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132 Erdkunde Band VII
angefangen, das Gebiet zu beleben. Es entstand z. B.
in Volta Redonda ein machtiges Eisen- und Stahl
werk, das Erze aus Minas Gerais mit auslandischer
Kohle
verarbeitet.
So wird die ehemals ganz einseitigeWirtschaft des
Paraibatales immer vielseitiger und dadurch auch im
mer krisenfester. Von Jahr zu Jahr werden von
offentlichen
und
privaten
Stellen
mehr
Voraussetzun
gen fur einen neuen grofienAufstieg geschaffen.Das
Paraibatal strebt nun mit aller Kraft wieder vor
warts, wobei ihm seine giinstige Lage zwischen den
beiden grofiten Stadten Brasiliens hilft.Der Auf- und
Abstieg und die Wiederbelebung dieses historischen
Tales ist bezeichnend fiirweite Teile Mittelbrasiliens
geworden, denn sein Schicksal hat sich inzwischen bei
anderen Landschaften wiederholt, in denen der Kaffee
eine
Zeitlang
DIE
war.
Herrscher
PFLANZUNGEN
BRITISCH-KAMERUNS
ALS BEISPIEL EINES FORTSCHRITTLICHEN
WIRTSCHAFTSKERNES IM TROPISCHEN
AFRIKA
Dietrich Rieth
Mit 1Abbildung
An example
plantations
of the British-Cameroons.
in tropical Africa.
economy
of a core of progressive
The
core which
The
up of an economic
Summary:
building
is based on geographical
factors in the British-Cameroons
la
has only been made
by the use of migratory
possible
bour. In contrast to most other similar areas,
the planters
a
of the Cameroon
Mountain
have been able to train
stock of settled and contented
labourers
of a
by means
social
which
however
in this case was
generous
policy
circumstances.
favourable
supported
by
Subsequently
to meet
re
labour was
migratory
employed
only
peak
In
this
Cameroon
have
taken
way
quirements.
planters
a colonization
the lead in establishing
is productive
which
and yet sound.
In seiner Gesamtheit betrachtet befindet sich der
afrikanische Kontinent heute noch in den Anfangen
seinerwirtschaftlichen Erschliefiung.Wirklich entwik
kelt sind nur relativ wenige Bereiche, die diese Vor
zugsstellung der Lage, dem Klima, dem Boden, den
Lagerstatten und anderen fiir sie giinstigen Faktoren
zu
verdanken
haben.
Die
so entstandenen
wirtschaft
lichen Kernbildungen kann man in solche landwirt
schaftlicherund solche bergbaulicher Art gliedern.
Zweifellos ist das Entstehen dieserWirtschaftskerne
eine durchaus natiirliche Entwicklungsstufe, denn
ist
Afrika, und ganz besonders der tropische Teil,
mit seiner bis jetzt viel zu diinnen Bevolkerungsdecke
nicht zur gleichmafiigenAktivierung seines materiel
lenWirtschaftspotentials fahig.
Auch die einzelnen Gebiete, die ein fortgeschritte
neres Stadium erreichthaben, hatten sich aus der Sub
stanz der eingesessenen Bevolkerung heraus nicht so
weit entwickeln konnen und waren auch heute noch
nicht lebensfahig,wenn sie nicht einen standigen, die
normale Bevolkerungsfluktuation betrachtlich iiber
steigenden Zuflufi zusatzlicher Arbeitskrafte aufzu
weisen
hatten.
kommen im allgemeinen
Diese Wanderarbeiter
vornehmlich aus den umliegenden Landschaften, sie
vom Wirtschaftskern
werden
wirt
Die
?angesaugt".
schaftlicheKernbildung vollzieht sich also letzten En
des auf Kosten ihrerUmgebung. Nicht nur, dafi sie
ihrMenschen entzieht, sie hemmt damit auch gleich
zeitig ihre Intensivierung und vernachlassigt ihreMog
lichkeiten. Es ist dies ein Typus, der fiir die afrikani
schen Wirtschaftskerne
ausnahmslos
hat.
Geltung
Nicht in jedem Falle ist die Entstehung einesWirt
schaftskernesausschliefilich geographisch zu begriin
den. Denken wir z. B. an die beiden derWestkiiste
vorgelagerten Inseln Sao Thome und Principe. Die
Kernbildung, die sich auf ihnen vollzogen hat, ist
iiberhaupt nur aus der kolonialpolitischen Entwick
lung Afrikas heraus zu verstehen.Weder die natiir
liche Ausstattung der Inseln noch ihre Verkehrslage
hatten von sich aus zu soldier Entfaltung gefiihrt,
und ihre Besiedlung vollends ist allein das Ergebnis
bewufiter Lenkuhg. Die Kakaokulturen Sao Thomes
und Principes und auch die Arbeiterschaft, von der
sie getragen werden, sind daher ein nur auf dem
historischen
Faktum.
verstandlidies
Hintergrund
Im Gegensatz zu diesen Verhaltnissen sind nun fiir
die Standortswahl des einzigen grofieren Plantagen
bezirks der afrikanischen Westkiiste, fiir die Plan
tagen
am
im britischen
Kamerunberg
Kame
Mandat
run, die natiirlichen Faktoren und die Verkehrslage an
der Kiiste mafigebend gewesen. Auch sein Aufbau
wurde nur dadurch moglich, dafi man sich des Wan
bediente.
derarbeitertums
Von dem schmalen, keilformigen Streifen des briti
schen Mandats
der
Kamerun,
brechung bei Jola, vom Meer
zieht und 88 266 qkm mit
(1949) 1 027 000 Menschen,
fafit, ist praktisch nur der
die Kamerunprovinz,
bezirk,
sich, mit
einer
Unter
bis zum Tschadsee hin
einer Bevolkerung von
also 11,6 pro qkm, um
siidlichste Verwaltungs
in die
produktive
euro
von
paische Kolonialwirtschaft einbezogen, und auch
ihm eigentlich nur der Kiistenstrich an den Siid- und
Siidosthangen des Kamerunberges und ein kleines,
wenig landeinwarts am oberen Ende der Schiffbarkeit
des Mungo gelegenes Gebiet um Kumba, das friihere
Seit
Johann-Albrechts-Hohe.
dem
der
Anfang
neun
ziger Jahre des vorigen Jahrhunderts ist hier ein Be
zirk
Plantagen
europaischer
unter
entstanden,
dessen
von
Einflufi sich hier, vornehmlich im Hinterland
Kumba, auch Volkskulturen der Eingeborenen von
kleinerem Ausmafi entwickelt haben, die sich in erster
Linie mit dem Kakaoanbau befassen. Das Vorbild, das
gut geleitete europaische Betriebe dem einzelnen Ein
geborenen wie der Gesamtheit der Eingeborenenwirt
schaft zu sein vermogen, ist hier in besonders ein
drucksvoller
Weise
wirksam
gewesen.
Der
Mandats
bericht von 1929 erkennt das mit folgenden Worten
an: ?The part played by the European plantations in
development is important. The lessons learned by
labourers on the plantations are being turned to profit
in their own villages. Agricultural officers have noted
that the treeson native cocoa farms in theCameroons
are not only well spaced but are pruned according
to the approved plantation practice. The contrast in
these
respects
between
native
cocoa
farms
in the Ca
meroons and in other parts ofWest Africa is said to
be most
marked."
Berichte
und kleine Mitteilungen
Der Kameruner Wirtschaftskern liegt vollig imUr
waldbereich und zugleich imHauptwirkungsfeld des
hier auf den innerstenWinkel der Biafrabai und die
Hange des Kamerunberges aufprallenden Siidwest
der nur noch
monsuns,
stofien des Nordostpassats,
ganz
von
kurzperiodisch
bzw.
des Harmattans,
Vor
ab
gelost wird. Lokale Land- und Seewinde sind dane
ben von Bedeutung fiir den Witterungsablauf. Das
Klima ist also hochaquatorial mit doppelter Regenzeit
und Niederschlagen, die imMaximum an den Hangen
des Kamerunberges 10 m und dariiber erreichen, nir
gends aber unter 3 m im Jahresmittel sinken. Stark
mitbestimmend fiir die Anlage der Pflanzungen war
das Vorherrschen relativ hochwertiger vulkanischer
Boden und ihrerSchwemmprodukte.
Zum Unterschied von den meisten der sonstigen
Wirtschaflskerne
zu
keiner
westafrikanischen
Produktionszentrum
ist das Kameruner
Zeit
monokulturell
(anfangs
eingestellt gewesen. Olpalme, Kautschuk
KICK XIA ELASTIC A, spaterHEVEA), Kakao, seitden
Weitkriege in stets
Jahren unmittelbar vor dem ersten
wachsendem Mafie die Banane und eine ganze Reihe
anderer Kulturgewachse sind die Hauptanbaupflan
zen; ebenso hat das aus der Rodung der Pflanzungs
areale anfallende Nutz- und Edelholz stets eine we
sentliche Rolle gespielt. Die scheinbar iiberragende
Bedeutung,
der
die
Banane
heute
im
Export,
zu
kommt, darf nicht dariiber hinwegtauschen, dafi sie
im Produktionsprogramm der Pflanzungen zumeist
nur eine Zwischenkultur auf jungenRodungsboden ist,
die dazu dient, den Zeitraum bis zur Ertragsreife der
Baumkulturen
zu
uberbrucken.
Eine Obersicht iiber die Hauptausfuhrerzeugnisse
von 1946 bis 1948 vermittelt die folgende Tabelle
(in tons):
1946
1947
1948
Bananen
4 583
19 882
2 500
601
Palmkerne
911
649
Kakao
1 597
1 107
1 467
? 1 439
Kautschuk
1 220
Die Losung der Arbeiterfrage fiir die Pflanzungen
war innerhalb des Pflanzungsbezirks mit seiner zah
lenmafiig sehr schwachen, kulturell zudem recht tief
stehenden Bevolkerung natiirlich ebensowenig moglich
wie sonst in Afrika, und auch hier sind deshalb von
Anfang an laufend Arbeiter aus dem Hinterland
herangezogen
aus
worden,
einem
Hinterland
freilich,
dafi in den innerkamerunerHochlandern mit ihren
Savannenweiten klimatisch, ethnisch und kulturell
anders
ganz
geartet
waldete
Kiistenland.
ist als
Die
das
be
feuchtaquatoriale,
zu erwartenden
hieraus
Akklimatisationsschwierigkeiten fiir die Arbeiterschaft
aus dem Innern sind allerdings, was schonWeiler be
tonte,
auf
den Kameruner
Pflanzungen
kaum
aufgetre
ten. Leicht iiberwindbar waren auch die aus der bun
ten Vielfalt der Stammessprachen sich ergebenden
Fragen der Verstandigung, weil das an der Kiiste
durchweg gesprochene Pidgin-Englisch vom Neger
iiberaus rasch angenommen wird. Wohl aber war der
zweckmafiige
Einsatz
der
aus
ganz
verschiedenen
Kulturmilieus herkommenden und auch geistig sehr
verschieden veranlagten Arbeitskrafte ein Problem der
technischenBetriebsorganisation, das durch moglichst
133
sinnvolle Arbeitsplatzverteilung zufriedenstellend ge
lost wurde.
Eine durch Jahrzehnte hindurch konsequent fest
gehaltene Arbeiterpolitik der Kameruner Pflanzungen
hat dabei bereits zu sehr bemerkenswerten Resultaten
gefiihrt.Man kann die auf den Pflanzungen beschaf
tigten Arbeiter heute in drei Kategorien einteilen:
1. Arbeiter, die die Pflanzung als ihre neue Heimat
betrachten, da sie sich schon Jahre hindurch hier auf
halten (Detribalisierte Eingeborene). Sie haben sich
meist
eine
erworben.
Vertrauensstellung
2. Arbeiter,
die sich schon jahrelang immerwieder auf der gleichen
Pflanzung einfinden, aber jedes Jahr in ihreHeimat
zuriickkehren, und 3. Gelegenheitsarbeiter, die, nach
dem sie einige Monate auf einer Pflanzung gearbeitet
haben, wieder in ihre Heimat zuriickwandern oder
zu
vorubergehend
seln oder
aber
einer
arbeitslos
anderen
iiberwech
Plantage
umherstreichen.
Wander
arbeiter sind davon nur noch die Arbeitnehmer der
zweiten und der grofite Teil der dritten Kategorie.
Aus der erstenKategorie ist bereits einUmsiedlertum
geworden. Die dritte Kategorie enthalt einen Teil
zweifelhafter Existenzen. Echte Wanderarbeiter sind
auch sie nicht mehr. Sie verkorpern vielmehr einen
Typus, den Schober mit einigem Recht mit dem
europaischen
Wanderburschentum
vergleicht,
und
sie
tragen zugleich zur Bildung eines wurzellosen Pro
letariats bei, das aber weniger hier als vor allem in
den afrikanischenMinenbezirken, ja iiberhaupt in den
vorwiegend europaisch besiedelten Bereichen ein weit
fortgeschritteneres
Stadium
erreicht
hat.
Die
Mehr
zahl all dieser Arbeiter hat jedenfalls nicht die Ab
sicht, das Leben auf der Pflanzung wieder mit dem
in der Heimat einzutauschen. Die Angehorigen der
erstenKategorie haben meistens bereits ihre Familien
nachgezogen, die Arbeiter der zweiten und dritten
Kategorie sind zum grofienTeil noch unverheiratet.
Das Ziel auch ihrerArbeitnahme ist es jedoch in der
Regel, sich das Geld zum Erwerb einer Frau zu ver
dienen. Ist es erreicht, so kehren sie oft genugmit ihrer
Frau zur Pflanzung zuriick und lassen sich dauernd
nieder. Es sind auf dieseWeise in derNahe der Pflan
zungen und als Siedlungen zunachst unabhangig von
diesen schon eine ganze Reihe auch stammesmafiig
geschlossenerNeudorfer, der launde und der Bakoko
vor
allem,
entstanden.
Die
Pflanzungen
fordern
diese
Entwicklung, da die verheirateten und sefihaft ge
wordenen Eingeborenen ein ruhiges und stetigesEle
ment unter der Arbeiterschaft bilden. Die Betriebe
sichern sich so eine standig sich mehrende Stamm
arbeiterschaft.
Die
unverheirateten
und
besonders
die
Gelegenheitsarbeiter bilden den Spitzenausgleich.
IhrerArbeitskraft istman inZeiten guterKonjunktur
zwar nicht sicher, in schlechtenZeiten kann man sie'
aber ohne Schwierigkeiten wieder entlassen.
Aufier seinemLohn erhalt der Kameruner Wander
arbeiter an seinem Arbeitsplatz freieUnterkunft und
Verpflegung. Daneben werden gelegentlich zusatz
liche Nahrungsmittelrationen und Leistungspramien
verteilt. Es ist fiir die Arbeitsmentalitat des Kame
runer Pflanzungsarbeiters, ja des Eingeborenen iiber
haupt, sehr charakteristisch, dafi ihm diese Teile sei
ner Entlohnung, dazu eine geregelte sanitare Fiirsorge
und besonders eine verstandnisvolle menschliche Be
134 Erdkunde Band VII
handlung ebenso wichtig sindwie der Geldertrag, den
ihm seine Arbeitsleistung einbringt.Die von den Ka
meruner Pflanzungen bezahlten Barlohne sind keines
wegs so hoch, dafi sie fiir sich allein ein Anreiz zur
Arbeitsaufnahme sein konnten. Es ist fiir die Sozial
politik'der Kameruner Pflanzer ein ehrendes Zeugnis,
dafi ihre Arbeiterschaft auch in Krisenzeiten treu zu
ihnen hielt, obwohl einzelne Unternehmen teilweise
monatelang nicht in der Lage waren, die falligen
Lohnzahlungen regelmafiig zu leisten.
Dieses Bestreben, den eingeborenen Arbeiter am
Unternehmen zu interessierenund ihnmit diesem ver
wachsen zu lassen,wird auch in andererWeise deutlich.
Vielfach werden ihm,wie auch sonst in den landwirt
ProduktionszentrenWestaf rikas,Feldstiicke
schaftlichen
zugewiesen, auf denen er sichzusatzlichNahrungsmittel
fiir den eigenen Bedarf anbauen kann. Er vermag die
Tagesarbeit auf der Pflanzung, die im Akkord ver
geben wird, ohne Miihe meistens um die Mittagszeit
zu beenden, so dafi ihm noch geniigend Freizeit zur
zu
Verfiigung steht, in der er.sich seinem Feldstiick
widmen vermag. So nimmt es nicht wunder, dafi der
Lebensstandard
des
Pflanzungsarbeiters
heute
lichhoher ist als derjenige der Dorfbewohner
wesent
in seiner
Heimat.
Die sanitaren Verhaltnisse auf den Pflanzungen
sind gut. Die Unterkiinfte der Arbeiter sind nicht zu
letzt dank den strengenVorschriften derMandatsver
vor
waltung gerade in dieser Beziehung in den Jahren
dem zweiten Weltkrieg zum grofien Teil erneuert
bzw. wiederhergestellt worden, wobei man auf die
heimatlichen Gewohnheiten der Arbeiter weitgehend
Riicksicht nahm. Fiir die gesundheitliche Betreuung
sorgen auf den grofieren Pflanzungen eigene weifie
Betriebsarzte, auf den kleineren mindestens besonders
ausgebildete Heilgehilfen. Der Erfolg ihrerTatigkeit
ist eine sehr niedrige Sterblichkeitszifferunter den Ar
beitern. Sie betrug 1930 0,8%, 1936 nur 0,56%, und
sie istum so erstaunlicher, als sich unter den Arbeitern
ein bedeutender Teil Hochlandneger befanden.
Im Gegensatz
zu anderen
Produktionszentren
Afri
kas ist das Arbeiterangebot fiir die Kameruner Pflan
zungen fast immer befriedigend gefwesen.Zum Teil
mag dies auch dadurch zu erklaren sein, dafi ihrAus
bau infolge der politischen Schicksale des Pflanzungs
bereichs immerwieder gehemmt worden ist und hier
aus eine relative Konstanz des Arbeiterbedarfs iiber
grofiere Zeitraume hinweg entstand. Kurzperiodisch
schwankt er allerdings etwas je nach der Saison und
entsprechend den Schwankungen derWeltmarktpreise.
Die gegebenen Rekrutierungsgebiete fiir die Wan
derarbeiter der Pflanzungen Britisch-Kameruns sind
seit der Aufteilung des Landes in ein britisches und
ein franzosischesMandat die britisch gewordenen Teile
in erster Linie das
des Kameruner Hochlandblocks,
das auch entfernungsmafiig ge
Bamendahochland,
sehen am giinstigsten zu den Pflanzungen liegt. In der
Tat stammt auch ein sehr wesentlicher Teil der Be
aus
schaftigten von dort. Dafi daneben der Zuzug
den Jaunde Spezialarbeiter fiir die Rodungen stellt,
die schwer ersetzbar sind, und schliefilich,bis vor kur
zem wenigstens, in den wirtschaftlichen und politi
schenVernal tnissen im franzosischen Sektor, aus denen
ein Anreiz zur Emigration erwuchs. Die Pflanzungen
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KONGO
der
der Arbeiter
Abb. 1: Einzugsbereich
(mit den Zahlen
im Kameruner
durchschnktlich
jahrlich
Pflanzungsbezirk
Beschaftigten).
sind auf diesen Zuzug bisher aber auch deswegen noch
angewiesen gewesen, weil die Verkehrsverbindungen
mit dem als natiirliches Arbeiterreservoir sich darbie
tendenHochland in der britischen Zone kaum ausge
baut sind. Zwischen den Pflanzungsdistrikten an der
Kiiste und dem Hochlandblock imHinterland besteht
in der
Banjangbucht
eine
ausgesprochene
Verkehrs
liicke, die zu schliefien die britische Verwaltung sich
um so mehr Zeit lafit, als sie bestrebt ist, die inneren
Hochlander nicht blofi verwaltungsmafiig, sondern
auch wirtschaftlich immer engermit dem benachbarten
Mar
Nigerien zu verbinden. Die Miihsal eines langen
auf schlechten
sches durch ungewohnten Urwald
Wegen wirkt natiirlich hemmend auf den Entschlufi
des Hochlandnegers, Arbeit an der Kiiste zu suchen,
und es erklart sich daraus ohne weiteres, dafi die Zahl
der von dort kommenden Wanderarbeiter nicht die
Hohe erreicht, die sie an sich haben konnte. Fiir die
Plantagen ergeben sich daraus auch noch zusatzliche
Schwierigkeiten in der Beschaffung der Arbeiter
an und fiir
verpflegung, weil das Hinterland, das sie
sich reichlich stellen konnte, als Lieferant ausfallt.
Auf der anderen Seite haben gerade diese Verhalt
nisse viel dazu beigetragen, die Kameruner Pflan
wenn
auch sichtlich nachlassend,
zungszone auf die gesunde Entwicklungsbahn zu
Franzosisch-Kamerun,
seine
hat
stark
immer
recht
noch
ist,
drangen, die in bezug auf das Arbeiterproblem fiir sie
vergleichsweise
bezeichnend ist. Fiir die Unternehmungen war, eben
Griinde zunachst in einer Tradition, die bis in die
wegen der Schwierigkeit der Heranbringung der Ar
Entstehungszeit der Pflanzungen zuriickgeht, sodann
in
insbesondere
Mandat
franzosische
beiterschaft,von Anfang an eine grofiziigige Sozial
darin, dafi das
Berichteund kleineMitteilungen135
politik notwendig, die darauf ausging, das Wander
arbeitertum allmahlich durch ein Stammarbeitertum
zu ersetzen, also auf eine bewufiteUmsiedlungspolitik
hinzustreben. Das istbereits in hohem Mafic gelungen:
die neu angesiedelte Stammarbeiterschaft tragt bereits
zu guten Teilen den Betrieb der Pflanzungen, und das
Wanderarbeitertum
nur
reguliert
den
16. Trezenem,
E. und Jembezat,
B.: L'Afrique
?quatoriale
Paris
1950.
franfaise. Le Cameroun.
17. Weiler, C;
des britischen Man
Wirtschaftsgeographie
dates Kamerun.
Der Tropenpfl.
1933.
ALTE UND NEUE
FORMEN
FLURBILD DES
ENDMORANENBEREICHES
SUDLICH
VON MONCHEN
Spitzenaus
gleich. Der Wirtschaftskern Britisch-Kameruns hebt
sich damit von den meisten der iibrigenWirtschafts
kerne Tropisch-Afrikas bedeutsam ab, er hat den Sta
tus einerKunstschopfung, der derMehrzahl von ihnen
noch immer anhaftet, bereits iiber
wundeh, er ist ge
wissermafien
konnte
und
eingewurzelt
?
als
wenigstens
kann
geschlossenes,
nun
?
tra
gendesWirtschaftsgebiet weiter wachsen, als ein Er
gebnis echter, produktiver, nicht blofi ausbeutender
KolonisatiOn. Die Kameruner Pflanzerschaft hat da
mit ein Ziel gewiesen, das iiberall im tropischenAfrika
angestrebt werden sollte, und sie hat zugleich gezeigt,
dafi eine solche Entwicklung sogar ohne staatliche
Hilfe oder gar staatlichen Druck moglich ist einfach
dadurch, dafi man dem eingeborenen Arbeiter Ar
beitsbedingungen anbietet, die ihm eine seinerMen
tilitat und seinemKulturstand entsprechende Lebens
weise, eine gesicherteExistenz und Zugleich auch eine
Hebung seines Lebensstandards und ein Vorankom
men inAussicht stellen.
Literatur
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de
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des Statisti
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tionduCameroun
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Government
by His Majesty's
of Great Britain and Northern
Ireland to
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Nations
Assembly
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of the Cameroons
under Unit
..
ed Kingdom
for the year.
trusteeship
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1949.
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Neuzeitliche
bleme einer tropischen Kolonie.
Christoph Borcherdt
Mit 3 Abbildungen
oder
sich selber
tropischen
d'Outre
Verwaltungspro
Berlin
1937.
IM
Old and new featuresin thefieldpattern of the terminal
zone
moraine
south of Munich.
The paper deals with some
Summary:
peculiar
examples
of ?Gewannfluren"
in the area
of
south
(open fields)
Munich
owe
which
to historical
their
distinctiveness
it als6
raises
the question
reasons;
of hedgerows
and
arose in response to the technical
fences. These
requirements
of the agricultural
system, and as late as the early 19th
a decisive
century made
imprint on the rural scene. In
to be marked
this respect there appear
contrasts between
the conditions
found in South Bavaria
and those in South
the extent of
the author discusses
Finally
Wiirttemberg.
or j^echselwirtschaft"
?EgartenwirtschafV'
(a ley farming
with long leys) both as it existed at the beginningof the
at the present
19th century and as it does
day. These
to a future classification
suggest an approach
phenomena
within
the broad
of systematic
framework
agricultural
geography.
Haufenwegedorfer mit schmalstreifigen, geradezu
typischen Gewannfluren sind im Bereich der Miin
chener Schotterebene keine Seltenheit. Das siidlich an
schliefiendeMoranengebiet aber mit seinen gegen den
zu rasch ansteigenden Niederschlagen
Alpenrand
schildertman haufig als eine Gegend der Kleinsied
lungen und Blockfluren mit iiberwiegenderGriinland
bewirtschaftung.Das trifftjedoch zumindest fiir den
breiten Endmoranengurtel siidlich von Munchen noch
nicht
Eine
zu.
grofie Anzahl
von
. ..
teilweise
ing-Orten,
mit
Reihengraberfunden, kennzeichnet diesen Bereich als
baiwarisches Altsiedelland aus der Landnahmezeit.
Zahlreiche andere Ortsnamengruppen und die friihe
urkundliche Erwahnung jener Siedlungen erweisen
weiterhin, dafi das Endmoranengebiet schon am Ende
der Ausbauzeit vollstandig besiedelt war. Auch hier
herrschte im Mittelalter und in der friihenNeuzeit
das Haufenwegedorf bei weitem vor. Erst im 19. Jahr
hundert haben verschiedene Siedlungsneugriindungen
zu einem zahlenmafiigen Gleichgewicht zwischen Dorf
und Kleinsiedlungen gefiihrt. Freilich, die grofie Ge
markung, die man vielfach zum Beweis fiir das hohe
Alter
ernes
...
ing-Ortes
heranzieht,
fehlt
in diesem
Bereich bei fast samtlichenOrten. Es sind jedoch die
bewegten Formen des Moranengebietes, die nur die
Anlage kleinerer Dorfer mit kleineren Markungen
zuliefien. Felder und Wiesen
der einzelnen Orte
liegen ja noch heute weitgehend zusammenhangend
gleich neben der Siedlung auf einem flacheren Ge
landestreifen
zwischen
den Moranenwallen,
wahrend
sich driiben in der nachsten Mulde bereits die Acker
des Nachbardorfes erstrecken. Dazwischen aber lie