münchen - Münchner Stadtmuseum

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münchen - Münchner Stadtmuseum
2014 -15 | Heft 27
münchen
Stummfilmtage
Samuel Fuller
Percy Adlon
Erster Weltkrieg
Frank Wedekind
Filmstadt München
Rumänisches Filmfestival
Film und Psychoanalyse
Mode und Film
Peter von Bagh
Das Erinnern weitertragen
Max Mohr
Alain Resnais
Laurel & Hardy
FilmWeltWirtschaft
Eintrittspreise
4 € (3 € für MFZ-Mitglieder). Ab 120 Minuten Filmlänge oder mit Gästen: 1 € Aufschlag. Ab 180 Minuten,
mit Live-Musik oder bei 3D: 2 € Aufschlag. Die Kasse
öffnet jeweils 60 Minuten vor und schließt 30 Minuten
nach Beginn der Vorstellung. Bei allen öffentlichen
Veranstaltungen verbleibt ein Kartenkontingent für den
freien Verkauf an der Abendkasse.
Kartenreservierung
Kartenreservierungen sind bis zu vier Wochen im voraus möglich und können unter der Telefonnummer
089 / 233 96450 auf Band gesprochen werden. Vorbestellte Karten müssen bis 20 Minuten vor Vorstellungsbeginn an der Kasse abgeholt worden sein, ansonsten
verfällt die Reservierung.
Kartenvorverkauf
Karten können bis zu vier Wochen im voraus gekauft
werden. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass unmittelbar vor Vorstellungsbeginn bei starkem Besucherandrang kein Kartenvorverkauf erfolgt. Karten behalten
ihre Gültigkeit nur bis Vorstellungsbeginn. An der
Abendkasse können vorverkaufte Karten bis 20 Minuten
vor Vorstellungsbeginn gegen Kostenerstattung wieder
zurückgegeben werden.
Programmabonnement
Das Kinoprogrammheft und unseren Newsletter können Sie unter www.muenchner-stadtmuseum.de/film
kostenlos abonnieren. Das Programmheft wird an
Mitglieder des MFZ auf Wunsch kostenlos versandt.
Ansonsten bitten wir um die Zusendung eines adres-
sierten und mit 1,45 € frankierten DIN A5-Briefumschlages an die Adresse des Filmmuseums. Den
täglich aktualisierten Spielplan finden Sie auch auf
Twitter: @filmmuseummuc.
Mitgliedschaft
Wer sich für die Arbeit des Filmmuseums interessiert,
kann Mitglied im Verein der Freunde des Filmmuseums
München, dem Münchner Filmzentrum e.V. (MFZ) werden. Mitgliedsanträge sind an der Kinokasse erhältlich.
Der Jahresbeitrag beträgt 20 € und berechtigt zum
ermäßigten Eintritt ins Filmmuseum sowie zur Teilnahme an den Mitgliederversammlungen des MFZ, in
denen die Programmplanungen des Filmmuseums diskutiert und Projekte entwickelt werden. Weitere
Informationen erhalten Sie unter Tel. 0177 / 728 46 81
und www.muenchner-filmzentrum.de.
Rollstuhlfahrer / Hörgeschädigte
Der Kinosaal im Untergeschoss ist über einen Aufzug
für Rollstuhlfahrer zugänglich. Die Behindertentoilette
befindet sich im Untergeschoss neben dem Kinoeingang. Das Kino ist mit einer Induktionsschleife für Hörgerätebesitzer ausgestattet.
Saalmikrofon
Das Kino verfügt über ein Saalmikrofon zur Kontrolle
des Kinotons durch die Filmvorführer.
Verkehrsverbindung
Sie erreichen das Filmmuseum in 5 Gehminuten vom
U/S-Bahnhof Marienplatz oder in 7 Gehminuten vom
U-Bahnhof und der Trambahnhaltestelle Sendlinger Tor.
Mitgliederversammlungen des Münchner Filmzentrums e.V. (MFZ)
Die für alle Interessierten öffentlichen Mitgliederversammlungen des Fördervereins des Filmmuseums finden
einmal im Monat montags um 19 Uhr im Gotischen Zimmer des Ignaz-Günther-Hauses (St.-Jakobs-Platz 20,
80331 München, 1. Stock) statt. Termine: 22. September 2014, 13. Oktober 2014, 10. November 2014,
15. Dezember 2014, 19. Januar 2015, und 9. Februar 2015. Informationen: [email protected]
»Open Scene« am Donnerstag
Die Termine am Donnerstag sind teilweise für aktuelle Sonderveranstaltungen reserviert. Das Programm wird spätestens acht Tage vorher festgelegt und in den Schaukästen an der Kinokasse, im E-Mail-Newsletter, unter
www.muenchner-stadtmuseum.de/film/open-scene.html, auf Facebook, auf Twitter und durch Ankündigungen in
der Tagespresse bekannt gegeben.
Impressum
Landeshauptstadt München. Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum, St.-Jakobs-Platz 1, 80331 München,
089/233 20538, Email: [email protected] · Redaktion: Stefan Drößler, Claudia Engelhardt, Christoph
Michel, Klaus Volkmer · Gestaltung: Heiner Gassen, München · Druck: BluePrint AG, München
Homunculus, Adlon, Fuller, Mode und Film, Resnais
Wie jedes Jahr eröffnet eine Auswahl mit Filmen von den Internationalen
Stummfilmtagen in Bonn das Programm nach der Sommerpause. In diesem
Jahr gibt es eine kleine Sensation: Das sechsteilige Serial HOMUNCULUS
von 1916 gilt als ein Meilenstein des deutschen Kinos, das Elemente des
phantastischen Films mit expressiven Bildern von Zerstörungen verbindet,
die die Erfahrung des Ersten Weltkriegs widerspiegeln. Seit Jahrzehnten gilt
der Film als verloren, nur Fragmente sind hier und dort zu sehen gewesen.
Seit einigen Jahren versucht das Filmmuseum, den Film zu rekonstruieren,
und wird nun eine Arbeitsfassung der Arbeit vorführen.
MEIN MÜNCHEN nannte Percy Adlon 2000 eine Reflexion über seine Heimat,
die er von seinem Wohnort in Los Angeles aus immer noch regelmäßig besucht. In München hat er viele Jahre lang Reportagen und Essayfilme für das
Bayerische Fernsehen hergestellt, bevor er zum Kinofilm wechselte und mit
OUT OF ROSENHEIM einen weltweit erfolgreichen Hit landete. Die erste umfangreiche Werkschau seiner Arbeiten zeigt Klassiker in neu restaurierten
Fassungen, aber auch manches Vergessenes und Unbekanntes. Zu entdecken ist ein vielschichtiges Werk, das von großer Liebe zu den porträtierten Menschen geprägt ist und gerne Tragisches, Komisches, Feines und
Groteskes miteinander verbindet.
Samuel Fuller ist den umgekehrten Weg gegangen: Er begann in Hollywood,
wurde in den 1960er Jahren von den französischen Kritikern als auteur entdeckt und drehte seine späten Filme in Europa. Manche seiner Arbeiten sind
nur schwer zugänglich, andere, wie seine furiosen CinemaScope-Filme der
1950er Jahre, müssen unbedingt auf der großen Leinwand gesehen werden. In der Retrospektive sind zwei Werke erstmals in Deutschland zu sehen:
der Dokumentarfilm A FULLER LIFE seiner Tochter Samantha und der
Director’s Cut seines legendären Beitrags zur deutschen TATORT-Serie, der
1973 nur in einer stark geschnittenen Form ausgestrahlt wurde.
Mode und Film ist ein komplexes Thema, das auf vielfältige Weise miteinander verquickt ist. Die von Christin Losta initiierte Filmreihe zeigt Beispiele
wichtiger Kostümdesigner, die mit ihren Arbeiten Filme, Stile und Trends
geprägt haben. L’ANNÉE DERNIÈRE À MARIENBAD mit den Kostümen von
Coco Chanel ist einer der ausgewählten Filme. Er entstand in München in
den Schlössern Nymphenburg und Schleißheim unter der Regie von Alain
Resnais, der am 1. März 2014 verstorben ist. Zwei Wochen zuvor war sein
letzter Film AIMER, BOIRE ET CHANTER auf der Berlinale mit dem AlfredBauer-Preis »für einen Film, der neue Perspektiven der Filmkunst eröffnet«,
ausgezeichnet worden. In der Retrospektive sind erstmals auch die frühen
Privatfilme von Resnais zu sehen.
Dies sind nur einige Hinweise auf Angebote des neuen Programms. Wie
immer gibt es noch vieles andere zu entdecken, von Vorträgen zu Filmen
über den Ersten Weltkrieg, Begegnungen mit neuen rumänischen Filmen
und ihren Autoren über die Komiker Stan Laurel und Oliver Hardy in unverfälschten Originalfassungen ihrer Filme bis hin zu Diskussionen mit Zeitzeugen, die »das Erinnern weitertragen«. Wir hoffen, dass unser Programmheft Ihr Interesse für anregende und spannende Kinoabende und schöne
Filmerlebnisse weckt!
Ihr Filmmuseum
3 Stummfilmtage . . . .
6 Samuel Fuller . . . .
16 Percy Adlon . . . .
27 Erster Weltkrieg . . . .
35 Frank Wedekind . . . .
39 Filmstadt München . . . .
40 Underdox . . . .
41 Rumänisches Filmfestival . . . .
45 Film und Psychoanalyse . . . .
47 Mode und Film . . . .
53 Peter von Bagh . . . .
57 Kommunale Kinos . . . .
58 Das Erinnern weitertragen . . . .
60 Zuschauerkino . . . .
61 Max Mohr . . . .
64 Alain Resnais . . . .
72 Laurel & Hardy . . . .
80 FilmWeltWirtschaft . . . .
81 Kalenderübersicht . . . .
R = Regie · B = Drehbuch · K = Kamera · M = Musik · S = Schnitt ·
D = Darsteller · P = Produktion ·
OF = Originalfassung · OmU = Originalfassung mit deutschen Untertiteln · OmeU = Originalfassung mit
englischen Untertiteln · OmfU = Originalfassung mit französischen Untertiteln · OmÜ = Originalfassung mit
deutscher Übersetzung · dtF = deutsche Synchronfassung · © = Copyright · \ = Livemusikbegleitung
Rückblick
21. Februar 2014: Niklas Frank, Interviewpartner in Chanoch Zeevis Dokumentarfilm HITLER’S CHILDREN, zu Gast bei der Aufführung und Diskussion des Films im Rahmen der Reihe »Erblast NS«.
13. März 2014: Christian Wagner im Gespräch mit Jochen Kuhn,
nachdem er auf Einladung der Sammlung Goetz im Filmmuseum
seine Kurzfilmreihen NEULICH und SONNTAG vorgestellt hat.
5. Mai 2014: Stefan Drößler stellt auf dem FIAF-Kongress in Skopje im Rahmen seines Vortrags »References of the Great War in
German Feature Films« Rekonstruktionen des Filmmuseums vor.
15. Mai 2014: Moritz Holfelder identifiziert die Mitwirkenden auf
dem Erinnerungsfoto zu seinem Radio-Feauture KUROSAWA 86 –
DAS LETZTE FAMILIENTREFFEN DES NEUEN DEUTSCHEN FILMS.
22. Mai 2014: Michael Snow spricht mit Peter Zeitlinger nach der
Vorführung seines dreistündigen Klassikers LA REGION CENTRALE
(1971) im Rahmen der Underdox-Halbzeit.
6. Juli 2014: Josef Bierbichler stellt zum 120. Geburtstag von
Oskar Maria Graf seinen Film TRIUMPH DER GERECHTEN aus dem
Jahr 1987 vor, bei dem er Regie geführt hat.
Stummfilmtage
Internationale Stummfilmtage
THE SEA HAWK
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Das Filmmuseum München beginnt sein neues Programm traditionsgemäß mit einer Auswahl von seltenen und neu rekonstruierten Stummfilmen aus dem
Programm der »Bonner Stummfilmtage«, des größten
deutschen Stummfilmfestivals. Zur Aufführung gelangen die besten Kopien der jeweiligen Filme, oft wertvolle Unikate, für die namhafte Stummfilmmusiker
neue Musikbegleitungen ausarbeiten und live einspielen. Die einzelnen Filme werden ausführlicher auf der
Website www.internationale-stummfilmtage.de und in
einem Programmheft vorgestellt, das an der Kinokasse
ausliegt.
Die Auswahl für das Programm des Münchner Filmmuseums konzentriert sich auf Raritäten, die in München
noch nicht zu sehen waren. Es sind sehr unterschiedliche Filme aus verschiedenen Ländern und Kontinenten,
die die Vielfältigkeit und hohe Qualität des Stummfilmschaffens dokumentieren. Die meisten Filmkopien sind
das Ergebnis aufwändiger Restaurierungsarbeiten der
internationalen Filmarchive, die in der FIAF (Fédération
Internationale des Archives du Films) zusammengeschlossen sind und zu deren Mitgliedern auch das Film-
museum München zählt. Zu den Höhepunkten des diesjährigen Programms gehören zwei seltene Stummfilme
aus China und die Premieren zweier neuer Restaurierungen: Die tschechische Komödie MILENKY STARÉHO
KRIMINÁLNÍKA (DIE BRÄUTE DES ALTEN GAUNERS) ist
erstmals in einer chemisch eingefärbten Filmkopie und
Ernst Lubitschs Tonfilmmusical MONTE CARLO in der
parallel hergestellten stummen Version zu sehen. Eröffnet wird das Programm mit der Präsentation eines Langzeitprojekts des Filmmuseums München: Das verlorene
legendäre Filmserial HOMUNCULUS wird in einer rekonstruierten Arbeitskopie gezeigt.
Stefan Drößler
Homunculus | D 1916 | R: Otto Rippert | B: Robert Reinert | K: Carl Hoffmann | D: Olaf Fönss, Friedrich Kühne,
Lore Rückert, Lia Borré, Aud Egede Nissen | 196 min |
Die sechsteilige Serie HOMUNCULUS, in der ein künstlich geschaffener Mensch vergeblich Liebe sucht und
dann voller Hass Zerstörung über die Welt bringt, gehört zu den großen Werken des deutschen Stummfilms,
die als verloren gelten. In ihr werden Motive der Frankenstein-Geschichte und unmittelbare Erfahrungen der
Stummfilmtage
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Katastrophe des Ersten Weltkriegs verarbeitet und Formen und Motive des expressionistischen Films der
1920er Jahre vorweggenommen. Im Finale steht Homunculus sich selbst gegenüber: Einem zweiten künstlichen Menschen, der geschaffen wurde, um den ersten zu vernichten. In jahrelanger Arbeit hat das Filmmuseum München Filmfragmente, Dokumente und Fotos
gesammelt und kann erstmals eine Rekonstruktion
aller sechs Teile präsentieren.
▶ Donnerstag, 4. September 2014, 19.00 Uhr | LiveMusik: Richard Siedhoff
Huoshan Qingxue (Das Blut der Liebe) | China 1932
| R+B: Sun Yu | K: Ke Zhou | D: Zheng Junli, Li Lili , Tan
Ying, Tan Tianxiu, Liu Jiqun | 118 min | OmeU | Der
erste Teil des Films schildert das Leben einer chinesischen Bauernfamilie, die sich dagegen wehrt, dass der
Neffe des lokalen Machthabers die hübsche Tochter zu
seiner Konkubine macht, und daran zugrunde geht.
Jahre später auf einer indonesischen Insel findet der
Sohn der Familie Gelegenheit, sich für das erlittene Unrecht zu rächen – auf einem gerade ausbrechenden
Vulkan. Das Finale des elegant inszenierten Melodrams
ist in die Filmgeschichte eingegangen. Regisseur Sun
Yu arbeitet zum ersten Mal mit seinem Star Li Lili zusammen, die als Tänzerin in einer Hafenbar dem Protagonisten den Kopf verdreht. Er setzt auch das erste Mal
in einem chinesischen Film einen Kamerakran ein, der
ihm ungewöhnliche Kamerabewegungen in den Szenen in der Hafenbar erlaubt.
▶ Freitag, 5. September 2014, 18.30 Uhr | Live-Musik:
Richard Siedhoff
Die Entdeckung Wiens am Nordpol | Österreich
1923 | R+B: Peter Eng | 8 min | Skurriler Zeichentrickfilm aus Österreich: »Selbst der läppischste Lappe reist
zur Wiener Messe«. – Den starkaste (Der Stärkste) |
Schweden 1919 | R+B: Axel Lindblom, Alf Sjöberg | K:
Axel Lindblom | D: Sivert Brækemo, Bengt Djurberg,
Gösta Gustafson, Gun Holmqvist, Anders Henrikson |
106 min | OmU | Zwei Männer fahren auf Schiffen in
die Arktis und sind nicht nur Rivalen bei der Jagd auf
Robben und Eisbären, sondern auch im Werben um die
Gunst der Tochter des Besitzers eines der Schiffe. Der
wenig bekannte Debütfilm von Alf Sjöberg, der zusammen mit Kameramann Axel Lindblom Regie führte und
in den 1950er Jahren mit seinen Filmen Weltruhm erlangte, besticht durch eindrucksvolle authentische Aufnahmen von der Jagd im Boot und auf Eisschollen.
▶ Freitag, 5. September 2014, 21.00 Uhr | Live-Musik:
Joachim Bärenz
The Sea Hawk (Die Seeteufel) | USA 1924 | R: Frank
Lloyd | B: J.G. Hawks, nach dem Roman von Rafael
Sabatini | K: Norbert F. Brodin | D: Milton Sills, Enid
Bennett, Lloyd Hughes, Wallace Beery, Mark MacDermott | 123 min | OF | Aufwändiger Abenteuerfilm nach
dem 1915 veröffentlichten Roman »The Sea Hawk«
(Der Seehabicht. Ein Piratenroman) von Rafael Sabatini:
Ein Engländer wird von seinem Bruder verraten und landet als Sklave auf einer spanischen Galeere. Als diese
von nordafrikanischen Piraten geentert wird, startet er
als Pirat einen Rachefeldzug. Gedreht auf einem echten Schiff auf offener See, setzte der Film Maßstäbe,
die lange Zeit kein anderer historischer Abenteuerfilm
mehr erreichen sollte – angeblich wurden Aufnahmen
vom Entern anderer Schiffe noch zur Tonfilmzeit auch
in anderen Filmen verwendet. Die restaurierte Filmkopie dieses Blockbusters der Stummfilmzeit besitzt
neben den originalen Einfärbungen noch handkolorierte
Effekte.
▶ Samstag, 6. September 2014, 18.30 Uhr | Live-Musik:
Richard Siedhoff
Flaming Fathers (Aufregung am Strand) | USA 1927
| R: Leo McCarey | B: Hal Roach | D: Max Davidson,
Martha Sleeper, Tiny Sandford, Lilian Leighton, Eddie
Clayton | 25 min | OF | Bei einem Sonntagsausflug an
den Strand versucht ein Familienvater zu verhindern,
dass sich seine Tochter und ihr Freund zu nahe kommen. – Battling Butler (Buster Keaton, der Boxer) |
USA 1926 | R: Buster Keaton | B: Paul Gerard Smith, Al
Boasberg, Charles H. Smith, Lex Neal, nach dem Theaterstück von Stanley Brightman und Austin Melford |
K: J. D. Jennings, Bert Haines | D: Buster Keaton, Snitz
Edwards, Sally O’Neil, Walter James, Bud Fine | 77 min
| OF | Buster Keaton als verwöhnter Millionär macht
einen Ausflug aufs Land, um dort zu jagen und zu
fischen, ohne auf seinen gewohnten Luxus inklusive
▶ Samstag, 6. September 2014, 21.00 Uhr | Live-Musik:
Joachim Bärenz und Christian Roderburg
Shennü (Die Göttin) | China 1934 | R+B: Wu Yonggang | K: Hong Weilie | D: Ruan Lingyu, Zhang Zhizhi,
Li Keng, Li Junpan, Jian Tian | 73 min | OmeU | Im
alten China nannte man die Straßenmädchen »Göttinnen«. Der Titel des Films, der als Meisterwerk des chi-
nesischen Stummfilms gilt, bezieht sich auf eine alleinerziehende Mutter, die sich in der Anonymität der Großstadt prostituiert, um ihrem Sohn ein besseres Leben
zu ermöglichen. Trotz aller Anstrengungen und Erniedrigungen gelingt es ihr nicht, ihm in der Schule Achtung zu verschaffen. Als sie mit ihm die Stadt verlassen
will, stellt sie fest, dass ihr Zuhälter ihr gesamtes Geld
verspielt hat. Die Schauspielerin Ruan Lingyu, die in
der Titelrolle brilliert, nahm sich ein Jahr nach Fertigstellung des Films im Alter von nur 24 Jahren das
Leben und wurde zur chinesischen Leinwandlegende.
▶ Sonntag, 7. September 2014, 18.30 Uhr | Live-Musik:
Joachim Bärenz
Africa Before Dark (Oswald in Afrika) | USA 1928 |
R+B: Walt Disney | K: Mike Marcus | 6 min | dtF | Oswald the Lucky Rabbit war der titelgebende Star von
Walt Disneys erster reiner Zeichentrickfilmserie. In
einem surrealen Dschungel sind alle Gesetze der
Schwerkraft und Logik aufgehoben. – The Lodger
(Der Schrecken von London) | GB 1927 | R: Alfred
Hitchcock | B: Eliot Stannard, nach dem Roman von
Marie Belloc Lowndes | K: Gaetano di Ventimiglia | D:
Ivor Novello, June, Malcolm Keen, Marie Ault, Arthur
Chesney | 90 min | OF | London wird von einer Mords-
erie erschüttert, der Frauen mit blonden Locken zum
Opfer fallen. Geschickt nutzt Hitchcock die Atmosphäre
der Angst und der Bedrohung, um seine Geschichte
um eine Tänzerin, ein älteres Ehepaar, einen ambitionierten Polizisten und einen geheimnisvollen Mieter zu
erzählen. Zum ersten Mal entwickelt Hitchcock die
Motive, die ihn berühmt machen sollten. Gezeigt wird
die neue Restaurierung des BFI National Archive.
▶ Sonntag, 7. September 2014, 21.00 Uhr | Live-Musik:
Christian Roderburg
Milenky starého kriminálníka (Die Bräute des alten
Gauners) | ČSR 1927 | R: Svatopluk Innemann | B:
Elmar Klos, Josef Skruzný | K: Otto Heller | D: Vlasta Burian, Anny Ondra, Jan W. Speerger, Emilie Nitschová,
Jirí Hron | 108 min | OmU | Anny Ondra und Burian
waren die unumstrittenen Stars des tschechischen
Stummfilms. In dieser turbulenten Verwechslungskomödie spielen sie beide zusammen: Burian gibt sich
als Schlossherr aus, um seinem Neffen einen Freundschaftsdienst zu erweisen, und gerät an die überaus
fesche Anny Ondra, die mit ihrem Auto in Höchstgeschwindigkeit durch die Gegend rast und sich von
niemandem etwas sagen lässt. Als die verlassene Ehefrau von Burian auftaucht, überschlagen sich die Ereignisse. Die aus verschiedenen Ausgangsmaterialien rekonstruierte Filmkopie wurde 2014 gemäß originalen
Vorlagen nach einem Verfahren szenenweise eingefärbt, das Jan Ledecký entwickelt hat.
▶ Dienstag, 9. September 2014, 21.00 Uhr | Live-Musik:
Günter A. Buchwald
Monte Carlo | USA 1930 | R: Ernst Lubitsch | B: Ernest
Vajda, nach dem Theaterstück »Die blaue Küste« von
Hans Müller und der Operette »Monsieur Beaucaire«
von Booth Tarkington und Evelyn Greenleaf | K: Victor
Milner | D: Jeanette MacDonald, Jack Buchanan, Claud
Allister, ZaSu Pitts, Tyler Brooke | 73 min | OF | Ernst
Lubitschs berühmter zweiter Tonfilm ist ein frivoles
Filmmusical um eine schöne Gräfin, die vor einer arrangierten Hochzeit mit einem Prinzen flieht und ihr letztes
Geld im Casino verspielt. Aus ihrer Not hilft ihr ein Friseur, der sich in sie verliebt, den sie aber hochnäsig
missachtet. Erst sehr viel später erfährt sie seine wahre
Identität. Da man in Hollywood die Dialoge und Lieder
nicht in andere Sprachen synchronisieren wollte, wurde
für Europa eigens eine stumme Fassung hergestellt.
Diese wurde von der Library of Congress für das Bonner Stummfilmfestival rekonstruiert.
▶ Mittwoch, 10. September 2014, 21.00 Uhr | Live-
Musik: Günter A. Buchwald
Stummfilmtage
Butler zu verzichten. Als er sich in die sportliche Tochter eines boxbegeisterten Farmers verliebt, lässt er sich
von seinem Butler als amtierender Boxweltmeister ausgeben.
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Samuel Fuller
Retrospektive Samuel Fuller
Samuel Fuller bei den Dreharbeiten zu WHITE DOG
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»Ihr habt noch gar nichts gesehen.« Eine Samuel Fuller
Retrospektive hat ihre eigenen Gesetze. Wenn man die
Filme hat, die großen Studio-CinemaScopefilme der
Fünfziger, dann den langen THE BIG RED ONE von
1980, in der rekonstruierten Fassung von 2004 – die
natürlich nicht die ursprünglichen sechs Stunden dauert –, wenn man in dem Film FALKENAU THE IMPOSSIBLE von Emil Weiss Aufnahmen hat, die Fuller als Soldat im Zweiten Weltkrieg machte, von der Befreiung
des gleichnamigen KZ, wenn man Fuller vor der Kamera von Wenders sieht – dann hat man bei aller Fülle
und aller Dynamik nicht einmal den halben Fuller. Stärker als bei seinen Hollywoodkollegen streckt sein Werk
sich ins Virtuelle hinaus, das Ausgedachte und Ungedrehte überwuchert das realisierte Werk, zu jeder Zeit
seines Lebens. Story- und Filmideen sprudelten bei
ihm mit einem aberwitzigen Tempo hervor, jedes Interview ist randvoll damit, zu allem fällt ihm was ein, jeder
Satz gewissermaßen ein neues Projekt, jede Geschichte, von der er berichtet, ist bereits als Film präsent.
Sein Leben hat mehr Stoff enthalten, als er in Filmen je
hätte unterbringen können. Fuller filmt, wie später der
junge Kollege Godard von der Nouvelle Vague, der ihn
höchst verehrte, selbst wenn er keine Filme macht.
Die berühmteste Kinoformel stammt von ihm, tausendfach zitiert, das gesamte Kino umfassend. Was das
Kino sei, exactement, wird in einer Party-Szene in
Godards PIERROT LE FOU der kleine Amerikaner gefragt, der mit schwarzer Sonnenbrille auf der Nase und
Zigarre im Mund an der Wand lehnt, er spricht kein
Französisch und ist vom Partygelaber daher ungerührt.
Sam Fuller, als amerikanischer Filmregisseur, in Paris,
um einen Film zu drehen, THE FLOWERS OF EVIL. Und
er hat eine knappe Definition parat für Belmondo: »Film
is like a battleground. Love. Hate. Action. Violence.
Death. In one word: Emotions.«
Samuel Fuller, 1912 bis 1997. Geboren als Samuel
Rabinovitch in Worcester, Massachusetts, seine Eltern
kamen aus Russland und Polen. Schon im Teenageralter arbeitete er als Kriminalreporter, auf den Straßen
und in den Leichenhäusern von New York, da hat er
gelernt schnell zu sein und die Sachen auf den Punkt
zu bringen. Später schlug er sich, in der Depression,
quer durch die USA durch, unter Obdachlosen und
Hobos, die Schreibmaschine auf den Rücken geschnallt. Bald schrieb er für Hollywood, die großen
Filmemacher fragten Drehbücher an bei ihm, als Amerika dann in den Krieg eintrat, meldete er sich zum
Dienst. Zog als einfacher Infanteriesoldat durch Afrika
und Europa, mit der Big Red One, der Einheit, die in
vielen seiner Filme auf irgendeine Art präsent sein wird
und deren Geschichte er in den Siebzigern erst in
Samuel Fuller
war die große Zeit des CinemaScope, und das hat auch
das Kino von Sam Fuller verändert – nicht ins Monumentale, wie bei den meisten anderen Regisseuren,
sondern ins Ornamentale. Ornamente der Psyche, von
Obsessionen und Neurosen choreografiert. Ganz radikal war er in FORTY GUNS, einer irrwitzigen Geschichte
vom Großrancherkapitalismus in Amerika, Barbara
Stanwyck als Herrscherin über vierzig Gunmen. Ein
»Western-Musical«, die Glanznummer ist der Song von
der »High Ridin’ Woman with a Whip«. Film an Film hat
er gemacht, viele written, produced and directed by
Sam Fuller. Kriegsfilme bevorzugt, dann Gangster- und
Kriminalfilme, den einen oder anderen Western, einen
U-Boot-Film mit Richard Widmark. Filme über kleine
Teams und Gruppen, die das Zusammenarbeiten lernen müssen oder neue Solidaritäten erproben. Auf
fremdem Terrain, oder weil sich, durch historische brutale Einschnitte, die Bedingungen geändert haben.
Nachkriegsfilme zum Beispiel, RUN OF THE ARROW,
über einen Iren, der nach dem Ende des Bürgerkriegs
nicht klar kommt im Süden mit seinem Hass, und deshalb in die Wildnis, zu den Sioux geht. Und VERBOTEN!,
über die Amerikaner im besetzten Nachkriegsdeutschland, die gegen das Misstrauen der Bevölkerung kämpfen und gegen die aufgehetzten jungen Werwölfe. Zu
den berühmten Klängen von Beethovens Fünfter treiben anfangs die GIs den Krieg seinem Ende entgegen.
»Beethoven zieht mich ins Imaginäre, durch sein Gespür für Timing«, sagt Fuller. Er hat den verehrten Meister in so gut wie jedem seiner Filme untergebracht.
Man hat Fuller, auch solcher romantischer Genie-Idolatrie wegen, einen Naiven genannt, halbgebildet und
archaisch. Den jungen Franzosen von den Cahiers du
cinéma und später der Nouvelle Vague hat imponiert,
wie er nie Partei ergriffen hat, alles von jeder Seite her
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FORTy GUNS
einem Buch, dann in einem Film erzählt hat. Das Projekt seines Lebens. Das Zweite-Weltkriegs-Geschehen
damals bestimmt den Drive seiner Erinnerungen, seiner Filme.
Nach dem Krieg gab es weiter Drehbucharbeit in Hollywood, knallhart, kompromisslos. Und immer bereit, irgendwann auch die Regie zu übernehmen. Das tat er
dann für den unabhängigen Produzenten Robert Lippert, I SHOT JESSE JAMES. Eine Westerngeschichte,
hinterrücks erzählt. Was vom Helden Jesse James
übrig blieb, nachdem er erschossen wurde, und was
aus seinem Mörder, dem Feigling Robert Ford, wurde.
Wildwest-Psychoanalyse: »One thing I love about Freud
– the idea of a man who experiments, who plays with
the emotion of a mind. With something invisible.«
Was danach noch passierte, hat Fuller immer interessiert, RUN OF THE ARROW beginnt mit dem letzten Tag
des Bürgerkriegs, WHITE DOG erzählt von einem Hund,
der dressiert wurde Schwarze zu attackieren – er soll
getötet werden, aber dann versucht einer ihn umzuerziehen.
Samuel Fuller hat immer Filme unter Hochdruck gemacht, und seine Vorstellungen vom Tempo, wie ein
Film entstehen soll und wie schnell er ablaufen muss,
sind von der Zeit geprägt, als wilde Schlagzeilen und
turbulente Extras die Kommunikation am Laufen hielten. Genial sind in Fuller-Filmen die Kurzschlüsse, die
man als Absurdität erklären könnte oder auch als
Schicksalhaftigkeit: »Wenn du stirbst, bring ich dich
um«, herrscht ein Sergeant einen seiner Soldaten an.
Oder: »Vom Krieg einen Eindruck geben im Kino«, sagt
Fuller, »kann man nur, indem man im Saal auf die Zuschauer schießt.«
In den Fünfzigern hat Fuller bei der reichen Fox ein
paar Jahre lang unglaubliche Unabhängigkeit erlebt, es
an der Macht. Vom Vietnamkrieg wird Fuller nicht erzählen, der ist nur schattenhaft präsent in seinen letzten Filmen.
SHOCK CORRIDOR: Konsequent endet das amerikanische Kino im Irrenhaus, dorthin geht ein Journalist freiwillig, der Ehrgeiz treibt ihn, er will den Pulitzerpreis.
Das Haus ist ein Reich des Phantastischen, der Schimären, an denen eine dysfunktionale Gesellschaft laboriert. THE NAKED KISS: Eine Prostituierte entdeckt in
einer Kleinstadt den abartigen Untergrund der Normalität.
»Iron Kiss« sollte der Film ursprünglich heißen, das
meint den Kuss des Pädophilen. Wenn Fuller filmt, wie
Amerika seine Unschuld verliert, zerreißt es einem das
Herz. Constance Towers ist in beiden Filmen, die heimliche Geliebte des unabhängigen Kinos der Sechziger.
Bei den Dreharbeiten zu DEAD PIGEON ON BEETHOVEN STREET
Samuel Fuller
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sehen wollte. Dafür waren ihm die langen, Räume auslotenden, Straßen überquerenden Dolly-Einstellungen
gerade recht. Die Sache mit der Moral, die eine Frage
der Travellings ist. In den Straßen und Pachinko-Stuben von Tokyo treibt es die exilierten Gangster-Amerikaner haltlos herum, in HOUSE OF BAMBOO, Robert
Stack und Robert Ryan, die traurigsten Augen Hollywoods. Mit Fuller ist das anders, schrieb Luc Moullet in
seiner berühmten Studie in den Cahiers, die Domäne
des Absoluten verlassend, schlägt er uns einen Kompromiss vor zwischen der Moral und der Gewalt, jede
von ihnen notwendig, gegen ihre eigenen Exzesse.
Mit dem gewöhnlichen »Loser«-Begriff kommt man
nicht weit bei Fuller. Seine Helden sind Loser aus Prinzip, der Taschendieb Widmark in PICKUP ON SOUTH
STREET, vielleicht der reinste Film Noir, aber gegen
Ende des Genres entstanden, die kleinen Soldatentrupps in FIXED BAYONETS! und THE STEEL HELMET,
die vielen Prostituierten in den Filmen, Frauen, die sich
opfern und hingeben und wissen, es ist ihr Ende. Die
Filme sind dann schnell aufreizend geworden, sie sind
einer Zeit abgetrotzt, die einen Sinn in der Geschichte
nicht mehr entdecken mochte und einem Kino nichts
abgewinnen konnte, das versuchte, diesen Zeitgeist in
Geschichten zu fassen. Sam Fuller fand immer schwerer Arbeit in Hollywood, er schrieb und schwadronierte,
trat selbst vor die Kamera, in Filmen von Wim Wenders,
THE STATE OF THINGS oder THE END OF VIOLENCE.
Fuller stand immer zwischen den Fronten, es hat ihm
Spaß gemacht, wenn man ihn einen Rechten schimpfte
oder einen commie, einen alten Krieger oder einen
Fabulisten.
Fuller war immer zu spät, das heißt die Zeit war aus
den Fugen in seinen Filmen, und die Menschen waren
zu einer Tragik verdammt, die nicht mehr zeitgemäß erschien. Die Drifter in den allerletzten Filmen, teilweise
mit europäischer finanzieller Beihilfe und intellektueller
Konspiration produziert, sind die ultimativen Heimatlosen, nicht mal mehr ein Genre haben sie, in dem sie
unterkommen könnten. »Every Fuller movie«, schreibt
Tag Gallagher, »is a crisis of energy – pacing, trekking,
running – that confronts people with their death or,
worse, their fate. Cowards blame circumstances, braves charge onward, yet the odysseys inspire few moral
choices. Passions decide, not reason.«
In den Sechzigern hatte Fuller zwei Filme gemacht, die
mit brutaler Klarheit den Stand der Dinge durchdeklinieren, den der Gesellschaft, des Kinos, ihrer Helden.
Zwei Grabsteine für das gute alte amerikanische Kino,
SHOCK CORRIDOR und THE NAKED KISS. Der Irrsinn
des Kalten Kriegs geht zu Ende, nun sind die Perversen
Fazit: »Les hommes sont toujours sincères – ils changent de sincérité – voilà tout.« So das Motto von »Dead
Pigeon on Beethoven Street«. Ein Roman, dann ein
Film, fürs Fernsehen gedreht, das deutsche – für die
Serie TATORT, die damals in den ersten Jahren war.
Der Film ist ein Amoklauf gegen die Fernsehkonventionen – und damit den neuesten Versuchen, das TatortGenre ins Extreme zu treiben, unglaublich nahe. Fuller
forever. In seinen späten Filmen wird in karger Schönheit sichtbar, was der Pulp der Philosophie liefert, wie
elegant der eine in die andere umschlägt und zurück.
»Sandy fired his gun through his coat pocket. The bullett slammed into her heart. Christa was dead even before she fell. But on her face, for an astonishing second,
was the horror of the surprise. In that second of shock
and violence there also appeared a softness, an understanding – and love. Sandy knew it was love.«
I Shot Jesse James (Ich erschoss Jesse James) |
USA 1949 | R+B: Samuel Fuller, nach einem Artikel von
Homer Croy in American Weekly | K: Ernest Miller | M:
Albert Glasser | D: Preston Foster, Barbara Britton, John
Ireland, Reed Hadley, J. Edward Bromberg | 81 min | OF
| Fullers erste Geschichte von jenseits der Spiegel, aus
der Perspektive nicht des Helden, sondern des Verräters, der ihn erschoss. Bob Ford verliebt sich in eine
Tänzerin und möchte ihr das bieten, was sie verlangt
vom Leben, aber er ist ein Underdog. Das Geld, das
man ihm zuspricht nach dem Mord an Jesse James,
reicht natürlich nicht und die Leute hassen ihn, weil er
ihren Helden getötet hat. »Ein psychologischer Western,
der mit der traditionellen Klarheit des Genres brach«,
schrieb Nick Pinkerton. »Freud ist ein Forscher, wie
Kolumbus«, sagt Fuller. Statt »Action« zu rufen hat er
am ersten Drehtag einen Colt abgefeuert.
▶ Dienstag, 9. September 2014, 18.30 Uhr ▶▶ Freitag,
12. September 2014, 21.00 Uhr
The Baron of Arizona (Der Baron von Arizona) | USA
1950 | R+B: Samuel Fuller, nach einem Artikel in American Weekly | K: James Wong Howe | M: Paul Dunlap |
D: Vincent Price, Ellen Drew, Beulah Bondi, Vladimir
Sokoloff, Reed Hadley | 97 min | OF | Der zweite Film
für den unabhängigen Produzenten Robert Lippert. Als
er in seiner Jugend Amerika durchforschte, hatte Fuller
die Geschichte von James Addison Reavis, dem falschen Baron, gehört, der auf beiden Seiten gekämpft
hatte im Bürgerkrieg und dann 1880 einen gigantischen Ländereienschwindel aufzog – seine Frau, erklärte er, hätte riesige Flächen noch vom spanischen
König Ferdinand VI geerbt, das gesamte Arizona. Ein
ungewöhnlich unhysterischer Fuller. Vincent Price spielt
den Baron, charmant und durchaus sympathisch, einer
von Fullers sanften Underdogs, die mit ihrem Land
nicht zurecht kommen.
▶ Mittwoch, 10. September 2014, 18.30 Uhr ▶▶ Sams-
tag, 13. September 2014, 21.00 Uhr
The Steel Helmet (Die Hölle von Korea) | USA 1951 |
R+B: Samuel Fuller l K: Ernest W. Miller | M: Paul Dun-
lap | D: Gene Evans, Robert Hutton, Steve Brodie,
James Edwards, Sid Melton | 84 min | OF | Der dritte
Film für Lippert, sein Erfolg machte den großen Darryl F.
Zanuck von der Fox aufmerksam auf Fuller. Es geht um
einen kleinen Infanterie-Trupp an einer Front des Koreakriegs, zehn Drehtage, Außenaufnahmen auf den
Hügeln des Griffith Park vor Los Angeles, ein Budget
von 100.000 Dollar. Der erste Film mit Gene Evans,
ebenfalls ein Veteran des Zweiten Weltkriegs, den Fuller beim Bewerbungsgespräch testete, indem er ihm
plötzlich einen Karabiner zuwarf, den Evans ohne
Schwierigkeiten parierte. Nur wenige Monate nach
Kriegsbeginn war der Film in den Kinos, ein Supererfolg,
auch für Fuller.
▶ Sonntag, 14. September 2014, 21.00 Uhr ▶▶ Diens-
tag, 16. September 2014, 18.30 Uhr
Fixed Bayonets! (Der letzte Angriff) | USA 1951 |
R+B: Samuel Fuller, nach dem Roman »The Immortal
Sergeant« von John Brophy | K: Lucien Ballard | M: Roy
Webb | D: Richard Basehart, Gene Evans, Michael
O’Shea, Richard Hylton, Craig Hill | 92 min | OF | Nochmal Korea, diesmal für die Fox, ein wirklich kalter
Kriegsfilm. Es geht ins Gebirge, in einer verschneiten
Höhle verschanzt sich eine kleine Einheit auf dem Rückzug. Dann wird ihr Leutnant erschossen, einer muss die
Verantwortung übernehmen. Ein komprimierter Fuller,
auf engstem Raum. »Halt, wer da?«, ruft am Ende einer
der Soldaten, das war der junge James Dean.
▶ Freitag, 19. September 2014, 21.00 Uhr ▶▶ Dienstag,
30. September 2014, 18.30 Uhr
Park Row (Eine Zeitung für New York) | USA 1952 |
R+B: Samuel Fuller | K: Jack Russell | M: Paul Dunlap |
D: Gene Evans, Mary Welch, Bela Kovacs, Herbert
Heyes, Tina Rome | 82 min | OF | »Dedicated to American Journalism.« Einer von Fullers Favoriten. Viel
eigenes Geld steckt drin, und er hat alles verloren.
Gene Evans spielt einen Journalisten, der eine eigene
Zeitung gründet, gegen die Übermacht der großen Verleger, und sich in knallharte Kämpfe um die Marktmacht verstrickt sieht. Fuller fusioniert die Genres, den
Reporterfilm mit dem Gangsterfilm, in gewaltigen dynamischen Szenen. «Das Besondere an diesen Szenen«,
erklärt Scorsese, »war die langsame Unerbittlichkeit
der Bewegung der Kamera, die der Energie der Leute
gewaltige Präsenz verlieh. Ich lernte eine Menge aus
diesen Einstellungen für MEAN STREETS und andere
meiner Filme.«
▶ Samstag, 20. September 2014, 21.00 Uhr ▶▶ Mitt-
woch, 1. Oktober 2014, 18.30 Uhr
Samuel Fuller
Ihr habt noch nichts gesehen – was man wirklich gern
von Sam Fuller sehen würde: »I’m crazy about Coppola«, erzählt er in einem Interview mit Gerald Peary.
»›He tested me for the old Jewish gangster and I did it
with Al Pacino. But they thought I wasn’t old enough or
sick enough.‹ Fuller promised me his GODFATHER
screen test the next time I’m in L.A. He has the clipping.«
Fritz Göttler
9
Samuel Fuller
10
Pickup on South Street (Polizei greift ein) | USA
1953 | R+B: Samuel Fuller | K: Joe McDonald | M:
Leigh Harline | D: Richard Widmark, Jean Peters,
Thelma Ritter, Murvyn Vye, Richard Kiley | 80 min |
OmU | Ein Taschendieb, der sich gehörig vergreift. In
einem stickigen vollgepackten Waggon der New Yorker
Subway fischt Richard Widmark der aufregenden Jean
Peters geheime gestohlene Fotonegative aus der Handtasche, ohne das zu ahnen. Nun sind die Bullen und die
commies hinter ihm her, die die Negative stahlen. Ein
hitziges Katz-und-Maus-Spiel, das sich zur heißen Liebesgeschichte entwickelt. Neben REAR WINDOW der
zweite Film damals, der den New Yorker Sommer zeigt,
in beiden Filmen ist Thelma Ritter. Für Fuller spielt sie
die alte Moe, die durch die Kneipen zieht und ihre Krawatten-Informationen-Deals abwickelt. Sie ist müde,
empfindet es als Gefallen, als ein Killer seine Waffe auf
ihren Kopf richtet.
▶ Mittwoch, 17. September 2014, 18.30 Uhr ▶▶ Sonn-
tag, 21. September 2014, 21.00 Uhr
Hell and High Water (Inferno) | USA 1954 | R: Samuel
Fuller | B: Jesse L. Lasky jr., Samuel Fuller, nach einer
Erzählung von David Hempstead | K: Joe MacDonald |
M: Alfred Newman | D: Richard Widmark, Bella Darvi,
Victor Francen, Cameron Mitchell, Gene Evans | 103
min | OF | Der Kalte Krieg in der Antarktis. Ein Unterseeboot soll erkunden, ob die Chinesen dort wohl eine
Atombombe gezündet haben. Eine Großproduktion der
Fox, Fuller übernahm die Regie dem Fox-Chef Darryl F.
Zanuck zuliebe, der ihn gegen Edgar Hoover vom FBI
verteidigt hatte, welcher mit der subversiven – un-amerikanischen – Atmosphäre in PICKUP ON SOUTH
STREET nicht glücklich gewesen war. Den engen submarinen Raum mit der CinemaScope-Kamera zu erforschen, hat Fuller durchaus inspiriert, es gibt erotische
Momente in den Mannschaftsräumen. Wie ein Comic,
hat Fuller später gemeint, wie RAIDERS OF THE LOST
ARK.
▶ Freitag, 26. September 2014, 21.00 Uhr ▶▶ Dienstag,
7. Oktober 2014, 18.30 Uhr
Tigrero – A Film That Was Never Made | Finnland
1994 | R+B: Mika Kaurismäki | K: Jacques Cheuiche |
Mit Samuel Fuller, Jim Jarmusch | 75 min | OmU | Jim
Jarmusch und Mika Kaurismäki fahren mit Samuel Fuller in ein brasilianisches Indiodorf, wo Fuller 40 Jahre
zuvor Probeaufnahmen für ein Abenteuerdrama mit
John Wayne, Ava Gardner und Tyrone Power gedreht
hatte. Das Projekt wurde abgebrochen, weil die Versicherungen die teuren Stars nicht in den Urwald schi-
cken wollten. Es blieb eine Stunde farbiges 16mm-Material, von dem Fuller nur einen kurzen Ausschnitt in
SHOCK CORRIDOR verwendete. TIGRERO ist eine
Suche nach der Vergangenheit, ein dokumentarisches
Road Movie. – The Typewriter, the Rifle and the
Movie Camera | GB 1996 | R+B: Adam Simon | K: Caroline Champetier | Mit Samuel Fuller, Tim Robbins, Jim
Jarmusch, Martin Scorsese, Quentin Tarantino | 55 min
| OF | Der Film arbeitet die Momente heraus, die Fullers
Werk maßgeblich beeinflusst haben: seine ersten
Schritte als Zeitungsreporter und seine Erfahrungen als
Soldat im Zweiten Weltkrieg. Eine biographische Annäherung durch Filmausschnitte, Gespräche und Analysen.
▶ Samstag, 27. September 2014, 21.00 Uhr
House of Bamboo (Tokio-Story) | USA 1955 | R:
Samuel Fuller | B: Harry Kleiner, Samuel Fuller | K: Joe
MacDonald | M: Leigh Harline | D: Robert Ryan, Robert
Stack, Shirley Yamaguchi, Cameron Mitchell, Brad Dexter, Sessue Hayakawa | 102 min | OF | Ein Kriegsfilm
aus dem Nachkriegs-Tokyo, der im Zeichen des Fujiyama beginnt. Ein paar amerikanische Ex-GIs sind hier
hängengeblieben, führen nun, strategisch hundertprozentig präzise, diverse Überfälle durch. Die alte Soldatenregel haben sie um 180 Grad gewendet: Keiner wird
zurückgelassen, wenn er bei einer Aktion verletzt wird,
man wird ihn erschießen. Aber dann verguckt sich der
Boss, Robert Ryan, in den Neuankömmling, Robert
Stack. Und Cameron Mitchell, einer der Unermüdlichen
der Fünfziger, erleidet einen brutalen Tod, wird abgeknallt in einem japanischen Badezuber.
▶ Sonntag, 28. September 2014, 21.00 Uhr ▶▶ Mitt-
woch, 8. Oktober 2014, 18.30 Uhr
Run of the Arrow (Hölle der tausend Martern) | USA
1957 | R+B: Samuel Fuller | K: Joseph Biroc | M: Victor
Young | D: Rod Steiger, Sara Montiel, Brian Keith, Ralph
▶ Freitag, 3. Oktober 2014, 21.00 Uhr ▶▶ Mittwoch,
15. Oktober 2014, 18.30 Uhr
A Fuller Life | USA 2013 | R+B: Samantha Fuller, nach
der Autobiografie »A Third Face« von Samuel Fuller | K:
Seamus McGarvey, Hilton Goring | M: Paul Alexander
Fuller | Mit William Friedkin, James Franco, Monte Hellman, Constance Towers, Wim Wenders, James
Toback | 80 min | OF | In zwölf Kapiteln lesen Freunde
und Weggefährten Fullers jeweils einen Abschnitt aus
der Autobiografie. Sie beschwören seinen Geist in Fullers Büro, das seit seinem Tod nicht verändert wurde. –
The Day of Reckoning (Der Tag der Abrechnung) |
GB 1990 | R: Samuel Fuller | B: Samuel Fuller, Christa
Lang, nach einer Kurzgeschichte von Patricia
Highsmith | K: Alain Levent | M: Milan Svoboda | D:
Assumpta Serna, Cris Campion, Philippe Léotard,
Samantha Fuller, Christa Lang | 50 min | OF | Fullers
letzte Regiearbeit. Der Ökö-Thriller enthält einige der
eindringlichsten Bilder seines gesamten Schaffens.
▶ Samstag, 4. Oktober 2014, 21.00 Uhr
China Gate (China-Legionär) | USA 1957 | R+B:
Samuel Fuller | K: Joseph Biroc | M: Victor Young, Max
Samuel Fuller
Steiner | D: Gene Barry, Angie Dickinson, Nat King Cole,
Paul Dubov, Lee Van Cleef | 97 min | OF | Ein weiterer
Krieg, ein Kommandotrupp der französischen Fremdenlegion, mit Gene Barry und Nat King Cole als Koreakriegsveteranen, auf einer Spezialoperation im Dschungel von Vietnam. Eine Frau führt sie, Angie Dickinson,
ein chinesisches Mischlingsmädchen, Lucky Legs. Sie
hat ein Kind mit Barry, der sie deshalb verlassen hat
und verachtet. Einer von Fullers dichtesten Filmen, ein
Schlachtfeld, gespickt mit emotionalen Tretminen. Vor
dem Start des Films wurde Fuller zum französischen
Generalkonsul bestellt, das war Romain Gary, er monierte, der Anfang sei doch sehr antifranzösisch. Später hat Fuller dann nach Romain Garys Buch seinen
Film WHITE DOG gedreht.
11
▶ Sonntag, 5. Oktober 2014, 21.00 Uhr
Forty Guns (Vierzig Gewehre) | USA 1957 | R+B:
Samuel Fuller | K: Joseph Biroc | M: Harry Sukman | D:
Barbara Stanwyck, Barry Sullivan, Dean Jagger, John
Ericson, Gene Barry | 86 min | OF | Ein Westerndrama
von antiker Wucht. Barbara Stanwyck als cattle queen,
Barry Sulivan als Revolvermann, der in ihrem Reich für
Ordnung sorgen soll. Vierzig Reiter werden durch die
CinemaScopeweiten gejagt, damit sich noch einmal die
volle Dynamik des sterbenden Hollywood austobt. »Die
Kataklysmen, die losbrechen«, schrieb Frieda Grafe,
»sind gigantische, reinigende Strafen für Vergehen, die
ein ganzes Land begangen hat. Um den Verfall amerikanischer Werte vorzuführen, fällt ihm nichts Eindringlicheres ein als eine Inversion der üblichen Machtstruktur. Es ist eine Frau, die die Gesetze beugt, die das
Land beherrscht, ganz Arizona, ein wüstes Land.«
▶ Freitag, 31. Oktober 2014, 21.00 Uhr ▶▶ Dienstag,
4. November 2014, 18.30 Uhr
CHINA GATE
Ralph Meeker, Jay C. Flippen, Charles Bronson |
86 min | OF | Palmsonntag, 9. April 1865. Appomattox,
Virginia. Der letzte Tag des Kriegs zwischen den Staaten. Ein Schlachtfeld, Tote und Trümmer. Ein Yankee,
ein Südstaatler. Ein Schuss … Der Anfang des Films ist
wie eine Vorwegnahme des Anfangs von THE BIG RED
ONE. Fuller wirbelt alle Grenzen und Zuordnungen und
Rassen durcheinander. Der Süden kapituliert, aber der
Ire O’Meara (Rod Steiger) kann das nicht mitmachen.
Er zieht davon, ins Indianerland. Ein Kriegs- und Nachkriegsfilm, der sich als Western verkleidet.
Samuel Fuller
Little Tokyo, das Japanerviertel von Los Angeles. Ein
weißer und ein japanischer Polizist verlieben sich in das
gleiche Mädchen, als Modell scheint ein alter Stummfilm durch, BROKEN BLOSSOMS von Griffith, den Fuller
als Junge gesehen hat. Wieder bricht er mit allen dramaturgischen Konventionen Hollywoods. Auch ein Japaner kann hier ein Rassist sein. Die Rituale, die alten
Traditionen haben ihre Reinheit und Gültigkeit verloren,
ein altes Fuller-Motiv, das sich bis zum Showdown von
DEAD PIGEON ON BEETHOVEN STREET hin erstrecken
wird.
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▶ Sonntag, 2. November 2014, 21.00 Uhr
Verboten! | USA 1958 | R+B: Samuel Fuller | K: Joseph Biroc | M: Harry Sukman | D: James Best, Susan
Cummings, Tom Pittman, Paul Dubov, Harold Daye |
86 min | OmU | Entnazifizierung à la Fuller, eingeleitet
mit einem Beethoven-Paukenschlag. Die Turbulenzen
eines Neuanfangs, so virulent erzählt, dass es Truffaut
in seiner Kritik zu herrlichen Verrücktheiten stimulierte:
»Zum Klang der Fünften Symphonie von Beethoven befreien amerikanische Soldaten ein deutsches Dorf. Ludwig van Fuller, der sich beim Filmen nie am Riemen
reißt, vermittelt den Eindruck, wir hätten da die ganze
amerikanische Armee vor uns. Ein verwundeter GI wird
von einer jungen Deutschen, Helga, gepflegt. Idylle,
große Liebe, Wagner übernimmt von Beethoven, und
Richard Fuller, ohne Angst, zu sehr auf die Kameratube
zu drücken, reißt seine unerlaubt Verliebten hin zu seliger Zweisamkeit auf Guillaume Apollinaires Rhein.«
▶ Samstag, 1. November 2014, 21.00 Uhr ▶▶ Mitt-
woch, 5. November 2014, 18.30 Uhr
The Crimson Kimono (Der rote Kimono) | USA 1959
| R+B: Samuel Fuller | K: Sam Leavitt | M: Harry Sukman | D: James Shigeta, Glenn Corbett, Victoria Shaw,
Paul Dubov, Anna Lee | 82 min | OF | Eine Art Gegenstück zu HOUSE OF BAMBOO, Sam Fuller entdeckt
Underworld U.S.A. (Alles auf eine Karte) | USA 1961
| R+B: Samuel Fuller, nach Artikeln von Joseph F.
Dineen in der Saturday Evening Post | K: Hal Mohr |
M: Harry Sukman | D: Cliff Robertson, Beatrice Kay,
Larry Gates, Richard Rust, Paul Dubov | 100 min | OF |
»Ich verliebte mich in den Titel«, erzählt Fuller, »weil
er einen Film von Josef von Sternberg beschwor, mit
Clive Brook und George Bancroft. Das war der erste
Gangsterfilm, den ich gesehen habe. Kein richtiger
Gangsterfilm übrigens, Gangster bedeutet ja, man gehört zu einer Gang, einer Gruppe. Ein Mann allein kann
nie ein Gangster sein.« Das gilt auch für Tolly, Fullers
Helden, gespielt vom bitteren Cliff Robertson. Er hat als
Junge gesehen, wie sein Vater zu Tode geprügelt
wurde, und will, nun erwachsen, sich an den vier Verbrechern rächen. Der böse Mord an einem kleinen
Mädchen hat den Film notorisch gemacht.
▶ Freitag, 7. November 2014, 21.00 Uhr ▶▶ Dienstag,
11. November 2014, 18.30 Uhr
Merill’s Marauders (Durchbruch auf Befehl) | USA
1962 | R: Samuel Fuller | B: Samuel Fuller, Milton Sperling, nach dem Roman »The Marauders« von Charlton
Ogburn, Jr. | K: William H. Clothier | M: Howard Jackson | D: Jeff Chandler, Ty Hardin, Peter Brown, Andrew
Duggan, Claude Akins | 98 min | OF | Ein Kriegsfilm aus
Burma, mit Suspense. Die Geschichte war für den alten
Gary Cooper gedacht – der starb, bevor der Film in Produktion ging. Für Jeff Chandler, der ihn ersetzte in der
Titelrolle des Brigadegenerals Frank Merrill, war es
dann auch die letzte Rolle. Fuller war eher zurückhaltend, er wollte nicht vom Buch eines anderen ausgehen für eine Geschichte, die er selbst erlebt hatte. Eine
Rückzugsgeschichte: Bevor der Monsun beginnt, muss
Merrills Trupp eine militärische Basis erreicht haben,
500 Meilen durch den Dschungel und über Berge.
▶ Samstag, 8. November 2014, 21.00 Uhr ▶▶ Mitt-
woch, 12. November 2014, 18.30 Uhr
▶ Sonntag, 9. November 2014, 21.00 Uhr ▶▶ Dienstag,
25. November 2014, 18.30 Uhr
The Naked Kiss (Der nackte Kuss) | USA 1964 |
R+B: Samuel Fuller | K: Stanley Cortez | M: Paul Dunlap | D: Constance Towers, Anthony Eisley, Michael
Dante, Virginia Grey, Patsy Kelly, Marie Devereux |
90 min | OF | Noch ein Film mit Stanley Cortez an der
Kamera. Eine Prostituierte versucht sich eine anständige Existenz aufzubauen, in einer Kleinstadt. Um zu
entdecken, dass die Perversion dort noch grausamer
und bitterer ist als sie es in ihrem Metier war. Constance Towers, die bereits in SHOCK CORRIDOR dabei
war, spielt die Prostituierte Kelly, die heiter sein kann
und doch auch ganz hart und die den Naked Kiss erleben muss, den Kuss des Perversen, des Pädophilen.
Samuel Fuller
»Leute, die auf andere herabschauen, beweisen nur
ihre eigenen Vorurteile. So wie die Leute, die Constance Towers verachten, weil sie sie für eine Mörderin
halten, und ihr dann nicht mehr ins Gesicht schauen
können, wenn sie entdecken, dass sie eigentlich etwas
Heroisches getan hat. Dies wollte ich zeigen, und ich
denke, das war schockierend.« (Samuel Fuller)
▶ Freitag, 14. November 2014, 21.00 Uhr ▶▶ Mittwoch,
26. November 2014, 18.30 Uhr
Shark (Hai) | USA 1969 | R: Samuel Fuller | B: Samuel
Fuller, John Kingsbridge, nach dem Roman »His Bones
Are Coral« von Victor Canning | K: Raul Martinez Solares | M: Rafael Moroyoqui | D: Burt Reynolds, Arthur
Kennedy, Barry Sullivan, Silvia Pinal, Enrique Lucero |
92 min | OF | Der film maudit in Fullers Karriere, erneut
eine gestörte Beziehung zwischen Mann und Frau:» Ich
wollte das Fehlen von Gefühl, von Liebe bei den beiden
zeigen.« Drei Menschen auf Schatzsuche in haiverseuchtem Gewässer vor Mexikos Küste: Burt Reynolds,
Barry Sullivan – der Gegenspieler von Stanwyck in
FORTY GUNS – und Silvia Pinal, die Buñuels Viridiana
war und die Fuller auf Rat seiner Frau Christa Lang besetzte. Der Film war ein Verhau, dank der Unfähigkeit
der Produzenten; in späteren Zeiten hat Fuller sich einfach geweigert, über ihn zu sprechen.
13
▶ Samstag, 15. November 2014, 21.00 Uhr
Dead Pigeon on Beethoven Street (Tote Taube in
der Beethovenstrasse) | BRD 1973 | R+B: Samuel
Fuller | K: Jerzy Lipman | M: The Can | D: Glenn Corbett,
SHOCK CORRIDOR
Shock Corridor (Schock-Korridor) | USA 1963 | R+B:
Samuel Fuller | K: Stanley Cortez | M: Paul Dunlap | D:
Peter Breck, Constance Towers, Gene Evans, James
Best, Hari Rhodes | 101 min | OF | Das Gegenstück zu
PARK ROW. Ein Journalist geht ins Irrenhaus, er will
dort einen Mord aufklären und damit den Pulitzerpreis
gewinnen. Das heißt, er hat den Wahnsinn schon in
sich, bevor er sich ihm dort aussetzt. Alle amerikanischen Traumata und Perversionen erwarten ihn, die
Wirklichkeit löst sich auf unter seinen Blicken, die Welt
wird zu einer grotesken Nummernrevue, zu einem
Wahnsinnsmusical. »The show must go on and on.«
Der legendäre Kameramann Stanley Cortez fängt Fullers Script in messerscharfe Schwarzweißbilder ein, die
fast physisch wehtun.
Samuel Fuller
14
Christa Lang, Sieghardt Rupp, Anton Diffring, Stéphane
Audran, Hans C. Blumenberg | 128 min | engl. OF |
Sam Fuller goes TATORT. Eine der ersten Folgen mit
Sieghardt Rupp als Kressin, dem Kölner Zollfahnder.
Weil er sich in einem Kampf verletzt, verschwindet er
nach einer Viertelstunde aus dem Geschehen und
Glenn Corbett übernimmt, als amerikanischer Privatdetektiv. Sein Interesse konzentriert sich, in mannigfacher Hinsicht, auf Christa Lang, Fullers Ehefrau, die
eine Nutte spielt, mit deren Hilfe Figuren der Politszene
in missliche Situationen gebracht, fotografiert und erpresst werden. In deutscher Erstaufführung wird der
2014 vom UCLA Film and Television Archive neu restaurierte Director’s Cut gezeigt, der 30 Minuten länger
ist als die bekannte deutsche Fernsehfassung.
▶ Sonntag, 16. November 2014, 21.00 Uhr ▶▶ Diens-
tag, 9. Dezember 2014, 18.30 Uhr
Samuel Fuller – Independent Filmmaker | F 1967 |
R+B: André S. Labarthe | 68 min | engl. OF | In einem
langen Interview erzählt Fuller sein Leben und räsoniert
über Gott und die Welt. Konzentriert und konzis, immer
auf den Punkt: die grundlegende Materialsammlung für
die Fuller-Rezeption und -Verehrung, gerade in Frankreich. – Falkenau the Impossible – Samuel Fuller
Bears Witness | F 2008 | R: Emil Weiss | B: Samuel
Fuller, Emil Weiss | K: Samuel Fuller, Pierre Boffety |
62 min | engl. OF | Im Mai 1945 befreite die 1. Infanterie-Division der US-Armee (die Big Red One) das böhmische KZ-Außenlager Falkenau. Unter den Soldaten
war Samuel Fuller, der mit seiner 16mm-Kamera
filmte: den Kampf, die Befreiung und die Bestattung
der Leichen aus dem Lager. 1988 kehrt Fuller mit Emil
Weiss nach Falkenau zurück und reflektiert über die
Schwierigkeit, das Universum des Konzentrationslagers
zu repräsentieren und folgenden Generationen zu vermitteln.
▶ Freitag, 12. Dezember 2014, 21.00 Uhr
The Big Red One | USA 1980 | R+B: Samuel Fuller | K:
Adam Greenberg | M: Dana Kaproff | D: Lee Marvin,
Mark Hamill, Bobby Di Cicco, Robert Carradine, Stéphane Audran, Siegfried Rauch, Serge Marquand,
Christa Lang | 163 min | OF | Seit Ende des Zweiten
Weltkriegs hat Fuller davon geträumt, seine Erlebnisse
damals zu filmen, in der 1. Infanterie-Division, der Big
Red One, die an Afrikas Küste loszog, nach Italien übersetzte, hinauf nach Mitteleuropa, Belgien und schließlich Deutschland, dort das Beethovenhaus in Bonn. Es
ist ein langes Epos geworden, das die Produktionsfirma
Lorimar dann auf zwei Stunden runterkürzte, gegen
Fullers Willen. Lee Marvin ist der Sergeant, die namenlose Inkarnation des Krieges, der Krieg die reine Schimäre und der Film der reine Surrealismus. 2004 hat
Richard Schickel Fullers ursprüngliche Fassung des
Films restauriert, ganze Sequenzen wieder eingefügt
und verfälschende Voice-over-Kommentare entfernt.
▶ Samstag, 13. Dezember 2014, 21.00 Uhr ▶▶ Mitt-
woch, 17. Dezember 2014, 19.00 Uhr
White Dog (Die weiße Bestie) | USA 1982 | R:
Samuel Fuller | B: Samuel Fuller, Curtis Hanson, nach
dem Roman von Romain Gary | K: Bruce Surtees | M:
Ennio Morricone | D: Kristy McNichol, Paul Winfield,
Burl Ives, Jameson Parker, Paul Bartel, Christa Lang |
90 min | OF | Ein böser kleiner Film, nach dem Roman
von Romain Gary, dem Mann von Jean Seberg. Nochmal eine von Fullers Obsessionen – der Rassismus. Ein
weißer Hund ist einer, der abgerichtet wurde, nur
Schwarze zu attackieren. Ein Schwarzer weigert sich,
ihn zu töten, und versucht ihn umzudressieren. Eine
starke Geschichte, von Fuller mit brutaler Direktheit
gefilmt. »Wenn ich allein gewesen wäre mit Leutnant
Calley, dem Verantwortlichen für das My Lai Massaker,
hätte ich ihn getötet und wäre dafür ins Gefängnis gegangen. Dieser Mann ist ein Beispiel dafür, was ich das
Böse nenne … und das muss man eliminieren.«
▶ Sonntag, 23. November 2014, 21.00 Uhr ▶▶ Mitt-
woch, 10. Dezember 2014, 18.30 Uhr
Les voleurs de la nuit (Diebe der Nacht) | F 1983 |
R+B: Samuel Fuller, nach dem Roman »Le chant des
enfants morts« von Olivier Beer | K: Philippe Rousselot |
M: Ennio Morricone | D: Véronique Jannot, Bobby Di
Cicco, Victor Lanoux, Stéphane Audran, Claude Chabrol,
Micheline Presle, Christa Lang, Samantha Fuller l
95 min | OmU | Zwei Underdogs, ein Junge und ein
Mädchen, sie wollen Liebe, Geld und Rache. Der alte
Sam Fuller zeigt – eine kleine Rolle hat Claude Chabrol
–, was die Nouvelle Vague ist. »Als Véronique Jannot
▶ Freitag, 19. Dezember 2014, 21.00 Uhr
den Kaffeetisch verlassen hat, braucht Bobby di Cicco
eine kurze Weile, bis er ganz sicher ist, daß er diese
Frau wirklich will. Dann aber rennt er los, rennt durchs
gesamte Centre Pompidou, nur um sie wiederzufinden.
Als er schließlich atemlos vor ihr steht, ist sie davon
beeindruckt. Sie geht mit ihm.« (Norbert Grob)
▶ Sonntag, 7. Dezember 2014, 21.00 Uhr
The State of Things (Der Stand der Dinge) | USA
1982 | R: Wim Wenders | B: Robert Kramer, Josh Wallace, Wim Wenders | K: Henri Alekan, Fred Murphy,
Martin Schäfer | M: Jürgen Knieper | D: Patrick Bauchau, Isabelle Weingarten, Rebecca Pauly, Allen Garfield, Paul Getty, Jr., Viva, Samuel Fuller | 120 min | OF
| Die Geschichte eines Filmteams, das an der Weiterarbeit gehindert ist, die Zahlungen der Produzenten bleiben aus, es gibt kein Filmmaterial mehr. Ein Film über
Depressionen. Wenders stockte gerade in der Arbeit an
HAMMETT, sein Freund Raul Ruiz hatte Probleme beim
Dreh in Portugal, Wenders half ihm mit Material und
borgte sich als Drehbuchschreiber Robert Kramer. Sam
Fuller, der schon in der Highsmith-Verfilmung DER
AMERIKANISCHE FREUND für Wenders gespielt hatte,
ist der pragmatische Kameramann.
Street Of No Return (Straße ohne Wiederkehr) | F
1989 | R: Samuel Fuller | B: Jacques Bral, Samuel Fuller, nach dem Roman von David Goodis | K: Pierre-William Glenn | M: Karl-Heinz Schäfer | D: Keith Carradine,
Valentina Vargas, Bill Duke, Andréa Ferréol, Bernard
Fresson, Christa Lang | 90 min | OF | Ein hemmungsloses Melo Noir, um zerrissene Herzen und aufgeschlitzte Kehlen. Keith Carradine als Popsänger, der
sich in ein Gangstermädchen verliebt – den Titelsong
schrieb er zusammen mit Fuller – und der von dem
Mann, dem sie gehört, einem Drogendealer, grausam
am Singen gehindert wird. Die Exzessivität verdankt
der Film David Goodis, dem Autor der Vorlage, der damals eine furiose Renaissance erlebte. Fuller, der Perversion und Obsession eher pragmatisch sieht, zieht
diese Noir-Aura voll ins Surreale.
The End of Violence (Am Ende der Gewalt) | USA
1997 | R: Wim Wenders | B: Nicholas Klein, Wim Wenders | K: Pascal Rabaud | M: Ry Cooder | D: Traci Lind,
Rosalind Chao, Bill Pullman, Andie MacDowell, Gabriel
Byrne, Samuel Fuller | 120 min | OmU | Ein ungewöhnlich rabiater, anarchischer Wenders, fast ein Fuller
movie in disguise. Eine paranoide Geschichte um einen
Mad Max in Los Angeles, einen Produzenten, der in die
Hysterie der neuen Überwachungsspiralen hineingerät.
Aber auch, vielleicht ebenfalls ein Einfluss von Fuller,
eine böse kleine Komödie. Fuller ist ein Relikt aus der
Vergangenheit, er sitzt vergnügt hinter seiner alten
mechanischen Schreibmaschine.
▶ Sonntag, 14. Dezember 2014, 21.00 Uhr
▶ Sonntag, 21. Dezember 2014, 21.00 Uhr
▶ Samstag, 20. Dezember 2014, 21.00 Uhr
Samuel Fuller
Tinikling ou La madone et le dragon (Die Madonna
und der Drache) | F 1990 | R: Samuel Fuller | B:
Samuel Fuller, Jean-Pierre Sinapi, Daniel Tonachella |
K: Alain Levent | M: Marc Hillman, Patrick Roffé | D:
Jennifer Beals, Luc Merenda, Patrick Bauchau, Behn
Cervantes, Christa Lang | 90 min | OmeU | »To shoot a
picture, to shoot a man dead.« Sam Fuller kehrt zu
seinen Ursprüngen zurück: die Arbeit des Reporters,
die Moral des Bildermachens. Jennifer Beals als Fotografin, die den Bürgerkrieg auf den Philippinen dokumentieren will. Was ist die Wahrheit der Bilder, und
was will die Politik von ihnen? Das Popzeitalter ist auch
an Fuller nicht spurlos vorbeigegangen, es hat seine
späten Filme grell, phantasmagorisch, völlig unberechenbar gemacht. Aber es sind immer noch die Filme
eines Mannes, der, statt »Action« zu rufen, seinen Colt
abfeuert.
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Percy Adlon
Lena Stolze, Percy Adlon, Christine Kaufmann und Ulrich Tukur bei den Dreharbeiten zu DIE SCHAUKEL
Retrospektive Percy Adlon
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»I was born in Munich in Germany. I grew up in the Bavarian country side between cattle farms. My father
was an opera singer, my mother came from the family
who owned the famous Hotel Adlon in Berlin. So, naturally my themes are: country, music, and eventually
some glitz and glamour.«
Am Anfang war das Dorf. Das Dorf, das Landleben, die
Natur sind so etwas wie die Keimzellen aller Filme von
Percy Adlon, geboren am 1. Juni 1935 in München,
aufgewachsen in Ammerland am Starnberger See bei
seiner Mutter Susanne. Der Vater war der berühmte
Operntenor Rudolf Laubenthal, dem der Sohn seinen
etwas theatralischen Taufnamen Paul Rudolf Parsifal
verdankt. In München studierte Percy Adlon Germanistik, Kunstgeschichte, Theaterwissenschaft, nahm außerdem Schauspiel- und Gesangsunterricht, lieh seine
Stimme dem Kasperl im Marionettentheater, spielte
dazu viele Vorstellungen in der Studiobühne der Universität. Es folgte ein erstes Engagement, »aber der
Traum erfüllte sich nicht. Drei Jahre große und kleine
Rollen. Es war nicht der Beruf, wie ich ihn mir vorgestellt hatte«, so Percy Adlon. Auf der Bühne lernte er
seine spätere Frau Eleonore kennen, eine Tänzerin, mit
der er noch immer verheiratet ist und die seit 1978
für ihre gemeinsame Produktionsfirma pelemele Film
alle seine Filme produziert hat. Mit Mitte zwanzig
bekam Percy Adlon die Chance, für den Bayrischen
Rundfunk Literatur zu lesen. Adlon: »Da fing etwas an,
unerwartet, wie ein Heilungsprozess. Allein vor dem
Mikrofon sah ich, was Proust und Faulkner, Stifter, Thomas Bernhard und Cervantes gesehen hatten und
zeichnete ihre Menschen, Landschaften, Dialoge und
Konflikte für den Zuhörer nach. Ich las zwölf Jahre lang.
Es war, wie mir viel später klar wurde, meine Filmschule.«
1970 schlug er dem BR vor, zum 100. Geburtstag von
Annette Kolb einen kurzen Dokumentarfilm zu drehen,
über die Münchner Schriftstellerin, deren Roman DIE
SCHAUKEL er dreizehn Jahre später verfilmen sollte.
»Das Drehen, das Schneiden, das Texten, das Mischen
– alles ging , als ob ich immer Filme gemacht hätte. Ich
hatte ein Fenster aufgemacht und das Licht hereingelassen. Die vielen verschiedenen Kamera- und Tonleute, Cutter und Redakteure wurden meine zweite
Filmschule.« Bis 1977 drehte Percy Adlon etwa hun-
»Music played the biggest role in shaping my sense of
aesthetics. Music is my master, and the only reason I
didn’t become a musician was because I wasn’t able
to. I use music in a secondary way – it’s always there
supporting the ideas in my films. How suspense is built
up, how a melody forms, how rhythms happen, how
blocks of harmony come together and cook down to
one line – the musical elements are central to my
films.«
Viele der längeren Dokumentarfilme, die Percy Adlon
für den Bayerischen Rundfunk drehte, kreisen um die
Themen Musik, Literatur und Kunst. So schuf er Porträts über Franziska zu Reventlow, die Ikone der
Schwabinger Boheme, über die Zeichnerin Franziska
Bilek, den Solotänzer Heinz Bosl, der sehr jung an
Krebs verstarb, den Schriftsteller Alfred Andersch
sowie den Zeichner Tomi Ungerer und den Bildhauer
Fritz Koenig, die er im Abstand von mehreren Jahren
noch mehrmals besuchte und filmte. In DER VORMUND
UND SEIN DICHTER (1978), einem abendfüllenden Film
zum 100. Geburtstag des Schweizer Autors Robert
Walser, verwandte Adlon zum ersten Mal auch Spielszenen. Er besetzte die Rollen des Schriftstellers und
die des Kritikers und Mäzens Carl Seelig mit zwei Sprecherkollegen vom BR: Rolf Illig und Horst Raspe. Pitt
Kochs Kamera folgt darin dem emsigen Verleger und
dem psychisch kranken Schriftsteller in mehreren Kapiteln auf Spaziergängen – oder eher Gewaltmärschen –
Percy Adlon
durch den Tiefschnee, zeigt zwei verlorene Gestalten
und schwarze Zäune vor weißer Landschaft, die Heilanstalt auf einem Hügel thronend.
Die Konzentration auf wenige Personen und Schauplätze und der von historischen Figuren und Situationen inspirierte Umgang, der mit fiktionalen Elementen
ergänzt wird, zeichnet auch seine hochgelobten ersten
beiden Filme fürs Kino aus: CÉLESTE (1981) über die
Beziehung zwischen dem schwerkranken Schriftsteller
Marcel Proust (Jürgen Arndt) und seiner Haushälterin,
Céleste (Eva Mattes) und FÜNF LETZTE TAGE (1982)
über die letzten Tage von Sophie Scholl (Lena Stolze) in
Untersuchungshaft – basierend auf den kurzen Aufzeichnungen ihrer Zellengenossin Else Gebel (Irm Hermann). Zwei Kammerspiele, die von präziser Schauspielerführung und großer Sorgfalt im Detail leben:
»Mal flackert eine Kerze, mal bricht sich auf den Gardinen ein Sonnenstrahl, sonst jedoch liegt meist Düsternis über der Szene. Sparsam wie das Licht sind
auch die Geräusche eingesetzt, wobei das Ticken eines
Weckers am eindringlichsten auf das langsame Verrinnen der Zeit hinweist. … Ein Film, der in seiner
bewussten Stille (und Stilisierung) ungemein lebendig wirkt.«, schrieb Volker Baer im Tagesspiegel über
CÉLESTE.
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CéLESTE
dert Filme in sieben Jahren, zu Themen, die er sich
stets selbst aussuchen konnte, für die Redaktionen
Unter unserem Himmel und die Abendschau. Es begann mit kleinen Reportagen und Porträts über Münchner Schriftsteller, Tänzer und andere Künstler, die sich
durch menschliche Wärme und genaue Beobachtung
auszeichneten. Es waren aber vor allem auch die »einfachen Leute« vom Land, die ihn interessierten. In insgesamt 24 Folgen fuhr Adlon für die BR-Reihe MEIN
DORF mit seinem Team in die bayrische Provinz und
interviewte die Menschen dort. Eine Fährfrau in Weltenburg, ein Schneider in Nemmersdorf, eine Hopfenbäuerin in der Holledau erzählen in diesen 15-MinutenStücken erstaunlich offen aus ihrem Leben. Heute,
40 Jahre später, wirken diese Filme wie Zeitdokumente, die einen fast schon ethnologischen Blick auf
Bayern werfen. Ein kleines Kabinettstück ist der Bericht
über den WIESNPOSTBOT (1974), der alle Jahre wieder zum Oktoberfest die einzelnen Schausteller auf
dem unübersichtlichen Gelände ausfindig macht, um
ihnen die Post zuzustellen.
Percy Adlon
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Mit DIE SCHAUKEL (1983) versucht sich der Filmautor
an großem Kino. Er hat einen Millionenetat zur Verfügung, kann sich erstmals eine große Ausstattung
leisten und eine ganze Riege bekannter Schauspieler
engagieren. Das Thema ist ihm aus seiner früheren Arbeit gut vertraut. In ihrem Roman, der im München der
letzten Jahrhundertwende angesiedelt ist, ließ sich Annette Kolb von ihrer eigenen Familiengeschichte inspirieren. Adlon erzählt erstmals keine eigene Geschichte,
sondern verarbeitet in epischer Länge eine literarische
Vorlage, wobei er den aufmüpfigen Töchtern der Familie großen Spielraum lässt. Der Produzent Luggi Waldleitner charakterisiert den Film bei der Abnahme treffend als Matineefilm, der im großen Kino keine Chance
habe. Und tatsächlich läuft der Film zwei Jahre lang in
Matineevorstellungen. Seitdem hat sich Percy Adlon zunächst nicht mehr auf eine Großproduktion eingelassen, sondern sich wieder auf eigene Geschichten mit
überschaubarem Rahmen konzentriert. Das Leben und
die Gesellschaft von heute sind jetzt seine Themen, die
Zeit der historischen Stoffe ist vorbei.
»I have always been interested in these zero places,
where there are nothing but real people. I love regular
situations where ordinary extraordinary people live.
When you ride a bus, it looks like the wildest cast of extras thinkable, but in the movies, people normally don’t
look ›real‹.«
Marianne Sägebrecht, die schon in HERR KISCHOTT
(1979) und in DIE SCHAUKEL in Nebenrollen mitwirkte,
spielt in der in München angesiedelten Liebesgeschichte ZUCKERBABY (1984) ihre erste Hauptrolle,
eine einsame Angestellte eines Bestattungsunternehmens, die sich in einen jungen U-Bahn-Zugführer (Eisi
Gulp) verliebt. Nach der Don-Quichotte-Geschichte
HERR KISCHOTT ist dies Adlons zweite tragikomische
Komödie. Neu ist die knallige Lichtgestaltung in bunten
Neonfarben, die sich in weit abgeschwächter Form
auch in weiteren seiner Spielfilme wiederfinden soll.
Der Film wird zur Berlinale eingeladen und läuft auf
dem New york Film Festival. Marianne Sägebrecht ist
die Inkarnation einer selbstbewussten bayerischen
Frau, die sich auch außerhalb ihrer Heimat behauptet:
In OUT OF ROSENHEIM (1987) verschlägt es sie in die
amerikanische Wüste, wo sie im Trachtenkostüm und
englisch radebrechend die Herzen der Menschen für
sich erobert. In ROSALIE GOES SHOPPING (1989) jongliert sie als Ehefrau eines amerikanischen Fliegers
und als Mutter von sieben Kindern virtuos mit diversen
Kreditkarten, um als gute Bürgerin ihren Konsumhun-
ger stillen zu können. OUT OF ROSENHEIM wird zu Adlons größtem Erfolg: Unter dem Titel BAGDAD CAFE
wird der Film weltweit zu einem Hit des europäischen
Independent-Kinos.
»ZUCKERBABy is the andante con moto, BAGDAD
CAFE the adagio cantabile, ROSALIE the allegro vivace.
ZUCKERBABy is in the underground, BAGDAD on the
earth, ROSALIE in the sky. ZUCKERBABy is about
fighting taboos and a forbidden love affair, BAGDAD is
about the magic power of friendship and the flight of a
boomerang, ROSALIE is about beating the system with
its own weapons and about a marital love. All three –
progressively utopian and absurd – are about liberation.«
Der Erfolg von OUT OF ROSENHEIM ermöglicht es
Percy Adlon, mit seiner Familie in seine neue Wahlheimat Kalifornien zu ziehen. Amerika und das Pendeln
zwischen zwei Kulturen schlagen einen neuen Grundton in seinen Filmen an. SALMONBERRIES (1991) und
HAWAIIAN GARDENS (2001) sind beides Variationen
von Geschichten um Identitätssuche und interkulturellen Austausch zwischen Deutschland und Amerika
oder besser zwischen Bayern und Kalifornien. Marianne Sägebrechts Rolle wird von Rosel Zech bzw.
André Eisermann übernommen. Im semi-dokumentarischen Film IN DER GLANZVOLLEN WELT DES HOTEL
ADLON (1996) betrachtet Adlon seine eigene Familiengeschichte und die seines Onkels Louis, der sich wie er
in Hollywood niedergelassen hatte. In MEIN MÜNCHEN
(2000) fasst Adlon sein Verhältnis zu seiner Heimat aus
der Perspektive des Auswanderers zusammen, der aus
der Distanz auf sein bisheriges Werk, seine Wurzeln
und seine Verbundenheit mit Bayern zurückblickt.
Selbst in der amerikanischen Ehesatire YOUNGER AND
YOUNGER (1993) mit Donald Sutherland taucht als
Nebenfigur eine junge Frau aus Rosenheim auf. Der
»Genre-Cocktail« verbindet Tragisches, Komisches, Feines und Groteskes mit Musical-Elementen.
»People say, ›Should I laugh or should I cry? Please tell
me; I’m not up for both.‹ But my films are about both,
and this is how I envision life.«
Immer wieder probiert Adlon Neues aus. In seinem
Fernsehfilm HERSCHEL UND DIE MUSIK DER STERNE
(1986) nutzt Adlon die Studiotechnik und experimentiert erstmals mit der elektronischen Kamera, Splitscreen-Technik und Bluebox-Effekten. In ORBELA’S
PEOPLE (2007) fährt er nach Tansania und beobachtet
Dreharbeiten zu DIE STRAUSSKISTE
men, zu dem auch gehört, dass gerne auf dieselben
Mitwirkenden vor und hinter der Kamera zurückgegriffen wird. Es mutet wie ein Anachronismus an, dass die
Adlons heute in den Bergen nördlich von Los Angeles
wohnen, dort, wo sich die Größen von Hollywood niederlassen, der Maschinerie der industriellen Filmproduktion. Aber es ist auch ein Platz mit Tradition: Unweit
vom Hause Adlon befindet sich die Villa Aurora, in der
Lion Feuchtwanger lebte und die heute noch als Künstlerresidenz weitergeführt wird. Hollywood hat schon
immer kreative Künstler angezogen oder ihnen Exil geboten, doch nur wenigen ist es gelungen, wirklich unabhängig und sich selbst treu zu bleiben.
Claudia Engelhardt
Percy und Eleonore Adlon werden zur Eröffnung der Retrospektive im Filmmuseum zu Gast sein. Die Filme wurden von
Percy Adlon und Alpha Omega Digital für diese Retrospektive
restauriert.
lich zum Takt der Strauss-Musik. Percy Adlon: »Der
Walzer verlangt eine romanhafte Behandlung, die Polka
will Kurzgeschichten, die Quadrille Episoden und der
Marsch die politische Satire.«
Nachdem Percy Adlon fast zehn Jahre keinen Spielfilm
mehr gedreht hatte, schließt sich der Kreis 2010 mit
MAHLER AUF DER COUCH, den er gemeinsam mit seinem Sohn Felix drehte, der in HOTEL ADLON die Hauptrolle gespielt hatte. Der Film beruht auf einer wahren
Begebenheit, einem Treffen zwischen dem Psychoanalytiker Sigmund Freud und dem Komponisten Gustav
Mahler, der am Fremdgehen seiner Frau Alma verzweifelt und mit seinen Schuldgefühlen kämpft. Ähnlich der
Situation aus DER VORMUND UND SEIN DICHTER, in
dem der Verleger dem Autor auf Spaziergängen hinterherjagt, versucht hier Freud, seinen Klienten Mahler
auf den Straßen der holländischen Stadt Leiden »einzufangen«, um ihn zu einem Gespräch zu bewegen.
Fräulein Annette Kolb | BRD 1970 | R+B: Percy Adlon
| K: Huster | 12 min | »Ich hatte im Hörfunk ihren
Roman ›Die Schaukel‹ vorgelesen. Da war sie noch am
Leben und ließ mir sagen, dass sie sich gern von einem
garçon höre. Das ist mein erster Film.« (Percy Adlon) –
Pferdestärken | D 2000 | R+B+K: Percy Adlon | 4 min
| Johann Strauss: »Liebchen, schwing dich«, Polka Mazurka, op. 394 – Die Gräfin von Wahnmoching | BRD
1971 | R+B: Percy Adlon | K: Herbert Müller | 14 min |
»Franziska zu Reventlow, die Vertreterin der ›freien
Liebe‹ in Wort und Tat« (Percy Adlon) – Triumph des
Küssens | D 2000 | R+B+K: Percy Adlon | 4 min – Johann Strauss: »Kaiser-Franz-Joseph, Rettungs-JubelMarsch«, op. 126 – Die Bilek | BRD 1978 | R+B:
Percy Adlon | K: Hermann Reichmann | 43 min | »›Ich
hau mein Zeug einfach so hin‹ behauptete Franziska
Bilek, die Schöpferin des Herrn Hirnbeiß. Sie lebte am
Kosttor zwischen der schicken Maximilianstraße und
dem urigen Hofbräuhaus.« (Percy Adlon) – Für immer
Flirt | USA 2000 | R+B+K: Percy Adlon | 8 min | Johann Strauss: »Gunstwerber«, Walzer, op.4
▶ Freitag, 12. September 2014, 18.30 Uhr | Zu Gast:
»Throughout our defeats and our successes, we were
always independent filmmakers who write, direct, produce … and own our stuff.«
Stets hat Percy Adlon sich seine Stoffe und Themen
selbst gewählt, abgesehen von seinen ersten Fernsehjahren hat er alle seine Filme zusammen mit seiner
Frau selber produziert, immer nur eigene Drehbücher
verfilmt, die er oft zusammen mit seiner Frau oder seinem Sohn Felix geschrieben hat. Ein Familienunterneh-
Percy Adlon
Landleben Ammerland | D 2008 | R+B: Percy Adlon |
K: Jürgen Martin | 10 min – »Etwas Selber-Biografie
aus meinem Dorf am Starnbergersee, wo ich aufgewachsen bin.« (Percy Adlon) – In der glanzvollen Welt
des Hotel Adlon | D 1997 | R+B: Percy Adlon | K: Judy
Irola | M: Alex Wurman | D: Felix Adlon, Eva Mattes,
Erwin Wendt | 75 min | Dokumentarfilm mit Spielhandlung über das berühmte Hotel in Berlin, das Percy Ad-
Percy Adlon
das Leben einer Maasai-Familie. 1999 entdeckt Adlon
eine CD-Box mit unbekannten Polkas, Walzern, Quadrillen und Märschen von Johann Strauss, Sohn – und
sah sofort Bilder darin. Ein ganzes Kurzfilmprojekt entstand daraus, DIE STRAUSSKISTE (2000). Ein obdachloser Tänzer im Waschsalon in L.A., eine Liebesaffäre
in St. Petersburg, ein Marilyn-Monroe-Double bei den
Niagarafällen – und sie alle bewegen sich unwissent-
19
Adlon) – Der echte Liliom. Porträt eines Rummelplatzarbeiters | BRD 1978 | R+B: Percy Adlon | K:
Martin Lippl | 43 min | »Angehimmelt von den Teenies,
DER ECHTE LILIOM
Percy Adlon
20
lons Urgroßvater 1907 eröffnet hatte. 1945 wird Enkel
Louis Adlon von Zeitungsmogul William Randolph
Hearst als Korrespondent ins zerstörte Berlin geschickt,
um dort über NS-Größen und andere deutsche Prominenz zu berichten. Er begibt sich in sein Elternhaus,
das Hotel, das er zerstört vorfindet. Aus dem Schock
heraus rekonstruiert er seine persönliche Geschichte
des Hauses und seiner berühmten Gäste wie Thomas
Mann, Enrico Caruso, Marlene Dietrich und Pola Negri.
– Süße Sachen | D 2000 | R+B+K: Percy Adlon |
5 min | Johann Strauss: »Patronessen«, Polka française, op. 286
▶ Samstag, 13. September 2014, 18.30 Uhr | Zu Gast:
Percy Adlon
Der Tänzer Heinz Bosl | BRD 1976 | R: Percy Adlon |
K: Horst Lermer | 43 min – »Er wurde nur 26 Jahre alt,
war erster Solotänzer des Bayerischen Staatsopernballetts und zusammen mit Konstanze Vernon das BallettTraumpaar. Er war krebskrank, wusste es nicht, hat es
nie erfahren. Der Film zeigt ihn in seinen Rollen, seine
Partner, seine Mutter, seinen Arzt und Margot Fonteyn,
die ihn zum internationalen Star machte.« (Percy Adlon)
– Zuckerbaby | BRD 1984 | R+B: Percy Adlon | K: Johanna Heer | M: Dreier | D: Marianne Sägebrecht,
Eisi Gulp, Manuela Denz, Toni Berger, Will Spindler |
86 min | Die Angestellte eines Bestattungsunternehmens verliebt sich in einen jungen U-Bahn-Fahrer und
setzt alles daran, ihn zu erobern. Ein Kammerspiel in
Neontönen, das auch Fragen an das Leben stellt. »Szenen der Groteske, wie in einem Aquarium fotografiert,
die Menschen im Halbdunkel der Stadt wie nach Luft
schnappend, nach Leben gierend.« (Volker Baer)
▶ Sonntag, 14. September 2014, 17.30 Uhr | Zu Gast:
Percy Adlon, Marianne Sägebrecht
Die Bavaria | BRD 1973 | R+B: Percy Adlon | K: Niederegger | 8 min | »Heute würde man den Guss der Bavaria einen Kunstkrimi nennen.« (Percy Adlon) – Der
Wiesnpostbot | BRD 1974 | R+B: Percy Adlon | K: Rudolf Kleinjung | 17 min | »Auf seinem Radl sucht und
findet er seit 22 Jahren die wechselnden Adressen der
Schausteller, klettert über Zäune, erfährt die neuesten
Gerüchte, hütet sich vor bissigen Hunden und radelt
heim, wenn der Wiesnbetrieb beginnt.« (Percy Adlon) –
Werktag der Feströsser | BRD 1975 | R+B: Percy
Adlon | K: Rudolf Kleinjung | 15 min | »Da gab es im
Stall der Spatenbrauerei mitten in der Stadt noch zehn
belgische Kaltblüter, die zur Freude der Schaulustigen
und zum Ärger der Autofahrer ganz gemächlich das
Bier in unsrer Münchner Stadt ausfuhren.« (Percy
für die der junge Kriminelle die große Freiheit verkörpert, arbeitet Bernd auf der rasanten Zugspitzbahn des
Ehepaars Menzel, bis er wieder etwas anstellt.« (Percy
Adlon).
▶ Freitag, 19. September 2014, 18.30 Uhr
Mein Dorf: Christgarten im Donau-Ries | BRD 1973
| R+B: Percy Adlon | K: Paul Teufl | 15 min | »Robert
Hohl, Fahrschüler. Der scheue, aber selbstbewusste
Robert, der seine Wasserpfeife raucht, ist wie ein Überbleibsel aus einer anderen Zeit.« (Percy Adlon) – Mann
und Frau im Gehäuse | BRD 1974 | R+B: Percy Adlon
| K: Horst Lermer | 43 min | Über Alfred und Gisela
Andersch. »Der 60-jährige Münchner Autor, der
Deutschland enttäuscht den Rücken gekehrt hat, und
seine Frau Gisela, die Bauhaus-Malerin, leben, wie
auch Max Frisch und Golo Mann, in einem schwer zugänglichen Bergdorf im Tessin.« (Percy Adlon) –
Fluchtwege eines friedliebenden Mannes | BRD
1982 | R+B: Percy Adlon, nach dem Roman »Links, wo
das Herz ist« von Leonhard Frank | K: Jürgen Martin,
Heimo Sahlinger | M: Wilfried Hiller | 43 min | »Leonhard Frank, der Autor von ›Links wo das Herz ist‹ flieht
zu Fuß und auf einem Fahrrad aus einem Internierungslager in Audierne (Bretagne) durch Frankreich,
über die Pyrenäen nach Lissabon und entkommt 1940
in die USA.« (Percy Adlon)
▶ Samstag, 20. September 2014, 18.30 Uhr
Mein Dorf: Langenleiten | BRD 1976 | R+B: Percy
Adlon | K: Rudolf Kleinjung | 18 min | »Das Dorf in der
Rhön verläuft in einem leichten Schwung zur Kirche hin.
Wie ein Trick lässt eine Schneeböe das ganze Bild in
Weiß versinken. Ein Schnitzer kämpft um die Tradition
Percy Adlon
des harten Rhön-Stils.« (Percy Adlon) – Céleste | BRD
1981 | R+B: Percy Adlon, nach dem Buch »Monsieur
Proust« von Céleste Albaret | K: Jürgen Martin | M:
César Franck | D: Eva Mattes, Jürgen Arndt, Norbert
Wartha, Wolf Euba, Joseph Manoth | 112 min | »In meinem ersten Spielfilm ist Marcel Prousts Haushälterin,
Mädchen vom Land, die Hauptfigur und nicht der
Schriftsteller, der sich zwischen Korkwänden in seinem
Bett in Paris zu Tode schreibt. Ein Drama aus der
Stille … Die Pariser Wohnung wurde in Schwabing gedreht. Die Sprache ist deutsch. Trotzdem umarmten
französische Presse und Publikum diesen Film als
ihren Proust.« (Percy Adlon)
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▶ Sonntag, 21. September 2014, 18.30 Uhr
Mein Dorf: Lisberg im Steigerwald | BRD 1975 |
R+B: Percy Adlon | K: Helmut Lermer | 17 min – Mein
Dorf: Großensees | BRD 1974 | R+B: Percy Adlon | K:
Paul Teufl | 16 min – Mein Dorf: Nemmersdorf bei
Bayreuth | BRD 1976 | R+B: Percy Adlon | K: Hermann
Reichmann | 19 min | »Drei fränkische Dörfer. Im Zentrum ein Grafiker, der für 45.000 DM eine das Dorf Lisberg überragende Burg kauft, und Burgherr ohne Geld
wird. In Großensees bei Tirschenreuth fängt der Rentner Grillmeier Bisamratten, und in Nemmersdorf bei
Bayreuth schmückt der ehemalige Dorfschneider den
Altar für seinen Herrn Pfarrer. Alle drei Figuren sind wie
aus einem Jean-Paul-Roman.« (Percy Adlon) – Phantasiestück über ein fränkisches Genie | BRD 1975 |
R+B: Percy Adlon | K: Paul Teufl | 43 min | Die Lebensgeschichte von Dr. Johann Paul Friedrich Richter, der
sich als Dichter Jean Paul nannte. »Der meistgelesene
Humorist der Goethezeit. Träumer, Sprachschöpfer,
Biertrinker. Seine erste Liebe, seine Hausfrösche, seine
Wirtin, seine Visionen.« (Percy Adlon)
▶ Freitag, 26. September 2014, 18.30 Uhr
Mein Dorf: Balderschwang | BRD 1971 | R+B: Percy
Adlon | K: Rudolf Kleinjung | 15 min | »Steurer, Konrad,
hagerer Tiroler Kopf, Wildpfleger, macht kein Aufhebens von sich, wenn er voller Liebe seine Allgäuer
Berge erklärt. Ein Leben in größter Bescheidenheit.
Nicht weit von hier, in der Hügellandschaft von Herisau
in der Nähe des Bodensees, war Robert Walser
25 Jahre lang Insasse der Heil-und Pflegeanstalt, weil
er die Großtuerei des Literaturbetriebs nicht mehr aushielt.« (Percy Adlon) – Der Vormund und sein Dichter
| BRD 1978 | R+B: Percy Adlon, nach dem Buch »Wanderungen mit Robert Walser« von Carl Seelig | K: Pitt
Koch | D: Rolf Illig, Horst Raspe | 87 min | »Hügelaufhügelab gehen, laufen, rennen der Zürcher Kritiker-
Herausgeber Carl Seelig und Robert Walser, Insasse
der Heilanstalt Herisau, durch die Appenzeller Winterlandschaft. Wer der Verrückte ist, ist schwer zu sagen.«
(Percy Adlon) Ein Farbfilm wie in Schwarzweiß. Adlons
erster Spielfilm ist in Kapitel gegliedert, die Schauspieler sprechen teilweise direkt in die Kamera.
▶ Samstag, 27. September 2014, 18.30 Uhr ▶▶ Samstag, 6. Dezember 2014, 21.00 Uhr
Fräulein Annette Kolb. Bayerisch-französischer Lebenslauf einer couragierten Dichterin | BRD 1977 |
R+B: Percy Adlon | K: Jürgen Martin | 44 min | »Ihr
Vater war königlich bayerischer Gartenarchitekt, die
Mutter Französin, Pianistin und ›Hausfrau in Gottes
Zorn‹. Annette Kolb lebte 97 Jahre und war streitbare
Verfechterin der deutsch-französischen Freundschaft.«
(Percy Adlon) – Die Schaukel | BRD 1983 | R+B:
Percy Adlon, nach dem Roman von Annette Kolb | K:
Jürgen Martin | M: Peer Raben | D: Anja Jaenicke,
Lena Stolze, Christine Kaufmann, Rolf Illig, Ulrich Tukur,
Günter Strack, Irm Hermann, Marianne Sägebrecht |
133 min | Das Porträt einer bayerisch-französischen
Familie in München vor dem ersten Weltkrieg. Gegenüber dem Glaspalast beim Alten Botanischen Garten
wohnen die Lautenschlags, die im spießbürgerlichen
Deutschland der Jahrhundertwende auffallen wie
bunte Hunde. Über die vier Kinder des ungleichen Paares spricht ganz München, das hier nicht nur Ort, sondern auch Lebensform ist. »Ein bestrickender Film über
ganz unmögliche Leute.« (Ponkie).
▶ Sonntag, 28. September 2014, 17.30 Uhr
Percy Adlon
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Der Kordeldreher | D 2000 | R+B+K: Percy Adlon |
10 min | Johann Strauß: »Patronessen«, Walzer, op. 264
– 1001 mal Feri Farokhzad | BRD 1976 | R+B: Percy
Adlon | K: Konrad Wickler | 43 min | »Feri Farokhzad demonstrierte gegen den Schah, als er in München studierte, aber vielleicht war er auch ein Spion, kupferte
deutsche Fernsehshows ab und wurde damit im Iran
bejubelt – als Sänger, Showmaster und Bruder einer
verehrten Poetin. Als die Islamisten ans Ruder kamen,
floh er nach München, London, Paris und Bonn, wo er
von iranischen Agenten umgebracht wurde. Für persische Emigranten ist er seitdem zur Kultfigur geworden.« (Percy Adlon) – Junge Ehe in Singapur | BRD
1979 | R+B: Percy Adlon | K: Jürgen Martin | 43 min –
»Mrs. Goh, die deutsche Sekretärin, nimmt kein Blatt
vor den Mund. Ihr Schwiegervater fährt Nachttaxi, die
Schwiegermutter betreut das Baby tagsüber, und ihr
drahtiger, junger Chinese ist ihr Traummann. Sie lernten sich in Wanne-Eickel kennen.« (Percy Adlon)
▶ Freitag, 3. Oktober 2014, 18.30 Uhr
Mein München | D 2000 | R+B: Percy Adlon | K: Jürgen Martin, Percy Adlon | 89 min | Beginnend mit
einem Hubschrauberflug über München und unterlegt
von Karl Valentins Sketch »Das Aquarium«, zeigt Adlon
seinen persönlichen Blick auf die Stadt und die Stationen seines Lebens dort. Dazu kommen zahlreiche Ausschnitte aus Filmen über Münchner Künstler, die er
porträtiert hat. »Mein Dorf München! Ich bin viele Wochen durch mein München gegangen und habe mich
an Stationen und Menschen erinnert, die mir wichtig
waren. Es sind Erinnerungen an meine Heimatstadt aus
der Zeit, als ich schon am Pazifik lebte. Das Oktoberfest heute, die amerikanischen Soldaten in unserer
ausgebombten Stadt, mein erster Fernsehjob … in den
Erinnerungen fließt alles zusammen. Ich komme bis
heute in die Metropole des Föhns so oft ich kann zurück, weil ich es ohne Weißwürscht nicht lange aushalte.« (Percy Adlon)
▶ Samstag, 4. Oktober 2014, 18.30 Uhr
Mein Dorf: Hohentrüdingen | BRD 1975 | R+B: Percy
Adlon | K: Paul Teufl | 17 min | »In der fränkischen Alp
am Hahnenkamm kam Martin Winter 1933 mit einem
Fahrrad und einer Geige als Hilfsschullehrer an und
blieb hier sein ganzes Leben.« (Percy Adlon) – Fünf
letzte Tage | BRD 1982 | R+B: Percy Adlon | K: Horst
Lermer | M: Franz Schubert | D: Lena Stolze, Irm Hermann, Will Spindler, Hansi Hirschmüller, Philipp Arp |
112 min | Eine Chronik der letzten fünf Tage im Leben
der Widerstandskämpferin Sophie Scholl, erzählt aus
der Sicht ihrer Zellengenossin im Gestapo-Hauptquartier. Eine Charakterstudie als psychologisches Kammerspiel. »Wenige Tage nach Ende der Dreharbeiten
für DIE WEISSE ROSE findet Lena Stolze auf ihrem
Anrufbeantworter meine Nachricht, ob sie in meinem
Film FÜNF LETZTE TAGE die Sophie Scholl spielen
möchte. ›Die hab ich doch grade gespielt, bei Verhoeven‹, sagt sie, als sie mich zurückruft. ›Ja, deshalb will
ich Sie‹, antworte ich. ›Es soll nur eine Sophie geben.‹«
(Percy Adlon)
▶ Sonntag, 5. Oktober 2014, 18.30 Uhr
Die Strausskiste | D 2000 | R+B: Percy Adlon |
»22 Geschichten ohne Worte nach unbekannten Polkas, Quadrillen und Walzern von Johann Strauss, Sohn.
Wien, Arizona, Venedig, Los Angeles, Sankt Petersburg
und Niagara sind die Schauplätze der Geschichten –
der Prater, ein Altenheim, der Canal Grande, ein Waschsalon, eine Flugshow, der Circus Roncalli, der Ballettsaal des Mariinskij und die Niagara-Fälle. Eva Mattes,
Helmut Föttinger, Lolita Davidovich, Tänzer, Bäcker,
Komparsen, Models, Artisten, Musiker und der Dirigent
Eschwé sind die Darsteller.« (Percy Adlon) In der Langen Nacht der Museen werden die Filme in Blöcken à
30 Minuten gezeigt. I: Unter Strom, Für immer Flirt, Inspiration, Pferdestärken, Addio Venezia, Gold. II: Treibhauseffekt, Clara und Claire, Rendezvous, Süße Sachen,
Jogger, Offenbach ausgezogen. III: Brot für die Helden,
Niagara, Alte Bekannte, Der Kordeldreher, Große
Sprünge. IV: Nijinsky im Waschsalon, Das Autogramm,
Happy Birthday, Zirkusleben, Triumph des Küssens.
▶ Samstag, 18. Oktober 2014, 19.30 Uhr (III), 20.30 Uhr
(IV), 21.30 Uhr (I), 22.30 Uhr (II), 23.30 Uhr (III), 0.30 Uhr
(IV). Eintritt nur mit Karte der Langen Nacht der Museen
▶ Freitag, 24. Oktober 2014, 18.30 Uhr
Mein Dorf: Weltenburg | BRD 1974 | R+B: Percy
Adlon | K: Rudolf Kleinjung | 17 min | »Im Mittelpunkt
steht die Fährfrau Anna Bachhuber, die Tag und Nacht
für einen Hungerlohn erreichbar sein muss und die nie
ihren Humor verliert.« (Percy Adlon) – Out of Rosenheim | BRD 1987 | R: Percy Adlon | B: Percy Adlon,
Eleonore Adlon | K: Bernd Heinl | M: Bob Telson | D:
Marianne Sägebrecht, CCH Pounder, Jack Palance,
Christine Kaufmann, Monica Calhoun | 108 min | OmU
| Aus Bob Telsons Filmsong »Calling you« klingt bereits
Percy Adlon
die Verlorenheit, die Jasmin aus Rosenheim überkommt, als sie nach einem Ehestreit in einem Motel in
der Mojave-Wüste strandet und sich nicht nur mit der
Chefin des Hauses auseinandersetzen muss. »Brenda
und Jasmin – die Geschichte einer Freundschaft. In der
bayrisch-amerikanischen Urfassung spricht Marianne
Sägebrecht ein Englisch, das man gehört haben muss!
Jasmin Münchgstettner könnte direkt aus einem meiner Dörfer in die kalifornische Wüste spaziert sein.«
(Percy Adlon)
▶ Samstag, 25. Oktober 2014, 18.30 Uhr ▶▶ Samstag,
20. Dezember 2014, 18.30 Uhr
23
Mein Dorf: Frasdorf im Chiemgau | BRD 1972 | R+B:
Percy Adlon | K: Rudolf Kleinjung | 15 min | »Ein Nebenerwerbslandwirt arbeitet mit Begeisterung bei
einem progressiven norddeutschen Unternehmer.«
(Percy Adlon) – Die Moni geht im Schalk | BRD 1972
| R+B: Percy Adlon | K: Hofer | 16 min | »Eine bayrische
Trachtenhochzeit vom Ankleiden der Braut beim ersten
Tageslicht bis zum letzten Gstanzl des Hochzeitladers.«
(Percy Adlon) – Gabriel Max: Im Haus des Affenmalers | BRD 1980 | R+B: Percy Adlon | K: Jürgen
Martin | 43 min | »Filmerzählung aus meinem Heimatdorf Ammerland am Starnberger See. Ich war mit dem
Erzähler meines Films befreundet, als ich 32 und er
fast 90 Jahre alt war. Colombo Max bewohnte das Seeufer-Haus seines Vaters Gabriel Max, wo zu Colombos
Jugendzeit spiritistische Séancen gehalten wurden und
sein Vater Affen hielt – mit einem von ihnen ließ er sich
begraben. Gabriel Max war einer der Malerfürsten zur
OUT OF ROSENHEIM
Tacámbaro | BRD 1975 | R+B: Percy Adlon | K: Horst
Lermer | 43 min | »Gerhart Münch, genialer Musiker,
Außenseiter, Trinker und seine Frau Vera, eine USPräsidententochter, haben sich aus dem Künstlerparadies Big Sur in die mexikanische Sierra Madre del Sur
in die hoch- und entlegene Mestizenstadt Tacámbaro
gerettet.« (Percy Adlon) – Nijinsky im Waschsalon |
D 2000 | R+B: Percy Adlon | 5 min | Johann Strauss:
Seladon-Quadrille, op. 48. Ein obdachloser Tänzer
dreht im Waschsalon Pirouetten zwischen den ungerührten Kunden. – German Town | BRD 1978 | R+B:
Percy Adlon | K: Jürgen Martin | 43 min | Zum Flötensoundtrack von »Island in the Sun« sucht Percy Adlon
German Town auf.»Im Bergdschungel im Innern Jamaicas siedelten sich 1835 ein paar verzweifelte deutsche
Familien an, vermischten sich nicht mit der schwarzen
Bevölkerung und blieben. Die heutigen Bewohner sind
sprachlos und kulturlos. Sie sind Jamaikaner, doch
ohne Heimat.« (Percy Adlon)
Zeit Ludwigs I.« (Percy Adlon) – Das Autogramm | D
2000 | R+B+K: Percy Adlon | 9 min | Johann Strauss:
»Abschied von St. Petersburg«, Walzer, op. 210
Percy Adlon
▶ Freitag, 31. Oktober 2014, 18.30 Uhr
24
Mein Dorf: Pestenacker, Schwaben | BRD 1975 |
R+B: Percy Adlon | K: Paul Teufl | 15 min | »Ein alter
Schmied und sein junger Sohn, der Landmaschinen
repariert und in der Freizeit mit einer harmlosen Mopedgang unterwegs ist.« (Percy Adlon) – Herr Kischott
| BRD 1979 | R+B: Percy Adlon | K: Mike Gast | M:
Eugen Illin | D: Rolf Illig, Maria Roth, Mario Piras, Marianne Sägebrecht | 98 min | Don Quichotte im niederbayrischen Plattling. »Ein Eisenbahnrentner liebt die
Fernsehansagerin Dagmar Berghoff und zieht mit
Schweißerhelm, Moped und Nachbar Sanchez gegen
das Syndikat-U, die Unbescheidenheit der Welt, zu
Felde. Mit Marianne Sägebrecht als Frau Sanchez in
ihrer ersten Filmrolle.« (Percy Adlon)
▶ Samstag, 1. November 2014, 18.30 Uhr
Zirkusleben | D 2000 | R+B+K: Percy Adlon | 10 min
| Johann Strauss: »Ins Centrum!«, Walzer, op. 387.
»Eine letzte Vorstellung, der Abschied und Abbau eines
Zirkus, mehr Erinnerung als Realität.« (Percy Adlon) –
Herschel und die Musik der Sterne | BRD 1985 |
R+B: Percy Adlon | K: Raimund Maxsein | M: Joseph
Haydn | D: Rolf Illig, Josef Meinrad, Karin Anselm,
Edgar Selge | 105 min | »Joseph Haydn besucht Herschel, den Entdecker des Uranus, in Slough bei London,
wo der deutsche Astronom ein hölzernes Riesenteleskop gebaut hat. Haydn flirtet mit Herschels junger
Schwester, plaudert übers Komponieren, doch beim
nächtlichen Blick ins Weltall packt ihn die Angst und
sein ungeschriebenes Oratorium ›Die Schöpfung‹ donnert in seinem Kopf.« (Percy Adlon) Ein Kammerspiel
mit vier Personen, im Studio mit mehreren Fernsehkameras aufgezeichnet und mit Mut zu technischen Experimenten. Durch Inserts und Bluebox wird eine Mondwanderung der Herren Herschel und Haydn simuliert.
▶ Sonntag, 2. November 2014, 18.30 Uhr
Tomi Ungerers Landleben | BRD 1973 | R+B: Percy
Adlon | K: Horst Lermer | 43 min | »Durch einen Ausstellungsbericht habe ich Tomi Ungerer in München
kennengelernt. Er lud mich auf eine Halbinsel nach
Nova Scotia ein, wohin er 1970 mit seiner jungen Frau
Yvonne aus New York geflohen war. Ich war so fasziniert von ihm, dass ich mein erstes großes Filmporträt
über ihn machte.« (Percy Adlon) – Inspiration | D
2000 | R+B+K: Percy Adlon | 4 min | Johann Strauss:
»Bonbon«, Polka française, op. 213. »Ein Maler wartet
auf Inspiration. Er stellt sich drei Modelle vor, die die
Hüllen fallen lassen. Das strengt ihn so an, dass er einnickt.« (Percy Adlon) – Mann vor wilder Landschaft |
D 1996 | R+B+K: Percy Adlon | 58 min | »Tomi und
Yvonne in Goleen, County Cork, Irland. Nach meinem
ersten Besuch bei Tomi und Yvonne Ungerer mache
ich, 23 Jahre später, einen Film über die beiden auf
ihrer Farm auf der Südspitze Irlands. Tomis Originalität
im Sprechen und Zeichnen erweist sich genauso einmalig wie beim ersten Besuch.« (Percy Adlon)
▶ Freitag, 7. November 2014, 18.30 Uhr
Mein Dorf: Vachendorf / Chiemgau | BRD 1976 |
R+B: Percy Adlon | K: Rudolf Kleinjung |15 min | »Sie
macht das Lädchen, er den Friseursalon, allerdings in
einem Raum. Zusammen mit den Kunden eine Art Reality-Show.« (Percy Adlon) – Rosalie goes shopping |
BRD 1988 | R: Percy Adlon | B: Percy Adlon, Eleonore
Adlon | K: Bernd Heinl | M: Bob Telson | D: Marianne
Sägebrecht, Brad Davis, Judge Reinhold, Erika Blumberger, Willy Harlander | 94 min | OF | »In Arkansas,
USA, möchte die bayerische Rosalie eine vorbildliche
Konsumentin für ihre neue Heimat sein, wo sie mit
ihrem Doppeldecker-Landwirtschafts-Piloten, sieben
Kindern und ca. drei Dutzend Kreditkarten jongliert.
Dem katholischen Priester der Minigemeinde beichtet
sie ihre Sünden.« (Percy Adlon) Die als Farce gezeigte
Kritik am Konsum als Religionsersatz und an der
scheinbar endlosen Bezahlmöglichkeit mit Kreditkarten
ist erstaunlich aktuell.
▶ Samstag, 8. November 2014, 18.30 Uhr
Percy Adlon
SALMONBERRIES
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So in love | D 1991 | B+R: Percy Adlon | D: k.d.lang |
5 min | Eine junge Frau wäscht die Kleidung ihrer verstorbenen Geliebten. Ein Musikvideo für k.d. lang und
eine Hommage an Cole Porter. – Salmonberries | D
1991| R+B: Percy Adlon | K: Tom Sigel | M: Bob Telson
| D: Rosel Zech, k.d. lang, Chuck Connors, Jane Lind,
Oscar Kawagley | 105 min | engl. OF | »Eine Liebe in
Alaska und Berlin. Nach einer Tunnel-Flucht aus Ostberlin, bei der ihr Mann erschossen wurde, flieht eine
Bibliothekarin bis ans Ende der Welt, nach Kotzebue,
Alaska. Die Begegnung mit einem androgynen Findling
verändert ihr verstummtes Leben.« (Percy Adlon) Adlon
schrieb diesen Film für die kanadische Country & Western-Sängerin k.d. lang, die darin ihre erste Hauptrolle
spielt. Kurz nach der Wende thematisiert er die
deutsch-deutsche Vergangenheit, die auch durch eine
weitere Flucht nicht bewältigt werden kann.
▶ Sonntag, 9. November 2014, 18.30 Uhr
Rollwenzels bunte Steine | BRD 1976 | R+B: Percy
Adlon | K: Hermann Reichmann | 43 min | »Pfarrer
Mädl im Steinbruch. Was er bei seinen wöchentlichen
Hack- und Kratzarbeiten an versteinerten Schätzen
ausbuddelt, füllt, zum Leid von Frau Mädl, alle Schubladen des Pfarrhauses.« (Percy Adlon) – Treibhauseffekt | D 2000 | R+B+K: Percy Adlon | 2 min | Johann
Strauss: Ottinger Reiter-Marsch, op. 83. »Eine Blaskapelle verirrt sich im Treibhaus, bis der Dirigent nur
noch Grünzeug statt Takt schlägt.« (Percy Adlon) –
Wolfgang Wagner, Herr der Ringe | BRD 1984 |
R+B: Percy Adlon | K: Henning Stegmüller | 43 min |
»Der Herr von Bayreuth orakelt über seine Nachfolge,
erregt unfreiwillig Heiterkeit beim Vortanzen, hält dem
Generalprobenpublikum eine Standpauke und unterhält
die Rheintöchter am Planschbecken.« (Percy Adlon)
▶ Freitag, 14. November 2014, 18.30 Uhr
Nebenbei hauptsächlich Rösser | BRD 1979 | R+B:
Percy Adlon | K: Pitt Koch | 43 min | »Der Bildhauer
Fritz Koenig lebt und arbeitet auf dem Ganslberg über
Landshut. Pfauen schreien aus hohen Bäumen, auf der
Wiese darunter sind Skulpturen aufgestellt, Ausdruck
von der Balance unserer Sinne und Konzepte, auf den
Weiden galoppieren Pferde.« (Percy Adlon) – Pferdestärken | D 2000 | R+B+K: Percy Adlon | 4 min | Johann Strauss: »Liebchen, schwing dich«, Polka Mazurka, op. 394 – Koenigs Kugel | D 2001 | R+B+K:
Percy Adlon | 58 min | »Fritz Koenigs ›Kugelkaryatide
N.Y.‹, die größte Bronzeskulptur der Neuzeit, wurde
1969 in einem Stück von Hamburg zum Hudson in
Manhattan gebracht, und stand dann 30 Jahre lang auf
der Plaza des World Trade Center. Beim Attentat am
11. September 2001 blieb sie stark verletzt erhalten.
Fritz Koenig besucht den Schauplatz fünf Wochen nach
dem Anschlag, als auf Ground Zero noch der Qualm
der glühenden Massen aus dem Trümmerfeld steigt.«
(Percy Adlon)
▶ Samstag, 15. November 2014, 18.30 Uhr
Percy Adlon
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Vati | BRD 1974 | R+B: Percy Adlon | K: Willy Dobos |
43 min | »Ein sächsischer Neonfummler in Port-auPrince. Eberhard Eberwein strandete in Haiti auf dem
Seeweg nach Venezuela, blieb, gründete eine Firma,
wo er in einer Bananenhütte mit Starkstrom hantiert,
drei schwarze Teilzeitarbeiter beschäftigt und von seiner Frau, einer Friseurin, die sich mehr von der Heirat
mit einem Weißen versprochen hatte, von seinen und
ihren Kindern möglichst ferngehalten wird.« (Percy
Adlon) – Younger and Younger | USA 1993 | R: Percy
Adlon | B: Percy Adlon, Felix Adlon | K: Bernd Heinl | M:
Hans Zimmer | D: Donald Sutherland, Lolita Davidovich,
Julie Delpy, Brendan Fraser, Sally Kellerman | 97 min |
OF | Jonathan Younger hütet in seinem Lagerhaus die
geheimen Schätze anderer Leute. Als seine vernachlässigte Frau zu Tode kommt, scheint für ihn die große
Freiheit anzubrechen. Gemeinsam mit seinem Sohn
will er eine Lagerhauskette aufbauen. Doch in seinen
Fantasien verliebt er sich dabei aufs Neue in seine
immer jünger und attraktiver »erscheinende« Frau. Ein
Eheschicksal.
▶ Sonntag, 16. November 2014, 17.30 Uhr
Orbela’s people | USA 2007 | R+B+K: Percy Adlon |
118 min | OF | Percy und Eleonore Adlons Begegnung
mit dem neunjährigen Maasai-Jungen Orbela und seiner Familie in ihrem Bergdorf ist Adlons erster langer
und sehr persönlicher Dokumentarfilm, den er selbst
mit digitaler Kamera gedreht hat. »Wir waren auf einer
Safari im Ngorongoro Krater in Tansania, Ostafrika. Auf
den Höhen darüber besuchten wir ein Maasai-Dorf. In
der Ecke des Schulraums stand ein Junge, dessen
Augen Hilfe suchten. Er hatte eine Hasenscharte und
einen Wolfsrachen. Wir wollten ihm helfen. Das Dorf
war ein für Touristen gebautes Dorf. Das richtige lernten wir kennen, als wir ein halbes Jahr später zurückkamen und eine Welt erlebten, die wir nicht erwartet
hatten.« (Percy Adlon)
▶ Freitag, 28. November 2014, 18.30 Uhr
Der Jogger | D 2000 | R+B+K: Percy Adlon | 3 min |
Johann Strauss: »Hermann-Polka«, op. 91 »Während
ihr Gatte im Park joggt, genehmigt sich die frustrierte
Gattin ein wenig magic in ihrem k.u.k.-Schlafgemach.«
(Percy Adlon) – Hawaiian Gardens | D 2000 | R: Percy
Adlon | B: Percy Adlon, Eleonore Adlon | K: Rudolpho
Paul | D: André Eisermann, Valeria Hernandez, Tzi Ma,
Richard Bradford, Florian Fitz | 110 min | Baldi, ein junger ehrgeiziger Start-up-Unternehmer aus Deutschland, ist rund um den Erdball unterwegs, um Schriftstellern Ideen und Stoffe abzuluchsen und diese mit
einem Verwertungsprogamm im Internet massenweise
zu verkaufen. In Kalifornien verliebt er sich rettungsund hilflos in eine junge Latina, deren Mentor ein ehemals berühmter Schriftsteller ist, den Baldi auf seiner
Abschussliste hat. »Vom bayerischen Wald nach Silverlake, Kalifornien – Liebe und Copyrightbetrug in Zeiten
der Globalisierung.« (Percy Adlon)
▶ Samstag, 29. November 2014, 18.30 Uhr
FilmMusikMaking | D 2010 | R+B: Percy Adlon, Felix
Adlon | K: Benedict Neuenfels, Andreas Erben | 43 min
| Der Dirigent Esa-Pekka Salonen und das Stockholm
Symphony Orchestra proben die Filmmusik zu MAHLER
AUF DER COUCH, immer im Dialog mit den beiden
Filmemachern. – Mahler auf der Couch | D 2010 |
R+B: Percy Adlon, Felix Adlon | K: Benedict Neuenfels |
M: Gustav Mahler | D: Johannes Silberschneider, Barbara Romaner, Friedrich Mücke, Karl Markovics, Eva
Mattes, Lena Stolze | 105 min | Sommer 1910. »Wir
sind in einer Welt der Stars, wie man es heute nennt.
Der Wiener Hofoperndirektor und international gefeierte Dirigent Mahler und seine schöne, erotische,
zwanzig Jahre jüngere Frau sind für die damalige Zeit
eine Art ›Brangelina‹, ständig umgeben von Theatralik
und Klatsch. Der Schauplatz Wien in seiner heißesten
Phase zur Zeit der Secession. Und dann ist da auch
noch der damals zwar schon berühmte aber genauso
berüchtigte Dr. Sigmund Freud, der den Trieben der
Menschen auf die Schliche kommen will.« (Percy
Adlon)
▶ Sonntag, 30. November 2014, 17.30 Uhr
Mein Dorf: Rudertshausen | BRD 1971 | R+B: Percy
Adlon | K: Paul Teufl | 15 min | Die junge »Zimmerin«,
Hopfenbäuerin – Mein Dorf: Bonbruck / Niederbayern | BRD 1975 | R+B: Percy Adlon | K: Ludwig Wüchner | 16 min | Geistlicher Rat und Bauherr August Kohl
– Mein Dorf: Wald im Allgäu | BRD 1974 | R+B: Percy
Adlon | K: Paul Teufl | 15 min | Hans Gröschel, Walzenfahrer – Mein Dorf: Schneizlreuth im Berchtesgadener Land | BRD 1975 | R+B: Percy Adlon | K: Rudolf
Kleinjung | 16 min | Adolf Bauregger, Gemeindearbeiter
– Mein Dorf: Pestenacker bei Landsberg / Lech |
BRD 1975 | R+B: Percy Adlon | K: Paul Teufl | 17 min |
Uhl, Vater und Sohn, Schmied und Landmaschinenmechaniker – Mein Dorf: Deimhausen bei Schrobenhausen | BRD 1973 | R+B: Percy Adlon | K: Horst Lermer | 15 min | Boris, zweieinhalb Jahre, und seine »zugereisten« Eltern.
▶ Freitag, 19. Dezember 2014, 18.30 Uhr
Erster Weltkrieg
Der Erste Weltkrieg im Film
WESTFRONT 1918
27
Die intensive Wechselbeziehung zwischen Krieg und
Film begann nicht mit dem Ersten Weltkrieg. Aber in
den Jahren zwischen 1914 und 1918 lernten die kriegführenden Nationen den Film und die Filmproduzenten
den Krieg für ihre jeweiligen Zwecke zu nutzen und legten Parameter fest, die seitdem Gültigkeit besitzen. Bis
heute unterstützen Regierungen und das Militär Filmgesellschaften großzügig bei der Produktion von Kriegsfilmen mit ihnen genehmer Botschaft. Und bis heute
bewegen sich Kriegsfilme in dem Spannungsfeld zwischen Mahnung, Spektakel, Kommerz und Propaganda.
Als der Erste Weltkrieg im August 1914 ausbrach, war
das Medium Film 19 Jahre alt und damit nach menschlichen Maßstäben im Begriff, seine Volljährigkeit zu erlangen. In Europa zeigte der Film auch bereits deutliche
Zeichen der Reife. Er war dabei, das Stadium der
Kuriosität und Jahrmarktsattraktion hinter sich zu lassen und sich als legitime Form der Unterhaltung und
sogar des künstlerischen Ausdrucks zu etablieren. Die
Filme wurden länger und die Themen anspruchsvoller.
Auch in den USA wurden zu dieser Zeit bereits erfolgreich Filme gedreht, und im Jahr 1914 entstand die
erste größere Produktion in dem kleinen kalifornischen
Luftkurort Hollywood. Aber in Europa spielten amerikanische Produktionen noch keine dominierende Rolle,
während europäische Filme in den USA einen großen
Marktanteil hatten.
Der Erste Weltkrieg sollte dies ändern. Mit Ausnahme
von Deutschland kam die Filmproduktion in den kriegführenden Ländern größtenteils zum Erliegen. Der innereuropäische Austausch von Filmen, der problemlos
und allgegenwärtig gewesen war, stockte kriegsbedingt. Den Kinos gingen die Filme aus, und das zu einer
Zeit, in der flimmernder Eskapismus massenhaft nachgefragt wurde. Die USA, die erst 1917 in den Krieg eintreten sollten, hatten ausreichend Kapazitäten und
genug Geschäftsgeist, in die entstandene Lücke vorzustoßen. Der Erste Weltkrieg war somit der entscheidende Faktor für den Aufstieg der amerikanischen Filmindustrie zu weltweiter Dominanz. Innerhalb der USA
vermochten vor allem die Filmgesellschaften in Holly-
Erster Weltkrieg
28
wood diese Chance zu nutzen und den bis dahin unbedeutenden Ort innerhalb weniger Jahre als Weltmetropole des Films zu etablieren.
In den USA stieß der Ausbruch des großen europäischen Krieges auf Unverständnis und Abscheu. Doch
das Lager derer, die für einen Kriegseintritt der USA auf
Seiten Englands und Frankreichs plädierten, erhielt vor
allem mit der Verbreitung von Berichten über die deutsche Kriegsführung im neutralen Belgien Zulauf. Diese
Berichte, die das Leiden der Zivilbevölkerung und die
Barbarei einer deutschen Soldateska schilderten, beruhten durchaus auf Tatsachen, wurden aber auch oft
propagandistisch übertrieben. Die Wende in der Stimmung der amerikanischen Öffentlichkeit wurde durch
den deutschen U-Bootkrieg eingeleitet. Der Jagd deutscher Unterseeboote auf mit Militär- und Wirtschaftsgütern beladene Schiffe fielen im Atlantik immer wieder
auch amerikanische Staatsbürger zum Opfer. Am meisten erregte die Öffentlichkeit die Versenkung der Lusitania, bei der unter den 1195 Todesopfern allein
128 Amerikaner waren. Am 6. April 1917 traten die
Vereinigten Staaten in den Krieg ein.
Das gerade aufblühende Hollywood stürzte sich mit
Gusto in diese Propagandaschlacht, bei der neben
moralischem Hochgefühl auch viel Profit winkte. Die
Handlungsmuster griffen dabei gern auf die der Büh-
nenmelodramen des 19. Jahrhunderts zurück: Zähnefletschende Schurken bedrohen reine Heldinnen und
werden durch heldenhafte Retter vom Schlimmsten abgehalten. Kein Wunder also, dass die britische Regierung den Meister des Leinwandmelodramas D. W. Griffith einlud, mit ihrer Unterstützung Originalaufnahmen
an der Westfront für einen solchen Propagandafilm zu
drehen. In dem daraus entstandenen HEARTS OF THE
WORLD (1918) mit Lillian Gish und ihrer Schwester
Dorothy geraten Amerikaner im besetzten Frankreich
zwischen die Fronten und leiden unter brutaler Behandlung durch deutsche Soldaten. In diesem Film spielte
Erich Stroheim zum ersten Mal einen deutschen Offizier. Der gebürtige Österreicher erkannte in dem Hunnenhass seine große Chance, fügte seinem Namen ein
»von« hinzu und verkörperte als »the man you love to
hate« den widerlichen preußischen Offizier par excellence.
Nach dem Waffenstillstand im November 1918 endete
das Interesse des amerikanischen Publikums und der
Weltöffentlichkeit an Kriegsfilmen schlagartig. Bis in
die Mitte der 1920er Jahre wagte sich kaum ein amerikanisches Studio an das Thema Erster Weltkrieg heran.
Die zweite Welle amerikanischer Weltkriegsfilme wurde
1925 eingeleitet von King Vidors THE BIG PARADE, der
vermutlich zum kommerziell erfolgreichsten Stummfilm
überhaupt wurde und so in den folgenden Jahren viele
Nachahmer fand. Frank Borzage nutzte den Krieg als
schicksalhaftes Element in den meisten seiner großen
Melodramen der Stummfilmzeit wie auch in 7th HEAVEN (1927). Der schwedische Importregisseur Mauritz
Stiller drehte mit dem polnisch-deutschen Importstar
Pola Negri 1927 den an der Ostfront angesiedelten
HOTEL IMPERIAL, und obwohl der Meister der Landschaftsaufnahme hier ganz ins Studio verwiesen war,
gelang ihm mit diesem Film seine einzige glückliche
Arbeit in Hollywood.
Neue technische Entwicklungen halfen, das Kriegsgeschehen noch realistischer darzustellen: Der Fliegerfilm WINGS (1927) beeindruckte mit Luftaufnahmen,
die im Magnascope-Verfahren die Begrenzung der
Leinwand sprengten, und mit Geräuscheffekten, die
die Register der in allen größeren Kinos installierten
Kinoorgeln und Geräuschmaschinen ausnutzten. Er
wurde 1929 mit dem ersten Oscar für den besten Film
überhaupt ausgezeichnet. Ein Jahr später wurde diese
Ehre einem weiteren Kriegsfilm zuteil: Dem Tonfilm
ALL QUIET ON THE WESTERN FRONT (1930). Lewis
Milestone verfilmte Erich Maria Remarques Roman
(gleich nach dessen Erscheinen) so eindrucksvoll, dass
der Film weltweit ein Erfolg wurde – auch wenn SA-
Erster Weltkrieg
OH! WHAT A LOVELy WAR
Männer Aufführungen des Films in Deutschland sabotierten und der Film zeitweise verboten wurde. Die Darstellung des Ersten Weltkriegs im Kino erhielt durch
den Tonfilm einen neuen Schub. Selbst THE BIG
PARADE wurde mit eindrucksvoll nachvertonten synchronen Geräuscheffekten noch einmal in die Kinos gebracht.
Auch in Deutschland kam mit dem Tonfilm eine Welle
von Kriegsfilmen ins Kino, die heute noch als wichtige
Zeitdokumente gelten. Anders als die amerikanischen
Filme sind WESTFRONT 1918 (1930), NIEMANDSLAND
(1931) und DIE ANDERE SEITE (1931) entschiedene
Appelle gegen den Krieg an sich. Sie stehen damit im
Gegensatz zu den vielen dem Zeitgeist entsprechenden
patriotischen und revanchistischen Produktionen, die
das deutsche Kino zu dieser Zeit überschwemmten.
Noch im Krieg waren 1917 in Deutschland auf Betreiben der Obersten Heeresleitung die vielen kleinen
privaten Filmgesellschaften unter dem Dach der neu
gegründeten UFA zusammengefasst worden, um Film
als Mittel der Propaganda vereinnahmen zu können.
Filme mit dezidiert pazifistischer Tendenz konnten nur
außerhalb der UFA entstehen und im von der UFA
dominierten Kinomarkt auch nur sehr begrenzt Zuschauer anziehen. Sie wurden nach 1933 verboten und
vernichtet, existieren heute wie NAMENLOSE HELDEN
(1924) nur noch als Fragment oder wie NIEMANDSLAND und DIE ANDERE SEITE in schlecht erhaltenen
Filmkopien.
Wichtige Filme gegen den Krieg sind in Europa schon
sehr früh entstanden. Die belgische Produktion MAUDITE SOIT LA GUERRE kam 1914 kurz vor Ausbruch
des Ersten Weltkriegs in die Kinos und verblüfft noch
heute mit ihrer prophetischen Darstellung von Kämpfen
in Schützengräben und von Kriegstechnologien, die
später tatsächlich zum Einsatz kamen. In Frankreich
konnte Abel Gance 1917 noch während des Krieges
seine eigenen Erfahrungen in seinem großangelegten
metaphorischen Epos J’ACCUSE verarbeiten, für das er
erstaunlicherweise auf die Unterstützung des Militärs
zurückgreifen und Soldaten in Kampfpausen in seine
Dreharbeiten einbeziehen durfte. Das Meisterwerk des
frühen französischen Tonfilms LES CROIX DE BOIS
(1932) lässt zum ersten Mal Klassengegensätze zwischen Offizieren und einfachen Soldaten anklingen, die
Jean Renoir in LA GRANDE ILLUSION (1937) auf einer
anderen Ebene weiter ausführt. Fernab der Schlachtfelder sinniert der Kommandant eines deutschen Kriegsgefangenenlagers melancholisch über das Ende des
alten Europa. Nicht ohne Ironie besetzte Renoir diese
Rolle mit Erich von Stroheim.
Der Zweite Weltkrieg, dessen Ausmaße den Krieg von
1914–1918 in jeder Hinsicht übertrafen, verdrängte
den Ersten Weltkrieg als Filmthema für viele Jahre. Erst
als sich in den 1960er Jahren der Weltkrieg zum fünfzigsten Mal jährte, geriet er wieder in den Fokus und
wurde einer Neubewertung unterzogen. Neue Darstellungsformen, beeinflusst von den Strömungen des Existentialismus in der Philosophie und des Absurden in
der Kunst, zeichnen die Filme aus. Das in einigen Ländern verhängte jahrelange Verbot von Stanley Kubricks
militärkritischem Lehrstück PATHS OF GLORY (1959)
zeigt dabei, dass es in der Darstellung des Krieges
durchaus noch Tabus gab. Richard Attenboroughs Verfilmung der Bühnenrevue OH! WHAT A LOVELY WAR
(1969), die den Weltkrieg als satirisches Musical abhandelt, und Dalton Trumbos schockierende Romanverfilmung JOHNNY GOT HIS GUN (1971), in der ein
durch seine Kriegsverletzungen aller Möglichkeiten der
menschlichen Existenz beraubter Torso in seinen Erinnerungen und einer Traumwelt lebt, gelangten seinerzeit erst gar nicht in die deutschen Kinos.
29
Erster Weltkrieg
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Auch fand eine Umorientierung auf lange verschwiegene oder vernachlässigte Ereignisse des Ersten Weltkriegs statt. Mit GALLIPOLI (1981) arbeitete Peter Weir
ein nationales Trauma auf, indem er den enorm verlustreichen Einsatz australischer und neuseeländischer
Hilfstruppen vor Istanbul in den Blick nahm. In Tansania
siedelt Christian Doermer seinen Film LETTOW-VORBECK: DER DEUTSCH-OSTAFRIKANISCHE IMPERATIV
(1984) an, der das sinnlose und eigenmächtige Handeln eines deutschen Oberleutnants im ersten Weltkrieg thematisiert, die Ereignisse dabei aber auch in
einen geschichtsphilosophischen Rahmen stellt, indem
er sie mit internationalen Krisen seiner Zeit in Zusammenhang bringt.
Der Erste Weltkrieg war der erste Krieg, der von verschiedenen Seiten umfassend gefilmt wurde. Doch
diese Bilder entstanden im Auftrag der jeweiligen Armeen und klammern den Horror in den Schützengräben, den Dauerbeschuss durch Maschinengewehre,
die unvorstellbare Anzahl von Toten und Verletzten aus.
Da es unmöglich war, die schwerfälligen Kameras ins
unmittelbare Kriegsgeschehen einzubeziehen, sind
viele vermeintlich dokumentarische Aufnahmen zudem
nachgestellt. Dies gilt auch für den 2006 ins »Memory
of the World Register« der Unesco aufgenommene Dokumentarfilm THE BATTLE OF THE SOMME (1916).
Unser Bild vom Ersten Weltkrieg ist daher überwiegend
geprägt von den Spielfilmen Anfang der 1930er Jahre –
trotz Weiterentwicklung der Technik und trotz der mit
digital koloriertem und nachvertontem Dokumentarmaterial und Re-enactment auf »Primetimefähigkeit«
setzenden Fernsehdokudramen zum 100. Jahrstag des
Kriegsbeginns, die »nahezu jeden Vorgang zum kleinen Melo heruntersentimentalisieren« (Rüdiger Suchsland).
Ernüchternd dabei ist, wie wenig Einfluss die Filme der
1930er Jahre auf das reale Weltgeschehen hatten.
Und daran hat sich bis heute nichts geändert.
Arndt Pawelczik
1914. Die letzten Tage vor dem Weltbrand | D 1930
| R: Richard Oswald | B: Heinz Goldberg, Fritz Wendhausen | K: Mutz Greenbaum | D: Albert Bassermann,
Heinrich George, Eugen Klöpfer, Reinhold Schünzel,
Oskar Homolka | 100 min | Mosaikartig zusammengesetzte Ereignisse der Julikrise: die Vorgänge in Wien,
Berlin, Sankt Petersburg, Paris und London, die zum
Beginn des Weltkriegs führten. Oswald betreibt »Ursachenforschung, wo andere Regisseure mit ihren Filmen den Krieg heroisch verklären oder seine monströse Grausamkeit bloßstellen.« (Wolfgang Mühl-Berg-
hausen) Dass der Film die deutsche Zensur erst nach
Vorschaltung einer erklärenden Einleitung durch einen
Historiker passieren konnte, zeigt, wie schwierig der
Umgang mit der Kriegsschuldfrage auch noch in der
späten Weimarer Republik war.
▶ Dienstag, 16. September 2014, 21.00 Uhr
All Quiet on the Western Front (Im Westen nichts
Neues) | USA 1930 | R: Lewis Milestone | B: Maxwell
Anderson, George Abbot, Del Andrews, nach dem
Roman von Erich Maria Remarque | K: Arthur Edeson |
M: David Broekman | D: Lewis Ayres, Louis Wolheim,
John Wray, Arnold Lucy, Ben Alexander | 133 min |
OmU | Der Film folgt Paul und seinen Freunden von der
Schulbank durch die Grundausbildung in die Schützengräben und begleitet sie bis zum bitteren Ende. Mit großem Aufwand und dokumentarischer Genauigkeit werden Kriegsaktionen aus der Perspektive der Soldaten
im Schützengraben dargestellt. Obwohl es bei Aufführungen in Deutschland zu Störaktionen der SA kam, die
seine Verbreitung verhindern wollten, und der Film daraufhin zeitweise verboten wurde, war es schließlich
einer der erfolgreichsten Filme der Saison 1931/32.
▶ Dienstag, 23. September 2014, 21.00 Uhr
Lettow-Vorbeck. Der Deutsch-ostafrikanische Imperativ | BRD 1984 | R: Christian Doermer | B: Christian Doermer, Torsten Breuer | K: Mohinder Dhillon,
Silus Santhole | M: Norbert Jürgen Schneider | D:
Michael Burisch, Reinhard Dinkelmeyer, Christian Doermer, Andreas Dönhoff, Dorian Rocco | 97 min | In der
deutschen Kolonie Tanganjika in Ostafrika entschließt
sich ein Hauptmann der Kolonialtruppen, eigenmächtig
Krieg gegen die Briten zu führen und die Position zu
halten. Christian Doermers Essayfilm reflektiert die
Frage nach der Relevanz der Ereignisse von 1914
im Zusammenhang der geopolitischen Lage zur Zeit
seiner Entstehung. Das als Kleines Fernsehspiel mit
20 Tagen Drehzeit begonnene Projekt wurde zu einem
vierjährigen Ringen mit einer Vision.
The African Queen (African Queen) | USA 1951 | R:
John Huston | B: James Agee, John Huston, nach dem
Roman von C.S. Forrester | K: Jack Cardiff | M: Allan
Gray | D: Humphrey Bogart, Katharine Hepburn, Robert
Morley, Peter Bull, Theodore Bikel | 105 min | OF |
Humphrey Bogart und Katharine Hepburn spielen ein
ungleiches Paar, das der Krieg im kolonialen Ostafrika
zusammengeworfen hat. Gemeinsam versuchen sie,
mit Bogarts altem Kahn ein deutsches Dampfschiff aufdem Viktoriasee zu versenken. Ausgesprochen unterhaltsame Abenteuerkomödie in strahlendem Technicolor, die Bogart den einzigen Oscar seiner Karriere
einbrachte. Der Film kam seinerzeit erst mit einigen
Jahren Verspätung in die deutschen Kinos, gekürzt und
bereinigt von angeblich »antideutschen« Szenen.
▶ Dienstag, 7. Oktober 2014, 21.00 Uhr
D.W. Griffith Directs the Great War | Vortrag mit Filmausschnitten von Russell R. Merritt | 30 min | englisch |
Die spannende Produktionsgeschichte von HEARTS OF
THE WORLD, den der amerikanische Starregisseur
D.W. Griffith auf Einladung des britischen War Office
drehte, um die Amerikaner zum Kriegseintritt zu bewegen. – Hearts of the World | USA 1918 | R+B:
David Wark Griffith | K: G.W. Bitzer, Hendrik Sartov | M:
Carli Elinor | D: Lillian Gish, Robert Harron, Dorothy
Gish, Adolphe Lestina, Josephine Crowell, Jack Cosgrave | 133 min | OF | Zwei amerikanische Familien geraten im besetzten Frankreich zwischen die Fronten
und können sich nur in letzter Sekunde vor einer entfesselten deutschen Soldateska retten. HEARTS OF
THE WORLD war in den amerikanischen Kinos der
erfolgreichste Spielfilm während des Ersten Weltkriegs.
▶ Dienstag, 14. Oktober 2014, 19.00 Uhr | Zu Gast: Rus-
sell R. Merritt | Live-Musik: Richard Siedhoff
Paths of Glory (Wege zum Ruhm) | USA 1957 | R:
Stanley Kubrick | B: Stanley Kubrick, Calder Willingham,
Jim Thompson, nach dem Roman von Humphrey Cobb
| K: George Krause | M: Gerald Fried | D: Kirk Douglas,
Ralph Meeker, Adolphe Menjou, George Macready,
Wayne Morris | 88 min | OmU | Kirk Douglas versucht
als französischer Offizier einige seiner Männer vor dem
Standgericht zu retten. An ihnen soll ein Exempel statuiert werden, da sie sich im Trommelfeuer geweigert
hatten, ihren Schützengraben für einen Angriff zu verlassen und in den sicheren Tod zu rennen. Der von
einem historischen Vorfall inspirierte Film, der in München (Schloss Schleißheim, Bavaria-Studios) gedreht
wurde, zeigt in eindrucksvollen Bildern die Sinnlosigkeit
des Grabenkriegs und die Unmöglichkeit, sich in ihm
seine Menschlichkeit zu bewahren.
▶ Dienstag, 21. Oktober 2014, 21.00 Uhr
»Make Films Not War«: Pazifistisches Kino | Vortrag
mit Filmbeispielen von Alexander Schwarz | 60 min |
Kann das Kino uralte Fixierungen auf mythische Helden,
adoleszente Abenteuerlust, archaische kollektive Zerstörung, überholte Freund-Feind-Stereotypen, Hassund Rachefantasien, Kameradschaftslegenden und so
genannte »reinigende, stählende Kriegsgewitter« aufbrechen? Seit 1913 versuchen Antikriegsfilme dies auf
vielfältige Weise zu erreichen und sich gegen den Mainstream zu stemmen. – Namenlose Helden | Österreich 1925 | R: Kurt Bernhardt | B: Hans Székely, Kurt
Bernhardt | K: Marius Holdt | D: Erwin Kalser, Lilli
Schönborn, Heinz Hilpert, Hermann Hofmann, Ernst
Pittschau | 15 min (Fragment) − Niemandsland | D
1931 | R+B: Victor Trivas | K: Alexander von Lagoria,
Juri Stiljanudis | M: Hanns Eisler | D: Ernst Busch, Hugh
S. Douglas, Louis Douglas, Georges Péclet, Wladimir
Sokoloff | 82 min | Fünf Feinde, ein Deutscher, ein Franzose, ein Engländer, ein Schwarzer und ein Jude treffen
in der Todeszone zwischen den Fronten aufeinander.
▶ Dienstag, 28. Oktober 2014, 19.00 Uhr | Zu Gast: Alex-
ander Schwarz
La grande illusion (Die große Illusion) | F 1937 | R:
Jean Renoir | B: Charles Spaak, Jean Renoir | K: Christian Matras | M: Joseph Kosma | D: Jean Gabin, Pierre
Fresnay, Erich von Stroheim, Dita Parlo, Marcel Dalio |
113 min | OmU | Jean Renoirs melancholische Abrechnung mit dem Ersten Weltkrieg. Erich von Stroheim als
Erster Weltkrieg
▶ Dienstag, 30. September 2014, 21.00 Uhr | Zu Gast:
Christian Doermer
31
Erster Weltkrieg
deutschen Kriegsgefangenen – als Brüder dargestellt
werden. »An OKRAINA kann man Boris Barnets ganzen
Erfindungsreichtum ablesen: Selbst eine Familientragödie und das aufrichtige Pathos einer schwierigen Romanze zwischen einem Deutschen und einer Russin
müssen der visuellen Energieproduktion weichen, die
ihren Überdruck in Form von Gags abbaut.« (Christoph
Huber)
32
▶ Dienstag, 25. November 2014, 21.00 Uhr
Major von Rauffenstein leitet ein deutsches Kriegsgefangenenlager. Der schwer versehrte Veteran geht
mit den gefangenen Offizieren, die er als seinesgleichen ansieht, freundschaftlich um und beklagt den Untergang des alten Europa. Der Film zeichnet ein vielschichtiges Gesellschaftsbild, in dem Krieg, Klassen
und Grenzen die Menschen trennen. Doch die Freundschaft ist stärker als die Klassen, und die Klassen sind
stärker als die Nationen.
▶ Dienstag, 4. November 2014, 21.00 Uhr
7th Heaven (Im siebenten Himmel) | USA 1927 | R:
Franz Borzage | B: Benjamin Glazer | K: Ernest Palmer,
J.A. Valentine | M: William P. Perry, Ernö Rapée | D:
Janet Gaynor, Charles Farrell, Albert Gran, David Butler
| 119 min | OF | Im Paris des Jahres 1914 rettet der
Straßenfeger Chico das Mädchen Diane vor ihrer gewalttätigen Schwester. Gemeinsam ziehen sie in Chicos Mansarde im »siebten Himmel« und sind glücklich,
bis der Krieg ausbricht und Chico einberufen wird. Im
Universum von Frank Borzage, dem Meister des Melodrams, kann die Liebe wirklich alles bezwingen. Janet
Gaynor und Charles Farrell waren das HollywoodTraumpaar der späten 1920er und frühen 1930er
Jahre. Berühmt wurde der Titelsong »Diane«, der auf
der originalen Movietone-Tonspur des Stummfilms zu
hören ist.
▶ Dienstag, 11. November 2014, 21.00 Uhr
Okraina (Vorstadt) | SU 1933 | R: Boris Barnet | B:
Konstantin Finn, Boris Barnet | K: Michail Kirillov, A.
Spiridonov | M: Sergej N. Vasilenko | D: Sergej Komarov, Elena Kuzmina, Nikolaj Bogoljubov, Nikolaj
Krjučkov, Robert Erdman | 98 min | OmU | Ein satirischer und oft skurriler Bilderbogen der Ereignisse in
einer russischen Kleinstadt während des Weltkriegs.
Wir lernen, dass es die Kapitalisten zu bekämpfen gilt
und nicht die Deutschen, die hier – in Gestalt eines
Oh! What a Lovely War | USA 1969 | R: Richard Attenborough | B: Len Deighton, nach dem Stück von
Charles Chilton und dem Musical von Joan Littlewood |
K: Gerry Turpin | M: Alfred Ralston | D: Wendy Allnutt,
Colin Farrell, Malcolm McFee, John Rae, Corin Redgrave | 144 min | OF | Verfilmung einer sarkastischen
Bühnenrevue mit vielen Liedern, die in England zur Zeit
des Krieges populär waren. Mit ungewöhnlichen Mitteln entwirft der Film von Richard Attenborough einen
Bilderbogen des Kriegs. Dabei verbindet er auf sehr britische Weise Komik und Ernst, Unterhaltung und Mahnung. In der Episode zum »Weihnachtsfrieden« 1914,
der spontanen, nicht autorisierten Waffenruhe zwischen deutschen und britischen Soldaten, ist Christian
Doermer zu sehen, der später LETTOW-VORBECK drehte.
▶ Dienstag, 2. Dezember 2014, 21.00 Uhr
Johnny Got His Gun (Johnny zieht in den Krieg) |
USA 1971 | R: Dalton Trumbo | B: Dalton Trumbo nach
seinem Roman | K: Jules Brenner | M: Jerry Fielding |
D: Timothy Bottoms, Kathy Fields, Marsha Hunt, Jason
Robards, Donald Sutherland | 111 min | OF | Ein amerikanischer Kriegsfreiwilliger verliert an der Front Beine
und Arme sowie sein Gesicht. Unfähig zu kommunizieren, wird er in einem Sanatorium als medizinisches
Experiment am Leben gehalten. Ein großer Teil des
Films spielt in der Traum- und Erinnerungswelt des Protagonisten. Dalton Trumbo, der während der Hexenjagd gegen Kommunisten im Amerika der 1950er
Jahre blacklisted war und nur noch unter Pseudonym
an Filmen mitwirken konnte, inszenierte die Verfilmung
seines 1939 veröffentlichen Romans schließlich selber,
nachdem eine Produktion unter der Regie von Luis Buñuel nicht zustande kam.
▶ Dienstag, 9. Dezember 2014, 21.00 Uhr
Lawrence of Arabia (Lawrence von Arabien) | USA
1962 | R: David Lean | B: Robert Bolt, Michael Wilson,
nach dem Kriegsbericht »Seven Pillars of Wisdom« von
T. E. Lawrence | K: Frederic A. Young | M: Maurice
Jarre | D: Peter O’Toole, Alec Guinness, Anthony Quinn,
Westfront 1918 | D 1930 | R: Georg Wilhelm Pabst | B:
Ladislaus Vajda, nach dem Roman »Vier von der Infanterie« von Ernst Johannsen | K: Fritz Arno Wagner,
Charles Métain | M: Alexander Laszlo | D: Fritz Kampers, Gustav Diessl, Hans Joachim Moebis, Claus Clausen, Jackie Monnier | 97 min | Vier deutsche Infanteristen erleben an der Westfront den Stellungskrieg in all
seiner Härte und Grausamkeit. Maschinengeräusche,
Detonationen und Schreie prägen sich ebenso ein wie
die Kamerafahrten durch die Schützengräben, die auf
dem Studiogelände der Bavaria-Film nachgebaut wurden. »Wenn man einen Verwundeten, der nicht gerettet
werden kann, stöhnen hört, ohne ihn je zu sehen, so
geht das unter die Haut, und der Betrachter bleibt nicht
länger mehr Betrachter.« (Siegfried Kracauer)
▶ Dienstag, 6. Januar 2015, 21.00 Uhr
Hotel Imperial (Hotel Stadt Lemberg) | USA 1927 | R:
Mauritz Stiller | B: Jules Furthman, Edwin Justus Mayer
| K: Bert Glennon | D: Pola Negri, James Hall, George
Siegman, Max Davidson, Michael Vavitch | 85 min | OF
Erster Weltkrieg
▶ Dienstag, 16. Dezember 2014, 18.30 Uhr
| An der österreichisch-russischen Front flieht ein österreichischer Offizier vor seinen russischen Verfolgern in
ein kleines Hotel in Lemberg. Als die Russen das Hotel
zu ihrem Hauptquartier machen, versteckt ihn das
Zimmermädchen Anna, das sich in ihn verliebt hat. Der
einzige erhaltene Film, den der große schwedische
Stummfilmregisseur Mauritz Stiller in Hollywood drehte,
ist ein eindrucksvolles Melodram. »Niemals, seit Pola
Negri in Amerika ist, hat sie eine derartig klare, geschlossene, durchseelte Leistung hervorgebracht. Jetzt
ist sie wieder die große Künstlerin, als die sie uns verlassen hat.« (Lichtbildbühne 1/1927)
▶ Dienstag, 13. Januar 2015, 21.00 Uhr | Live-Musik:
Richard Siedhoff
33
Der magische Gürtel | D 1917 | R+B: Hans Brennert |
K: Loeser | 45 min | Kaperfahrt des deutschen Unterseebootes U 35 durch das Mittelmeer und vor der spanischen und südportugiesischen Atlantikküste im Frühjahr 1917. Dabei wurden »21 Dampfer und drei Segler
versenkt und 5 englische Kapitäne von Schiffen, die
Widerstand leisteten, gefangen genommen. Der Film
ist einer der besten und wirkungsvollsten, die wir seit
langem sahen.« (Lichtbildbühne 37/1917) – The
Battle of the Somme (Die Schlacht an der Somme)
| GB 1916 | K: Geoffrey H. Malins, John B. McDowell |
74 min | OF | Im Auftrag des British Topical Committee
for War Films produzierter Dokumentarfilm über die
ersten Wochen der britisch-französischen Großoffensive gegen deutsche Stellungen, die 1916 den Krieg
entscheiden sollte, aber zur verlustreichsten Schlacht
des Ersten Weltkriegs wurde.
▶ Dienstag, 20. Januar 2015, 21.00 Uhr | Einführung
und Kommentierung: Martin Loiperdinger
LAWRENCE OF ARABIA
Jack Hawkins, Omar Sharif, Claude Rains, Arthur
Kennedy | 227 min | OF | Britischer Historienfilm mit
überaus opulenten, in 70mm und Breitwand aufgenommenen Bildern und großartigen Schauspielern. Während des Ersten Weltkriegs versucht der britische
Agent T. E. Lawrence die Stämme auf der arabischen
Halbinsel in den Krieg gegen die osmanische Kolonialmacht zu führen. Nach einer aufwändigen Rekonstruktion und digitalen Restaurierung besitzt der Film wieder
seine ursprüngliche Länge und erstrahlt in seiner ganzen visuellen Pracht.
Erster Weltkrieg
34
Die Frau und der Fremde | DDR 1985 | R+B: Rainer
Simon, nach der Novelle »Karl und Anna« von Leonhard
Frank | K: Roland Dressel | M: Reiner Bredemeyer | D:
Kathrin Waligura, Joachim Lätsch, Peter Zimmermann,
Katrin Knappe, Siegfried Höchst | 98 min | Zwei deutsche Kriegsgefangene in Russland freunden sich an
und erzählen sich von zu Hause. Als einer von beiden
früher entlassen wird, sucht er die Frau des Kameraden auf und gibt sich als deren Mann aus. Sie weiß,
dass etwas nicht stimmt, verliebt sich aber in den
Fremden, der alles über sie und von ihr zu wissen
scheint. »Der Krieg, der die Ausnahmereaktionen der
drei Hauptfiguren ermöglicht, der Krieg spielt immer
mit, aber er tritt nicht als grausiges Detail in Erscheinung.« (Rainer Simon) Der einzige Film der DEFA, der
mit dem großen Preis auf einem westlichen Filmfestival
ausgezeichnet wurde: 1985 gewann er auf der Berlinale den Goldenen Bären.
▶ Dienstag, 27. Januar 2015, 21.00 Uhr
The Man I Killed (Der Mann, den sein Gewissen
trieb) | USA 1932 | R: Ernst Lubitsch | B: Samson Raphaelson, Ernest Vajda | K: Victor Milner | M: W. Franke
Harling | D: Lionel Barrymore, Nancy Carroll, Phillips
Holmes, Louise Carter, Lucien Littlefield | 77 min | OF |
Der Film beginnt mit den Feiern zum Jahrestag des
Kriegsendes in Frankreich. Zwischen die Aufnahmen
von Paraden und einem Gedenkgottesdienst mischen
sich Bilder aus dem Krieg und von Kriegsversehrten
aus einem Sanatorium. In der Kirche bleibt nach der
Zeremonie ein Mann zurück, der sich in der Beichte
beschuldigt, dass er im Nahkampf im Krieg einen deutschen Soldaten erschossen hat. Da er keine Ruhe finden kann, reist er nach Deutschland und sucht die
Eltern des Getöteten auf. Konsequent stellt der Film die
Frage nach der Verantwortung des Einzelnen.
▶ Dienstag, 3. Februar 2015, 21.00 Uhr
Les croix de bois (Hölzerne Kreuze) | F 1932 | R:
Raymond Bernard | B: Raymond Bernard, André Lang,
nach dem Roman von Roland Dorgelès | K: Jules Kruger, René Ribault | D: Pierre Blanchar, Gabriel Gabrio,
Charles Vanel, Raymond Aimos, Antonin Artaud |
110 min | OmeU | Ein junger französischer Rekrut erlebt in einem erfahrenen Regiment die erbarmungslose
Dezimierung und das Grauen an der Front. Der Film ist
dabei ganz der Authentizität verpflichtet: echte Schauplätze, echte Requisiten, die Schauspieler und Statisten waren ausnahmslos Veteranen. Das Spiel, die Inszenierung und die filmischen Mittel sind fast schockierend modern. »LES CROIX DE BOIS war in Frankreich
der wichtigste Film für die Generation, die den Ersten
Weltkrieg erlebt hatte, und blieb über Jahrzehnte ununterbrochen im Kinoeinsatz – während ihn die Nazis in
Deutschland sofort verboten.« (Antti Alanen)
▶ Dienstag, 10. Februar 2015, 21.00 Uhr
Gallipoli | Australien 1981 | R: Peter Weir | B: David
Williamson | K: Russell Boyd | M: Brian May, JeanMichel Jarre, Tommaso Albinoni | D: Mark Lee, Mel
Gibson, Bill Kerr, Charles Yunupingu, Heath Harris |
110 min | OF | Peter Weir folgt der langen Reise zweier
australischen Kriegsfreiwilligen von der Heimat bis zu
ihrem schicksalhaften Einsatz vor Istanbul in der
Schlacht von Gallipoli, bei der 1915 60.000 australische Soldaten vom britischen Oberkommando letztendlich sinnlos ins türkische Sperrfeuer geschickt wurden.
Über 26.000 Australier wurden schwer verwundet oder
gerieten in Kriegsgefangenschaft, 7.595 starben im
Kampf. Weir arbeitet ein nationales Trauma der Australier auf, verliert sich dabei aber nicht in Schlachtenbeschreibungen, sondern geht der Frage nach, warum
und wieso sich Menschen für den Krieg begeistern und
begeistern lassen.
▶ Dienstag, 24. Februar 2015, 21.00 Uhr
Maudite soit la guerre (Verflucht sei der Krieg) | Belgien 1914 | R+B: Alfred Machin | D: Baert, Suzanne
Berni, Fernand Crommelynck, Nadia D’Angely, Henri
Goidsen | 38 min | OmU | Ein verblüffender Antikriegsfilm, der im Mai 1914 in den Kinos anlief und in schablonenkolorierten Szenen den Alltag im Belgien der Vorkriegszeit und den Ausbruch des Krieges schildert. –
Shoulder Arms (Gewehr über!) | USA 1918 | R+B:
Charles Chaplin | K: Roland Totheroh | D: Edna Purviance, Charles Chaplin, Syd Chaplin, Loyal Underwood, Henry Bergman | 44 min | OF | Chaplin als Soldat im Schützengraben. »Kein anderer hätte wagen
dürfen, mit dem Entsetzlichen so Spott zu treiben, wie
es sein Genie getan hat – diese Verhöhnung des Militarismus, diese skurrile Komik der Bewegungen, dieser
blitzschnelle Wechsel von Sentimentalität, echtem
Gefühl, Klamauk und Karikatur.« (Kurt Tucholsky)
▶ Dienstag, 3. März 2015, 21.00 Uhr | Live-Musik:
Joachim Bärenz
Schon zu Lebzeiten des Autors fanden Wedekinds
Werke den Weg ins neue Medium Film. Das vielfältige
Potential für filmische Bearbeitungen lässt sich auf verschiedene Aspekte der literarischen Texte zurückführen: etwa auf die ästhetische Hybridität der Dramen,
die von Gattungen wie Zirkus, Pantomime oder Varieté
geprägt sind, oder auf formale Eigenschaften wie tableaux und Variation, die einer linearen Handlung oft
entgegenarbeiten. Diese Aspekte der Wedekind’schen
Ästhetik entsprachen den Prioritäten des frühen Kinos,
als das Spektakel noch vor dem Narrativen den Vorrang
hatte. Auch im Hinblick auf ihre Thematik bieten Wedekinds Texte reiches Material für Filmemacher: Unter
den zentralen Themen seiner Werke sind vor allem die
Probleme des Menschen auf dem Weg zur sexuellen
Reife, die Spannung zwischen den sozialen Verhaltensnormen und dem Geschlechtstrieb, das einseitige oder
gegenseitige Begehren sowie dessen obsessive, sadistische oder zerstörerische Manifestationen filmisch besonders ergiebig. Es nimmt daher nicht Wunder, dass
in der Geschichte des Kinos, vom Stummfilm bis zu
den heutigen Spiel- und TV-Filmen, Wedekinds bekannteste Dramen und auch einige seiner Prosawerke
in filmischen Bearbeitungen immer wieder zu sehen
sind. Von der bekanntesten Wedekind-Verfilmung,
G.W. Pabsts DIE BÜCHSE DER PANDORA (1929), lässt
sich sogar sagen, dass sie das Bild seiner berühmtesten Figur, Lulu, für das 20. Jahrhundert neu gedeutet
und nachhaltig geprägt hat.
Die Frage danach, wie die Rolle zu realisieren sei, war
von Anfang an strittig. Schon Wedekind kommentierte
den Kontrast zwischen der »Selbstverständlichkeit, Ursprünglichkeit, Kindlichkeit«, die ihm bei der Zeichnung
der weiblichen Hauptfigur als »maßgebliche Begriffe«
vorschwebten, und der Charakterisierung Lulus als
femme fatale in den ersten Inszenierungen: »Was hatte
ich vor Augen? Lulu war raffiniert. Die Mode von 1904:
Lulu war Salome.«
Im neuen Medium Film bestand dieser Kontrast fort.
Bekanntlich hat Louise Brooks behauptet, dass sie einfach »sich selbst« gespielt habe, oder genauer: dass
sie gar nicht gespielt habe. Das Rezept bestand aus
ihren Zutaten: die Frische und Offenheit des amerikanischen Mittelwestens, eine Prise kindhafter Androgynie,
die ansteckende Vitalität der roaring twenties flapper.
Auf diese Weise rettete Louise Brooks gewissermaßen
Lulu vor Salome. Die Leistung ist um so mehr zu schätzen, wenn man sie mit der Interpretation der Asta Niel-
Frank Wedekind
Frank Wedekind zum 150. Geburtstag
35
sen in Leopold Jessners ERDGEIST (1923) vergleicht.
Bei Nielsen herrscht noch das Dämonische der femme
fatale. Im Vergleich dazu fällt bei Brooks eine leicht
leuchtende Sinnlichkeit auf, die energisch ist, ohne manisch zu wirken.
Die Widersprüche und Brüche im Lulu-Bild – zwischen
Kindfrau und femme fatale, Natürlichkeit und Performance, Sinnlichkeit und Unschuld – bestehen nach
dem Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm weiter. In
Rolf Thieles LULU (1962) stellt Nadja Tiller Lulu als Wienerin dar: keck, launisch, etwas hochmütig – eher Bürgerin als Bürgerschreck. Im Vergleich zu den anderen
Lulu-Filmen wirken die monströsen Seiten der Doppeltragödie bei Thiele etwas gedämpft: Der Tod von Dr.
Schön, die allmähliche Erniedrigung der Protagonistin,
ihr Untergang und ihre Zerstückelung durch Jack the
Ripper werden nicht weggelassen, sie werden aber
auch nicht besonders brutal inszeniert.
Zwei neuere Spielfilme greifen den Stoff einer Novelle
von Wedekind – »Mine-Haha oder Über die körperliche
Erziehung junger Mädchen« (1903) – auf und bearbeiten ihn neu. Dabei liegen die Behandlungen des Stoffes
durch Lucile Hadzihalilovic und John Irvin auffällig weit
auseinander. Sogar die Titel der Filme deuten auf radikal verschiedene Ansätze hin. Bei Hadzihalilovics INNOCENCE (2004) stehen Kleinkinder und vorpubertäre
Frank Wedekind
36
Mädchen im Vordergrund, die Ästhetik des Filmes wird
von der paradiesischen Parklandschaft, die die Mädchen bewohnen, dominiert. Dagegen lässt Irvin in THE
FINE ART OF LOVE (2005) die Rollen durch etwas ältere, 16- bis 18-jährige Mädchen verkörpern. Irvins
Film legt den Akzent auf die verheerenden Folgen einer
gnadenlosen Sexualökonomie, die junge Mädchen für
den späteren sexuellen Konsum durch ältere Männer
systematisch dressiert. Der Titel – »Die feine Kunst der
Liebe« – kann im Nachhinein, nachdem die »körperliche Erziehung der jungen Mädchen« in der gewaltsamen Entjungferung der Protagonistin Hidalla kulminiert, als merkwürdige Mischung aus Ironie und Vorwurf verstanden werden: Hier ist, trotz Parklandschaft,
Theater, Tanzstunden und Internat-Idyll, die »Liebe«
ganz sicher nicht »fein« und mitnichten als »Kunst« zu
bezeichnen. Im Kontrast dazu deutet die wortlose
Schluss-Szene von INNOCENCE, in der die Protagonistin Bianca zusammen mit einem lächelnden Jungen
unter dem Wasserstrahl eines Brunnens spielt, auf eine
sexuelle Erweckung hin, die als positiv empfunden
wird.
Beide Filme folgen der literarischen Vorlage insofern,
dass Bild, Szene, Atmosphäre und Körper den Vorrang über Handlung, Charakterisierung und Ereignis
haben. Der auffallend zyklische Charakter des Lebens
im streng gegliederten Erziehungssystem lässt einen linear sich entwickelnden Handlungsstrang kaum zu.
Dies rührt zum Teil auch daher, dass es sich bei »MineHaha« um den Fragment gebliebenen Ansatz zu einem
nie vollendeten Textprojekt handelt, dem geplanten utopischen Roman »Die große Liebe«, in dem es um eine
neue Gesellschaftsordnung »basierend auf der freien
Liebe« gehen sollte.
In einem Interview beschreibt Hadzihalilovic die abgeschnittene Umwelt der Parklandschaft als unheimliche
Mischung aus Gefängnis und Paradies. Dies trifft auch
auf die Novelle zu und verbindet sie mit der modernen
Utopie, die gerade um 1900 herum zunehmend dystopische Züge zu tragen begann. Galt die utopische Insel
lange Zeit als Labor oder Spielraum für experimentelle
Gesellschaftsformen, wird sie hier zum Treibhaus einer
weiblichen Sexualität, die vom Unbehagen der Geschlechterordnung zutiefst geprägt – sogar verformt –
ist. Hätte Wedekind sein utopisches Projekt zu Ende
geführt, so wäre der Endpunkt der »körperlichen Erziehung« in öffentlichen Sex-Riten und verstaatlichter
Prostitution zu sehen, in der »Vereinigung von Kirche
und Bordell im sozialistischen Zukunftsstaat«. Irvins
Film deutet in der Schluss-Sequenz schon in diese
Richtung.
Trotz der idyllischen Szenerie und dem Versprechen
des Untertitels entlarvt sich die »körperliche Erziehung«
in »Mine-Haha« letztendlich als genauso repressiv und
befremdlich wie die »schwarze Pädagogik« in »Frühlings Erwachen«. Widerstand und Ungehorsam werden
mit lebenslanger Haft, Ausschluss oder sogar Auslöschung bestraft, was zur fast vollkommenen geistigen Passivität seitens der Mädchen führt. Ein Dialogfetzen, der in INNOCENCE wiederholt vorkommt, bringt
diesen geistigen Zustand klar zum Ausdruck: »Pourquoi?« »Parce que.« (»Warum?« »Darum.«). Vielleicht
wurde das Interesse der beiden Filmemacher an dem
Wedekind-Text gerade durch die Schwierigkeit oder
Vergeblichkeit seiner Suche nach einer emanzipatorischen Erziehung geweckt. Durch den gnadenlosen
(und nur, wenn überhaupt, implizit kritischen) Blick auf
die Dressur des weiblichen Körpers sowie durch die unbehagliche Nähe von Paradies und Gefängnis nimmt
Wedekinds »Mine-Haha« hochaktuelle Ambivalenzen
und Ängste vorweg, die um die »Emanzipation« der
Sinnlichkeit und den Tod der Utopie kreisen.
Caitríona Ní Dhúill
Ein Programm zur Ausstellung »Wedekinds Welt« im Deutschen Theatermuseum München (noch bis zum 11. Januar
2015), anlässlich Frank Wedekinds 150. Geburtstag. Zudem
erinnert die Filmreihe auch an den 100. Geburtstag des
Schauspielers Charles Regnier, den Schwiegersohn von Frank
Wedekind, der in drei der gezeigten Verfilmungen mitspielt.
Caitríona Ní Dhúills Text ist ein Auszug ihres Katalogbeitrages.
Der Marquis von Keith | BRD 1962 | R: Axel Corti | B:
Charles Regnier, nach dem Stück von Frank Wedekind
| K: Günter Kropf | D: Charles Regnier, Maria Sebaldt,
Herbert Fleischmann, Max Mairich, Ulli Lommel, Ruth
Drexel, Walter Sedlmayr | 94 min | »Eine bittere Satire
über den Gegensatz zwischen Kunst und Mammon,
zwischen Fantasie und Realismus, aber auch ein ironisches und zynisches Selbstporträt des Dichters Frank
▶ Mittwoch, 17. September 2014, 21.00 Uhr | Ein-
führung: Anatol Regnier
Tod und Teufel | GB 1973 | R+K: Stephen Dwoskin |
B: Charles Regnier, Stephen Dwoskin, Ros Spain, Volker Elis Pilgrim, nach dem Stück von Frank Wedekind |
M: Gavin Bryars | D: Charles Regnier, Carola Regnier,
Brigitte Rau, Matthias von Spallart, Ulla Larsson |
90 min | Adaption des Einakters von Frank Wedekind,
der als dritter Teil der »Lulu«-Serie geplant war. »Der
Text war veraltet (die soziale Ambiguität der Frauen, die
Fehler, die Männer in bezug auf Frauen machen), er
wurde modifiziert und ergänzt. Ich bewundere Pabsts
BÜCHSE DER PANDORA sehr, und eine stilistische Verbindung von TOD UND TEUFEL zu PANDORA mag es
geben in Bezug auf die Art, wie Louise Brooks Lulu porträtiert – diese erstaunliche Ausdruckskraft! Ein größerer Einfluss waren meine Beziehungen zur WedekindFamilie, aber am wichtigsten war das Thema: die Widersprüche im männlich/weiblichen Rollenspiel. Das Stück
ist Fragment geblieben, und so nahm ich mir die Freiheit,
Wedekinds Ideen auszuweiten.« (Stephen Dwoskin)
▶ Mittwoch, 24. September 2014, 21.00 Uhr | Ein-
führung: Anatol Regnier
Die Büchse der Pandora | D 1929 | R: Georg Wilhelm
Pabst | B: Ladislaus Vajda, nach den Stücken »Erdgeist« und »Die Büchse der Pandora« von Frank Wedekind | K: Günther Krampf | D: Louise Brooks, Fritz Kortner, Franz Lederer, Carl Goetz, Krafft-Raschig, Gustav
Diessl | 109 min | »Über das Wagnis, Wedekinds Problematik abnormer Psychologie zu verfilmen – Wedekind hat, nach seinen eigenen Worten, ›das furchtbare
Verhängnis der Unnatürlichkeit zum Gegenstand ernster dramatischer Gestaltung‹ gemacht – und über das
Wagnis, die Prostituierte als Opfer zu zeigen, ging
Pabst noch einen Schritt hinaus bis zur äußersten, verdammungswürdigen Unsittlichkeit: Er gab seiner Lulu
die ›süße Unschuld‹ der Blumen, die ihre Kleider zierten
und die Szenen des Stücks füllten. ›Lulu ist kein wirklicher Charakter‹, sagte Wedekind, ›sondern die Verkörperung primitiver Sexualität, die das Böse ganz unbewusst heraufbeschwört.‹« (Louise Brooks)
▶ Mittwoch, 1. Oktober 2014, 21.00 Uhr | Live-Musik:
Joachim Bärenz
Erdgeist | D 1923 | R: Leopold Jessner | B: Carl Mayer,
nach dem Stück von Frank Wedekind | K: Axel
Graatkjær | D: Asta Nielsen, Albert Bassermann, Rudolf
Forster, Carl Ebert, Alexander Granach, Heinrich
George | 81 min | »Der besondere künstlerische Wert
der Asta-Nielsen-Erotik besteht darin, dass sie durchaus vergeistigt ist. Und darum wirkt Asta Nielsen nie
geil. Sie hat immer etwas Kindliches. Aber in dieser
Rolle, wo sie doch eine Dirne spielt, die im Moment, da
sie die Oberhand gewinnt, sofort beobachtend, berechnend wird, in dieser Dirnenrolle wirkt ihre Naivität
schon pflanzenhaft. Sie ist nicht unmoralisch, sondern
eine gefährliche Naturgewalt und unschuldig wie ein
Raubtier. Sie frisst die Männer nicht mit böser Absicht,
und ihr Abschiedskuss (sie küsst den Mann, den sie erschossen hat) ist rührender als alle Tränen verlassener
Filmjungfrauen. Ja, senkt die Fahnen vor ihr, denn sie
ist unvergleichlich und unerreicht.« (Béla Balázs)
▶ Mittwoch, 8. Oktober 2014, 21.00 Uhr | Live-Musik:
Joachim Bärenz
Frühlings Erwachen – Eine Kindertragödie | D 1929
| R: Richard Oswald | B: Friedrich Raff, Herbert Rosenfeld, nach dem Stück von Frank Wedekind | K: Eduard
Hoesch | D: Tony van Eyck, Carl Balhaus, Rolf von Goth,
Mathilde Sussin, Paul Henckels | 79 min | »Der Film
nimmt von Wedekind die Außenkonflikte. Schuldig
bleibt er zwar das Atmosphärische, Dichterische: die
frühen Beklommenheiten, Wonne und Spuk, das Labyrinth der Brust, den Schreck des Werdens. Doch er
bringt von neuem einen Hinweis auf Schwieriges, Un-
Frank Wedekind
Wedekind, der ungewöhnlich lang um Anerkennung
und Erfolg kämpfen musste. In der Titelrolle zeigt Charles Regnier jene Präzision, Beweglichkeit und Eleganz
des Spiels, die seinen Ruhm begründeten. Von ganz
anderem Typ als sein Schwiegervater Wedekind, bringt
er dessen Text zum Leuchten und erfüllt ihn mit dem
Leben der eigenen Persönlichkeit. Der große Regisseur
Axel Corti bietet ihm eine würdige Plattform zur Entfaltung seines Könnens und sorgt mit straffer Hand für
Wedekind’sches Tempo.« (Anatol Regnier) Die Aufführung ist dem Gedenken von Charles Regnier anlässlich
seines 100. Geburtstags gewidmet.
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gelöstes, Tragisches. Menschlich und wertvoll ist auch
das. Schüler, Lehrer, Eltern. Vielleicht hat sich inzwischen manches verbessert. Es soll sich aber vieles
noch mehr verbessern. Wendla ist Tony van Eyck:
ernsthaft, kindlich, spielend, wie betäubt – und an
einer bitteren Frucht sterbend. Und Balhaus als Darsteller des Moritz: still und sehr hoffnungsreich.« (Ernst Blaß)
▶ Mittwoch, 15. Oktober 2014, 21.00 Uhr | Live-Musik:
Richard Siedhoff
Frank Wedekind
Lulu | Österreich 1962 | R: Rolf Thiele | B: Rolf Thiele,
Herbert Reinecker, nach den Stücken »Erdgeist« und
»Die Büchse der Pandora« von Frank Wedekind | K:
Michel Kelber | M: Carl de Groof | D: Nadja Tiller, O. E.
Hasse, Hildegard Knef, Rudolf Forster, Mario Adorf,
Charles Regnier | 100 min | »Thieles Kino ist ein Kino
der großen, existenzialistischen Themen, ein Kino surrealistischer Sittenbilder. Mit dröhnendem Schädel
müssen Herr und Frau Müller 1962 das Kino verlassen
haben, bis in die Träume müssen sie die gleißenden,
wogenden und marmornen Schwarzweißbilder des Begehrens aus Thieles abgründigem Garten der Lüste verfolgt haben. Diese Bilder sind von solch einzigartiger
Kraft, Thieles entschlossene Furchtlosigkeit ist so konsequent, dass man auch heute noch unter Nadja Tillers
todbringendem Sog verglüht. Liebe ist Zeitgeist, Sex ist
Klassik.« (Christoph Draxtra)
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▶ Mittwoch, 22. Oktober 2014, 21.00 Uhr
INNOCENCE
Innocence (Unschuld) | F 2004 | R+B: Lucile Hadzihalilovic, nach der Novelle »Mine-Haha« von Frank
Wedekind | K: Benoît Debie | M: Richard Cooke | D: Zoé
Auclair, Bérangère Haubruge, Lea Bridarolli, Marion
Cotillard, Corinne Marchand | 122 min | OmU | »Hadzihalilovic ist es wahrhaft gelungen, die Unschuld junger
Mädchen in den Jahren der Adoleszenz zu erfassen.
Sie zeigt eine Welt komplett ohne Männer. Was interessante Fragen aufwirft. Hemmt männliche Dominanz
(oder auch nur Präsenz) die natürliche, instinktive Entwicklung junger Frauen? Sind die Freiheiten, die ihnen
hier gewährt werden, in der realen Welt unmöglich?
Das heikle Thema hat zu Kontroversen geführt, die jedoch grundlos sind – lüsterne Gedanken, die sich vielleicht beim Sehen des Films entwickeln, sagen mehr
über den Zuschauer als über die Regisseurin und ihre
Absichten. Sie folgt der Parabel der Vorlage und bleibt
von Anfang bis Ende kompromisslos. Ein gewagter,
kühner, völlig originärer Film, eine somnambule Erfahrung.« (Andrew Grant)
▶ Mittwoch, 29. Oktober 2014, 21.00 Uhr
The Fine Art of Love (Die hohe Kunst der Liebe) | GB
2005 | R: John Irvin | B: James Carrington, Sadie
Jones, Alberto Lattuada, Ottavio Jemma nach der Novelle von Frank Wedekind | K: Fabio Zamarion | M: Paul
Grabowsky | D: Jacqueline Bisset, Hannah Taylor Gordon, Mary Nighy, Natalia Tena, Emily Pimm | 102 min |
OF | »Seit ich die erste Londoner Aufführung von Wedekinds ›Frühlings Erwachen‹ in den 1960er Jahren
gesehen hatte, war ich gepackt von dem Autor und seinem Werk, das so modern war in diesen Zeiten. Vierzig
Jahre später bekam ich das Script zu ›Mine Ha-Ha‹,
und wieder war ich beeindruckt von der narrativen
Stringenz und Präzision. Wedekind erzählt die Geschichte eines wachsenden Schreckens in einem von
der Außenwelt abgeschnittenen Waisenhaus für Mädchen. Ein Ort voller Geheimnisse und verborgener Gefahren. Es scheint ein unschuldiger Ort zu sein, eine
Schule für Musik, Tanz und Benehmen, aber tatsächlich ist es das genaue Gegenteil. Der Tod der Unschuld.« (John Irvin)
▶ Mittwoch, 5. November 2014, 21.00 Uhr
30 Jahre Filmstadt München e.V.
Der Aufstand | BRD 1980 | R: Peter Lilienthal | B: Peter
Lilienthal, Antonio Skármeta | K: Michael Ballhaus | M:
Claus Bantzer | D: Agustin Pereira, Carlos Catania,
Maria Lourdes Centano de Zelaya | 101 min | OmU |
1979 endet in Nicaragua die Diktatur von Somoza.
Peter Lilienthal macht sich im selben Jahr auf, um die
Ereignisse bei einer der wichtigsten Eroberungen wäh-
rend der sandinistischen Revolution dokumentarisch
nachzuzeichnen. DER AUFSTAND war Teil des ersten
Programms des »Centro Cultural Latinoamericano e.V.«
und wurde 1986 im Rahmen der »Lateinamerkanischen Filmtage: Nicaragua« gezeigt.
▶ Montag, 22. September 2014., 19.00 Uhr | Zu Gast:
Peter Lilienthal
Ich bin Tochter meiner Mutter (Ben Annemin Kizivim) | D 1996 | R+B: Seyhan Derin | K: Martin Farkas |
M: Georg Schaller | 89 min | OmeU | Drei Generationen,
drei Frauen, drei Leben: Die Tochter, geboren in der Türkei, aufgewachsen in Deutschland. Die Mutter, geboren
und aufgewachsen in einem Dorf nahe der Schwarzmeerküste, folgte ihrem Mann nach Deutschland. Die
Großmutter, geboren im osmanischen Reich, aufgewachsen in der 1923 gegründeten türkischen Republik.
Eine Zeitreise auf den Spuren einer bewegten Familiengeschichte. Der Dokumentarfilm wurde 1996 bei den
»Türkischen Filmtagen« gezeigt.
▶ Dienstag, 23. September 2014, 18.30 Uhr | Zu Gast:
Seyhan Derin
Plattln in Umtata – Mit der Biermösl Blosn in Afrika
| D 2007 | R+B: Peter Heller | K: Klaus Lautenbacher,
Otmar Schmid | 92 min | OmU | Die bayerische Musikkapelle Biermösl Blosn reist ins südliche Afrika, um mit
dortigen Musikern zu musizieren. Der Film dokumentiert ihre Erlebnisse, die sich nicht nur auf einen witzigkulturellen Dialog beschränken; auch kommt einiges
über Apartheid, Sklaverei und Unterdrückung zur Sprache, und es wird die Entwicklung des afrikanischen
Gumboot-Tanzes erklärt, der dem bayerischen Schuhplattler ähnlich ist. Gezeigt bei den »7. Tagen des Ethnologischen Films« der »Mediengruppe München«.
▶ Mittwoch, 24. September 2014, 18.30 Uhr | Zu Gast:
Peter Heller
Kurzfilmprogramm | D 2007–2013 | Der arabische
Frühling, Afghanistanheimkehrer, ein mächtiger Lebensmittelkonzern – sowie Lautmalerei, der beste
Alleinunterhalter und ein ambitionierter Filmdreh. Gezeigt wurden die Filme beim Kurzfilmfestival »Bunter
Hund«, bei »Underdox – Internationales Festival für
Dokument und Experiment« und bei »filmmern&rauschen« des Medienzentrums.
▶ Donnerstag, 25. September 2014, 19.00 Uhr | Zu Gast:
Claire Angelini, Niko Burger, Wolfram Huke, Knut
Karger, Jakob Schreier
Filmstadt München
Die Gründung des Vereins Filmstadt München fällt in
eine Zeit der regen kulturpolitischen Auseinandersetzung. Filmemacher, Medienpädagogen und Cineasten
schlossen sich 1979 zur Initiative Filmstadt München
zusammen, um gegen die Gegebenheiten des Filmemachens und -zeigens, wie sie sich damals in München präsentierten, anzutreten. Ideelle und institutionelle Rückendeckung bekamen sie aus dem Kulturreferat durch Michael Farin und vereinzelt aus dem Stadtrat – wesentlich für den kulturpolitischen Erfolg, den
die Initiative fünf Jahre später mit der Gründung der
Filmstadt München e.V. davontragen sollte.
Die Gruppen (darunter »Das Team«, die »Pädagogische
Aktion«, »Frauenkino e.V.«, das »Medienzentrum« und
Studierende) wollten eine kontinuierliche anspruchsvolle Filmarbeit in der Stadt. Auf ihrem Programm standen die neuen deutschen Filme, Dokumentarfilme und
Videoarbeiten, Kinderfilme und selbstgedrehte Werke,
die an einen bewussten Umgang mit Medien, auch in
Reaktion gegen das neue Privatfernsehen, heranführen
sollten, sowie Filme aus den Herkunftsländern der in
München heimisch gewordenen ehemaligen Gastarbeiter, türkische, griechische und italienische Filme.
Die kontinuierliche Filmarbeit, die Nähe zu den Filmemachern der »AG Dok«, sowie die partielle Unterstützung aus dem Stadtrat und dem Kulturreferat, ließ
1984 die Mitglieder der Initiative einen selbstbewussten Forderungskatalog formulieren, in welchem sie
eine Anerkennung ihrer kulturellen Arbeit und eine Ausstattung mit einem Minimalbudget verlangten. Als sie
endlich Erfolg hatten, wurde die Filmstadt München gegründet.
30 Jahre später kommt der Filmstadt noch immer eine
integrative und zu Kommunikation und Nachdenken
anstiftende Aufgabe zu. Sich mit dem Nachbarn von
nebenan verabreden, um FilmemacherInnen aus der
ganzen Welt zu begegnen, sich politisch, ästhetisch
und kulturell in der Gesellschaft zu positionieren und
dabei den Blick des Cineasten zu halten, dafür schlägt
auch heute das lebendige Herz der Filmstadt München.
Dunja Bialas
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9. Underdox Filmfestival
Underdox
Der 1937 in Italien geborene Carmelo Bene war schon
als Theaterregisseur enfant terrible der Kunstszene.
Sein Ruf als guitto, ein sich über alle Konventionen hinwegsetzender Künstler, steigerte sich nochmals, als er
1969 mit NOSTRA SIGNORA DEI TURCHI seinen ersten
Film realisierte. Sein Angriff auf alles Heilige, auch der
Kunst, versetzte das damalige Italien in einen regelrechten Schock. Seinem phantasmagorischen Kaleidoskop entsteigt der kollektive Alptraum von 1480, als
die türkische Flotte in Apulien einfiel und ein Massaker
an den Einwohnern beging. »Es ergab keinerlei Sinn«,
attestierte Sight and Sound euphorisch, eine »neoexpressionistische Explosion von einmaliger Art«,
nannte Amos Vogel den Film. Noch heute gilt der 2002
verstorbene Carmelo Bene, der insgesamt nur fünf
Filme realisierte, als Meister des experimentellen Films
und NOSTRA SIGNORA als sein chef d’œuvre.
Underdox widmet in seiner 9. Ausgabe zwei Programme dem italienischen Avantgardefilm. Bene war
eng mit Alberto Grifi verbunden. Mit LA VERIFICA INCERTA schuf dieser 1965 (zusammen mit Gianfranco
Baruchello) einen Meilenstein des Montagefilms. »LA
VERIFICA INCERTA montiert elegant und polemisch.
Der Schuss-Gegenschuss erfährt hier die heitere Demontage«, schrieb Harun Farocki zur Wiederentdeckung des Films vor zwei Jahren, den Underdox zusammen mit einigen anderen zentralen internationalen
Found-Footage-Werken zeigt.
ICH WILL MICH NICHT KüNSTLICH AUFREGEN
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Kunst wurde in den letzten Jahrzehnten buchstäblich
vom Kunstmarkt verschlungen – kontrolliert von einem
von Kunsthistorikern und Kuratoren ausgegebenen
Diskurs und unter strengen Regeln der Vermarktung.
Underdox eröffnet am 9. Oktober mit dem Spielfilm ICH
WILL MICH NICHT KÜNSTLICH AUFREGEN des Berliner
Regisseurs Max Linz – stilsichere Farce aus dem neoliberalen Berlin und zugleich politisches Manifest über
»Das Kino, das Kunst«.
Inwiefern die Regeln des Kunstmarktes internationale
Berühmtheit fördern, oder auch nicht, lässt sich bei
den Künstlern Ai Weiwei und Wang Bing beobachten.
Beide machen systemkritische Kunst in den Dimensionen des Monumentalen. Während sich Ai Weiwei an
den Werten des alten China medienwirksam abarbeitet,
erstellt Wang Bing, der 2003 mit dem neunstündigen
WEST OF THE TRACKS international bekannt wurde,
meisterliche, aber unaufgeregte Dokumentarfilme in
der Tradition des Cinéma vérité. Wang Bings Filme sind
stille Beobachtungen in der Dauer. Sein letzter Film,
’TIL MADNESS DO US PART (2013), führt in eine psychiatrische Anstalt in Yunnan und zeigt die nackte Existenz der vom Modernisierungswahn Ausgeschlossenen. »Was bringt Ihnen das Filmemachen?«, wurde
Wang Bing kürzlich in einem Interview gefragt. Seine
Antwort war: »Armut.«
Dunja Bialas
▶ Donnerstag, 9. Oktober, bis Sonntag, 12. Oktober
2014
Im Sommer 2010 wurde der Nordosten Rumäniens von
einem katastrophalen Hochwasser heimgesucht. Die
Zahl der Todesopfer belief sich auf mindestens 21, viel
mehr Menschen verloren Hab und Gut. In Tudor Cristian Jurgius Film DER JAPANISCHE HUND ist zu sehen,
wie das Leben danach weitergeht. Ein alter Mann, Costache, sucht in mühseliger Arbeit Dinge zusammen, die
noch zu gebrauchen sind. Der Bürgermeister organisiert inzwischen den Aufkauf des billigen Landes durch
einen potenten Investor. Dieses Motiv verbindet den
Film mit dem ästhetisch ganz anders angelegten
PUZZLE FÜR EINEN BLINDEN von Andrei Zincă, in dem
nur einmal beiläufig auf das Hochwasser angespielt
wird, in dem es aber auch um die Frage geht, wem in
Rumänien was gehört und wer sich Eigentum überhaupt leisten kann. Eine besondere Ironie liegt in diesem Fall darin, dass der Drehbuchautor von PUZZLE
das Metier selber kennt: Adrian Lustig, seit den 1980er
Jahren erfolgreicher Roman- und Theaterautor, war nebenher Immobilienmakler und schreibt seit 2008 Drehbücher. Zwei Filme aus der letztjährigen Produktion
gehen wesentlich auf ihn zurück. Neben PUZZLE auch
noch FRÖHLICHE BEGRÄBNISSE! von Horaţiu Mălăele,
eine Farce um einen angekündigten Tod, die mit Motiven des venezianischen Karnevals ebenso spielt wie
mit dem Deadpan eines resignierten Antihelden.
Adrian Lustig steht für eine markante aktuelle Position,
die nicht zuletzt mit einer Abkehr von der Ästhetik und
Politik der Neuen Welle des rumänischen Kinos einher
geht. In PUZZLE sehen wir das neue Rumänien, das
aus den Transformationsanstrengungen hervorgegangen ist, wobei ein Dachgarten, den der Protagonist Stefan für sich und seine Familie angelegt hat, als Anspielung auf die überlebensnotwendigen Kleingärten während des kommunistischen Regimes gesehen werden
kann, wie auch auf deren Transzendierung: Denn nun
nutzt der Mann, der es zu etwas gebracht hat, das private Land für die zweckfreie Blumenzucht, also für
reine Schönheit – weil er es sich leisten kann.
Costache hingegen bewirtschaftet das Kernland des
alten Rumänien, das in Stere Guleas Klassiker MOROMEŢII (1988) verewigt ist. Dort saß der Bauer Moromete auf einer Veranda, die fast genauso aussah wie
die, auf der nun Costache sitzt. Nun gehört sie allerdings zu einer Ruine. Und es ist derselbe Schauspieler:
Victor Rebengiuc, eine zentrale Figur des rumänischen
Kinos, hat in DER JAPANISCHE HUND eine große
Altersrolle.
Mit seiner zugleich einfach registrierenden und indirekt
elliptischen Erzählweise weist DER JAPANISCHE HUND
sich als zugehörig zu der Traditon dieser Neuen Welle
aus. Diese Filme, die auf subtile Beobachtung zielen,
bilden nach wie vor einen Kern des rumänischen Filmschaffens. Aktuelle Beispiele sind ROXANNE von Valentin Hotea oder DER FERNE HORIZONT von Igor Cobileanski. Letzterer führt in eine Gegend, die bisher fil-
Rumänisches Filmfestival
qUOD ERAT DEMONSTRANDUM
Rumänisches Filmfestival
41
Rumänisches Filmfestival
42
misch kaum wahrgenommen wurde, nach Moldawien,
formell ein eigener Staat, der jedoch zu einer alten Kulturregion gehört, die heute auf drei Staaten und das
vom Westen nicht anerkannte Transnistrien verteilt ist.
Für einen der Drogendealer in Cobileanskis Film stellt
dieses Transnistrien einen möglichen Rückzugsort dar,
für den (Anti-)Helden Viorel eine Grauzone. Der Film
zeigt sehr genau, wie sich ein Leben anfühlt, dem es
an Perspektive fehlt.
In ROXANNE hingegen verbindet sich die Stilistik der
Neuen Welle mit den Milieus, die aus der Transformation als Sieger hervorgegangen sind. Erzählt wird dabei
in bewährter Manier mit einer Identifikationsfigur, die
als Außenseiter erscheint: Tavi, ein introvertierter Illustrator, rollt einen Fall aus der Vergangenheit neu auf,
und zwar auch buchstäblich, indem er nämlich durch
die Akten des Rats für das Studium der Archive der
Securitate scrollt – er findet eine entscheidende Periode (nicht nur) seines Lebens dort wieder.
In klassischem Schwarzweiß führt Andrei Gruzsniczkis
QUOD ERAT DEMONSTRANDUM ebenfalls in eine solche Phase zurück, in diesem Fall handelt es sich aber
um ein in höchstem Maße orthodoxes, sorgfältig erzähltes period piece, das auf einen Schlüsselmoment
verweist, in dem es dem Regime nicht gelang, die entstehende digitale Intelligenz an sich zu binden. Stattdessen spielt die Securitate ihr übliches Spiel, und zerstört dabei auf bürokratisch-bornierte Weise einen Lebensentwurf nach dem anderen.
Fünfundzwanzig Jahre liegt der Umsturz in Rumänien
bald zurück, von dem bis heute umstritten ist, ob es
überhaupt einer war. Eines der häufigsten Motive in
den Filmen sind Anspielungen auf die Kontinutität der
Eliten. Manchmal, wie im Falle von Dan Chişus DÉJÀ
VU, geht es dabei in erster Linie um private Aspekte, in
die allerdings auch ständig Motive dringen, die auf ältere Privilegien und Bedingungen verweisen. Chişu ist
aktuell der vielleicht größte Experimentator des neueren rumänischen Kinos, und an DÉJÀ VU fällt zuerst
einmal die radikale Point-of-view-Ästhetik auf.
Doch der Filmtitel kann wie eine Überschrift über das
rumänische Gegenwartskino insgesamt genommen
werden: Das Gefühl, es wäre alles durchsichtig auf bereits Gesehenes, auf überkommene Konstellationen
und nicht überwundene Umstände, ist geradezu übermächtig. Und das Kino erweist sich dabei auf eine
genuine Weise als ein Medium der Re-Vision. Dies wird
nirgends deutlicher als in dem Dokumentarfilm DAS
ZWEITE SPIEL von Corneliu Porumboiu, der das »schon
gesehen« von Chişu ausdrücklich einen Schritt weiter
bringt: es wird zu einem »noch einmal sehen«. Gemein-
sam mit seinem Vater sieht Porumboiu sich ein Fußballspiel aus der Zeit unmittelbar vor der Revolution an.
Zwei Mannschaften, die für unterschiedliche Facetten
des Systems standen, und der Vater dazwischen als
Schiedsrichter.
Es ist eine glückliche Fügung, dass in einem Moment,
in dem das rumänische Kino nach neuen, populären
Strukturen sucht, um größere Zuschauerkreise anzusprechen, einer der wichtigsten Vertreter der Neuen
Welle sich nicht beirren lässt und wieder zu brillanter
Form aufläuft. Porumboiu hat in Locarno 2013 auch
einen neuen Spielfilm vorgelegt, der auf einer Stufe mit
Cristi Puius DER TOD DES HERRN LAZARESCU (2005)
und Porumboius eigenem POLIZIST, ADJEKTIV (2009)
zu sehen ist, den beiden Schlüsselfilmen des postkommunistischen Kinos in Rumänien. WENN ES NACHT
WIRD IN BUKAREST ODER METABOLISMUS ist eine
Meditation nicht nur über das »alte« analoge Medium
Film und das invasive neue digitale Medium, sondern
auch über die konstitutive »Nachträglichkeit« jeglicher
filmischer Erzählung, die den Moment, in dem sich die
Dinge entscheiden, nie einholen kann. Film im Film
wird bei Porumboiu zur Allegorie auf die Differenz zwischen Kunst und Alltag, die nie anders als durch
Machtspiele aufgehoben werden kann.
Von ihren Kritikern wird der Neuen Welle des rumänischen Kinos häufig unterstellt, sie erschöpfe sich in
einem düsteren Protokoll postproletarischer Aussichtslosigkeiten. Sie übersehen dabei, dass die brutalen Ironien, die in gesellschaftlichen Veränderungen von der
Art, wie sie in Rumänien immer noch stattfinden,
immer noch entstehen, nicht einfach verdrängt werden,
indem man das Kino (wieder) zu einem Medium des
herrschenden Systems oder der Siegerklassen macht.
Es bedarf allerdings vermutlich einer Vermittlungsidee,
denn mit der Radikalität eines Porumboiu allein lässt
sich kein funktionierendes Nationalkino machen. So
weist ausgerechnet der Veteran Stere Gulea, Regisseur
von MOROMEŢII, einem Kompromiss der Ideen und
Ästhetiken den Weg: ICH BIN EINE ALTE KOMMUNISTISCHE SCHACHTEL, mit Luminița Gheorghiu in der
Hauptrolle, die damals neben Victor Rebengiuc die
Frau von Moromete gespielt hatte, überbrückt die Zeiten und Milieus in einer teils nostalgischen, teils bitterironischen Form und schafft so eine Kontinuität über
alle Brüche hinweg.
Bert Rebhandl
Ein Programm im Rahmen der »Rumänischen Kulturtage«
(9. Oktober bis 9. November 2014), in Kooperation mit der
Gesellschaft zur Förderung der Rumänischen Kultur und Tradition e.V., München und dem Centrul Naţional al Cinematografiei, Bukarest.
▶ Freitag, 17. Oktober 2014, 21.00 Uhr | Zu Gast: Adrian
Lustig
The Matriarch | Rumänien 2013 | R+B: Barna Némethi | K: George Dăscălescu | M: Marius Leftărache |
D: Luminița Gheorghiu, Monica Bîrlădeanu | 8 min |
Phantasie, Exerzitium, Tortur für zwei große Schauspielerinnen. Gleichermaßen stilisiert wie ordinär. – Funeralii fericite! (Fröhliche Begräbnisse!) | Rumänien
2013 | R: Horaţiu Mălăele | B: Adrian Lustig | K: Viorel
Sergovici | M: Vladimir Cosma | D: Horaţiu Mălăele,
Crina Semciuc, Igor Caras-Romanov, Mihai Gruia
Sandu | 112 min | OmeU | Igor, Kiril und Lionel lassen
sich die Zukunft wahrsagen. Für alle drei werden die
Umstände ihres nahen Todes benannt. Als die beiden
Kumpane pünktlich sterben, muss der traurige Clown
Lionel sich auf das Unausweichliche einstellen. Horaţiu
Mălăele entwickelt als Regisseur und Hauptdarsteller
einen ganz eigenen Stil: eine theatralische, melancholische Farce, die wie aus der Zeit gefallen wirkt.
Când se lasă seara peste Bucureşti sau Metabolism (Wenn es Nacht wird in Bukarest oder Metabolismus) | Rumänien 2013 | R+B: Corneliu Porumboiu | K: Tudor Mircea | D: Bogdan Dumitrache, Diana
Avrămuţ, Mihaela Sirbu, Alexandru Papadopol | 90 min
| OmeU | Paul, Regisseur, hat eine Affäre mit Alina, seiner Hauptdarstellerin. Er bringt sie am Abend nach
Hause; am nächsten Tag soll sie eine Nacktszene drehen. Das muss noch ausführlich besprochen werden.
Und auch sonst gibt es mancherlei Hindernisse auf
dem Weg zu einer Szene, bei der Porumboiu in seiner
präzisen und dabei beiläufigen Komödie nie ankommt.
Eigentlich ist die Komödie kaum erkennbar, aber die
vielen Reflexionen dieses meisterlichen Films über das
Kino führen genau an die Grenze zwischen Zynismus
und befreiendem Lachen.
▶ Freitag, 17. Oktober 2014, 18.30 Uhr | Zu Gast: Adrian
▶ Sonntag, 19. Oktober 2014, 18.30 Uhr | Einführung:
Lustig | Einführung: Brigitte Drodtloff
Bert Rebhandl
Rumänisches Filmfestival
▶ Donnerstag, 16. Oktober 2014, 19.00 Uhr | Zu Gast:
Stere Gulea | Einführung: Bert Rebhandl
Puzzle pentru un orb (Puzzle für einen Blinden) |
Rumänien 2013 | R: Andrei Zincă | B: Adrian Lustig,
nach dem Stück »Cita a ciegas« (Blind Date) von Mario
Diament | K: Dan Alexandru | M: Petru Mărgineanu | D:
Dan Nuţu, Adrian Titieni, Ioana Pavelescu, Skovrán
Tünde, Cătălina Mustaţă | 90 min | OmeU | Der Immobilienmakler Stefan wird an seinen Routinen irre: Er verliebt sich in eine attraktive Künstlerin und freundet sich
mit einem blinden Schriftsteller an, der in einem Haus
lebt, das Stefan enteignen soll. Dazu kommt eine komplexe »Déjà Vu«-Geschichte, die der Blinde (vom argentinischen Autoren Diament nach Jorge Luis Borges modelliert) mit einer Frau aus seiner Vergangenheit erlebt
und »wieder sieht«.
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WENN ES NACHT WIRD IN BUKAREST ODER METABOLISMUS
Sunt o babă comunistă (Ich bin eine alte kommunistische Schachtel) | Rumänien 2013 | R+B: Stere
Gulea, nach dem Roman von Dan Lungu | K: Vivi
Drăgan Vasile | M: Vasile Şirli | D: Luminița Gheorghiu,
Marian Râlea, Ana Ularu, Collin Blair, Valeria Seciu |
98 min | OmeU | Emilia ist ganz aufgeregt. Die Tochter
hat sich mit ihrem Verlobten aus Amerika angekündigt.
Ist denn das Leben in Rumänien überhaupt präsentabel? Stere Gulea schafft eine beziehungsreiche Identifikationsfigur: eine Frau, die Ceauşescu getroffen hat,
die aber immer ihre eigene Idee vom Kommunismus
hatte, der auch für die Gegenwart noch Potential haben
könnte: wie die Vergangenheit bewältigt werden kann.
Al doilea joc (Das zweite Spiel) | Rumänien 2014 |
R+B: Corneliu Porumboiu | Mit Adrian Porumboiu, Corneliu Porumboiu | 98 min | OmU | Ein Fußballspiel aus
dem Archiv, zwei Stimmen aus dem Off: Corneliu Porumboiu und sein Vater Adrian sehen sich die Aufzeichnung einer Begegnung zwischen Dinamo und Steaua
aus dem Jahr 1989 an. Adrian Porumboiu war damals
Schiedsrichter nicht nur zwischen zwei Fußballteams,
sondern auch zwei Machtbereichen des rumänischen
Kommunismus.
Rumänisches Filmfestival
▶ Sonntag, 19. Oktober 2014, 21.00 Uhr | Einführung:
Bert Rebhandl
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La limita de jos a cerului (Der ferne Horizont) | Rumänien 2013 | R: Igor Cobileanski | B: Corneliu Porumboiu, Igor Cobileanski | K: Oleg Mutu | D: Igor Babiac,
Sergiu Voloc, Ela Ionescu, Igor Caras-Romanov, Angela
Ciobanu | 80 min | OmeU | Viorel ist 19 Jahre alt und
arbeitslos. Seine Mutter drängt ihn, sich einem Polizisten anzuvertrauen, einem Kollegen seines verstorbenen Vaters. Doch Viorel muss dabei vorsichtig sein.
Denn er ist auch ein Drogenkurier. Ein ungeschöntes
Porträt eines Lebens am Rande.
▶ Dienstag, 21. Oktober 2014, 18.30 Uhr
Bad Penny | Rumänien 2013 | R+B: Andrei Creţulescu
| K: Andrei Butică | D: Şerban Pavlu, Dorian Boguţă,
Andi Vasluianu | 12 min | OmeU – Kowalski | Rumänien 2014 | R+B: Andrei Creţulescu | K: Andrei Butică |
D: Şerban Pavlu, Dorian Boguţă, Andi Vasluianu |
18 min | OmeU – Déjà Vu | Rumänien 2013 | R+B+K:
Dan Chişu | D: Ioana Flora, Mirela Oprişor | 75 min |
OmeU | Dreimal Dreier-Konstellationen. In den Kurzfilmen: jeweils drei Männer – zwei gegen einen. In DÉJÀ
VU: ein Mann zwischen zwei Frauen: der Geliebten und
der Ehefrau. Wir erfahren eine Menge über Mihai, nur
zu sehen bekommen wir ihn nicht: ein radikales Experiment mit subjektiver Kamera. Mit Tania ist er unterwegs zu seinem Ferienhaus. Während der Gespräche
tauchen immer wieder Erinnerungsspuren auf: Ein
Formexperiment wird zu einer Zeiterfahrung.
▶ Mittwoch, 22. Oktober 2014, 18.30 Uhr
O vară foarte instabilă (Ein sehr unruhiger Sommer) | Rumänien 2013 | R: Anca Damian | B: Anca
Damian, Philip Ó Ceallaigh | K: Liviu Mărghidan | M:
Nathan Larson | D: Ana Ularu, Jamie Sives, Diana
Cavallioti, Kim Bodnia | 98 min | OmeU | Es ist sehr
heiß in Bukarest. Und die Gewissheiten verschwimmen:
Ist die Liebe, ist das Begehren hier nur ein Spiel mit Fiktionen? Vier Personen auf der Suche nach ihren Bezie-
hungen. Ein Spiel mit Obsessionen, bei dem Anca Damian immer wieder mit Montagesequenzen klarmacht,
dass ihr eher an einer Collage als an einem orthodoxen
Spielfilm gelegen ist.
▶ Freitag, 24. Oktober 2014, 21.00 Uhr
Plimbare (Der Spaziergang) | Rumänien 2013 | R+B:
Mihaela Popescu | K: Marius Panduru | D: Valeria Seciu
| 15 min | OmeU | Eine alte, einsame Frau verspürt
Lust, einmal wieder auszugehen. – Roxanne | Rumänien 2013 | R+B: Valentin Hotea | K: Alexandru Sterian
| M: The Police | D: Şerban Pavlu, Diana Dumbravă,
Mihai Călin, Anghel Damian, Valeria Seciu | 98 min |
OmeU | Ein Hit von »The Police« lief damals in ganz
Europa im Radio, nur in Rumänien durfte man »Roxanne« nicht hören. Deswegen war es eine große
Sache, dass ein Verehrer der lebenslustigen Roxana ihr
diesen Song auf Radio Free Europe widmete – dafür interessierte sich auch der Geheimdienst. Zwanzig Jahre
später versucht Tavi dieses Geheimnis aufzulösen.
▶ Samstag, 25. Oktober 2014, 21.00 Uhr
Quod erat demonstrandum | Rumänien 2013 | R+B:
Andrei Gruzsniczki | K: Vivi Drăgan Vasile | D: Sorin Leoveanu, Ofelia Popii, Florin Piersic Jr., Dorian Boguţă,
Mihai Călin | 108 min | OmeU | Elena, Mathematikerin,
hat ein Problem: Ihr Mann ist aus Frankreich nicht zurückgekehrt. Nun möchte auch sie mit dem Sohn das
Land verlassen. Durch ihren Antrag wird sie zum Spielball des Geheimdiensts. Dessen eigentliches Ziel ist
Sorin, ein exzellenter Mathematiker, der seine Arbeiten
ins Ausland schmuggeln muss, weil er sie anders nicht
publizieren kann.
▶ Sonntag, 26. Oktober 2014, 21.00 Uhr
Omul (Mensch) | Rumänien / Deutschland 2014 |
R+B: Brigitte Drodtloff | K: Frank Glencairn | D: Marcel
Iureş, Magda Catone, Cristian Nicolaie | 11 min | OmeU
| Ein stiller Mensch, der seine Sachen verschenkt, zum
Verdruss der umstehenden Marktleute. – Câinele Japonez (Der japanische Hund) | Rumänien 2013 |
R+B: Tudor Cristian Jurgiu K: Andrei Butică | D: Victor
Rebengiuc, Şerban Pavlu, Kana Hashimoto, Toma Hashimoto | 90 min | OmeU | Ticu kommt mit Frau und
Sohn aus Japan, um seinen alten Vater Costache aus
dem Katastrophengebiet nach einer Überschwemmung
zu holen. Es ist vor allem der kleine Enkel mit seinem
Spielzeughund, der Costache hilft, ein wenig Normalität
wiederzufinden.
▶ Mittwoch, 29. Oktober 2014, 18.30 Uhr | Einführung:
Brigitte Drodtloff
DJANGO UNCHAINED
Film und Psychoanalyse
Film und Psychoanalyse: Die gute Gewalt
45
Gewalt im Film, und vor allem im Fernsehen, ist ein großes Diskussionsthema. In unserer neuen Staffel zur
Filmpsychoanalyse wollen wir nicht dumpfe Gewaltfilme zeigen, sondern die subtileren Aufforderungen
zur handgreiflichen Konfliktlösung, die das gehobene
Erzählkino präsentiert. Filme, die, ohne unbedingt in
Exzessen zu baden, uns moralisch den Kopf verdrehen.
Die zugleich erheben und verrohen – und dieses Paradox bemerken. Im Dunkel des Zuschauerraums nähren
sie unsere Wünsche nach schneller Durchsetzung, verführen uns zur negativen Grandiosität der schmutzigen
Lösung – zeigen aber zugleich, dass das Abgewehrte,
das Böse, Kranke, Perverse, das besiegt und umstandslos erledigt werden muss, Ausgeburt unserer
eigenen Phantasien ist. Julia Kristeva nennt dieses
Andere, von dem wir nicht lassen können, das »Abjekt«,
das mit Ekel und Abscheu aus dem eigenen Körper
Ausgestoßene. Das Paradox der guten Gewalt, die uns
der Film als Lösung vorgaukelt, besteht darin, dass sie
eben nicht funktionieren kann (sonst wird sie gleich
wieder abjekt). Das sollten wir idealerweise schon im
Kino merken – spätestens aber, wenn wir wieder draußen sind. Merken wir es nicht, so hat die Verführung
nachhaltig gewirkt, und wir kommen an die Grenze zur
Manipulation. Aus manchen Filmen dieser Staffel kommen wir mit subtil veränderten Überzeugungen. Darüber wollen wir in offener Diskussion mit dem Publikum
sprechen. Also nicht lange gefackelt: Film ab!
Andreas Hamburger
Dirty Harry | USA 1971 | R: Don Siegel | B: Harry
Julian und Rita M. Fink, John Milius | K: Bruce Surtees
| M: Lalo Schifrin | D: Clint Eastwood, Andrew Robinson,
Harry Guardino, Reni Santoni, John Vernon, John Mitchum | 102 min | OmU | Auf der Jagd nach einem psychopathischen Serienkiller überschreitet der lakonische, zynische Cop, Inspektor Callahan – »Dirty Harry«
genannt, weil er notorisch für »dreckige Polizeiaufgaben« geholt wird – serienweise Gesetze und Regeln,
foltert den Tatverdächtigen für ein Geständnis über den
Aufenthaltsort seines Opfers, verachtet Homosexuelle
und Hippies und erweist sich als ein ähnlicher Außenseiter wie sein Widersacher. Der Film machte Clint
Eastwood in seiner berühmtesten Rolle endgültig zum
Weltstar und wurde zum Vorläufer berühmter lonely
cop-Filme wie der DIE-HARD-Reihe mit Bruce Willis.
Die zwiespältige Anti-Helden-Figur löste heftige kontroverse Reaktionen bei Publikum und Presse aus, verstieß mit ihrer konservativen, anti-liberalen Haltung dezidiert gegen den Zeitgeist und erfüllte doch zugleich
die Sehnsüchte einer von Kriminalität und dem Vietnam-Trauma gezeichneten Kultur nach geradliniger,
anti-autoritärer und lustvoll-gewalttägiger Durchsetzung von Gerechtigkeit und Rache.
▶ Sonntag, 26. Oktober 2014, 17.30 Uhr | Einführung:
Eva Friedrich und Mathias Lohmer
Film und Psychoanalyse
Volver (Zurückkehren) | Spanien 2006 | R+B: Pedro
Almodóvar | K: José Luis Alcaine | M: Alberto Iglesias |
D: Penélope Cruz, Carmen Maura, Lola Dueñas, Blanca
Portillo, Yohana Cobo, Chus Lampreave, Antonio de la
Torre | 121 min | OmU | »Almodóvars großes Talent
besteht darin, seine Zuschauer Wege beschreiten zu
Django Unchained | USA 2012 | R+B: Quentin Tarantino | K: Robert Richardson | D: Jamie Foxx, Christoph
Waltz, Leonardo DiCaprio, Kerry Washington, Samuel L.
Jackson | 180 min | OmU | Dr. King Schulz, eine eigentümliche Mischung aus Zyniker und Idealist, angeblich
Zahnarzt, mit Worten ebenso geschickt wie mit dem
Colt, geht erfolgreich dem Gewerbe eines Kopfgeldjägers nach. Seine Geschäfte bringen ihn in Kontakt
mit dem Sklaven Django, den er kauft und wie versprochen frei gibt, nachdem er mit dessen Hilfe ein Banditentrio zur Strecke gebracht hat. Schulz ist fasziniert
von Djangos fast übermenschlichen Talenten und von
dessen Treue zu seiner Frau Broomhilda. Er macht ihn
zu seinem Partner und beschließt, ihm zu helfen, sie
aus den Händen des skrupellosen Sklavenhändlers
Calvin Candy wiederzugewinnen. Der Film verlötet Elemente des Italowestern- und Blaxploitation-Genres und
unterlegt das Ganze mit einem virtuos zusammengemixten Soundtrack. Die Charaktere werden vielfach
comicartig überzeichnet, dennoch oder vielleicht gerade deswegen bleiben wir, die Zuschauer, bis zum tarantinotypisch-splatternahen Finale intensiv emotional
beteiligt.
▶ Sonntag, 21. Dezember 2014, 17.00 Uhr | Einführung:
Matthias Baumgart und Irmgard Nagel
46
lassen, auf die sie sich sonst nie trauen würden. Seine
Erzählstrategien besitzen eine heikle Verführungskraft,
die es schwer macht, augenblicklich ein moralisches
Urteil zu fällen.« (Gerhard Midding) Das trifft auf VOLVER in besonderer Weise zu. Almodóvar, der schwule
Regisseur, liebt die Frauen, und weil er sie nicht
begehrt, filmt er ohne Anzüglichkeit Blicke in pralle
Dekolletees und auf wiegende Hüften. Er feiert den unwiderstehlichen Charme des Überlebenswillens seiner
Protagonistinnen aus drei Generationen, bis hin zur
Rückkehr aus dem Totenreich. Inzest, Missbrauch, Tod
und Trauer, Totschlag, Krebs und Aufopferung, Ausbeutung und Arbeitslosigkeit, Gespenstisches neben
rührender Alltäglichkeit, und der Sieg der Menschlichkeit durch Mitgefühl. Der einzige Mann, ein dumpf die
Frauen befingernder Nichtsnutz, wird entsorgt, die anderen Väter ruhen von Anfang an unter schweren
marmornen Grabplatten.
▶ Sonntag, 23. November 2014, 17.30 Uhr | Einführung:
Katharina Leube und Heidi Spanl
Amour (Liebe) | F 2012 | R+B: Michael Haneke | K:
Darius Khondji | D: Jean-Louis Trintignant, Emmanuelle
Riva, Isabelle Huppert, Alexandre Tarraud, William Shimell | 125 min | OmU | Anne und Georges sind beide
über 80 Jahre alt. Das kultivierte Ehepaar lebt in einer
herrschaftlichen Altbauwohnung in Paris. Nach einem
Schlaganfall kommt Anne aus dem Krankenhaus halbseitig gelähmt zurück. Georges kümmert sich liebevoll
um sie, obwohl er damit an die Grenzen seiner Belastbarkeit stößt. Mit fast perverser Perfektion zeigt Haneke den Verfall des alternden Körpers und das quälende Verlöschen des Geistes. Die Qual wird von beiden Seiten erlebt und gezeigt. Die Zuschauer verwickelt der Film in eine chirurgische Operation am
offenen Herzen der Liebesbeziehung. Leidenschaftslos
präpariert Haneke den unmerklichen Übergang zum
gewaltsamen Ende. Beethovens »Bagatelle«, eines der
seltenen Musikstücke im Film, verrät programmatisch,
wie auch der Zuschauer das tragische Ende erleben
wird: als moralische Bagatelle.
▶ Sonntag, 18. Januar 2015, 17.30 Uhr | Einführung:
Vivian Pramataroff-Hamburger und Andreas Hamburger
Wir kommunizieren mit unserer Kleidung. Was wir tragen, zeigt, woher wir kommen, welcher Klasse oder
Gruppe wir angehören und welche sexuelle Orientierung wir haben. Auch im Film lebt ein Charakter durch
sein Kostüm. Kostüme erfüllen eine narrative Funktion,
sie sind Teil des storytelling – zum Beispiel, wenn in
Nahaufnahme Accessoires wie Knöpfe, Ohrringe oder
Halsketten erscheinen.
Die Kleidung im Film zeigt nicht unmittelbar, was passiert, aber wer da ist – sie vermittelt den emotionalen,
physischen oder psychosozialen Zustand eines Charakters. Kostüme spiegeln im besten Fall die persönliche
Entwicklung einer Person wider, exemplifizieren Gegensätze und Gemeinsamkeiten von Charakteren und machen sie visuell nachvollziehbar. Das Kinopublikum dekodiert die Informationen, die über die Kleidung transportiert werden, binnen Sekundenbruchteilen – und im
besten Falle unbewusst. Kostümdesigner sind daher
mit Dolmetschern vergleichbar, die die richtigen Worte
zur Übersetzung finden müssen.
Jonas Scheler: Wenn Kleidung flüstert. Die Zeit,
25.11.2011
Die Verbindungen der Modeindustrie zum Film bestanden von Beginn an (die frühen Nachrichtenfilme über
Mode legen davon Zeugnis ab). Allerdings hatten die
Filmstudios meist – darin den großen Theatern ähnelnd
– eigene Kostümabteilungen und verfügten über einen
eigenen Kostümfundus; einige Kostümbildner des
Films wie Edith Head gelten heute als »Autoren« der
Modegeschichte. Einzelne Modemacher begannen
bald, fest für einen Star zu arbeiten: Adrian für Greta
Garbo, Travis Banton für Marlene Dietrich, William Jack
Travilla für Marilyn Monroe und eben Givenchy für die
Hepburn. Diese Couturiers bestimmten nachhaltig das
Image ihres Stars, und das nicht nur in den Rollen auf
der Leinwand. Oftmals ließen sich die Stars auch privat
nur noch von ihrem Modemacher einkleiden.
Heutzutage haben die Filmstudios keine eigenen Kostümabteilungen mehr. Ja, es werden (außer natürlich
bei historischen Kostümfilmen) kaum mehr Kostüme
eigens für einen Film gefertigt – der Modemacher stellt
Stücke seiner neuen Kollektion zur Verfügung, wenn
auf Produkte der haute couture zugegriffen werden soll.
Und wenn Richard Gere dann als AMERICAN GIGOLO
(1980) Kleidung von Armani trägt, ist das für den Modemacher als eine Form des product placement auch
ein lohnendes Geschäft.
Weil Mode so eng mit der Kommunikation gesellschaftlicher Status zusammenhängt, hat Filmmode immer
auch eine Rolle in der Vermittlung sozialer Rollen, insbesondere der Geschlechterrollen gespielt. Filme
geben modellhafte Vorbilder für Verhalten und Aussehen, sind darum auch Instrumente eines hidden curriculum und verbinden die Illusionswelt des Films mit
der äußeren Welt. Insbesondere üben sie Grundformen
Mode und Film
Edith Head
Mode und Film
47
eines konsumistischen Umgangs mit Kleidung ein, in
dem Kleidungskommunikation eng mit der Zirkulation
der Waren verbunden wird. Eine Fülle ideologiekritischer Untersuchungen hat gezeigt, wie insbesondere
Frauen in diese Bindung des Körperlichen in die Sphäre
der Images und symbolischen Werte verstrickt sind.
Hans J. Wulff, Ludger Kaczmarek: Kleidung / Couture /
Mode / Kostümdesign im Film. Hamburg 2011
Mode und Film
Tatsächlich müssten Mode und Film ein Traumpaar
sein, wie es sich nur Hollywood ausdenken kann: Beide
vermählen Stil und Inhalt, beide erschaffen Illusionen,
beide manipulieren unsere Träume, beide beziehen
ihre Kraft aus der Überhöhung von Form und Sexualität
– aus all den pikanten Subtexten des Lebens also – und
erschaffen daraus eine eigene Welt. Beide sind autobiografisch geprägt – von der seelischen Konstitution
des Designers oder Regisseurs (und manchmal auch
von ihren Dämonen).
Doch Mode und Film funktionierten auf den ersten
Blick als Paar leider gar nicht so gut, wie man meinen
sollte. (…) Die besten Filme haben ihren modischen
Einfluss en passant ausgeübt. Sie wurden von Regisseuren und Kostümbildnern gemacht, von Stylisten aus
dem Filmstudio – nicht aus einem Modeatelier heraus
ausgestattet. Modedesigner haben sich in der Filmbranche seit je schwergetan. Coco Chanels Entwürfe
waren Gloria Swanson zu brav. Die Modeschöpferin
Elsa Schiaparelli hatte ebenso wie der Designer Christian Dior kein rechtes Glück in Hollywood. Auch heutzutage hat sich daran nicht viel geändert.
Die Frage (…) ist, warum die visuell stärksten Modemacher – also Dolce & Gabbana, Gianni Versace in seiner Blütezeit oder John Galliano (der sogar Madonna
einen Korb gab, als er sie für EVITA einkleiden sollte) –
sich nie ins Filmgeschäft vorgewagt haben. So richtig
Kostümentwürfe von Edith Head
48
von A bis Z, nicht nur dadurch, dass sie ein paar Kleider an ein Filmset schicken. Liegt es daran, dass das
Kino an kultureller Bedeutung verloren hat, dass es als
Werbeträger nicht mehr so recht zieht? Oder daran,
dass ihr Stil eher theatralisch als filmisch ist, eher
große Geste als subtile Andeutung? Oder ist es vielleicht einfach eine Frage der Eitelkeit?
Jean Paul Gaultier hat spektakuläre Kostüme für Filme
von Peter Greenaway, Luc Besson und Pedro Almódovar entworfen – im Rampenlicht standen stets die anderen. Die Kostümbildnerin Edith Head mag mit den
Hitchcock-Blondinen einen eindrucksvollen und bleibenden Fetisch der Filmgeschichte erfunden haben –
aber bekannt sind diese eben als Hitchcock-Blondinen.
Es fallen einem nicht viele große Namen aus der Modewelt ein, die bereit wären, ihr Ego dieser Form der
Übernahme unterzuordnen.
Tim Blanks: Guter Stoff. SZ-Magazin 36/2013
Die Filmreihe wurde von Christin Losta, die sich als Fotografin
mit Mode und Kostümdesign beschäftigt, initiiert und zusammengestellt. Gezeigt werden beispielhafte Filme von namhaften Kostümdesignerinnen und Kostümdesignern aus verschiedenen Epochen der Filmgeschichte. Die Kurztexte basieren weitgehend auf Überlegungen von Dr. Silke Geppert, Lehrbeauftragte für Kostümgeschichte der Universität Mozarteum
in Salzburg.
Rear Window (Das Fenster zum Hof) | USA 1954 | R:
Alfred Hitchcock | B: John Michael Hayes, nach einer
Kurzgeschichte von Cornell Woolrich | K: Robert Burks |
M: Franz Waxman | D: James Stewart, Grace Kelly,
Wendell Corey, Thelma Ritter, Raymond Burr | 112 min
| OmU | Der legendäre Hitchcock Style meint, dass der
Regisseur die Macht der sprechenden Kleidung im Film
als bewusstes Mittel zur raffinierten Inszenierung der
Story eingesetzt hat. Hitchcock gab der Kostümbildne-
▶ Mittwoch, 12. November 2014, 21.00 Uhr | Einführung: Thilo Wydra
Die Marquise von O… | BRD 1976 | R+B: Eric Rohmer, nach der Novelle von Heinrich von Kleist | K: Nestor Almendros | D: Edith Clever, Bruno Ganz, Edda Seippel, Peter Lühr, Otto Sander | 102 min | Rohmer und
Moidele Bickel führen die unerhörte Begebenheit der
Marquise von O… in all ihrer befremdlichen Schönheit
der Epoche des Empire vor. Die Kostüme und die
Räume der Handlung sind eine bewusst inszenierte Kulissenoberfläche, die an die gestellte Dramaturgie der
Gemälde von Georg Friedrich Kersting oder Caspar
David Friedrich erinnern. Die Zeitlosigkeit der Geschichte wird durch die exquisite Gestaltung der Garderobe der adeligen Familie und die Verarbeitung von
feinsten Stoffen und Farben generiert. Ikonenhaft und
leuchtender als der Mond wirkt in der nächtlichen Verführungsszene das seidenglänzende Satinunterkleid
der Marquise. Moidele Bickel (geb. 1937) hat mit Peter
Stein für die Salzburger Festspiele gearbeitet und die
Kostüme für Chéreaus LA REINE MARGOT (1994) und
Hanekes DAS WEISSE BAND (2009) entworfen.
▶ Mittwoch, 26. November 2014, 21.00 Uhr
The Thomas Crown Affair (Thomas Crown ist nicht
zu fassen) | USA 1968 | R: Norman Jewison | B: Alan
Trustman | K: Haskell Wexler | M: Michel Legrand | D:
Steve McQueen, Faye Dunaway, Paul Burke, Jack
Weston, Biff McGuire | 102 min | OF | Im Februar 1965
erscheint der Filmstar Steve McQueen elegant im
schwarzen Smoking auf der Titelseite von Harper’s
Bazaar. Mit »The Soft Touch in Fashion« wird die wirtschaftliche Symbiose von Mode und Film offensichtlich.
Das auf den Star zugeschnittene heist movie setzt auf
Eleganz: Persol-Sonnenbrillen, in der Special Edition
mit blauen Gläsern, die Patek-Philippe-Uhr am Handgelenk, sowie maßgeschneiderte Savile-Row-Anzüge
charakterisieren den Gentlemanverbrecher McQueen.
Gegenspielerin Faye Dunaway, ausgestattet von Theodora van Runkle, zeigt das Weltoutfit der eleganten
Dame Ende der 1960er Jahre, Haute Couture anlassbezogen und manchmal übertrieben, wie der nachtblaue Kardinalshut mit Kinnband. Theodora van Runkle
(1928–2011) entwarf auch die Kostüme für Arthur
Penns BONNIE AND CLYDE (1967) und Francis Ford
Coppolas THE GODFATHER PART II (1974).
▶ Mittwoch, 3. Dezember 2014, 21.00 Uhr
Mon Oncle (Mein Onkel) | F 1958 | R+B: Jacques Tati
| K: Jean Bourgoin | M: Franck Barcellini, Alain Romans
| D: Jacques Tati, Jean-Pierre Zola, Adrienne Servantie,
Dominique Marie, Alain Bécourt | 117 min | OmeU |
Jaques Cottin schuf für die Familie Arpel und den tollpatschigen Monsieur Hulot mit seinen übertriebenen
Gesten aufregende textile Gegensätze. Hund und Herr
im selben Karomuster werden gemeinsam mit dem
knisternden giftgrünen Hausmantel der Madame, der
Mode und Film
rin Edith Head penible Anweisungen für die Kostüme
von Grace Kelly. Jeder Schnitt, jede Farbgebung waren
vorgegeben und wurden von Head mit dem New Look
von Dior und Silhouetten von Balenciaga verschmolzen
und kongenial für die Wirkung auf der Leinwand umgesetzt. Jedes Kostüm sollte hundertprozentig zur
jeweiligen Stimmung passen, die allein durch Lisa
repräsentiert wird, denn Jeff trägt nur einen Pyjama.
Edith Head (1897–1981) entwarf die Kostüme für fast
alle folgenden Filme Hitchcocks (TO CATCH A THIEF,
1955) und arbeitete auch mit Billy Wilder zusammen
(SUNSET BOULEVARD, 1950).
49
an gleichzeitige Zeltmäntel des Couturiers Balenciaga
denken lässt, den Hochwasserhosen und Ringelsocken
des Monsieur Hulot gegenübergestellt, der in dieser
Welt nicht mehr benötigt wird. Amüsant in dieser Komödie auch die exaltierte Kleidung der Nachbarin. Im
Jahr als Yves Saint-Laurent 21-jährig die Nachfolge
von Dior antritt und seine »Trapezlinie« vorstellt, erscheint die modische Frau auf dem Rasenmäher mit
Strohhut wie eine Schlemmer-Figurine und zum Rendezvous im Marokkaner-Look mit Fes und Teppichstola. Jaques Cottin entwarf auch die Kostüme für Tatis
PLAYTIME (1967) und LES CHOSES DE LA VIE (1970)
von Claude Sautet.
▶ Mittwoch, 10. Dezember 2014, 21.00 Uhr
L’année dernière à Marienbad (Letztes Jahr in Marienbad) | F 1961 | R: Alain Resnais | B: Alain RobbeGrillet | K: Sacha Vierny | M: Francis Seyrig | D: Del-
phine Seyrig, Giorgio Albertazzi, Sacha Pitoëff, Françoise Bertin, Luce Garcia-Ville | 94 min | OmeU | »Eingebettet in eine opernhafte Liebesgeschichte um das
Drama von Erinnern und Vergessen, zeigen die unentwegten Kamerafahrten in Spiegelungen und endlos
sich verschlingender barocker Ornamentik, begleitet
von der Stimme des Helden, die Projektion und Fiktionalität von Erinnerung. Die wechselnde Kleidung der
Heldin, Madame A, changierend zwischen kleinem
Schwarzem und Abendrobe mit Federn und Fell, produziert das Schillern und traumhaft Unwirkliche der
Resnais’schen Bildwelten als Verstörendes und Begehrliches mit. Die Vision erinnerter Bilder wird nicht
nur über das Medium des Wortes, über filmische, theatralische, skulpturale Inszenierungen, sondern ebenso
über die Inszenierung der Kleider von Coco Chanel anschaubar gemacht.« (Theresa Georgen) Coco Chanel
(1883–1971) hat auch die Kostüme zu Jean Renoirs
LA REGLE DU JEU (1939) entworfen.
Mode und Film
▶ Mittwoch, 7. Januar 2015, 18.30 Uhr ▶▶ Samstag,
10. Januar 2015, 21.00 Uhr
A Room with a View (Zimmer mit Aussicht) | GB
1985 | R: James Ivory | B: Ruth Prawer Jhabvala, nach
dem Roman von E.M. Foster | K: Tony Pierce-Roberts |
M: Richard Robbins | D: Maggie Smith, Helena Bonham
Carter, Denholm Elliott, Julian Sands, Daniel Day-Lewis
| 117 min | OmU | »The Golden Summer« – so erlebt
das viktorianische England Florenz im Jahr 1908. Ganz
im Stil der Zeit erscheinen die Damen in Kleidern der
Sans-Ventre-Linie. Wir hören das Rascheln der Seiden,
wir sehen Feinheit in den Details der Hüte, Schleier und
SILKWOOD
50
Spitzen. Das englische haberdashery benennt diese
Verpackungszier. Durch den Kontrast zwischen dem romantischen Vitalisten George Emerson, der gerne Hosenträger trägt, und dem intellektuellen Snob Cecil Vyse,
mit hellem Sommerfrack, steifem Kragen, Siegelring
und Monokel ausgestattet, erhält der Film seine tiefere
Bedeutung. Die Kostümdesigner Jenny Beavan (geb.
1950) und John Bright (geb. 1940) erhielten für diesen
Film den Oscar. Sie arbeiteten mehrfach für James
Ivory (HOWARD’S END, 1992) und entwarfen auch die
Kostüme für Ang Lees SENSE AND SENSIBILITY (1996).
▶ Mittwoch, 7. Januar 2015, 21.00 Uhr
Silkwood | USA 1983 | R: Mike Nichols | B: Nora
Ephron, Alice Arlen | K: Miroslav Ondrícek | M: Georges
Delerue | D: Meryl Streep, Kurt Russell, Cher, Craig T.
Nelson, Fred Ward | 131 min | OmU | Meryl Streep
spielt Karen Silkwood als unstete Heldin wider Willen,
und die Kostümbildnerin Ann Roth hilft ihr dabei. Das
Milieu der amerikanischen Arbeiterklasse liefert die
Kleidung bei dieser Geschichte rund um Plutonium und
Atomkraft. Die von Streep getragenen Westernstiefel,
der Jeans-Minirock sind topografische Hinweise, die
auf den Ort der Handlung im Mittelwesten Amerikas
verweisen. Meryl Streep betonte in ihrer »Ode to Ann«
(2012) über die Zusammenarbeit mit Roth für SILKWOOD: »In boots and jeans, she makes Cher and me
two working class queens«. Ann Roth (geb. 1931) hat
für THE ENGLISH PATIENT (1996) den Oscar bekommen. Für Meryl Streep hat sie auch die Kostüme in THE
HOURS (2002) und MAMMA MIA! (2008) entworfen.
▶ Mittwoch, 14. Januar 2015, 21.00 Uhr
▶ Mittwoch, 21. Januar 2015, 21.00 Uhr
Casino Royale | GB 2006 | R: Martin Campbell | B:
Neal Purvis, Robert Wade, Paul Haggis, nach einem
Roman von Ian Fleming | K: Phil Méheux | M: David
Arnold | D: Daniel Craig, Eva Green, Mads Mikkelsen,
Judi Dench, Jeffrey Wright, Giancarlo Giannini |
144 min | OmU | Eva Green ist der ideale Charakter für
das neue Bond-Girl. Als Vesper Lynd steht sie dem
maskulinen Daniel Craig ebenbürtig gegenüber. Craig,
immer sportlich, trägt neben eindeutigen Productplacement-Accessoires (Ray-Ban und Omega) Maßgeschneidertes, vielleicht von Brioni. Zugeordnet wird sein
Dresscode eindeutig der englischen Upperclass. Im Casino wird er auf seine Kleidung angesprochen: »Ihrem
Anzug nach waren sie in Oxford.« Die Kostümbildnerin
Lindy Hemmings hat die Kostüme für Vesper Lynd auch
teilweise zugekauft, wie das berühmte rückenfreie violette Abendkleid von Roberto Cavalli oder die schwarze
Abendrobe mit raffiniertem geschnürten Rückendekolleté von Versace. Lindy Hemmings (geb. 1948) entwarf
auch die Kostüme für MY BEAUTIFUL LAUNDRETTE
(1985) von Stephen Frears und für FOUR WEDDINGS
AND A FUNERAL (1994) von Mike Newell.
▶ Mittwoch, 28. Januar 2015, 21.00 Uhr
The Devil Is a Woman (Die spanische Tänzerin) |
USA 1935 | R+K: Josef von Sternberg | B: John Dos
Passos, nach dem Roman »La femme et le pantin« von
Pierre Louÿs | D: Marlene Dietrich, Lionel Atwill, Edward Everett Horton, Alison Skipworth, Cesar Romero |
79 min | OF | Marlene Dietrich als Concha spielt, verführt, lügt und betrügt auf höchstem Niveau – und alles
im spanischen Karneval. Travis Banton verhüllt die Diva
in der Eingangsszene mit einem schwarzen bodenlangen Schleier, der mit Pompoms ornamentiert ist und
vielleicht für die Männer steht, die ihr bereits wie die
Fliegen ins Netz gegangen sind. Im Schwarzweißfilm
sind kontrastierende Materialien entscheidend, wie der
gepunktete Rock und die Spitzenbluse, bei deren
Schnittgestaltung der Hauch von spanischer Folklore
aufgenommen wird. Nachdem das Drama eingefädelt
ist, trägt Concha unschuldiges Weiß. Travis Banton
(1894–1958) wurde mit seinen Kostümen für Marlene
Dietrich bekannt. Er hat auch mit Ernst Lubitsch (BLUEBEARD’S EIGHTH WIFE, 1938) und Max Ophüls (LETTER FROM AN UNKNOWN WOMAN, 1948) gearbeitet.
▶ Mittwoch, 4. Februar 2015, 21.00 Uhr
Yella | D 2007 | R+B: Christian Petzold | K: Hans
Fromm | M: Stefan Will | D: Nina Hoss, Devid Striesow,
Hinnerk Schönemann, Burghart Klaußner, Barbara
Mode und Film
CASINO ROyALE
Blow up (Blow-up) | GB 1966 | R: Michelangelo Antonioni | B: Tonino Guerra, Michelangelo Antonioni, nach
der Kurzgeschichte »Las babas del diablo« von Julio
Cortázar | K: Carlo Di Palma | M: Herbie Hancock | D:
Vanessa Redgrave, Sarah Miles, David Hemmings,
Jane Birkin, Veruschka von Lehndorff | 111 min | OmU
| 24 Stunden aus dem Leben eines Modefotografen im
Swinging London der 1960er. Das Atelier des Modefotografen Jon Cowan hält als Drehort für sein Studio
her. Die futuristische Couture der Modestars André
Courrèges und Pierre Cardin wird zitiert. Mary Quandts
epochemachende Entwürfe finden sich in dem kurzen
schwarzen Paillettendress, in dem sich Veruschka von
Lehndorff lasziv räkelt. Die exzentrische Farbigkeit von
David Hemmings’ Samtsakkos, die Beatles-Boots und
der wuschelige Haarschnitt entsprechen dem typischen Londoner Dandy- & Künstlerlook. Jocelyn Rickards (1924-2005) entwarf auch die Kostüme für den
James-Bond-Film FROM RUSSIA WITH LOVE (1963)
und RYAN’S DAUGHTER (1969) von David Lean.
51
Auer | 89 min | Es ist die rote reinseidene Bluse, die unvergessene Bilder in diesem Film schafft, die zu Ikonen
geworden sind. Yella triefnass am Ufer, die rote Seidenbluse schmiegt sich mohnblütenzart um ihren Körper. Dazu immer der schwarze Shiftrock, nackte Beine
und elegante schwarze Pumps, gehüllt in einen schlichten, klassischen und gut fallenden Trenchcoat. Das
klassisch weibliche Business-Outfit weicht durch das
Tragen der roten Crêpe-de-Chine-Bluse vom klassischen Dress ab. Rot ist die Farbe, die Nina Hoss wie
ein verglühendes Feuer in dieser irrealen Handlung am
Leben erhält. Rot ist auch die Wärme, die Yella gespensterhaft im kalten Geschäftsleben ausstrahlt.
Anette Guther (geb. 1965) entwirft Kostüme für Bühne,
Film und Werbung. Für Christian Petzold arbeitete sie
an fast allen seinen Filmen mit, darunter DIE INNERE
SICHERHEIT (2000) und BARBARA (2012).
Mode und Film
▶ Mittwoch, 11. Februar 2015, 21.00 Uhr
52
Rosemary’s Baby (Rosemaries Baby) | USA 1968 |
R+B: Roman Polanski, nach dem Roman von Ira Levin
| K: William A. Fraker | M: Krzysztof Komeda | D: Mia
Farrow, John Cassavetes, Ruth Gordon, Maurice Evans,
Patsy Kelly | 136 min | OmU | Der exzentrische Umgang
mit Kleidung lässt sich in Roman Polanskis Horrorfilm
ohne Horror als Oberflächeninszenierung einer insgesamt neurotisch handlungsgesteuerten Vampirfamilie
interpretieren. Der Film ist opulent gespickt mit Zitaten
der europäisch-amerikanischen Modegeschichte der
Late-Sixties. Sind Mia Farrows Kleider anfangs noch
ebenso madonnenhaft wie katholisch, so erscheint sie
als leidende Schwangere in reizenden Minikleidern und
Baby Dolls und wirkt zerbrechlich wie die Schwester
von Twiggy und Jean Seberg. Mia Farrows Pixiecut
stammte von Vidal Sassoon. Ruth Gordons Outfit erinnert an die exzentrisch gekleidete modische Grande
Dame und amerikanische Mode-Ikone der best ager,
Iris Apfel. Anthea Sylbert (geb. 1939) entwarf auch die
Kostüme zu Roman Polanskis CHINATOWN (1974) und
Elia Kazans THE LAST TYCOON (1976).
▶ Mittwoch, 18. Februar 2015, 21.00 Uhr
The Grand Budapest Hotel (Grand Budapest Hotel) |
USA 2014 | R+B: Wes Anderson | K: Robert D. Yeoman
| M: Alexandre Desplat | D: Ralph Fiennes, Tony Revolori, F. Murray Abraham, Adrien Brody, Willem Dafoe,
Jeff Goldblum, Harvey Keitel | 100 min | OmU | Anderson und seiner Kostümbildnerin Milena Canonero gelingt es in ihrer dritten gemeinsamen Produktion, durch
Kulisse und Kostüm eine spezifisch hochstilisierte europäische Dekadenz und Untergangsstimmung in einem
fiktiven Hotel in einem ebenso fiktiven Land vorzuführen. Vor dem Hintergrund eines auseinanderfallenden
Kontinentes spielt der Film in den 1930ern mit RetroKleidern der 1920er. Die violetten Hoteluniformen
haben ewiggültigen Wiedererkennungswert und sind
angeblich von Priesterroben inspiriert. Die schrillen Outfits von Tilda Swinton als Madame D. zitieren Künstlerkleider der Wiener Werkstätte. Milena Canonero (geb.
1946) hat mit ihren Kostümentwürfen für Stanley
Kubricks BARRY LYNDON (1975), Hugh Hudsons CHARIOTS OF FIRE (1981) und Sofia Coppolas MARIE
ANTOINETTE (2006) drei Oscars gewonnen.
▶ Mittwoch, 25. Februar 2015, 21.00 Uhr
Il gattopardo (Der Leopard) | Italien 1963 | R: Luchino Visconti | B: Suso Cecchi D’Amico, Pasquale
Festa Campanile, Enrico Medioli, Massimo Franciosa,
Luchino Visconti, nach dem Roman von Giuseppe
Tomasi di Lampedusa | K: Giuseppe Rotunno | M: Nino
Rota | D: Burt Lancaster, Claudia Cardinale, Alain
Delon, Paolo Stoppa, Terence Hill, Pierre Clémenti |
187 min | OmU | Die finale Ballszene, die 45 Minuten
währt, ist ein wahrer Augenschmaus. Piero Tosi entwarf über 300 Kostüme, Mieder, Krinolinen, Unterröcke
aus feinsten Stoffen. Normalerweise assoziiert man
dunkle Kostüme mit der viktorianischen Zeit um 1861,
aber in Wirklichkeit waren die Kostüme der Adeligen
lebendig und stoffreich. Detailgetreue Uniformen, dramatisch wehende Gardinen des Palazzo, hergestellt
aus feinster durchbrochener Florentiner Spitze, Teppiche, Tücher an den Fassaden – Details, die gemeinsam mit den Kostümen die Glaubhaftigkeit dieser epischen Literaturverfilmung unterstützen. Piero Tosi (geb.
1927) ist eine Legende unter den Kostümbildnern. Er
arbeitete seit 1952 an fast allen Filmen von Luchino
Visconti mit (MORTE A VENEZIA, 1971) und gestaltete
die Kostüme für Pier Paolo Pasolinis MEDEA (1969).
▶ Mittwoch, 4. März 2015, 19.00 Uhr
Vom Filmkritiker zum Filmemacher: Diesen Weg, den
Godard, Truffaut, Rohmer und Rivette in der Nouvelle
Vague vorgaben, beschritt auch Peter von Bagh, der in
den späten 1950er Jahren als Kritiker angefangen hat
und noch heute als Chefredakteur der Zeitschrift Filmihullu (Filmverrückt) fungiert. Das war in Finnland gar
nicht so ungewöhnlich, hatten es doch Roland af Hällström in den 1920ern, Nyrki Tapiovaara in den
1930ern und Jörn Donner in den 1950ern bereits vorgemacht, wie man vom Kritiker zum Filmemacher wird.
Doch war von Baghs Cinephilie ernsthafterer Art, sie
prägt sein Leben und wird auch in seinen Filmen und
Büchern immer wieder thematisiert. Er steht damit in
der Tradition von Chris Marker, Jean-Luc Godard oder
Edgardo Cozarinsky. Da Cinephilie nur in der Gemeinschaft gedeihen kann, wenn man zusammen Filme
sieht und diese Erfahrung teilt, besteht ein wesentlicher Teil von von Baghs Arbeit in der Präsentation von
Filmen: 1966-1969 war er Leiter des Finnischen Filmarchivs und blieb bis 1984 Programmgestalter des
Archivkinos, dessen Anzahl regelmäßiger Filmvorführungen er kontinuierlich steigerte. 1986 gründete er
mit Aki und Mika Kaurismäki sowie Anssi Mänttäri in
Sodankylä das Midnight Sun Festival und arbeitet seit
2001 als künstlerischer Direktor in Bologna bei Il Cinema Ritrovato, zwei weltweit renommierten cinephilen
Filmfestivals, in denen Filmklassiker großer Meister
gleichberechtigt neben Außenseiterfilmen, Neuentdeckungen und völlig Unbekanntem präsentiert werden.
In Finnland fiel Peter von Bagh zunächst als zorniger
junger Mann auf, der mit tiefem Ernst und ehrlicher
Respektlosigkeit auftrat. Von Anfang der 1960er Jahre
an war er in Rundfunk und Fernsehen tätig, trat im eleganten schwarzen Anzug mit Krawatte auf. Die lebendigsten kulturellen Strömungen der 1950er Jahre in
Finnland wurzelten in der Moderne. Die Universitäten,
eben noch Elitehochschulen, sollten bald Massenbildungsstätten werden. Von Bagh schrieb über Film für
ylioppilaslehti, das ehrgeizige Studentenmagazin in
Helsinki, und für Parnasso, das Sprachrohr des literarischen Modernismus. Da er das populistische finnische Kino gnadenlos ablehnte, erhielt er den Spitznamen »Elite-Peter«. Schon bald engagierte er sich im
Kulturradikalismus der frühen 1960er. Seine Soziologie-Kommilitonen Pekka Gronow und M.A. Numminen
brachen mit dem gängigen Kulturverständnis und rehabilitierten die populäre Musik. Love Records und
Peter von Bagh
Hommage à Peter von Bagh
andere innovative Plattenlabel wurden gegründet,
Peter von Bagh war dabei. Seine Filmkarriere begann
er mit underground home movies. Als Programmdirektor des Finnischen Filmarchivs organisierte er 1968 die
Tour von P. Adams Sitneys Programm mit Filmen des
New American Cinema, die auf die finnische Kunstszene bleibenden Eindruck machte.
Wie in vielen anderen europäischen Ländern setzte
Anfang der 1960er Jahre auch in Finnland eine Neue
Welle ein, die mit dem herkömmlichen Studiosystem
brach. Zu den Schlüsselfiguren gehörten die Filmemacher Risto Jarva und Jaakko Pakkasvirta, die die Produktionsgesellschaft Filminor gründeten. 1969–1972
schrieb von Bagh Drehbücher für drei Spielfilme von
Risto Jarva sowie für KESÄKAPINA (SUMMER REBELLION) von Jaakko Pakkasvirta. KESÄKAPINA war stark
von Brecht und Godard geprägt, ein bahnbrechendes
finnisches Collagen- und Kompilationsexperiment.
Auch in den Filmen, bei denen er selbst Regie führte,
versuchte er Neues. Der Kurzfilm POCKPICKET (1968)
mit dem langen Untertitel KATKELMIA HELSINKILÄISEN
PORVARISNUOREN ELÄMÄSTÄ (EPISODEN AUS DEM
LEBEN EINES JUNGEN SPIESSBÜRGERS IN HELSINKI)
53
Peter von Bagh
54
bezog sich auf Robert Bressons PICKPOCKET aus dem
Jahr 1959 und warf einen satirischen Blick auf die finnische Gesellschaft Ende der 1960er Jahre. In KREIVI
(DER GRAF, 1971) spielt ein Hochstapler Szenen aus
seinem angeblichen Leben nach. Der Filmregisseur betrachtet seinen Protagonisten nicht von oben herab,
sondern lässt sich auf sein Spiel ein, in dem Fakten
und Fiktion verschwimmen. Hier offenbarte sich von
Baghs Wandlung vom »Elite-Peter« zum »Volks-Peter«,
doch bestand diese nicht aus einem Wechsel des
Standpunkts, sondern aus einer Erweiterung der Perspektive. Von Baghs Haltung war nie elitär gewesen, da
er von jeher eine Unterscheidung zwischen Hochkultur
und populärer Kultur ignoriert hat.
Vom kommerziellen Misserfolg von KREIVI enttäuscht,
wandte sich von Bagh der Non-fiction und dem Fernsehen zu. Er begann ein groß angelegtes Œuvre, das
sich zum work in progress über die finnische Kulturgeschichte entwickelte. Am Anfang standen Porträts
legendärer finnischer Persönlichkeiten wie des Sängers
Olavi Virta, des Läufers Paavo Nurmi, der Unterhaltungskünstler Reijo Helismaa und Tapio Rautavaara
und des Schauspielers Tauno Palo. Eine frühe Synthese daraus war der Film SINITAIVAS (DER BLAUE
HIMMEL, 1978) mit dem Untertitel MATKA MUISTOJEN
MAISEMAAN (EINE REISE INS LAND DER ERINNERUNGEN) über die Bedeutung der Unterhaltungskultur, in
deren Mittelpunkt der finnische Tango als Leitmotiv
steht. Es folgten Filme über Schlüsseljahre in der finnischen Geschichte (1917/18, 1939, 1944, 1952) und
mehrteilige Serien über die Geschichte des unabhängigen Finnland, die Geschichte der Künste in Finnland
und die Geschichte der finnischen Filmstudios. Sie sind
eine recherche du temps perdu, verwandt mit dem
Bewusstseinsstrom bei Marcel Proust und Walter Benjamin. Von Bagh nennt seine Filme »Studien in finnischem Glück« und »Dialoge im Himmel«, wenn er Interviews mit Personen, die sich im Leben nie begegnet
sind, im Film zusammenbringt. Der Kompilationsfilm
stellt für ihn eine lebensnotwendige Errettung des Verlorenen dar. Dahinter steht das Bewusstsein der Gegenwart des Todes, eine kosmische Unbehaustheit und
die unerlässliche Notwendigkeit des Wiederaufbaus
durch die lebensbejahende Kraft der Kunst.
Dem Prinzip der Montage kam zentrale Bedeutung zu,
die Kunst der Collage und der Kompilation mündete in
eine persönliche Filmsprache des dokumentarischen
Essays. Die Filme bauen vielfältig geschichtete Assoziationen und Querverbindungen auf, in die von Baghs
breite soziologische und kulturhistorische Kenntnisse
genauso mit einfließen wie seine Liebe zur Musik und
Filmgeschichte. Er ist ein Meister des Interviews. Talking heads sind bei ihm nie nur Köpfe, die reden, er
schafft augenblicklich eine Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens und des Zutrauens, schlägt eine intime
Brücke zu einem lebenden Menschen, der (bisweilen
erstmals vor einer Kamera) über seine Lebenserfahrung spricht und der spürt, dass ihm sein Gegenüber
tiefes Verständnis entgegenbringt. Vom Kulturradikalismus der 1960er Jahre erbte er den Brechtschen Hang
zur Materialästhetik, eine Geschichtsphilosphie und
eine Leidenschaft für Dialektik. Paradoxa und der Zusammenfall der Gegensätze sind allgegenwärtig; noch
mehr der Konflikt: Von Bagh duldet Konflikte nicht nur,
sie elektrisieren ihn. Wie John Ford, so konfrontiert
auch von Bagh gern das Erhabene mit dem Lächerlichen. Klein und Groß, Intimität und Bombast, Zeit und
Ewigkeit prallen in seiner Montage aufeinander. Doch
wie Godard, so glaubt auch von Bagh an die Kontinuität
in den Brüchen: »Wir leben nicht nur in der Gegenwart.
Die Vergangenheit lebt in uns mit allen Erinnerungen,
Ereignissen, Erfahrungen.«
Mit HELSINKI, FOREVER (2008), SODANKYLÄ FOREVER
(2010), MUISTEJA (ERINNERUNG, 2013) und SOSIALISMI (SOZIALISMUS, 2014) begann eine neue Phase
im Werk von Peter von Bagh: Seine Rückkehr ins Kino.
Durch seine Radio- und Fernseharbeiten ist seine
Stimme in Finnland jedem bekannt. Über die Jahre hin-
Sodankylä ikuisesti: elokuvan vuosisata (Sodankylä Forever: Das Jahrhundert des Kinos) | Finnland
2010 | R+B: Peter von Bagh | K: Arto Kaivanto, Juice
Huhtala | S: Petteri Evilampi | Mit Milos Forman, Marlen
Chuciev, Robert Parrish, Ettore Scola, Jacques Demy,
Samuel Fuller, Mario Monicelli, Elia Suleiman, Youssef
Chahine, Francis Ford Coppola, John Sayles, Amos
Gitaï, John Boorman, Michael Powell, Freddie Francis,
Roy Ward Baker, Val Guest, Joseph H. Lewis, Claude
Sautet, Sergio Sollima, Vittorio De Seta, Miklós Jancsó,
Andrej Končalovskij, Jerzy Skolimowski, Andrej Smirnov, István Szabó, Ivan Passer, Jerzy Kawalerowicz,
Francesco Rosi, Dino Risi, Victor Erice, Dušan
Makavejev, Krzysztof Zanussi, Richard Fleischer, André
De Toth, Abbas Kiarostami, Jafar Panahi, Aleksej German, Agnieszka Holland, Bob Rafelson, Jonathan
Demme | 90 min | OmeU – Sodankylä ikuisesti: ensimmäisen elokuvamuiston kaiho (Sodankylä Forever: Die Sehnsucht nach der ersten Kinoerfahrung)
| Finnland 2012| Mit Maud Linder, Jean Dréville, Roy
Ward Baker, Francesco Rosi, Costa-Gavras, Claude
Goretta, Victor Erice, Vincent Sherman, Val Guest, Jean
Rouch, Dino Risi, Jerry Schatzberg, Bob Rafelson, Wim
Wenders, Jean-Charles Tacchella, Stanley Donen,
Andrej Končalovskij, Francis Ford Coppola, Irvin
Kershner, Richard Fleischer, Emir Kusturica, Claude
Chabrol, Agnès Varda, István Szabó, Jean-Pierre
Léaud, Jacques Demy, Terry Gilliam, John Boorman,
Milos Forman, Manoel de Oliveira | 59 min | OmeU | Fil-
memacher und Cinephile erinnern sich und sprechen
darüber, was Kino für sie bedeutet.
▶ Donnerstag, 27. November 2014, 19.00 Uhr | Zu Gast:
Peter von Bagh
Pockpicket eli katkelmia helsinkiläisen porvarisnuoren elämästä (Pockpicket oder Episoden aus
dem Leben eines jungen Bourgeois in Helsinki) |
Finnland 1968 | R+B+K: Peter von Bagh, Pertti Maisala | M: Kaj Chydenius | D: Sulevi Peltola, Eija Pokkinen, Elina Salo | 19 min | OmeU | Eine Satire auf Robert
Bressons PICKPOCKET: Ein junger Mann steckt Menschen heimlich Geld zu. – Muisteja – pieni elokuva
50-luvun Oulusta (Erinnerung – Ein kleiner Film
über Oulu in den Fünfzigern) | Finnland 2013 | R+B:
Peter von Bagh | K: Arto Kaivanto | S: Petteri Evilampi |
69 min | OmeU | Ein ebenso persönlicher wie universeller Essayfilm über die nordfinnische Stadt, in der von
Bagh als Sohn des Oberarztes der Zentralen Nervenklinik aufwuchs. Ein kaleidoskopischer Blick auf eine
Stadt und ihre wechselvolle Geschichte, eine Erinnerung an eine Jugend und an eine Ära. Von Bagh war
treibende Kraft des Schulfilmclubs, der zum wichtigsten Treffpunkt der Jugendlichen wurde. So konnte man
Filmklassiker von Hawks und Bresson in Oulu genauso
sehen wie in Paris oder London. Später wurde die Stadt
das Zentrum der finnischen IT-Wirtschaft: »Nokias
kommen und gehen, doch die Nervenklinik bleibt.«
▶ Freitag, 28. November 2014, 21.00 Uhr | Zu Gast:
Peter von Bagh
Faaraoiden maa (Land der Pharaonen) | Finnland
1988 | R+B: Peter von Bagh | S: Pentti Kauranen |
29 min | OmeU | Mika Waltaris populärer historischer
Roman »Sinuhe, der Ägypter« als ein Bild der Zeit seiner Entstehung 1944/45, in dem sich ein entscheidender Moment der finnischen Geschichte widerspiegelt. –
Sosialismi (Sozialismus) | Finnland 2014 | R+B:
Peter von Bagh | K: Arto Kaivanto | S: Petteri Evilampi |
67 min | OmeU | »Diejenigen, die in hundert, zweihundert Jahren nach uns leben, werden uns dafür verachten, dass wir unser Lehen so dumm und so geschmacklos zugebracht haben – sie werden vielleicht
ein Mittel finden, wie man glücklich wird.« Mit diesem
Zitat des Arztes Astrov in Anton Čechovs »Onkel Vanja«
beginnt von Baghs Essayfilm. SOSIALISMI ist eine
nachdenkliche Bestandsaufnahme einer großartigen
Idee, in deren Namen Terror ausgeübt wurde. Von
Bagh untersucht Filme von Lumière, Eisenstein, Hochbaum, Ivens, de Sica, Dovženko, Chaplin, Pasolini, Rossellini, Griffith, Vidor, Ford, Lang, Pudovkin, Vertov u. a.
Peter von Bagh
weg hatte sich die Stimme des allwissenden Erzählers
zu etwas weit Intimerem und Persönlicherem, ja leise
Anrührendem entwickelt. Und gleichzeitig wurden die
Kompilationsfilme universeller und zugänglicher auch
für Zuschauer, die mit der finnischen Geschichte weniger vertraut sind. Peter von Baghs Filme wurden zu internationalen Filmfestivals eingeladen und geehrt, das
Filmfestival Rotterdam widmete ihm eine große Retrospektive, und 2013 erschien das erste Buch über ihn
mit dem Titel »Citizen Bagh« (angelehnt an den Titel
des großen Dokumentarfilms über den Gründer der
Cinémathèque Française). Selbst MUISTEJA, von Peter
von Bagh im Untertitel selbst als »kleiner Film« bezeichnet, lief landesweit im Kino. Diese vier Filme, so unterschiedlich ihre Themen auch sind, handeln von der
Kraft des Kinos, dem Glück des Filmesehens und vom
Medium Film als wichtigstem Ausdrucksmittel des
20. Jahrhunderts. »Peter von Bagh ist ein echtes,
heute selten gewordenes Beispiel dafür, wie man Kino
leben kann: A legend of old-school cinephilia.« (Olaf
Möller)
Antti Alanen & Stefan Drößler
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und findet Momente der Hoffnung in den Träumen des
Kinos, die zeigen, wie sich die Gesellschaft zum Besseren ändern könnte.
lima, Monte Hellman, Jean-Charles Tacchella, Claude
Goretta, Gianni Amelio, Miklós Jancsó | 56 min | OmeU
▶ Dienstag, 2. Dezember 2014, 18.30 Uhr
▶ Samstag, 29. November 2014, 21.00 Uhr | Zu Gast:
Peter von Bagh
Peter von Bagh
56
Ajan draama (Ein Drama der Zeit) | Finnland 1986 |
R+B: Peter von Bagh | K: Jussi Kemppinen | S: Heikki
Salo, Ilse Jauhiainen | Mit Pekka Havukainen | 16 min |
OmeU | Eine Collage aus Nachrichtenbildern von einem
Geiseldrama, das in einem Vorort Helsinkis im Sommer
1986 seinen Anfang nahm und auf dem Marktplatz von
Mikkeli in einer Explosion endete. – Kreivi (Der Graf) |
Finnland 1971 | R+B: Peter von Bagh | K: Lasse Naukkarinen | M: Kaj Chydenius | S: Lasse Naukkarinen | D:
Pertti Ylermi Lindgren, Irma Martinkauppi, Titta Karakorpi, Elina Salo, Kirsti Wallasvaara | 92 min | OmeU |
Pertti Ylermi Lindgren, genannt »der Graf«, wurde bekannt als Hochstapler, der 76 Frauen die Ehe versprach, keine von ihnen heiratete, aber jede um ihr
Geld erleichterte – und einige andere auch. Von Bagh
überredete ihn, sich im Film selbst zu spielen. Durchsetzt sind die nachinszenierten Episoden aus seinem
Leben mit dokumentarischen Aufnahmen von Lindgren,
der sich in Tanzpavillons und Restaurants durchs
Leben schlägt. Peter von Baghs unkonventioneller,
halbdokumentarischer Spielfilm verblüffte seinerzeit
Publikum wie Kritiker.
▶ Sonntag, 30. November 2014, 21.00 Uhr | Zu Gast:
Peter von Bagh
Sinitaivas (Der blaue Himmel) | Finnland 1978 |
R+B: Peter von Bagh | K: Lasse Naukkarinen | S: Esteri
Tuovinen | Mit Olavi Virta, Matti Jurva, Tauno Palo, Esa
Pakarinen, Ansa Ikonen | 73 min | OmeU | »Eine Reise
in die Vergangenheit. Eine Suche nach dem Leben in
Finnland vom Ende der 1930er bis zu Beginn der
1950er Jahre, reflektiert in der populären Unterhaltungskultur.« (Peter von Bagh) Der Tango-Tanzpavillon
als Schlüsselbild für das Gedächtnis der Nation.– Sodankylä ikuisesti: ikuinen aika (Sodankylä Forever:
Ewige Zeit) | Finnland 2011. Mit Jerzy Kawalerowicz,
Robert Parrish, Luc & Jean-Pierre Dardenne, Chantal
Akerman, Luis García Berlanga, Aki Kaurismäki, Jean
Dréville, Dino Risi, Jean Rouch, Milos Forman, Roy
Ward Baker, Claude Chabrol, Vincent Sherman, Freddie Francis, Robert Wise, Víctor Erice, Irvin Kershner,
John Boorman, Ivan Passer, Francis Ford Coppola, Vittorio De Seta, Wim Wenders, Roger Corman, Stanley
Donen, Bob Rafelson, Emir Kusturica, Carroll Ballard,
Samuel Fuller, Joseph H. Lewis, Val Guest, Sergio Sol-
Helsinki, ikuisesti (Helsinki, Forever) | Finnland
2008 | R+B: Peter von Bagh | K: Pekka Aine. M: Henrik
Otto Donner | S: Petteri Evilampi | 75 min | OmeU |
»Das wahre Helsinki existiert nur auf der Leinwand. Der
Kompilationsfilm basiert auf Ausschnitten aus Werken
der finnischen Filmgeschichte und auf Aufnahmen von
finnischer Kunst. Er sucht nach der Seele und dem
Geist von Helsinki.« (Peter von Bagh). »HELSINKI, FOREVER muss zu den großen Stadtsymphonien der Filmgeschichte gezählt werden.« (Chris Marker) – Sodankylä ikuisesti: Valon draama (Sodankylä Forever:
Drama des Lichts) | Finnland 2012 | Mit Ettore Scola,
Bob Rafelson, Robert Parrish, Víctor Erice, Gianni Amelio, Francis Ford Coppola, Francesco Rosi, Enzo Serafin,
Vincent Sherman, John Boorman, Sergio Sollima,
Chantal Akerman, Laslo Benedek, Roger Corman,
Milos Forman, Samuel Fuller, István Szabó, Roy Ward
Baker, Claude Sautet, Claude Goretta, Jerry Schatzberg, Terry Gilliam, Jean Rouch, Jafar Panahi, Samira
Makhmalbaf, Abbas Kiarostami, Ivan Passer, Krzysztof
Kieslowski, Luc & Jean-Pierre Dardenne, Stanley Donen,
Alberto Lattuada, Gian Vittorio Baldi | 57 min | OmeU
▶ Mittwoch, 3. Dezember 2014, 18.30 Uhr
Bundeskongress der Kommunalen Kinos
Kosmičeskij Rejs (Kosmische Reise) | SU 1936 | R:
Vasilj Žuravlëv | B: Aleksandr Filimonov, nach dem
Roman »Außerhalb der Erde« von Konstantin Ciolkovskij | K: Aleksandr Galperin | D: Sergej Komarov, K. Moskalenko, Vasilij Gaponenko, Nikolaj Feoktistov, Vasilij
Kovrigin | 70 min | OmU | Der letzte sowjetische
Stummfilm entstand zu einer Zeit, als der Tonfilm sich
längst durchgesetzt hatte. Die mit großem Aufwand
und verblüffender Tricktechnik produzierte ScienceFiction-Geschichte zeigt das fiktive Moskau des Jahres
1946, so wie Stalin es geplant, aber nie vollständig umgesetzt hat. Im Mittelpunkt steht eine Reise im Raumschiff zum Mond, die seinerzeit das Interesse der Zuschauer für die Raumfahrt wecken sollte. Das Filmmuseum München hat von Gosfilmofond eine Filmkopie
erworben und den Film digital restauriert. Er steht für
Ausleihen der Kommunalen Kinos zur Verfügung.
▶ Freitag, 5. Dezember 2014, 18.30 Uhr | Live-Musik:
Richard Siedhoff | Einführung: Stefan Drößler
Hra o Jablko (Ein bisschen schwanger) | CSSR
1976 | R: Věra Chytilová | B: Věra Chytilová, Kristina
Vlachová | K: Frantisek Vlicek | M: Miroslav Korínek | D:
Dagmar Bláhová, Jirí Menzel, Jirí Kodet, Evelyna Steimarová, Nina Popelíková| 92 min | OmU | »Die Kinemathek Le Bon Film Basel präsentiert diese Komödie von
Věra Chytilová als Hommage an die am 12. März 2014
verstorbene Regisseurin, die vor allem mit ihrem Meisterwerk SEDMIKRÁSKY (TAUSENDSCHÖNCHEN, 1966)
in die Filmgeschichte eingegangen ist. Anna kommt als
Hebamme aus der Provinz in eine Prager Entbindungs-
klinik, in der der Chefarzt Dr. Josef John seine Position
für sexuelle Begegnungen schamlos ausnutzt. Chytilová durchleuchtet geistreich witzig und bissig männliches Gebaren. Wir freuen uns, den nicht auf DVD oder
BluRay erschienenen Film auf einer gut erhaltenen,
buntfarbenen 35mm-Kopie in der Originalfassung mit
deutschen Untertiteln vorstellen zu können.« (Beat
Schneider)
▶ Freitag, 5. Dezember 2014, 21.00 Uhr | Einführung:
Beat Schneider
Piccolo | Jugoslawien 1959 | R+B: Dušan Vucotić |
9 min | Zeichentrickfilm aus der Schule des berühmten
Zagreb-Films-Studios, der die Konflikte, die später zum
Auseinanderbrechen der »jugoslawischen Konstruktion«
führten, vorwegnimmt. Aus dem Archiv des KommKino
Nürnberg. – Ein komischer Heiliger | BRD 1978 |
R+B: Klaus Lemke | K: Rüdiger Meichsner | M: Lothar
Meid | D: Cleo Kretschmer, Wolfgang Fierek, Luitpold
Roever, Horatius Häberle, Arno Mathes | 83 min | »Eine
Liebesgeschichte. Aber in dem Fall handelt es sich bei
ihm um einen ganz normalen Jungen vom Land, der
nach München kommt, um die Stadt in Gottes Auftrag
eigenhändig vom Bösen zu befreien. Und sie ist so eine
Barfrauen-Flitscherl/Nutte gefährlichsten Kalibers. Eine
Hexe im Kampf gegen den lieben Gott.« (Klaus Lemke)
Aus dem Archiv des KommKino Nürnberg.
▶ Samstag, 6. Dezember 2014, 18.30 Uhr | Einführung:
Andreas Beilharz, Christoph Wirsching
Mein Dorf: Balderschwang | BRD 1971 | R+B: Percy
Adlon | K: Rudolf Kleinjung | 15 min | »Steurer, Konrad,
hagerer Tiroler Kopf, Wildpfleger, macht kein Aufhebens von sich, wenn er voller Liebe seine Allgäuer
Berge erklärt. Nicht weit von hier war Robert Walser
25 Jahre lang Insasse der Heil- und Pflegeanstalt, weil
er die Großtuerei des Literaturbetriebs nicht mehr aushielt.« (Percy Adlon) – Der Vormund und sein Dichter
| BRD 1978 | R+B: Percy Adlon, nach dem Buch »Wanderungen mit Robert Walser« von Carl Seelig | K: Pitt
Koch | D: Rolf Illig, Horst Raspe | 87 min | »Hügelaufhügelab gehen, laufen, rennen der Zürcher KritikerHerausgeber Carl Seelig und Robert Walser, Insasse
der Heilanstalt Herisau, durch die Appenzeller Winterlandschaft. Wer der Verrückte ist, ist schwer zu sagen.«
(Percy Adlon) Der restaurierte erste Spielfilm von Percy
Adlon ist für weitere Kinoaufführungen verfügbar.
▶ Samstag, 6. Dezember 2014, 21.00 Uhr | Einführung:
Claudia Engelhardt
Kommunale Kinos
Der Bundeskongress der Kommunalen Kinos findet in
diesem Jahr vom 5. bis 7. Dezember 2014 im Filmmuseum München statt. Unter dem Thema »Archive
entdecken« treffen sich Kinomacher, Medienwissenschaftler und andere Multiplikatoren, um sich mit dem
filmkulturellen Erbe und der Verfügbarkeit historischer
Filme im Kino auseinanderzusetzen. Wie hat sich die Kinoarbeit durch die Digitalisierung verändert? Welche
neuen kuratorischen Präsentationsansätze und Verwertungsformen gibt es? Eine der wichtigsten Bezugsquellen für Filmgeschichte sind nach wie vor die Archive.
Zudem bietet der Kongress kleineren, unabhängigen
Archiven die Gelegenheit, ihre Sammlung zu präsentieren und den lebendigen Umgang mit historischen Filmen zu thematisieren. Die Teilnahme am Kongress ist
für alle Interessierte offen. Nähere Information und Anmeldung unter www.kommunale-kinos.de.
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Das Erinnern weitertragen
Das Erinnern weitertragen
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Außenlagern in Verbindung stehen. Die Widerstandskämpferin Anna Pröll, die in ANNA, ICH HAB ANGST
UM DICH porträtiert wird, war ein Muster an Zivilcou-
ANNA, ICH HAB ANGST UM DICH
In der Erinnerungsarbeit der KZ-Gedenkstätten kommt
den Zeitzeugen ein besonderer Platz zu. Die Überlebenden, die sich zur Begegnung mit Besuchern, mit Jugendgruppen, mit Interessierten entschlossen haben,
sind den Gedenkstätten über Jahre, oft schon Jahrzehnte verbunden. Doch die Möglichkeit, überhaupt
Zeitzeugen hinzuzuziehen, wird immer seltener.
Ihre Kräfte nehmen ab, die Einschränkungen nehmen
zu, doch der Mitteilungsdrang ist ungebrochen. Besonders bei großen Begegnungen wie zur jährlichen Befreiungsfeier ist zu bemerken, dass es nicht nur darum
geht, selber Zeugnis abzulegen, sondern dass sie
versuchen, einander dazu zu motivieren, dies auch für
die verstorbenen Kameraden zu tun. So regen sie an,
materielle Zeugnisse (wie Objekte aus der Haft) an das
Archiv der Gedenkstätte abzugeben. Wenn diese Gegenstände dann nicht in einer Ausstellung präsentiert
werden, sind die Spender manchmal enttäuscht und
ziehen sich zurück; bei Interviews ist diese Erwartungshaltung nicht gegeben. Möglicherweise liegt der Unterschied darin begründet, dass ein abgegebenes Objekt
»weg« ist, während die persönlichen Aussagen verwahrt werden, ohne »aus der Welt« zu sein.
Aus dem Engagement und dem Mitteilen entstehen oft
weitere Projekte; so konnte Abba Naor, Überlebender
der KZ Stutthof und verschiedener Dachauer Außenlager, gemeinsam mit dem SZ-Autor Helmut Zeller
seine Lebensgeschichte in der kürzlich erschienenen
Biografie »Ich sang für die SS – Mein Weg vom Ghetto
zum israelischen Geheimdienst« festhalten.
Die filmische Vermittlung ist zunächst ein Versuch, die
Erzählung festzuhalten. Das Dilemma freilich, dass
dem Film alleine das Moment der Lebendigkeit fehlt,
ruft nach Präsentationsformen, die über das bloße Filmzeigen hinausgehen, eben nach der Möglichkeit zu Diskussion und Begegnung. Bei der Mehrheit der Zeitzeugen wächst das Gefühl: Es geht um die letzten Chancen, Zeugnis abzulegen. Aber nicht jeder ist in der
Lage, vor laufender Kamera zu sprechen, nicht jeder
kann und will vor Publikum treten, sich in eine voyeuristische Situation begeben, sich den Blicken einer
Menge aussetzen. Da zeigt sich, was den Schutz eines
Films oder Buches ausmacht, das man präsentiert: Es
hilft, indem es die Aufmerksamkeit lenkt – auf ein spezielles Thema, auf die Ereignisse, auf die Erzählung,
statt auf die Person.
Die ausgewählten Filme richten den Blick auf Lebensgeschichten, die direkt mit dem KZ Dachau und seinen
rage und Entschlossenheit. Mehrere ihrer Familienangehörigen wurden im Konzentrationslager Dachau
ermordet. Die Protagonisten der anderen drei ausgewählten Filme gehörten zu den Zehntausenden jüdischen Häftlingen, die im letzten Kriegsjahr aus dem
Konzentrationslager Auschwitz in die Außenlager des
Konzentrationslagers Dachau bei Mühldorf und Kaufering transportiert wurden, wo sie riesige unterirdische
Anlagen der Rüstungsindustrie errichten mussten: Max
Mannheimer (DER WEISSE RABE) begann erst spät,
von seinen Erlebnissen zu berichten, als er glaubte,
todkrank zu sein, und er seiner Tochter seine Erinnerungen hinterlassen wollte. Der streitbare und kämpferische Dani Chanoch (PIZZA IN AUSCHWITZ) hatte
schon mehrfach im Rahmen von Delegationen in Polen
ehemalige Vernichtungslager der Nazis besucht; es
dauerte aber lange, ehe er seine Kinder dazu bewegen
konnte, gemeinsam mit ihm die Stätten seiner verlorenen Kindheit aufzusuchen. Leslie Schwartz schließlich
schwieg jahrzehntelang über seine Erlebnisse im
MÜHLDORFER TODESZUG, der im April 1945 abfuhr.
Erst durch die Begegnung mit Schülerinnen und Schülern eines Gymnasiums der Region brach er sein
Schweigen.
Von ihm stammt ein besonderer Auftrag, der das Anliegen dieser Reihe unterstreicht: Leslie Schwartz kann
leider nicht an der ihm gewidmeten Veranstaltung teilnehmen, doch auf seinen Wunsch hin haben wir am
Film beteiligte Jugendliche eingeladen. Es geht um das
Vermächtnis. Sie tragen das Erinnern weiter.
Christoph Michel
Anna, ich hab Angst um dich | D 2009 | R: Josef Pröll
| B: Josef Pröll, Wolfgang Kucera | K: Josef Pröll | Mit
Anna Pröll | 88 min | Die Geschichte der Widerstandskämpferin Anna Pröll, von ihr selber erzählt. Ihr Sohn
Josef Pröll zeichnet das Leben seiner Mutter nach. »Es
geht ein großer Zauber aus von Anna Pröll, die sich nie
hat verbiegen lassen. Immer blieb sie sich treu: Als sie
wegen Vorbereitung zum Hochverrat verhaftet wurde
und zwei Jahre im Aichacher Frauengefängnis in Einzelhaft saß. Als sie mit Leidensgenossinnen im KZ Moringen trotzig sang ›Uns geht die Sonne nicht unter‹.
Als ihr Vater in Dachau ermordet wurde, die Brüder
ihres Mannes in Dachau und Buchenwald starben und
ihr Mann dort ums Überleben kämpfte. Und auch als
sich in Augsburg nach dem Krieg die Türen schlossen,
wo die ›KZ’ler‹ eine Wohnung suchten.« (Süddeutsche
Zeitung)
rung‹ verspricht. Dazu gehört natürlich Auschwitz. Dort
will Chanoch nicht wie alle anderen Besucher ehrfurchtsvoll das Gelände besichtigen, sondern er will in
der Baracke übernachten, wo er einst eingesperrt war.
Es gibt gängige Vorstellungen davon, wie sich die Opfer
▶ Sonntag, 7. Dezember 2014, 17.30 Uhr | Zu Gast:
Josef Pröll
▶ Sonntag, 11. Januar 2015, 17.30 Uhr | Zu Gast: Max
Mannheimer
Pizza in Auschwitz | Israel 2008 | R+B: Moshe Zimerman | K: Avi Kaner, Moshe Zimerman | M: Ellyot | Mit
Dani, Miri und Sagi Chanoch | 65 min | OmeU | »Als
man zu Beginn den 74-jährigen Dani Chanoch sieht,
wie er mit seiner Tochter Miri und seinem Sohn Sagi
aus Israel in Europa ankommt, könnte man fast meinen, es handle sich um einen gewöhnlichen Familienurlaub. Doch die einwöchige Reise hat einen besonderen Charakter: Dani will seinen Kindern die Stätten
seiner Kindheitstraumata zeigen. Er hat fünf Konzentrationslager überlebt, er weiß also, wovon er spricht,
wenn er Miri und Shagi die ›perfekte Holocaust-Erfah-
des Holocaust verhalten. Dani Chanoch stellt mit seiner
Reise und seinem offensiven Umgang mit dem Holocaust – der sehr oft witzig ist – diese Vorstellung radikal in Frage.« (Christina von Ledebur)
▶ Sonntag, 1. Februar 2015, 17.30 Uhr | Zu Gast: Dani
Chanoch
Der Mühldorfer Todeszug – Begegnungen gegen
das Vergessen | D 2012 | R+B: Beatrice Sonhüter | K:
Ralph Zipperlen | Mit Leslie Schwartz, Sophia Weikel,
Lisa Brandl, Yannis Xenakis, Tommy Dengl | 45 min | In
den letzten Apriltagen 1945 wird ein Außenlager des
KZ Dachau von der SS aufgelöst. Die Häftlinge werden
in Viehwaggons gepfercht. Der Zug macht in Poing Halt
und als das Gerücht aufkommt, der Krieg sei zu Ende,
versuchen mehrere Gefangene zu entkommen. Wehrmachtssoldaten, SS-Leute und Zivilisten machen Jagd
auf die Flüchtlinge, mehr als 50 werden erschossen,
die übrigen zum Zug zurückgebracht. Einer der Überlebenden ist Lászlo Schwartz, der später von den Amerikanern befreit wird und in die USA auswandert.
Schwartz, der sich nun Leslie nennt, schreibt ein Buch
über seine Erlebnisse und kommt mit Schülern des
Franz-Marc-Gymnasiums Markt Schwaben in Kontakt,
die über die Ereignisse im April 1945 in ihrer Heimat
recherchieren.
▶ Sonntag, 1. März 2015, 17.30 Uhr | Zu Gast: Beatrice
Sonhüter, Lisa Brandl, Sophia Weikel, Heinrich Mayer
Die Veranstaltungsreihe findet in Zusammenarbeit mit der KZGedenkstätte Dachau und dem Max-Mannheimer-Studienzentrum Dachau statt.
Das Erinnern weitertragen
Der weiße Rabe – Max Mannheimer | D 2009 | R+B:
Carolin Otto | K: Ulrich Gambke, Rainer Hartmann, Carolin Otto | M: Dieter Schleip | Mit Max Mannheimer,
Edgar Mannheimer, Ernst Mannheimer, Eva Faessler,
Elija Boßler | 85 min | Max Mannheimer ist ein Überlebender der Konzentrationslager Auschwitz und
Dachau und einer der letzten aktiven Zeitzeugen. »Der
Film zeigt, wie Max Mannheimer mit den niemals
endenden Erinnerungen an die Lager und dem Verlust
seiner Familie umgeht. Zeugnis ablegen, in Schulen
sprechen, Malen, unerschütterlicher Optimismus und
Witz sind seine Waffen und Therapie im Umgang mit
der Vergangenheit. Der Film zeigt seine erste Wiederbegegnung mit Auschwitz im Jahr 1991 und begleitet
ihn durch das ganze Jahr 2008, in privaten und öffentlichen Momenten.« (Carolin Otto)
59
Zuschauerkino
Zuschauerkino
?
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Beim Zuschauerkino des Münchner Filmzentrums e.V.
(MFZ) können Laien, Enthusiasten und Profis zweimal
im Jahr ihre Filme auf der Leinwand des Filmmuseums
einem interessierten Publikum präsentieren und sich
mit anderen Filmemachern vernetzen.
Vor jedem Film erzählen Beteiligte von Hintergründen,
Entstehungsgeschichte oder Besonderheiten ihres
Werks. Im Anschluss an die Vorführung bietet das MFZ
eine Begegnungsmöglichkeit, damit alle Anwesenden
miteinander ins Gespräch kommen und sich austauschen können (für Erfrischungen ist gesorgt).
Filme einreichen können alle, die einen Kurzfilm gedreht haben, unabhängig von Inhalt oder Format des
Films, ob Spielfilm oder Dokumentation, Real-, Kunstoder Animationsfilm. Das MFZ wählt unter den eingereichten Filmen aus und stellt ein etwa anderthalbstündiges Programm zusammen.
Die Filme müssen bis zum Donnerstag, den 27. November 2014 im Filmmuseum eingereicht werden, und
zwar genau so, wie sie am Veranstaltungsabend laufen
sollen (keine Downloadlinks oder Vorabfassungen).
Möglich sind die Formate 35mm, 16mm, DigiBeta,
BetaSP, MiniDV, VHS, DVD, Blu-ray und DCP. Zugelassen werden nur Filme bis zu 12 Minuten Länge. Alle
Einreichenden, deren Filme im Programm gezeigt werden, können an der Kasse bis zu fünf Freikarten für den
Zuschauerkino-Filmabend erhalten. Darüber hinaus
bestehen keine weiteren Verpflichtungen des Filmmuseums. Es wird vorausgesetzt, dass die Filmemacher
über die Rechte an den von ihnen eingereichten Filmen
verfügen und diese am Abend vor der Projektion kurz
vorstellen.
Kontakt: Post (Filmmuseum München, St.-JakobsPlatz 1, 80331 München), E-Mail ([email protected]
yahoo.de), Telefon (089-233 20538), Fax (089-233
23931).
Ein Rückblick: Beim Zuschauerkino am 12. Juni 2014
boten Tom Garrecht und Julius Lengert einen Vorgeschmack auf ihren Dokumentarfilm DIE SCHWABINGER
GISELA ERZÄHLT. Nun ist Gisela Jonas, die Münchner
Institution und ehemalige Wirtin, am 25. Juli im Alter
von 85 Jahren verstorben.
▶ Donnerstag, 11. Dezember 2014, 19.00 Uhr | Die Fil-
memacher sind anwesend
Max Mohr, geboren 1891 in Würzburg als Sohn einer
jüdischen Malzfabrikantenfamilie. Medizinstudium in
Würzburg und München. Als junger Arzt im ersten
Weltkrieg. Unter dem Eindruck der Kriegserfahrungen
entschließt er sich, den Arztberuf aufzugeben und
Schriftsteller zu werden. 1919 Heirat mit Käthe Westphal. Beide sagen sich von ihren großbürgerlichen Elternhäusern los und beginnen als junges Paar ein einfaches Künstlerleben auf dem Land, in der Wolfsgrub,
einem kleinen Gehöft im bayerischen Voralpenland. Mit
seinem ersten Bühnenstück »Improvisationen im Juni«
wird Mohr Anfang der 1920er Jahre zum shooting star
der Theaterszene, und es entstehen Freundschaften
mit Max Reinhardt, Paul Wegener, Heinrich George und
Thomas Mann. 1926 Geburt der Tochter Eva. Mit dem
Drama »Der Ramper«, das mit Paul Wegener in der
Hauptrolle 1927 auch verfilmt wird, setzt sich sein Erfolg fort. Danach wendet Mohr sein Schreiben dem
Roman zu. Bis 1933 entstehen in schneller Folge vier
Romane mit wechselndem Erfolg. Gleichzeitig entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zu dem englischen
Schriftsteller D. H. Lawrence. Mohr wird sein Leibarzt
und begleitet Lawrences letzte Zeit im südfranzösischen Bandol bis zu dessen Tod.
Anfang der 1930er Jahre kommen viele Faktoren zusammen, die Mohr in eine tiefe Krise stürzen. Der Tod
von Lawrence, die wirtschaftliche Misere, das Hin- und
Hergerissensein zwischen Berlin und der Wolfsgrub
und nicht zuletzt die politischen Entwicklungen. Angesichts dieser zugespitzten Situation entschließt er sich
1934, Deutschland zu verlassen und nach China zu
emigrieren, um baldmöglichst Frau und Kind nachkommen zu lassen. In Shanghai überlebt er als Arzt
unter extremen Bedingungen. Daneben schreibt er den
Roman »Das Einhorn«, der sein letzter bleiben sollte
und erst posthum veröffentlicht wird. Seine Emigration
dauerte nur drei Jahre. Im November 1937 stirbt er
46-jährig mitten im chinesisch-japanischen Krieg an
einem Herzanfall. Seine Frau Käthe und seine Tochter
Eva überleben in Deutschland.
···
Drei Filmabende, die alle mit Max Mohr in Zusammenhang stehen, zeigen, wie sich über Generationen hinweg die Geschichten von Menschen miteinander verweben und in die Gegenwart hineinwirken. Die Spuren
dieser Geschichten offenbaren sich in Briefen, Fotos
und Filmen. Eine dieser Geschichten ist ein Brief, der
mich im Dezember 2000 aus Washington erreichte. Er
Max Mohr
Max und Käthe Mohr auf der Wolfsgrub
In Memoriam Max Mohr
61
Max Mohr
62
war geschrieben von dem amerikanischen Schriftsteller Frederick Reuss. Bei den Recherchen für sein neues
Buch, ein Roman über den Schriftsteller Max Mohr und
sein ungeklärtes Verschwinden in Shanghai, war er auf
meinen Namen gestoßen. Er fragte mich in seinem
Brief, ob ich der Enkel von Max Mohr sei. Ich schrieb
ihm zurück und beantwortete seine Frage. Daraus entwickelte sich nicht nur eine intensive Künstlerfreundschaft, sondern auch die Wiederentdeckung unserer
gemeinsamen Familiengeschichte. Frederick Reuss’
Großvater war der Sohn von Max Mohrs Schwester
Hedwig Mohr, die mit dem jüdischen Gerichtsrat
Joseph Reuss verheiratet war. Er emigrierte nach
Amerika kurz nachdem Max Mohr 1934 nach Shanghai
gegangen war. Danach verloren beide Teile der Familie
ihre Verbindung. Die in Deutschland gebliebenen Mitglieder der Familie Reuss kamen in Theresienstadt ums
Leben und Max Mohrs Leben endete 46-jährig 1937
im Exil in Shanghai. Dass sowohl in Amerika als auch in
Deutschland Angehörige überlebt hatten, war beiden
Teilen der Familie unbekannt. Erst durch den Brief
von Frederick Reuss setzte sich mehr als 60 Jahre
später die Familie wieder zusammen. Er kam in die
Wolfsgrub, zum Lebensort von Max Mohr, der noch
immer existiert und an dem ich aufgewachsen bin.
Dort fand er alle Zeugnisse, Spuren und Briefe, die er
als Material für seinen Roman brauchte, der 2005
unter dem Titel »Mohr« in Amerika erschienen ist. Auf
Einladung des New Yorker Clubs The Stone haben wir
gemeinsam eine Collage aus Textpassagen des
Romans und Briefen von Max Mohr geschaffen, die
zusammen mit Film und Musik nun auch in München
zur Aufführung kommt. Und dass all das hier im Filmmuseum zusammenfindet, hat ebenfalls seine innere
Logik.
···
Rudolph S. Joseph, Gründungsdirektor des Filmmuseums München, dem der zweite Abend gewidmet ist,
war zusammen mit seinem Bruder Albrecht Joseph ein
enger Freund von Max Mohr. Beide schrieben über
Mohr und versuchten, seine Bücher als Filmstoffe zu
verkaufen. Aus einem seiner Theaterstücke, »Der Ramper« von 1925, ist tatsächlich ein Film geworden, der
als Stummfilm-Fragment in den Archiven in London
lagert und in dem Paul Wegener, Schauspieler-Star der
1920er Jahre, die Hauptrolle eines verwilderten Tiermenschen spielt, der gezwungenermaßen seinen Weg
zurück in die Zivilisation erleidet. Der Protagonist wird
als Attraktion an einen Zirkus verkauft, in dessen Milieu
der Film wesentlich angesiedelt ist. Und auch diese
Geschichte verzweigt sich in die Gegenwart hinein.
Als ich 1996 mit unserem Film MIDDLE OF THE MOMENT, der unter anderem von einem jungen französischen Zirkus erzählt, auf Festivals in San Francisco und
Los Angeles unterwegs war, kam ich durch Santa Barbara. Ich wusste, dass Rudolph S. Joseph über 90-jährig dort lebte, rief ihn an und besuchte ihn. Es war eine
für uns beide sehr bewegende Begegnung, die viele
Zeiten und Spuren miteinander verband. Ich erinnere
mich, dass sich im kleinen Zimmer seines Altersheims
ein Regal voll mit Filmbüchsen befand. Wenig später
erreichte mich die Nachricht von seinem Tod. Was aus
den Filmbüchsen geworden ist, weiß ich nicht. Vielleicht war ja in einer der Büchsen der verschollene
letzte Akt des RAMPER-Films gelagert.
In seinen Erinnerungen an Max Mohr schrieb Rudolph
S. Joseph: »Von allen Menschen, die ich überlebt habe,
ist Mohr im Vorrang derer, die mir fehlen. Seine wahre
Vitalität und stets sprudelnd mitgeteilten Gedanken
machten seine Gesellschaft immer wünschenswert. In
der Londoner National Gallery war ich erstaunt, ein Porträt von ihm zu finden. Da war er, mit seiner hochgewölbten Stirn, der Brille über der leicht geschwungenen
Nase und dem rötlich braunen Kinnbart. Ich ging nahe
an das Bild heran. Es war nicht ein Porträt Max Mohrs,
sondern eines englischen Kolonialbeamten des vorigen
Jahrhunderts. Ich forschte seinem Namen nach und
fand sein Geburtsdatum: 17. Oktober, wie Max Mohrs,
nur ein Jahrhundert früher. Er starb relativ jung in
Hongkong, so wie Mohr fast im gleichen Alter in Shanghai. Von Mohrs Tod liegen widersprechende Berichte
vor. Einer im Haus eines reichen Chinesen in Shanghai.
Ein anderer, dass er an diesem Ort ermordet wurde.
Wenn ich an Max Mohr denke, so sehe ich ihn auf einer
Bank vor seinem Haus sitzend. Auf seiner großen Ziehharmonika La Paloma spielend und den spanischen
Text in deutscher Fassung singend ›Kommt dann die
Taube übers Meer, oh la Paloma, la Paloma‹. Das Lied,
das bei der Erschießung Kaiser Maximilians von Mexico
erklang, hätte auch das Ende von Max Mohr begleiten
können. Es war so sehr sein eigener Gesang geworden.«
···
Auch in meinem Film WOLFSGRUB geht es ums Geschichtenerzählen. Er ist die Annäherung an meine
Mutter und ihre Beziehung zu dem Ort, an dem sie ihr
Leben verbracht hat. Sie erzählt von ihrer Kindheit und
Jugend im Deutschland des aufkommenden Nationalsozialismus und von der Geschichte ihres Vaters Max
Mohr. Als Frederick Reuss das erste Mal zu Besuch
kam, den Ort kennenlernte und auch den Film sah,
schrieb er:
Die drei Abende in Erinnerung an den Exil-Schriftsteller Max
Mohr finden im Rahmen der Ausstellung »Kultur am Abgrund
– Jüdisches Leben am Tegernsee« im Jüdischen Museum
München statt. Die Ausstellung des städtischen Literaturarchivs Monacensia wird kuratiert von Dr. Elisabeth Tworek.
Wolfsgrub | BRD 1986 | R+B+K: Nicolas Humbert | M:
Fred Frith & Aram Gulezyan | 65 min | Wolfsgrub ist der
Name des alten Hofs in den Voralpen, in dem Max
Mohr bis zu seiner Emigration nach Shanghai gelebt
hat. Sein Enkel, der Regisseur Nicolas Humbert, hat
sich auf eine filmische Spurensuche begeben. Im Zentrum des Films steht Mohrs Tochter Eva. »Ein einsames
Haus und eine starke Frau. Die ruhige Konzentration
auf Sehen und Hören, auf alltägliche Verrichtungen und
das Erzählen über eine Elterngeneration in Deutschland
vermittelt auf diskrete Weise Kraft und Würde.« (Ponkie) – Ramper, der Tiermensch | D 1927 | R: Max
Reichmann | B: Curt J. Braun, nach dem Theaterstück
von Max Mohr | K: Friedrich Weinmann, Herbert Körner
| D: Paul Wegener, Mary Johnson, Kurt Gerron, Camillo
Kossuth, Hermann Vallentin | 60 min (Fragment) | engl.
Zwischentitel | Ein Flieger, der in Grönland scheitert,
verwildert im Lauf der Jahre und wird zum Tiermenschen. Zurückgeholt in die Zivilisation wird er als Zir-
kusattraktion ausgestellt und landet schließlich in den
Fängen eines Wissenschaftlers.
▶ Freitag, 12. Dezember 2014, 18.30 Uhr | Live-Musik:
Noah Fürbringer (Schlagzeug) und Martin Otter (Electronics)
Freiheit in Hollywood: Rudolph S. Joseph über
Douglas Sirk und G. W. Pabst | D 1997 | R+S: Eckhart Schmidt | K: Steve Elkins | 51 min | Kurz vor seinem Tod besuchte Eckhart Schmidt den über 90-jährigen Gründungsdirektor des Filmmuseums München
Rudolph S. Joseph (1904–1998) in Los Angeles und
ließ ihn von seinem Leben erzählen. – Summer Storm
(Sommerwind) | USA 1944 | P: Seymour Nebenzal,
Rudolph S. Joseph | R: Douglas Sirk | B: Rowland Leigh,
Douglas Sirk, nach dem Roman »Eine Jagdpartie« von
Anton Čechov | K: Eugen Schüfftan, Archie Stout | M:
Karl Hajos | D: Linda Darnell, George Sanders, Edward
Everett Horton, Anna Lee, Hugo Haas | 106 min | OF |
Der zweite amerikanische Film von Douglas Sirk ist ein
gefühlvolles Melodram über ein Bauernmädchen im
zaristischen Russland, das seinen Mann mit zwei höhergestellten Herren betrügt. Rudolph S. Joseph wirkte
als Associate Producer mit. Gezeigt wird eine originale
16mm-Kopie, die Joseph selber für die Sammlung des
Filmmuseums München erwarb.
▶ Samstag, 13. Dezember 2014, 18.00 Uhr
Max Mohr – Exil Shanghai | D 2012 | R+B+S: Simone Fürbringer | M: Michaela Dietl | 60 min | MAX
MOHR – EXIL SHANGHAI ist eine Komposition aus Film,
Musik und Lesung, die 2012 in John Zorns berühmten
Club The Stone in New York uraufgeführt wurde und
nun zum ersten Mal in Deutschland zu sehen ist. Der
Abend besteht aus drei erzählerischen Elementen, die
sich miteinander verweben. Die Filmemacherin Simone
Fürbringer hat aus Max Mohrs fotografischem Nachlass eine Partitur aus Bildern entwickelt. Zur Projektion
dieser in Filmform montierten Momentaufnahmen findet die Tonebene live im Kinosaal statt. In ihr verbindet
sich die improvisierte Musik der Münchner Akkordeonistin Michaela Dietl mit der Lesung des amerikanischen Schriftstellers Frederick Reuss aus seinem
Roman »Mohr« und Passagen aus den Exilbriefen, die
Mohrs Enkel Nicolas Humbert zusammengestellt hat.
Aus den Fragmenten entsteht als eine Hommage an
Max Mohr das atmosphärische Bild eines Menschen
und seines Lebenswegs.
▶ Sonntag, 14. Dezember 2014, 18.30 Uhr | Live-Musik:
Michaela Dietl (Akkordeon) | Lesung: Frederick Reuss
& Nicolas Humbert
Max Mohr
»Ich habe den Ort wie ein Stillleben empfunden, das
sich Schicht für Schicht, Farbton für Farbton, Schattierung für Schattierung meinem Blick offenbart, mit den
dunkelsten Tönen beginnend, bis schließlich alle Kontraste sichtbar werden. Kurz gesagt: ein Gemälde. Aber
ein Haus ist lebendige Gegenwart, kein Gemälde. Der
Film WOLFSGRUB ist die Zusammenkunft zweier Menschen, eines dieser zeitlosen Gespräche, das ein ganzes Leben dauern kann, eine Erzählung, die sich ins
Vergangene vertieft und doch alle Gegenwart und Zukunft enthält. Eva erzählt. Sie ist in diesem Haus geboren und lebte ihr ganzes Leben hier. Wir erleben sie
auf sehr intime Weise, wie sie erwacht, wie sie vor dem
Spiegel ihr langes, silbernes Haar hochsteckt. Wir
sehen, wie sie Holz hackt, die Wiese mäht, wie sie in
diesem Haus so lebt, wie immer schon in diesem Haus
gelebt wurde – durch harte Arbeit. Wir hören, wie sie
über ihre Träume spricht, ihre Erinnerungen, ihre
Trauer, ihre Ängste. Wir schauen zu, teilen die Einsamkeit der Berge, das Haus, die Jahreszeiten. Es ist eine
ungebundene Einsamkeit, eine Einsamkeit, die weder
alt noch jung ist, die gelassen und unangestrengt ist,
und immer beides enthält: Vergangenheit und Gegenwart. Kurz gesagt, ein Bild, gemalt wie ein Stillleben, in
dem wir der Wolfsgrub ganz nah sind und dennoch
Welten entfernt.«
Nicolas Humbert
63
Alain Resnais
Alain Resnais bei den Dreharbeiten zu STAVISKy …
Retrospektive Alain Resnais
64
Er hat nie »Cut« gerufen, erinnert sich Hervé de Luze,
der seit 1997 den Schnitt besorgte bei den Filmen von
Alain Resnais, seit ON CONNAÎT LA CHANSON. Niemals »Cut«, wenn eine Aufnahme beendet war, immer
nur »Collure«. Nicht Schneiden, wie bei allen anderen
Filmemachern, sondern Kleben. Ein Cut, das klingt einschneidend und dominant, es ist das Herrschaftssignal
des Regisseurs, Zeichen, wie er die Wirklichkeit sich
unterteilt, wie er die Welt beherrscht und das fertige
Produkt, seinen Film. Resnais dagegen hat seinen Filmen alle Freiheit gelassen, statt Dominanz gab es Diskretion, Höflichkeit, Freundlichkeit auf seinen Sets und
im Schneideraum. Man hat immer wieder von dieser
Aufmerksamkeit und Rücksicht gelesen in Zeugnissen
seiner Mitarbeiter, und man konnte sie schließlich
sogar selbst erleben, als vor ein paar Jahren Amateuraufnahmen wieder auftauchten von den Dreharbeiten
zu L’ANNÉE DERNIÈRE À MARIENBAD, in den Schlössern und Parks von Nymphenburg und Schleißheim.
Der junge Resnais hat als Cutter angefangen, und der
Montage ist er treu geblieben bis in den allerletzten
Film hinein, Montage ist gewissermaßen das Thema
seines Werks. In frühen Filmen über Kunst und Künstler wird die Einheit der Bilder aufgebrochen, im legendären NUIT ET BROUILLARD eine doppelte Realität des
KZ Auschwitz aufgezogen, die barbarische in der Nazizeit damals und die heute, im Museum der Erinnerung,
und beide wirken in gleicher Weise unfassbar, irreal.
L’ANNÉE DERNIÈRE À MARIENBAD und HIROSHIMA
MON AMOUR, die ersten langen Filme, sind wie Exerzitien der Montage, und an ihrer Puzzlehaftigkeit hat
die Filmkritik sich abgearbeitet damals, ihre Offenheit
war Lust und Qual zugleich. Der Terror des Politischen,
den Körpern der Liebenden eingeschrieben, die Liebe
auf der Flucht. Wie kann man sie bewahren, festhalten,
retten, in der Moderne.
In den Sechzigern und Siebzigern hat Resnais das auf
schwindelerregende Weise durchgehalten, diese Balance zwischen der Historie und der Imagination, der
Politik und der Emotion, den Fakten und den Träumen,
dem Abgehobenen und dem Populären. In die Filme
dieser Jahre – MURIEL, LA GUERRE EST FINIE, JE
Alain Resnais
uns leicht gefallen, aber dann hat er sich, nach MON
ONCLE D’AMÉRIQUE, immer weiter zurückbesonnen
auf die französische Tradition. Die Chansons und Vaudevilles bestimmen stärker als bei uns das Leben in
Frankreich, bis hin zu den Revuen und Operetten der
Zwanziger. PAS SUR LA BOUCHE hat er aus dem
Repertoire von damals rausgesucht, eine musikalische
Komödie, und im Zuckerbäckerstil inszeniert, so delikat, dass Wes Andersons THE GRAND BUDAPEST
HOTEL ziemlich fluffig dagegen aussieht.
Musik ist immer wichtig gewesen in Resnaisfilmen, die
populäre aber auch die klassische, sie löst endgültig,
was noch zu fest gefügt war in den Bildern, in den Montagen. Über tausend Einstellungen hat MURIEL, ein Panorama der französischen Gesellschaft der späten
Fünfziger, die ihre Unschuld verloren hat, aber nicht
ihre Leichtfertigkeit, ihre Leichtlebigkeit. Entrückte
Arien von Henze leimen die Teilchen zusammen, gesungen von Rita Streich, später wirbelt Henze-Musik
den Grenzbereich zwischen Leben und Tod auf, in
L’AMOUR À MORT.
Einen Film sah er nicht als Kontinuum, in Progression
und Verfolgung eines Suspense, sondern als Collage,
als Installation Mit besonderer Lust widmet sich
Resnais den Brüchen, Wiederholungen, Leerläufen,
Alain Resnais bei den Dreharbeiten zu L’ANNéE DERNIèRE à MARIENBAD
T’AIME, JE T’AIME, STAVISKY …, PROVIDENCE, MON
ONCLE D’AMÉRIQUE – sind hineingepackt der Algerienkrieg in Frankreich und der Nachbürgerkrieg in Spanien, der Ausverkauf der Wiederaufbauträume, Zeitreisen, Werwölfe, Rattenmenschen, Massenlager, die
Phantasmagorie der Gangsterwelt. Das Phantastische
ist das eigentlich Reale, das ist die Lektion dieser Filme,
während durch Lacan und seine Bande die psychologischen Systeme ausgehebelt wurden.
Die Erregung, der ehrfürchtige Schauder um die ersten
Spielfilme, Ende der Fünfziger, Anfang der Sechziger,
war gewaltig. Man nahm HIROSHIMA und MARIENBAD
wie ein Hochamt des Kinos. Die andere Seite der Nouvelle Vague – eben nicht auf den Straßen von Paris, frei
und frech und fröhlich gedreht. Formalismus hat man
ihm auch vorgeworfen, na klar, Pomp und Prätention.
Epochal, hieß es, dieses Zusammenwirken von Kino
und Literatur, als Jean Cayrol, Marguerite Duras, Alain
Robbe-Grillet, Jorge Semprun ihm Drehbücher schrieben. Aber Cayrol hat zu dieser Zeit davon geträumt,
selbst Filme zu drehen, was Duras und Robbe-Grillet
später tatsächlich getan haben. Und gleich nach HIROSHIMA hat Resnais erklärt, eigentlich würde er nun
gern den »Harry Dickson« verfilmen. Von dem hatte
damals keiner gehört – eine französische Pulp-Serie,
dem »Sherlock Holmes« schamlos nachempfunden, in
der das Superrationale direkt ins Dämonische führt, zu
einer eigenen Art Surrealismus.
Einen erlesenen Fotoband »Repérages« hat es zu dem
Dickson-Projekt gegeben, das Resnais sein Leben lang
nicht mehr los ließ, er hat ganze Viertel von London als
potentielle Schauplätze festgehalten in seinen Fotos.
Erinnerungsarbeit, die Errettung verlorener Realitäten,
das macht den politischen Aspekt aus im Werk von
Resnais. Während er an Projekten über den Vietnamkrieg mitmacht oder über den Zusammenbruch des
Kapitalismus, knüpft Resnais Kontakte zum MarvelHerrscher Stan Lee und versucht mit ihm einen Film
auf die Beine zu stellen.
Einen Avengers- oder einen X-Men-Film von Resnais
könnte man sich sehr gut vorstellen, sanfter wohl als
die aus Hollywood. Sein Werk ist, über die Jahrzehnte
hinweg, eine Art Roadmovie, es bewegt sich auf eine
Leichtigkeit und Transparenz zu, aber wenn man bis
ans Ende mitgegangen ist, merkt man, diese Transparenz hat es schon ganz am Anfang gegeben. MARIENBAD, ein Film im Schwebezustand, als magische Fee
ist Delphine Seyrig dafür zuständig gewesen, die Resnais in New York entdeckte, für »Harry Dickson«.
Ihm ins Reich der internationalen Comics zu folgen, ist
65
Alain Resnais
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Anschlussfehlern in seinen Filmen. Dekonstruktion, Dekonzentration. Ein fröhliches Wirken wider die filmische
Korrektheit – gegen die Grammatiker des Filmemachens, die das amerikanische Modell zur Norm erheben, mit seinem Postulat vom unmerklichen narrativen Fluss. Jeder Schnitt, jeder Anschluss ist bei
Resnais ein Abenteuer, ein Ereignis. Alles was erzählt
wird, steht unter dem Zeichen der Vorläufigkeit. Die
Erinnerungslücken und -verweigerungen in MARIENBAD, der sterbenskranke Autor in PROVIDENCE, der
seine Geschichten nicht mehr zusammenbringt, die
Somnambulen aus MON ONCLE D’AMÉRIQUE, vier Provinzler, die sich auf Erfolgskurs bringen möchten in
einem Frankreich, das schon die Krise um die Jahrhundertwende zu ahnen scheint. Nur der Alleswisser, der
Verhaltensforscher Henri Laborit, ahnt überhaupt
nichts. Am Ende sind sie alle, was schon die hoheitsvollen, ein wenig komischen Bourgeoisen von MARIENBAD waren – Ratten in einem imaginären Versuchslabor, hinter den Spiegeln.
Ein Lächeln ist, wenn man Fotos von seinen Dreharbeiten anguckt, auf seinem Gesicht zu spüren, ein Cheshire-Cat-Lächeln, wie man es dann wieder zu sehen
bekommt in den Filmen selbst, bei Delphine Seyrig
oder Adolph Green, in I WANT TO GO HOME. Ein Lächeln, das richtig cool ist. Es ist eine Gelassenheit, ein
Abwarten in seiner Haltung, er lehnt sich zurück und
nimmt sich aus von der Action um ihn her.
Am liebsten hätte er den ONCLE D’AMÉRIQUE, der mit
Filmschnipseln aus Gabin-, Marais- und Darrieuxfilmen
gespickt ist, nur aus gefundenem Material gemacht.
Wie ein Leben sich zusammensetzt aus Erinnerungsstücken, objets trouvés.
Als Cutter hat er mit Nicole Vedrès den Film PARIS
1900 montiert, 1947. Ein Film, in dem André Bazin das
Kino im reinsten Zustand sah, »eine Maschine, mit
deren Hilfe man die Zeit wiederfindet, nur um sie besser zu verlieren«. Er hat auch gleich die Parole für das
gesamte Kino von Alain Resnais formuliert: »Der langen
Worte kurzer Sinn: Warum haben Zufall und Wirklichkeit mehr Talent als alle Filmemacher der Welt zusammen?«
»Seine Filme sind Gegenwartsfilme«, schrieb Frieda
Grafe in einem Text, der »Resnais’ praktische Filme«
hieß, 1966 in der Filmkritik, »weil sie Bewegung zwischen Gegebenem und Möglichem zum Gegenstand
haben. Sie stellen die Relation dar zwischen kollektiven
Gegebenheiten und individuellem Verhalten. Vergangenheit zeigen sie als Teil der Gegenwart. Die wiederum erscheint als fraglichster Punkt der Zukunft.«
Fritz Göttler
La bague (Der Ring) | F 1946 | R: Alain Resnais | D:
Marcel Marceau | 6min | – Portrait de Henri Goetz | F
1947 | R: Alain Resnais | 21 min | OmeU – Christine
Boomeester | F 1947 | R: Alain Resnais | 6 min –
Hans Hartung | F 1947 | R: Alain Resnais | 14 min –
Félix Labisse | F 1947 | R: Alain Resnais | 9 min –
Visite à César Doméla (Besuch bei César Doméla) |
F 1947 | R: Alain Resnais | 9 min – Erst seit kurzem zugänglich geworden: die frühen Amateurfilme von Resnais. Ein Mimodrama mit Marcel Marceau und Atelierbesuche bei Malern. – Van Gogh | F 1948 | R: Alain
Resnais | B: Gaston Diehl, Robert Hessens | K: Henry
Ferrand | M: Jacques Besse | 20 min | OmU – Paul
Gauguin | F 1950 | R: Alain Resnais | B: Gaston Diehl |
K: Henry Ferrand | M: Darius Milhaud | 12 min | OmU –
Guernica | F 1950 | R: Alain Resnais, Robert Hessens |
B: Paul Eluard | K: Henry Ferrand | M: Guy Bernard |
12 min | OmeU – Les statues meurent aussi (Auch
Statuen sterben) | F 1953 | R+B: Alain Resnais, Chris
Marker | K: Ghislain Cloquet | M: Guy Bernard | 31 min
| OmeU – Die großen Sujets, von der Kunst zum Leben
und retour, die Lust, die Erinnerung, der Tod. Chris
Marker: »Wenn die Menschen gestorben sind, gehen
sie in die Geschichte ein. Wenn die Statuen gestorben
sind, gehen sie in die Kunst ein. Diese Botanik des
Todes nennen wir die Kultur.«
▶ Donnerstag, 8. Januar 2015, 19.00 Uhr | Einführung:
François Thomas
Nuit et brouillard (Nacht und Nebel) | F 1956 | R:
Alain Resnais | B: Jean Cayrol | K: Ghislain Cloquet | M:
Hanns Eisler | 32 min | OmeU – Hiroshima mon
amour | F 1959 | R: Alain Resnais | B: Marguerite
Duras | K: Sacha Vierny, Takahashi Michio | M:
Giovanni Fusco | D: Emmanuelle Riva, Eiji Okada, Bernhard Fresson, Stella Dassas, Pierre Barbaud | 89 min |
OmeU – Zwei Filme über den Zweiten Weltkrieg, über
die KZs der erste, über deutsche Besatzung, die Atombombenabwürfe über Japan der zweite. Politisches
Kino, nicht von den Sujets her, sondern in der Art, wie
sie Gegenwart und Vergangenheit zusammenbringen,
so dass das Sprechen und das Filmen eine neue
Dimension, eine neue Beziehung erhalten, die Worte
und die Bilder, das Kommentieren und das Illustrieren.
Der Hiroshima-Text von Marguerite Duras, sagte Resnais, »ist so etwas wie eine lange Kamerafahrt in den
Wolken des Unbewussten, um zu den zwei Personen
zu kommen.«
▶ Dienstag, 6. Januar 2015, 18.30 Uhr ▶▶ Freitag,
9. Januar 2015, 21.00 Uhr | Einführung: François Thomas
L’ANNéE DERNIèRE à MARIENBAD
▶ Mittwoch, 7. Januar 2015, 18.30 Uhr ▶▶ Samstag,
10. Januar 2015, 21.00 Uhr
Muriel ou le temps d’un retour (Muriel oder Die Zeit
der Wiederkehr) | F 1963 | R: Alain Resnais | B: Jean
Cayrol | K: Sacha Vierny | M: Hans Werner Henze |
D: Delphine Seyrig, Jean-Pierre Kérien, Nita Klein,
Jean-Baptiste Thierrée, Claude Sainval, Jean Dasté |
117 min | OmeU | Delphine Seyrig de nouveau. Und
wieder als Spielerin, die gewissermaßen ihr Leben verscherbelt. Sie lebt zwischen Antiquitäten und zieht
abends ins Casino ab. In den Erinnerungen ist der Krieg
auch hier präsent, der Algerienkrieg. François Truffaut:
»MURIEL ist supereinfach. Es ist die Geschichte von
fünf oder sieben Personen, die alle ihre Sätze anfangen
mit: ›Ich, ich …‹ Resnais behandelt in MURIEL exakt
dasselbe Thema wie Jean Renoir in LA RÈGLE DU JEU
und Claude Chabrol in LES BONNES FEMMES: wie wir
in Erwartung des Todes den Clown spielen.«
▶ Sonntag, 11. Januar 2015, 21.00 Uhr ▶▶ Dienstag,
13. Januar 2015, 18.30 Uhr
La guerre est finie (Der Krieg ist vorbei) | F 1966 | R:
Alain Resnais | B: Jorge Semprun | K: Sacha Vierny | M:
Giovanni Fusco | D: Yves Montand, Ingrid Thulin, Geneviève Bujold, Dominique Rozan, Michel Piccoli |
121 min | OmU | Geschichtsunterricht, intimate exchanges. Yves Montand als spanischer Untergrundkämpfer Diego. Ostern 1965, er kommt für drei Tage
nach Paris. Eine Midlife Crisis, die Diegos, die seines
Landes – für die der Bürgerkrieg nicht zu enden
scheint. Und auch für die ganze europäische Nachkriegsgeneration, ihre unheimlichen Utopien. Das Werk
von Resnais, im Herzen ist es ein Reich verpasster
Revolutionen. »Ich bin kein politischer Mensch, ich
wollte, ich könnte es sein, aber dazu bin ich zu bequem
oder zu nonchalant.« (Resnais)
▶ Mittwoch, 14. Januar 2015, 18.30 Uhr ▶ Freitag,
16. Januar 2015, 21.00 Uhr
Toute la mémoire du monde (Alles Gedächtnis der
Welt) | F 1956 | R: Alain Resnais | B: Remo Forlani | K:
Ghislain Cloquet | M: Maurice Jarre | 22 min | OmU –
Je t’aime, je t’aime (Ich liebe dich, ich liebe dich) |
F 1968 | R: Alain Resnais | B: Jacques Sternberg | K:
Jean Boffety | M: Krzysztof Penderecki | D: Claude Rich,
Olga Georges-Picot, Anouk Ferjac, Georges Jamin, Bernard Fresson | 94 min | OmeU – Zeitreisen faszinierten
Resnais, so entstand ein Meisterstück filmischer Reflexion, JE T’AIME, JE T’AIME. Kino der Abbrüche, der
Diskontinuität, der Richtungswechsel. »Es ist richtig,
Alain Resnais
L’année dernière à Marienbad (Letztes Jahr in Marienbad) | F 1961 | R: Alain Resnais | B: Alain RobbeGrillet | K: Sacha Vierny | M: Francis Seyrig | D: Delphine Seyrig, Giorgio Albertazzi, Sacha Pitoëff, Pierre
Barbaud, Françoise Spira | 94 min | OmU – Souvenirs
d’une année à Marienbad (Erinnerungen an ein
Jahr in Marienbad) | F 2010 | R+B: Volker Schlöndorff | K: Françoise Spira | 46 min | dtF – Der Kultfilm
des neuen französischen Kinos, als solcher natürlich
schon geplant, wie die Privataufnahmen einer Schauspielerin vom Dreh zeigen, kommentiert 50 Jahre später vom damaligen Assistenten Volker Schlöndorff.
Zwei Männer und eine Frau, die unvergleichliche Delphine Seyrig. »Die rhythmisierte Sprache von HIROSHIMA MON AMOUR und L’ANNÉE DERNIÈRE À MARIENBAD ist keineswegs zu verstehen als innerer Monolog. Selbst noch in Situationen äußerster Introspektion
bleibt sie gerichtet an ein Gegenüber. Ihr Sinn entsteht
erst eigentlich mit deren Konfiguration.« (Frieda Grafe)
67
Providence | F 1977 | R: Alain Resnais | B: David Mercer | K: Ricardo Aronovitch | M: Miklós Rózsa | D: Dirk
Bogarde, Ellen Burstyn, John Gielgud, David Warner,
Elaine Stritch | 110 min | engl.OF | »Wenn die Musik
von Miklós Rózsa wie mit den Paukenschlägen einer
klassischen Hollywood-Gladiatoren-Melodie den vielleicht schönsten Resnais-Film einläutet, wenn die
Kamera sich dazu durch die dunklen Tore eines ländlichen Anwesens bewegt, an seinen bewachsenen
Mauern entlangfährt. Dann werden die Gänge, die
Räume zu organischen Wesen. Die Ranken wie dunkle
Adern an den Wänden werden zu Grafiken der Synapsen des Gehirns, die für sich Erinnerung bilden, jene
Erinnerungen, die den alten krebskranken Schriftsteller
oben im Haus plagen, eine Nacht lang vor seinem Geburtstag. Intellekt und Gefühl fließen wie Ströme bei
Resnais zusammen und werden Film, so leidenschaftlich.« (Dominik Graf)
▶ Dienstag, 27. Januar 2015, 18.30 Uhr ▶▶ Freitag,
Alain Resnais
30. Januar 2015, 21.00 Uhr
68
vom Science-Fiction-Aspekt bei Resnais zu sprechen.
Aber man hat auch unrecht, weil er der einzige Cineast
ist, der das Gefühl vermittelt, dass er schon eine Welt
erreicht hat, die in den Augen der anderen noch futuristisch bleibt.« (Jacques Rivette) Am futuristischsten:
die Welt der Bücher in TOUTE LA MÉMOIRE DU
MONDE, als wär’s ein Stück von Jorge Luis Borges.
▶ Samstag, 17. Januar 2015, 21.00 Uhr ▶▶ Dienstag,
20. Januar 2015, 18.30 Uhr
Stavisky … | F 1974 | R: Alain Resnais | B: Jorge Semprun | K: Sacha Vierny | M: Stephen Sondheim | D:
Jean-Paul Belmondo, Charles Boyer, François Périer,
Anny Duperey, Michael Lonsdale | 120 min | OmeU |
Geschichtsunterricht: Jean-Paul Belmondo als Stavisky. Die Abenteuer eines notorischen Spekulateurs in
den Zwanzigern und Dreißigern – in den Jahren, da
Leo Trotzki durch Frankreich irrte auf der Suche nach
politischer Betätigung. Da die Finanzkrisen noch Spaß
machten. Belmondo hat den Film beim Autor Jorge
Semprun (LA GUERRE EST FINIE) in Auftrag gegeben,
Resnais hat sich dafür interessiert, weil er den Kapitalismus hier verbunden mit dem Showbusiness sah. Stavisky selber tritt auf wie ein Überbleibsel aus der SerialZeit, in der Nachfolge von Fantômas.
▶ Sonntag, 18. Januar 2015, 21.00 Uhr ▶▶ Mittwoch,
21. Januar 2015, 18.30 Uhr
Mon oncle d’Amérique (Mein Onkel aus Amerika) |
F 1980 | R: Alain Resnais | B: Jean Gruault | K: Sacha
Vierny | M: Arié Dzierlatka | D: Gérard Dépardieu, Nicole Garcia, Roger-Pierre, Nelly Borgeaud, Henri Laborit, Pierre Arditi | 126 min | OmeU | Französische
Schicksale, facettenhaft, puzzleartig. Leben als rat
race, private fears in public places. »Resnais hat in
seinen Filmen immer mehr kombiniert als erfunden.
Dieser erzählt keine Schicksale, er bildet Organisationen ab, Management. Wie dem Leben die Ecken abgeschliffen werden. Resnais, das spürt man, betrauert
Verluste. Wie Strandgut bewegen sich Stücke von typisch Französischem durch den Film.« (Frieda Grafe)
»MON ONCLE D’AMÉRIQUE war ein Titel von Resnais.
Er hatte keinerlei Beziehung zu der Geschichte. Also
legte ich jeder Figur Sätze in den Mund, wo vom Onkel
aus Amerika die Rede ist, und so gelang es uns, den
Titel in Bezug zur Geschichte zu setzen.« (Jean Gruault)
▶ Mittwoch, 28. Januar 2015, 18.30 Uhr ▶▶ Samstag,
31. Januar 2015, 21.00 Uhr
La vie est un roman (Das Leben ist ein Roman) | F
1983 | R: Alain Resnais | B: Jean Gruault | K: Bruno Nuytten | M: Philippe-Gérard | D: Ruggero Raimondi, Fanny
Ardant, Vittorio Gassmann, Geraldine Chaplin, Sabine
Azéma, André Dussollier | 110 min | OmeU | Das Kino
entwickelt Bildungsideen: Nur eine Architektur, die nie
fertig wird mit ihren Bauten, ist eine wirkliche Architektur. Nur eine Pädagogik, die nie fertig wird mit den
Menschen, denen sie sich widmet, ist eine gute Päda-
Le chant du Styrène (Das Lied des Styrol) | F 1958 |
R: Alain Resnais | B: Raymond Queneau | K: Sacha
Vierny | M: Pierre Barbaud | 19 min | OmU – L’Amour
à mort (Liebe bis in den Tod) | F 1984 | R: Alain Resnais | B: Jean Gruault | K: Sacha Vierny | M: Hans Werner Henze | D: Sabine Azéma, Fanny Ardant, Pierre Arditi, André Dussollier, Jean Dasté | 88 min | OmU – Das
Leben, die Liebe, der Tod. Anfang und Ende. Schwarze
Präsenz, flockige Lieder. Sabine Azéma: »Ich erinnere
mich hauptsächlich an Munch. Es gab eine Ausstellung
in Paris, ich machte die Tür auf und hatte das Gefühl,
den Film mitten ins Gesicht geschleudert zu bekommen. Ich sah diese Gemälde, die Phantomfiguren darstellen, siamesische Schatten, zugleich verbunden und
voneinander losgelöst: Schatten, die zusammenkleben,
tragische Schatten. Es gab Augenblicke, mit Pierre, wo
wir uns in Positionen befanden, die wir auf Bildern dieses Malers gesehen hatten.«
▶ Mittwoch, 4. Februar 2015, 18.30 Uhr ▶▶ Freitag,
6. Februar 2015, 21.00 Uhr
▶ Samstag, 7. Februar 2015, 21.00 Uhr ▶▶ Dienstag,
10. Februar 2015, 18.30 Uhr
I Want To Go Home | F 1989 | R: Alain Resnais | B:
Jules Feiffer | K: Charles Van Damme | M: John Kander
| D: Adolph Green, Laura Benson, Linda Lavin, Gérard
Depardieu, Micheline Presle, Geraldine Chaplin |
105 min | OmU | Die Tribulationen eines Amerikaners
in Paris. Eines Comiczeichners, der wie Chris Marker
Katzen, crazy cats, ins Zentrum seines Schaffens stellt.
Inspiriert vom Comiczeichner Jules Feiffer, der auch
das Drehbuch schrieb, gespielt vom legendären Songschreiber Adolph Green aus der legendären MGMMusical-Maschine. Der Film ist so chaotisch und liebeAlain Resnais
▶ Sonntag, 1. Februar 2015, 21.00 Uhr ▶▶ Dienstag,
3. Februar 2015, 18.30 Uhr
Mélo | F 1986 | R+B: Alain Resnais, nach dem Stück
von Henri Bernstein | K: Charles Van Damme | M: Philippe-Gérard | D: Sabine Azéma, Fanny Ardant, Pierre
Arditi, André Dussollier, Jacques Dacqmine | 110 min |
OmU | Das Leben und die Liebe, Solisten und Teamplayer. Echtes Kino, Resnais weiß es von Anfang an,
geht immer wieder übers Theater, übers Melodram,
das bei ihm, nach einem alten Stück von Henri Bernstein, auf der Leinwand ganz Musik wird. Pierre Arditi:
»Während der Dreharbeiten erzählt er uns oft, wie der
eine oder andere von uns dieses oder jenes Wort,
diesen oder jenen Satz ausgesprochen hat. Er hat das
Gefühl, vier Instrumente zu besitzen, bei denen er weiß,
welchen Ton er ihnen entlockt, wenn er eine bestimmte
Saite zupft.«
69
MON ONCLE D’AMERIqUE
gogik. Im Mittelpunkt der Utopien dieses Films steht
der Graf Forbek, verkörpert vom Opernsänger Ruggero
Raimondi. Auch die Oper ist eine Utopie. »Da haben Sie
mir ja ein schönes Opernlibretto geschrieben«, hatte
Resnais zu Alain Robbe-Grillet gesagt, als er von ihm
das Script zu L’ANNÉE DERNIÈRE À MARIENBAD bekam.
voll wie SINGIN’ IN THE RAIN, und schließt die jahrzehntelange Beschäftigung Resnais’ mit dem Comic ab
– lang hat er versucht, dem Marvel-Chef Stan Lee ein
Drehbuch zu entlocken. Ein Alterswerk, aber durch und
durch nach vorn gewandt.
Flugblattfilm. Börsencrash: Banker fliegen aus den
Fenstern der Wolkenkratzer. Ein Portät Andrzej Wajdas.
Ein Brief an Fidel Castro. Aus einem Gemälde von Guy
Peellaert treten die Bilder des Lebens von George Gershwin heraus: Fotos, Musikaufnahmen, Zeitzeugnisse.
▶ Sonntag, 8. Februar 2015, 21.00 Uhr ▶▶ Mittwoch,
11. Februar 2015, 18.30 Uhr
▶ Sonntag, 15. Februar 2015, 21.00 Uhr
Smoking / No Smoking | F 1993 | R: Alain Resnais |
B: Agnès Jaoui, Jean-Pierre Bacri, nach dem Stück »Intimate Exchanges« von Alan Ayckbourn | K: Renato
Berta | M: John Pattison | D: Sabine Azéma, Pierre
Arditi | 140 min + 144 min | OmU | Ruhe kommt ins
Werk von Resnais, behagliche Beschaulichkeit. Ein
Rückzug in die Provinz, vermittelt durch das Werk des
grandiosen und fleißigen Alternativweltschöpfers Alan
Ayckbourn, dem Resnais der treueste Follower werden
wird. Die Provinz von Yorkshire, Hutton Buscel heißt
das Dorf, wo sich komplexe Interaktionen abspielen,
zwischen diversen Frauen und Männern, die Celia Teasdale oder Lionel Hepplewick heißen und alle gespielt
werden von den Akteuren Sabine Azéma und Pierre
Arditi. Tollkühnster Minimalismus. Eine Ausgangssituation, aus der sich Geschichten mit zwölf verschiedenen
Schlüssen entwickeln, je sechs in jedem der beiden
Parallelfilme.
Alain Resnais
▶ Freitag, 13. Februar 2015, 21.00 Uhr (Smoking)
▶ Samstag, 14. Februar 2015, 21.00 Uhr (No Smoking)
70
Le mystère de l’atelier quinze (Das Rätsel von
Halle 15) | F 1957 | R: Alain Resnais, André Heinrich |
B: Remo Forlani, Chris Marker | K: Ghislain Cloquet | M:
Pierre Barbaud | 18 min | OmU – Claude Ridder | F
1967 | R: Alain Resnais | B: Jacques Sternberg | K:
Denys Clairval | D: Bernard Fresson, Karen Blanguernon | 15 min | OmeU – Cinétract 002 | F 1968 | R:
Alain Resnais | 5 min – New York – Wall Street | F
1972 | R: Alain Resnais | B: Gébé | K: Renan Pollés | D:
Lee Falk, Stan Lee | 4 min | engl.OF – Portrait imaginaire (Imaginäres Porträt) | F 1982 | R+B: Alain Resnais | 11 min | OmU – Contre l’oubli (Gegen das Vergessen) | F 1991 | R+B: Alain Resnais | K: Denis Lenoir | 5 min | OmeU – Gershwin | F 1992 | R: Alain
Resnais | B: Edward Jablonski, Claude Beylie | K: Ned
Burgess | M: George Gershwin | Mit Pierre Arditi,
Sabine Azéma, Lambert Wilson, Betty Comden, Adolph
Green, Martin Scorsese, Bertrand Tavernier | 52 min |
OmU – Arbeit, Politik, Musik. Beiträge zu Kollektivfilmen und Kurzfilme. Sicherheit am Arbeitsplatz am
Beispiel eines Betriebsarztes. Der Schriftsteller Claude
Ridder spricht über das Thema Krieg. Ein agitatorischer
On connaît la chanson (Das Leben ist ein Chanson)
| F 1997 | R: Alain Resnais | B: Agnès Jaoui, JeanPierre Bacri | K: Renato Berta | M: Bruno Fontaine | D:
Sabine Azéma, Pierre Arditi, Agnès Jaoui, Jean-Pierre
Bacri, André Dussollier, Lambert Wilson, Jane Birkin |
120 min | OmU | Stadtführung durch Paris mit Resnais.
Die Straßen und Bauten der Stadt, und die psychischen
Terrains der Menschen, die sie bewohnen – bzw. sich
bewohnbar machen wollen, allen Versuchen zum Trotz,
die Stadt zu zerstören, durch Dynamit oder durch
grässliche Bauvorhaben, architektonische Alpträume.
Melancholie, Tristese, Resignation. Aber statt Momenten der Sprachlosigkeit gibt es immer wieder Eruptionen, Ausbrüche, bei denen Chansons aus den Menschen sprudeln, in denen sie ganz zu sich zu kommen
scheinen. »Ein Sieg der filmischen Tricktontechnik, ein
Sieg der erzählerischen Ironie.« (Urs Jenny)
▶ Freitag, 20. Februar 2015, 21.00 Uhr
Pas sur la bouche (Nicht auf den Mund) | F 2003 | R:
Alain Resnais | B: André Barde | K: Renato Berta | M:
Maurice Yvain, Bruno Fontaine | D: Sabine Azéma,
Isabelle Nanty, Audrey Tautou, Pierre Arditi, Lambert
Wilson, Jalil Lespert | 115 min | OmU | Der radikalste
Resnais, der Paris irritierte und den Rest der Welt an
Senilität denken ließ. Die Neuinszenierung einer musikalischen Komödie der Zwanziger. Ein buntes Operettenbonbon, das Erinnerungen an Bühnenshows aktiviert, die der kleine Resnais – als zwölfjähriger Bub –
erlebte, wenn die Familie von Morbihan nach Paris in
die Ferien zog. »Auf dem Set sagte ich oft: Wir machen
einen keuschen und schweinischen Film. Diese ganzen
Anspielungen sind schlechter Geschmack, ohne jeden
Zweifel. Aber dennoch kann man ein zehnjähriges Kind
mitnehmen in den Film.«
▶ Mittwoch, 18. Februar 2015, 18.30 Uhr ▶▶ Samstag,
21. Februar 2015, 21.00 Uhr
Cœurs (Herzen) | F 2006 | R: Alain Resnais | B: JeanMichel Ribes, nach dem Stück »Private Fears in Public
Places« von Alan Ayckbourn | K: Éric Gautler | M: Mark
Snow | D: Sabine Azéma, Isabelle Carré, Laura Morante, Pierre Arditi, André Dussollier, Lambert Wilson |
120 min | OmU | Die zweite Adaption eines Stücks von
Les herbes folles (Vorsicht Sehnsucht) | F 2009 | R:
Alain Resnais | B: Alain Resnais, Laurent Herbiet, nach
dem Roman »L’incident« von Christian Gailly | K: Eric
Gautier | M: Mark Snow | D: Sabine Azéma, André Dussollier, Anne Consigny, Emmanuelle Devos, Mathieu
Amalric, Michel Vuillermoz | 104 min | OmU | Großstadtpflanzen, höchste Resistenz, wilde Pracht. An den
staubigsten Stellen fangen sie noch zu blühen an.
Sabine Azéma als Zahnärztin, die sich auch gern als Pilotin aufschwingt. Die erste Romanverfilmung des Serial-, Theater-, Comic-, Opernfans Resnais. Und der
Romanautor Christian Gailly hat carte blanche bekommen, um seinen Roman »L’incident« selbst zu adaptieren. »Ich werde kein Wort daran ändern«, hat Resnais
ihm versprochen. Dass es funktionieren würde, wusste
er, als er erfuhr, dass Gailly schon zwanzig Jahre Saxofon in einer kleinen Band spielte.
▶ Mittwoch, 25. Februar 2015, 18.30 Uhr ▶▶ Freitag,
27. Februar 2015, 21.00 Uhr
Vous n’avez encore rien vu (Ihr werdet euch noch
wundern) | F 2012 | R: Alain Resnais | B: Alain Resnais, Laurent Herbiet, nach den Stücken »Eurydice«
▶ Samstag, 28. Februar 2015, 21.00 Uhr
Aimer, boire et chanter (Wein, Weib und Gesang) |
F 2014 | R: Alain Resnais | B: Alain Resnais, Laurent
Herbiet, nach dem Stück »Life of Riley« von Alan Ayckbourn | K: Dominique Bouilleret | M: Mark Snow, Johann Strauss | D: Sabine Azéma, Hippolyte Girardot,
Caroline Sihol, Michel Vuillermoz, Sandrine Kiberlain,
André Dussollier | 108 min | OmU | Alan Ayckbourn
zum dritten. Sechs Personen suchen einen unsichtbaren Freund. Am Ende seiner Kinoreise kommt Resnais
zu den Anfängen des Kinos zurück, eine Kamera, die
der Travellings müde geworden ist. »Wenn der Zuschauer sich sagt: gut, das ist gefilmtes Theater –
merkt er dann vielleicht plötzlich: ja, aber auf dem
Theater könnte man das nicht so machen. Ich wollte
die Wände zwischen Film und Theater einreißen, sodass man am Ende ganz frei ist.« (Alain Resnais)
Alain Resnais
▶ Sonntag, 22. Februar 2015, 21.00 Uhr ▶▶ Dienstag,
24. Februar 2015, 18.30 Uhr
und »Cher Antoine ou l’amour raté« von Jean Anouilh |
K: Eric Gautier | M: Mark Snow | D: Sabine Azéma,
Pierre Arditi, Anne Consigny, Michel Piccoli, Mathieu
Amalric | 115 min | OmU | Ein Werk aus lauter Transiträumen, von L’ANNÉE DERNIÈRE À MARIENBAD bis zu
den BRIDGES OF TOKO-RI. Nun macht das kleine Theater des Alain Resnais Station auf einem Bahnhof, dem
Durchgangsort par excellence, dem Vorort zum Jenseits. »Orpheus und Eurydike« wird gegeben, vielfältig
verschlungen wie auf einem Möbiusband, aber die Vorlage stammt nicht von Ayckbourn, sondern von Anouilh.
Jedes Schauspiel eine Totenfeier, jede Performance
eine Neubelebung. »Das Kino ist ein lebendiger Friedhof«, sagt Resnais zu diesem Film, »ich spür den Tod in
jedem Kinostück.«
▶ Sonntag, 1. März 2015, 21.00 Uhr ▶▶ Dienstag,
3. März 2015, 18.30 Uhr
71
VOUS N‘AVEZ ENCORE RIEN VU
Alan Ayckbourn. Ayckbourn funktioniert auch in Paris,
das womöglich nie so trist war seit Jean-Luc Godards
ALPHAVILLE wie in diesem Film. Eine schöne Loser-Galerie, ein Barkeeper, ein Ex-Offizier, eine Altensitterin,
und der alte Claude Rich, der Ridder aus JE T’AIME, JE
T’AIME. Es schneit von der ersten bis zur letzten Sekunde, es schneit in die Herzen, so wie es über der
Stadt schneit. Was ist das für eine Wehmut, die ihr
Herz durchbohrt …
Laurel & Hardy
WRONG AGAIN
Stan Laurel & Oliver Hardy
72
Ihre besten Filme entstanden in der Zeit von 1927 bis
1939, aber dennoch gehören Stan Laurel & Oliver
Hardy noch immer zu den beliebtesten Filmkomikern.
Der Erfolg von Laurel & Hardy ist untrennbar mit dem
Produzenten Hal Roach verbunden, dessen 1918/19
gegründetes Studio auf Komödien spezialisiert war. Zu
den Komikern, die dort drehten, gehörten Harold Lloyd,
Charley Chase, Max Davidson und Our Gang (Die kleinen Strolche). In dem kleinen Studio herrschte eine
außergewöhnlich entspannte und familiäre Atmosphäre. Kreativität konnte sich hier frei entfalten. Bevor
sie als Komiker-Duo berühmt wurden, waren Stan Laurel und Oliver Hardy bei Roach schon länger unter Vertrag.
Stan Laurel (1890–1965) wurde als Arthur Stanley Jefferson in Ulverston, Lancashire, England geboren.
Seine Eltern waren Schauspieler und besaßen zudem
ein Theater. Dort verbrachte Stan schon als kleiner
Junge viel Zeit. Er beobachtete die Schauspieler,
ahmte sie nach und schrieb sich ihre Witze auf. Bereits
mit 16 Jahren gab er sein Bühnendebüt. 1910 reiste er
als Mitglied von Fred Karnos Schauspielertruppe nach
Amerika. Als Karno ihm eine Gehaltserhöhung verweigerte, kehrte Stan nach England zurück und trat dort
als Komiker auf – allerdings war er nicht sehr
erfolgreich. Aus diesem Grund ging er erneut mit Karno
auf US-Tournee. Star der Truppe und zugleich Stans
Zimmergenosse war Charlie Chaplin. Als Chaplin 1913
einen Filmvertrag unterschrieb, löste sich das Ensemble auf und Stan tourte allein durch die Staaten. Von
1914 bis 1922 tingelte er durch die amerikanischen
Varietés, begleitet von seiner ersten Frau Mae, einer
australischen Tänzerin. Mae ersetzte Stans Nachnamen Jefferson durch »Laurel«. 1917 stand Stan erstmals vor der Kamera, 1918 drehte er seine ersten
Filme für Hal Roach. Seine Solofilme waren allerdings
nicht allzu erfolgreich.
Oliver Norvell Hardy (1892–1957) wurde als Sohn
eines Rechtsanwaltes und einer Hotelbesitzerin, in Harlem (Georgia) geboren. Da er die Musik liebte und eine
gute Stimme hatte, trat er bereits als Kind in einer Minstrel Show auf. In der Schule glänzte Oliver Hardy nicht
gerade, was seine Mutter dazu veranlasste, ihn auf die
Musikschule nach Atlanta zu schicken. Statt den Ge-
Freunden, dass er Schwierigkeiten hatte, seine Fliege
zu binden. Daraufhin ergriff Mabel Normand seine
Binde und zog sie auf. Alle lachten und daraufhin zog
McCarey Roachs Fliege auf und jemand anderes lachte,
dem dann Roach die Fliege aufzog. Das griff auf die anderen Tische über und wurde zu einem Riesenspaß. Es
lieferte die Basis für etliche Laurel & Hardy-Filme und
die vor nichts Halt machende Zerstörungswut. Auch
der stets wiederkehrende Kampf der Geschlechter geht
auf Leo McCarey zurück, wurde von Laurel & Hardy
aber sicher mit Enthusiasmus aufgenommen, da das
Privatleben der beiden von ständig angespannten Beziehungen zu ihren diversen Ehefrauen überschattet
war.
Leo McCarey wurde bei Roach zum Supervisor der
Laurel & Hardy-Filme bestimmt und war bis zu seinem
Weggang vom Roach-Studio 1929 für alles verantwortlich: die Stories, Gags, Mustervorführungen, den
Schnitt, das Umschneiden, wenn die Previews nicht
ankamen. Auch wenn sein Name nicht in den Credits
stand, trug er doch die Verantwortung. Stan Laurels
Bühnenerfahrung floss ebenfalls in die Filme ein: So
bevorzugte Laurel stets Totalen, die es ihm und Ollie
erlaubten zu improvisieren. Das bedeutete ihm mehr
als eine raffinierte Ausleuchtung, die spontane Bewegungen behindert hätte. Auch hatte er im Vaudeville gelernt, nach einem Gag kurz innezuhalten, um
dem Publikum Zeit zum Lachen zu geben. Im Kino
konnte Ollie mit seinen um Verständnis heischenden
Leidensblicken in die Kamera diese Pausen wunderbar
füllen.
Stan war ein ausgesprochener Perfektionist, der von
allen Mitarbeitern stets das Beste forderte. In alle
Aspekte des Filmemachens war er leidenschaftlich involviert. Charley Rogers, Regisseur vieler Laurel &
Hardy-Filme, beschrieb die Zusammenarbeit mit Stan
so: »Stan war die Seele hinter dem Regisseur. Er
drängte sich nie auf, und dafür hätte es auch keinen
Anlass gegeben, denn wir arbeiteten in vollkommener
Harmonie. Wir alle waren Freunde, und das machte viel
aus. Aber wann immer Stan etwas in einer Besprechung oder beim Drehen vorschlug, erwies es sich richtig. Er wusste instinktiv besser als jeder andere, welche
Gags gebraucht wurden, er war das Gewissen des
Regisseurs.«
Stan war ein Workaholic. Abends gegen fünf, wenn die
Dreharbeiten zu Ende waren, setzte er sich mit seinen
Kollegen zusammen, um die Gags für den nächsten
Tag auszubrüten. Produzent Hal Roach übte keinen
Druck auf seine Leute aus. Wann immer es ging,
wurde chronologisch gedreht. So kam es auch vor,
Laurel & Hardy
sangsunterricht zu besuchen, verdiente er sich jedoch
lieber Geld als Sänger am Theater. 1910 eröffnete
Hardy das erste Kino in Milledgeville, Georgia. Enttäuscht von den schauspielerischen Leistungen der
Darsteller, kam er 1913 zu dem Schluss, er könne
selbst kein schlechterer Schauspieler sein, und zog
deshalb in die damals florierende Filmstadt Jacksonville (Florida). Von 1915 bis 1925 wirkte Hardy in Komödien anderer Komiker wie Billy West oder Larry
Semon mit. Wie zuvor Laurel gelangte Hardy 1926 zum
Filmproduzenten Hal Roach, dessen Studio auf Komödien spezialisiert war.
Die Idee, dass der gemeinsame Auftritt des dünnen
Laurel mit dem dicken Hardy einen komischen Kontrast
ergeben könnte, kam zuerst Leo McCarey, der seit
1923 als Gag-Schreiber und Regisseur bei Roach angestellt war. McCarey schlug vor, den beiden als Duo
die Hauptrollen in einem Film zu geben. Oliver Hardy erkannte das Potential dieser Idee und war begeistert,
während Laurel eher reserviert reagierte. Er sah sich
lieber als Regisseur hinter der Kamera, denn als Komiker vor ihr, gab den Widerstand aber bald auf. Gemeinsam mit Leo McCarey entwickelte er die Leinwandpersönlichkeiten von Stan und Ollie: Zwei große Kinder,
die sich zwar andauernd stritten, deren Freundschaft
aber durch nichts zu erschüttern war. Der erste Film, in
dem die beiden offiziell als Komikerduo angekündigt
wurden, war THE SECOND HUNDRED YEARS, der am
8. Oktober 1927 uraufgeführt wurde. Auf Anhieb eroberten Stan und Ollie die Herzen des Kinopublikums.
Ihre Kurzfilme waren so beliebt, dass die Zuschauer oft
nur ihretwegen und nicht wegen des Hauptfilms ins
Kino gingen.
McCarey beschrieb seinen Stil einer modernen Komödie so: »Damals tendierten Komiker dazu, zu viel zu tun.
Mit Laurel & Hardy führten wir fast das genaue Gegenteil ein. Wir versuchten, sie so zu inszenieren, dass sie
nichts zeigten, nichts überzogen ausdrückten, und
dass das Publikum in Erwartung des Gegenteils lachte,
weil wir ernst blieben.« Dazu gehörte auch die Langsamkeit der Filme, die dem auf Tempo setzenden klassischen Slapstick entgegengesetzt ist, und das natürliche Agieren von Stan und Ollie selbst in den verrücktesten Situationen. Dieser Stil ermöglichte dem Duo
dann auch den problemlosen Übergang zum Tonfilm,
zumal sie beide angenehme Stimmen besaßen.
Ein weiteres charakteristisches Element bei Laurel &
Hardy sind die Kettenreaktionen, zu denen Leo
McCarey nach Besuch eines Nachtclubs inspiriert
wurde: McCarey war mit Hal Roach, Mabel Normand
und Charley Chase in einem Club und erzählte den
73
Laurel & Hardy
dass das Team während des Drehs eine neue Idee
hatte, die den Umbau des Sets verlangte. Dann wurden
die Dreharbeiten für ein paar Tage unterbrochen, bis
diese gebaut waren.
Einen anschauliche Beschreibung der Atmosphäre
beim Dreh lieferte Henry Brandon, der bei BABES IN
TOYLAND (1934) den Bösewicht spielt: »Ich hatte noch
nie in meinem Leben mit Komikern gearbeitet. An meinem ersten Drehtag war ich ganz schön nervös. Wir
sollten eine lange Szene drehen, etwa acht Seiten lang.
Stan hatte viele Freunde, Helfer und Laufburschen. Sie
saßen rum und erzählten Witze. Dann sagten sie:
›Schauen wir uns das Drehbuch an.‹ Sie nahmen das
sehr gut geschriebene Buch und sagten: ›Das schmeißen wir raus, und das.‹ Danach wandte sich Stan an
Ollie und die anderen Schauspieler: ›Du sagst das, und
Henry, du sagst das, dann mach ich das und Ollie das
und du machst das … Das ging so etwa 10 Minuten.
Anschließend stand Stan auf und sagte: ›Drehen wir!‹
Dann machte ich den größten Fehler meines Lebens.
Ich sagte ›Proben wir es nicht?‹ Und Stan wandte sich
zu mir und sagte ›Willst du alles vermasseln?‹« Das einzige, was Stan und Ollie probten, waren körperliche
Stunts. Sie probten niemals den Dialog, sie besprachen
BRATS
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vorher, was sie tun wollten, taten es aber erst, wenn
die Kamera lief. Sie wollten unbedingt den Zauber des
ersten Mals einfangen. Da sie total aufeinander eingespielt waren, konnte ein jeder die Reaktion des anderen
antizipieren.
Bevor ein Film ins Kino kam, wurde er in mindestens
drei Previews getestet. Laurel, Hardy, Roach, der Regisseur und der Cutter hatten Klickzähler dabei, mit
denen sie die Lacher zählten. Im Durchschnitt kamen
die Kurzfilme auf 50 bis 60 Lacher. Stan und der Cutter
merkten sich die Gags, die nicht so gut ankamen und
schnitten sie dann um oder nahmen sie raus. Manchmal wurden auch einzelne Szenen nachgedreht. Mit
diesen großen Freiheiten war es dann leider mit dem
Aufkommen des Tonfilms und der Hinwendung zu langen Spielfilmen, die teurer waren und wesentlich mehr
Mitarbeiter involvierten, nach und nach vorbei. Im Lauf
der Jahre kam es auch immer wieder zu Differenzen
zwischen Hal Roach und Stan Laurel. Laurel versuchte,
seinen künstlerischen Einfluss kontinuierlich auszuweiten, stieß aber damit bei Roach auf Grenzen. Zu einem
tiefer gehenden Zerwürfnis kam es bei dem Spielfilm
BABES IN TOYLAND (1934), dessen von Roach geschriebene Story Stan Laurel stark veränderte. Auf-
Die angegebenen deutschen Titel sind die Verleihtitel, unter
denen die Filme erstmals in Deutschland zu sehen waren.
Laurel & Hardy wurden in Deutschland vor dem Krieg als »Dick
& Dof«, nach 1945 dann als »Dick und Doof« vermarktet.
The Second Hundred Years (Kavaliere für 24 Stunden) | USA 1927 | R: Fred Guiol | K: George Stevens |
D: Stan Laurel, Oliver Hardy, Charles Hall, James Finlayson, Otto Fries | 20 min | OF | Als Anstreicher getarnt, gelingt Stan und Ollie die Flucht aus dem Gefängnis. – Putting Pants on Philip (Der Jüngling aus
der Fremde) | USA 1927 | R: Clyde Bruckman | K: George Stevens | D: Stan Laurel, Oliver Hardy, Harvey
Clark, Dorothy Coburn, Sam Lufkin | 19 min | OF | Ollies Neffe kommt zu Besuch: Es ist Stan im Schottenrock. – Battle of the Century (Alles in Schlagsahne)
| USA 1927 | R: Clyde Bruckman | K: George Stevens |
D: Stan Laurel, Oliver Hardy, Noah Young, Sam Lufkin |
15 min | OF | Ollie ist Manager des erfolglosen Boxers
Stan. – Leave ’em Laughing (Nur mit Lachgas) |
USA 1928 | R: Clyde Bruckman | K: George Stevens | D:
Stan Laurel, Oliver Hardy, Charles Hall, Edgar Kennedy,
Dorothy Coburn | 21 min | OF | Ausströmendes Lachgas beim Zahnarzt setzt Stan und Ollie außer Gefecht,
die anschließend ein Verkehrschaos veursachen.
▶ Freitag, 9. Januar 2015, 18.30 Uhr | Live-Musik:
Richard Siedhoff
The Finishing Touch (Das ideale Wochenendhaus) |
USA 1928 | R: Clyde Bruckman | K: George Stevens | D:
Stan Laurel, Oliver Hardy, Edgar Kennedy, Dorothy
Coburn | 19 min | OF | Stan und Ollie versuchen als
Handwerker ein Holzhaus zu bauen. – From Soup to
Nuts (Prompte Bedienung) | USA 1928 | R: Edgar
Kennedy | K: Leon Powers | D: Stan Laurel, Oliver
Hardy, Anita Garvin, Stanley Sandford, Edna Marion |
18 min | OF | Stan und Ollie bringen als angeheuerte
Diener ein Bankett durcheinander. – You’re Darn Tootin’ (Ihr könnt mir mal was blasen) | USA 1928 | R:
Edgar Kennedy | K: Floyd Jackman | D: Stan Laurel, Oliver Hardy, Otto Lederer, Agnes Steele, Christian Frank |
20 min | OF | Stan und Ollie verlieren ihre Jobs im
Orchester und versuchen sich als Straßenmusiker. –
Their Purple Moment (Dick und Dof im Sündenpfuhl) | USA 1928 | R: James Parrott | K: George Ste-
vens | D: Stan Laurel, Oliver Hardy, Anita Garvin, Kay
Deslys, Fay Holderness | 22 min | OF | Stan und Ollie
führen zwei Damen zum Essen aus.
▶ Samstag, 10. Januar 2015, 18.30 Uhr | Live-Musik:
Richard Siedhoff
Early to Bed (Dick und Dof, marsch ins Bett!) – USA
1928 | R: Emmett J. Flynn | K: George Stevens | D:
Stan Laurel, Oliver Hardy | 18 min | OmU | Ollie macht
eine Erbschaft und engagiert Stan als seinen Butler. –
Two Tars (Dick und Dof auf Heimaturlaub) | USA
1928 | R: James Parrott | K: George Stevens | D: Stan
Laurel, Oliver Hardy, Edgar Kennedy, Thelma Hill, Ruby
Blaine | 21 min | OF | Stan und Ollie als Matrosen auf
Landurlaub verursachen mit ihrem Auto eine Karambolage. – We Faw Down (Dick und Dof auf Abwegen) |
USA 1928 | R: Leo McCarey | K: George Stevens | D:
Stan Laurel, Oliver Hardy, Vivien Oakland, Bess Flowers, Kay Deslys | 20 min | OF | Stan und Ollie belügen
ihre Ehefrauen, um zu einem Pokerabend mit Freunden
zu gehen. – Liberty (Dick und Dof in Freiheit dressiert) | USA 1929 | R: Leo McCarey | K: George Stevens | D: Stan Laurel, Oliver Hardy, James Finlayson,
Jean Harlow, Jack Hill | 20 min | OF | Stan und Ollie fliehen aus dem Gefängnis und vertauschen beim Kleiderwechsel ihre Hosen.
▶ Freitag, 16. Januar 2015, 18.30 Uhr | Live-Musik:
Günter A. Buchwald
Wrong Again (Blinde Wut) | USA 1929 | R: Leo McCarey | K: George Stevens | D: Stan Laurel, Oliver Hardy,
Dell Henderson, Josephine Crowell, Sam Lufkin |
20 min | OF | Stan und Ollie als Stallburschen, deren
Pferd denselben Namen hat wie das gestohlene Gemälde eines Millionärs. – That’s my Wife (Das ist
meine Frau) | USA 1929 | R: Lloyd French | K: George
Stevens | D: Stan Laurel, Oliver Hardy, Vivien Oakland,
William Courtright | 20 min | OF | Stan muss sich dem
Onkel von Ollie gegenüber als Ollies Gattin ausgeben. –
Big Business (Vom Wahnsinn umzingelt) | USA
1929 | R: Leo McCarey | K: George Stevens | D: Stan
Laurel, Oliver Hardy, James Finlayson, Stanley Sandford | 19 min | OF | Im sonnendurchfluteten Kalifornien
versuchen Stan und Ollie, Weihnachtsbäume zu verkaufen. – Double Whoopee (Der Prinz im Fahrstuhlschacht) | USA 1929 | R: Lewis R. Foster | K: George
Stevens | D: Stan Laurel, Oliver Hardy, Jean Harlow,
Hans Joby, Charles Rogers | 19 min | OF | Stan und
Ollie als Türsteher eines Nobelhotels.
▶ Samstag, 17. Januar 2015, 18.30 Uhr | Live-Musik:
Günter A. Buchwald
Laurel & Hardy
grund des riesigen Erfolgs der Filme wurde die Zusammenarbeit der beiden aber fortgeführt, bis 1940 der
endgültige Bruch erfolgte. Leider konnten Laurel &
Hardy mit den späteren Filmen für andere Studios nicht
mehr an die Qualität und den Erfolg der Roach-Produktionen anknüpfen.
Christiane Habich
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PARDON US
Laurel & Hardy
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Perfect Day (Dick und Doof machen eine Landpartie) | USA 1929 | R: James Parrott | K: George Stevens
| D: Stan Laurel, Oliver Hardy, Edgar Kennedy, Kay Deslys, Isabelle Keith | 19 min | OmU | Mit vollgepacktem
Auto möchten Stan und Ollie zu einem Picknick ins
Grüne fahren. – Blotto (Dick und Doof als Nachtschwärmer) | USA 1930 | R: James Parrott | K:
George Stevens | D: Stan Laurel, Oliver Hardy, Anita
Garvin | 26 min | OmU | Stan und Ollie vergnügen sich
in einem Nachtclub. – Brats (Glückliche Kindheit) |
USA 1930 | R: James Parrott | K: George Stevens | D:
Stan Laurel, Oliver Hardy | 21 min | OmU | In übergroßen Kulissen agieren die von Laurel und Hardy gespielten Kinder von Stan und Ollie. – Hog Wild (Dick
und Doof bauen eine Antenne) | USA 1930 | R:
James Parrott | K: George Stevens | D: Stan Laurel, Oliver Hardy, Fay Holderness, Dorothy Granger | 19 min |
OmU | Stan und Ollie montieren auf Ollies Haus eine
Rundfunkantenne und fahren anschließend Stans Auto
zu Schrott.
▶ Freitag, 30. Januar 2015, 18.30 Uhr
Spuk um Mitternacht | USA 1931 | R: James Parrott |
K: George Stevens | D: Stan Laurel, Oliver Hardy, Otto
Fries, Lucien Prival, Tiny Sandford | 40 min | dt. OF |
Der einzige erhaltene Film, in dem Stan und Ollie selber
deutsch sprechen, handelt von einer Erbschaft und ein
Geisterhaus, in dem die beiden übernachten. – Pardon
Us (Hinter Schloß und Riegel) | USA 1931 | R: James
Parrott | K: George Stevens | D: Stan Laurel, Oliver
Hardy, June Marlowe, Wilfred Lucas, James Finlayson |
65 min | OmU | Der erste abendfüllende Spielfilm mit
Stan und Ollie zeigt die beiden als Gefängnisinsassen,
die bei einem Ausbruch in die Freiheit gelangen. PARDON US war zunächst als Kurzfilm geplant, wurde aber
auf Spielfilmlänge gebracht, weil die Kosten für die
Gefängnisbauten enorm waren. Daher rührt seine
episodenhafte Struktur, die sich aber zu einer rundum
gelungenen Komödie zusammenfügt. Als früher Tonfilm wurde er in verschiedenen Sprachversionen gedreht. Von der deutschen Version, in der Laurel und
Hardy deutsch sprechen, hat sich nur ein Trailer erhalten, der zu Beginn gezeigt wird.
▶ Samstag, 31. Januar 2015, 18.30 Uhr
Another Fine Mess (Zwei Kuckuckseier) | USA 1930
| R: James Parrott | K: George Stevens | D: Stan Laurel,
Oliver Hardy, James Finlayson, Thelma Todd, Charles
▶ Freitag, 6. Februar 2015, 18.30 Uhr
Laughing Gravy (Ein Hundewetter) | USA 1931 | R:
James W. Horne | K: Art Lloyd | D: Stan Laurel, Oliver
Hardy, Charles Hall, Charles Dorety | 31 min | OF | Stan
und Ollie verstecken in ihrem Hotelzimmer einen kleinen Hund. – The Devil’s Brother (Die Teufelsbrüder)
| USA 1933 | R: Hal Roach, Charles Rogers | B: Jeanie
MacPherson, nach der Oper »Fra Diavolo« von Daniel F.
Auber | K: Art Lloyd, Hap Depew | D: Dennis King,
Thelma Todd, James Finlayson, Stan Laurel, Oliver
Hardy | 86 min | OF | Die gelungene, aber selten gezeigte Verfilmung einer komischen Oper: Im Italien zu
Beginn des 19. Jahrhunderts wählen die Vagabunden
Stanlio und Ollio als Opfer für einen Überfall ausgerechnet den Räuberhauptmann Fra Diavolo. Dieser lässt
Gnade vor Selbstjustiz ergehen und nimmt sie in seine
Dienste, um eine Gräfin auszurauben. Der erste Langfilm mit Stan und Ollie mit stringenter Handlung, der
nicht wie eine Zusammenfügung von Kurzfilmen wirkt,
gilt als einer der schönsten und unterhaltsamsten Filme
des Duos und war ein Lieblingsfilm der beiden.
▶ Samstag, 7. Februar 2015, 18.30 Uhr
Our Wife (Verkehrt verheiratet) | USA 1931 | R:
James W. Horne | K: Art Lloyd | D: Stan Laurel, Oliver
Hardy, Babe London, James Finlayson, Ben Turpin |
20 min | OmU | Ollie und Stan entführen Ollies Braut,
die von ihrem Vater zur Verhinderung der Heirat eingesperrt wurde. – Sons of the Desert (Die »Wüsten«söhne) | USA 1933 | R: William A. Seiter | K: Kenneth
Peach | D: Stan Laurel, Oliver Hardy, Charley Chase,
Mae Busch, Dorothy Christy | 68 min | OmU | Stan und
Ollie nehmen heimlich am Jahrestreffen der Bruder-
schaft Sons of the Desert teil, lassen ihre Ehefrauen jedoch in dem Glauben, sie würden eine Erholungsreise
nach Honolulu machen. Vor der Heimkehr der beiden
erhalten die Frauen die Nachricht vom Untergang des
Schiffes, mit dem ihre Gatten aus Honolulu zurückkehren sollten. Der vielleicht subtilste und beste Langfilm
des Komikerduos führte in den 1960er Jahren zur von
Stan Laurel abgesegneten Gründung der Vereinigung
Sons of the Desert, in der sich heute noch die Laurel &
Hardy-Fans organisieren und regelmäßig zu Tagungen
treffen.
▶ Sonntag, 8. Februar 2015, 18.30 Uhr
Helpmates (Wenn die Maus aus dem Haus ist) |
USA 1932 | R: James Parrott | K: Art Lloyd | D: Stan
Laurel, Oliver Hardy, Blanche Payson, Robert Burns,
Robert Callahan | 20 min | OmU | Vor der Ankunft von
Stans Ehefrau räumen Stan und Ollie die Wohnung auf.
– County Hospital (Harte Eier und Nüsse) | USA
1932 | R: James Parrott | K: Art Lloyd | D: Stan Laurel,
Oliver Hardy, Billy Gilbert, William Austin, Sam Lufkin |
19 min | OmU | Ollie hat sich ein Bein gebrochen und
erhält im Krankenhaus Besuch von seinem Freund
Stan. – Them Thar Hills (Der Zauberbrunnen) | USA
1934 | R: Charles Rogers | K: Art Lloyd | D: Stan Laurel,
Oliver Hardy, Mae Busch, Charles Hall, Billy Gilbert |
20 min | OmU | Auf Anraten seines Arztes begibt sich
der gichtgeplagte Ollie mit Stan zur Erholung in die
Berge. – Tit for Tat (Wie du mir, so ich dir) | USA
1935 | R: Charles Rogers | K: Art Lloyd | D: Stan Laurel,
Oliver Hardy, Mae Busch, Charles Hall | 19 min | OmU |
Stan und Ollie liefern sich als Besitzer eines neueröffneten Elektrofachgeschäftes ein Duell mit ihren Nachbarn, die sie in THEM THAR HILLS kennenlernten.
▶ Freitag, 13. Februar 2015, 18.30 Uhr
The Music Box (Die musikalische Kiste) | USA 1932
| R: James Parrott | K: Len Powers | D: Stan Laurel,
Oliver Hardy, Billy Gilbert, Lilyan Irene, Sam Lufkin |
29 min | OmU | Stan und Ollie liefern ein elektrisches
Klavier in ein Haus am Ende einer schier endlosen
Treppe. – Babes in Toyland (Böse Buben im Wunderland) | USA 1934 | R: Gus Meins, Charles Rogers |
B: Frank Butler, Nick Grinde | K: Art Lloyd, Francis
Corby | D: Stan Laurel, Oliver Hardy, Charlotte Henry,
Felix Knight, Henry Brandon | 73 min | OmU | Stannie
Dum und Ollie Dee leben im Spielzeugland. Sie arbeiten in einer Spielzeugfabrik und stellen aus Versehen
mannshohe Holzsoldaten her. Als der bösartige Barnaby die bösen Mächte des Schattenlands gegen das
Spielzeugland mobilisiert, lassen Stannie und Ollie ihre
Laurel & Hardy
Gerrard | 28 min | OmU | Auf der Flucht vor der Polizei
geraten Stan und Ollie in die Villa eines Großwildjägers,
der zu einer Safari aufgebrochen ist. – Pack Up Your
Troubles (Zwei Musketiere) | USA 1932 | R: George
Marshall, Raymond McCarey | K: Art Lloyd | D: Stan
Laurel, Oliver Hardy, Don Dillaway, Mary Carr, James
Finlayson | 68 min | OmU | Nach vergeblichen Versuchen, aus Stan und Ollie richtige Soldaten zu machen,
werden sie in die Schützengräben nach Frankreich geschickt. Sie befreunden sich mit dem Rekruten Eddie,
der im Krieg umkommt, und versprechen ihm, sich um
seine kleine Tochter zu kümmern. Sie holen sie bei den
Pflegeeltern ab und machen sich in New York auf die
Suche nach den Großeltern namens Smith. Der episodenhafte Spielfilm kombiniert Elemente einer Militärsatire und Kriegsfilmparodie mit der sentimentalen Geschichte eines Waisenkindes.
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BABES IN TOyLAND
Their First Mistake (Dick und Doof werden Papa) |
USA 1932 | R: George Marshall | K: Art Lloyd | D: Stan
Laurel, Oliver Hardy, Mae Busch, Billy Gilbert | 21 min |
OmU | Stan und Ollie müssen sich um ein Baby kümmern. – The Bohemian Girl (Schön ist das Zigeunerleben) | USA 1936 | R: James W. Horne, Charles Rogers | K: Art Lloyd, Francis Corby | D: Stan Laurel, Oliver Hardy, Thelma Todd, Mae Busch, James Finlayson
| 71 min | OmU | Eine Gruppe von Zigeunern, unter
ihnen Stan und Ollie, entführt Arline, die Tochter des
Grafen Arnheim. Der Film basiert auf der gleichnamigen Oper von Michael W. Balfe. Von ihr sind im Film
außer der Geschichte einige Lieder übrig geblieben, die
sich als Kommentare zur Handlung gut in das Geschehen einfügen. Der Stoff bietet Laurel & Hardy Gelegenheit für einige unvergessliche Szenen wie z. B. ihren
Auftritt als Wahrsager und Stans Solo-Einlage beim Abfüllen von Weinflaschen.
Towed in a Hole (Segler ahoi!) | USA 1932 | R:
George Marshall | K: Art Lloyd | D: Stan Laurel, Oliver
Hardy, Billy Gilbert | 21 min | OmU | Stan und Ollie als
Fischhändler, die von einem Schrotthändler einen alten
Fischkutter erwerben. Sie renovieren ihn und versuchen, das Boot zu Wasser zu lassen. – Our Relations
(Die lieben Verwandten) | USA 1936 | R: Harry Lachman | B: Charles Rogers, Jack Jevne, nach der Kurzgeschichte »The Money Box« von William Wyark Jacobs |
K: Rudolph Maté | D: Stan Laurel, Oliver Hardy, Daphne
Pollard, Betty Healy, James Finlayson, Alan Hale |
73 min | OmU | Die lange verschollenen Matrosen Alfie
Laurel und Bert Hardy gehen in einem Hafen an Land,
ohne zu ahnen, dass hier ihre Zwillingsbrüder Stan und
Ollie leben. Diese von Stan Laurel für Hal Roach produzierte Verwechslungskomödie zeichnet sich nicht nur
durch die dichte, gut durchdachte Handlung aus,
sondern auch durch die hervorragende Arbeit des
Kameramanns Rudolph Maté. Strotzend vor witzigen
Dialogen und gelungenen Gags, war OUR RELATIONS
die erste »Stan Laurel Production« und auch der erste
Film, dessen Story nicht im Hal Roach Studio entwickelt
wurde.
▶ Sonntag, 15. Februar 2015, 18.30 Uhr
▶ Freitag, 20. Februar 2015, 18.30 Uhr
Holzsoldaten aufmarschieren. Die schönste der Opernund Operettenverfilmungen Laurel & Hardys ist besonders phantasievoll und prächtig ausgestattet.
Laurel & Hardy
▶ Samstag, 14. Februar 2015, 18.30 Uhr
78
▶ Samstag, 21. Februar 2015, 18.30 Uhr
Busy Bodies (Die Wundersäge) | USA 1933 | R: Lloyd
French | K: Art Lloyd | D: Stan Laurel, Oliver Hardy |
19 min | OmU | Stan und Ollie arbeiten als Zimmerleute
in einem Sägewerk. – Swiss Miss (Dick und Doof als
Salontiroler) | USA 1938 | R: John G. Blystone | B:
James Parrott, Felix Adler, Charlie Melson | K: Art
Lloyd, Norbert Brodine | D: Stan Laurel, Oliver Hardy,
Grete Natzler, Walter Woolf King, Eric Blore | 73 min |
OmU | Stan und Ollie sind als Mausefallen-Vertreter in
der Schweiz unterwegs. Der große Coup gelingt ihnen,
als ein Käsehändler ihnen ihr gesamtes Sortiment abkauft – allerdings für Falschgeld. Der Film enthält die
unvergessliche Szene, in der Stan versucht, einem
Bernhardiner sein Fässchen abzuluchsen. Ein weiterer
Höhepunkt ist der Transport eines Klaviers über eine
Hängebrücke. Hal Roach nahm bei diesem Film zahlreiche Eingriffe während der Produktion und beim Schnitt
vor, mit denen Stan Laurel nicht einverstanden war.
Der Film entwirft genüsslich eine Fantasie-Schweiz mit
gemalten Bergpanoramen und einem plötzlich auftauchenden Gorilla.
▶ Sonntag, 22. Februar 2015, 18.30 Uhr
Dirty Work (Dick und Doof als Schornsteinfeger) |
USA 1933 | R: Lloyd French | K: Kenneth Peach | D:
Stan Laurel, Oliver Hardy, Lucien Littlefield | 19 min |
OmU | Stan und Ollie reinigen den Schornstein und den
Kamin im Haus eines Professors, der ein Verjüngungsmittel erfunden hat. – Block-Heads (Lange Leitung) |
USA 1938 | R: John G. Blystone | B: Charles Rogers,
Felix Adler, James Parrott, Harry Langdon, Arnold Bel-
gard | K: Art Lloyd | D: Stan Laurel, Oliver Hardy, Minna
Gombell, Billy Gilbert, James Finlayson | 57 min | OmU
| Ausgerechnet aus seinem Hochzeitstag lädt Ollie seinen alten Kriegskameraden zu sich nach Hause ein und
ruiniert damit nicht nur seine Wohnung, sondern auch
seine Ehe. Viele Gags haben surrealistische Qualitäten
wie Stans Pfeifenrauchen und das Glas Wasser in der
Jackentasche. Diese Gags standen nicht im Drehbuch,
sondern wurden während des Drehs entwickelt. In
einer Zeit, als Laurel & Hardy-Filme in Deutschland
nicht mehr zugelassen wurden, ließ sich Adolf Hitler
den Film vorführen und war von der »Menge sehr netter Einfälle und geistreicher Witze angetan«.
▶ Freitag, 27. Februar 2015, 18.30 Uhr
Going Bye-Bye (Dick und Doof von Gangstern verfolgt) | USA 1934 | R: Charles Rogers | K: Francis
Corby | D: Stan Laurel, Oliver Hardy, Walter Long, Mae
Busch | 21 min | OmU | Durch Stans und Ollies Zeugenaussagen wird ein Schwerverbrecher verurteilt, der
den beiden Rache schwört. – A Chump at Oxford
(Dick und Doof als Studenten) | USA 1940 | R: Alfred
Goulding | B: Charles Rogers, Felix Adler, Harry Langdon | K: Art Lloyd | D: Stan Laurel, Oliver Hardy, Forrester Harvey, Wilfred Lucas, Forbes Murray | 63 min |
OmU | Die Straßenkehrer Stan und Ollie bringen einen
Bankräuber zu Fall. Zur Belohnung erhalten sie ein Sti-
Laurel & Hardy
Me and My Pal (Bessere Herren suchen Anschluß) |
USA 1933 | R: Charles Rogers | K: Art Lloyd | D: Stan
Laurel, Oliver Hardy, James Finlayson, Marion Bardell |
20 min | OmU | Stan schenkt Ollie zur Hochzeit ein
Puzzle. – Way Out West (Ritter ohne Furcht und
Tadel) | USA 1937 | R: James W. Horne | B: Charles
Rogers, Felix Adler, James Parrott | K: Art Lloyd, Walter
Lundin | D: Stan Laurel, Oliver Hardy, Sharon Lynne,
James Finlayson, Vivien Oakland | 64 min | OmU |
Diese Westernparodie mit Laurel & Hardy führt die beiden in eine ungewohnte Umgebung: Ihre turbulenten
Szenen spielen sich vorwiegend in einem Saloon ab.
WAY OUT WEST enthält das berühmte Tänzchen der
beiden zu »Trail of the Lonesome Pine«. Der temporeiche Film war ein Riesenerfolg und führte dazu, dass
Produzent Hal Roach Stan Laurel trotz ihrer Meinungsverschiedenheiten einen neuen Vertrag als Autor, Regisseur und Schauspieler anbot.
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pendium in Oxford. Als Stan ein Fensterrahmen auf den
Kopf fällt, verwandelt er sich in den vermissten Lord
Paddington und beschäftigt fortan großherzig Ollie als
seinen Diener. Der aus London stammende Stan Laurel
bietet als distinguierter britischer Lord eine schauspielerische Glanzleistung. Es war seit 1927 die einzige
Rolle, in der er von seinem Komikertyp abweicht.
▶ Samstag, 28. Februar 2015, 18.30 Uhr
FilmWeltWirtschaft
FilmWeltWirtschaft 10
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»Die neue Heimat«
Tausende Flüchtlinge suchen ihr Glück und ihre Zukunft in Europa, meist nicht wissend, was sie dort erwartet und an welche Kultur, welche Sprache, welche
Realitäten sie ihr Leben zukünftig anpassen müssen.
Abgekoppelt von der eigenen Heimat, den Familienstrukturen und der vertrauten Arbeitswelt ist die neue
Heimat zunächst nur eine neue Leere. In dem Dokumentarfilm LAND IN SICHT (2013) schildern die Regisseurinnen Antje Kruska und Judith Keil das Schicksal
von drei Asylbewerbern aus dem Jemen, dem Iran und
aus Kamerun, die in einer Gemeinschaftsunterkunft
des brandenburgischen Städtchens Bad Belzig untergekommen sind und ihren Weg in die deutsche Gesellschaft suchen. Ihre Hoffnung auf eine neue Chance
durch Bildung und Arbeit wird von einer engagierten
Sozialarbeiterin begleitet, die sie oft auf den Boden der
Tatsachen zurückholen muss.
Auch der Schweizer Film NEULAND (2013) von Anna
Thommen zeigt, dass Flüchtlinge keine Chance auf
Integration haben, wenn sie dabei nicht von den Einheimischen unterstützt werden. Die Regisseurin hat junge
Migranten in Basel während der zweijährigen Schulzeit
in einer Integrationsklasse auf ihrem schwierigen Weg
begleitet – in einem für sie unbekannten Land mit einer
fremden Sprache und Kultur. Hier ist der Lehrer der
menschliche Rettungsanker für die erwachsenen Schüler, die dort wesentlich mehr lernen müssen als nur
Schweizerdeutsch.
In der zehnten Ausgabe der Reihe FilmWeltWirtschaft
soll es um »Die neue Heimat« gehen. Dies kann ein
Fluchtort sein oder auch eine Art Zwischenasyl, wie
2009 bei den Erdbebenopfern aus den italienischen
Abruzzen. Der Filmessay THE WOUNDED BRICK (2012)
folgt Visionen, Hoffnungen und auch dem Scheitern bei
der Suche nach menschengerechtem Wohnen im
Kampf mit wirtschaftlichen und politischen Interessen.
Die Filmemacher Sue-Alice Okukubo und Eduard Zorzenoni treffen auf Architekten, Stadtplaner, Soziologen
und Betroffene des Erdbebens. Auch ihnen stellt sich
die Frage, was einen Ort zum Leben ausmacht und wie
temporäres Wohnen angemessen gestaltet werden
kann.
Wie gehen wir selbst in unserer Heimat mit unserer
Umwelt um? Der Flächenfraß in Deutschland durch
Gewerbegebiete und andere Bauprojekte zerstört die
Natur schleichend und unwiederbringlich. Grund genug
für einen Blick zurück: In GRÜN KAPUTT hat der Dokumentarfilmer Dieter Wieland die Zerstörung unserer
Landschaft bereits 1983 eindrücklich beschrieben und
davor gewarnt. Bis heute schritt die Zersiedelung der
Landschaft jedoch unerbittlich voran. Etwas Hoffnung
geben neue Initiativen, die der Verdichtung etwas entgegensetzen wollen und zum Beispiel durch urban gardening im städtischen Raum Gärten schaffen und
jeden noch so kleinen Fleck begrünen.
Ergänzt wird die Reihe durch Kurzfilme und Diskussionen. Das endgültige Programm wird im Dezember feststehen und durch einen Flyer bekannt gegeben. Außerdem ist es abrufbar unter www.filmweltwirtschaft.de
und www.stadtmuseum-online.de/film.
Claudia Engelhardt
▶ Donnerstag, 22. Januar 2015, 19.00 Uhr, bis Sonntag,
25. Januar 2015, 21.00 Uhr
f
münchen
Donnerstag, 4. September 2014
19.00 Stummfilmtage
Homunculus
D 1916 | Otto Rippert | 196 min | \ Richard Siedhoff | Einführung: Stefan Drößler
Seite 3
Freitag, 5. September 2014
18.30 Stummfilmtage
Huoshang Qingxue (Das Blut der Liebe)
China 1932 | Sun Yu | 118 min | OmeU | \ Richard Siedhoff
Seite 4
21.00 Stummfilmtage
Die Entdeckung Wiens am Nordpol
Österreich 1923 | Peter Eng | 8 min
Den starkaste (Der Stärkste)
Schweden 1929 | Alf Sjöberg, Axel Lindblom | 106 min | OmU | \ Joachim Bärenz
Seite 4
Samstag, 6. September 2014
18.30 Stummfilmtage
The Sea Hawk (Die Seeteufel)
USA 1924 | Frank Lloyd | 123 min | OF | \ Richard Siedhoff
Seite 4
21.00 Stummfilmtage
Flaming Fathers (Aufregung am Strand)
USA 1927 | Leo McCarey | 25 min | OF
Battling Butler (Buster Keaton, der Boxer)
USA 1926 | Buster Keaton | 77 min | OF | \ Joachim Bärenz und Christian Roderburg
Seite 4
Sonntag, 7. September 2014
18.30 Stummfilmtage
Shennü (Die Göttin)
China 1934 | Wu Yonggang | 73 min | OmeU | \ Joachim Bärenz
Seite 5
21.00 Stummfilmtage
Africa Before Dark (Oswald in Afrika)
USA 1928 | Walt Disney | 6 min | dtF
The Lodger (Der Schrecken von London)
GB 1926 | Alfred Hitchcock | 91 min | OF | \ Christian Roderburg
Seite 5
Dienstag, 9. September 2014
18.30 Samuel Fuller
I Shot Jesse James (Ich erschoss Jesse James)
USA 1949 | Samuel Fuller | 81 min | OF
Seite 9
21.00 Stummfilmtage
Milenky starého kriminálníka (Die Bräute des alten Gauners)
ČSR 1927 | Svatopluk Innemann | 108 min | OmU | \ Günter A. Buchwald
Seite 5
18.30 Samuel Fuller
The Baron of Arizona (Der Baron von Arizona)
USA 1950 | Samuel Fuller | 97 min | OF
Seite 9
21.00 Stummfilmtage
Monte Carlo
USA 1930 | Ernst Lubitsch | 73 min | OF | \ Günter A. Buchwald
Seite 5
Donnerstag, 11. September 2014
19.00 Open Scene
Panenstvi (Jungfernschaft)
ČSR 1937 | Otakar Vávra | 84 min | OmeU | Zu Gast: Krystyna Wanatowiczová, Tereza Dvoráková
Freitag, 12. September 2014
18.30 Percy Adlon
Fräulein Annette Kolb | Pferdestärken | Die Gräfin von Wahnmoching |
Triumph des Küssens | Die Bilek | Für immer Flirt
D 1970–2000 | Percy Adlon | 87 min | Zu Gast: Percy Adlon
21.00 Samuel Fuller
I Shot Jesse James (Ich erschoss Jesse James)
USA 1949 | Samuel Fuller | 81 min | OF
Seite 19
Seite 9
Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum · St.-Jakobs-Platz 1 · 80331 München · Tel. 089/233 96450
Kalenderübersicht
Mittwoch, 10. September 2014
81
f
münchen
Samstag, 13. September 2014
18.30 Percy Adlon
Landleben Ammerland | In der glanzvollen Welt des Hotel Adlon |
Süße Sachen
D 1997–2008 | Percy Adlon | 90 min | Zu Gast: Percy Adlon
21.00 Samuel Fuller
The Baron of Arizona (Der Baron von Arizona)
USA 1950 | Samuel Fuller | 97 min | OF
Seite 19
Seite 9
Sonntag, 14. September 2014
17.30 Percy Adlon
Der Tänzer Heinz Bosl | Zuckerbaby
Seite 20
BRD 1976–1984 | Percy Adlon | 129 min | Zu Gast: Percy Adlon, Marianne Sägebrecht
21.00 Samuel Fuller
The Steel Helmet (Die Hölle von Korea)
USA 1951 | Samuel Fuller | 84 min | OF
Seite 9
Dienstag, 16. September 2014
18.30 Samuel Fuller
The Steel Helmet (Die Hölle von Korea)
USA 1951 | Samuel Fuller | 84 min | OF
21.00 Erster Weltkrieg 1914. Die letzten Tage vor dem Weltbrand
D 1930 | Richard Oswald | 100 min
Seite 9
Seite 30
Mittwoch, 17. September 2014
18.30 Samuel Fuller
Pickup on South Street (Polizei greift ein)
USA 1953 | Samuel Fuller | 80 min | OmU
21.00 Frank Wedekind Der Marquis von Keith
BRD 1962 | Axel Corti | 94 min | Einführung: Anatol Regnier
Seite 10
Seite 36
Donnerstag, 18. September 2014
19.00 Open Scene
Freitag, 19. September 2014
18.30 Percy Adlon
Die Bavaria | Der Wiesnpostbot | Werktag der Feströsser | Der echte Liliom Seite 20
BRD 1973–1978 | Percy Adlon | 83 min
21.00 Samuel Fuller
Fixed Bayonets! (Der letzte Angriff)
USA 1951 | Samuel Fuller | 92 min | OF
Seite 9
Kalenderübersicht
Samstag, 20. September 2014
82
18.30 Percy Adlon
Mein Dorf: Christgarten im Donau-Ries | Mann und Frau im Gehäuse |
Fluchtwege eines friedliebenden Mannes
BRD 1973–1982 | Percy Adlon | 101 min
21.00 Samuel Fuller
Park Row (Eine Zeitung für New York)
USA 1952 | Samuel Fuller | 82 min | OF
Seite 20
Seite 9
Sonntag, 21. September 2014
18.30 Percy Adlon
Mein Dorf: Langenleiten | Céleste
BRD 1976–1981 | Percy Adlon | 130 min
Seite 20
21.00 Samuel Fuller
Pickup on South Street (Polizei greift ein)
USA 1953 | Samuel Fuller | 80 min | OmU
Seite 10
Montag, 22. September 2014
19.00 Filmstadt
München
Der Aufstand
BRD 1980 | Peter Lilienthal | 101 min | OmU | Zu Gast: Peter Lilienthal
Seite 39
Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum · St.-Jakobs-Platz 1 · 80331 München · Tel. 089/233 96450
f
münchen
Dienstag, 23. September 2014
18.30 Filmstadt
München
Ich bin Tochter meiner Mutter
D 1996 | Seyhan Derin | 89 min | OmeU | Zu Gast: Seyhan Derin
21.00 Erster Weltkrieg All Quiet on the Western Front (Im Westen nichts Neues)
USA 1930 | Lewis Milestone | 133 min | OmU
Seite 39
Seite 30
Mittwoch, 24. September 2014
18.30 Filmstadt
München
Plattln in Umtata – Mit der Biermösl Blosn in Afrika
D 2007 | Peter Heller | 92 min | Zu Gast: Peter Heller
21.00 Frank Wedekind Tod und Teufel
GB 1973 | Stephen Dwoskin | 90 min | Einführung: Anatol Regnier
Seite 39
Seite 37
Donnerstag, 25. September 2014
19.00 Filmstadt
München
Kurzfilmprogramm
Seite 39
D 2007–2013 | Zu Gast: Claire Angelini, Niko Burger, Wolfram Huke, Knut Karger, Jakob Schreier
Freitag, 26. September 2014
18.30 Percy Adlon
Mein Dorf: Lisberg, Großensees, Nemmersdorf | Phantasiestück über
ein fränkisches Genie | BRD 1974–1976 | Percy Adlon | 95 min
Seite 21
21.00 Samuel Fuller
Hell and High Water (Inferno)
USA 1954 | Samuel Fuller | 103 min | OF
Seite 10
Samstag, 27. September 2014
18.30 Percy Adlon
Mein Dorf: Balderschwang | Der Vormund und sein Dichter
BRD 1971–1978 | Percy Adlon | 102 min
Seite 21
21.00 Samuel Fuller
Tigrero – A Film That Was Never Made
Finnland 1994 | Mika Kaurismäki | 75 min | engl. OmU
The Typewriter, the Rifle & the Movie Camera
GB 1996 | Adam Simon | 55 min | OF
Seite 10
17.30 Percy Adlon
Fräulein Annette Kolb | Die Schaukel
BRD 1977–1983 | Percy Adlon | 177 min
Seite 21
21.00 Samuel Fuller
House of Bamboo (Tokio-Story)
USA 1955 | Samuel Fuller | 102 min | OF
Seite 10
Dienstag, 30. September 2014
Fixed Bayonets! (Der letzte Angriff)
USA 1951 | Samuel Fuller | 92 min | OF
Seite 9
21.00 Erster Weltkrieg Lettow-Vorbeck. Der Deutsch-ostafrikanische Imperativ
BRD 1984 | Christian Doermer | 97 min | Zu Gast: Christian Doermer
Seite 30
18.30 Samuel Fuller
Mittwoch, 1. Oktober 2014
18.30 Samuel Fuller
Park Row (Eine Zeitung für New York)
USA 1952 | Samuel Fuller | 82 min | OF
21.00 Frank Wedekind Die Büchse der Pandora
D 1929 | Georg Wilhelm Pabst | 109 min | \ Joachim Bärenz
Seite 9
Seite 37
Donnerstag, 2. Oktober 2014
19.00 Open Scene
Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum · St.-Jakobs-Platz 1 · 80331 München · Tel. 089/233 96450
Kalenderübersicht
Sonntag, 28. September 2014
83
f
münchen
Freitag, 3. Oktober 2014
18.30 Percy Adlon
Der Kordeldreher | 1001 mal Feri Farokhzad | Junge Ehe in Singapur
D 1976–2000 | Percy Adlon | 96 min
Seite 22
21.00 Samuel Fuller
Run of the Arrow (Hölle der tausend Martern)
USA 1957 | Samuel Fuller | 86 min | OF
Seite 10
Samstag, 4. Oktober 2014
18.30 Percy Adlon
Mein München
D 2000 | Percy Adlon | 89 min
Seite 22
21.00 Samuel Fuller
A Fuller Life
USA 2013 | Samantha Fuller | 80 min | OF
The Day of Reckoning (Der Tag der Abrechnung)
GB 1990 | Samuel Fuller | 50 min | OF
Seite 11
Sonntag, 5. Oktober 2014
18.30 Percy Adlon
Mein Dorf: Hohentrüdingen | Fünf letzte Tage
BRD 1975–1982 | Percy Adlon | 129 min
Seite 22
21.00 Samuel Fuller
China Gate (China-Legionär)
USA 1957 | Samuel Fuller | 97 min | OF
Seite 11
Dienstag, 7. Oktober 2014
Hell and High Water (Inferno)
USA 1954 | Samuel Fuller | 103 min | OF
Seite 10
21.00 Erster Weltkrieg The African Queen (African Queen)
USA 1951 | John Huston | 105 min | OF
Seite 31
18.30 Samuel Fuller
Mittwoch, 8. Oktober 2014
18.30 Samuel Fuller
House of Bamboo (Tokio-Story)
USA 1955 | Samuel Fuller | 102 min | OF
21.00 Frank Wedekind Erdgeist
D 1923 | Leopold Jessner | 81 min | \ Joachim Bärenz
Seite 10
Seite 37
Donnerstag, 9. Oktober bis Sonntag, 12. Oktober 2014
Kalenderübersicht
Underdox – Internationales Festival für Dokument und Experiment
Dienstag, 14. Oktober 2014
84
21.00 Frank Wedekind Frühlings Erwachen
D 1929 | Richard Oswald | 79 min | \ Richard Siedhoff
19.00 Erster Weltkrieg Hearts of the World
USA 1916 | D. W. Griffith | 133 min | OF | \ Richard Siedhoff
Einführungsvortrag mit Filmausschnitten: Russell Merritt
Seite 40
Seite 31
Mittwoch, 15. Oktober 2014
18.30 Samuel Fuller
Run of the Arrow (Hölle der tausend Martern)
USA 1957 | Samuel Fuller | 86 min | OF
Seite 10
Seite 37
Donnerstag, 16. Oktober 2014
19.00 Rumänisches
Filmfestival
Sunt o babă comunistă (Ich bin eine alte kommunistische Schachtel)
Rumänien 2013 | Stere Gulea | 98 min | OmeU
Zu Gast: Stere Gulea | Einführung: Bert Rebhandl
Seite 43
Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum · St.-Jakobs-Platz 1 · 80331 München · Tel. 089/233 96450
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münchen
Freitag, 17. Oktober 2014
18.30 Rumänisches
Filmfestival
The Matriarch
Rumänien 2013 | Barna Némethi | 8 min
Funeralii fericite! (Fröhliche Begräbnisse!)
Rumänien 2013 | Horaţiu Mălăele | 112 min | OmeU | Zu Gast: Adrian Lustig
Seite 43
21.00 Rumänisches
Filmfestival
Puzzle pentru un orb (Puzzle für einen Blinden)
Rumänien 2013 | Andrei Zincă | 90 min | OmeU | Zu Gast: Adrian Lustig
Seite 43
Samstag, 18. Oktober 2014
19.30 Percy Adlon
Lange Nacht der Museen (19.30, 20.30, 21.30, 22.30, 23.30, 0.30 Uhr)
Die Strausskiste
D 2000 | Percy Adlon | Kurzfilmblöcke à 30 min
Seite 22
Sonntag, 19. Oktober 2014
18.30 Rumänisches
Filmfestival
Când se lasă seara peste Bucureşti sau Metabolism (Wenn es Nacht wird
in Bukarest oder Metabolismus)
Rumänien 2013 | Corneliu Porumboiu | 90 min | OmeU | Einführung: Bert Rebhandl
Seite 43
21.00 Rumänisches
Filmfestival
Al doilea joc (Das zweite Spiel)
Rumänien 2014 | Corneliu Porumboiu | 98 min | OmU | Einführung: Bert Rebhandl
Seite 44
Dienstag, 21. Oktober 2014
18.30 Rumänisches
Filmfestival
La limita de jos a cerului (Der ferne Horizont)
Rumänien 2013 | Igor Cobileanski | 80 min | OmeU
21.00 Erster Weltkrieg Paths of Glory (Wege zum Ruhm)
GB 1957 | Stanley Kubrick | 88 min | OmU
Seite 44
Seite 31
Mittwoch, 22. Oktober 2014
18.30 Rumänisches
Filmfestival
Bad Penny | Kowalski
Rumänien 2013–2014 | Andrei Creţulescu | 30 min | OmeU
Déjà Vu
Rumänien 2013 | Dan Chişu | 75 min | OmeU
21.00 Frank Wedekind Lulu
BRD 1962 | Rolf Thiele | 100 min
Seite 44
Seite 38
19.00 Open Scene
Freitag, 24. Oktober 2014
18.30 Percy Adlon
Tacámbaro | Nijinskij im Waschsalon | German Town
D 1975–2000 | Percy Adlon | 91 min
Seite 23
21.00 Rumänisches
Filmfestival
O vară foarte instabilă (Ein sehr unruhiger Sommer)
Rumänien 2013 | Anca Damian | 98 min | OmeU
Seite 44
Samstag, 25. Oktober 2014
18.30 Percy Adlon
Mein Dorf: Weltenburg | Out of Rosenheim
BRD 1974–1987 | Percy Adlon | 125 min
Seite 23
21.00 Rumänisches
Filmfestival
Plimbare (Der Spaziergang)
Rumänien 2013 | Mihaela Popescu | 15 min | OmeU
Roxanne
Rumänien 2013 | Valentin Hotea | 98 min | OmeU
Seite 44
Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum · St.-Jakobs-Platz 1 · 80331 München · Tel. 089/233 96450
Kalenderübersicht
Donnerstag, 23. Oktober 2014
85
f
münchen
Sonntag, 26. Oktober 2014
17.30 Film und
Psychoanalyse
Dirty Harry
USA 1971 | Don Siegel | 102 min | OmU | Einführung: Eva Friedrich, Mathias Lohmer
Seite 45
21.00 Rumänisches
Filmfestival
Quod erat demonstrandum
Rumänien 2013 | Andrei Gruzsniczki | 108 min | OmeU
Seite 44
Dienstag, 28. Oktober 2014
19.00 Erster Weltkrieg »Make Films Not War« – Pazifistisches Kino
Vortrag mit Filmausschnitten von Alexander Schwarz | 60 min
Namenlose Helden
Österreich 1924 | Kurt Bernhardt | 15 min
Niemandsland
D 1931 | Victor Trivas | 82 min
Seite 31
Mittwoch, 29. Oktober 2014
18.30 Rumänisches
Filmfestival
Omul (Mensch)
Rumänien/D 2014 | Brigitte Drodtloff | 11 min | OmeU | Einführung: Brigitte Drodtloff
Câinele Japonez (Der japanische Hund)
Rumänien 2013 | Tudor Cristian Jurgiu | 90 min | OmeU
21.00 Frank Wedekind Innocence (Unschuld)
F 2004 | Lucile Hadzihalilovic | 122 min | OmU
Seite 44
Seite 38
Donnerstag, 30. Oktober 2014
19.00 Open Scene
Freitag, 31. Oktober 2014
18.30 Percy Adlon
Mein Dorf: Frasdorf im Chiemgau | Die Moni geht im Schalk |
Gabriel Max: Im Haus des Affenmalers | Das Autogramm
D 1972–2000 | Percy Adlon | 84 min
Seite 23
21.00 Samuel Fuller
Forty Guns (Vierzig Gewehre)
USA 1957 | Samuel Fuller | 86 min | OF
Seite 11
Kalenderübersicht
Samstag, 1. November 2014
86
18.30 Percy Adlon
Mein Dorf: Pestenacker, Schwaben | Herr Kischott
BRD 1975–1979 | Percy Adlon | 113 min
Seite 24
21.00 Samuel Fuller
Verboten!
USA 1958 | Samuel Fuller | 86 min | OmU
Seite 12
Sonntag, 2. November 2014
18.30 Percy Adlon
Zirkusleben | Herschel und die Musik der Sterne
D 1985–2000 | Percy Adlon | 115 min
Seite 24
21.00 Samuel Fuller
The Crimson Kimono (Der rote Kimono)
USA 1959 | Samuel Fuller | 82 min | OF
Seite 12
Dienstag, 4. November 2014
18.30 Samuel Fuller
Forty Guns (Vierzig Gewehre)
USA 1957 | Samuel Fuller | 86 min | OF
21.00 Erster Weltkrieg La grande illusion (Die große Illusion)
F 1937 | Jean Renoir | 113 min | OmU
Seite 11
Seite 31
Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum · St.-Jakobs-Platz 1 · 80331 München · Tel. 089/233 96450
f
münchen
Mittwoch, 5. November 2014
18.30 Samuel Fuller
Verboten!
USA 1958 | Samuel Fuller | 86 min | OmU
21.00 Frank Wedekind The Fine Art of Love (Die hohe Kunst der Liebe)
GB 2005 | John Irvin | 102 min | OF
Seite 12
Seite 38
Donnerstag, 6. November 2014
19.00 Open Scene
Freitag, 7. November 2014
18.30 Percy Adlon
Tomi Ungerers Landleben | Inspiration | Mann vor wilder Landschaft
D 1973–2000 | Percy Adlon | 105 min
Seite 24
21.00 Samuel Fuller
Underworld U.S.A. (Alles auf eine Karte)
USA 1961 | Samuel Fuller | 100 min | OF
Seite 12
Samstag, 8. November 2014
18.30 Percy Adlon
Mein Dorf: Vachendorf / Chiemgau | Rosalie Goes Shopping
BRD 1976–1989 | Percy Adlon | 109 min
Seite 24
21.00 Samuel Fuller
Merrill’s Marauders (Durchbruch auf Befehl)
USA 1962 | Samuel Fuller | 98 min | OF
Seite 12
Sonntag, 9. November 2014
18.30 Percy Adlon
So in love | Salmonberries
D 1991 | Percy Adlon | 110 min | engl. OF
Seite 25
21.00 Samuel Fuller
Shock Corridor (Schock-Korridor)
USA 1963 | Samuel Fuller | 101 min | OF
Seite 13
Dienstag, 11. November 2014
18.30 Samuel Fuller
Underworld U.S.A. (Alles auf eine Karte)
USA 1961 | Samuel Fuller | 100 min | OF
21.00 Erster Weltkrieg 7th Heaven (Im siebenten Himmel)
USA 1927 | Frank Borzage | 119 min | OF
Seite 12
Seite 32
18.30 Samuel Fuller
Merrill’s Marauders (Durchbruch auf Befehl)
USA 1962 | Samuel Fuller | 98 min | OF
Seite 12
21.00 Mode und Film
Rear Window (Das Fenster zum Hof)
USA 1954 | Alfred Hitchcock | 112 min | OmU | Einführung: Thilo Wydra
Seite 48
Donnerstag, 13. November 2014
19.00 Open Scene
Freitag, 14. November 2014
18.30 Percy Adlon
Rollwenzels bunte Steine | Treibhauseffekt |
Wolfgang Wagner, Herr der Ringe
D 1976–2000 | Percy Adlon | 88 min
Seite 25
21.00 Samuel Fuller
The Naked Kiss (Der nackte Kuss)
USA 1964 | Samuel Fuller | 90 min | OF
Seite 13
Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum · St.-Jakobs-Platz 1 · 80331 München · Tel. 089/233 96450
Kalenderübersicht
Mittwoch, 12. November 2014
87
f
münchen
Samstag, 15. November 2014
18.30 Percy Adlon
Nebenbei hauptsächlich Rösser | Pferdestärken | Koenigs Kugel
D 1979–2001 | Percy Adlon | 105 min
Seite 25
21.00 Samuel Fuller
Shark (Hai)
USA 1969 | Samuel Fuller | 92 min | OF
Seite 13
Sonntag, 16. November 2014
17.30 Percy Adlon
Vati
BRD 1974 | Percy Adlon | 43 min
Younger and Younger
USA 1993 | Percy Adlon | 97 min | OF
Seite 26
21.00 Samuel Fuller
Dead Pigeon on Beethoven Street (Tote Taube in der Beethovenstraße)
BRD 1972 | Samuel Fuller | 128 min | engl. OF
Seite 13
Montag, 17. November bis Samstag, 22. November 2014
Internationales Festival der Filmhochschulen
Sonntag, 23. November 2014
17.30 Film und
Psychoanalyse
Volver (Zurückkehren)
Seite 46
Spanien 2006 | Pedro Almodóvar | 121 min | OmU | Einführung: Katharina Leube, Heidi Spanl
21.00 Samuel Fuller
White Dog (Die weiße Bestie)
USA 1982 | Samuel Fuller | 90 min | OF
Seite 14
Dienstag, 25. November 2014
18.30 Samuel Fuller
Shock Corridor (Schock-Korridor)
USA 1963 | Samuel Fuller | 101 min | OF
21.00 Erster Weltkrieg Okraina (Vorstadt)
SU 1933 | Boris Barnet | 98 min | OmU
Seite 13
Seite 32
Kalenderübersicht
Mittwoch, 26. November 2014
88
18.30 Samuel Fuller
The Naked Kiss (Der nackte Kuss)
USA 1964 | Samuel Fuller | 90 min | OF
Seite 13
21.00 Mode und Film
Die Marquise von O…
BRD 1976 | Eric Rohmer | 102 min
Seite 49
Donnerstag, 27. November 2014
19.00 Peter von Bagh
Sodankylä ikusiesti (Sodankylä Forever: Das Jahrhundert des Kinos)
Seite 55
Finnland 2011 | Peter von Bagh | 90 min | OmeU
Sodankylä ikusiesti (Sodankylä Forever: Sehnsucht nach der ersten Kinoerfahrung)
Finnland 2011 | Peter von Bagh | 59 min | OmeU | Zu Gast: Peter von Bagh
Freitag, 28. November 2014
18.30 Percy Adlon
Orbela’s People
USA 2007 | Percy Adlon | 118 min | OF
21.00 Peter von Bagh
Pockpicket eli katkelmia helsinkiläisen porvarisnuoren elämästä
Seite 55
(Pockpicket oder Episoden aus dem Leben eines jungen Bourgeois in Helsinki)
Finnland 1968 | Peter von Bagh | 19 min | OmeU
Muisteja – pieni elokuva 50-luvun Oulusta (Erinnerung – Ein kleiner Film über Oulu
in den Fünfzigern)
Finnland 2013 | Peter von Bagh | 69 min | OmeU | Zu Gast: Peter von Bagh
Seite 26
Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum · St.-Jakobs-Platz 1 · 80331 München · Tel. 089/233 96450
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münchen
Samstag, 29. November 2014
18.30 Percy Adlon
Der Jogger | Hawaiian Gardens
USA 2000 | Percy Adlon | 113 min | OF
Seite 26
21.00 Peter von Bagh
Faaraoiden maa (Land der Pharaonen)
Finnland 1988 | Peter von Bagh | 29 min | OmeU
Sosialismi (Sozialismus)
Finnland 2014 | Peter von Bagh | 67 min | OmeU | Zu Gast: Peter von Bagh
Seite 55
Sonntag, 30. November 2014
17.30 Percy Adlon
FilmMusikMaking | Mahler auf der Couch
D 2010 | Percy Adlon, Felix Adlon | 148 min
Seite 26
21.00 Peter von Bagh
Ajan draama (Ein Drama der Zeit)
Finnland 1986 | Peter von Bagh | 15 min | OmeU
Kreivi (Der Graf)
Finnland 1971 | Peter von Bagh | 92 min | OmeU | Zu Gast: Peter von Bagh
Seite 56
Dienstag, 2. Dezember 2014
18.30 Peter von Bagh
Sinitaivas (Der blaue Himmel)
Finnland 1978 | Peter von Bagh | 73 min | OmeU
Sodankylä ikusiesti (Sodankylä Forever: Ewige Zeit)
Finnland 2011 | Peter von Bagh | 56 min | OmeU
21.00 Erster Weltkrieg Oh! What a Lovely War
GB 1969 | Richard Attenborough | 144 min | OF
Seite 56
Seite 32
Mittwoch, 3. Dezember 2014
18.30 Peter von Bagh
Helsinki, ikuisesti (Helsinki, Forever)
Finnland 2008 | Peter von Bagh | 75 min | OmeU
Sodankylä ikusiesti (Sodankylä Forever: Drama des Lichts)
Finnland 2011 | Peter von Bagh | 57 min | OmeU
Seite 56
21.00 Mode und Film
The Thomas Crown Affair (Thomas Crown ist nicht zu fassen)
USA 1968 | Norman Jewison | 102 min | OF
Seite 49
Donnerstag, 4. Dezember 2014
18.30 Kommunale
Kinos
Kosmičeskij Rejs (Kosmische Reise)
Seite 57
SU 1935 | Vasilj Žuravlëv | 81 min | OmU | \ Richard Siedhoff | Einführung: Stefan Drößler
21.00 Kommunale
Kinos
Hra o Jablko (Ein bisschen schwanger)
CSSR 1976 | Věra Chytilová | 92 min | OmU | Einführung: Beat Schneider
Seite 57
Samstag, 6. Dezember 2014
18.30 Kommunale
Kinos
Piccolo
Seite 57
Jugoslawien 1959 | Dušan Vucotić | 9 min
Ein komischer Heiliger
BRD 1978 | Klaus Lemke | 83 min | Einführung: Andreas Beilharz, Christoph Wirsching
21.00 Kommunale
Kinos
Mein Dorf: Balderschwang
BRD 1971 | Percy Adlon | 15 min
Der Vormund und sein Dichter
BRD 1978 | Percy Adlon | 87 min | Einführung: Claudia Engelhardt
Seite 57
Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum · St.-Jakobs-Platz 1 · 80331 München · Tel. 089/233 96450
Kalenderübersicht
19.00 Open Scene
Freitag, 5. Dezember 2014
89
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Sonntag, 7. Dezember 2014
17.30 Das Erinnern
weitertragen
Anna, ich hab Angst um dich
D 2001 | Josef Pröll | 88 min | Zu Gast: Josef Pröll
Seite 59
21.00 Samuel Fuller
Les voleurs de la nuit (Diebe der Nacht)
F 1983 | Samuel Fuller | 95 min | OmU
Seite 14
Dienstag, 9. Dezember 2014
18.30 Samuel Fuller
Dead Pigeon on Beethoven Street (Tote Taube in der Beethovenstraße)
BRD 1973 | Samuel Fuller | 128 min | engl. OF
21.00 Erster Weltkrieg Johnny Got His Gun (Johnny zieht in den Krieg)
USA 1971 | Dalton Trumbo | 111 min | OF
Seite 13
Seite 32
Mittwoch, 10. Dezember 2014
18.30 Samuel Fuller
White Dog (Die weiße Bestie)
USA 1982 | Samuel Fuller | 90 min | OF
Seite 14
21.00 Mode und Film
Mon oncle (Mein Onkel)
F 1958 | Jacques Tati | 116 | OmeU
Seite 49
Donnerstag, 11. Dezember 2014
19.00 Open Scene
Zuschauerkino
Seite 60
Freitag, 12. Dezember 2014
18.30 Max Mohr
Wolfsgrub
BRD 1986 | Nicolas Humbert | 65 min
Ramper, der Tiermensch
D 1927 | Max Reichmann | 60 min | engl. F | \ Noah Fürbringer und Martin Otter
Seite 63
21.00 Samuel Fuller
Samuel Fuller – Independent Filmmaker
F 1967 | André S. Labarthe | 68 min | engl.OF
Falkenau the Impossible – Samuel Fuller Bears Witness
F 1988–2008 | Emil Weiss | 62 min | OF
Seite 14
Kalenderübersicht
Samstag, 13. Dezember 2014
90
18.00 Max Mohr
Freiheit in Hollywood: Rudolph S. Joseph über Douglas Sirk und G. W. Pabst Seite 63
D 1997 | Eckhart Schmidt | 51 min
Summer Storm (Sommerwind)
USA 1944 | Douglas Sirk | 106 min
21.00 Samuel Fuller
The Big Red One
USA 1980 | Samuel Fuller | 163 min | OF
Seite 14
Sonntag, 14. Dezember 2014
18.30 Max Mohr
Max Mohr – Exil Shanghai
D 2012 | Simone Fürbringer | 60 min | \ Michaela Dietl
Lesung: Frederick Reuss und Nicolas Humbert
Seite 63
21.00 Samuel Fuller
Street of No Return (Straße ohne Wiederkehr)
F 1989 | Samuel Fuller | 90 min | OF
Seite 15
Dienstag, 16. Dezember 2014
19.00 Erster Weltkrieg Lawrence of Arabia (Lawrence von Arabien)
GB 1962 | David Lean | 227 min | OF
Seite 32
Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum · St.-Jakobs-Platz 1 · 80331 München · Tel. 089/233 96450
f
münchen
Mittwoch, 17. Dezember 2014
19.00 Samuel Fuller
The Big Red One
USA 1980 | Samuel Fuller | 163 min | OF
Seite 14
Donnerstag, 18. Dezember 2014
19.00 Open Scene
Freitag, 19. Dezember 2014
18.30 Percy Adlon
Mein Dorf: Rudertshausen | Bonbruck / Niederbayern | Wald um Allgäu |
Seite 26
Schneizlreuth im Berchtesgadener Land | Pestenacker bei Landsberg / Lech |
Deimhausen bei Schrobenhausen
BRD 1971–1975 | Percy Adlon | 93 min
21.00 Samuel Fuller
Tinikling ou La madone et le dragon (Die Madonna und der Drache)
F 1990 | Samuel Fuller | 90 min | OmeU
Seite 15
Samstag, 20. Dezember 2014
18.30 Percy Adlon
Mein Dorf: Weltenburg | Out of Rosenheim
BRD 1974–1987 | Percy Adlon | 125 min
Seite 23
21.00 Samuel Fuller
The State of Things (Der Stand der Dinge)
USA 1982 | Wim Wenders | 120 min | OF
Seite 15
Sonntag, 21. Dezember 2014
17.00 Film und
Psychoanalyse
Django Unchained
USA 2012 | Quentin Tarantino | 141 min | OmU
Einführung: Matthias Baumgart, Irmgard Nagel
Seite 46
21.00 Samuel Fuller
The End of Violence (Am Ende der Gewalt)
USA 1997 | Wim Wenders | 120 min | OmU
Seite 15
Montag, 22. Dezember 2014 bis Montag, 5. Januar 2015
Weihnachtspause
Dienstag, 6. Januar 2015
Nuit et brouillard (Nacht und Nebel) | Hiroshima mon amour
F 1956–1959 | Alain Resnais | 121 min | OmeU
21.00 Erster Weltkrieg Westfront 1918
D 1930 | Georg Wilhelm Pabst | 97 min
Seite 66
Seite 33
Mittwoch, 7. Januar 2015
18.30 Alain Resnais
L’année dernière à Marienbad (Letztes Jahr in Marienbad)
Seite 67
F 1961 | Alain Resnais | 94 min | OmU
Souvenirs d’une année à Marienbad (Erinnerungen an ein Jahr in Marienbad)
F 2010 | Volker Schlöndorff | 46 min | dtF
21.00 Mode und Film
A Room with a View (Zimmer mit Aussicht)
GB 1985 | James Ivory | 117 min | OmU
Seite 50
Donnerstag, 8. Januar 2015
19.00 Alain Resnais
La bague (Der Ring) | Portrait de Henri Goetz | Christine Boomeester |
Seite 66
Hans Hartung | Félix Labisse | Visite à César Doméla | Van Gogh |
Paul Gauguin | Guernica | Les statues meurent aussi (Auch Statuen sterben)
F 1946–1956 | 140 min | OmU + OmeU | Einführung: François Thomas
Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum · St.-Jakobs-Platz 1 · 80331 München · Tel. 089/233 96450
Kalenderübersicht
18.30 Alain Resnais
91
f
münchen
Freitag, 9. Januar 2015
18.30 Laurel & Hardy
The Second Hundred Years | Putting Pants on Philip | Battle of the Century | Seite 75
Leave ’em Laughing
USA 1927–1928 | Fred Guiol, Clyde Bruckman | 75 min | OF | \ Richard Siedhoff
21.00 Alain Resnais
Nuit et brouillard (Nacht und Nebel) | Hiroshima mon amour
F 1956–1959 | Alain Resnais | 121 min | OmeU | Einführung: François Thomas
Seite 66
Samstag, 10. Januar 2015
18.30 Laurel & Hardy
The Finishing Touch | From Soup to Nuts | You’re Darn Tootin’ |
Seite 75
Their Purple Moment
USA 1928 | Clyde Bruckman, Edgar Kennedy, James Parrott | 79 min | OF | \ Richard Siedhoff
21.00 Alain Resnais
L’année dernière à Marienbad (Letztes Jahr in Marienbad)
Seite 67
F 1961 | Alain Resnais | 94 min | OmU
Souvenirs d’une année à Marienbad (Erinnerungen an ein Jahr in Marienbad)
F 2010 | Volker Schlöndorff | 46 min | dtF
Sonntag, 11. Januar 2015
17.30 Das Erinnern
weitertragen
Der weiße Rabe – Max Mannheimer
D 2009 | Carolin Otto | 85 min | Zu Gast: Max Mannheimer
Seite 59
21.00 Alain Resnais
Muriel ou le temps d’un retour (Muriel oder die Zeit der Wiederkehr)
F 1963 | Alain Resnais | 117 min | OmeU
Seite 67
Dienstag, 13. Januar 2015
18.30 Alain Resnais
Muriel ou le temps d’un retour (Muriel oder die Zeit der Wiederkehr)
F 1963 | Alain Resnais | 117 min | OmeU
21.00 Erster Weltkrieg Hotel Imperial (Hotel Stadt Lemberg)
USA 1927 | Mauritz Stiller | 85 min | OF | \ Richard Siedhoff
Seite 67
Seite 33
Mittwoch, 14. Januar 2015
18.30 Alain Resnais
La guerre est finie (Der Krieg ist vorbei)
F 1966 | Alain Resnais | 121 min | OmU
Seite 67
21.00 Mode und Film
Silkwood
USA 1983 | Mike Nichols | 131 min | OmU
Seite 50
Kalenderübersicht
Donnerstag, 15. Januar 2015
92
19.00 Open Scene
Freitag, 16. Januar 2015
18.30 Laurel & Hardy
Early To Bed | Two Tars | We Faw Down | Liberty
USA 1928–1929 | Flynn, Parrott, McCarey | 79 min | OF | \ Günter A. Buchwald
Seite 75
21.00 Alain Resnais
La guerre est finie (Der Krieg ist vorbei)
F 1966 | Alain Resnais | 121 min | OmU
Seite 67
Samstag, 17. Januar 2015
18.30 Laurel & Hardy
Wrong Again | That’s My Wife | Big Business | Double Whoopee
USA 1929 | McCarey, French, Foster | 78 min | OF | \ Günter A. Buchwald
Seite 75
21.00 Alain Resnais
Toute la mémoire du monde (Alles Gedächtnis der Welt) |
Je t’aime, je t’aime (Ich liebe dich, ich liebe dich)
F 1956–1958 | Alain Resnais | 116 min | OmU + OmeU
Seite 67
Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum · St.-Jakobs-Platz 1 · 80331 München · Tel. 089/233 96450
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münchen
Sonntag, 18. Januar 2015
17.30 Film und
Psychoanalyse
Amour (Liebe)
Seite 46
F 2012 | Michael Haneke | 127 min | OmU | Einführung: A. Hamburger, V. Pramataroff-Hamburger
21.00 Alain Resnais
Stavisky …
F 1974 | Alain Resnais | 120 min | OmeU
Seite 68
Dienstag, 20. Januar 2015
18.30 Alain Resnais
Toute la mémoire du monde (Alles Gedächtnis der Welt) |
Je t’aime, je t’aime (Ich liebe dich, ich liebe dich)
F 1956–1958 | Alain Resnais | 116 min | OmU + OmeU
21.00 Erster Weltkrieg Der magische Gürtel
D 1917 | Hans Brennert | 44 min
The Battle of the Somme (Die Schlacht an der Somme)
GB 1917 | 74 min | OF | Einführung und Kommentierung: Martin Loiperdinger
Seite 57
Seite 33
Mittwoch, 21. Januar 2015
18.30 Alain Resnais
Stavisky …
F 1974 | Alain Resnais | 120 min | OmeU
Seite 68
21.00 Mode und Film
Blow up (Blow-Up)
GB 1966 | Michelangelo Antonioni | 111 min | OmU
Seite 51
Donnerstag, 22. Januar bis Sonntag, 25. Januar 2015
FilmWeltWirtschaft
Seite 80
Dienstag, 27. Januar 2015
18.30 Alain Resnais
Providence
F 1977 | Alain Resnais | 110 min | engl.OF
21.00 Erster Weltkrieg Die Frau und der Fremde
DDR 1985 | Rainer Simon | 98 min
Seite 68
Seite 34
18.30 Alain Resnais
Mon oncle d’Amérique (Mein Onkel aus Amerika)
F 1980 | Alain Resnais | 126 min | OmeU
Seite 68
21.00 Mode und Film
Casino Royale
USA 2006 | Martin Campbell | 144 min | OmU
Seite 51
Donnerstag, 29. Januar 2015
19.00 Open Scene
Freitag, 30. Januar 2015
18.30 Laurel & Hardy
Perfect Day | Blotto | Brats | Hog Wild
USA 1929–1930 | James Parrott | 85 min | OmU
Seite 76
21.00 Alain Resnais
Providence
F 1977 | Alain Resnais | 110 min | engl.OF
Seite 68
Samstag, 31. Januar 2015
18.30 Laurel & Hardy
Spuk um Mitternacht | Pardon Us (Hinter Schloss und Riegel)
USA 1930–1931 | James Parrott | 105 min | deutsche OF + OmU
Seite 76
21.00 Alain Resnais
Mon oncle d’Amérique (Mein Onkel aus Amerika)
F 1980 | Alain Resnais | 126 min | OmeU
Seite 68
Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum · St.-Jakobs-Platz 1 · 80331 München · Tel. 089/233 96450
Kalenderübersicht
Mittwoch, 28. Januar 2015
93
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münchen
Sonntag, 1. Februar 2015
17.30 Das Erinnern
weitertragen
Pizza in Auschwitz
Israel 2009 | Moshe Zimerman | 65 min | OmeU | Zu Gast: Dani Chanoch
Seite 59
21.00 Alain Resnais
La vie est un roman (Das Leben ist ein Roman)
F 1983 | Alain Resnais | 110 min | OmeU
Seite 68
Dienstag, 3. Februar 2015
18.30 Alain Resnais
La vie est un roman (Das Leben ist ein Roman)
F 1983 | Alain Resnais | 110 min | OmeU
21.00 Erster Weltkrieg The Man I Killed (Der Mann, den sein Gewissen trieb)
USA 1932 | Ernst Lubitsch | 77 min | OF
Seite 68
Seite 34
Mittwoch, 4. Februar 2015
18.30 Alain Resnais
Le chant du Styrène (Das Lied des Styrol) | L’amour à mort (Liebe bis in den Tod)
F 1958–1984 | Alain Resnais | 107 min | OmU
Seite 69
21.00 Mode und Film
The Devil Is a Woman (Die spanische Tänzerin)
USA 1935 | Josef von Sternberg | 79 min | OF
Seite 51
Donnerstag, 5. Februar 2015
19.00 Open Scene
Freitag, 6. Februar 2015
18.30 Laurel & Hardy
Another Fine Mess | Pack Up Your Troubles
Seite 76
USA 1930–1932 | James Parrott, George Marshall, Raymond McCarey | 96 min | OmU
21.00 Alain Resnais
Le chant du Styrène (Das Lied des Styrol) | L’amour à mort (Liebe bis in den Tod)
F 1958–1984 | Alain Resnais | 107 min | OmU
Seite 69
Samstag, 7. Februar 2015
18.30 Laurel & Hardy
Laughing Gravy | The Devil’s Brother
USA 1932–1933 | James W. Horne, Hal Roach, Charles Rogers | 117 min | OF
Seite 77
21.00 Alain Resnais
Mélo
F 1986 | Alain Resnais | 110 min | OmU
Seite 69
Kalenderübersicht
Sonntag, 8. Februar 2015
94
18.30 Laurel & Hardy
Our Wife | Sons of the Desert
USA 1931–1933 | James W. Horne, William A. Seiter | 88 min | OmU
Seite 77
21.00 Alain Resnais
I Want To Go Home
F 1989 | Alain Resnais | 105 min | OmU
Seite 69
Dienstag, 10. Februar 2015
18.30 Alain Resnais
Mélo
F 1986 | Alain Resnais | 110 min | OmU
21.00 Erster Weltkrieg Les croix de bois (Hölzerne Kreuze)
F 1932 | Raymond Bernard | 110 min | OmeU
Seite 69
Seite 34
Mittwoch, 11. Februar 2015
18.30 Alain Resnais
I Want To Go Home
F 1989 | Alain Resnais | 105 min | OmU
Seite 69
21.00 Mode und Film
Yella
D 2007 | Christian Petzold | 89 min
Seite 51
Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum · St.-Jakobs-Platz 1 · 80331 München · Tel. 089/233 96450
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münchen
Donnerstag, 12. Februar 2015
19.00 Open Scene
Freitag, 13. Februar 2015
18.30 Laurel & Hardy
Helpmates | County Hospital | Them Thar Hills | Tit for Tat
USA 1932–1935 | James Parrott, Charles Rogers | 78 min | OmU
Seite 77
21.00 Alain Resnais
Smoking
F 1993 | Alain Resnais | 140 min | OmU
Seite 70
Samstag, 14. Februar 2015
18.30 Laurel & Hardy
The Music Box | Babes in Toyland
USA 1932–1934 | James Parrott, Gus Meins, Charles Rogers | 102 min | OmU
Seite 77
21.00 Alain Resnais
No Smoking
F 1993 | Alain Resnais | 144 min | OmU
Seite 70
Sonntag, 15. Februar 2015
18.30 Laurel & Hardy
Their First Mistake | The Bohemian Girl
USA 1932–1936 | George Marshall, James W. Horne, Charles Rogers | 92 min | OmU
Seite 78
21.00 Alain Resnais
Le mystère de l’atelier quinze (Das Rätsel von Halle 15) | Claude Ridder |
Cinétract 002 | New York – Wall Street | Portrait imaginaire (Imaginäres
Porträt) | Contre l’oubli (Gegen das Vergessen) | Gershwin
F 1957–1992 | Alain Resnais | 110 min | OmU + OmeU
Seite 70
Mittwoch, 18. Februar 2015
18.30 Alain Resnais
Pas sur la bouche (Nicht auf den Mund)
F 2003 | Alain Resnais | 115 min | OmU
Seite 70
21.00 Mode und Film
Rosemary’s Baby (Rosemaries Baby)
USA 1968 | Roman Polanski | 136 min | OmU
Seite 52
Donnerstag, 19. Februar 2015
19.00 Open Scene
Horící ker (Burning Bush – Die Helden von Prag)
Tschechien 2013 | Agnieszka Holland | OmeU
18.30 Laurel & Hardy
Towed in a Hole | Our Relations
USA 1932–1936 | George Marshall, Harry Lachman | 94 min | OmU
Seite 78
21.00 Alain Resnais
On connaît la chanson (Das Leben ist ein Chanson)
F 1997 | Alain Resnais | 120 min | OmU
Seite 70
Samstag, 21. Februar 2015
18.30 Laurel & Hardy
Me and My Pal | Way Out West
USA 1933–1937 | Charles Rogers, James W. Horne | 84 min | OmU
Seite 79
21.00 Alain Resnais
Pas sur la bouche (Nicht auf den Mund)
F 2003 | Alain Resnais | 115 min | OmU
Seite 70
Sonntag, 22. Februar 2015
18.30 Laurel & Hardy
Busy Bodies | Swiss Miss
USA 1932–1938 | Lloyd French, John G. Blystone | 92 min | OmU
Seite 79
21.00 Alain Resnais
Cœurs (Herzen)
F 2006 | Alain Resnais | 120 min | OmU
Seite 70
Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum · St.-Jakobs-Platz 1 · 80331 München · Tel. 089/233 96450
Kalenderübersicht
Freitag, 20. Februar 2015
95
f
münchen
Dienstag, 24. Februar 2015
18.30 Alain Resnais
Cœurs (Herzen)
F 2006 | Alain Resnais | 120 min | OmU
21.00 Erster Weltkrieg Gallipoli
Australien 1981 | Peter Weir | 110 min | OF
Seite 70
Seite 34
Mittwoch, 25. Februar 2015
18.30 Alain Resnais
Les herbes folles (Vorsicht Sehnsucht)
F 2009 | Alain Resnais | 104 min | OmU
Seite 71
21.00 Mode und Film
The Grand Budapest Hotel (Grand Budapest Hotel)
USA 2014 | Wes Anderson | 100 min | OmU
Seite 52
Donnerstag, 26. Februar 2015
19.00 Open Scene
Freitag, 27. Februar 2015
18.30 Laurel & Hardy
Dirty Work | Block-Heads
USA 1933–1938 | Lloyd French, John G. Blystone | 76 min | OmU
Seite 79
21.00 Alain Resnais
Les herbes folles (Vorsicht Sehnsucht)
F 2009 | Alain Resnais | 104 min | OmU
Seite 71
Samstag, 28. Februar 2015
18.30 Laurel & Hardy
Going Bye-Bye | A Chump at Oxford
USA 1934–1940 | Charles Rogers, Alfred Goulding | 84 min | OmU
Seite 79
21.00 Alain Resnais
Vous n’avez encore rien vu (Ihr werdet euch noch wundern)
F 2012 | Alain Resnais | 115 min | OmU
Seite 71
17.30 Das Erinnern
weitertragen
Der Mühldorfer Todeszug
D 2012 | Beatrice Sonhüter | 45 min
Zu Gast: Beatrice Sonhüter, Lisa Brandl, Sophia Weikel, Heinrich Mayer
Seite 59
21.00 Alain Resnais
Aimer, boire et chanter (Wein, Weib und Gesang)
F 2014 | Alain Resnais | 108 min | OmU
Seite 71
Aimer, boire et chanter (Wein, Weib und Gesang)
F 2014 | Alain Resnais | 108 min | OmU
Seite 71
Sonntag, 1. März 2015
Kalenderübersicht
Dienstag, 3. März 2015
96
18.30 Alain Resnais
21.00 Erster Weltkrieg Maudite soit la guerre (Verdammt sei der Krieg!)
Belgien 1914 | Alfred Machin | 38 min | OmU | \ Joachim Bärenz
Shoulder Arms (Gewehr über!)
USA 1918 | Charles Chaplin | 44 min | OF | \ Joachim Bärenz
Seite 34
Mittwoch, 4. März 2015
19.00 Mode und Film
Il Gattopardo (Der Leopard)
Italien 1963 | Luchino Visconti | 187 min | OmeU
Seite 52
Donnerstag, 5. März 2015
19.00 Open Scene
Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum · St.-Jakobs-Platz 1 · 80331 München · Tel. 089/233 96450
Für Unterstützung und Kooperation bei der Realisierung unseres Programms danken wir:
Stummfilmtage · Bonner Kinemathek (Sigrid Limprecht,
Bernhard Gugsch, Kristina Wydra) · British Film Institute,
London (Fleur Buckley, George Watson) · China Film Archive,
Peking (Lan Zhang) · Filmarchiv Austria, Wien (Nikolaus Wostry)
· Library of Congress, Culpepper (Lynanne Schweighofer, Mike
Mashon) · Narodní filmový archiv, Prag (Anna Batistová) · Österreichisches Filmmuseum, Wien (Oliver Hanley) · Svenska
Filminstitutet, Stockholm (Jon Wengström) · UCLA Film and
Television Archive, Los Angeles (Todd Wiener, Steven K. Hill) ·
Tschechisches Zentrum, München (Ondřej Černý, Anett
Browarzik) · Christian Ketels, München
Samuel Fuller · Academy Film Archive, Los Angeles (May
Haduong, Michael Pogorzelski) · British Film Institute, London
(Fleur Buckley, George Watson) · Cinémathèque de la Ville de
Luxembourg (Marc Scheffen, Claude Bertemes) · Cinémathèque Française, Paris (Emilie Cauquy, Elodie Tamayo) ·
Cinémathèque Suisse, Lausanne (André Schäublin) · Filmmuseum Düsseldorf (Andreas Thein) · Museum of Modern Art,
New York (Anne Morra, Mary Keene, Dave Kehr) · Österreichisches Filmmuseum, Wien (Regina Schlagnitweit, Florian
Wrobel) · UCLA Film & Television Archive, Los Angeles (Todd
Wiener, Steven K. Hill) · Samantha Fuller, Los Angeles · Fritz
Göttler, München · Dominik Graf, München · Emil Weiss, Paris
Percy Adlon · Alpha-Omega Digital, München (Thomas
Bakels) · Bayerischer Rundfunk, München (Gabriele Wenger) ·
Studiocanal, Berlin (Kalle Friz) · Telepool, München (Irina Khvostova) · Percy und Eleonore Adlon, Los Angeles · Moritz Adlon,
München · Martin Habermeyer, Bamberg · Sina Jedrychowski,
München
Erster Weltkrieg · Bundeszentrale für politische Bildung,
Berlin (Kathrin Willmann, Oliver Ringel) · Cinémathèque Royale
de Belgique, Brüssel (Clémentine De Blieck) · Cinémathèque
Suisse, Lausanne (André Schäublin) · Deutsche Kinemathek,
Berlin (Anke Hahn) · Eye Film Institute, Amsterdam (Marleen
Labijt) · Svenska Filminstitutet, Stockholm (Jon Wengström) ·
UCLA Film & Television Archive, Los Angeles (Todd Wiener,
Steven K. Hill) · Zeughauskino, Berlin (Jörg Frieß) · Christian
Doermer, Samerberg · Martin Loiperdinger, Frankfurt/Main ·
Russell Merritt, San Francisco · Arndt Pawelczik, Köln ·
Alexander Schwarz, München
Frank Wedekind · Beta Film, München (Belinda Hampel) ·
Deutsches Filminstitut, Wiesbaden (Markus Wessolowski) ·
Deutsches Theatermuseum, München (Petra Kraus) · Eye Film
Institute, Amsterdam (Marleen Labijt) · Caitríona Ní Dhúill,
Durham/Wien · Anatol Regnier, München
Rumänisches Filmfestival · Centrul Național al Cinematografiei, Bukarest (Alina Sălcudeanu) · Generalkonsulat von
Rumänien, München (Anton Nicolescu) · Gesellschaft zur
Förderung der Rumänischen Kultur und Tradition, München
(Brigitte Drodtloff) · Kulturreferat der LH München (Christoph
Schwarz) · TriArte International, München · Bert Rebhandl,
Berlin
Film und Psychoanalyse · Akademie für Psychoanalyse und
Psychotherapie, München (Matthias Baumgart, Eva Friedrich,
Andreas Hamburger, Salek Kutschinski, Katharina LeubeSonnleitner, Mathias Lohmer, Irmgard Nagel, Vivian
Pramataroff-Hamburger, Heidi Spanl, Corinna Wernz) ·
Cinémathèque Suisse, Lausanne (André Schäublin)
Peter von Bagh · National Audiovisual Institute Finland,
Helsinki (Antti Alanen, Satu Laaksonen, Anno Möttölä) · Finnish
Film Foundation, Helsinki (Otto Suuronen) · Yle – Finnish Boadcasting Company, Helsinki (Raija Pösö)
Bundeskongress Kommunale Kinos · Bundesverband
kommunale Filmarbeit, Frankfurt/Berlin (Fabian Schauren,
Cornelia Klauß) · Kinemathek Le Bon Film, Basel (Beat
Schneider) · Kinoptikum Landshut (Roland Hartig) · KommKino
Nürnberg (Andreas Beilharz)
Das Erinnern weitertragen · Nathalie Geyer, München · KZGedenkstätte Dachau (Waltraud Burger) · Max-MannheimerStudienzentrum Dachau (Nina Ritz)
Max Mohr · British Film Institute, London (Fleur Buckley,
George Watson) · Monacensia, München (Elisabeth Tworek,
Sylvia Schütz) · Simone Fürbringer, München · Nicolas
Humbert, München · Eckhart Schmidt, Los Angeles/München
Alain Resnais · Arsenal – Institut für Film und Videokunst
e.V., Berlin (Hans-Joachim Fetzer) · arte France, Strasbourg
(Kristina Graw) · arte / ZDF, Mainz (Nina Goslar) · Bonner Kinemathek (Bernhard Gugsch) · Centre Pompidou, Paris (Judith
Revault d'Allonnes) · Cinémathèque Française, Paris (Emilie
Cauquy, Elodie Tamayo) · Französische Botschaft, Berlin
(Marion Goux) · Institut Français, Paris (Christine Houard) ·
Institut Français, München (Julien Thorel, Christine Zurmeyer) ·
Österreichisches Filmmuseum, Wien (Regina Schlagnitweit) ·
Stadtkino Wien (Gabriela Mühlberger) · Olivier Corpet, Paris ·
André Djaoui, Paris · Fritz Göttler, München · François Thomas,
Paris
Laurel & Hardy · Cinematographische Commerzanstalt,
Triesenberg (Nadine Konzack, Cornelia Liebig) · Christiane
Habich, Berlin
Fotonachweis · Cinémathèque Suisse, Lausanne (Carina Carballo) · Deutsches Filminstitut, Frankfurt (André Mieles) · Filmmuseum
München (Oleksandr Osherov, Gerhard Ullmann) · Leora Films, Los Angeles
Das Kino der Stadt
Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum · St.-Jakobs-Platz 1 · 80331 München
Tel 089/233 96450 · Fax 089/233 23931 · www.muenchner-stadtmuseum.de/film

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