Die Risiken einer Euro-Aufwertung

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Die Risiken einer Euro-Aufwertung
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Paper
06.02.2014
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Ann-Katrin Petersen, Dr. Rolf Schneider
Die Risiken einer Euro-Aufwertung
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Economic Research
AUTOREN :
Ann-Katrin Petersen
Fon +49.69.24431-3790
[email protected]
Dr. Rolf Schneider
Fon +49.69.24431-5790
[email protected]
Working Paper / Nr. 170 / 06.02.2014
DIE RISIKEN EINER EURO-AUFWERTUNG
Wohin geht der Euro an den Devisenmärkten? Seit Mitte 2012 ist unsere Währung gegenüber den 20 wichtigsten Handelspartnern immerhin um rund 9% gestiegen – was für
viele Prognostiker angesichts der Wachstumsschwäche im Euroraum und der noch nicht
bewältigten Schuldenkrise überraschend kam. Offenbar ist das Vertrauen der Märkte in
die Zukunft der Gemeinschaftswährung doch nicht verloren gegangen. Das ist an sich
sehr erfreulich. Allerdings hat der starke Euro nicht nur positive gesamtwirtschaftliche
Auswirkungen. Um dennoch mit den positiven zu beginnen: Aufwertungen verbilligen
die Importe aus dem Ausland. Der Rückgang der Importpreise, den wir derzeit im Euroraum verzeichnen, dämpft den allgemeinen Verbraucherpreisauftrieb und stärkt so die
Kaufkraft der Einkommen. Die im Vorjahresvergleich unter 1 % liegende Inflation hat die
EZB Anfang November 2013 zu einer weiteren Zinssenkung veranlasst. Kehrseite der
Aufwertung: Sie zehrt an der Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure und gefährdet so
insbesondere die durch Kosteneinsparungen erzielten Fortschritte in den südeuropäischen Ländern. Für Unternehmen, die im Ausland Produktionsstätten aufgebaut haben,
ist dieser Effekt nicht gegeben. Aber für sie bedeuten Abwertungen der jeweils nationalen
Währungen rechnerisch geringere Umsatzzahlen und Gewinnzahlen in ihrer auf Euro
basierenden Rechnungslegung.
EUR, nominaler effektiver Wechselkurs
USD/EUR
gegenüber 20 Handelspartnern, 1999Q1 = 100
1,50
107,5
1,45
Aufwertung
Abwertung
105,0
1,40
102,5
1,35
100,0
1,30
97,5
1,25
95,0
1,20
92,5
11
12
13
14
11
12
13
14
Quellen: EcoWin, eigene Prognose.
Die Aufwertung des Euro in den letzten anderthalb Jahren ist wohl als eine Erholung
nach der Krise zu interpretieren. Die Sorge um ein Auseinanderbrechen des Euro legte
sich im späteren Verlauf des Jahres 2012 und in 2013 und die Investoren nutzen die
Chancen, die sich durch hohe Renditen und niedrige Aktienbewertungen in den Krisenzeiten ergeben hatten. Fraglich ist allerdings, wie lange der Kapitalzufluss in den Euroraum noch anhalten wird. Die Bewertungen an den Finanzmärkten sind bereits wieder
auf einem deutlich erhöhten Niveau und die Fundamentaldaten im Euroraum - insbesondere der Wachstumsrückstand gegenüber den USA - ließen eher wieder einen stärkeren Dollar erwarten. In diese Richtung weist auch die Kursbestimmung der amerikanischen Notenbank, die wohl deutlicher als die Europäische Zentralbank aus der expansiven Geldpolitik aussteigen wird. Aber man weiß ja: Gerade in Zeiten von geldpolitischen
Änderungen sind Wechselkursprognosen sehr unsicher. Daher ist es ratsam, verschiedene Szenarien zu betrachten.
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1. Szenarien für die Währungsentwicklung
Neben unserem Basisszenario nur moderater Veränderungen des Euro-Außenwerts,
dem wir eine Wahrscheinlichkeit von 60% beimessen, sehen wir als Risiken sowohl eine
starke Abwertung als auch eine kräftige Aufwertung des Euro. Wir kalkulieren für beide
Risikoszenarien jeweils eine Wahrscheinlichkeit von 20%.
Basisszenario: Der Ausstieg der Fed aus ihrem Anleihekaufprogramm erfolgt vorsichtig.
Eine erste Zinsanhebung ist nicht vor 2015 zu erwarten. Die EZB teilt weiterhin unbegrenzt Liquidität zu, eine erste Zinserhöhung erfolgt Ende 2014 / Anfang 2015. Angesichts
des auf beiden Seiten des Atlantiks recht vorsichtigen Ausstiegs aus der ultra-lockeren
Geldpolitik unterbleiben größere Wechselkursturbulenzen. Wegen des Konjunkturvorsprungs der USA gewinnt der Dollar gegenüber dem Euro moderat an Wert (Ende 2014:
1,30 USD / Euro).
Szenarien für die Wechselkursentwicklung
USD/EUR
1,50
1,45
Risikoszenario I
1,40
1,35
Basisszenario
1,30
1,25
1,20
Jan
Risikoszenario II
Apr
Jul
Okt
Jan
Apr
Jul
Okt
Jan
Apr
Jul
Okt
Jan
Apr
Jul
Okt
Quellen: EcoWin, eigene Prognose.
Risikoszenario I: Es macht sich immer mehr Zuversicht an den Märkten breit, dass die
europäische Schuldenkrise bewältigt wird und Europa nach Jahren der Krise vor einem
anhaltenden Aufschwung steht. Auf der Suche nach Rendite verstärkt sich der Zustrom
internationalen Kapitals in die ehemaligen EWU-Krisenländer, da hier noch relativ attraktive Bewertungen an den Finanzmärkten locken. Auch nach Deutschland fließen
wegen der guten Konjunkturperspektiven mehr ausländische Investments. Die Währungen einer Reihe von Emerging Markets leiden unter Kapitalabflüssen und stehen gegenüber dem US-Dollar, aber stärker noch gegenüber dem Euro unter Druck. Der Euro nähert sich dadurch seinen Höchstständen aus den Jahren 2008 und 2009. Dies würde einen weiterer Anstieg des gewogenen Außenwerts des Euro um 8 -9% implizieren.
Risikoszenario II: Die US-Konjunktur wird stärker als erwartet. Die Fed steigt infolgedessen
resolut aus dem Anleihekaufprogramm aus, die Märkte rechnen mit einer früheren Zinsanhebung als bisher. Die EZB bleibt demgegenüber bei ihrem sehr expansiven Kurs. In
einem derartigen Umfeld könnte der Dollar gegenüber dem Euro leicht um über 10%
steigen. Schwächere Emerging Markets Währungen geraten in diesem Szenario gegenüber dem Dollar zusätzlich unter Druck.
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2. Wirkungskanäle von Wechselkursänderungen
Wechselkursänderungen haben für offene Volkswirtschaften erhebliche Auswirkungen:
Aus Produzentensicht verändern sie die Wettbewerbsverhältnisse auf den Weltmärkten
und die Vorteilhaftigkeit von Investitionen und Produktionsstandorten im Ausland. Insbesondere drei Wirkkanäle sind daher für Unternehmen von Bedeutung: Handelsströme
(Absatzmärkte: preisliche Wettbewerbsfähigkeit, Beschaffungsmärkte: Kosten), Investitionsströme und die Gewinnentwicklung (Umwälzung auf Preise, Bilanzierung).
2.1 Handelsströme: Wettbewerbsfähigkeit und Produktionskosten
Eine reale Aufwertung des Euro, wie wir seit anderthalb Jahren beobachten, beeinflusst
die preisliche Wettbewerbsfähigkeit von hiesigen Exporteuren auf den weltweiten Absatzmärkten - vermindert die „Ability to sell“, soweit die Unternehmen die Produktion
nicht in die Absatzmärkte verlagert haben. In der kurzen Frist, bei unveränderten Preisen, sind nominale Wechselkursveränderungen i.d.R. – also zum Beispiel veränderte
Dollar-Euro Verhältnisse unmittelbar mit einer Änderung des realen Wechselkurses
verbunden (Wechselkurs-Preis-Zusammenhang). Zahlreiche empirische Studien auf
Länder- und Branchenebene weisen einen signifikanten Einfluss des realen Außenwerts
auf das Exportvolumen nach. Ein Anstieg des Wechselkurses dämpft die Nachfrage nach
inländischen Gütern und vice versa.
Realer effektiver
Wechselkurs des Euro
Indikator der preislichen
Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands1)
gegenüber den Währungen der EWK-21-Gruppe, 1Q99=100
Auf Basis der Verbraucherpreise, Quartalsdurchschnitte
Auf Basis der Verbraucherpreise, Quartalsdurchschnitte
115
115
110
110
105
105
100
100
95
95
90
90
85
85
80
1999 2001 2003 2005 2007 2009 2011 2013
80
1999 2001 2003 2005 2007 2009 2011 2013
1) Ein Rückgang der Werte bedeutet eine Zunahme der Wettbewerbsfähigkeit.
Quellen: EcoWin; Deutsche Bundesbank.
Häufig wird von einer Wechselkurs-„Schmerzgrenze“ gesprochen, ab der ernsthafte
Belastungen auf die Exportfähigkeit ausgehen. Da diese Schwelle von Unternehmen zu
Unternehmen aber sehr unterschiedlich sein dürfte, ist mit einer recht kontinuierlichen
Wirkung von Wechselkursänderungen auf den Export auszugehen. Die Elastizität der
Exportnachfrage bezüglich des realen Wechselkurses (Export-Preiselastizität) liegt für
den Euroraum nach unseren Schätzungen bei etwa 0,3. Das bedeutet, dass ein Anstieg
des realen effektiven Wechselkurses (auf Basis der Lohnstückkosten) um 1% unter sonst
gleichen Bedingungen die reale Ausfuhr der Euroländer (inkl. Intrahandel) binnen fünf
Quartalen um insgesamt 0,3% vermindert (siehe Allianz Economic Research 2013).
Von Land zu Land können diese Effekte unterschiedlich sein, beispielsweise aufgrund
der unterschiedlichen Exportgüterstruktur. Dabei haben wir für Deutschland anhand
eigener Schätzungen eine hohe Elastizität der Exportnachfrage bezüglich des von der
Bundesbank berechneten Indikators für die preisliche Wettbewerbsfähigkeit ermittelt
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(0,8). Andere Untersuchungen ergeben, dass die französische Wirtschaft empfindlicher
auf eine Aufwertung des Euro reagiert als die deutsche (siehe Rey 2011).
Auch auf Branchenebene lässt sich eine unterschiedliche Sensibilität im Hinblick auf
Wechselkursänderungen ausmachen. Die Exporttätigkeit von deutschen Industriezweigen wie beispielsweise dem Fahrzeugbau und der Bekleidungsindustrie ist in stärkerem
Maße von einer Aufwertung betroffen als Sektoren wie die Elektrotechnik und die Chemie (siehe Lucke 2004). Für den deutschen, französischen und britischen Automobilund Maschinenbau konnten nach einer Aufwertung der jeweiligen Währung signifikante
Rückgänge des Exportvolumens festgestellt werden (siehe Leuwer/Süssmuth 2013).
Allerdings können international agierende Unternehmen die Auswirkungen von Wechselkursänderungen durch Produktionsverlagerungen teilweise kompensieren. Mittelständisch geprägte und weitgehend im Inland produzierende Unternehmen können dies
weniger und reagieren mithin am empfindlichsten auf Wechselkurseinflüsse. Sie spezialisieren sich, um dem preislichen Wettbewerbsdruck zu entgehen (siehe Lucke 2004).
Wertet die Währung eines Landes real ab, bedeutet dies für Produzenten, dass Zwischenprodukte aus diesem Land günstiger geworden sind. Diese kostenseitigen Effekte
haben sich im Zeitablauf verstärkt, da multinationale Unternehmen zunehmend Wertschöpfungsstufen in verschiedenen Ländern ansiedeln und so der inländische Wertschöpfungsanteil sinkt. Wechselkurse tangieren die relativen Produktionskosten (siehe
Krugman et.al. 2012). Insbesondere vorleistungsintensive Branchen können wechselkursbedingt ungünstigere Perspektiven auf den Absatzmärkten durch niedrigere Produktionskosten infolge günstigerer Vorleistungsimporte teilweise kompensieren (siehe
Belke et al. 2009).
Nicht nur für die Industrie auch für eine Reihe von Dienstleistungsbranchen ist der Effekt
einer Wechselkursänderung auf die Wachstumsrate der Exporte (wie z.B. Tourismus,
Logistik, Informations- und Kommunikationstechnologie) signifikant (siehe Eichengreen/Gupta 2013 und Cheung/Sengupta 2013).
2.2 Investitionsströme: Wechselkurse als potenzieller Faktor bei der Standortwahl
Neben anderen standortspezifischen Faktoren wie der Infrastrukturausstattung, Lohnkosten oder dem Grad der Marktregulierung spielen Wechselkurse bei der Standortwahl
von Investitionen eine Rolle, da sie die Kosten der Produktionsfaktoren maßgeblich beeinflussen. Insofern werden bei Standortentscheidungen von Unternehmen nicht allein
die aktuellen Wechselkurse, sondern auch die langfristigen Wechselkurserwartungen
von Bedeutung sein. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass eine zu erwartende
(langfristig) niedrige Bewertung einer Währung zwar dortige Direktinvestitionen kostenmäßig attraktiv erscheinen lässt, gleichzeitig aber auch die erwarteten Gewinnrückflüsse für Investoren (gemessen in Inlandswährung) belastet (siehe hierzu auch Abschnitt 2.3.). Hinzu kommt, dass eine längerfristig niedrige Bewertung einer Währung
häufig Ausdruck instabiler ökonomischer Rahmenbedingungen ist, was der Attraktivität
als Investitionsstandort entgegensteht. Ein längerfristig hohes Wechselkursniveau muss
nicht, wie sich auch am Beispiel der Schweiz zeigt, für einen unattraktiven Standort
sprechen. Die Beziehungen zwischen Wechselkurs und Standortattraktivität sind komplex.
Als einigermaßen sicher dürfte allerdings gelten, dass eine erhöhte Volatilität des Außenwerts, d.h. eine gestiegene Ungewissheit hinsichtlich der Erträge von Investitionen
produktive grenzüberschreitende Kapitalströme beeinträchtigt (siehe Campa 1993 und
Krugman et.al. 2012).
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2.3 Wechselkursabhängige Gewinnentwicklung: Exporterlöse und Bilanzierung
Wechselkursbewegungen tangieren die Exporterlöse von Unternehmen nicht nur über
die Exportmenge, sondern auch über die Exportpreise, je nach dem, ob die exportierenden Firmen Änderung des Wechselkurses voll einpreisen, also auf ihre Kunden überwälzen. Sorgt sich ein Unternehmen etwa um den Erhalt seiner Marktanteile, dürfte es im
Fall einer Abwertung der Auslandswährung um 10% die Preise im Ausland nicht oder um
deutlich weniger als 10% erhöhen. Sinkende Einnahmen aus dem Absatz im Ausland
gemessen in der eigenen Landeswährung würden zunächst in Kauf genommen. Gemäß
empirischen Untersuchungen steigen im ersten Jahr nach einer Dollarabwertung die
Preise vieler Importgüter in den USA nur um rund die Hälfte der Abwertungsrate. Während sich eine dauerhafte Änderung des nominalen Wechselkurses in langer Frist wohl
nahezu vollständig in den Importpreisen niederschlägt, kann dies in kurzer Frist erheblich anders sein (siehe Krugman et.al. 2012).
Größere Unternehmen wickeln ihre Auslandsgeschäfte nicht nur über den direkten Export oder Import, sondern auch über eigene Niederlassungen oder Tochterunternehmen
im Zielland ab. Für multinationale Unternehmen spielen Wechselkurse daher nicht
zuletzt im Rahmen der Konzernrechnungslegung eine Rolle, bei der die in Landeswährung aufgestellten Einzelabschlüsse ausländischer Tochtergesellschaften in die Heimatwährung umgerechnet werden. Beispielhaft genannt seien wechselkursabhängige
Prämieneinnahmen. Darüber hinaus wirken sich wechselkursinduzierte Inflations- und
Konjunktureffekte auf das Prämienaufkommen aus.
3. Schlussfolgerungen
Das Jahr 2014 wird in dem von uns als wahrscheinlich angesehenen Szenario kein ruhiges Jahr an den Devisenmärkten. In unserem Basisszenario kommt es zwar nicht zu
markanten Verschiebungen in den Wechselkursrelationen von Euro und Dollar, aber es
bestehen doch Risiken hinsichtlich des Währungsgefüges, die in den Alternativszenarien
abgebildet sind. So könnten überraschende geldpolitische Korrekturen angesichts der
Instabilität einiger Emerging Markets weiteren Abwertungsdruck auf deren Währungen
erzeugen. In Verbindung mit einer verbesserten gesamtwirtschaftlichen Entwicklung im
Euroraum könnten Kapitalzuströme anhalten und zu einer beträchtlichen Aufwertung
des Euro beitragen.
In diesem Risikoszenario einer weiteren starken Aufwertung des Euro käme es zu beträchtlichen Auswirkungen auf den Euroraum und seine international orientierten Unternehmen. Bei einer Aufwertung des Euro in etwa auf seine Höchststände im Jahr 2008
und 2009 – also um 8 - 9% vom derzeitigen Niveau aus – wäre die preisliche Wettbewerbsfähigkeit vieler Exporteure gefährdet. Die Ausfuhr des Euroraums könnte gemäß
den von uns ermittelten Elastizitäten um 2,5 – 3 Prozentpunkte vermindert werden. Damit wäre kaum noch Exportwachstum zu erwarten und es würde ein wichtiger Impuls
für die weitere Erholung der Konjunktur entfallen. Trotz preisgünstigerer Importe käme
es voraussichtlich zu Rückgängen beim hiesigen Investitions- und Beschäftigungsvolumen. Der Zuwachs des realen BIP dürfte um reichlich 0,5 Prozentpunkte und der des
nominalen BIP um bis zu 1 Prozentpunkt gedämpft werden, eine nachhaltige Stabilisierung am Arbeitsmarkt würden in weite Ferne rücken. Generell sind die Gewinne im Konjunkturverlauf wesentlich volatiler als andere gesamtwirtschaftliche Größen. Ein um 1
Prozentpunkt geringeres BIP-Wachstum löst in aller Regel erheblich höhere prozentuale
Gewinnminderungen aus.
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Im Unternehmenssektor wären in einem solchen Aufwertungsszenario insbesondere
exportierende Industrieunternehmen betroffen, ihre Gewinneinbußen könnten leicht
zweistellige prozentuale Größenordnungen erreichen. Aber auch Dienstleistungsunternehmen würden sich einer schwächeren Binnennachfrage gegenübersehen. Sofern sie
außerhalb des Euroraums tätig sind, kämen Abwertungsverluste bei ihren im Ausland
erzielten Umsätzen und Gewinnen hinzu. Von daher sind in diesem Risikoszenario bei
international tätigen Dienstleistungsunternehmen aufgrund von Bewertungs- und Konjunktureffekten durchaus Gewinneinbußen (gegenüber dem Basisszenario) in einer
Größenordnung von 5 – 10 % zu erwarten. Von Unternehmen zu Unternehmen dürfte
dies aber sehr unterschiedlich aussehen.
In unserem zweiten Szenario einer kräftigen Abwertung des Euro würden tendenziell die
spiegelbildlichen Effekte auftreten. Für die Konjunktur und die Gewinne der Unternehmen ergäben sich positive Auswirkungen. Allerdings müsste in Rechnung gestellt werden, dass Währungsschwankungen generell Unsicherheiten erzeugen, die Konjunktur
dämpfend wirken, und somit die negativen Effekte im Aufwertungsszenario betragsmäßig größer ausfallen dürften als die positive Effekte im Abwertungsszenario.
List of references
Allianz Economic Research (2013). “Economic forecast 2013/2014.” Allianz Working
Paper, No. 162.
Belke, Ansgar; Goecke, Matthias and Martin Guenther (2009). “When Does It Hurt?: The
Exchange Rate "Pain Threshold" for German Exports.” Ruhr Economic Paper, No.148.
Campa, Jose Manuel, (1993). "Entry by foreign firms in the United States under exchange
rate uncertainty." The Review of Economics and Statistics, 75(4), 614-622.
Cheung, Yin-Wong; Sengupta, Rajeswari, (2013). “Impact of Exchange Rate Movements
on Exports: An Analysis of Indian Non-Financial Sector Firms”, CESifo Working Paper,
No. 4214.
Eichengreen, Barry; Gupta, Poonam, (2013). “The Real Exchange Rate and Export
Growth.”, Policy Research Working Paper. Washington, DC: The World Bank., No. 6629.
Krugman, Paul; Obstfeld, Maurice and Marc Melitz, (92012). “Internationale Wirtschaft”,
Pearson Studium, München.
Leuwer, David; Süssmuth, Bernd, (2013). “The Exchange Rate Susceptibility of Some
European Core Industries and the Currency Union”, CESifo Working Paper, No. 4253.
Lucke, Dorothea, (2004). “Sektoraler Auslandsabsatz reagiert unterschiedlich auf
Wechselkursveränderungen“, Wochenbericht des DIW Berlin, No. 39/2004.
Rey, Serge, (2011). ”Exchange rate fluctuations and extra-eurozone exports:
A comparison of Germany and France”, Economics Bulletin, 31(2), 1131-1150
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Die Einschätzungen stehen wie immer unter den nachfolgend angegebenen Vorbehalten.
ÜBER DIE ALLIANZ GRUPPE
Die Allianz ist zusammen mit ihren Kunden und Vertriebspartnern eine der stärksten Finanzgemeinschaften.
Rund 78 Millionen Privat- und Unternehmenskunden setzen auf Wissen, globale Reichweite, Kapitalkraft und
Solidität der Allianz, um finanzielle Chancen zu nutzen, Risiken zu vermeiden und sich abzusichern.
2012 erwirtschafteten rund 144.000 Mitarbeiter in über 70 Ländern einen Gesamtumsatz von 106,4 Milliarden Euro
und erzielten ein operatives Ergebnis von 9,3 Milliarden Euro (angepasst zum 1. Januar 2013 aufgrund neuer
Rechnungslegungsvorschrift und Darstellung). Die Leistungen an Kunden summierten sich auf 89,2 Milliarden
Euro.
Dieser Geschäftserfolg mit Versicherungs-, Asset Management- und Assistance-Dienstleistungen fußt zunehmend
auf dem Kundenbedarf nach krisenfesten Finanzlösungen für die alternde Gesellschaft und die
Herausforderungen des Klimawandels. Transparenz und Integrität sind wesentliche Elemente einer nachhaltigen
Unternehmensführung der Allianz SE.
VORBEHALT BEI ZUKUNFTSAUSSAGEN
Soweit wir in diesem Dokument Prognosen oder Erwartungen äußern oder die Zukunft betreffende Aussagen
machen, können diese Aussagen mit bekannten und unbekannten Risiken und Ungewissheiten verbunden sein.
Die tatsächlichen Ergebnisse und Entwicklungen können daher wesentlich von den geäußerten Erwartungen und
Annahmen abweichen.
Neben weiteren hier nicht aufgeführten Gründen können sich Abweichungen aufgrund von (i) Veränderungen der
allgemeinen wirtschaftlichen Lage und der Wettbewerbssituation, vor allem in Allianz Kerngeschäftsfeldern und märkten, (ii) Entwicklungen der Finanzmärkte (insbesondere Marktvolatilität, Liquidität und Kreditereignisse),
(iii) dem Ausmaß oder der Häufigkeit von Versicherungsfällen (zum Beispiel durch Naturkatastrophen) und der
Entwicklung der Schadenskosten, (iv) Sterblichkeits- und Krankheitsraten beziehungsweise -tendenzen, (v)
Stornoraten, (vi) insbesondere im Bankbereich, der Ausfallrate von Kreditnehmern, (vii) Änderungen des
Zinsniveaus, (viii) Wechselkursen, einschließlich des Euro/US Dollar-Wechselkurses, (ix) Gesetzes- und sonstigen
Rechtsänderungen, insbesondere hinsichtlich steuerlicher Regelungen, (x) Akquisitionen, einschließlich
anschließender Integrationsmaßnahmen, und Restrukturierungsmaßnahmen, sowie (xi) allgemeinen
Wettbewerbsfaktoren ergeben. Terroranschläge und deren Folgen können die Wahrscheinlichkeit und das
Ausmaß von Abweichungen erhöhen.
KEINE PFLICHT ZUR AKTUALISIERUNG
Die Gesellschaft übernimmt keine Verpflichtung, die in dieser Meldung enthaltenen Informationen und
Zukunftsaussagen zu aktualisieren, soweit keine gesetzliche Veröffentlichungspflicht besteht.
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