es ist wie ich bin

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es ist wie ich bin
Ausgabe 1
Jahrgang 10
Frühling 2007
„Es gibt Momente, in denen ich mich
wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde fühle.“
Kaum jemand war so vielseitig – und so selbstkritisch wie Michael Brecker. Porträt auf Seite 10.
Aktuelle News, Tourdaten und Neuerscheinungen jeden
Mittwoch neu unter www.jazzecho.de
world’s best-sounding newspaper
Hörproben und mehr auf www.jazzecho.de: Einfach die JazzLinks ins kleine Kästchen auf der Homepage tippen. Seite 3
Neu im Jazz:
Thomas
Quasthoff
Sonny Rollins
im Gespräch mit
Ashley Kahn:
Seite 9
Der Bassbariton Thomas Quasthoff hat ein echtes Jazzalbum
aufgenommen – das verspricht schon der Produzent Till Brönner.
Im DoppelInterview:
Sonny Rollins
Auf Spurensuche
in Afrika:
Dee Dee
Bridgewater
Seite 11
Es ist wie ich bin
Neue Band, neues Glück – auf „Darkness Out Of Blue“ macht die norwegische
Sängerin und Songwriterin Silje Nergaard vieles anders.
V
ielen Dank für die Schlüsselkarte. Ich werde sie bestimmt
verlieren“, lacht Silje Nergaard
und befördert das Plastikding
schwungvoll in ihre Handtasche. Die
Hotelangestellte, die es ihr eben mit den
Worten „Das ist unser Generalschlüssel“
überreicht hat, guckt irritiert. „Keine
Sorge“, meint Silje Nergaard mit einem
Blick, der gleichzeitig vertrauenerweckend und beschwichtigend wirken soll.
„Ich verliere ständig Schlüssel. Aber hier
kann er ja nicht weit kommen, oder?“
Die Hotelfrau muss lachen, noch nicht
ganz erleichtert, aber offensichtlich beeindruckt. Auch im Interview wartet
Silje Nergaard mit charmanten Kostproben ihrer Wesensart auf. Die 40-jährige
Norwegerin kann – im überraschenden
Wechsel – abgeklärt und naiv, höflich
und schroff, herzlich und reserviert sein.
Dabei ist sie immer ehrlich und direkt.
Nichts was sie tut oder sagt wirkt geplant oder effekthascherisch.
„Ich bin froh, dass ich so schnell gelangweilt bin“, behauptet sie, als es um
ihre rundum erneuerte Band, den veränderten Sound und die hörbar offeneren
Strukturen ihrer Songs geht. Im ersten
Moment könnte das wie ein alles erklärender, einstudierter Standardsatz klingen. Wären da nicht dieses unschuldige
Lächeln, die gekräuselte Stirn und die
Nachfrage: „Kann man das so sagen?“
Tatsächlich probiert sich Silje Nergaard
auch im Interview aus, sucht nach Formulierungen und Erklärungen, denkt laut
nach oder korrigiert sich selbst mitten im
Satz. „Menschen wie ich brauchen die
Herausforderung des Neuen. Sobald wir
anfangen, uns zu langweilen, muss sich
etwas verändern – am besten schnell
und viel.“ Sie zögert. „Das kommt nicht
immer von innen. Manchmal muss man
es von außen beschleunigen.“ Sie lässt
den Satz im Raum stehen, trinkt einen
Schluck Kaffee, und erklärt dann: „Wenn
man zum Beispiel immer dieselben Leute um sich hat, bleiben einige Dinge in
einem selbst für immer im Verborgenen.
Und ich musste einfach Neues in mir wecken.“
Mit ihrem aktuellen Album „Darkness
Out Of Blue“ schlägt Silje Nergaard ein
spannendes, neues Kapitel auf – und
bleibt sich trotzdem treu. Die Lehrertochter aus der Fjordstadt Steinkjer, deren Karriere 1982 mit einem spontanen
Auftritt beim internationalen Jazzfestival
in Molde begann, sitzt seit jeher bequem
zwischen den musikalischen Stühlen. Anfangs, gefördert von Pat Metheny, singt
sie eigene, sehr amerikanisch klingende
Popsongs. Mitte der 90er-Jahre wird sie
mit Alben wie „Brevet“ und ­„Hjemmefra“
deutlich norwegisch. Pünktlich zur Jahr-
tausendwende präsentiert sie dann „Port
Of Call“ – ihr erstes, international gefeiertes Jazzalbum an der Seite des Tord
Gustavsen Trios. Dass sie dieses „Erfolgsrezept“, das ihr vor allem in Deutschland
und Japan haufenweise Fans, Verkäufe
und Preise beschert hat, jetzt überarbeitet
hat, ist mutig. Und konsequent. „Ich habe immer gedacht, dass ich ohne meinen
Pianisten Tord Gustavsen nichts mehr
bin“, gesteht sie. „Aber das stimmt natürlich nicht: Wenn man eine Tür schließt,
öffnet sich eine neue. Und alles passiert
aus gutem Grund. Es war wunderbar, mit
Tord und dem Trio zu spielen. Es war ein
wichtiger Teil unser aller Leben und wir
haben gemeinsam einen einzigartigen
Sound entwickelt.
Aber es kam zum Ende. Musikalisch.
Ganz natürlich.“ Schon Anfang 2006
findet Silje Nergaard „in einer dunklen
Ecke von Oslo“ den vollbärtigen Pianisten Helge Lien, Jahrgang 1975, der auch
schon mit Beady Belle und Marilyn ­Mazur
zu hören war. „Ein sehr guter Mann und
ein noch besser Musiker“, schwärmt sie.
„Obwohl er nicht meinen Stil spielte,
hoffte ich natürlich, dass er sich mir und
meinen musikalischen Ideen anpasst.“
Helge Lien brachte den Bassisten Finn
Guttormsen (Trygve Seims „The Source“,
Farmers Market) mit, der sich auf Anhieb
mit Siljes Schlagzeuger Jarle Vespestad
und dem Pedal-Steel-Guitar-Spieler Bjørn
Charles Dreyer verstand. Die ersten Songs
wurden zunächst einmal live erprobt. „Es
ist mir wichtig, neues Material live zu
spielen“, betont Silje Nergaard. „Nicht,
damit ich am Applaus messen kann, was
gut und was nicht so gut ankommt. Vor
Publikum konzentriert man sich einfach
mehr. Und natürlich ist auch mehr Adrenalin im Spiel. Man entwickelt Dinge
schneller und echter – live gibt es einfach
keinen zweiten Take.“ Direkt nach der
Tour begaben sich Silje und ihre neue
Band mit dem schwedischen Produzenten
Pål Svenre ins legendäre Rainbow Studio
in Oslo. Als i-Tüpfelchen gönnte sich Silje
noch für zwei der Songs Streicherkompositionen von ihrem (und Joni Mitchells)
Lieblingsarrangeur Vince Mendoza.
Das Resultat kann sich hören lassen.
Die zwölf Songs des neunten Nergaard-
Albums „Darkness Out Of Blue“ klingen
deutlich reifer und gelassener, sind dadurch oft wirkungsvoller und melodisch
zwingender denn je. „Ich habe die Qualität der Pausen und der Stille beibehalten“,
meint Silje Nergaard. „Mein Produzent
war sehr irritiert, dass wir am Ende so viel
wieder weggelassen haben. Aber wir haben schließlich nur das behalten, was wir
wirklich brauchen.“ Kein Zweifel: Wenn es
um ihre Musik geht, weiß Silje ­Nergaard
genau, was sie will. Die elegischen ­„Paper
Boats“ führen sanft und sinnlich in ihre
Musikwelt ein. Auch der Titelsong „Darkness Out Of Blue“ lässt es ruhig angehen,
bevor er sich vom Up­tempo-Jazz in hymnische Regionen steigert. Ein tieftrauriges
„Wasteland“, der optimistische Groove
von „When Judy Falls“, sogar „Aren’t
You Cured Yet“, ein Abgesang ans Jammern, und die bewegende Ballade „Let
Me Be Troubled“ (zugunsten eines SOSKinderdorfs in Malawi) können sich
anschließend bestens entfalten. Selbst
das countryeske „Before You Called Me
Yours“, das volksliedhafte „What Might
Have Been“, das poppige „The Diner“
und das brasilianisch bezaubernde „Who
Goes There“ (mit Márcio Faraco) wirken
in diesem Zusammenhang herrlich und
absolut schlüssig. „Man merkt, dass es da
eine große Bandbreite gibt“, meint Silje
Nergaard selbst. „Das Album heißt zwar
‚Darkness Out Of Blue‘, aber es ist nicht
komplett traurig.
Als Sängerin und als Mensch habe ich
viel Positives in mir, kann aber auch leiden
oder verängstigt sein – und das ist alles in
der Musik. Man kann nicht nur glücklich
oder nur traurig sein und deshalb wäre es
falsch, ein ‚glückliches‘ Album zu machen
oder eben das Gegenteil.“ Sie denkt einen Moment nach, legt den Kopf schief
und sagt: „Ich bin, wie ich bin. Und meine Musik ist genau so: Wie sie ist und wie
ich bin.“ Sie lacht. „Das kann man doch
so sagen, oder?“ JazzLink: nergaard
Silje Nergaard
Darkness Out Of Blue
Universal
06025 172 0429
Lebenslinie Silje NergAard
1966
1982
1990
2000
2005
2007
Am 19.06. kommt Silje
Beim Jazzfestival in Molde
Protegiert von Pat Metheny
Nach einer vierjährigen
Ihre erste Live-DVD produ-
Mit neuer Band, neuem
Nergaard im norwegischen
wird Pat Metheny auf die
und produziert von Richard
Babypause veröffentlicht
ziert Silje Nergaard in Köln;
Produzenten und neuen
Steinkjer zur Welt.
16-Jährige aufmerksam, als
Niles: Silje Nergaards Debüt
sie „Port Of Call“, das erste
ein deutliches Zeichen
Songs präsentiert sich Silje
sie das Publikum bei einer
von drei enorm erfolg-
ihres Erfolges in Deutsch-
Nergaard auf ihrem bisher
Session mit ehemaligen
Going“ ist ein Riesenerfolg
reichen Vocaljazzalben mit
land und ihrer Liebe zum
reifsten und vielseitigsten
Musikern von Jaco Pastorius
in England, Norwegen und
dem Tord Gustavsen Trio.
hiesigen Publikum.
Album „Darkness Out Of
begeistert.
Japan.
Soundcheck
Meine erste Jazzplatte
von Denzal Sinclaire
In meinem dritten oder vierten Jahr
an der High School in Toronto hatte
ich einen sehr dynamischen und inspirierenden Gentle­man namens Cefyn
(Kevin) Gauden als Kunstlehrer. Er
stammte aus dem englischen Seebad
Brighton und war über ein Lehreraustauschprogramm an unsere Schule
gelangt. Er malte nicht nur, sondern
war auch Jazz-Perkussionist, und wir
freundeten uns sofort an, als wir unsere
gemeinsame Leidenschaft für die Musik
entdeckten.
Einer von Cefyns erklärten Lieblings­
musiker war zu der Zeit Pat Metheny. Ich
selbst hatte damals noch nichts von ihm
gehört und war überhaupt noch ziemlich
unbeschlagen, was den Jazz anging. Also
lieh mir Cefyn, um mich erst einmal an
die Materie heranzuführen, Pat Methenys
Doppelalbum „Travels“. Es war 1982 bei
einer Reihe von Konzerten aufgezeichnet
worden. Und die Gruppe bestand aus
Pat Metheny an Gitarre und Gitarrensynthesizer, Lyle Mays an Piano, Orgel und
Synthesizern, Dan Gottlieb am Schlag-
zeug und Steve Rodby am Bass. Naná
­Vasconcelos steuerte schließlich Perkussion und Gesang bei.
Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, was ich empfand, nachdem ich
die ersten paar Takte Musik und den
Applaus des Publikums gehört hatte.
Der Beifall zeigte, dass der Opener eines
der absoluten Lieblingsstücke der Leute
war. Es war atemberaubend! Ich spielte
die erste Nummer „Are You Going With
Me“ gleich mehrmals hintereinander ab,
bevor ich mir den Rest des Albums an-
„Tell Me Where You’re
hörte. Mich faszinierte, wie das Stück begann, mit einem einfachen melodischen
und rhythmischen Motiv. Ich konnte
einfach nicht genug davon bekommen.
Aber irgendwann hörte ich mir schließlich doch den Rest der Platte an und freute mich mächtig, als ich entdeckte, dass
mich all die anderen Songs genauso begeisterten. Ich hatte das Gefühl, als würde mich die Musik an einen anderen Ort
und in eine andere Zeit transportieren
– wahrscheinlich dorthin, wo die Songs
aufgenommen worden waren … Es war
Blue“.
eine üppige und wunderschöne Klanglandschaft. Etwas Vergleichbares hatte ich
noch nie zuvor gehört. Das war wirklich
magische Musik.
Natürlich kaufte ich mir schon bald mein
eigenes Exemplar von diesem Doppelalbum und hörte es mir wieder und wieder an. Bis heute bin ich ein großer Fan
von Pat ­Metheny und Lyle Mays.
Mehr zu Denzal Sinclaires neuem
eigenen ­Album auf Seite 3.
2
Seite
Ausgabe 1 • Jahrgang 10
Intro
E
in guter Freund fragte mich, warum
ich nicht mal ein Album mit Coverversionen aufnehme“, erinnert sich
Natalie Cole. „Ich meinte nur: ‚Das
mache ich doch die ganze Zeit!‘ Er reagierte schnell: ‚Keine Jazzstandards, sondern Popsongs.‘ Die Idee fand ich so gut,
dass wir schließlich ein ganzes Album
mit diesen ‚Standards‘ meiner Generation aufgenommen haben.“
Aus vierhundert möglichen Originalen
haben Natalie Cole und ihr Produzent
Dallas Austin, ein Hitmaker für Janet
Jackson, Madonna und andere, elf sehr
unterschiedliche, markante Pop­songs
ausgesiebt. Was einst Fiona Apple oder
Shelby Lynne in die ­ Charts sangen und
was Neil Young, Sting, Kate Bush, Etta
James und die Isley Brothers zu Klassikern
machten, wird in diesen so direkten wie
unterschiedlichen Interpretationen zu
neuem musikalischen Leben erweckt. „Es
war sehr erfrischend“, sagt die eben 57Jährige über die Arbeit an ihrem zwanzigsten Studioalbum. „Wir haben die Essenz
behalten, die Songs aber so verändert, dass sie meine eigenen wurden.
Es macht keinen Sinn, ein Stück genau
so zu machen wie das Original. Man
muss etwas Neues einbringen, es sich
aneignen.“ Tatsächlich ist die Musik auf
­„Leavin’“ einerseits eindeutig erkennbar,
andererseits aber wie verwandelt. Stings
„If I Ever Lose My Faith In You“ bekommt
ein ansteckend inspiriertes Gospel-Feeling, Shelby Lynnes „Leavin“ wird zur
eindringlichen Soulballade und Aretha
Gelassen
verlassen
Drogen, Sex, Skandale – Natalie Cole hat
alles getan, um dem Schatten ihres Vaters
Nat „King“ Cole zu entkommen. Mit ihrem neuen
Album „Leavin’“ gelingt es ihr auf die
bestmögliche Art und Weise: musikalisch.
Endlich emanzipiert: natalie cole
Grunge’n’Grooves
Natalie Cole
Leavin’
Verve 06024 985 0958
Wirbel um … das Urheberrecht
Alice Coltrane
27.08.1937
*† 12.01.2007
Franklins „Day Dreaming“ wird mit entspannten Beats und Breaks modernisiert.
„Aretha war mein musikalischer Mentor“,
gesteht Natalie. „Ich hätte nie gedacht,
dass ich mal einen ihrer Songs singen
würde – zumindest nicht öffentlich. Aber
ich bin glücklich damit. Und ich hoffe,
ihr gefällt er auch.“ Sicher ist, dass das
Stück der „Grammy“-Kommission gefiel,
die es in der Kategorie „Best Female
R’n’B Vocal Performance“ nominierte.
„5 Minutes Away“, der einzige neue
Song des Albums, entstand spät, aber
spontan. „Es war drei Uhr morgens und
wir kamen einfach nicht auf den Punkt“,
erinnert sich Natalie Cole. „Also beschloss
ich, meine Sachen zu packen und zu
meinem Freund zu fahren. Schließlich
wohnt der nur fünf Minuten vom Studio
entfernt. Als ich das sagte, bekam Dallas
ein Leuchten in den Augen und meinte:
‚Alles klar, das ist unser Song!‘ Am nächsten Tag war er im Kasten.“ Natalie Cole
strahlt wie ein Teenager, wenn sie über
ihr neues Album spricht. „‚Leavin‘ ist wie
ein Mantra für mich“, sagt sie abschließend. „Vor allem, weil es diese Vorwärtsbewegung signalisiert. Hin zu einer neuen
Musik. Da, wo ich mich wohl fühle“.
JazzLink: cole
alice coltrane
D
er Tod von Alice Coltrane mit 69 Jahren war im Januar ein Schock für die Jazzwelt. Ihre Impulse-Alben der frühen 70er-Jahre sind unverzichtbare Kapitel
der Jazzgeschichte. Vor vierzig Jahren, nach dem Ableben ihres Mannes John
Coltrane, war sie in bis dato ungehörte meditative Klanglandschaften vorgedrungen. Die Pianistin und Harfenistin pilgerte nach Indien, suchte die transzendentale
Grenzerfahrung – das Meilensteinalbum „Journey In Satchidananda“ widmete sie
ihrem Guru. Alice Coltrane verblüffte vor zwei Jahren mit ihrem Comeback-Album
„Translinear Light“. Noch im vergangenen Juli erschien die Jazz-Yogini bei einer
Präsentation des Ashley Kahn-Buches „The House That Trane Built“ (siehe auch
Seite 9). Groß und aufrecht, fast majestätisch stand sie auf dem Podium, mit langem, zurückgekämmtem Haar und leuchtenden Augen, von Kopf bis Fuß im heiligen Orange der Hindus. Möge Alice Coltrane glorreich wiedergeboren werden!
Sie feinden sich an, die beiden ITRiesen: Der Software-Gigant Microsoft
attackiert den Suchmaschinenprimus
Google wegen angeblicher Verletzung des Urheberrechts. ­ Googles
neues ­ Scan-Projekt „Google Book“
würde Profit auf dem Rücken der
Buchverlage und Autoren machen.
„Unternehmen, die selbst keine eigenen Inhalte kreieren und nur Geld mit
dem Content anderer Autoren und
Verleger machen, kratzen Milliarden­
umsätze mit Werbung und Börsengängen zusammen“, sagt Tom Rubin,
Chefsyndikus im Hause Microsoft, das
Google mit einem eigenen, ähnlichen
Vorhaben die Stirn bieten will.
Google gibt sich – noch – gelassen.
Man bewege sich im Rahmen des
gesetzlich Erlaubten und handle nach
dem so genannten „Fair-use“-Prinzip,
so das Unternehmen. Die Grauzone ist
groß, denn das bestehende Copyright
ist von Land zu Land unterschiedlich.
Und es geht von veralteten Voraussetzungen aus. 80 % der Weltliteratur
sind angeblich nicht mehr lieferbar,
denn mögliche Neuauflagen verirren
sich im Paragraphendschungel.
Amerikanische TV-Serien und mexikanische Telenovelas dürfen erst in
Deutschland gesehen werden, wenn
irgendein Privatsender sie schließlich
ausstrahlt – und vorher oft erbärmlich synchronisiert hat. Kein Wunder,
dass sich YouTube und die neue FilmPlattform Veoh ungebremster Beliebtheit erfreuen. Man sieht: Das Thema
Urheberrecht betrifft heute keinesfalls
mehr allein die Musikbranche.
Neue Karten: Medeski, Martin, Wood und Scofield
Beinahe zehn Jahre sind verstrichen,
seit John Scofield, John Medeski, Billy
Martin und Chris Wood erstmals gemeinsam die Jazzwelt elektrisierten. Das unter
Scofields Namen erschienene Album „A
Go Go“ galt sofort als moderner Klassiker des Jazz.
Nun haben sich die vier Musiker erneut
zusammengetan, um ein noch verrückteres Improvisationsalbum einzuspielen
und klanglich in neue Sphären vorzustoßen. Beim ersten Treffen gab es noch
eine klare Rollenverteilung: Scofield war
der Leader, von dem sämtliche Stücke
stammten, und Medeski, Martin & Wood
agierten als groovendes Begleittrio. Bei
„Out Louder“ werden die Karten neu
gemischt. Die Musik ist nun ein wahres
Gemeinschaftsprodukt, offener gestaltet
und stilistisch weitaus vielschichtiger. Die
Aufnahmen, die in MMWs berüchtigtem
Brooklyner Shacklyn-Studio gemacht
wurden, waren in wenigen Tagen unter
Dach und Fach (die meisten Stücke entstanden spontan während der Sessions)
Medeski, Scofield,
Martin & Wood
Out Louder
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und versprühen einiges vom spröden
Charme des verlotterten Kellerstudios.
„Die Leute sprechen vor allem auf Grooves und Funk an, also auf Sachen, die sie
im Bauch spüren“, sagt John Medeski.
„Wir kennen uns mit komplexen Harmonien aus, aber letztendlich wissen wir
auch, dass man nicht allzu viele Noten
spielen sollte, wenn man die Leute erreichen will. Der ­Groove und der Geist der
Musik sind es, die eine direkte Verbindung zum Publikum herstellen.“ Und
dies ist dem Quartett auf „Out Louder“
prächtig gelungen, am eindrucksvollsten vielleicht mit den überraschenden
Coverversionen vom Beatles-Song „Julia“
und von Peter Toshs Kiffer-Hymne
„Legalize It“. Erscheint am 20.04.2007
JazzLink: louder
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Hörbeispiele unter www.myspace.com/nilswuelker
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Ende Jazz, alles gut
Soulstar gladys knight singt schon seit der High School Jazz. Doch jetzt, auf ihrem Album „Before Me“,
zum ersten Mal im Studio – mit beispielhaft gutem Resultat.
I
st das wirklich David ‚Fathead‘ Newman?“, fragte Gladys Knight eines
schönen Studiotages im letzten Sommer ihren Produzenten Tommy LiPuma.
Der schnurrbärtige Veteran bejahte.
„Und er ist hier, um auf deinem Album
zu spielen!“ Spätestens an diesem Punkt,
so die 62-jährige Soulsängerin aus
Atlanta, Georgia, habe sie gemerkt, dass
es ernst wird mit ihrem Jazzalbum. „Ich
hatte immer davon geträumt, mein ganzes Leben lang. Und Lloyd Terry, der Leiter meiner High-School-Bigband, hatte
mich auch immer wieder dazu angehalten. Aber bei Motown und Buddah
wollte man davon natürlich überhaupt
nichts wissen.“
Gladys Knight lacht. Um alte Erinnerungen zu übertönen und weil es schluss­
endlich doch noch gelungen ist, den
Traum wahr werden zu lassen. „Schon als
junges Mädchen habe ich Billie ­Holiday,
Dinah Washington, Ella Fitzgerald, Nina
Simone und Sarah Vaughan verehrt. Und
bis auf Billie habe ich sie später auch alle
kennen gelernt. Aber erst jetzt bin
ich wirklich so weit,
ihre Geschichten
auf
meine
Art und
Weise
zu
erzählen – ehrlich und authentisch.“
Gemeinsam mit allerhand Allstars –
neben „Fathead“ sind auch Joe Sample,
Chris Botti, Roy Hargrove und Anthony
Wilson dabei – gelingt es Gladys Knight,
zwölf große Standards in selten gehörter Emotionalität vorzutragen. Sicherlich
haben auch die Arrangements von John
Clayton und Billy Childs ihren Anteil am
Erfolg von „Before Me“ – das zentrale
Element ist allerdings die überragende
Qualität ihres Gesangs. Die legendäre
Stimme trägt besser denn je, berauscht
mit rauer Süße und emotionaler Eleganz, jenseits von Las-Vegas-Drama und
„Superstar“-Gewese. Tatsächlich hat die
gläubige Mormonin, die in vierter Ehe
mit einem dreizehn Jahre jüngeren Anlageberater verheiratet ist, in den letzten
Jahren in den USA vor allem als Attraktion im „Flamingo“ in Vegas und als Jurorin der US-„DSDS“-Version „American
Idol“ von sich reden gemacht. „Ich bin
von der alten Schule“, gesteht sie. „Ich
habe noch nie etwas gemacht, woran
ich nicht geglaubt habe. Von meinen
frühen Singles bis zum James-Bond-Song
„License To Kill“ kann ich hinter allem
stehen, was ich je gesungen habe. Denn
das ist der Schlüssel: Ich kann einen Song
nur singen, wenn ich ihn mir persönlich
zu Eigen mache. Wenn ich es selbst nicht
glaube, kann ich es auch nicht so singen, dass du es glaubst.“
Wer das wiederum nicht glauben will, muss nur ein paar Takte
ihres neuen Albums hören – von
„The Man I Love“ vielleicht oder
„Someone To Watch Over
Me“. Das Einzige, was daran
unglaublich ist, ist diese natürliche und energische Seele in der Stimme.
Und natürlich die Tatsache, dass es fast
fünfzig Jahre gedauert hat, bis Gladys
Knight eines der besten Alben ihrer Karriere aufnehmen durfte.
JazzLink: knight
Vom „Bondgirl“ zur Jazzdiva: gladys knight
gladys knight
Before Me
Verve 06024 985 0961
Seite
Ausgabe 1 • Jahrgang 10
3
Intro
„Ein kleines Experiment“
Der Bariton Thomas Quasthoff und der Trompeter und Produzent Till Brönner haben die CD „Watch What Happens“ realisiert und sind bei der musikalischen Einordnung stur.
„Dies ist kein Crossover, sondern Jazz“
sagt Thomas Quasthoff über seine
neue CD „The Jazz Album – Watch
What Happens“, die er zusammen mit
dem Jazztrompeter und Produzenten
Till Brönner aufgenommen hat. Es ist
nicht das erste Mal, dass der grammydekorierte Sänger das Fach wechselt.
Schon in seiner Jugend sang Quasthoff
in der Band seines Bruders Jazz-Standards. Wie es zur erneuten Liaison
des klassischen Baritons mit dem vermeintlich leichten Jazz kam, erzählen
Thomas Quasthoff und Till Brönner im
JazzEcho-Interview.
JazzEcho: Herr Quasthoff, wann haben
Sie Ihr Faible für den Jazz entdeckt?
Thomas Quasthoff: Früh, so mit zwölf,
13 Jahren. Ich habe mit elf das „Nasobem“ von Christian Morgenstern vertont
– mit einer Jazzcombo. Ich kann sogar
noch die Melodie, singe ich jetzt aber
nicht (lacht). Mit der damaligen Band
meines Bruders habe ich noch im legendären „Onkel Pö“ gespielt. Ich habe also
schon einiges probiert.
JazzEcho: Wie kam es schließlich dazu,
das Projekt eines Jazz-Albums in Angriff
zu nehmen?
Quasthoff: Das Ding ist, dass ich das immer wieder zwischendurch gemacht habe. Unter anderem in Eugene, Oregon,
was in dem Film „The Dreamer“ auch
festgehalten wurde, den Michael Hader
gedreht hat. Das war ein Vormittagskonzert vor 3.000 Leuten, und die sind
wirklich ausgeflippt. Da war einfach ein
Punkt, wo ich spürte: Es ist erstaunlich,
dass ich mit dieser Art von Musik eine
andere Sorte von Zuhörern, vielleicht
auch ein größeres Publikum erreichen
kann. Und das fand ich sehr spannend.
JazzEcho: Herr Brönner, wann haben Sie
entdeckt, dass Thomas Quasthoff nicht
nur ein erfolgreicher klassischer, sondern
auch ein talentierter Jazz-Sänger ist?
Till Brönner: Ich bin schon früher in
den Genuss gekommen, mir durch Aufnahmen und nicht zuletzt aus bloßer
Neugier, zu merken, dass dieser Mann
wirklich etwas hat, was sich lohnt herauszuarbeiten. Es hat unglaublichen
Spaß gemacht, während der Produkti-
„Kein Crossover!“: Till Brönner & Thomas QuasthofF
on genau diese Momente zu aktivieren.
Was wir hier getan haben, ist ja schon
ein kleines Experiment. Wir haben beide,
glaube ich, gespürt, dass es an der Zeit
war, dieses Projekt umzusetzen.
JazzEcho: Wie würden Sie Ihren Anspruch
als Produzent beschreiben?
Brönner: Als Produzent ist man von vornherein nicht nur verpflichtet, sondern
auch wirklich auf der Suche danach, das
Beste im Künstler herauszuarbeiten. Und
das Beste ist manchmal viel mehr, als
man sich anfangs vorstellen kann. Dafür
muss man sehr, sehr flexibel sein, jegliche
Stimmungsschwankung und Tagesform
jedes Beteiligten – gar nicht mal nur auf
Thomas bezogen – mit einbeziehen. Es ist
wichtig, das man jedwede Entwicklung
und alle Umstände im Studio kreativ umsetzen kann.
JazzEcho: Wie haben Sie die Stücke für
diese CD ausgewählt?
Quasthoff: Ich glaube, wir haben eine
ganz gute Mischung gefunden. Ich warne
jeden davor, zu glauben, dass das so einfach ist, dass das jeder kann. So einfach
ist es nicht! Aber es war eine der schönsten Arbeiten, die ich in den letzten Jahren
Ein Bariton und Gentleman
denzal sinclaire lernt ständig
„Alles, was man braucht, steckt in
diesen Songs“, meint Denzal Sinclaire.
„Man muss es nur suchen.“ Der Kanadier, der sich selbst als „ständig lernenden“
Pianisten bezeichnet, dessen Qualitäten
als Sänger allerdings zu offensichtlich
für Bescheidenheit sind, wächst auf „My
One And Only Love“ über sich und die
Konkurrenz hinaus. Den entscheidenden
Unterschied machen dabei nicht nur
die Songs, sondern vor allem das, was
Denzal darin findet. Den Titelstandard
etwa, seine Hommage an Shirley Horn,
interpretiert er so sanft wie sinnvoll –
ohne störende Spuren von Sentimentalität. Die eher obskure Gershwin-Komposition „For You, For Me, For Evermore“
erfüllt er mit zeitloser Zuneigung. Sogar
„Stardust“ wirkt dank Denzals begnadetem Bariton gleichzeitig klassisch wie
modern. Besonders gelungen sind allerdings ein paar überraschende „Songfindungen“ aus der Popwelt. Stevie
­Wonders „Happier Than The Morning
Sun“, Willie Nelsons „Always On My
Mind“, Johnny Nashs „I Can See Clearly Now” und vor allem den Genesis-Hit
„Follow You, Follow Me” macht er sich
so zu Eigen, dass sie nicht nur unerhört
gut, sondern auch wie neugeboren klingen. Gemeinsam mit jungen Jazzlöwen
wie dem Gitarristen Russell Malone,
dem Saxophonisten Seamus Blake und
Brad Turner an Trompete und Flügelhorn
spielt der Gentleman mit der schlauen
Hornbrille auf diesem dritten Album den
vielleicht elegantesten Vocaljazz unserer
Zeit. Wer Geschmack und Gefühl sucht,
wird hier fündig.
Emarcy 06024 987 9694
an eine Frau denkt und auch in trauriger
Weise an eine Frau denkt, die er vielleicht
noch liebt oder mal sehr geliebt hat? Das
sind Gefühle, wenn man sie denn erlebt,
die sehr dazu beitragen, die Tiefe zu finden, die Musik braucht.
JazzLink: jazzalbum
Thomas
Quasthoff
The Jazz Album –
Watch What Happens
Deutsche Grammophon
00289 477 6644
Zeit
ohne
Wiederkehr
Jung im Herzen: marK murphy
Mark Murphy ist 74 – ein Alter, in dem andere über die eigene Endlichkeit nachdenken.
Er jedoch lebt im Heute und blickt ins Morgen.
H
fessor Longhair und Nick LaRocca, vier
Säulenheiligen der Musikszene von New
Orleans. Und wie schon auf den beiden
ersten Alben, die bei Marsalis Music in
der Reihe „Connick On Piano“ erschienen, konzentriert sich Harry ganz aufs
Pianospielen und Arrangieren, das Singen überlässt er auf „Chanson du ­Vieux
Carré“ zwei Bandmitgliedern: dem
Posaunisten Lucien Barbarin und dem
Trompeter Leroy Jones. Die Bigband, in
der etwas vom Geist der legendären Jazz­
orchester der 30er- und 40er-Jahre weiterlebt, war so hervorragend eingespielt,
dass sie selbst für neue Arrangements lediglich zwei Takes brauchte, um sie für
das Album zu meistern.
Harry Connick Jr.
Chanson
du Vieux Carré
Marsalis Music
08749 460 0062
immer ganz einfach waren, und jetzt in
einer Lebensphase sind, die ich – wenn
man sie denn benennen müsste – als
schlicht und ergreifend glücklich bezeichnen würde, dann spürt man das auch in
seiner Kunst.
Ich glaube, die große Kunst eines Künstlers – ich rede nicht vom Sänger, sondern von einem wirklichen Künstler, und
ich hoffe, dass ich mich als ein solcher
bezeichnen darf – ist, diese Gefühle abrufbar zu machen: Wie ist jemand, der
melancholisch ist? Wie ist jemand, der
sich zurückerinnert? Wie ist jemand, der
Denzal Sinclaire
My One And Only Love
Jeune Homme dans le Vieux Carré
Für Menschen, die wie Harry Connick
Jr. in New Orleans aufgewachsen sind, ist
die so genannte Crescent City nicht einfach eine Stadt, sondern Ausdruck eines
ganz bestimmten, unveränderlichen
Spirits, dessen Herz und Seele man im
Vieux Carré (oder French Quarter) findet.
In den letzten Jahren schrieb Connick
eigene Songs über New Orleans und arrangierte auch einige traditionelle NewOrleans-Stücke, um seiner Band immer
wieder neue Musik vorsetzen zu können. Aus diesem Material entstand nun
„Chanson du Vieux Carré“.
Das Album, das er mit seiner Bigband
noch vor dem Wirbelsturm Katrina aufnahm, entstand als Hommage an Connicks Stadt, die nicht nur als offizielle
Wiege des Jazz gilt, sondern darüber
hinaus eine einzigartige, schillernde
Musikszene besitzt. Neben drei selbst
geschriebenen Songs präsentiert Connick hier unter anderem Klassiker von
Louis Armstrong, Sidney Bechet, Pro-
gemacht habe. Wenn uns jemand bei der
Arbeit beobachtet hätte, hätte er bemerkt:
Wir haben uns gefreut, gelacht und uns
amüsiert – geschimpft miteinander haben
wir überhaupt nicht. Keine Sekunde.
JazzEcho: Es sind viele melancholische
und introvertierte Songs auf der CD. Was
sagt das über den Sänger Quasthoff?
Quasthoff: Das kann ich ihnen ganz einfach beantworten: Wenn Sie 47 Jahre mit
einer Schwerbehinderung leben, und in
diesen 47 Jahren nicht nur diese Behinderung bewältigen, sondern Beziehungen
und auch Beziehungskrisen, die nicht
Zwei Takes: harry connick Jr.
aben Sie Zeit? Können Sie uns
Geschichten aus Ihrem Leben
erzählen? Schwierig, so ad hoc?
Die Zeit rast eben an einem vorbei und
man kann nichts dagegen tun. Wir alle
sind ihr ausgeliefert. „In meinem Alter
bist du geradezu davon besessen, wie
die Zeit deine Zukunft, Gegenwart und
Vergangenheit beeinflusst“, sagt Mark
Murphy. Doch immer noch lebt der 74jährige Jazzsänger in der Gegenwart und
blickt in die Zukunft – man hört es auf
dem neuen Album „Love Is What Stays“,
seinem zweiten bei ­Verve. Viele aus Murphys Generation, viele seiner Kollegen
blicken nur noch zurück, manche im
Zorn, manche nostalgisch und wehmütig. Doch der Altmeister hat sich seine
Leidenschaft bewahrt. Er ist im Herzen
jung geblieben. Manche Konflikte seiner
lyrischen Ichs wären denen von Erstsemesterstudenten würdig. Spätestens beim
zweiten Hören von „Love Is What Stays“
spürt man aber die Tiefe des besten weißen Jazzsängers. 50 Jahre Musikkarriere
sind eine lange Zeit, dabei ist es erstaunlich, wie sich der ewige Geheimtipp
Murphy gehalten hat, der einst auf Augenhöhe stand mit Ella Fitzgerald, Frank
Sinatra und Peggy Lee. Verblüffend, wie
jung seine Stimme heute noch klingt. Sie
renoviert auf dem neuen Album sogar
den Coldplay-Song „What If“. Die Zeit
hat es gut gemeint mit seiner eleganten,
nonchalanten und elegischen Stimme,
die verdammt pathetisch werden kann,
ohne an Glaubwürdigkeit zu verlieren
– die aus der schummerigen Bar eines
Robert-Mitchum-Films kommen könnte
oder von einer mit Bank im Central Park,
die im Herbstlaub fast verschwindet.
„Love Is What Stays“ ist das zweite von
Trompeter Till Brönner produzierte MarkMurphy-Album und es spinnt den Faden
des Vorgängers „Once To Every Heart“
konsequent weiter. Murphy pendelt
zwischen schmelzenden Balladen und
rauen Midtempos, neben dem ColdplayCover überrascht der Scatvirtuose mit
einer Version des Johnny-Cash-Klassikers
„So Doggone Lonesome“. Eigenkompositionen sind der Titeltrack und der
spontane Spoken-Word-Beitrag „The
Interview“. Neben Brönner solieren auf
„Love Is What Stays“ auch die Altsaxophon-Legende Lee Konitz, Pianist Frank
Chastenier und Keyboarder Don Grusin,
vor cinematographisch arrangierten
Klangkulissen mit dem Deutschen Symphonie Orchester Berlin. Leitmotiv des
neuen Albums ist der einstige MarkMurphy-Hit „Stolen Moments“. Ein Liebespaar stiehlt sich dort ein paar unbeobachtete Momente aus dem reißenden
Strom der Zeit, und Murphy nimmt sich
auf Albumlänge die Zeit für unerschöpfliche Geschichten.
JazzLink: murphy
marK murphy
Love Is What Stays
Verve CD 06025 171 4489
LP 06025 172 1090
Seite
4
Ausgabe 1 • Jahrgang 10
Classics
Pablo Peterson
Top Ten
nenen Compilation „Perfect Peterson“.
Die Doppel-CD vereint einige der besten
Aufnahmen, die Oscar Peterson für die
Labels Pablo und Telarc eingespielt hat.
Auf der ersten CD sind Pablo-Aufnahmen
aus den Jahren 1953 bis 1986, die zweite lässt Petersons ­Telarc-Œuvre der 90er­Jahre Revue passieren. Einfühlungsvermögen, Innovationsgeist und Originalität
beweist Peterson zum Beispiel in einer
1976 mit dem Akustikgitarristen Joe Pass
gemachten Duo-Aufnahme von George
Gershwins „Summertime“, bei der er das
klassische Klavichord zu einem veritablen
Bluesinstrument umfunktioniert.
Zu bewundern gibt es auf „Perfect
­Peterson“ aber auch technische Kabinettstückchen, bei denen der Pianist sich alles
abverlangte und die den Zuhörer atemlos
werden lassen: etwa das rasante Duett
mit Dizzy Gillespie, das einem Ellingtons
„Caravan“ in Überschallgeschwindigkeit
durch die Gehörgänge jagt. Der perfekte
Peterson eben.
Eine Doppel-CD mit seinen
besten Aufnahmen auf Pablo
und Telarc zeigt noch einmal
das ganze Genie Oscar
Petersons.
A
ls 1956 der geniale Art Tatum
verstarb, hatte die Jazzkritik in
dem aus Toronto stammenden,
damals 31-jährigen Pianisten Oscar
­Peterson längst dessen Thronfolger ausgemacht. Man mag nun einwenden,
dass ­Petersons Zeitgenossen Bud Powell
und Bill Evans einen größeren Einfluss
auf die Entwicklung des Jazzpianos ausgeübt hätten, doch gab es nach Tatums
Tod lange Zeit keinen Pianisten, der mit
mehr Feuer, Rasanz, swingender Kraft,
Akkuratesse und schierer Virtuosität als
Peterson zu spielen verstand.
Freilich boten gerade diese Qualitäten
bald auch Anlass für Kritik. Da hieß es
dann etwa, Peterson spiele zu viele Noten, gäbe technischer Brillanz den Vorzug
vor musikalischer Tiefe und sei insgesamt
wenig innovativ. Wie sehr diese Vorwürfe
jeglicher Grundlage entbehren, zeigen
einige Beispiele auf der jetzt erschie-
Spielte mehr als nur viele Noten: oscar Peterson
Jenseits
vom Kleingedruckten
A
Prestige 08880 723 0157
my.jazz.space
Vom Wahren, Schönen, Erlaubten
Nebenan gibts Ärger. William Barrington-Coupe, Musikproduzent und Menschenfreund, wollte seiner im vergangenen Jahr verstorbenen Ehefrau Joyce
Hatto etwas Gutes tun. Als erfolgreiche Klassik-Pianistin musste sie in den 70ern
wegen einer Krebserkrankung ihre Karriere aufgeben. Der treue Gefährte konnte
das nicht mit ansehen und so begann er, ihre Aufnahmen mit Einspielungen großer Kollegen zu verschneiden, um der Leidenden und der Welt hehre Kunst vorzugaukeln.
Resultat: Die britische Presse jubelte Hatto als Jahrhundertmusikerin in den Himmel, bis unlängst das Identifikationsprogramm eines Musikportals ihre Interpretationen anderen Pianisten zuordnete. Katzenjammer und Empörung!
­Barrington gab die Fälschungen zu, ein rund hundert CD-Titel umfassendes
Gesamtwerk ist plötzlich wertlos.
Sagen die Puristen. Schließlich sind Authentizität und Originalität bislang Letztwerte des Künstlerdaseins, die den Stürmen der Postmoderne und der Globalisierung trotzen. Bis der Tabubruch der Hatto-Affäre die romantische Norm relativierte. Denn jahrzehntelang hörten Fans und Journalisten in den Fakes das
­Geniale der Musik, auch wenn sie deren Urheber gar nicht identifizierten. Mehr
noch: Barrington schuf mit seinen Kombinationen eine Art Künstler-Konzentrat,
wie es der leistungsbetonten Kulturbürgerlichkeit seit zwei Jahrhunderten als
Ideal vorschwebt. „Best of Piano“ in einer Person, die ultimative, unangreifbare
Interpretation, weil sie im Kollektiv entstand. Was für ein Glück, dass Jazz nur
von eindeutig unterscheidbaren Individuen und Stilisten gespielt wird. Obwohl,
wer weiß …
Ralf Dombrowski, Jazzkenner und Autor der „Basis-Diskothek Jazz“ (Reclam)
2. Miles Davis
My Funny Valentine
3. John Coltrane
Impressions
4. John Coltrane
One Down, One Up:
Live At The Half Note
5. Bill Evans
Sunday At The Village
Vanguard
6. Sly And The Family Stone
Stand!
7.Robert Johnson
1st Recordings (1936)
8.Jimi Hendrix
Are You Experienced?
9.Take 6
Take 6
10.Glenn Gould
Bach: Goldberg-Variationen
(1955)
Zwei legendäre LPs des
Bassisten und Komponisten
Charles Mingus sind
jetzt auf CD erschienen.
I
dass ihn sein Vertrag mit Prestige noch
zu vier weiteren Alben verpflichtete.
Ohne mit der Wimper zu zucken, spielte
der Meister sie mit seiner phänomenalen
Band in zwei Tagen ein, am 11.05. und
26.10.1956:
„Cookin’“,
„Relaxin’“,
„Steamin’“ und „Workin’“ heißen sie.
Um es kurz zu machen: „Cookin’ With
The Miles Davis Quintet“ ist eines der
besten Jazzalben aller Zeiten. Es steht
auf der Schwelle zwischen Hardbop und
Cool. Es lässt das Genie des jungen John
Coltrane erahnen. Paul Chambers und
Philly Joe Jones waren nie „tighter“ als
auf diesem Album. Auch wenn es damals
ihr Ende war, auf „Cookin’“ hört man
noch heute wie gut sie waren!
Miles Davis
Cookin’ (Rudy van
Gelder Remaster)
Pablo 08880 723 0078
1. Miles Davis
Kind Of Blue
ParisSessions
Eines der besten Jazzalben aller Zeiten nahm das Miles
Davis Quintett auf, weil es musste, nicht weil es wollte.
ll good things must come to an
end“ lamentierte Ira Gitler in den
Linernotes des Albums „Cookin’“.
Die gute Sache, die Gitler meinte, fand
im Frühling 1957 ihr Ende, und zwar als
sich das Miles Davis Quintett auflöste:
mit John Coltrane, Red Garland, Paul
Chambers und Philly Joe Jones – es war
die damals beste kleine Combo im Modern Jazz. Miles Davis hatte es kurz davor eilig mit einem ganz anderen Ende:
dem seines Plattenvertrages mit seinem
damaligen Label Prestige. Keine so gute
Sache war der für ihn persönlich gewesen. Bereits 1951 hatte er dort unterschrieben, Miles war damals ein Junkie.
In seiner Autobiographie schreibt er,
Prestige war schnelles Geld für süchtige
Jazzmusiker, und von denen gab es viele
in den 50er-Jahren.
Nachdem er den Dämon Heroin besiegt hatte, setzte Davis andere Prioritäten und wechselte umgehend zu
Columbia. Ohne dabei zu beachten,
Oscar Peterson
Perfect Peterson: The
Best Of The Pablo And
Telarc Recordings
John McLaughlin
gilt als der
technisch versierteste und einflussreichste Gitarrist – nicht nur im Jazz.
So überrascht es wenig, dass seine
Liste der zehn wichtigsten Jazzalben
aller Zeiten nicht immer der klassischen Jazzdefinition entspricht.
Ausgekocht: miles davis
rgendwann im Oktober 1970 flog
Charles Mingus von New York nach
Paris, machte an einem Tag eine monumentale Aufnahmesession und fuhr
dann sofort wieder nach Hause, wo sich
die Dinge für ihn gerade wieder zum Besseren wandten. Das Label America veröffentlichte jenes erstaunliche Material der
„Paris Sessions“ auf zwei LPs. Jetzt erscheint es mit umfangreichem Bonusmaterial aus unveröffentlichten Alternativversionen als Doppel-CD: es sind einige
der besten Aufnahmen des späten Mingus. Seinen Solisten (etwa Jaki Byard am
Piano) ließ er auf den langen Versionen
von „Reincarnation Of A Lovebird“ oder
„Pithecanthropus Erectus“ hörbar freie
Hand, sie holten die Mingus’sche Intensität der Liveauftritte ins Studio, und ihr
Zusammenspiel erinnert dabei mehr an
den Drive der 50er-Jahre.
Herrlich vergleichen lässt sich das Material mit einem fünf Jahre älteren, ehemals verschollenen Livemitschnitt des
Bassisten und Bandleaders: „Charles
Mingus At UCLA“, ein komplettes Kon-
Ein kritischer Patriot am Telefon: charles Mingus
zert vom September 1965 von ihm mit
einem Oktett. Die Stücke hatte er eigentlich zuvor beim Monterey Jazz Festival aufführen wollen, wozu es damals
aber nicht kam. Der Komponist ließ später ein paar Hundert Schallplatten davon pressen und zerstörte dann, wahnsinnig wie er war, das Masterband. Seine
Witwe, Sue Mingus, machte die Aufnahme der Öffentlichkeit wieder zugänglich.
Der Gott der Avantgarde auf zweien seiner kreativen Höhenflüge.
Der Soundtrack zum
Weltuntergang
Himmel, Donner, AbbeY lincoln. Ihr großartiges
Verve-Debüt erscheint in neuer Auflage.
E
inen apokalyptisch anmutenden Titel wählte Abbey Lincoln 1990 für
ihr erstes Verve-Album: „The World
Is Falling Down“. Auch das Cover, auf
dem sich die stets engagierte Sängerin
den gedankenschweren Kopf hält, verhieß nichts Gutes. In Wirklichkeit hatte
Abbey Lincoln damals allen Grund zu
frohlocken. Zwanzig Jahre lang hatte sie
nur wenige Alben unter eigenem Namen herausgebracht, und von denen
lösten lediglich zwei (die Billie-HolidayTribute für Enja Records) Resonanz bei
der Jazzpresse aus und fanden größere
Verbreitung. Mit „The World Is ­ Falling
Down“ stand Abbey dann plötzlich im
internationalen Scheinwerferlicht. Hervorragend unterstützt von Cracks wie
­Charlie Haden, Jackie McLean, Clark
­Terry, Alain Jean-Marie, Ron Carter
und Billy Higgins bewies ­ Abbey, dass
sie ungeachtet ihrer 60 Jahre noch eine
Menge Feuer besaß. Tatsächlich hätte sie dem Album auch den Titel eines
anderen ihrer selbst geschriebenen
Songs auf „The World Is Falling Down“
geben können: „I Got Thunder“, denn
mit einem musikalischen Donnerschlag
meldete sie sich zurück! Weitere Aufnahmen mit so illustren Stargästen wie
Stan Getz, Pat Metheny, Steve Coleman,
Roy Hargrove, Stanley ­Turrentine, Hank
Jones, J.J. Johnson, Lucky Peterson und
den Staples Singers sollten folgen und
Abbeys Ruf, eine der größten und eigenwilligsten Jazzdiven der 90er-Jahre zu
sein, konsolidieren. JazzLink: lincoln
Abbey Lincoln
The World Is Falling
Down
Emarcy 06024 984 2433
Engagiert: abbey Lincoln
charles mingus
In Paris – The
Complete America
Sessions
Emarcy
06024 984 2958 (2 CDs)
charles mingus
Charles Mingus
At UCLA
Emarcy 06024 984 2759
Ausgabe 1 • Jahrgang 10
Seite
5
Feedback
Freibier für alle!
Die Luft
flimmert
Hat keith jarrett mit seinem Konzert
in der Carnegie Hall das legendäre in Köln
noch überflügelt?
Entdeckte das Fragment: keith jarrett
1975
nahm Manfred Eicher
für sein junges Label
ECM ein Konzert von Keith Jarrett auf,
das seitdem Maßstab für jeden als Solist auftretenden Jazzpianisten ist: „The
Köln Concert“. Selbst Jarretts spätere
Soloeinspielungen wurden, auch wenn
der Pianist sein musikalisches Konzept
kontinuierlich wandelte, immer wieder
in Relation zu diesem epochalen Album
gesetzt. Jetzt ist ihm, finden Kritiker und
Fans, mit der Doppel-CD „The Carnegie
Hall Concert“ das Kunststück gelungen,
das „Köln Concert“ noch zu überflügeln.
„Die Luft flimmert, das Publikum flippt
aus, johlt, pfeift, trampelt minutenlang
wie beim Auftritt einer Teenieband“,
berichtet „Jazzthing“. „Jarrett spielt fünf
Auf dem
Bundespresseball
geht es weniger
steif zu, wenn
jamie cullum
für die Unterhaltung
sorgt.
(!) Zugaben, wahrscheinlich grinsend,
innerlich absolut mit sich im Reinen;
wunderschöne Balladen, farbigen, verschnörkelten Blues, Standards, sogar
Boogie-Woogie. Wohlgemerkt: Wir sprechen nicht vom ‚Köln Concert‘, jenem
orkanähnlichen Outcoming eines damals
noch unbekannten, jungen Klavierspielers 1975, sondern von der musikalischen
Autobiografie des vielleicht größten
lebenden Pianisten, die im September
2005 in der altehrwürdigen New Yorker
Carnegie Hall sperrangelweite Münder
und wund geklatschte Hände hinterließ.
Ein Jahrzehnt lang war der heute 60Jährige nicht mehr solo in seiner amerikanischen Heimat aufgetreten. Dazwischen lagen eine schwere Krankheit, die
D
O
Minikonzert, bei dem er den Flügel nicht
nur als Tasteninstrument benutzte, sondern auch als Schlagzeug. Er spielte sehr
charismatisch ‚I Get A Kick Out Of You‘
und ‚Photograph‘ und erzählte ein bisschen was aus seinem Leben. Zweimal
hat er schon für die Queen gespielt. Einmal stand er neben Eric Clapton, als sie
sich näherte und ihn fragte, was er denn
so mache im Leben. Als er es ihr sagte,
antwortete sie: ‚Very nice.‘ Jamie fand
die Königin sehr cool.
Drei ausverkaufte Tourneen in
seiner britischen Heimat und Auftritte in den wichtigsten US-Talkshows markieren außerdem den
stürmischen Karriereauftakt des
bemerkenswert
allürenfreien
Pop-Jazzers, der schon früh ein
obsessives Interesse für alle Arten
von Musik entwickelte und über Miles
Davis zum Jazz geraten ist, den er spielerisch mit Popelementen verflüssigt. Er
freue sich auf den Abend, sagte er unbefangen. ‚Es gibt ja auch Freibier.‘ Und,
nein, es mache ihm gar nichts aus, auf
einem Ball zu spielen. ‚Ich mag Partys,
und diese hört sich an, als könne man da
eine Menge Spaß bei haben.‘“
jamie cullum
Catching Tales
Emarcy 06024 987 3771
Trio-Trip: The Puppini sisters
b der Karrierestart
der kessen Puppini
Sisters ohne die frechen Flunkereien von Marcella Puppinis Ehemann
genauso furios verlaufen
wäre, weiß niemand. Dass Mr.
Puppini einen gewissen Anteil
am überwältigenden Erfolg des erfrischenden Gesangstrios hat, ist aber
kaum von der Hand zu weisen. Schließlich tischte er Veranstaltern, deren Interesse er wecken wollte, auf, das Trio habe in seinem Repertoire aus swingenden
40er-Jahre-Klassikern auch so exquisite Ausreißernummern wie Kate Bushs
„Wuthering Heights“ und „Panic“ von
The Smiths. Den Puppini Sisters blieb
es dann überlassen, diese wahrlich nicht
leicht zu meisternden Stücke in Windeseile bis zum Auftritt perfekt einzustudieren. Gerade mit ihnen eroberten sie
aber das Londoner Publikum im Sturm.
Zu finden sind die Titel auch auf dem
brillanten Verve-Debütalbum „Betcha
Bottom Dollar“, das von der deutschen
Kritik mit ebenso großem Jubel begrüßt
wurde wie die Konzerte, etwa im Hamburger Club Uebel & Gefährlich. „Die
Welt“ schrieb darüber: „Die Italospanierin Marcella Puppini verkörpert den
Typ feurig-heisere Brünette mit tragischen Eheproblemen. Die Britin Kate Mullins ist eher so der Typ burschikose Blonde, die vorlauten Exemplaren der
Gattung Mann kurzerhand den Arm hinterm Rücken umbiegen würde. Stephanie O’Brian ist der Typ schlanker Sopran,
ein wenig Marilyn Monroe in irisch-rothaarig, bei der jeder Mann kurz träumt,
er wäre JFK und es gäbe kein Dallas. Als
The Puppini Sisters gastierten die drei
im Gratis-Abo.
ich möchte das JazzEcho gratis frei Haus!
Vorname, Name ________________________________________________________
Straße, Nr. ______________________________________________________________
PLZ, Ort ________________________________________________________________
E-Mail _____________________________________________ Geburtsjahr _ ______
Lieblingskünstler _______________________________________________________
Ich höre gern:
ECM
Progressive/Modern Jazz
Jazz
Weltmusik
keith jarrett
The Carnegie Hall
Concert
ECM 06024 985 6224
Wenn es um die Kunst geht, darf man es mit der Wahrheit
nicht so genau nehmen, wissen die Puppini Sisters.
Besser als das JazzEcho
ist nur das
Ja,
Dagegen besitzen die zehn Themen aus
dem ‚Carnegie Hall Concert‘ die knisternde Spannung von in sich geschlossenen Kapiteln, das Konzert die Qualität
einer Suite oder eines guten Buches. Der
Dichter bleibt dabei freilich immer derselbe lyrische, kantige, chaotische, melancholische, eigenwillige, geniale Kauz.
Nur 30 Jahre nach Köln noch ein Stück
altersweiser und deshalb noch ein Quäntchen faszinierender.“ JazzLink: jarrett
Drei falsche Schwestern und ein
flunkernder Ehemann
„Very nice“ findet die Queen jamie cullum
ass der aus Essex stammende Jamie Cullum mit Leib und Seele
Musiker ist, weiß jeder, der einmal ein Konzert des so gar nicht britischkühlen Künstlers erleben durfte. Jamie
ist, ganz im Gegenteil, ein kaum zu zähmendes Temperamentbündel. Die Pianos, auf denen er spielt, traktiert er mit
einer solchen Vehemenz, als wolle er die
berufliche Zukunft der Klavierstimmer
dieser Welt im Alleingang sichern. Seit er
im Herbst 2005 sein letztes Album „Catching Tales“ herausgebracht hat, jettet
Jamie um die Welt, um das zu machen,
was er am liebsten tut: vor ausverkauften
Häusern Piano zu spielen, Klavierstimmern neue Arbeit zu verschaffen und zu
singen.
Im November 2006 machte er auch in
Deutschland Zwischenstation, um sechs
öffentliche Konzerte zu geben und die
gediegene Behäbigkeit des Bundespresseballs im Berliner Hotel Interconti mit
einigen fetzig interpretierten Jazz- und
Popnummern ein wenig aufzumischen.
Im „Tagesspiegel“ konnte man dazu lesen: „Ganz besonders stolz sind sie [gemeint sind die Programmmacher des
Bundespresseballs] darauf, mit Jamie
Cullum einen neuen Star des populären
Jazz gewonnen zu haben, dessen erstes
Album sich vor drei Jahren innerhalb von
wenigen Monaten allein 2,5 Millionen
Mal verkauft hat. Der 25-jährige Brite
mit dem wildschönen Gesicht gab gestern schon mal ein temperamentvolles
Neuausrichtung seines Trios, das keineswegs unumstrittene ‚Radiance‘ sowie die
DVD ‚Tokyo Solo‘. Nun räumt Jarrett,
so scheint es, mit seinem Leben auf. Er
erzählt, schwelgt, träumt, gestikuliert,
analysiert mit einem nach allen Seiten
offenen Spektrum und gertenschlanken,
bündigen Improvisationen. Er nehme
sich jetzt die Freiheit, einer musikalischen
Idee exakt jenen Raum zu geben, den sie
benötige. Nicht mehr und nicht weniger.
‚Wenn ich das Gefühl habe, ein Stück ist
nach anderthalb Minuten vorbei, dann
höre ich einfach auf damit.‘ Eine wichtige Erkenntnis. Seine manisch exzessive
Art, Motive bis zum Gehtnichtmehr auszuwalzen, brachte den Tastenzauberer
früher oft selbst arg in die Bredouille.
Soul, Dance, Pop/Jazz
(Zutreffendes bitte ankreuzen)
JazzEcho
A-Nr.: 5285
Postfach 90 06 41
06058 Halle
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Rubrik „Newsabo” eintragen. Wenn Sie eine E-Mail an
[email protected] senden, dann erhalten Sie ab sofort den
wöchentlichen JazzEcho-Newsletter per E-Mail.
Dieses Angebot gilt nur innerhalb Deutschlands.
klassisch ausgebildeten Sängerinnen am
Donnerstagabend im freundlich gefüllten
Uebel & Gefährlich. Stilsicher in Outfit,
Auftreten und Terzettharmoniegesang,
intonieren sie Swing-Klassiker wie ‚Bei
mir bist du schön‘ der Andrew ­ Sisters
oder ‚Mr. Sandman‘ der Chordettes
und ‚Heebie Jeebies‘ der Bowell Sisters.
Ein Trip die Memory Lane entlang.
Während sich der Vokalklang weitestgehend an den Vorbildern orientiert, haben
die Puppinis das Swing-Repertoire um
halbwegs junge Pop-, New-Wave- und
Discohits erweitert. Sie gurren Kate Bushs
‚Wuthering Heights‘, Blondies ‚Heart Of
Glass‘, Gloria Gaynors ‚I Will Survive‘ und
‚Panic‘ der Band The Smiths, dem Inbegriff britischer Teenagerdepressionsmusik.
Im Uebel & Gefährlich vereinen die Lust
am Swing und die Puppinis zwei Generationen von Musikhörern, ein Publikum
von 25 bis 60. Kaum sind die lockergeswingt, verabschieden sich die Puppinis in
die Pause: ‚Mal kurz das Näschen nachpudern.‘ Die Untertreibung des Abends:
Dem schwarzen Cocktailkleid-Chic entronnen, erscheinen sie nun in freizügig
geschnittenen, roten Knuffelkleidern,
wie in zarte Rosenblätter gehüllt. ‚Diese
Kleider werden nur vom Willen Gottes
gehalten‘, charmiert Kate. Und weil
demnächst Weihnachten ist, spurten sie
durch ein furioses ‚Jingle Bells‘. Süßer die
Glocken nie swingen.“
JazzLink: puppinis
The puppini
sisters
Betcha Bottom Dollar
Verve 06025 170 6227
Seite
6
Ausgabe 1 • Jahrgang 10
Shortcuts
Kurz angespielt
In der Kürze liegt die Würze: Drei Dutzend Rezensionen auf drei Seiten.
Neuveröffentlichungen
Joey DeFrancesco
Live: The Authorised Bootleg
(feat. George Coleman)
Als die Hammond-B-3-Legende Jimmy
Smith 2005 verstarb, stand für die Jazzwelt fest, dass als Thronnachfolger nur
Joey DeFrancesco in Frage kommen
würde. Wie der Pionier der HammondOrgel versteht es Joey, gerade bei seinen
Konzerten alle Register seines Könnens
und natürlich seines Instruments zu ziehen. Und genau dies tut er auf „Live:
The Authorised Bootleg“, seinem achten
Album bei Concord, das im bekannten
Club Yoshi’s in Oakland mitgeschnitten
wurde. Zu Joey DeFrancescos Trio mit
Gitarrist Jake Langley und Drummer
Byron Landham stieß als Ehrengast der
formidable Tenorsaxophonist George
Coleman. Bei der Ballade „I’m In The
Mood For Love“ ist außerdem die junge
Sängerin Colleen McNabb zu hören.
Live Maria
Circuit Songs
In Norwegen schätzt man Live Maria Roggen bereits seit gut zehn Jahren als Interpretin von Jazzstandards, aber auch als
Sängerin brasilianischer oder afrikanischer
Musik und improvisierende Vokalistin. Außerhalb ihrer Heimat wurde sie vor allem
durch die Zusammenarbeit mit der Band
Wibutee bekannt. Jetzt legt die 36-Jährige
mit „Circuit Songs“ endlich ihr Debütalbum vor. Darauf befinden sich neun von
Live Maria und Mitgliedern ihrer Band
(darunter Maria Kannegaard und Thomas
Strønen) verfasste Songs. Live Marias Musik besitzt teilweise einen ähnlich spröden
Charme wie die ihrer Landsfrau Sidsel Endresen, offenbart andererseits aber auch
immer wieder Pop-Qualitäten. Ihre „Circuit Songs“ betrachtet sie als Fortführung
des musikalischen Konzepts von Wibutee.
hen. Und aus diesem Anlass veröffentlicht
das vom Schweizer Komponisten und
Arrangeur Mathias Rüegg geleitete und
multinational besetzte Orchester eine Box
mit drei CDs, auf denen sich drei neue
aufregende Projekte befinden: Die ersten
beiden CDs enthalten musikalische Portraits von 13 weiblichen amerikanischen
Hollywood- Ikonen („American Dreams“)
beziehungsweise 13 männlichen europäischen Visionären („European Visionaries“). Auf der dritten CD („Visionaries
& Dreams“) kommt es schließlich zur
Begegnung zwischen Sinnlichkeit und
Abstraktion, amerikanischer und europäischer Ästhetik sowie amerikanischem
und europäischem Jazz.
Emarcy 06025 172 2879
Live Maria
Circuit Songs
.....................................
Jazzland 06025 171 5519
Various Artists
.....................................
Concord 08880 723 0123
.....................................
Ola Kvernberg Trio
Night Driver
Jazzviolinisten sind eine seltene Spezies.
Wachsen hin und wieder Talente nach,
fällt jedes neue Gesicht sofort auf. In
Person des 26-jährigen Norwegers Ola
Kvernberg, der sich erste Sporen in der
Gypsy-Swing-Band Hot Club de Norvège
verdiente, gibt es nun eine atemberaubende, neue Stimme auf der Jazzgeige
zu entdecken. Der virtuose Techniker
verbindet auf einzigartige Weise den Swing, den man traditionell mit der Geige
im Jazz verbindet, mit einem sehr modernen Jazzvokabular, das er auch um
Elemente diverser ethnischer Musikstile
erweitert. Exzellente Trio-Partner fand er
in Bassist Steinar Raknes und dem schwedischen Schlagzeuger Erik Nylander.
Christina Bjordal
Brighter Days
In Norwegen scheinen gute Sängerinnen
und Songschreiberinnen wie Pilze aus
dem Boden zu schießen. Silje ­ Nergaard,
Beate S. Lech (Beady Belle), Rebekka
Bakken und Torun Eriksen haben längst
den Sprung auf die großen internationalen Bühnen geschafft. Den versucht
mit „Brighter Days“ nun auch die 26jährige Christina Bjordal, die ihre Songs
größtenteils mit den Musikern ihres Trios
schreibt. Eine kleine Hilfestellung erhielt
sie bei zwei Nummern allerdings auch
von einem sehr bekannten norwegischen
Songwriter-Gespann: Silje Nergaard und
Mike McGurk. Für die Aufnahmen von
„Brighter Days“ konnte Bjordal zudem
prominente Gastmusiker gewinnen: den
New Yorker Vibraphonisten Mike Mainieri, den Saxophonisten Bendik Hofseth
und das Cikada String Quartet.
Verve Today 2007
Längst ein Klassiker unter den Jazz-Compilations in Deutschland, bietet „Verve
Today“ auch dieses Jahr wieder einen
bunten und kompetent zusammengestellten Querschnitt der aktuellen und kommenden Jazzveröffentlichungen von Universal Music: Das Programm bestreiten
diesmal Vienna Teng, Mark Murphy, Dee
Dee Bridgewater, Natalie Cole, ­ Christina
Bjordal, Denzal Sinclaire, Silje Nergaard,
Mario Laginha, Punkt feat. Sidsel Endresen, Meshell Ndegeocello, Medeski Scofield Martin & Wood, die Brazilian Girls,
G-Swing feat. Jimi Bazzooka, Thomas
Quasthoff, Molly Johnson und – als ExtraBonbon – Johnny Liebling. Und wie stets
gibt es zur Musik auch ein Booklet mit
Bob French
Ella Fitzgerald
Marsalis Music Honors Bob French
Ella Fitzgerald With Friends
For Lovers
Alvin Batiste
Various Artists
Verve Today 2007
Verve 06024 984 6840
.....................................
Paul Brown
Vienna Art Orchestra
3
Joey DeFrancesco
Live: The Authorised Bootleg
(feat. George Coleman)
biographischen Kurzvorstellungen sämtlicher Künstler und Bands.
White Sand
In Anspielung auf den erfolgreichen
Rhythm’n’Blues- und Pop-Produzenten
und -Star Kenneth „Babyface“ Edmonds
wird Paul Brown „Babyface des SmoothJazz“ genannt. Bevor der Gitarrist 2004
sein erstes eigenes Album aufnahm, hatte
er schon als Produzent oder Toningenieur
mit George Benson, Al Jarreau, ­ Luther
Vandross, Larry Carlton, Patti ­ Austin,
Earth, Wind & Fire, J.J. Cale, ­ Aretha
­Franklin, David Sanborn und vielen anderen gearbeitet. Für „White Sand“ lud
Brown prominente Gäste wie Al Jarreau,
Bobby Caldwell, Boney James, David
­Benoit, Euge Groove und Rick Braun ein,
um mit ihnen eigene Songs und Klassiker
wie Joe Zawinuls „Mercy, Mercy, Mercy“,
Stephen Stills „For What It’s Worth“ und
Burt Bacharachs „I Say A Little Prayer“ auf
smooth-jazzige Weise einzuspielen.
Marsalis Music Honors Alvin Batiste
Vor einem Jahr lancierte Branford Marsalis
auf seinem Label die Veröffentlichungsserie „Marsalis Music Honors“, die Musiker ins Scheinwerferlicht rücken soll, die
zwar schon seit langem in der Jazzszene
präsent sind, aber nie die Anerkennung
erhielten, die sie eigentlich verdienten.
Nach den beiden Schlagzeugern Jimmy
Cobb und Michael Carvin gibt Marsalis
diesmal zwei aus seiner Heimatstadt New
Orleans stammenden Legenden Gelegenheit, sich und ihre Musik zu präsentieren:
dem Klarinettisten Alvin Batiste und dem
Schlagzeuger Bob French. Während der
70-jährige Batiste sich einen Namen als
Avantgardist machte, ist French, der momentan die legendäre Original Tuxedo
Jazz Band leitet, eher ein für New Orleans
typischer Traditionalist.
Marsalis Music 08749 460 0082
Alvin Batiste
Marsalis Music Honors Alvin Batiste
Marsalis Music 08749 460 0072
Paul Brown
White Sand
Wieder und wieder
Das erste Mal auf einem Album zusammengespielt haben
Schlagzeuger Paul Motian, Tenorsaxophonist Joe Lovano
und Gitarrist Bill Frisell 1981, als Motian mit einem Quintett
„Psalm“ aufnahm. Drei Jahre später traten sie erstmals als Trio
in Erscheinung und nahmen für ECM das Album „It Should
Have Happened A Long Time Ago“ auf. Und als solches spielen
sie seitdem immer wieder und wieder zusammen, um zeitlos
schöne Alben wie nun „Time And Time Again“ mit Standards
und Eigenem einzuspielen. Was dieses Trio von etlichen anderen unterscheidet, ist, dass sich die Musiker auch nach so vielen
Jahren des Zusammenspiels noch selbst zu überraschen verstehen. Davon profitieren nicht zuletzt auch die Hörer.
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Jef Neve Trio
Stan Getz &
Antônio Carlos Jobim
Their Greatest Hits
Ohne den einen wäre die Bossa Nova
wahrscheinlich gar nicht erst entstanden
und ohne den anderen vielleicht nie in
der ganzen Welt so populär geworden.
Antônio Carlos „Tom“ Jobim schuf die
meisten Klassiker dieses Genres, seine
Hits eroberten die Welt und erfreuen
sich auch nach Jahrzehnten noch ungebrochener Popularität. Und zu dieser
wiederum trugen maßgeblich die Einspielungen des Tenorsaxophonisten
Stan Getz bei, der sich in den frühen
60ern mit seinen Bossa-Alben und -Singles mehrfach in den Popcharts platzieren konnte. Diese Compilation mit den
größten Bossa-Hits der beiden in den
90er-Jahren verstorbenen Legenden lässt
einen das Bossa-Nova-Fieber der frühen
60er-Jahre noch einmal nacherleben.
Nobody Is Illegal
Die europäische Jazzszene ist heute lebendiger und vielfältiger denn je: Beispiele
dafür sind das Tord Gustaven Trio (Norwegen), das Simple Acoustic Trio (Polen),
das Esbjörn Svensson Trio (Schweden)
sowie die Pianisten Michel Borstlap (Niederlande) und Stefano Bollani (Italien).
Nun gesellt sich mit dem Trio des 30-jährigen, in Jazz und Klassik gleichermaßen
bewanderten Pianisten Jef Neve auch ein
Ensemble aus dem flämischen Teil Belgiens zu den jungen Speerspitzen des
zeitgenössischen europäischen Jazz. Auf
seinem Major-Label-Debütalbum „Nobody Is Illegal“ schöpft das Trio (manchmal
durch ein Bläserensemble verstärkt) gekonnt aus dem stilistischen Reichtum des
europäischen Jazz und der Klassik.
Jef Neve Trio
Nobody Is Illegal
Emarcy 06025 171 6747
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Stan Getz &
Antônio Carlos Jobim
Their Greatest Hits
Verve 06024 984 5401
Vienna Art Orchestra
3
Eine der schillerndsten, versiertesten und
international geachtetsten Bigbands Europas feiert dieses Jahr ihr 30-jähriges Beste-
Antônio Carlos Jobim
Antônio Carlos Jobim For Lovers
Verve 06024 984 5484
Peak 08880 723 0147
Jazzland 06025 171 2498
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Ella Fitzgerald
Ella Fitzgerald With Friends For Lovers
Verve 06025 171 7043
Emarcy 06024 985 6684
Ola Kvernberg Trio
Night Driver
Antônio Carlos Jobim For Lovers
Mit ihrem natürlichen Charme verzauberte Ella Fitzgerald ihr Publikum, die
Kritiker und alle, die beruflich mit ihr zu
tun hatten. So wurden viele ihrer musikalischen Partner auch zu engen Freunden. Einige der prominentesten sind auf
„Ella Fitzgerald With Friends For Lovers“
mit ihr zu hören: Louis Armstrong, Oscar
Peterson, Duke Ellington, Count Basie,
Ben Webster, Nelson Riddle, Stan Getz,
Benny Carter, Billy May und andere. Die
Compilation „Antônio Carlos Jobim For
Lovers“ wiederum präsentiert an der
Seite des legendären Komponisten, Pianisten, Gitarristen und gelegentlichen Sängers Tom Jobim Partner wie die große Elis
Regina und Edu Lobo. Liebhaber sanfter,
jazzverwandter Klänge kommen bei diesen Bossa- und Samba-Klassikern voll auf
ihre Kosten.
Bob French
Marsalis Music Honors Bob French
Drei Headliner, ein Trio: Paul Motian, Bill Frisell und Joe Lovano treffen sich
ab und zu, um zeitlos schöne Alben aufzunehmen.
Christina Bjordal
Brighter Days
Antônio Carlos Jobim
Paul Motian
Time And Time Again
ECM 06025 170 1137
Sein Trio versteht es auch noch nach Jahren, sich gegenseitig zu überraschen: Paul MotiAn (Mitte)
Seite
Ausgabe 1 • Jahrgang 10
7
Shortcuts
neueanzeigen 27.02.2007 14:09 Uhr Seite 5
C
Anat Fort
A Long Story
Obwohl die israelische Pianistin Anat
Fort Bill Evans, Keith Jarrett und Paul Bley
(und „viel von der Musik, die bei ECM
erschienen ist“) zu ihren Haupteinflüssen zählt, ist ihre Musik auf ebenso subtile wie auch unverkennbare Weise von
ihrer geographischen Herkunft geprägt.
„A Long Story“ ist ihr internationales
Debütalbum, das sie gemeinsam mit
drei exzeptionellen Improvisateuren aufnehmen konnte: Avantgarde-Klarinettist
Perry ­ Robinson, Bassist Ed Schuller und
Schlagzeuger Paul Motian. Letzterer hatte zunächst nicht an den Sessions teilnehmen wollen, war dann aber so sehr vom
„nahöstlichen Flair“ der Musik begeistert,
dass er ECM dieses Album von Anat Fort
ans Herz legte. Für die Pianistin wurden
da gleich mehrere Träume wahr.
Anat Fort
A Long Story
ECM 06025 170 1416
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Louis Sclavis
L’imperfait des langues
Als Louis Sclavis 2005 einen Kompositionsauftrag für ein neues Projekt erhielt,
suchte er neue Herausforderungen. Um
unvorhersehbare Elemente in das Improvisationsspiel einbauen und eine „neue
Syntax“ in seine musikalische Sprache zu
bringen, bildete der französische Saxophonist und Klarinettist ein Ensemble mit
jungen Musikern: Altsaxophonist Marc
Baron, Keyboarder Paul Brousseau und
Gitarrist Maxim Delpierre, zu denen noch
Schlagzeuger François Merville stieß. So
vielseitig wie die Musiker, die schon in
den unterschiedlichsten Kontexten arbeiteten, ist auch die Musik von „L’imparfait
des langues“ geworden – das Spektrum
umfasst experimentelle, elektronische
und improvisierte Musik ebenso wie rockige Klänge.
Louis Sclavis
L’imperfait des langues
ECM 06024 987 7897
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Gianluigi Trovesi,
Umberto Petrin &
Fulvio Maras
Vaghissimo Ritratto
Einer einzigartigen Reise durch die
westliche Kunstmusik mehrer Jahrhunderte gleicht das neue Album des italienischen Klarinettisten Gianluigi Trovesi.
„Vaghissimo Ritratto“ hat er im Trio mit
dem Pianisten Umberto Petrin sowie
dem Perkussionisten und Elektroniker
Fulvio Maras aufgenommen. Das Repertoire enthält neben Eigenkompositionen der drei Musiker auch wundervolle
Bearbeitungen von Stücken von Palestrina, Orlando di Lasso, Monteverdi,
Josquin Des Prés, Jacques Brel und dem
italienischen Popsänger Luigi Tenco, der
sich 1967 das Leben nahm, nachdem
eines seiner Lieder beim Songfestival in
San Remo durchgefallen war. Trovesi,
der schon immer ein Meister des melodienseligen Spiels war, übertrifft sich
hier selbst.
Gianluigi Trovesi,
Umberto Petrin & Fulvio Maras
Vaghissimo Ritratto
ECM 06025 170 9774
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musikalische Linie fort, die er bereits auf
seinen letzten beiden ECM-Alben „Sofienberg Variations“ und „A Year From Easter“ verfolgte. Das Quartett mit Trompeter Arve Henriksen und Schlagzeuger Per
Oddvar Johansen wurde durch Cellistin
Tanja Orning und die Barockharfenistin
Giovanna Pessi zum Sextett erweitert,
Violinist Nils Økland durch Gjermund
Larsen ersetzt. In seinen detailreichen
Kompositionen schmiedet Wallumrød
aus Einflüssen von Barockmusik, Folklore, zeitgenössischer Komposition, asiatischer Musik und Jazz eine hoch originelle Ensemblemusik.
Frode Haltli
Passing Images
Auf ECM-Einspielungen konnte man
Frode Haltli bisher schon als brillanten
Interpreten zeitgenössischer Kompositionsmusik wie auch als Improvisierer von
Format hören. Für sein erstes Soloalbum
„Looking On Darkness“ nahm er Stücke
von Bent Sørensen, Magnus Lindberg,
Maja Ratkje und anderen auf. Improvisierend war er zudem an zwei Alben des
Saxophonisten Trygve Seim beteiligt. Auf
„Passing Images“ zeigt sich der norwegische Akkordeonspieler nun von noch
einer anderen Seite. Darauf unterzog er
mit Trompeter Arve Henriksen, Violaspieler Garth Knox und Sängerin Maja Ratkje
die Musik, die ihn in jungen Jahren inspirierte, einer Revision und warf einen
entschieden „traditionsfreien Blick“ auf
die Geschichte der norwegischen Volksmusik.
Frode Haltli
Passing Images
ECM 06024 985 6022
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Various Artists
Last King Of Scotland
(Original Soundtrack)
Junger schottischer Mediziner wird Leibarzt des ugandischen Diktators Idi Amin
– diese ungewöhnliche Geschichte verlangt einen passenden Soundtrack. Der
britische Filmkomponist Alex Heffes hat
einen klassisch orchestrierten Score mit
(bisher auf CD praktisch nicht erhältlichem) tanzbarem Funk aus Uganda
zusammengebracht – was dabei herauskam, ist laut MTV ein „eklektischer Mix,
wie eine Reise durch den afrikanischen
Kontinent“, während der Kritiker der
„Los Angeles Daily News“ einfach fand,
„Der letzte König von Schottland“ habe
„den besten und seltsamsten Soundtrack, den ich in diesem Jahr gehört
habe.“ Anspieltipp: Angela Kalules Afroversion von „Me And Bobby McGee“
und „Kasongo“ (bringt übrigens heute
noch die Tanzflächen von Kampala zum
Kochen) von der Afrigo Band, einer der
Lieblingsbands von Idi Amin selbst.
Various Artists
Last King Of Scotland
(Original Soundtrack)
Decca 475 8488
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Christian Wallumrød
Ensemble
The Zoo Is Far
ECM 06025 171 7820
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Roscoe Mitchell &
The Transatlantic Art
Ensemble
Composition/Improvisation
Zehn Jahre nach seinem letzten ECM­Album „Nine To Get Ready“ meldet sich
der aus Chicago stammende Saxophonist
Roscoe Mitchell mit einem neuen Album
zurück: „Composition/Improvisation Nos.
1, 2 And 3“ wurde 2004 bei einem Konzert in der Münchner Muffathalle aufgezeichnet. Bei dieser Gelegenheit präsentierte der Mitbegründer des legendären
Art Ensemble of Chicago erstmals das
vierzehnköpfige, mit amerikanischen und
britischen Musikern besetzte Transatlantic Art Ensemble. In dieser aufregenden
Großformation, die sowohl notiertes Material als auch freie Improvisationen spielt,
kam es zu einer spannenden Fusion von
Mitgliedern aus Mitchells Band The Note
Factory und Evan Parkers Electro-Acoustic
Ensemble.
Roscoe Mitchell &
The Transatlantic Art
Ensemble
Composition/Improvisation
Nos. 1, 2 And 3
ECM 06025 171 6989
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John Abercrombie
The Third Quartet
Seit nunmehr sieben Jahren spielt das
John Abercrombie Quartet in der Besetzung mit Violinist Mark Feldman, Bassist
Marc Johnson und Drummer Joey Baron
zusammen. „The Third Quartet“ ist nach
„Cat’n’Mouse“ (2000) und „Class Trip“
(2003) das dritte Album des immer geschlossener agierenden Ensembles und
bei ECM bereits Abercrombies 25. Album
als Leader. Mit geradezu traumwandlerischer Leichtigkeit wechselt das Quartett des Gitarristen zwischen Jazz und
eher kammermusikalischen Klängen und
hält die Musik mit ebenso eleganten wie
agilen Improvisationen in ständiger Bewegung. Neben acht Stücken aus der Feder Abercrombies interpretiert die Band
diesmal auch Bill Evans’ „Epilogue“ und
­Ornette Colemans „Round Trip“.
John Abercrombie
The Third Quartet
ECM 06025 170 9776
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Dino Saluzzi & Anja Lechner
Ojos Negros
Vor fünf Jahren nahm der argentinische
Bandoneon-Virtuose Dino Saluzzi mit
dem sehr einfühlsamen norwegischen
Schlagzeuger Jon Christensen das ebenso
überraschende wie faszinierende Duo-Album „Senderos“ auf. Auf „Ojos Negros“
kommt es nun zu einem weiteren intimen
musikalischen Zusammentreffen: Diesmal
ist Saluzzis Duo-Partnerin die deutsche
Cellistin Anja Lechner, die als Mitglied des
Rosamunde Quartetts schon 1996 auf
dem von der Kritik enthusiastisch bejubelten Album „Kultrum“ mit dem Argentinier spielte. „Ojos Negros“ kombiniert
auf betörende Weise argentinischen Tango und andine Volksmusik mit europäisch
geprägter Kammermusik.
Dino Saluzzi & Anja Lechner
Ojos Negros
ECM 06025 170 9757
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Rudy Van Gelder
Remasters
Series
Der Toningenieur Rudy Van Gelder
gehört zu jenen Leuten, die wenig im
Rampenlicht stehen und dafür hinter den
Kulissen zahlreiche Klassiker des modernen Jazz mitgeprägt haben. In der nach
ihm benannten „Rudy Van Gelder Remasters Series“ präsentiert er nun viele „seiner“ legendären Prestige-Alben erstmals
in von ihm selbst für CD neu gemasterten Versionen. Herausgebracht werden
aktuell das Album „4, 5 & 6“, das 1956
dem gerade 24 Jahre alt gewordenen
Altsaxophonisten Jackie McLean zum
Durchbruch verhalf, „El Hombre“, das
1967 entstandene soul-jazzige Solodebüt des damals 22-jährigen brillanten
Gitarristen Pat Martino, und „Traneing
In“, ein früher Klassiker des jungen John
Coltrane, 1957 aufgenommen mit dem
Trio des Pianisten Red Garland.
Jackie McLean
4, 5, and 6
Prestige 08880 723 0155
Christian Wallumrød
The Zoo Is Far
Auf „The Zoo Is Far“ führt der Pianist
und Komponist Christian Wallumrød die
Fünf Fragen an Mark Murphy
John Coltrane With
The Red Garland Trio
Traneing In
Prestige 08880 723 0156
Was wären Sie geworden, wenn nicht Musiker?
Chiropraktiker oder Archäologe.
Das Leben könnte so schön sein …
... wenn ich 500.000 Dollar hätte, ja wenn …
Es kann mir nichts Schlimmes passieren …
... wenn mein Garten gut aussieht.
Der perfekte Song ist …
... fast jeder von Cole Porter.
Pat Martino
El Hombre
Prestige 08880 723 0158
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Nicht ohne mein …
... eigenes Mikrofon, mein eigenes Trio und den besten
Agenten der Welt.
Probedruck
M
Y
CM
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CY CMY
K
Seite
8
Ausgabe 1 • Jahrgang 10
Shortcuts
Jazz Club
nighthawks
Wes Montgomery
Die stilbildende Band zwischen
Electro Jazz und Ambient Pop!
Selten ist der Grat zwischen Jazz und Lounge so schmal, das
Balancieren darauf aber so erfolgreich wie bei den Nighthawks.
(Stereo, 03/07)
Mit großstädtisch - loungigem Jazzpop segeln die deutschen
Nighthawks seit 1998 auf Erfolgskurs. (Audio, 03/07)
Kennen Sie schon Indie Jazz?
TRIBAND
Bumpin’ On Sunset
Musiker: Wes Montgomery: guitars /
Herbie Hancock, Roger Kellaway, Wynton Kelly & Bobby Scott: pianos / Jimmy
Smith: Hammond B-3 organ / George
Devens, Jack Jennings & Mike Mainieri:
vibes / Al Casamenti & Bucky Pizzarelli:
guitars / Ron Carter, Paul Chambers,
Bob Cranshaw & Richard Davis: basses /
Jimmy Cobb & Grady Tate: drums / Ray
Barretto, Willie Bobo, Candido Camero,
Jack Jennings, Bobby Rosengarden & Joe
Wohletz: percussion / Ray Beckenstein,
Phil Bodner, Walter Kane, Hubert Laws,
George Marge, Romeo Penque, Jerome
Richardson, Joe Soldo & Stan Webb:
woodwinds / Mel Davis, Bernie Glow,
Jimmy Nottingham, Ernie Royal, Clark
Terry & Snooky Young: trumpets / Wayne Andre, Jimmy Cleveland, Urbie Green,
Quentin Jackson, John Messner, Bill Watrous & Chauncey Welsh: trombones /
Don Butterfield & Harvey Phillips: tubas
/ Jay Alonge & James Buffington: French
horns / Margaret Ross: harp / Oliver Nelson, Claus Ogerman, Johnny Pate & Don
Sebesky: arrangements & conduction
Songs: A Day In The Life / The Shadow
Of Your Smile / Up And At It / Bumpin’
On Sunset / The Joker / Movin’ Wes /
Impressions / Milestones / The Surrey
With The Fringe On Top / Angel / Sunny
/ OGD (Road Song) / Tequila / 13 (Death
March) / Caravan / The Other Man’s
Grass Is Always Greener / What The
World Needs Now Is Love
chestra: Stompin’ At The Savoy / Count
Basie & His Orchestra: Honeysuckle
Rose / Lionel Hampton & His Orchestra:
Flyin’ Home / Jimmy Lunceford & His
­Orchestra: Stomp It Off
Various
The Swinging Big Bands
Verve 06024 984 3867
Hallo, kleines Fräulein
Musiker: Max Greger & sein Orchester
Songs: Hallo, kleines Fräulein / Du, du,
du / Zwei in einer großen Stadt / Sie will
nicht Blumen und nicht Schokolade/ Bei
mir bist du schön / Das hab’ ich in Paris
gelernt / Das Pfennig-Lied / Das war in
Schöneberg / Du hast so wunderschöne
blaue Augen / Kauf dir einen bunten
Luftballon / Es ist nur die Liebe / Durch
dich wird diese Welt erst schön / Unter
einem Regenschirm am Abend / Ich hab
so Heimweh nach dem Kurfürstendamm
/ Nachts ging das Telefon / Gern hab’ ich
die Frau’n geküsst / Vilja-Lied / Wien, du
Stadt meiner Träume / Schwarze Augen
/ Bei dir war es immer so schön / Warum
müssen Jahre vergehen / Wenn der weiße Flieder wieder blüht / Es leuchten die
Sterne / Erst wenn’s aus wird sein
Various Artists
Swinging Jazz Violin
Interpreten/Songs: Stéphane Grappelli:
Minor Swing / Stuff Smith: April In Paris
/ Svend Asmussen: Präludium II / Csaba
Deseö: Makin’ Whoopee / Stéphane
Grappelli & George Shearing: I’m Coming, Virginia / Jean-Luc Ponty: Sunday
Walk / Joe Venuti: After You’ve Gone /
Svend Asmussen: Prelude For Svend / Stéphane Grappelli: Tangerine / Don “Sugarcane” Harris: Third Time Suspicious / Stuff
Smith: Ain’t She Sweet? / The Gypsy Jazz
Violin Summit (Zipflo Reinhardt, Schmitto
Kling, Nipso Brantner & Hannes Beckmann): Satin Doll / Ray Nance: Some Of
These Days / Stéphane Grappelli & George Shearing: Star Eyes / Jean-Luc Ponty:
Cat Coach / Didier Lockwood: ADGC /
Zipflo Reinhardt: Light Of The Future
Aufnahmejahre: 1965 bis 1980
„Erstklassiges Songwriting, hinterlegt mit prallen semi-akustischen
Grooves, die mitreißend anders und dabei so originell sind, dass man
seinen Ohren kaum traut. Diese Band sollte man kennen.“ Volker
Doberstein (Jazz Podium)
Verve 06024 984 5996
Max Greger
I Got Rhythm
Musiker: Helmut Zacharias, Helga Wille,
Die Nicolets, Renée Franke, Kurt Edelhagen
& His Orchestra, Günter Schnittjer
Songs: Swing 48 / Mister Moneymaker
/ Schwarze Augen / Little White Lies /
Ich küsse Ihre Hand, Madame / The Man
I Love / Kosakenpatrouille / You Made
Me Love You / Mob-Mob / Whispering
/ 12th Street Rag / Embraceable You /
What Is This Thing Called Love? /
Das fröhliche Karussell / Mi-No-Mei-Oh
/ How High The Moon? / C Jam Blues /
Blue Moon / I Got Rhythm / Mr. Callaghan / Boogie für Geige / Fiddler’s Boogie
/ Smoky / Minne-Minne Ha Ha
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Aufnahmejahre: 1964 bis 1968
Wes Montgomery
Bumpin’ On Sunset
Helmut Zacharias
Helmut Zacharias
I Got Rhythm
Boutique 06024 984 3558
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Max Greger
Hallo, kleines Fräulein
Horst Winter
Boutique 06024 984 5696
Ich mache alles mit Musik
Musiker: Horst Winter
Songs: Ich mache alles mit Musik / Für
eine Nacht voller Seligkeit / Komm doch
in meine Arme / Carlton / Mein kleiner
Teddybär / Traum, hülle mich ein /
Fräulein Madeleine / Amorcito mio / So
schön wie heut’, so müsst es bleiben /
Unter dem Tropenhimmel / Peter, Peter,
wo warst du heute Nacht? / Ja, das ist
meine Melodie / Ti-Pi-Tin / Du und ich
im Mondschein / Pampas / Melodie In
Moll / Congo / Ich nenne alle Frauen
Baby / Ich hab dich und du hast mich
/ Urwaldmelodie / Studie in F / Du und
ich / Frauen sind keine Engel / Heut’
sehnt sich mein Herz nach dir
Various Artists
Swinging Jazz Violin
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Fritz Schulz-Reichel
Midnight Piano
Musiker: Fritz Schulz-Reichel: piano / u.a.
Songs: I Fall In Love With You Every Day
/ Goody Goody / Auf dem Dach der Welt
/ Exactly Like You / How Deep Is The
Ocean? / Deep Purple / Cheek To Cheek
/ Wrap Your Troubles In Dreams / Sur
le pont d’Avignon / Wenn die kleinen
Veilchen blühen / Rain / For Sentimental
Reasons / Unter einem Regenschirm am
Abend / I Can’t Give You Anything But
Love / Küss mich, bitte bitte küss mich /
Because Of You / In The Blue Of Evening
/ S’Wonderful / Merci, mon ami / Just
Another Day Wasted Away / Sonny Boy /
Who’s Sorry Now? / Scusami / Bon soir
MPS 06025 171 9095
.....................................
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The Singers Unlimited
in store: 20. April
on tour
24.04. Aschaffenburg Colos-Saal (support Mezzoforte) • 25.04.
Köln Stadtgarten • 27.04. Fulda Cafe Ideal • 28.04. Wiesbaden
Walhalla • 29.04. Pforzheim Domicile • 1.05. München Unterfahrt • 2.05. A. Wien Porgy & Bess • 4.05. Bayreuth Jazzforum
• 5.05. Ravensburg City Jazznight • 6.05. Karlsruhe Tempel
• 7.05. Duisburg Hundertmeister • 8.05. Mannheim Feuerwache
• 9.05. Kassel Theaterstübchen • 10.05. Leipzig Moritzbastei
•11.05. Berlin ATrane
Feelings
Musiker: Len Dresslar, Bonnie Herman,
Don Shelton & Gene Puerling: vocals /
Don Shelton: alto sax & flute / Eugene
Amaro, Moe Koffmann, Gary Morgan,
Jerry Toth & Rick Wilkins: reeds / Guido
Basso, Bruce Cassidy, Sam Noto & Erich
Traugott: trumpets / Bobby Lewis: cornet
/ Ron Hughes, Bob Livingston & Dave
McMurdo: trombones / James Dale &
Roger Kellaway: pianos / Ed Bickert, Pat
Ferreri & Sigi Schwab: acoustic guitars /
Heribert Thusek: vibes / Art Van Damme:
accordion / Edgar Lustgarten: cello / Jim
Atlas, Chuck Demanico, Don Thompson
& Eberhard Weber: double basses / Charlie Antolini, Terry Clarke, Jerry Coleman
& Joe Porcaro: drums / Marty Morell &
Emil Richards: percussion / orchestras arranged & conducted by Les Hooper, Rob
McConnell & Pat Williams
Songs: Sleep Loved / We Could Be Flying
/ I’m Shadowing You / Where Or When?
/ Feelings / Impossible / Wave / So Many
Stars / Ecstasy / She Was Too Good To
Me / Look Around / Invitation / You’ve
Got A Friend / The Trouble With Hello Is
Goodbye / Laura / Where Is The Love? /
Eventide / We’ve Only Just Begun
JEFF CASCARO
Die Soul Gesangsentdeckung
The Singers Unlimited
Feelings
MPS 06025 171 7737
.....................................
Various Artists
...an Professionalität lässt sein Debütalbum jedenfalls nichts zu
wünschen übrig. (Fono Forum 6/06)
www.nighthawks.eu
Jazzecho NH&Tri 2 1
www.triband-music.de www.jeffcascaro.com
www.herzogrecords.de
26.02.2007, 16:37:44 Uhr
The Swinging Big Bands
Interpreten/Songs: Artie Shaw & His
Orchestra: The Continental / Charlie
Barnet & His Orchestra: Skyliner / Andy
Kirk & His Twelve Clouds Of Joy: Walkin’
And Swingin’ / Fletcher Henderson & His
Orchestra: Down South Camp Meetin’ /
Lionel Hampton & His Orchestra: Air Mail
Special / Earl Hines & His Orchestra: Rock
And Rye / Count Basie & His Orchestra:
Jumpin’ At The Woodside / Chick Webb
& His Orchestra: Harlem Congo / Jimmy
Lunceford & His Orchestra: For Dancers
Only / Charlie Barnet & His Orchestra:
Things Aren’t What They Used To Be /
Jimmy Dorsey & His Orchestra: King Porter
Stomp / Benny Goodman & His Orchestra: One O’Clock Jump / Artie Shaw &
His Orchestra: I Get A Kick Out Of You
/ Chick Webb & His Orchestra: Don’t
Be That Way / Jimmy Dorsey & His Or-
Various Artists
Jazz For Meditation
Interpreten/Songs: Alice Coltrane: Blue
Nile / Dewan Motihar Trio: Yaad / Joe
Harriott-John Mayer Double Quintet:
Song Before Sunrise / John Handy & Ali
Akbar Khan: Karuna Supreme / Amancio
D’Silva: Integration / Randy Weston: The
Shang / Yusef Lateef: Bamboo Flute Blues
/ Dorothy Ashby: For Some We Loved /
Tony Scott: Hare Krishna – Hail Krishna
Various Artists
Jazz For Meditation
Horst Winter
Ich mache alles mit Musik
Boutique 06025 170 9307
.....................................
Fritz Schulz-Reichel
Midnight Piano
Boutique 06024 984 5640
Freddie Brocksieper
Die Trommel und ihr Rhythmus
Musiker: Freddie Brocksieper: drums / u.a.
Songs: Die Trommel und ihr Rhythmus
/ Ich wüsst’ so gern, was du dir denkst
/ Rip-Tip-Tap / So ist es / Ernst und
heiter / Kosende Hände / Mir ist’s so
leicht / Leise klingt’s über’s Wasser /
Rampenlicht / Peinlich / Marys Traum /
Improvisation / Ewig denke ich an dich
/ Verrückte Beine / Excentric / Barcarole
/ Harmonie / Sicherlich / Taktik / Globetrotter / Melodie / Cymbal-Promenade /
Romanze / Kein Problem
Verve 06024 984 3727
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Werner Müller
Keep Smiling
Musiker: Werner Müller, RIAS-Tanzorchester & Rita Paul
Songs: Auftakt / Bobby, back einen
Kuchen / Promenade / Dinah / Dob’s
Boogie / All The Things You Are / Sport
und Musik / Küssen, küssen, küssen /
How High The Moon? / Keep Smiling /
Bouncing In Bavaria / Cherokee / Trumpet Blues / Leap Frog / Trumpet Boogie /
I Only Have Eyes For You / Musik für
Mizzi / Derby Boogie / Blende auf /
Night And Day / Siboney / Lullaby Of
Broadway / Katharina / Dob’s Dixie
Various Artists
Coffee Time Jazz
Interpreten/Songs: Ella Fitzgerald: Black
Coffee / Noro Morales & His Orchestra:
Isla Verde / Paul Desmond: El condor
pasa / Lalo Schifrin: Rapaz de bem /
Joe Henderson: Boto / Les McCann:
Guantanamera / Cal Tjader: It Didn’t
End / ­Kenyon Hopkins: Hard Latin /
Baja Marimba Band: Flyin’ High / Chico
O’Farrill: A Man And A Woman / Luiz
Henrique: A Trip To Brazil / Walter Wanderley: Amazonas / Oscar Brown Jr. &
Luiz Henrique: Barra limpa / El ­Chicano:
Señor Blues / Daniel Salinas: Baião /
Ramsey Lewis Trio: Bold And Black /
Shirley Scott: Blue Bongo / Rotary Connection feat. Minnie Ripperton: I Am
The Black Gold Of The Sun
Aufnahmejahre: 1949 bis 1994
Freddie Brocksieper
Die Trommel und ihr Rhythmus
Boutique 06024 985 8394
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Werner Müller
Keep Smiling
Bar-Trio
Boutique 06024 985 8512
Immer vergnügt
Musiker: Bar-Trio
Songs: Some Of These Days / Caravan /
Limehouse Blues / Tiger Rag / The Snake
Charmer / Flat Foot Floogie / A-Tisket,
A-Tasket / Whistle While You Work / The
Chestnut Tree / Penny Serenade / Wenn
ich wüsst’, wen ich geküsst / Bei Kerzenlicht sieht alles so romantisch aus / Ti-PiTin / Hallo Benny / Liebling, was wird nun
aus uns beiden / Lieber Sonnenschein
/ Mit der Liebe spielt man nicht / Dein
goldenes Herz / Ich spiel mit dir / Immer
vergnügt / Bleib immer bei mir / Auf dem
spiegelblanken Parkett / Ja, ja, dreimal ja /
Was eine Frau im Frühling träumt
Various Artists
Coffee Time Jazz
Verve 06024 984 5734
Bar-Trio
Immer vergnügt
Boutique 06024 985 8396
.....................................
Ausgabe 1 • Jahrgang 10
Seite
9
Call & Response
Coltranes Knie zitterten
Der „Saxophone Colossus“ Sonny Rollins, 76, hat drei seiner bemerkenswertesten Alben für Impulse! eingespielt.
Mit Ashley Kahn, 43, der gerade ein Buch über „das Label, das Coltrane erschuf“ verfasst hat, sprach er exklusiv für
JazzEcho – auch über „Anzugträger“ im Musikgeschäft, Jazz im Weißen Haus, sein neues Label Doxy Records – und
natürlich Impulse!.
JazzEcho: Sonny Rollins, haben sie selbst
ein Lieblingsalbum aus ihrer Impulse!Zeit?
Sonny Rollins: Schwer zu sagen. Ich
mag die meisten meiner alten Aufnahmen nicht so gern. Ich bin kein besonders guter Zuhörer, wenn es um meine
eigene Musik geht. „Alfie“ schien damals
etwas Aufmerksamkeit zu bekommen …
aber ich kann Ihre Frage nicht wirklich
ehrlich beantworten.
Ashley Kahn: Die drei Alben, die Sie bei
Impulse! aufgenommen haben – also
die drei im Studio, vor dem Live­album
– sind ja enorm unterschiedlich. Es gibt
eins mit ihrer aktuellen Band, dann den
Soundtrack zu „Alfie“ und natürlich „East
Broadway Run Down“ mit Elvin Jones
und Jimmy ­Garrison, meinen Favoriten.
Rollins: Ich bin sicherlich ein sehr vielseitiger Musiker. Das hat manchmal gegen
mich gearbeitet. Es ist vorgekommen,
dass die Leute enttäuscht waren, weil
sie erwartet hatten, dass ich nur die
Musik meines letzten Albums spiele. Ich
kann mich noch erinnern, dass ich mal
ashley kahn
1960 Ashley Kahn kommt in Cincinnati,
Ohio, zur Welt.
1976Obwohl er eigentlich auf The Clash
und The Sex Pistols steht, begeistert er sich für „Mingus, Mingus,
Mingus“ – und bald auch „A Love
Supreme“.
1984Nach dem Journalismusstudium
arbeitet er als Tourmanager
für Paul Simon, Peter Gabriel
und andere.
1989 „Einmal, für etwa 21 oder 23
Sekunden in den späten 80ern,
in einem schwach beleuchteten,
Moment hinter der Bühne, bekundete ich hastig einem vorbeilaufenden Miles, wie viel mir seine
Musik bedeutet und streckte ihm
meine Hand entgegen. Er sah mich
an, nahm meine Hand und schüttelte sie. Dann ging er weiter.“
2001 Aus einem „New York Times“Artikel über Miles Davis’ „Kind
Of Blue“ entsteht sein erfolgreiches Buchdebüt „Kind of Blue –
Die Entstehung eines Meisterwerks“ (R&B, 2002).
Der amerikanische Journalist und
Schriftsteller Ashley Kahn hatte schon
immer mit Musik zu tun. Anfangs als
Fan zwischen Costello und Coltrane,
während des Studiums dann als
Radiomoderator und freier Journalist,
später als Musikredakteur für VH-1,
Autor für den „Rolling Stone Jazz
& Blues Guide“ und Roadmanager,
zum Beispiel für Cassandra Wilson
oder Ladysmith Black Mambazo. Auf
Tour mit Britney Spears verfasst er
einen Artikel über Miles Davis’ „Kind
Of Blue“, den er später zu einem
Buch über die Entstehungsgeschichte
dieses meistverkauften Albums
der Jazzgeschichte ausarbeitet.
Nach einem weiteren „Ein-AlbumBuch“ über John Coltranes „A Love
Supreme“ erscheint dieser Tage sein
Porträt über „Impulse! Das Label,
das Coltrane schuf“, ebenfalls auf
Deutsch bei Rogner & Bernhard.
Ashley Kahn, der auch für „The New
York Times“, „Mojo“, das japanische
„GQ“ und „Jazz Times“ schreibt, lebt
in New Jersey.
2002 Auch Kahns Abhandlung über
„A Love Supreme – John Coltranes
legendäres Album“ ist ein internationaler Erfolg.
2007 „Impulse! Das Label, das Coltrane
erschuf“ ist Ashley Kahns „fesselnde Dokumentation des aufregendsten Jazzlabels in der Ära des
Rock“ (Pressetext).
ASHLEY KAHN
Impulse! Das Label,
das Coltrane erschuf
Rogner & Bernhard
ISBN 978-3-8077-1026-6
in einem Club war und ein Mädchen zu
ihrem Freund an der Bar sagte, als ich
gerade von der Bühne kam: „Schade, ich
wollte doch ‚Way Out West‘ hören!“ Das
habe ich nie vergessen. („Way Out West“
erschien 1957 – Red.) Aber ich kann
nichts dagegen tun. So bin ich eben.
Kahn: Das geht wohl vielen Musikern so.
Ich habe in einem John-Coltrane-Interview gelesen, dass er sich damals Sorgen
gemacht hat, seine Entwicklung könne
vielleicht zu schnell für sein Publikum fortschreiten. Aber hat ihn das aufgehalten?
Rollins: Ich glaube, es wäre gar nicht
möglich gewesen, dass ihn das aufhält. Er
konnte an seiner Musik nicht anderen zuliebe herumdoktern. Dafür war er ein viel
zu aufrichtiger Musiker.
JazzEcho: Wie war Ihre Beziehung zu
John Coltrane, Herr Rollins? Im Impulse!Buch werden sie als der Tenorsaxophonist
bezeichnet, der Coltranes „Knie zum Zittern brachte“.
Rollins: Das klingt sehr schmeichelhaft.
Die Tradition verlangt es wohl, dass jede
Generation zwei Musiker hat, die als Rivalen gegeneinander gesetzt werden. Aber
abseits der Bühne waren wir eng miteinander befreundet.
Kahn: Die Tatsache, dass Coltrane ein
Stück namens „Like Sonny“ gespielt hat,
sagt ja eigentlich alles…
Rollins: Das stimmt. Und ich war sehr
froh und gleichzeitig beschämt darüber.
Meine Gefühle für ihn sind grenzenlos.
Es war ein Privileg, zur selben Zeit mit
ihm auf dem Planeten zu sein. Und nicht
nur seine Musik zu erfahren, sondern ihn
wirklich kennen zu dürfen.
JazzEcho: War sein Erfolg bei Impulse! ein
Grund für sie, auch für das Label aufnehmen zu wollen?
Rollins: Nein. Impulse! war damals nur
eine von vielen Firmen. Tatsächlich hatte
ich anfangs schlechte Erfahrungen mit
Impulse!. Später, als Bob Thiele mich persönlich für ein paar Sachen engagierte,
war es besser. Aber bei „Alfie“ zu Beispiel
war er noch nicht so sehr im Vordergrund
wie später. Ich musste mich mit einigen
dieser „Anzugträger“, diesen Managern,
herumschlagen und das hat bei mir einen
schlechten Nachgeschmack hinterlassen.
Aber so ist das Geschäft. Das ist es, was
auf der anderen Seite der Musik passiert.
Es ist ein kontinuierlicher Kampf, auch für
Musiker wie John und mich – wir müssen
ja auch Geld zum Leben verdienen. Es ist
ein nie endender Kampf.
Kahn: Ich denke, dass es in jedem Geschäft, bei dem es auf der einen Seite
künstlerisches Talent gibt und auf der
anderen Unternehmer, die es als zu verkaufende Ware behandeln, immer dieses
Tauziehen geben wird. Aber besonders
damals, als Sonny bei Impulse! war, gelang es Bob Thiele eine Art kreativer
Luftblase zu schaffen, in der die Musiker
relativ unabhängig von Marketinginteressen schaffen konnten, was sie wirklich
erschaffen wollten.
Rollins: Stimmt. Bob Thiele war ein feiner
Mensch. Ich bin ihm immer noch dankbar.
Kahn: Ich denke, das ging vielen Musikern so. Alice Coltrane, die ja neulich erst
gestorben ist …
Rollins: Was für ein Schock das war!
Kahn: Total überraschend. Sie war ja
nicht mal krank. Auf jeden Fall hatte sie
– und mit ihr auch Labelkollegen wie Archie Shepp oder Chico Hamilton – gro
ßen Respekt vor Bob Thiele. Gleichzeitig
meinten sie: „Aber man musste auf die
‚Anzugträger‘ aufpassen!“ In meinem
Buch versuche ich ja, auch das zu vermitteln.
JazzEcho: In der Einleitung schreiben sie:
„Seit der erste Musiker seine Unterschrift
unter einen Vertrag gesetzt hat, wird die
Musikbranche argwöhnisch beäugt. Insgesamt betrachtet, hat sie sich ihren Ruf
durchaus verdient.“
Rollins: Dem kann ich nur zustimmen.
Kahn: Das beste an dieser Geschichte ist
doch, dass Sonny jetzt sein eigenes Label
hat. Glückwunsch, Sonny.
Rollins: Nun, ich habe ja nicht vor,
hier eine richtige Plattenfirma aufzuziehen. Ich werde da nur meine
eigenen Sachen veröffentlichen.
Kahn: Wenn man Ihre Produktivität bedenkt, ist das an sich ja auch
schon eine echte Aufgabe.
Rollins: Stimmt. Aber Leute wie
Gary Bartz oder so, die ihre eigenen
Label haben, müssen sich auch mit
diesem ganzen Buchhaltungskram abgeben. Lizenzabrechungen und so. Einige
sehr bekannte Musiker, deren Namen
ich jetzt nicht nennen will, haben das vor
Jahren versucht und bekamen am Ende
viel Ärger mit den Musikern, die sie unter
Vertrag hatten. Das will ich vermeiden.
Ich will nie im Leben „Hauswirt“ sein. Auf
Doxy Records werden nur Sonny-RollinsAlben erscheinen.
Kahn: John Coltrane dachte ja kurz vor
seinem Tod darüber nach, sein eigenes
Label zu gründen: Coltrane Records. Das
erste Album auf diesem Label sollte „Cosmic Music“ sein. Nach Johns Tod machte
Impulse! Alice Coltrane ein sehr gutes Angebot, diese Musik auf Impulse! zu veröffentlichen. Das führte schließlich auch zu
ihrer eigenen Plattenkarriere.
Rollins: Das wusste ich nicht. Hatte Bob
Thiele etwas damit zu tun?
Kahn: Absolut.
Rollins: Das dachte ich mir. Gut.
JazzEcho: Als Sie Ihr Label „Doxy“ genannt haben, haben sie da auch an den
Song gedacht, auf dessen Akkordwechsel
Sie Ihre Komposition „Doxy“ aufgebaut
haben? Immerhin hieß er „How Come
You Do Me Like You Do?” (Deutsch:
„Wieso behandelst du mich so, wie du es
tust?“ – Red.)
Rollins: (lacht) Nicht wirklich. Aber ich
denke es passt…
JazzEcho: Irgendwo im Impulse!-Buch
findet sich ja auch die Anmerkung, dass
schon auf der alten Creed-Taylor-Produktion „The Sound Of New York“ das Foto
eines Pornokinos an der 42nd Street zu
sehen ist, auf dessen Markise der Film
„Impulse“ beworben wird …
Kahn: Ich glaube aber nicht wirklich, dass
der Name daher kommt. Creed Taylor
wollte das Label ursprünglich Pulse nennen. Als er herausfand, dass es schon ein
Label mit diesem Namen gab, nannte er
es eben Impulse!. Auch die Idee mit dem
kleinen i und dem Ausrufezeichen am Ende kam von ihm.
JazzEcho: Herr Rollins, mit einigen Titeln auf Ihrem aktuellen Album sind offenbar direkte Erinnerungen verknüpft.
„Remembering Tommy“ haben sie für
Tommy Flanagan geschrieben und in
„Park Palace Parade“ geht es um einen
längst geschlossenen Club in Harlem. Dabei verknüpfen sie ja musikalisch die Vergangenheit und die Zukunft.
Rollins: Danke, genau das will ich erreichen. Aber im Grunde genommen sind
ja die Vergangenheit und die Zukunft ein
und dasselbe. Trotzdem gefällt es mir natürlich, dass ihnen das Album gefällt.
JazzEcho: Woran erinnern Sie sich noch
besonders vom Park Palace? Mir gefällt
besonders die Trillerpfeife bei dem Song.
Rollins: Park Palace war ein Club, eher sogar eine Tanzhalle in Spanish Harlem an
der 110. Straße, also Central Park North.
Viele der karibischen und lateinamerikanischen Musiker sind dort aufgetreten.
Später fand ich heraus, dass Thelonious
Monk öfter dort gespielt hat. Ich kann
mich erinnern, dass meine Mutter oft gemeinsam mit mir daran vorbeigegangen
ist – besonders, wenn die zur Karnevalszeit von dort aus ihre Paraden organisiert
haben. Die „Tröte“ auf dem Song soll daran erinnern.
Kahn: Als jemand, der über alle möglichen Arten von Musik geschrieben hat,
muss ich sagen, dass die Jazztradition einige sehr besondere Eigenschaften hat.
Eine ist die Erinnerung: Jazzfans und -Musiker sind sich der Tradition sehr bewusst,
sie legen viel Wert darauf, woher die Musik kommt. Außerdem ist Jazz sicherlich
eine der „porösesten“ Musikrichtungen.
Andere Musikstile können so offen und
leicht wie nirgends sonst den Jazz beeinflussen oder zumindest in ihn eindringen.
Puristen mag das stören, aber allein die
Musik gibt da den Takt an. Die Neugier,
die im Jazz steckt, gegenüber allen möglichen Klängen, macht diese Musik so
einzigartig und gut.
Rollins: Ich finde, es ist die großartigste Musik aller Zeiten! Und dabei mag
ich andere Musiken – von Calypso bis
­Tschaikowsky. Aber Jazz ist die offenste
„Keine Musikrichtung
ist so porös wie
der Jazz – das macht
ihn so einzigartig.“
und kreativste Musik, die wir haben. Kein
Zweifel, Jazz ist das Ding! Es ist einfach so.
Es ist die Musik. Jazz transzendiert alle Stile!
Sonny Rollins
1930 Am 09.09. kommt Theodore Walter
Rollins in New York zur Welt.
1954 Sonny Rollins zählt zu den Innovatoren des Bebop; oft spielt er an der
Seite von Miles Davis, mit dem er
auch seine Kompositionen „Oleo“,
„Doxy“ und „Airegin“ vorstellt.
1959 Im August zieht sich Rollins, der
als talentiertester und innovativster
Tenorsaxophonist der späten 50er
gilt, zurück; seine nächtlichen
Proben auf der Williamsburg Bridge
aus dieser Zeit sind legendär.
1966Nach dem Quartett-Date „On
Impulse“ und dem Soundtrack für
„Alfie“ ist das Free-Jazz-Album
„East Broadway Run Down“ das
dritte Album bei Impulse – anschließend zieht er sich erneut,
diesmal für 6 Jahre, von der
Musikszene zurück.
1972 Mit „Next Album“, auf dem er erstmals Sopransaxophon spielt und
elektronische Instrumente in seiner
Band zu hören sind, feiert Sonny
Rollins sein Comeback.
Sonny Rollins hört auf etliche Namen
– seine Eltern tauften ihn Theodore
Walter, Mitschüler und Kollegen
nannten ihn, wegen der Ähnlichkeit
zum Baseballspieler Don Newcombe,
Newk. Für Jazzfans ist und bleibt
der inzwischen 76-Jährige der „Saxophone Colossus“. Schon aufgrund
seiner frühen Bebop-Aufnahmen
– etwa mit Bud Powell, Thelonious
Monk, Miles Davis, Max Roach oder
Clifford Brown – galt Sonny Rollins
als Bindeglied zwischen Charlie
Parker und John Coltrane. Heute ist
er, der seine Heroinsucht überwunden und mindestens drei mehrjährige Rückzüge aus dem öffentlichen
Musik-leben gut verkraftet hat, der
letzte der großen Modern-Jazz-Mohikaner (obwohl er frisurenmäßig eher
als Irokese bekannt war). Anstatt sich
auf seinen Lorbeeren auszuruhen,
tourt der weißhaarige Gigant nach
wie vor regelmäßig und weltweit.
Sein aktuelles Albums „Sonny, Please“
(Doxy Records) entstand direkt nach
einer Japantour. Sonny Rollins lebt in
Upstate New York.
2001 Für „This Is What I Do“ erhält
Sonny Rollins, fünfzig Jahre nach
der Veröffentlichung des ersten
Albums unter eigenem Namen,
zum ersten Mal einen Grammy.
2007 Kurz nach Veröffentlichung von
„Sonny, Please“ auf seinem eigenen Label Doxy Records wird ihm
der „Polar Prize“ in Schweden
verliehen.
Es ist die beste Musik, die wir haben.
JazzEcho: Auf www.sonnyrollins.com ist
ein Video-Podcast, in dem berichtet wird,
dass sie immer noch mindestens eine
Stunde proben, bevor sie überhaupt zum
Soundcheck vor einem Konzert gehen.
Rollins: Oh ja, ich bin nach wie vor vom
Üben überzeugt. Ich übe jeden Tag und
versuche immer noch, es irgendwann mal richtig hinzukriegen. Ich
habe noch viel zu lernen. Ich bin
bescheiden, ganz wie John. Und
bin natürlich glücklich, dass den
Leuten meine Musik gefällt. Höher kann man auf dieser Erde nicht
hinaus. Außerdem freue ich mich,
dass es Autoren wie Ashley Kahn
gibt, die den Leuten vermitteln
können, dass Jazz die Musik des
Planeten ist. Die beste, die wir haben.
Kahn: Wenn es mir gelingen sollte, mit
derselben Bescheidenheit zu vermitteln,
Sonny rollins
Sonny, Please
Emarcy 06025 170 8620
wie mich Jazz berührt hat – eben nicht
nur als Unterhaltung, sondern in Bezug
auf meine Sicht der Dinge und der Welt
– wäre ich froh. Ich bin mir sicher, dass
wir uns in einer besseren Lage befinden
würden, wenn man im Weißen Haus bessere Musik hören würde.
Rollins: Man sollte es hoffen. Ich für meinen Teil hoffe es jedenfalls. Dabei sollte
ich mich da nicht einmischen, weil ich
es nicht weiß. Aber ich bin schon davon überzeugt: Wenn diese Leute, die
all diese furchtbaren Dinge tun, Jazz hören würden, würden sie gar nicht erst
auf diese Ideen kommen. Aber ich weiß
nicht, was da zuerst kommt. Ich denke
nicht, dass Menschen, die sich mit Jazz
beschäftigen, in solche politischen Fiaskos involviert würden. Aber ich weiß es
nicht. Schwer zu sagen.
JazzLink: rollins
Seite
10
Ausgabe 1 • Jahrgang 10
Porträt
1949 Am 29.03. wird Michael Brecker in
Philadelphia, Pennsylvania geboren.
1970 Nach dem Studium an der
University of Indiana Umzug nach
New York, wo sich Brecker mit
seinem vier Jahre älteren Bruder
Randy Billy Cobhams Band
Dreams anschließt.
1974 Formierung der Brecker ­Brothers.
1979 Gründung von Steps Ahead
gemeinsam mit Mike Mainieri.
1981 endgültige Manifestation
seines Tons auf Pat Methenys
Album „80/81“.
1987 Plattendebüt als Leader mit
­„Michael Brecker“.
1992 Reunion der Brecker Brothers.
2006 Der schwerkranke Saxophonist
spielt mit Pat ­Metheny, Chick
Corea, Jack DeJohnette und John
Patitucci sein letztes Album ein.
2007 Wenige Wochen nach seinem Tod
erhält Brecker posthum seinen
insgesamt zwölften Grammy. Im
Mai erscheint „Pilgrimage“, sein
letztes Album.
Schrieb und spielte mit einem runden Dutzend eigener Alben Musikgeschichte: michael brecker
Zeit ist die Essenz
Sein früher Tod hat uns einen der wichtigsten Musiker überhaupt genommen. michael brecker war mehr als ein Saxophonist, viel mehr als ein Jazzer.
M
ichael Brecker war ein Phänomen. Über drei Jahrzehnte gehörte er zu den
meistbeschäftigten Jazzmusikern der Welt. Die Zahl der Produktionen, denen er seinen unaufdringlichen
Stempel aufdrückte, geht sicher in den
vierstelligen Bereich. In einem Interview
erinnerte er sich einmal: „Ich weiß noch,
wie uns ein Produzent an einem Tag für
fünf verschiedene Platten buchte.“ Egal,
ob man Frank Sinatra hörte, Diana Ross,
Lou Reed, Paul Simon oder Aerosmith:
Michael Brecker war einfach immer da.
Er war so omnipräsent, dass man sich
weder bewusst auf ihn einlassen noch
über ihn nachdenken musste. Wenn
man sich jedoch auch nur oberflächlich
mit Musik – und damit ist keineswegs
nur Jazz gemeint – beschäftigte, führte
einfach kein Weg an Brecker vorbei.
Wenn man sich gezielt auf ihn einließ, Ton für Ton seinen wuchernden
Saxophonläufen folgte und in seinem
vollen, warmen Ton badete – welche Offenbarung erlebte man dann, technisch
wie musikalisch! Sein langjähriger Weggefährte Pat Metheny beschreibt es so:
„Sein Sound ist die eine Sache. Du kannst
drei Tenorsaxophonisten in einen Raum
stellen, egal wen, und er wird immer
noch doppelt so laut sein. Er hat einen
riesigen Sound. Das bereitet ihm sogar
Probleme mit seinem Hals, weil er einfach derartig viel Luft in sein Horn presst.
Ein Gigant. Schon das unterscheidet ihn
von allen anderen. Aber auch in harmonischer Hinsicht ist er eine Ausnahmeerscheinung. Ich kenne keinen anderen
Musiker, egal auf welchem Instrument,
der so viele Wege kennt, um von A nach
B zu kommen. Sein harmonisches Wissen
ist geradezu enzyklopädisch. Das kommt
natürlich von Coltranes Idee, so viel neues Material wie möglich zwischen zwei
Akkorde zu packen und somit die bloße
Substitution zu überwinden. Er findet
stets logische Verbindungen zwischen
völlig unterschiedlichen Dingen. Es ist,
als würde er Teppiche weben.“ Und weiter: „Eine spezielle Eigenschaft ist sein
Sinn für Zeit. Sein Rhythmusgefühl ist so
ausgeprägt, wie ich es noch nie erlebt
habe. Er groovt unglaublich. Er kann
ganz alleine spielen, und es rockt. Da ist
so viel Bewegung in der Musik: Setz ihn
an ein Schlagzeug, und er wird sich den
Arsch aufreißen. Michael ist ein fantastischer Drummer. Er ist ein Motherf***er.
Er klingt wie Elvin Jones.“
Im Dienst der musikalischen Idee
Treffender kann man Michael Breckers
musikalische Leistung kaum beschreiben. Gemeinsam mit seinem Bruder
Randy bildete er Mitte der 70er-Jahre
den Kern der Brecker Brothers, einer der
stilbildenden Jazzrock-Gruppen. Schon
jetzt hätte der Saxophonist zum Star
aufsteigen können, doch er zeichnete
sich zeitlebens durch ein Höchstmaß
an menschlicher Bescheidenheit aus. So
holte er selbst bei den
Brecker Brothers niemals ganz und gar aus
sich heraus, was in ihm
steckte, sondern stellte sein ganzes Können
stets in den Dienst der
musikalischen
Idee.
Erst Pat Metheny war
es, der Brecker 1981
auf seinem Album
„80/81“ wachküsste
Pat Metheny
und ihm ein Maximum
an spielerischer Freiheit einräumte. Plötzlich war für alle Welt unüberhörbar, dass
Brecker der wichtigste weiße Nachfahre
John Coltranes war. Erst viel später sollte er auf McCoy Tyners Album „Infinity“
mit Coltranes langjährigem Pianisten und
auf „Time Is Of The Essence“ mit dessen
Drummer ­ Elvin Jones zusammentreffen.
Für Brecker selbst schloss sich damit ein
logischer Kreis. „Ich komme ja selbst so
sehr von Coltranes Spiel. Ich bin geradezu daraus erwachsen. Er ist mein Haupteinfluss. Es war nur natürlich, dass die
Chemie mit Elvin und McCoy funktionieren würde. Ich versuche ständig, über
Coltrane zu lernen, zum Beispiel, indem
ich Bücher über sein Leben lese. So war
es interessant, im Spiel mit den beiden
zu erfahren, wie Trane sich mit seiner gewaltigen Kraft in diesem immensen Raum
gefühlt haben muss. Elvins Space und
Beat sind ein weites, offenes Feld. Da ist
viel Raum zu bespielen.“
Für einen Musiker wie Brecker, der
selbst an so unglaublich vielen Fremdproduktionen beteiligt war, ist es seltsam, dass er unter eigenem Namen nicht
einmal ein Dutzend Alben veröffentlicht
hat. Brecker hielt sich nie für einen großen Songschreiber. Er improvisierte lieber
oder arbeitete an seinem Ton. Die Errichtung von Denkmälern überließ er anderen. Erst 1986 brachte
er sein erstes Album
unter eigener Regie
heraus. Mit dabei natürlich Pat Metheny.
Doch was bedeutete
diesem Musiker, der
sich stets im Moment
auslebte, ein Album?
„Es ist nicht nur ein
Dokument. Es ist eher
ein Fenster in einem
größeren Prozess, aber
nie der ganze Prozess.
Manche Musiker bezeichnen Platten als Sampler. Aber der
Begriff Samp­ler degradiert die Bedeutung
einer Platte ein wenig. Für mich ist sie die
Kombination großer Mengen von Gedan-
Am Schlagzeug
ist Michael ein
Motherf***er.
Da klingt er wie
Elvin Jones!
ken und Strukturen. Wir schaffen im Studio eine Umgebung, indem wir schreiben
und den Dingen einen abstrakten Zusammenhang geben. Dann drücken wir einen
Knopf, und das Abstrakte erwacht zum
Leben. Dieses Erblühen zu beobachten,
ist total aufregend. Nach diesem Prozess
spielst du die Musik live, und sie blüht erneut auf und entwickelt sich weiter. Oft
bis zu einem Punkt, an dem du die Platte
nochmal machen willst. Insofern verstehe
ich auch die Leute, die sagen, eine Platte ist nur ein kleiner Sampler. Für mich
selbst ist sie aber viel mehr.“
Vergleicht man Breckers eigene Platten mit denen, die er mit den Brecker
­Brothers einerseits und mit seiner anderen
Band, Steps Ahead, andererseits gemacht
hat, so ergibt sich ein frappanter Unterschied. In seinen Fusion-Bands versuchte
er stets, freundlich, verbindlich, reibungslos zu klingen. Auf seinen Solowerken das
komplette Gegenteil: Der Reibungswiderstand war so groß wie möglich. Metheny
findet diesen Vergleich ungerecht, denn
die Platten zeigen uns heute nur eine Seite der Brecker Brothers. „Er war niemals
wirklich sanft. Er war immer ein Roughhouser. Zur Zeit der Brecker Brothers gab
es ja dieses Wort Fusion überhaupt noch
nicht. Für uns, die wir aus jener Zeit kommen, ist es ziemlich ironisch, dass der
Terminus Fusion vor Mitte der 80er überhaupt keine Rolle spielte. Der Begriff, den
wir damals benutzten und der diese Musik viel besser beschrieb, war doch eher
Jazzrock. Die Brecker Brothers waren wie
das Mahavishnu Orchestra. Die erste Platte der Brecker Brothers war Funk, pure
Energie. Wenn sie live spielten, waren sie
laut und rockig.“
Brecker selbst sah das ein wenig anders.
Er fühlte durchaus zwei Herzen in seiner
Brust schlagen. „Es gibt Momente, in denen ich mich wie Dr. Jekyll & Mr. Hyde
fühle. Ich bin jedoch in vielen verschie-
denen Kontexten aufgewachsen, und es
gehörte auch immer zu meiner Persönlichkeit, in unterschiedlichen Arenen zuhause zu sein. Ich versuche immer, mich
selbst einzubringen, aber die stilistische
Spannweite ist sehr groß. Ich bin in Philadelphia aufgewachsen, wo ich viel Rock,
Funk und R’n’B, aber auch Jazz hörte. Für
mich war es nie ein Problem, in mehr als
einem Kontext zu spielen, denn es gibt
zwischen den Genres einfach viele Berührungspunkte, viele Ähnlichkeiten. Aber je
tiefer ich in den Jazz-Kontext eindringe,
desto öfter passiert es mir, dass ich mir
eine meiner früheren Platten anhöre und
denke, ‚Wow, wer ist das?‘. Manchmal
ist es interessant. Andererseits fühle ich
mich nie komplett, wenn ich mich nur
in einer der beiden Welten bewege. Sie
beide machen mich aus. Ich bin jahrelang zwischen den beiden Stilen hin und
her geschwankt. Ebenso zwischen elektronischem und akustischem Spiel sowie
den vielfältigen Kombinationen beider.“
Ein Drummer, zwei Drummer, drei …
Unter Breckers zu Lebzeiten veröffentlichten Platten sind wahrscheinlich „Tales
From The Hudson“ von 1996 und ­„Time
Is Of The Essence“ von 1999 jene, auf
denen er am vehementesten seine komplette Persönlichkeit manifestiert. Auf
letzterer bewegt er sich mit drei verschiedenen Drummern auf drei Zeitebenen.
„Die Platte hat sich gewissermaßen entfaltet. Ihr Charakter kristallisierte sich nicht
in einem einzelnen Moment. Ich bereitete mich lange darauf vor. Ich wusste, dass
ich die Platte im wesentlichen mit einem
Orgel-Trio mit Larry Goldings, der in
dieser Zeit zu meinen Lieblingsmusikern
gehörte, einspielen würde. Erst als ich
angefangen hatte, die Musik zu schreiben, kam mir die Idee, mit Zeit zu spielen
und mit unterschiedlichen Drummern zu
Michael Brecker
Nearness Of You
Michael Brecker
Tales From The Hudson
Michael Brecker
Time Is Of Essence
Michael Brecker
Two Blocks From
The Edge
Michael Brecker
Wide Angles
Verve 07314 549 7052
Verve 951 1912
Verve 07314 547 8442
Verve 951 2612
Verve 00440 079 1422
arbeiten. Anfangs sollten es nicht drei,
sondern zwei sein: Bill Stewart und Elvin
Jones. Bill gehörte zu den interessantesten jungen Drummern, die ich kannte. Elvin war nicht verfügbar. Ich war total enttäuscht und fragte Jeff ‚Tain‘ Watts, mit
dem ich eine ganz bestimmte Chemie
habe. Am Ende musste ich aber die Session verlegen, und dann stand ­Elvin doch
wieder zur Verfügung. Plötzlich hatte
ich also drei Schlagzeuger. Ich war total
aufgeregt, mit Elvin Jones zu spielen. Ursprünglich basierte mein Album auf einer
Platte mit dem Titel ‚Unity‘. Eine ­ LarryYoung-Platte, die in den 60er-Jahren zu
meinen Lieblingsscheiben gehörte. Elvin
spielte darauf. Er hat immer schon einen
immensen Einfluss auf mich gehabt. Als
ich darüber nachdachte, wie ich welches
Stück für welchen Drummer schreiben
sollte, rückte der Zeitaspekt immer mehr
in den Vordergrund. Vor allem die individuellen Zugänge zur Zeit.“
Am zweiten Januar-Wochenende 2007
starb Michael Brecker an Leukämie, jener
heimtückischen Krankheit, unter der er
seit langem litt. Doch er hinterließ der
Welt Material für mindestens zwei Alben.
Kurz vor seinem Tod noch war er mit Pat
Metheny, Chick Corea, Jack DeJohnette
und John Patitucci im Studio. „Diese Session war wirklich unglaublich“, erinnert
sich Metheny. „Brecker hatte noch die
volle spielerische Kraft, die ihn über all
die Jahre ausgezeichnet hatte. Doch da
kam eben noch dieses besondere Moment hinzu. Dieses Wissen, diese Ahnung
… Wir alle spürten, dass das keine normale Session war. Es war ein magischer
Moment.“
Ahnung ist eine Kategorie, die über
Breckers gesamtem Schaffen stehen
könnte. Vielleicht werden wir jetzt erst
herausfinden, wer Michael Brecker wirklich war.
JazzLink: brecker
Breckers letztes Album
„Pilgrimage“ erscheint
am 21.05. und wird im
nächsten JazzEcho ausführlich ­vorgestellt.
Seite
Ausgabe 1 • Jahrgang 10
11
Planet Jazz
Mama Africa
Zu den „eigentlichen Wurzeln des Jazz und Blues“ sowie ihrer eigenen
Geschichte als Afro-Amerikanerin dringt die Sängerin Dee Dee Bridgewater
auf ihrem Album „Red Earth“ vor.
S
eit Yusef Lateef, John Coltrane, Pharoah Sanders, Leon Thomas und
Randy Weston in den 60er-Jahren
anfingen, nach ihren afrikanischen Wurzeln und einer neuen kulturellen Identität
zu forschen, haben vor allem Jazzmusiker immer wieder musikalische Ausflüge
nach Afrika unternommen.
Zwei gelungene Beispiele der jüngeren Vergangenheit waren die Alben
„Sarala“ (1995) des Pianisten Hank Jones
und „MALIcool“ (2003) des Posaunisten
Roswell Rudd. Beide entstanden in enger
Zusammenarbeit mit Musikern aus Mali
und auf beiden wurden auch Elemente
der dortigen Popmusik einbezogen.
Der Keyboarder Cheick Tidiane-Seck,
der bereits das „Sarala“-Album von Jones
koproduziert hatte, stand nun auch der
Sängerin Dee Dee Bridgewater bei ihrem „Red Earth“-Projekt in Mali zur Seite. „Seit ein paar Jahren spüre ich tief in
meinem Innersten, dass ich meine afrikanischen Wurzeln finden muss“, erzählt
Dee Dee Bridgewater. „Also hörte ich mir
Musiken aus verschiedenen schwarzafrikanischen Ländern an, in der Hoffnung,
dass mich eine von ihnen mit einer besonderen spirituellen Kraft ansprechen
würde. Und genau das tat die Musik aus
Mali.“
Die Bevölkerung Malis setzt sich aus
rund dreißig verschiedenen Ethnien zusammen, und diese kulturelle Vielfalt
spiegelt sich natürlich in der Musik des
Landes wider, das eine ganze Reihe international bekannter Musiker und
Musikerinnen hervorgebracht hat: etwa ­ Salif Keïta, Ali Farka Touré, Kanté
­Manfila, ­ Oumou Sangaré, Mamani
Keïta, ­Toumani Diabaté, Habib Koité und
­Boubacar Traoré. Gerade in den letzten
Jahren zog das Land deshalb auch immer wieder experimentierfreudige westliche Pop-, Rock- und Bluesstars wie Ry
Cooder, Taj Mahal, Bonnie Raitt, Bruce
Cockburn, Corey Harris und Damon
Albarn (Blur & Gorillaz) an. Und nun also
Dee Dee Bridgewater.
Im vergangenen Oktober ging Dee
Dee Bridgewater für vier Tage in Bamako ins Bogolan Studio (das dem im März
2006 verstorbenen Ali Farka Touré gehörte), um dort „Red Earth“ aufzuneh-
men. Gemeinsam mit Cheick ­ TidianeSeck adaptierte Dee Dee zum einen
traditionelle Mandingo-Stücke, „afrikanisierte“ aber auch Jazzklassiker wie
­Mongo Santamarias „Afro Blue“, Nina
Simones „Four Women“, Wayne Shorters
„Footprints“ und den durch Les McCann
und Eddie Harris bekannt gewordenen
Song „Compared To What“.
Zu Dee Dees eigenem Trio (Pianist
Edsel Gomez, Bassist Ira Coleman und
Schlagzeuger Minino Garay) gesellten
sich etliche Stars der malischen Szene
wie die einzigartige Sängerin Oumou
Sangaré und der Gitarrist Vieux Touré,
Sohn des 2006 verstorbenen Ali Farka
Touré. Herausgekommen ist dabei eine
wirklich einmalige Fusion aus traditioneller malischer Musik und Jazz.
JazzLink: bridgewater
Dee dee
bridgewater
Red Earth
Emarcy 06025 172 2829
Marlango: Alejandro Pelayo, Leonor Watling und Oscar Ybarra
Spain is different
Filmfans kennen Leonor Watling als Schauspielerin aus Pedro Almodóvars Filmen. Aber
ganz Spanien kennt sie und ihre Band Marlango. Jetzt soll die Welt sie kennen lernen.
L
ange war Marlango in Spanien erst
einmal „die Band von Leonor Watling“, denn die Schauspielerin kennt
jeder Iberer. Ohne einen Finger zu rühren erreichte die 31-Jährige Weltruhm
– als komatöse Balletttänzerin in Pedro
Almodóvars „Sprich mit ihr“. Kürzlich
war Watling in „Paris je t’aime“ zu sehen. Doch während in Frankreich die
Begriffe Schauspielerin und Popsängerin
fast schon Synonyme sind (Brigitte Bardot, Vanessa Paradis, Charlotte Gainsbourg), möchte Marlango diese Quer-
verbindung gar nicht erst vertiefen. Mit
seinem zweiten Album hat sich das Trio
emanzipiert. Auch wenn sie sich (bereits
1998) in Madrid gründete, hat die Band
mit Latin Pop nichts am Sombrero.
Marlangos musikalische Welt befindet
sich irgendwo zwischen Everything But
The Girl, den Doors, Calexico, Radiohead
und Tom Waits (immerhin ist der Bandname einem Waits-Song entlehnt). Pianist
Alejandro Pelayo kommt von der Klassik,
und Oscar Ybarra, Meister der gestopften
Trompete, ist aus Chicago. Leonor Wat-
ling, Tochter einer englischen Mutter,
singt vorwiegend in ihrer Muttersprache.
„Automatic Imperfection“, erschienen auf
dem Indie-Label Subterfudge, wurde in
Spanien vergoldet. Ihr nachtschwärmender
Pop soll nun auch bei uns triumphieren.
marlango
Automatic
Imperfection
Emarcy 84360 033 9391
Die Träume der
Frau Sudoku
In den USA mag man die SingerSongwriterin Vienna Teng für ihre
zwiespältigen Zwischentöne. Ihr neues
Album „Dreaming Through The Noise“
bringt auch uns zum Schwärmen.
M
DEE DEE Bridgewater: die rote Erde des schwarzen Kontinents
Mit seinem neuen Quintett-Album
„The Words And The Days“ knüpft der
italienische Trompeter Enrico Rava an
sein 2003 veröffentlichtes Opus „Easy
­Living“ an, mit dem er seine Rückkehr zu
ECM einläutete. Das Album unterstrich,
dass Rava, der seinen lyrischen Trompeten-Sound seit jeher gerne mit freieren
Formen kontrastiert, nach wie vor eine
der markantesten Stimmen des europäischen Jazz besitzt und ein ebenso phantasievoller wie elegant phrasierender
Musiker ist. Das Ensemble, mit dem
er „Easy Living“ aufgenommen hatte,
spielte zu diesem Zeitpunkt schon vier
Jahre zusammen und verstand sich na-
hezu blind. Vor der Aufnahme von „The
Words And The Days“ gab es nun eine
Umbesetzung: Für den virtuosen Solisten
Stefano ­ Bollani holte Rava den eher ensembledienlich spielenden Pianisten Andrea Pozza in sein Quintett. Die Band
wirkt dadurch noch geschlossener und
versteht es hervorragend, in den improvisierten Passagen sofort auf Ravas Stimmungswechsel zu reagieren. Nicht zuletzt
bedingt durch das Ausscheiden Bollanis
aus dem Quintett erhält diesmal Posaunist Gianluca Petrella mehr Spielraum,
sich in Szene zu setzen. Das Repertoire
besteht vornehmlich aus neuen Stücken
von Rava, Schlagzeuger Roberto Gatto
anchmal wünsche ich mir, Gedankengänge so klar aufzeichnen zu können, wie Ian McEwan,
etwa in seinem Buch ‚Saturday‘“, meint
Vienna Teng auf die Frage nach den Initialzündungen ihrer verzweigten Verse.
„Aber dafür müsste ich wohl erstmal
so klare Gedankengänge haben wie er.
Oder wenigstens etwas weniger vor mich
hinträumen“, fügt die 27-Jährige lachend
hinzu. Das wirkt bescheiden bis bedauerlich, käme es nicht von einer Frau, die
so präzise und poetisch wie kaum eine
andere Singer-Songwriterin ihrer Generation Gefühle und Befindlichkeiten in
Songs ummünzt. Auf ihrem aktuellen, von
Stimmungswechsel
Freiere Formen: Enrico Rava und Quintett
Gefühle und Befindlichkeiten: vienna teng
Larry Klein produzierten Album „Dreaming Through The Noise“ singt die einstige Programmiererin aus San Francisco
über gescheiterte Beziehungen („Whatever You Want“), nächtliche Telefonate
(„Transcontinental, 1:30 A.M.“ – mit Lee
Thornburg) oder die Hurrikankatastrophe
von New Orleans („Pontchartrain“). Ihre
ruhige Stimme zu diesen klaren Harmonien – immer poppig, manchmal jazzy,
oft, wie sie es nennt, „kammermusikalischer Folk“ – wirkt gerade so distanziert
und involviert, dass es glaubhaft klingt.
„Begegnungen, Anekdoten, Frustrationen – all das packe ich in Musik. Nicht
immer eins zu eins, aber immer ehrlich“,
meint Vienna Teng. „Wer weiß: Vielleicht
singe ich eines Tages einen Song über die­
se betrunkenen Typen, die mich gestern
in der Berliner U-Bahn auf Deutsch angemacht haben. Als sie nicht weiterkamen,
nannten sie mich ‚Frau Sudoku‘. Seitdem
interessiere ich mich für diese Rätsel.
Schon seltsam, wie die Dinge manchmal
funktionieren.“ JazzLink: teng
vienna teng
Dreaming Through
The Noise
Emarcy 06025 171 2694
und Bassist Rosario ­ Bonaccorso. Darüber
hinaus unterzieht Rava seine Kompositionen „Dr. Ra And Mr. Va“ und ­„Serpent“,
die er schon auf früheren ­ Alben eingespielt hat, einer erfrischenden Revision.
Ganz gleich wie „frei“ der musikalische
Kontext ist, Enrico Rava erweist sich hier
stets als melodischer, „singender“ Trompeter.
JazzLink: rava
Enrico rava
The Words And
The Days
ECM 06025 170 9773
Seite
12
Ausgabe 1 • Jahrgang 10
Mix
Elektro-Knistern
Albumgast: Sidsel Endresen
Punctum: „Norwegen hat es erneut geschafft“, schrieb das Musikmagazin der
BBC und wählte das „Punkt“-Festival, das
seit 2005 in Kristiansand an der „norwegischen Riviera“ stattfindet, zum innovativsten Event jenes Jahres.
Die Kuratoren von „Punkt“ – der Produzent Jan Bang und der Schriftsteller Erik
Honoré – veröffentlichen ausgehend von
dem Projekt Ende April auch eine eigene
CD.
Dreh- und Angelpunkt von „Crime
Scenes“ ist eine Sammlung kürzerer
Texte Erik Honorés, die er mit Bang
und diversen Albumgästen zu 13 punkt­
genauen Soundskizzen verarbeitet hat.
„Crime Scenes“ featuret internationale
Festivalteilnehmer wie David Sylvian,
vor allem aber die norwegische Szene
Doktor Seltsam
mit Nils Petter Molvær, ­ Sidsel Endresen,
Arve Henriksen, Audun Kleive und Eivind
­Aarset. Ihre Version heutiger Elektronik punktet mit Weltmusik, Techno und
­Spoken Word.
Puristen mögen meckern, meinte „All
About Jazz“, aber Bangs und Honorés
Sound werde langsam eine Marke. Der
springende Punkt: ein Klangkonzept, das
trotz Experimenten nie den Boden unter
den Füßen verliert. „Crime Scenes“ erscheint pünktlich am 23.04.
punkt
Crime Scenes
Verve 06025 1713389
Band mit Bein: brazilian girls
Komplett furchtlos: Amy WInehouse
Acht Jahre Karneval
Fast zehn Jahre mardi graS.BB werden gefeiert:
Eine neue CD und eine Konzertfilm-DVD verkürzen das
Warten bis zum runden Geburtstag.
A
ls Mardi Gras.bb sich 1999 zusammentat, um mit ihrem heißen
musikalischen Gumbo aus Jazz,
Delta-Blues, Rock’n’Roll, Cajun, Funk und
anderen Köstlichkeiten die deutsche (sowie internationale) Musikszene durcheinander zu wirbeln, hat wohl kaum einer
geglaubt, dass die elfköpfige Band sich
lange über Wasser hält. Doch erstens
kommt es anders und zweitens als man
denkt. Sensationelle Erfolge feierte das
Ensemble nicht nur in heimischen Gefilden, sondern auch im Rest Europas und
in den USA, wo man die Mannheimer sogar zum „Teutonic Phenomenon“ adelte. Jetzt kann die von dem Sänger und
gelegentlichen Gitarristen Doc Wenz in
brazilian girls
Talk To La Bomb
Verve 06024 985 0960
Alle Angaben ohne Gewähr. Aktuelle Tournews freitags
unter www.jazzecho.de.
Misha Alperin
29.04. Coesfeld
15.06. Passau, Festspiele
06.05. Berlin, Kino Babylon
07.05. München, Ampere
09.05. Stuttgart, Theaterhaus
10.05. Köln, Altes Pfandhaus
Nik Bärtsch & Pierre Favre
09.04. Stuttgart, Theaterhaus, Jazztage
Amy Winehouse singt von Entziehungskuren und
schafft es damit an die Spitze der englischen Charts:
Qualität setzt sich durch, wenn man sie mit brutaler
Offenheit einsetzt.
T
Jesse Murphy (John Scofield) und Schlagzeuger
Aaron Johnston (Omar Sosa, Pete Escovedo,
Harry Belafonte) halten das Gesamtkunstwerk zusammen. So seltsam, so sexy und so
eigensinnig führen Brazilian Girls die Tradition
von New Yorker Über-Bands wie Talking
Heads und Deee-Lite in unser Jahrhundert.
Passende Unterstützung haben sie in ihren
zwei Koproduktionen gefunden: Mark Plati
(David Bowie, The Cure, Deee-Lite) und The
Cars-Sänger Ric Ocasek.
Der JazzEcho-Konzertführer
Wildes
Kind
aumelnd im Spannungsfeld zwischen Talent, Überflieger-Karriere
und Exzessen für die Regenbogenpresse – Amy Winehouse schreibt den
Mythos des Popstars für 2007 weiter.
Wo Kolleginnen sich die Haare blondieren und harmlose Textschablonen
trällern, tätowiert sich die 23-jährige Londonerin nackte Frauen auf den Oberarm und singt davon, dass sie nicht
zur Entziehungskur will: und wie sie
das tut! Die Single „Rehab“ aus Winehouses
zweitem Album „Back To Black“ ist ein Gospel, der jede Baptistenkirchenwand wackeln
lässt. „Catchy wie Outkasts ‚Hey Ya”, schrieb
„News Of The World“.
Amy Winehouse ist komplett furchtlos. Auch wenn die neue CD der jungen Frau jüdischer Abstammung an die
R’n’B-Girl-Group-Alben der späten 50erJahre und an Northern Soul anknüpft,
Brazilian Girls sind keine Band, die sich irgendwie definieren ließe – eher eine verspielte
Angelegenheit, die eine Hand voll kosmopolitischer Individualisten aus New York angezettelt hat. Aus dem charismatischen Kontinuum ihres zweiten Albums „Talk To La Bomb“
(aufgenommen in Jimi Hendrix’ legendären
Electric Lady Studios) gibt es kein Entrinnen:
Trance, Dub und Tango, Neue Deutsche
Welle, Brazil, Prog-Jazz und Punk bringen sich
dort gegenseitig zur Ekstase.
Darüber mäandert das Esperanto der
in München und Nizza aufgewachsenen
Sängerin Sabina Sciubba, die Französisch,
Englisch, Spanisch sowie Deutsch singt,
und das manchmal in einer einzigen Textzeile – Wann platzt hier die Bombe?
Doch nein, Keyboarder Didi Gutman (Bebel
Gilberto, Roy Ayers, Lil’ Louie Vega), Bassist
auch wenn Winehouse klingen kann wie
Sarah Vaughan, in keinem Moment
kommt Retro-Feeling auf. Dafür sind
ihre drei- bis vierminütigen Geschichten
viel zu modern. In England ging „Back
To Black“ auf Platz eins der ­ Charts,
„Rehab“ stieg allein aus Downloadverkäufen auf Platz 19 ein.
Gar nicht überraschend gewann Amy
Winehouse im Februar auch noch den
Brit Award 2007 in der Kategorie „British
Female Solo Artist“. Bei Redaktionsschluss
stand das Album mit 900.000 verkauften
Exemplaren kurz vor Tripel-Platin.
Amy Winehouse
Back To Black
Island 06025 171 4211
Swing in the
House
einer Mischung aus Genie und Wahnsinn
geleitete Mardi Gras.bb gleich mit zwei
Veröffentlichungen glänzen:
Auf der Compilation „Pentalogy“ wird
zum einen das Beste aus den ersten fünf
Alben der Band vorgelegt und mit „The
Exile Itch“ gibt es parallel auch gleich ein
neues Album mit ganz frischen Songs und
– besonders schön – einer beigepackten
DVD mit 90-minütigem Konzertfilm.
Urs Leimgruber/OM
06.04. Stuttgart, Theaterhaus, Jazztage
George Benson & Al Jarreau
26.06. München , Tollwood
27.06. Mainz, Zeltfestival
29.06. Kempten, bigBOX
Johnny Liebling
10.05. Bremen, Römer
11.05. Hannover, Indiego Glocksee
24.05. Hamburg, Knust
25.05. Kiel, Orange Club
Stefano Bollani
19./20.04.Hamburg, NDR Studio 10 (Quintett)
22.04. Schwäbisch Hall
29.04. CH-Basel, Schauspielhaus
BRanford Marsalis
27.03. Hamburg, Deutsches Schauspielhaus
Dee Dee Bridgewater
21.04. Gronau, Bürgerhalle
29.04. CH-Basel, Stadtcasino
Frank Chastenier & WDR Big Band
31.03. Köln, Philharmonie
06.05. Köln, Philharmonie
19.05. Köln, Philharmonie
27.05. Düsseldorf
15.06. Köln, Kleiner Sendesaal (Soloprogramm)
De-Phazz
24.04. Heidelberg, Karlstorbahnhof
25.04. Hamburg, Große Freiheit
27.04. Dresden, Schlachthof
28.04. Köln, E-Werk
29.04. Darmstadt, Centralstation
30.04. München, Muffathalle
06.05. Karlsruhe, Tollhaus
15.05. Essen, Weststadthalle
17.05. Bremen, Modernes
18.05. Berlin, Postbahnhof
Silje Nergaard
24.09. Berlin, Kammermusiksaal
25.09. Dortmund, Konzerthaus
26.09. Karlsruhe, Tollhaus
28.09. Darmstadt, Centralstation
29.09. Kaiserslautern, Kammgarn
30.09. Stuttgart, Theaterhaus
02.10. Bremen, Glocke
03.10. Hamburg, Laeiszhalle
04.10. Kiel, Schloss
07.10. Bielefeld, Ringlokschuppen
08.10. Düsseldorf, Tonhalle
09.10. München
Jef Neve
16.05. Berlin, Quasimodo
Barbara Dennerlein
13.04. CH-Unterengstringen, Musik Günthart
17.04. A-Wien, Jazzland
18.04. A-Wien, Jazzland
19.04. A-Wien, Jazzland
20.04. A-Wien, Jazzland
21.04. A-Wien, Jazzland
27.04. Würzburg, Augustinerkirche
30.04. Kempten, St. Lorenz Basilika
13.05. Chemnitz, Lutherkirche
20.05. Böblingen, Marienkirche
25.05. CH-Bollingen, Reberhaus
Ralph Towner
23.05. Neustadt bei Hannover
Vienna Art Orchestra
04.05. CH-Luzern, KKL
05.05. CH-Luzern, KKL
06.05. CH-Luzern, KKL
07.05. A-Wien, Gasometer
08.05. A-Wien, Gasometer
09.05. A-Wien, Gasometer
10.05. A-Innsbruck, Treibhaus
11.05. A-Innsbruck, Treibhaus
16.05. A-Waidhofen, Schlosscenter
17.05. München, Volkstheater
18.05. A-St.Veit, Burgkultur
25.05. CH-Neuchâtel, Korbak Festival
26.05. A-Kremsmünster, Gulda Festival
01.06. Essen, Philharmonie
02.06. Essen, Philharmonie
03.06. Essen, Philharmonie
04.06. A-Graz, GMD
05.06. A-Graz, GMD
06.06. A-Graz, GMD
07.06. A-Dornbirn, Spielboden
08.06. A-Dornbirn, Spielboden
09.06. A-Dornbirn, Spielboden
10.06. A-St. Johann
Jan Garbarek
21.04. Bielefeld, Oetkerhalle
22.04. Gronau, Jazzfest (Bürgerhalle)
23.04. Berlin, Philharmonie
24.04. Lübeck, Musik- und Kongresshalle
02.05. Lörrach, Burghof
03.05. Friedrichshafen, Graf-Zeppelin-Haus
04.05. Stuttgart, Theaterhaus
05.05. Kempten, Kornhaus
11.05. A-Wien, Konzerthaus
23.06. St. Ingbert, Alte Schmelze
27.06. München, Tollwood
28.06. Nürnberg, Serenadenhof
29.06. Karlsruhe, Zeltival
Tord Gustavsen
03.05. Hamburg, Stage Club
04.05. Koblenz, Café Hahn
05.05. Darmstadt, Centralstation
Nach Redaktionsschluss
+++ Hamburgs interessanteste Band kehrt
zurück. Alles, aber „Nur nicht nach Haus“
wollen Johnny Liebling auf ihrem neuen
Album, das Anfang Mai in den Handel
kommt +++ Jazz soll angeblich die Lernfähigkeit steigern – das hat eine SoftwareFirma herausbekommen und bringt nun
Fremdsprachenkurse mit Jazzkulisse heraus,
von wegen: Mit Musik geht alles besser +++
mardi gras.BB
Pentalogy
Emarcy 06025 172 5910
Wer selbst mehr über den Jazz an sich lernen und wissen möchte, dem sei ebenfalls
ab Anfang Mai das neue Lexikon-Hörbuch
„99x Jazz“ empfohlen. Jazzmusiker wie
Branford Marsalis und Joe Sample erklären
dort auf 99 Tracks „straight ahead“, den
Swing und das Saxophon +++
G-Swinger: Etienne Mignard und Romain Bno
Impressum
Mit Gumbo im Studio: mardi gras.BB
Auf den ersten Blick mögen traditionelle Swing- und moderne House-Musik
nichts miteinander gemein haben. Aber
wenn man etwas genauer hinsieht, wird
man feststellen, dass der hedonistische
Swing in gewisser Weise die ClubbingWelle des House vorwegnahm. So ist es
auch kein Wunder, dass in der HouseMusic (der Club-Stil erblickte übrigens
ebenfalls in der ehemaligen SwingHochburg Chicago das Licht der Welt)
schon seit langem Samples von Jazz- und
Swingaufnahmen verwendet werden.
Nun entführt das DJ-, Produzentenund Musikerkollektiv G-Swing uns in
die Frühzeit des Jazz. Auf dem Album
­„Swing For Modern Clubbing“ brillieren
DJ Brame, Le Major Melon, Jimi Bazooka
und andere mit ungemein gewitzten Bearbeitungen von Swing-Klassikern.
Den Originalen von der jungen Ella Fitzgerald, Chick Webb, Louis Jordan, Benny
Goodman, Fats Waller, Duke Ellington
und Nina Simone verpassen G-Swing
housige Beats und moderne Sounds. Dabei gingen sie jedoch so respektvoll und
musikalisch vor, dass selbst Swing-Puristen an den Bearbeitungen Spaß haben
werden.
G-Swing
Swing For Modern
Clubbing
Emarcy 06024 984 2213
Herausgeber
UNIVERSAL MUSIC JAZZ, Berlin
Konzept und Gestaltung
G9 Design GmbH, Hamburg
Litho
RAWA Print und neue Medien GmbH, Hamburg
Druck
Axel Springer AG, Ahrensburg
Alle Rechte vorbehalten. Nach­druck, auch auszugsweise, nur mit vorheriger schriftlicher Zustimmung des Herausgebers:
Fax: (030) 52007-2597, E-Mail: [email protected]
Ihre Adresse hat sich geändert?
Dann schicken Sie bitte eine Postkarte mit alter und neuer Adresse und unter der Angabe Ihrer Kundennummer
(die Sie im Anschreiben über Ihrem Namen finden) an: JazzEcho, A-Nr. 5285, Postfach 90 06 41, 06058 Halle.
UNIVERSAL MUSIC JAZZ, StRalauer Allee 1, 10245 Berlin
Komplette Händlerliste unter www.jazzecho.de