 25 tausend Exemplare, und diese Sammlung stellt
hinsichtlich Bestand und Ausdehnung eine der
bedeutendsten Italiens dar. Interessant ist vor allem die
umfangreiche Sammlung von Fettpflanzen (Sukkulenten).
Wieder zurück beim Archäologischen Museum steigt
man durch die Via Santa Teresa degli Scalzi
hinauf nach Capodimonte.
Neben der Kirche Incoronata del Buon Consiglio
befinden sich die Katakomben des Hl. Gennaro,
die zu den ältesten und schönsten Kampaniens
zählen. Weiter am Gipfel des Hügels geht es zum
Palazzo Reale di Capodimonte, wo das gleichnamige
Museum untergebracht ist. (s. Kap. 7).
Totò und Eduardo,
Poeten des Viertels
Sanità
„Ich bin aus dem Viertel der
Sanità, dem berühmtesten
von Neapel“, erklärte gerne
der Filmschauspieler Totò,
der 1898 in diesem Viertel
geboren wurde.
Eduardo De Filippo
hingegen besuchte eine
Schule des Viertels, das er
in einem seiner
berühmtesten Theaterstücke
„Il sindaco del rione Sanità“
(1960) würdigte.
Der Friedhof „Cimitero
delle Fontanelle“
Dieser Friedhof ist ein
riesiges Beinhaus aus
Tuffhöhlen, wo tausende
Knochen und Schädel
makabre architektonische
Strukturen bilden. In den
Friedhof gelangt man von
der kleinen Kirche Maria
Santissima del Carmine in
der Via Fontanelle.
Das Königliche
Armenhaus
Auf die Piazza Carlo III
blickt die Fassade des
riesigen Gebäudes
(600 x 150 m), das 1751
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Berühmte Reisende
Drei junge Freunde, die gemeinsam eine Reise nach Italien gemacht hatten, besuchten
vergangenes Jahr das Museum der Studien in Neapel, wo verschiedene antike
Gegenstände der Ausgrabungsstätten von Pompeji und Herculaneum gesammelt
sind… Der Jüngste stand vor einer Vitrine und schien nicht einmal die Rufe der Freunde
zu hören, so sehr war er in tiefe Bewunderung versunken.
Théophile Gautier, 1852
25
Katakomben
des Hl. Gennaro
von Ferdinando Fuga
entworfen wurde und nach
dem Willen des Königs alle
Bedürftigen aufnehmen
sollte. Dieser Entwurf blieb
unvollendet, denn der Bau
hätte größer sein sollen,
und heute finden in den
restaurierten Teilen
kulturelle Veranstaltungen
statt.
Botanischer
Garten
Friedhof Delle
Fontanelle
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Der Seeweg von
Chiaia bis Posillipo
26
Die Seepromenade zwischen Castel dell’Ovo und
Posillipo mit einem Blick auf den gesamten Golf,
den Vesuv und die Inseln ist die berühmteste
Ansicht von Neapel.
Das Küstenprofil wird von den massiven Tuffmauern
des Castel dell’Ovo dominiert, der ältesten Burg
der Stadt, die auf der kleinen Insel „Megaris“
gegenüber des berühmten Viertels Santa Lucia
thront. Diese Insel, die heute mit dem Festland
durch eine Brücke verbunden ist, wählte einst der
römische Patrizier Licinius Lucullus um hier seine
Villa zu bauen. Diese wurde von den Mönchen des
Hl. Basilius 492 n.Chr. zum Kloster umgebaut und
unter den Normannen im 12.Jh. zum befestigten
Königspalast erhoben. Sehenswert sind der
Säulensaal (Sala delle colonne), wahrscheinlich das
alte Refektorium der basilianischen Mönche, für
dessen Bau die mächtigen Säulen der Villa des
Lucullus verwendet wurden. Von der
Kanonenterrasse (terrazza dei cannoni), die im
höchsten Teil der Burg liegt, kann man eine
herrliche Aussicht über den Golf genießen.
Unter den Burgmauern befindet sich das
Seemannsviertel Borgo Marinari, das im 19.Jh.
errichtet wurde, um die Familien der Fischer und
deren Boote unterzubringen. Heute findet man dort
Nautikclubs, Restaurants, Bars und In-Lokale.
Berühmte Reisende
Wenn man an einem Ort der Welt glücklich sein kann, dann
auf der Seepromenade von Santa Lucia.
Paul Edme de Musset, 1885
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Via Caracciolo
und Villa Comunale
27
Castel dell’Ovo
Magier Virgil
Der Name des Castel
dell’Ovo geht auf eine
Legende zurück, die mit
dem Dichter Virgil in
Verbindung steht, dem die
Neapolitaner im Mittelalter
magische Kräfte
zuschrieben. Einer der
Talismänner des Dichters
soll in der Burg versteckt
gewesen sein; es soll sich
dabei um ein Ei gehandelt
haben, dass in einer Karaffe
in einem Eisenkäfig
eingeschlossen gewesen
sein soll. Die Burg sollte
solange nicht einstürzen,
bis das Ei unversehrt blieb.
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:49 Pagina 28
28
Auf der berühmten Via Caracciolo kann man eine
der schönsten Aussichten von Neapel vom Vesuv
bis zum Hügel von Posillipo genießen, der übersät
ist von in Grün versinkenden Häusern und umrahmt
vom tiefblauen Meer.
Die Via Caracciolo verläuft parallel zur Villa
Comunale (eh. Villa Reale), einem Stadtpark, der
von Carlo Vanvitelli Ende des 18. Jh. angelegt
wurde und zur „alten“ Seepromenade, die noch sich
heute Riviera di Chiaia genannt wird. In der Villa
Comunale kann man die Meeresbiologische
Station (1872 vom deutschen Anton Dohrn
gegründet) mit dem angeschlossenen ältesten
Aquarium Europas besuchen.
Auf der Riviera di Chiaia hat in der
neoklassizistischen Villa Pignatelli das Museo
Principe Diego Aragona Pignatelli Cortes seinen
Sitz, das noch Originalmöbel schmücken. Hier wird
die wertvolle Gemäldesammlung der Bank von
Neapel beherbergt. Im alten Reitstall wird demnächst
ein Kutschenmuseum mit einer Sammlung von
Kutschen und Zaumzeug jener Zeit eröffnet.
Die Via Caracciolo endet in Mergellina, wo der
Legende nach die Strömung den leblosen Köper der
Sirene Partenope mitgerissen haben soll. Auch hier
bietet sich ein atemberaubendes Panorama zu den
Hügeln des Posillipo und des Vomero mit dem
Vesuv in der Ferne.
Das Kunsthaus Neapels
PAN
In der Via dei Mille im
Palazzo Roccella aus dem
18.Jh. wurde kürzlich der
PAN (Palazzo delle Arti
Napoli), das Kunsthaus
Neapels eröffnet.
Das Kulturzentrum vereint
ständige Einrichtungen für die
Konsultation, Ausstellung
und Förderung
zeitgenössischer Werke und
Dokumente, von der Malerei
zur Skulptur, von der
Architektur zur Fotografie,
vom Design zum Kino.
Nahe der Piazza Sannazaro ist die Via di
Piedigrotta (so genannt, weil zu Füßen der Grotte
gelegen – ai piedi della grotta – und heute ein
Tunnel, der im 1.Jh. v.Chr. von den Römern
gegraben wurde, um den Weg von Neapel nach
Pozzuoli zu erleichtern; das Viertel jenseits der
Grotte heißt hingegen Fuorigrotta), die gegenüber
der Kirche Santa Maria di Piedigrotta endet.
Zwischen der Kirche und der Station von Mergellina
befindet sich der Eingang zum Parco Vergiliano,
eine der von den Reisenden des Grand Tour meist
besuchten Anlagen. Im Park liegt das so genannte
Grab des Virgil, ein Grabmal aus dem 1.Jh.n.Chr.,
welches das Grabmal des berühmten Dichters der
Antike sein soll. 1939 wurde hierher auch das Grab
des Dichters Giacomo Leopardi verlegt, der 1837 in
Neapel starb.
Lässt man die Küste hinter sich, gelangt man zur
Mostra d’Oltremare, ein weitläufiger
Ausstellungspark von großer historischer,
architektonischer und Umweltbedeutung, der Ende
der 30-er Jahre gebaut wurde. In dem ca. 700.000
m2 weiten Areal befinden sich Gebäude, Gärten,
Springbrunnen, eine große Freilichtarena und ein
Theater.
PAN, Palazzo
delle Arti Napoli
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Berühmte Reisende
Ich denke jeden Tag an dich, wenn ich vom Balkon dieses funkelnde Meer sehe, das
sich still, geteilt von vielen Schiffen, unter den Orangenbäumen entfaltet. Deren kleine
lateinische Segel den weißen Flügeln der Meeresschwalben ähnlich sehen. Zu meinen
Füßen die Rasenflächen der Villa Reale, geschmückt mit Rosen, grün schimmernd
schon wie in unserem schönsten Frühling.
Alphonse de Lamartine, 1820
29
Detail des Resonanz-Pavillons
vom Gemeindehaus
Das Gemeindehaus, im
Hintergrund das Aquarium
Luxuseinkäufe
Der ideale Geschäftsbummel
beginnt in der Via Toledo
und geht weiter zu den Vie
Chiaia, Calabritto, Filangieri,
und dei Mille, den
elegantesten Straßen
Neapels mit den
renommiertesten Geschäften.
Einige der berühmtesten
neapolitanischen „großen
Marken“ sind hier zu Hause,
von Lederwaren bis Kleidung
und berühmten Kravatten.
Das Gebiet um Chiaia ist
reich an Adelspalästen aus
dem 17. und 18.Jh. und
spektakulären Plätzen wie
Piazza dei Martiri, die seit
jeher als einer der „guten
Salons“ der Stadt
angesehen wird, während
das nahe Viertel Rione
Amedeo eine große Palette
an neapolitanischer
Jugendstilarchitektur zu
bieten hat.
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Berühmte Reisende
Aber weder zu erzählen noch zu beschreiben ist die Herrlichkeit einer
Vollmondnacht, wie wir sie genossen, durch die Straßen über die Plätze
wandelnd, auf der Chiaja, dem unermeßlichen Spaziergang, sodann am
Meeresufer hin und wider. Es übernimmt einen wirklich das Gefühl von
Unendlichkeit des Raums. So zu träumen ist denn doch der Mühe wert.
Johann Wolfgang Goethe, 1787
30
Von Mergellina führt die panoramische Via
Posillipo, die alte Pausilypon (in griechisch „die
den Schmerz lindert“), den Hügel hinauf. Am Meer
erblickt man den imposanten Palazzo Donn’Anna
und zahlreiche im Grün versunkene Villen.
An der äußersten Spitze des Vorgebirges Coroglio
erhebt sich die Villa del Pausilypon, die Reste der
luxuriösen Residenz von Publius Vedius Pollio,
einem der Anhänger von Augustus Oktavianus. Bei
seinem Tod ging die Villa an den Kaiser.
Die grandiose Villa umfasste mehrere Gebäude, die auf
einer Fläche von ca. 9 ha zwischen dem 1.Jh.v.Chr. und
dem 4.Jh. n.Chr. errichtet wurden. In der Mitte lag der
Wohnbereich des Komplexes, um den Monumentalbauten,
wie das große Theater, das Odeion und die Therme verteilt
waren. Außer über einen kleinen eigenen Hafen in der Cala
dei Lampi verfügte der Komplex auch über eigene
Verbindungsstraßen wie den Tunnel, der als Grotta di
Seiano bekannt ist, der den gesamten Felsgrat von
Coroglio durchquert und über den man heute den Komplex
erreicht.
Das Fest von Piedigrotta
und das neapolitanische
Lied
Das Fest findet im
September mit Umzügen
und spektakulärem
Feuerwerk statt. Während
dieses traditionellen Festes
entstand 1835 das
neapolitanische Lied als
musikalische Gattung: Te
voglio bene assaje, vertont
von Gaetano Donizetti,
wurde in der ganzen Welt
berühmt. Die bekanntesten
neapolitanischen Lieder
entstanden in den letzten
zwanzig Jahren des 19.
Jh.s. Die Tradition wurde im
20. Jh. jedoch mit
populären Sängern und
Autoren sowie der Band
„Nuova Compagnia di
Canto Popolare“ fortgesetzt,
die mit dem Lied La Gatta
Cenerentola von Roberto De
Simone Weltberühmtheit
erlangte. Auch heute ist das
neapolitanische Lied dank
des Wirkens von
Liedermachern,
Rockgruppen und JazzMusikern noch sehr beliebt.
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Berühmte Reisende
Hier haben wir das goldene Grab des weisen Virgil und jene Straße
bewundert, die er, eine Meile lang, in einer einzigen Nacht in den Fels
gehauen hat.
Christopher Marlowe, 1588
31
Neapel
Mergellina
Palazzo Donn’Anna
Dieses Symbol von
Posillipo zählt aufgrund
seiner spekatkulären
Position zu den
berühmtesten Stadtpalästen
und mutet fast wie ein
enormer, aus dem Meer
ragender Felsen an. Palazzo
Donn’Anna wurde 1642 von
Cosimo Fanzago für Anna
Carafa, der Frau des
Vizekönigs von Neapel
Filippo Ramiro Guzman
gebaut, blieb unvollendet
und hat daher den Reiz
einer antiken Ruine, um die
sich zahlreiche dunkle
Legenden ranken: So soll
Donn’Anna, verlassen von
ihrem Gemahl, der nach
Spanien zurückgekehrt war,
infolge des Betrugs eines
Liebhabers verrückt
geworden sein.
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32
Panorama vom
Parco Virgiliano
Das spektakulärste Panorama von Posillipo kann
man vom Virgilpark auf der Spitze des Hügels aus
genießen. Zwischen Bäumen, Gärten und
Sportanlagen schweift der Blick über den gesamten
Golf von Neapel, die Phlegräischen Felder bis zum
Meer, aus dem die Insel Nisida ermporragt. Dieser
außergewöhnliche Blick inspirierte im 19.Jh. die
Malergeneration der „Schule von Posillipo“. Ihre
Ansichten dieses bezaubernden Szenariums trugen
zur Verbreitung der legendären Schönheit Neapels
bei.
Von den Steilhängen von Coroglio und Cala
Trentaremi zur Westspitze von Posillipo reicht der
Blick bis zum nahen Bagnoli, das Gegenstand eines
umfassenden Sanierungsprojekts zur
landschaftlichen Aufwertung der Küste, des Strandes
und des ehemaligen Stahlindustriegländes von
Italsider ist, das seit Jahren außer Betrieb steht. Ein
Teil der Strukturen wurde im Rahmen einer
interessanten, industriearchäologischen
Widerinstandsetzung zur Città della Scienza (Stadt
der Wissenschaft) umfunktioniert. Dieses interaktive
Museum ist den wissenschaftlichen Phänomenen
und der Entdeckungsgeschichte gwidmet und ist ein
avantgardistischer Wissenschafts- und
Technologiepol sowie das erste italienische Science
Center. Der Museumsbesuch und die damit
verbundene Besichtigung des großen Planetariums
und der wissenschaftlichen Instrumente, die berührt
werden „müssen“, wird vor allem die Kinder
begeistern.
Die Strände für ein Bad
in der Stadt
Im Sommer sind die
Strände von Posillipo von
Badenden überflutet.
Unterhalb des Palazzo
Donn’Anna befinden sich
zahlreiche Badeanstalten.
Am Ende des
gleichnamigen Abstiegs
liegt der Lido Marechiaro,
der einst ein kleines
Fischerdorf war, das der
Dichter Salvatore Di
Giacomo in seinem
gleichnamigen Lied
nostalgisch beschreibt (ein
Gedenkstein unter dem
Fenster fenestella erinnert
daran). Reizvoll ist auch die
Punta della Gaiola mit der
Cala Trentaremi, ein
grandioses Naturschauspiel
mit hohen gelben
Tuffsteinwänden. Hier
befindet sich das
Meeresschutzgebiet des
Unterwasserparks von
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Berühmte Reisende
Man sage, erzähle, male, was man will, hier ist mehr als alles. Die
Ufer, Buchten und Busen des Meeres…Ich verzieh es allen, die in
Neapel von Sinnen kommen!
Johann Wolfgang Goethe, 1787
33
Gaiola, in dem Reste
einiger Strukturen der
nahen römischen Villa des
Publius Vedius Pollio zu
sehen sind, die infolge
einer Strandverschiebung
untergegangen waren.
Nisida und
im Hintergrund
Capo Miseno,
Procida
und Ischia
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Die Hügel
von Vomero
bis Capodimonte
34
Der Vomero entstand im 19.Jh. in einem grünen
Stadtteil, der für seine prachtvollen Aussichten auf
den Golf berühmt war. Heute erheben sich neben
den Jugenstilvillen moderne Häuser; dieses Viertel
zählt zu den lebhaftesten Neapels und bietet
besonders viele Einkaufsmöglichkeiten.
Das Herz des Vomero ist die Piazza Vanvitelli, von
wo aus man leicht zur Villa Floridiana gelangt, die
Ferdinand von Bourbon seiner morganatischen Frau
Lucia Migliaccio, Herzogin von Floridia, schenkte.
Der elegante Palast wurde von Antonio Niccolini
erbaut, ist von einem großen Park mit
Ruinenimitationen, kurvenreichen Alleen, Rasen und
Belvedere umgeben und beherbergt das
Keramikmuseum Duca di Martina. Den
Hauptkern des Museums bilden die Sammlungen
von Placido De Sangro, dem Herzog von Martina
und leidenschaftlichem Sammler von Korallen,
Elfenbein, Tabaksdosen und vor allem Porzellan und
Majolika, die eine Schenkung seiner Erben sind.
Besonders bedeutend sind die Sammlungen von
Porzellan von Capodimonte und aus dem Fernen
Osten.
Berühmte Reisende
„Eine vierzigjährige Witwe, die zwar nicht schön, aber herzensgut war, vermietete mir
einst die Hälfte eines ihrer kleinen Häuser … am Fuße des Berges, der von hier in der
Nähe aus die Villa der Prinzessin Florida, der Frau des alten Königs, dominierte. Dies ist
wahrscheinlich das einzig ruhigere Viertel von Neapel“.
Stendhal, 1839
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35
Museo di
Capodimonte
Villa Floridiana
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Berühmte Reisende
Unten die große Stadt mit ihren vierhunderttausend Bewohnern, den
roten Dachziegeln und unregelmäßigen Blöcken der Ziegelbauten, die
im Kontrast zu den Goldkuppeln der herrlichen Kirchen stehen.
A.J. O’Reilly 1884
36
Von der Piazza Vanvitelli gelangt man (auch mit
Rolltreppen) zum Gipfel des Hügels, auf dem sich
Castel Sant’Elmo und die Kartause San Martino
erheben.
Castel Sant’Elmo dominiert mit seinem
imposanten, massiven Bau die Konturen der Stadt
und ist, ebenso wie die nahe Kartause, von vielen
Aussichtspunkten Neapels sichtbar. Diese wuchtige
Festung wurde von Robert von Anjou im 14.Jh.
errichtet und von Pedro de Toledo später völlig
umgebaut (1537-1546). Der Grundriss hat die Form
eines Sterns mit sechs Spitzen; zum Teil ist die
Festung in den Tuffsteinfelsen gehauen und von
Bastionen und Burggräben gesäumt. Von den
Wällen genießt man nach allen Seiten eine herrliche
Aussicht über Neapel. Heute beherbergt Castel
Sant’Elmo das neue Museum in Progress Napoli
Novecento, eine Sammlung von Gemälden,
Skulpturen, Zeichnungen und Gravierungen, die die
Vielfalt der im 20.Jh. in Neapel hergestellten
Kunstwerke bezeugt.
Neben der Burg erhebt sich der monumentale
Komplex der Kartause San Martino, die ebenfalls
angevinischen Ursprungs ist; sie wurde 1325 von
Tino di Camaino begonnen und zwischen Ende des
16.Jh. und Mitte des 17.Jh. von den berühmtesten
Architekten und Künstlern jener Zeit (Dosio,
Die „Pedamentina“
von San Martino
Vom Platz San Martino geht
es bergab die steile Via
Pedamentina, eine lange
Treppenstraße, bis zum
Corso Vittorio Emanuele
und auf die Via Toledo, die
im Herzen der Unterstadt
liegt.
Sie zählt 414 Stiegen und
ist einer der ältesten Wege
Neapels.
Nach dem ersten
Treppenlauf ist ein altes
Gittertor zu sehen, das in
das Hügelinnere führt; hier
Fanzago) umgebaut und wurde so zum schönsten
Beispiel des neapolitanischen Barocks sowie eines
der grandiosesten Bauwerke der Stadt.
Das Interieur der Kirche ist eine Pracht an Fresken,
Skulpturen, buntem Marmor und Gemälden. Die Fresken
wurden unter anderem von Giovanni Lanfranco und
Battistello Caracciolo ausgeführt. Auch das Presbyterium
und die Sakristei sind reich an Dekorationen wie Gemälden
von Ribera, Massimo Stanzione, Guido Reni, intarsierten
Kästen und Holzstühlen. Die Kuppel der Cappella del
Tesoro (Schatzkapelle) ist mit dem strahlenden Triumph der
Judith von Luca Giordano freskiert. In den Sälen um den
Großen Kreuzgang ist das Nationalmuseum San Martino
untergebracht, das in verschiedene Bereiche gegliedert ist,
die der Skulptur und Malerei, den minderen Künsten und
dem Theater gewidmet sind. Bedeutend ist die Abteilung
der Stadtbilder mit Werken ab dem 15.Jh., darunter die
berühmte Tavola Strozzi (Strozzi-Gemälde). Besonders
interessant ist die Krippenabteilung, die Werke der
berühmtesten Künstler des 18.Jh. und zwei
außergewöhnliche Gruppen umfasst: die Holzfiguren der
Krippe aus der Kirche San Giovanni a Carbonara aus dem
15.Jh. und die der Cuciniello-Krippe aus dem 19.Jh., die
nach ihrem Spender benannt ist. Unbedingt sollten die
restaurierte Unterkunft des Prioren Quarto del Priore, die
besonders panoramisch gelegen ist sowie der
wunderschöne Klostergarten besichtigt werden.
schlugen die königlichen
Wachen all jene zurück, die
das Castel Sant’Elmo
stürmen wollten.
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Neapel am Ende
des 15.Jh.
Tavola Strozzi
im Museum
San Martino
Blick von Castel
Nuovo auf Castel
Sant’Elmo
und die Kartause
San Martino
Cuciniello-Krippe
im Museo
di San Martino
37
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Der trunkene
Silen von Ribera
und die
Kreuzigung
von Massaccio.
Museo
di Capodimonte
38
Die höchste Erhebung der Stadt (457 m) ist die
Einsiedelei „Eremo dei Camaldoli“, die 1585
errichtet wurde und von wo aus man einen
herrlichen Blick auf den Golf, die Inseln und
Phlegräischen Felder hat. Es lohnt sich, den letzten
Ausläufer des oberen Stadtgebietes zu besuchen, um
in vollen Zügen den nahen Parco dei Camaldoli zu
genießen.
Von Camaldoli geht es abwärts durch den Viale
Colle Aminei bis nach Capodimonte. Dieser Name
kommt aus der altlateinischen Bezeichnung „Caput
de Monte“ und bezeichnet ganz klar die Position
dieses Ortes, einem Hügel auf der höchsten
Erhebung der Altstadt.
Hier liegt, eingebettet in einen weitläufigen Park, der
Schloss von Capodimonte. Karl von Bourbon
wollte hier als leidenschaftlicher Jäger eine
Jagdhütte bauen lassen. In der Folge erweiterte er
den Entwurf und ließ hier einen Palast errichten, um
hier die wertvollen Farnesischen Sammlungen
unterzubringen. Das von Antonio Medrano
entworfene Gebäude wurde erst 1839 fertiggestellt.
Im riesigen Wald liegen das Häuschen von Vittorio
Emanuele II, die sogenannte Jagdhütte der Königin,
die Kapelle des Hl.Gennaro, das Gebäude der
alten Porzellanmanufaktur, die 1737 von Karl von
Bourbon gegründet wurde, die Einsiedelei Eremo dei
Cappuccini und die Fasanzucht (Fagianeria).
Der Palazzo Reale ist heute Sitz des Museo
Nazionale di Capodimonte, einem bezüglich
Malerei und ornamentaler Kunst der bedeutendsten
Museen der Welt.
Porzellan
von Capodimonte
Karl von Bourbon heiratete
1738 Maria Amalia, die
Tochter von August dem
Starken von Sachsen, dem
Begründer der berühmten
Porzellanmanufaktur von
Meissen. Der König beschloss,
eine Fabrik zu öffnen, in der
wertvollste Werke, wie der
berühmte Porzellansalon der
Königin und eine Vielzahl
eleganter oder kurioser
Objekte, darunter Vasen und
Tabaksdosen,
Suppenschüsseln und Teller,
kleine Statuen und Becken
hergestellt werden sollten.
1759 brachte Karl, nachdem
Der Hauptkern des Museums stammt aus der Sammlung
Farnese, die von Papst Paul III begonnen und von
Elisabeth Farnese, der Mutter von Karl von Bourbon, geerbt
wurde. Die Bildersammlung umfasst über 200 Meisterwerke
von Masaccio, Botticelli, Raffaello, Ribera, Tizian,
Mantegna, Correggio, El Greco, Lorenzo Lotto,
Parmigianino, Carracci, Bruegel. Im selben Teil sind auch
zwei Vorlagen von Raffael und Michelangelo jeweils für die
Stanzen Raffaels (Stanze della Segnatura) und die
Paulinische Kapelle im Vatikan zu sehen. Ebenso
außergewöhnlich ist die Gemäldegalerie von Neapel mit
Werken vom 13. bis 19.Jh.: Der Hl. Ludwig von Toulouse
von Simone Martini, die hinreissende Geißelung von
Caravaggio und weitere Werke von Ribera, Luca Giordano,
Francesco Solimena. Der dem 19.Jh. gewidmete Teil ist
reich an Werken von Malern der Schule von Posillipo von
Anton Smick Pitloo bis Giacinto Gigante, und den Meistern
des Naturalismus, wie Palizzi. Von den vielen Künstlern der
zweiten Hälfte des 19.Jh. und Anfang des 20.Jh. von
Domenico Morelli bis Vincenzo Migliaro wird ein großer
Überblick gegeben. Auch im zeitgenössischen Teil sind
Werke berühmter Künstler, von Alberto Burri bis Andy
Warhol, von Carlo Alfano bis Mimmo Paladino ausgestellt.
Auch andere Kostbarkeiten wie das Historische Gemach
(Appartamento Storico), mit dem Porzellansalon
(Salottino in porcellana) der Königin Maria Amalia warten
auf den Besucher. Die Sammlung ornamentaler Kunst ist
eine der reichsten Italiens, mit einzigartigen Werken wie der
wertvolle „cofanetto Farnese“ (Kästchen Farnese) und die
Gobelins von Avalos; zu den außergewöhnlichen
Prozellanstücken zählt der große Wagen der Aurora aus
Biskuitporzellan von Filippo Tagliolini.
er König von Spanien
geworden war, die
Manufaktur nach Madrid. In
Neapel wurde die Produktion
in der Real Fabbrica
Ferdinandea weitergeführt.
Heute führen die
neapolitanischen
Kunsthandwerker die alte
Tradition mit Produkten, die
sich an den Werken der alten
Meister inspirieren, oder
Originalkreationen weiter.
Porzellangruppe
im Museo
di Capodimonte
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Berühmte Reisende
„Capodimonte, das sich auf dem Berg erhebt… ist ein großer Palast, der von Don
Carlos, dem derzeitigen König von Spanien, begonnen wurde. Hier sind alle
Reichtümer…aus dem Palazzo di Parma der Familie Farnese, die Karl nach Neapel
brachte, als er von diesem Herzogtum den Thron der Zwei Sizilien bestieg. Die Lage
dieses Palastes ist die schönste der Welt“.
Marquis de Sade, 1776
39
Die Geißelung
von Caravaggio
im Museo
di Capodimonte
Das Astronomische
Observatorium
von Capodimonte
In prachtvoller Lage auf
dem Colle di Miradois, ist
in einem schönen
neoklassizistischen
Gebäude das Astronomische
Observatorium
untergebracht, das 1819
vom Astronom Giuseppe
Piazzi gegründet wurde und
das erste moderne
Observatoirum Europas war.
Das Museum verfügt über
eine reiche Sammlung
antiker wissenschaftlicher
Instrumente.
Vesuvius
by Warhol
im Museo
di Capodimonte
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Die Phlegräischen
Felder
40
Blick auf die
Phlegräischen Felder
Berühmte Reisende
Ein Land nur mit dem Atem seiner Steine, verlassen, mit kochenden Wassern, mit den
Resten einer Geschichte, die in den erloschenen und halb erloschenen Vulkanen
geschrieben steht; die wundersamste Gegend von der Welt unterm reinsten Himmel
der unsicherste Boden.
Johann Wolfgang Goethe, 1787
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41
Die Phlegräischen Felder konnten ihren alten
Charme bewahren. Hier verschmelzen Geschichte,
Legende, Mythos und Geheimnis in einer sich
ständig wandelnden Natur. Die Phlegräischen Felder
sind reich an Kunstgeschichte, bieten aber auch
aufgrund vulkanischer Phänomene
außergewöhnliche Naturschauspiele.
Die von Homer und Virgil besungenen Mythen, die
griechische Kultur, die sich von hier auf die gesamte
Halbinsel verbreitete, Erinnerungen an eine Zeit, in
der die römische Aristokratie hier ihre prunkvollen
Residenzen hatte, machen den Reiz eines Gebietes
aus, in dem außergewöhnliche Naturschönheiten
und herrliche Werke des Menschen ein
unvergleichliches Schauspiel bieten.
Die Archäologieliebhaber werden viel zu sehen
haben, von imposanten Ruinen, Archäologieparks zu
unterirdischen Städten und überdies auch die
köstliche, tradtionelle Meeresküche genießen.
Die Phlegräischen Felder (aus dem Griechischen
flegraios, „brennend“) sind ein riesiges vulkanisches
Gebiet, das sich im Westen des Golf von Neapel
vom Hügel von Posillipo bis Cuma ersteckt; dazu
gehören auch die Inseln Nisida, Procida, Vivara und
Ischia.
Der vulkanische Ursprung dieses Gebiets sticht
aufgrund der Vorkommen von Tuff- und
Bimssteinvorkommen sowie heißen Fumarolen und
Kratern sofort ins Auge, die ein natürliches
Schauspiel darstellen. Einige davon sind die
heutigen Seen von Averno, Lucrino, Fusaro und
Miseno. Vulkanische Tätigkeiten sind teils auch
noch aus der Nähe sichtbar, wie im Fall der
berühmten Solfatara mit ihrem Lavasee und den
Quellen von Agnano Terme. Zum Schutz des
empfindlichen Umweltgleichgewichts dieses Gebiets
wurde 1997 der Regionalpark der Phlegräischen
Felder gegründet.
i
Azienda Autonoma
di Cura Soggiorno
e Turismo di Pozzuoli
largo Matteotti, 1/A
tel. 081 5266639
www.infocampiflegrei.it
Soprintendenza Speciale
per i Beni Archeologici
di Napoli e Pompei
piazza Museo 19 - Napoli
tel. 081 4422111
fax 081 440013
www.sba-na.campaniabeniculturali.it
Ente Parco Regionale
dei Campi Flegrei
Via Lungolago, 74 - Bacoli
tel. 081 5231736
fax 081 7966144
Agnano
Naturschutzgebiet WWF
Astroni
via Agnano Astroni 468
tel. 081 5883720
Bacoli
Cento Camerelle
via Cento Camerelle
Piscina Mirabile
tel. 081 5233199
Baia
Archäologiepark
tel. 081 8687592
Museo Archeologico dei
Campi Flegrei
tel. 081 5233797
Parco Sommerso di Baia
tel. 081 8688923
www.areamarinaprotettabaia.it
Cuma
Archäologiepark
via Licola
tel. 081 8543060
Die phlegräische
Strandverschiebung
Der Druck der glühenden
Lava unter den
Phlegräischen Feldern
verursacht seit
Jahrhunderten Hebungsbzw. Senkungsbewegungen
des Bodens
(Strandverschiebung). In
veschiedenen Ortschaften
des Golf von Pozzuoli
können die Auswirkungen der
Meeresspiegelveränderungen,
so vor allem im
Serapistempel von Pozzuoli,
beobachtet werden.
Die Weinstraße
Campi Flegrei
Klima und Fruchtbarkeit der
Böden haben den Anbau
verschiedener autochthoner
Sorten gefördert, die die
kontrollierte
Ursprungsbezeichnung
„Campi Flegrei“ tragen. Zu
den DOC Rebsorten zählen
Piedirosso und Falanghina,
die hier seit Jahrhunderten
angebaut werden,
Biancolella und Coda di
volpe bei den Weißweinen,
Olivella und Sciascinoso
bei den Rotweinen.
Pozzuoli
Solfatara
via Solfatara 161
tel. 081 5262341
Rione Terra
tel. 848 800288
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Nicht versäumen
Museo Archeologico
dei Campi Flegrei
im Castello di Baia (Bacoli)
Archäologiepark von Cuma
Rione Terra (Pozzuoli)
Phlegräische Felder
an einem Tag
Pozzuoli
Baia
Cuma
Phlegräische Felder
in drei Tagen
Pozzuoli
Solfatara
Averno- und Lucrinosee
Baia
Bacoli
Cuma
Kunst und Archäologie
Amphitheater von Pozzuoli
Sibyllengrotte (Cuma)
Casino Reale (Fusarosee)
Museo Archeologico dei
Campi Flegrei (Bacoli)
Archäologiepark von Baia
Archäologiepark von Cuma
Rione Terra (Pozzuoli)
Natur und Parks
Unterwasserpark von Baia
Regionalnaturpark
der Phlegräischen Felder
Naturschutzgebiet Cratere
degli Astroni
Für die jungen Leute
Bacoli
Seepromenade von Pozzuoli
Miseno
Stufe di Nerone Thermen
42
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Einkäufe
Keramikprodukte
und Terrakottaobjekte
Wein
Mit Kindern unterwegs
Amphitheater von Pozzuoli
Sibyllengrotte (Cuma)
Solfatara
43
Castello di Baia
Gaumenfreuden
Cozze (Miesmuscheln)
di Miseno
Mozzarella di bufala DOP
(Büffelkäse)
Pesce azzurro (Sardellen)
Wein
Campi Flegrei Doc
Thermen und Wellness
Stufe di Nerone (Baia)
Terme di Agnano
Terme puteolane (Pozzuoli)
Baia – Das Augustus-Heiligtum
(Sacello augustali)
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Agnano
44
Agnano, das einst für seinen See berühmt war, der
aus dem ältesten Vulkan der Phlegräischen Felder
entstanden war, erhielt seinen Namen nach dem
lateinischen Wort anauni, also „Schlangen“; der
Legende zufolge sollen viele bis zum See
gekommen sein, um dort zu trinken. Der See wurde
1870 trocken gelegt und heute befindet sich dort
eine Reitbahn.
Aus dem trocken gelegten Grund kamen
archäologische Funde eines großen römischen
Thermalkomplexes ans Tageslicht, die die Reste
eines Sudatoriums, bei dem die aus den
Erdschichten des Monte Spina austretende
natürliche Hitze genutzt wurde, und einer
Thermalanlage umfassten.
Im selben Becken erheben sich die Stufe di San
Germano, die so von einem Bischof von Capua
genannt wurden, der im 6.Jh. deren Wirkung
ausprobierte. Seit dem Mittelalter bis heute werden
diese von der lokalen Bevölkerung benutzt.
Unweit des alten Eingangs der heutigen
Thermalanlage liegt die Grotta del Cane
(Hundegrotte), eine in den Fels gehauene Nische,
aus der Kohlensäure austritt; dieses schwere Gas,
das über dem Boden schwebt, ist tödlich für Tiere,
die es einatmen. Der Name der Grotte geht auf einen
alten barbarischen Brauch zurück, einen Hund in die
Grotte zu schicken, der nach kurzer Zeit
Erstickungssymptome zeigte.
In Agnano befindet sich das grüne Naturschutzgebiet
Riserva degli Astroni (WWf-Oase zum Schutz der
Fauna), ein großer erloschener und bewaldeter
Vulkankrater, in dem sich kleine Hügel und drei
kleine Seeen gebildet haben.
Der Lebensraum ist durch eine „Vegetationsumkehr“
gekennzeichnet, bei der das Klima am Grund kühler und an
den Vulkanhängen wärmer und trockener ist. Daher
wachsen am Grund Kastanien, Eichen und Ulmen und in
der Höhe mediterrane Macchia. Die Führungen im Park und
um die drei Seen sind bei Kindern ganz besonders beliebt,
die dabei die vielen Vogel-, Amphibien- und Reptilienarten
beobachten können.
Die Thermen im Krater
Die Thermen von Agnano,
die sich am Grund des alten
Vulkankraters befinden,
bieten große
Wasserressourcen mit 72
Quellen. Das Wasser, das
mit einer Temperatur
zwischen 20° und 70°
hervorsprudelt, wird zur
Behandlung von
rheumatischen
Gelenkserkrankungen,
Muskelkrankheiten,
Krankheiten der oberen
Atemwege sowie Hals-
Nasen- und
Ohrenerkrankungen und
gynäkologischen Leiden
empfohlen.
Die Anlage verfügt ferner
über spezialisierte,
fortschrittlich ausgerüstete
medizinische Zentren.
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Berühmte Reisende
Ich wollte jene Grotte sehen. Ich beschloss, mir einen Hund zu verschaffen… Wir
kamen um drei Uhr nachmittags zur Grotte und machten sofort das Experiment. Aber
wir stießen auf eine große Schwierigkeit. Nachdem ich die Jacke ausgezogen, das
Taschentuch in Kölnisch Wasser getränkt und es mir um das Gesicht gebunden hatte,
alles vorbereitet und ich vor lauter Freude höchst aufgeregt war, merkte ich, dass wir
keinen Hund hatten.
Mark Twain, 1867
45
Panorama
von Monte di Procida
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Pozzuoli
46
Pozzuoli ist eine der faszinierendsten
archäologischen Ausgrabungsstätten der Welt. Die
Stadt, die der Haupthafen der Region in römischer
Zeit war, hat mit den Ausgrabungen von Rione Terra
ein besonders beeindruckendes „unterirdisches
Pompeji“ ans Tageslicht gebracht.
Die Stadt wurde 520 v.Chr. von griechischen
Siedlern gegründet, die sie Dikearchia, oder
„gerechte Regierung“ nannten, und bekam von den
Römern den Namen Puteoli (nach den Brunnen
„pozzi“, die übel riechende Schwefeldämpfe
ausstießen) und stieg bald zum größten Hafen des
tyrrhenischen Meers auf.
Zeugnis für die regen Handelstätigkeiten von Puteoli legt
der Serapistempel (I-II n.Chr.) ab, der nach einer Statue
dieser ägyptischen Gottheit benannt ist, die dort gefunden
wurde. Doch in Wirklichkeit war die Anlage ein Macellum,
also Lebensmittelmarkt. Die Läden säumten einen
Säulenhof, während der Apsissaal am Ende dem Kult der
Kaiser und Schutzgottheiten des Marktes gewidmet war
(darunter Serapis). Die Säulen dieses Saals sind
offensichtliche Pegel für das vulkanische Phänomen der
Phlegräischen Felder, denn an ihnen kann man die Löcher
sehen, die die Mollusken in die Säulen gebohrt haben, als
diese infolge der Strandverschiebung untergegangen waren.
Der älteste Teil der Stadt ist Rione Terra (in den 80-er
Jahren wegen der Strandverschiebung verwahrlost und
derzeit in Restaurierung), das auf dem hohen Tuffhügel
liegt, der den Hafen dominiert.
Die archäologischen Ausgrabungen zeigen das
faszinierende Gefüge der römischen Stadt, das unterirdisch
unversehrt mit den Straßen und daran angrenzenden
Gebäuden blieb. Häuser und Brunnen wechseln sich mit
Handwerksbetrieben und Gaststätten ab. Dieses Gebiet
bildete die ruhmreiche Akropolis von Pozzuoli, ein
uneinnehmbares Bollwerk gegen Feinde. Das bedeutendste
Monument der Zone ist der Augustustempel, der nach
dem Brand des barocken Doms San Procolo – bei dessen
Bau die alten Tempelreste wiederverwendet wurden – im
Jahre 1964 ans Tageslicht kam. Eigentlich handelt es sich
dabei um das Capitolium, den Tempel des kapitolinischen
Triadenkults. Das Amphitheater ist aus flavischer Epoche
und ist das drittgrößte der Welt. Seine funktionelle
Architektur ist beispielhaft für die hohe technische
Entwicklung jener Zeit, es gibt Untergeschosse,
Prunktreppen, Korridore, Mechanismen für den Hub der
Marktkisten und sogar eine Vorrichtung, um Seeschlachten
darzustellen.
Pozzuoli bietet nicht nur archäologische Funde.
Diese lebendige Stadt hat ihre eigene Identität, denn
sie ist stark an die Meerestraditionen gebunden, die
in einer köstlichen Meeresküche zum Ausdruck
kommen, und ist ein beliebter Treffpunkt für Jung
und Alt. Mit seinem Hafen, von dem die Fähren zu
den Inseln des Golfs abfahren, seinen engen
Gassen, kleinen Plätzen, der schönen Seepromenade
und den zahlreichen Lokalen kann man hier jederzeit
ein paar nette Stunden verbringen.
Rione Terra
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 47
Berühmte Reisende
Eine Wasserfahrt bis Pozzuoli, leichte Landfahrten,
heitere Spaziergänge durch die wundersamste
Gegend von der Welt.
Johann Wolfgang Goethe, 1787
47
Flavisches
Amphitheater
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 48
Die Solfatara
48
Bei der Solfatara, unweit von Pozzuoli, ist ein Krater
mit brodelnder Lava zu sehen, aus dem rauchende
Dämpfe und Schlamm austreten. Dieser aktive
Vulkan ist zu besichtigen und stellt eine der
bedeutendsten Attraktionen der Phlegräischen Felder
dar. Hier herrscht eine unruhige Atmosphäre: Die
vom Feuer geplagte Erde schafft surreale Szenarien
von unvostellbarer Farbenvielfalt.
Die Solfatara (aus dem Latein Sulpha Terra - Schwefelerde)
entstand vor 4000 Jahren mitten in den Phlegräischen
Feldern und zeigt sich sehr lebhaft mit Fumarolen, Gasund Mineralwasserquellen, heißen Schlammstrahlen und
Erdbeben.
Die größte Fumarole ist die Bocca Grande, eine natürliche
Quelle mit Druckwasserdampf, der mit 160° herausspritzt
und verschiedene Gase enthält, die der Luft den typischen
Geruch nach „faulen Eiern“ verleiht.
Die Solfatara
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 49
Berühmte Reisende
Zwischen Neapolis und den weiten Feldern der Dicearchia liegt ein
Ort am Grunde einer tiefen Höhle, die vom Wasser des Cocito
umspült wird; so treten hier wilde Dämpfe aus, die sich mit
erdrückender Hitze verbreiten.
Petronius, 1.Jh.n. Chr.
49
Fumarolen
der Solfatara
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Lucrinound Avernosee
50
Herkules führte die Ochsen, die er Geryon gestohlen
hatte, auf eine von ihm im Meer gebaute Landzunge
und teilte so die Wasser des Lucrinosees. Der
Name kommt vermutlich von lucrum und bezieht
sich auf die Erlöse der Fisch- und Molluskenzucht
im See.
Nahe dem See sind die Stufe di Nerone,
Sudatorien, die in das Tuffgestein gehauen wurden,
um die Fumarolen aus dem vulkanischen Boden zu
nützen; sie waren Teil einer riesigen Thermalanlage,
die sich über den gesamten Berhang erstreckten. Die
Thermen sind auch heute noch in Betrieb.
Der Avernosee ist von bewaldetem Hügelland
umgeben. Die raue Landschaft und das regungslose
Gewässer animierten die Alten dazu, ihn als Eingang
in die Unterwelt (Äneis, Odyssee) anzusehen. Der
Name Avernus kommt aus dem Griechischen aornon
„Ohne Vögel“, die verschreckt vom Höllenmund
flüchteten.
Im 1.Jh. n.Chr. beschloss Kaiser Augustus, in
diesem Gebiet einen Flottenstützpunkt, den Portus
Julius, zu bauen, um so die beiden Seen durch
einen Kanal mit dem Meer zu verbinden. Aber der
neue Hafen versandete bald und während die Flotte
nach Miseno verlegt wurde, bevölkerte sich das
Seeufer mit Villen und Thermen.
Dank der Bootsausflüge, die im Gebiet des
Unterwasserparks von Baia organisiert werden,
sind noch heute die Strukturen des Portus Julius
und des Einfahrtkanals sowie der Verlauf der
Küstenstraße zu sehen. Nichts ist von den
Hafenanlagen am Avernoufer geblieben; zu einer der
Adelsvillen, die deren Platz einnahm, gehört die
prachtvolle, als Apolltempel bekannte Ruine, die
ursprünglich eine große Thermalhalle war. Ein
Seeuferweg führt zu einer Grotte, die bis 1932 für
eine Sibyllengrotte (Antro della Sibilla) angesehen
wurde. In Wirklichkeit ist die 200 m lange Struktur
ein Verbindungsgang zwischen Averno- und
Lucrinosee.
Lucrinosee
Der ‘Apolltempel’
am Avernosee
Monte Nuovo
Hinter den Seen zeichnet
sich der Monte Nuovo ab,
jener vulkanische Krater, der
sich 1538 gebildet hat. Eine
schreckliche Eruption
begrub die Ortschaften
Tripergole und das
umliegende Gebiet; aus der
großen Menge an
Bimsstein, Steinen und
Schlacke bildete sich der
Hügel, der von Pinien und
mediterraner Macchia
bedeckt ist.
Von dessen Gipfel, auf den
man gemütlich
hinaufspazieren kann, ist
der vulkanische Krater zu
sehen, dessen Grund von
einer üppigen Vegetation
bedeckt ist. Vor nicht allzu
langer Zeit ist hier das
Naturschutzgebiet des
Monte Nuovo eingerichtet
worden.
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 51
Berühmte Reisende
Man kann sich nichts romantischeres als den kleinen
Durchgang vom Avernosee zum Grotteneingang vorstellen,
vor allem für all jene, die den Kopf voller Legenden haben…
Wahrscheinlich hat Virgil seine Erzählung geschrieben und
dabei an diesen Ort gedacht.
Johann Gottfried Seume, 1802
51
Baia.
Unterwasserpark
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 52
Baia, Bacoli
und Miseno
52
Mit Baia gelangt man zum reichsten Teil der
Phlegräischen Archäologie. Die grandiosen Ruinen
aus römischer Zeit legen Zeugnis über den einstigen
Glanz ab, als das Gebiet im Mittelpunkt höchst
eleganten Fremdenverkehrs stand.
Das luxuriöse und ausschweifende Leben, das hier
geführt wurde, inspirierte Seneca und Properz zu
Schmähreden, während Horaz den Golf als „den
bezauberndsten der Welt“ bezeichnete.
Der Großteil der herrlichen Gebäude von Baia ist im
Meer versunken. Diese Ruinen bilden den
archäologischen Unterwasserpark von Baia.
Dank Exkursionen mit entsprechenden Booten und
Unterwasseraufnahmen sind Mosaikböden, Mauern,
Säulen und andere Reste zu sehen. In der Mitte
dieses Gebietes liegt die Villa von Lucius Piso, dem
Schwiegervater von Julius Cäsar.
Nahe der Punta Epitaffio wurde ein Nymphaeum von
Kaiser Claudius entdeckt, ein luxuriöser Saal mit
wunderschönen Statuen, die aus dem Meer geholt
wurden, und heute im Archäologischen Museum der
Phlegräischen Felder in der Aragonesischen Burg
ausgestellt sind.
Der gesamte Hügelhang auf der Seite des Golf von
Baia ist mit terrassenförmig angelegten,
archäologischen Ausgrabungen bedeckt, die den
Archäologiepark von Baia bilden, ein großer
Gebäudekomplex, der vermutlich als Kaiserresidenz
diente.
Das Gebiet ist in drei Zonen gegliedert: im Süden die Zone
der Venus, in der Mitte die Zone der Sosandra und im
Osten die Zone des Merkur. Die Venusthermen liegen
mitten in einem großen Thermalsaal mit Halbkuppeldecke.
Zu diesem Komplex gehörte auch eine große Rundaula
außerhalb des Archäologieparks, fast auf dem Hafenkai, die
als Venustempel bekannt war.
Die Sosandrathermen erstrecken sich auf spektakulären
Terrassen mit einem Unterbogengang, einem TheaterNymphaeum, Residenzen, Promenaden und Säulengärten,
die wahrscheinlich mit Mosaiken, Statuen und Malerien
geschmückt waren.
Der Thermalkomplex des Merkur ist nach dem großen
Kuppelsaal benannt, in dem das Echo widerhallt. Leicht
nördlich vom Park erhebt sich der Dianatempel, eine
große Thermalhalle aus dem 3.Jh. n.Chr., der von der
Straße aus sichtbar und nach einer Reihe von
Marmorreliefs mit Tierfiguren benannt ist.
Im prachtvollen Rahmen der Aragonesischen Burg,
die im 15.Jh. erbaut und in der Zeit der Vizekönige
umgebaut wurde, befindet sich das Archäologische
Museum der Phlegräischen Felder, in dem
Stücke aus Baia, Miseno und Pozzuoli aufbewahrt
werden. Von den Festungsterrassen kann man ein
unvergessliches Panorama genießen.
Archäologiepark
von Baia
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Berühmte Reisende
Die Bagni di Nerone, die Ruinen von Baia, der
Serapistempel, Cuma, wo die Sibylle die Orakel
interpretierte, der See…mit der antiken Unterwasserstadt,
die in den Tiefen des Meeres zu sehen ist.
Mark Twain, 1869
53
Das Nymphäum von
Punta Epitaffio
Archäologisches
Museum der
Phlegräischen Felder
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Berühmte Reisende
Und wenn wir eine Höhe erklommen, bot sich uns eine weite,
wunderschöne Landschaft. Gegenüber das ruhige, blaue Meer, unter
uns in zarten Nebel gehüllt, die Küste von Italien, die klassische Küste
mit gleichmäßigen Felsen; Capo Miseno umfängt sie in der Ferne,
weit in der Ferne.
Guy de Maupassant, 1890
54
Im Erdgeschoss ist der architektonische und bildhauerische
Komplex des Heiligtums der Augustalen untergebracht,
ein kleiner Tempel aus augusteischer Epoche (1.Jh. n.Chr.),
der dem Kaiserkult gewidmet ist. Von der Struktur sind der
Frontgiebel und die Statuen von Vespasian und Titus sowie
die Reiterstatue des Domitian erhalten (als Domitian
ermordet wurde, wurde sein Antlitz durch das seines
Nachfolgers Nerva ersetzt).
Im Obergeschoss ist der großartige Komplex des
Nymphaeums von Punta Epitaffio (Spitze, die im Osten
den Golf von Baia schließt) in einer Rekonstruktion des
ursprünglichen Ambientes ausgestellt, in dem einst
prächtige Bankette abgehalten wurden. Bei den
Unterwassergrabungen in den 70-er Jahren wurde ein
infolge der Strandverschiebung versunkenes Triklinium
freigelegt, das mit Marmor verkleidet und mit Statuen
verziert ist, die die Trunkenheit des Polyphem darstellen.
Odysseus und ein Gefährte reichen dem Zyklopen (dessen
Statue verloren gegangen ist) den Wein. Zwei Statuen des
Dionysos und verschiedene Portraitstatuen von Mitgliedern
der Kaiserfamilie vervollständigen die Gruppe.
Ein weiterer prachtvoller Museumsteil umfasst die Statuen
und architektonischen Dekorationen der Funde von Rione
Terra in Pozzuoli. Interessant ist die Abteilung der
Gipsfiguren von Baia, Gipsabdruckfragmente, die
verwendet wurden um berühmte Statuen zu reproduzieren,
die in einer Werkstatt von Bildhauern aus Baia gefunden
wurden, die vermutlich auf die Dekoration von Prunkvillen
an der Küste spezialisiert waren.
Zwischen Baia und Miseno liegt Bacoli, das auf den
Resten der alten römischen Stadt Bauli errichtet
wurde. Im höchsten Stadtteil liegt die riesige,
zweistöckige Zisternenanlage „Cento Camerelle“
(hundert Kämmerchen) aus dem 1.Jh.v.Chr.
Die obere, rechteckige Zisterne ist in vier Schiffe
gegliedert, die untere ist ein komplexes Netz von
Tuffsteingängen.
Ein dünner Küstenstreifen trennt das Meer von einer
Salzlagune, dem Fusarosee, wodurch sich ein
außergewöhnliches Ökosystem entwickeln konnte, in
dem Fische und Mollusken gezüchtet werden. Im
See erhebt sich auf einer durch eine Brücke mit dem
Festland verbundenen Insel der bezaubernde
Rokokobau „Casino Reale“, den Carlo Vanvitelli im
18.Jh. entwarf.
Capo Miseno – dessen Name auf einen Herold des
Äneas zurückgeht, dessen riesiges Grab der Legende
nach das Vorgebirge sein soll – wurde von den
Römern in augusteischer Zeit gewählt, um den
bereits versandeten Portus Julius von Baia zu
ersetzen. In diesem Hafen war die römische
Kriegsflotte stationiert.
Miseno ist auch ein sehr bedeutender Badeort, den
vor allem Kinder lieben, die sicher im seichten
Sandbodenmeer planschen können.
Auf der einen Seite des mythischen Vorgebirges liegt
die Bucht, auf der anderen der Misenosee (auch ob
des seichten Wassers „totes Meer“ genannt), eine
Küstenlagune, die durch eine Mündung mit dem
Hafen und mit dem Meer durch einen Kanal verbunden
ist, der den großen Strand von Miliscola durchquert.
Von der antiken Stadt sind die Ruinen der
öffentlichen Thermen und das Heiligtum der
Augustalen erhalten, das dem Kaiserkult diente und
im Museo Archeologico dei Campi Flegrei
rekonstruiert ist. Aber das eindrucksvollste
Monument von Miseno ist sicherlich die Piscina
Mirabilis, ein riesiger Versorgungstank der Flotte.
Dieser enorme, leere und stille Raum, der aus
Tuffstein gehauen ist und dessen Gewölbe von vier
Pilasterreihen getragen werden, wird nur durch ein
schwaches Licht erhellt und ist von
unvergleichlichem Reiz.
An der Ausfahrt von Bacoli steigt die Straße steil
zum Monte di Procida hoch, einem der Orte der
Phlegräischen Felder mit dem schönsten Panorama.
Aus jedem Blickwinkel kann man eine herrliche
Aussicht auf den Golf von Pozzuoli mit dem Vesuv
und dem Monte Faito am Horizont sowie auf Ischia
und Procida genießen.
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 55
55
Piscina Mirabilis
Casina Vanvitelliana
am Fusarosee
Miseno.
Cala Moresca
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Cuma
56
Vom Fusarogebiet gelangt man zum ältesten Teil der
Phlegräischen Felder, Cuma, der ersten griechischen
Kolonie auf italienischem Festland, die um 730
v.Chr. gegründet wurde. In kurzer Zeit entwickelte sie
sich zu einer blühenden Handelsstadt, war Ziel
wichtiger Handeslrouten sowie Zentrum für den
Handel mit dem Festland und beherrschte bald das
gesamte Küstengebiet. Seine Bewohner gründeten
ihrerseits einige Städte an der Küste, unter anderen
auch Neapolis im Jahre 470.v.Chr.
Der Archäologiepark umfasst die Akropolis und
einen Teil der Unterstadt mit dem Forum, der
Sibyllengrotte, dem Bogen Arco Felice und dem
Amphitheater.
Auf der Akropolis von Cuma, einem steilen
Meeresausläufer, sind noch die Spuren der Festungen aus
griechischer Zeit sichtbar.
Zeugnis der griechischen Epoche legen zwei große Tempel
ab, die im Mittelalter in Kirchen umgebaut wurden. Der
Apolltempel mit sehr wenigen Elementen des ersten
archaischen Tempels hat das Podium bewahrt und weist
Spuren baulicher Veränderungen in römisch-augusteischer
Epoche und Reste der achteckigen Taufkapelle einer
frühchristlichen Kirche auf. Vom Jupitertempel hingegen
sind nur Reste der ältesten Bauphasen erhalten, während
uns mehr Zeugnisse aus römischer Zeit und der Phase der
frühchristlichen Kirche geblieben sind.
Für die Römer war Cuma ein sakraler Ort, eine heilige
Stadt: Nach den Erzählungen des Virgil soll hier die Sibylle
Äneas seine Zukunft als Stammvater von Rom gedeutet
haben. Es ist daher verständlich, dass das berühmteste
Monument der Akropolis die Sibyllengrotte (Antro della
Sibilla) ist, ein langer Tunnel, der in einem Raum mit drei
Nischen endet, der als Sitz der Sibylle aus Cuma galt. Den
unteren Stadtteil bildete das Forum aus samnitischer und
römischer Epoche, ein weiter rechteckiger Platz mit
Säulengängen.
Das bedeutendste Monument ist der grandiose
Jupitertempel aus hellenistischer Zeit (3.Jh.v.Chr.), der
mehrmals bis zur Kaiserzeit restauriert wurde. Im Gebiet
des Forums befindet sich auch ein großer Thermalkomplex
aus republikanischer Zeit. Außerhalb der Stadtmauern sind
Reste des Amphitheaters aus dem 2.Jh. v.Chr. zu sehen,
das eines der ältesten der römischen Kulturwelt ist.
Beim Verlassen der Stadt nach Osten geht man durch den
Arco Felice (ein 20 m hoher und 6 m breiter Bogen), der
gebaut wurde, um hier die Via Domiziana durch Monte
Grillo verlaufen zu lassen.
Bleibe der Sibylle
Die Sibylle von Cuma war
eine heilige Priesterin des
Gottes Apoll. Aus ihrer
Höhle gab sie mehrdeutige
Weissagungen über die
Zukunft. Der Legende
zufolge soll Apoll der
Priesterin die
Unsterblichkeit geschenkt
haben, wie sie gewünscht
hatte. Sie hatte aber
vergessen, auch die ewige
Jugend zu verlangen und
wurde so nach tausend
Jahren alt und runzelig. Im
Satyricon von Petronius
wird sie winzig in einer
Flasche eingeschlossen
beschrieben, wie sie
vergeblich den Tod erbittet.
Der Ruhm der Sibylle und
ihrer Grotte geht auf Vergil
zurück, der in Buch VI
seiner Äneis davon erzählt.
Äneas kommt nach Cuma
zur Sibylle, die ihm seine
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Berühmte Reisende
Ich sah die Orte des Vergil… den See von Averno und
Lucrino, und die stehenden Gewässer des Acheronte. Ich
sah die Heimat, und das Haus der Sibylle und jenen
gefürchteten Gang, aus dem die Törichten nicht
zurückkehrten und den die Weisen nicht zu betreten wagten.
Francesco Petrarca, 1343
57
Sibyllengrotte
Zukunft als Stammvater der
ruhmreichen römischen
Zivilisation weissagt.
Jupitertempel
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Der Vesuv
58
Der Vesuvkrater
Berühmte Reisende
Aus der Ferne scheint der Berg harmlos, das blaue Profil des majestätischen Kegels,
der in einer dicken Rauchwolke endet, wie stürmische Wolken, die sich um
Schneegipfel des fernen Apennins verdichten; aber sobald sich ein abenteuerlustiger
Fremder dem glühenden Krater nähern möchte und auf die schwarzen und geplagten
Hänge schleppt, wird er in den immensen Schlunden und Rissen Spuren der
mächtigen Erschütterungen wahrnehmen.
A.J. O’ Reilly, 1884
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59
Wer Vesuv sagt, sagt Kampanien. ‘A Muntagna (der
Berg) nennen die Neaploitaner den berühmtesten
Vulkan der Welt und Wahrzeichen der Stadt, der mit
seiner perfekten Form den Golf von Neapel
umschließt.
Auf dem majestätischen Kegel herrscht eine
unruhige und reizvolle Atmosphäre. Eine geplagte
Landschaft von wilder Schönheit erwartet den
Ausflügler; das Panorama von der Höhe des Vulkans
reicht von der Sorrentiner Halbinsel bis nach Capo
Posillipo, ein unvergessliches Gefühl, das im zarten
Schimmer des Morgengrauens und im kräftigen
Licht des Sonnenuntergangs besonders
eindrucksvoll ist.
Der Vesuv ist der einzige aktive Vulkan des
kontinentalen Europas und auch einer der
gefährlichsten, weil das ihm zu Füßen liegende
Gebiet dicht besiedelt ist; die Häuser liegen bis zu
700 m hoch. Der linke Gipfel ist der Monte Somma
(1133 m), der rechte der Cono Vesuviano (1281 m).
Sie trennt eine Senke, die sogenannte Valle del
Gigante, die wiederum in Atrio del Cavallo im
Westen und Valle dell’Inferno im Osten geteilt ist.
Die Völker der Antike hatten vergessen, dass es sich
um einen Vulkan handelte, er war nur für seine
ausgezeichneten Weine und die üppige
Gipfelvegetation berühmt. Doch plötzlich erlangte er
mit dem Vulkanausbruch 79 n.Chr große
Berühmtheit. Ganze Städte, darunter Pompeji,
Herculaneum und Stabia, wurden zerstört.
Der letzte Ausbruch wurde 1944 von den alliierten
Truppen gefilmt. Seit damals „schläft“ der Vulkan.
1991 wurde offiziell der Vesuv Nationalpark
gegründet und von der Unesco zum
„Weltnaturschutzgebiet der Biosphäre“ erklärt:
Er umfasst das gesamte Vulkangebiet, die große
Ausgrabungsstätte von Pompeji, Herculaneum,
Oplontis, und Miglio d’Oro mit seinen prachtvollen
und zugleich beispielhaften Villen des 18. und
19.Jh.
Hinsichtlich der Flora unterscheiden sich das Gebiet
des Vesuvs und des Somma in einigen Dingen von
einander. Der Vesuv ist trockener und sonniger mit
typisch mediterraner Vegetation, gepflanzten
Pinienhainen und Steineichenwäldern. Der Somma
ist feuchter mit Mischwäldern aus Kastanienbäumen,
Eichen, Erlen, Ahorn und Steineichen; auch trifft
man auf Birken, ein für mediterranes Gebiet eher
ungewöhnlicher Baum. Bemerkenswert ist auch das
große Vorkommen von Orchideen, gut 23 Arten, und
der Ginster, den der Dichter Giacomo Leopardi
besang. Auch die Fauna des Parks ist besonders
vielfältig und interessant.
i
Azienda Autonoma
di Cura Soggiorno
e Turismo di Pompei
via Sacra 1
tel. 081 8507255
www.pompeiturismo.it
Ufficio Turistico di Ercolano
via IV Novembre
tel. 081 7881243
Ente Parco Nazionale
del Vesuvio
via Palazzo del Principe Castello Mediceo
Ottaviano (NA)
tel. 081 8653911
www.parconazionaledelvesuvio.it
Fondazione Ente Ville
Vesuviane
Veranstaltungsbüro - Villa
Campolieto - Corso Resina Ercolano (NA)
tel. 081 7322134
fax 081 7391360
www.villevesuviane.net
Cimitile
die Basiliken von Cimitile via Madonnelle
tel. 081 5127141
Ercolano
Ausgrabungen - Corso Resina
tel. 081 8575347
Villa Campolieto - C.so Resina
tel. 081 7322134
fax 081 7391360
Museo Vulcanologico
dell’Osservatorio Vesuviano
via Osservatorio 14
tel. 081 7777149
www.ov.ingv.it
Das
Vesuvobservatorium
Das Vesuvobservatorium
(Osservatorio Vesuviano) ist
die älteste wissenschaftliche
Institution, die dem Studium
der Vulkane gewidmet ist
und wurde 1841 gegründet.
Der ursprüngliche Sitz,
erhebt sich in 608 m Höhe
auf dem Vesuv. Das
ehemalige bourbonische
Gebäude beherbergt eine
Dauerausstellung, in der der
Besucher durch die
faszinierende Welt der
Vulkane geführt wird.
Christi hervorbringt, der
bereits in der Antike
berühmt war.
Die Straße des Weins
und der typischen
Vesuvprodukte
Im Mittelpunkt dieser Straße
steht das DOC
Vesuvweingebiet, das einen
Wein wie den Lacryma
Oplontis
Ausgrabungen, via Sepolcri 12
Torre Annunziata (NA)
tel. 081 8621755
Santuario di Pompei
tel. 081 8577111
fax 081 8503357
www.santuario.it
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 60
Nicht versäumen
Pompeji
Herculaneum
Vesuvbesteigung
Villa Campolieto
Vesuvgebiet an einem Tag
Pompeji
Parco Nazionale del Vesuvio
Vesuvgebiet in drei Tagen
Pompeji und Herculaneum
Parco Nazionale del Vesuvio
Schloss von Portici
Vesuvvillen von Miglio d’Oro
Wallfahrtskirche von Pompeji
60
Viele Routen durchqueren den Park, die landschaftlich
sowie hinsichtlich des Schwierigkeitsgrades
unterschiedlich sind.
Die Vesuvparkverwaltung hat 9 Wege angelegt für all jene,
die Trekking lieben, die mit vier Markierungsarten versehen
sind: Landweg (Weg 7), Panoramaweg (6), didaktischer
Weg (9) und Rundweg (1 bis 5 und 8).
Doch die „historische“ Besteigung ist der Aufstieg zum
Krater: Der 4 km lange Weg ist mittelschwer und geht von
Herculaneum aus. In ca. 3 Stunden erreicht man eine Höhe
von 1170 m, wo der Blick über den gesamten Golf schweift
und sich der beeindruckende Kraterschlund mit einem
Durchmesser von 600m und einer Tiefe von 200 m öffnet.
Diesen Anstieg haben schon viele gemacht, von Tschechov,
der die Besteigung wie eine Plage empfand („Welch ein
Martyrium, den Vesuv zu besteigen! Du gehst, gehst und
gehst, aber der Gipfel ist immer noch weit weg“) bis
Chateaubriand, der kühnste unter allen („Jetzt bin ich auf
dem Gipfel des Vesuv. Ich schreibe sitzend auf dessen
Mund und bin bereit, bis in die tiefen des Kraters
hinabzusteigen“).
Heute kann man mit dem Bus oder Auto hinauffahren. Die
bequemsten Straßen gehen von Herculaneum, Ottaviano
und Somma Vesuviana aus. Die Straße von Herculaneum
ist die interessanteste Route, einerseits wegen der
herrlichen Ausblicke auf den Golf und andererseits wegen
der reizvollen Landschaft. Der erste Straßenabschnitt geht
durch Weinberge. Auf 1017 m Höhe geht es zu Fuß auf
einem Weg weiter, der von Lavaschlacken gesäumt ist und
bis zum Kraterrand führt.
Kunst und Archäologie
Pompeji und Herculaneum
Oplontis
Schloss von Portici
Vesuvianische Villen
von Miglio d’Oro
Natur und Parks
Parco Nazionale del Vesuvio
Für die jungen Leute
Granatello di Portici
San Giorgio a Cremano
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Einkäufe
Korallen und Kameen
Objekte aus Lavastein, Kupfer,
Schmiedeeisen, Weidenruten
Mit Kindern unterwegs
Pompeji
Parco Nazionale del Vesuvio
Osservatorio Vesuviano
Parco della Reggia di Portici
Villa Bruno a San Giorgio
in Cremano
61
Villa Campolieto
Gaumenfreuden
Aprikosen vom Vesuv
Kleine Piennolo-Tomaten
Stockfisch von Somma
Vesuviana
Wein vom Vesuv
Thermen und Wellness
Terme di Torre Annunziata
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Herculaneum
und seine Schätze
62
Am 24.August 79 n.Chr. erwachte der Vesuv aus
einem langen Schlaf und überraschte die Bewohner
der Umgebung. Der Vulkanausbruch war
apokalyptisch, jegliches Leben am Fuße des Vulkans
wurde vernichtet. Von verschollenen Städten ging
jede Spur verloren.
Nach 1700 Jahren kamen die vesuvianischen Städte
wieder ans Tageslicht und schenkten der Menschheit
die zwei bedeutendsten archäologischen
Ausgrabungsstätten der Welt, Herculaneum und
Pompeji.
Anders als Pompeji, das unter einer Aschen- und
Lapillischicht begraben wurde, verschwand
Herculaneum unter einer bis zu 25 m hohen
Schlamm- und Lavaflut. Unter dem Schlamm
blieben die Materialien erhalten und versiegelt, Holz,
Stoffe und Speisen veränderten sich langsam,
blieben aber in ihrer Hülle unverändert, fast wie
versteinert.
1709 stieß Prinz d’Elboeuf bei Brunnengrabungen in
einer seiner Villen zufällig auf Theaterreste. König
Karl von Bourbon befahl 1738 den offiziellen Beginn
der Ausgrabungsarbeiten. Die größte Überraschung
war die majestätische Villa dei Papiri, der der
Bestand an Bronze- und Marmorskulpuren (heute im
Archäologischen Nationalmuseum von Neapel)
sowie die Papyrusbibliothek (über 1800
philosophische Texte, die heute in der
Nationalbibliothek von Neapel aufbewahrt werden)
entnommen wurden.
1927 begann die Ausgrabung der Wohnhäuser und
öffentlichen Gebäude: Im Norden kamen das Forum,
der Mittelpunkt des wirtschaftlichen, sozialen und
politischen Lebens, im Osten die Palestra
(Turnhalle) und im Süden die Thermen der Vorstadt
hinzu.
In Herculaneum verbrachten die reichen Römer die Ferien,
wie die Villen, die bühnenbildhaft zum Meer blicken,
zeigen. Die Straßen, die mit Vesuvlava oder Kalkstein
gepflastert sind, weisen eine typische Inselanlage auf.
Einer der schönsten Domizile der Stadt ist das
Mosaikatriumhaus (Casa dell’Atrio a mosaico), dessen
Namen auf den schönen schwarz-weißen Fußboden
zurückgeht. Im Garten des Luxushauses der Hirsche
(Casa dei cervi) wurden Hirschfiguren, die von Hunden
angegriffen werden, sowie Statuen des Satyr mit Trinkhorn
und trunkenen Herkules gefunden. Die Thermen des
Forums waren die wichtigsten öffentlichen Bäder der Stadt.
Im Haus mit den verkohlten Möbeln (Casa del mobilio
carbonizzato) ist noch auf seinem ursprünglichen Platz das
Holzmobiliar erhalten, das aus einer Essliegestätte und
einem kleinen Esstisch besteht. Das Haus mit dem
Mosaik des Neptuns und der Aphrodite mit
angeschlossener Werkstatt (die am besten von allen
erhalten ist) verfügt über ein riesiges Atrium und der
schönsten Mosaikverzierung der Stadt. Das zweistöckige
Haus von Argos, hat einen Garten, der mit einem
Säulengang umgeben ist.
Von den öffentlichen Räumen wurde das Forum
ausgegraben, das von der Hauptstraße (Decumanus
maximus) und dem Heiligtum der Augustalen durchquert
wird. Am Decumanus erinnern Bogengänge an einen
öffentlichen Versammmlungsort der Bürger, vermutlich die
Basilika. Bemerkenswert ist die Palestra (Turnhalle), ein
überwältigender Bau aus augusteischer Zeit mit einem
Freibad, dessen Mitte ein Hydrabronzebrunnen ziert.
Außerhalb der Mauern können die Vorstadtthermen
bewundert werden. Die Villa der Papyrusrollen (Villa dei
Papiri), die nur zum Teil ausgegraben ist, kann besichtigt
werden, während das Theater nicht zugänglich ist. Für den
Besuch der Ausgrabungen von Herculaneum sollte ca. ein
halber Tag eingeplant werden.
Haus des Neptuns
und der Aphrodite
Typische Produkte
Die Landwirtschaft des Vesuvs
ist dank des mineralreichen
Lavabodens, der optimalen
Bodenbewässerung und des
mediterranen Klimas einzigartig
in der Vielfalt der Produktionen
und des Geschmacks.
Typische Produkte sind
Aprikosen, Kirschen und die
hängenden Kirschtomaten.
An den Hängen des Vulkans
werden die Trauben
Falanghina del Vesuvio,
Coda di Volpe (in diesem
Gebiet auch „Caprettone“
genannt) und Piedirosso del
Vesuvio angebaut, aus denen
der berühmte Lacryma Christi
gewonnen wird, ein Wein
mit angenehm weinigem
Geruch und trockenem,
aromatischem Geschmack.
Die optimale katalanische
Tafeltraube wird an den
Hängen des Monte Somma
angebaut und auch die
Honigproduktion ist weit
verbreitet.
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 63
Berühmte Reisende
Ich sprach gerade… vom Vesuv und der jüngsten Entdeckung der
antiken Stadt Herculaneum. Nichts auf der Welt ist so besonders wie
eine ganze Stadt im Herzen der Erde zu finden.
Charles de Brosses, 1739
63
Ausgrabungen
von Herculaneum
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Pompeji,
die begrabene
Stadt
64
Pompeji, das zu vier Fünftel des Gesamtgebietes
ausgegraben wurde, ist die beeindruckendste und
berühmteste archäologische Ausgrabungsstätte der
Welt.
Der Vesuvausbruch von 79 n.Chr. begrub die Stadt
unter einer 6-7 m dicken Aschen- und Lapillischicht.
Der Großteil der aus den Häusern geflüchteten
Bewohner fand den Tod an der Küste. Die wenigen
Überlebenden, die in den Kellergeschossen Zuflucht
suchten, erstickten: Die Abgüsse der sterbenden
Körper, die angefertigt wurden, indem flüssiger Gips
in die Hohlräume gegossen wurde, den die Körper
in der Aschenschicht gelassen haben, sind ein
berührender Beweis für die Tragödie. Ein
Spaziergang durch die Ausgrabungen von Pompeji
ist ein einmaliges Erlebnis. Es ist wie eine Zeitreise,
man atmet die Atmosphäre des öffentlichen, vor
allem aber privaten Lebens des Altertums.
Am meisten beeindruckt die große Zahl der
luxuriösen und einfachen Häuser, die mit der
gesamten Einrichtung von Werkstätten, Gaststätten
und Bäckereien erhalten geblieben sind. Noch
faszinierender ist die Tatsache, dass viel Hausrat
unversehrt geblieben ist, wodurch uns ein intimer
Blick in das Leben im Altertum gestattet wird.
Im Sommer werden bei den Ausgrabungen
Nachtspaziergänge organisiert. Während der
Führung werden die reizvollsten Orte des
nächtlichen Pompeji gezeigt, untermalt von
eindrucksvoller Musik: Eine multimediale
Vorstellung, die die dramatischen Szenen des
Vulkanausbruchs rekonstruiert.
Das Forum, ein großer rechteckiger Platz (38x142 m), mit
Travertin gepflastert und an drei Seiten von einem Portikus
gesäumt, war das lebhafte Zentrum der Stadt. Auf dem Platz
erheben sich das Capitolium (ein dem Jupiter geweihter
Tempel), der Apollotempel, der im 3.Jh. v.Chr. erbaut
wurde und aus einem Portikus aus 48 ionischen Säulen
besteht, und die Basilika, dem wichtigsten öffentlichen
Monument, das Sitz des Gerichts und Zentrum des
wirtschaftlichen Lebens war.
Auf dem Forum befinden sich auch der Vespasiantempel,
der dem Kaiserkult geweiht ist, die Kornspeicher, in denen
das Getreide für den Verkauf gesammelt wurde, und das
Macellum, die Markthalle für frische Lebensmittel, Fleisch
und Fisch, mit Tabernae (Läden) im Marktinneren.
Unweit davon sind die Thermen des Forums zu sehen,
die in Männer- und Frauenbereiche mit gemeinsamer
Heizung unterteilt sind.
Die Hauptader der Stadt war die Via dell’Abbondanza (der
Name entstammt der Moderne, wie alle Namen in Pompeji),
die von Handwerksbetrieben, Gasthäusern, Färbereien
gesäumt war. Auf dieser Straße befinden sich die
Stabiathermen, die älteste Anlage von Pompeji. In der
Nähe liegt das berühmte Freudenhaus, ein zweistöckiges
Gebäude, dessen Zweck aufgrund der erotischen Malereien
und Graffiti leicht erkennbar ist.
Detail der
Stabiathermen
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65
Forum von Pompeji
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 66
Berühmte Reisende
… als ich am Sonntagnachmittag nach Pompeji kam, genoss ich zum ersten Mal in
meinem Leben das süße Gefühl, ganz allein zu sein in jener Stunde oder jenen zwei
Stunden des Tages, in denen die Schatten beginnen, länger zu werden. Der Eindruck,
den ich dabei hatte, ist unauslöschlich.
Henry James, 1900
66
Das Haus des Fauns ist wohl das eleganteste unter den
Wohnhäusern dank seiner Architektur und der berühmten
Mosaike, die es schmücken, wie etwa das Mosaik der
Alexanderschlacht, das sich heute im Archäologischen
Museum von Neapel befindet. Das Haus der Vettier mit
seinen wunderbaren Wandfresken war einst Eigentum der
beiden Kaufleute Aulus Vettius Restitutus und Aulus Vettius
Conviva. Aus dem Haus des Menander, das seinen
Namen einer Darstellung des griechischen
Komödiendichters Menander verdankt, stammt eine
reichhaltige Sammlung von Silbergegenständen von
außerordentlicher Qualität, die heute im Archäologischen
Museum in Neapel aufbewahrt werden. Eines der
wichtigsten Bauwerke Pompejis ist die Mysterienvilla,
deren Berühmtheit vor allem auf ihre Malereien
zurückzuführen ist. Am bekanntesten ist das enorme
Fresko, das dem Haus seine Bezeichnung gab: 29
lebensgroße Figuren, die in lebhaften Farben auf rotem
Grund wahrscheinlich eine Szene zur Einweihung in die
Mysterien des Dionysoskultes oder der Orfizienmysterien
darstellen.
Im Theaterviertel sind das Große Theater, in dem im
Sommer kulturelle Veranstaltungen dargeboten werden, und
das kleine Odeion wieder zu Tage gekommen. Ganz in der
Nähe befindet sich der Tempel der Isis. Eine Inschrift
belegt, dass das Amphitheater das älteste der uns
bekannten ist. Hier fanden Tier- und Gladiatorenkämpfe
statt. Daneben ist die große Palestra (Turnhalle), die unter
dem Kaiser Augustus erbaut und zu Turnzwecken verwendet
wurde. Sie umfasst ein weitläufiges, quadratisches Terrain,
das mit Säulengängen umgeben ist und in dessen Mitte
sich ein tiefes Schwimmbecken befindet, das auch für
Kopfsprünge geeignet war. Sehr beeindruckend ist bei
Sonnenuntergang ein Spaziergang entlang der
Gräberstraße. Die Straße, die von Grabmonumenten
gesäumt ist, führte einst nach Herculaneum.
Für den Besuch der Ausgrabungen von Pompeji sollte man
mindestens einen Tag einplanen.
Fresko der
Mysterienvilla
Die Villa Poppea
in Oplontis
In Oplontis, dem antiken
Vorort Pompejis, der 79 n.
Chr. vom Vesuvausbruch
zerstört wurde, (heute Teil
des Gebiets von Torre
Annunziata) kam eine Villa
ans Tageslicht, die
wahrscheinlich Poppea
Sabina, der zweiten Frau
Neros gehörte. Es handelt
sich hierbei um eines der
größten und best erhaltenen
Exemplare der sogenannten
Villa d’Otium (Mitte des 1.
Jh. v. Chr.). Ein Teil der
Villa war zum Zeitpunkt des
Vulkanausbruchs verlassen,
da dieser wegen der durch
das Erdbeben im Jahr 62
n.Chr. entstandenen
Schäden gerade restauriert
wurde. Diese Villa ist reich
geschmückt und steht auch
wegen ihrer schönen Lage
den kaiserlichen Residenzen
in nichts nach. Besonders
schön sind deren
Skulpturen und prächtigen
Fresken.
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 67
67
Wallfahrtskirche Beata
Vergine di Pompeji
Das Heiligtum Madonna del
Rosario, erbaut nach Willen
des Seligen Bartolo Longo,
ist eine der wichtigsten
Stätten der Marienverehrung
Italiens und der Welt. Das
zwischen 1876 und 1891
errichtete Gebäude wurde
1933-39 erweitert. Das
Innere der Päpstlichen
Basilika ist reich an Marmor,
Fresken und Mosaiken; auf
dem Hauptaltar wird die
Ikone der Madonna di
Pompei (Madonna von
Pompeji) verehrt, ein
Gemälde des 17. Jhs. aus
der Schule von Luca
Giordano, umgeben von den
auf Kupfer gemalten
Gemälden von Vincenzo
Paliotti Misteri del Rosario
(Mysterien des
Rosenkranzes). Am 8. Mai
und am 1. Oktobersonntag
wird im Heiligtum die
Bittschrift des Seligen Longo
vorgetragen. Die
Wallfahrtsstätte, von Papst
Johannes Paul II. als
Internationales Zentrum der
Geistigkeit des Rosenkranzes
bezeichnet, wird jedes Jahr
von etwa 4 Millionen Pilgern
aus aller Welt besucht.
Entlang der Korridore, die an
die Basilika angrenzen, sind
zahlreiche Votivgaben
ausgestellt; auch das
Museum beherbergt
wertvolle Gegenstände, die
von Herrschern oder
einfachen Gläubigen jeder
Nationalität geschenkt
wurden.
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 68
Der Königspalast von Portici
und die Villen der Goldenen
Meile
68
Die Goldene Meile ist ein Straßenteil, der an
wunderbaren Villen vorbei von Portici nach Torre
Annunziata führt. Der neapolitanische Adel begann
mit deren Bau im 18. Jh. und ahmte so den
Bourbonenkönig Karl III nach, der sich in Portici
einen großartigen Palast hatte errichten lassen. Wer
immer auf die gefährliche Nähe des Vesuvs hinwies,
dem antwortete die Königin Maria Amalia:“Gott, die
Jungfrau Maria und der Heilige Gennaro werden uns
schon verschonen.“ So entstand eines der
wichtigsten Architektur- und Geschichtsgüter dieses
Gebiets, der sog. Miglio d’Oro, die „goldene
Wohnmeile“ der Vesuvvillen.
Das als Sommerresidenz des Bourbonenkönigs Karl
III geplante königliche Schloss von Portici erfüllte
bald eine doppelte Funktion: Königliche Residenz
und Sitz des Museums von Herculaneum (in dem
die von den Ausgrabungen in Herculaneum ans
Tageslicht gebrachten Gegenstände aufbewahrt
sind). Heute ist der Palast Sitz der
Agrarwissenschaftlichen Fakultät.
Der Hauptteil des Palastes beherbergt einige
interessante Räume des Obergeschosses mit
Villa Ruggiero
Korallen, Kameen
und Lavagestein
Torre del Greco steht seit
fast 200 Jahren für
Korallen. Die berühmten
Kunsthandwerker kreieren
noch heute phantastische
Schmuckstücke aus diesem
wertvollen Material. Ein
weiteres überliefertes
Kunsthandwerk ist die
Bearbeitung von
Vesuvgestein: Dieses
Lavagestein ist ein kompaktes
schwarzes Hartgestein, das
Farbnuancen von Grau bis
Silber annehmen kann.
Fresken. Sehr schön ist der Park, ein beliebtes
Ausflugsziel der Einwohner von Portici. Ferdinand IV
ließ hier eine kleine Festung, das „Fortino“ (eine
verkleinerte Imitation der „Fortezza von Capua“)
bauen, um die Militärübungen realistischer zu
gestalten.
Die (121) Vesuvvillen wurden mit Sinn für
Inszenierung zu den schönen Golfaussichten hin
erbaut. Die bourbonischen Adelsfamilien fuhren hier
in die Sommerfrische, aber nach der Einigung
Italiens verfielen die Villen nach und nach; viele
davon wurden erst kürzlich restauriert.
In Herculaneum ist die berühmteste Residenz, die
Villa Campolieto, ein Werk von Luigi und Carlo
Vanvitelli, besonders sehenswert. Sie ist berühmt für
das wunderschöne zum Golf hin geöffnete Halbrund,
in dem im Sommer ein internationales
Theaterfestival, stattfindet. Die Theateraufführungen
werden auch in anderen Villen der Goldenen Meile
geboten, wie z.B. in der sog. Villa Favorita, die
1768 von Ferdinando Fuga mit einem schönen Park
zum Meer hin erbaut wurde.
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 69
Berühmte Reisende
Während ich das Museum für antike Malerei in Portici verließ, traf ich drei englische
Offiziere, die es betraten. Ich ritt im Galopp nach Neapel, aber bevor ich die
Magdalenenbrücke erreichte, holten mich die drei Engländer ein; am Abend erzählten
sie mir, dass diese Bilder das Außerordentlichste seien, was das Universum biete.
Stendhal, 1817
69
Villa Favorita
Villa Campolieto
Schloss von Portici
Berühmte Reisende
Villa Favorita war einst im Herbst Ort für viele Spiele und Unterhaltung.
Ihr Garten mit den Blumenrabatten, den Orangenhainen und der
Laube war ein zauberhafter Platz.
Errico Alvino, 1845
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 70
Nola und die Basiliken
von Cimitile
70
Es lohnt sich, einen Abstecher nach Nola in der
äußerst fruchtbaren Vesuvebene zu machen.
Sehenswert ist das Museo Storico Archeologico in
den Räumen des ehemaligen Klosters des
Cannossaordens. Hier befinden sich
Ausstellungsstücke aus der Bronzezeit (vor etwa
4000 Jahren), die unweit der Stadt gefunden wurden
und vom großen Ausbruch der sog. „Pomici di
Avellino“, 1900 v. Chr. verschüttet worden waren. Im
Atrium ist der Steinblock Cippus Abellanus
ausgestellt, in dessen beiden Seiten der
Bündnisvertrag zwischen Nola und Avella gehauen
ist. Im Diözesanmuseum neben der Kathedrale
sind Reliquienbüsten aus Holz aus dem 17. Jh. und
Miniaturkodices ausgestellt. In der Altstadt erhebt
sich auf der Piazza Giordano Bruno der zwischen
1460 und 1500 erbaute Palazzo Orsini, heute Sitz
des Gerichts. Man kann interessante Spaziergänge
auf den umliegenden Hügeln der Stadt zum
Bischöflichen Seminar, dem Kapuzinerkonvent, den
malerischen Ruinen von Castel Cicala mit dem
dazugehörigen Dorf und zur Einsiedelei Eremo dei
Camaldoli unternehmen.
Nur wenige Kilometer von Nola entfernt liegt
Cimitile, das einst wegen des frühchristlichen
Kathedralenkomplexes berühmt geworden ist.
Sein Name kommt von einem Friedhof („cimitero“)
aus dem 2. Jh. n. Chr. In der Nähe der heidnischen
Nekropole begruben die ersten Christen ihre Toten
und versteckten sich vor ihren Verfolgern. Hier ist
auch San Felice bestattet, dessen Grab eine
Pilgerstätte geworden ist. Im Jahr 394 ließ der
Adlige, spätere Bischof von Nola und Heilige
Paolino eine Basilika erbauen. Um diese heilige
Stätte entstand im Laufe der Zeit ein Komplex von
insgesamt 13 Gebäuden, bestehend aus Basiliken,
Kirchen, Kapellen mit Fresken und Mosaiken, der
sicherlich eins der faszinierendsten frühchristlichen
Kunstwerke Italiens ist.
Wallfahrtskirche Maria
Santissima dell’Arco
Die fujenti von Madonna
dell’Arco
Vor der Madonna dell’Arco
endet der antike Pilgerweg,
der jedes Jahr am
Ostermontag eine Schar von
barfüßigen Gläubigen zur
Wallfahrtskirche Maria
Santissima dell’Arco führt
(der Name geht auf die
Kontrade der Gemeinde
Sant’Anastasia am Vesuv
zurück, die wegen eines
römischen Acquedukts
„Arco“ genannt wird.) Die
Gläubigen sind die „fujenti“
(im Neapolitanischen
bedeutet das „die
Laufenden“). Sie tragen ein
weißes Hemd und weiße
Hosen, eine Blaue Schärpe
(die Farbe der Madonna),
um die Hüfte einen roten
Gurt. Sie werden auch
„battenti“ (von bàttere =
stampfen) genannt, weil sie
mit den Füßen in einem
bestimmten Rythmus
stampfen. Die Wände der
Wallfahrskirche zieren
zahlreiche Exvotos aus den
verschiedenen
Jahrhunderten.
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 71
Berühmte Reisende
Ich bin gerade in Nola angekommen, wo ich etwas Eigenartiges erblickte… Ich sah eine
Art Turm, hoch, schmal, ganz mit rotem Papier geschmückt, mit Goldborten, mit
Silberfrießen, der von Männern auf den Schultern getragen wurde… Dieser Koloss
wackelte und schien jeden Moment das Gleichgewicht verlieren und umfallen zu wollen;
alle Figuren bewegten sich, die Fahnen wehten, es war ein phantastisches Bild.
Ferdinand Gregorovius, 1853
71
Basiliken von Cimitile
Das Lilienfest
von Nola
Das Lilienfest erinnert die
Rückkehr des Bischofs
Paolino aus seiner
Gefangenschaft in Afrika
(410 n. Chr.), die mit
Blumen und Kerzen (cilii,
daher der Name Gigli =
Lilie) gefeiert wurde.
In Erinnerung an diese
Begebenheit bringen die
Einwohner Nolas Kerzen
und Fackeln von
zunehmender Größe bis zu
den heutigen 25 m hohen
Türmen, die mit Papier
verziert sind. Die sehr
schweren Lilien werden von
den „paranze di cullatori“
zum „Tanzen“ gebracht, jede
„paranza“ besteht aus etwa
128 Personen. Das Fest
findet immer am ersten
Sonntag nach dem 22. Juni,
dem Namenstag von San
Paolino, statt.
Das Lilienfest
von Nola
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 72
Die Inseln des
Golfs von Neapel
72
Ischia. Castello
Aragonese
Berühmte Reisende
Die Inseln unseres Archipels, dort, am
Meer Neapels, sind alle schön.
Elsa Morante, 1957
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 73
73
Die drei neapolitanischen Inseln, deren
Naturschönheiten und Attraktionen völlig
unterschiedlich sind, sollten von jedem Touristen
besucht werden: von der beeindruckenden Insel
Procida, zu den Thermen auf Ischia bis hin zu Capri
mit seinen reichhaltigen Zeugnissen altrömischer
Kultur, die eingebettet in ein einzigartiges
Naturschauspiel liegt; geschichtsträchtige Orte,
deren Faszination im Laufe der Zeit zunimmt.
Alle drei Inseln kann man von Neapel oder Pozzuoli
aus erreichen. Procida und Ischia, die sog.
„Phlegräischen Inseln“ liegen im Norden des Golfs
vor Pozzuoli. Capri dagegen liegt gegenüber der
Sorrentinischen Halbinsel.
i
Azienda di Cura Soggiorno
e Turismo Ischia e Procida
via A. Sogliuzzo 72
Ischia
tel. 081 5074211
www.infoischiaprocida.it
Azienda di Cura Soggiorno
e Turismo Capri
piazzetta Cerio 11
tel. 081 8370686
www.capritourism.com
Capri
Certosa di San Giacomo
via Certosa di S. Giacomo
tel. 081 8376218
Museo I. Cerio
piazzetta Cerio 5
tel. 081 8376681
Villa Jovis
via Tiberio
tel. 081 8374549
Villa San Michele
viale Axel Munthe
Anacapri
tel. 081 8371401
Blaue Grotte
Gruppo Motoscafisti
(Motorboote)
via Provinciale Marina Grande
Büro tel. 081 8377714
Hafen tel. 081 8375646
www.motoscafisticapri.com
Ischia
Museo di Pithecusae
corso Angelo Rizzoli
Lacco Ameno
tel. 081 3330288
www.pithecusae.it
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 74
Nicht versäumen
Procida
Terra Murata
Marina di Corricella
Ischia
Lacco Ameno
Forio d’Ischia
Sant’Angelo
Ischia Ponte
Capri
Blaue Grotte
Piazza Umberto I
(„la Piazzetta“)
Punta Tragara
und die Faraglioni
Villa San Michele (Anacapri)
Procida an einem Tag
Marina Grande
Terra Murata
Marina di Corricella
Marina di Chiaiolella
Ischia an einem Tag
Ischia Porto
Lacco Ameno
Forio d’Ischia
Sant’Angelo
Ischia Ponte
Natur und Parks
Procida
Naturschutzgebiet Vivara
Für die jungen Leute
Procida
Marina di Chiaiolella
Ischia
Monte Epomeo
Garten La Mortella (Forio)
Ischia
‘Rive Droite’ in Ischia Porto
Sant’Angelo
Capri
Monte Solaro (Anacapri)
Naturschutzgebiet Monte
Barbarossa (Anacapri)
Gärten des Augustus
Capri
Anacapri
La ‘Piazzetta’
Via Camerelle
74
Kunst und Archäologie
Procida
Terra Murata
Ischia
Castello Aragonese
(Ischia Ponte)
Museo Archeologico von
Pithecusae (Lacco Ameno)
Ausgrabungen von Santa
Restituta (Lacco Ameno)
Wallfahrtskirche Madonna
del Soccorso (Forio)
Capri
Kartause von San Giacomo
Villa Jovis
Villa Malaparte
Villa San Michele (Anacapri)
Bäder des Tiberius
das Rote Haus (Anacapri)
Kirche Santo Stefano
Museo Archeologico
„E. Cerio“
Capri an einem Tag
Blaue Grotte
Piazza Umberto I („la Piazzetta“)
Kartause von San Giacomo
Via Krupp
Marina Piccola
Punta Tragara und die Klippen
Marina Grande und Bäder
des Tiberius
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Einkäufe
Procida
Limoncello
Spitzen und Stickereien
Ischia
Kunsthandwerkliche Keramik
Natürliche Kosmetikprodukte
Wein
Capri
Limoncello di Capri
Capreser Mode
Düfte von Capri
Capreser Sandalen
Wein
Mit Kindern unterwegs
Procida
Marina di Chiaiolella
Terra Murata
Ischia
Castello Aragonese
(Ischia Ponte)
Bauernmuseum auf Ischia
(Panza)
Museo del Mare
(Ischia Ponte)
Capri
Bagni di Tiberio
(Bäder des Tiberius)
Seilbahn zum Monte Solaro
Blaue Grotte
75
Lacco Ameno.
Panorama vom Berg Corvino
Gaumenfreuden
Procida
Zitronen von Procida
Ischia
Kaninchen aus Ischia
Wein Ischia DOC
Capri
Insalata caprese (Mozzarella
und Tomaten)
Zitronenlikör aus Capri
Capreser Ravioli
Torta caprese (Capreser Kuchen)
Wein Capri DOC
Thermen und Wellness
Ischia
Thermen und Thermalparks,
Beauty center der großen
Hotels
Capri
Beauty center der großen
Hotels
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 76
Procida
76
Procida, die kleinste und am wenigsten bekannte der
Neapolitanischen Inseln hat seine mediterrane
Identität fast unberührt bewahrt. Eng verbunden mit
der Seemannstradition ist die Insel das ideale
Reiseziel zu jeder Jahreszeit für alle jene, die gern
fernab vom Massentourismus einen ruhigen Urlaub
genießen wollen. Geologisch gesehen gehört
Procida zum Phlegräischen Gebiet, das sich vom
Westen Neapels bis nach Cuma erstreckt. Der
tuffsteinhaltige Boden und die zerklüftete Küste
bestätigen den vulkanischen Ursprung dieser Insel.
Im Vergleich zu Ischia und Capri, den renommierten
Touristenzielen, ist Procida noch heute unter einigen
Aspekten zu entdecken: Die besondere Atmosphäre
seiner ruhigen Gässchen, die lebhaften Farben der
alten Gebäude, die Viertel, die traubenartig zum
Meer hin gebaut sind. Die reiche Vegetation, in der
die mediterrane Architektur eingebettet ist, das klare,
glänzende Meer und die wunderbaren Felsenküsten
bilden eindrucksvolle Landschaften.
Marina di Sancio Cattolico, auch Marina Grande
genannt, ist der Hafen für alle Fähren und Tragflügelboote,
die von Neapel oder Pozzuoli aus hier andocken. Die
bunten Häuser entlang der Meeresküste sind der erste
Eindruck, den die Besucher der Insel bekommen.
Über diesem Fischerviertel dominiert die Burg Terra
Murata an der Spitze der Steilküste am höchsten Punkt
und im Herzen der Insel. Dieses einzigartige Stadt-Viertel,
das aus mittelalterlichen Häuschen mit Höfen und Gärten,
Kirchen, Palästen und einer Festung besteht, ist 300 Jahre
lang nahezu unangetastet geblieben. In den kleinen Straßen
wird man vom Zauber der stehen gebliebenen Zeit entführt.
Das Belvedere bietet einen wunderbaren Ausblick. Sehr
charakteristisch ist der kleine Hafen von Marina di
Corricella mit den vielen kleinen ineinander gebauten und
verschachtelten Häuschen mit den typischen Treppen, auf
die die Fenster und Türen gehen und die wie eine
natürliche Bühne wirken.
Beliebtester Badeort ist Marina di Chiaiolella, ein
wunderschöner, halbrunder, vom Felsenvorsprung Santa
Margherita Vecchia abgeschlossener Küstenstrand. Die
Seepromenade ist der Spaziergang für die Touristen
schlechthin. Von der Chiaiolella durch eine kurze
Meereszunge abgetrennt liegt der Lido von Procida, das
vielbesuchte Strandbad.Eine lange Brücke verbindet die
Chiaiolella mit der kleinen Insel Vivara, einem
Naturschutzgebiet des WWF. Für die Besichtigung ist eine
Genehmigung durch die Gemeinde von Procida
erforderlich.
Procida.
Marina della Corricella
Terra Murata
Berühmte Reisende
Ich schrieb auf meinen Knien die Geschichte von Graziella, diese traurige und zugleich
schöne Vorahnung der Liebe, die ich in der Vergangenheit in diesem selben Golf
verspürt hatte, und ich schrieb sie gegenüber der Insel Procida, im Anblick der Trümmer
des kleinen Hauses zwischen den Weingärten und des Gartens zur Küste hin, der mir
seinen Schatten zu zeigen schien.
Alphonse de Lamartine, 1844
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 77
Berühmte Reisende
Meine Insel hat kleine einsame Gässchen zwischen antiken Mauern, hinter denen sich
Obstgärten und Weinberge erstrecken, die wie kaiserliche Gärten erscheinen. Sie hat
Strände mit feinem, hellem Sand und andere, kleinere Strände mit Kieselsteinchen und
Muscheln, die zwischen den großen Felsen versteckt liegen.
Elsa Morante, 1957
77
Procida in der Kunst
Der Franzose Alphonse de
Lamartine verewigte als
Erster die Faszination dieser
Insel in seinem Roman
Graziella (1852). In jüngerer
Zeit legte Elsa Morante den
Handlungsort ihres Romans
L’isola di Arturo (Arturos
Insel), dessen Hauptfigur
ein Junge von Procida ist,
auf dieser Insel an. Auch
viele Filme wurden dort
gedreht, wie z.B. Der
Postmann mit Massimo
Troisi und Philippe Noiret,
dessen Geschichte am
Italienaufenthalt Pablo
Nerudas inspiriert war.
Blick auf Vivara
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 78
Ischia
78
Die größte Insel des Golfs von Neapel ist heute zu
allen Jahreszeiten dank seines besonders milden
Klimas sehr begehrtes Reiseziel des internationalen
Tourismus. Die zauberhafte Landschaft gab Ischia
den Beinamen „die grüne Insel“: Auf dem
fruchtbaren Grund wachsen ausgezeichnete
Rebsorten, aus denen berühmte Weine gekeltert
werden, sowie wunderbare Blumen.
Außer ob der landschaftlichen Attraktionen und als
Badeort wird Ischia seiner unwiderstehlichen
Thermen wegen mit der allgemein bekannten
Wasserqualität und den Thermalparks besonders
geschätzt. Die Insel verfügt über ein reichhaltiges
Thermalangebot: 29 Becken, hunderte von Quellen
und Fumarolen.
Die therapeutische Nutzung der ThermalMineralwasserquellen hat eine jahrtausendealte
Geschichte und trug dazu bei, den Ruf der Insel in
der ganzen Welt zu verbreiten und so die Reisenden
anzuziehen, die von der Idee fasziniert waren, sich
auf natürliche Weise in wunderschöner und
unberührter Landschaft heilen zu lassen. Neben den
Thermen hat die Insel vor allem an
Naturschönheiten viel zu bieten: Täler und Hügel,
Felsklippen und Strände, Wälder und Berge, die den
Blick jedes Betrachters bezaubern.
Das Hauptzentrum ist Ischia, das aus zwei Hafenkernen,
der Thermalstation und dem Badestrand sowie dem Ort
Ponte besteht, der vom Castello Aragonese überragt wird.
Ponte umfasst Gebäude aus verschiedenen Zeitepochen,
die von einer Stadtmauer umgeben sind.
Auch die Thermalorte Casamicciola Terme und Lacco
Ameno, die für die Heilkraft ihrer Thermalwasser berühmt
sind, sind bezaubernd.
In der Villa Arbusto ist das Archäologische Museum von
Pithecusae mit wertvollen Ausstellungsstücken
untergebracht. Ischia war eine der ersten griechischen
Siedlungen im tyrrhenischen Gebiet; seine Gründung mit
Spezialitäten von Land
und Meer
Unbedingt besuchen sollte
man die Straße des Weins
und der Gastronomie
Isola d’Ischia: Ein
Rundgang durch
Weinkellereien, Weinberge,
typische Restaurants,
Handwerksbetriebe, um
typische Produkte und
exzellente Weine zu verkosten,
nach denen die Römer die
Insel Aenaria nannten.
(www.sito.regione.campania
.it /agricoltura/home.htm).
Noch heute werden auf der
dem Namen Pithekousa (Insel der Pithekoi, „Affen“, oder
der Pithoi, „Tonvasen“) durch die Griechen geht auf das 8.
Jh. v. Chr. zurück. Aus dieser Zeit stammen einige der
wichtigsten Funde des Museums, darunter auch die
berühmte Coppa di Nestore (der sog. Nestorbecher). Von
der Krypta der nahe gelegenen Kirche Santa Restituta
gelangt man zu den Ausgrabungen einer frühchristlichen
Basilika und den Museumsfunden, die die Geschichte der
Insel von den Griechen bis zu den ersten Christen erzählen.
Forìo ist weniger vom Massentourismus besucht und
behielt die typischen Traditionen des Fischerorts bei. Auf
einem steilen Felsvorsprung hebt sich hier die weiße
Wallfahrtskirche Santa Maria del Soccorso ab, die sich
am lokalen architektonischen Stil inspiriert. Diese weißen
bei Sonnenuntergang rot gefärbten Wände sind ein
unvergessliches Bild, das man sich nicht entgehen lassen
sollte. Der Ort wird überragt von einem Turm aus dem 15.
Jh., der heute als Museum dient. Der berühmte Strand von
Citara ist der schönste der Insel.
In der Nähe von Forìo ist der Garten der Mortella, die Villa
des Musikers Sir William Walton, die vom
Landschaftsarchitekt Russel Page entworfen wurde,
besonders sehenswert. Auf der Südseite der Insel liegt das
malerische kleine Fischerdorf Sant’Angelo, das sich zu
einem eleganten Touristenzentrum entwickelt hat. Im
Inselinneren erwarten andere Sehenswürdigkeiten den
Besucher: Panza in seiner wunderbaren Lage, Serrara
Fontana, von wo aus man einen Ausflug zum Monte
Epomeo unternehmen sollte, Barano d’Ischia auf den
Hügeln, die zum weiten Strand der Maronti abfallen, der
mit Thermalquellen und Fumarolen übersät ist. Der Monte
Epomeo (788m) verleiht der Insel ihr unverwechselbares
Profil; er dominiert die darunter liegende Küste und schenkt
phantastische Ausblicke auf den Golf von Neapel. Am
Gipfel angekommen sollte man nicht den Besuch der
Einsiedelei San Nicola (XV. Jahdt.) versäumen, die
vollständig aus dem Tufffelsen gehauen ist. Dank des
angenehmen Klimas kann man fast zu jeder Jahreszeit die
zahlreichen wunderschönen Sandstrände Ischias genießen.
Die Feinschmecker hingegen können die Geheimnisse der
kulinarischen Traditionen und der hier sehr ausgesuchten
Weinpflege genießen.
Insel bekannte sowohl Rotwie Weißweine von örtlichen
Rebsorten hergestellt.
Unter den Weißweinen sind
der Biancolella und der
Forastera, unter den
Rotweinen der Pere ’e
palummo („Taubenfuß“
aufgrund seiner intensiv
roten Farbe)
erwähnenstwert, der auch
Piedirosso (Rotfuß) genannt
wird. Nicht nur für den
optimalen Fisch, den man
in den zahlreichen
Restaurants der Insel kosten
kann, ist Ischia bekannt,
sondern auch für die
traditionelle Küche, wie z.B.
Kaninchen und die
schmackhaften
Kirschtomaten.
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 79
Berühmte Reisende
Man kann Ischia als weiten Weinberg betrachten; das
Obst dort ist ausgezeichnet und die Feigen wurden
schon von Horaz hoch gelobt…
Audot, 1834
79
Forio. Ansicht vom
Strand Chiaia
Der Nestorbecher
In Villa Arbusto, Sitz des
Archäologischen Museums
von Pithecusae, ist der
berühmte Nestorbecher (750 v.
Chr.) ausgestellt, der eine
der ältesten griechischen
Inschriften trägt und eine
Anspielung auf den Becher des
Königs Pilo ist, der in Homers
Ilias zitiert wird: „von Nestor
… der gute Trinkbecher,
aber wer aus diesem Becher
trinkt, wird sofort von dem
Wunsch nach Aphrodite mit
der schönen Krone erfüllt“.
Blick auf Ischia vom
Gipfel des Bergs
Epomeo
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 80
Capri
80
„Einer der Hauptanziehungspunkte des Universums.“
So beschrieb der Schriftsteller und Maler Alberto
Savinio Capri, eine der berühmtesten Inseln der
Welt. Ein wahres Wunder aufgrund der
Verschmelzung von Land, Meer und Licht, die die
Natur auf diesem Felsen geschaffen hat, der aus den
Meerestiefen aufsteigt. Die Meeresgrotten, die
Klippen mit ihren außergewöhnlichen Formen, die
Vegetation an den steilen Felswänden, der
unvergleichliche Ausblick, die gute Mischung aus
Natur, Kunst und Mondanität machen Capri zu
einem Traumziel und einer gefeierten Insel.
Capri hat im Laufe der Jahrhunderte Schriftsteller,
Dichter, Musiker und Maler verzaubert. Viele
Regisseure haben es als Hintergrund für ihre Filme
gewählt, und berühmte Persönlichkeiten haben die
Cafétischchen der bekannten Piazzetta bevölkert.
Einer der ersten Verehrer dieser Insel war der
römische Kaiser Tiberius, der hier die letzten Jahre
seines Lebens verbrachte. Aber endgültig zur
Trauminsel stieg Capri Mitte des 19. Jh auf, als es
Besucher aus aller Welt als Wohnsitz auserwählten
und eine kosmopolitische Siedlung gründeten, die
den Mythos von Capri und der Grotta Azzurra schuf.
Der wichtigste Ort auf der Insel ist Capri, das man
vom Hafen Marina Grande aus mit dem Bus, Taxi
oder der Drahtseilbahn erreichen kann.
Sonne, Meer
und… Shopping
Capri ist wirklich
bezaubernd und hat das
richtige Flair, um hier
genussvoll einzukaufen. Für
all jene, die das neueste
Markenkleidungsstück,
wertvollen Schmuck oder
feine Häkelartikel suchen,
sind die malerischen
Straßen von Capri
(insbesondere Via
Camerelle) und Anacapri
ideale Orte, um sich alle
Wünsche zu erfüllen. In
kleinen Boutiquen und
Mittelpunkt der Ortschaft, die durch Häuschen mit
Terrassen und Lauben geprägt ist, ist die sehr bekannte
Piazzetta, wie die winzig kleine Piazza Umberto I liebevoll
genannt wird, die wie ein Salon unter freiem Himmel das
Zentrum des touristischen und mondänen Lebens bildet.
Der Platz wird von der Kirche Santo Stefano mit ihren
arabisch anmutenden Kuppeln und dem wertvollen
römischen Fußboden aus der Villa Jovis dominiert. Auf der
rechten Seite des Platzes steht der Palazzo Arcucci
(Fondazione Cerio) aus dem Jahr 1372.
Eines der bemerkenswertesten Gebäude der Architektur von
Capri ist das Kartäuserkloster San Giacomo. Im 14. Jh.
erbaut und im 17. Jh. erweitert blickt sie direkt zu den
Faraglioni, auf die sie ein herrliches Panorama bietet.
Trotz der zahlreichen Restaurierungen sind der
ursprüngliche Aspekt vor allem des mittelalterlichen Teils,
der von den für Capri typischen Außengewölben
gekennzeichnet ist, erhalten geblieben.
Nicht weit entfernt liegen die Gärten des Augustus, von
denen aus man einen herrlichen Blick auf die Faraglioni
und Marina Piccola hat.
Der Park, durch den kleine Wege und Treppchen führen, ist
eine grüne Oase mit einem eindrucksvollen Belvedere. Von
diesen Gärten aus erreicht man Marina Piccola auf der Via
Krupp, eine kleinen kurvenreichen Gasse, die bis zum
Meer hinabführt. Bei diesem Spazierweg gibt es zahlreiche
Aussichtspunkte auf die Meerestiefen. Der bekannteste
Spazierweg führt zum Belvedere Tragara, einer schattigen
Piazzetta mit Blick auf die Faraglioni und Marina Piccola.
Unterhalb Tragara beginnt die Straße, die zu den Faraglioni,
den drei berühmten Felsen, hinabführt. Der erste Felsen,
Stella, ist mit der Küste verbunden und 109 Meter hoch,
der mittlere Faraglione misst 81 Meter, der dritte mit dem
Namen Scopolo ist 104 Meter hoch und auf ihm lebt die
seltene blaue Eidechse.
Atemberaubende Landschaften inmitten einer reichen
Vegetation bieten sich auch auf dem Weg von Anacapri zum
Arco Naturale, einem steilabfallenden Felsentor im Meer.
Über eine Treppe erreicht man die Matermania Grotte,
eine große natürliche Höhle, die vermutlich bereits zu
römischer Zeit dem Kult der Cibele, der Magna Mater der
Latiner, geweiht war. Eingebaut in die Felsenlandschaft bei
Punto Masullo liegt die Villa Malaparte. Ende der 30-er
Jahre vom Architekten Adalberto Libera erbaut, wirkt das
Haus des Schriftstellers Curzio Malaparte mit seinem
exzentrischem Projekt noch heute außerordentlich modern.
winzigen Handwerksateliers
kann der Besucher die
lokalen Erzeugnisse
bewundern und kaufen. Zu
besichtigen sind auch die
Ateliers, in denen
unvergessliche Parfums aus
Blumen der Insel hergestellt
werden, und die
Ausstellungssäle, wo alle
Qualitäten des erlesenen
Limoncello von Capri
ausgestellt werden.
Weltberühmt sind auch die
Sandalen con Capri.
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Berühmte Reisende
Capri ist ein Wunder. Ja, ein Wunder!… Ich war drei
Mal in Capri, jeweils für längere Zeit und ich sage
dir: der Eindruck bleibt mir bis zu meinem Tod.
Ivan Sergejevitsch Turgenjew, 1871
81
Die Faraglioni
von Capri
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 82
Die Piazzetta von Capri
82
Auf dem nordöstlichen Teil der Insel steht die weitläufige
Villa Jovis, das wichtigste römische Zeugnis der Insel, die
Kaiser Tiberius erbauen ließ. Ein langer Weg geht dorthin
vom Wohngebiet von Capri aus, der an der kleinen Kirche
San Michele, am panoramareichen Park der Villa Astarita
vorbei zu den Ausgrabungsstätten führt.
Die prächtigen Ruinen beherrschen den herrlichen Blick zur
Sorrentiner Halbinsel bis hin zu einem Steilufer, das 330
Meter tief abfällt, dem sog. Salto di Tiberio, von wo, so
wird berichtet, der Kaiser seine Opfer hinabwerfen ließ.
Die Villa ist ein auf mehreren Ebenen angelegter
weitläufiger Palast mit vielen funktionellen Teilen
(Ankleideraum, Thermalbereich, Wohnbereich für die
Sklaven, Privatgemächer des Kaisers, Repräsentationssäle),
die um einen Kern angeordnet sind, der von vier riesigen
Zisternen eingenommen wird. In Anacapri erheben sich die
Ruinen einer anderen Kaiserresidenz, der Villa Damecuta.
Die andere Gemeinde der Insel heißt Aancapri und
ist etwas schlichter und ruhiger, mit reizenden
Gässchen, weißen Häusern mitten im Grünen und
ruhigen, eleganten Hotels.
Das bedeutendeste Bauwerk ist die Kirche San Michele
aus dem 18. Jh. nach Entwürfen von Domenico Antonio
Vaccaro, deren wunderbarer Majolikaboden besonders
beeindrucckt.
Hier befindet sich auch die bekannte Villa San Michele,
die von Axel Munthe, dem schwedischen Arzt und
Schriftsteller, der mehr als 50 Jahre auf der Insel gelebt hat,
auf römischen Resten erbaut wurde. Der Schriftsteller hatte
die Villa als Schauplatz für seinen Roman „Das Buch von
San Michele“ gewählt, womit er dazu beitrug, den Ruhm
von Capri in der Welt zu vergrößern.
Die elegante und originelle Villa ist mit Einrichtung aus
dem 18. Jh., Kunstschätzen und Resten aus der römischen
Zeit eingerichtet. Ein selten schöner Garten umgibt die
Villa.
Die Straße des Weins,
der Gastronomie
und der Traditionen
Die Insel Capri
Auf den sonnigen Hängen
Capris liegen die
Weinberge, in denen die
Rebsorten des Falanghina,
Biancolella, Greco und
Piedirosso angebaut
werden, aus denen die
DOC-Weine Capris
hergestellt werden. Ein
Spaziergang entlang der
Hänge des Monte Solaro
und zwischen den
Bauerngärten der Insel
bietet die Gelegenheit, die
Köstlichkeiten, die dieses
Von Anacapri aus führen ein Sessellift und ein Wanderweg
zum Gipfel des Monte Solaro (589 Meter), dem höchsten
Punkt der Insel, von wo aus man einen herrlichen Ausblick
genießen kann. Bei einem Urlaub auf Capri darf keinesfalls
ein Ausflug zur Blauen Grotte fehlen, deren Eingang
Besucher aus aller Herren Länder anzieht: Man erreicht sie
entweder auf dem Meerweg von Marina Grande oder vom
Land her von Anacapri: in beiden Fällen muss man in der
Nähe der Grotte in kleine Boote umsteigen, mit denen man
durch den engen Eingang in die Grotte gelangt.
Die Grotte, die bereits bei den Römern bekannt war und im
19. Jh. wiederentdeckt wurde, verdankt ihre faszinierende
Atmosphäre einem geologischen Phänomen, das eine
Absenkung von etwa 20 Metern verursacht hat, so dass der
Eingang fast unterhalb des Meeresspiegels liegt. Das Licht,
das vom Wasser gefiltert wird, schafft eine einzigartige
Nuance von intensivem Blau, das alles in der Grotte in
Silbertöne taucht. Die Grotte ist nicht sehr groß, 54 m lang,
14 m breit und 30 m hoch und geht durch die mit
zahlreichen Stalagtiten versehene sog. Galleria dei Pilastri,
der Säulengalerie, weit in das Berginnere.
Mit seinen zauberhaften Buchten und
Felsenvorsprüngen bietet Capri schöne, an die
Felsen geschmiegte Badeanstalten und einige vom
Meer her erreichbare Sandstrände. Badestrände an
der Felsküste gibt es bei den Faraglioni (zu Fuß von
Tragara aus mit einem schönen Spaziergang durch
einen Pinienhain erreichbar), und in Anacapri bei
der Blauen Grotte und am Leuchtturm. Sandstrände
dagegen gibt es in Marina Grande, Marina Piccola
und bei den Bagni des Tiberius. Um das Meer und
das unvergleichbare Szenarium der Felsenküste zu
genießen, sollte eine Inselrundfahrt mit dem Boot
eingeplant werden.
Land seit mehr als zwei
Jahrtausenden bietet, und
die Leckereien, die der
Mensch daraus herstellt, zu
probieren. Nicht versäumen
sollte man die berühmte
Torta Caprese (Capreser
Kuchen).
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 83
Berühmte Reisende
Plötzlich fand ich mich in einer außerordentlichen Grotte wieder (der Grotta Azzurra) und
ich stieß einen ungewollten Schrei der Bewunderung aus. Vor mir, um mich, über mir,
hinter mir sah ich Dinge, die zu wunderbar sind, um sie beschreiben zu können. Stellt
euch eine völlig blaue Grotte vor, so als ob Gott sich damit vergnügt hätte, ein Zelt mit
einigen Teilen des Firmaments zu bauen.
Alexandre Dumas, 1835
83
Die Blaue Grotte
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 84
Die Sorrentiner
Halbinsel
84
Sorrent
Berühmte Reisende
Wir fahren nach Sorrent hinab, an steilen, kleinen, von Mauern gesäumten Straßen
entlang; dahinter stehen dicht aneinander Zitronen- und Orangenhaine, mit ihren von
der Last der Früchte erschöpft nach unten hängenden Ästen, vorbei an Rosengärten
und blühenden Kamelien, Palmen und Pinien, die ihre grünen Spitzen in der Brise wiegen.
Louise Colet, 1863
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 85
85
Das wunderbare Szenarium macht die Sorrentiner
Halbinsel zu einem der berühmtesten Touristenziele
Italiens. Im Tyrrhenischen Meer eingebettet scheint
sie fast Capri zu berühren und erstreckt sich von
Castellammare di Stabia bis Punta Campanella, das
die unsichtbare Grenze zwischen dem Golf von
Neapel und dem von Salerno bildet. Kunst und
Tradition prägen viele Orte, unter denen der
berühmteste wohl Sorrent ist; dieser zauberhafte Ort
ist an einen imponenten Steilfels über dem Meer
gebaut und bewahrt wichtige Zeugnisse aus der
klassischen Zeit und dem Mittelalter, an die sich
architektonische Werke aus der Renaissance und
dem Barock anschließen.
In diesem reizenden Gebiet bieten sich genügend
Gelegenheiten zu einem Wellnessurlaub, wie in den
Thermalbädern von Vico Equense, einem der
malerischsten Zentren der Küste. Gerade in den
vielen Naturschönheiten liegt der Reiz dieses
Landstrichs, wobei die Küstenstraße sicher eine der
Kostbarkeiten der italienischen Landschaft ist.
Zwischen Hainen von Zitrusfrüchten, Olivenbäumen
und Weinbergen, die sanft zum Meer hin abfallen,
folgt die Straße dem Bergprofil und eröffnet dem
Touristen nach jeder Kurve zauberhafte Blicke auf
den Golf von Neapel, den Vesuv und Capri. Die
Küste ist hoch gelegen, zerklüftet und felsig mit
Kalkfelsen, die steil auf enge Buchten abfallen.
i
Azienda Autonoma
di Cura Soggiorno e
Turismo di Sorrento e
Sant’Agnello
via L. De Maio 35
tel. 081 8074033
www.sorrentotourism.com
Azienda Autonoma
di Cura Soggiorno
e Turismo di Vico Equense
via San Ciro 16
tel. 081 8015752
www.vicoturismo.it
Castellammare di Stabia
Archäologische
Ausgrabungen von Stabia
via Passeggiata Archeologica
tel. 081 8714541
Sorrento
Museo Correale di Terranova
via Correale 48
tel. 081 8781846
Vico Equense
Mineralogisches Museum
via San Ciro 2
tel. 081 8015668
Köstlichkeiten
der Halbinsel
Eine Reise durch die
Gaumenfreuden der
Sorrentiner Halbinsel muss
mit den berühmten Keksen
von Castellammare di
Stabia beginnen. Ganz in
der Nähe lohnt sich eine
Kostprobe der ausgezeichneten
Nudelwaren von Gragnano,
die von Handwerksbetrieben
noch mit alten Geräten
hergestellt werden. Vico
Equense dagegen ist bekannt
für seine in den 50-er
Jahren erfundene Pizza „al
metro“, eine rechteckige
Pizza, die „meterweise“
verkauft wird. Die berühmten
Nüsse und das Olivenöl mit
dem Gütezeichen DOP der
Sorrentiner Halbinsel sind
ebenfalls eine Probe wert.
Nicht vergessen darf man
die Straße des Weins und
der typischen lokalen
Produkte der Halbinsel;
auf einer Rundreise können
die Weinkellereien, Weinberge,
Handwerksstätten besichtigt
und in den Restaurants die
Produkte genossen werden.
(www.sito.regione.campania.it
/agricoltura/home.htm).
Das Gebiet ist berühmt für
die Herstellung von Weinen
mit langer Tradition, wie
Gragnano und Lettere.
Für Wanderungen entlang der
Halbinsel setzen Sie sich bitte
mit dem circolo Legambiente
„Il Gheppio“, vico Equense,
tel. 081 8024771 in
Verbindung.
Für Tauchausflüge in dem
Reservat Riserva Marina di
Punta Campanella ist eine
Genehmigung der örtlichen
Behörden in viale Filangieri
40 nötig.
Massa Lubrense
tel. 081 8089877
www.puntacampanella.org
erforderlich.
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 86
Nicht versäumen
Sorrent
Massa Lubrense
Baia di Ieranto
Die Sorrentiner Halbinsel
an einem Tag
Sorrent
Vico Equense
Massa Lubrense
Baia di Ieranto
Die Sorrentiner Halbinsel
in drei Tagen
Sorrent
Castellammare di Stabia
Vico Equense
Massa Lubrense
Nerano
Baia di Ieranto
Agerola
Kunst und Archäologie
Antiquarium Stabiano
(Castellammare di Stabia)
Bäder der Königin Giovanna
(Sorrent)
Museo Correale di Terranova
(Sorrent)
Museo della Tarsia lignea
(Sorrent)
Villa di Arianna
(Castellammare di Stabia)
Natur und Parks
Parco Naturale Regionale
dei Monti Lattari
Riserva Naturale Marina
di Punta Campanella
Für die jungen Leute
Nerano
Sorrent
Vico Equense
86
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 87
Einkäufe
Molkerieprodukte und Käse
Limoncello di Sorrento
(Zitronenlikör)
Möbel und Holzgegenstände
mit Intarsienarbeiten
Rosoli (Likör)
Mit Kindern unterwegs
Seilbahn zum Monte Faito
Mineralogisches Museum
(Vico Equense)
Strände in Vico Equense
87
Veduta della
Costiera Sorrentina
Gaumenfreuden
Gebäck (Castellammare)
Milchprodukte (Agerola)
Zitronen (Sorrent)
Nüsse (Sorrent
Pasta di Gragnano (Nudelwaren)
Pizza ‘a metro’
Provolone del monaco (Käse)
Treccia di fiordilatte
(Mozzarellazopf)
Limoncello (Zitronenlikör)
‘Delizia al limone’
(Zitronenköstlichkeiten)
Wein Penisola Sorrentina
Doc, Gragnano, Lettere
Thermen und Wellness
Beauty center der großen
Hotels
Terme di Stabia
Vico Equense
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:50 Pagina 88
Von Castellammare
di Stabia
bis Sant’Agata
sui Due Golfi
88
Castellammare di Stabia ist nicht nur für seine
Schiffswerften, sondern auch auch für seine
Thermalbäder bekannt.
Sein Name geht auf eine mittelalterliche Burg
(castrum ad mare) zurück, dem der Ortsname der
antiken Stadt Stabiae hinzugefügt wurde, die beim
Vesuvausbruch von 79 n. Chr. zusammen mit
Pompeji und Herculaneum zerstört wurde. Die
archäologischen Ausgrabungen haben auch an
diesem Ort antike Stadtstrukturen zu Tage gebracht,
wie die Nekropole Madonna delle Grazie und
zahlreiche römische Gebäude, von denen zwei, Villa
San Marco und Villa Arianna, besichtigt werden
können.
Vico Equense, das für seine Thermalbäder und
seine meterweise verkaufte Pizza berühmt ist,
bewahrt zahlreiche Zeugnisse aus der
Vergangenheit: die Kirche der Annunziata, die
einzige gotische Kirche der Sorrentiner Halbinsel,
die Burg Castello Giusso, die von den Anjou
gegründet und vom 17. bis 19.Jh. umgebaut wurde,
sowie das interessante Antiquarium, in dem
archäologische Funde (7.-5.Jh.v.Chr.) aus einer
Nekropole ausgestellt sind. Von Vico Equense führt
die Straße an den kurvenreichen Hängen der Monti
Lattari entlang.
Von Vico Equense führt die Straße an den
kurvenreichen Hängen der Monti Lattari entlang. Die
Straße führt dann bergab bis nach Meta, dem
Badeort mit den schönen Stränden Marina di Meta
und Alimuri. Bemerkenswert ist im Ortszentrum die
Basilika Santa Maria del Lauro.
Von Piano di Sorrento aus, einer natürlichen
Tuffsteinfelsenterrasse, kann man in der Ferne
Sorrent und hinter Punta del Capo die Umrisse von
Capri erkennen. In Sant’Agnello, das sanft zum
Meer hin abfällt, sind die Temperaturen selbst im
Sommer eher frisch. Unmittelbar danach liegt der
berühmteste Ort der Küste: Sorrent.
Zitronen im
Vordergrund
Die Zitronen der Halbinsel
sind berühmt, da sie zum
typischen Zitronenlikör
Limoncello verarbeitet
werden. Der beste, nicht
industriell hergestellte
Limoncello hat ein einfaches
Grundrezept: Zitronenschalen,
Alkohol, Wasser und Zucker.
Aber Sorrent ist auch Zentrum
für andere gastronomische
Delikatessen. Ein Spaziergang
durch die Stadt sollte immer
mit einem Zitronensorbet
und der berühmten
Zitronenspezialität „Delizia al
Limone“ abgerundet werden.
Die Stadt erhebt sich auf einem imposanten Tuffsteinsockel
mit tiefen Steilschluchten zum Meer hin. Die Häuser liegen
mitten im Grünen eingebettet in Orangen-, Zitronen- und
Olivenhainen. Umrahmt werden sie von den Hügelspitzen,
die den langen Rücken der Sorrentiner Halbinsel bilden.
Sorrent selbst ist ein ruhiger Ort, der zu jeder Jahreszeit mit
seinem milden Klima, den duftenden Gärten und Terrassen
mit herrlichem Ausblick aufs Meer ein wahrer Genuss ist.
Sein Ruf als Touristenort geht auf das 19.Jh. zurück, aber
seine Geschichte hat weiter zurückreichende Wurzeln: Der
Name Surrentum wird mit der Sage der Sirenen in
Verbindung gebracht und es heisst sogar, die Stadt sei von
den Phöniziern gegründet worden. Historisch steht jedoch
fest, dass die Stadt zu römischer Zeit bevorzugter Wohnort
der Aristokratie war. Piazza Tasso bildet das Stadtzentrum
und ist nach dem Dichter des Werks „Das befreite
Jerusalem“ („Gerusalemme Liberata“) benannt, dessen
Denkmal den Platz schmückt und der 1544 in Sorrent
geboren wurde. Der Dom geht auf das 15.Jh. zurück und
wurde im Laufe der Jahre öfter umgebaut. Im Chor findet
man fein ausgearbeitete Intarsienarbeiten, eine in der Stadt
berühmte Handwerkstradition.
Die Funde der Vergangenheit sind im Museum Correale
di Terranova aufbewahrt, das sich in den Räumen der
Residenz der Familie Correale befindet und nach Meinung
von Amedeo Maiuri „das schönste Museum der
italienischen Provinz“ ist. Die archäologische Abteilung mit
der berühmten „Base di Augusto“ (ein Basrelief) sowie der
mittelalterliche Teil mit Marmorarbeiten aus dem 10. Und
11.Jh. sind besonders bedeutend. Ferner bietet das
Museum eine reichhaltige Sammlung von Möbeln,
Porzellan und Gemälden.
Die Kirche San Francesco, von der aus man zur Villa
Comunale mit ihrem Park direkt über dem Meer und einem
wunderbaren Blick auf Neapel gelangt, stammt aus dem
18.Jh. Von der Villa aus führt eine kleine Straße nach
Marina Piccola, wo sich viele Strandbäder und ein Hafen
befinden, von dem aus die Fährschiffe und Tragflügelboote
nach Capri und Neapel abfahren. Der weitläufigste Strand
ist Marina Grande, an dem die Bewohner von Sorrent
gerne spazieren gehen.
Zitronen von Sorrent
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:51 Pagina 89
89
Kathedrale
von Vico Equense
Das Sorrentiner
Intarsienkunsthandwerk
Die Holzverarbeitung hat in
Kampanien alte Ursprünge
und eine antike Tradition;
ein Kapitel für sich steht
dabei sicher der Tradition
der Sorrentiner
Intarsienarbeiten zu. Was
diese Intarsien einmalig
macht, sind nicht nur
Meisterhand und die
Phantasie des Künstlers,
sondern auch die genaue
Kenntnis des Holzes. Denn
es ist schwierig, die
unterschiedlichen Holzarten
und – qualitäten zu kennen
und auszuwählen, um eine
farbliche Nuancierng zu
kreiieren, durch die die
feinen Entwürfe umgesetzt
werden können.
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:51 Pagina 90
Berühmte Reisende
Ich kann mir gut vorstellen, dass das irdische Paradies ungefähr wie
Capo di Sorrento aussieht. Vor meinem Fenster erstreckt sich
smaragdfarbenes Meer, während Olivenwälder, Orangen- und
Zitronenhaine fast bis zur Türschwelle vordringen. Erst jetzt komme ich
wieder zu Sinnen vor dem Anblick all dieser Gnaden Gottes.
Isaak E. Babel, 1931
90
Nach Punta del Capo, wo sich die Ruinen der Villa
di Pollio Felice (1.Jh.n.Chr., bekannt als Bagni
della Regina Giovanna, Bäder der Königin
Giovanna) erstrecken, erreicht man Massa
Lubrense, einen Luftkurort mit wunderschönem
Panoramablick. Diese Ortschaft ist weniger bekannt
als andere Zentren der Halbinsel und von den
Touristen weniger heimgesucht, weshalb hier auch
der ursprüngliche, bescheidene Charakter, den alte
Bauernhäuser prägen, und Aromen, die anderswo
verloren gegangen sind, erhalten geblieben sind.
Ganz in der Nähe befindet sich Marina della Lobra,
ein direkt am Strand gebauter Fischerort und kleiner
Hafen.
Hier stößt der Reisende auch auf den wilden und
bezaubernden Charakter der Küste. Man kann die
faszinierende Natur entlang eines Wanderweges
erkunden, der in die eindrucksvolle, felsige Bucht
Baia di Ieranto am Fuße des Monte San Costanzo
führt, die von der italienischen Naturschutzstiftung
FAI (Fondo Ambiente Italiano) geschützt wird.
Von Massa Lubrense aufwärts erreicht man die
Ortschaft Sant’Agata sui Due Golfi, von wo aus
man einen herrlichen Blick auf die beiden Golfe von
Neapel und Salerno genießen und weiter zur
Karmelitanereinsiedelei Deserto (Wüste) aus dem
17.Jh. gehen kann.
Um Massa Lubrense liegen viele zauberhafte kleine
Ortschaften, wie Termini, Nerano, ein kleiner Ort
mit zum Meer hin auf halber Küstenhöhe gebauten
Häusern und Terrassenlauben sowie das weitläufige
und wunderschöne Marina del Cantone. Von
Massa aus gelangt man an der Küste bis zur
äußeren Spitze der Sorrentiner Halbinsel nach
Punta Campanella, das direkt Capri vorgelagert ist.
In der Antike war dies ein heiliger Ort, so soll hier
ein griechischer, den Sirenen geweihter Tempel,
gestanden haben, der von den alten Schriftstellern
erwähnt wird. In der klassischen Epoche war der
Tempel Athene geweiht, die Römer bauten später
eine Straße, die von Sorrent aus hierher führte. Das
Ende der Steinstraße ist gegen Punta zu an einigen
Stellen noch sichtbar. Der Leuchtturm aus dem Jahr
1335, der 1566 neu errichtet wurde, kündigte die
Ankunft von Piraten durch den Klang einer Glocke
(campana) an, nach der dieser Ort auch benannt
wurde.
Der Wallfahrtsort
der Taucher
Vom Felsen Vervece, der
von Massa Lubrense aus
gut sichtbar ist, sprang
1974 Enzo Maiorca ins
Meer und stellte den
Weltrekord im Freien
Tauchen (87m) auf. Jedes
Jahr am zweiten
Septembersonntag wird
eine Messe auf der kleinen
Insel gefeiert, danach
bringen die Taucher der
kleinen, 15 m tief liegenden
Bronzemadonna Blumen
dar.
Auf den Wanderwegen
der Halbinsel
Einen Tag zu Fuß auf den
Wegen der Halbinsel zu
verbringen ist die beste Art,
um die Schönheiten der
Landschaft dieser
natürlichen, auf den Golf
von Neapel und Salerno
blickenden Terrasse zu
entdecken. Die Lattari-Berge
bilden mit ihrem bewegten
Verlauf das Skelett der
Halbinsel, reich an
Anhöhen, Felsvorsprüngen,
Halbinseln und tiefen
Einschnitten. Die
angebotenen Wanderwege
sind sehr
abwechslungsreich in
Hinblick auf Länge und
Schwierigkeitsgrad. Von
Punta Campanella, das zum
Meeresnaturschutzgebiet
ernannt wurde, können
erfahrene Exkursionisten die
bezaubernde Bucht Baia di
Ieranto erreichen.
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Berühmte Reisende
Ich erinnere mich sehr gut an jenen Ort und jenen Moment, als der Wagen, der mich
auf der Straße, die von Sorrent nach Sant’Agata führt, den Hügelrücken der Sorrentiner
Halbinsel überwunden hat und vor mir schlagartig das andere Meer, der Golf von
Salerno und die kleinen „Isole Sirenuse“, die Sireneninseln, lagen; die ganze Landschaft
um mich war auf einmal karg, nackt und wild, ohne Baum noch Haus, und vor mir nur
eine Reihe von Kurven, unter denen es steil ins Meer ging, in den Abgrund, und die
kleine Straße, die sich mutig zwischen den Felsvorsprüngen vorarbeitete und an einem
Abgrund nach dem anderen vorbeiführte.
Raffaele La Capria, 1992
Massa Lubrense
Das Meeresschutzgebiet
Punta Campanella
Dieses Gebiet ist ein
Meeresschutzgebiet (1539
ha Meeresgrund) zwischen
der Sorrentiner Halbinsel
und Capri mit
beeindruckenden
Unterwassergrotten, von
denen wohl die Grotta della
Cala di Mitigliano die
spektakulärste ist. Im
Naturschutzgebiet können
auch Unterwasserausflüge
unternommen werden.
91
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Die Amalfitanische
Küste
92
Villa Cimbrone in Ravello
Berühmte Reisende
Der Tag des Jüngsten Gerichts wird für die Bewohner von
Amalfi, die das Paradies erblicken werden, ein Tag wie jeder
andere sein.
Renato Fucini, 1878
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93
Der unvergleichbare Reiz der amalfitanischen Küste
hat Reisende aus allen Ecken der Welt bezaubert.
Die schillernd grünen Terrassen, die über dem Meer
zu schweben scheinen, das Kunsterbe und die
typische Architektur ließen sie zu einem der
berühmtesten Orte der Welt aufsteigen; diese wilde,
kühne und doch romantische Küste ist eine
Pflichtetappe bei einer Reise durch Italien.
Geographisch gesehen ist die „Costa delle Sirene“
(Sirenenküste) der südliche Teil der Sorrentiner
Halbinsel, der im Norden den Golf von Salerno
abschließt.
Die Landschaft ist geprägt durch beeindruckende,
steil ins Meer abfallende Felsen, zahlreiche
Meerbusen und Buchten wie die zauberhafte Grotta
dello Smeraldo in Conca dei Marini und der Fiordo
di Furore. Zwischen atemberaubenden Gefällen und
unzugänglichen Steilhängen findet man an manchen
Stellen eine nahezu unberührte Natur, wie die
Naturoase Oasi di Vallone di Porto.
Die Dörfer an der „göttlichen Küste“ sollten alle
entdeckt und dabei der Blick auf das blaue Meer, die
beeindruckenden Ausblicke, Kunstschätze und das
lebhafte mondäne Leben, ebenso wie ein
Einkaufsbummel durch die typischen Boutiquen der
„Moda di Positano“ und der Werkstätten der
Keramik aus Vietri oder die traditionelle lokale
Küche genossen werden.
i
Azienda Autonoma
di Cura Soggiorno e
Turismo di Positano
via del Saracino 4
tel. 089 875067
www.aziendaturismopositano.it
Azienda Autonoma
di Cura Soggiorno e
Turismo di Amalfi
via delle Repubbl. Marinare
tel. 089 871107
www.amalfitouristoffice.it
Azienda Autonoma
di Cura Soggiorno e
Turismo di Ravello
via Roma 18 bis
tel. 089 857096
www.ravellotime.it
Azienda Autonoma
di Cura Soggiorno e
Turismo di Maiori
corso Reginna 73
tel. 089 877452
www.aziendaturismo-maiori.it
Comunità Montana
dei Monti Lattari-Penisola
Sorrentina
Via A. Coppola 1 - Agerola
tel. 081 8025811
Amalfi
Museo Civico
Pal. Morelli - p.zza Municipio 1
tel. 089 8736211
Museo della Carta - Pal. Pagliata
via delle Cartiere 23
tel. 089 8304561
Parco Regionale
dei Monti Lattari
Der Regionalpark Monti
Lattari umfasst die
Sorrentiner und
Amalfitanische Halbinsel
und trennt den Golf von
Neapel vom Golf von
Salerno durch ein Gebiet,
das rasch von über 1000 m
auf eine zerklüftete und wilde
Küste abfällt. Begeisterte
Ausflügler finden hier 34
markierte Wanderwege, die
den gesamten Bereich
durchziehen, darunter auch
der wohl reizvollste
sogenannte „Sentiero degli
Dei“ (Götterpfad).
Das zu jeder Jahreszeit
milde Klima und die
unberührte Natur
begünstigen die Land- und
Meeresfauna und die
natürlich üppige Flora, in die
sich Weinberge, Olivenhaine
und terrassenartig angelegte
Zitrushaine bestens einfügen.
Conca dei Marini
Grotta dello Smeraldo, von
der Staatsstraße SS 163 mit
Lift oder auf Treppen und vom
Meer über einen künstlich
angelegten Weg. Von Amalfi
aus geführte Bootsausflüge
(Tel. 089 873190)
Maiori
Museo della Collegiata di
S.Maria a Mare - largo Campo
tel. 089 877090
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Nicht versäumen
Dom von Amalfi
Positano
Dom von Ravello
Die Küste an einem Tag
Amalfi
Positano
Die Küste in drei Tagen
Amalfi
Ravello
Positano
Fiordo di Furore
Vietri sul Mare
Archipel Li Galli
Kunst und Archäologie
Dom von Amalfi
Dom von Ravello
San Giovanni del Toro
(Ravello)
Villa Rufolo (Ravello)
Abtei Santa Maria de Olearia
(Maiori)
Natur und Parks
Parco Naturale Regionale
dei Monti Lattari
Riserva Naturale Marina
di Punta Campanella
Riserva Naturale Statale Valle
delle Ferriere
Für die jungen Leute
Amalfi
Maiori
Positano
Paiano
94
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Einkäufe
Keramik aus Vietri sul Mare
Limoncello di Amalfi
(Zitronenlikör)
Moda (Bekleidung)
in Positano
Wein
Mit Kindern unterwegs
Museo della carta
(Papiermuseum) Amalfi
Positano
Riserva Naturale Valle
delle Ferriere
Strand von Maiori
95
Amalfiküste
Gaumenfreuden
Colatura di alici
Sardellensosse (Cetara)
Zitronen aus Amalfi
Pasta aus Minori
Roter Thunfisch aus Cetara
Wein Costa d’Amalfi Doc
Thermen und Wellness
Beauty center der großen
Hotels
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Von Positano
bis Amalfi
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Positano liegt, eingebettet in die mediterrane
Vegetation, in den Berg gehauen und ist so ein
malerischer Ort, dass er ein natürliches
Theaterbühnenbild zu sein scheint. Vom Meer aus
sieht der Ort wie eine große Weihnachtskrippe aus,
wie ein Wasserfall bunter Häuser, der vom Hang
nach unten fällt.
Der Ort ist senkrecht angelegt und die eng
aneinander gereihten Wohnhäuser sind durch kleine
zum Meer hin gerichtete Bogengänge und Bögen in
Pastelltönen charakterisiert, die den Eindruck von
Edelsteinfacetten erwecken. Nicht umsonst wird
Positano auch „der Edelstein der göttlichen Küste“
genannt.
Die engen Gassen mit den zahlreichen Boutiquen
führen steil zwischen den Häusern hinab zum
großen Strand Marina Grande. Von hier aus hat
man sowohl auf das Meer, als auch auf das den Berg
hochkletternde Dorf einen herrlichen Blick.
Auf dem Hauptplatz von Positano steht die
Pfarrkirche Santa Maria Assunta aus dem Jahre
1000. Die große, bunte Majolikakuppel ist überall im
Ort sichtbar. Die kleinen zauberhaften Strände
Fornillo, Fiumicello und Arienzo sind zu Fuß in
wenigen Minuten erreichbar.
Einkäufe in Positano
Positano ist gleichbedeutend
mit Sommermode. Im
Gewirr der kleinen Gässchen
ist ein Wunder der Mode
„Made in Positano“
entstanden, wo dutzende
Boutiquen ihre inzwischen
weltbekannten extravaganten
Kleidungsstücke anbieten.
Die Stoffe und Farben sind
bei der Sommermode
tonangebend, vom Pareo bis
zum Bikini, von der
Strandbekleidung und
eleganten Abendkleidern bis
Positano ist ein beliebter Ferienort der VIPs: Um
1940 lebte die Malerin Irene Kowaliska in der Villa
Sette Santi und insipirierte sich bei ihren
Stoffmalereien an Positano; Villa Stella Romana
beherbergte als Gast unter anderem Papst Johannes
Paul II. Viele berühmte Persönlichkeiten aus der
Welt der Kunst, Mode und der Medien verbringen
hier gern erholsame Urlaubstage.
Nur wenige Seemeilen entfernt liegt das kleine
Archipel Li Galli oder auch „Sirenuse“, das die drei
Inseln Gallo Lungo, Rotonda und Castelluccio
umfasst, die seit jeher als Aufenthaltsort der Sirenen
galten. Aber Positano bedeutet nicht nur Meer, denn
bei schönen Ausflügen kann man die
beeindruckende Umgebung der Monti Lattari, wie
Montepertuso besichtigen, wo die Madonna in
einem Felsspalt erschienen sein soll. Über eine
1700 Stiegen lange Treppe gelangt man nach
Nocelle. In diesem Ortsteil beginnt der berühmte
Götterpfad, von dem aus man bezaubernde
Ausblicke auf die gesamte Küste genießen kann.
Oder aber man geht an der Küste weiter zur schönen
Punta San Pietro, wo sich eine kleine Kirche auf
einem Steilfelsen über dem Meer erhebt.
hin zum Brautkleid. Das
handgefertigte
Lederschuhwerk kann nach
Maß bestellt werden. Ebenso
können typische Keramik,
Bilder der vielen Künstler,
die ihre Ansicht des
zauberhaften Golfs
ausstellen, erworben und
viele typische lokale
Produkte verkostet werden.
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:51 Pagina 97
Berühmte Reisende
Positano berührt den Reisenden im tiefsten Herzen. Es ist ein traumhafter, fast
unwirklich scheinender Ort solange man hier weilt, geplagt aber ist man angesichts der
Wirklichkeit von Heimweh, sobald man diesen verlassen hat. Die Häuser sind so steil an
den Hang gebaut, dass sie einen Steilfelsen zu bilden scheinen, wären da nicht die
Treppen, die in den Stein gehauen sind… Das so unglaublich tief blaugrüne Wasser der
kleinen kurvigen Bucht umspült sanft den mit Kieselsteinchen bedeckten Strand.
John Steinbeck, 1953
97
Positano
Li Galli
Der Mythos der Sirenen
Das vor Positano gelegene
Archipel der Sirenuse (heute
Li Galli genannt) bestehend
aus drei felsigen Inselchen,
galt seit alten Zeiten als Sitz
der mythologischen
Sirenen, die die Seefahrer
mit ihrem lieblichen Gesang
bezauberten und Schiffbruch
erleiden ließen.
Der Mythos sollte als
Warnung dienen, denn die
Inseln waren für die
Seeleute ein Bezugspunkt,
an den sie sich aber nicht zu
sehr annähern durften, da
sie sonst Gefahr liefen,
gegen die Klippen zu fahren.
Auf der Insel Gallo Lungo
baute der russische Tänzer
und Choreograph Léonide
Massine 1924 eine Villa, die
1927 von Le Corbusier
umgebaut und später von
Rudolf Nurejev erworben
wurde.
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Amalfi
Valle delle Ferriere
98
An einem mit Weinbergen und Olivenbäumen
bebauten Hang trifft man auf Furore. Der antike
Name für dieses Gebiet war Terra Furoris wegen des
ohrenbetäubenden Geräusches, das in
Gewitternächten das Meer und der Wind gemeinsam
beim Aufprall gegen die Fjordwände erzeugten, die
als Steilhänge am Rand der Hochebene bei Agerola
ins Meer abfallen. Eine steile Treppe geht hier
abwärts. Die Faszination, die von diesem Küstenteil
mit seinem Fjord zwischen Weinbergen und Hängen,
kleinen Häuschen und dem Meer ausgeht, ist
unwiderstehlich.
Praiano, das auf halber Küste auf dem
Felsvorsprung Capo Sottile liegt, war die
Sommerresidenz des Dogen von Amalfi, was bereits
ein früher Beweis für die Bestimmung von Amalfi als
Ferienort war. Der untere Ortsteil zieht sich in
Richtung Marina di Praia, einem zwischen zwei
Felswänden eingebetteten Strand. In Guardia della
Marina steht einer der beeindruckendsten
Aussichtstürme der Küste.
Das nahe Conca dei Marini ist ein in den Fels
gehauenes Fischerdorf, das einen selten schönen
Ausblick bietet. Die beiden Endpunkte dieser
wunderschönen Bucht sind Capo di Conca, das von
dem im 16.Jh. erbauten Turm Torre di Conca
überragt wird, der Zeugnis über die grausamen
Piratenüberfälle ablegt, und die Grotta dello
Smeraldo (Smaragdgrotte). Das durch den Spalt
eindringende Meer nimmt ein intesives Grün an, das
durch das vom Licht gefilterte Wasser erzeugt wird.
Diese Grotte zieren viele Stalaktiten und Stalagmiten,
die oft zusammengewachsen sind und mehr als 10m
hohe Kalksäulen bilden. Von Conca aus erreicht
man die in 650 m Höhe zwischen Wäldern und
Wiesen gelegene Hochebene von Agerola. Diese
bereits seit der Antike bekannte Gegend mit ihren
blühenden Weiden ist berühmt für die Herstellung
von ausgezeichneten Milchprodukten und den
Ausblick auf die Küste.
Die Votivkapellen
von Praiano
Auf das gesamte Gebiet von
Praiano sind die
sogenannten „edicole votive“,
kleine Miniaturkapellen aus
Majolikakacheln oder an die
Wände gemalte Kapellen,
verteilt.
Sie stellen ein Zeugnis der
natürlichen Volksverehrung
dar; diese wurden auf die
Hauswände oder
Trennwände zwischen
Grundstücken gemalt, um
den göttlichen Schutz zu
erflehen.
Das Zentrum und historische Herz der Küste ist
Amalfi. Vom Hafen aus betrachtet scheint Amalfi
zwischen dem heiteren blauen Himmel und dem
Meer wie in einer offenen Hand eingebettet zu
liegen. Über dem Ort das Szenarium der Berge, das
wie ein mit Häusern versehenes Bühnenbild
gegliedert ist; unten dagegen ein malerisches Bild
mit Gassen und Treppen bis zum großen Platz, auf
dem der majestätische Dom mit der berühmten
Treppe prangt. Ein einzigartiges Schauspiel, in dem
Geschichte und reizvolle Natur harmonisch
verschmelzen. Zwischen den Hängen der Monti
Lattari und dem Meer scheinen die malerischen
Gassen von Amalfi zu schweben, in denen sich
zahlreiche Touristen tummeln. Einst erlebte dieser
Ort den Ruhm der mächtigen Seerepublik, die ihre
Blütezeit zwischen dem 10. und 12.Jh. hatte und der
es gelang, Langobarden und Sarazenen
standzuhalten. Amalfi unterhielt reich und stark
bevölkert äußerst regen Handelsverkehr mit dem
Orient. Eingedenk dieser antiken Macht wird in
Amalfi alle vier Jahre im Juni die „Regata storica
delle antiche Repubbliche Marinare“ („historische
Regatte der antiken Seerepubliken“) veranstaltet.
Das in den Steilhang der Küste gehauene Stadtbild
von Amalfi ist vom berühmten Dom aus dem 9.Jh.
geprägt. Seine Lage am Ende einer steilen Treppe,
die zwischen eng aneinander liegenden und um
einen Platz gereihten Häusern hochklettert, verleiht
der Altstadt eine besondere Note. Besonders
imposant ist die polychrome Fassade der Kirche, die
von Emailwerk, Mosaiken und einem goldenen
Tympanon erhellt wird. Spuren des Mittelalters
findet man noch im eleganten Paradieskreuzgang
mit seinen arabisch anmutenden Linien. Vom
Kreuzgang gelangt man in die Kreuzeskapelle, in der
das Diözesanmuseum untergebracht ist. In der
Kapelle ist auch der Eingang zur Krypta, die auf das
13.Jh. zurückgeht. Das architektonische Gesamtwerk
ist eines der besten Beispiele der amalfitanischen
Romanik. Ein Besuch Amalfis, der über die
bekannten Touristenziele hinausgeht, sollte einen
Besuch der Antichi Arsenali (Altes Arsenal)
einschließen, in denen die berühmten Großgaleeren
mit über 100 Rudern hergestellt wurden, die zum
Warentransport der Güter aus dem Orient bestimmt
waren.
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:51 Pagina 99
99
Das Papier von Amalfi
Es gibt keine urkundliche
Bescheinigung über den
Beginn der
Papierherstellung, aber eine
Darstellung ist uns von
Friedrich II. von
Hohenstaufen überliefert; im
Jahr 1220 verbot er den
Notaren des Reichs und
vornehmlich denen aus
Amalfi, sogenanntes
„Bambagina“-Papier, wie
Papier damals genannt
wurde, für die Abfassung
von Urkunden zu
verwenden, da man es für
leichter verderblich hielt als
Pergament. Aber die
Verbreitung des Papiers
wurde nicht gebremst und
dehnte sich auf die gesamte
Küste aus, vor allem
nachdem das Trienter Konzil
die Pfarrkirchen
verpflichtete die Todesfälle
und religiösen Ereignisse
auf Urkunden zu übertragen.
Im 15.Jh. erlangte das
Papier von Amalfi derartige
Berühmtheit, dass viele
ausländische Schriftsteller
ihre Werke in Neapel
veröffentlichten, um das
wertvolle Material zu
verwenden. Noch heute
wird, wenn auch in
geringem Maße in den
Praiano
Papierwerkstätten Amalfis,
die wohl zu den ältesten
Europas zählen, das
wertvolle, von Hand
gefertigte Papier für
künstlerische Zwecke oder
Luxusausgaben hergestellt.
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:51 Pagina 100
Berühmte Reisende
Der Steilhang von Amalfi versinkt in einem Netz von klaren Farben, die niemals die
faulen und langweiligen Kontraste gewisser berühmter tropischer Jahreszeiten von
Reiseaufzeichnungen wiederholen. Hier ist der Garten, den wir immer und umsonst
suchten, nachdem wir die vollkommenen Orte der Kindheit erlebt haben.
Salvatore Quasimodo, 1966
100
Im Palazzo Morelli, dem Sitz der Gemeinde und
des Heimatmuseums, wird die sogenannte Tabula
Amalphitana aufbewahrt, einer der ersten
Schifffahrtskodices aus der Zeit der Seerepublik, der
im gesamten Mittelmeerraum gültig war. Im
Museum befinden sich auch die berühmten
Zeichnungen von Domenico Morelli, einem im
19.Jh. sehr bekannten Maler, dessen Bilder einige
Mosaike für den Dom inspiriert haben.
Amalfi ist auch für sein von Hand gefertigtes Papier
berühmt. Die ersten Papierherstellungsorte
entstanden im Tal Valle dei Mulini, wo sich heute
das Papiermuseum befindet. Diese Gegend, durch
die der Fluss Canneto fließt, bildet zusammen mit
der nahe gelegenen Valle delle Ferriere ein
zauberhaftes Stück Natur, das zum biogenetischen
Naturschutzgebiet erklärt wurde. Der Aufstieg von
Amalfi ist zwar mühsam, aber sehr reizvoll. Man
stößt auf Reste alter Mühlen, die die ehemaligen
Papierwerke mit Wasser speisten, und auf
geheimnisvolle Natur mit Quellen, Wasserfällen und
Meeresansichten, die man nur durch die dichte
mediterrane Macchia erspähen kann.
Mit seinen Gassen, Bögen, Höfen, Plätzen und
typischen „scalinatelle“ (Treppchen) erscheint der
Ort fast wie eine lebende Krippe über dem Meer.
Atrani wendet sich dem Meer mit dem
charakteristischen Profil der Kirche Maddalena
(1274) zu, deren Kirchturm und Kuppel mit
farbenfroher Majolika dekoriert ist. Die Kirche San
Salvatore de’ Bireto auf der Piazzetta Umberto I im
neoklassizistischen Stil wurde 940 gegründet. In
dieser Kirche fanden die Zeremonien zur Wahl und
Einsetzung der Dogen der Seerepublik statt.
Die Grotta dei Santi erreicht man über die
Staatsstraße, wo noch die Ruinen des alten
Benediktinerklosters Santi Quirico e Giulitta aus dem
Jahr 986 erkennbar sind. Die kleine Grotte ist mit
Fresken im byzantinischen Stil aus dem 12.Jh.
geschmückt.
Atrani, das fast mit Amalfi zusammengewachsen ist,
konnte im Gewirr seiner Gassen, Treppen und
Überführungen seine mittelalterliche Straßenstruktur
bewahren. Zur Zeit der Seerepublik Amalfi wohnten
die Adelsfamilien in Atrani. Hier wurden die Dogen
gekrönt und begraben.
Die Treppen an der
Küste
Was wäre die Amalfitanische
Küste ohne ihre Treppen?
Sie sind die Eigenheit der
Orte, rasches Kommunikationsmittel und unentbehrlich
um schnelle, unwegsame
Höhenunterschiede zu
überwinden. In kurzer Zeit
gewöhnt sich auch der
Tourist an diese
Anstrengung und weiß
schließlich den malerischen
und vor allem
umweltfreundlichen Aspekt
und nicht zuletzt den Nutzen
zu schätzen sich von Stress
und Lärm der Stadt zu
entgiften und zu erholen.
Die Weinstraße Costa
d’Amalfi
Die Weinstraße schlängelt
sich durch steile mit
Weingärten gezierten
Terrassen und unerwarteten
Meerespanoramen,
Schluchten und
Steilhängen, an denen
kleine Küstenorte empor
klettern. Hier werden
traditionelle Rebsorten mit
reizvollen ortsspezifischen
Namen angebaut, so wurde
hier Falanghina zu Bianca
Zita, Biancolella zu Bianca
Tenera, Sciascinoso zu
Olivella. Die Weine werden
im DOC Gebiet Costa
d’Amalfi und Ravello
produziert
(www.sito.regione.campania.it
/agricoltura/home.htm).
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101
Grotta dello
Smeraldo
Dom von Amalfi
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Von Ravello
bis Vietri
102
Ein Juwel der Amalfitanischen Küste ist Ravello,
das 350 m hoch liegt und wo man aufgrund von
Lichteffekten und magischer Architektur selten
schöne Aussichten genießen kann. Sein Name
wurde bereits von Boccaccia im Decameron
verewigt.
Ravello ist berühmt für seine ruhige Atmosphäre
und bietet architektonische Perlen seltener Eleganz.
Ein Beispiel dafür ist der Dom aus dem 11.Jh., der
dem Hl. Pantaleon geweiht ist, und in dem
zahlreiche kunsthistorische Schätze aufbewahrt
werden, wie die mittlere Bronzetür mit ihren 54
Tafeln. Rechts vom Dom weist ein Quaderturm den
Eingang zur Villa Rufolo. Die ursprünglichen
Baustrukturen der Villa, die in einem riesigen Park
mit mediterraner und exotischer Flora versinkt,
gehen auf das 13.Jh. zurück; noch heute sind
Bauelemente arabisch-sizilianischer Architektur
eindeutig erkennbar. Wunderschön ist die arabisch
anmutende polychrome Kolonnade des Kreuzgangs.
Der Garten ist einer der schönsten Kampaniens.
Natur und Menschenwerk schaffen eine zauberhafte
Atmosphäre, Alleen sind gesäumt von Linden und
Zypressen, Blumen wachsen wie Kaskaden; vom
Belvedere aus scheint das Meer endlos zu sein. Im
Garten der Villa werden im Sommer jährlich
Konzerte im Rahmen des Ravello Festivals
veranstaltet. Wagner ließ sich im Garten der Villa
Rufolo für den Garten von Klingsor in seinem
Parsifal inspirieren. Beachtung verdient auch das
neue Auditorium Oscar Niemeyer, das das
Musikangebot Ravellos zusätzlich bereichert.
Villa Cimbrone war ursprünglich ein einfaches
Landgut, das 1904 von Ernest William Beckett
gekauft wurde, der es in eine wunderschöne Villa
umbauen ließ. Hier weilten berühmte
Persönlichkeiten wie Winston Churchill oder Greta
Garbo. Eine besondere Atmosphäre vermittelt der
Künstler in Ravello
Außer Wagner fanden auch
andere Musiker, Schriftsteller
und Künstler hier einen „Ort
der Seele“; so gehen viele
Erfindungen von Griegs Peer
Gynt auf die Wälder von
Ravello zurück. Toscanini,
Leonard Bernstein,
Rostropovitsch, Bruno Walter
verbrachten hier glückliche
Tage. Ravello wurde unter
anderen von Mirò, Escher,
und Anfang des 19.Jh.
Turner, dessen bezaubernde
Küstenansichten in der Tate
Kreuzgang der Villa, in dem man auch auf antike
arabisch-sizilianische Stilelemente stößt.
Das Belvedere ist eine unvergleichlich schöne
Terrasse in die Unendlichkeit.
Sehenswert sind auch die Kirchen San Giovanni
del Toro aus dem 12.Jh., die eine herrliche, reich
mit Mosaiken verzierte Kanzel beherbergt, und
Santa Maria a Gradillo aus dem 12.Jh.
Interessant ist das Korallenmuseum (Museo del
Corallo), in dem handgemachte Korallenarbeiten,
Kameen, gravierte Perlmuttgegenstände und
Muscheln von römischer Epoche bis ins vergangene
Jahrhundert ausgestellt werden. Ganz in der Nähe
von Ravello liegt Scala, einer der malerischsten
Winkel der Küste, in dessen Dom eine
Holzkreuzabnahme aus dem 13.Jh. aufbewahrt wird.
Minori, ein bezaubernder Badeort, dessen rosa
Häuschen den kleinen Strand dominieren, bietet
dem Besucher auch eine herrliche Landschaft.
Wegen seiner vorteilhaften Küstenlage wurde es
bereits in der Antike von den Römern als Ort
gewählt, um hier der Muße (otium) zu frönen, wie
zahlreiche Baureste, unter anderen die Villa
Romana (1.Jh.n.Chr.), ein grandioser
archäologischer Komplex von 2.500 m2 belegen:
Sehenswert sind das Viridarium (Garten), das
Triklinium-Nymphaeum sowie die herrlichen
Mosaike. Im Museum des Antiquariums sind
Funde aus dem 1.Jh.v.Chr. zu sehen. In der
Stadtmitte erhebt sich nahe des kleinen Hafens die
Basilika der Stadtpatronin Santa Trofimena, die im
12.Jh. erbaut wurde. Viele andere kleine Kirchen
und Türme sind über das Gemeindegebiet verstreut.
Gallery zu sehen sind, sowie
dem Schriftsteller und
Kunstkritiker Ruskin besucht.
Forster, der Autor von
Zimmer mit Ausblick,
beschreibt
Landschaftsperspektiven;
David Herbert Lawrence
schrieb hier zahlreiche
Kapitel des Romans Lady
Chatterleys Geliebte und
André Gide lässt hier Teil
seines Romans Der
Immoralist spielen. Viele
andere kamen hier her, um
die einzigartigen
Schönheiten zu genießen
oder sich hier für immer
niederzulassen, wie Virginia
Woolf, Paul Valéry, Graham
Green, Tennessee Williams,
Rafael Alberti, Gore Vidal.
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Berühmte Reisende
… in der Nähe von Salerno liegt eine Küste über dem Meer, die von den Bewohnern
Küste von Amalfi genannt wird, voller kleiner Orte, Gärten und Brunnen, und reichen
Leuten und Händlern wie kaum woanders. Unter diesen Städten ist eine, die Ravello
genannt wird.
Giovanni Boccaccio, 1351
103
Villa Rufolo
Villa Cimbrone
Dom von Ravello
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Römische Villa in Minori
104
Maiori darf sich angesichts seines besonders
langen Strandes und der schönen Seepromenade
des größten Tourismus- und Hotelangebots des
Gebietes rühmen. Burgruinen und Türme bezeugen
den einstigen Glanz des Mittelalters, als dieser Ort
von Stadtmauern und Befestigungen umgeben und
verteidigt war. Dominiert wird das Ortsbild von der
Kirche Santa Maria a Mare; jährlich wird hier am
15. August mit Feierlichkeiten eines Ereignisses im
Jahre 1204 gedacht, als Seeleute eine Statue der
Jungfrau Maria im Meer fanden, die von einem
Schiff aus Konstantinopel, das wegen eines Sturms
in Maiori Zuflucht gesucht hatte, ins Meer geworfen
werden mußte. Auf dem Hauptaltar stellt eine
Holzskulptur aus dem 15.Jh. die Madonna mit Kind
dar; eine Sammlung von Kunstwerken wiederum
befindet sich im Sakristeimuseum und der
darunter gelegenen Krypta. Aus dem Mittelalter
stammt die beliebte Wallfahrtskirche, die der
Madonna delle Grazie geweiht ist und im 18.Jh.
wieder aufgebaut wurde.
Sehenswert ist der ungewöhnliche in den Fels
gebaute Komplex von Santa Maria de Olearia,
eine Benediktinerabtei, die um das Jahr 1000 erbaut
wurde. Die Gebäude, die in eine der Naturgrotten der
Umgebung in den Fels gehauen wurden,
beherbergen Säle, Kapellen und kleine mit Fresken
bemalte Säulengänge.
Bei einem Bootsausflug können die Grotta Sulfurea
und die Grotta Pandora besichtigt werden. Erst
genannte ist reich an heilkräftigem, schwefel- und
magnesiumhaltigem Wasser; in der letzt genannten
Grotte schaffen smaragdgrüne Impressionen,
Stalaktiten und Stalagmiten ein unvergessliches
Szenarium. Viele Zeugnisse der Vergangenheit, wie
eine große Landvilla, sind auch in der Umgebung
von Minori zu sehen.
Die Keramik von Vietri
Die vorteilhafte Lage der
Stadt, der Wasserreichtum
und die holzreichen Hügel
haben im Laufe der Jahre die
Entwicklung der
Manufakturen gefördert. Gelb
und Blau, die Farben der
Natur und des Meeres, die
Zitronen und die Weintrauben
finden sich in den lebendigen
Dekorationen der Keramik
von Vietri wieder, die kleine
Meisterwerke darstellen. Es
ist ein Vergnügen
herumzugehen, in den vielen
Wenige Kilometer von Maiori liegt Erchie mit dem
aus einem Felsen gebauten Turm, der zwei kleine
Strände von einander trennt. Die Benediktinerabtei
Santa Maria de Erchie, die 980 gegründet und 1451
geschlossen wurde, gab diesem Ort, der heute
beliebtes Reiseziel vor allem im Sommer ist, seinen
Namen. Dieser kleine Ort mit den charakteristischen
weißen Häusern, den reizenden Stränden und dem
kristallklaren Meer eignet sich bestens für all jene,
die Entspannung inmitten der Natur suchen.
Kurz vor Vietri kommt man nach Cetara. Dies war
schon immer ein Fischerdorf, so kommt auch sein
Name vom lateinischen cetaria, Thunfischfangstelle.
Dieses Örtchen mit seiner pittoresken weißen
Architektur und seinem ruhigen, kleinen Strand ist
ein wahres Juwel des Küstengebietes. Unter dem
natürlichen Baupanorama der kubischen Häuschen
sticht die Kirche San Pietro mit Majolikakuppel und
dem mit Biforen gezierten Kampanile aus dem
13.Jh. sofort ins Auge.
In jenem Teil der Amalfitanischen Küste, der dem
Golf von Salerno zugewandt ist, überragt Vietri sul
Mare, das sich auf den bis zur Küste steil
abfallenden Kalkfelsbastionen erhebt, das kleine
Bonea-Tal. Mit seinen kleinen, mit Majolikakuppeln
versehenen Kirchen und Cottoziegeln gedeckten
Häusern scheint Vietri zwischen Himmel und Meer
zu schweben.
In der Antike war Vietri eine etruskische Stadt, fiel
unter die Herrschaft der Samniter, Lukaner und
schließlich Römer. Die Kirche San Giovanni
Battista aus dem 17.Jh. mit ihrer majestätischen
Kuppel und dem hohen Kampanile thront auf dem
höchsten Punkt der Altstadt. Die Keramikindustrie,
für die Vietri weltberühmt ist, blühte bereits im
Mittelalter. Handwerker und Künstler haben im Laufe
der Jahrhunderte wertvolle Stücke gefertigt, von
denen ein Teil im Keramikmuseum von Vietri zu
bewundern ist, das im Belvedere-Turm der Villa
Guariglia in der Ortschaft Raìto untergebracht ist.
Läden zu suchen, die
Manufakturen zu besuchen
und einfach nur darauf zu
warten, dass in dieser Ideenund Farbenvielfalt die
Fantasie geweckt wird. Die
Wahl ist fast grenzenlos und
jede Werkstatt unterscheidet
sich durch ihren eigenen Stil
und die Wahl der
Verzierungen.
Keramiken
von Vietri
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Berühmte Reisende
Ich habe keine reizenderen Orte gesehen. Der erste, auf den man stößt, ist Maiori… Die
Straßen und einsamen, ruhigen Wege dringen in Berge ein, aus denen klare, frische
Wasser sprudeln. Soviel romantische Einsamkeit erquickt den Geist und läßt den
Wunsch verspüren, hier ruhig zu leben oder zumindest einen Sommer hier zu
verbringen.
Ferdinand Gregorovius, 1861
105
Ansicht von Conca dei
Marini
Ansicht der Amalfiküste
Pasta von Minori
Dank des Flusses Farinola
oder „Reginna Minor“, der
die Mühlen betrieb, kann
Minori auf eine blühende
Teigwarentradition
zurückblicken: Anfang des
20.Jh. stand sein Ruf in
nichts der berühmten Pasta
von Gragnano, in der
Provinz Neapel nach. Die
fusilli aus Gries, Weizen
und Wasser werden mit
einem dünnen Eisen
gedreht.
Die colatura di alici
(Sardellensosse)
von Cetara
Cetara ist den
Feinschmeckern für dieses
„Destillat“ bekannt, das
durch eine besondere
Salzung der im Golf von
Salerno gefangenen
Sardellen gewonnen wird.
Es scheint, dass die colatura
ein edler Abkömmling des
garum ist, eine alte
Fischsosse, die die Römer
verwendeten um ihre Gerichte
zu würzen. Die erlesene
Flüssigkeit wird durch Pressen
der Sardellen gewonnen.
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Salerno
und das Cilento
106
Die Cala D’Arconte
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107
Salerno ist eine faszinierende Synthese für all jene
Besucher, die das Mittelmeer näher kennenlernen
wollen. Die Stadt öffnet sich zunehmend Touristen
und Besuchern aus aller Welt. Ihre Provinz ist die
größte Kampaniens und umfasst zusammen mit der
göttlichen Amalfi-Küste, dem archäologischen
Ausgrabungsgebiet von Paestum und dem
unberührten Cilento auch die weitläufige Ebene des
Flusses Sele und seiner Zuflüsse sowie das
Dianotal.
i
Ente Provinciale per il
Turismo di Salerno
via Velia 15
tel. 089 230411
www.eptsalerno.it
Touristeninformationen
piazza Vittorio Veneto, 1
tel. 089 231432
Azienda Autonoma di Cura
Soggiorno e Turismo di
Salerno
Lungomare Trieste 7/9
tel. 089 224916
www.aziendaturismo.sa.it
Azienda Autonoma
di Cura Soggiorno e
Turismo di Cava de’ Tirreni
Corso Umberto I 208
tel. 089 341605
www.cavaturismo.sa.it
Azienda Autonoma
di Cura Soggiorno e
Turismo di Paestum
via Magna Grecia 887
tel. 0828 811016
www.infopaestum.it
Ente Parco del Cilento
e del Vallo di Diano
piazza Santa Caterina, 8
Vallo della Lucania
tel. 0974 7199217
www.cilentoediano.it
Comunità Montana Monti
Picentini
via Santa Maria a Vico
Giffoni Valle Piana
tel. 089 866160
Die medizinische
Schule von Salerno
Die Ursprünge der Schule
von Salerno reichen bis in
die Antike zurück,
vermutlich ins 6.Jh.n.Chr.,
und zwar auf die
Medizinische Schule von
Velia. Im 13.Jh. gestand
Kaiser Friedrich II. von
Hohenstaufen der Schule
das Privileg der einzigen
Medizinischen Fakultät des
Königreichs zu und damit
begann die Blütezeit der
wissnschaftlichen Arbeiten.
Der Niedergang begann im
14.Jh., als in Italien
bedeutende Universitäten
wie Padua und Bologna
gegründet wurden. Die
Schule bestand bis 1812,
als sie von Joachim Murat
aufgelöst wurde.
Cava de’ Tirreni
Abtei SS Trinità - via Morcaldi 6
tel. 089 463922
Paestum
Parco Archeologico
via Magna Grecia 919
tel. 0828 811023
Museo Arch. Nazionale
via Magna Grecia 919
tel. 0828 722654
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Nicht versäumen
Altstadt von Salerno
Paestum
Punta Licosa
Palinuro
Marina di Camerota
Kartause von Padula
Salerno und Cilento
an einem Tag
Salerno
Paestum
Salerno und Cilento
in drei Tagen
Salerno
Paestum
Punta Licosa
Ausgrabungen von Velia
Palinuro und Marina
di Camerota
Kunst und Archäologie
Dom von Salerno
Paestum
Wallfahrtskirche Hera Argiva
Velia
Kartäuserkloster von Padula
Natur und Parks
Parco Naturale Diecimare
Oasi di Persano
Riserva Naturale Foce Sele
e Tanagro
Grotten von Castelcivita
und Pertosa/Auletta
Parco Nazionale del Cilento
e Vallo di Diano
Für die jungen Leute
Seepromenade von Salerno
Agropoli
Marina di Camerota
Palinuro
108
Grotten von Castelcivita
und Pertosa/Auletta
Kartäuserkloster von Padula
Teggiano
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Einkäufe
Geflochtene
Kastanienrutenkörbe
Kupfer- und
Schmiedeeisengegenstände
Wein und typische Produkte
Mit Kindern unterwegs
Castello di Arechi
Museo Narrante
(Geschichtenmuseum) di Hera
Argiva
Parco Nazionale del Cilento
e Vallo di Diano
Nachtspaziergänge durch die
Tempel von Paestum
Strände zwischen Palinuro
und Marina di Camerata
109
Grotta degli Infreschi
Gaumenfreuden
San Marzano Tomaten
Mozzarella di bufala Dop
(Büffelkäse DOP)
Alici di menaica (Sardellen
aus dem Menaicanetz)
Artischocke aus Paestum
Weiße Bohnen aus Controne
Trockenfeigen aus dem
Cilento
Wein Castel San Lorenzo DOC
Wein Cilento DOC
Thermen und Wellness
Contursi Terme
Montesano sulla Marcellana
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Salerno
110
Von hoch oben im blendenden Rahmen des Meeres
und des Himmels erhebt sich Salerno, das die
Berghängen zu erklimmen scheint, in einer wahrlich
spektakulären Position des Golfs. Diese Stadt stieg
mit der Eroberung durch die Langobarden, und
insbesondere unter Herzog Arechi II, im 8.Jh. zum
blühenden Zentrum Süditaliens auf. Als Sitz des
Fürstentums erlebte Salerno eine ruhmvolle Zeit und
entwickelte sich auch mit der berühmten
Medizinischen Schule von Salerno, der ältesten
medizinischen Institution des Abendlandes, zu
einem bedeutenden Studienzentrum. Den
Langobarden folgten die Normannen und
Hohenstaufen, die die Entwicklung der Stadt
förderten, die erst im 16.Jh. zum Stillstand kam, als
die Macht in die Hände der Spanier fiel.
Im September 1943 stand Salerno im Mittelpunkt
der Landung der Alliierten.
Heute erlebt Salerno eine Renaissance, entwickelt
sich zu einer Stadt-Werkstatt und ist ein Modell für
urbanistischen Aufschwung von internationaler
Bedeutung.
Unbedingt sollte das nahe Museo Archeologico
Provinciale besichtigt werden, das im Monumentalen
Bendediktinerkomplex untergebracht und eines der
interessantesten topografischen Museen Kampaniens ist.
Im Mittelpunkt des Handelslebens der Stadt stehen die
Vierteln aus dem 19.Jh. in der Nähe der schönen
Seepromenade Trieste, eine der längsten Italiens, von
Palmen gesäumt und mit einem schönen Blick auf den
Golf.
Das Teatro Verdi, das 1872 eröffnet wurde, mit seinen
prachtvollen Dekorationen, die sowohl an
Renaissancemotiven, wie Modellen der klassischen Antike
inspiriert sind, ist einer der Kulturpole der Sadt. Eine grüne
Oase ist die Villa Comunale, der Volksgarten von Salerno;
hebt man den Blick zu den Hügeln über der Stadt, kann
man das imposante Castello di Arechi sehen, von dem
sich ein bezauberndes Panorama bietet.
Im Herzen der Stadt liegt das mittelalterliche Viertel,
dessen Hauptarterie die Via dei Mercanti ist. Die engen
Straßen mit ihren vielen Geschäften folgen dem
mittelalterlichen Stadtgefüge und sind von herrlichen
Palästen jener Epoche und dem Großteil der religiösen
Bauten gesäumt. Der Dom aus dem 11.Jh. ist dem Heiligen
Matthäus geweiht, das bedeutendste Monument der Stadt
und ein Meisterwerk der normannischen Architektur.
Besonders schön ist das weite Bogenatrium, über dessen
antiken Säulen eine elegante Loggia mit
Intarsiendekorationen thront. Das Atrium wird von einem
mächtigen romanischen Kampanile dominiert. Im
Innenraum stechen zwei wunderschöne, reich mit Mosaiken
verzierte Ambonen aus dem 12. und 13.Jh. und zahlreiche
Gemälde aus dem 16.-18.Jh. ins Auge. Die mit
polychromen Marmorplatten verkleidete barocke Krypta
geht auf das 17.Jh. zurück. Auch sind viele Grabmale zu
sehen, von denen sicherlich das der Königin Margherita
von Durazzo das berühmteste ist. Neben der Kathedrale
befindet sich das Dommuseum, das einen Überblick über
die salernitanische Kunst im Laufe der Jahrhunderte gibt.
Die Abtei SS. Trinità
in Cava de’ Tirreni
Wenige Kilometer von der
dynamischen Kleinstadt
Cava de’ Tirreni, dessen
Kern pittoreske Bogengänge
prägen, denen es den
Beinamen „Bologna des
Südens“ verdankt, erhebt
sich in malerischer Lage
und inmitten einer Bergkette
die berühmte Abtei SS.
Trinità aus dem 11.Jh., eine
der wichtigsten
Klostergründungen des
Südens. Die elegante
Barockkirche und das
Kloster beherbergen
bedeutende mittelalterliche
Kunstwerke. Angeschlossen
an den Komplex ist das
Abteimuseum der SS.
Trinità di Cava, in dem
Vermächtnisse aus dem
Kloster aufbewahrt werden.
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Berühmte Reisende
Ach ist es schön, wie Odysseus, an einem klaren Tag den Golf von Salerno gen SüdOst zu betrachten, im Hintergrund die schwüle Steilküste und die kristallfarbenen Berge.
Die Götter von heute geben sich hin und man entdeckt in sich ein längst vergessenes,
mediterranes, vergangenes Selbst.
David H. Lawrence, 1920
111
Die Abtei
SS. Trinità in Cava
de’ Tirreni
Salerno
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Die Seleebene
112
Ganz nahe von Salerno liegt Pontecagnano, der
erste Badeort der Salernitanischen Küste. Hier
befindet sich das interessante Museo Nazionale
dell’Agro Picentino, in dem geschichtliches Material
des Gebietes aus der Eisenzeit bis ins 4.Jh.v.Chr.
aufbewahrt wird. Weiter südlich erstreckt sich die
weite Ebene des Flusses Sele. Das Gebiet um die
Mündung des großen Flusses (vor allem Battipaglia
und Paestum) ist bekannt für die Herstellung eines
der weltweit beliebtesten Produkte Kampaniens, der
mozzarella di bufala Dop (Büffelkäse DOP). Entlang
der ruhigeren Straßen sind da und dort weidende
Büffelkühe zu sehen. Hier wurde
das Heraion am Sele, eines der bedeutendsten
Heiligtümer der Antike, gefunden, ein großer, der
hier sehr verehrten Göttin Hera geweihter Komplex.
Das Heiligtum geht auf das 7.Jh.v.Chr. zurück und
bestand aus vielen Räumen, von denen noch die
Reste zu sehen sind.
Unweit davon liegt die Oasi di Persano, ein
ehemaliges Jagdrevier der Bourbonen, dessen
unberührte Natur bewahrt werden konnte.
Der Sele bildet hier einzigartige und kostbare
Lebensräume, die ein dichter Waldbestand prägt.
Die Seleebene
Die San Marzano
Tomate
Die San Marzano Tomate
(pomodoro die San
Marzano) agro-nocerinosarnese DOP (Geschützte
Ursprungsbezeichnung) ist
das „rote Gold“ Kampaniens,
die weltweit nicht nur wegen
ihres köstlichen Geschmacks
geschätzt wird; dank ihres
hohen Mineral- und
Vitamingehalts ist sie ein
wahres Allheilmittel für den
Köper. Diese Tomate ist eines
der wichtigsten Produkte der
„mediterranen Küche“, die als
gesunde und ausgewogene
Ernährung angesehen wird.
Typisch für die Oase ist der Fischotter, der hier einen
seiner Haupthabitate Italiens gefunden hat.
Hier befinden wir uns im Naturschutzgebiet der
Flüsse Sele und Tanagro, das außergewöhnlich
interessante Landschafts- und Naturperspektiven
bietet. In diesem Grünland reichen Territorium
entspringen die Quellen der Contursi Therme, die
bekannt für ihre Wasser und vor allem ihren weißen
Schlamm ist, der in der Schönheits- und Hautpflege
verwendet wird. Hier gibt es zahlreiche Anlagen, wo
man sich mit Thermalkuren regenerieren kann.
Kunsthistorisch interessant sind die Kirchen Santa
Maria degli Angeli (9.Jh.) und del Carmine, sowie
archäologische Funde, wie eine Villa aus römischer
Epoche und ein neolithisches Grab nahe des Flusses
Tanagro.
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113
Giffoni Film Festival
In Giffoni, am Fuße der
Monti Picentini, wird
alljährlich ein Kinofestival
für Jugendliche von
internationalem Charakter
veranstaltet, das 1971 vom
achtzehnjährigen Claudio
Gubitosi gegründet wurde.
Bei der letzen Edition
wurden Filme aus über
hundert Ländern präsentiert.
Der Parco Naturale
Regionale dei Monti
Picentini
Der Regionalpark erstreckt
sich über 80.000 ha zwischen
den Provinzen von Avellino
und Salerno. Zwischen hohen,
von dichten Buchenwäldern
bedeckten Berggipfeln, die
teils undurchdringlich sind,
verbergen sich grüne Täler,
von Flüssen und Wasserfällen
geformte Schluchten,
unberührte Naturwinkel, in
denen seltene Vogelarten
Unterschlupf finden. Hier
entspringen die Flüsse Calore,
Sele, Sarno und Ofanto. Im
Naturpark liegen zwei vom
WWF geschützte Oasen und
Gebiete von EU-Interesse: die
Oasi del Monte Polveracchio
und Valle della Caccia und
Oasi del Monte Accellica.
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Paestum
114
Am Rande der Seleebene, am Beginn des Cilento,
stößt man auf Paestum, eines der kostbarsten
archäologischen Juwele Italiens, das vor allem
wegen seiner spektakulären dorischen Tempel
berühmt ist.
Der Legende nach soll dies der Verdienst der
Argonauten gewesen sein, aber in Wirklichkeit
gründeten die Bewohner von Sibari im 7.Jh.v.Chr.
Paestum. Die Stadt, früher Poseidonia genannt,
wurde bald eines der blühenden Zentren des
Mittelmeerraumes. Ihr Niedergang begann mit dem
Untergang des Römischen Reichs. Die Gebäude
wurden für den Bau von Kirchen und Palästen
geräumt und die Ruinen gerieten bis ins 18.Jh. in
Vergessenheit, als Reisende erneut bis hier her
kamen.
Das große Wunderwerk des Archäologischen Parks sind
die drei dorischen Tempel aus dem 5.Jh.v.Chr., die zu den
best erhaltenen der Antike zählen und sich majestätisch auf
der dem Meer vorgelagerten Ebene erheben: Der
Neptuntempel, die Basilika und der Cerestempel, von
denen die ersten zwei eng mit dem Kult der Göttin Hera
verbunden sind. Die Mauern bilden einen der best
erhaltenen Festungsringe der Magna Graecia und sind fast
5 km lang. Im Sommer können bei den
Nachtspaziergängen durch die Tempel von Paestum
das archäologische Ausgrabungsgebiet besichtigt werden.
Im Gebiet der römischen Stadt sind außer dem Capitolium
auch noch andere bedeutende Reste, wie das Forum, das
Amphitheater und die Reste vieler religiöser Bauten, zu
sehen. Westlich der Tempel verläuft die Via Sacra (heilige
Straße), die Prozessionsstraße, deren Verlauf auf
griechische Zeit zurückgeht.
Unweit der Ausgrabungen befindet sich das
Archäologische Museum von Paestum, in dem einige
der bedeutendsten Werke Süditaliens aufbewahrt werden.
Kern des Museums sind die Fresken aus dem Grab des
Tauchers (tomba del Tuffatore – Ende des 5.Jh.v.Chr.).
Dieses Grab ist eine bemalte Sarghöhle mit vier
Seitenplatten, auf denen Bankettszenen dargestellt sind. Der
Mozzarella di Bufala
(Büffelkäse)
Der köstliche Büffelkäse
wird nur in Kampanien nach
traditionellen, jahrhunderte
lang überlieferten Verfahren
erzeugt. Außer im Gebiet
um Caserta wird dieses
typische Produkt auch in
der Seleebene hergestellt.
Es gibt viele traditionelle
Käsereien im Mündungsgebiet
des Sele, in denen zum Teil
die Herstellung der Mozzarella
beobachtet und der frisch
gemachte Käse gekostet
werden kann.
Deckel zeigt einen jungen Mann, der ins Wasser springt;
diese Szene symbolisiert vermutlich den Übergang in die
Welt der Toten. Von Bedeutung sind die mit Relief
verzierten Metopen, dekorative Elemente aus den Tempeln
des Gebietes, und die Fresken der lukanischen Gräber des
4.Jh. mit der typischen Szene der „Rückkehr des Kriegers“
mit Waffen.
Hier werden auch äneolithische Grabbeigaben der
Necropoli del Gaudo und andere archaische, wie die
Terrakottastatue des Zeus, klassische und hellenistische
Funde, wie die Bronzestatue des Silens Marsias,
aufbewahrt. Im Museum befindet sich auch die
Rekonstruktion der Grabkammer von Agropoli, in der ein
Mann und eine Frau bestattet waren, zu deren
Grabbeigaben eine berühmte Vase und die von Assteas
signierte Hydria mit dem Bellerophontes-Mythos gehören.
Aufbewahrt werden hier auch Stücke aus dem nahen
Heiligtum der Hera Argiva, dem sogenannten Heraion von
Sele.
Die Ruinen von Capaccio Vecchio beherrschen die
Ebene von Paestum. Diese kleine Stadt, die ihre
Blüte unter den Normannen erlebte, wurde 1248 von
Friedrich II zerstört, da in ihr Verschwörer versteckt
worden waren. Außer den Burgruinen ist auch die
Wallfahrtskirche Madonna del Granato sehenswert,
die im 12.Jh. erbaut und im 18.Jh. restauriert wurde
und die nach wie vor Ziel vieler Pilgerreisen ist.
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:51 Pagina 115
115
Tempel
von Paestum
Grab des
Tauchers.
Museo
Archeologico,
Paestum
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Das Cilento
116
Ein Land starker Kontraste und unvergleichlicher
Schönheit. Das Cilento beeindruckt durch seine
schwindelerregenden Klippen, die steil ins
kristallklare Meer abfallen, seine weißen Strände, die
kleinen mittelalterlichen, in die Felsen gebauten
Orte, sowie die hellen Landschaften inmitten
unberührter Natur. Diese Küste ist eine der
schönsten Italiens mit ca. hundert Kilometern
Strand, von Sonne und Wind modellierten Klippen,
verborgenen Buchten und geheimnisvollen Grotten.
Die Cilento-Küste beginnt in Paestum und endet in
Sapri und hat mit ihrem reichen Badeangebot für jeden
etwas zu bieten, ob große, sichere Strände und
glasklares Meer oder sportliche Aktiviäten für aktive
Touristen mit Höhlen- und Buchtenerforschung oder
Tauchen in unberührten Meerestiefen. All das im
Herzen von Hügeln und steil ins Meer abfallenden
Bergen, in denen reizende Dörfer liegen. Hier ist man
fern jeder menschenüberfüllten Großstadt, denn hier
findet man noch eine Welt, in der nach alten Bräuchen
gelebt wird, und ein Universum, dessen Rhythmus
von den Jahreszeiten bestimmt wird.
Das ganze Cilento ist renommiert für seine
schmackhafte traditionelle Küche, in der viele
typische Produkte Verwendung finden, die in
überlieferten Rezepten verarbeitet werden; besonders
nett ist es, diese Vielfalt köstlicher Gerichte, die in
den verschiedenen Orten, zahlreichen Agritourismen
und Bed&Breakfast dieser Zone angeboten werden,
miteinander zu vergleichen.
Mit Agropoli beginnt das marine Herzstück des
Cilento mit seinen kleinen Fischerorten.
Agropoli, das von der Burg beherrscht wird und in
byzantinischer Zeit erbaut wurde, hat einen
wunderschönen mittelalterlichen Stadtkern, der die
wilde vorgelagerte Küste überragt.
Ebenfalls Spuren des Mittelalters findet man in
Castellabate. Dieser unversehrte, besonders
faszinierende Ort erscheint wie ein Knäuel von
Gassen, Bögen und steilen Treppen, die von einer
farbenfrohen und duftenden Vegetation umrahmt wird.
Die Türme des Cilento
Ab dem 9.Jh.n.Chr.
begannen sarazenische
Piraten, in den
tyrrhenischen
Küstengebieten einzufallen.
Damit begann der Bau der
Wacht- und
Verteidigungstürme, die
sehr oft die Cilento-Küste
säumen.
Diese Befestigungen
wurden bis ins 18.Jh.
verwendet, als endlich die
Bedrohung durch die
Piraten ein Ende nahm.
Von oben kann man die typischen Dächer mit ihren
roten Ziegeln von Santa Maria di Castellabate
bewundern, einem Fischer- und Badezentrum mit
schönen Stränden in der Bucht zwischen Punta
Tresino und Punta Licosa.
Wunderschön und unberührt ist auch der schöne
Pinienhain von Punta Licosa. Hier sind die
verborgenen, geschützten Buchten kleine Paradiese,
die den Rahmen für eines der klarsten Meere Italiens
bilden. So wurden diese Wasser zum
Unterwassermeerespark (Parco Marino Subacqueo)
erklärt, die ein wahrer Garten Eden für alle
begeisterten Taucher sind.
Die Küstenstraße dringt in diese zauberhafte Natur ein
und bietet wahrlich atemberaubende Panoramen: Von
Montecorice mit seinen herrlichen Felswänden der
steil ins Meer abfallenden Ripe Rosse kommt man
nach Acciaroli mit dem schönen alten Stadtkern und
einem herrlichen Strand. Hier verweilte öfter der
Schriftsteller Ernest Hemingway und es heißt, dass er
sich von einem Fischer des Ortes für seinen Roman
Der alte Mann und das Meer inspirieren ließ. Auf einer
schmalen, kurvenreichen Hügelstraße geht es steil
bergauf nach Pollica, einer frischen Oase der Stille, in
dessen Gässchen die Zeit stehengeblieben scheint.
Von hier aus ist der Ausblick einfach hinreißend.
Das Cilento bietet außer Paestum auch noch ein anderes
archäologisches Juwel, die Ruinen der griechischen
Stadt Velia, deren Ruhm eng mit den großen
Philosophen Parmenides und Zenon, sowie der
berühmten medizinischen Schule verbunden ist, die
später von Salerno übernommen wurde. Elea, so hieß
das antike Velia, wurde im 6.Jh.v.Chr. von den Focei
gegründet, die von der Schönheit diese Ortes angezogen
waren, stieg in kurzer Zeit zu einem der bedeutendsten
Zentren für Seehandel des südlichen Tyrrhenischen
Meeres auf. Das archäologische Ausgrabungsgebiet
erstreckt sich auf einem Felsvorsprung, der einst vom
Meer umspült wurde und später versandete; das
berühmteste Bauwerk ist die Porta Rosa, eine
wunderschöne Struktur in der alten Stadtmauer.
Der Olivenbaum
des Cilento
Der wunderschöne
Olivenbaum mit seinen
silbergrünen Blättern ist ein
Fixpunkt der Landschaft des
Cilento. Sehr viele Hügel
sind komplett von diesen
Pflanzen bedeckt und das
daraus gewonnene Olivenöl
ist eines der besten Italiens,
dem das Gütezeichen „Olio
d’oliva extravergine Cilento
Dop“ verliehen wurde.
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Berühmte Reisende
Jene Hügel bilden die letzten Hänge der Berge des Cilento
und sind alle von Oliven-, Feigenbäumen und Weinreben
bedeckt.
Cosimo De Giorgi, 1882
117
Die kleine Insel
von Licosa
Marina di
Camerota
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Berühmte Reisende
In jenem Moment, als wir an Pisciotta vorbeikamen, erscheint
vor uns, im Meer versunken, Palinuro, wie ein übergroßer Hai
mit goldenen Hohlzähnen.
Eugenio Montale, 1932
118
Bemerkenswert sind die Ruinen von Wohnhäusern,
die auf Terrassen angeordnet und mit polygonalen
Sandsteinblöcken gebaut wurden. Auf dem
Felsvorsprung erhoben sich öffentliche und sakrale
Bauten; ferner sind Reste eines ionischen Tempels
und des Theaters aus dem 3.Jh.v.Chr., eines
Gebäudes mit rechteckigem Grundriss sowie eine
gepflasterte Straße erhalten. An den Südhängen lag
die Agorà aus dem 4/3.Jh.v.Chr. Zu besichtigen sind
auch die Reste von römischen Grabmonumenten
und einer Thermalanlage, des Hafens, der heilige
Brunnen und oben höher gelegen das Amphitheater,
die frühchristliche Kirche sowie der angevinische
Turm; jenseits der Porta Rosa liegt das Heiligtum
des Poseidon Asphaleios.
Lässt man den Prunk der griechisch-römischen Welt
hinter sich, bietet die Küste lange Sandstrände,
Häusergrüppchen und alte Ortschaften, wie das
mittelalterliche Ascea mit seiner wunderschönen Küste
und Pisciotta, dessen Häuser im Grün versinken.
Entlang der Küstenstraße kann man eine Fülle
bezaubernder Panoramablicke genießen bis man
zum legendären Felsvorsprung von Palinuro
gelangt. Sein Name soll auf den unglückseligen
Steuermann des Äneas zurückgehen, der, wie Virgil
in seiner Äneis erzählt, eben hier ins Meer gestürzt
sei und den Tod gefunden haben soll. Palinuro ist
ein internationaler, viel besuchter Badeort und bietet
herrliche Strände, große Beherbergungsstrukturen
und Sportanlagen, Campingplätze und Feriendörfer.
Das Geheimnis von Palinuro sind seine
Meeresgrotten, die mit dem Boot entdeckt werden
können; dazu gehören die Grotta Azzurra (Blaue
Grotte), deren Wasser klar wie ein Saphir ist, die
Grotta d’Argento (Silbergrotte) und die Grotta di
Sangue (Blutgrotte). Gelb und Grün wiederum sind die
dominierenden Farben der Cala Fetente, die nach einer
übel riechenden (fetente) Schwefelquelle benannt ist.
Die Baia del Buondormire mit ihrem kristallklaren
Wasser hat den romantischsten Strand der Küste. Ein
Meisterwerk der Natur ist der Arco Naturale
(Natürlicher Felsbogen) mit seinem langen Strand und
der nahen Mündung des Flusses Mingardo.
Imposante Klippen, unergründbare, nur mit dem
Boot zu erreichende Buchten und höchst
interessante Grotten befinden sich auch in Marina
di Camerota, einem beliebten Sommerreiseziel der
Touristen. Empfehlenswert sind Bootsfahrten zur
Punta degli Infreschi mit bezaubernden Buchten und
glasklarem Wasser, sowie auf dem Landweg der
Besuch von Camerota inmitten von mit
Olivenbäumen bedecktem Hügelland.
Die Küste geht dann weiter bis Policastro und Sapri
vorbei an reizenden Badeorten wie Scario.
Policastro Bussentino liegt in der Mitte des Golfs,
nach dem dieser benannt ist, und hat interessante
Reste der mittelalterlichen Burg und Burgmauer zu
bieten. Faszinierend ist die Exkursion zur BussentoGrotte, ein beeindruckendes, vom Fluss geschaffenes
Phänomen, sicherlich eines der reizvollsten
Kampaniens. Am Südende Kampaniens liegt Sapri,
eines der bedeutendsten Zentren des Cilento mit
einer schönen, panoramischen Seepromenade. Hier
bietet die Küste weite Sandstrände, während man im
Landesinneren bewaldetes Hügelland im Gebiet von
Torre Orsaia findet.
Auch wenn man hier von einem der schönsten
Meere Italiens bezaubert wird, sollte man das andere
Cilento nicht vergessen, das Hinterland, in dem den
Besucher einige eindrucksvolle Überraschungen
erwarten. Die noch unberührte Natur dieses Gebietes
wie die der Küste wird durch den Nationalpark des
Cilento und Vallo di Diano geschützt. Vielzählig
sind die Entdeckungsrouten quer durch den Park,
der von Erhebungen, Flüssen, Wäldern und Wegen
gesäumt wird, die die wilde Natur erklimmen.
Das bedeutendste Handels- und Verwaltungszentrum
des Cilento Vallo della Lucania liegt am
Kreuzungspunkt der wichtigsten
Kommunikationsstraßen und Bahnstrecken und ist
ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge in den Park.
Trekkingliebhaber können lange Ausflüge auf die
Monti Alburni (wegen der extrem hellen Farbe ihrer
Kalkwände auch „Dolomiten des Südens“ genannt),
den Monte Cervati (mit seinen 1.900m der höchste
Gipfel Kampaniens) oder auf den Monte Gelbison
(auch Monte Sacro genannt, besonders beliebt
wegen der Wallfahrtskirche Madonna di Novi Velia
auf dem Gipfel) machen. Besonders beeindruckt
wird man auch vom umliegenden Gebiet, wo
Karstphänomene weite Schluchten
(Karstschlünde) und geheimnisvolle Grotten in den
Felsen gegraben haben, wodurch sich auch kleine
Wasserspiegel bilden konnten.
Unbedingt sollte auch das faszinierende unterirdische
Höhlensystem der berühmten und bezaubernden
Grotten von Castelcivita besichtigt werden. Das
Landesinnere des Cilento wird von kleinen Ortschaften
geprägt, von denen das reizende Roscigno Vecchia
erwähnenswert ist, ein altes Dorf, das wegen
wiederholter Erdrutsche verlassen wurde.
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Berühmte Reisende
… Ich machte mir Mut und faßte mir in Herz und
fragte ihn: – Wohin des Wegs mein schöner
Hauptmann? – Er sah mich an und sprach: – Oh
meine Schwester, ich ziehe in den Tod für meine
schöne Heimat. –
Luigi Mercantini, 1857
119
Arco Naturale
„es waren dreihundert,
sie waren jung und
stark…“
1857 landete eine Gruppe von
jungen Männern unter der
Führung von Carlo Pisacane
an der Küste von Sapri um
einen Aufstand gegen die
Bourbonen anzuzetteln. Die
Patrioten wurden aber von den
Truppen vernichtet. Dieser
Expedition ist ein berühmtes
Gedicht des Risorgimento von
Luigi Mercantini La
spigolatrice di Sapri gewidmet
und im August erinnert in
Sapri eine Veranstaltung in
historischen Kostümen an
dieses glücklose Unterfangen.
Capo Palinuro
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:52 Pagina 120
Das Vallo di Diano
120
Auch im Vallo di Diano, eine Hochebene, die zum
Nationalpark des Cilento und Vallo di Diano
gehört, stehen wieder Natur und Kunst mit den
herrlichen Grotten von Pertosa/Auletta, dem Ort
Teggiano und dem wunderschönen Kartäuserkloster
von Padula im Mittelpunkt des Geschehens.
Im Grün der Alburni-Bergkette liegen inmitten eines
reizenden Naturschauspiels die Grotte dell’Angelo
(Engelsgrotte) von Pertosa/Auletta. Sie erstreckt
sich über ca. 2.500 m durch Stollen, unterirdische
Gänge und riesige Höhlen, ein wahrer Zauber ob der
herrlichen Stalaktiten und Stalagmiten, der
imposanten unterirdischen Säle und weil sie
einzigartig in Italien nur mit einem Boot über einen
See zu besichtigen ist, der von einem unterirdischen
Fluss gebildet wurde. Zu den bedeutendsten
historischen Städten des Cilento zählt Teggiano,
das in der Antike die Hauptstadt des Tales war und
Dianum hieß; auf dem Gipfel eines runden Hügels
überragt es die Hochebene, die unter den Römern
gefährlich sumpfig war. Schöne Beispiele
romanischer Architektur blieben erhalten wie die
Kathedrale und die Kirche Sant’Andrea, die oft auf
Gebäuden aus der römischen Zeit errichtet wurden,
deren Strukturen wiederverwendet werden konnten.
Das Wohngebiet mit seinen engen und gewundenen
Straßen ist vor allem um die Burg konzentriert, die
1285 gegründet und im 19.Jh. wieder errichtet
wurde.
Die Weinstraße Cilento
Geschmack
und Geschichte
Die Weinstraße führt die
gesamte Küste von Salerno
bis Marina di Camerota mit
kurzen Umleitungen entlang
und lädt dazu ein, die
typischen Produkte dieses
Gebietes in historischen
Zentren und inmitten
reizvoller Natur zu
entdecken. Weinkeller und
typische Restaurants sind
über geschichtsträchtige
kleine Orte und auf das
Meer blickende Weinberge
verstreut, wo man in
Im Städtchen Padula befindet sich das größte
Kloster Süditaliens, die Kartause San Lorenzo. Die
majestätische Anlage dieser wahren Klosterzitadelle
und die die üppige Dekoration sollten unbedingt
besichtigt werden, denn dieser grandiose Komplex
versetzt den Besucher in ein nie endendes Staunen.
Das Kartäuserkloster wurde 1306 gegründet und spiegelt
die Ordensregeln in jeder Hinsicht wider, die eine Trennung
zwischen den Schlafräumen der Mönche, die um die
Kreuzgänge verteilt waren, und den Gemeinschaftsräumen
vorsah, die in Kirchennähe sein sollten. Die Kirche San
Lorenzo ist in zwei Bereiche gegliedert, die durch eine
Wand von einander getrennt sind. In Eingangnähe saßen
die Laienbrüder, in Presbyteriumnähe hingegen die
Klausurmönche. Es gibt auch zwei Chöre. Ungewöhnlich ist
die alte Küche, die von der großen Haube des Mittelherdes
dominiert wird und an die Keller und Ölmühle
angeschlossen sind. Ein wahres Juwel des Klosters ist das
Priorengemach, das aus zehn Zimmern besteht, die auf
einen wunderschönen Garten blicken. Die Bibliothek
schmückt ein herrlicher Majolikaboden, beeindruckend ist
der Große Kreuzgang, dem die Mönchszellen zugewandt
sind. Mit fast 15.000 m2 Fläche zählt er zu den größten
Europas; er liegt auf zwei Ebenen, die durch eine
elliptische Prunktreppe mit Doppelrampe verbunden
sind.
agritouristischen
Landgasthöfen mit einfacher
und natürlicher
Gastfreundschaft
aufgenommen wird.
Die Küche des Cilento
Die Gastronomie des Cilento
ist ein typisches Beispiel für
dessen bäuerliche Kultur;
die Zusammensetzung jedes
Gerichts spiegelt die
Materialien, Methoden und
Bräuche wider, die diese
Völker im Laufe ihrer
Geschichte begleitet haben.
Die mündlich überlieferten
Rezepte basieren auf typischen
Produkten dieses Gebiets, vom
Fisch bis zum köstlichen
Gemüse, vom Lammfleisch zur
handgemachten Pasta.
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121
Grotte dell’Angelo
von Pertosa/Auletta
Kreuzgang
der Kartause
von Padula
Küche der Kartause
von Padula
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Caserta
und Matese
122
Schloss von Caserta
Berühmte Reisende
Die Reggia wird schöner als Versailles… Das Aquädukt ist so
prachtvoll, wie ich es an keinem anderen Ort gesehen habe.
Jacob Jonas Björnstaehl, 1771
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123
Die alten Römer nannten gerade dieses Gebiet
wegen seiner bevorzugten Lage und der
Fruchtbarkeit des Bodens Campania felix. Die vom
Volturno bewässerte und vom milden Klima
begünstigte Provinz erstreckt sich vom Meer bis zu
den Gipfeln des Apennins, wobei sich üppige
Vegetation mit historisch und kulturell höchst
interessanten Orten abwechseln.
Die weite Ebene um Caserta, die sich zum Meer hin
öffnet, beherbergt eines der berühmtesten und meist
besuchten Monumente der Region, das prachtvollen
Schloss von Caserta.
Bemerkenswert sind auch die historischen und
archäologischen Zeugnisse von Santa Maria
Capua Vetere, Capua und Sessa Aurunca, die auf
das Gebiet des Alto Casertano, das als Terra di
Lavoro bekannt ist, konzentriert sind.
Die domitische Küste ist der Küstenstreifen dieser
Provinz, ein an Pinienhainen reiches Gebiet mit
weitläufigen Sandstränden, die von berühmten
Badeorten gesäumt werden.
Im Landesinneren bietet das Matesemassiv noch
wunderschöne, unberührte Natur, in die Ortschaften
mit Kunst und volkstümlichen, tief verwurzelten
Traditionen eingebettet sind; dieses Gebiet zählt
sicherlich zu einem der unberührtesten Italiens.
i
Ente Provinciale per il
Turismo di Caserta
Palazzo Reale
tel. 0823 321137
www.eptcaserta.it
Ente Parco del Matese
piazza della Vittoria, 31
San Potito Sannitico
tel. 0823 786015
Comunità Montana
Monte Santa Croce
via Roma 30
Roccamonfina
tel. 0823 921276
Calvi Vecchia
Ausgrabugnen von Cales
strada statale Casilina
tel. 0823 652533
Santa Maria Capua Vetere
Museo Archeologico
dell’antica Capua
via Roberto d’Angiò 48
848 800 288
Caserta
Schloss und Park
via Douhet 22
tel. 0823 277380/448084
Oasi di San Silvestro
Centro Ambientale WWF
tel. 0823 361300
Complesso Monumentale del
Belvedere di San Leucio
tel. 0823 301817
Giugliano
Ausgrabungsgebiet
von Liternum
(Ort Lago Patria,
Circumvallazione Straße)
Pro Loco Litorale Domitio
tel. 081 8391410
San Tammaro
Museo dell’Agricoltura
Meridionale
Real Sito di Carditello
tel. 0823 278311
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Nicht versäumen
Schloss und Park von Caserta
Casertavecchia
Santa Maria Capua Vetere
Sant’Angelo in Formis
Matese-see
Valle dell’Inferno (Höllental)
Caserta an einem Tag
Reggia und Park von Caserta
Casertavecchia
Caserta in drei Tagen
Reggia und Park von Caserta
Ortschaft San Leucio
Casertavecchia
Santa Maria Capuavetere
Piedimonte Matese
Matese-see
Kunst und Archäologie
Schloss und Park von Caserta
Ortschaft San Leucio
Casertavecchia
Santa Maria Capuavetere
Sant’Angelo in Formis
Ruinen von Liternum
Sessa Aurunca
Burg von Sant’Angelo d’Alife
Natur und Parks
Parco Regionale del Matese
Matese-see
Riserva Naturale Regionale
Foce Volturno e Costa
di Licola
Parco Naturale Regionale
Roccamonfina-Foce
del Garigliano
Für die jungen Leute
Casertavecchia
Baia Domizia
Marina di Varcaturo
Parco Naturale Regionale
del Matese (Skifahren,
Canyoning, Freiflug,
Free climbing)
124
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Einkäufe
Objekte aus Holz, Kupfer,
Schmiedeeisen, Weiden
Stickereien, Häkel –
und Klöppelspitzen
Mit Kindern unterwegs
Park der Reggia di Caserta
Amphitheater und Museo
dei Gladiatori in Santa Maria
Capua Vetere
Naturschutzgebiet Variconi
Burgen und Seen
im Matesegebiet
125
Reggia von Caserta,
Diana-Brunnen
Gaumenfreuden
Büffelfleisch aus Kampanien
Maronen aus Roccamonfina
Mozzarella di bufala Dop
(Büffelkäse DOP)
Wein
Falerno del Massico Doc
Thermen und Wellness
Terme von Sinuessa
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:52 Pagina 126
Die königlichen
bourbonischen Stätten:
Caserta, San Leucio
und Carditello
126
Das Schloss von Caserta ist einer der
prachtvollsten Paläste, die jemals ein Herrscher
gebaut hat. 1751 beauftragte Karl von Bourbon den
Architekten Luigi Vanvitelli damit, einen
Königspalast zu entwerfen, der in nichts den anderen
großen Residenzen der europäischen Herrscher, vor
allem aber Versailles, nachstehen sollte. In wenigen
Jahren entstand in der weiten Ebene dieser
außergewöhnliche Komplex und in den
darauffolgenden Jahren um die Reggia die Stadt
Caserta. Die enorme Residenz umfasst vier Höfe und
tausende Räume, Kapellen, Museen, Theater. Im 120
ha großen Park sind Alleen, Fontänen, die Große
Kaskade und zahlreiche Bauten zu sehen (für die
Parkbesichtigung steht ein Busservice zur
Verfügung). Überwältigt von dieser prachtvollen
Architektur wählte George Lucas die Reggia als
Schauplatz für einige seiner Star Wars Filme.
über fünf Ränge und eine prunkvolle Königsloge und ist ein
Meisterwerk der Theaterarchitektur des 18.Jh.
Der Palast hat 1200 Zimmer, 34 Treppen und 1970 Fenster.
Im Atrium im Eingang des Palastes, öffnet sich das untere
Vestibül, von dem aus man die Reihe der vier Höfe mit
Blick auf den Park bewundern kann. Von der Ehrentreppe
geht man hoch zum oberen Vestibül und gegenüber zur
Cappella Palatina, einem rechteckigen Saal mit
Tonnengewölbe, das mit Kasettendecke und vergoldeten
Rosetten verziert ist sowie halbrunder Apsis.
Links der Kapelle gelangt man zu den königlichen
Gemächern, die mit Marmor und Gemälden reich
geschmückt und mit Möbeln und Zierrat jener Zeit
ausgestattet sind.
Die Biblioteca Palatina umfasst drei Räume; sie wurde auf
Wunsch von Marie Karoline eingerichtet und zählt über
zehntausend Bände. In einem großen Saal wurde die
königliche Krippe rekonstruiert. Die Pinakothek der Reggia
di Caserta ist in verschiedene Sektoren gegliedert. Die
Bildersammlung umfasst die Portraits der Könige und
Königinnen der Familie der Bourbonen sowohl Italiens wie
auch Frankreichs. Ein Flügel des Palastes beherbergt das
sogenannte Museo dell’Opera oder Museo
Vanvitelliano, in dem Zeichnungen, Skizzen, Pläne des
Werkes des Vanvitelli und Holzmodelle des Königspalastes
aufbewahrt werden. Im zweiten Hof befindet sich das kleine
Hoftheater. Dieses ist hufeisenförmig angelegt, verfügt
Die ‘Königliche Stätte’ wird noch durch die nahe
Ortschaft San Leucio (berühmt für ihre hochwertige
Seidenproduktion) mit ihrem eleganten Casino Reale
del Belvedere, dem Sitz wichtiger
Kulturveranstaltungen, vervollständigt.
San Leucio ist ein Bezirk von Caserta, in dem
Ferdinand IV im 18.Jh. ein Seidenwerk errichtetn
ließ. Die um das Werk gewachsene Ortschaft erhielt
ein eigenes Statut mit für jene Zeit utopischen
Gesetzen: Die Bewohner, die Arbeiter der
Königlichen Seidenfabrik und ihre Familien hatten
die gleichen Rechte, die Schulbildung war Pflicht
und kostenlos und ein Teil des Gehalts wurde als
Fonds zur Kranken- und Altenversorgung zur Seite
gelegt.
Die Seidenproduktion von San Leucio setzte sich in
ganz Europa durch und ist noch heute in der ganzen
Welt sehr beliebt.
Wenn San Leucio Inbegriff eines neuen, gewagten
Modells der Industrieentwicklung war, stellte der
Königspalast von Carditello einen exemplarischen
agrarpolitischen Komplex dar, der ebenfalls von
Ferdinand IV iniziiert wurde. Hier wurden eine
Büffelzucht und eine Käserei zur Produktion von
Mozzarella angelegt. Um den Herrscher zu
empfangen wurden Mitte des 18.Jh. ein kleiner
Palast, ländliche Dependancen und eine Kirche
errichtet. In der königlichen Residenz ist heute das
Museum für süditalienische Landwirtschaft
untergebracht.
Brücken der Valle
di Maddaloni
Die Brücken des MaddaloniTals sind dem Genius des
Luigi Vanvitelli zu verdanken
und wurden im 18.Jh.errichtet,
um das karolinische Aquädukt
verlegen zu können, welches
die Kaskaden des Parks der
Reggia di Caserta speist. Das
Werk mit mehreren
Bogenreihen ist eine
imposante Struktur, die durch
den architektonischen, an
römische Aquädukte
erinnernden Aspekt noch
monumentaler wirkt.
Ist schon der Königspalast eine wahre Pracht an Architektur
und Dekoration, so spiegelt der Park dessen Großartigkeit
in den majestätischen Fontänen, den stilvollen
Wasserspielen und dem Grün der Anlage wider, das mit
dem Horizont verschmilzt. Besonders beeindruckend ist die
ca. 3 km lange Hauptallee, die von Fontänen, Kaskaden und
Skulpturen im Rahmen der geometrisch angeordneten
Wälder, Rasen und Blumenbeeten gesäumt ist. Die
Reihenfolge der Wasseranlagen gipfelt spekatkulär in der
Großen Kaskade, die auch Dianabrunnen genannt wird.
Im Park befindet sich auch ein englischer Garten, den
Marie Karoline von Österreich anlegen ließ. Er ist reich an
exotischen und seltenen Pflanzen sowie mit
Gewächshäusern, Wäldchen und Alleen geziert. Auch ein
reizender kleiner See mit der Statue der Venus im Bade und
ganz im Sinne des romantischen Geschmacks
Ruinenimitationen mit Statuen sind zu sehen.
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Berühmte Reisende
Die Gartenanlagen sind schön und gehören recht in eine
Gegend, welche ganz Garten ist.
Johann Wolfgang Goethe, 1787
127
Interieur der
Reggia di Caserta
Casino
del Belvedere
in San Leucio
Berühmte Reisende
Es ist unmöglich nicht beizustimmen, dass diese
Residenz den Herrschern der antiken Welt würdig ist.
Henry Swinburne, 1777
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:52 Pagina 128
Das Städtchen
Casertavecchia
128
Unvergesslich ist Casertavecchia, eines der
reizendsten und best erhaltenen mittelalterlichen
Städtchen Italiens. Hier kann man noch zwischen
gepflasterten kleinen Straßen, Herrenpalästen und
uralten Kirchen ganz deutlich die alten Tradtionen
spüren.
In Casertavecchia findet im Sommer ein Musik-,
Theater- und Tanzfestival statt.
Bei einem Spaziergang durch die mittelalterlichen Gassen
meint man in der Vergangenheit zu wandeln. Im Herzen der
Altstadt liegt die Piazza Vescovado, auf der sich die
Kathedrale San Michele, die mit ihrem polychromen
Vierungsturm und dem Glockenturm ein herrliches Beispiel
für die arabisch-normannische Architektur ist, der
Bischofspalast, das Priesterseminar und das Pfarrhaus
erheben, die einen geschlossenen Hof mit rechteckigem
Grundriss bilden. Bemerkenswert sind unter den typischen
Palästen das Biphorenhaus (Casa delle bifore), ein
schönes Beispiel für einen Adelssitz des 15.Jh. Auch sind
die Burgruinen aus dem 9.Jh. erhalten.
Oasi Bosco
di San Silvestro
Die geschützte WWF-Oase
umfasst einen
wunderschönen
Steineichen-, Ahorn- und
Kastanienwald, der an den
Park der Reggia anschließt
und wie ein Bühnenbild
wirkt. Die Oase liegt im
Gebiet des Königlichen
Gutshofes San Silvestro,
das Ferdinand IV wählte um
hier seinen Jagd- und
Landwirtschaftsleidenschaft
en nach dem Modell
anderer europäischer
Königsresidenzen zu frönen.
Der Wald wird von kleinen
Säugetieren, einigen
Damhirsch- und
Rehexemplaren sowie
verschiedenen Vogelarten
bewohnt.
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:52 Pagina 129
129
Kathedrale San
Michele
Kirche Annunziata
Madonna mit Kind
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:52 Pagina 130
Terra di Lavoro
130
Dieses weitläufige Gebiet in der Provinz Caserta
bietet zahlreiche kunsthistorisch interessante Orte,
von den römischen Resten von Santa Maria Capua
Vetere, Calvi und Sessa Aurunca bis zu den
Zeugnissen des Mittelalters in Aversa, Capua und
Sant’Angelo in Formis.
In Aversa, das von den Normannen gegründet
wurde, ist eine herrliche romanische Kathedrale
aus dem 11.Jh. erhalten, in der besonders
bedeutende Werke zu sehen sind. Schön ist auch
der Komplex der Annunziata mit der barocken
Kirche. Altera Roma, das „zweite Rom“, so nannte
Cicero das alte Capua, für Hannibal war es die Stadt
der Muße, die heute dem modernen Santa Maria
Capua Vetere entspricht. Seine Monumente, das
imposante Amphitheater, das Mithräum, die
Kollegialkirche Santa Maria, rufen den Prunk
vergangener Zeiten in Erinnerung.
Imposant sind die Überreste des Amphitheaters aus
augusteischer Zeit (1.Jh.n.Chr.), dem zweitgrößten nach
dem Kolosseum in Rom, das elliptischen Grundriss
aufweist und vier mit Statuen geschmückte Außenstöcke
hatte. Der Zuschauerraum war für gut 40.000 Zuschauer
vorgesehen. Die Arena ist noch gut erhalten, während nur
einige Pilaster und ein Seitenbogen des Arco di Adriano
geblieben sind, der auch „Archi di Capua“ genannt wird
und unter dem die Via Appia verlief.
Das Mithräum ist eines der best erhaltenen Monumente,
dem Kult des persischen Gottes Mithra geweiht und stammt
aus dem 2./3.Jh.n.Chr. Es handelt sich dabei um eine
lange, unterirdische rechteckige Aula; an der unteren Wand
ist noch ein Fresko mit der Darstellung des Gottes Mithra,
der den Stier tötet, aus dem 2.Jh.n.Chr. zu sehen.
Der Dom oder Kollegialkirche Santa Maria, geht auf das 5.Jh.
zurück. Die Fassade des Bauwerks schmücken drei schöne
Portale. Der fünfschiffige Innenraum der Kirche wird von 51
antiken Säulen unterschiedlicher Formen und Materialien
gesäumt, die fast alle von korinthischen Kapitellen
abgeschlossen werden. Die Kirche beherbergt bedeutende
Kunstwerke. Im Museo Archeologico dell’antica Capua
werden Stücke aus den von der römischen Stadt belagerten
Gebieten aufbewahrt; das originelle Gladiatorenmuseum,
Die Weinstraße in Terra
di Lavoro
Umfasst Gebiete mit
bedeutenden
gastronomischen Tradtionen
wie Caserta, Aversa, Santa
Maria Capua Vètere und
Sessa Aurunca, den
untätigen Vulkan von
Roccamonfina und die
Kalkreliefs von Màssico.
Hier werden Weine
produziert, die bereits in der
Antike berühmt waren, aber
auch andere geschützte
Produkte, wie die Castagna
di Roccamonfina
das einzigartig in seiner Art ist, wird vor allem von den
jüngsten Besuchern sehr geschätzt werden.
Wenige Kilometer von Santa Maria Capua Vetere
erhebt sich das heutige Capua, das in römischer
Zeit nur eine kleine Anlegestelle an einer
Flussschleife des Volturno war und Casilinum
genannt wurde und herrliche Beispiele
mittelalterlicher Kunst, Paläste und Kirchen sowie
ein bedeutendes Museum bietet.
Die Stadt, die von einer langen Mauerbastion aus dem
16.Jh. eingeschlossen ist, konnte ihren mittelalterlichen
Charakter vor allem im ältesten Stadtteil „area palaziale“
mit den drei kleinen Kirchen langobardischen Ursprungs
San Michele in Corte, San Giovanni in Corte und San
Salvatore a Corte, bewahren. Das Herz der Altstadt ist der
Dom aus dem 9.Jh., dessen Innenraum mit wertvollen
Gemälden und Skulpturen geschmückt ist. Der Stolz der
Stadt ist das Museo Campano, in dem eine äußerst reiche
kunsthistorische, archäologische und religiöse
Dokumentation der Kultur Kampaniens aufbewahrt wird.
Dieses Museum ist in dem im 15.Jh. erbauten Palazzo
Antignano untergebracht und bekannt für die Sammlung
der berühmten Matres Matutae – Mütter von Capua –
Tuffsteinstatuen von sitzenden Frauen mit vielen Kindern in
den Armen, die der Fruchtbarkeitsgöttin geweiht sind und
zwischen 5. und 1.Jh.v.Chr. datiert werden können. Das
Museum umfasst auch eine Sammlung lateinischer
Inschriften und archäologischen Materials aus dem
römischen Capua, sowie mittelalterliche Skulpturen des
Tors von Friedrich II von Hohenstaufen.
Unweit von Capua, auf einer Hochebene, von der
aus man einen spektakulären Blick über die weite
Ebene von Caserta genießen kann, liegt eines der
größten mittelalterlichen Monumente Italiens, die
Basilika Sant’Angelo in Formis. Sie wurde im
10.Jh. auf den Resten eines Diana geweihten
Tempels gebaut, aber ab 1072 auf Wunsch des
Abtes von Montecassino Desiderio umgestaltet. Der
dreischiffige Innenraum mit drei Apsiden ist mit
besonders farbenfrohen Fresken mit einem in Italien
einzigartigen Bilderzyklus dekoriert.
(Esskastanie), der
kampanische AnnurcaApfel, die Mozzarella di
Bufala Campana Dop
(Büffelkäse DOP) und der
geräucherte Provola
(geräucherter
Kuhmilchmozzarella)
erzeugt
(www.sito.regione.campania.it
/agricoltura/home.htm).
Der Annurca-Apfel
Der ‘König’ der Äpfel wird
nur in Kampanien angebaut
und ist vor allem in der
Provinz Caserta verbreitet.
Eines der typischen
Merkmale dieses Apfels ist
die Reifung auf einem
Strohbett. Im Herbst wird in
Valle di Maddaloni ein
dieser Frucht gewidmetes
Volksfest gefeiert.
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:52 Pagina 131
Berühmte Reisende
In Capua war ein wunderbares Amphitheater, dessen Ruinen noch
bewundert werden können; denn Capua war die bürgerliche Stadt
par excellence, in der die Gladiatorenkämpfe erfunden wurden.
Alexandre Dumas, 1857
131
Basilika Sant’Angelo
in Formis
Die „Mütter
von Capua“
Museo Campano
Amphitheater
von Santa Maria
Capua Vetere
Apsisdekoration
in der Basilika
Sant’Angelo in Formis
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:52 Pagina 132
Chiesa dell’Annunziata
in Aversa
Römisches Theater
in Teano
132
In der Nähe von Calvi Risorta liegen die Reste von
Cales mit Spuren antiker Völker wie Aurunker,
Etrusker, Latiner, Samniter, das in moderner Zeit für
die Erzeugung landwirtschaftlicher Geräte, darunter
die „Kalesche“, ein zweirädriges Gefährt, berühmt
wurde. Außer der romanischen Kathedrale San
Casto sind auch römische Reste zu besichtigen,
wobei die Terme Centrali und das Theater, beide
aus dem 1.Jh.v.Chr., zu sehen sind.
An der Grenze zwischen Kampanien und Latium liegt
Sessa Aurunca, eine uralte Stadt der Aurunker.
Zwischen Obst- und Olivenbäumen verbergen sich
wertvolle Vermächtnisse der glorreichen
Vergangenheit dieser Stadt.
Im Gebiet von Caserta liegen viele andere
geschichtsträchtige Zentren, die ihr historisches
Erbe zu erschließen wussten: Maddaloni mit dem
Museo Archeologico dell’Antica Calatia (im schönen
Haus der Herzöge von Carafa), Teano – ein an
historischen und archäologischen Zeugnissen
reiches Gebiet - mit dem Museo Archeologico di
Teanum Sidicinum (in einem prachtvollen
spätgotischen Gebäude im Herzen der Altstadt) und
Succivo mit dem Museo Archeologico dell’Agro
Atellano.
Der romanische Dom geht auf das 12.Jh. zurück und
bewahrt schöne Mosaike und römische, in die Struktur
eingebaute Säulen. Die Herzogsburg (Castello Ducale), die
in langobardischer Zeit auf den Ruinen eines römischen
Gebäudes errichtet und von den Hohenstaufen erweitert
wurde, beherbergt das Burgmuseum, in dem Funde aus
den Nekropolen, Tempeln und römischen Villen des alten
Suessa zu sehen sind.
Am Ende des Wohngebietes sind die Überreste des
römischen Theaters aus dem 1.Jh.v.Chr. erkennbar, das
von einem riesigen Kryptoportikus aus dem 1.Jh.n.Chr.
umgeben ist. Neben dem Theater befinden sich beachtliche
Reste antiker Thermen. Einen schönen Spaziergang kann
man zum Ponte degli Aurunci auf jener Straße machen,
die Sessa mit der Appia antica in der Nähe der Küste
verband. Dieser alte Viadukt wurde auf 21 Bögen zwischen
dem 1. und 2.Jh.n.Chr. gebaut.
Die Feierlichkeiten der
Karwoche in Sessa
Aurunca
Die Feierlichkeiten der
Karwoche in Sessa Aurunca
zählen zu jenen Momenten
tiefer Frömmigkeit des
Volkes, an der die gesamte
Ortsgemeinschaft teilnimmt.
Bei den Prozessionen der
Christuspassion, der
Kreuzabnahme und der
Schmerzensmutter hat jeder
eine Rolle, die Jungen
halten das Weihrauchfass,
die Mädchen tragen Flügel
und Engelskleider, die
Ordensbrüder Kapuzen und
die Frauen trauern, tragen
Trauerkleidung und
beklagen den toten
Christus.
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133
Der Dom von Sessa
Aurunca
Kathedrale San Paolo
von Aversa
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Die domitische
Küste: Von Licola
bis Baia Domizia
134
Ein zweiter Anziehungspunkt in diesem Gebiet ist die
wunderschöne domitische Küste, die vor allem für
ihre kilometerlangen Strände bekannt ist. Die von
feinen Sanddünen und dem Grün der Pinienhaine
geprägte Landschaft erstreckt sich entlang der alten
Via Domiziana, nord-westlich von Neapel. Das
gesamte Gebiet ist bei Touristen sehr beliebt und
bietet Hotels, Resorts, Pensionen und
Campingplätze. Im Sommer verbringen hier vor
allem Familien mit Kinderen und junge Leute ihren
Urlaub, schön ist es aber auch außerhalb der
Saison.
Dieser Landstrich ist weitläufig und reich an
Ressourcen, stilles Meer, geschützte Natur
(Naturschutzgebiet Foce Volturno und Costa di
Licola und Regionalpark Roccamonfina-Foce del
Garigliano).
Von Neapel nach Norden an der Via Domiziana stößt
man auf viele interessante Orte; zunächst sei Licola
genannt, das für seine weiten und ruhigen Strände
bekannt ist. Abseits des Meeres liegt ein schöner
Pinienhain mit einem reichen Angebot an
Unterkünften und Sportanlagen.
Marina di Varcaturo, das sich in den 50-er Jahren
entwickelt hat, ist heute eines der beliebtesten
Reiseziele der jungen Touristen. Die Küste bietet
weite, gut ausgerüstete Strände, Schwimmbäder und
auch die Möglichkeit, Sport zu betreiben. Am Lago
Patria, einem kleinen Küstenwassersee, erhob sich
die alte kleine Stadt Liternum, deren Reste heute
noch zu besichtigen sind, zu denen das Forum zählt,
das aus drei Monumenten, dem Tempel, der Basilika
und dem Theater zusammengesetzt ist. Etwas weiter
gelangt man zur Torre di Patria und zu den
Badeanstalten von Marina di Lago Patria.
Das Gebiet zwischen Villaggio Coppola, wo sich ein
18 Loch Golfplatz befindet, und Mondragone zieht
jährlich tausende Touristen an seine kilometerlangen
schönen Küste; nahe der Volturno-Mündung liegt
Castel Volturno, das berühmt für die
Büffelkäseproduktion und seine schönen
Pinienhaine ist, sowie Mondragone, eine kleine,
lebendige Stadt. Bagni di Mondragone mit seinen
Thermen, die nach der für ihre Warmwasserquellen
berühmten römischen Kolonie benannt sind, ist
ideal für einen genussvollen Erholungsurlaub.
Inmitten des Golfs von Gaeta, unmittelbar vor der
Mündung des Garigliano, liegt schließlich Baia
Domizia, eine schöne Touristenoase, die durch
einen heilsamen Pinienhain und feinsten Sandstrand
charakterisiert ist. An dieser Küste stehen dem
Touristen lange Sandstrände, besonders für Kinder
geeignet, mit Sportanlagen zur Verfügung. Hier
können alle Sportarten von Drachenfliegen bis
Tauchen, Golfen bis Wasserski praktiziert werden
und man kann Spaß in den Wasserparks haben. Die
Badeanlagen sind viel besucht und am Abend sind
vor allem Bars und Lokale der Umgebung ein
beliebter Treffpunkt für Jugendliche. Typisch für die
domitische Küste ist die Produktion des köstlichen
Büffelkäses (mozzarella di bufala) und es lohnt sich
sicherlich, eine der vielen Käsereien zwischen
Mondragone und Castel Volturno zu besuchen, um
bei der traditionellen Herstellung der Mozzarella
zuzusehen.
Naturschutzgebiet
Falcianosee
Der Parco Regionale
di Roccamonfina
Der Regionalpark von
Roccamonfina und Foce del
Garigliano umfasst das
Berggebiet des erloschenen
Vulkans von Roccamonfina
und der Mündung des
Flusses Garigliano, der die
nördliche Grenze der
kampanischen Küste bildet.
Der bewaldete Vulkan hat
einen Durchmesser von
über 15 km und reizvolle
Wege führen zu dessen
Gipfel.
Büffelherden an
der domitischen Küste
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:52 Pagina 135
Berühmte Reisende
Die blaue Bucht scheint das Blau des Himmels zu leihen und
streckt sich hin zum Horizont; die Vaporetti und zahlreichen
Boote beleben und erfrischen das Szenarium.
A.J. O’Reilly 1884
135
Die Mündung des Volturno
Im Reich
des Büffelkäses
Die hier erzeugte Mozzarella
ist die berühmteste und
beliebteste unter den
Büffelkäsen, der aus
Büffelvollmilch hergestellt
wird. Die Mozzarella ist
uralten Ursprungs und nach
jenem Moment benannt, in
dem die Molke, nachdem
sie gezogen wurde,
geschnitten („mozzata“)
wird. Die Büffelzuchten
sind, außer in der
Seleebene, vor allem in der
Provinz Caserta zwischen
Aversa und Mondragone
beheimatet.
Der kamapnische Büffelkäse
trägt das Gütezeichen DOP,
mit dem für den
Konsumenten die Qualität
garantiert wird.
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:52 Pagina 136
Matese
136
Horizonte mit felsigen Bergkämmen, kahle Wände
und steile Schluchten, majestätische Gipfel, die bis
zu zweitausend Meter hoch sind, das ist Matese,
eine Symbiose von wunderschöner, unberührter
Natur, tief verwurzelter Kunst und Tradition, ein
weites Land mit Tälern, Seen, Flüssen und Bergen,
in dem zauberhafte, auf der Hügelspitze in den Fels
gehauene Dörfer und wunderschöne Wälder sich
aneinander reihen.
Zahlreiche Routen werden geboten, um eine
Entdeckungsreise durch die Zauber des MateseRegionalparks zu machen. Einige verlaufen auf
alten Wegen vorbei an befestigten Marktflecken und
mittelalterlichen Burgen und laden ein, schöne
Fussmärsche mit dem Besuch der interessantesten
Orte dieses Gebietes zu verbinden; auch kann man
in die Buchen- und Eichenwälder oder weiten
Hochebenen vordringen, deren Panorama sich im
Tiefblau der zalreichen Gewässer widerspiegelt, oder
zwischen majestätischen, zweitausend Meter hohen
Gipfeln bis zu faszinierenden Naturschauspielen wie
Matese-see, Valle dell’Inferno (Hölletal), Fluss
Lete, Grotte di Canto und Gole di Quirino, dem
größten Canyon Italiens, wandern.
Andere Routen wurden für jene Touristen angelegt,
die neue Wege begehen wollen, um Vergnügen mit
Naturerlebnis zu verbinden; ihnen werden Trekking
zu Fuß oder zu Pferd, Birdwatching, Mountainbiking,
Geländefahrten, Trial, Enduro, Höhlenerforschung,
Free climbing und „Spazierflüge“ mit Drachen oder
Paragleiter angeboten. Die wichtigsten Zentren sind
kronenförmig um das Matesemassiv verteilt.
Piedimonte Matese, das bedeutendste Zentrum
und Naturtor zum Park, bietet ein großes Kunsterbe
und ist der Ausgangspunkt für interessante
Exkursionen zu den Seen der Umgebung, den
zahlreichen Aussichtspunkten, und den
Trekkingwegen durch die Berge.
Produkte
aus dem Matese
Viele ursprüngliche
Produkte sind wegen ihrer
hohen Qualität besonders
beliebt, vom Olivenöl aus
Piedimonte Matese bis zu
den Zwiebeln von Alife. Es
fehlt auch nicht an einer
reichen Auswahl lokaler
Weine wie dem Pallagrello.
Im Mateser Hügel- und
Bergland sind Pilze und
schwarze wie weiße Trüffel,
Waldbeeren, Honig und
Esskastanien beheimatet.
Besonders hochwertig ist
In Castello del Matese kann man pittoreske
mittelalterliche Türme bewundern und typische
Produkte der lokalen Küche verkosten sowie ein
herrliches Panorama von einem Ausläufer genießen,
der das Volturnotal überragt. San Gregorio im
Herzen des Massivs ist ein renommierter Luftkurort;
Letino mit der wunderschönen Burg in fast 1000 m
Höhe, blickt auf den See, der danach benannt ist.
Auch in den anderen Orten des Matese an den
steilen Hängen des Berges sind reizvolle
Vermächtnisse der Vergangenheit erhalten; Burgen,
Klöster und mittelalterliche Ortskerne werden den
Besucher in Prata Sannita, Gioia Sannitica und
Sant’Angelo d’Alife überraschen. Auf
Skibegeisterte warten von Dezember bis April vor
allem in Bocca della Selva hübsche Pisten; Monte
Orso bietet wiederum eine schöne Langlaufroute.
Wieder in der Ebene angelangt, sollte unbedingt
Alife besucht werden, das am Fuß des Massivs im
Volturnotal liegt und dessen von mächtigen
römischen Stadtmauern umgebene.
Stadtstruktur noch praktisch unversehrt ist.
Die Bergregion Matese ist nicht nur Inbegriff von
Geschichte und Natur. Hier sind noch alte Berufe,
wie Handwerks- und Kunstkeramik, die traditionelle
Verarbeitung von Holz, Kupfer und Schmiedeeisen,
Volksmusik, Gesänge, Fabeln, alte Werkzeuge und
traditionelle Kostüme lebendig, die an Festtagen
angezogen werden. Im Regionalpark stehen all
jenen, die ein paar Tage bleiben möchten, viele
Hotels, Pensionen, Agritourismen und
Bed&Breakfast zur Verfügung. Ein zusätzliches
Vergnügen ist die Küche des Matese mit ihren
einfachen und schmackhaften Gerichten.
auch die Käseproduktion,
wobei vor allem der
erlesene Laticaudaschafkäse
(Pecorino) probiert werden
sollte, der nach der Schafart
benannt ist, aus dessen
Milch er hergestellt wird.
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:52 Pagina 137
Berühmte Reisende
Selten findet man an irgend einem Ort solch einen Zauber.
Johann Gottfried Seume, 1802
137
Das Mateser Gebirgsmassiv
Matesesee
Parco Regionale
del Taburno
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:52 Pagina 138
Benevento event
und Sanniogebiet
138
Berühmte Reisende
Auf der Straße versuchte ich den Fahrer davon zu überzeugen, mir den Nussbaum zu
zeigen, unter dem die Hexen ihren Sabbat feierten… schließlich gestand er mir, zu
wissen, dass viele alte Frauen der Umgebung bestens über den Nussbaum informiert
seien und dass er einige Freunde habe, die sogar von Hexen gehört haben sollen, die
mit ihrem Besen durch die Lüfte flögen.
Henry Swinburne, 1783
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:52 Pagina 139
139
Das Sanniogebiet kann auf eine tausendjährige
Geschichte, Legenden und alte Traditionen
zurückblicken, und bietet ideale Ausflugsziele um
Kunstschätze in unberührter Natur zu entdecken.
Auch landschaftlich hat es viele Eindrücke zu bieten
wie die rauen Apenninmassive oder das mit
Weinreben und Olivenbäumen übersäte Hügelland.
Außer Benevent gibt es auch andere interessante
Orte: Alle kleinen und großen Ortschaften des
Sannio verdienen es, wegen ihrer künstlerischen
und landschaftlichen Reize erforscht zu werden.
Dieses Gebiet ist sehr reich an Vermächtnissen der
Völker, die hier lebten, wie Griechen und Samniter,
Römer und Langobarden.
Dank des historischen Werts und der
Naturschönheiten wird der Besuch dieses
Landstrichs zu einer einmaligen Erfahrung.
Einzigartig ist auch der Geschmack der
außergewöhnlichen lokalen Küche, die im
Mittelpunkt der Wein- und Gastronomierouten steht
und deren enge Beziehung zur Tradition beleuchtet
wird. Das Sanniogebiet bietet zahlreiche
agritouristische Landgasthöfe und Lokale
verschiedener Niveaus, in denen die vielen
Köstlichkeiten probiert werden können, mit denen
die lokale Küche auch dem feinsten Gaumen gerecht
werden kann. Veranstaltungen und Feste beleben
dieses Gebiet das ganze Jahr in Dörfern wie
Solopaca, nach dem der berühmte DOC Wein
benannt ist, San Marco dei Cavoti, wo der knusprige
Torrone (Nougat) hergestellt wird und vielen
anderen.
i
Ente Provinciale per il
Turismo di Benevento
via Nicola Sala 31
tel. 0824 319911/319938
www.eptbenevento.it
Ente Parco Regionale
del Taburno-Camposauro
piazza Vittorio Veneto, 1
Cautano
tel. 0824 973061
www.parcotaburno.it
Benevento
Provinzmuseum des Gebiets
Sannio
chiesa di S. Sofia
piazza S. Sofia
tel. 0824 21818
Diözesanmuseum
piazza Orsini
tel. 0824 42825
Das Romanische Theater
piazza P. Telesino
tel. 0824 47213
Cerreto Sannita
Stadt - und Keramikmuseum
corso Umberto I
tel. 0824 815211
Pietraroja
Geopaläontologisches Park
Vorbestellung im Büro
tel. 0824 868253
oder Comune di Pietraroja
tel. 0824 868000
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Nicht versäumen
Trajanbogen, Benevent
Santa Sofia, Benevent
Sant’Agata dei Goti
Cerreto Sannita
Guardia Sanframondi
Geopaläontologisches Park
von Pietraroja
Sannio an einem Tag
Benevent
Sant’Agata dei Goti
Sannio in drei Tagen
Benevent
Sant’Agata dei Goti
Cerreto Sannita
Montesarchio
Solopaca
Guardia Sanframondi
San Lorenzello
Kunst und Archäologie
Trajanbogen (Benevent)
Kirche Santa Sofia (Benevent)
Museo del Sannio (Benevent)
Römisches Theater (Benevent)
Sant’Agata dei Goti
Telesia
Natur und Parks
Parco Naturale Regionale
del Taburno-Camposauro
Parco Naturale Regionale
del Partenio
Geopaläontologisches Park
von Pietraroja
Für die jungen Leute
Benevent
Geopaläontologisches Park
von Pietraroja
140
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Einkäufe
Torrone aus Benevent und
San Marco dei Cavoti
Liköre
Weine
Mit Kindern unterwegs
Trajanbogen (Benevent)
Castello di Montesarchio
Schmetterlingsammlung
in der Mittelalterlichen Burg
(Guardia Sanframondi)
Turmuhrmuseum
(San Marco dei Cavoti)
Geopaläontologisches Park
von Pietraroja
Dinosaurierpark
in San Lorenzello
141
Sant’Agata dei Goti
Gaumenfreuden
Nusslikör „Nocino“
Liquore Strega
Extra natives Olivenöl Colline
Beneventane
Laticauda sannita Schafkäse
Prosciutto (Rohschinken)
di Pietraroja
Torrone (Nougat) aus
Benevent und San Marco
dei Cavoti
Weine
Guardiolo DOC
Sannio DOC
Solopaca DOC
Taburno DOC
Thermen und Wellness
San Salvatore Telesino
Telese Terme
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Benevent
142
Benevent, die legendäre „Hexenstadt“, ist sehr alten
Ursprungs. Die samnitische Stadt Maloentum
wurde, eingedenk des Sieges gegen den König von
Epirus, Pyrrhos, von den Römern auf Beneventum
umbenannt. Aber hier sind auch langobardische,
angevinische und päpstliche Truppen
vorbeigezogen. Dieser Landstrich konnte jedoch
seinen ursprünglichen Charakter bewahren, der
vermutlich auf die alten samnitischen Krieger
zurückgeht, die als einzige der Übermacht der
römischen Legionen Widerstand leisten konnten.
490 n.Chr. wurde Benevent von den Goten und
später (571) von den Langobarden erobert, die das
berühmte Herzogtum gründeten. Nach dem Jahr
1000 wurde die Stadt Papstmachtbereich und blieb
bis zur Einigung Italiens unter dem Einfluss des
Kirchenstaates.
Wahrzeichen der Stadt ist der imposante
Trajanbogen (Arco di Traiano), der am Anfang der
Via Traiana auf der Strecke Benevent-Brindisi
errichtet wurde. Er ist 15 m hoch, in sehr gutem
Zustand und mit Skulpturen geschmückt, die die
Heldentaten des Kaisers darstellen. Die römische
Geschichte wird auch vom prunkvollen Theater aus
dem 2.Jh.n.Chr. erzählt, in dem im Sommer
Konzerte und Schauspiele veranstaltet werden. Der
Dom, der in langobardischer Zeit (7.Jh.) gegründet
und danach komplett umgebaut wurde, weist von
der ursprünglichen Struktur noch die Fassade und
den Kampanile auf. Das reizvollste Monument ist die
Kirche Santa Sofia, ein Meisterwerk aus dem
Mittelalter. Sie wurde von den Langobarden im 8.Jh.
gegründet, hat einen ungewöhnlichen Grundriss, der
durch Pilaster und Säulen römischer Herkunft
gegliedert ist, und ist durch den komplizierten
Gewölbe- und Bogenentwurf geprägt. Wunderschön
ist der Kreuzgang aus der ersten Hälfte des 12.Jh.
Die Hexen
von Benevent
Der Legende nach soll in
der Nähe von Benevent ein
jahrhundertealter Nussbaum
gestanden haben, unter dem
sich die Hexen vor ihrem
Flug mit dem Besen
getroffen haben sollen. Die
Hexe, die im lokalen Dialekt
„janara“ genannt wird, ist
die letzte Vertreterin eines
ländlichen Heidentums; die
Hexenlegende soll
wahrscheinlich auch an die
tragischen Verfolgungen der
„weisen“ Frauen erinnern.
Im Kloster von Santa Sofia hat das Museo
Provinciale del Sannio seinen Sitz, eines der
bedeutendsten Museen Kampaniens. Der
archäologische Teil umfasst prähistorisches
Material, griechische und italische Keramik,
ägyptische Skulpturen aus einem Isistempel und
hellenistisch-römische Statuen; die Münzsammlung
reicht von der Magna Graecia bis zum Herzogtum
von Benevent. Sehr umfangreich ist der
mittelalterliche Teil mit Goldschmiedearbeiten,
Waffen, Werkzeugen und Skulpturen sowie der
Kunstbereich mit Werken aus dem Barock bis zum
20.Jh. Im historischen Teil werden Leben und
Traditionen der Samniter dokumentiert und in der
prächtigen Rocca dei Rettori, einer 1321 erbauten
Burg, zur Schau gestellt. In den Kellergeschossen
des Präfekturpalastes im Herzen der Stadt befindet
sich das Museum Arcos für zeitgenössische Kunst
„Arte Contemporanea Sannio“; im Garten des
ehemaligen Klosters San Domenico ist der Hortus
Conclusus zu besichtigen, eine
Skulpturensammlung von Mimmo Paladino, der
sich auf die mythische Vergangenheit zu berufen
scheint. Im Sommer findet in der Stadt ein wichtiges
Festival mit Musik-, Theater- und
Tanzveranstaltungen, Ausstellungen, Kongressen
und Workshops statt, die in den historischen Plätzen
der Altstadt organisiert werden.
Typische Produkte
Der Torrone (Nougat) aus
Benevent ist seit der Römer
bekannt. Der knusprige
Torrone ist mit Schokolade
überzogen und eine Spezialität
aus San Marco dei Cavoti.
Berühmt sind die Liköre von
Benevent, der aus dem 19.Jh.
stammende Strega, nach dem
der beühmte Literaturpreis
benannt ist und der Nocino,
der aus den köstlichen
Nüssen von Benevent
hergestellt wird, die am
Johannesfesttag geerntet
werden. In diesem Gebiet
werden zwei extra native
Olivenölsorten hergestellt, das
„Sannio Caudino Telesino“
und das „Colline
Beneventane“. Zu den
verschiedenen Käsesorten
und Salamiarten, zählen der
Pecorino di Lauticada sannita
(eine Schafkäseart) und der
Prosciutto di Pietraroja.
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:52 Pagina 143
Berühmte Reisende
Wir kamen zur Appia, der schönsten Straße der Antike…
dort wo wir waren, ging sie gen Benevent und endete in
Brindisi; dieser Straße folgte Horaz bei seiner poetischen
Reise.
Alexandre Dumas
143
Trajanbogen
in Benevent
Hortus
Conclusus
des Mimmo
Paladino
in Benevent
Kirche Santa
Sofia
in Benevent
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:52 Pagina 144
Valle Caudina
144
In der Valle Caudina nahe Arpaia liegt der Pass der
Forche Caudine, wo die Römer 321 v.Chr. eine
schmähliche Niederlage durch die Samniter erlitten
haben.
Der bedeutendste Ort ist Sant’Agata dei Goti. Es
liegt an einem Tuffsteingrat zwischen zwei Flüssen,
mit herrlichem Blick auf die Ebene und konnte im
Laufe der Jahrhunderte seinen alten Reiz bewahren.
Sant’Agata erhebt sich auf den Resten des antiken Saticula,
ein samnitisches Dorf und später römische Kolonie; der
heutige Name geht auf das 6.Jh.n.Chr. zurück, als sich hier
eine Gotenkolonie niederließ. Bei einem Spaziergang durch
die Gassen der Altstadt, vorbei an Kirchen, Klöstern und
Adelspalästen meint man, in eine Welt einzutauchen, in der
die Zeit stehen geblieben ist. Unbedingt sollten die
Herzogsburg (Castello Ducale) normannischen Ursprungs
und der wunderschöne Dom aus dem 10.Jh. besichtigt
werden, in dem noch Spuren des alten Mosaikbodens und
Fresken in der Krypta erhalten sind; die Kirche San Menna
aus dem 12.Jh. weist die majestätische Struktur der ersten
christlichen Tempel und Mosaikreste auf; die Kirche der
Annunziata mit einem prachtvollen Portal aus dem 16.Jh.
und einem Gemälde der Verkündigung ist ein katalanischer
Bau aus dem 15.Jh.
Der Parco Naturale
Regionale del TaburnoCamposauro
Der Park verdankt seinen
Namen dem Massiv der
Monti Taburno (1.934 m)
und Camposauro, dessen
Profil gemeinsam mit dem
des Monte Pentime an eine
liegende Frau erinnert, daher
auch der nette Beiname „Die
Schlafende des Sannio“. Das
Gebiet umfasst herrliche
Täler wie Valle Caudina,
Telesina, Vitulanense und
das des Isclero mit Eichen-,
Edelkastanien- und
Buchenwäldern.
Montesarchio, das antike Caudium, ist ein
berühmtes samnitisches Zentrum mit der Burg aus
dem 15.Jh. Diese war unter den Bourbonen
Gefängnis für politische Häftlinge, wo Poerio, Nisco
und andere Patrioten des Risorgimento eingesperrt
waren.
Vitulano ist Ausgangspunkt für Ausflüge in die
Wälder des Parco Regionale del TaburnoCamposauro. Sehenswert sind die Einsiedelei San
Menna und der Komplex der SS. Trinità (Mitte des
16.Jh.) mit dem Kampanile im Stil des Vanvitelli.
Etwas weiter liegt Solopaca, das wichtigste
Weinerzeugungsgebiet im Flusstal des Calore irpino.
Hier wird der älteste DOC-Wein der Provinz
Benevent erzeugt. Veranstaltet werden hier im
September das Traubenfest und am Tag des Hl.
Martin (11.November) die Ausstellung des Vino
Novello (junger Wein). Nahe des Herzogpalastes
sind noch die Mauern mit diagonal verlegten
Steinen (opus reticulatum) eines römischen
Tempels, der so genannten „Casa delle Fate“
(Feenhaus), zu sehen.
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:52 Pagina 145
Berühmte Reisende
Der Aglianico-Wein stammt aus dem Königreich von
Neapel, wo ein guter Greco gekeltert wird.
Sante Lancerio (Kellermeister von Papst Paul III), 1559
145
Sant’Agata
dei Goti
Die Straße des Weins
und der typischen
Produkte Terre
dei Sanniti
Die Provinz Benevent ist ein
Pflichtbesuch für
anspruchsvolle Weinkenner.
Dank des dynamischen
Weinbaus dieses Gebietes
werden hier sechs DOCWeine erzeugt, die zu den
besten Weinen Italiens
zählen: Aglianico del
Taburno, Taburno,
Guardiolo, Sannio,
Sant’Agata dei Goti und
Solopaca.
Die Route der zu
besichtigenden Weinkeller,
Weingärten,
Beherbergungsstrukturen
und typischen Restaurants
ist von grünen Hügeln mit
Weingärten und
Olivenbäumen sowie
Kirchen, mittelalterlichen
Orten und Burgen gesäumt
(www.sito.regione.campania.it
/agricoltura/home.htm).
Morcone
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:52 Pagina 146
Valle Telesina
und Valle del Fortore
146
Die Valle Telesina ist nach dem Städtchen Telese,
dem antiken Telesia benannt, dem Standort
berühmter Thermalanlagen. Dank Heilwasser und
üppigem Grün ist dieser Ort ideal für einen Urlaub
im Zeichen der Entspannung und des
Wohlbefindens. Reste der römischen Stadt (Mauern,
Stadttore, gepflasterte Straßen) sind bei schönen
Spaziergängen in der Umgebung zu besichtigen.
Guardia Sanframondi ist ein altes Juwel der
Samniter, ein mittelalterliches Städtchen auf einem
mit Weingärten, Oliven- und Obstbäumen
bepflanztem Hügel. Von der majestätischen Burg,
die im 6.Jh. erbaut und 1100 befestigt wurde, kann
man einen herrlichen Ausblick genießen.
Das reizende Städtchen Cerreto Sannita ist für
seine alte Keramiktradition berühmt, die durch eine
Dauerausstellung der alten und modernen Keramik
belegt wird. Sehenswert sind auch die Kathedrale
und die Pfarrkirche San Martino, die im Rokokostil
im 18.Jh. gebaut wurden. Dieser Ort ist auch das Tor
zum Matese-Massiv. Cusano Mutri, ein
mittelalterliches Städtchen, das sich um die Burg
entwickelt hat mit seinen weißen, steil talwärts
gebauten Häusern ist berühmt für seine optimalen
Pilze, die im Herbst bei den beliebten, populären
Festen gefeiert werden. Morcone, ein heiteres
Ferienbergdorf, scheint wie eine freudige Kaskade
von Häusern, die die Hänge des Monte Mucre
säumen.
Unweit vom Ortskern von Pietraroja, wo der
berühmte Prosciutto (Rohschinken) gekostet werden
sollte, ist der Geopaläontologische Park zu
besichtigen, in dem Fossilien-, Tier- und
Pflanzenreste gefunden wurden, die 200 Millionen
Jahre alt sind. Aufsehen erregt hat 1993 der Fund
eines kleinen Dinosauriers, dem der Kosenamen
Ciro gegeben wurde. In San Lorenzello wartet ein
Park mit lebensgroßen Dinosauriern auf die ganz
kleinen Besucher.
Das Gebiet nordöstlich von Benevent ist eine Oase
von Bergen, sanften, tief grünen Hügeln und
flussreichen Tälern. Hier kann man Tage der Einkehr
und Spiritualität in Orten verbringen, die vor allem
Gläubigen besonders am Herzen liegen.
Tausende Gläubige machen jährlich Pilgerreisen
nach Pietrelcina, dem Geburtsort von Padre Pio.
Die Orte des Heiligen, das bescheidene Haus und
die Ulme der Piana Romana können besichtigt
werden, zu der sich der Pater zum Gebet zurückzog.
Pesco Sannita prunkt mit Adelspalästen und wird
vom Fluss Tammaro umspült. Die Altstadt ist durch
gemeißelte Steindekorationen, Torbögen und schöne
Treppenaufgänge geprägt. In der Kirche San
Salvatore aus dem 19.Jh. werden in einem HolzKristallsarg die sterblichen Überreste der Märtyrerin
Santa Reparata aus dem des 3.Jh. aufbewahrt.
Sehenswert sind auch die aus dem 17.Jh.
stammende Kirche Madonna dell’Arco und die
Kapelle San Giuseppe mit einem Majolikaaltar. Auf
einem Hügel im oberen Tammarobecken erhebt sich
San Marco dei Cavoti, Heimat des köstlichen
knusprigen, schokoladeüberzogenen Torrone
(türkischer Honig), der hier 1891 erfunden wurde.
Das charakteristische mittelalterliche Städtchen ist
von Stadtmauern und -toren umgeben. Der größte
Ort des Fortoretals ist San Bartolomeo in Galdo,
das wunderschön inmitten von Wäldern eingebettet
ist. Zu sehen sind der in der Renaissance erbaute
Palazzo Martini und die Kirche San Bartolomeo aus
der selben Zeit mit zwei interessanten Portalen und
einer katalanisch anmutenden Rosette.
Ciro, der Dinosaurier
von Pietraroja
Der Dinosaurier
von Pietraroja
Der kleine Ciro (Scypionyx
sanniticus) ist der erste in
Italien entdeckte und
weltweit einer der best
erhaltenen Dinosaurier,
dessen Organe und
Muskelfasern vollständig
und bestens erkennbar sind.
Der nur wenige Wochen alte
Babydinosaurier war gerade
erst aus dem Ei geschlüpft,
hat vor 110 Millionen Jahren
gelebt und ist 60 cm groß
(Parco Geopaleontologico,
tel. 0824 868253).
Pietrelcina
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:53 Pagina 147
Berühmte Reisende
Berühmte Reisende
Benevent enthüllt all jenen seine Geschichte, die
diese zu entziffern wissen; Reste samnitischer
Gemäuer, imposante römische Monumente, die
mittelalterliche Burg, die Brücke am Calore, die
bereits Dante erwähnt…
Pietrelcina… Stein auf Stein
erinnere ich mich – ich werde es
hüten wie meinen Augapfel.
San Pio von Pietrelcina, 1918
Guido Piovene, 1951
147
Kuppel
der Kathedrale
von Cerreto
Sannita
Die siebenjährlichen
Riten von Guardia
Sanframondi
In Guardia Sanframondi
finden alle sieben Jahre im
August die Bußriten zu
Ehren der auferstanden
Madonna statt; die
Prozessionsteilnehmer tragen
Dornenkronen oder Kapuzen
und geisseln sich, andere
junge Leute sind als Personen
der Bibelgeschichte verkleidet.
Diese Veranstaltung zieht
unzählige Touristen und
Wissenschaftler an. Das
nächste Mal findet dieses Fest
im Jahr 2010 statt.
Der Ordensbruder
von Pietrelcina
Padre Pio (Francesco
Forgione, 1887-1968)
wurde in Pietrelcina
geboren. 1916 kam er in
das Kloster von San
Giovanni Rotondo (Foggia),
wo er bis zu seinem Tod
auch blieb. Er empfing die
Stigmata, die 50 Jahre lang
bluteten. Dieses Phänomen,
das ihm den Ruf als
Heiligen einbrachte, zog
zahlreiche Gläubige an.
1940 leitete der
Ordensbruder ein
großartiges Werk, den Bau
der Casa Sollievo della
Sofferenza, ein. 2002 wurde
er von Papst Johannes Paul
II heilig gesprochen.
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Avellino und Irpinia
148
Conza della Campania,
der See
Berühmte Reisende
Wahrlich war der Greco so ein erlesener
Wein, dass er bei den Festmahlen nur
einmal eingeschenkt wurde.
Plinius der Ältere, 1.Jh.n.Chr.
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149
Das „grüne Irpinia“ wird von dichtem Wald bedeckt
und ist landschaftlich gesehen einer der schönsten
und üppigsten Landstriche Italiens; es umfasst Parks
und Naturoasen, Berge und quellenreiche
Hochebenen, Grotten, Seen, Flüsse, Wasserfälle,
Wälder … Der Zauber der Farben und Düfte lädt zu
Spaziergängen in unberührter Natur auf Wegen ein,
die bei jedem Schritt einzigartige Ausblicke auf
imposante Berge, Wasserläufe und weite Täler
enthüllen.
Bei einer Entdeckungsreise durch Irpinia wird neben
den Landschaftsreizen auch ein reiches Kultur- und
Kunsterbe offenbar; Etrusker, Griechen, Römer,
Goten, Langobarden … in mehr als dreitausend
Jahren haben viele Völker diese Landstriche
durchzogen und ihre Geschichte spiegelt sich in
römischen und langobardischen Ruinen, strengen
Katakomben und barocken Monumenten wider. Es
gibt keinen Ort in Irpinia, der nicht etwas zu erzählen
hätte. Irpinia ist auch für seine große Weintradition
berühmt, hier werden die DOCG-Weine Taurasi,
Greco di Tufo und Fiano gekeltert. Kürzlich wurde
die Regionale Önothek der Irpinischen Weine
eingerichtet, die in der Burg von Taurasi
untergebracht ist. Sie fungiert als
Promotionszentrum des Gebiets und seiner Weine,
dient aber auch zur Information und Begegnung mit
den Besuchern. Die Weine unterstreichen die
Charakteristik der lokalen Gastronomie, die mit ihren
Qualitätsprodukten und Rezepten vergangener Zeiten
eine hervorragende Küche gewährleistet.
Wirtshäuser, Gaststätten und renommierte
Restaurants, die auf geschickte Weise Leidenschaft,
Erfahrung und Innovation miteinander verbinden,
ermöglichen es dem Besucher, wahre kulinarische
Meisterwerke zu probieren. Auch das reiche und
vielseitige Beherbergungsangebot bietet mit
Pensionen, Hotels, agritouristischen Landgasthöfen
und Bed&Breakfast-Pensionen Unterkünfte für jeden
Geschmack und jeden Geldbeutel.
Die Straße des Weins
und der Gastronomie
von Irpinia
Die Provinz Avellino liegt
eingebettet in Weinbergen
und bietet weltberühmte
Weine wie den König der
Rotweine Taurasi, den
Greco di Tufo und den
Fiano, zwei Weißweine mit
unvergleichlichem
Geschmack.
Diese sind drei besonders
hochwertige
Qualitätsprodukte und auch
die einzigen DOCG Weine
Süditaliens. Die Straße geht
von Avellino auf der Via
i
Ente Provinciale per il
Turismo di Avellino
via Due Principati 32/A
Avellino
tel. 0825 747321
www.eptavellino.it
Provincia di Avellino
Assessorato al Turismo
corso Vittorio Emanuele, 44
Avellino
tel. 0825 790469
Ente Parco Regionale
del Partenio
via Borgonuovo 1
Summonte (AV)
tel. 0825 691166
www.parcopartenio.it
Atripalda
Palazzo dell’ex Dogana
dei Grani
piazza Umberto I
tel. 0825 626586
Avellino
Museo Irpino
corso Europa
tel. 0825 790501
Museo Zoologico
via F. Petronelli 8
tel. 0825 781249
Mirabella Eclano
Ausgrabungen von Aeclanum
via Nazionale delle Puglie
(località Passo di Mirabella)
tel. 0825 449175
Appia mit vielen
Abzweigungen durch die
Täler des Sàbato und
Calore. Dieses Gebiet
zwischen mit Weinreben
und Olivenbäumen
bedeckten Hügeln und mit
Obstbäumen gesäumten
Erhebungen legt mit
langobardischen
Befestigungen,
normannischen Burgen und
Renaissancebauten reiches
Zeugnis über die
Geschichte jener
Kulturvölker ab, die sich
hier im Laufe der
Jahrhunderte
niedergelassen haben
(www.sito.regione.campania.it
/agricoltura/home.htm).
Montevergine
Abteimuseum von
Montevergine und KrippenDauerausstellung
Heiligtum Montevergine
tel. 0825 72924/73424
www.montevergine.org
Sant’Angelo dei Lombardi
Museo dell’Abbazia del Goleto
contrada S. Guglielmo
tel. 0827 24432
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:53 Pagina 150
Nicht versäumen
Museo Irpino, Avellino
Wallfahrtskirche Montevergine
Kollegialkirche von Solofra
Basilica dell’Annunziata, Prata
di Principato Ultra
Ausgrabungen von Aeclanum
Abtei San Guglielmo al Goleto
Irpinia an einem Tag
Avellino
Wallfahrtskirche Montevergine
Irpinia in drei Tagen
Avellino
Wallfahrtskirche Montevergine
Sant’Angelo dei Lombardi
Mirabella Eclano
Archäologischer Park Conza
Kunst und Archäologie
Altstadt von Avellino,
Sant’Angelo dei Lombardi,
Mirabella Eclano
Museo Provinciale Irpino
in Avellino
Wallfahrtskirche Montevergine
Natur und Parks
Parco Regionale del Partenio
e Alta Irpinia
Parco Naturale Regionale
dei Monti Picentini
Für die jungen Leute
Laceno-see
Monte Terminio
150
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:53 Pagina 151
Einkäufe
Spitzen aller Art
Marmorgegenstände
Stroharbeiten
Holzeinlegearbeiten
Wein und typische Produkte
Mit Kindern unterwegs
Burg von Gesualdo
Burg Lancellotti (Lauro)
Laceno-see
Naturschutzgebiet
Polveracchio e Valle
della Caccia
Naturschutzgebiet Conzasee
151
Der See Laceno
Gaumenfreuden
Esskastanien, Äpfel,
Haselnüsse
Pilze und Trüffel
Pecorino (Schafskäse) und
caciocavallo (Kuhmilchkäse)
DOCG Weine Fiano di
Avellino, Greco di Tufo,
Taurasi
Thermen und Wellness
Antiche Terme di San
Teodoro, Villamaina
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:53 Pagina 152
Avellino,
Mercogliano
und Wallfahrtskirche
Montevergine
152
Die Hauptstadt Avellino ist ein wunderschönes
Naturschauspiel inmitten der Monti Picentini. Im
modernen Stadtzentrum sind interessante
historische Bauwerke erhalten wie der Dom mit
einer schönen neoklassizistischen Fassade,
Gemälden aus dem 16.Jh. und einer wunderschönen
romanischen Krypta. Majestätisch ist auch der
Kampanile, für dessen Errichtung Baumaterial aus
der Antike wiederverwertet wurde. Das Wahrzeichen
der Stadt ist der barocke Uhrturm auf der Piazza
Amendola, der mit seinen vierzig Metern die Dächer
des Wohngebietes überragt. Andere repräsentative
Monumente sind die Bellerofonte-Fontäne aus
dem 17.Jh. von Cosimo Fanzago und die Ruinen der
Langobardischen Burg.
Im Museo Irpino ist archäologisches Material ausgestellt,
das in der Provinz ausgegraben wurde. In den
verschiedenen Abteilungen (Archäologie, Renaissance und
Moderne) des Museums sind authentische Meisterwerke zu
bewundern, wie die Funde des antiken Abellinum, darunter
auch ein herrliches Mosaik, die interessante Rekonstruktion
des prachtvollen Grabes eines Stammesführers aus
Mirabella Eclano, der mit seinem Hund begraben wurde,
die Holzstatuen aus dem Mephitistempel im Ansanto-Tal
sowie Keramiken, Porzellan, Gemälde der neapolitanischen
Schule vom 17.Jh.-19.Jh. und eine wunderschöne,
neapolitanische Krippe aus dem 18.Jh.
Vom Bergmassiv des Partenio (1270 m über dem
Meeresspiegel) dominiert die Wallfahrtskirche
Montevergine die Stadt Avellino, die berühmteste
und meist besuchte Marienwallfahrtskirche
Süditaliens und Ziel zahlreicher italienischer Pilger.
Auf der Straße zur Wallfahrtskirche erhebt sich
Mercogliano in reizvollem Berg- und Hügelland.
Nicht nur die schönen Bauwerke, sondern auch das
herrliche Panorama bis zum Golf von Neapel sind
wirklich bemerkenswert. Hier liegt der Abteipalast
von Loreto, ein grandioser Bau von Domenico
Das Erdbeben von 1980
1980 wurde Irpinia von
einem fürchterlichen
Erdbeben verwüstet, bei
dem viele Menschen ums
Leben kamen und im
gesamten Gebiet riesige
Schäden verursacht wurden.
Den hartnäckigen und
fleissigen Bewohnern ist es
jedoch gelungen, dieses
Land in neuem Glanz
erstrahlen zu lassen.
Antonio Vaccaro aus dem 18.Jh., der reich an
Kunstwerken und historischen Zeugnissen ist, wie
dem zauberhaften Kreuzgang, in dem im Sommer
Konzerte stattfinden, und eine Bibliothek mit
Pergamenten, Papstbullen und wertvollen
Wiegendrucken. In der Nähe von Mercogliano sollte
ein Abstecher zum mittelalterlichen Städtchen Capo
Castello mit den Resten der Normannenburg
gemacht werden.
Von Mercogliano gelangt man auf der
Panoramastraße oder in 7 Minuten mit der Seilbahn
über einen atemberaubenden Hang bis zur
Wallfahrtskirche Montevergine, die unmittelbar
unter dem Gipfel des Monte Partenio inmitten einer
zauberhaften Waldlandschaft liegt.
Die Wallfahrtskirche wurde 1124 auf Resten eines der
Göttin Kybele geweihten Tempels errichtet. Jährlich steigen
zwei Millionen Pilger zu ihr hoch um die Mamma
Schiavona, eine braune Madonna auf einem Gemälde aus
dem 13.Jh., zu verehren. Die wichtigsten Tage für die Pilger
sind im Mai, August und September anlässlich von
Pfingsten, Mariä Himmelfahrt, und Mariä Geburt (zum
traditionellen Gang nach Montevergine „iuta a
Montevergine“). Wichtig ist auch das Fest des San
Guglielmo da Vercelli, dem Gründer der Kirche (25. Juni).
Die Gläubigen kommen zu Fuß oder mit Blumen und
Girlanden geschmückten Karren begleitet von traditionellen
Musikklängen zur Wallfahrtskirche. Das Kloster und das
Gästehaus sind schlichte Bauten, aber das Interieur der
neuen Basilika (1952-1961) ist reich verziert. Im
Presbyterium erhebt sich der Monumentalthron mit dem
großen Gemälde der dunkelhäutigen Madonna di
Montevergine (Ende des 13.Jh.).
Am Ende der Seitenschiffe gelangt man zur gotischen „alten
Kirche“, die im 17.Jh. umgebaut wurde und wertvolle
Kunstwerke beherbergt. Im anliegenden Museum sind
Adelsgrabmäler und eine Dauerausstellung von Krippen
vom 18.Jh. bis heute zu sehen.
Gastfreundliche Klöster
Die Wallfahrtskirche
Montevergine bietet im
Gästehaus Gruppen und
Einzelreisenden Unterkunft,
die das umfangreiche
Kulturprogramm der
Mönche nützen können, das
Ausstellungen und
Konzerte, Verkostungen von
bestem Honig und
Kräuterlikören vorsieht.
Frauen können im
Benediktinerkloster
nächtigen, das in einer
Adelsvilla aus dem 18.Jh.
eingerichtet wurde. In
Irpinia wird auch im Kloster
San Francesco in Montella,
im Nonnenkloster Santa
Lucia di Serino und in der
Abbazia del Goleto
Unterkunft geboten.
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:53 Pagina 153
Berühmte Reisende
… Kampanien, außergewöhnlich in Hinblick auf den
Weinbau.
Plinius der Ältere, 1.Jh.n.Chr.
153
Wallfahrtskirche
Montevergine
Avellino, Palazzo
Testa
Abteipalast
in Mercogliano
„Nach
montemaranesischem
Brauch“
Der mitreissendste Karneval
ist der von Montemarano,
ein Ort östlich von Avellino,
am Fuß der Monti Picentini.
Seit Jahrhunderten
verkleiden sich die
Bewohner an den
Karnevalstagen und stürzen
sich in einen zügellosen
Tanz zum frenetischen
Rhythmus der „tarantella
montemaranese“, der
originellsten und
schwierigsten, heute
existierenden Tarantella.
Typische Produkte
In diesem fruchtbaren Bergund Hügelland gedeihen
unzählige typische Produkte.
Dazu zählen, um nur einige zu
nennen, die bekannten
Esskastanien von Montella
und Serino, die
weltberühmten Haselnüsse
von Avella, Honig, Pilze, die
schwarzenTrüffel von Bagnoli
Irpino, die Tomaten aus
Montoro, Käse aus Montella
und Bagnoli, sowie
Wurstwaren aus Mirabella
Eclano. Das Ackerland von
Irpinia, das vorwiegend von
Familienbetrieben verwaltet
ist, wird noch nach
traditionellen Methoden
bewirtschaftet, um biologische
und qualitativ hochwertige
Produkte zu gewinnen. Viele
dieser Betriebe bieten auch
in ursprünglichen und
gemütlichen Landgasthöfen
Unterkunft.
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:53 Pagina 154
Das grüne Herz
Kampaniens
154
Irpinia umfasst den Park des Partenio den der Monti
Picentini, die Grotte des Caliendo, das
Naturschutzgebiet Valle della Caccia in Senerchia,
die Seen Conza, Laceno…
Das Parteniomassiv nordwestlich von Avellino bildet
den Regionalpark des Partenio mit Bergen,
Hochebenen und Wäldern, in denen Pilze,
Waldbeeren und Heilpflanzen wachsen. Zahlreiche
Beherbergungsstrukturen wie Hotels, Pensionen,
Agritourismen sowie Bed&Breakfast stehen dem
Besucher in diesem Park zur Verfügung. An der
Grenze des Parks zu Benevent, in San Martino in
Valle Caudina, erhebt sich das Castello della
Leonessa der Fürsten Pignatelli, ein schönes
Beispiel des Kulturerbes von Irpinia. Im Südosten
im großen Regionalpark der Monti Picentini
(zwischen den Provinzen Avellino und Salerno)
liegen hohe, mit Buchenwäldern bedeckte
Berggipfel, Täler, Schluchten mit Quellen und
Wasserfällen (hier entspringen die Flüsse Calore,
Sele, Sarno und Ofanto), unberührte Naturwinkel, in
denen seltene Vogelarten beheimatet sind. Viele
Spaziergänge können hier unternommen werden,
unter anderen der beliebte Rundgang am LacenoSee auf der gleichnamigen Hochebene, wo im
Winter eifrig Skigelaufen wird.
Der westliche Teil von Irpinia ist von reinem
Grünland, zahlreichen Quellen und herrlichen
Panoramablicken geprägt; Campo di Summonte, die
Grotte der Sportiglioni, der Wildbach Acquafredda
laden zu interessanten Naturspaziergängen ein.
Historische und archäologische Zeugnisse wiederum
sind in Avella zu finden, dessen Gebiet größtenteils
dem antiken Abella entspricht; von hier stammt der
Cippus Abellanus (2.Jh.v.Chr.), ein wichtiges
Dokument in oskischer Sprache, das im
archäologischen Museum von Nola aufbewahrt wird.
Zu den bedeutendsten Monumenten zählen die gut
erhaltenen Reste des römischen Amphitheaters
aus spät-republikanischer Zeit und der
Grabdenkmäler. Die befestigte Anlage der
mittelalterlichen Burg, deren Ruinen noch sichtbar
sind, ist eine der größten Süditaliens. Interessant ist
auch die Grotta di San Michele mit byzantinischen
Fresken. Lauro, wo die erlesenen lokalen
Haselnüsse verarbeitet werden, ist berühmt für das
mächtige Schloss Lancellotti, das im 14.Jh. in
schöner panoramischer Lage errichtet, später
zerstört und im 19.Jh. in verschiedenen
fantasievollen Stilen wieder aufgebaut wurde.
Hochebene
von Laceno
Ein grünes Paradies
Irpinia ist ein wahres
Paradies für all jene, die
das Leben an der frischen
Luft und sportliche
Aktivitäten lieben. Zu jeder
Jahreszeit werden dem
Besucher eine Vielzahl an
Unterhaltung und
Vergnügen, wie
Spaziergänge,
Exkursionen, Trekking,
Reiten geboten; begeisterte
Skifahrer können einen
Urlaub in schönen
Wintersportgebieten wie
Volturara Irpina, Bagnoli
Irpino (mit der herrlichen
Hochebene von Laceno)
und Campolaspierto
genießen, die alle mit
modernen Liftanlagen und
gemütlichen
Beherbergungsstrukturen
ausgestattet sind.
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:53 Pagina 155
Berühmte Reisende
Alle Epochen haben in dieser Region Einzug gehalten: Die alten Kimmerier mit ihren
nächtlichen Begräbniszeremonien; die Osker und Etrusker, die Chalkider, die Samen,
die Sibariten mit ihrer gutmütigen Menschlichkeit und schließlich die Römer, die Herren
der Natur, die sagenhaften Mauren und die ritterlichen Normannen.
Victor Hehn, 1884
155
Montella
Die Brücke „Ponte della
Lavandaia“
Römisches
Amphitheater
in Avella
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:53 Pagina 156
Von Sabato
bis Ufita
156
Dem Verlauf der vielen Flüsse Irpinias zu folgen,
könnte eine unterhaltsame Alternative zu den
üblichen Touristenwegen sein.
Der Fluss Sabato entspringt bei den Monti Picentini
etwas südlich von Avellino. Das erste Städtchen, das
er durchquert, ist Serino, wo das berühmte
Aquädukt beginnt, welches die Stadt Neapel und
andere Gemeinden Kampaniens mit Wasser versorgt.
Diese Stadt ist auch Ausgangspunkt für Exkursionen
zu den Plateaus des Monte Terminio (1300m
ü.M.), im Parco dei Monti Picentini, in dem
Beherbergungsstrukturen und Skiorte auf den
Besucher warten. Unbedingt sollte ein Abstecher
nach Solofra eingeplant werden, um vor einer
prachtvollen Bergkulisse Kunstschätze wie die
Kollegialkirche San Michele mit Gemälden aus dem
16. und 17.Jh. (berühmt vor allem die von
Francesco Guarino) und den majestätischen
Herzogspalast (Palazzo Ducale) zu besichtigen, in
dem die Gemeindeverwaltung untergebracht ist.
Dieses Städtchen wird als die Hauptstadt der
Ledererzeugung Kampaniens angesehen.
Atripalda am Ufer des Sabato, ist das
Ausgrabungsgebiet des antiken Abellinum. In der
Ortschaft Civita sind Reste von Mauern, Türmen und
einem römischen Haus mit Peristyl, Garten,
Schwimmbad und zahlreichen mit Fresken
geschmückten Räumen zu besichtigen.
Das Getreidezollgebäude ist ein schönes Beispiel für
Industriearchäologie, ein Museum mit Werken aus
Kirchen, die nach dem Erdbeben 1980 zerstört oder
geschlossen wurden, und vorübergehenden
Ausstellungen.
In Prata di Principato Ultra, das sich auf einem
Sporn über dem Flusslauf erstreckt, befindet sich
eines der ältesten Monumente Irpinias, die Basilica
dell’Annunziata, von der noch Teile der frühchristlichen
Anlage aus dem 6.Jh. mit den nahen Katakomben aus
dem 3./4.Jh.n.Chr. erhalten sind, wo man Altäre,
Gräber und Fresken sehen kann, von denen die
Verkündigungsdarstellung besonders interessant ist.
Das weite Ufita-Tal im Norden ist ein an Geschichte
und Tradition reicher Landstrich, wo grüne Hügeln
und kleine Ortschaften fast übergangslos in einander
verschmelzen. Im malerischen Ariano Irpino sind
imposante Reste der normannischen Burg und einer
schönen Kathedrale zu sehen. Von hier kann man ein
weitläufiges Panorama auf die Täler des Ùfita und des
Mescano sowie auf das obere Irpinia genießen; am
Horizont sind Taburno, Partenio und Matese zu sehen.
Praktisch das gesamte Gebiet mit seinen in Fels
gehauenen kleinen Orten am Gipfel gut zu verteidigender
Hügel ist reich an Burgen; die berühmtesten und am
besten erhaltenen sind die wuchtige Burg, die den Ort
Gesualdo überragt, wo im 16.Jh. der berühmte Fürst
und Komponist Carlo Gesualdo viele seiner Werke
schrieb, und die Burg von Zungoli, die sich in einem
bezaubernden alten Ort erhebt.
Für einen entspannenden Wellnessurlaub kann man
in den Antiche Terme di San Teodoro Halt
machen, die unweit von Villamaina im Ort Bagni di
San Teodoro liegen.
Eine 25 m hohe
Strohpyramide, die mit
Weizenplatten verkleidet ist
und auf der eine Statue der
Schmerzensmutter thront,
wird auf einem Karren
durch den Ort getragen, der
von sechs Ochsen gezogen
wird. Der Aufbau wird von
den Ortsbewohnern mit
Seilen fest gehalten.
bildhübsche Frau Maria
d’Avalos mit ihrem Geliebten
überraschte, ermordete er
beide. Um der Rache der
Verwandten der beiden
Ermordeten zu entrinnen,
flüchtete er auf die Burg von
Gesualdo, wo er die letzte Zeit
seines Lebens ausschließlich
der Kirchenmusik widmete.
Im Kapuzinerkloster von
Zu Ehren des Weizens:
„Festa del Carro
di Paglia“
Das Strohkarrenfest wird
jährlich am dritten
Septembersamstag in
Mirabella Eclano begangen.
Montefusco ist das von Titus Livius - dem
berühmten römischen Historiker -erwähnte Felsulae.
In der Burg war der Große Strafhof der Bourbonen
untergebacht, der den Beinamen „Spielberg von
Irpinia“ hatte, weil in den Kellergewölben viele
Patrioten des Risorgimento eingesperrt waren.
Mirabella Eclano erhebt sich dort, wo einst eine der
wichtigsten samnitischen Städte lag, die später von
den Römern erobert wurde. Am Mirabella-Pass
brachten die Ausgrabungen von Aeclanum wichtige
Reste der römischen Stadt, darunter die öffentlichen
Therme, den Marktplatz, Wohngebäudereste,
Werkstätten und Mauern mit diagonal verlegten
Steinen ans Tageslicht. Viele Stücke sind im Museo
Irpino in Avellino ausgestellt. In der Altstadt von
Mirabella beherbergt die Kirche Santa Maria Maggiore
(Ende des 19.Jh.) ein kostbares Holzkruzifix aus dem
13.Jh., das zu den schönsten Beispielen romanischer
Skulptur Süditaliens zählt.
Gesualdo da Venosa,
Fürst der Madrigalisten
Der größte italienische
Madrigalist ging nicht nur als
Musiker in die Geschichte
ein; 1590, als er seine
Gesualdo ist auf einem
Gemälde (1609) der knieende
Fürst mit seinem Onkel Carlo
Borromeo, der später
heiliggesprochen wurde,
dargestellt, während er
Christus für den Doppelmord
um Verzeihung bittet. Dem
Fürst gegenüber ist die zweite
Frau Eleonora d’Este
abgebildet.
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Berühmte Reisende
Maria d’Avalos hatte eine Haarpracht, die, wenn sie sie kannten, nicht minder als Gold
und einer Krone würdig war. Geringelt ward sie, was den Gemordeten entschuldigte, da
für sie ihr Leben gefangen ward für immer im Tode.
Der Chronist Corona, 1590
157
Mirabella Eclano
Archäologisches Gebiet
Basilica
dell’Annunziata
in Prata di
Principato Ultra
Generale_TED_modificato:Generale 08/09/11 18:53 Pagina 158
Oberes Irpinia
158
Das obere Irpinia im Osten der Provinz ist ein
Landstrich mit Hügeln und steilen Gipfeln, das von
unzähligen Flüssen durchquert wird. Dieses Gebiet
wurde schwer vom Erdbeben 1980 getroffen, aber in
den außergewöhnlichen Orten, die sich einer langen
Geschichte und besonderer Naturschönheiten
rühmen dürfen, konnten mit eifrigen
Restaurierungsarbeiten die Vermächtnisse der
Vergangenheit wiedergewonnen werden.
Montella ist bekannt für seine Nüsse und
Esskastanien und ein idealer Ausgangspunkt für
Exkursionen im herrlichen umliegenden Bergland.
Von hier aus erreicht man das Bergkloster oder
Kloster Santa Maria della Neve, die Wallfahrtskirche
Santuario del Salvatore und die Grotta del Caprone,
wo früher Zeremonien für den Gott Bachus
stattgefunden haben sollen. Unweit davon erhebt
sich der Monumentalkomplex San Francesco a
Folloni, der von Franz von Assisi selbst gegründet
worden sein soll.
Bagnoli Irpino, das in schöner Lage am Nordhang
der Monti Picentini liegt, wird von den Ruinen der
Burg aus dem 15.Jh. überragt. Inmitten von
Naturschönheiten kann die Grotta del Caliendo
besichtigt werden, ein 300 m langer Weg, auf dem
das dem Felsen entspringende Wasser kleine
Wasserfälle speist.
Piano Laceno ist ein Sommer- und
Winterurlaubsort mit guten Hotels und Restaurants
und bietet herrliche Skipisten und effiziente
Liftanlagen. Am Westrand der Ebene liegt der
Laceno-See, an dem Picknickplätze zur Verfügung
stehen.
In Sant’Angelo dei Lombardi, das nach dem
Erzengel Michael (Arcangelo Michele) benannt ist,
den die Langobarden besonders verehrten, können
der romanische Dom und die langobardische Burg
besucht werden. Nur wenige Kilometer entfernt
erhebt sich die wunderschöne Abtei San Guglielmo
al Goleto, ein Meisterwerk der romanischen Kunst
und einer der reizvollsten Monumentalkomplexe
Süditaliens. Der Bau, der mit seinen großen Mauern
das gesamte Ofanto-Tal dominiert, umfasst ein
Kloster und zwei Kirchen.
Interessant ist die Altstadt von Bisaccia: In der
Herzogsburg, die im 7.Jh. gegründet wurde, sind ein
Literatenkaffee und Handwerksbetriebe
untergebracht. Calitri an der Grenze zum SalernoGebiet hat einen schönen alten Stadtkern, der von
einer Burg und reizvollen Grünflächen um den Fluss
Ofanto geprägt ist.
Conza della Campania erhebt sich in der Nähe des
Lago di Conza, einem weitläufigen künstlichen
Becken mit so einem interessanten Ökosystem, dass
es sogar vom WWF unter Naturschutz gestellt
wurde. Die archäologischen Ausgrabungen brachten
wichtige Funde und einen Teil des Forums der
römischen Stadt ans Tageslicht, die im Parco
Archeologico dell’antica Compsa zu besichtigen
sind.
Laceno-See
Eine Wallfahrtskirche
an einem Schwefelsee:
„Mefite di Rocca
San Felice“
Im Ansanto-Tal liegt die
‘Mofette’, ein Ort, der
bereits in der Antike sehr
berühmt war. Dieser
Schwefelschlammsee ist ein
Vulkan, dem Schwefelgase
und -dämpfe entweichen.
Hier in der Nähe wurde im
6.Jh.v.Chr. ein viel verehrtes
samnitisches Heiligtum
gebaut, das Mephitis, der
Schutzgöttin der Gesundheit
und Herrin von Wasser und
Feld, geweiht war. An den
Namen der Göttin erinnert
noch das Eigenschaftswort
‘mefitico’ (stinkend), das an
den unerträglichen Geruch
der Schwefeldämpfe
erinnert; die Heiligkeit
dieses Ortes blieb durch
den Bau der
Wallfahrtskirche Santa
Felicita erhalten, die sich in
unmittelbarer Nähe befindet.
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Berühmte Reisende
Es gibt einen Ort im mittleren Italien unter hohen Bergen,
vornehm und ob seines Ruhmes von vielen erwähnt, das Tal
von Ansanto; düster durch dichtes Laubwerk wird es auf
beiden Seiten von einem Wald eingeschlossen und prall tönt
in der Mitte zwischen Felsen und Strudeln ein Wildbach.
Äneis (VII, 563-567)
159
Abtei
San Guglielmo
al Goleto
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