einzelhandelsreport berlin
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EINZELHANDELSREPORT BERLIN CBRE I JUNI 2014 C Einzelhandel Special Report Juni 2014 CBRE Global Research and Consulting Inhaltsübersicht Berlin Kompakt – Key Facts über den Berlin Wirtschafts- und Einzelhandelsstandort ................... 1 City West – Dynamische Entwicklung in allen Lagen ................................................................. 3 Tauentzienstraße – Top-Lage mit neuen Gesichtern ..................................................................6 Bikini Berlin – Schließung einer Lücke des Angebots in der City West? .........................................8 Kurfürstendamm – die zweite Top-Lage der City West .............................................................11 Unterer Kurfürstendamm: Nahtstelle zur Tauentzienstraße ........................................................12 Ein „Kessel Buntes“ auf dem Kurfürstendamm – Der mittlere Kurfürstendamm zwischen Fasanenstraße und Bleibtreustraße........................................................................................15 Berlins traditionelle Luxus- und Niveaulage – der Kurfürstendamm zwischen Bleibtreustraße und Olivaer Platz ......................................................................................................................19 Auf dem Weg zur neuen Niveaulage - Kurfürstendamm zwischen Olivaer Platz und Adenauerplatz ........................................................................................................................................23 Kantstraße – Attraktive Möbelmeile im Zentrum der City West ..................................................24 Im Kommen – Die Seitenstraßen des Kurfürstendamms............................................................25 City Ost – Etabliert und facettenreich ..................................................................................... 27 Friedrichstraße – Business- und Tourismuslage in der City Ost ................................................ 30 Nördlich des S-Bahnhofs – Neuer Impuls durch das Tacheles Kaufhaus?...................................31 Zwischen S-Bahnhof und dem Boulevard „Unter den Linden“ ...................................................34 Unter den Linden – Ein Boulevard im Aufwind ........................................................................36 Konsum neben Luxus: „Unter den Linden“ bis Leipziger Straße .................................................36 Mehr als nur Zeitgeschichte - Rund um den Checkpoint Charlie ...............................................39 Stehengebliebene Zeit - Friedrichstraße in Kreuzberg ..............................................................41 Alexanderplatz – neue Würfel für mehr Verkaufsfläche auf dem „Alex“ ................................... 42 ©2014, CBRE GmbH Einzelhandel Special Report Juni 2014 CBRE Global Research and Consulting Hackescher Markt – Das kosmopolitische Einkaufsquartier in Berlin ........................................ 50 Oranienburger Straße – Auf dem Weg zurück zu altem Glanz? ................................................53 Hackescher Markt – Konstante im ständigen Wandel ..............................................................55 Nördliche Rosenthaler Straße – Lage in Erwartungshaltung ......................................................57 Südliche Rosenthaler Straße – „Rennmeile“ des Scheunenviertels ..............................................57 Münzstraße – Profiteurin des „Zugs zum Alexanderplatz“ .........................................................58 Neue Schönhauser Straße – Der „Place to be“ im Scheuenviertel .............................................59 Weinmeisterstraße – Mehr als nur eine „Seitenstraße“ .............................................................63 Alte Schönhauser Straße – Große Schwester mit großem Potenzial............................................63 Dircksenstraße - Warten auf die S-Bahnbögen .......................................................................65 Die Szene lebt – die Seitenstraßen des Scheunenviertels ..........................................................66 Berlin Stadtteillagen: Gelebte Kiezstruktur .............................................................................. 67 Schloßstraße – Hauptstraße der Shopping-Center ...................................................................68 Wilmersdorfer Straße - Wieder im Aufwind .............................................................................75 Weitere Stadtteillagen in Berlin – Hip oder nicht hip, das ist hier die Frage .............................. 81 Shopping-Center in Berlin – Fluch oder Segen? ..................................................................... 84 Berlin - Hauptstadt der Shopping-Center ...............................................................................85 Innenstadt und Stadtteil – noch mehr Shopping-Center für Berliner Einzelhandelsmarkt ...............87 ©2014, CBRE GmbH Einzelhandelsreport Berlin Special Report Juni 2014 CBRE Global Research and Consulting EINZELHANDELSREPORT BERLIN Von Andreas Malich, Leiter der Einzelhandelsvermietung, Berlin Alexander Torwegge, Einzelhandelsvermietung, Berlin Isabel Meyer, Einzelhandelsvermietung, Berlin Roger Goyk, Einzelhandelsvermietung, Berlin Sven Buchsteiner, Einzelhandelsberatung und -marktforschung, Frankfurt Berlin Kompakt – Key Facts über den Berlin Wirtschafts- und Einzelhandelsstandort Tab. 1: Key Facts – Berlin KEY FACTS Berlin Einwohner in Tsd. 2012 3.375 Bevölkerungsprognose 2012-2030 7,90% Arbeitslosenquote (abhängig zivile Erwerbspersonen) 2013 14,5 BIP in EUR 2013 97.485 Gästeankünfte 2013 10.849.000 Übernachtungen 2013 24.896.000 INSM -Wiwo Städteranking 2012 Niveau Gesamt/ Rang 551 (9) INSM -Wiwo Städteranking 2012 Dynamik Gesamt/ Rang 417 (47) Einzelhandelsrelevante Kaufkraft je Einwohner (Euro) 2014 6.155 Einzelhandelsrelevante Kaufkraftkennziffer 2014 97,3 Zentralitätskennziffer 2014 107,9 Umsatzanteil Deutschland ‰ 2011 42 43,613 Quelle: BulwienGesa, Bertelsmann Stiftung, MB Research, Oxford Economics, CBRE 2014 Tab. 2: Einzugsgebiet und Marktpotenzial Berlin FAHRTZEIT 15 MINUTEN Einwohner 1.121.582 Einzelhandelsrelevante Kaufkraft (M EUR) 6.741.854 € Einzelhandelsumsatz (M EUR) FAHRTZEIT 30 MINUTEN Einwohner Einzelhandelsrelevante Kaufkraft (M EUR) Einzelhandelsumsatz (M EUR) 9.480.690 € FAHRTZEIT 45 MINUTEN Einwohner Einzelhandelsrelevante Kaufkraft (M EUR) Einzelhandelsumsatz (M EUR) 3.320.844 19.478.652 € 20.029.482 € 4.287.312 24.713.261 € 23.398.189 € Quelle: Geobasis-DE/BKG 2013, CBRE 2014 Seite 1 ©2013, CBRE GmbH Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Abb. 1: Entwicklung der Spitzenmiete in Berlin 350 330 310 290 300 €/m² im Monat 250 270 250 200 150 100 50 0 2010 2011 2012 2013 Q2 2014 Quelle: CBRE 2014 Abb. 2: Vermietungen Top 10 – Städte in Deutschland 2011-2013 234 Berlin 232 Frankfurt am Main 141 München 109 Hamburg 105 Köln 2013 2012 85 Düsseldorf 2011 72 Mönchengladbach 53 Stuttgart 45 Essen 40 Lübeck 0 50 100 150 200 250 300 Seite 2 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Quelle: CBRE 2014 Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 City West – Dynamische Entwicklung in allen Lagen Abb. 3: Übersicht Einzelhandelsmarkt City West Kantstraße Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Die City West, bestehend aus der Top-Konsumlage Tauentzienstraße und dem facettenreichen Kurfürstendamm, ist die tradierte Einzelhandelslage des westlichen Stadtgebiets, des ehemaligen WestBerlins. Wohl mit keiner anderen Straße wird der Berliner Einzelhandel so emotional verbunden wie mit dem Kurfürstendamm, der bereits schon zur Vorwendezeit eine große auch kulturell-politische Bekanntheit innehatte. Seite 3 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Auch heute zieht die City West insbesondere an den Wochenenden unzählige Sightseeing- und Shopping-Touristen aus Deutschland und der ganzen Welt an, die neben Monumenten der Zeitgeschichte wie der Gedächtniskirche oder Sehenswürdigkeiten wie dem Zoologischen Garten, auch das beson- Die stetig steigenden Touristenzahlen haben die City West seit Jahren wieder in den Fokus nationaler und vor allem internationaler Einzelhändler rücken lassen, die vermehrt die Konsumlagen für ihre Pilot- und Flagshipstores anstreben. Anmietungen und Eröffnungen der jüngsten Vergangenheit von internationalen Modelabels wie Pull&Bear und Bershka (beide Inditex-Gruppe), Urban Outfitters, Forever 21 und zuletzt Uniqlo stehen für diese neue Marktentwicklung. Getragen u.a. von den starken sozio-ökonomischen Zahlen des westlichen Stadtgebiets, ist die City West wieder ein Betätigungsfeld für große und nachhaltige Projektentwicklungen geworden. Bis in die frühen 2000er Jahre lag die City Ost aufgrund des großen Nachholbedarfs an modernen Einzelhandels-, Hotel- und Büroflächen im besonderen Fokus der Projektentwickler und Immobilieninvestoren, zeitgleich kam es in der City West zu einem zunehmenden und auf Objektebene sogar eklatanten Investitionsstau. Dieser Investitionsstau baut sich nunmehr seit einigen Jahren, nachdem auch der Bedarf in der City Ost nahezu umfänglich gedeckt ist, kontinuierlich ab. Größere Projektentwicklungen verändern derzeit das Stadtbild der City West nachhaltig und geben ihr ein deutlich moderneres Erscheinungsbild. Hierzu zählen u. a. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 dere Einzelhandelsangebot an der Tauentzienstraße und dem Kurfürstendamm besuchen, so z. B. das KaDeWe (Kaufhaus des Westens) als größtes kontinentaleuropäisches Warenhaus. das Bikini Berlin, der Atlas Tower, Kurfürstendamm °195 das Zoo-Fenster (Waldorf-Astoria Hotel) oder auch das Haus Cumberland. Weitere Entwicklungsimpulse sind auch von der noch ausstehenden Renovierung des Bahnhofs Zoo mit den Zoo-Terrassen, der angestrebten Entwicklung des ehemaligen Karstadt Warenhauses am Kurfürstendamm und der Entwicklung des Upper West zu erwarten. Ungeklärt ist nach wie vor die Zukunft des Ku’damm Karrees, seit 2007 wird nach einem Co-Investor für das Re-Development des lageprägenden Shopping-Centers gesucht. Seite 4 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 All diese neuen Projektinitiativen haben dazu geführt, dass die City West in den vergangen fünf Jahren das stärkste Mietwachstum des gesamten Berliner Einzelhandelsmarkt erfahren hat. So stieg die Spitzenmiete von rund 260 €/m² im Jahr 2011 auf den heutigen Höchstwert von rund 330 €/m² im Monat an. VERMIETUNGEN 1A-LAGEN CITY WEST Straße Verkaufsfläche Mieter Branche Kurfürstendamm 29 700 m² Filippa K Bekleidung Kurfürstendamm 44 160 m² Maje Bekleidung Kurfürstendamm 45 300 m² Tumi Schuhe & Lederwaren Kurfürstendamm 62 430 m² Warendorf Küchen Haushaltswaren, Möbel & Einrichtung Kurfürstendamm 63 190 m² Golfino Bekleidung Kurfürstendamm 195 710 m² Audi City Sonstiges Kurfürstendamm 178 300 m² Dimensione Danza Sport & Outdoor Kurfürstendamm 176 300 m² Pal Zileri Bekleidung Kurfürstendamm 193/194 600 m² Grosz Gastronomie Kurfürstendamm 216 120 m² Picard Schuhe & Lederwaren Kurfürstendamm 234 680 m² & other stories (H&M) Bekleidung Nürnberger Straße 13/Ecke Tauentzienstraße 380 m² Blue Tomato Sport & Outdoor Tauentzienstraße 7 80 m² Yves Rocher Drogerie & Parfümerie Tauentzienstraße 7 B/C 2.700 m² Uniqlo Bekleidung Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Tab. 3: Vermietungen in den 1A-Lagen der City West Quelle: CBRE 2014 Tab. 4: Vermietungen in den 1B-Lagen der City West VERMIETUNGEN 1B-LAGEN CITY WEST Straße Verkaufsfläche Miete Branche Bleibtreustraße 13 110 m² Firma Westside Store Bekleidung Bleibtreustraße 34-35 200 m² Torquato Haushaltswaren, Möbel & Einrichtung Fasanenstraße 29 110 m² lululemon athletica Sport & Outdoor Knesebeckstraße/Ecke Ku'Damm 300 m² House of Jab Anstoetz Haushaltswaren, Möbel & Einrichtung Schlüterstraße 38-39 240 m² Taschen Verlag Multi Media, Bücher & Geschenke Uhlandstraße 183-185 300 m² Wohnstücke (Butlers) Haushaltswaren, Möbel & Einrichtung Uhlanstraße 195 k. A. Restaurant Glass Gastronomie Wittenbergplatz 5-6 260 m² Lindner Feinkost Lebensmittel & Tabakwaren Seite 5 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Quelle: CBRE 2014 Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Tauentzienstraße – Top-Lage mit neuen Gesichtern Abb. 4: Key Facts Tauentzienstraße Branchenmix bezogen auf die Ladenlokale STRAßE TAUENTZIENSTRAßE Positionierung Stärkste Konsumlage in Berlin. Sehr hoher Anteil nationaler und internationaler Filialisten. Geprägt durch KaDeWe und Flagshipstores nationaler und internationaler Einzelhändler. Länge der Straße 550 m Ankermieter Kadewe, Peek&Cloppenburg, Esprit, Hennes&Mauritz, Zara, Schuh-City, Nike Town, Saturn, Neo, E-Plus Base, Fossil, Bershka Kundenprofil West-Berliner Bevölkerung, internationale Shopping-Touristen Typische Store-Größe (in m²) 300-3,000 Spitzenmieten in €/m² im Monat 330,- Anzahl der Geschäfte 59 Davon filialisiert 54 Filialisierungsgrad (in %) 92 Entwicklungstendenz Quelle: CBRE 2014 Seite 6 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Neben dem Kurfürstendamm steht wohl keine andere Straße so für die Einzelhandelslandschaft der City West wie die Tauentzienstraße, im Berliner Sprachgebrauch auch nur Tauentzien genannt. In diesem Teilbereich der City West befindet sich die höchste Dichte an Flagshipstores von nationalen und Der Ankermieter der Straße bleibt trotz der unsicheren ökonomischen Zukunft des ehemaligen Mutterkonzerns Karstadt das Warenhaus KaDeWe. Sieben Etagen, darunter die weltbekannte GastronomieEtage auf der sechsten Etage, sowie rund 70.000 m² Verkaufsfläche machen das KaDeWe zum größten kontinentaleuropäischen Warenhaus. Viele Marken, die über Shop-in-Shop-Systeme expandieren, starten hier ihre Deutschlandexpansion (wie zuletzt auch Top Shop), wodurch sich das KaDeWe noch einmal von anderen Anbietern abhebt. Im Raume steht derzeit eine Verkaufsflächenerweiterung des KaDeWe im Untergeschoss um ca. 2.500 m². Die Tauentzienstraße allein auf das KaDeWe zu reduzieren, wäre jedoch falsch. Mit einem Weltstadthaus von Peek&Cloppenburg sowie Flagshipstores der drei Inditex-Konzepte Bershka, Pull&Bear und Zara, Esprit, Adidas, Forever 21 oder der jüngst im Europa-Center eröffneten Niketown, erhält die Tauentzienstraße ihren besonderen Charakter. Durch die Eröffnung des zur japanischen FastRetailing-Gruppe gehörenden Modelabels Uniqlo in der Tauentzienstraße 7B/C festigte die Straße einmal mehr ihr Profil als Flagshipstore-Location. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 internationalen Einzelhändlern, hier werden die höchsten Passanentenfrequenzen gemessen und auch die höchsten Einzelhandelsmieten gezahlt. Die früher ausgeprägte Unterscheidung in nördliche und südliche Straßenseite hat sich mittlerweile deutlich nivelliert. Galt die KaDeWe-Seite (südlich) als die deutlich stärker frequentierte Straßenseite, so hat sich das Verhältnis zur Europa-Center-Seite (nördlich) heute nahezu ausgeglichen. Dies ist insbesondere auf die großflächigen Vermietungen im und um das Europa-Center zurückzuführen. Bemerkenswert ist, dass die nördliche Straßenseite zwischen Wittenbergplatz und Nürnberger Straße aufgrund der kleinteiligeren Gebäudestruktur kleinflächigeren Konzepten bessere Expansionsansätze als die südliche Straßenseite bietet, wo vor allem Flagshipstores das Straßenbild bestimmen. In der jüngeren Vergangenheit wurden an der Tauentzienstraße vor allem dort neue Ladenflächen vermietet. Zu erwähnen ist weiterhin, dass auch die Tauentzienstraße (wie nahezu alle Berliner Einkaufsstraßen) keine Fußgängerzone ist, sondern eine für den Individualverkehr geöffnete Fahrstraße. Durch die verschiedenen, vorstehend genannten Vermietungen wird deutlich, dass sich die Nachfrage von nationalen und internationalen Einzelhändlern immer stärker auf die Tauentzienstraße konzentriert. Die Straße erlebte in den letzten vier Jahren einen deutlichen Anstieg der Spitzenmiete, die u.a. durch die Nachfrage der vielen internationalen Einzelhändler angetrieben wurde. Gerade internationale Retailer reflektieren bei Ihrem Markteintritt in Deutschland auf „sichere“ Umsätze in einem nachgewiesen „starken“ Marktumfeld. Hierfür werden dann auch Topmieten akzeptiert. Seite 7 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 So waren es auch nur internationale Konzepte, die im Vermietungsjahr 2012/2013 an der Tauentzienstraße neue Filialen anmieteten. Wie bereits erwähnt, sicherte sich Uniqlo einen rund 2.700 m² großen Flagshipstore und folgt Nike als neuer Mieter nach. Der Berliner Store ist der erste Laden des Fashionlabels auf dem deutschen Markt. Im Geschäftshaus Tauentzienstraße 7 konnte sich der französische Naturkosmetikanbieter Yves Rocher einen rund 80 m² großen Store sichern. Im Gebäude Tauentzienstraße 8 wird in Kürze Dunkin Donuts eröffnen. In Ecklage zum Tauentzien sicherte sich das Die aktuelle Spitzenmiete für einen 100-m²-Store mit 5 Metern Front liegt derzeit bei 330 €/m²/Monat. Bikini Berlin – Schließung einer Lücke des Angebots in der City West? Der Nachfrageüberhang in der Top-Lage des Kurfürstendamms ist auch durch die fehlende Straßenfront entlang des Breitscheidplatzes zu erklären. Über Jahre hinweg übernahm das sogenannte BikiniHaus, das sich an der nördlichen Seite des Breitscheidplatzes auf voller Länge an der Budapester Straße erstreckt, keine kompensatorische Funktion. Die Einzelhandelsnutzung blieb hinter der Bedeutung der Lage zurück und kam kaum über eine gastronomische sowie touristische Nutzung hinaus. Dies soll sich nun mit dem neuen Konzept der Bayerischen Hausbau, der Projektentwicklerin des Gebäude-Komplexes ändern, die das sog. Bikini Berlin in den letzten Jahren revitalisierte und am 3. April 2014 eröffnete. Das Bikini Berlin umfasst rund 17.000 m² Einzelhandels- und Gastronomieflächen, die als Konzept-Mall konzipiert sind. Dazu kommen rund 20.000 m² Büro, ein 25Hours Hotel mit ca. 8.800 m² Gesamtfläche, das im gleichen Gebäude beheimatete Restaurant Neni, die Monkey Bar sowie 3.000 m² ergänzende Lagerfläche. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 österreichische Sportgeschäft Blue Tomato in der Nürnberger Straße 13 einen rund 380 m³ Store und ist damit neu auf dem Berliner Einzelhandelsmarkt. Das Konzept des Centers setzt im Gegensatz zu den Top-Konsumlagen Kurfürstendamm und Tauentzienstraße auf die Individualität und Wertigkeit der einzelnen Läden. Dabei verzichtet das Vermietungskonzept bewusst auf die Akquirierung von konsumorientierten Ankermietern. Die rund 17.000 m² Verkaufsfläche wurden daher vor allem für kleinteilige Fashion- und Designanbieter konzipiert, die der Individualität des Bikini Berlins Ausdruck verleihen sollen. Highlight der Immobilie ist sicherlich die begrünte Dachterrasse mit direktem Blick auf den Zoo und einem Retail- und Gastronomieangebot. Zum Zeitpunkt der Eröffnung waren ca. 85% der Mallflächen vermietet. Zu den neuen Mietern zählen zum einen Berliner Mode- und Szene-Labels, zum anderen auch trendund niveauorientierte internationale Mode- und Trendlabels wie die italienische Jeansanbieter Acne, die US-Modelabels Gant und Vans, Work in Progress (Carhartt) oder auch das italienische Modelabel Bagatt, die hier ihren ersten Store in Deutschland eröffneten. Seite 8 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Städtebaulich ist das Bikini Berlin integrativ wirkend, da nun auch nördlich des Breitscheidplatzes ein Anziehungspunkt für den gesamten Bereich der City West entsteht. Wie das Konzept mit seinem teilweise avantgardistischen Mietermix und das Objekt mit seiner eher unkonventionellen Shopping-MallFührung von den Konsumenten angenommen wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abgesehen werden. Entscheidend wird sein, ob die translozierten Konzepte aus den östlichen Quartieren Berlins auch den „Nerv“ der West-Berliner-Bevölkerung und Shopping-Touristen treffen. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Abb. 5: Lageplan: Tauentzienstraße Seite 9 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Abb. 6: Lageplan: Tauentzienstraße Seite 10 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Kurfürstendamm – die zweite Top-Lage der City West Abb. 7: Key Facts Kurfürstendamm Branchenmix bezogen auf die Anzahl der Geschäfte STRAßE KURFÜRSTENDAMM Positionierung Haupteinkaufstraße der City West, drei Lagebereiche, Konsum im östlichen Bereich (Gedächtniskirche), Konsum- und Tourismus im Mittelteil, Niveau- und Luxus im westlichen Bereich (Olivaer Platz) Länge der Straße 2000 m (Rankestraße bis Adenauerplatz) Ankermieter Apple, Pylones, Urban Outfitters, Benetton, Karstadt, C&A, Hennes&Mauritz, Rolex, Montblanc, Armani, Gucci, Louis Vuitton, Burberry Kundenprofil Internationale Luxuskunden am Olivaer Platz, West-Berliner und unzählige Sight-Seeing- und Shopping-Touristen im restlichen Straßenverlauf Typische Store-Größe (in m²) 100-600 Spitzenmieten in €/m² im Monat 300,- (westlich) 130,- (Mitte) 180,- (östlich) Anzahl der Geschäfte 250 Davon filialisiert 170 (gesamt) Filialisierungsgrad (in %) 79 Entwicklungstendenz Seite 11 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Quelle: CBRE 2014 Gedächtniskirche bis Meineckestraße: konsumorientierter Einzelhandel = unterer Kurfürstendamm, Meineckestraße bis Bleibtreustraße: niveauorientierter Einzelhandel = mittlerer Kurfürstendamm, Bleibtreustraße bis Olivaer Platz: Luxusbereich = oberer Kurfürstendamm Geprägt ist die Straße vor allem durch nationale und internationale Filialisten aus dem Modebereich. Dabei gibt es keine generelle Lagedifferenzierung zwischen den beiden Straßenseiten. Unterer Kurfürstendamm: Nahtstelle zur Tauentzienstraße Die Passantenfrequenzen in diesem Lageabschnitt unterscheiden sich nur gering von denen der TopWerte der Tauentzienstraße. Dies ist u.a. auch auf die gleichnamige U-Bahn-Station sowie den nur wenige Gehminuten entfernten S- und U-Bahnhof Zoologischer Garten, dem ehemals wichtigsten Bahnhof vor der Eröffnung des Berliner Hauptbahnhofs, zurückzuführen. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Der Kurfürstendamm, von den Berlinern auch liebevoll Kudamm genannt, ist die tradierte Einzelhandelslage der City West und gilt nach der Tauentzienstraße als weitere absolute Top-1A-Lage. Wo sich vor 130 Jahren noch ein Reitweg zwischen der historischen Mitte zum Schloss Charlottenburg befand, wurde ab 1880 eine 53 m breite Prachtstraße angelegt, die in ihrer baulichen Struktur noch heute Bestand hat. Allerdings ist der heutige Kurfürstendamm in seiner Lagequalität dreigeteilt: Das in den Straßenlauf integrierte offene Shopping-Center Neues Kranzler Eck stellt eine Besonderheit dar. Das von Helmut Jahn gestaltete Gebäude ist zu einem Wahrzeichen der City West geworden und beliebter Anziehungspunkt für die vielen Sightseeing- und Shopping-Touristen. Der ikonische Aufbau auf dem Dach sowie die historische Leuchtreklame des namensgebenden Café Kranzler sind beliebte Fotomotive und Identifikationspunkt für eine Shoppingtour auf dem Kurfürstendamm. Nach teilweise spektakulären Neuanmietungen in der jüngeren Vergangenheit, wie durch Apple und Hugo Boss aber auch G-Star und Medea, wurden im Vermietungsjahr 2012/2013 nur zwei Vermietungen registriert. Das neue Konzept des schwedischen Modekonzerns H&M, „& Other Stories“, wurde in einer ehemaligen H&M Filiale im Geschäftshaus Kurfürstendamm 234 integriert. Das Berliner Konzept Medea (I love Berlin) mietete im Kurfürstendamm 235 eine Filiale an. Seite 12 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Noch mehr Dynamik lässt eine spektakuläre neue Projektentwicklung erwarten: Der Berliner Projektentwickler Huth mit seiner High Gain House Projektgesellschaft, die derzeit auch das Shopping-Center Mall of Berlin (ehem. Leipziger Platz Nr. 12) baut, plant auf dem Grundstück des derzeitigen Karstadt Warenhauses gemeinsam mit der österreichischen Signa-Gruppe eine umfassende Neugestaltung als Shopping-Center. Hierfür wird dem Vernehmen nach versucht, auch angrenzende Grundstücke zu akquirieren, um die Verkaufsflächenzahl zu vergrößern. Aufgrund der relativ frühen Planungsphase können zu aktuelle Mietern oder zu weiteren Plänen derzeit keine weiteren Aussagen getroffen werden. Die gesamte Nutzfläche wird aber auf rund 50.000 m² - bis 70.000 m² Fläche geschätzt. Ähnlich wie die Tauentzienstraße hat auch dieser Teilbereich des Kurfürstendamms einen deutlichen Mietpreisanstieg erfahren. Getrieben wurde die Entwicklung vor allem durch internationale Filialisten, die Berlin als ihre Einstiegsstadt auf den deutschen Einzelhandelsmarkt sehen. Die aktuelle Spitzenmiete in diesem Abschnitt des Kurfürstendamms liegt bei rund 300 €/m² im Monat. Abb. 8: Lageplan: Kurfürstendamm (Tauentzienstraße bis Gedächtniskirche) Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Auf der gegenüberliegenden Straßenseite am Kurfüstendamm 11 wird derzeit das Großprojekt Upper West durch die Atlas Tower GmbH, einer Tochter der STRABAG Real Estate, realisiert. Auf dem ehemaligen Schimmelpfeng-Areal im Kreuzungsbereich von Kantstraße, Breitscheidplatz und Kurfürstendamm werden insgesamt rund 53.000 m² Geschossfläche für Hotel-, Büro- und Einzelhandelsnutzung realisiert. Als Hotelbetreiber steht bereits die Budget-Hotel-Kette Motel One fest. In prominenter Ecklage zum Kurfürstendamm werden rund 3.900 m² Einzelhandelsfläche realisiert. Seite 13 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Seite 14 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Abb. 9: Lageplan: Kurfürstendamm (Joachimstaler Straße – Fasanenstraße) Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Impression: Oberer Kurfürstendamm Quelle: CBRE 2014 Ein „Kessel Buntes“ auf dem Kurfürstendamm – Der mittlere Kurfürstendamm zwischen Fasanenstraße und Bleibtreustraße Auch weiterhin gilt die tradierte Lageeinteilung am Kurfürstendamm: Der „mittlere“ Teil des Kurfürstendamms zwischen der Fasanen- und Bleibtreustraße bleibt im Vergleich zu den Top-Lagen an der Gedächtniskirche und den Luxuslagen rund um den Olivaer Platz am wenigsten profiliert. Der Branchen- und Mietermix präsentiert sich uneinheitlich, wobei sich dies allmählich ändert. Mehr und mehr „entdecken“ niveauorientierte Mieter diesen Bereich, wobei sich diese hier nach wie vor in der Nachbarschaft zu gastronomischen Anbietern, Hauptstadtrepräsentanzen von Automobilherstellern und auch Hotels, Theatern und sogar einem Programmkino wie dem Cinema Paris des Maison de France befinden. Die Mieten sind in diesem Bereich des Kurfürstendamms noch günstiger als in den anderen Bereichen der Straße, zudem ist dort die Nachfrage deutlich höher als das Angebot, Flächen sind kaum zu bekommen. Seite 15 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Im Modebereich überwiegen, nicht zuletzt durch die Nähe zum Luxusbereich des Kurfürstendamms, die Niveauanbieter. Patrizia Pepe, Lacoste oder auch Van Laack sind hier zu nennen. Die konsumorientierten Namen fehlen hier völlig, was mitunter auch durch die deutlich geringere Passantenfrequenz Für eine mögliche positive Entwicklung der Lage, insbesondere der südlichen Straßenseite, wird weiterhin das lageprägende Shopping-Center Ku’damm Karree gesehen. Für das verwinkelte und nicht mehr zeitgemäße Objekt werden seit 2007 neue Entwicklungsansätze gesucht. Der derzeitige Eigentümer, die irische Ballymore-Gruppe, versucht seit einigen Jahren einen Co-Investor für das Projekt zu finden, die Hamburger ECE Projektmanagement GmbH wurde hier Anfang letzten Jahres ins Gespräch gebracht. Derzeit sind jedoch keine konzeptionellen und bautechnischen Veränderungen oder Fortschritte zu erkennen, so dass die mit rund 500 Millionen Euro projektierte Neupositionierung des Objekts nach wie vor nicht absehbar ist. Zwar ist die Nordseite des Straßenabschnitts kleinteiliger und besitzt eine durchgängige Straßenfront, doch auch hier entfaltet die Straße nicht ihr volles mögliches Potenzial, da durch die typischen, denkmalgeschützten historischen Werbevitrinen die Sichtbarkeit der Gebäude unterbrochen ist und die Passanten teilweise darum herum „navigieren“ müssen. Trotz der vergleichsweise etwas schwächeren Voraussetzungen kann dieser Lageabschnitt des Kurfürstendamms auf ein aktives Vermietungsjahr 2012/2013 zurückblicken. Hier war vor allem die nördliche Straßenseite besonders hoch im Kurs, es konnten insgesamt drei Neuvermietungen realisiert werden. Die meisten Vermietungen fanden in der Nähe der Bleibtreustraße statt, deren Teilabschnitt bereits durch die nahegelegene Luxuslage beeinflusst ist. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 zu erklären ist. Ab der Fasanenstraße verläuft sich die herausragende Passantenfrequenz rund um Breitscheidplatz und Gedächtniskirche. Das französische Modelabel Maje mietete hier seinen ersten Store in der City West an, nachdem bereits zuvor positive Erfahrungen auf der Friedrichstraße gesammelt wurden. Im Geschäftshaus Kurfürstendamm 44 wurde ein 160 m² großer Store angemietet. Im Nebengebäude (Kurfürstendamm 45) sicherte sich der US-amerikanische Taschen- und Lederwarenspezialist Tumi einen rund 300 m² großen Store. Ebenfalls an der nördlichen Straßenseite (Kurfürstendamm 29) wurde das progressive schwedische DOB-Label Filippa K mit einem rund 700 m² Ladengeschäft angesiedelt, im Gebäude Kurfürstendamm 212 wird kurzfristig Jil Sander einen Store eröffnen. Die südliche Straßenseite stand 2012/2013 weniger im Fokus der nationalen und internationalen Filialisten. Der Obertshausener Lederwarenspezialist Picard mietete im Geschäftshaus 216 einen rund 120 m² großen Store an und erweiterte damit seine Präsenz in den größten deutschen ShoppingMetropolen, im Gebäude Kurfürstendamm 210 mietet Scarosso einen rund 100 m² großen Laden. Die aktuelle Spitzenmiete in diesem Bereich des Kurfürstendamms liegt bei 130 €/m²/Monat. Seite 16 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Gerade die vermehrte Vermietung an hochwertigen und niveauorientierten Einzelhandelskonzepten ist ein Anzeichen für eine zunehmende Angleichung des Branchen- und Mietermixes dieses Bereichs des Kurfürstendamms und den Luxuslagen rund um den Olivaer Platz. Mittelfristig ist davon auszugehen, dass auch dieser Bereich eine deutlichere Positionierung haben wird, entscheidend wird allerdings die schnelle Umsetzung des „neuen“ Ku‘damm Karrees sein. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Abb. 10: Lageplan: Kurfürstendamm (Meinkestraße – Uhlandstraße) Seite 17 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Abb. 11: Lageplan: Kurfürstendamm (Knesebeckstraße) Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Quelle: CBRE 2014 Seite 18 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Impression: Kurfürstendamm Was bereits auf dem Kurfürstendamm ab der Fasanenstraße anklingt, wird ab der Bleibtreustraße bis zum Olivaer Platz hin Wirklichkeit: hier ist die tradierte Luxus- und Niveaulage Berlins zuhause. Neben den vier anderen Luxuslagen in Deutschland (Hamburg, München, Frankfurt und Düsseldorf) zählt dieser Teilbereich des Kurfürstendamms zu den etablierten Niveau- und Luxuslagen Deutschlands. Das gehobene Ambiente der Straße wird durch die hohe Dichte gründerzeitlicher und wilhelminischer Altbauten unterstützt und gibt dem Straßenabschnitt eine besondere Adressqualität. Zu den Ankermietern zählen Prada, Gucci, Bottega Veneta oder auch Dolce & Gabbana. Dabei sind manche Luxus- und Niveaulabels exklusiv nur in Berlin vertreten, wie die beiden schweizerischen Juweliere und Uhrmacher Hublot und Maurice Lacroix. Eine nachhaltige Aufwertung erfuhr dieser Straßenabschnitt durch die Fertigstellung des lageprägenden historischen Haus Cumberland (Kurfürstendamm 193-194) sowie der Projektentwicklung N° 195 Ku’damm. Beide Gebäude wurden in den letzten Jahren saniert und komplett umgebaut, hier wurden insgesamt ca. 5.300 m² neue Handels- und Gastronomieflächen geschaffen. Seit der Eröffnung lässt sich ein großes Interesse der Kunden und Einzelhändler für diesen Bereich erkennen. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Berlins traditionelle Luxus- und Niveaulage – der Kurfürstendamm zwischen Bleibtreustraße und Olivaer Platz Obwohl für eine Luxuslage nicht unbedingt notwendig, erfährt auch dieser Lageabschnitt eine relativ hohe Passantenfrequenz, dies vor allem durch (internationale) Shopping-Touristen. Damit unterscheidet sich diese Lage klar von anderen Luxuslagen in Deutschland. Dabei ist auch dieser Lageabschnitt für den Individualverkehr geöffnet (so wie der gesamte Kurfürstendamm), der analog zur Tauentzienstraße im Gegensatz zu anderen Top-1A-Lagen in Deutschland keine verkehrsberuhigte Fußgängerzone ist. Auch zukünftig wird dieser Lagebereich des Kurfürstendamms die bestimmende Luxus- und Niveaulage auf dem Berliner Einzelhandelsmarkt bleiben. Im unmittelbaren Vergleich zur Friedrichstraße profitiert der Kurfürstendamm durch seine klare Lageeinteilung und die zunehmende Marktbedeutung für Niveaulabels im unmittelbaren Umfeld. Die in der jüngeren Vergangenheit fertiggestellten Projektentwicklungen haben zusätzlich zum Bedeutungsgewinn beigetragen. Bei den Spitzenmieten im Luxusbereich liegt der Kurfürstendamm im unteren Bereich der deutschen Luxuslagen und bietet daher zukünftig weiteres Vermietungspotenzial, welches bei Weitem noch nicht ausgeschöpft ist. Auch im Vermietungsjahr 2012/2013 wurden wieder diverse Vermietungstransaktionen registriert. Dabei lag die südliche Straßenseite besonders im Interesse der nationalen und internationalen Einzelhändler. In dem Neubauprojekt N° 195 Ku’damm mietete das High-Tech-Store-Konzept Audi City des deutschen Automobilhersteller Audi rund 710 m² Verkaufsfläche an. Dieser Store, in dem sich Kunden ein virtuelles Auto zusammenstellen können, ist der erste auf dem europäischen Festland, nachdem bereits zwei Stores in London und Peking existierten. Seite 19 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Die aktuelle Spitzenmiete in diesem Bereich des Kurfürstendamms liegt bei 180 €/m²/Monat. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Quelle: CBRE 2014 Seite 20 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Impression: Oberer Kurfürstendamm Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Abb. 12: Lageplan Kurfürstendamm (Bleibtreustraße – Wielandstraße) Seite 21 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Seite 22 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Abb. 13: Lageplan: Kurfürstendamm (Wielandstraße bis Olivaer Platz) Eine sehr interessante Entwicklung findet derzeit westlich des Olivaer Platzes statt. Galt der westliche Kurfürstendamm zwischen Olivaer Platz und Adenauer Platz in der Vergangenheit trotz des attraktiven Altbaubestands als Nahversorgungslage, entwickelt sich der Straßenabschnitt mehr und mehr zu einer aufstrebenden Niveaulage. Durch die geringe Verfügbarkeit an Einzelhandelsflächen in der Luxuslage entscheiden sich hier gerade niveauorientierte Anbieter für neue Alternativen. Dabei finden sie in diesem Bereich des Kurfürstendamms ein moderates Mietniveau von rund 70 €/m² im Monat vor, wobei allerdings derzeit auch die Frequenzen (noch) geringer als im Luxusbereich des Kudamms sind. Die jüngsten Vermietungen in diesem Bereich waren das italienische Konzept Dimensione Danza mit einem rund 300 m² großen Store im Geschäftshaus Kurfürstendamm 176. Der ebenfalls italienische Herrenausstatter Pal Zileri sicherte sich in unmittelbarer Nachbarschaft (Kurfürstendamm 176) einen ebenfalls 300 m² großen Store. An der nördlichen Straßenseite wurde im Vermietungsjahr 2012/2013 nur eine Vermietung registriert. Der deutsche Golfsportanbieter Golfino mietete im Geschäftshaus Kurfürstendamm 63 einen rund 190 m² großen Laden an. Des Weiteren mieteten in der jüngeren Vergangenheit auch die Konzepte Witty Knitters und Soana ein Ladengeschäft in dieser Lage. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Auf dem Weg zur neuen Niveaulage - Kurfürstendamm zwischen Olivaer Platz und Adenauerplatz Impression: Oberer Kurfürstendamm Seite 23 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Quelle: CBRE 2014 Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Abb. 14: Lageplan: Kurfürstendamm (Olivaer Platz bis Adenauerplatz) Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Kantstraße – Attraktive Möbelmeile im Zentrum der City West Vom Breitscheidplatz verläuft die Kantstraße parallel zum Kurfürstendamm. Als Lauflage hat sie zwar eine untergeordnete Funktion, jedoch hat sich hier eine innerstädtische Möbel- und Einrichtungslage entwickelt, die sich vom Breitscheidplatz bis hin zum Savignyplatz erstreckt. Nach Eröffnung des Themen-Shopping-Centers Stilwerk, in dem sich weitere nationale und auch internationale Möbel- und Einrichtungshändler wie Auping, Ligne Roset, SieMatic oder Lambert ansiedelten, haben sich im Umfeld diverse weitere Möbel- und Einrichtungskonzepte etabliert. In der Kantstraße selbst zählen z.B. Rahaus, dopo domani, Bisazza oder Sarnes zu den Magnetmietern. Neben der Möbelkompetenz ist die Kantstraße auch eine Gastronomielage sowie Anlaufstelle für eher unterrepräsentierte Warengruppen in der Innenstadt, wie z. B. Eisenwaren. Aufgrund ihrer klaren Spezialisierung bietet die Kantstraße den spezifischen nationalen und internationalen Möbel- und Einrichtungskonzepten, die hier von einem hohen Zielkundschaftsaufkommen profitieren können, interessante Ansätze zur Expansion. Der Lage entsprechend mietete im Vermietungsjahr 2012/2013 das Möbelkonzept Smeg rund 170 m² in der Kantstraße 150A an. Seite 24 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Die aktuelle Spitzenmiete in der Kantstraße liegt bei rund 50 €/m² im Monat. Tab. 5: 1B-Lagen der City West 1B-LAGEN DER CITY WEST Straße Mietpreis in €/m² im Monat Nebenstraße von Bleibtreustraße 65,- Kurfürstendamm Fasanenstraße 55,- Kurfürstendamm Knesebeckstraße 45,- Kurfürstendamm Nürnberger Straße 65,- Tauentzienstraße Schlüterstraße 95,- Kurfürstendamm Uhlandstraße 55,- Kurfürstendamm Quelle: CBRE 2014 Zwischen Gedächtniskirche und Olivaer Platz schneiden mehrere Seitenstraßen den Kurfürstendamm. Diese Seitenstraßen haben zum Teil eine wechselvolle Geschichte, so die Fasanenstraße als ehemalige historische Luxuslage von West-Berlin. Aufgrund der geringeren Frequenz hatten die Nebenstraßen des Kurfürstendamms seit Öffnung der Mauer einen Bedeutungsverlust erfahren, der sich zunehmend relativiert. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Im Kommen – Die Seitenstraßen des Kurfürstendamms Aufgrund des massiven Expansionsdruckes auf den Kurfürstendamm entdecken immer mehr nationale und internationale Konzepte die Nebenstraßen des Kurfürstendamms. Nachgefragte Straßen sind hier die Schlüterstraße, die Fasanenstraße, die Bleibtreustraße, die Uhlandstraße und die Knesebeckstraße. Meist ausgestattet mit einem ähnlich attraktiven Altbaubestand wie der Kurfürstendamm und einem etablierten, wenn auch eher regional geprägtem Einzelhandelsbesatz bieten die Nebenstraßen des Kurfürstendamms interessante Expansionsansätze. Hervorzuheben ist hier die Schlüterstraße, die sich kontinuierlich zu einer ergänzenden Niveaulage entwickelt und bereits Mieter wie Filippa K, Anette Goertz, Udo Walz, BCBG und Chelsea Farmers Club angezogen hat. Besonders das deutlich geringere Mietniveau macht die Lagen attraktiv, um ein Handelskonzept auf dem Berliner Markt zu testen ohne ein zu hohes Mietrisiko einzugehen. Damit gewinnen die Nebenstraßen des Kurfürstendamms immer mehr die Funktion als Sprungbrett auf den Berliner Einzelhandelsmarkt. Im Vermietungsjahr 2012/2013 konnten eine Vielzahl an Vermietungstranskationen in den Seitenstraßen des Kurfürstendamms beobachtet werden. So mietete der Taschen Verlag in der Schlüterstraße 38-39 einen ca. 240 m² großen Laden. Der Spezialversender Torquato mietete einen rund 200 m² Store in der Bleibtreustraße 34-35. Seite 25 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 In der Bleibtreustraße 13 mietete das hochwertige Mode-Konzept Firma Westside Store einen rund 110 m² großen Store. In der Fasanenstraße 29 wurde das auf Yoga-Kleidung spezialisierte Konzept Lululemon athletica ansässig. Das kanadische Label mietete hier seinen ersten Store in Deutschland auf rund 110 m². Aufgrund des hohen Ansiedlungsdruckes auf den Kurfürstendamm wird auch zukünftig mit weiterer Vermietungsaktivität in diesen Lagen zu rechnen sein. Impression: Schlüterstraße Berlin Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Mit zwei Vermietungen war auch die Uhlandstraße nachgefragt. Der Kölner Wohnaccessoires- und Kleinmöbelhändler Butlers mietete in der Uhlandstraße 181-183 einen rund 300 m² großen Store für sein neues Store-Konzept Wohnstücke. Durch die fußläufige Verbindung zwischen Kantstraße und Kurfürstendamm wird Butlers sowohl von der Zielkundschaft der Kantstraße als auch von den bummelnden Shopping-Touristen vom Kurfürstendamm profitieren. Wie bereits erwähnt, mietete in Ecklage das hochwertige regionale Möbelkonzept House of Jab Anstoetz. Seite 26 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Quelle: CBRE 2014 Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 City Ost – Etabliert und facettenreich Abb. 15: Übersicht Einzelhandelsmarkt City Ost Seite 27 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Tab. 6: Vermietungen in den 1A-Lagen der City Ost VERMIETUNGEN 1 A-LAGEN CITY OST Straße Verkaufsfläche Mieter Branche Alexanderplatz 7 2.500 m² CCC Schuhe & Lederwaren Alea 101 (Alexanderplatz) 100 m² Berlin Coffee Gastronomie Alea 101 (Alexanderplatz) 30 m² Maho Gastronomie Alea 101 (Alexanderplatz) 185 La Luna Gastronomie Friedrichstraße 56 170 m² DenizBank Dienstleistung Friedrichstraße 71–75 (Quartiers 206) 333 m² Kaffee Einstein Gastronomie Friedrichstraße 155 98 m² Mephisto Schuhe & Lederwaren Friedrichstraße 148 80 m² Rituals Drogerie & Parfümerie Friedrichstraße 148 90 m² Medea Sonstiges Friedrichstraße 166 35 m² Pandora Schmuck & Accessoires Friedrichstraße 185-187 250 Wittstock Schuhe & Lederwaren Friedrichstraße 191 750 m² dm-Drogeriemarkt Drogerie & Parfümerie Unter den Linden 24 250 m² Digital Eatery (Microsoft) Gastronomie Unter den Linden 36 k.A. Chicco di caffè (ZDF Café) Gastronomie Quelle: CBRE 2014 Tab. 7: Vermietungen in den 1B-Lagen der City Ost VERMIETUNGEN 1B-LAGEN CITY OST Straße Verkaufsfläche Mieter Branche Brandenburger Tor, Hotel Adlon 671 m² Sra Bua Gastronomie Kronenstraße18 178 m² D'pil Dienstleistung Sony Center 342 m² Starbucks Gastronomie Stargarder Straße 82 328 m² Spreegold Gastronomie Zimmerstraße 56 118 m² Rustro Gastronomie Quelle: CBRE 2014 Die City Ost stellt die zentrale Geschäftslage des ehemaligen Ost-Berlins dar und umfasst die Friedrichstraße mit dem Boulevard Unter den Linden, dessen umliegenden Seitenstraßen sowie den zentralen Alexanderplatz. Seite 28 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Das Scheunenviertel, besser auch bekannt als Quartier rund um den Hackeschen Markt, gehört zwar geographisch zur City Ost, wird jedoch als separates Marktgebiet betrachtet. Das Quartier hat sich Dabei ist die City Ost auch mit den beiden anderen Einzelhandelslagen überaus facettenreich. Ist die Friedrichsstraße die Business- und Touristenlage mit den vielen angrenzenden (Luxus-) Hotels, die mit ihrer Positionierung an die alte wilhelminische Bedeutung anknüpft, bleibt der Alexanderplatz der zentrale Einkaufs-, Treff- und Verkehrsknotenpunkt, den er schon zu DDR-Zeiten darstellte. Dabei ist hervorzuheben, dass beide Einzelhandelslagen fußläufig nicht miteinander verbunden sind und für sich „autark“ funktionieren, was auch der polyzentrischen Struktur Berlins geschuldet ist. Zwar gibt es zarte Tendenzen, dass die Friedrichstraße über die Oranienburger Straße und Torstraße mit dem Scheunenviertel zusammenwächst, und sich das Scheunenviertel mit dem Alexanderplatz über Memhard- und Münzstraße sowie Dircksenstraße verbindet, jedoch werden wohl noch ein paar Jahre vergehen, bis ein umfassender Lauf durch die City Ost entstanden ist, der dann bis zu 4,5 km lang wäre und drei höchst unterschiedliche Einzelhandelsbereiche umfassen würde. Die Dynamik der beiden Einzelhandelsquartiere bleibt hingegen ungebrochen, jedoch jeweils beeinflusst durch die lokalen Gegebenheiten in den Mikrolagen. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 mittlerweile zur international etablierten Trendlage entwickelt, die ein fundamental anderes Publikum anspricht als die restliche City Ost, so dass es als eigenständige Einzelhandelsdestination gilt. Einen größeren kurz- bis mittelfristigen Einfluss wird wohl die Eröffnung des zweitgrößten ShoppingCenters Berlin (nach den Gropius Passagen), der Mall of Berlin (ehemals Leipziger Platz Nr. 12), haben. Auf dem ehemaligen Wertheim Areal am Leipziger Platz baut der Berliner Projektentwickler Harald G. Huth mit seiner High Gain House Projektentwicklungsgesellschaft momentan eines der größten innerstädtischen Shopping-Center Deutschlands. Das Shopping-Center wird rund 80.000 m² Verkaufsfläche und mehr als 270 neue Shops aufweisen. Die bis dato kolportierten Vermietungen zeigen ein hohes Interesse von nationalen und internationalen Einzelhändlern. Dabei haben einige Labels das Shopping-Center für ihren ersten Store in Deutschland gewählt. Das Konzept des Centers setzt dabei auf ein für Shopping-Center eher ungewöhnliches architektonisches Layout: Statt einer zentralen Mall wird die Mall of Berlin in Form von mehreren Innenhöfen organisiert, eine Geschäftshausform, die historisch bedingt weit verbreitet auf dem Berliner Einzelhandelsmarkt ist. Neben dem hohen Einzelhandelsanteil werden zusätzlich noch rund 12.000 m² Hotelfläche, 4.000 m² Bürofläche und 30.000 m² Wohnfläche entstehen. Wie sich das Shopping-Center auf die Einzelhandelslandschaft der City Ost und auch gesamt Berlins auswirken wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abgesehen werden. Die Eröffnung war für Anfang April geplant und wurde nunmehr nochmals verschoben. Wann die finale Eröffnung stattfinden wird, ist derzeit noch nicht bekannt. Seite 29 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Relativ sicher ist aber, dass die Mall of Berlin um nahezu die gleichen Kunden wie die nur wenige Meter entfernten Potsdamer Platz Arkaden werben wird und hier eine Konkurrenzsituation zu erwarten ist. Auswirkungen sind sicherlich auf die ca. 300 m entfernte Friedrichstraße zu erwarten. Ob es hier al- Friedrichstraße – Business- und Tourismuslage in der City Ost Abb. 16: Key Facts Friedrichstraße Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 lerdings zu synergetischen Effekten oder einer Wettbewerbssituation kommen wird, ist zum heutigen Zeitpunkt offen. Aufgrund der Lage und Größe des Centers an der Nahtstelle zwischen dem ehemaligen Osten und Westen sind zudem Auswirkungen auf den Westberliner Einzelhandel zu erwarten. STRAßE FRIEDRICHSTRAßE Positionierung Geschäfts- und Tourismuslage der City West, vier Lageabschnitte zwischen Konsum, Tourismus und Niveau- und Luxuselementen. Reine Geschäftslage ohne Wohnbevölkerung. Länge der Straße 2300 m (Torstraße - Rudi-Dutschke-Straße) Ankermieter Kulturkaufhaus Dussmann, Galerie Lafayette, Q 206 Shopping-Center & TheQ, H&M, ESCADA Kundenprofil Konsum bis Luxus, hoher Anteil an Geschäftsleuten und Beamten, hoher Anteil an Seight-Seeing und Shopping-Touristen Typische Store-Größe (in m²) 150-200 Spitzenmieten in €/m² im Monat 55,- (nördlich der Spree) 90,- (nördlich des Bahnhofs 220,- (Bahnhof - Unter den Linden) 140,- (Unter den Linden Leipziger Straße) 90,- (Checkpoint Charlie) Anzahl der Geschäfte 126 (inkl. Shopping-Center) Davon filialisiert 104 Filialisierungsgrad (in %) 63% Seite 30 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Branchenmix bezogen auf die Anzahl der Geschäfte Quelle: CBRE 2014 Die Friedrichstraße gilt als die Berliner Business- und Tourismuslage in der City Ost und knüpft seit der Nachwendezeit an ihre ehemalige Bedeutung in wilhelminischer Zeit wieder an. Mit rund 3,4 km von der Torstraße jenseits der Spree über den historisch bedeutenden Checkpoint Charlie bis nach Kreuzberg ist sie die längste Einkaufsstraße Berlins. Aufgrund ihrer zentralen Lage zu historischen und zeitgeschichtlichen Plätzen wie dem Brandenburger Tor, dem Gendarmenmarkt, dem Holocaust Mahnmal, dem Boulevard „Unter den Linden“ oder dem Checkpoint Charlie erfährt die Friedrichstraße eine konstante Frequenz von nationalen und internationalen Städtetouristen auf Sightseeing-Tour. Weitere hohe Frequenzen generiert die Straße durch ihre Lage im CBD, dem Central Business District, der City Ost. Im unmittelbaren Umfeld haben sich sowohl diverse internationale Unternehmen, Hotels als auch Botschaften angesiedelt. Hier werden die höchsten Büromieten von rund 22,50 €/m² in der City Ost erzielt. Insbesondere in der Mittagszeit wird die Friedrichstraße von der „Arbeitsbevölkerung“ intensiv genutzt. Im Gegensatz zu anderen Einkaufslagen in der Berliner City gibt es rund um die Friedrichstraße aber keine nennenswerten Wohnquartiere. Insofern ist die Straße nach Geschäftsschluss nur noch sehr spärlich frequentiert, die berühmte Berliner Urbanität ist hier nur eingeschränkt zu finden. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Entwicklungstendenz Verkehrstechnisch ist die Friedrichstraße über die Tangenten Leipziger Straße, Oranienburger Straße und Rudi-Dutschke-Straße für den Individualverkehr sehr gut erschlossen. Zudem ist der S-Bahnhof Friedrichstraße nach dem Bahnhof Alexanderplatz der am stärksten frequentierte U- und S-Bahnhof in der City Ost. Aufgrund der Länge der Straße haben sich insgesamt sechs Lageabschnitte entwickelt. Nördlich des S-Bahnhofs – (Torstraße – Schiffbauerdamm) – Konsum/Trend S-Bahnhof bis Unter den Linden – Konsum/Tourismus Unter den Linden – Tourismus/Luxus Unter den Linden – Leipziger Straße – Tourismus/Niveau/Luxus Leipziger Straße – Checkpoint Charlie – Konsum/Tourismus Checkpoint Charlie – Mehringplatz – Konsum/Nahversorgung Nördlich des S-Bahnhofs – Neuer Impuls durch das Tacheles Kaufhaus? Die Friedrichstraße beginnt an der Torstraße und wird hier sowie im Bereich der Oranienburger Straße in ihrer Lageausprägung deutlich vom angrenzenden Scheunenviertel (Hackescher Markt) beeinflusst. Seite 31 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Trotz der fußläufigen Verbindung über die Oranienburger Straße zum Trendquartier rund um den Hackeschen Markt ist die Straße im weiteren Verlauf „undefiniert“, zwischen Kneipen aus den frühen 90er Jahren befinden sich Bio-Supermärkte, trendige Restaurants und vereinzelt auch schon das eine oder andere Fashion Label mit individuellem Charakter. Bis dato herrscht hier aber vor allem ein nah- Obwohl der Hackesche Markt nur wenige Gehminuten entfernt ist, hat sich noch keine ausgeprägte natürliche Wegebeziehung entwickelt. Die zukünftige Perspektive dieses Teils der Straße wird daher u.a. von der Entwicklung des ehemaligen Kaufhauses Tacheles abhängig sein, welches einen großen Teil der Straßenfront einnimmt und in der jüngeren Vergangenheit als weltbekanntes Kunst- und Kulturzentrum genutzt wurde. Seit dem erzwungenen Auszug der hier lebenden Künstler steht das Gebäude seit nunmehr fast einem Jahr leer und die weitere Entwicklung ist derzeit noch offen. Die aktuelle Spitzenmiete liegt hier bei 55 €/m² im Monat. Südlich der Spree - hier befindet sich auch das bekannte Restaurant Grill Royal - hat die Straße seit der Entwicklung des Gebäudekomplexes Spreedreieck mit trendigen Modekonzepten wie Görtz 17, All Saints, Superdry oder auch Weekday eine deutliche Aufwertung erfahren. Als zusätzlicher Frequenzbringer fungiert das dort ansässige Melia Hotel und der Tränenpalast, ein Museum zum Gedenken an die Berliner Teilung. Ansonsten präsentiert sich dieser Teil der Friedrichstraße im nahversorgenden und gastronomischen Bereich. Die aktuelle Spitzenmiete liegt hier bei 90 €/m² im Monat. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 versorgendes Einzelhandelsangebot vor, das in seiner Positionierung nicht an die südlich gelegenen Straßenabschnitte heranreicht. Impression: Friedrichstraße Seite 32 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Quelle: CBRE 2014 Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Seite 33 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Abb. 17: Lageplan: Nördliche Friedrichstraße Durch den bereits erwähnten S-Bahnhof Friedrichstraße werden in diesem Teil der Straße die höchsten Passantenfrequenzen gemessen. Dementsprechend haben sich hier vor allem konsumorientierte Einzelhändler angesiedelt. Unter anderem sind dies die spanische Modekette Zara, Esprit sowie der regionale Schuhhändler Aktiv Schuh, der hier gleich mit acht Konzepten (Shoe City, Aktiv Schuh, etc.) am Standort präsent ist. Des Weiteren zählen hierzu das schwedische Damenmodelabel Gina Tricot, Fossil oder auch Butlers, Timberland, Strauss, Rossmann, etc. Eine Besonderheit ist hier das deutschlandweit einzigartige Kulturkaufhaus Dussmann, das aufgrund seines Angebots und Konzepts weit über die Grenzen von Berlin hinaus bekannt ist. Wie bereits nördlich des Bahnhofs bestimmen auch hier verschiedene Hotels das Bild der Straße, deren Straßenfronten aber bis dato kaum für den Einzelhandel genutzt werden. Nachfrageseitig steht dieser Bereich der Friedrichstraße bei nationalen und internationalen Einzelhändlern besonders hoch im Kurs. Im Vermietungsjahr 2012/2013 wurden drei Neuvermietungen erfasst. Der französische Schuhhändler Mephisto mietete in der Friedrichstraße 155 (70 m²), Rituals (80 m²) und Medea (90 m²) in der Friedrichstraße 148. Grund für diese relativ wenigen Anmietungen ist der Mangel an Flächen. Die wenigen Läden, die auf den Markt kommen, werden zu Höchstpreisen gehandelt. Aufgrund der hohen Nachfrage bei gleichzeitig sehr geringem Angebot an vakanten Flächen ist die Spitzenmiete für diesen Bereich der Friedrichstraße mittlerweile bei rund 220,- €/m² im Monat angelangt. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Zwischen S-Bahnhof und dem Boulevard „Unter den Linden“ Impression: Friedrichstraße Seite 34 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Quelle: CBRE 2014 Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Abb. 18: Lageplan: Nördlich der S-Bahnhofs Seite 35 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Erwähnenswert ist auch die sehr erfreuliche Entwicklung des Boulevards „Unter den Linden“. Mehr und mehr entwickelt sich die Prachtstraße zu einer attraktiven Geschäftslage, die unmittelbar von der sehr hohen touristischen Frequenz profitiert. Der Boulevard ist allerdings keine „klassische“ Einzelhandelslage, hier findet man Repräsentanzen der großen Unternehmen wie z.B. Nivea oder Mercedes Benz sowie das touristische Profil, welches die verschiedensten Gastronomiebetriebe und Souvenirgeschäfte ergänzt. Zu weiteren Neuzugängen der jüngeren Vergangenheit zählen E-Plus mit ihrem innovativen Hauptstadt-Store sowie der Bielefelder Haushaltsgerätehersteller Miele in den sogenannten Kaiserhöfen. Frequenzunabhängigere Einzelhändler, aber auch Marken- oder Konsumgüterhersteller mit ShowRoom-Konzepten, finden „Unter den Linden“ weiterhin interessante Expansionsansätze. Im Vermietungsjahr 2012/2013 konnten zwei Vermietungen beobachtet werden. Der USamerikanische Software-Konzern Microsoft ging hier erstmals mit einem neuen Gastronomie- und Bar-Konzept namens Digital Eatery im Geschäftshaus Unter den Linden 24 an den Start. Auf rund 250 m² soll die Microsoft-Produktwelt in einer entspannten Atmosphäre präsentiert werden. Ebenfalls gastronomische Akzente setzte das ZDF mit seinem ZDF-Café (Unter den Linden 36). Das Café wird von dem deutschen Unternehmen Chicco di caffè betrieben. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Unter den Linden – Ein Boulevard im Aufwind Die aktuelle Spitzenmiete auf dem Boulevard „Unter den Linden“ liegt bei 110 €/m²/Monat. Konsum neben Luxus: „Unter den Linden“ bis Leipziger Straße Südlich des geschichtsträchtigen Boulevards „Unter den Linden“ bis zur Leipziger Straße präsentieren sich verschiedene nationale und internationale Niveau- und Luxuseinzelhändler. Dies sind unter anderem der italienische Designer Max Mara, Hugo Boss, Gucci oder auch Escada. Selbst Schuhanbieter sind hier am Standort präsent, so zum Beispiel die Leiser-Gruppe mit ihrem niveauorientierten Konzept Gala. Allerdings präsentieren sich neben den genannten Luxusmarken immer wieder konsumorientiertere Einzelhändler wie H&M, E-Plus oder die dänische Bestseller-Gruppe. Die Straße ähnelt in ihrem Profil im deutschen Vergleich also eher der Königsallee in Düsseldorf als der Goethestraße in Frankfurt und ist in der Adressdefinition indifferent oder „weder Fisch noch Fleisch“. Damit unterscheidet sich die Friedrichstraße auch von der zweiten Luxuslage in Berlin. Der Kurfürstendamm zwischen Knesebeckstraße und Olivaer Platz hat sich als klare Niveau- und Luxuslage etabliert und grenzt sich dadurch von den restlichen Teillagen des Kurfürstendamms ab. Ein Lageprofil, das von den nationalen und internationalen Einzelhändlern sehr gut angenommen wird. In dieser Hinsicht bleibt die Friedrichstraße in der Lageprofilierung zurück, da die Profilbildung immer noch nicht abgeschlossen ist. Seite 36 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Dies setzt sich auch für die lageprägenden innerstädtischen Einkaufspassagen TheQ, Quartier 206 und Q207 weiter fort. Verfolgt das Luxus-Shopping-Quartier Q206 eine klare Niveau- und Luxuspositionierung, setzt das TheQ auf Young Fashion. Das Q207 wird hingegen komplett durch die einzige Ergänzend zur touristischen Bedeutung haben sich auch touristenaffine und gastronomische Konzepte wie der Berliner Souvenir-Anbieter Ampelmann, Leysieffer, Ritter Sport und Starbucks hier etabliert. Im Vermietungsjahr 2012/2013 konnten sich in diesem Lageabschnitt der Friedrichstraße fünf neue Konzepte ansiedeln. Der schweizerische Uhrmacher und Juwelier Maurice Lacroix mietete in der Friedrichstraße 166 seinen zweiten Store (90 m²) in Berlin. Im selben Gebäude sicherte sich der dänische Silberschmuckanbieter Pandora einen rund 33 m² großen Laden sowie dm-Drogeriemarkt in der Friedrichstraße 191 rund 700 m². Das Kaffee Einstein eröffnet einen weiteren Standort mit rund 330 m² im Quartier 206. Als fünfter Mieter gesellte sich der Berliner Schuhanbieter Wittstock hinzu und mietete in der Friedrichstraße 185-187 einen rund 250 m² großen Store. Nachfrageseitig zeigt sich dieser Teil der Friedrichstraße konstant auf einem hohen Niveau, bleibt aber im Vergleich zum Lagebereich rund um den S-Bahnhof zurück. Dies ist mit der uneinheitlichen Positionierung, aber auch durch die geringere Frequenz zu erklären. Die aktuelle Spitzenmiete in diesem Lageabschnitt liegt bei 145 €/m² im Monat. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Deutschlandrepräsentanz des französischen Warenhauses Galeries Lafayette genutzt, das vor allem auf ein niveauorientiertes Angebot setzt. Weiterhin muss an dieser Stelle auf die nur wenige hundert Meter entfernte Mall of Berlin (ehemals Leipziger Platz 12), eines der größten innerstädtischen Shopping-Center mit einer Größe von ca. 80.000 m² Verkaufsfläche, hingewiesen werden. Im Vergleich hierzu verfügt die gesamte Friedrichstraße insgesamt lediglich über ca. 58.000 m² Verkaufsfläche. Seite 37 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Weiterhin wird der Kreuzungsbereich Friedrichstraße / „Unter den Linden“ bis min. zum Jahr 2022 von der Verlängerung der U-Bahn-Linie U 55 bis zum Alexanderplatz betroffen sein. Derzeit ist die Straße als Einbahnstraße ausgelegt, im vergangenen Jahr war der Kreuzungsbereich monatelang komplett gesperrt. Die Auswirkungen der genannten Entwicklungen sind derzeit nicht abzusehen, spannend bleibt es aber auf jeden Fall. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Abb. 19: Lageplan: Friedrichstraße Seite 38 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Ein vielleicht nicht mehr so geheimer „Geheimtipp“ in der Friedrichstraße ist derzeit noch das Gebiet zwischen der Leipziger Straße und dem Checkpoint Charlie (Zimmerstraße). Die Entwicklung der fußläufigen Frequenzen ist überaus positiv, der Checkpoint Charlie gilt mittlerweile als „must do“ eines jeden Berlin-Touristen. Hiervon profitieren natürlich auch die verschiedenen Einzelhändler und Gastronomen. Nationale und internationale Retail- und Gastronomiekonzepte wie McDonald’s, Back Factory oder auch Kaffee Einstein haben das touristische Potenzial der Lage erkannt und diese gezielt angesteuert. Rund um den Checkpoint Charlie überwiegen deutsche Souvenirläden sowie touristisch orientierte Konzepte. Aufgrund der sehr beschränkten Anzahl von Läden wurden im Vermietungsjahr 2012/2013 in diesem Bereich der Friedrichstraße keine Neuvermietungen registriert. Die aktuelle Spitzenmiete in diesem Bereich der Friedrichstraße liegt bei 90 €/m²/Monat mit deutlichem Steigerungspotenzial. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Mehr als nur Zeitgeschichte - Rund um den Checkpoint Charlie Impression: Friedrichstraße am Checkpoint Charlie Seite 39 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Quelle: CBRE 2014 Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Seite 40 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Abb. 20: Lageplan: Friedrichstraße Ab der Rudi-Dutschke-Straße versinkt die Friedrichstraße in einen nahversorgungsdominierten „Dornröschenschlaf“. Dieser Teil der Straße wird von Supermärkten, kleineren lokalen und regionalen Läden und Dienstleistern dominiert. Hier geht das typische Kreuzberger Leben noch seinen Gang, die große weite Welt der Friedrichstraße aus dem Bezirk Mitte ist hier noch lange nicht angekommen. Die aktuelle Spitzenmiete in diesem Bereich der Friedrichstraße liegt bei 25 €/m²/Monat. Impression: Berliner Fernsehturm am Alexanderplatz Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Stehengebliebene Zeit - Friedrichstraße in Kreuzberg Seite 41 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Quelle: CBRE 2014 Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Alexanderplatz – neue Würfel für mehr Verkaufsfläche auf dem „Alex“ Abb. 21: Key Facts Alexanderplatz Branchenmix bezogen auf die Anzahl der Geschäfte STRAßE ALEXANDERPLATZ Positionierung Der Treffpunkt in der City Ost, geprägt durch Kaufhof Warenhaus, Flagshipstores und Alexa ShoppingCenter, Hohes Konsum- und Gastronomieangebot, wochentags höchste Passantenfrequenzen in Berlin. Länge der Straße 750 m (Grunerstraße - Memhardstraße) Ankermieter Kaufhof, Saturn, Primark, C&A, dm-Drogeriemarkt, Media Markt, Zara (im Alexa) Kundenprofil Vor allem Ost-Berliner und zunehmend Touristen Typische Store-Größe (in m²) 50-150 sowie aber 300-3000 Spitzenmieten in €/m² im Monat 220,- Anzahl der Geschäfte 120 Davon filialisiert 71 Filialisierungsgrad (in %) 51% Entwicklungstendenz Seite 42 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Quelle: CBRE 2014 Als zentraler Platz im östlichen Stadtteil Berlins nimmt der Alexanderplatz eine herausragende Funktion als Verkehrsknotenpunkt, aber auch als Einkaufsplatz für die lokale Bevölkerung ein. Dabei hatte der Alexanderplatz bereits zur wilhelminischen als auch zur DDR-Zeit diese Funktion inne. Die sozialistische Architektur und Stadtplanung lässt sich auch heute noch im Erscheinungsbild des Platzes erkennen. Der Alexanderplatz hat sich in den vergangen 20 Jahren gewandelt. Das Land Berlin als Planungsbehörde hat verschiedene Städtebaufördermittel in die nachhaltige Platzgestaltung investiert. Diese Maßnahmen umfassten eine neue Pflastergestaltung und auch eine neue Stadtmöblierung, um die Aufenthaltsqualität zu steigern. Ebenso kam es in den vergangen 10 Jahren zu einer Reihe von privatwirtschaftlichen Investitionen. Hierzu zählen abgeschlossene Projektentwicklungen wie z. B. das Alexa Shopping-Center sowie der große Geschäftshauskomplex die Mitte. Die jüngste Projektentwicklung ist das sich in Fertigstellung befindliche Alea 101. An der Stelle des ersten C&A Kaufhauses in Deutschland entwickelt der niederländische Investor Redevco einen Gebäudekomplex mit rund 10.000 m² Einzelhandels- und Gastronomieflächen sowie weiteren 3.200 m² verteilt auf Büro- und Wohnnutzung. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Der Alexanderplatz in Berlin ist neben der Friedrichstraße das zweite wichtige Einzelhandelsquartier in der City Ost. Durch den höchstfrequentierten S-Bahnhof in der City Ost sowie in seiner Funktion als zentraler Knotenpunkt für den weiteren ÖPNV und den Individualverkehr, werden am Alexanderplatz während der Woche die höchsten Passantenfrequenzen auf dem Berliner Einzelhandelsmarkt gemessen. Allein rund 350.000 Menschen nutzen den S-Bahnhof täglich an Wochentagen. Was sich auf den ersten Blick herausragend anhört, muss jedoch differenziert betrachtet werden. Zwar passieren täglich mehr als 350.000 Menschen den Alexanderplatz, jedoch ist die Verweildauer aufgrund des hohen Berufspendleranteils nicht sehr lang, so dass von einer geringen Conversion Rate bei den Besuchern auszugehen ist. An den Wochenenden verschiebt sich die überdurchschnittlich hohe Passentenfrequenz jedoch in Richtung City West, da die Pendlerströme deutlich abebben. Nichtdestotrotz wird der Alexanderplatz immer stärker von nationalen und auch internationalen Städtetouristen besucht, da von hier aus die Sehenswürdigkeiten und Monumente Berlins wie das Dom Aquaree, die Museumsinsel, der Berliner Dom, der Berlin Dungeon sowie zukünftig das neue Berliner Stadtschloss fußläufig erreicht werden können. Seite 43 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Vom Branchenmix präsentiert sich der Alexanderplatz klar im konsumorientierten Bereich. Als zentraler Versorgungsbereich des Bezirks Mitte hat er eine Vielzahl an nationalen und internationalen Einzelhändlern angezogen. Hier zählen u. a. die Galeria Kaufhof am Alexanderplatz, Saturn, C&A, Esprit und auch New Yorker zu den Ankermietern des Platzes. Jedoch nimmt der Platz zeitgleich auch eine wichtige nahversorgende Funktion für den Berliner Bezirk Mitte ein, da es im direkten Umfeld eine hohe Dichte an Wohnquartieren gibt. Zu den neuen Magneten werden in Kürze der irische Textildiscounter Primark sowie das polnische Schuhlabel CCC zählen, welches am Alexanderplatz 7 einen 2.500 m² großen Flagshipstore betreiben wird. Mit dem Flagshipstore wird CCC seinen ersten Store in einer deutschen 1A-Lage realisieren, nachdem zuvor hauptsächlich Shopping-Center-Standorte Neben dem Konsumbereich hat auch die Systemgastronomie einen festen Stellenwert im Einzelhandelsangebot, die sich mit ihrem „schnell drehenden“ Angebot auf die vielen Berufspendler und Touristen in der Stadt eingestellt hat. Neben der 1A-Lage am Alexanderplatz hat sich das Shopping-Center Alexa als Shopping-Destination am Alexanderplatz etabliert. Das Alexa mit seinen rund 45.000 m² Verkaufsfläche und ca. 180 Shops wird nun bereits seit sieben Jahren sehr gut von Berlinern und Touristen angenommen und hat sich als Anziehungspunkt für zumeist jüngere Kunden aus dem östlichen Berlin und Brandenburg etabliert. Durch die hohen Frequenzen – zwischen 30.000 und 100.000 Besucher am Tag –, dem ausgewogenen Branchenmix und keinen Leerständen zählt das Alexa zu den besten Shopping-Centern Berlins und ist eine sehr gute Ergänzung zum vorhandenen Branchenmix am Alexanderplatz. Darüber hinaus übernimmt das Center mit seinem versorgungsorientierten Untergeschoss eine Versorgungsfunktion für die angrenzenden Quartiere. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 angemietet wurden. Das Berliner Coffee-Shop-Konzept Berlin Coffee mietete 100 m² Gastronomiefläche im Alea 101, ebenso die Eiscafés Maho auf einer 30 m² und La Luna auf einer rund 185 m² großen Verkaufsfläche. Neben der derzeit aktiven Projektentwicklung Alea 101, zu dessen Mietern u. a. TK Maxx, der Berliner Schuhhändler Aktiv Schuh, Olymp und Hades (Görgens-Gruppe) sowie Vapiano zählen, stehen weitere Umbauten und Sanierungen kurz bevor. So wird das sogenannte City Karree an der KarlLiebknecht-Straße entkernt und umfassend umgebaut. Als Ankermieter steht bereits der SBWarenhausbetreiber Kaufland fest, der das hohe Nahversorgungspotenzial der Lage erkannt hat. Des Weiteren werden die Rathauspassagen an der Gruner Straße umfassend umgestaltet. Hierzu wird nach Auszug des Mieters Tipp Autoteile das erste Obergeschoss des Centers neugestaltet und diverse neue Ladenlokale realisiert. Wie bereits erwähnt wurden 2012/2013 insgesamt vier Vermietungen registriert. Im Vergleich zu den anderen Berliner Einzelhandelslagen war das Vermietungsgeschehen am Alexanderplatz damit weniger aktiv. Diese schwächere Vermietungsaktivität ist jedoch nicht als Nachfragezurückhaltung zu interpretieren, sondern ist vor allem auf den im Vergleich geringen Bestand an Einzelhandelsimmobilien zurückzuführen. Es kommt daher nur vereinzelt zu Mieterwechseln, was jedoch auch als Zeichen für den großen ökonomischen Erfolg der Geschäfte am Alexanderplatz gewertet werden kann. Aus dieser Flächenknappheit hat sich ein konstanter Nachfrageüberhang entwickelt, der zu einem signifikanten Anstieg der Spitzenmiete in den vergangenen Jahren geführt hat. Die aktuelle Spitzenmiete am Alexanderplatz liegt bei rund 220 €/m² im Monat. Seite 44 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Aufgrund seiner solitären Lage besitzt der Alexanderplatz nur eine eingeschränkte Anzahl an Nebenstraßen, die auch für den Einzelhandel relevant sind. Die Projektentwicklungen an der Karl-LiebknechtStraße zeigen aber, dass durchaus auch Ausweichbewegung am Markt zu beobachten ist. Dass Not jedoch auch erfinderisch macht, hat z. B. das schweizerische Outdoor-Label Mammut bewiesen, das Interessant zu beobachten ist das kontinuierliche Zusammenwachsen der beiden Einzelhandelsquartiere Scheunenviertel und Alexanderplatz. Trotz ihrer deutlich unterschiedlichen Positionierung und dem schon beinahe anachronistisch anmutenden Mieter- und Branchenbesatz, entsteht über die Memhardstraße und die Münzstraße eine fußläufige Verbindung, die zunehmend von den vielen nationalen und internationalen Shopping-Touristen entdeckt wird. Treiber dieser Entwicklung ist hier der massive Ansiedlungsdruck im Scheunenviertel, der viele Mode- und Trendlabels dazu veranlasst neue Lagen zu erschließen und von der Bekanntheit des Quartiers zu profitieren. Die einzige Trennung bleibt weiterhin der Plattenbaukomplex zwischen Rosa-Luxemburg-Straße und Karl-Liebknecht-Straße, für den bis dato noch keine tragfähige Einzelhandelsnutzung gefunden wurde. Abb. 22: Lageplan: Alexanderplatz Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 sich in einem der Brückenbogen der S-Bahn an der Dircksenstraße neben dem Alexa Shopping-Center angesiedelt hat. Seite 45 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Abb. 23: Lageplan: Alexanderplatz Seite 46 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Seite 47 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Abb. 24: Lageplan: Alexanderplatz Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Abb. 25: Lageplan: Alexanderplatz (Fernsehturm - Karl-Liebknecht-Straße) Seite 48 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Seite 49 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Abb. 26: Lageplan: Alexanderplatz (Grunerstraße mit Alexa Shopping-Center) Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Hackescher Markt – Das kosmopolitische Einkaufsquartier in Berlin Tab. 8: Vermietungen in 1A-Lagen im Quartier rund um den Hackeschen Markt VERMIETUNGEN 1A-LAGEN IM QUARTIER RUND UM DEN HACKESCHEN MARKT Straße Verkaufsfläche Mieter Branche Alte Schönhauser Straße 48 80 m² Aesop Drogerie & Parfümerie Hackescher Markt 2-3 590 m² Nike Sport & Outdoor Münzstraße 22, Hackescher Markt 110 m² Eleven Paris Bekleidung Neue Promenade 5 100 m² Coffee Fellows Gastronomie Neue Schönhauser Straße 8 135 m² Karl by Karl Lagerfeld Bekleidung Neuen Schönhauser Straße 8 120 m² Liebeskind Schuhe & Lederwaren Neue Schönhauser Straße 11 160 m² The Kooples Bekleidung Neue Schönhauser Straße 12 130 m² Sisley Bekleidung Neue Schönhauser Straße 16 150 m² IKKS Bekleidung Neue Schönhauser Straße 19 120 m² Desigual Bekleidung Oranienburger Straße 1-3 400 m² Desigual Bekleidung Oranienburger Straße 4-5 150 m² Ress Bekleidung Rosenthaler Straße 17 / Hackescher Markt 219 m² Kauf Dich Glücklich Bekleidung Rosenthaler Straße 37 75 m² Michael Kors Schuhe & Lederwaren Quelle: CBRE 2014 Tab. 9: Vermietungen in 1B-Lagen im Quartier rund um den Hackeschen Markt VERMIETUNGEN 1B-LAGEN IM QUARTIER RUND UM DEN HACKESCHER MARKT Straße Verkaufsfläche Miete Branche Brunnenstraße 3 60 m² Lulemon athletica Sport & Outdoor Chausseestraße 1 395 m² Bolia Haushaltswaren, Möbel & Einrichtung Chausseestraße 15 130 m² Lifestyle Ladies Freizeit Schönhauser Allee 36-39 200 m² tight design UG Haushaltswaren, Möbel & Einrichtung Schönhauser Allee 66-67 224 m² Fit and Balanced Freizeit Schönhauser Allee 113 75 m² Salädchen Gastronomie Torstraße 19 290 m² Schlüter Planen & Wohnen Haushaltswaren, Möbel & Einrichtung Torstraße 49, Schönhauser Allee 111 m² ZickZack Bekleidung Torstraße 124 206 m² Pane e Vino Gastronomie Quelle: CBRE 2014 Abb. 27: Key Facts Quartier rund um den Hackeschen Markt QUARTIER RUND UM DEN HACKESCHEN MARKT Seite 50 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Positionierung Berlins und Deutschlands bestimmende Trend-Location, vergleichbar mit Covent Garden (London) und Marais (Paris), attraktives Altbauquartier mit Hinterhöfen, Lofts und Seitenstraßen, kosmopolitisches Publikum, hohe Dichte von internationalen Trendlabels und Szeneläden in den Seitenstraßen, Rosenthaler und Neue Schönhauser Straße als Place to be Modebewusstes, junges kosmopolitisches Publikum, überwiegend nationale und internationale Fashion-Touristen. Typische Store-Größe (in m²) 50-150 Spitzenmiete in €/m² im Monat 50,- nördliche Rosenthaler Straße 140,- südliche Rosenthaler Straße 120,- Hackescher Markt 65,- Münzstraße 75,- östliche Oranienburger Straße 45,- westliche Oranienburger Straße 140,- Neu Schönhauser Straße 85,- Alte Schönhauser Straße 55,- Weinmeisterstraße Anzahl der Geschäfte 353 für das gesamte Quartier Davon filialisiert 166 für das gesamte Quartier Filialisierungsgrad (in %) 47% Entwicklungstendenz Quelle: CBRE 2014 Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Kundenprofil Das Quartier rund um den Hackeschen Markt, im Berliner Sprachgebrauch auch Scheunenviertel genannt, ist die wichtigste Trendlage auf dem deutschen Einzelhandelsmarkt. In einem städtebaulich besonderen Ensemble aus Altbauten und den für Berlin typischen Hinterhöfen befindet sich eine Markenwelt, die einmalig für Deutschland ist. Aufgrund seiner Innovationskraft und seinem stetigen Wandel kann sich das Quartier rund um den Hackeschen Markt durchaus mit den europäischen Trendlagen in London (Covent Garden) oder Paris (Marais) messen. Dazu tragen u.a. auch die unzähligen internationalen Touristen bei, die dem Ruf bzw. dem Mythos des Quartiers folgen. Damit unterscheidet sich das Scheunenviertel deutlich von den anderen Einzelhandelslagen auf dem Berliner Einzelhandelsmarkt. Die Internationalität des Quartiers, bedingt sowohl durch die verschiedenen Anbieter als auch durch die Kunden, dokumentiert sich auch durch die Sprache: vorherrschend ist Englisch. Individuelle, aber markenerfahrene Kundschaft erschließt sich in den Straßen eine neue, individuelle, innovative und immer hochwertigere Erlebnis- und Warenwelt. Daher gilt das Quartier rund um den Hackeschen Markt, obwohl es geographisch zur City Ost gehört, mittlerweile als separates Marktgebiet auf dem Berliner Einzelhandelsmarkt. Entstanden aus einem Szeneviertel, durchlief das Quartier rund um den Hackeschen Markt Straßenzug um Straßenzug mehrere Einzelhandels-Gentrifizierungswellen und stellt heute eine einzigartige und unverwechselbare Trendlage dar. Seite 51 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Was in Düsseldorf als Sprichwort gilt, „Von der Messe auf die KÖ“, gilt nun auch für das Quartier rund um den Hackeschen Markt. „Von der Messe ins Scheunenviertel“ ist ein Sinnbild für die aufstrebende Bedeutung Berlins als Modestadt geworden, da die internationale Modewelt sich halbjährlich Treiber dieser Entwicklung sind dabei nicht nur die internationalen Trendlabels, sondern auch Berliner Modeunternehmer und Jungdesigner, die die Trends der Messen in Multibrand-Konzepte umwandeln und im Quartier präsentieren. Dabei bleibt das Quartier rund um den Hackeschen Markt weiterhin dynamisch und Lageverschiebungen gehören zum kontinuierlichen Wandel des Quartiers. Lag in den frühen Jahren der Fokus der Einzelhändler in der Gegend rund um die Oranienburger Straße, verschieben sich nun die Top-Lagen immer weiter nach Norden und vor allem nach Osten. Lagen, die in der Vergangenheit noch als Ergänzungslagen angesehen wurden, sind mittlerweile etablierte Top-Lagen mit den höchsten Einzelhandelsmieten im Quartier. Dieses Phänomen wird allgemeinhin als „Zug zum Alexanderplatz“ bezeichnet. Mit ihm einher geht eine zunehmende Lagedifferenzierung, die zu Beginn der Entwicklung so nicht zu erwarten gewesen war. Mittlerweile haben verschiedene Straßen auch klare Lageprofile entwickelt, die es nicht nur den internationalen Besuchern, sondern eben auch den nationalen und vor allem internationalen Trend-Labels leichter machen, sich im Quartier zu orientieren und für sie und ihr Konzept die beste Lage zu finden. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 zu den wichtigsten Ordermessen für Trend- und Casualwear in Berlin trifft und es bisweilen den Anschein macht, dass nach jeder Messewoche ein neues Konzept seinen Weg in die 1A-Lagen des Quartiers rund um den Hackeschen Markt findet. Seite 52 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 An dieser Stelle möchte CBRE die interessierten Leserinnen und Leser auf unseren Spezialreport „Quartier im Fokus: Das Quartier rund um den Hackeschen Markt“ hinweisen. Dieser Report geht detailliert auf die wechselvolle Geschichte des Scheunenviertels ein und bespricht die Entwicklungen der einzelnen Einzelhandelslagen. In den folgenden Kapiteln dieses Reports wird der Fokus auf die Haupteinkaufsstraßen des Quartiers rund um den Hackeschen Markt gelegt und diese eingehend portraitiert. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Impression: Rosenthaler Straße mit Hackeschen Höfen Quelle: CBRE 2014 Oranienburger Straße – Auf dem Weg zurück zu altem Glanz? Galt die Oranienburger Straße in den frühen Jahren der rasanten Entwicklung der Einzelhandelsszene im Scheunenviertel als der „Place to be“, hat die Straße über die letzten Jahre schleichend einen Bedeutungsverlust erfahren. Sie gilt zwar als etablierte Straße im Quartier, die Dynamik von einst hat jedoch deutlich an Schwung verloren. Begründet liegt dies in verschiedenen Faktoren. Zum einen profitiert sie nur in ihrem unteren bzw. östlichen Teil, also direkt am Hackeschen Markt, von dem allgemeinen „Zug zum Alexanderplatz“, zum anderen ist sie aber auch die längste Straße des Quartiers, so dass der Erhalt des Charakters einer durchgehenden Szenelage kaum zu erhalten ist. Seite 53 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Im Gegensatz zur Memhard- und Münzstraße fehlen der Oranienburger Straße gerade in ihrem oberen / westlichen Teilabschnitt die städtebauliche Integration und die touristischen Anziehungspunkte / Frequenzbringer. Zwar lädt der innerstädtische Monbijoupark zum Verweilen ein, jedoch eher für die Bewohner des Kiezes und Kulturinteressierte. Daher fällt auch das Mietniveau von rund 75 €/m² im Monat am Hackeschen Markt auf rund 45 €/m² im Monat am Monbijouplatz. Im Vermietungsjahr 2012/2013 konzentrierte sich die Nachfrage in der Oranienburger auf den östlichen Teil. Es wurden zwei Vermietungen registriert. Der spanische Modeanbieter Desigual sicherte sich einen rund 400 m² großen Store (Oranienburger Straße 1-3) sowie in direkter Nachbarschaft (Oranienburger Straße 4-5) das Modelabel Ress mit einem 150 m² großen Geschäft. Abb. 28: Lageplan: Oranienburger Straße (Tucholskystraße - Auguststraße) Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Perspektivisch kann die Oranienburger Straße wieder an Bedeutung gewinnen, wenn es z. B. durch eine mögliche, wenn auch derzeit noch unklare, Neuentwicklung des Kaufhaus Tacheles einen neuen Anziehungspunkt geben könnte. Auch ist die Oranienburger Straße die direkte fußläufige Verbindung zur oberen Friedrichstraße, die mit der Chausseestraße einen derzeit steigend nachgefragten Abschluss (Bolia, Chausseestraße 1) findet. Von dem Brückenschlag zwischen Friedrichstraße und Alexanderplatz ist eine neue Dynamik für die westliche Oranienburger Straße zu erwarten. Seite 54 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Abb. 29: Lageplan: Oranienburger Straße (Am Monbijouplatz) Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Hackescher Markt – Konstante im ständigen Wandel Relativ unbeeindruckt von dem konstanten Wandel und der fortlaufenden EinzelhandelsGentrifizierung im Quartier präsentiert sich der Hackesche Markt, der Namensgeber des Quartiers. Durch seinen S-Bahnhof als Entree und Treffpunkt bleibt der Branchenmix klar auf die Gastronomie ausgerichtet. Diese verschafft dem Platz gerade in den Frühlings- und Sommermonaten eine attraktive Betriebsamkeit, die auch durch den drei Mal wöchentlich stattfindenden Wochenmarkt unterstützt wird. Zukünftig ist nicht von einer wesentlichen Nutzungsänderung auszugehen. Im Vermietungsjahr 2012/2013 kam es in diesem Bereich zu zwei Vermietungen. Der USAmerikanische Sportartikelhersteller Nike ersetzte am Hackeschen Markt 2-3 den bisherigen Mieter Sisley und wird dort einen rund 590 m² großen Store eröffnen. Postalisch zwar Neue Promenade 5, jedoch direkt am Hackeschen Markt gelegen, mietete die deutsche Coffee-Shop-Kette Coffee Fellows einen rund 100 m² großen Store. Seite 55 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Die aktuelle Spitzenmiete am Hackeschen Markt liegt bei rund 120 €/m² im Monat. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Seite 56 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Abb. 30: Lageplan: Hackescher Markt, Untere Rosenthaler Straße Die Straße mit dem größten Entwicklungspotenzial ist die nördliche Rosenthaler Straße. Aufgrund ihrer Länge und der Vielzahl an Altbauten entlang des Straßenzuges ist hier in mittelfristiger Perspektive die größte Dynamik zu erwarten. Im Gegensatz zur Oranienburger Straße profitiert die nördliche Rosenthaler Straße von einer deutlich besseren städtebaulichen Integration, da sie die fußläufige Verbindung zum Szenebezirk Prenzlauer Berg darstellt. Des Weiteren wird dieser Abschnitt der Rosenthaler Straße zunehmend von den zahlreichen Touristen als „Trampelpfad“ in Richtung Rosenthaler Platz / Torstraße genutzt. Mittlerweile ist ein spürbarer Anstieg der Nachfrage in diesem Bereich der Rosenthaler Straße zu beobachten. Um dieser Anfrage gerecht zu werden, wurden unterschiedlichste Wege bestritten, neue Verkaufsflächen in der einst durch Erdgeschoss- und Hochparterrewohnungen sowie Kleinstgewerbebetriebe bestimmten Straße zu schaffen. Doch so flexibel die Labels in ihrer Standortwahl waren, so pragmatisch reagierten viele Eigentümer: Flächen wurden umgenutzt, leerstehende Wohnungen aufgebrochen und für den Handel umgebaut. Werks- und Lagerhöfe wurden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Nördliche Rosenthaler Straße – Lage in Erwartungshaltung Daher stellt die nördliche Rosenthaler Straße zukünftig eine interessante Alternative für expansionswillige Einzelhändler dar. Im Vermietungsjahr 2012/2013 fand das Berliner Erlebnis- und Designkaufhaus Kauf Dich Glücklich seinen Weg in die nördliche Rosenthaler Straße (Rosenthaler Straße 17) und mietete dort einen rund 219 m² großen Laden an. Die Spitzenmiete in der Rosenthaler Straße liegt bei rund 50 €/m² im Monat. Südliche Rosenthaler Straße – „Rennmeile“ des Scheunenviertels An ihr führt kein Weg vorbei: Die südliche Rosenthaler Straße. Flankiert durch das ikonische Gebäude der Hackeschen Höfe, die wohl wie kein anderes Gebäude für den Mythos des Scheunenviertel stehen, ist die südliche Rosenthaler Straße die Eingangspforte in das Quartier rund um den Hackeschen Markt. Hier konzentriert sich die Nachfrage nach Einzelhandelsflächen, hier werden die höchsten Passantenfrequenzen im Quartier gemessen und hier werden auch die höchsten Mieten bezahlt. Der Szenecharakter ist hier längst einer professionellen, für Deutschland einzigartigen, Trendlage gewichen, was sich auch in einem steigenden Filialisierungsgrad deutlich über 80 % ausdrückt. Die südliche Rosenthaler Straße, gerade im Kreuzungsbereich zum Hackeschen Markt und der Neuen Schönhauser Straße, ist so durch nationale und internationale Einzelhändler nachgefragt, dass Stores mittlerweile nur noch gegen Abstandszahlungen (Keymoney) abgegeben werden, bzw. bei auslaufenden Verträgen und Neuvermietungen signifikanten Mietpreissteigerungen erzielt werden. Seite 57 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Im Vermietungsjahr 2012/2013 konnte sich allein der US-amerikanische Designer Michael Kors in der Rosenthaler Straße 37 einen 75 m³ großen Store sichern. Münzstraße – Profiteurin des „Zugs zum Alexanderplatz“ Die Münzstraße zählt ganz klar zu den Profiteuren des „Zuges zum Alexanderplatz“, da sie derzeit die am stärksten frequentierte Verbindung zum Alexanderplatz ist. Galt sie in den frühen Jahren noch als Geheimtipp im Quartier, muss sie heute klar als Top-Lage angesehen werden. Dabei gilt dieses Prädikat nicht für den gesamten Straßenzug. Zwar wird die fußläufige Verbindung zum Alexanderplatz von einigen Besuchern des Quartiers genutzt, doch von einem konstanten, hoch frequentierten Lauf kann bis dato nicht gesprochen werden. Dementsprechend liegt das Mietniveau in Richtung Alexanderplatz mit rund 65 €/m² im Monat deutlich unter dem des Kreuzungsbereich von Alter und Neue Schönhauser Straße, der klar als Nukleus der Nachfrage nach Einzelhandelsflächen im Quartier rund um den Hackeschen Markt angesehen werden kann. Die Nachfrage nach Einzelhandelsflächen durch nationale, aber vor allem internationale Trendlabels ist dort besonders hoch. Das französische Modelabel 11 Paris mietete in der Münzstraße 22 einen rund 110 m² großen Store und blieb damit der einzige neue Mieter im Vermietungsjahr 2012/2013. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Die aktuelle Spitzenmiete in der südlichen Rosenthaler Straße liegt bei 140 €/m² im Monat. Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Seite 58 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Abb. 31: Lageplan: Münzstraße Die Neue Schönhauser Straße ist derzeit eine der am stärksten nachgefragten Einzelhandelslagen im gesamten Quartier rund um den Hackeschen Markt. Durch ihre zentrale Lage, den ansprechenden Besatz an Einzelhandelsflächen und der tradierten Funktion als Verbindung zum S-Bahnhof Hackescher Markt hat sich die Straße zur Top-Lage entwickelt. Dies zeigt auch das fulminante Vermietungsgeschehen im Vermietungsjahr 2012/2013. Insgesamt sechs neue Einzelhändler fanden ihren Weg in die Neue Schönhauser Straße. Das Berliner Taschenund Lederwarenlabel Liebeskind sicherte sich in der Neuen Schönhauser Straße 8 einen rund 120 m² großen Store. Neben einer Niederlassung in der Mall of Berlin ist nun auch der deutsch-französische Designer Karl Lagerfeld mit seinem progressiven Concept-Store Karl by Karl Lagerfeld mit einem135 m² großen Store in der Neuen Schönhauser Straße 8 vertreten. Unweit davon entfernt sicherte sich das französische Modelabel The Kooples im Geschäftshaus Nr. 11 einen rund 160 m² großen Store. Das zur Benetton-Gruppe gehörende Konzept Sisley verlagerte seinen Standort vom Hackeschen Markt auf rund 130 m² in die Neue Schönhauser Straße 12. Das Modelabel IKKS mietete einen rund 150 m² großen Store in der Neuen Schönhauser Straße 16 an und der spanische Modeanbiete Desigual konnte sich in der Neune Schönhauser Straße 19 auf 190 m² gleich seinen zweiten Store im Scheunenviertel sichern. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Neue Schönhauser Straße – Der „Place to be“ im Scheuenviertel Durch die neuen Mieter und dem aktuellen Mieterbesatz kann in der Neuen Schönhauser Straße schon lange nicht mehr von einer Szenelage gesprochen werden. Vielmehr kommt es zu dem interessanten Phänomen einer kontinuierlichen Ausdifferenzierung der Trendlage. Für die Neue Schönhauser Straße kann festgestellt werden, dass sich die Straße zunehmend zur wertigen bis niveauorientierten Trendlage entwickelt, von der auch in Zukunft noch eine weitere aufstrebende Dynamik im Einzelhandelsbesatz zu erwarten ist. Aufgrund der kleinteiligen Struktur der Ladengeschäfte ist auch hier von einem Anstieg der Spitzenmiete auszugehen. Seite 59 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Die aktuelle Spitzenmiete in der Neuen Schönhauer Straße liegt bei 140 €/m² im Monat. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Abb. 32: Lageplan: Neue Schönhauser Straße Seite 60 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Abb. 33: Lageplan: Nördliche Rosenthaler Straße Seite 61 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Abb. 34: Lageplan: Südliche Rosenthaler Straße Seite 62 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Die nördliche Verbindung zwischen Rosenthaler Straße und Münzstraße ist die Weinmeisterstraße. Dabei ist die Weinmeisterstraße weit mehr als eine Seitenstraße im Quartier rund um den Hackeschen Markt. Zwar liegen die Mietpreise mit einer Spitzenmiete von rund 55 €/m² im Monat deutlich unter dem Niveau der Top-Lagen des Quartiers, dennoch haben verschiedene Anmietungen, wie durch Urban Outfitters, Superdry und BFN Berlin Fashion Network, die Bedeutung der Straße erhöht. Das Beispiel BFN Berlin Fashion Network, ein Zusammenschluss aus verschiedenen Berliner Modedesignern, zeigt, dass die Innovationskraft des Quartiers auch in den Ergänzungslagen des Quartiers weitergeht und den Einzelhandelsstandort so unverwechselbar macht. Aufgrund der geringen Anzahl an Ladengeschäften wurde im Vermietungsjahr 2012/2013 keine Vermietung in der Weinmeisterstraße beobachtet. Ein weiterer Grund hierfür ist, dass ein Teil der Erdgeschossflächen immer noch nicht für den Einzelhandel erschlossen wurden und dass der Straße aufgrund der dort ansässigen Waldorfschule ein Teil der nördlichen Straßenfront fehlt. Durch eine weitere Erschließung der Flächen für den Einzelhandel ist zukünftig mit weiterer Dynamik in der Weinmeisterstraße zu rechnen. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Weinmeisterstraße – Mehr als nur eine „Seitenstraße“ Alte Schönhauser Straße – Große Schwester mit großem Potenzial Nördlich an die Neue Schönhauser Straße schließt sich die Alte Schönhauser Straße an. In der „großen Schwester“ der Neuen Schönhauser Straße lässt sich noch der alte Szenecharakter des Scheunenviertels erkennen. Hier kommt ein bunter Mix von lokalen und regionalen Designer-Brands mit einigen ausgewählten internationalen Fashion-Brands zusammen. Auch das Gastronomie- und Freizeitangebot ist in der Alten Schönhauser Straße relativ hoch, immer wieder ergänzen Szenerestaurants und Bars das Einzelhandelsangebot des Straßenzuges. Durch die fehlende städtebauliche Integration am nördlichen Ende der Alten Schönhauser Straße erfährt die Straße bis dato immer noch eine geringere Frequenz als die Hauptläufe des Scheunenviertels, was sich auch in einer geringeren Nachfrage nach Einzelhandelsflächen durch nationale und internationale Szene- und Trendlabels zeigt. Dennoch stellt die Alte Schönhauser Straße für Einzelhändler, die auf „To-Discover“-Standorte setzen, durchaus eine interessante Alternative zu den etablierten Lagen dar. Im Vermietungsjahr 2012/2013 konnte eine Vermietung in der Alten Schönhauser Straße festgestellt werden. Der australische Kosmetikanbieter Aesop mietete in der Alten Schönhauser Straße 48 einen rund 80 m² Store. Seite 63 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Die aktuelle Spitzenmiete in der Alten Schönhauser Straße liegt bei 85 €/m² im Monat. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Abb. 35: Lageplan: Alte Schönhauser Straße Seite 64 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Vom „Zug zum Alexanderplatz“ hat die unweit des Hackeschen Marktes liegende Dircksenstraße noch nicht profitiert. Obwohl die Dircksenstraße die direkte Fußverbindung zum Alexanderplatz darstellt, spielt sie bis dato eine weiterhin untergeordnete Rolle bei dem Expansionsbestreben vieler Einzelhändler. Ein Entwicklungshemmnis ist u.a., dass dem Straßenzug eine „Front“ fehlt, da dort die S-Bahnstrecke verläuft, was zu einem gewissen Grad auch die Aufenthaltsqualität in der Straße schmälert. Allerdings hat die Deutsche Bahn AG als Eigentümerin im vorderen Bereich der Straße Richtung Hackescher Markt bereits erste Bögen ausgebaut und unter anderem an Bio Company vermietet. Im zweiten Bauabschnitt werden bis Mitte 2015 auch die restlichen Bögen aus- und umgebaut. Diese Entwicklung wird der Straße einen weiteren positiven Schub bescheren. Nach Vermietungen wie an das britische Kultschuh-Label Doc Martens in der jüngeren Vergangenheit konnten im Vermietungsjahr 2012/2013 keine Vermietungsaktivtäten in der Dircksenstraße beobachtet werden. Die Spitzenmiete in der Dircksenstraße liegt bei rund 50 €/m² im Monat. Abb. 36: Lageplan: Dircksenstraße Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Dircksenstraße - Warten auf die S-Bahnbögen Seite 65 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Gibt es sie noch, die junge kreative Modeszene, die das Quartier rund um den Hackeschen Markt so berühmt gemacht hat? Diese Frage muss mit einem klaren „ja“ beantwortet werden. Trotz der massiven Einzelhandels-Gentrifizierung, die das Scheunenviertel in der Vergangenheit erlebt hat, ist die alte Modeszene noch aktiv. Zwar gab es auch Abwanderungstendenzen in aufstrebende, alternative Stadtteile wie Berlin-Friedrichshain oder Berlin-Prenzlauer Berg, doch ist ein durchaus beträchtlicher Teil der alten Mode- und Kunstszene im Quartier geblieben. Immer interessanter werden nun die Seitenstraßen des Quartiers, die die nationalen und internationalen Besucher des Quartiers zum Entdecken und Stöbern einladen. Straßen wie die Mulack-, Linienoder Auguststraße sind hier zu nennen, die jeweils als Seitenstraßen von der nördlichen Rosenthaler Straße abgehen. In kleinen Geschäften, Lofts und Hinterhöfen, Bars und Cafés werden weiterhin neue Modetrends entworfen. Perspektivisch ist auch die Erweiterung des Quartiers über die Tor- und Brunnenstraße zu erwarten, da dort der Kreativen-Stadtbezirk Berlin-Prenzlauer Berg in das Scheunenviertel übergeht. Gerade die Torstraße hat mit drei registrierten Vermietungen im Vermietungsjahr 2012/2013 einen klaren Bedeutungszuwachs erfahren. Dabei bleiben diese Lagen derzeit noch interessant für eher individuelle lokale und regionale Konzepte, daneben sind auch internationale Pioniere mit einem szenig-trendigen Konzept vorstellbar. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Die Szene lebt – die Seitenstraßen des Scheunenviertels Quelle: CBRE 2014 Seite 66 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Impression: Quartier am Hackeschen Markt Neben der City West und der City Ost kann Berlin insgesamt mit zwei überregional relevanten und dreizehn lokalen Stadteillagen aufwarten. Aufgrund der Größe und der sehr hohen Bevölkerungsdichte Berlins kann bei den Berliner Stadtteillagen von „kleinen Großstädten“ in der Stadt gesprochen werden, da diese teilweise über ein Marktgebiet von mehr als 250.000 Einwohnern verfügen. Durch diese Marktvolumina ist auch für Filialisten ein nachhaltiges Wirtschaften möglich, so dass viele Berliner Stadtteillagen im Fokus der nationalen und mittlerweile auch internationalen Einzelhändler stehen. Aus historischen Gründen befinden sich die meisten der überregional bekannten Stadtteillagen Berlins im westlichen Stadtgebiet. Die führende Rolle nimmt hier die Schloßstraße ein, die nach der Eröffnung des Shopping-Centers Boulevard Berlins den inoffiziellen Titel „Hauptstraße der ShoppingCenter“ trägt. Gleich vier Shopping-Center und eine der stärksten Stadtteillagen in ganz Deutschland buhlen um die Gunst der Kunden. Die einzige relevante Stadtteillage im östlichen Stadtgebiet befindet sich mit der Schönhauser Allee im Szeneviertel Prenzlauer Berg. Bis auf wenige Ausnahmen wie dem Teltower Damm in Berlin-Zehlendorf werden die Berliner Stadtteillagen in der Regel von größeren Shopping-Centern flankiert, die zusätzliche Frequenz in die Straßen bringen – jedoch auch zu Verwerfungen im Vermietungsmarkt der Einkaufsstraßen und teilweise massive Kaufkraftabflüsse in den Straßen gesorgt haben. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Berlin Stadtteillagen: Gelebte Kiezstruktur Im östlichen Stadtgebiet fehlen diese Einzelhandelslagen häufig historisch bedingt bzw. sind diese auf den lokalen versorgungsorientierten Einzelhandel beschränkt. Diese Funktion wurde aber durch eine Vielzahl von auch überregional bedeutenden Shopping-Centern, wie z.B. das EastGate Shopping-Center in Berlin-Marzahn, übernommen. Teilweise waren allerdings auch die städtebaulichen Voraussetzungen (sozialistische Planstadt und Plattenbauten) für die ausbleibende Entwicklung der östlichen Stadtteillagen verantwortlich, da einerseits die Kleinteiligkeit und andererseits die historische Bausubstanz nicht (mehr) vorhanden waren. Daher befinden sich in einigen Ost-Berliner Bezirken Shopping-Center an den großen Ausfallstraßen (z.B. das Ringcenter an der Frankfurter Allee) und sind daher auch als verkehrsorientierte Einzelhandelsstandorte einzustufen. Seite 67 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Im Folgenden werden die Stadtteillagen Schloßstraße in Berlin-Steglitz und die Wilmersdorfer Straße in Berlin-Charlottenburg detailliert vorgestellt. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Schloßstraße – Hauptstraße der Shopping-Center Abb. 37: Key Facts Schloßstraße Branchenmix bezogen auf die Anzahl der Geschäfte STRAßE SCHLOßSTRAßE Positionierung Stärkste Stadtteillage in Berlin, Wohlhabendes Einzugsgebiet, "Hauptstraße der Shopping-Center": Das Schloss, Schloß-Straßen-Center, Forum Steglitz und Boulevard Berlin. Länge der Straße 1300 (Wrangelstraße – Walther-Schreiber-Platz) Ankermieter Karstadt, C&A, SportScheck, Leiser, Saturn, Hugendubel, Intersport, Peek&Cloppenburg, Anson's, Hennes&Mauritz, Primark, Zara, Depot Kundenprofil West-Berliner Bevölkerung, Bevölkerung aus dem südwestlichen "Speckgürtel" Berlins, relativ wenig Shopping-Touristen Typische Store-Größe (in m²) 100-500 Spitzenmieten in €/m² im Monat 110,- Anzahl der Geschäfte 141 Davon filialisiert 111 Filialisierungsgrad (in %) 79% Entwicklungstendenz Seite 68 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Quelle: CBRE 2014 SCHLOßSTRAßE Adresse Verkaufsfläche Konzept Branche Schloßstraße 25 50 m² Tee-Handels-Kontor Bremen Lebensmittel & Tabakwaren Schloßstraße 26 80 m² Mymuesli Lebensmittel & Tabakwaren Schloßstraße 32 100 m² Yves Rocher Drogerie & Parfümerie Schloßstraße 95 30 m² Tonerdumping Sonstiges Schloßstraße 97 540 m² Bo Concept Haushaltswaren, Möbel & Einrichtung Schloßstraße 120 230 m² Caras Gourmet Gastronomie Quelle: CBRE 2014 Unter den vielen Stadtteillagen in Berlin, aber sogar auf deutschlandweiter Ebene sticht eine Stadtteillage wie wohl keine andere mit vielen Superlativen heraus: Die Schloßstraße in Berlin-Steglitz, das Zentrum des Berliner Stadtbezirks Steglitz- Zehlendorf im Süd-Westen-Berlins. So verfügt die Straße über ein sehr großes, hochverdichtetes Einzugsgebiet. Im Bezirk leben allein rund 284.000 Menschen – zum Vergleich Aachen: rund 250.000 –, jedoch reicht ihre Bekanntheit weit über die Bezirksgrenzen Berlins und bis ins benachbarte Brandenburg (Potsdam, Teltow, Kleinmachnow, etc.) hinaus, so dass mit einem Bevölkerungspotenzial von rund 800.000 Menschen gerechnet werden kann. Dabei bedient die Schloßstraße die wohlhabendsten Stadtteile Berlins, deren Umsatzpotenzial weit über dem Berliner, aber auch dem bundesdeutschen Durchschnitt liegt. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Tab. 10: Vermietungen in der Schloßstraße 2012/2013 Diese sehr guten Rahmendaten haben dazu geführt, dass sich neben der City West und der City Ost ein weiteres Einzelhandelsquartier entwickelt hat, das nicht nur die lokale Bevölkerung, sondern mehr und mehr Berliner und Brandenburger Shopping-Touristen anzieht. Dies wird gefördert durch einen unmittelbaren Anschluss zur Berliner Stadtautobahn, aber auch durch drei nah gelegene U-Bahn– Stationen sowie eine S-Bahn-Station. Die Schloßstraße präsentiert sich auf ihrem rund 1,5 km langen Straßenverlauf vor allem im konsumorientierten Bereich. Dabei sind mit deutlichem Abstand zu anderen Stadtteillagen Deutschlands die meisten deutschen, aber auch zunehmend internationale Filialisten vertreten. Zu den großflächigen Hauptmietern der Straße zählen u. a. Peek & Cloppenburg, C&A, Saturn und Intersport. Dabei lässt sich die Attraktivität der Straße nicht nur allein aus dem Einzelhandelsbesatz in der 1ALage ableiten sondern auch aus dem bemerkenswerten Bestand an Shopping-Centern. Während in anderen deutschen und Berliner Stadtteillagen ggf. ein Shopping-Center als Frequenzbringer fungiert, wartet die Schloßstraße gleich mit vier Shopping-Centern auf. Diese sind: Das Schloss (36.000 m², Baujahr 2006) Forum Steglitz (32.000 m², 1975, 2007 modernisiert), Schloß-Straßen-Center (SSC) (16.200 m², 2007, Revitalisierung 2012) Seite 69 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Boulevard Berlin (77.000, 2012). Von ihrer Lage in der Straße stellen das Forum Steglitz und das Schloß-Straßen-Center (SSC) das nördliche Ende der Schloßstraße, das Shopping-Center Das Schloß das südliche Ende dar. Der Boulevard Berlin wurde an der Stelle des ehemaligen Wertheim-Warenhauses genau in der Mitte der Straße entwickelt. Gerade nach der stufenweisen Eröffnung des Boulevards Berlins (2012 und 2013), dem damals zweitgrößten Center auf dem Berliner Markt, gab es Befürchtungen, dass es zu einem massiven Wettbewerb zwischen der Einkaufsstraße und den Shopping-Centern kommen würde. Dieser ist aber so nicht eingetreten. Vielmehr ist es zu einem verstärkten Anpassungsdruck zwischen den ShoppingCentern gekommen. Als Antwort auf den Boulevard Berlin konnte das Schloß-Straßen-Center (SSC) 2012 den irischen Textildiscounter Primark als Hauptmieter gewinnen, der damals seinen ersten Store in Berlin anmietete. Hierdurch hat sich das nördliche Ende der Straße sehr gut entwickelt, die Frequenzen in diesem Abschnitt sind deutlich gestiegen. Trotz der hohen Revitalisierungs- und Trading-Up-Maßnahmen haben einige Center immer wieder mit längeren Leerständen zu kämpfen. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Nach einer durch Abwarten geprägten Vermietungsaktivität, hervorgerufen durch die ShoppingCenter-Eröffnungen, kann die Schloßstraße im Vermietungsjahr 2012/2013 auf ein sehr aktives Vermietungsgeschehen zurückblicken. Insgesamt wurden sechs Vermietungen registriert. Die größte Vermietung realisiert das dänische Möbelhaus BoConcept auf einer Einzelhandelsfläche von rund 540 m² in der Schloßstraße 97. Damit setzt BoConcept weiterhin seine Strategie um, vor allem in die attraktiven Stadtteillagen der deutschen Städte zu expandieren. Der französische Naturkosmetikanbieter Yves Rocher sicherte sich einen rund 100 m² großen Store in der Schloßstraße 100. Unweit entfernt mietete der Tee-Handels-Kontor Bremen ein 50 m² großes Geschäft im Geschäftshaus Schloßstraße 24 an. Der Müsli- und Cerealienanbieter mymuesli sicherte sich ebenfalls einen Store auf der Schloßstraße und eröffnete somit seinen ersten Pilotstore Berlins. Mymuesli setzt dabei konsequent seine MultiChannel-Strategie um. Nachdem sie zuerst als alleiniger Online-Shop positioniert waren, wird nun vermehrt über eigene Stores expandiert. Seite 70 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Das aktive Vermietungsgeschehen zeigt, dass sich die Schloßstraße einer großen Beliebtheit bei den nationalen und internationalen Einzelhändlern erfreut. Die Spitzenmiete liegt wie in den Jahren zuvor bei konstant 110 €/m² im Monat und erreicht somit ein Niveau, das über dem manch anderer deutschen Großstadt liegt. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Impression: Schloßstraße mit Shopping-Center Schloss-Strassen-Center Seite 71 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Quelle: CBRE 2014 Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Seite 72 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Abb. 38: Lageplan: Schloßstraße Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Abb. 39: Lageplan: Schloßstraße Seite 73 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Seite 74 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Abb. 40: Lageplan: Schloßstraße Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Wilmersdorfer Straße - Wieder im Aufwind Abb. 41: Key Facts Wilmersdorfer Straße STRAßE WILMERSDORFER STRAßE Positionierung Wichtige Stadtteillage im westlichen Berlin, Fußgängerzone, hoher Anteil an regionalen und nationalen Einzelhändlern Länge der Straße 900 m (Stuttgarter Platz bis Zillestraße) Ankermieter Hennes&Mauritz, Peek&Cloppenburg, TK Maxx, MediaMarkt, Leiser, Karstadt, Marc O'Polo, Alnatura, eterna, Thalia, Tamaris, Wilmersdorf Arcaden (Shopping-Center) Kundenprofil Lokale West-Berliner Bevölkerung Typische Store-Größe (in m²) 100-400 Spitzenmieten in €/m² im Monat 110,- Anzahl der Geschäfte 127 Davon filialisiert 79 Filialisierungsgrad (in %) 62% Entwicklungstendenz Seite 75 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Quelle: CBRE 2014 WILMERSDORFER STRAßE Adresse Verkaufsfläche Mieter Branche Wilmersdorfer Straße 52 120 m² 360° Schmuck & Accessoires Wilmersdorfer Straße 64 520 m² Snipes Schuhe & Lederwaren Wilmersdorfer Straße 64 270 m² easyApotheke Körper- und Gesundheitspflege Wilmersdorfer Straße 112 236 m² Flormar Drogerie & Parfümerie Wilmersdorfer Straße 117 1.230 m² Tiger Haushaltswaren, Möbel & Einrichtung Wilmersdorfer Straße 122 500 m² Back-Factory Lebensmittel & Tabakwaren Quelle: CBRE 2014 Die zentrale Stadtteillage des Stadtbezirks Charlottenburg-Wilmersdorf ist die Wilmersdorfer Straße. Der für den Einzelhandel relevante Teil der Wilmersdorfer Straße erstreckt sich vom U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße im Süden bis zur Zillestraße im Norden. Eine Besonderheit des rund ein-km-langen Straßenzuges ist die allgemeine Verkehrsberuhigung als Fußgängerzone. Neben der Altstadt von Spandau und der Gorkistraße in Tegel ist die Wilmersdorfer Straße nur eine von drei Fußgängerzonen in Berlin. Alle anderen Einkaufsstraßen, abgesehen von der Platzsituation des Alexanderplatzes, sind für den Individualverkehr geöffnet. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Tab. 11: Vermietungen in der Wilmersdorfer Straße Bezogen auf das Bevölkerungs- und Umsatzpotenzial verfügt die Wilmersdorfer Straße über eine noch etwas höhere Bevölkerungsdichte im Einzugsgebiet als die Schloßstraße. Rund 300.000 Menschen leben allein im Stadtbezirk, wobei die Strahlkraft der Straße deutlich über die Bezirksgrenzen hinausgeht. Dabei hat sich über die Jahre eine gewisse „Arbeitsteilung“ zwischen der City West – ebenfalls im Stadtbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf gelegen – und der Wilmersdorfer Straße entwickelt. Zieht die City West aufgrund ihrer Bekanntheit nationale und internationale Besucher an, so versorgt die Wilmersdorfer Straße vor allem die Bevölkerung aus dem näheren Umfeld bzw. dem „alten“ WestBerlin. Trotz einer Entfernung von nur rund 1,6 km zwischen Kurfürstendamm und Wilmersdorfer Straße haben sich bis heute noch keine Wegebeziehungen zwischen beiden Einzelhandelsquartieren entwickelt. Ein Grund hierfür ist sicherlich die hohe Kiez-Bezogenheit der Berliner Bevölkerung, die das überschaubarere Geschäftsleben auf der Wilmersdorfer Straße dem hektischeren, durch Sightseeing- und Shopping-Touristen beeinflussten Treiben auf dem Kurfürstendamm vorziehen. Vom Einzelhandelsbesatz präsentiert sich die Wilmersdorfer Straße im konsumorientierten Bereich mit teilweise nahversorgenden Elementen. Zu den Magnetmietern zählen hier Peek & Cloppenburg, ein Karstadt Warenhaus, C&A, Leiser Schuhe sowie Media Markt und TKMaxx. Insgesamt dominieren aber eher kleine und mittelgroße Flächenformate die Straße. Seite 76 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Neben der Einkaufsstraße stellt auch das Shopping-Center Wilmersdorf Arcaden einen Anziehungspunkt der Straße dar. Das 2007 eröffnete und in den Straßenlauf integrierte Shopping-Center hat sich mittlerweile am Markt etabliert, erfuhr jedoch im mittlerweile siebenjährigen Betrieb eine fortlaufende Inzwischen erfüllen Einkaufsstraße und Shopping-Center eine zueinander komplementäre Funktion, nachdem es gerade in der Eröffnungsphase des Shopping-Centers nachweisbare Verwerfungen auf dem Vermietungsmarkt gegeben hat. Diese haben sich jedoch gelegt und seit mehreren Jahren kann eine deutliche Aktivitäts- und Mietpreissteigerung auf der Wilmersdorfer Straße beobachtet werden. Im Vermietungsjahr 2012/2013 konnten insgesamt sechs Vermietungen auf der Wilmersdorfer Straße registriert werden. Dies bedeutet die höchste jährliche Aktivität in den vergangen fünf Jahren. Die größte Vermietung wurde durch das dänische Geschenke- und Home Accessoires-Konzept Tiger realisiert. In der Wilmersdorfer Straße 117 mietete das Konzept einen rund 1.230 m² Store an. Ebenfalls als internationaler Einzelhändler konnte sich das türkische Kosmetiklabel Flormar einen rund 140 m² großen Store im Geschäftshaus Wilmersdorfer Straße 111 sichern. Das zur Deichmann-Gruppe gehörende Sneaker-Konzept Snipes mietete in der Wilmersdorfer Straße 64 einen rund 520 m² großen Store an. Zu den weiteren Mietern zählen Back-Factory mit rund 500 m² (Wilmersdorfer Straße 122), das Accessoires- und Schmuckkonzept 360° mit 120 m² (Wilmersdorfer Straße 52) sowie in nahversorgender Funktion die easyApotheke auf 270 m² (Wilmersdorfer Straße 64). Dass nicht nur Filialisten in der Wilmersdorfer Straße ihr Auskommen finden, sondern auch lokale Berliner Konzepte, zeigen die Anmietungen von My Bakery (Wilmersdorfer Straße 40-41), ExChange Leihhaus (Wilmersdorfer Straße 125), das Gastro-Konzept La Pausa (Wilmersdorfer Straße 130) sowie die Modeboutique La Femme in der Wilmersdorfer Straße 135. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Konzeptanpassung, was sowohl an der mangelnden Akzeptanz als auch an den baulichen Voraussetzungen des Gebäudes gelegen hat. Mittlerweile hat sich auch das Berliner Bürgeramt zu den neuen Mietern im Shopping-Center gesellt. Die positive Vermietungsentwicklung zeigt bereits die wieder wachsende Bedeutung der Wilmersdorfer Straße auf dem Berliner Einzelhandelsmarkt. Dabei stellt sie auch für etablierte internationale Konzepte und konsumorientierte Pioniere durchaus eine attraktive Alternative zu den bekannten Lagen wie Tauentzienstraße und Kurfürstendamm dar. Seite 77 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Die aktuelle Spitzenmiete auf der Wilmersdorfer Straße liegt bei rund 100,- €/m² im Monat. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Abb. 42: Lageplan: Wilmersdorfer Straße Seite 78 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Kartengrundlage: OpenStreetMap Contributors, CBRE 2014 Seite 79 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Abb. 43: Lageplan: Wilmersdorfer Straße Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Impression: Wilmersdorfer Straße Seite 80 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Quelle: CBRE 2014 Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Weitere Stadtteillagen in Berlin – Hip oder nicht hip, das ist hier die Frage Tab. 12: Weitere Stadtteillagen in Berlin WEITERE STADTTEILLAGEN IN BERLIN Straße Stadtteil Mietpreis (€/m² im Monat) Ausrichtung Teltower Damm/ Clayallee Zehlendorf 90,- (40,-) Konsum - Niveau Gorkistraße Tegel 45,- Konsum - Nahversorgung Müllerstraße Wedding 40,- Konsum - Nahversorgung Tempelhofer Damm Tempelhof 35,- Konsum - Nahversorgung Bergmannstraße Kreuzberg 55,- Konsum - Szene Reichstraße/Theodor-Heuss-Platz Charlottenburg 45,- Konsum Bölschestraße Köpenick/Friedrichshagen 35,- Konsum Carl-Schurz-Straße, Breite Straße, Markt Spandau 60,- (25,-) (40,-) Konsum Hermannplatz Neukölln 60,- Konsum Karl-Marx-Straße Neukölln 60,- Konsum Turmstraße Moabit 35,- Konsum - Nahversorgung Kastanienallee/Kollwitzplatz Prenzlauer Berg 50,- (40,-) Konsum - Nahversorgung Schönhauser Allee Prenzlauer Berg 60,- Konsum - Szene Quelle: CBRE 2014 Tab. 13: Ausgewählte Vermietungen in den anderen Berliner Stadtteillagen Stadtteil Straße Verkaufsfläche Mieter Branche Charlottenburg Reichsstraße 100 575 m² Leiser Schuhe Schuhe & Lederwaren Köpenick Bahnhofstraße 23-25 1.500 m² 1982 (Takko) Bekleidung Kreuzberg Bergmannstraße 160 m² Malteser Hilfsdienst Dienstleistung Kreuzberg Bergmannstraße 94 256 m² Kochhaus Lebensmittel & Tabakwaren Mitte Rathausstraße 17 k.A. Byte Burger Gastronomie Moabit Turmstraße 29 k.A. C&A Bekleidung Moabit Turmstraße 29 k.A. Reno Schuhe & Lederwaren Moabit Turmstraße 29 k.A. dm Drogeriemarkt Drogerie & Parfümerie Moabit Turmstraße 29 k.A. Go Asia-Supermarkt Lebensmittel & Tabakwaren Moabit Turmstraße 29 k.A. AOK Dienstleistung Moabit Turmstraße 29 k.A. Turm Apotheke Körper- und Gesundheitspflege Moabit Turmstraße 29 k.A. Bäckerei Lebensmittel & Tabakwaren Moabit Turmstraße 29 k.A. Women’s Gym Jopp & Jopp Freizeit Seite 81 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 VERMIETUNGNGEN ANDERE STADTTEILLAGEN Karl-Marx-Straße 125 445 m² Humana Second Hand Bekleidung Prenzlauer Berg Schönhauser Allee 146a 186 m² AOK Dienstleistung Wedding Müllerstraße k.A. W. (Woolworth) Kauf- & Warenhaus Quelle: CBRE 2014 Neben den dominierenden großen bezirklichen Zentren Schloßstraße und Wilmersdorfer Straße gibt es in Berlin eine Vielzahl von weiteren Bezirkszentren und Stadtteillagen. Die Stadtteillagen spielen für die internationale Bedeutung des Berliner Einzelhandelsmarktes eine untergeordnete Rolle, sind jedoch für die jeweiligen Wohnquartiere von besonderer Bedeutung. Dies liegt daran, dass das „wahre“ Berliner Leben und die berühmte Urbanität der Stadt abseits der Haupteinkaufsstraßen stattfinden. Die Stadtteillagen haben hier nicht nur eine besondere nahversorgende Funktion sondern sind auch Treffpunkte für das soziale und kulturelle Leben im Kiez. Viele Stadtteillagen befinden sich im ehemaligen West-Berliner Stadtgebiet, da sich aufgrund der historischen Entwicklung und unterschiedlichen Wirtschaftsstruktur der DDR nur vergleichsweise wenige Stadtteillagen in Ost-Berlin nachhaltig entwickelt haben bzw. die ursprüngliche Bedeutung nach Mauerfall weiter Bestand hatte. Eine Ausnahme bildet hier der alternativ-kreative Stadtteil Prenzlauer Berg, in dem sich aufgrund seines sehr gut erhaltenen Altbaubestands relativ rasch verschiedene attraktive Stadtteillagen entwickelt haben. Die Schönhauser Allee ist hier die wichtigste Lage, jedoch sind auch positive Entwicklungen an der Torstraße und der Brunnenstraße zu beobachten, die als fußläufige Verbindungen zum Quartier rund um den Hackeschen Markt gelten und je nach Definition auch zu diesem gehören. Hier findet man insbesondere Gastronomie, junge Berliner Designer sowie diverse Möbeldesign-Konzepte. Die Mieten haben sich hier in den letzten fünf Jahren deutlich auf aktuell 30 bis 50 €/m² im Monat gesteigert. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Neukölln Aber auch wohnortnahe Stadtteillagen wie die Kastanienallee oder der Kollwitzplatz werden bei Kunden und Einzelhändlern immer beliebter. Eine weitere sich gut entwickelnde Stadtteillage ist die Bölschestraße in Berlin-Friedrichshagen (Bezirk Treptow-Köpenick). Aufgrund der anhaltend positiven Bevölkerungsentwicklung der prominenten Lage direkt am Müggelsee hat sich hier eine funktionierende Einzelhandelslandschaft entwickelt. In den restlichen östlichen Stadtteilen Berlins haben überwiegend Shopping-Center die Funktion der wohnortnahen Versorgung übernommen. Diese liegen meist verkehrsgünstig an den verschiedenen Ausfallstraßen, die durch das östliche Stadtgebiet Berlins als Tangenten führen. Teilweise haben aber auch Shopping-Center-Projekte die tradierten Stadtteillagen nachhaltig beschädigt. Als Beispiele können hier das Quartier rund um das Ring-Center in Berlin-Friedrichshain mit dem dortigen Teilstück der Frankfurter Allee oder auch die Marzahner Promenade in Berlin-Marzahn mit dem Eastgate ShoppingCenter genannt werden. Seite 82 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 So unterschiedlich die Stadtteile des ehemaligen West-Berlins sind, so verschieden sind auch die Stadtteillagen in ihrer Versorgungsfunktion und Positionierung. Sie variieren zwischen wertigen bis niveauorientierten Konsumlagen wie Teltower Damm und Clayallee in Berlin-Zehlendorf über solitäre Eine Vielzahl der Stadtteillagen werden dabei durch Shopping-Center flankiert bzw. haben ShoppingCenter in ihrem unmittelbaren Einzugsgebiet, so z. B. Karl-Marx-Straße in Berlin-Neukölln mit den Neukölln Arcaden, die Gorkistraße mit den Hallen am Borsigturm, der Tempelhofer Damm mit dem Shopping-Center Tempelhofer Hafen oder die Carl-Schultz-Straße, die Breite Straße und der Markt mit den Spandau-Arcaden. Was ursprünglich aus Stadtentwicklungsperspektive als Verbesserung der Versorgungsstruktur in den Stadtteilen gedacht war, hat sich in einigen Fällen als Fallstrick erwiesen, da in den Shopping-Centern die Angebotsstruktur der jeweils benachbarten Straße in einem hohen Maße nachgebildet wurde. Aufgrund des moderneren Flächenlayouts und der Objektqualität haben sich viele Einzelhändler für die Shopping-Center-Standorte entschieden, was als Resultat zu einem signifikanten Qualitätsverlust (Trading Down) geführt hat. Eine monokausale Erklärung für den Bedeutungsgewinn und -verlust mancher Stadtteillagen in Berlin gibt es sicherlich nicht, oftmals hängt dies auch von der Beliebtheit der Stadtviertel selbst ab. Da durch den konstanten Zuzug der Berliner Wohnungsmarkt kontinuierlich in Bewegung ist, werden verschiedene innenstadtnahe Stadtteile als angesagte Wohnquartiere gesehen. Dies sind gerade in den östlichen Stadtteilen Berlin-Prenzlauer Berg, Berlin-Friedrichshain, Berlin-Kreuzberg und in jüngerer Zeit auch Berlin-Kreuz-Kölln, ein Subquartier von Berlin-Kreuzberg. Alle Stadtteile liegen innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings und in attraktiver Reichweite zur Innenstadt bzw. der City Ost und West. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Konsumlagen in Berlin-Spandau (Carl-Schurz-Straße, Breite Straße, Markt) bis hinzu rein nahversorgenden, teilweise discountorientierten Stadtteillagen wie die Gorkistraße in Berlin-Tegel, die Müllerstraße in Berlin-Wedding oder auch die Turmstraße in Berlin-Moabit/Tiergarten. Es gibt aber auch West-Berliner Lagen wie die Bergmannstraße in Berlin-Kreuzberg, die nach Jahren der positiven Entwicklung in ihrer Anmutung schon fast dem trendigen Prenzlauer Berg entsprechen. In einem Rhythmus von rund 10 bis 15 Jahren wurden und werden Wohnquartiere entwickelt (dies ist auch als Prozess der Gentrifizierung bekannt), neue, wohlhabendere Bevölkerung zieht ins Quartier, ihr folgen zuerst mittelständische Gastronomen, dann Szene-Mode-Labels und Systemgastronomen und schlussendlich nationale Filialisten und teilweise sogar internationale Pioniere. Im Vergleich zu diesen Quartieren geraten gerade Quartiere außerhalb des S-Bahn-Rings weiter unter sozialen- wie wohnungspolitischen Druck, der sich auch in den schleichenden Trading-Down-Prozessen in einigen Stadtteillagen bemerkbar macht. Seite 83 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Verlieren diese Stadtteillagen dann noch ihre Ankermieter wie z. B. ein Hertie- oder KarstadtWarenhaus, geht dies oft mit einem deutlichen Passentenfrequenzverlust einher. In der näheren Vergangenheit konnte diese Entwicklung vereinzelt durch ein gezieltes Refurbishment der jeweiligen Immobilien gestoppt werden. Aus einem ehemaligen Hertie-Warenhaus wurde z.B. in Berlin-Neukölln (Karl-Marx-Straße) ein modernes Geschäftshaus mit den Hauptmietern H&M, TK Maxx oder auch C&A entwickelt. Ähnlich verhält es sich mit der Turmstraße in Berlin-Moabit. Hier hat die Entwicklung des ehemaligen Hertie Gebäudes zu einem Upgrade der Lage geführt. Zusätzlich wird in diesem Bereich, in der alten Schultheiß-Brauerei, nun auch ein Shopping-Center des Berliner Projektentwicklers Harald G. Huth entstehen. Hier werden voraussichtlich insbesondere regionale und nationale Filialisten den Standort beleben. Die Berliner Stadtteillagen bieten also durchaus auch attraktive Expansions- Tab. 14: Shopping-Center in Berlin NAME LAGE ERÖFFNUNG GESAMTMIETFLÄCHE IN M² VERKAUFSFLÄCHE IN M² SHOPS Gropius Passagen Stadtteil 2011 93.900 67.680 148 Boulevard Berlin Stadtteil 2012 88.100 67.000 120 Helle Mitte Stadtteil 2008 70.000 56.000 159 Alexa Innenstadt 2007 56.600 45.280 197 Ring-Center Stadtteil 2007 n.a. 45.200 103 Potsdamer Platz Arkaden Innenstadt 2009 n.a. 40.000 130 Märkisches Zentrum Stadtteil 2002 n.a. 40.000 96 Eastgate Stadtteil 2005 n.a. 35.000 147 Spandau Arcaden Stadtteil 2001 59.400 33.680 114 Forum Köpenick Stadtteil 1997 n.a. 32.500 140 Schultheiss-Quartier Stadtteil 2015 n.a. 29.600 120 Wilmersdorfer Arcaden Stadtteil 2007 41.600 26.160 109 Linden-Center Stadtteil 1995 n.a. 25.000 88 Gesundbrunnen-Center Stadtteil 1997 n.a. 25.000 105 Biesdorf Center Stadtteil 2003 n.a. 24.720 36 Europa-Center Innenstadt 2007 n.a. 24.080 75 Das Schloss Stadtteil 2006 48.300 24.000 88 Rathaus-Center Pankow Stadtteil 2006 n.a. 23.000 64 Hallen am Borsigturm Stadtteil 1999 n.a. 22.000 116 Kudamm-Karree Innenstadt 1974 n.a. 21.600 43 Neukölln Arcaden Stadtteil 2002 37.900 21.200 53 Forum Steglitz Stadtteil 2007 32.000 20.160 74 Schillerpark-Center Berlin Stadtteil 2001 25.000 20.000 16 Tempelhofer Hafen Stadtteil 2009 37.000 19.760 70 Schönhauser Allee Arcaden Stadtteil 1999 29.000 18.240 96 Seite 84 ©2014, CBRE GmbH Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Shopping-Center in Berlin – Fluch oder Segen? September Juni 2014 2010 ansätze, die sich aber je nach Lage nicht immer direkt erschließen. Regionale und nationale Einzelhändler mit nahversorgenden Konzepten können hier gute Expansionsmöglichkeiten finden. Selbst internationale, progressive Pioniere können sich hier profilieren, vorausgesetzt, das Konzept stimmt mit dem Konsummilieu des jeweiligen Kiezes überein und trifft sozusagen den Nerv der Kunden. Innenstadt (offenes SC) 2000 23.200 17.200 28 Park Center Treptow Stadtteil 1999 27.700 17.000 51 Tegel Center Stadtteil 1972 n.a. 15.900 42 Der Clou Stadtteil 2011 19.800 15.800 42 Adlershofer Tor Stadtteil 2003 19.700 15.760 16 RathausPassagen Innenstadt 2004 20.100 15.500 36 Forum Landsberger Allee Stadtteil 1998 n.a. 15.000 21 Marktplatz Center Hellersdorf Stadtteil 1998 17.300 14.400 40 Zentrum Schöneweide Stadtteil 2003 n.a. 14.160 47 Center am Juliusturm Stadtteil 1995 17.500 13.800 17 Bikini Berlin Innenstadt 2014 51.100 13.600 58 Märkische Zeile Berlin Stadtteil 1975 n.a. 13.000 32 Schloss-Straßen-Center Berlin Stadtteil 2012 n.a. 12.800 29 Neumann Forum Pankow Stadtteil 2003 14.600 11.680 29 Hohenschönhauser Tor Stadtteil 1997 13.800 11.040 14 EKZ Elcknerplatz Stadtteil 2012 13.000 10.400 12 Allee-Center Berlin Stadtteil 1994 12.300 10.120 53 Mühlenberg-Center Stadtteil 1997 11.500 9.200 39 Center Am Tierpark Stadtteil 1997 11.000 8.800 55 Kaufmitte Siemensstadt Stadtteil 1961 n.a. 8.800 32 Schlosspark-Passage Berlin-Buch Stadtteil 2007 13.700 7.600 27 Spree Center Berlin-Hellersdorf Stadtteil 1993 11.600 7.000 53 Allende-Center Stadtteil 1998 n.a. 6.640 29 Berlin-Carré Innenstadt 2015 7.600 6.080 Cittipoint Stadtteil 2000 5.600 4.480 Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Neues Kranzler Eck Quelle: CBRE 2014 Berlin - Hauptstadt der Shopping-Center Was für die Schloßstraße als „Hauptstraße“ der Einkaufszentren im Kleinen gilt, gilt für Berlin im Großen: Berlin ist die inoffizielle „Hauptstadt“ der Shopping-Center in Deutschland. Mit mittlerweile 40 Shopping-Centern über 10.000 m² Verkaufsfläche, ohne Fachmarkt- und Nahversorgungszentren, hat Berlin seinen Status als „Hauptstadt der Shopping-Center“ noch einmal ausgebaut. Seite 85 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Dabei sind die Grenzen zwischen Berlin und seinem Umland, auch „Speckgürtel“ genannt, fließend, so dass die fünf dort ansässigen Shopping-Center durchaus zum Marktgebiet Berlins hinzugerechnet Die Shopping-Center unterscheiden sich zum Teil deutlich in Aufmachung und Angebot. Von der Mega-Mall wie die dieses Jahr eröffnende Mall of Berlin am Leipziger Platz, zum Alexa am Alexanderplatz, über etablierte Stadtteil-Center wie das Eastgate, die Gropius Passagen oder die Spandau Arcaden bis hin zu spezialisierten Shopping-Centern wie das Stilwerk in der Kantstraße oder das jüngst eröffnete Bikini Berlin, hat Berlin viel zu bieten. Dieser Expansionskanal wird von einer Vielzahl von Einzelhändlern genutzt und trägt dazu bei, dass Berlin die führende Stadt auf dem Einzelhandelsvermietungsmarkt in Deutschland ist. Die hohe Dichte an Shopping-Centern hat ihren Ursprung vor allem in der historischen Teilung der Stadt. Insgesamt sind innerhalb von 20 Jahren 34 neue Center auf den Markt gekommen. Der Großteil dieser Center ist im östlichen Stadtgebiet entstanden, da hier systembedingt eine klare Unterversorgung der Bevölkerung mit Einzelhandels(flächen)angeboten vorlag. Die Shopping-Center übernahmen die Funktion der im westlichen Stadtteil etablierten Stadtteillagen. Ein Großteil dieser Center liegt an den großen Ausfallstraßen als Verkehrsstandorte. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 werden können. Hierzu kommen noch mal diverse Fachmarktzentren, Galerien und kleinere Handelsagglomerationen, so dass sie Anzahl der Center auf über 70 steigt. Seite 86 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Die Auswirkungen der Shopping-Center auf die lokale Versorgungsstruktur sind vielfältig. Deutliche Lageverbesserungen schufen z. B. das Alexa am Alexanderplatz, das oft schon als Sinnbild für das Einzelhandelsangebot am Alexanderplatz gesehen wird. Ähnliches kann auch für Das Schloss für die südliche Schloßstraße bestätigt werden, wobei der Boulevard Berlin eher die Konkurrenz zwischen den Shopping-Centern erhöht, aber die Bedeutung der Schloßstraße insgesamt noch einmal gestärkt hat. Ergänzende bzw. komplementäre Funktionen haben z. B. die Friedrichstadt Passagen, The Q und das Q 205 auf der Friedrichstraße. Auch die Schönhauser Allee Arcaden in Berlin-Prenzlauer Berg sind ein gutes Beispiel für die Integration eines Shopping-Centers als Stadtteilcenter. Einstmals negative, jedoch mittlerweile kompensierte Wirkungen hatten die Wilmersdorf Arcaden und die Spandau Arcaden, wobei das EastGate in seinem Marktgebiet wohl bis auf weiteres die komplette Einzelhandelsversorgung übernommen hat. Als Entwicklungshemmnis für die Einzelhandelsentwicklung kann das KuDamm Karree angeführt werden, das seit 2007 auf eine nachhaltige Neupositionierung wartet. Tab. 15: Shopping-Center in Planung in Berlin SHOPPING-CENTER PLANUNGEN IN BERLIN Name Lage Geplante Eröffnung Gesamtmietfläche in m² Verkaufsfläche in m² Volt Innenstadt 2017 17.000 13.600 Schultheiss-Quartier Stadtteil 2015 37.000 29.600 Spree Shopping Berlin / AnschutzaStadtteil real 2017 31.250 25.000 Karstadt Kurfürstendamm 2017 n.a. n.a. Innenstadt Quelle: CBRE 2014 Die Annahme, dass trotz der hohen Dichte die Projektentwicklungen von weiteren Shopping-Centern nun gestoppt sei, ist sicherlich nicht zutreffend. Derzeit sind vier weitere Neubau-Projekte projektiert. Der Hauptanteil beschränkt sich dabei auf die Stadtbezirke Berlins, da dort sicherlich noch das größte Entwicklungspotenzial zu realisieren ist. Dabei handelt es sich nicht um solitäre Standorte, sondern politisch und bauleitplanerisch gesteuerte Objekte mit Anbindung an etablierte Stadtteillagen, um die Versorgungsfunktion am Standort zu stärken. Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Innenstadt und Stadtteil – noch mehr Shopping-Center für Berliner Einzelhandelsmarkt So plant der Berliner Projektentwickler Harald G. Huth mit seiner Projektentwicklungsgesellschaft High Gain House die Entwicklung des Areals der ehemaligen Schultheiss Brauerei in Berlin-Moabit. Auf dem Anschutz-Areal in direkter Nähe zur O2 World soll ebenfalls ein weiteres Shopping-Center entstehen und das bereits hohe Freizeitangebot am Standort ergänzen. In der Berliner Innenstadt wären das Volt in der City Ost und der ehemalige Karstadt am Kurfürstendamm zu erwähnen. Auf der Rückseite des Alexa Shopping-Centers an der Voltairestraße soll nun ein Shopping-Center mit Fokus auf Freizeit und Sport entstehen. Die Pläne der Entwicklung eines Nahversorgungszentrums mit dem Projektnamen Chez Voltaire wurden überworfen und das Projekt mit dem deutlich dynamisch klingenden Projektnamen Volt positioniert. In welchem Maße diese Pläne marktfähig sind, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abgesehen werden, da das Gelände an der Voltairestraße bereits oft beplant, jedoch bis dato dort noch kein Shopping-Center entwickelt wurde. Wie bereits erwähnt, plant der der Projektentwickler Harald G. Huth die Entwicklung des ehemaligen Karstadts am Kurfürstendamm. Derzeit können noch keine konkreten Aussagen über die Konzeption gemacht werden, da wohl noch Schlüsselgrundstücke zur Entwicklung des Areals zum ShoppingCenter fehlen. Bei einer schlüssigen Konzeptidee am Standort ist jedoch von einer Steigerung der Einkaufsattraktivität des Kurfürstendamms auszugehen. Da aber mit einer Eröffnung vor 2017 nicht zu rechnen ist, wird diese Entwicklung eher perspektivischen Charakter haben. Seite 87 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Derzeit scheint es, dass nach 2014 nur noch eingeschränkt neue großflächige Objekte in Berlin auf den Markt kommen. Vollständig auszuschließen ist dies jedoch nicht. Impression: Brandenburger Tor Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Am Ende wird der Kunde entscheiden, welche Angebotsform er bevorzugt: Das urbane Flair der Weltstadt Berlin oder die kompakte, „künstliche“ und neu geschaffene Struktur der Shopping-Center. Auch unter den Shopping-Centern wird der Wettbewerb verschärft Spuren zeigen. Seite 88 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Quelle: CBRE 2014 Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Für weitere Informationen: Andreas Malich Senior Director, Head of Retail Agency East CBRE Retail - Agency East Hausvogteiplatz 10 10117 Berlin t: +49 30 72 61 54 27 5 e: [email protected] Alexander Torwegge Associate Director, Retail Agency East CBRE Retail - Agency East Hausvogteiplatz 10 10117 Berlin t: +49 30 72 6154 11 15 7 e: [email protected] Isabel Meyer Senior Consultant, Retail Agency East CBRE Retail - Agency East Hausvogteiplatz 10 10117 Berlin t: T +49 30 72 61 54 17 1 e: [email protected] Roger Goyk Consultant, Retail Agency East Seite 89 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 CBRE Retail - Agency East Hausvogteiplatz 10 10117 Berlin t: T +49 30 72 61 54 20 9 e: [email protected] Special Report Einzelhandelsreport Berlin 2014 Sven Buchsteiner Senior Consultant CBRE Retail - Retail Consulting & Research Bockenheimer Landstraße 24 60323 Frankfurt t: T +49 69 17 00 77 66 2 e: [email protected] DISCLAIMER 2014 CBRE Seite 90 ©2014, CBRE GmbH September Juni 2014 2010 Die hierin enthaltenen Informationen stammen aus Quellen, die für zuverlässig erachtet werden. 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