Ausgabe Nr. 06, Juni 2016 - dbb beamtenbund und tarifunion

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Ausgabe Nr. 06, Juni 2016 - dbb beamtenbund und tarifunion
6
AiR Aktiv im Ruhestand
Juni 2016 – 67. Jahrgang
SENIOREN REISEN:
Urlaubs(t)räume
Seite 5 <
Uwe Schröder,
Präsident der
Generalzoll­direktion,
Bonn
Seite 10 <
Aktuelle Gesetz­
gebungsverfahren:
In vielem nicht
konkret genug
mit
dbb Seiten
Aktiv im Ruhestand
Barrierefrei auf Reisen
<< Schwerpunkt: Senioren reisen
Quelle:
Homepage des Deutschen Hotel- und
Gaststättenverbandes (www.dehoga-bundesverband.de/
branchenthemen/barrierefreiheit)
<<
Nachgefragt
<<
5
Uwe Schröder, Präsident der
Generalzolldirektion, Bonn
5
Standpunkt
<<
Kommunikation der Zukunft:
digital = genial?
6
kompakt
8
<<
Rentendebatte: Vorsorge- und
Betriebsrente zur Pflicht machen
8
<<
UN-Behindertenrechtskonvention:
Aktionsplan wird fortgeschrieben
9
<<
Aktuelle Gesetzgebungsverfahren:
In vielem nicht konkret genug
10
Blickpunkt
<<
Urlaub mit Arztbegleitung:
Medicus im Reisebus
12
Medien
<<
12
Reisebuchung online:
Kostenfallen vermeiden
14
Brennpunkt
<<
Reiseandenken-Schmuggel:
Alles im grünen Bereich?
3
16
Aktuell
14
Impressum:
AiR – Aktiv im Ruhestand. Magazin des dbb für Ruhestandsbeamte, Rentner und
Hinterbliebene. Herausgeber: Bundesleitung des dbb beamtenbund und tarifunion,
Friedrichstraße 169, 10117 Berlin. Telefon: 030.4081-40. Telefax: 030.4081-5599. In­
ternet: www.dbb.de. E-Mail: [email protected]. Chefredakteur: Dr. Walter Schmitz
(sm). Redak­tion: Christine Bonath (cri), Jan Brenner (br) sowie Carl-Walter Bauer (cwb),
Alexandra Hagen-Freusberg (hf) und Andreas Krause (ak). ­Redaktionsschluss: 10. jeden Monats. Beiträge, die mit dem Namen des Verfassers gekennzeichnet sind, geben
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­erscheint zehnmal im Jahr. Titelbild: © WavebreakMediaMicro – Fotolia.com Einsendungen
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nächste Jahr bezahlt werden. Layout: Patrick Boetselaars, FDS, Geldern. Verlag: dbb
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ort und Bestell­anschrift: Friedrichstraße 165, 10117 Berlin. Telefon: 030.7261917-0. Telefax:
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dbbverlag.de. Anzeigenleitung: Petra Opitz-Hannen, Telefon: 02102.74023-715. Anzeigen­
verkauf: Panagiotis Chrissovergis, Telefon: 02102.74023-714. Anzeigendisposition:
Britta Urbanski, T­ elefon: 02102.74023-712. Anzeigentarif Nr. 57 (dbb magazin) und Aktiv
im Ruhestand Nr. 44, gültig ab 1.10.2015. Druckauflage: dbb magazin 597 097 Exemplare
(IVW 1/2016). Druckauf­lage AiR – Aktiv im Ruhestand 16 000 Exemplare (IVW 1/2016).
Anzeigenschluss: 6 Wochen vor Erscheinen. Herstellung: L.N. Schaffrath GmbH & Co. KG
DruckMedien, Marktweg 42–50, 47608 Geldern. Gedruckt auf Papier aus elementarchlorfrei gebleichtem Zellstoff.
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird der Einfachheit halber nur
die männliche Form verwendet. Sämtliche Personen- und Berufsbezeichnungen gelten jedoch gleichermaßen für alle Geschlechter.
ISSN 1438-4841
Flexible Lebensarbeitszeit: Arbeit 70.0? 4
16
<<
Amtsarzt handelt grob fahrlässig:
Dienstherr muss zahlen
18
<<
Seniorenpolitische Fachtagung:
Alterseinkünfte heute und morgen
19
Aus den Ländern
<<
BRH NRW: Arbeitnehmerempfang
der Landesregierung
20
<<
dbb mecklenburg-vorpommern:
Gleitender Übergang in die Rente
21
<<
BRH Sachsen: Mit Infostand
auf der VitaGRANDE
21
Satire
22
Buchtipp
23
Gewinnspiel
24
dbb
<
dbb forum ÖFFENTLICHER DIENST:
Zehn Jahre Föderalismusreform(en)
30
<
Nachwuchswerbung im öffentlichen
Dienst: Du bist mir ’ne Marke ...
34
<
Diskriminierung am Arbeitsplatz:
Bei den Führungskräften fängt es an
38
<
EWSA-Stellungnahme zur Verschärfung
des Waffenrechts: Europa nach den
Anschlägen von Paris
44
<
Interview mit Prof. Dr. Johanna Wanka,
Bundesministerin für Bildung und
Forschung46
_0ZY57_IVW LOGO-frei.pdf; s1; (53.55 x 51.43 mm); 20.May 2016 13:58:47; PDF-CMYK ab 150dpi für Prinergy; L. N. Schaffrath DruckMedien
> AiR | Juni
2016| > brh Inhalt
„Barrierefreiheit ist nicht nur für behinderte
Menschen Voraussetzung eines selbstbestimm­
ten Lebens und eines stressfreien Urlaubs. Auch
andere mobilitätseingeschränkte Personen­
gruppen, zum Beispiel Eltern mit Kleinkindern,
Unfallgeschädigte oder Senioren, profitieren
von Maßnahmen der Barrierefreiheit. Dieses
Nachfragepotenzial wird sich in den nächsten
Jahren durch den steigenden Anteil älterer Per­
sonen an der Bevölkerung und durch die zu­
nehmende Reisefreudigkeit der Senioren deut­
lich erhöhen. Der wichtigen Zielgruppe der
‚neuen Senioren‘ muss Rechnung getragen
werden. In Bezug auf behinderte Reisende hat
eine Studie des Bundesministeriums für Wirt­
schaft und Arbeit ergeben, dass hier ein erheb­
liches Nachfragepotenzial besteht, das zurzeit
nicht befriedigt werden kann: Ein großer Teil
dieser Zielgruppe würde häufiger verreisen
und mehr Geld im Urlaub ausgeben, wenn
es mehr passende Angebote für sie gäbe.“
Editorial
Aktiv im Ruhestand
Flexible Lebensarbeitszeit:
Editorial
4
Zurzeit wird unter dem
Schlagwort „Arbeit 4.0“
die Auswirkung der Digi­
talisierung auf die Arbeitswelt diskutiert – auch in
der öffentlichen Verwaltung. Arbeit soll zeitlich
und räumlich besser an
die familiäre Situation angepasst werden können.
Dank der Segnungen von
Homeoffice und Co. sowie
der anstehenden Flexibilisierung des Renteneintrittsalters mit verbesserten Zuverdiensten zur (Teil-)Rente
dürfte es vielen Senioren
zuzumuten sein – ob sie
wollen oder nicht – , noch
einige Jahre länger im Job
zu bleiben: Droht Arbeit
70.0? Werden die Lebens­
älteren bis zum 70. Lebensjahr oder gar darüber hinaus arbeiten müssen?
Fakt ist, dass die weniger
werdenden Jungen die
mehr werdenden Älteren
auf der Grundlage des derzeit gültigen Generationenvertrages, der nach
dem Umlageverfahren
funktioniert, absehbar
nicht mehr versorgen können. An drei Stellschrauben
kann gedreht werden, um
Abhilfe zu schaffen: an den
Beiträgen, an der Rentenhöhe und am Renteneintrittsalter. Am Ende, wenn
die Bundestagswahl 2017
die politischen Karten neu
gemischt hat, wird es auf
einen „ausgewogenen
Kompromiss“ hinauslaufen, der sich aus einer
­moderaten Beitragserhöhung, einer Hinausschiebung des Rentenbeginns
um weitere Monate oder
Jahre ab dem Jahr 2030
über das 67. Lebensjahr
> AiR | Juni 2016
© sepy – Fotolia.com
Arbeit 70.0?
<
< Neue Rentenflexibilität für Senioren: Nachtarbeit im Homeoffice?
hinaus sowie einer leichten
Senkung des Rentenniveaus
zusammensetzt. Favorisiert wird zurzeit eine Flexibilisierung des Rentenbeginns, weil sich diese Maßnahme angesichts der demografischen Entwicklung
offenbar am leichtesten begründen und alle darüber
hinausgehenden Maßnahmen offen lässt.
Rückenwind hat die Über­
legung zur Verlängerung
der Lebensarbeitszeit
durch die Organisation
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erhalten, die
prognostiziert hat, dass
Deutschland ohne Reformen bis 2069 bei den Renten mindestens 2,5 Prozent
des Bruttoinlandproduktes
zulegen müsste, was die
Tragfähigkeit der öffent­
lichen Finanzen stark beeinträchtigen würde. Ihr
Vorschlag: Das Renteneintrittsalter muss an die steigende Lebenserwartung
gekoppelt werden. Bundesfinanzminister Wolfgang
Schäuble hat diesen Ansatz
aufgegriffen, und die Junge
Union hat sich inzwischen
sogar für einen Rentenbeginn ab dem 70. Lebensjahr
ausgesprochen. Eine solch
rigide Setzung für jedermann dürfte indes keine
Lösung sein, denn eine Datenerhebung des Statistischen Bundesamtes mit
den Zahlen aus 2014 hat
ergeben, dass etwa ein
Viertel der Menschen vor
dem 70. Lebensjahr sterben
und das Rentenalter gar
nicht erreichen würden.
Mitte Mai 2016 hat die Koalition einen Kompromiss
zum flexiblen Einstieg in die
Rente ab dem 63. Lebensjahr vorgelegt, der 2017 in
Kraft treten soll. Bei vorgezogenem Rentenbeginn
können 14 mal 450 Euro
(6 300 Euro) im Jahr hinzuverdient werden, ohne dass
die Rente gekürzt werden
würde. Darüber hinausge-
hende Zuverdienste werden generell zu 40 Prozent
auf die Rente angerechnet,
die geltenden starren Regeln werden abgeschafft.
Für Arbeitnehmer wie Arbeitgeber sollen sich neue
Spielräume eröffnen, den
Übergang in die Rente gleitend zu gestalten, denn
auch das längere Arbeiten,
die individuelle Heraufsetzung der Lebensarbeitszeit, wird erleichtert.
Bei aller Flexibilität muss
indes sichergestellt werden, dass es sich um Wahlfreiheit handelt, nicht um
einen heimlichen Zwang,
immer länger zu arbeiten,
damit es am Ende zum Leben reicht. Und ein Weiteres: Die Flexi-Rente, so wenig revolutionär sie auch
zurzeit noch sein mag, ist
ein Schritt in die richtige
Richtung. Er wird bei der
Beamtenversorgung – systemimmanent – nachvollzogen werden müssen.
sm
?
Aktiv im Ruhestand
Eine Frage an
Uwe Schröder, Präsident der Generalzolldirektion, Bonn:
Finger weg von
solchen Produkten
„Urlauber versuchen immer wieder, Mineralien,
Pflanzen, Tiere oder Produktfälschungen zu
schmuggeln. Oft gibt es dabei ein böses Erwachen, sei es bereits bei der Ausreise aus dem
Gastland oder bei der Einreise nach Deutschland.
Warum ist der ‚Reiseandenken-Schmuggel‘
keineswegs ein Kavaliersdelikt, Herr Präsident?“
– wirkungslose oder gesundheitsgefährdende
Stoffe enthalten. Davor
kann ich nur eindringlich
warnen. 2015 wurde der
Zoll in mehr als 23 000 Fällen fündig und beschlagnahmte gefälschte Waren
im Wert von über 132 Milli-
onen Euro. Die Einfuhrkontrollen des Zolls sind eine
der wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen die
Produktpiraten. Wir haben
die Produktpiraten im Visier und Sie sollten sich
nicht zu ihren Kunden
machen.
Kulturgüter kann ein Urlauber nicht unbedingt auf
den ersten Blick erkennen.
Dazu zählen zum Beispiel
auch seltene Mineralien,
Antiquitäten, bedeutende
Bücher, Bilder und Zeichnungen, die die Geschichte eines Landes erzählen,
Auskünfte über den Ursprung von Traditionen,
Technologien und so weiter geben, sodass ein Verschwinden einen schweren und unwiederbring­
lichen Verlust für die Kultur darstellen kann. Auch
hier helfen wir mit unseren Kontrollen, den illegalen Handel mit Kulturgütern zu verhindern. ▶
Die Grenze der
Legalität ...
Auch der Schmuggel mit
gefälschten Markenartikeln
blüht. Das verursacht zunächst einmal einen enormen wirtschaftlichen Schaden und Wettbewerbsverzerrung. Mindestens ebenso dramatisch können aber
die Auswirkungen auf die
Verbraucherinnen und Verbraucher sein. In vielen gefälschten Produkten sind
Schadstoffe oder – zum
Beispiel bei Arzneimitteln
Generalzolldirektion
<<
AiR:
<
< Uwe Schröder
> AiR | Juni 2016
5
Nachgefragt
Auch wenn sich das Wort
„Reisemitbringsel“ harmlos anhört: Manches davon
hat schwere Folgen. Täglich sterben weltweit 150
Tier- und Pflanzenarten
aus. Mit jeder ausgestorbenen Art wird unsere Welt
ärmer an Farben, Formen
und Geräuschen. Der Zoll
trägt mit seinen intensiven
Kontrollen dazu bei, Verstöße gegen den Artenschutz aufzudecken und
die Vielfalt der Natur zu
schützen. Leider sind die
Aufgriffe des Zolls auch im
letzten Jahr stark angestiegen. Im Jahr 2014 waren es
noch circa 118 000 Tiere,
Pflanzen oder daraus hergestellte Objekte. In 2015
haben wir über 580 000
Stück beschlagnahmt. Hier
trägt jeder von uns ein
Stück weit persönlich Verantwortung für unsere Natur. Deshalb: Finger weg
von solchen Produkten!
Aktiv im Ruhestand
Es sind nicht immer nur
skrupellose Sammler, die
dem Zoll ins Netz gehen.
Leider tragen auch viele
Reisende – wissentlich oder
unwissentlich – dazu bei,
dass der Handel mit geschützten Arten, gefälschten Markenartikeln, Kulturgütern und vielen anderen
verbotenen Waren blüht.
Oft sind es einfach Souvenirs, die Touristinnen und
Touristen in fremden Län-
dern ange­boten werden.
Doch nicht alles, was gefällt, darf mit nach Hause
genommen werden! Die Art
oder Menge der Mitbringsel
kann entscheidend sein, ob
im Urlaub nur Ländergrenzen oder ob die Grenze der
Legalität überschritten
wird. Wenn Sie eine Auslandsreise planen, sollten
Sie sich vorab über die aktuellen Zollbestimmungen
informieren, um bei der
Rückkehr nicht fahrlässig
zum Schmuggler zu werden. Denn Unwissenheit
schützt vor Strafe nicht.
<<
... wird schnell
überschritten
Zu Ihrer Information steht
Ihnen die App „Zoll und
Reise“, die im Apple App
Store und im Google Play
Store (Android-Market)
kostenlos heruntergeladen
werden kann, zur Verfügung. Mit der App kann
man auch noch im Urlaub
schnell und einfach herausfinden, welche Waren bei
der Einreise nach Deutschland erlaubt sind. Auch Einfuhrabgaben werden sofort berechnet, falls die
Freimenge überschritten ist.
Dasselbe können Sie aber
auch auf der Internetseite
des Zolls unter www.zoll.de
finden.
Friedhelm Windmüller
Kommunikation der Zukunft:
digital = genial?
Standpunkt
6
Die Digitalisierung greift immer mehr um sich. Unser Leben wird immer
stärker beeinflusst durch das Fortschreiten der digitalen Veränderungen. Es
gibt bald keinen Bereich mehr, der ausgenommen wird. Ob sich dies als Segen oder Fluch auswirkt, wird die Zukunft weisen. Die Entwicklung kann
aber jeder selbst steuern.
Eine Tatsache steht jedoch
außer Frage: Wir werden
die Digitalisierung nicht
aufhalten. Was können wir
also tun? Wir müssen und
sollten uns mit den neuen
Gegebenheiten auseinandersetzen und diese in eine menschlich akzeptable
Form bringen, die jeden
mitnimmt und keine Gruppe ausschließt. Fatal wäre
es, wenn die Digitalisierung zu einer Spaltung
führen würde. Eine Spaltung zwischen Jung und
Alt, zwischen Arm und
Reich oder zwischen frei­er Lebensgestaltung und
Dienstleistung mit starken
Abhängigkeiten.
Betrachten wir dazu doch
einmal unterschiedliche
Bereiche: Im aktiven
Dienst können wir in der
modernen Welt digital-online unsere Arbeit erledi> AiR | Juni 2016
gen. Wir können Familienpflichten und Pflege mit
unserem Beruf verbinden,
doch haben wir dabei auch
an mögliche negative Folgen gedacht?
Wie sieht es mit der Gesundheit aus? Was passiert
mit dem beruflichen Fortkommen? Lässt sich die digitale Arbeitswelt von unserem Privatleben trennen? Es gibt noch sehr viel
mehr Fragen, die an dieser
Stelle gestellt werden
könnten. Wichtig ist dabei,
jede Sichtweise zu erörtern mit ihren positiven
und negativen Auswirkungen, denn wir müssen uns
vor Überforderung oder
moderner Ausbeutung
schützen.
Besondere Veränderungen
wird die fortschreitende
Digitalisierung für ältere
Menschen bringen. Nicht
nur, weil man fit sein sollte
im Umgang mit den modernen Medien, da diese
sich auf Dauer kaum noch
umgehen lassen werden.
Alltägliche Erledigungen
werden digital rund um
die Uhr und nicht nur von
9 bis 17 Uhr möglich sein,
zum Beispiel Anträge stellen in der Verwaltung, Auskünfte einholen, Einkäufe
bestellen, Vereinbarung
von Behandlungsterminen
und vieles mehr. Kein Bereich wird ausgenommen
sein. Alle könnten immer
und überall erreichbar sein.
Die Digitalisierung hat
also durchaus Charme und
bringt auch für uns Ältere
Verbesserungen mit sich.
Mithilfe der Digitalisierung
des Autoverkehrs, insbesondere durch die Entwicklung neuer Assistenzsyste-
<
< Uta Kramer-Schröder
me bis hin zum selbstfahrenden Auto, können wir
länger mobil bleiben und
am aktiven Leben teilhaben – nicht zuletzt im
ländlichen Raum. Gerade
diese Teilhabe ist ein enormer Gewinn.
Wir sollten daher darauf
achten, dass möglichst viele Menschen einen Nutzen
aus der Digitalisierung ziehen können. Tragen wir
das Unsere dazu bei, damit
die Digitalisierung ein
Erfolg wird.
Uta Kramer-Schröder,
Zweite Vorsitzende
der dbb bundesseniorenvertretung
Aktiv im Ruhestand
Rentendebatte:
Vorsorge- und Betriebsrente zur Pflicht machen
Kompakt
8
In dem der Altersversorgung zugrunde liegenden
Drei-Säulen-Modell aus gesetzlicher Rente, Betriebsrente und pri­vater Altersvorsorge umfasse nur die
gesetzliche Rente den
Großteil der Leistungsbezieher. „Daneben gibt es
Hunderttausende, etwa
viele Selbstständige, die gar
keine Altersversorgung haben, nur 60 Prozent der Arbeitnehmer bekommen
eine Betriebsrente, nur 40
Prozent der Leute haben
private Vorsorgeelemente.
Das sind die Differenzen,
die dafür sorgen, dass das
Gesamtpaket nicht funk­
tioniert“, erläuterte
Dauderstädt.
Der dbb Chef regte an, darüber nachzudenken, „ob
wir nicht ähnlich wie in der
Kranken- und Pflegeversicherung für alle Menschen
in diesem Land eine allgemeine Pflicht für eine Altersvorsorge einführen
mit solidarisch finanzierten Schutzregelungen für
diejenigen, die das nicht
leisten können“. Auch mit
Blick auf die Betriebsrenten forderte Dauderstädt
Änderungen: „Das Pro­
blem ist, dass 40 Prozent
der Arbeitnehmer in diesem Land keine betriebliche Altersversorgung haben – daran müssen wir
etwas ändern. Wir haben
im Betriebsrentengesetz
einen Rechtsanspruch auf
eine betriebliche Altersversorgung, aber nur auf Entgeltumwandlung, die der
> AiR | Juni 2016
ZDF/Jule Roehr
In der aktuellen Rentendebatte hat dbb Chef Klaus Dauderstädt im ZDF-Polittalk „maybrit illner“ zum
Thema „Reiches Land, arme Rentner – Deutschlands Zukunft?“ am 19. Mai 2016 die Einführung einer
Alters­vorsorge- und Betriebsrentenpflicht angeregt.
<
< Klaus Dauderstädt und der Blogger Sascha Lobo diskutierten
im ZDF.
Arbeitnehmer selbst finanzieren muss. Dagegen gibt
es keinen Anspruch darauf,
dass jeder von seinem Arbeitgeber eine Betriebsrente fordern darf.“
Man müsse überlegen, diese zweite Säule des Alterseinkommens zu stärken,
weil eben die erste Säule
der gesetzlichen Rentenversicherung die Altersversorgung als Sicherung des
gewohnten Lebensstandards nicht alleine trage,
so Dauderstädt. Er unterstrich zudem, dass das
Funktionieren des Rentenversicherungssystems
nachhaltig auch auf die
neuen Arbeitswelten abgestellt sein müsse. „Das
System ist eingefahren auf
ein Modell der Arbeit, das
wir nur noch zum Teil vorfinden. Die neuen digitalisierten Arbeitswelten werden da nicht abgebildet,
deswegen bekommen vie-
le gar keine oder nur sehr
wenig Rente. Dazu kommt,
dass es Einkunftsarten
gibt, die bislang gar nicht
rentenrelevant sind, etwa
Kapital- oder Vermögenseinkünfte. Auch das sind
Punkte, über die wir reden
müssen“, so Dauderstädt.
Neiddebatten mit Blick auf
die Altersversorgung der
Beamtinnen und Beamten,
getragen von wenig objektiven Vergleichen zwischen
Durchschnittsrenten und
Durchschnittspensionen,
erteilte der dbb Chef eine
klare Absage: „Mit den
Beamten hat man die falsche Gruppe im Visier –
Systeme, die funktionieren, muss man nicht in den
Fokus nehmen.“ Die Beamten trügen wesentlich dazu bei, dass ihr System der
Altersversorgung finanzierbar bleibe, betonte
Dauderstädt. „Sie zahlen
seit vielen Jahren in ihre
Altersversorgung ein, das
wird immer verkannt. Wir
haben inzwischen ein Niveau von zwei Prozent der
laufenden Besoldung, das
in die Pensionsfinanzierung eingeht“, so Dauderstädt. Darüber hinaus wären die Beamten als Steuerzahler ebenfalls an der
Finanzierung des Rentensystems beteiligt – „jeder
dritte Euro des Staatshaushalts geht als Bundeszuschuss in die Rentenversicherung“, so Dauderstädt.
<<
Fahrplan für Ost-WestAngleichung
In der Rentendebatte
warb der dbb Chef au­
ßerdem dafür, die Angleichung zwischen Ost- und
West-Renten zu vollziehen. Die Große Koalition
habe 2013 vereinbart,
den Angleichungsprozess
fortzusetzen und bis 2020
die volle Gleichstellung
mit einem Rentenüber­
leitungsabschlussgesetz
festzuschreiben. Uneins
sei man sich, ob und wie
die Länder dabei eingebunden werden sollen.
Bereits im April hatten
die Ministerpräsidenten
der östlichen Bundes­
länder den Bundestag
aufgefordert, dafür einen
verbindlichen Fahrplan
vorzulegen. Dies sei zu
unterstützen, sagte Dauderstädt beim Festakt zum
25-jährigen Bestehen des
tbb beamtenbund und
tarifunion thüringen am
20. Mai 2016 in Erfurt.
Aktiv im Ruhestand
UN-Behindertenrechtskonvention:
Nationaler Aktionsplan wird fortgeschrieben
„Auch für behinderte Auszubildende wird im öffentlichen Dienst noch lange
nicht genug getan oder in
Aussicht gestellt, um eine
tatsächliche Inklusion zu
erreichen. Es müssen konkrete Maßnahmen entwi-
ckelt werden, auch um vor
dem Hintergrund des demografischen Wandels erfolgreich Nachwuchs zu
gewinnen.“ Kritisch sehe
der dbb auch, dass im Nationalen Aktionsplan 2 –
wie bereits im NAP 1 – Interessen und Bedürfnisse
älterer Menschen nur unzureichend berücksichtigt
Behinderungen noch Nachbesserungsbedarf. Bei einer
Anhörung zum Entwurf des
Bundesteilhabegesetzes
am 24. Mai 2016 in Berlin
machte dies Heinz Pütz,
Vorsitzender der AG Be­
hindertenpolitik, deutlich.
Zwar seien einige mit der
Reform des Sozialgesetzbuches (SGB) IX verbundene
werden, so Silberbach.
„Hinweise auf konkrete aktuelle Maßnahmen sucht
man leider vergebens.“
Forderungen des dbb aufgegriffen worden. „So gibt
es beispielsweise Verbesserungen beim Hinzuverdienst,
und das Schonvermögen
wird erhöht“, sagte Pütz.
„Aber die Stärkung der
Rechte von Schwerbehindertenvertretungen geht
uns nicht weit genug. Hier
sieht der dbb noch Hand-
Scharfe Kritik übt der dbb
daran, dass sich der Per­
sonenkreis, der die Eingliederungshilfe in Anspruch
nehmen kann, verkleinern
könnte, weil der Gesetz© auremar – Fotolia.com
„Ziel muss es sein, im
‚eigenen Haus‘ einen vorbildlichen Umgang und
ein inklusives Zusammenarbeiten selbstverständlich werden zu lassen und
zu einer Verbesserung der
beruflichen Teilhabe betroffener Menschen gemäß der UN-Behinder­
tenrechtskonvention zu
kommen“, bekräftigte
Silberbach. So sei der öffentliche Dienst im Handlungsfeld Arbeit und Beschäftigung in dem Entwurf noch nicht ausreichend in den Fokus gerückt.
„Schließlich kommt ihm
faktisch eine Doppelrolle
zu: Der öffentliche Dienst
schafft einerseits die Voraussetzungen, etwa durch
die Umsetzung gesetzlicher Änderungen und die
Steuerung von Förderungsmaßnahmen. Zum anderen ist er selbst Arbeitgeber.“ Stärker als bislang
müssten Beschäftigungsmöglichkeiten für schwerbehinderte Menschen im
öffentlichen Dienst geschaffen werden.
lungsbedarf.“ Der vorgelegte Referentenentwurf vereint erstmals das Reha- und
Teilhaberecht sowie die aus
dem SGB XII herausgelöste
Eingliederungshilfe „unter
einem Dach“. Dies sei ebenso zu begrüßen wie der
neue Behinderungsbegriff,
der nunmehr um Sinnesbeeinträchtigungen ergänzt
wird und auch Wechselwirkungen mit einstellungsund umweltbedingten Barrieren berücksichtigt.
<<
Bundesteilhabegesetz
Der dbb sieht auch beim
Gesetz zur Stärkung der
Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit
entwurf das Erfordernis
einer „erheblichen Teilhabebeeinträchtigung“ vorsieht.
„Sollte der entsprechende
Passus nicht geändert werden, muss es zumindest eine angemessene Vertrauensschutzregelung für derzeitige Bezieher der Eingliederungshilfe geben“,
forderte Pütz. > AiR | Juni 2016
9
Kompakt
Der Nationale Aktionsplan (NAP) zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention wird fortgeschrieben. Der dbb begrüßt den von der Bundesregierung vorgelegten Referentenentwurf zum NAP 2 in einer Stellungnahme,
mahnt aber zugleich weiterreichende Schritte im Bereich des öffentlichen
Dienstes an. „Dem öffentlichen Dienst als größtem Arbeitgeber Deutschlands kommt aus unserer Sicht eine Vorreiterrolle zu“, sagte der stellvertretende dbb Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach vor der Anhörung zu dem
Gesetzentwurf am 20. Mai 2016 in Berlin.
Aktiv im Ruhestand
Aktuelle Gesetzgebungsverfahren:
In vielem nicht konkret genug
Die Ministerien für Arbeit und Soziales sowie für Gesundheit haben
dem dbb kurz hintereinander Referentenentwürfe für einen Nationalen
Aktionsplan 2.0 zur UN-Behindertenrechtskonvention (NAP 2), ein Bundes­
teilhabe­gesetz und das Dritte Pflegestärkungsgesetz zur Stellungnahme
übersandt.
det keinen angemessenen
Niederschlag im NAP 2.
© pressmaster – Fotolia.com
Kompakt
10
Insbesondere bei Bundesteilhabegesetz und Nationalem Aktionsplan 2.0 ist
der enge zeitliche Zusammenhang nicht nur nachvollziehbar, sondern nahezu zwangsläufig, wie an
zahlreichen Bezugnahmen
deutlich wird. Enthält der
Nationale Aktionsplan
eher Ankündigungen
und Willensbekundungen,
finden sich im Bundes­
teilhabegesetz konkrete
Regelungen.
Auch zwischen dem NAP 2
und dem Dritten Pflegestärkungsgesetz (PSG III)
gibt es eine Verbindung,
da die Pflegestärkungsgesetze und die Stärkung der
> AiR | Juni 2016
Rolle der Kommunen, die
mit dem PSG III erfolgen
soll, zu den Maßnahmen
des NAP 2 gehört. Weiteres Ziel des PSG III ist die
Übertragung der Regelungen in PSG I und II in das
SGB XII (Sozialhilfe) und
das Recht der sozialen Entschädigung, da beides unmittelbar von dem neuen
Pflegebedürftigkeitsbegriff und dem neuen Begutachtungsverfahren
betroffen sein werden.
<<
Symptome werden
bekämpft ...
Der Titel des Nationalen
Aktionsplans „Unser Weg
in eine inklusive Gesell-
schaft“ lässt vermuten,
dass dieser Weg in dem
Entwurf beschrieben wird.
Dies ist jedoch nur bedingt
der Fall. Während konsequenterweise ein besonderer Schwerpunkt auf
Maßnahmen zur Förderung der beruflichen Inte­
gration von Menschen mit
Behinderung in den allgemeinen Arbeitsmarkt gelegt wird, setzt sich in dem
Entwurf leider die zu geringe Beachtung der Interessen und Bedürfnisse älterer Menschen in diesem
Kontext aus dem NAP 1
fort. Aber auch die besondere Rolle des öffentlichen
Dienstes als größter Arbeitgeber in Deutschland fin-
Im Rahmen der Ausführungen zum Handlungsfeld
„Ältere Menschen“ wird
zwar festgestellt, dass es
sich hierbei um eine Aufgabe von zunehmend hoher gesellschaftlicher Bedeutung handele, einen
Hinweis auf konkret um­
gesetzte oder vor der Umsetzung stehende Maßnahmen sucht man jedoch
vergebens. Der NAP erschöpft sich insoweit in
der Wiedergabe der entsprechenden Artikel der
UN-BRK, in der Feststellung bereits bekannter
Fakten wie der Tatsache,
dass Demenz nach wie
vor ein tabubelastetes
Krankheitsbild ist und es
an niedrigschwelliger Hilfe
und Unterstützung für ältere Menschen fehlt, sowie
der Ankündigung von Programmen und Projekten.
Selbst diese Programme
und Projekte, sollten sie
tatsächlich Realität werden, betreffen nur einzelne, teilweise sehr speziel­le Problemkreise. Daher
muss das Aktionsprogramm „Mehrgenerationenhäuser II“, das am 1. Januar 2017 starten soll und
in großem Maß den Wünschen und Bedürfnissen
älterer Menschen Rechnung trägt, positiv her­
vorgehoben werden.
<<
... aber nicht deren
Ursachen
Auch die mehrfach erwähnte Absicht, Maßnahmen zu
ergreifen, um Behinderungen zu vermeiden, zum
Aktiv im Ruhestand
Der Nationale Aktionsplan
dürfte deutlich effektiver
sein, wenn zwischen den
Feststellungen und Maßnahmen zu den einzelnen
Handlungsfeldern und
Querschnittsthemen eine
größere Verbindung hergestellt werden würde und
diese nicht weitgehend nebeneinander abgehandelt
würden.
Von den zahlreichen im
NAP 2 aufgeführten Projekten beziehungsweise
Maßnahmen sollen hier
beispielhaft die zur Berufseinstiegsbegleitung
in die betriebliche Ausbildung, zur Förderung und
Weiterentwicklung von
Integrationsprojekten,
zur Stärkung der Rechte
von Frauen in Werkstätten für Menschen mit
Behinderungen, zur Aus-,
Fort- und Weiterbildung
von pädagogischen Fachkräften, zur Verbesserung
des Angebots und der
Qualität der medizinischen Rehabilitation, zur
Verbesserung der Frühförderung und die Agenda
„Gemeinsam für Menschen mit Demenz“ erwähnt werden. Bemerkenswert, allerdings nicht
im positiven Sinn, ist, dass
immer noch Projekte zur
Sensibilisierung der Arbeitgeber für die Ausbildung und Beschäftigung
von Menschen mit Be­
hinderungen notwendig
sind. hf
© Alexander Raths – Fotolia.com
Beispiel durch Entwicklung
von Angeboten und Instrumenten, die das Erkennen
von psychischen Risikofaktoren leichter machen, oder
das ausdrücklich betonte
Ziel medizinischer Rehabilitation, auch chronische
Krankheiten zu vermeiden,
entspricht ganz besonders
den Bedürfnissen älterer
Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer. Gerade dieser Personenkreis ist von
chronischen Krankheiten
und damit einhergehenden Einschränkungen der
Erwerbsfähigkeit bedroht.
Dies wiederum führt zu einer größeren Gefahr von
Altersarmut.
> AiR | Juni 2016
Aktiv im Ruhestand
Pauschalurlaub mit Arztbegleitung:
Medicus im Reisebus
Blickpunkt
12
Der Welt aufs Dach steigen
im Himalaya trotz Bluthochdruck und Kurzatmigkeit?
Den geheimnisvollen Tempelbezirk von Angkor Wat
im tropisch-schwülen Klima Kambodschas trotz bekannter Herz-KreislaufProbleme erkunden oder
mit dem Rollator den steilen Pfad hinauf zu einem
Vulkankrater wandern?
Fehlanzeige – signalisiert
ein Blick ins Kleingedruckte seriöser Anbieter: Urlaubsträume dieser Art
können auch die Veranstalter hochwertiger Pauschalrundreisen mit Arztbegleitung nicht erfüllen.
Wer beispielsweise eine
14-tägige Rundreise nach
Südwestafrika unternehmen möchte, um das „Naturerlebnis Namibia“ zu
genießen, in 19 Tagen China und Tibet kennenzulernen plant oder sieben Tage
mit dem Bus die Schönheiten des Baltikums erkundet, muss gewisse gesundheitliche Anforderungen
mitbringen.
<<
Guter Allgemeinzu­
stand Voraussetzung
„Voraussetzung für alle
Rundreisen ist ein guter allgemeiner Gesundheitszustand“, heißt es etwa
in den Reiseinformationen
zu „Ärztlich begleiteten
Rundreisen“ von „Medi> AiR | Juni 2016
© samc – Fotolia.com
Einen Arzt „an Bord“ zu haben, ist kein Privileg mehr von Kreuzfahrtpassagieren oder in Luxus schwelgenden Weltenbummlern. Mit steigender Nachfrage der heutigen Seniorengeneration, die wirtschaftlich wohlhabender und gesundheitlich fitter ist als jede vor ihr, vergrößert sich auch das Angebot an
Pauschalreisen mit Arztbegleitung. Wer im bunten Bilderwald der Reiseveranstalter nach einem entsprechenden Angebot fahndet, sollte jedoch genau hinschauen, für welche Reise und in welchem Umfang ärztliche Betreuung erfolgt. In Zweifelsfällen lohnt sich der Weg ins Reisebüro.
Plus“. Das Unternehmen,
das nach eigenen Anga­ben
zu den „führenden Anbietern von Senioren- und Gesundheitsreisen“ zählt,
weist unmissverständlich
daraufhin, dass bei den Reiseteilnehmern „keine wesentliche Einschränkung der
körperlichen Leistungsfähigkeit“ bestehen darf, da
mitunter unebenes Gelände, Gefälle und steile Treppen bewältigt werden
müssten. „Insbesondere im
Fall von Vor- oder chronischen Erkrankungen“ sei es
zudem unverzichtbar, Medikamente, die stän­dig eingenommen werden müssten, in ausreichender Menge mitzunehmen, da in den
Reiseleistungen keine Arzneimittel enthalten seien.
Auch rät der Veranstalter,
vor Reisebeginn nochmals
den Hausarzt aufzusuchen.
Ausgeschlossen von einer
Reiseteilnahme sind: „Personen mit eingeschränkter
Beinbeweglichkeit, die auf
einen Rollator oder Rollstuhl
angewiesen sind, Personen,
die vor weniger als vier Wochen einen Herzschrittmacher eingesetzt bekommen
haben, Personen, die vor
weniger als vier Monaten
einen Herzinfarkt oder eine
Herzoperation hatten, Personen mit Atembeschwerden, beispielsweise auftretender Luftnot, wenn sie 50
Meter gehen oder ein Stockwerk Treppen steigen, Personen mit zunehmenden
Flüssigkeitseinlagerungen
(Ödemen) sowie Personen
mit wiederholt auftretendem Schwindel oder
Bewusst­losigkeiten.“
Diese Hinweise zum all­
gemeinen Gesundheits­
zustand sowie zum Ausschluss von der Reiseteilnahme finden sich nahe­zu
wortgleich auch in den Zusatzinformationen, die
„Berge und Meer“ den arztbegleiteten Reisen auf seiner Internetseite widmet.
Keine eindeutigen Aussagen diesbezüglich liefert
die Internetseite von „Tour
Vital“. Zwar unterhält der
laut Eigenaussage „weltweit führende Anbieter im
Bereich des Arzt-Reisens“
ebenfalls ein eigenes Buchungsportal, Informationen über den erforderlichen Gesundheitszustand
des Teilnehmerkreises sind
jedoch nicht auffindbar.
Diese Form des Reisens
biete den Kunden „hervorragenden Service sowie
­eine zuverlässige Betreuung“ während des Urlaubs,
heißt es dort.
Aktiv im Ruhestand
<<
Im Zweifelsfall
besser ins Reisebüro
Unklare Informationen
zum erforderlichen Gesundheitszustand sind
aber nicht der einzige
Grund, warum man bei
der vermeintlich unkom­
plizierten Internetbu­chung alle denkbare Vorsicht walten lassen sollte:
Einige Anbieter bieten
­keine direkte Buchungsmöglichkeit. Statt mit
dem Veranstalter direkt
in Kontakt zu treten, werden die Reiseinteressenten
auf große kommerzielle
Buchungsportale geleitet,
deren Handhabung nicht
immer zu den gewünschten – und infolge der besonderen Reiseanforde­
rungen auch dringend erwünschten – Ergebnissen
führt.
Wer wirklich wissen
möchte, was er bei welcher arztbegleiteten Reise
bekommt und wie viel er
dafür bezahlen soll, ist gut
beraten, ein Reisebüro
aufzusuchen. „MediPlus“
beispielsweise empfiehlt
deutschlandweit ausgewählte Reise-Agenturen
als „Gesundheitsreisebüros“. Deren Mitarbeiter
kennen sich gewiss auch
mit den Offerten konkurrierender Veranstalter aus.
So unübersichtlich manches Leistungsdetail in den
Angeboten sein mag: Die
Qualifikation der Begleitärzte erwies sich bei allen
von AiR betrachteten Beispielanbietern als gleichwertig. Es handelt sich um
in Deutschland zugelassene Mediziner, die in der Regel über längere Berufserfahrung verfügen und zum
Teil schon seit vielen Jahren Reisegruppen begleiten. Die meisten Begleitärzte haben zudem Fortbildungen in Reise- und
Tropenmedizin absolviert.
„Unser begleitender Arzt
gibt Ihnen Sicherheit während der Reise. Als erfahrener Mediziner steht er Ihnen 24 Stunden täglich beratend zur Seite. Um Ihnen
den bestmöglichen Service
zu bieten, begleiten Sie die
Ärzte ab dem Flughafen in
Deutschland und werden
Sie zum Urlaubsende auch
an diesem Ort verabschieden“, informieren seriöse
Anbieter nahezu gleichlautend über die dem Medi­
ziner zugedachten Aufgaben. Rundreisen mit ärzt­
licher Begleitung, bekräftigen die Anbieter, „gönnen
Ihnen mehr Ruhepausen
und trotzdem sehen Sie
alle Highlights Ihres Rei­
seziels“.
<<
bei kleinen Schwächezuständen oder leichtem Unwohlsein und er begleitet
Betroffene mit bei schwerer wiegenden Beeinträchtigungen zu einem einheimischen Arzt oder in eine
Klinik, wo er die Therapie
überwacht.
Begleitreise tauscht, kennt
seine Mission genau: „Die
Leute sollen ihre Reise
auch erleben. Und dazu
gehört, dass man auf einem chinesischen Markt
eben auch mal etwas probiert. Hier kann ich schon
Hinweise geben.“
Zudem verstehen sich viele Reiseärzte als eine Art
Reiseführer für Leib und
Seele: „In Tibet liegt schon
die Hauptstadt Lhasa auf
einer Höhe von 4 200 Meter, auch 5 000 Meter werden erreicht. Einen Arzt dabei zu haben, der sich mit
der Höhenkrankheit auskennt, gibt vielen Sicherheit“, berichtet Dr. Walter
Brinker im Medizineronlineforum medscape.com.
„Ich halte dann einen kleinen Vortrag über Symptome und Verhaltensmaßnahmen, bevor wir den
Berg besteigen, damit jeder weiß, was auf ihn zukommt – und man weiß,
dass Kopfschmerzen auch
normal sein können.“
Die schlimmste Krankheit,
die Dr. Walter Brinker in all
den Jahren als Reisearzt in
Aktion brachte, war ein gebrochener Fuß.
cri
Der leidenschaftliche Globetrotter, der die Arbeit
in seiner Frauenarztpraxis
dreimal im Jahr gegen eine
<< Webtipp:
Erste Informationen
über die Anbieter von
pauschal buchbaren
Rundreisen mit Arztbegleitung bietet zum Beispiel das Internetportal
Seniorenreiseninfo:
www.seniorenreisen.
info/betreutesenioren
reisen
Beispiele für Anbieter
mit eigener Buchungsplattform:
www.mediplusreisen.de
www.berge-meer.de
www.tourvital.de
Der Arzt als
Berater und Begleiter
Die Botschaft zielt auf den
Effekt „Wohlfühlen durch
Sicherheit“: Der Arzt berät,
wenn beispielsweise ein
Reisender unsicher ist, ob
seine Tagesform für eine
anstrengendere Aktivität
in großer Höhe oder bei
heftiger Hitze ausreicht,
er betreut „Patienten“
> AiR | Juni 2016
13
Blickpunkt
Ein wenig zu vage vielleicht für Menschen, die
sich gerade wegen einer
sehr konkreten gesundheitlichen Beeinträchtigung in ärzt­licher Obhut
gut aufgehoben wissen –
und im Gegenzug bereit
sind, für dieses Privileg
tiefer in die Tasche zu
greifen. Im Vergleich zu
einer gleich­artigen Pauschalrundreise ohne Arzt
beginnen die Zusatzkosten
– je nach Reiseziel und
-dauer – pro Person bei
rund 100 Euro plus.
Aktiv im Ruhestand
Reisebuchung online:
Kostenfallen
vermeiden
Medien
Pauschalangebote mit Flug,
Transfer und Hotel sind beliebt, nicht zuletzt wegen
der unkomplizierten Buchung. Trotzdem kann es
sich lohnen, Flug, Transfer
und Hotel getrennt voneinander zu buchen. Je nach
Reise kann das bis zu mehreren Hundert Euro günstiger sein als ein Pauschal­
angebot. Hotels und Flüge
finden sich leicht über die
unzähligen Suchportale im
Internet. Zwar geben alle
vor, immer die preiswerteste Variante zu finden.
In Wirklichkeit ist das aber
nicht bei allen Anbietern
so, insbesondere nicht bei
jenen, die von prominenten
Stars beworben werden.
<<
Von Klick zu Klick
wird’s teurer
Anhand einer konkreten
Flugbuchung im beliebten
> AiR | Juni 2016
Portal „fluege.de“ hat AiR
am 9. Mai 2016 die Probe
aufs Exempel gemacht:
Am 26. Mai 2016 sollte es
nach Antalya in der Türkei
gehen, am 3. Juni 2016 zurück von Antalya nach Berlin. fluege.de spuckte als
günstigsten Hinflug ein
Angebot von Condor (Flug
DE 784) um 14:25 Uhr zu
55,74 Euro, als Rückflug einen Flug mit Pegasus Air
(Flug PC 5563) um 5:50 Uhr
zu 61,25 Euro aus. Gesamtpreis 116,99 Euro – der gilt
allerdings nur bei Zahlung
mit der „fluege.de MasterCard GOLD“. Da wir eine Reise buchen und keine Kreditkarte kaufen wollen, stellen wir die Zahlungsart auf
„Lastschrift“ um. Prompt verteuerte sich der Flugpreis
auf 166,97 Euro, weil fluege.de eine „ServiceFee pro
Strecke“ von je 24,99 Euro
aufschlägt. Dabei muss
der Urlauber auf der unübersichtlich gehaltenen
Buchungsseite auch noch
höllisch aufpassen, dass er
nicht versehentlich eine
Reiserücktrittsversicherung
und eine ziemlich überflüssige Umbuchungsmöglichkeit mitbucht, weil er in
den entsprechenden Auswahlkästchen den falschen
Wert gewählt hat.
Wir machen die Gegenprobe und versuchen, dieselben Flüge über das Internet direkt bei den Fluggesellschaften Condor und
Pegasus zu buchen. Dazu
benutzen wir die Flugsuche von Google (flights.
google.de) und finden unsere Flüge mit identischen
Flugnummern zum Gesamtpreis von 107 Euro.
Würden wir auf 20 Kilo
Koffergewicht verzichten,
könnten wir den Hinflug
© Romolo Tavani – Fotolia.com
14
Der Sommer ist auch für viele Seniorinnen und
Senioren eine beliebte Reisezeit. Das Internet
macht es leicht, die Traumreise zu finden und
zu buchen. Aber nicht alles, was auf den ersten
Blick wie ein Schnäppchen aussieht, ist am Ende
wirklich günstig. Schuld daran sind Buchungsportale,
die die Branche mit unlauteren Mitteln in Verruf bringen. AiR zeigt, wie man Kostenfallen umgeht und wirklich den günstigsten Preis findet.
bei Condor statt zu 58 sogar für 39,99 Euro buchen.
Da eine Sitzplatzreservierung extra kostet, verzichten wir darauf. Der Rückflug über Pegasus kostet
mit 20 Kilo Gepäck 49 Euro, nur mit Handgepäck 43
Euro. Der Gesamtpreis von
107 Euro mit Koffergepäck,
direkt über die von Google
gefundenen Fluglinien gebucht, stimmt. Google verabschiedet sich und leitet
uns für Hin- und Rückflug
direkt in die jeweiligen Buchungssysteme der Fluglinien, wo sich der Preis
nicht weiter erhöht.
<<
Im Dschungel
der Portale
Wir machen eine dritte
Probe über das Portal
„Swoodoo“, das zur
Schweizer Kayak GmbH
gehört. Swoodoo findet
Aktiv im Ruhestand
Zuletzt verifizieren wir die
von Google ausgegebenen
Flugpreise zur Sicherheit
noch einmal direkt über
die Internetseiten von Condor und Pegasus, ohne vorher Google zu bemühen.
Ergebnis: Die von Google
ermittelten Preise und
Verbindungen waren korrekt, wir kommen für 107
Euro mit Koffer und ohne
Schnickschnack von Berlin
nach Antalya und zurück.
Die sogenannte „ServiceFee“ von fluege.de entpuppt sich demnach als
Bearbeitungsgebühr, die
einzig und allein dem Unternehmen Unister aus
Leipzig zugutekommt, zu
dem neben fluege.de auch
die Internetportale „ab-inden-urlaub.de“, „hotelreservierung.de“, „reisen.de“,
„preisvergleich.de“ und andere, zum Teil nicht unter
der Marke Unister gelistete
Portale gehören.
Seit 2012 steht das einstige Vorzeigeunternehmen
aus Ostdeutschland im
Kreuzfeuer von Verbraucherschützern und Staatsanwaltschaft. Im Raum
stehen Vorwürfe, die von
Preisbetrug über Verstöße
gegen geltendes EU-Recht
bis hin zur Steuerhinterziehung reichen. Mit juristischen Problemen steht
Unister nicht allein da:
Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute hatte Check24 verklagt, weil er dem Portal
eine Irreführung der Verbraucher vorwirft. Check24
stelle sich zwar als verbraucherfreundliches Preisvergleichsportal dar, arbeite
in Wahrheit aber wie ein
Makler, der Provisionen
von den Anbietern kassiert. Künftig wird Check24
Kunden deutlicher auf diesen Umstand hinweisen
müssen, wie das Landgericht München klarstellte.
<<
Vor der Buchung
unbedingt vergleichen
Dasselbe wie für Flüge gilt
auch für Pauschalreisen
oder Hotelbuchungen: Die
großen Reisevergleichsportale bieten eine gute Basis,
um sich über Reiseziele
und Preise zu informieren.
Soll es aber zur Buchung
kommen, sollte unbedingt
auf versteckte Kosten geachtet und mit anderen
Anbietern verglichen werden – am besten direkt mit
dem entsprechenden Angebot des Reiseveranstalters, dessen Angebot das
Reiseportal buchen will.
Wer die Traumreise online
gefunden hat, kann mit
dem Angebot auch in das
Reisebüro um die Ecke gehen. Die Reisekaufleute vor
Ort finden im eigenen Katalog vielleicht dieselbe
oder eine vergleichbare
Reise zu einem günstigeren Preis und bieten den
Vorteil, Ansprechpartner
für alle Fragen rund um
den Urlaub zu sein. Außerdem lohnt für dbb Mitglieder auch ein Blick auf die
Reiseangebote der dbb vorteilswelt, wo Seriosität und
gute Konditionen selbstverständlich sind (www.
dbb-vorteilswelt.de).
Soll es in Deutschland auf
Tour gehen, ist für Senioren meist die Bahn das
Verkehrsmittel der Wahl
– obwohl eine Studie der
Hochschule für nachhal­
tige Entwicklung Eberswalde herausgefunden
hat, dass die Bahn als Verkehrsmittel unter Senioren gar nicht beliebt ist:
Gründe sind Unzuverlässigkeit, fehlende Bequemlichkeit und undurchschaubare Tarife.
<<
Bahnreise buchen
mit Köpfchen
Zumindest bei Letzterem
gilt: Wer früher bucht,
fährt billiger. Die Bahn hält
immer Kontingente an so­
genannten Spar­preisen
vor, die online gebucht
werden können. Statt
zum Normalpreis fährt
der Kunde dann zum Beispiel für 19 oder 29 Euro
pro Strecke quer durch
Deutschland. Mit der
Bahncard 25 bekommen
Kunden sogar noch einmal
25 Prozent Rabatt auf den
Sparpreis – mit der Bahncard 50 dagegen gibt es
keinen Rabatt mehr auf
den Sparpreis. Gut zu wissen ist, dass es je nach
Auswahl von Reiseklasse
oder Zugbindung (die Bahn
nennt die oft teureren
Fahrkarten ohne Zugbindung „Flexticket“) noch
einmal günstiger geht.
So kann eine geschickte
Kombination in der ersten
Klasse unter Umständen
sogar güns­tiger sein als
ein Ticket zweiter Klasse,
womit zumindest die Bequemlichkeit hergestellt
wäre. Hier lohnt es sich,
einfach ein wenig mit dem
Buchungssystem unter
www.bahn.de zu spielen
und verschiedene Reise­
optionen und -daten
auszuprobieren.
Ein Tipp ist auch die Pro­beBahncard 25, die derzeit
bis zum 11. Juni als „Sieger
Bahncard“ für 19 Euro in
der zweiten Klasse erhältlich ist. Möchte man die
Bahncard nicht dauerhaft
für 62 Euro pro Jahr (zweite Klasse, Senioren ab 60
Jahren für 41 Euro) abonnieren, kündigt man direkt
nach Erhalt und profitiert
trotzdem volle drei Monate von den Vergünstigungen. Die Probekarte kann
sich so bereits mit einer
Reise bezahlt machen, und
mit der aus­gedruckten Onlinebuchungsbestätigung
für die Bahncard kann der
Urlauber sofort starten,
ohne auf die Zusendung
der richtigen Karte warten
zu müssen.
Auch für Flüge innerhalb
Deutschlands gilt: Direkt
über die Internetseiten
der Fluglinien früh gebucht, kann man Inlandsflüge hin und zurück bereits für unter 70 Euro ergattern. Ökologisches Gewissen hin oder her ist das
manchmal billiger als die
Bahn. Bei diesen günstig
gebuchten Flügen lohnt
überdies keine eigene Reiserücktrittsversicherung,
da bei Nichtantritt des
Fluges die Mehrwertsteu­er für nationale Flüge, das
Passagierentgelt und die
Luftsicherheitsgebühr sowie von einigen Airlines
erfundene Fantasiege­
bühren durch die Flug­
gesellschaft erstattet
werden müssen. Diese
Gebühren machen bei
billigen Flügen den größten Teil des Gesamtpreises aus. Die einzige Voraussetzung ist, dass der
Kunde die Erstattung aktiv
beantragen muss. Auch
darf die Fluggesellschaft
keine Gebühren für die
Erstattung erheben. br
> AiR | Juni 2016
15
Medien
unsere Flüge ebenfalls –
allerdings erst nach län­
geren Einstellarbeiten an
verschiedenen Häkchen
und Auswahlboxen – für
118 Euro ohne Koffergepäck. Zur Buchung werden
wir dann auf ein anderes
Portal umgeleitet, wo sich
der Koffer für 30,58 Euro
zubuchen lässt. Da die Sache bereits hier schon
wieder teurer wird, brechen wir die Buchung ab.
Aktiv im Ruhestand
Reiseandenken-Schmuggel:
Alles im grünen Bereich?
Oder doch geschmuggelt? Das ist eine gar nicht so
einfach zu beantwortende Frage. Und so mancher
Tourist, der auf dem Flughafen den grünen Ausgang benutzt und damit signalisiert hat, nichts
verzollen zu müssen, fällt aus allen (Urlaubs-)
Wolken. Angebliches Nichtwissen, ob ein Souvenir
mitgebracht werden darf oder nicht, schützt keineswegs vor Strafe. Und mit der Nachzahlung der
Einfuhr- oder Ausfuhrabgaben und einem Bußgeld ist es längst nicht getan. Schon gar nicht,
wenn das Souvenir beispielsweise gegen das
Washingtoner Artenschutzabkommen verstößt.
Und nicht nur das: Ein Verstoß gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen liegt vor, weil kein
Krokodilleder – auch nicht
in kleinsten Mengen –
> AiR | Juni 2016
nach Deutschland beziehungsweise in die Europä­
ische Union eingeführt
werden darf. Die Zollbeamten leiten ein Strafverfahren gegen Rolf Neumann ein, das teuer für ihn
enden kann. Vergehen gegen die Artenschutzverordnung können mit Bußgeldern bis zu 50 000 Euro
geahndet werden, und im
Zweifel folgt ein Strafverfahren. Schwerer Schmuggel (gewerbs- oder ban-
<<
Fehlendes Problem­
bewusstsein
Den eigentlichen Souvenirs des Paares, ein Seidenschal, ein Kettenanhänger
aus Kokosnuss, einige Glasperlenketten und eine (gefälschte) Luxusuhr, schenken die Zollbeamten keine
große Beachtung. Hätte
Rolf Neumann sich allerdings nicht nur mit einer
Uhr begnügt, sondern
gleich vier oder fünf in den
Koffer gepackt, wäre auch
das nicht folgenlos geblieben, denn die Zollbeamten
können bei mehreren Exemplaren nicht mehr ausschließlich von Eigenbedarf, sondern von einer
kommerziellen Nutzung
ausgehen. Und genau das
steht bei Plagiaten, die in
solchen Fällen ebenfalls
beschlagnahmt und vernichtet werden, unter
Strafe.
Rolf Neumanns Recht­­fer­
tigung, schließlich kein
Tier, sondern lediglich einen Gebrauchsgegenstand
gekauft zu haben, verkennt
die Problematik. Weil durch
die große Nachfrage nach
exotischen Tieren und
Pflanzen weltweit die
biologische Vielfalt gefährdet ist, sind nicht nur bislang etwa 5 000 Tier- und
knapp 30 000 Pflanzenarten unter Artenschutz gestellt worden, sondern
auch alle daraus hergestellten Produkte und Präparate verboten. So ist die
beliebte griechische Landschildkröte als Mitbringsel
ebenso tabu wie Schmuck,
der aus Schildkrötenpanzer
gefertigt worden ist. Und
es ist beispielsweise nicht
Britta Ibald (2)
Brennpunkt
16
Ganz entspannt wollen
Inge und Rolf Neumann
den Frankfurter Flughafen
durch den grünen Bereich
verlassen. Die beiden Senioren kommen aus Thailand
zurück. Sie haben sich
nicht nur prächtig erholt,
sondern auch einige Mitbringsel im Gepäck. An die
Kroko-Handtasche, die Rolf
seiner Frau spontan bei einem Bummel durch einen
Basar in Bangkok gekauft
hat, denken die beiden dabei gar nicht, schließlich
hat der Händler ihnen
nicht nur eine Rechnung,
sondern auch ein Formular
mit vielen Stempeln und
Unterschriften ausgehändigt – angeblich für die legale Ausfuhr der Tasche
aus Thailand. Die Neumanns werden in Frankfurt routinemäßig zur Zollkontrolle gebeten und fallen aus allen Wolken: Die
Handtasche wird sicher­
gestellt.
denmäßig), der bei den
meisten Touristen allerdings nicht vorliegt, kann
sogar mit Haftstrafen zwischen sechs Monaten und
zehn Jahren bestraft werden.
<
< Besonders weitverbreitet ist der Schmuggel von Reiseandenken: Jedes zweite vom Zoll bei der
Einreise nach Deutschland aufgedeckte Delikt wird von Urlaubsrückkehrern verübt. Der Wert
der beschlagnahmten Souvenirs beläuft sich auf etwa 46 Millionen Euro jährlich.
Aktiv im Ruhestand
nur verboten, Schnitzereien aus dem Horn des Nashorns nach Deutschland
einzuführen, sondern ebenso Potenzmittel, die als
„Wirkstoff“ gemahlenes
Horn enthalten.
Auch das in Thailand oder in
Kenia am Strand gefundene
Korallenstück darf ebenso
wenig mitgenommen werden wie eine alte Münze
oder ein behauener Stein
aus der Türkei, die antikes
Kulturgut sein könnten. Wer
bei der Ausreise mit einem
solchen Souvenir erwischt
wird, landet wegen Fluchtgefahr im Gefängnis und
wird wegen Schmuggels
antiker Kulturgüter angeklagt – keine erstrebenswerte Perspektive ...
Selbst Räucherstäbchen
aus Asien oder Afrika können bei der Einreise nach
Deutschland Probleme bereiten. Handelt es sich beispielsweise um Produkte
aus Sandel- oder Rosenholz, sollten sie sicherheitshalber erst gar nicht
gekauft werden, denn die
vom Aussterben bedrohten Baumarten stehen
unter Schutz. Sie werden
zum Großteil illegal gefällt
und verarbeitet. Ohne offizielle Dokumente (CITES)
beschlagnahmt der Zoll in
jedem Fall die duftenden
Mitbringsel. Eine Bestrafung unterbleibt allerdings, wenn die zu erhebenden Einfuhrabgaben
unter 130 Euro liegen und
überdies feststeht, dass
die Reiseandenken nicht
zum Verkauf bestimmt
sind. Ein Nachweis, der
bei 20 Markenpullovern
in verschiedenen Farben
und Größen im Gepäck
als Mitbringsel aus der
Türkei schwerlich erfol­gen könnte.
<<
ArtenschutzSuchhunde im Einsatz
Im Kampf gegen verbotene Souvenirs hat der Zoll
alle Hände voll zu tun: Jedes Jahr werden – überwiegend auf den Flughäfen – über 100 000 illegale
Produkte gefunden und
beschlagnahmt und etwa
2 000 Souvenirschmuggler
erwischt. Seit einigen Jahren setzen die Beamten
speziell ausgebildete Ar-
tenschutz-Suchhunde ein,
die Elfenbein, Schlangenhaut, Kaviar oder Papageienfedern erschnüffeln können. 1 000 Gepäckstücke
am Tag schafft ein ausgebildeter Artenschutz-Suchhund – und mit Sicherheit
findet er jedes noch so
gut versteckte illegale
Souvenir.
Mit jedem Schlangenle­
derarmband, jeder wilden
Orchidee oder jeder Antiquität geht ein Stück Artenvielfalt oder ein Stück
Kulturgut eines Landes unwiederbringlich verloren.
Das wird sich erst dann ändern, wenn die Nachfrage
Im Zweifel gibt die Botschaft des Reiselandes
Auskunft über die Einund Ausfuhrbestimmungen. Grundsätzliches findet sich auf der Internetseite www.zoll.de unter
dem Stichwort „Warenverkehr“ sowie über die App
„Zoll und Reise“, die kostenlos im Apple Store und
im Google Play Store erhältlich ist. Beim WWF
Deutschland, Infoservice,
Reinhardtstraße 14, 10117
Berlin kann kostenlos eine
griffige Broschüre „Souvenirführer“ bestellt werden.
– Alles besser, als sich mit
einem zum Schirmständer
umfunktionierten Elefantenfuß erwischen zu
lassen ...
sm
<< Skurrile Fundsachen
Was der Zoll unter anderem von Reisenden beschlagnahmt hat: lebende und ausgestopfte Tiere und Vögel,
Decken aus Fellen, Schachspiele und Schmuck aus Elfenbein, sogenannter Snake Wine (in Alkohol einge­
legte Schlangen oder Skorpione), Medizinprodukte mit
Schlangenblut, Bärengalle oder Hornmehl, Korallenketten, Taschen, Gürtel oder Stiefel aus Schlangenoder Krokodilleder, Geweihe (als Jagdtrophäen), Ikonen, Kaviar, in Windeln versteckte Goldmünzen, ausgestopfte Mini-Reptilien, Ketten aus Krokodilszähnen,
als Kinderrasseln präparierte Gürteltiere, Produktplagiate von der Luxusuhr über Markenkleidung bis zum
Edelschuh ...
> AiR | Juni 2016
17
Brennpunkt
<
< Seit einigen Jahren setzt der Zoll im Kampf gegen illegale Souvenirs sogenannte Artenschutz-Suchhunde ein, die auf 15 Geruchsgruppen trainiert sind und jedes noch so gut getarnte illegale Mitbringsel erschnüffeln – außer Sprengstoff und Drogen. Dafür sind beim Zoll andere speziell abgerichtete
vierbeinige Kollegen zuständig.
nach den exotischen Mitbringseln in den Urlaubsländern zurückgeht. Dazu
kann jeder Tourist beitragen, denn alternative Souvenirs gibt es in jedem Reiseland in Hülle und Fülle:
Töpfer- und Webwaren,
Schnitzereien, Seidenstoffe, Gewürze, traditionelle
Kleidungsstücke, Musikinstrumente, Fächer aus Palmblättern, Schmuck aus Kokosnussschalen. Mit solchen Souvenirs liegt man
nicht nur zollrechtlich richtig, sondern unterstützt
mit seinen Einkäufen auch
die heimische Wirtschaft.
Aktiv im Ruhestand
Amtsarzt handelt grob fahrlässig:
Das Dienstleistungszentrum Nord begleitete ein
dienstrechtliches Zurruhesetzungsverfahren gegen einen Beamten. Der Dienstherr des betroffenen Beamten ordnete zwecks Feststellung der
Dienstfähigkeit die Vorstellung beim Amtsarzt an.
Im Zuge des Zurruhesetzungsverfahrens wurden
von diesem verschiedene fachärztliche Gutachten
eingeholt und uneingeschränkt weitergegeben.
18
Nachdem die Gutachten
­vor­lagen, wurden diese
vom ­Amtsarzt ohne Weiteres und ohne jede Auslassung oder E
­ inschränkung
an den Dienstherrn ver-
sandt. Eine Ermächtigung
für diese umfangreiche Bekanntgabe der fachärztlichen Gutachten an den
Dienstherrn gab es nicht.
In einem sich anschließen-
© Picture-Factory – Fotolia.com
Dienstherr
muss zahlen
den Amtshaftungsverfahren gegen den Dienstherrn
des Amtsarztes stellte das
Landgericht Han­nover mit
Urteil vom 11. Fe­bruar
2016 (Az.: 6 O 302/15) fest,
dass der Amtsarzt seine
Amtspflichten gegenüber
dem zu beurteilenden Beamten v­ erletzt habe. Die
Pflichtver­letzung sei
grob fahrlässig gewesen.
Wegen der Pflichtverletzung verurteilte das oben
genannte Landgericht den
Beklagten zu 5 000 Euro
Schmerzensgeld zugunsten des klagenden
Be­amten.
Zur Begründung führte das
Urteil aus, der zuständige
Amtsarzt habe grob fahrlässig seine Pflichten verletzt. Diese Pflichten bestanden gerade gegenüber dem zu untersuchenden Beamten. Für diese
Pflichtverletzung hafte
der Dienstherr beziehungsweise die Anstellungskörperschaft, vgl.
§ 839 BGB in Verbindung
mit Art. 34 Grundgesetz.
Das Urteil ist noch nicht
rechtskräftig. ak
Aktuell
_103YO_Mitgliederwerbung 2016_AiR-A5-quer.pdf; s1; (210.00 x 148.00 mm); 27.May 2016 10:43:48; PDF-CMYK ab 150dpi für Prinergy; L. N. Schaffrath DruckMedien
Solidarität leben – Mitglieder werben
dbb
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Fachgewerkschaft ...
... und der dbb belohnt
Sie mit einem Wertscheck
und verlost am Ende
der Aktion unter allen
Werbern zusätzlich einen
attraktiven Sonderpreis.
(Aktionsschluss: 28. Februar 2017)
> AiR | Juni 2016
2016
Infos:
www.dbb.de/mitgliederwerbung
Telefon: 030.4081-40
Fax: 030.4081-5599
E-Mail: [email protected]
Friedrichstraße 169
10117 Berlin
Aktiv im Ruhestand
Seniorenpolitische Fachtagung:
Hat der Generationenvertrag eine Zukunft? –
Alterseinkünfte heute und morgen
Die 3. Seniorenpolitische Fachtagung findet am
Montag, dem 26. September 2016, im dbb forum
berlin statt. Sie greift ein Thema auf, über das immer wieder kontrovers diskutiert wird: Hat der
Generationenvertrag eine Zukunft? – Alterseinkünfte heute und morgen.
tuelle Debatte zeigt. Die
Hauptfrage lautet: Wer
soll das bezahlen?
tet haben beziehungsweise
auch durch Pflege und Betreuung ihrer Eltern noch
leisten. All dies zeigt, einfache Lösungen gibt es nicht.
Wie viel Alterssicherung
wollen wir uns in Zukunft
leisten? Wie viel Alterssicherung wird in 30 Jahren
noch leistbar sein? Wie soll
die Alterssicherung morgen finanziert werden?
Wird der Generationen­
vertrag Bestand haben?
Die dbb bundesseniorenvertretung lädt Sie ein,
mit Fachleuten aus Politik,
Wissenschaft und Verwal-
tung über diese und andere Fragen sowie Lösungsansätze zu diskutieren.
Wenn Sie teilnehmen
möchten, schicken Sie
bitte Ihre schriftliche Anmeldung unter Angabe
Ihres Namens mit vollständiger Adresse an:
dbb bundessenioren­
vertretung
Friedrichstraße 169
10117 Berlin
Fax: 030.4081-5399
E-Mail: [email protected]
Wir freuen uns auf Ihre
Anmeldung.
<< Soziale Absicherung erhalten
Der dbb Bundesvorsitzende Klaus
Dauderstädt hat vor Plänen für
eine Bürger- oder Erwerbstä­tigenversicherung gewarnt. Entsprechende Pläne gehörten „in die parlamentarischen Papierkörbe“. Beihilfe, Unfallfürsorge und Versorgung
müssten als eigenständige Systeme
erhalten bleiben. „Finger weg von der
sozialen Absicherung der Beamten“,
sagte der dbb Chef beim Festakt
zum 25-jährigen Bestehen des SBB
Beamtenbund und Tarifunion Sachsen am 30. April 2016 in Dresden.
Die Sicherungssysteme seien unverzichtbare Säulen des Berufsbeamtentums. Dazu gehörten auch
das Streikverbot und eine ordentliche Besoldung. In diesem Zusammenhang lobte Dauderstädt die
jüngste Vereinbarung zwischen
sächsischer Staatsregierung und
SBB für eine amtsangemessene Alimentation. Diese war notwendig
geworden, da das Bundesverfassungsgericht im November 2015
die entsprechenden Regelungen
im Freistaat beanstandet hatte.
Generelle Kritik übte der dbb Chef
an den Folgen der Föderalisierung
des Beamtenrechts:
„In der Besoldung, Versorgung und
im Laufbahnrecht haben wir es mit
17 verschiedenen Gesetzgebern zu
tun, da alle 16 Länder und der Bund
jeweils ihr eigenes Süppchen kochen. Gehalts­unterschiede von teilweise über 20 Prozent zwischen
den Dienstherren führen zu entsprechenden Abwanderungsbe­
wegungen.“
> AiR | Juni 2016
19
Aktuell
Der in den nächsten Jahren
immer größer werdenden
Gruppe älterer Menschen,
die aus dem Arbeitsleben
ausscheiden, steht eine
vergleichsweise kleinere
Gruppe derer gegenüber,
die mit ihrer Arbeit Rente
und Versorgung finanzieren sollen. Gleichzeitig
wollen und sollen sie für
den Nachwuchs sorgen
und selber für das Alter
vorsorgen. Zu bedenken
ist selbstverständlich auch,
dass die Generationen,
die heute oder in naher Zukunft Altersbezüge erhalten, ihren Beitrag zum Generationenvertrag geleis-
Skott
In den letzten Wochen
wurde und wird wieder
viel zu Rente und Beamtenversorgung zukünftiger Generationen geschrieben und gesprochen. Vorbei sind die Zeiten, in denen gesagt und
von manchem auch geglaubt wurde, beides sei
sicher. Die vergangenen
Jahre haben bereits wesentliche Kürzungen und
Verschlechterungen sowohl bei der Rente als
auch bei der Beamten­
versorgung gebracht, beispielsweise die Anhebung
der Regelaltersgrenze und
die Absenkung des Renten- und Versorgungsniveaus. Doch die Herausforderungen sind damit
nicht gelöst, wie die ak­
Aktiv im Ruhestand
BRH NRW:
Arbeitnehmerempfang der Landesregierung
BRH NRW
Rund 500 Vertreterinnen und Vertreter aus Gewerkschaften und Politik waren auf Einladung von
NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in die Kongresshalle Neuss zum Arbeitnehmerempfang
der Landesregierung zusammengekommen, um am 1. Mai 2016 über aktuelle arbeitspolitische
Themen zu sprechen. Auch der BRH NRW war mit einer Abordnung vertreten.
<
< Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und die BRH-NRW-Delegation auf dem Arbeitnehmerempfang in Neuss. Besonders herzlich
gratulierte die Ministerpräsidentin Klaus Zander (Mitte) zu seiner
Ehrung für langjähriges Engagement im Seniorenverband.
„Ich nutze die Gelegenheit,
Ihnen Danke zu sagen. Sie
sind es, die immer wieder
helfen, den Tag ein Stückchen besser zu machen“,
sagte Ministerpräsidentin
Hannelore Kraft auf dem
traditionellen Arbeitnehmerempfang zum „Tag der
Arbeit“. Sie schlug überaus
moderate Töne an und
versicherte: „Geld ist genug da, nur bei den Falschen!“ Ihre Botschaften
Nach ihrem Vortrag lud
Kraft zu Gesprächen ein,
widmete sich kleinen Gruppen und auch sehr gezielt
Einzelpersonen. Die Mitglieder des Seniorenverbandes BRH NRW nutzten
den Empfang zum Gedanken- und Informationsaustausch. Dabei wiesen die
BRH-Senioren besonders
auf die Probleme hin, die
zu einem Leben im Alter
in dieser Gesellschaft zur
Lösung anstehen.
Eine Begebenheit am Rande: Zur BRH-Delegation
gehörte nach schwerer
Erkrankung und langer
Pause auch der Krefelder
BRH-Vorsitzende Klaus
Zander. Landeschef Hans
Burggraf nutzte die Gelegenheit, seine immer wieder verschobene Ehrung
wegen besonderer Verdienste nachzuholen. Ehrung war dann auch das
Stichwort für die Ministerpräsidentin: Sie gratulierte
dem Jubilar nicht nur, sondern nahm ihn herzlich in
den Arm und stellte sich
so dem Gruppenfoto.
Hans Burggraf,
Vorsitzender des BRH NRW
<< dbb vorsorgewerk und dbb vorteilswelt: Alle Mehrwertangebote ...
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> AiR | Juni 2016
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MEV
Aus den Ländern
20
gegen Radikalismus und
Fremdenfeindlichkeit waren deutlich: „Jedermann
die Hand reichen, aber klare Kante gegen rechts zeigen!“ Die Ministerpräsidentin bilanzierte nicht
nur Erfolge der Landespo­
litik, sondern räumte ebenfalls ein, dass auch manches falsch gemacht worden sei. Aber man habe die
Lehren daraus gezogen.
Aktiv im Ruhestand
dbb mecklenburg-vorpommern:
Gleitender Übergang in die Rente
„Wollen dieselben, die sich volle Altersbezüge bereits ab 56 gönnen, mit der Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 70 die drohende Altersarmut verhindern?“, fragte dbb Landesvize Gerd Dümmel mit
Blick auf die Bundes­tagsab­ge­ordneten. Allein aufgrund der Zahlen aus Mecklenburg-Vorpommern
könnten solche Vorschläge nicht mehr ernst genommen werden.
In Mecklenburg-Vorpommern sind mehr als 20 000
Menschen über 55 arbeitslos. Bundesweit liegt die
Erwerbsquote in der Alterskategorie zwischen
60 und 65 gerade mal bei
50 Prozent. Nach Ansicht
der dbb mv-Senioren sollte man sich zuerst darum
kümmern, diese Menschen mit Arbeit zu versorgen. Erschwerend
komme hinzu, dass der
Aufschrei der Landespo­
litik gegen das Vorhaben
ausbleibe, denn gerade
in Mecklenburg-Vorpommern fielen Jobs nicht
vom Himmel. „Die Politik
scheint zu verkennen,
dass laut Statistischem
Bundesamt fast ein Viertel gar nicht das siebzigste Lebensjahr erreicht“,
so Dümmel weiter, „also
Finger weg von der Rente
mit 70!“
Seit Jahren plädiert der
dbb mecklenburg-vorpommern für einen gleitenden Übergang aus
dem Erwerbsleben. Auf
diese Weise würden ältere Beschäftigte auch vor
der vielfach gefühlten
Leere oder dem vermeintlichen Defizit sozialer Akzeptanz bewahrt, die ein
schlagartiges Aussteigen
aus dem Beruf häufig mit
sich bringe. „Wer gesund-
heitlich in der Lage ist,
länger zu arbeiten, der
soll das gern tun. Wer
aber seinen Buckel ein
Arbeitsleben lang hin­
gehalten hat, wie beispielsweise auf dem Bau,
bei der Feuerwehr, der
Polizei oder im Justizvollzug, der sollte ohne Abschläge auch früher gehen können“, machte
dbb Landeschef Dietmar
Knecht deutlich.
BRH Sachsen
BRH Sachsen:
Mit Infostand auf der
VitaGRANDE
Am Samstag, dem
23. April 2016, fand
zum achten Mal die
Sächsische 50plus AktivMesse VitaGRANDE im
Kongresszentrum Dresden statt. Der BRH Sachsen war nun schon zum
fünften Mal mit eigenem
Informationsstand dabei.
Das Aprilwetter meinte es
gut mit uns und sorgte in
diesem Jahr mit einer leichten Bewölkung und Regen
dafür, dass unsere Mitglieder recht zahlreich ins Kongresszentrum kamen. Sie
waren zufrieden mit der
Menge und Qualität der
Vorträge und der Vielfalt
von Informationsständen.
Mit uns gab es 60 Aussteller und das Programm bot
29 Fachvorträge.
<<
Themenvielfalt
Von großem Interesse für
die Besucher waren wieder
die Themen Vererbung,
Vorsorgevollmacht, Gesundheit, Impfpasscheck,
die Venen- und Blutzuckermessungen und Aktivitäten im reiferen Alter sowie
Schmuck, Reisen sowie
Hilfsmittel zum Fortbewegen. Aber auch die Vorträge und Workshops waren
gut bis sehr gut besucht
und haben die Möglichkeit
geschaffen, Fragen zu stellen und gleich eine Antwort zu bekommen. Oft
hat die Vortragszeit kaum
<
< Die Messebesucher informierten sich am Infostand des BRH
Sachsen über Aufgaben und Angebote des Seniorenverbandes.
gereicht, um alle Wünsche
zu erfüllen, und die Referenten standen selbst in
den Pausen noch umringt
von interessierten Zuhörern für Antworten bereit.
Ob knapp über 50 oder Ende 80 – das Altersspektrum
der Besucher war in diesem Jahr breit gefächert.
Wir sind recht zufrieden
mit dem Interesse der Besucher an der Veranstaltung. Besonders gelobt
wurden seitens unserer
Mitglieder vor allem die
herzlichen und freundlichen Aussteller sowie die
im Vorfeld der Veranstaltung übergebenen vielfäl­
tigen und informativen
Printmaterialien. Für das
nächste Jahr werden wir
Sie gern wieder einladen
und an unserem Stand begrüßen. Wir freuen uns
auf Sie.
Rita Kiriasis-Kluxen,
Landesvorsitzende
des BRH Sachsen
> AiR | Juni 2016
Aus den Ländern
21
Sehr geehrter Herr Dr. Zauderstein!
Da haben Sie mir aber – sicher ungewollt – eine Steil­
vorlage geliefert: Von wegen, ich müsse als „Seniorenlobbyistin“ noch viel lernen! Herzlichen Dank, kann ich
da nur sagen. Vielleicht haben Sie es ja in meinem Bewerbungsschreiben für die Redakteursstelle übersehen, aber nach meiner Amtsblattzeit war – und bin ich
übrigens immer noch – Vorsitzende des kleinen, aber
feinen Altenklubs unserer ehemaligen städtischen Beamten. Und die setzen ihre Anliegen gegenüber der
Kommune durch, davon können Sie ausgehen! Was
aber nun Ihren (unseren?) Verein der „Perfekten Pen­
sionäre“ angeht: Da geht mir Ihre martialische Zähneund Klauenansage gewaltig gegen den Strich! Gut, Sie
(wir?) haben ein Magazin, das manchmal etwas wütend werden darf (bei mir demnächst noch etwas wütender!), aber das war es dann auch schon mit der Lobbyarbeit. Sie, Herr Vorsitzender, haben weder einen
Draht zur Legislative, geschweige denn zur Exekutive.
Und das nennen Sie allen Ernstes Lobby? Lobby ist
auch ein Muskel. Wird sie nicht bewegt, erschlafft sie,
stirbt ab. Niemand nämlich in Berlin weiß, was Sie eigentlich für Interessen vertreten. Davon lese ich auch
nichts in Ihrer Satzung.
Und deshalb erlaube ich
mir, Ihnen einen Vorschlag
zu machen (auch wenn Sie
beim Wort „Vorschlag“ Ihre Ohren auf Durchzug
schalten, wie ich vom Kollegen Harry Haffka weiß):
Lassen Sie uns eine Interessenfindungskommission
gründen, wo wir alle berechtigten Anliegen bündeln und sie dann tatsächlich mit Zähnen und Klauen
vertreten. Dieses Gremium rekrutieren wir aus unseren
Mitgliedern unter Vorsitz von Herrn Haffka. Und in ein
paar Monaten sind Sie (wir?) die unangenehmsten Lobbyisten bei Parlament und Regierung! Die Alternative
hierzu liefert die Oma von Guido Westerwelle selig:
„Wer sich immer bückt, wird auch immer gebissen“
Mit freundlichen Grüßen
W. Freudenbächer
ORR i. R. Dr. Korbinian Zauderstein, Erster Vorsitzender des Vereins Perfekte Pensionäre e. V.
Fliederweg 17 a, 50555 Hoppenstädt
Sehr geehrte Frau Freudenbächer,
„wenn du Gott zum
Lachen bringen willst,
sag ihm, du hättest
Pläne“. Nein, so an­
maßend bin ich nun
wirklich nicht, aber ich
fürchte, Sie begeben
sich in das Fahrwasser
Ihres Vorgängers und
wollen Ihrem Vorsitzenden vorschreiben,
was er zu tun und zu
lassen hat. Gleichwohl gestehe ich mir etwas ein,
was meine Kritik an Ihnen abmildern soll, weil ich
Ihre bisherige Arbeit zu schätzen weiß. Ich bediene
mich dabei des amerikanischen Filmregisseurs Steven Spielberg: „Jeder von uns ist jedes Jahr ein an­
derer Mensch. Ich denke nicht, dass wir unser ganzes
Leben lang der gleiche Mensch bleiben.“ Will sagen:
Auch ich ändere mich. Auch ich weiß, dass die „Perfekten Pensionäre“ alles andere als perfekt sind.
Aber das musste ich Ihnen ja nicht gleich bei Ihrem
Dienstbeginn aufs Butterbrot schmieren. Doch tun
© Cello Armstrong – Fotolia.com
Satire
22
Stadtoberamtfrau i. R. Walburga Freudenbächer, Am Marktplatz 6, 74321 Albstetten
© contrastwerkstatt – Fotolia.com
RÜCKSPIEGEL
Aktiv im Ruhestand
> AiR | Juni 2016
Sie mir bitte, bitte einen einzigen Gefallen und lassen
mich mit Kommissionen oder Arbeitskreisen oder
Ausschüssen in Ruhe. Von denen habe ich während
meiner Dienstzeiten mehr als genug gehabt. Und
Freund Harry als Vorsitzender von irgendwas: Das
geht schon mal gar nicht! Und darum mache ich jetzt
Ihnen einen Vorschlag. Gewissermaßen bücke ich
mich vor Ihnen, damit Sie die einmalige Chance bekommen, mich zu beißen: Ich lasse Sie als Vorsitzende Ihres kommunalen Klön-Klubs in meinen Vorstand
wählen, schmeiße dafür einen ideenlosen Spesenritter raus und Sie, Verehrteste, hängen in unserem Namen in den Berliner Gremien der Gesetzesverdreher
rum und kämpfen für unsere Anliegen (die wir bei
Gelegenheit noch formulieren müssen). Das wird
dann Ihre Feuertaufe als Lobbyistin. Wenn Sie Erfolg
haben sollten, dürfen Sie sich freuen, wenn nicht,
darf ich mich freuen. So ist dann beiden Seiten gedient. Aber nicht vergessen: Ihr Zensor bleib ich
nach wie vor. Gleicher Mensch hin oder her!
Es grüßt Sie herzlich
cwb
Aktiv im Ruhestand
Die Unantastbaren
Nein, man muss nicht nur
immer das lesen, von dem
die Kritiker sagen, dass es
Literatur sei. Man sollte ab
und zu auch mal das lesen,
was keine Literatur im kritischen Sinne zu sein hat.
Gerade auch, weil es sich
bei diesem Buch um einen
brutalen, schwarzhumorigen, emotional beängstigenden „ganz normalen
Krimi“ aus New York
handelt.
Kaum ein Tatort oder eine
„Soko-Staffel“ interessiert
sich für das Privatleben
von Kriminalbeamten. Bei
den „Unantastbaren“ ist
das anders. Hier beherrscht das Leben nach
Dienstschluss zuweilen die
Story mehr als der eigentliche Fall, der sich aus mehreren Fällen zusammensetzt, die miteinander in
Verbindung stehen und
ihrer Unantastbarkeit im
Namen der Gerechtigkeit
– oder einer weniger höheren Macht – verlustig gehen. Die Dialoge sind die
eigentliche Würze des Krimis, aber man muss höllisch aufpassen, dass man
nicht die vielen Namen
durcheinander bringt und
Täter, Opfer und Ermittler
verwechselt.
<
< Richard Price: Die Unantastbaren. (Kriminal-)Roman.
S. Fischer 2015. 426 Seiten,
24,99 Euro, ISBN: 978-3-10002416-9
Billy Graves heißt der
Hauptperson-Polizist, der
in die Nachtschicht versetzt wurde, weil er was
verbockt hat, seine Frau
Carmen, eine Krankenschwester. Und da ist
dann noch Milton Ramos,
seines Zeichens auch Polizeibeamter, neben weiteren Kollegen und Exkollegen von Graves. Aber dieser Ramos ist für die stetig
wachsende und bedroh­
liche Spannung verantwortlich. Dass er von seiner Freundin auf eine sehr
teure Art verlassen wird,
erhöht das Bedrohungs­
potenzial, lenkt aber vermeintlich ab von dem klassischen roten Faden eines
jeden gelungenen Krimis.
Das Ende der Geschichte
ist voraussehbar. Und auch
wieder nicht. Es erhärtet
sich zwar ein Verdacht,
aber Verdächtigungen sind
so leicht (oder so schwer)
aus dem Weg zu räumen
wie diejenigen, die sie
aussprechen. Lesen! cwb
23
Buchtipp
Buchtipp:
> AiR | Juni 2016
Aktiv im Ruhestand
ein Brite
blütenlose
Wasserpflanze
von
Fehlern
befreien
rechter
Nebenfluss
der Elbe
Vorname
Strawinskys
Situation
6
dt.
Schauspieler
(Götz)
Währungscode
für Euro
würdigen,
ausunaufzeichnen hörlich
(ugs.)
kleine,
seichte
Bucht
Meerenge
der
Ostsee
Glaubensfanatiker
Getreide- geschick- Viper,
in der
kornte TäuNähe
Giftschalen schung
schlange von
Ringel-,
Saugwurm
orientalische
Kopfbedeckung
Frau
des Erec
germanischer
Gott des
Feuers
Schreibgerät
freundlich
ein
Balte
dt. Sozialist
(Friedrich)
24
Edelgas
10
Sache,
Gegenstand
engl.
Adelstitel:
Graf
schnepfenähn- Ärger,
licher
Wut
Watvogel
amerik.
Tennisspieler
(Andre)
römische
Kriegsgöttin
niederl.
Bildhauer
(Adriaen
de)
Senden Sie einfach das Lösungswort bis zum
6. Juli 2016 per E-Mail an [email protected],
per Fax an 030.40815599 oder per Post an dbb
beamtenbund und tarifunion, Redaktion AiR,
Friedrichstraße 169, 10117 Berlin. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Der Gewinner der Digitalkamera aus AiR magazin 5/2016 ist Herbert
Zimmermann, Limbach. Das Lösungswort
lautete „Historiker“.
Luftspiegelung
(französisch)
Auswanderin
Vorbedeutung
unbestimmter
Artikel
FEHLT--
Gewebe
mit
Wellenmuster
GötterGleichvater der klang
altnord. im Vers
Sage
Seerose
ital.
Geigenbauerfamilie
europäischer
Strom
Sinnesorgan
arabisch:
Sohn
> AiR | Juni 2016
jap.
Staatsmann: ...
Hirobumi
Gewürz
aus
Baumrinde
Korankapitel
Betrieb,
Unternehmen
Zaubergewalt
über
Personen
1
Wegbereiter der
Genetik
(Gregor)
Bundesstaat
der USA
russische
Stadt an
der Oka
vorübergehend
wohnen
(Hotel)
2
Schabeisen der
Kammmacher
flüssiges
Fett
amerikanische
Goldmünze
getrocknetes
Gras
Kapitän
bei
Jules
Verne
kalter
Fallwind
(Adriaküste)
Stacheltier
Abk. für Gewürz-,
Zentraler HeilOmnibus- pflanze
bahnhof
4
Bücherbord
3
österr.
Bad im
Salzkammergut
Laubbaum,
Buchengewächs
trocken;
mager
geometrische
Figur
bereitwillig
Zier-,
Nutzpflanze
tierisches
Milchorgan
11
Schiffssteueranlage
ital. Komponist
(Antonio)
Gebetsschlusswort
Brauch,
Zeremoniell
(lat.)
altrömischer
Monatstag
lat.: das
Sternbild
Zwillinge
Gussform,
Mater
(Druck)
Grundbesitzer
im Mittelalter
Pferd
Feuerkröte
übertrieben
sparsam
5
Sauerstoffverbindung
Gewinnen Sie
einen Tischgrill
von Philips.
ausschweifendes
Gelage
Held bei
Ibsen
(Peer ...)
Hotelhalle
Unterrichtsstunde
griechischer
Kriegsgott
Gewinnspiel
Rasenfläche um
das Loch
beim Golf
einer Axt
ähnliches
Spaltwerkzeug
hügelfrei,
flach
König
Israels
im A. T.
8
Salat-,
Gemüsepflanze
seemännisch:
Windseite
befestigt.
Stadtteil
in russ.
Städten
9
Wildrind,
Gämsbüffel
7
dbb
EU­Abkommen zu Anhörung und Unterrichtung:
Mehr Rechte für Bedienstete
Um es in der Zukunft besser zu
machen, wurden 2014 im sekto­
ralen sozialen Dialog – Zentral­
behörden Gespräche über eine
gemeinsame Vereinbarung zu
Anhörung und Unterrichtung
aufgenommen. Die gemeinsa­
me Arbeitnehmerdelegation
TUNED von EGÖD (Europäischer
Gewerkschaftsverband für den
Öffentlichen Dienst) und CESI
(Europäische Union Unabhängi­
ger Gewerkschaften) einigte
sich mit der Arbeitgeberseite,
hier ist auch das Bundesinnen­
ministerium vertreten, nach
knapp zweijährigen Verhand­
lungen auf europäische
Mindestanforderungen.
In der Vereinbarung mit dem
Titel „Allgemeiner Rahmen zur
Unterrichtung und Anhörung
von Staatsbediensteten und
Beschäftigten in der zentralen
Staatsverwaltung“ werden Min­
Sofern die nationalen Sozial­
partner nicht gemeinsam über
die Themen für die Anhörung
und Unterrichtung entscheiden,
sollen künftig Anhörungen zu
folgenden Themen durchge­
führt werden: Gesundheit und
Sicherheit am Arbeitsplatz, Ar­
beitszeit­ und Work­Life­Balan­
ce­Politik und Folgen von Ent­
scheidungen über die Neuorga­
nisation auf die Beschäftigungs­
bedingungen. Abhängig von
nationalem Recht können die
Themen Vergütungsleitlinien,
Geschlechtergleichstellung und
Antidiskriminierung, Berufsbil­
dung und Sozialschutz Gegen­
stand von Anhörung oder Un­
terrichtung sein.
Auch Bedienstete in Deutsch­
land können sich nun auf das
Abkommen berufen. Vor allem
mit Blick auf teils sehr kurze
Fristen der Arbeitgeber zur Be­
teiligung dürfte die Vereinba­
rung zu Verbesserungen füh­
ren. Zum Thema Anhörung
heißt es unter anderem: „Die
Anhörung erfolgt zu einem
Zeitpunkt, in einer Weise und
in einer inhaltlichen Ausgestal­
tung, die es der Arbeitnehmer­
vertretung erlaubt, eine Stel­
lungnahme abzugeben und
somit die Möglichkeit wahrzu­
nehmen, die vorgeschlagenen
Maßnahmen der staatlichen
Verwaltung auf der Grundlage
der erhaltenen Informationen
über diese Maßnahmen zu be­
einflussen.“
Bereits jetzt können sich Be­
schäftigte im Bundesdienst auf
die Regelungen beziehen, die
deutsche Bundesregierung hat
die Vereinbarung ebenfalls
über ihre Mitgliedschaft in der
Arbeitgeberdelegation aner­
kannt. Die Rechtssicherheit
könnte künftig europaweit
noch erhöht werden, sobald
die Vereinbarung zum europäi­
schen Rechtsakt geworden ist.
Ein entsprechendes Verfahren
dazu wurde offiziell auf den
Weg gebracht.
sy
< Webtipp
Mehr Informationen
zum sektoralen sozialen
Dialog – Zentralbehörden:
http://goo.gl/YJqlvM
Text der Vereinbarung:
http://goo.gl/Pl8tiM
> AiR | dbb seiten | Juni 2016
25
spezial
Vor allem seit Ausbruch der
Finanz­ und Wirtschaftskrise
war es in vielen europäischen
Ländern zu erheblichen Um­
strukturierungen in öffentli­
chen Verwaltungen gekom­
men. Nicht immer wurde die
Arbeitnehmerseite rechtzeitig
in die bevorstehenden Ände­
rungen eingebunden oder
zumindest informiert. Das
gemeinsame Interesse der
Arbeitnehmer­ und Arbeit­
geberseite, qualitativ hoch­
wertige öffentliche Dienste,
hat unter diesen einseitigen
Entscheidungen gelitten.
deststandards beschrieben,
über die die nationalen Regeln
in Qualität und Quantität hin­
ausgehen können. Ausnahmere­
gelungen sind für Bedienstete
mit hoheitlichen Aufgaben vor
allem im Bereich der nationalen
Sicherheit, der öffentlichen Ord­
nung oder der Justiz möglich.
Die Mitgliedstaaten können
besondere Bestimmungen für
diese Gruppen vorsehen.
olly ­ Fotolia
Den Bediensteten in den zentralen Staatsverwal­
tungen der EU­Mitgliedstaaten steht seit Kurzem
ein weiteres Instrument zur Verteidigung ihrer
Rechte zur Verfügung. Die Partner im europäi­
schen sektoralen sozialen Dialog – Zentralbehör­
den einigten sich auf eine innovative Vereinbarung
zu Anhörung und Unterrichtung. Die Europäische
Kommission bereitet zurzeit die Umsetzung der
Regelungen in einen europäischen Rechtsakt vor.
dbb
Nachwuchskampagne für den öffentlichen Dienst:
Die Unverzichtbaren –
dbb startet 3. Staffel
_0ZZ0Q_6dbb10_1.pdf; s1; (105.00 x 148.00 mm); 23.May 2016 10:27:44; PDF-CMYK ab 150dpi für Prinergy; L. N. Schaffrath DruckMedien
„Die Unverzichtbaren“ sind in aller Munde. Seit
2013 machen in der vom dbb initiierten Nach­
wuchskampagne für den öffentlichen Dienst
junge Beamte und Arbeitnehmer an Tausenden
Schulen der Sekundarstufe I auf Plakaten und
Postkarten sowie im Internet Werbung für den
größten, vielfältigsten und abwechslungsreichs­
ten Arbeitgeber Deutschlands. – Jetzt hat der
dbb die 3. Staffel mit weiteren Berufsbildern
gestartet.
aktuell
26
Mehr als zehn Millionen Kon­
takte hat die von Politik, Ar­
beitgebern und Verbänden
hochgelobte Kampagne mitt­
lerweile erreicht – das kann
sich sehen lassen! Junge „Un­
verzichtbare“, Beschäftigte
aus unterschiedlichen Berei­
chen des öffentlichen Diens­
tes, zeigen Gesicht für ihren
Job und erläutern in Video­
clips und Interviews, wie
spannend der Dienst bei
„Vater Staat“ ist.
_0ZZ0W_6dbb10_2_s0001.pdf; s1; (105.00 x 148.00 mm); 23.May 2016 10:27:42; PDF-CMYK ab 150dpi für Prinergy; L. N. Schaffrath DruckMedien
„Gutes Recht für alle –
auf uns ist Verlass.“
Thomas Leinweber
Rechtspfleger
<
„Ich zeige Kriminellen
die Grenze.“
Nadine Nestler
Zollinspektorin
> AiR | dbb seiten | Juni 2016
Verstärkung für
„Die Unverzichtbaren“
Seit Anfang Juni machen drei
neue Gesichter Werbung für
eine Karriere im öffentlichen
Dienst – Plakate und Postkar­
ten mit Försterin Lisa Schubert,
Zollbeamtin Nadine Nestler
und Rechtspfleger Thomas
Leinweber weisen an rund
9 000 Schulen in Deutschland
auf das Internetportal www.
die­unverzichtbaren.de hin, wo
die drei jungen Beschäftigten
und die anderen „Unverzicht­
baren“ ihre spannenden Berufe
vorstellen und es außerdem
Informationen zu mehr als 100
Berufsprofilen und einen inter­
aktiven Berufsfinder für den
öffentlichen Dienst gibt.
In Blogs berichten zudem wei­
tere junge Beschäftigte und
Auszubildende über ihre Arbeit
und ihre Motive. Auch im sozi­
alen Netzwerk „Facebook“
haben „Die Unverzichtbaren“
natürlich einen Account.
<
Lehrermappe
„Öffentlicher Dienst“
Ein weiteres Element der Kam­
pagne ist die Lehrermappe „Öf­
fentlicher Dienst“ mit einer
komplett aufbereiteten Unter­
richtseinheit zum öffentlichen
Sektor und seinen Berufen für
Schülerinnen und Schüler der
Sekundarstufe I, die den Päda­
gogen an den entsprechenden
Schulen jährlich bundesweit zur
freien Nutzung angeboten wird.
dbb
„Wie unverzichtbar Deutsch­
lands öffentlicher Dienst ist,
zeigt sich gerade jetzt, wo sei­
ne Beschäftigten unermüdlich,
kontinuierlich und sehr effektiv
an der Bewältigung der Her­
ausforderungen arbeiten, die
es durch den Flüchtlingszu­
strom zu meistern gilt. Die Kol­
legen der Sicherheitsbehörden
arbeiten parallel auf Hochtou­
ren, um den terroristischen Be­
drohungen entgegenzutreten
und Bürgerinnen und Bürger zu
schützen“, betont dbb Chef
Klaus Dauderstädt. Die Leis­
tungen der deutschen Verwal­
tung fänden weltweit Beach­
tung und Wertschätzung.
ist es wichtig, den öffentlichen
Dienst aufgabengerecht aufzu­
stellen und auszustatten“, for­
dert Dauderstädt, zumal der
demografische Wandel sein
Übriges tue. „Das heißt: Wir
brauchen mehr ‚Unverzichtba­
re‘ wir brauchen die besten
Köpfe im öffentlichen Dienst,
damit Deutschland funktio­
niert. Deswegen werden wir
mit den ‚Unverzichtbaren‘ wei­
ter intensiv Werbung für den
Berufsnachwuchs machen.“
< Info
„Und gerade jetzt, wo durch
die Überlast in unserem öffent­
lichen System die durch massi­
ve Personal­ und Sachmittel­
einsparungen in den letzten
Jahrzehnten verursachten Ver­
werfungen klar zutage treten,
Mehr Infos gibt es online
unter www.die­unverzicht
baren.de
und
www.facebook.com/
die­unverzichtbaren.
dbb Chef: „Öffentlicher
Dienst gerade jetzt unver­
zichtbar.“
_0ZZ0U_6dbb11.pdf; s1; (105.00 x 148.00 mm); 23.May 2016 10:27:41; PDF-CMYK ab 150dpi für Prinergy; L. N. Schaffrath DruckMedien
„Bei mir ist der
Lebensraum Wald
in guten Händen.“
Lisa Schubert
Försterin
< Die drei ersten der insgesamt fünf Motive der 3. Staffel: Försterin Lisa
Schubert, Zollbeamtin Nadine Nestler und Rechtspfleger Thomas Lein­
weber stellen ihre unverzichtbaren Berufe vor.
> AiR | dbb seiten | Juni 2016
dbb
spezial
28
> AiR | dbb seiten | Juni 2016
Leiharbeit und Werkverträge:
29
aktuell
Schärfere Gesetze gegen Lohndumping
In einer Stellungnahme hat der dbb geplante Änderungen am Arbeitnehmerüberlassungsgesetz und
anderen Gesetzen kritisiert. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hatte die Gesetzes­
novelle auf Grundlage des Koalitionsvertrages in mehreren Anläufen auf den Weg gebracht. „Ei­nige
Vereinbarungen aus dem Koalitionsvertrag wurden nur in abgeschwächter Form zulasten der Leihar­
beitnehmer umgesetzt. Ein großer gesetzlicher Schritt im Sinne der Beschäftigten ist das bisher nicht“,
kommentierte dbb Tarifchef Willi Russ den Gesetzesentwurf am 2. Mai 2016.
zungskriterien zwischen Werk­
vertrag und Scheinwerkvertrag.
Der dbb hat den Gesetzgeber
aufgefordert, Regelungen zu
erlassen, mit denen der Missbrauch von Werk- und Dienst­
verträgen wirksam unterbun­
den wird. Dazu müssten unter
anderem Tatbestände in das
Gesetz aufgenommen werden,
bei deren Vorliegen vermutet
wird, dass es sich um einen
Scheinwerk- beziehungsweise
Scheindienstvertrag handelt.
Das Unternehmen sollte diese
Vermutung dann widerlegen
können. Diese Erweiterung des
Gesetzes sei überfällig und zur
rechtlichen Klarstellung erfor­
derlich. Unzureichend seien da­
© K.C. – Fotolia.com
Die Koalitionsparteien hatten im
Koalitionsvertrag Änderungen
bei der Ausgestaltung von
Leiharbeit vereinbart und woll­
ten der missbräuchlichen Ge­
staltungsform des Werkvertra­
ges einen Riegel vorschieben.
Das gelte insbesondere, weil
sich die Zahl der Leiharbeitneh­
mer seit 2002 mehr als verdrei­
facht habe. „Leiharbeit sollte
ursprünglich zur Abdeckung von
Auftragsspitzen dienen. Längst
wird diese Form der vertragli­
chen Gestaltung aber auch dazu
genutzt, Stammbeschäftigte
auszutauschen oder Lohndum­
ping zu betreiben“, sagte Russ.
Völlig unzureichend sei auch die
Umsetzung der dringend erfor­
derlichen Auflistung der Abgren­
rüber hinaus die gesetzlichen
Regelungen zur Dauer der Ar­
beitnehmerüberlassung und zu
Arbeitsentgelten. „Statt Geset­
zeslücken zu schließen, werden
hier neue Schlupflöcher zulas­
ten der Beschäftigten geschaf­
fen“, so Russ.
> AiR | dbb seiten | Juni 2016
dbb
Erfolgreicher Start für das dbb forum ÖFFENTLICHER DIENST:
Zehn Jahre Föderalismusreform(en)
aktuell
30
Die 2006 beschlossene Födera­
lismusreform war ein erster
großer Schritt zur Neuordnung
der Beziehungen zwischen
Bund und Ländern, 2009 folgte
der zweite. Damit wurde die
Gesetzgebungskompetenz für
wesentliche Teile des Beam­
tenrechts vom Bund auf die
Länder übertragen. „Wir haben
eindringlich vor den Konse­
quenzen gewarnt“, sagte Ben­
ra. „Der entstandene Wettbe­
werbsföderalismus hat den
Kampf um die besten Köpfe
zwischen den Dienstherren be­
feuert, obwohl die wirtschaft­
lichen Bedingungen höchst un­
terschiedlich sind. Die Folge:
Finanzschwache Bundesländer
geraten immer stärker ins Hin­
tertreffen. Das darf nicht sein.
Denn es geht um wesentliche
Pfeiler der flächendeckenden
Daseinsvorsorge.“ Letztlich sei
dies eine Gefahr für die Ein­
heitlichkeit der Lebensverhält­
nisse in Deutschland.
<
Müntefering: Keine drit­
te Föderalismusreform
Pro­ und Kontrapositionen
machten zunächst Bundesmi­
nister a. D. Franz Müntefering
und Annegret Kramp­Karren­
bauer, Ministerpräsidentin des
Saarlandes, in Impulsvorträgen
und anschließendem Streitge­
spräch deutlich. Müntefering,
der 2003 als Vorsitzender der
SPD­Bundestagsfraktion die
Einrichtung einer Verfassungs­
kommission von Bundestag
und Bundesrat zur Modernisie­
rung der bundestaatlichen
> AiR | dbb seiten | Juni 2016
Marco Urban
Der dbb fordert für Beamte mehr Einheitlichkeit bei der Besoldung und im
Dienstrecht. „Wir haben mit Bund und Ländern 17 Gesetzgeber. Die Arbeits­
bedingungen für Beamte sind ein kleinteiliger Flickenteppich. Dieser Födera­
lismus tut Deutschland nicht gut“, sagte der stellvertretende dbb Bundes­
vorsitzende und Fachvorstand Beamtenpolitik, Hans­Ulrich Benra, am
25. Mai 2016 zur Eröffnung der neuen Veranstaltungsreihe, die sich in
diesem Jahr dem Thema „Zehn Jahre Föderalismusreform(en)“ widmete.
< Hans­Ulrich Benra
Ordnung vorgeschlagen hatte
und dann gemeinsam mit Ed­
mund Stoiber der ersten Föde­
ralismuskommission vorsaß,
erinnerte daran, dass der
Wunsch nach einer Neuord­
nung des föderalen Gefüges
bereits nach der Wiederverei­
nigung 1990 aufkam. Er ver­
wies darauf, dass die Kommis­
sion in politisch turbulenter
Zeit gearbeitet habe, etwa
durch die Neuwahlen zum
Bundestag 2006. „Die Konflikt­
linien sind nicht immer entlang
der klassischen Routen verlau­
fen“, blickte Müntefering zu­
rück. „Im Grunde war jede Po­
sition sowohl beim Bund, den
Ländern, den Kommunen als
auch in jeder Partei zu finden. “
Auch beim Dienstrecht habe es
etwa unter den Bundesländern
sehr unterschiedliche Positio­
nen gegeben. Wie auch bei
der Positionierung in Europa
drängten aber insbesondere
die großen Bundesländer dar­
auf, dass die Gesetzgebungs­
kompetenz in erster Linie bei
den Ländern liegen solle, wäh­
rend der Bund zuvorderst Inte­
resse daran hatte, die Zahl der
im Bundesrat zustimmungs­
pflichtigen Gesetze zu mini­
mieren. Letztlich habe man
sich für eine „klare Trennung“
entschieden und die Rahmen­
gesetzgebung des Bundes
aufgegeben, wodurch die Ge­
staltung der Besoldung, Ver­
sorgung und des Dienstrechts
für die jeweiligen Beamten auf
die einzelnen Länder überging.
Aus heutiger Sicht sei es be­
dauerlich, dass mit den Födera­
lismusreformen die Gemein­
schaftsaufgaben weggefallen
seien. Ganz aktuell seien der
Umgang mit den Geflüchteten
und auch mit den demogra­
fischen Herausforderungen
Beispiele, die in ein solches
Modell gepasst hätten. Au­
ßerdem führten die großen
„Binnenwanderungen“ aus
finanziell schlechter gestellten
in wirtschaftlich stärkere Bun­
desländer dazu, dass die vom
Grundgesetz postulierte
Gleichwertigkeit der Lebens­
verhältnisse in ganz Deutsch­
land nicht mehr gewährleistet
sei. Dies sei auch ein Grund,
warum der Wettbewerbsföde­
ralismus nicht funktioniere, die
Startvoraussetzungen seien
schlicht zu unterschiedlich.
Eine dritte Föderalismusreform
sehe er in naher Zukunft nicht,
erklärte Müntefering. Vielmehr
gehe es darum, den derzeitigen
Rahmen auszugestalten. In Be­
zug auf die beamtenrechtli­
chen Regelungen verwies er
auf Art. 33 GG: „Dort heißt es
‚Das Recht des öffentlichen
Dienstes ist unter Berücksich­
tigung der hergebrachten
Grundsätze des Berufsbeam­
tentums zu regeln und fortzu­
entwickeln‘. Wie die Fortent­
wicklung aussehen kann, gilt
es zu ergründen.“
<
Kramp­Karrenbauer:
Finanzbeziehungen regeln
Annegret Kramp­Karrenbauer,
Regierungschefin des Saarlan­
des, brachte eingangs auf den
Punkt, was sie von der Födera­
lismusreform I hält: „Ich löffle
heute noch an der Suppe, die
uns die Ministerpräsidenten
damals eingebrockt haben.“ Als
saarländische Innenministerin
(2000 bis 2007) sei sie eher auf­
seiten des dbb gewesen, der
die Reform kritisch sah, und
habe sich Sorgen wegen des
Wettbewerbsföderalismus‘ ge­
macht. Das Saarland habe ver­
sucht, mit den neuen Zustän­
digkeiten verantwortungsvoll
umzugehen, „immer in enger
Abstimmung mit den Gewerk­
schaften“. Im Laufbahnrecht,
so die CDU­Politikerin, bewege
man sich „in gutem Rahmen“.
dbb
Marco Urban
<
< Moderatorin Tanja Samrotzki, Franz Müntefering und Annegret Kramp­
Karrenbauer
Als Konsolidierungsland be­
kommt das Saarland 260 Milli­
onen Euro Finanzhilfen jährlich
von Bund und Ländern. Um die
notwendigen Einsparungen zu
erreichen, habe man sich mit
dem dbb saar und anderen Ge­
werkschaften darauf verstän­
digt, die Anzahl der Mitarbei­
ter im öffentlichen Dienst zu
verringern, gleichzeitig aber
die Arbeitsbedingungen zu
verbessern – „ein angesichts
der Arbeitsverdichtung sehr
notwendiger Schritt“. Aller­
dings komme man auch mit
solchen Maßnahmen an ein
Ende, wo die Ungerechtigkeit
zu groß werde.
Flexibilität sei gefragt, auch in
der Flüchtlingspolitik: „Wir
brauchen eine faire Lastentei­
lung mit dem Bund, sonst sind
Länder und Kommunen auf
Dauer überfordert.“ Sie wün­
sche sich, dass es zu einer Neu­
regelung der Bund­Länder­
Finanzbeziehungen komme,
„denn Haushaltsnotländer
brauchen eine andere finanzi­
elle Ausstattung, um ihre fö­
deralen Aufgaben erfüllen zu
können“, so Kramp­Karrenbau­
er. „Wir müssen die Schulden­
bremse einhalten, aber auch
die Gleichwertigkeit der Le­
bensverhältnisse gewährleis­
ten.“ Das Kooperationsverbot
im Bildungsbereich bezeichne­
te sie als einen „Kernbereich“
der Länderzuständigkeit. „Wir
müssen aber zu mehr Gemein­
samkeit und Zusammenarbeit
kommen, damit das Umziehen
von Familien mit Schulkindern
in ein anderes Bundesland
Um einen Ausgleich zwischen
Kritikern und Befürwortern der
Föderalismusreformen bemüh­
te sich Paul Johannes Fietz,
Abteilungsleiter Öffentlicher
Dienst im BMI. Jedes Bundes­
land habe seinen eigenen Weg
im Umgang mit der neuen Re­
gelungskompetenz gefunden.
Einerseits hätten die Reformen
Innovationen wie etwa die Ein­
führung eines Altersgeldes für
freiwillig aus dem Dienst aus­
scheidende Beamte als Alter­
native zur bis dahin obligatori­
schen Nachversicherung in der
Rentenversicherung überhaupt
erst ermöglicht. Andererseits
sei es zwar richtig, dass die Fö­
deralismusreform die Differen­
zen bei Einkommen, Verbeam­
tungspraxis und Dienstrecht
zwischen den Ländern vergrö­
ßert habe, den Blick für die
Verantwortung für das „politi­
sche Ganze“ habe die Reform
aber nicht „zerlegt“.
In diesem Zusammenhang
werde auch der Wettbewerbs­
gedanke im Dienstrecht über­
schätzt. Die einst befürchtete
flächendeckende Besoldungs­
spirale nach unten sei ausge­
blieben. So seien die Unter­
schiede zwischen den Bundes­
ländern heute nicht so groß
wie einst befütchtet. Auch sei­
Marco Urban
Schwieriger sei die Frage der
Besoldung. An einen Ausstieg
aus der TdL denke das Saarland
trotz seiner Finanznöte nicht,
versicherte die Ministerpräsi­
dentin. Allerdings werde aus
ihrer Sicht in der TdL immer mit
Blick auf die stärksten Länder
verhandelt. „Der einfachste
Weg für uns war und ist bis
heute, das Tarifergebnis dann
nicht wirkungsgleich auf die
Beamten zu übertragen.“ Null­
runden oder Einmalzahlungen
anstelle von linearen Einkom­
menssteigerungen habe es in
der Vergangenheit durchaus
gegeben. Die Schuldenbremse
sei richtig, enge aber den Spiel­
raum ihres Landes stark ein.
Fietz: Verpflichtung zum
Blick über den Tellerrand
< Paul Johannes Fietz
en die Effekte der Abwerbepra­
xis bei Weitem nicht so gravie­
rend ausgefallen, wie gedacht.
„Die Motivation für einen
Dienstherrenwechsel kann
sehr individuell sein und lässt
sich nicht allein an der Besol­
dung festmachen“, zeigte sich
Fietz überzeugt: „Der Haupt­
gegner im Wettbewerb ist und
bleibt die Privatwirtschaft.“
Fietz betonte, Föderalismus
bedeute nicht, jegliche politi­
sche Verantwortung jenseits
der eigenen Regelungskompe­
tenz abzugeben. Vielmehr sei
eine überregionale Harmoni­
sierung des Dienstrechts ver­
fassungsmäßig und politisch
geboten. Dazu gehöre es auch,
das positive Image des öffentli­
chen Dienstes im Wettbewerb
mit der Privatwirtschaft zu
stärken. So sei zum Beispiel
das System der Beamtenver­
sorgung mit seinem Leistungs­
prinzip ein Wettbewerbsfaktor,
dessen Finanzierbarkeit gesi­
chert und der gegen immer
wieder laut werdende Vorur­
teile verteidigt werden müsse.
Forderungen zur Überführung
der Beamtenversorgung in die
gesetzliche Rente erteilte Fietz
eine Absage: „Das würde
nichts besser machen, weder
für die Betroffenen noch für
die Alterssicherungssysteme
insgesamt.“
<
Forum I
Mit den finanziellen Folgen der
Übertragung der beamten­
rechtlichen Kernkompetenzen
vom Bund auf die Länder be­
schäftigte sich das Fachforum
„Besoldung und Versorgung in
Bund und Ländern: Zwischen
Wettbewerb und Spardiktat“.
Anders als Fietz zeigten sich
die Fachleute in der von An­
dreas Becker, Abteilungsleiter
beim dbb, moderierten Exper­
tenrunde überzeugt, dass ein
„negativer Besoldungswett­
lauf“ in der Alimentation der
Beamten nach unten seit 2006
nicht von der Hand zu weisen
ist. Bis zu 20 Prozent betrage
mittlerweile die Besoldungs­
drift zwischen Bayern und Ber­
> AiR | dbb seiten | Juni 2016
31
aktuell
nicht länger ein kaum zu meis­
terndes Abenteuer bleibt. Das
wäre vernünftig und machbar.“
dbb
< Rege Diskussionen über Besoldung und Versorgung in Forum I ...
Als „Erfolgsmodell“ bezeichne­
te dagegen Anita Hartung, Re­
feratsleiterin Besoldung und
Versorgung im Sächsischen
Staatsministerium der Finan­
zen, die Ausgestaltung der be­
amtenrechtlichen Kompetenz­
übertragung, die in ihrem
Bundesland erst 2013 umge­
setzt wurde. Hartung erläu­
terte Maßnahmen, die der
Freistaat ergriffen hat, zum
Beispiel beim Familienzu­
schlag, der Einführung eines
Personalgewinnungszuschlags,
dem Ausbau des Prämiensys­
tems, den erhöhten Anwärter­
bezügen oder der Schaffung
eines Altersgeldes zur Förde­
rung der Mobilität. Über die
konkreten Auswirkungen kön­
ne man noch keine Aussagen
treffen, aber Sachsen sei ent­
schlossen, in der Föderalisie­
rung eine Chance für mehr
Wettbewerbsfähigkeit zu se­
hen – „im Sinne eines Prozes­
ses, der ständig überprüft
werden muss“.
Dr. Joachim Vetter, Abteilungs­
leiter Recht der Berliner Se­
natsverwaltung für Justiz,
zeichnete die Historie der Fö­
deralismusreform nach. Ausge­
hend von den ersten Anregun­
gen für eine Föderalisierung
des Beamtenrechts durch den
damals Regierenden Bürger­
meister Klaus Wowereit, die
seit 2002 forciert wurden und
zunehmend Unterstützer in
den Ländern fanden. „Heute
haben wir als Folge der Födera­
lisierung des Beamtenrechts
sehr deutliche Besoldungsun­
terschiede“, konstatierte Vet­
ter, „16 von 17 Dienstherren
Jan Brenner
aktuell
32
„Da stellt sich die Frage, ob das
wirklich noch eine verfassungs­
konforme amtsangemessene
Alimentation ist“, fand Dr. Ul­
rich Peters, ehemaliger Refe­
ratsleiter Besoldung und Ver­
sorgung im Finanzministerium
Nordrhein­Westfalen. Mehr als
eine Million Widersprüche sei­
en seit 2006 in NRW aufgelau­
fen. Aus Sicht des Haushalts­
gesetzgebers habe sich die
Kompetenzverlagerung gleich­
wohl gelohnt: Die Einsparun­
gen am Personal zeigten Wir­
kungen, die den finanziellen
Rahmenbedingungen des
Landes Rechnung tragen. Ob
dies allerdings den immensen
Bürokratieaufwand – „17­mal
gleichzeitig wird jeweils eine
aufwendige Gesetzgebungs­
maschinerie in Gang gesetzt“
– und das „Wirrwarr“ an Besol­
dungs­, Versorgungs­ und teil­
weise auch Beihilferegelungen
rechtfertige, bezweifelte Pe­
ters. Sein Appell: „Die Grund­
besoldung in Bund und Län­
dern sollte nicht weiter
auseinanderdriften, für regio­
nale oder fachliche Besonder­
heiten könnten sich die jewei­
ligen Gesetzgeber auf den
Bereich von Zulagen und Son­
derzahlungen beschränken.“
Jan Brenner
lin, das im bundesweiten Ran­
king auf dem letzten Platz
lliegt. Das bedeute bei gleicher
Besoldungsgruppe nach 35
Dienstjahren einen Unter­
schied allein im Aktiveinkom­
men von knapp 260 000 Euro.
< ... und über Dienstrecht in Forum II.
> AiR | dbb seiten | Juni 2016
sind nach unten vom Tarifni­
veau abgewichen.“ In der Folge
werde es zunehmend schwieri­
ger, qualifizierten Nachwuchs
für die Berliner Verwaltung zu
finden, wo in den kommenden
Jahren jeder vierte Beschäftig­
te in den Ruhestand gehen
wird, also bis zu 15 000 neue
Mitarbeiter rekrutiert werden
müssen.
Daniel Christians, Referatslei­
ter Besoldung im BMI, zog ein
ernüchterndes Resümee nach
zehn Jahren Föderalismus: „Die
neue Gestaltungsfreiheit wur­
de kaum im Grundsätzlichen
genutzt, vieles erfolgte im
Kleinteiligen und bei den An­
passungen an den jeweiligen
Tarifabschluss.“ Er erinnerte an
die 2004 von dbb, ver.di und
Bundesinnenminister Otto
Schily vorgelegten Eckpunkte
„Neue Wege im öffentlichen
Dienst“, die eine Fortführung
der Bundeseinheitlichkeit des
Beamtenrechts unter Einfüh­
rung weitreichender Indivi­
dualisierungs­ und Flexibilisie­
rungsmöglichkeiten durch die
Dienstherren vorsahen. Im
Rückblick müsse man nun lei­
der feststellen, dass die Abwei­
chungsbandbreiten die von
den Eckpunkten vorgesehenen
mittlerweile deutlich über­
schritten, so Christians. „Die
neue Kleinteiligkeit führt zu
größerer Situationsgerechtig­
keit, gleichzeitig aber auch zu
Widersprüchlichkeit und Un­
dbb
<
Forum II
Im Forum Dienstrecht, das un­
ter dem Motto „Laufbahnrecht
und Freizügigkeit: Eine Bilanz“
stand, wurden drei nach der Fö­
deralismusreform unterschied­
liche Laufbahnmodelle in Bund
und Ländern vorgestellt. Wäh­
rend Dr. Alexander Voitl vom
Bayerischen Finanzministerium
das Modell der eigenen Landes­
regierung von nur noch einer
Leistungslaufbahn verteidigte,
erläuterte Dr. Thomas Darsow
vom Innenministerium Meck­
lenburg­Vorpommern die
Vorteile des dortigen zwei­
gliedrigen Laufbahnrechts. Dr.
Wolfgang Wonneberger, Bun­
desministerium für Arbeit und
Soziales, argumentierte für das
viergliedrige Laufbahnrecht des
Bundes. Im Ergebnis zeigte sich,
Wonneberger zog für den Bund
eine positive Gesamtbilanz der
dienstrechtlichen Entwicklung
seit 2006. So sei etwa die Zahl
der Laufbahnen von 125 auf
neun je Laufbahngruppe ge­
sunken. Größere Ermessens­
spielräume bei Bewertung und
gierung einen radikalen Schnitt
gemacht: Eine einzige Leis­
tungslaufbahn mit sechs ge­
bündelten Fachlaufbahnen
und vier Qualifikationsebenen.
Beförderungen gebe es nur
noch nach Leistung und nicht
nach Dienstalter oder Warte­
zeiten. Außerdem sei die Fort­
und Weiterbildung massiv aus­
gebaut worden. Alle diese
Mobilisierungs­ und Flexibili­
sierungsmaßnahmen hätten
nur Sinn, wenn auch die für
einen Aufstieg notwendigen
higung und fachlicher Leistung
müsste auch die Geschlechter­
gerechtigkeit Beurteilungsfak­
tor werden, um erkennbare Be­
nachteiligungen vor allem von
Frauen zu verhindern. Wider­
spruch gab es nicht. Rechtlich,
so etwa Darsow, sei das Beur­
teilungswesen diskriminie­
rungsfrei, „aber wie es in der
praktischen Umsetzung aus­
sieht, ist offen.“ Von einer
„mittelbaren Diskriminierung“
sprach Wonneberger, bezog
diesen Begriff aber eher auf
eine höhere Konflikt­ und Kla­
gebereitschaft bei männlichen
Beförderungsanwärtern.
<
< Thomas Eigenthaler
Beförderung ermöglichten zu­
dem eine flexiblere Personal­
führung. Darsow erinnerte dar­
an, dass das Schweriner Modell
mit zwei Laufbahngruppen auf
eine Initiative der norddeut­
schen Küstenländer zurück­
geht. Mithilfe eines einheitli­
chen Laufbahnrechts wollte
man die länderübergreifende
Mobilität sichern und einen
Wettbewerb über das Dienst­
recht verhindern. Durch eine
verbesserte Anerkennung be­
ruflicher Erfahrungen jenseits
des öffentlichen Dienstes und
die Möglichkeit, Neueinstellun­
gen oberhalb des Einstiegs­
amtes vorzunehmen, sei der
Personalaustausch mit der Pri­
vatwirtschaft erleichtert wor­
den. Zudem gebe es auch in
den Nordländern heute nur
noch zehn statt zuvor 100
Fachrichtungslaufbahnen.
Voitl sagte, nach der Föderali­
sierung des Dienstrechts 2006
habe die Bayerische Landesre­
Stellen in ausreichender Zahl
zur Verfügung stünden. Des­
halb habe Bayern allein seit
2009 über 52 000 Stellenhe­
bungen vorgenommen. Günter
Schönwald, Abteilungsleiter
beim dbb, zog eine eher skepti­
sche Bilanz: Der Dienstherren­
wechsel sei durch die Vielzahl
der Laufbahnmodelle nicht ein­
facher geworden. Außerdem
nütze das beste Laufbahnrecht
nichts, „wenn nicht auch aus­
reichend Stellen zur Verfügung
stehen.“
Helene Wildfeuer, die Vorsit­
zende der dbb bundesfrauen­
vertretung, wies in der an­
schließenden Diskussion
darauf hin, dass eines der
Hauptprobleme des Personal­
managements im öffentlichen
Dienst darin bestehe, dass es
bei aller rechtlichen Gleichstel­
lung weiterhin nicht wirklich
gelinge, die Beurteilungssyste­
me gendergerecht auszuge­
stalten. Neben Eignung, Befä­
Eigenthaler: Beschäftig­
te nicht vorführen
In seinem Schlusswort hob der
stellvertretende dbb Bundes­
vorsitzende Thomas Eigentha­
ler hervor, dass zu Beginn der
Föderalismusdiskussion das
Projekt weniger von rationalen
Überlegungen als von Macht­
denken und Koalitionen der Ak­
teure bestimmt gewesen sei.
Mit der Föderalismusreform II
einschließlich Einführung der
Schuldenbremse habe der Re­
formprozess viel Schwung ver­
loren, was insbesondere der
öffentliche Dienst zu spüren be­
komme. „Der ewige Kampf, ob
ein Tarifergebnis auf Besoldung
und Versorgung übertragen
wird oder nicht, hat eine ‚bleier­
ne Müdigkeit‘ über die Beam­
tinnen und Beamten ausgebrei­
tet, die das ewige Hin und Her
leid sind“, sagte Eigenthaler.
Wie die Beschäftigten behan­
delt würden, sei ein Affront,
den der dbb nicht hinnehmen
werde. Eigenthaler verwies
auf die immer wieder ins Spiel
gebrachten Versorgungskür­
zungen. Es würde mit dem
Brennglas ein Punkt der Beam­
tenlaufbahn fokussiert und alle
anderen Zusammenhänge wür­
den ausgeblendet. Der dbb
werde dieser verkürzten Blick­
weise mit allen Mitteln entge­
gentreten. „Wir haben es nicht
nötig, uns vorführen zu lassen,
damit die Dienstherren sparen
können.“
br/cok/euf/iba/sm/zit
> AiR | dbb seiten | Juni 2016
33
aktuell
Die große Sorge aller Experten
galt der Beamtenversorgung,
die angesichts der aktuellen
Alterseinkommensdebatte
„zum nächsten Schlachtfeld“
(Peters) zu werden drohe. Vet­
ter erinnerte an die Politiker­
weisheit: „Wenn nichts mehr
geht – bei den Beamten geht
immer was.“ Hartung dagegen
verwies auf die Versorgungs­
rechtsprechung des Bundes­
verfassungsgerichts, das eben­
so wie eine neue, vom BMI bei
Prof. Gisela Färber (Universität
Speyer) in Auftrag gegebene
Studie belege, dass mit den be­
reits erfolgten Versorgungs­
kürzungen schon mehr bewirkt
worden sei als im Bereich der
Rente. Überzeugt zeigten sich
alle Fachleute davon, dass sich
in Sachen Beamtenrechtsföde­
ralisierung so schnell nichts
ändern werde – obwohl eine
Rückführung zur Bundesein­
heitlichkeit durchaus wün­
schenswert wäre.
dass sich jedes Modell im eige­
nen Bereich bewährt hat, und
der Wechsel zwischen Dienst­
herren auch weiterhin möglich
ist, aber größeren Prüfungsauf­
wand erfordert.
Jan Brenner
übersichtlichkeit.“ Man müsse
sich fragen, ob die zunehmen­
de Parzellierung des deutschen
Beamtenrechts vor dem Hin­
tergrund der immer stärker
werdenden Relevanz europäi­
scher Rechtsprechung nutze,
„oder ob sie nicht eher scha­
det“.
dbb
Nachwuchswerbung im öffentlichen Dienst:
Du bist mir ’ne Marke ...
Das Netz ist bei der Perso­
nalgewinnung ohnehin nicht
mehr wegzudenken – nicht nur
weil Onlinestellenbörsen den
gedruckten Zeitungen beim
Geschäft mit den Stellenanzei­
gen immer mehr das Wasser
abgraben. Kaum eine größere
Organisation verzichtet heute
freiwillig auf ihrer Internetsei­
te auf einen Punkt „Karriere“
oder richtet – wie eben die
Bundespolizei – gleich eine
eigene Website nur für
Interessierte ein.
Aber reicht das? „Kommt zu
uns!“ rufen, ein paar bunte Bil­
der ins Netz stellen und schon
stehen die Bewerber Schlange?
„Die Bildung einer starken Ar­
beitgebermarke – das soge­
> AiR | dbb seiten | Juni 2016
nannte ‚Employer Branding‘
– setzt viel früher an. Ausgangs­
punkt ist nämlich die Frage,
welche Bewerber das Unter­
nehmen eigentlich braucht
und was diese Zielgruppe wis­
sen will. Das sollte Ergebnis ei­
ner gründlichen Analyse sein“,
erklärt Susann Knorre. Die Un­
ternehmensberaterin war nie­
dersächsische Wirtschaftsmi­
nisterin, ist nebenberufliche
Professorin für Kommunikati­
onsmanagement an der Hoch­
schule Osnabrück und sitzt in
den Aufsichtsräten namhafter
Unternehmen, unter anderem
bei der Deutschen Bahn. „Für
ein erfolgreiches Personalmar­
keting muss sich deshalb jede
Organisation zunächst mit
sich selbst auseinandersetzen.
Nehmen Sie zum Beispiel die
Bundeswehr. „Wir. Dienen.
Deutschland.“ ist eben nicht
nur ein Werbespruch, sondern
ein Leitbild, eine Selbstbe­
schreibung und ­vergewisse­
rung. Und dieses Leitbild muss
sich konsequent in der gesam­
ten Kommunikation widerspie­
geln, um glaubhaft zu sein. Ei­
nem Kunden gegenüber mit
niedrigsten Preisen und ab­
soluter Flexibilität werben,
aber Bewerber mit fairer Be­
zahlung und geregelten Ar­
beitszeiten locken: Das funk­
tioniert eher nicht. Genauso
ist es mit den Mitarbeitern.
Wenn ich vor Investoren meine
Innovationskraft herausstelle
und gleichzeitig alle Mitarbei­
terfortbildungen streiche,
werde ich die besten Köpfe
nur schwer halten können.
Die Menschen haben für so
etwas ein feines Gespür.“
Beim Employer Branding geht
es also nicht nur um die Perso­
nalgewinnung. Auch das vor­
handene Personal will mitge­
nommen werden. Deshalb
sollten große Rekrutierungs­
kampagnen wie die genannten
Bundespolizei
fokus
34
„Herrscher über 11 000 PS
sein.“ Mit großen Zahlen und
spektakulären Bildern wirbt
die Deutsche Bahn in einem
Fernsehspot für den Job des
Lokomotivführers – und viele
weitere Berufsbilder unter dem
Dach des Konzerns. Ebenso die
Bundeswehr: Mit einer Kampag­
ne unter dem markigen Slogan
„Wir. Dienen. Deutschland.“
wird auf Plakaten und im TV
der händeringend gesuchte
Nachwuchs angesprochen.
Gerade erst startete die nächs­
te Runde „Projekt Digitale
Kräfte“, die gezielt für die –
wie in allen Branchen – schwer
zu besetzenden IT­Berufe
in der Truppe wirbt. Die Bun­
despolizei formuliert ihren
Wunsch an junge Menschen
noch etwas direkter: www.
komm­zur­bundespolizei.de
lautet die Adresse des Karriere­
portals im Internet.
Bundespolizei
Die Deutsche Bahn tut es. Die Bundeswehr tut es. Und viele weitere Stellen des öffentlichen Dienstes
tun es auch: Beim Werben um Talente gehen immer mehr Unternehmen und Branchen in die Offensi­
ve. Statt einer Stellenanzeige in ein paar überregionalen Zeitungen setzen immer mehr Organisationen
auf komplexe Kommunikationskampagnen, um die besten Köpfe für sich zu gewinnen. Das Ziel: Auch
als Arbeitgeber eine starke Marke zu sein. Doch wie genau funktioniert das?
aus der bereits vorhandenen
Organisationskultur entwickelt
werden und diese wiederum
verstärken. „Idealfall: Es hat sich
bewährt, die Mitarbeiter in die
Entwicklung einer Kampagne
mit einzubeziehen. Sie sind es
schließlich auch, die glaubwür­
dige Botschafter ihres Unter­
nehmens sein sollten. So lässt
sich vermeiden, dass eine Kluft
zwischen Mitarbeitererleben
und Wahrnehmung der Füh­
rungsspitze entsteht“, erklärt
Managementexpertin Knorre.
Das hat man sich auch bei der
Bundespolizei zu Herzen ge­
nommen. „Das Konzept ist
2013 in Zusammenarbeit mit
einer Werbeagentur entstan­
den. Dabei war es uns wichtig,
für Akzeptanz bei den Kollegin­
nen und Kollegen zu sorgen“,
sagt Günter Grutter, der im
Bundespolizeipräsidium für
die Umsetzung der Kampagne
zuständig ist. Um diese Akzep­
dbb
Grutter: „Wir haben einen
ganzen Baukasten an Maß­
nahmen. Der zentrale Ort für
unsere Kampagne ist und
bleibt aber das Internet, denn
dort ist nun einmal unsere
Zielgruppe und dort wollten
wir unsere Präsenz verbes­
sern. Deshalb haben wir bei­
spielsweise gerade noch die
Social­Media­Plattform Insta­
gram dazugenommen. Damit
wollen wir die bewährten
Maßnahmen der Bundespoli­
zeiakademie, wie Präsenz auf
Berufsmessen, in Schulen und
den Einsatz von Einstellungs­
beratern, ideal ergänzen.“
Und kommt das bei potenziel­
len Bewerbern an? „Sehr gut“,
sagt Grutter. „Für den Ausbil­
dungsbeginn im September
dieses Jahres haben wir mit
knapp 20 000 Bewerberinnen
und Bewerbern einen neuen
Rekord aufgestellt.“
Gut an kommt die Kampagne
des Dienstherrn auch bei der
DPolG Bundespolizeigewerk­
schaft. „Selbstverständlich un­
terstützen wir das, denn die
Kampagne ist dringend not­
wendig“, ist sich der Bundes­
vorsitzende Ernst G. Walter
sicher. Durch den demografi­
schen Wandel und neue Aufga­
ben sei der Einstellungsbedarf
an zusätzlichen Kräften unge­
brochen hoch. „Aktuell stehen
allein bei der Bundespolizei
über 2,8 Millionen Überstun­
den in den Büchern, und in den
kommenden zehn Jahren ge­
hen etwa 10 000 Bundespoli­
zisten in den Ruhestand, da ist
jeder und jede Neue herzlich
willkommen.“
Zwei Dinge möchte Walter
aber in Zukunft noch umge­
setzt sehen: „Erstens darf das
‚sich kümmern‘ nach der Ein­
stellung nicht aufhören. Die
Ausbildung der Einsatzkräfte
dauert lange und kostet den
Steuerzahler auch eine ordent­
liche Stange Geld. Alle, die wir
aus laufenden Beschäftigungs­
verhältnissen verlieren, tun
deshalb besonders weh.
Nachbetreuung – auch über
die interne Kommunikation
– sollte daher auch zukünftig
einen ebenso großen Stellen­
wert haben wie die Nach­
wuchswerbung. Und da kön­
nen wir immer noch besser
werden.“
auf Lebenszeit angelegt und
damit beispielsweise viel­
leicht auf für Quereinsteiger
interessant ist“, skizziert Wal­
ter die Vorstellung seiner Ge­
werkschaft.
Mit einem erweiterten „Ange­
bot“ läge die Bundespolizei je­
denfalls im Trend. „Junge Men­
schen sind heute wählerischer
als früher, wenn es um den zu­
künftigen Arbeitgeber geht“,
macht Professorin Knorre
deutlich. „Angesichts der de­
mografischen Entwicklung
können sie sich das grundsätz­
lich auch erlauben. Die öffent­
lichen Institutionen sind daher
gut beraten, die Besonderhei­
ten und Vorteile der angebo­
tenen Berufsbilder besonders
gut herauszuarbeiten. Beson­
ders, da die Karrierewege meis­
tens starrer und die Spielräu­
me beim Gehalt geringer sind
als in der Privatwirtschaft. Vie­
< Info
Corporate Communications
Journal der Hochschule
Osnabrück:
http://ojs.hs­osnabrueck.de/
live/index.php/ccj/index
Karriereseite der
Bundespolizei:
https://www.komm­
zur­bundespolizei.de/
Karriereseite der
Bundeswehr:
https://
www.bundeswehrkarriere.de/
Karriereseite der
Deutschen Bahn:
https://karriere.deutsche
bahn.com/de/de/jobs
le Bereiche des öffentlichen
Dienstes sind da auch kom­
munikativ auf einem guten
Weg, alle anderen sollten
sich sputen.“
ef
35
fokus
tanz zu schaffen, wurde das
Konzept vor der endgültigen
Verabschiedung den Direkti­
onspräsidenten und Abteilungs­
leitern vorgestellt. „Außerdem
können sich die Kolleginnen
und Kollegen auch ganz direkt
beteiligen: Viele der Fotos auf
unseren Social­Media­Kanälen
stammen aus dem Dienstall­
tag. Und auch auf den Fotos
der Internetseite www.komm­
zur­bundespolizei.de sind aus­
schließlich ‚echte‘ Kolleginnen
und Kollegen, die sich als ‚Ge­
sichter der Bundespolizei‘ be­
worben haben“, erklärt Grut­
ter. „So haben wir auf beiden
tragenden Säulen der Kampag­
ne – der Internetseite zur Infor­
mation und dem Facebook­
Auftritt zur Kommunikation
– Authentizität geschaffen.“
Als ergänzende Maßnahmen
gibt es eine Medienkoopera­
tion, Onlinewerbung (im „klas­
sischen“ Netz und ebenfalls
auf Facebook) sowie Offline­
events in Form von PR­Aktio­
nen in Innenstädten.
Zweitens gelte es, langfristig
die Strukturen zu überdenken
– nicht nur kommunikativ.
„Angesichts des enormen Be­
darfs an zusätzlichen Kräften
stellt sich die Frage, ob alle
Aufgaben von Beamtinnen
und Beamten durchgeführt
werden müssen. Wir wenden
uns zwar weiter strikt gegen
die Privatisierung von polizei­
lichen Aufgaben. Bestimmte
unterstützende Tätigkeiten
wie die erkennungsdienstli­
che Behandlung oder einfach
Bewachungstätigkeiten
könnten in einigen Fällen
aber von Tarifbeschäftigten
– mit und ohne Uniform –
mit verkürzter Ausbildung
durchgeführt werden. Damit
hätten wir in der Nachwuchs­
werbung auch ein weiteres
Berufsbild, das nicht gleich
> AiR | dbb seiten | Juni 2016
dbb
Diskriminierung am Arbeitsplatz:
Bei den Führungskräften fängt es an
spezial
38
Diskriminierung kommt in al­
len Lebensbereichen vor. Be­
sonders häufig jedoch beim
Zugang zu Beschäftigung und
am Arbeitsplatz. Das belegt die
bisher größte Betroffenenbe­
fragung zu Diskriminierungser­
fahrungen, die in Deutschland
je durchgeführt wurde. Insge­
samt haben sich mehr als
18 000 Personen ab 14 Jahren
an der bundesweiten Umfrage
der Antidiskriminierungsstelle
des Bundes beteiligt. „Der
Rücklauf hat unsere Erwartun­
gen übertroffen. Die Menschen
wollen über Diskriminierung
sprechen, und sie erwarten,
dass das Thema nicht kleinge­
redet wird“, sagte Christine Lü­
ders, Leiterin der Antidiskrimi­
nierungsstelle des Bundes und
Initiatorin der Erhebung.
Beinahe jede dritte befragte
Person gab an, schon einmal im
Leben eine diskriminierende Er­
fahrung gemacht zu haben. Fast
die Hälfte (48,9 Prozent) der Be­
fragten, die in den vergangenen
zwei Jahren Diskriminierung er­
lebt hatten, berichteten, Be­
nachteiligungen im Job erlebt
zu haben. Vergleichsweise häu­
fig waren das Lebensalter (14,8
Prozent) oder das Geschlecht
(9,2 Prozent) der Grund. „Wegen
ihrer sexuellen Orientierung
oder aus rassistischen Gründen
werden Menschen hingegen
überdurchschnittlich häufig in
der Öffentlichkeit und im Frei­
> AiR | dbb seiten | Juni 2016
dbb bundesfrauenvertretung
Diskriminierung ist alles andere als ein Nischenthema. Das zeigt eine aktuelle
Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Danach berichtet beina­
he jede dritte befragte Person, schon einmal diskriminiert worden zu sein.
Fast jede zweite berichtete Diskriminierungserfahrung fand am Arbeitsplatz
statt – am häufigsten aufgrund des Alters und des Geschlechts. Die Vorsit­
zende der dbb bundesfrauenvertretung, Helene Wildfeuer, und ihre Stellver­
treterin Jutta Endrusch trafen sich zwei Tage nach Veröffentlichung der Umfra­
geergebnisse am 21. April 2016 mit der Leiterin der Antidiskriminierungsstelle
des Bundes, Christine Lüders. Sie berieten über Lösungsansätze für ein diskri­
minierungsfreies Fortkommen im öffentlichen Sektor.
< Aus Sicht von Christine Lüders (Leiterin der Antidiskriminierungsstelle
des Bundes, 1. Reihe, rechts) sollten anonymisierte Bewerbungsverfah­
ren zum Standard in Deutschland werden. Dies betonte sie gegenüber
Helene Wildfeuer (Vorsitzende dbb bundesfrauenvertretung, 1. Reihe,
links) und Jutta Endrusch (stellvertretende Vorsitzende dbb bundesfrau­
envertretung, 1. Reihe, Mitte). Sachkundige Unterstützung bei der Ent­
wicklung der Verfahren beweist das Team der Abteilung Forschung – im
Bild: Bernhard Franke, Charlotte Kastner.
zeitbereich diskriminiert: etwa
auf der Straße, in öffentlichen
Verkehrsmitteln oder in Sport­
vereinen“, heißt es in den Erläu­
terungen zur Erhebung. Men­
schen mit Behinderungen oder
Beeinträchtigungen führten da­
rüber hinaus häufiger als ande­
re Diskriminierungserfahrungen
im Gesundheits­ und Pflegebe­
reich an.
<
Beförderungspraxis
diskriminiert Frauen
Die dbb bundesfrauenvertre­
tung hatte die Umfrage unter­
stützt und zur Teilnahme auf­
gerufen. „Auch im öffentlichen
Dienst wissen wir, dass vor
allem Frauen im Verlauf ihres
Berufslebens immer wieder
diskriminierende Erfahrung
machen müssen, weil sie Teil­
zeit oder Telearbeit nutzen, ein
Kind oder Angehörige pflegen.
Und das, obwohl es hier ent­
sprechende Gesetze gibt, die
gerade solche Benachteiligun­
gen verhindern sollen“, machte
Helene Wildfeuer, Vorsitzende
der dbb bundesfrauenvertre­
tung, im Gespräch mit Lüders
deutlich.
Diese gelebte Benachteili­
gungskultur bildet sich nach
Ausfassung Wildfeuers in der
Beurteilungspraxis im öffent­
lichen Dienst ab. „Die dienst­
liche Beurteilung ist ein Ein­
fallstor für mittelbare Diskrimi­
nierung. Selbst die Ergänzung
im Bundesgleichstellungsge­
setz, dass laufbahnrechtliche
Entscheidungen nicht durch
die Wahrnehmung von Famili­
en­ oder Pflegeaufgaben be­
einflusst werden dürfen – also
weder von Unterbrechungen
der Berufstätigkeit noch durch
Reduzierung der Arbeitszeit –
sind bisher ohne signifikante
Wirkung.“
Insbesondere die in § 50 Abs. 4
im Laufbahnrecht geregelte
Berichtspflicht über die Ergeb­
nisse eines Beurteilungsdurch­
gangs, nach der der Anteil an
Frauen, Männern, Teilzeit­
und Telearbeitskräften sowie
schwerbehinderten Menschen
ausgewiesen werden soll, wer­
de nachlässig gehandhabt, so
Wildfeuer. „Der Gesetzgeber
verlässt sich hier auf eine Soll­
Vorschrift. Ohne eine verpflich­
tende Regelung können aber
keine aussagekräftigen und ge­
schlechtersensiblen Statistiken
zu den tatsächlichen Beurtei­
lungsergebnissen erstellt wer­
den.“
Als problematisch bezeichnete
die Vorsitzende der dbb bun­
desfrauenvertretung zudem
den Einfluss von Geschlech­
terstereotypen auf die Karrie­
reentwicklung von Beschäftig­
ten. „Führungspersonen und
Personalverantwortliche müs­
sen erkennen, wie viel Gewicht
und welche zum Teil langfristi­
gen Auswirkungen ihr persönli­
ches Rollenverständnis auf das
berufliche Fortkommen ihrer
Mitarbeiterinnen und Mitar­
beiter tatsächlich haben“, ap­
pellierte Wildfeuer. „Wir sehen
hier zwei Lösungsmomente.
Zum einen eine stärkere Ori­
entierung der Beurteilungs­
kriterien an den Arbeitsergeb­
dbb
nissen, zum anderen die Not­
wendigkeit einer neuen Leis­
tungskomponente für Füh­
rungskräfte: Für Vorgesetzte
muss Frauenförderung beför­
derungsrelevant sein!“
Das Vorhaben von Christine Lü­
ders, ein eigenes Klagerecht für
Diskriminierungsverbände so­
wie die Antidiskriminierungs­
stelle einzurichten, begrüßte
die Vorsitzende: „Davon könn­
ten auch Frauen- und Gleich­
stellungsbeauftragte profi­
tieren. Denn bisher gibt es
bundesweit keine einheitlichen
Regelungen zu deren Klage­
recht. Auch hier muss dringend
nachgebessert werden.“
<
Geschlossen gegen
Diskriminierung
Christine Lüders signalisierte
den Vertreterinnen der dbb
bundesfrauenvertretung Un­
terstützung bei einer gemein­
samen Initiative für ein diskri­
minierungsfreies Fortkommen
im öffentlichen Dienst. Man
müsse bei den Führungskräf­
ten mit der Sensibilisierung be­
ginnen. Dazu gehörten insbe­
sondere intensive Schulungen
zur diskriminierungsfreien Füh­
Inwiefern sich Diskriminierungserfahrungen gesundheitlich,
aber auch gesellschaftlich auswirken, ist bisher wenig erforscht.
Wie die bundesweite Befragung zu Diskriminierung aber bereits
zeigt, führen viele Benachteiligungserlebnisse zu seelischen Be­
lastungen und Misstrauen, aber auch zu mehr Aufmerksamkeit
gegenüber Diskriminierungen insgesamt. Aufgrund des enormen
Volumens seien die erhobenen Daten noch nicht vollständig aus­
gewertet, heißt es seitens der Herausgeberin. Eine ausführlichere
Auswertung sowie Handlungsempfehlungen für Politik und Praxis
kündigte die Antidiskriminierungsstelle des Bundes für 2017 an.
Dann wolle man dem Bundestag gemeinsam mit den Beauftrag­
ten der Bundesregierung einen umfassenden Bericht vorlegen.
Die aktuellen Ergebnisse der Umfrage im Internet:
www.antidiskriminierungstelle.de
rung und ein gutes Diversity
Management.
Darüber hinaus müsse man
aber auch überlegen, wie man
Personal vorurteilsfrei rekrutie­
ren könne. Das Alter, das Ge­
schlecht, aber auch ein auslän­
disch anmutender Nachname
böten leider immer wieder An­
lass, Bewerbungen geeigneter
Fachkräfte vorschnell abzuleh­
nen. „Dieses Problem besteht
in Unternehmen, aber auch im
öffentlichen Dienst. Es gibt
noch immer viele Vorurteile in
den Köpfen der Menschen, die
aussortiert gehören. Anonymi­
sierte Bewerbungsverfahren
können da helfen“, stellte die
Antidiskriminierungsbeauf­
tragte heraus.
bas
39
spezial
dbb bundesfrauenvertretung
< Diskriminierungen haben Auswirkungen auf die Betroffenen
> AiR | dbb seiten | Juni 2016
dbb
Internetwachen:
Direkter Draht
zur Polizei
finale
40
Bereits 2003 eröffnete in Bran­
denburg die erste Internetwa­
che der Polizei, 2005 gefolgt
von Mecklenburg­Vorpom­
mern, Berlin und Hessen. Heu­
te sind die Internetwachen in
elf von 16 Bundesländern in
Betrieb. Der Erfolg gibt dem
Konzept recht: In Berlin gingen
2015 zum Beispiel mehr als
100 000 Internetanzeigen ein
– 2012 waren es noch rund
62 000. Auf anderen Wegen
fanden rund 800 000 Anzeigen
ihren Weg zur Polizei. Bei den
Onlineanzeigen spielen Dieb­
stahl, Betrug und Sachbeschä­
digungen die größte Rolle. Am
häufigsten wurden in Berlin
Fahrraddiebstähle angezeigt,
gefolgt von sonstigen Dieb­
stählen. Ähnlich positiv ist die
Bilanz auch in Nordrhein­West­
falen, wo 2015 69 000 online
gemeldete Straftaten regis­
triert wurden, 7 000 mehr
als im Jahr davor.
<
Niedrige Hemmschwelle
Für Bürgerinnen und Bürger
ist die Strafanzeige im Internet
> AiR | dbb seiten | Juni 2016
sehr einfach. Auf der Webseite
der jeweiligen Landespolizei
findet sich ein Link zur Inter­
netwache. Dort wird zunächst
darauf hingewiesen, dass in
Notfällen immer sofort die
polizeiliche Notrufnummer
110 gewählt werden soll. Da­
nach wird auf die rechtlichen
Konsequenzen einer Internet­
strafanzeige hingewiesen.
Schließlich ist die Aufgabe ei­
ner Strafanzeige ein rechtlich
bindender Akt, auch wenn
man gerade keinem unifor­
mierten Beamten gegenüber­
sitzt. Nach der Bestätigung
dieser Belehrung kann es so­
fort losgehen mit der Anzei­
genaufnahme. Dass das nicht
nur in der Theorie funktioniert,
sondern sich auch in der Praxis
bewährt, durfte der Autor die­
ser Zeilen im Selbstversuch er­
fahren: Seine Frau wurde auf
dem Parkplatz eines Super­
marktes Opfer eines Trickbe­
trügers, der ihr unter dem
Vorwand, Geld wechseln zu
wollen, 100 Euro aus der Geld­
börse entwendete. Der Mann
tat dies so nett und vor allem
MEV
Der Weg zur Polizei ist für viele Bürgerinnen und
Bürger unbeliebt. Obwohl der „Freund und Hel­
fer“ alles tut, um Opfern von Verbrechen Ge­
rechtigkeit widerfahren zu lassen, geht das
trotzdem immer mit Wartezeiten und Pa­
pierkrieg einher. Seit mehr als zehn Jah­
ren setzen die Landeskriminalämter mit
ihren Internetwachen Hemmschwellen
herab, vermeiden Wartezeiten und
erhalten zudem wichtige Hinweise,
die sonst ausgeblieben wären. Die
Internetwachen der Polizei arbei­
ten erfolgreich und sind bei Bür­
gerinnen und Bürgern beliebt.
geschickt, dass der Verlust erst
zu Hause auffiel. „Eine Anzeige
bringt doch nichts, den krie­
gen die nie ... Außerdem habe
ich keine Lust, dafür stunden­
lang bei der Polizei zu sitzen“,
so der resignierte Kommentar.
Versicherungstechnisch ist
Trickdiebstahl meist nicht re­
levant, aber den Mann einfach
laufen lassen? „Kommt nicht
infrage!“, widersprach ich und
erstattete online Anzeige ge­
gen Unbekannt. Innerhalb
von Minuten war das erledigt,
inklusive automatischer Ant­
wort per E­Mail mit Aktenzei­
chen, Tatbestand und allem
Drum und Dran. „Na, was er­
wartest Du denn? Nach ein
paar Wochen oder Monaten
bekommen wir ein Schreiben,
in dem steht, dass der Fall ein­
gestellt wird“, mutmaßte die
Gattin. Weit gefehlt. Bereits
nach zwei Tagen wandte sich
die Berliner Polizei mit der
Bitte an uns, im Landeskrimi­
nalamt vorbeizukommen
und Fotos anzusehen, die zur
Täterbeschreibung passen.
Die Fahndung läuft.
<
Vorteile für
Bürger und Polizei
Der Landesvorsitzende der
Deutschen Polizeigewerk­
schaft NRW, Erich Retting­
haus, sieht Vorteile des On­
lineverfahrens insbesondere
in der schnellen Bearbeitung
der Sachverhalte: „Wenn kei­
ne Sofortmaßnahme not­
wendig ist, leitet das LKA
die Anzeige an die zuständi­
ge Behörde weiter, wo sie am
nächsten Vormittag im Post­
fach liegt“, sagte Rettinghaus
dem WDR im April 2016. Bür­
gern blieben auf diese Art
lange Wartezeiten in den
Polizeidienststellen erspart.
Dass die Möglichkeit der In­
ternetanzeige aber auch dazu
verleite, Sachverhalte anzu­
zeigen, die sich bei näherer
Betrachtung als nichtig oder
polizeilich irrelevant erwei­
sen, das müsse die Polizei in
Kauf nehmen. Die Chance,
dass dadurch Verbrechen ans
Licht kämen, die sonst nicht
angezeigt worden wären,
wiege schwerer.
dbb
zei weitergeleitet werden.
„Zunächst entscheidet jedoch
der Kollege, der die Anzeige
annimmt, ob Sofortmaßnah­
men der Polizei notwendig
sind oder nicht.“ In den meis­
ten Fällen entfalle ein soforti­
ger Einsatz – auch weil sich der
Weg der Onlinestrafanzeige
nicht für Fälle eigne, in denen
der Täter noch frisch am Tatort
gestellt werden könne.
Portale nicht auf
Anzeigen beschränkt
grund ihrer Betroffenheit oft
von Emotionen gesteuert,
was sich manchmal in der
Formulierung der Anzeige
niederschlägt. Nicht jede Infor­
mation ist deshalb für die Poli­
zei brauchbar oder wichtige
Details bleiben ungenannt.
Derartige Probleme lassen sich
im direkten Gespräch mit dem
Bürger schneller beheben, weil
Polizeibeamte lenkend ins Ge­
spräch eingreifen können, um
die nötigen Informationen zur
Tat zu erfragen.“
Trotzdem entlaste die Online­
anzeige Bürger und Polizei
gleichermaßen: „Wege und
Wartezeiten entfallen für die
Betroffenen, während die Poli­
zei sich den Schritt der Befra­
gung und der schriftlichen Dar­
legung des Sachverhalts spart.“
Allerdings stecke in dieser Vor­
gehensweise auch ein Nachteil,
meint Sabine Schumann: „Die
Anzeigenerstatter sind auf­
Die Internetwachen dienen
aber nicht nur zur Erstattung
von Anzeigen. Bürgerinnen
und Bürger können über die
Portale darüber hinaus Ver­
sammlungen und Aufzüge an­
melden, Fragen an die Polizei
stellen, Beschwerden loswer­
den, sich über den Stand der
Ermittlungen informieren oder
sich einfach auch mal bei der
Polizei bedanken.
<
Bleibt zu hoffen, dass das Er­
folgsmodell Internetwache
bald bundesweit erreichbar
sein wird. Bundesländer, denen
bislang eine Internetwache
fehlt, prüfen deren Einführung
zumindest. „Die Landesregie­
rung steht der Internetwache
offen gegenüber“, erklärte zum
Beispiel der Sprecher des In­
nenministers von Thüringen,
Holger Poppenhäger (SPD), im
April 2016 gegenüber dpa. Zu­
erst müsse aber geprüft wer­
den, ob die IT­Infrastruktur der
Polizei für ein solches Vorha­
ben geeignet sei und wie viel
das Vorhaben kosten würde.
Bayern unterhält derzeit eine
abgespeckte Version der Inter­
netwache, wo Bürger lediglich
Hinweise geben können. Keine
Internetwachen gibt es bislang
in Rheinland­Pfalz, Bremen,
Thüringen und im Saarland.
br
41
dbb verschwindet und ein Schmink­
finale
Auch Sabine Schumann, Poli­
zeihauptkommissarin in Berlin,
sieht die Internetwache posi­
tiv: „Die Möglichkeit der On­
lineanzeigen wird bundesweit
sehr gut angenommen“, be­
richtet sie aus der täglichen
Praxis. „So manches online
ausgefüllte Formular kommt
dabei allerdings eher einer An­
frage gleich als einer fertig for­
mulierten Anzeige. Die Polizei
hat deshalb im Laufe der Zeit
ihre vorgegebenen Eingabe­
masken verfeinert, um die An­
liegen der Bürger zu filtern
und so wertvolle Zeit zu ge­
winnen.“ So werde in Berlin be­
reits auf der Eingangsseite der
Internetwache unterschieden
zwischen Betrugsanzeige, An­
zeigen rund ums Fahrrad, rund
ums Kraftfahrzeug, Diebstahls­
anzeigen sowie Anzeigen an­
derer Art. Die eingehenden An­
zeigen könnten so nach dem
Eintreffen rasch an die zustän­
digen Einsatzbereiche der Poli­
täschchen kommt zum Einsatz.
Eyeliner, Rouge, Lippenstift. Am
Ostbahnhof beginnt der dritte
Akt: Aus den Untiefen der Ta­
sche fördert die frisch Gestylte
Stullenbüchse und Thermoskan­
ne zutage: Frühstück bis zum
Hackeschen Markt. Die Darbie­
tung wird plötzlich hektisch, das
nahezu unzerkaut
Werbenletzte
Sie Brot
für Ihre
verdrückt,
die
Fachgewerkschaftleere
... Büchse sorg­
sam in den Mittelgang gehalten
... und der dbb belohnt
und ausgeklopft. Ende der Vor­
Sie mit einem
Wertscheck
stellung.
In Friedrichstraße steigt
und verlost
am Ende
die
Walküre
aus. Die Biertrinker
der Aktion unter allen
nuckeln
immer
noch an ihren
Werbern zusätzlich einen
Flaschen.
Eine junge Familie mit
ganzen Linie lohnt. Aber die
attraktiven
Sonderpreis.
zwei28.
halbwüchsigen
Hauptstadt toppt alles. (Aktionsschluss:
Februar 2017) Kindern hat
von der gegenüberliegenden
Sitzbank die Vorstellung ver­
Berlin, S 5: In Wuhletal wuch­
Infos:
folgt. „Das tut man nicht“, klärt
tet sich eine Mitvierzigerin,
Typ
www.dbb.de/mitgliederwerbung
Telefon: 030.4081-40
die Mutter ihre Tochter leise auf.
Walküre, in die Bahn und okku­
Fax: 030.4081-5599
Nicht leise genug. Die Biertrin­
pert neben zwei biertrinkenden
E-Mail: [email protected]
ker fühlen sich zu abfälligen
Müßiggängern zwei Sitzplätze;
Kommentaren provoziert. Die
einen für sich, einen für ihre
Fa­milie, eigentlich unterwegs
Schultertasche. Sie zückt Bürste
nach Spandau, steigt an der
und Handspiegel und bietet bis
Friedrichstraße 169
übernächsten Station aus:
Ostkreuz ein gekonntes Hair­
10117 Berlin
Bellevue – Schöne Aussicht. sm
styling-Programm. Die Bürste
Er- lebe den
Unterschied ...
... heutzutage existiert allent­
halben eine solche Kulturviel­
falt, aus deren Fülle die richtige
Auswahl zu treffen schwerfällt.
Doch es gibt eine Lösung, die
Kleinkunst ebenso bietet wie
absurdes Theater oder ­große
Tragödien. Der Kenner wählt
statt eines Theaterabonne­
ments eine Dauerkarte im
ÖPNV. Dabei muss zwar zu­
gestanden werden, dass das
mobile Kulturprogramm die
politischen Theater mit fest en­
gagierten Charakterdarstellern
– die komische Alte, der eitle
Gockel oder die einfältige Blon­
de – nicht übertrumpfen kann.
Doch zum Ausgleich bieten die
ÖPNV-Bühnen dem Kunstver­
ständigen wohlfeile Kurzweil
zu allen Tages- und Nachtzei­
ten. Gute Kritiken kommen aus
München, Hamburg, Köln und
gar aus so mancher Provinz­
stadt, sodass ein Abo auf der
© Voyagerix – Fotolia.com
_103YG_Mitgliederwerbung 2016_A5-quer.pdf; s1; (210.00 x 148.00 mm); 27.May 2016 10:43:23; PDF-CMYK ab 150dpi für Prinergy; L. N. Schaffrath DruckMedien
Werbeaktion
2016
> AiR | dbb seiten | Juni 2016
dbb
v­ orlegen könne, erhalte eine
Belohnung von 3 000 Euro für
die Beweisstücke.
©kalafoto – Fotolia.com
<
finale
42
Eine Energiekrise –
treibt in Venezuela skurrile
­Blüten. Wegen der extremen
Dürre sind die Stauseen nahe­
zu ausgetrocknet, sodass die
Wasserkraft zur Energiepro­
duktion hinten und vorne nicht
reicht und täglich vier Stunden
im ganzen Land der Strom ab­
gestellt wird. Die knapp drei
Millionen Staatsdiener müssen
jetzt ein zusätzliches Energiesparopfer erbringen: Sie dürfen auf Anordnung des Staats­
präsidenten nur noch montags
und dienstags von 7 bis 13 Uhr
arbeiten und bleiben den Rest
der Woche zu Hause. Die ZwölfStunden-Woche wird selbstre­
dend voll vergütet, und ob der
gesparte Behördenstrom tat­
sächlich Energie spart, streitet
zumindest die Opposition ve­
hement ab, denn was würden
die Beamten zu Hause tun?
Fernsehen und Kühlschränke,
Klimaanlagen und Ventilatoren
auf Hochtouren drehen.
<
und ahnungslose Passanten
von Kopf bis Fuß nass spritzt.
Einer Augenzeugin gelang es
sogar, eine dieser Attacken mit
ihrem Handy zu filmen, weil
der Täter wendete und ein
zweites Mal durch die Pfütze
bretterte. Die Polizei verfügt
zwar nun über den Wagentyp
und das Kennzeichen, doch
ein Fahndungserfolg blieb den­
noch bislang aus. Das Tatfahr­
zeug ist nicht angemeldet.
<
Ein Plagiat –
treibt bei Entdeckung man­
chen Pseudoakademiker dazu,
Titel und Ämter aufzugeben,
zumindest in Deutschland. An­
derswo lässt die Aufdeckung
des Abschreibens die Betroffe­
nen völlig kalt. In Serbien
scheinen falsche Titel und Dip­
lome fast schon zum guten Ton
zu gehören. Die akademischen
Titel des Staatspräsidenten,
des Innenministers, der Bel­
grader Bürgermeister oder des
Rektors der größten Privatuni­
versität sollen nicht echt sein.
Die serbischen Hochschulen
ignorieren Plagiatsvorwürfe,
und Staatschef Vučić hat die
„Unterstellungen“ gegen ihn
als das Dümmste zurückgewie­
sen, was er je gehört habe. Der
Bürgermeister von Surdulica
griff nun zu einer ungewöhnli­
chen Maßnahme, um den Be­
weis zu erbringen, dass zwei
seiner titelgeschmückten Par­
teigenossen, denen nachge­
sagt wird, nie eine Universität
von innen gesehen zu haben,
echte Akademiker sind. Wer
Studentenfotos der beiden
Ein Serientäter –
treibt seit einigen Wochen in
Kentish Town, einem Stadtteil
im Norden von London, sein
Unwesen: Der „serial puddle
splasher“ frönt seiner nassen
Leidenschaft bei Schmuddel­
wetter, indem er mit seinem
schwarzen Geländewagen ab­
sichtlich durch Pfützen rast
> AiR | dbb seiten | Juni 2016
©seanlockephotography – Fotolia.com
<
Ein Außenseiter –
treibt heutzutage den Ver­
wandten nicht mehr die Scha­
mesröte ins Gesicht, sondern
schwarze Schafe finden sich
einer Studie von Ancestry.de
zufolge etwa in jeder dritten
Familiengeneration. Vier Millio­
nen soll es in Deutschland von
ihnen geben, 13 Prozent der
Deutschen bezeichnen sich
selbst als das schwarze Schaf
der Familie. Die Begründungen
dafür sind eher banal: Die Au­
ßenseiter kommen nicht gut
mit der Verwandtschaft zu­
recht, haben einen seltsamen
Humor, Geldprobleme oder die
Familie ist von der Partnerwahl
enttäuscht. Eine kriminelle Ver­
gangenheit begründet nur bei
sieben Prozent den Ruf als Au­
ßenseiter. Dabei wird in den
Familien sehr fein unterschie­
den: Lebende dunkle Gestalten
in der Verwandtschaft werden
gemieden und verschwiegen,
während straffällig gewordene
Vorfahren eher als „genealogi­
sche Statussymbole“ gelten.
<
Eine Karambolage –
treibt gelegentlich Autofahrer
zur Unfallflucht, wenn sie sich
unbeobachtet glauben. So
fuhr auch eine Kleinwagen­
fahrerin im Kreis Göppingen,
die auf einem Supermarkt­
parkplatz einen Pkw gerammt
hatte, nach kurzem Rundum­
blick einfach davon. Die Frau
hatte allerdings ein achtjähri­
ges Mädchen übersehen, das
sich nicht nur die Autonum­
mer und den Wagentyp no­
tierte, sondern der Polizei zu­
dem eine gute Beschreibung
der flüchtigen Fahrerin liefer­
te. Die Frau wurde noch am
selben Tag ermittelt und muss
für den angerichteten Scha­
den in Höhe von rund 1 000
Euro haften. Ein Strafverfah­
ren wegen Unfallflucht steht
ihr ebenfalls ins Haus.
dbb
EWSA­Stellungnahme zur Verschärfung des Waffenrechts:
Europa nach den Anschlägen von Paris
spezial
44
Der vom dbb ernannte Experte
Niels Heinrich (DPolG) hatte
sich während der Anhörung
am 4. April für Regelungen
ausgesprochen, die die Be­
kämpfung von Terrorismus
und organisierter Kriminalität
ermöglichen. Dazu gehören
eine bessere Unschädlich­
machung von deaktivierten
Waffen und klarere Regeln für
Alarm­ und Schreckschusswaf­
fen. Besonderen Wert legte
Heinrich, der als stellvertreten­
der Leiter der Fachlichen Leit­
stelle des Nationalen Waffen­
registers täglich hauptberuf­
lich mit dem Waffenrecht be­
fasst ist, auf die europaweite
Einführung untereinander ver­
netzter nationaler Waffenre­
gister. Waffen und wesentliche
Bestandteile müssten unter
anderem durch eine eindeuti­
ge Herstellungsnummer und
klare Angaben zu Hersteller
und Importeur besser kennt­
lich gemacht werden. Die neu­
en Regelungen dürften aller­
dings nicht zu einer Kriminali­
sierung von Besitzern nach
derzeitig geltendem Recht le­
gal erworbener Waffen führen.
< Webtipp:
Text der EWSA­Stellungnah­
me: https://goo.gl/wAjlrY
> AiR | dbb seiten | Juni 2016
Viele der Anregungen Hein­
richs finden sich auch in der
endgültigen EWSA­Stellung­
nahme. So heißt es unter an­
derem im Abschnitt zur besse­
ren Markierung von Munition:
„Soweit technisch machbar
sollten diese und weitere An­
gaben über die Waffen den zu­
ständigen Behörden in Form
interoperabler Datenbanken
zur Verfügung gestellt werden,
denn damit wird ein wichtiger
Beitrag zur mehr Effizienz bei
den Ermittlungen geleistet.
Diese Datenbanken sollten
nicht nur die einzelstaatlichen
Waffenregister umfassen, son­
dern auch auf europäischer
Ebene durch die Behörden aller
Mitgliedstaaten mit Daten ge­
speist und von ihnen verwen­
det werden.“ Es müssten die
technischen Voraussetzungen
geschaffen werden, die vor­
handenen Daten in Echtzeit
abfragen zu können.
Mit Blick auf deaktivierte
Schusswaffen begrüßt die
Stellungnahme ausdrücklich
die Absicht der EU­Kommissi­
on, dass „der Zeitraum, in
dem Aufzeichnungen über
Waffen geführt werden müs­
sen, bis zur Vernichtung der
Feuerwaffe ausgedehnt wird“.
Allerdings sei es wenig sinn­
voll, Schreckschuss­, Signal­
und Salutwaffen, akustische
Waffen sowie Waffennach­
bauten in die Kategorie
meldepflichtiger Feuer­
waffen aufzunehmen.
Dadurch entstünde
ein erheblicher ver­
waltungstechni­
scher Mehrauf­
wand ohne dass
ein unmittelbarer
Nutzen sichtbar
sei.
Die Stellung­
nahme ruft
die Kom­
mission
zudem
dazu
auf,
sich mit den
Möglichkeiten
neuer Technologi­
en eingehender zu
befassen. „Der
technische Fort­
schritt hat zur
Entwicklung von
3D­Druckern ge­
führt. Waffen
blieben von dieser
Technologie nicht ausgespart,
und im Internet wurden Anlei­
tungen und Programme zum
Druck potenziell letaler Waf­
fen veröffentlicht. Da die Her­
stellung von Waffen mit die­
sen Druckern in keinerlei
Rechtsvorschriften geregelt
ist, geht von dieser Technolo­
gie eine echte Bedrohung aus,
die jedoch noch unterschätzt
wird. Die Staaten sollten diese
Thematik gemeinsam erör­
tern, im Netz beobachten oder
sogar den Erwerb des Aus­
gangsmaterials für die Her­
stellung solcher Waffen unter
Kontrolle stellen sowie ernst­
haft ein Verbot ihrer Herstel­
lung erwägen.“
Die Stellungnahme des EWSA
wird im weiteren Rechtsset­
zungsprozess vom Europäi­
schen Parlament, der Europäi­
schen Kommission und dem
Rat bei der abschließenden Be­
ratung der Reform zur Bera­
tung herangezogen. Die Positi­
on des EWSA hat insofern
besonderes Gewicht, da so­
wohl durch die Anhörung als
auch durch die Zusammenset­
zung des EWSA als zivilgesell­
schaftliches Beratungsorgan
der Europäischen Institutionen
eine große Vielfalt von gesell­
schaftlichen Interessensgrup­
pen an der Erarbeitung der Po­
sition beteiligt war.
sy
Lukas Gojda ­ Fotolia
Kaum ein Thema kann die Gemüter derzeit so sehr
erhitzen wie eine Debatte über das Für und Wider
von verschärften Regelungen im Waffenrecht.
Unter dem Eindruck der Anschläge von Paris am
13. November 2015 hatte die Europäische Kommis­
sion ein ohnehin geplantes Reformvorhaben be­
schleunigt und den Europäischen Wirtschafts­ und
Sozialausschuss (EWSA) um eine beratende Stel­
lungnahme gebeten. Der dbb war maßgeblich an
deren Ausarbeitung beteiligt. Sie wurde am
27. April mit großer Mehrheit verabschiedet.
dbb
Interview mit Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung:
Mehr Mittel, mehr Lehrer, mehr Bildung
<
dbb magazin
jungen Flüchtlinge mit Bleibe­
perspektive in eine Berufsaus­
bildung zu vermitteln.
Der aktuelle Berufsbildungs­
bericht verzeichnet über 40 000
unbesetzte Lehrstellen – dop­
pelt so viele wie noch vor fünf
Jahren. Welche Ursachen sind
dafür maßgebend: der Unwil­
len der Betriebe, das Unvermö­
gen der Bewerber oder gar die
(inzwischen für fast alles haft­
bar gemachte) demografische
Entwicklung?
aktuell
46
Johanna Wanka
Die Zahl der offenen Lehrstel­
len steigt seit Jahren an, wobei
41 000 ein neuer Höchststand
ist. Die demografische Ent­
wicklung ist dafür einer der
Gründe. Seit 2006 ist die Zahl
der jungen Menschen, die die
Schule verlassen, um 14 Pro­
zent gesunken. Dabei ist ins­
besondere die Zahl derer, die
kein Abitur machen und somit
zu den klassischen Interessen­
ten für eine duale Ausbildung
zählen, stark zurückgegangen.
Die Betriebe möchte ich daher
dazu aufrufen, allen Interes­
sierten – und dabei auch leis­
tungsschwächeren Jugendli­
chen – eine Chance zu geben.
Es gab aber nicht nur 41 000
offene Ausbildungsstellen,
sondern auch 21 000 unver­
sorgte Bewerberinnen und Be­
werber. Hier passen Angebot
und Nachfrage in regionaler
und fachlicher Hinsicht nicht
zusammen. Das Jobstarter­Pro­
gramm des BMBF setzt hier an
und fördert unter anderem die
Mobilität von Jugendlichen.
<
dbb magazin
Die IHKen schlagen vor, die all­
gemeine Schulpflicht über das
18. Lebensjahr auf 25 Jahre
auszuweiten, damit möglichst
> AiR | dbb seiten | Juni 2016
dbb magazin
Die Zahl potenzieller Auszu­
bildenden dürfte mittelfristig
steigen, wenn es gelingt, den
jungen Asylbewerbern das not­
wendige Basiswissen und vor
allem ausreichende Deutsch­
kenntnisse zu vermitteln. Da­
für sind Tausende zusätzliche
Lehrkräfte notwendig, aber
nicht vorhanden. Wie wirken
Sie – wie wirkt der Bund –
daran mit, diesen Personal­
mangel zu beheben?
<
presse­ und informationsamt der bundesregierung
<
<
< Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung
viele junge Asylbewerber im
Regelsystem beschult werden
können. Wie bewerten Sie die­
sen Vorschlag?
<
Johanna Wanka
Die Länder nutzen hier bereits
heute ihre Möglichkeiten, in­
dem beispielsweise geflüchte­
te junge Menschen ihre schu­
lische Bildung in beruflichen
Schulen nachholen oder dort
einen allgemeinbildenden Ab­
schluss erwerben können. Das
gemeinsame Bund­Länder­
Konzept für die erfolgreiche
Integration von Flüchtlingen
vom 22. April 2016 hebt nach­
drücklich die Bedeutung be­
rufsbildender Schulen als
„Scharnier zwischen schuli­
scher und betrieblicher Inte­
gration“ hervor. Das Konzept
sieht auch vor, dass die Länder
im Hinblick auf den weiteren
Integrationsprozess prüfen,
die Beschulung über das Alter
der Schulpflicht hinaus auszu­
weiten. Die Regelungen zur
Schulpflicht sind dabei in den
Ländern unterschiedlich. Un­
abhängig von der Frage der
Schulpflicht, die Ländersache
ist, muss unser Ziel sein, die
Johanna Wanka
Der Bund bekennt sich zu sei­
ner Verantwortung und entlas­
tet die Länder und Kommunen
in erheblichem Umfang. Die
vollständige Übernahme der
BAföG­Finanzierung durch den
Bund entlastet die Länder jähr­
lich um rund 1,2 Milliarden
Euro. Dadurch ergeben sich
Gestaltungsspielräume, die die
Länder auch für die Integration
durch Bildung nutzen können.
Bei den Lehrkräften setzt unser
Engagement mit der gemein­
samen „Qualitätsoffensive
Lehrerbildung“ von Bund und
Ländern wichtige Akzente. Mit
bis zu 500 Millionen Euro un­
terstützt das BMBF Hochschu­
len darin, die Lehrerbildung
nachhaltig zu verbessern. Der
Umgang mit Vielfalt in den
Schulklassen, also zum Beispiel
mit Kindern mit unterschiedli­
chen Bildungsvoraussetzun­
gen, spielt in vielen Projekten
eine Rolle. Zudem investieren
Bund und Länder mit dem
„Hochschulpakt 2020“ zusätz­
liche Mittel in den Ausbau von
Studienmöglichkeiten.
dbb
dbb magazin
Finanzstaatssekretär Werner
Gatzer sagte auf dem 1. Zu­
kunftskongress Migration &
Integration am 16. März 2016
in Berlin, dass Integration am
Geld nicht scheitern werde.
Der Bund sei so gut aufgestellt,
dass alles, was notwendig ist,
sofort finanziert werden kön­
ne. Welche Projekte werden
Sie anschieben oder forcieren,
damit eine fundierte (Schul­)
Bildung für alle die beste Ein­
trittskarte in das Berufsleben
bleibt?
<
Johanna Wanka
Das BMBF hat zusätzlich zu be­
stehenden Bildungsangeboten
ein Maßnahmenpaket aufge­
legt, das schnell auf die Her­
ausforderungen reagiert.
Schwerpunkte liegen auf zügi­
gem Spracherwerb, darauf,
Kompetenzen und Potenziale
von Flüchtlingen zu erkennen
sowie auf dem Einstieg in Aus­
bildung und Studium. Gemein­
sam mit der Bundesagentur für
Arbeit (BA) und dem Zentral­
verband des Deutschen Hand­
werks (ZDH) haben wir die Ini­
tiative „Wege in Ausbildung für
Flüchtlinge“ ins Leben gerufen.
Unser Programm „Berufsorien­
tierung für Flüchtlinge“ berei­
tet dabei im Anschluss an Maß­
nahmen der BA mit vertiefter
Berufsorientierung und berufs­
bezogenem Sprachunterricht
auf eine Ausbildung in einem
Handwerksbetrieb vor. Wir
wollen auch möglichst vielen
studierfähigen und studierwil­
ligen Flüchtlingen den Zugang
<
dbb magazin
Das Gymnasium hat sich zur
beliebtesten Schulform entwi­
ckelt, und über die Hälfte aller
Schulabgänger in Deutschland
hat eine Studienberechtigung
erworben. Ergibt sich daraus
eine Schieflage im Berufsgefü­
ge oder anders gefragt: Haben
wir bald mehr Häuptlinge als
Indianer, Frau Ministerin?
<
Johanna Wanka
Mit einer differenzierten
Hochschullandschaft aus er­
folgreichen Universitäten und
Fachhochschulen und der in­
ternational viel gelobten dua­
len Berufsausbildung haben
wir in Deutschland ein hervor­
ragendes Bildungs­ und Ausbil­
dungssystem. Natürlich sind
beide Bereiche auf engagierte
und qualifizierte Bewerberin­
nen und Bewerber angewie­
sen. Aber es geht hier nicht um
ein Entweder­oder, nicht um
Werkbank oder Hörsaal, son­
dern um eine Balance. Wir
brauchen angesichts der de­
mografischen Entwicklung
und des zunehmenden Fach­
kräftebedarfs den richtigen
Qualifikationsmix aus berufli­
chen und akademischen Aus­
bildungen. In den letzten Jahr­
zehnten hat gerade dieser Mix
maßgeblich zum wirtschaft­
lichen Erfolg Deutschlands
beigetragen.
<
dbb magazin
Vor knapp vier Jahren hat Ihr
Ministerium im Namen der
Bundesregierung ein Memo­
randum zur Berufsbildungszu­
sammenarbeit mit sechs wei­
teren EU­Mitgliedstaaten
unterzeichnet. Welche konkre­
ten Erfolge haben sich zwi­
schenzeitlich ergeben?
<
Johanna Wanka
In Italien wurde zum Beispiel
im Juni 2014 ein Dekret erlas­
sen, das eine substanzielle Er­
höhung des Praxisanteils in der
beruflichen Ausbildung erlaubt
– ganz im Sinne der Ziele unse­
res Memorandums. Mitte 2015
wurde dann eine weitere Ge­
setzesnovellierung auf den
Weg gebracht, die ebenfalls
Impulse aus unserer Zusam­
menarbeit nutzt.
Ein anderes Beispiel. In der Zu­
sammenarbeit mit der Slowa­
kischen Republik hat sich die
Unterstützung von kleinen und
mittleren Betrieben (KMU) bei
der Einführung betriebsorien­
tierter Ausbildung als ein spe­
zifischer Bedarf herauskris­
tallisiert. Seit April 2014 läuft
deshalb in der Region Nove
Mesto ein deutsch­slowaki­
sches Gemeinschaftsprojekt
„Duale Verbundausbildung für
KMU“. Hier werden duale Aus­
bildungsgänge mit hohem Pra­
xisanteil vor Ort erprobt. Wir
begleiten so die Einführung
des neuen Berufsbildungssys­
tems in der Slowakei. Dieses
Pilotprojekt hat wichtige Im­
pulse für das im März 2015 neu
erlassene slowakische Berufs­
bildungsgesetz geben können.
Nicht unerwähnt lassen möch­
te ich unsere Bemühungen, die
Sozialpartner vor Ort in den
Ländern stärker mit ins Boot
zu holen. Nicht überall ist die
Einbindung der Gewerkschaf­
ten so gut verankert wie hier in
Deutschland. Gleichwohl ist es
aus unserer Sicht unerlässlich,
alle Partner einzubeziehen,
wenn es um eine gute Berufs­
ausbildung geht. Wir haben
Mitte letzten Jahres das Pro­
jekt UNIONS4VET gestartet.
Damit sollen die Gewerkschaf­
ten als relevanter Akteur der
Berufsbildungskooperationen
und für den sozialpartner­
schaftlichen Dialog in den
Partnerländern des Memo­
randums unterstützt und
gestärkt werden.
< Prof. Dr. Johanna Wanka ...
... Jahrgang 1951, legte 1970 ihr Abi­
tur an der Erweiterten Oberschule
in Torgau ab. Anschließend absol­
vierte sie ein Studium der Mathe­
matik an der Universität Leipzig,
das sie 1974 mit dem Diplom ab­
schloss. Von 1974 bis 1985 war sie
als Wissenschaftliche Assistentin
an der Technischen Hochschule
Merseburg tätig. Währenddessen
promovierte Wanka 1980 zum Dr.
rer. nat. 1989 war sie Gründungs­
mitglied des „Neuen Forums“ in Merseburg. Von 1990 bis 1994
war sie Mitglied des Kreistages Merseburg für das „Neue Forum“.
1993 wurde Wanka auf den Lehrstuhl „Ingenieurmathematik“ an
der Fachhochschule Merseburg berufen. Dort war sie von 1994 bis
2000 auch als Rektorin tätig. 1999 bis 2000 war sie Mitglied des
Hochschulrats des Landes Brandenburg. 2000 wurde sie zur Minis­
terin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Branden­
burg gewählt, dieses Amt führte sie bis 2009 aus. Wanka ist seit
2001 Mitglied der CDU. Im Jahre 2005 hatte sie das Amt der Präsi­
dentin der Kultusministerkonferenz inne. 2009 bis 2010 war sie
Vorsitzende der CDU Brandenburg, von 2010 bis 2013 Ministerin
für Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen. Im Febru­
ar 2013 wurde Johanna Wanka zur Bundesministerin für Bildung
und Forschung ernannt. Johanna Wanka ist verheiratet und hat
zwei Kinder.
> AiR | dbb seiten | Juni 2016
47
aktuell
<
zu Hochschulen eröffnen; dazu
bauen wir auch die Kapazitä­
ten an Studienkollegs aus und
fördern studentisches Engage­
ment.
Axel Hindemith
Dadurch werden in den kom­
menden Jahren bis zu 760 033
zusätzliche Studienplätze ent­
stehen. Allein die Bundesregie­
rung wird hierfür 9,9 Milliarden
Euro bis 2023 bereitstellen.
Länder und Hochschulen kön­
nen diesen Kapazitätsausbau
auch nutzen, um mehr Lehr­
kräfte auszubilden.