2015 - Matthias Hell

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2015 - Matthias Hell
29.12.2015 2015/16 wow, was für ein jahr! damit meine ich nur bedingt die tollen songs,
alben und konzerte, die mich 2015 begleitet haben. vor allem blicke ich dabei auf das ausmass
an veränderung, das in den vergangenen monaten in meinem leben einzug gehalten hat: ich
habe mich im arbeitsbereich von einflussreichen auftraggebern getrennt, ich habe die
beziehung aufgegeben, die mein leben in den letzten 20 jahren geprägt hat, und ich habe zumindest temporär - die bequemlichkeit meiner westend-neubauwohnung gegen die
windmühlenkämpfe mit einer gas-therme im glockenbachviertel eingetauscht. das
überraschende daran ist, dass mir all diese veränderungen nur recht wenig angst machen und
ich mich dabei sogar ziemlich wohl fühle. sicher, manches läuft noch nicht optimal, vor allem
im hinblick auf den kleinen menschen, der mir in dieser welt am allerwichtigsten ist - eine
situation, die sich schleunigst bessern muss. doch alles in allem bin ich am ende dieses jahres
kein unglücklicher mensch.
ich blicke deshalb mit zuversicht in das kommende jahr. die gewonnenen freiräume gilt es zu
nutzen, um daraus ein mehr an zufriedenheit und lebendigkeit zu entwickeln. in gewohnt
ominöser art könnten meine drei leitgedanken für 2016 dabei lauten: liebe, friede und
mobilität. nicht zu vergessen auch freundschaft, denn in den schwersten zeiten des
vergangenen jahres war der beistand meiner freunde eine großartige erfahrung, die ich nicht
vergessen will. auch was das kulturelle geschehen betrifft, um das sich dieser blog
schwerpunktmäßig dreht, schaut es blendend aus - bereits im januar gibt es hochkarätige
musik-neuerscheinungen u.a. von david bowie, den mystery jets und bloc party. der
nebenstehende konzertkalender ist gut gefüllt. und falls ich dafür zeit finde, sind bereits neue
bücher u.a. von joel dicker und robbie robertson sowie filme von jim jarmusch, pedro
almodovar und wong kar-wai angekündigt.
in diesem sinne: prosit neujahr!
14.12.2015 best of 2015 es ist schon mitte dezember und damit höchste zeit für meine
traditionellen jahresbestenlisten. los geht es mit den songs des jahres:
https://www.mixcloud.com/mhlaim/2015/
weiter mit den alben des jahres:
1. the libertines - anthems for doomed youth
2. ernst molden und der nino aus wien - unser österreich
3. willie nile - if i was a river
4. sophie hunger - supermoon
5. simi stone - simi stone
6. paul smith and the intimations - contradictions
7. carl barat and the jackals - let it reign
8. schorsch hampel - sog gscheid
9. sufjan stevens - carrie & lowell
10. the maccabees - marks to prove it
und schließlich die konzerte des jahres:
1. yemen blues (badehaus, berlin)
2. paul smith (strom)
3. stephan eicher (bardentreffen, nuernberg)
4. bob dylan (donau arena, regensburg)
5. natalie prass (privatclub, berlin)
11.12.2015 weihnachtsmusik 2015 es gab schon mal jahre, bei denen die vorweihnachtszeit
bei mir unbeschwerter war. insofern verwundert es nicht, dass mein diesjähriges
lieblingsweihnachtslied der pogues’ gossenkrippenspiel ‘fairytale of new york’ ist. einen
ähnlich sozialrealistischen blick auf weihnachten wirft auch meine lieblingsneuerscheinung,
die ‘felice navidad’-ep der felice brothers. mit zeilen wie ‘it’s christmas twenty-fifteen / in
this shit-eating corporate dream’ (aber auch zärtlichen passagen wie ‘even the blind can see /
all you mean to me’) kehrt die band aus dem new yorker hinterland zu ihren stärken zurück:
wortgewaltige, auf den punkt gereimte texte und ein an den frühen dylan angelehnter, schön
kaputter folk-sound.
von vielen als weihnachts-highlight des jahres gehyped wird ‘it’s a holiday soul party’ von
sharon jones & the dap kings. die stimmgewaltige dame und ihre durch die backing tracks
für amy winehouse’ ‘back to black’ zu ruhm gekommene band machen auf dem album in der
tat nichts falsch, doch irgendwie fehlt mir etwas. eine gänsehautverbreitende
weihnachtssoulballade im stil von ‘a change is gonna come’? eine schwelgerische nummer
wie ‘christmas (baby please come home)’ vom phil-spector-weihnachtsalbum? oder schön
trockener funk á la james brown? egal, schlecht ist sharon jones’ ‘holiday soul party’ auch so
nicht.
ein echtes highlight ist für mich schließlich bill murrays von sofia coppola in szene gesetzten
weihnachts-special für netflix, a very murray christmas. ein hauch von ‘lost in translation’
weht bei dem in einem eingeschneiten new yorker hotel angesiedelten einstünder an so
mancher stelle mit und die auftritte von co-stars wie chris rock und george clooney sind
wirklich nett. das beste ist aber der filmscore, bei dem bill murray und seine gäste wie jenny
lewis, miley cyrus und die band phoenix angenehm ironische weihnachtsstimmung verbreiten.
mein lieblingslied in dem film? ‘fairytale of new york’ mit new-york-dolls-sänger david
johansen (mit seinem alter ego buster poindexter) in der rolle von shane macgowan.
11.12.2015 was sagt es mir, das maximo park zur ‘10th anniversary show’ ihres debutalbums
‘a certain trigger’ im backstage gastierten: ‘au mann, wie schnell die zeit vergeht’ oder ‘wow,
ist das erst zehn jahre her’? warum wirkte leadsänger paul smith zu anfang des konzerts so
bemüht-theatralisch, bei seinem solo-gig im strom anfang september dagegen ganz natürlich?
und was bedeutet es, dass ich bei der akustik-version von ‘apply some pressure’ im september
die zeilen ‘what happens when you loose everything? / you start again, start all over again’
bereits vage mitsang, sie nun aber - halsweh zum trotz - richtiggehend herausbrüllte? viele
fragen, deren antworten wohl auch nicht in paul smiths berühmten notizbuch stehen. doch
unterstrich der nordbrite eindrücklich, dass er zu den besten frontmännern der noughtiesbritrock-generation gehört. überhaupt zeigte das konzert, wie gut das debut von maximo park
noch immer ist - und dass maximo park zu recht zu den (wenigen) überlebenden der britwelle
von vor zehn jahren gehören.
24.11.2015 dass ich auf den hype aufspringe, kann man mir bei adele wirklich nicht
vorwerfen: schon ende 2007 nahm ich die londonerin mit ihrer debutsingle ‘hometown glory’
in meine ‘10 für 2008′-playlist auf. mir gefiel ihre lokale verwurzelung und auch, dass sie
ähnlich wie amy winehouse eine aura von melancholie in ihrer stimme mittrug. viele
millionen verkaufte platten später ist es genau das, was für mich ihr drittes album ‘25′ aus
dem mainstream-einerlei heraushebt. wie kitty empire in ihrer besprechung für den observer
sehr schön herausarbeitet, verknüpft adele beispielsweise im neuen song ‘river lea’ auf
grossartige weise das bild eines in ein betonbett gezwängten ostlondoner themse-zuflusses mit
persönlichen befindlichkeiten. in songs wie ‘hello’ oder ‘i miss you’ schwingt zudem ein
stück jener grossstadtmelancholie mit, die einst bei burial so verführerisch klang. und dass
adele das eine oder andere mal ziemlich weit in richtung kitsch ausholt, sei ihr mit
vorweihnachlicher milde vergeben - schließlich lässt sich bei stücken wie ‘when we were
young’, ‘remedy’ und dem chansonesken ‘million years ago’ trefflich schwelgen.
13.11.2015 natürlich sind stromlinienförmige lebensläufe einfacher - für das individuum, wie
auch für seine umwelt. doch ist auch gegen verworrene lebensgeschichten nichts
einzuwenden. vorausgesetzt, man kommt damit irgendwie klar und wandelt das in so
großartige kunst um, wie bill ryder-jones auf seinem dritten soloalbum ‘west kirby county
primary’. der nordengländer und gründungsmitglied von the coral verarbeitet seine seelische
labilität darauf zu feinsinnigen textfragmenten und einem britsound mit sogwirkung, der von
ryder-jones’ sanfter stimme, melancholischen gitarrenmelodien und gelegentlichen - aber
umso willkommeneren - lärmausbrüchen geprägt wird. im nächsten sommer soll das album
tatsächlich im vorprogramm von mumford & sons in der olympiahalle präsentiert werden.
kann das gut gehen? einen versuch wäre es eigentlich wert…
13.11.2015 sein günstiger tourkalender ermöglichte mir nach bamberg nun in regensburg
sogar ein zweites bob dylan-konzert in diesem jahr. die hallen waren fast identisch und auch
einer recht statischen setlist ist dylan treu geblieben. doch gab es auch wieder neues: ganze 7
der an diesem abend gespielten 20 songs stammten aus dem aktuellen sinatra-projekt der
songwriter-legende. das klingt auf den ersten blick nach einem gesetzten abend, war aber gar
nicht so: die schön melancholisch-altersweisen jazz-nummern schien dylan zu nutzen, um
sich danach mit umso mehr verve und lockerheit an rockige nummern zu machen. (ob dabei
die aktuelle archivveröffentlichung ‘bootleg series 12: the cutting edge’ eine rolle spielt, auf
der anregend dokumentiert wird, wie sich dylan in nur zwei jahren vom akustischen folkie
zum elektrifizierten rock-poeten wandelte?) zu hören gab es in regensburg jedenfalls einen
erfreulich zupackenden und beschwingten auftritt, u.a. mit einem kraftvoll zurückblickenden
‘she belongs to me’, einem schön fiesen 'pay in blood’, dem die rockenden
midseventies in erinnerung haltenden 'tangled up in blue’, einen mehr rootsigen als
apokalyptischen 'scarlet town’ sowie der angenehm kernigen schlussnummer 'love sick’. alles
in allem war der abend in regensburg das wohl gefälligste dylan-konzert der letzten drei, vier
jahre und für mich ein willkommener grund auf eine fortsetzung der 'neverending tour’ und
weitere konzertabende zu hoffen.
12.11.2015 edie brickell ist seit ihren 1988er hits ‘what i am’ und ‘circle’ einer meiner
favorites. umso besser, dass sie, seitdem die gemeinsamen kinder mit paul simon aus dem
gröbsten raus sind, wieder häufiger musik macht. besonders gut ist ihr das nun auf 'so
familiar’ gelungen, dem zweiten zwischen pop und americana schwebendem album mit
comedian und banjo-ass steve martin. darauf zu hören sind zwölf ins ohr gehende songs über
das leben und die liebe, die mal leichtfüßig, mal herzzerreissend, aber immer angenehm
lebensweise sind.
08.11.2015 für sich genommen ist das, was die musik von joanna newsom ausmacht, ganz
schön viel: barocker pop mit harfe, eine stimme irgendwo zwischen kate bush und billie
holiday, das pop-format in struktur und länge immer wieder durchbrechende songs und texte,
die mal wild assoziieren, bisweilen aber auch mit weisen pointen überraschen. doch kommt
das wie auf newsoms neuen album ‘divers’ alles zusammen (und wird dabei auch noch von
den genialen fotokunstwerken von kim keever begleitet) ist das ergebnis nichts anderes als
überwältigend…
26.10.2015 plötzlich ist wieder alles wie 2005. die libertines spielen wieder, die nächte
werden wieder länger und aus den kopfhörern dürfen auch wieder gerne heftigere und
dunklere sounds quellen. da kommt es gut gelegen, dass the editors mit einer neuen platte am
start sind. ‘in dream’ kommt ähnlich elektronisch daher wie seinerzeit das dritte album ‘in this
light and on this evening’, hat aber auch einiges von der hymnischen kraft des 2007er
zweitlingsalbums ‘an end has a start’. starker sound, der eigentlich lust macht auf das liveerlebnis, aber mal schauen…
ebenfalls neue musik gibt es in diesen tagen von the enemy. auf ‘it’s automatic’ probieren die
drei kleingewachsenen, aber recht toughen lads einen deutlich eighties-geprägten und sehr
stadion-mäßig aufgemachten sound aus. nach ein bisschen gewöhnung funktioniert das
ziemlich gut. und die songzeile ‘can’t live without it / but now i’m living without you / it’s
automatic’ bleibt bei mir derzeit aus welchen gründen auch immer sehr treffsicher hängen…
ebenfalls sehr gut: ‘mirrors’ von reverend and the makers. nach ansicht der libertines ist das
album ja das ‘magnum opus’ der nordbriten - und so falsch liegen sie damit nicht einmal.
denn der reverend hat die goldene mitte zwischen retro-britsound und indierock gefunden und
liefert auf ‘mirrors’ jede menge richtig guter, nahtlos ineinander übergehender neuer songs,
die zusammen eine kaleidoskop-artige wundertüte von einem album ergeben.
15.10.2015 wien hat zurzeit wirklich einen lauf: nach ernst molden und dem nino aus wien,
das trojanische pferd, worried man & worried boy und wanda liefert nun raphael sas mit
‘nackerte lieder’ bereits das fünfte wiener top-album des jahres ab. wirkte sas, der im
hauptberuf gitarre beim nino aus wien spielt, auf seinem debutalbum noch etwas verkrampft,
sind die ‘nackerten lieder’ nun ein großer wurf: angenehm herbstliche, bittersüß
instrumentierte großstadtchansons, die von einigen munter folkigen, schön gegen den strich
gebürsteten selbstverortungen aufgelockert werden, die von der stimmung her auch auf bob
dylans mittsiebziger-highlight ‘desire’ richtig am platz gewesen wären.
13.10.2015 was machen, wenn sich alles ändert und eintritt, was man nie gedacht hätte?
dasitzen und verrückt werden? nein, dann lieber rausgehen, was (vorerst) nicht zu ändern ist
annehmen und neues auf sich zukommen lassen. zum beispiel auch spontan zu fiva in die
muffathalle gehen. und sich mitreißen lassen von der
ausgelassenen/kämpferischen/neckischen ausstrahlung der rapperin. sich zu freuen, teil der
selbstbehauptung des sich in diesen tagen zeigenden guten gesichts von münchen zu sein. und
auch sich zu begeistern über eine progressiv-lokale musikwelle, zu der wanda genauso
gehören wie fiva und ihre großartige wiener newcomer-vorband granada.
06.10.2015 angeblich faken ja bereits studenten in mainz und anderswo einen
österreichischen akzent, um im fahrwasser von wanda bei den frauen zu landen. wundern
würde es mich nicht, denn ‘bussi’, das zweite album der wiener band, bietet nun auch im
studio-breitwandformat alles, mit dem wanda bei ihrem münchner live-debut vor eineinhalb
jahren begeisterten: einprägsame songs, einen kernigen rocksound, jede menge attitude und
vor allem das wundervolle gebrüll von sänger marco. ist es hype? nein, wanda sind einfach
die derzeit beste rockband im deutschsprachigen raum.
29.09.2015 ich hab’s schon mal gesagt: die leute müssen nur lang genug durchhalten, dann
kriegen sie dich alle. so nun geschehen mit keith richards. ich bin zwar kein großer stonesfan, aber seine neue soloplatte ‘crosseyed heart’ gefällt mir richtig gut. wegen dem schön
reduzierten rocksound, wegen langsamen stücken wie dem lasziv-knisternden norah-jonesduett ‘illusion’, vor allem aber wegen dieser verlebten stimme, die einem nicht selten eine
gänsehaut verschafft, wie es sonst bei einem bob dylan oder leonard cohen der fall ist.
18.09.2015 ich hätte nicht gedacht, dass mich the libertines nochmal so erwischen. immerhin
war die band vor gut zehn jahren ja so etwas wie das leitgestirn unserer britrock-begeisterung
- auch wenn es für einen konzertbesuch nicht mehr reichte, bevor die gruppe 2004 von pete
doherty gegen die wand gefahren wurde. doch schien das gar nicht so schlimm zu sein:
schließlich gab es unvergessliche gigs mit pete und seinen babyshambles in london, packende
alben der libertines-nachfolgeband dirty pretty things und die solo-platten von carl barat, die
man auch als etwas reifer gewordener mensch schamfrei hören konnte. doch statt risikofrei so
weiterzumachen, haben sich die jungs jetzt zum neuen libertines-album ‘anthems for doomed
youth’ zusammengerauft. aber kann man einfach dort anküpfen, wo man vor elf jahren
aufgehört hat? gegen meine skepsis haben pete, carl & co. eine clevere doppelstrategie: sie
bleiben einerseits dem herrlich kaputten gitarrenrock treu, mit dem sie nicht nur selbst
berühmt wurden, sondern seinerzeit auch dutzende von bands beeinflusst haben, von den
paddingtons über the others bis zu den maccabees. andererseits ist ‘anthems for doomed
youth’ aber auch erwachsener, sauberer produziert und verleugnet nicht die musikalische
raffinesse, die pete und carl in den vergangenen jahren gewonnen haben. also singe ich zu
‘gunga din’ auf der straße mit, hüpfe zu ‘heart of the matter’ durch die wohnung, schwelge im
elegischen ‘iceman’ und wünsche mir zu ‘fame and fortune’ den nächsten london-trip herbei.
the libertines haben es geschafft: kein album hat mich bisher dieses jahr so begeistert. und
auch die live-scharte könnte ich bald auswetzen: die karte für das münchen-konzert im
nächsten februar ist bereits gekauft.
18.09.2015 supernett, lustig und vor allem supergut auch mit gitarre: maximo park sänger
paul smith unterstrich beim solo-gig im strom club, mit wieviel herzblut er hinter seinen
eigenen songs steckt. und wenn selbst so ein klasse-frontmann nach dem dayjob seinem
ausgleich sucht, kann das für unsereins nur inspiration sein…
09.09.2015 ruby amanfu ist mir zum ersten mal vor zwei jahren mit ihrer seelenvollen
version des bob-dylan-songs ‘not dark yet’ aufgefallen - ebenso wie dem produzenten mark
howard, der einst an der aufnahme des originals beteiligt war. gemeinsam haben amanfu und
howard nun ‘standing still’ aufgenommen, eine sammlung von neun treffsicher ausgewählten
covers und einem original-song. das album überzeugt mich nicht nur mit seinem sound
jenseits von country und soul, sondern auch mit ruby amanfus toller stimme, die genau in der
perfekten mitte zwischen country-herzschmerz und soul-inbrunst liegt. und das passt ja auch
bestens zu der sängerin mit ghanaischen wurzeln, die in nashville aufgewachsen ist und
zuletzt als duett-partnerin von jack white ins rampenlicht trat. ach ja, der albumtitel stammt
übrigens aus dem natürlich enthaltenen ‘not dark yet’ von bob dylan: ‘i know it looks like i’m
moving, but i’m standing still’…
06.09.2015 rip rico rodriguez als ich ska-mitbegründer rico vor ein paar jahren in einem
bbc-special sah, wirkte er schon ziemlich gebrechlich, nun ist er im alter von 80 jahren
verstorben. immerhin hatte ich das glück, rico einmal im atomic cafe live zu sehen eigentlich ein viel zu bescheidener rahmen für den schöpfer von highlights wie dem skaklassiker ‘rudy a message to you’ und dem wunderbaren reggae-instrumentalalbum 'man from wareika’. doch auch mit damals schon über 70 jahren spielte rico ein
hochklassiges, cleveres und mitreissendes set und zeigte auch im kleinen rahmen, dass er
einer der ganz großen der popgeschichte war. nun verstärkt der posaunist das ensemble des
great gig in the sky und dürfte auch dort allenorts für fröhliche gesichter und muntere
tanzbeine sorgen.
04.09.2015 kein konzert hat mich in den letzten jahren so gerockt wie yemen blues im
badehaus szimpla in berlin: akustischer jüdischer araberrock, verpunkte folklore, purer soul
und einhundert prozent charisma und attitude - genial.
04.09.2015 blog-neustart/umzug mir ging es eigentlich nie darum, 'blogger' zu sein. als ich
vor elf jahren damit anfing, auf meiner homepage aufzuschreiben, was ich so alles höre, sehe
und lese, wollte ich nur festhalten, was meiner meinung nach notierwürdig war - zum beispiel
für freunde, die aus münchen weggezogen waren und mit denen ich nicht so regelmäßig
kontakt hatte, aber auch als eine art chronik für mich selbst.
beides ist im prinzip noch heute aktuell. bevor ich meine freunde mit den immer gleichen
geschichten über neue lieblingsplatten oder dem hinweis auf anstehende konzerttermine
nerve, mache ich diese themen lieber auf dem blog öffentlich. und seitdem ich auf apple
music umgestiegen bin, ist die chronik-funktion für mich selbst noch wichtiger - schließlich
sammle ich ja keine mp3-datenberge mehr auf meiner festplatte an und könnte sonst
vergessen, welche schöne klänge mich zu welcher zeit des jahres erfreuten.
dennoch wurde die blog-ausbeute sichtlich magerer und drohte zuletzt fast ganz zu versiegen:
außer drei ellenlangen kraftakt-updates habe ich in diesem jahr nichts zustande gebracht. das
lag daran, dass ich für das blogeintragschreiben am rechner einfach nicht mehr die zeit hatte.
um den blog nach elf jahren nicht einfach einschlagen zu lassen, versuche ich nun deshalb den
neustart auf einer neuen plattform: auf tumblr. mit der app ist vor allem das mobile posten
von beiträgen deutlich leichter und sollte sich so auch wieder mehr zeit für regelmäßige
updates finden lassen. mal schauen, ob das klappt, versuchen will ich es aber wenigstens.
wer auch künftig verfolgen will, welche musik, bücher und filme es mir besonders angetan
haben, sei also eingeladen, sich die neue url zu bookmarken: matthiashell.tumblr.com
dieser blog wird ab sofort nicht mehr aktualisiert. also, in diesem sinne: man sieht sich an
neuer stelle - tschüss und auf wiedersehen!
04.09.2015 roundup bevor es zum blog-neustart mit hoffentlich wieder regelmäßigen
beiträgen kommt, gilt es noch einmal, mit einem roundup meine kulturellen highlights der
letzten wochen nachzutragen. los geht es mit neil young, der mit 'the monsanto years' schon
wieder ein neues album vorlegte. dieses mal allerdings ganz schön rumpelig und mit der
themensetzung gegen den gensaatgutkonzern monsanto gefährlich zeitgebunden. trotzdem
gefällt mir, wie sich der 70-jährige neil young getreu dem platten-motto 'it’s a new day for
love / it’s a new day for the planet' mit unerschütterlichem optimismus sowohl privat wie
auch als aktivist in neue gewässer stürzt. und schön klingen tut die in einem hundertjährigen
kinoraum aufgenommene platte auch.
während sich im juli der sommer ausbreitete, lieferte bob-marley-sohn ky-mani marley mit
'maestro' dazu einen perfekten soundtrack. gerne ließ mich die platte mein vorurteil
revidieren, bei ky-mani handle es sich um ein musikalisch eher schlichtes gemüt. wie er
eckpunkte des roots-sounds seines vaters munter mit einer stilpalette von r’n’b über elektro
bis zu rock mischt, ist große kunst. von dem album ließ ich mich gleich noch dazu inspirieren,
ky-manis autobiographie 'dear dad' zu lesen - natürlich kein literarisches highlight, aber eine
interessante erzählung darüber, wie sich der außerhalb des marley-clans in prekären
verhältnissen aufgewachsene sänger seinen weg ins musik-business erkämpfte.
aufgrund einer facebook-empfehlung von garland jeffreys machte ich mich dann an james
maddock und sein album 'the green'. maddock startete im england der 80er jahre als
linkslastiger soulrocker und bewegt sich seiner übersiedlung nach new york anfang der
2000er jahre im weitergefassten fahrwasser von bruce springsteen. auf the green gibt es
warmherzige songs mit großem stimmlichen einsatz und satten arrangements. für mich als
bekennender springsteenianer ein gefundenes fressen.
schönen sommer-sound lieferte auch lianne la havas. die elegante londoner soul-chanteuse
gibt sich auf dem zweitlingsalbum 'blood' zwar etwas stromlinienförmiger als bei ihrem
debut, überzeugt aber weiterhin mit einer grossartigen stimme, geschmackvoll angejazzten
songs und einer sympathisch nach uk-soul tönenden soundvariante.
anfang juli kam es mit dem launch von apple music dann zu einer formatweiterentwicklung,
die überraschenderweise inzwischen auch meine hörgewohnheiten beeinflusst hat. noch
anfang des jahres kaufte ich mir einen neued ipod, da ich davon ausging, dass ich a) weiterhin
auf alben-downloads statt streaming setzen würde und b) dafür weiterhin einen dezidierten
mp3-player nutzen würde. doch dass es auf einmal möglich wurde, musikalben am
(inzwischen gleichzeitig weltweit auf freitag vereinheitlichten) erscheinungstag auf mein
iphone zu laden und dort innerhalb der attraktiv gestalteten musik-app zu hören, schuf für
mich neue fakten. inzwischen habe ich apple music abonniert und nutze ich meinen ipod so
gut wie nicht mehr.
als erster apple music download fand die tributplatte 'nina simone revisited' den weg auf mein
iphone - und das vor allem wegen der darauf enthaltenen sechs neuen aufnahmen von lauryn
hill. allem zweifel zum trotz stellt die dame mit den eigenständigen coverversionen ihre
ungebrochene klasse unter beweis und weckte bei mir hoffnungen, eines tages vielleicht doch
noch einmal einen nachfolger zu ihrem klassikeralbum 'the miseducation of lauryn hill' zu
gehör zu bekommen.
ich stehe nun einmal auf das albumformat, weshalb es auch eps bei mir erfahrungsgemäß
schwer haben. doch die 'lost worker bee' ep von elbow ist einfach so gut, dass ich mich über
die magere anzahl von vier neuen songs gar nicht beschweren mag. wie auf keinem elbowrelease seit 'the seldom seen kid' beweisen elbow auf der ep ihren sinn für nichtalltägliche,
aber dennoch hochgradig einprägsame melodien und komplexe, aber stets berührende
arrangements.
einen eigenständig-charakteristischen rocksound haben auch the maccabees auf ihrem dritten
album mit dem titel 'marks to prove it' entwickelt. vielleicht liegt es an dem gelungenen
artikel, den der guardian dem album widmete, aber ich höre in den neues maccabees-songs
den sound des heutigen london, in nächtlicher atmosphäre und umgeben von bröckelnden
70erjahre-sozialbauten und neuen protzbauten. ach ja, und mit dem architekturfoto auf dem
cover haben mich die maccabees natürlich auch sehr geschickt geködert.
der sommer bewegte sich in richtung zenit und was passt da besser als ein gutes reggaealbum? überraschenderweise stammt dieses von joss stone. zwar ist 'water for your soul' nicht
wie in vielen medien behauptet von damian marley produziert und tritt linton kwesi johnson
auf dem album nicht als gastsänger, sondern nur als sample in erscheinung. doch immerhin
zeigen diese referenzen bereits in welche richtung es geht: neben tropisch abgehangenen soul
gibt es viel klassischen reggae-sound mit tollen arrangements und einprägsamen melodien volltreffer.
ab ging es in den zweiten sommerurlaub des jahres, in den golf von venedig nach caorle.
schon wenige tage vor der abreise entdeckten wir beim pizzaessen das diesjährige italopop
album-highlight: 'naif' von malika ayane. auch in bella italia wehten die hochklassigen
popsongs der dame mit der samtstimme einem allenorts um die ohren und bei der heimfahrt
gelang es mir sogar noch, das cd-album in einer feltrinelli-buchhandlung (!) als hardcopy zu
erstehen. weiterer urlaubssoundtrack war das selbstbetitelte album von worried man &
worried boy, auf dem herbert janata, gründer der austriarock-urgesteine worried men skiffle
group zusammen mit seinem sohn und 'ja, panik'-schlagzeuger sebastian janata ein so
unterhaltsames wie bitterböses sixties-sound-update liefern - einen guestslot des nino aus
wien inbegriffen. und schließlich entpuppte sich noch 'contradictions', das zweite solo-album
von maximo-park-frontmann paul smith, als perfekte sommerplatte. subtiler als bei seiner
hauptband, aber eingängiger als auf dem solodebüt liefert smith einen strauss hochkarätiger
songs, die von seiner charismatischen stimme und atmosphärischen gitarrensounds geadelt
werden.
wieder zurück in münchen wartete die aus australien eingeflogene, von der künstlerin selbst
produzierte neue toni childs cd 'it’s all a beautiful noise' im briefkasten. die sängerin setzt
darauf ihren mit dem crowdfunding-album 'citizens of the world' im vergangenen jahr
eingeleiteten lauf fort - allerdings mit einem leichten schwenk: an die stelle des popsongformats sind nun längere, atmosphärische tracks jenseits des strophe/refrain-schemas getreten.
vom charakter her erinnert das ganze erfreulich an die weltmusik-glanztaten eines peter
gabriel und hinterlässt einen sehr stimmungsvollen höreindruck.
soviel zu den cd-neuerscheinungen. daneben gab es tolle livemusik von haindling auf dem
tollwood-festival (der wohl stärkste gig, den ich von hochwachen bayerischen träumer
hansjürgen buchner bisher gesehen habe) und stephan eicher auf dem bardentreffen in
nürnberg: der schweizer, in frankreich weltbekannte chansonnier verzauberte dabei mit der
analogen mechanik seiner musikautomaten und der perfekt zur fränkischen vollmondnacht
passenden romantik seiner songs.
im lustspielhaus gab es nach der sommerpause ein wiedersehen und -hören mit denk. das
akustik-programm zum 15-jährigen bandjubiläum zeigte eindrücklich die musikalische klasse
der gruppe und machte deutlich, dass für die wiener lieblingsband auch künftig von rock über
funk bis zu country und folkloristischem noch viele entwicklungswege offenstehen.
frischen lesestoff gab es von peter hoeg, dessen 'susan-effekt' für mich nicht nur ein
spannendes wiedersehen mit dem in sehr guter erinnerung verbliebenen kopenhagen bot,
sondern auch eine gleichermassen fesselnde wie hochrelevante thriller-handlung entwickelt.
das wiederentdeckte harper lee roman-debut 'go, set a watchman' entpuppte sich als
stimmungsvoller, politisch bewegter blick in die us-südstaaten der 50er-jahre. als schmale,
aber hochgradig beeindruckende urlaubslektüre sehr gut geeignet war 'der beweis' von cesar
aira. der alles vorstellbare sprengende liebesbeweis zweier argentinischer punkmädchen
bewegte sich in regionen, die mich erfreulich an roberto bolano erinnerten.
weniger erfreulich ist schließlich, dass ernst molden seine freizeit.at-kolumne 'wien mitte' im
august nach 333 folgen einstellte. seitdem ich die buchzusammenfassung der ersten fünf
kolumen-jahre gelesen hatte, lieferte mir molden zuverlässig jeden samstag wien-insights,
musik-tipps und vor allem inspirierende einblicke in eine hochgradig sympathische lebensund familiengestaltung. die wöchentliche dosis molden zum lesen fehlt mit definitiv, doch
verspricht der wiener immerhin, das durch verstärkten musik- und konzert-output zu
kompensieren, was ja auch nicht das schlechteste ist.
25.06.2015 sechs wochen nach dem letzten roundup mal wieder ein update. musikalisch ging
es mitte mai mit einer willkommenen afro-/reggae-schlagseite los. alpha blondy
veroeffentlichte mit 'positive energy' einmal mehr ein hochklassiges roots-reggae-album. zwar
haelt die platte nicht ganz das niveau der ersten lieder, unterstreicht aber den status von alpha
blondy als heute wichtigsten fackeltraeger des klassischen, engagierten reggae. auf das
aktuelle schaffen von sally nyolo, die ich vor mehr als 20 jahren tatsaechlich kurz persoenlich
kennenlernte, machte mich eine konzertankuedigung der nzz aufmerksam. nyolo wurde darin
in einem atemzug mit der von mir hochgeschaetzten angelique kidjo als eine der originellsten
vertreterinnen afrikanischer popmusik gewuerdigt. und tatsaechlich ist 'tiger run', das ende
2014 erschienene aktuelle album der einstigen zap-mama-saengerin, eine gekonnte
verknuepfung vordergruendig traditioneller toene, die bei genauerem hinhoeren von pop, jazz
und franzoesischem chanson durchdrungen sind. und mit 'kilimanjaro' hat sally nyolo einen
echten hit am start. aus italien meldete sich schliesslich das reggae-kollektiv africa unite mit
dem als gratis-download veroeffentlichten album 'il punto di partenza' zurueck. die darauf zu
hoerenden flirts mit dubstep sind fuer die bereits 20 jahre alte band durchaus gelungen, doch
am besten gefallen mir die italiener, wenn sie kaempferische, blaeser-verstaerkte rootsnummern anstimmen, die im besten sinne an die fruehen ub40 erinnern.
eine echte musikentdeckung bescherte mir ernst molden in seiner 'wien mitte'-kolumne: das
trojanische pferd bietet bestes indie-songwritertum mit einem punkigen unterton und muss
dabei auch vor vergleichen mit internationalen stars des genres nicht zurueckschrecken. auf
'dekadenz', dem dritten album von das trojanische pferd, gibt es neben hochdeutsch
gesungenen titeln erstmals auch ein paar lieder im dialekt, was im zusammenspiel mit dem
ueberhaupt nicht volksmusikalischen sound einen spannenden kontrast schafft. im
abschliessenden 'idiotenlied' sind dann schliesslich auch der nino aus wien und ernst molden
(an der gitarre) mit von der partie.
anfang juni ging es dann in den urlaub. erst nach hamburg, dann in die luebecker bucht,
zwischendurch nach kopenhagen und heim schliesslich ueber berlin. eine schoene rundreise,
die neben einer reihe interessanter staedte - mein highlight war das gleichermassen
traditionelle wie dynamische kopenhagen - bei mir auch neues interesse am ostseeraum
insgesamt weckte. musikalisch begleiteten mich in den urlaub zunaechst florence and the
machine. aus dem indie-umfeld von den mystery jets ist florence ja inzwischen zum globalen
verkaufsstar avanciert. das merkt man auch ihrem album 'how big, how blue, how beautiful'
an. auf der gefuehlsebene trifft mich das nicht immer, doch enthaelt die platte so manchen
schoenen, staerker us-gefaerbten song. ein kontrastprogramm dazu bot das israelische
weltmusik-kollektiv yemen blues. das zweite album der band 'insaniya' wurde von crossoverpionier bill laswell produziert und bietet tolle arabisch getoente musik, die mit einer
mitreissenden rock-attituede daherkommt. weiter ging es im urlaub mit ffs, der
zusammenarbeit zwischen franz ferdinand und den sparks. manchmal toente mir das
gleichnamige album zu schraeg um der schrulligkeit willen, enthielt aber auch einige songs,
in denen es den beiden bands gelingt, spannende atmosphaeren zu schaffen. schliesslich
meldete sich aus senegal mit cheikh lo noch ein alter weltmusik-bekannter zurueck. sein
neues album 'balbalou' bietet afropop mit hochkaraetigen arrangements und einer erfreulich
grossen stilistischen offenheit.
zurueck aus dem urlaub, schlug das pendel wieder in richtung us-amerikanischer sounds aus:
simi stone verfolge ich seit ihrer zusammenarbeit mit simone felice bei the duke and the king.
auf ihrem debut liefert die saengerin aus woodstock soul- und popsongs mit angenehmen
retro-einschlag und sympathisch persoenlichen texten. und ein paar ohrwuermer hat die
huebsche dame ebenfalls am start. ein verspaetetes debut liefert auch das ehemann/frau-duo
larry campbell & teresa williams ab. campbell kenne ich ja als gitarrist aus bob dylans
tourband und so ist es auch keine ueberraschung, dass das duo ein munteres americanapotpourri von hoher qualitaet liefert. besonders gelungen sind die langsameren songs sowie
das stuermische blues-cover 'keep your lamp trimmed and burning'.
meine jaehrliche dosis bob dylan live holte ich mir vor ein paar tagen bei einem trip nach
bamberg ab. auch mit 74 jahren ist bei dylan veraenderung trumpf. zum einen ist
erfreulicherweise nach laengerer kontinuitaet die setlist wieder in bewegung geraten. und zum
anderen klang die musik wieder deutlich lebhafter als im vergangenen jahr auf tollwood, als
dylan sein sinatra-album 'shadows in the night' vorwegzunehmen schien. die livepremiere des
sinatra-stuecks 'i’m a fool to want you' sowie 'autumn leaves' waren denn auch zwei innig
dargebotene highlights des konzerts. daneben uueberzeugte dylan mit einem bedrohlich
stampfenden 'pay in blood', einem zurueckgenommenen 'early roman kings' und einem
beruehrend klagenden 'forgetful heart'.
ebenfalls ein sehr erfreuliches live-erlebnis bot natalie prass im privatclub in berlinkreuzberg. auf ihr gleichnamiges debutalbum machte mich der konzerttermin aufmerksamm,
doch ging der gig noch einmal deutlich darueber hinaus. wo prass auf platte mit liebesdramen
betoert, die mit ihren streicherarrangements den southern soul der seventies
heraufbeschwoeren, gab es live einen deutlich kernigeren soul-sound, der eindrucksvoll eine
lanze fuer die musikszene des new south brach.
ebenfalls am rande eines arbeitstrips nach berlin ging es im schoenen ambiente des kant kinos
in charlottenburg in den brian-wilson-biopic love and mercy. die geschichte des beach-boysmasterminds und seiner daemonen ist stellenweise ganz schoen starker tobak, doch beruehrt
mich - wie auch bei wilsons 2015er album 'no pier pressure' - wie es der musiker dennoch
alles in allem geschafft hat, die kurve zu kriegen. spannend dazu ist auch ein aktueller artikel
des us-rolling stone.
28.05.2015 nach lauter ellenlangen roundups hier zu abwechslung mal ein kurzes video:
brian wilson performt mit musikschulkindern fuer einen guten zweck 'love and mercy' (im
gleichen studio, wo einst 'pet sounds' entstand). schoen, dass wilson trotz allem neben-derspur-sein irgendwie seinen platz gefunden zu haben scheint...
15.05.2015 zum ende einer (wegen wiederholter infekte in unserer kleinen familie ungewollt
ausgedehnten) vierwoechigen schreibphase fuer mein zweites 'local heroes'-buch, schaffe ich
es endlich mal wieder, ein update zu den kulturellen highlights der letzten zeit zu geben:
musikmaessig ging es los mit sufjan stevens und 'carrie & lowell', seinem sublimen albumnachruf an seine vor drei jahren verstorbene, ziemlich katastrophenhafte mutter. mit feinen
folksounds, aber auch mit den christlich aufgeladenen texten war das album der passende
soundtrack fuer die karwoche.
ostern begleiteten mich dann ringo starr's angenehm solides neues album 'postcards from
paradise', der spannende 'wie geht das leben weiter, wenn der grosse traum geplatzt ist?'
coming-of-age-roman 'barracuda' von christos tsiolkas sowie passend dazu der australische
songwriter-indierock von courtney barnett. ihr album 'sometimes i sit and think and
sometimes i just sit' liegt wortgewaltigerweise wohl naeher an patti smith als an bob dylan,
macht aber trotzdem viel spass.
zu meinem geburtstag schaenkte ich mir dann selber 'no pier pressure', das neue album von
brian wilson. nach einer reihe eher rueckwaerts gewandter projekte macht der beach-boyskopf darauf einfach wieder popmusik, im klassischen chor-sound, aber auch mit einer reihe
sympathischer zeitgemaesser gaeste. schoen. gut dazu passte es, dass auch bei der kurz darauf
erschienenen neuen wombats-cd 'glitterbug' die beach boys zumindest teilweise pate standen.
denn hat man sich erst einmal durch die 80s-bombast-produktion hindurchgehoert, trifft man
darunter auf eine angenehm stimmungsvolle beziehungs-auf-und-ab-platte.
fuer spass sorgten bei mir dann the title trackers, eine studiomusiker-kombo aus los angeles,
die es sich zum ziel gesetzt hat, fehlende album-titeltracks nachzuliefern, also z.b. 'the joshua
tree' fuer u2 oder 'greetings from asbury park' fuer den boss. das ist richtig lustig, am besten
aber ist 'blood on the tracks', wo die titel-trackers erst gar nicht versuchen, dylan
nachzumachen, sondern mit einem beruehrenden song ganz einfach sie selbst sind.
weiter ging es mit den alabama shakes und derem zweitlingswerk 'sound and color'. von den
retro-soul-rock-klaengen des debuts geht es hier zu einem zeitgemaessen, angenehm
farbenfrohen suedstaatensound, der zwar viel elektrischer klingt, mich aber von der stimmung
dennoch angenehm an valerie june erinnert.
da robyn hitchcock der lieblingsmusiker von einer reihe meiner lieblinsmusiker ist, probierte
ich den mann mal live aus. eine entdeckung als konzertlocation war auf jeden fall der club
unter deck. herr hitchcock selber entpuppte sich als alleinunterhalter erster klasse und
hochkaraetiger songwriter, irritierte mich aber auch ein bisschen mit seiner etwas
durchgeknallten art. ggf. bleibe ich an dem mann weiter dran.
nachdem damon albarns solodebut im letzten jahr zu meinem favorites zaehlte, bot das neue
blur-werk 'the magic whip' fuer mich oasis-ianer nun den geeigneten anlass, um mich
erstmals ausfuehrlicher mit der britpop-kombo zu beschaeftigen - mit einem ausgesprochen
positiven ergebnis: die britpop-throwbacks sind angenehm, noch viel spannender aber die
zwischen krautrock und grossstadt-melancholie angesiedelten neuen sounds von blur.
ein bisschen zeit brauchte ich fuer 'supermoon', das neue album von sophie hunger. doch
dann fing mich die schweizerin wieder mit ihrer gedehnten phrasierung, ihrer engagierten
gesangsweise und tollen songs ein. gefestigt wurden die bande dann an meinem ersten sophiehunger-konzert in der freiheizhalle. die saengerin bewies dort mit ihrer musik und auch
zwischen den songs einen auf charismatische weise leicht linken charme. und auch beim
support act bewies frau hunger eine sichere hand: der junge schweizer faber singt seine
akustischen songs mit rebellischer energie und mutiert zwischendurch muehelos zum
italienischen cantautore. seine debut-ep 'alles gute' wurde kurzerhand gekauft.
hubert von goiserns neues album 'federn' hatte ich ja bereits im letzten herbst in einer
kompletten live-preview gehoert. die cd-version bestaetigt nun den guten eindruck: blues und
cajun passen darauf bestens zu alpenlaendischer folklore und dazwischen gelingen dem
oesterreicher wieder einige dieser wunderbar schwebenden ruhigen songs.
schliesslich gab es noch das lang angekuendigte solo-debut von local hero schorsch hampel.
ohne bagasch stellt der mann auf 'sog gscheid' die songs in den mittelpunkt und landet bei mir
damit so manchen americana-getoenten volltreffer. die cd-praesentation im antons bestaetigte
den positiven eindruck: statt ueberlanger akrobatischer mundharmonika-soli und blueseinerlei gab es tolle grossstaedtische songkunst und einen schorsch, der stimmungsvoll durch
eine staerker persoenlich gefaerbte songauswahl fuehrte. jaja, alles veraendert sich, aber von
mir aus geht das so in ordnung.
27.03.2015 das mit den blog-updates in sechs- bis achtwoechigem takt, scheint nun zur
normalitaet zu werden. also gibt es auch dieses mal wieder einiges an kulturhighlights zu
berichten:
los ging es mit 'chasing yesterday', dem zweiten soloalbum von noel gallagher. nach dem
wirklich guten zweiten album von beady eye, der inzwischen leider aufgeloesten band seines
bruders liam, hat auch noel sichtlich einen gang hochgeschaltet. 'chasing yesterday' bietet toll
arrangierte songs mit einem typisch nordenglischem sound - und am besten: mit 'lock all the
doors' und 'you know we can't go back' zwei absolute kracher, die mir vor augen hielten,
welch bleibenden einfluss oasis seinerzeit bei mir hinterlassen haben.
claudia koreck ist mir klar als eine gute bekannt. und da ich auch mal wieder raus wollte,
ging ich kurzerhand zur live-praesentation ihres neuen albums 'stadt land fluss' ins
volkstheater. ob ich mit frau koreck verheiratet sein moechte, bin ich mir nicht sicher, aber
das konzert war super kraftvoll, toll gespielt und vor allem leidenschaftlich gesungen. das
ganze gefiel mir so gut, dass ich auch gleich die cd vor ort mitnahm und in den folgenden
tagen mit bestem sound versorgt war, der seine heimat zwar im chiemhau hat, dessen roots
aber klar in black america liegen.
shirley grimes fiel mir im letzten jahr als duettpartnerin des schweizer bluesers hank shizzoe
auf seinem von stephan eicher produzierten album 'songsmith' auf. dank der guten dienste
ihres labels endorphin konnte ich nun 'lovesongs', die neue cd der nach bern exilierten irin,
geniessen. darauf gibt es hochklassige songs zu vielfaeltigsten facetten des beziehungslebens,
mit einer tollen stimme, stimmungsvollen akustischen arrangements und vor allem tollen
melodien zwischen folk und irischen wurzeln.
mit einiger anlaufzeit erwaermte ich mich dann auch fuer das neue steve earle album
'terraplane'. der country-rebell verarbeitet darauf das ende seiner ehe mit songwriter-kollegin
allison moorer und tut das in form einer weitgehend reinen blues-platte. nun ist es mit dem
blues immer so eine sache. doch earle geht das leitthema erfreulich vielseitig an und schlaegt
sich mit einer rohen emotionalitaet durch die songs, die einen an ein wundes tier denken
laesst.
das naechste highlight kam aus oesterreich und zwar in gestalt des ersten duo-albums von
ernst molden und dem nino aus wien. in einem lesenswerten interview mit dem falter
verglich molden das austropopklassiker-coveralbum 'unser oesterreich' mit bob dylans
'shadows in the night': in beiden faellen sei es darum gegangen, songs zu de-covern und auf
ihren wesensgehalt zurueckzufuehren. grosse worte, aber absolut wahr. molden und nino
machen jeden der zwoelf songs zu ihrem eigenen stueck und liefern u.a. mit sigi marons 'de
spur von dein nokatn fuass im saund' und andre hellers 'und dann bin i ka liliputaner mehr'
neu-alte instant-lieblingslieder.
nur kurz nach steve earle lieferte dann auch allison moorer ihre platte zur scheidung. der
countryrock-sound von 'down to believing' erreicht zwar nicht ganz die rohe kraft von
'terraplane', doch liefert moorer die tiefergehenderen einsichten und hat mit dem albumtitelsong eine wunderschoene mantraartige ballade auf lager, die so manches
beziehungsproblem absolut auf den punkt trifft.
der beim letztjaehrigen best-of-mix erstmals so richtig zutage getretene trend nach
gefaelligerer musikalischer nahrung scheint sich bei mir fortzusetzen: zuletzt hatte ich neu auf
dem ipod spannende alben von the cribs, attwenger und moonchild sanelly, doch wenn ich
dann abends im bett lag hoerte ich am liebsten 'tracker' von mark knopfler. immerhin kommt
er auf der platte bisweilen fast an die stimmung eines van morrison heran, schaltet
zwischendurch aber dann doch wieder auf autopilot.
attwenger haetten auch gut zu meinem ersten kinobesuch seit einer ewigkeit gepasst: die neue
wolf-haas-verfilmung 'das ewige leben' war wieder einmal um klassen besser als es das buch
m.e. sein duerfte und zeichnete erneut das sinistre bild einer oesterreichischen (gross?)stadt:
graz. schoen ist das nicht, hat aber durchaus seinen reiz.
gelesen habe ich in den letzten wochen 'montecristo', den neuen roman von martin suter.
zwar stoerte ich mich auch bei dieser mordgeschichte zum 'too big too fail' banken-komplex
an suters etwas aufdringlich zur schau getragener sujetkenntnis (und an einigen arg
patriotisch-schweizerisch eingefaerbten passagen). doch suter weiss wie man einen leser bei
der stange haelt, gestaltet seine milieus lebendig und wird bei mir deshalb neben philippe
djian (nicht nur wegen der geteilten stephan-eicher-connection) zu einem stammeintrag auf
der leseliste.
passend zur musik von steve earle habe ich schliesslich noch seinen roman 'i'll never get out
of this world alive' gelesen. die geschichte eines alternden junkies und engelsmachers, der
durch den quasi-metaphysischen einfluss einer jungen mexikanerin auf unerwartet
rechtschaffene wege geraet, zieht einen mit seiner milieuschilderung in einen bann, der gerne
noch laenger dauern duerfte. ein klasse musiker und ein toller autor - was mich nur noch mehr
zum fan macht.
19.02.2015 acht wochen ist das jahr bereits alt und erst jetzt komme ich zum ersten
blogeintrag. dafuer verantwortlich ist weiterhin die veraenderte einteilung meiner
produktivzeit, die mir fuer zerstreuungen, wie dem blogschreiben nur wenig luft laesst. doch
will ich nicht lamentieren, sondern lieber zusammentragen, was das junge jahr aus meiner
sicht bisher alles so an kulturellen highlights zu bieten hatte.
musikalisch startete ich mit der mir selbst zu weihachten geschenkten gesamtwerk-box von
william onyeabor ins jahr. um den mann und seine wenig stichhaltige biografie hat sein label
luaka bop ja inzwischen einen maechtigen marketingrummel veranstaltet, so dass ich anfangs
von der tatsaechlichen musik gar nicht so sehr beeindruckt war und beim betrachten der
youtube-doku zu william onyeabor schon fast an einen hoax glaubte. doch dann packte auch
mich die supercoole mischung aus seventies-funk, afro-klaengen und kuriosen synthie-sounds
und huepfte ich zu 'fantastic man' mit einer ausgelassenen kindermeute durchs zimmer.
das erste grosse 2015er album war dann - fuer mich bisher komplett unbekannt - olli schulz
mit 'feelings aus der asche'. vielleicht ist es mein glueck, dass ich schulz nicht als tvscherzkeks kannte, denn so konnte ich seine platte als ein toll getexteten und musikalisch
traumwandlerisch umgesetzten deutschen rock mit indie-sympathien geniessen. zudem
unterstrich 'feelings aus der asche' mit anklaengen an manchester-band wie elbow und i am
kloot einmal mehr, dass hamburg - wo olli schulz hoerbar herkommt - deutschlands tor (bzw.
hafen) zur insel ist.
auf einen richtiggehenden instant-klassiker, der mir sonst fast durch die lappen gegangen
waere, wurde ich durch die guten dienste der nzz am sonntag aufmerksam: mein new yorker
lieblings-singer/songwriter willie nile hat mit 'if i was a river' sein erstes piano-album
aufgenommen. grosse melodien treffen sich darauf mit grossen worten und ebensogrossen
gefuehlen - pure rocknroll-poesie.
weiter ging es mit benjamin clementine, dessen mischung aus piano-songs, theatralischem
soul und klassik-einsprengseln ich bisher ja mehr interessant als toll fand. auf albumlaenge
kommt das ganze aber super rueber und so ist 'at least for now' ein hochklassiges debut, das
den sound meiner lieblingsmetropolen paris und london kongenial in sich traegt. gut gefielen
mir auch mark ronson's eighties-pop-funk-suite 'uptown special' sowie das traditionelle, aber
schoen wortmaechtige waterboys-album 'modern blues'. ausserdem lieferten dengue fever
mit 'the deepest lake' eine gelungene weiterentwicklung ihres kamdoschanischen retrorocknroll ab.
und dann war es auch schon zeit fuer das neue bob dylan album 'shadows in the night'. ob der
74-jaehrige dylan mit seiner kaputten stimme wirklich der richtige fuer eine jazzstandardsplatte ist, machte mich schon etwas skeptisch. doch siehe da, der mann gibt sich richtig muehe
und schmiedet aus sixties-naeseln, seventies-crooning und nullerjahre-heiserkeit eine
beruehrende 'neue' stimme, die zusammen mit den leise-atmosphaerischen bandarrangements
'shadows in the nights' zu einem wehmuetig-zaertlichen favoriten fuer die blaue stunde macht.
weniger lauschig, aber auch sehr gut ist 'let it reign', das neue album von carl barat. der
libertines-mann folgt dabei dem vorbild der kaiser chiefs vom letzten jahr, mit haerteren
gitarren neuen drive zu entwickeln. da barat beim songwriting weiterhin auf hochkompetente
partner setzt und auch bei der darbietung mit ganzem herz dabei ist, ist ein makelloses
rockalbum herausgekommen, das den einstieg in ein super-libertines-jahr darstellen koennte:
pete doherty hat mit dem stimmungsvollen amy-winehouse-tribute 'flags of the old regime'
bereits einen vorgeschmack auf ein neues soloalbum veroffentlicht und dann soll ja auch noch
die dritte libs-lp in diesem jahr erscheinen...
weitere tolle aktuelle platten runden den guten jahreseinstieg ab: rhiannon giddens muenzt
auf 'tomorrow is my turn' das bei den carolina chocolate drops und new basement tapes
aufgenommene momentum in ein hochklassiges und wirklich schoenes americana-rootsalbum um. das zwillingsschwestern-duo ibeyi findet auf ihrem debut eine spannende mitte
zwischen kuba (die roots), paris (da leben sie und schnuppern den vibe) und london (wo das
album von richard russel produziert wurde, der damit seine mit alben fuer gil scott-heron,
bobby womack und damon albarn begonnene reihe fortsetzt). 'italiens amy winehouse' nina
zilli kehrt auf album nummer drei 'frasi&fumo' wieder mehr in die retro-ecke zurueck,
bewahrt aber das mit dem zweiten, moderneren album gewonnene selbstbewusstsein.
daneben hat mich der 70. geburtstag von bob marley auf einige diskografische erkundungen
geschickt: neben dem unter dem namen 'uprising live' ende letzten jahres veroeffentlichten
rockpalast-konzerts von 1980 (hatte ich lange jahre als vhs-mitschnitt) sind das auch das neue,
sehr gut klingende und gespielte live-album 'easy skanking in boston 78' sowie die sehr solide
bob-marley-biografie von chris salewicz. ich glaube, dieses thema wird mich dieses jahr noch
laenger beschaeftigen...
das konzertjahr eroeffnete sehr frueh mit dem auftritt von molden/resetarits/soyka/wirth. ein
schoenes konzert, das allerdings recht wenig willi und noch weniger kurt enthielt, so dass ich
den molden-auftritt vom letzten sommer fast etwas besser fand. aber ganz klar ist der ernst
einer der ganz guten, von dem auch in diesem jahr noch viel zu erwarten ist.
literarisch machte ich mich quasi 'post-charlie' an michel houellebecq's neues werk
'unterwerfung'. mir war es ein bisschen arg thesenroman und zwischendurch gibt es ganz
schoen viel ungefiltertes rechtes denken zu hoeren. doch als ganzes kann man das buch
wirklich nicht als islamfeindlich bezeichnen, schon eher als kritisch gegenueber einem
geistig-politisch erlahmenden westen. kuehn ist houellebecqs szenario vom islam als neuer
sinnstiftung fuer den alten kontinent auf jeden fall und bei der beschreibung dekadenter
maennlicher protagonisten macht dem franzosen weiterhin keiner etwas vor. 'unterwerfung'
laesst den leser nachdenken, ohne ihm endgueltige schluesse nahezulegen und ist damit eine
faszinierend ambivalente lektuere.
geseheneKonzerte:
9.1.molden,resetarits,soyka,wirth(lustspielhaus)
1.3.claudiakoreck(volkstheater)
20.4.robynhitchcock(unterdeck)
6.5.sophiehunger(freiheiz)
9.5.schorschhampel(antons)
15.6.natalieprass(privatclub,berlin)
23.6.bobdylan(brosearena,bamberg)
30.6.thehooters(muffathalle)
5.7.haindling(tollwood)
30.7.stephaneicher(bardentreffen,nuernberg)
2.9.denk(lustspielhaus)
4.9.yemenblues(badehaus,berlin)
14.9.bryanferry(circuskrone)
17.9.paulsmith(strom)
25.9.attwenger(oidewiesn,herzkasperlzelt)
1.10.thewaterboys(freiheiz)
13.10.fiva(muffathalle)
17.10.schorschhampel(stemmerhof)
3.11.ollischulz(circuskrone)
11.11.bobdylan(donauarena,regensburg)
10.12.maximopark(backstage)
13.12.ibeyi(technikum)