BG BAU aktuell / Ausgabe 1

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BG BAU aktuell / Ausgabe 1
Unternehmermagazin für die Bauwirtschaft
Ausgabe 1 | Februar 2014
BG BAU aktuell
Absichern
statt abstürzen
Kompaktinfo
Kontaminier te
Bereiche
www.bgbau.de
Im Interview:
Martin Schulz,
Präsident des
EU-Parlaments
Neuen Atem schöpfen –
50 Jahre BG-Klinik
Bad Reichenhall
Beilage des Kompetenzzentrums
For tbildung nach der DGU V Vorschrif t 2
T hema: Kontaminier te Bereiche
Inhalt
NEUE ANREIZE FÜR
PRÄVENTION
VULKAN IM
BAUCH
ZU EUROPA GIBT ES KEINE
GUTE ALTERNATIVE
SCHLICHTE ELEGANZ
STATT BAROCKER GLANZ
Das Anreizsystem der BG BAU
Gegen Sodbrennen helfen gesun- Interview mit Martin Schulz,
zur Förderung ausgewählter Maß- de Ernährung und der Verzicht
Präsident des Europäischen
nahmen wird 2014 fortgesetzt.
auf Alkohol und Nikotin.
Parlaments.
Der Hildesheimer Dom wird
saniert und das mittelalterliche
Raumgefühl wiederhergestellt.
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20
04
16
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IN KÜRZE
IM FOKUS
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Interview mit Martin Schulz, Präsident des
Europäischen Parlaments
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Neuen Atem schöpfen – 50 Jahre BG Klinik
Bad Reichenhall
SCHWERPUNKT
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Absichern statt abstürzen – Präventionskampagne für
Zimmerer
REHA UND LEISTUNG
AUS UNFÄLLEN LERNEN
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Tod durch gerissenes Hebeband – Zimmerer wird bei
Richtarbeiten von Nagelbinder getroffen
ARBEITSSICHERHEIT
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Neue Anreize für Prävention – die BG BAU fördert auch
2014 Maßnahmen für mehr Sicherheit und Gesundheitsschutz in ihren Mitgliedsunternehmen
Die neue Info-CD der BG BAU
MITGLIEDER UND BEITRÄGE
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34
35
35
Im Ernstfall abgesichert?
Auftraggeberhaftung – Risiko mindern
Lohnnachweis 2013 nachreichen
Neuer Höchstjahresarbeitsverdienst
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Ein guter Chef wirkt Wunder
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INFOMEDIEN
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„Ausgezeichnete Arbeitsbedingungen“ –
die Georg Reisch GmbH & Co. KG setzt auf
zufriedene Mitarbeiter
MENSCH UND BETRIEB
ARBEITSMEDIZIN
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Vulkan im Bauch – was gegen Sodbrennen hilft
Unerwünschte Souvenirs – welche Krankheiten Rückkehrer aus dem Ausland von Baustelleneinsätzen mitbringen
IM BLICK
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Schlichte Eleganz statt barocker Glanz – das mittelalterliche
Raumgefühl des Hildesheimer Doms wird wiederhergestellt,
Technik, Akustik und Brandschutz werden erneuert
MIT GUTEM BEISPIEL
IMPRESSUM
BG BAU aktuell
Mitgliedermagazin der Berufsgenossenschaft
der Bauwirtschaft
Heft 1_2014 | ISSN 1615-0333
Herausgeber:
Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft
(BG BAU)
Hildegardstr. 29/30, 10715 Berlin
www.bgbau.de
Verantwortlich:
Klaus-Richard Bergmann,
Vorsitzender der Geschäftsführung
Redaktion:
Rolf Schaper (verantw.)
Tel.: 0511 987-2530
E-Mail: [email protected]
Dagmar Sobull
Tel.: 0511 987-1528
E-Mail: [email protected]
Fax: 0511 987-2545
BG BAU, Bezirksverwaltung Nord
Hildesheimer Str. 309, 30519 Hannover
Agentur:
steindesign Werbeagentur GmbH, Hannover
Titelbild:
Mirko Bartels, Picture Alliance
Druck:
Printmedienpartner GmbH, Hameln
Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben
nicht in jedem Fall die Meinung der Redaktion
wieder. Bezugspreis ist im Mitgliedsbeitrag
enthalten.
natureOffice.com | DE-000-000000
Liebe Leserinnen,
liebe Leser,
A
bsturzunfälle zählen nach wie vor zu den größten Gefahren im Baugewerbe. Auch
Zimmererarbeiten sind mit einem hohen Unfallrisiko verbunden, wie die Unfallzahlen zeigen. Diese Unfälle verursachen oft großes menschliches Leid und langwierige Heilbehandlungskosten.
Klaus-Richard
Bergmann,
Vorsitzender der
Geschäftsführung
der BG BAU
Mit der Kampagne „Absichern statt abstürzen“ haben die Landesverbände der Zimmerer die Initiative ergriffen, um auf Schwachstellen in der Arbeitssicherheit aufmerksam
und die Arbeit für ihre Beschäftigten sicherer zu machen. Die BG BAU begrüßt diese Initiative und unterstützt die Zimmerer bei ihrer Kampagne mit allen geeigneten Mitteln.
Unter Federführung von „Holzbau Deutschland“ wollen die beteiligten Projektpartner
dem Absturzrisiko den Kampf ansagen.
Oft sind es organisatorische Mängel, die am Ende zu schweren Unfällen führen, wie Unfallauswertungen der BG BAU zeigen. Unsere Analysen zeigen auch, dass eine systematische
Gefährdungsbeurteilung in vielen Betrieben immer noch nicht integraler Bestandteil der
Arbeitsorganisation ist. Dabei trägt die Gefährdungsbeurteilung wesentlich dazu bei, die
Risiken bei geplanten Arbeiten schon frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig Maßnahmen
zur Verhinderung von Arbeitsunfällen zu treffen. Nicht nur für Zimmerer gilt: Bei Arbeiten mit Absturzgefahr muss die Sicherheit oberste Priorität haben.
Auch auf europäischer Ebene geschehen immer noch viel zu viele Arbeitsunfälle, wie
Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, in unserem Interview deutlich
macht. Fast 4.000 tödliche Arbeitsunfälle werden pro Jahr in der EU registriert und rund
160.000 Arbeitnehmer sterben an Berufskrankheiten. Diese Zahlen seien „unerträglich
hoch“, sagt Schulz. Daher sei das Thema Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz eine ständige Herausforderung für die Mitglieder der EU. Die Europäische Agentur
für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz entwickele praktische Instrumente, die kleinen und mittleren Betrieben helfen sollen, Gefährdungen am Arbeitsplatz zu
beurteilen und praktische Lösungen zu finden. Auch wir als BG BAU unterstützen unsere
Mitgliedsbetriebe bei dieser wichtigen Aufgabe.
Klaus-Richard Bergmann
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In Kürze
BG BAU aktuell 1 _2014
Vitali Kuhn konnte die
Jury mit seiner Arbeit überzeugen. Jetzt ist er deutscher Meister der Maurer.
„Ich wusste, dass es gut lief,
und hatte gehofft, aufs
Podest zu kommen. Aber
Gold hatte ich nicht
angepeilt.“
Bundesweiter Wettbewerb
DEUTSCHLANDS BESTER
MAURER
Foto: www.zdb.de
Beim 62. Bundesleistungswettbewerb der Bauberufe, der
vom 9. – 11. November 2013 in Biberach stattfand, wurden die
Besten der Besten in sieben Gewerken ausgezeichnet. Deutscher Meister der Maurer wurde der 26-jährige Vitali Kuhn aus
Schwarzenbeck im Herzogtum Lauenburg. Bei seiner Maurerausbildung habe er von Anfang an viel Talent bewiesen,
so dass die Ausbildung auf zwei Jahre habe verkürzt werden
können, berichtet sein Chef Klaus Dieter Fey von der Fey Bauunternehmung GmbH in Dassendorf. Weitere Goldmedaillen
für hervorragende Leistungen in ihrem Gewerk holten sich die
Deutschen Meister im Beton- und Stahlbetonbauerhandwerk,
Straßenbau, Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk,
Stuckateure, Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer und
Zimmerer. Grundlage für diese hervorragenden Leistungen
sei das duale Ausbildungssystem und die Unterweisung der
Nachwuchskräfte in den überbetrieblichen Ausbildungsstätten am Bau, betont Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des
Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes. „Insgesamt
investiert die Branche rund 600 Mio. Euro in die Ausbildung
ihrer zukünftigen Facharbeiter. Um dieses System werden wir
weltweit beneidet.“
ZDB / BGVSH
Internationale Konferenz
FACHTAGUNG ABBRUCH 2014
SICHERHEIT AM BAU
IN KOPENHAGEN
Am 28. – 29. März
2014 veranstaltet
der Deutsche Abbruchverband e. V.
in Berlin die mittlerweile 20. Fachtagung und erwartet
über 600 Teilnehmer sowie etwa 80
Aussteller. Experten und Praktiker
berichten über aktuelle Themen rund um Abbruch, Schadstoffsanierung, Recycling, Arbeitsschutz und Unfallverhütung. Praxisorientierte
Informationen über wichtige rechtliche Neuerungen und Baustellenberichte runden das Fachprogramm ab. In der begleitenden Fachausstellung präsentieren Gerätehersteller und
-händler, Versicherungsanbieter, Ausrüster für Arbeiten in
kontaminierten Bereichen sowie Aus- und Weiterbildungseinrichtungen ihre Produkte. Exkursionen zu Berliner Abbruchobjekten sowie ein Dialogabend am zweiten Veranstaltungstag
runden das Fachprogramm ab.
Das Programm mit Anmeldeformular ist herunterzuladen
unter: www.deutscher-abbruchverband.de.
Foto: www.deutscher-abbruchverband.de
Europas größte Fachveranstaltung
Im Fokus der internationalen Konferenz für Sicherheit am Bau, die vom
29. – 30. April 2014 in Kopenhagen stattfindet, stehen die Themen Arbeitssicherheit und sicherheitsgerechte Lösungen für
Großprojekte im internationalen Maßstab. Auf dieser Konferenz
werden Sicherheitskonzepte für Baustellen präsentiert, beispielsweise für das Olympiastadion in London oder die FehmarnbeltQuerung. Parallel dazu werden in den Øksnehallen auch Hersteller sicherheitsrelevanter Produkte ihre Angebote vorstellen.
Ein weiteres Thema wird eine in Boston, USA, beschlossene Best
Practice-Deklaration für die Bauwirtschaft sein, die dabei helfen
soll, Arbeitsunfälle zu vermeiden. Die Konferenz kann außerdem
von Bauunternehmern, Bauherren, Ratgebern und Organisationen zum weiteren Netzwerken genutzt werden. Die Veranstalter
bieten den Lesern von BG BAU aktuell einen Rabatt in Höhe von
200 Euro auf den Buchungspreis an. Bei Online-Anmeldung verwenden Sie einfach im Eingabefeld „Voucher“ den Code BGBAU.
Der Code ist gültig bis zum 10. März 2014.
Weitere Infos: Safety in Construction in Kopenhagen vom
29. – 30. April 2014, Christian Hjorth-Hansen, Project Coordinator,
Telefon: +45 5344 5117
www.conferencemanager.dk/safetyinconstruction
BG BAU aktuell 1 _ 2014
In Kürze
Fachtagung
Seminarangebot der BG BAU
ARBEITSSCHUTZ BEI STRASSENUND BRÜCKENBAUSTELLEN
ARBEITSSICHERHEIT UND
GESUNDHEITSSCHUTZ
Foto: Fotolia
www.bgbau.de, Webcode: WCNTFh
www.bgbau.de/seminare oder Webcode: 2785346
Anmeldung: [email protected], Telefon: 069 4705-219,
Fax: 0800 6686688-38550
Ausstellung zur Arbeitswelt
Foto: DASA
„DIE PROFIS“
Weitere Infos: www.dasa-dortmund.de
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Die BG BAU bietet ihren
Mitgliedsunternehmen
auch im Jahr 2014 ein
2014
breites Fortbildungsprogramm rund um
Arbeitssicherheit und
Gesundheitsschutz an.
Eine Beilage in diesem
Heft weist auf die neue
Seminarbroschüre hin.
Mitgliedsunternehmen
mit mehr als zehn Beschäftigten erhalten
die druckfrische BroSeminare
für Arbeitssicherheit
schüre direkt per Post
und Gesundheitsschutz
zugeschickt. Kleinere
Mitgliedsfirmen können sie unter der Telefonnummer 0721 8102 - 611 bzw. -627 oder
per E-Mail: [email protected] anfordern oder als
PDF-Datei auf der Internetseite der BG BAU herunterladen.
Des Weiteren bietet die BG BAU dort eine Seminardatenbank
mit Volltextsuche an. Interessierte können darin gezielt nach
bestimmten Seminarangeboten suchen, sich über Termine und
freie Plätze informieren sowie sich online anmelden.
Welchen konkreten Anforderungen müssen sich Planer,
Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinatoren sowie bauausführende Firmen im Straßen- und Brückenbau stellen? Welche speziellen Sicherheitsmaßnahmen und rechtlichen Grundlagen sind zu beachten? Zu diesen Themen referieren in einer
Veranstaltungsreihe der BG BAU Fachleute der Abteilung Prävention sowie des Fachbereichs Bauwesen. Die nächsten Fachtagungen finden am 17. März 2014 im Copthorne Hotel Hannover
sowie am 20. März 2014 im Maritim Hotel Ulm statt. Der Teilnehmerbeitrag inklusive Verpflegung beträgt 50 Euro. LUC
Ihr Einsatz ist hoch – sie geben alles, verzichten auf vieles
und riskieren ihre Gesundheit, manchmal sogar ihr Leben. In
der Deutschen Arbeitsschutzausstellung (DASA) in Dortmund
geht es zurzeit um Menschen in Risikoberufen. Die aufwendig gestaltete Schau verknüpft auf über 800 Quadratmetern
Fläche nachgebaute Arbeitsplätze und Mitmachstationen mit
spannenden Geschichten von Menschen in riskanten Berufen,
beispielsweise im Wald, am Zünder bei der Kampfmittelräumung oder auf dem Fußballplatz. Wer auf dem Baugerüst in
der Ausstellung steht, bekommt eine Ahnung davon, wie riskant der Job eines Gerüstbauers ist. Ein Formel-1-Wagen aus
dem Jahr 1988 gibt Auskunft über die Gefahren im Rennsport.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Frage, wie Profis in
ihrem Job mit dem „Kollegen“ Risiko umgehen. Besucher können ihnen über die Schulter schauen: Ausbildung, Technik
und Organisation sind die Schlüsselworte für eine unfallfreie
Tätigkeit in riskanten Berufen. Die Ausstellung ist noch bis
zum 27. April 2014 zu sehen.
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Schwerpunkt
BG BAU aktuell 1 _2014
Um Absturzunfälle zu vermeiden, müssen Sicherheitsmaßnahmen rechtzeitig geplant werden
und Mitarbeiter unterwiesen sein.
Nur dann können die Gefährdungen
an hochgelegenen Arbeitsplätzen
minimiert werden.
BG BAU aktuell 1 _ 2014
Schwerpunkt
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Absichern statt abstürzen
Ziel der Präventionskampagne für Zimmerer ist
es, die Arbeitssicherheit im Alltag von Unternehmern und Beschäftigten zu verankern und
Absturzunfälle zu vermeiden.
TEXT: Detlev Opara, Rainer Kabelitz-Ciré
FOTOS: Mirko Bartels, Swantje Küttner
Z
immererarbeiten sind mit einem hohen Unfallrisiko verbunden. Vor allem bei
Richtarbeiten, wo oft an hochgelegenen Arbeitsplätzen gearbeitet wird, kommt
es immer wieder zu Absturzunfällen mit schwerwiegenden Folgen. Aber auch
der Einsatz von Handmaschinen wird häufig unterschätzt und führt zu Unfällen. Mit
einer gemeinsamen Kampagne wollen die Landesverbände der Zimmerer mit Unterstützung der BG BAU auf die Risiken aufmerksam machen und konkrete Anregungen
zur Prävention geben.
Sicherheitsmaßnahmen rechtzeitig planen
Was ist in puncto Arbeitssicherheit bei Zimmererarbeiten zu beachten? Grundsätzlich
muss jeder Unternehmer vor Beginn der Arbeiten eine baustellenbezogene Gefährdungsbeurteilung durchführen. Auf dieser Grundlage sind dann die Sicherheitsmaßnahmen festzulegen und die Mitarbeiter zu unterweisen. Damit sollen die Gefahren
für die Beschäftigten so weit wie möglich minimiert werden. Bei der Auswahl von
Schutzmaßnahmen hat der Unternehmer eine bestimmte Rangfolge zu beachten. Dabei gilt der Grundsatz, dass technische und organisatorische Maßnahmen Vorrang
vor der Verwendung Persönlicher Schutzausrüstung haben.
Auch beim Einsatz
von Handmaschinen
kommt es immer wieder
zu schweren Unfällen. Die
richtige Handhabung und
das Tragen Persönlicher
Schutzausrüstung sind
wichtig, um sich gegen
Gefahren zu schützen.
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Schwerpunkt
BG BAU aktuell 1 _ 2014
Bei der Montage
von Pfetten auf einer
Halle stürzte ein
Mitarbeiter von der Anlegeleiter und verletzte
sich schwer.
Die Realisierung der Arbeitssicherheit ist bei Zimmerarbeiten nicht immer ganz einfach,
weil ja die Tragkonstruktion eines Daches erst errichtet werden soll. Daher muss vor allem hier die richtige Reihenfolge der Arbeitsabläufe berücksichtigt werden. Insbesondere
beim Richten konventioneller Dachstühle gibt es immer wieder Defizite bei der Arbeitssicherheit, der Koordination der Gewerke untereinander und der Arbeitsorganisation.
Risiko Absturz verringern
UNFALLGESCHEHEN
BEI ZIMMERERN
Durch verschiedene Studien und eine Auswertung der BG BAU wird belegt, dass Absturzunfälle den Unfallschwerpunkt bilden. An
zweiter Stelle stehen Unfälle beim Umgang
mit Maschinen.
Absturz innen
17 %
Maschinen
42 %
Stolpern, 1 %
7%
Rutschen,
Angestoßen-,
Stürzen
Getroffenwerden
Quelle: BG BAU
33 %
Absturz
außen
Absturzunfälle sind bei Zimmerarbeiten sowohl nach innen möglich – also in das Bauwerk hinein – als auch nach außen. Die Unfallauswertung durch die BG BAU zeigt,
dass Abstürze nach innen im Wesentlichen durch Öffnungen im Dach auftreten, beispielsweise durch Lichtkuppeln, Ausstiege und Dachfenster, nicht durchsturzsichere
Dacheindeckungen wie Wellplatten, Lichtplatten, Lichtbänder sowie Unterspannbahnen. Außerdem besteht bei Richtarbeiten fast ständig Absturzgefahr nach innen,
durch die offene Bauweise.
Ein typischer Unfall bei Richtarbeiten
Beim Montieren von Pfetten wurden Hölzer mit einem Gewicht von etwa 40 kg auf einer landwirtschaftlichen Halle verlegt. Bei der Montage in einer Höhe von ca. 7,40 m
stürzte ein Mitarbeiter von der Anlegeleiter auf den geschotterten Boden und zog sich
schwere Verletzungen zu.
Bei solchen Absturzunfällen sind schwere Verletzungen die Regel – manchmal enden
sie sogar tödlich. Der Unfall dieses Zimmerers hätte schon in der Planungs- bzw. Angebotsphase durch eine vorausschauende Arbeitsschutzorganisation verhindert werden
können. Wenn man beispielsweise gleich eine Hubarbeitsbühne eingesetzt hätte – wie
es nach dem Unfall geschah –, wäre dieser Unfall nicht passiert.
Bei den Analysen von Arbeitsunfällen hat die BG BAU immer wieder festgestellt, dass
sich viele Unternehmen nicht mit einer systematischen Gefährdungsbeurteilung auseinandersetzen. Doch die Gefährdungsbeurteilung ist nicht nur gesetzlich vorgeschrieben, sondern sie trägt auch ganz wesentlich dazu bei, die Risiken bei Arbeitsprozessen
schon frühzeitig zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken. Nur mit einer systematischen Gefährdungsbeurteilung und einer strukturierten Arbeitsorganisation können
Unfälle weitgehend verhindert werden.
BG BAU aktuell 1 _2014
Schwerpunkt
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Unfälle haben erhebliche Konsequenzen
Schwere Arbeitsunfälle verursachen in der Regel nicht nur erhebliches Leid bei den
Betroffenen, sie haben auch Auswirkungen auf die Kollegen und die Unternehmen
selbst. So verursachen Unfälle oft hohe Kosten durch die Lohnfortzahlung, stören
den Bauablauf und wirken sich durch das Fehlen eines Mitarbeiters aus. Gerade bei
Kleinbetrieben kann der Ausfall eines wichtigen Mitarbeiters erhebliche Folgen haben. Zwar übernimmt die BG BAU im Ernstfall die Heilbehandlungskosten und andere Entschädigungsleistungen. Doch das Geld dafür muss ja von allen Mitgliedsfirmen
gemeinsam aufgebracht werden.
Durch schwere Unfälle kann auch das Image des traditionsreichen Zimmererhandwerks
erheblichen Schaden nehmen und möglicherweise junge Menschen davon abhalten,
eine Ausbildung in diesem Handwerk zu beginnen. Dieser Aspekt ist vor dem Hintergrund des demografischen Wandels nicht zu unterschätzen. Mit einer Reduzierung
der Unfälle sollen auch die Kosten deutlich reduziert werden.
„Mir als Arbeitgeber und Holzbauunternehmer liegt tagtäglich die Sicherheit unserer
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Betrieb und auf den Baustellen persönlich am
Herzen. Ich appelliere daher an meine Kolleginnen und Kollegen, die Arbeitssicherheit
zur obersten Priorität zu erklären und nachhaltig in den Alltag unserer Holzbaubetriebe
zu integrieren“, erklärte Ullrich Huth, Vorsitzender von Holzbau Deutschland – Bund
Deutscher Zimmermeister im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB), bei
der Vorstellung der Kampagne auf dem ZDB-Obermeistertag 2013 in Berlin.
Das Zimmererhandwerk hat unter der Federführung von „Holzbau Deutschland“ in
Kooperation mit der BG BAU beschlossen, dem Absturzrisiko den Kampf anzusagen.
Die Präventionskampagne wurde Ende 2013 gestartet und soll über mehrere Jahre
laufen. Träger der Präventionskampagne ist Holzbau Deutschland – Bund Deutscher
Zimmermeister im ZDB, zusammen mit den Landesverbänden des Zimmerer- und Holzbaugewerbes. Im Mittelpunkt steht eine Sensibilisierung der Unternehmen und ihrer
Mitarbeiter für mehr Arbeitssicherheit. Damit wollen die Firmen deutlich machen,
dass die Arbeitssicherheit bei Zimmererarbeiten oberste Priorität hat.
Präventionskampagne soll nachhaltig sein
Ziel der Präventionskampagne ist es, Arbeitsunfälle und insbesondere Absturzunfälle
weitgehend zu vermeiden – zumindest aber deutlich zu reduzieren. Arbeitssicherheit
funktioniert nur, wenn sie nachhaltig im Alltag der Unternehmer und Mitarbeiter verankert wird. Daher sollen die Unternehmer die Verhinderung von Arbeitsunfällen zum
Unternehmensziel erklären. Das Thema Arbeitssicherheit soll in alle Betriebsabläufe
des Unternehmens integriert sein und sich auch im Verhalten der Unternehmer und
Mitarbeiter widerspiegeln. Die Kampagne soll ebenfalls jedem Beschäftigten klarmachen, dass er nicht nur für seine eigene Sicherheit verantwortlich ist, sondern auch
für die seiner Kollegen. Daher ist jeder Mitarbeiter verpflichtet, auch seine Kollegen
auf Gefahren und Fehlverhalten anzusprechen.
„Auch für unsere
Zimmerer-Nationalmannschaft
ist Sicherheit
oberstes Gebot –
ebenso wie
Genauigkeit und
Präzision im
Wettbewerb.“
Roland Bernardi, Zimmermeister aus
Völklingen und Teamleiter der ZimmererNationalmannschaft, die 2012 Europameister wurde und in der die besten Zimmerleute Deutschlands vereinigt sind.
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Schwerpunkt
BG BAU aktuell 1 _2014
Auf dem ZDB-Obermeistertag 2013 in Berlin wurde die
Kampagne vorgestellt. Mit
dabei v. l. n. r. Christian
Denz (Unternehmer), Ullrich
Huth (Vorsitzender von Holzbau Deutschland), Frank
Werner (stellv. Präventionsleiter der BG BAU) und Gerrit
Horn (Unternehmer).
WEITERE INFOS ZUR KAMPAGNE
Alle Aktivitäten der bundesweiten Kampagne
„Absichern statt abstürzen“ von Holzbau
Deutschland – Bund deutscher Zimmermeister
mit Unterstützung der BG BAU werden durch
eine intensive Öffentlichkeitsarbeit begleitet,
beispielsweise durch Beiträge in der Fachpresse und eine eigene Internetseite. Auch
ein spezieller Newsletter wird versandt.
Zwar richtet sich die Kampagne primär an Unternehmer und ihre Mitarbeiter. Doch
auch andere Beteiligte am Bauprozess haben Einfluss auf die Arbeitssicherheit. Deshalb
sollen auch Architekten, Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinatoren, Ingenieure, Betriebsärzte sowie die Zulieferindustrie zur Verbreitung der Kampagneninhalte
aufgerufen werden. Dann können Synergieeffekte entstehen.
Das Konzept will durch gezielte Kommunikation, Information und Veranstaltungen
das Problembewusstsein bei den Unternehmern und ihren Angestellten hinsichtlich
der Unfallgefahren fördern. Die erfolgreiche Nationalmannschaft der Zimmerer wird
ebenfalls ein wichtiger Botschafter dieser Kampagne sein.
Bundesweite Aktivitäten geplant
www.absichern-statt-abstuerzen.de
Für die Präventionskampagne sind zahlreiche bundesweite Aktivitäten und Maßnahmen geplant, beispielsweise die Entwicklung von Informations- und Aufklärungsmaterialien und die Durchführung von Veranstaltungen und Seminaren. Auch auf Messen, Kongressen und in den Ausbildungsstätten sind Aktionen geplant. Mit aktuellen
Unfallbeispielen sollen Gefährdungen dargestellt und über geeignete Schutzmaßnahmen informiert werden. „Nur wenn alle Beteiligten mitwirken, können wir nachhaltige
Ergebnisse erzielen“, ist Huth überzeugt.
Alle Aktivitäten der Kampagne werden durch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit begleitet, beispielsweise durch Beiträge in der Fachpresse und eine eigene Internetseite.
Auch ein spezieller Newsletter wird versandt. Damit sollen das Bewusstsein der Unternehmer und ihrer Mitarbeiter über die Gefahren bei ihrer Arbeit deutlich verstärkt und
die Akzeptanz für entsprechende Maßnahmen zur Arbeitssicherheit erhöht werden.
BG BAU aktuell 1 _ 2014
Tod durch gerissenes
Hebeband
Ein Zimmermann wurde bei Richtarbeiten von einem
Nagelbinder getroffen.
TEXT: Prävention
Oben rechts:
Das zerrissene NylonHebeband. Oben links und
unten: Der stürzende Nagelbinder erschlug den
Zimmermann.
D
ie Nagelbinder wurden mit einem Autokran transportiert und waren mit einem
Nylon-Hebeband angeschlagen. Plötzlich riss das Hebeband und ein Nagelbinder stürzte herab. Der Zimmermann, der gerade in der Nähe auf einem Gerüst
stand, wurde von dem Binder am Kopf getroffen und so schwer verletzt, dass er noch
auf der Baustelle starb. Das gerissene Anschlagmittel wies auch an anderen Stellen
erhebliche Beschädigungen auf. Solche Anschlagmittel sind sofort aus dem Verkehr
zu ziehen. Bei der Rekonstruktion des Unfalls wurde festgestellt, dass das verwendete Hebeband beim Transport des Binders im Hängegang über die „messerscharfen“
hervorstehenden Ränder der Nagelplatten verlief. Dann ist das Reißen des Bandes
praktisch vorprogrammiert. Offenbar waren sich weder der Kranfahrer noch der Anschläger darüber im Klaren.
Wie wäre es richtig gewesen?
Alle Hebebänder sind vor Arbeitsbeginn auf Beschädigungen zu überprüfen und gegebenenfalls auszumustern. Mit einer Gefährdungsbeurteilung wäre man schnell zu dem
Ergebnis gekommen, dass der Einsatz eines Hebebandes nur mit Kantenschutz oder
Kettengehänge sicher ist. Allerdings nicht im sogenannten „Hängegangverfahren“,
sondern nur, wenn das Anschlagen mit einer Schlinge erfolgt wäre.
Aus Unfällen lernen
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Arbeitssicherheit
BG BAU aktuell 1 _2014
Neue Anreize
für Prävention
Die BG BAU setzt ihr 2013 erfolgreiches Anreizsystem zur finanziellen
Förderung von Mitgliedsunternehmen für mehr Sicherheit und
Gesundheitsschutz in diesem Jahr
fort. Sogar in erweiterter Form.
TEXT: Dr. Dirk Watermann, Thomas Glaser
FOTO: Fotolia
W
egen des Erfolges der Aktion
im Jahr 2013 und der außergewöhnlich hohen Nachfrage der Mitglieder wird die BG BAU auch
2014 ihr Anreizsystem fortführen und
erneut Investitionsanreize zur nachhaltigen Verbesserung des betrieblichen Arbeitsumfeldes geben. Entschieden wird
nach Reihenfolge der vollständig eingegangenen Anträge aus 2014. Zuschüsse
und Prämien werden unabhängig vom
individuellen Unfallgeschehen gewährt.
Gefördert werden die Anschaffung, Ausrüstung und Nachrüstung von Arbeitsmit-
teln, Maschinen und Geräten mit besonderer Sicherheitstechnik. Ebenfalls werden
die sichere und systematisierte Gestaltung
der Arbeitsorganisation durch das branchenspezifische Arbeitsschutzmanagementsystem AMS BAU und die Qualifikation von Maschinenführern gefördert.
Im Rahmen der ersten Aktion bewilligte
die BG BAU mehr als 6.300 Anträge und
förderte über 9.300 Einzelmaßnahmen.
Über 80 Prozent der Antragsteller waren
Kleinunternehmer mit bis zu 20 Beschäftigten.
BG BAU aktuell 1 _2014
STUFEN
Ziel der Förderung ist es, die Mitgliedsunternehmen zu Investitionen in den Arbeitsschutz zu motivieren, Arbeitsunfälle und
Berufskrankheiten zu vermeiden oder zu
verringern und krankheitsbedingte Fehlzeiten in den Betrieben zu reduzieren. Die
Investitionen in die betriebliche Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz
unterstützen die Prävention, fördern die
Innovationsbereitschaft und stärken die
Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.
Voraussetzungen
für eine Förderung
Die Präventionsmaßnahmen müssen
grundsätzlich
• zur Vermeidung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten
Gesundheitsgefahren wirksam beitragen;
• über gesetzliche Mindestvorschriften
hinausgehen. Die Einhaltung der geltenden Arbeitssicherheits- und Gesundheitsschutzvorschriften allein reicht
nicht aus;
• bereits realisiert sein, bloße Absichtsbekundungen gelten nicht;
• noch nicht von der BG BAU prämiert oder
finanziell unterstützt worden sein;
• die im Prämienkatalog der BG BAU
aufgeführten prämien- oder zuschussspezifischen Bedingungen erfüllen.
Förderfähige Maßnahmen sind auf der
Internetseite der BG BAU unter „Präventionsanreize“ veröffentlicht und werden
regelmäßig aktualisiert. Allerdings können nur solche Maßnahmen gefördert werden, die 2014 durchgeführt oder gekauft
und beantragt wurden. Maßgebend ist
das Rechnungsdatum des laufenden Kalender- und Förderjahres. Für jede Maßnahme sind Art und Umfang, Zielsetzung
und beabsichtigter Erfolg, Beginn und Abschluss sowie Fremdkosten zu dokumentieren. Die Aufsichtspersonen der BG BAU
werden sich in Einzelfällen davon überzeugen, dass die Maßnahmen wirksam
umgesetzt wurden.
Wer ist antragsberechtigt?
Antragsberechtigt sind Mitgliedsunternehmen der BG BAU ab einem Beschäftigten mit abgeschlossenem Jahreslohnnachweis des Vorjahres. Voraussetzung für
die Förderung ist, dass der Umlagebeitrag
für den Bedarf der BG BAU mindestens
500 € beträgt.
von
bis
250 €
Bis 5 % des
Umlagebeitrages*
750 €
Bis 2 % des
Umlagebeitrages*
2.000 €
Bis 1 % des
Umlagebeitrages*
2.500 €
Bis 1 % des
Umlagebeitrages*,
max. 20.000 €
STUFE A
UNTERNEHMEN MIT BEITRÄGEN
VON 500 € BIS 15.000 €
STUFE B
UNTERNEHMEN MIT BEITRÄGEN
VON 15.001 € BIS 100.000 €
STUFE C
UNTERNEHMEN MIT BEITRÄGEN
VON 100.001 € BIS 250.000 €
STUFE D
UNTERNEHMEN MIT BEITRÄGEN
AB 250.001 €
Arbeitssicherheit
DIE FÖRDERSUMME IST ABHÄNGIG VOM GEZAHLTEN BG-BEITRAG
*Bemessungsgrundlage ist der Umlagebeitrag für den Bedarf der BG (ohne Zuschlag und
Beitrag zum ASD der BG BAU) des jeweiligen Unternehmens des Vorjahres bzw. des Vorvorjahres (bei Antragstellung bis Mitte Mai des laufenden Jahres).
Wie viele Maßnahmen können
von einem Unternehmen
beantragt werden?
Die Fördersumme kann generell für eine
oder auch mehrere Maßnahmen aus dem
Prämienkatalog verwendet werden. Allerdings gibt es abhängig vom gezahlten
Umlagebeitrag des Mitgliedsunternehmens Förderhöchstgrenzen. Die maximal
erzielbare Fördersumme liegt bei 20.000 €.
Einen Rechtsanspruch auf Förderung gibt
es nicht.
Wann wird die Prämie
ausgezahlt?
Nach Prüfung durch die BG BAU wird die
Förderung gewährt. Die Prämien werden
ausbezahlt, bis die Förderhöchstsumme
des jeweiligen Fördertopfes und Förderjahres verbraucht ist. Es entscheidet die
Reihenfolge der vollständigen Antragseingänge. Nicht in Anspruch genommene Fördermittel des laufenden Kalenderjahres
können nicht in das folgende Kalenderjahr
übertragen oder ausbezahlt werden. Weiterführende Informationen zu den genauen
Förderbedingungen, Spezifikationen der
einzelnen Maßnahmen, Antragsunterlagen, eine Liste mit häufig gestellten Fragen
und Antworten, Ansprechpartnern und einen Überblick über die noch zur Verfügung
stehenden Fördermittel für die einzelnen
Maßnahmen sind auf der Internetseite der
BG BAU zu finden.
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Arbeitssicherheit
BG BAU aktuell 1 _2014
Das wird gefördert:
1. Montageschutzgeländer für Arbeits- und Schutzgerüste: Diese werden bei Gerüstbauarbeiten eingesetzt
und tragen dazu bei, Absturzunfälle
vom Gerüst zu vermeiden.
Förderprämie: 50 Prozent der
Fremdkosten, höchstens 100 €
2. Podestleitern: Podestleitern mit
umwehrter Plattform sollen vor allem
Absturzunfälle verhindern und die Belastung der Beine verringern.
Förderprämie: 50 Prozent der
Fremdkosten, höchstens 250 €
3. Ortsveränderliche Schutzeinrichtung mit PRCD-S 5-polig: Sie dienen
ebenfalls dem Schutz vor fehlerhaften
Elektroinstallationen und schadhaften
Betriebsmitteln.
Förderprämie: 50 Prozent der Fremdkosten, höchstens 100 €
4. Personenschutzschalter PRCD-S:
Um eine sichere Stromentnahme aus
vorhandenen Steckdosen zu ermöglichen, wird ein PRCD-S wie ein Verlängerungskabel zwischen Verbraucher
und Steckdose gesteckt. Unfälle durch
fehlerhafte Elektroinstallationen und
mangelhafte Betriebsmittel werden
dadurch vermieden.
Förderprämie: 50 Prozent der
Fremdkosten, höchstens 50 €
5. AMS BAU-Wiederbegutachtung:
AMS BAU ist ein branchenspezifisches
Arbeitsschutzmanagementsystem für
Mitgliedsbetriebe der BG BAU. Es
greift die betrieblichen Belange der
Bauwirtschaft auf unter Berücksichtigung der besonderen Rahmenbedingungen wie ständig wechselnde
Arbeitsplätze, Witterungseinflüsse
oder die besonderen Vertragsformen
der Betriebe der Bauwirtschaft. Die
Nachhaltigkeit in Arbeitssicherheit
und Gesundheitsschutz ist der BG BAU
ein wichtiges Anliegen. Gefördert wird
deshalb einmalig die erfolgreiche Wiederbegutachtung von AMS BAU.
Förderprämie für die erfolgreiche
Wiederbegutachtung: 2.000 €
6. Nachrüstung von Seitenkamera
neben dem Baggerausleger (baujahrunabhängig) in Verbindung mit
einem Splitscreen-Monitor: Die Seitenkamera dient der Sichtverbesserung rechts des Baggerfahrers, wenn
der Ausleger die Sicht verdeckt. Durch
diese Maßnahme sollen Unfälle mit in
der Nähe arbeitenden Personen beim
Schwenken und Anfahren des Baggers
vermieden werden.
Förderprämie: 50 Prozent der
Fremdkosten, höchstens 500 €
7. Maschinenführerqualifikation:
Finanziell unterstützt werden Maschinenführerqualifizierungen, die
in einer von ZUMBau qualifizierten
Bildungsstätte absolviert werden. Die
Qualifikation dient dazu, Kenntnisse
und Fähigkeiten beim Bedienen und
Führen von Turmdrehkranen, Teleskopstaplern, Abbruchbaggern oder
Erd- und Straßenbaumaschinen zu
verbessern. Sie trägt dazu bei, Unfälle beim Umgang mit Maschinen zu
vermeiden.
Förderung pro Mitarbeiter pro Unternehmen: 50 Prozent der Fremdkosten,
höchstens 900 € je ZUMBau-qualifizierten Mitarbeiter
BG BAU aktuell 1 _2014
8. Nachrüstung oder Erstausstattung
von benzinbetriebenen Estrich- und
Betonglättern mit Katalysatoren: Damit wird die Gefährdung einer Kohlenmonoxidvergiftung der Bediener und
Personen im Arbeitsumfeld verringert.
Förderprämie: 50 Prozent der
Fremdkosten, höchstens 250 €
9. Leiterzubehör: Durch Fußtraversen,
Fixierungen an Leiterkopf- und -fußpunkten und Abstützungen kann die Standsicherheit auf Leitern erhöht werden.
Förderprämie: 50 Prozent der Fremdkosten, höchstens 100 €
10. Entstauber (Staubklasse M, keine
Staubsauger): Sie tragen zur Reduzierung staubbedingter Erkrankungen
beim Reinigen oder Absaugen von Maschinen und Geräten bei.
Förderprämie: 50 Prozent der
Fremdkosten, höchstens 200 €
11. Nachrüstung von Baumaschinen
(Baujahr vor 2009) und BaustellenLkw (ab 16 t) mit Kamera-MonitorSystemen: Diese Systeme überwachen
den Rückraum der Maschine vor dem
Anfahren und beim Versetzen. Dadurch
können Unfälle mit in der Nähe arbeitenden Personen vermieden werden.
Förderprämie: 50 Prozent der
Fremdkosten, höchstens 500 €
12. Elektrische Fuchsschwanzsäge, akkubetriebene Pendelsäbelsäge: Elektrische Fuchsschwanzsägen
und akkubetriebene Pendelsäbelsägemaschinen sind geeignet für
Schnitte in unterschiedlichsten Werkstoffen und ersetzen in vielen Fällen den Einsatz von Kettensägen auf
Dächern, Gerüsten und in beengten
Arbeitsumgebungen ohne entsprechende Schutzausrüstung.
Förderprämie: 50 Prozent der
Fremdkosten, höchstens 150 €
Arbeitssicherheit
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13. Leiser Brenner mit Armstütze:
Um Lärmbelastungen und belastende
Fehlhaltungen deutlich zu reduzieren,
sind Handbrenner geeignet, die einen
gewichtsreduzierten und strömungsoptimierten Brennerkopf besitzen und mit
einer Armstütze ausgerüstet sind.
Förderprämie: 50 Prozent der
Fremdkosten, höchstens 40 €
14. Akku- und druckluftbetriebene
Eintreibgeräte mit Einzelauslösung
mit Sicherungsfolge bzw. mit Auslösesicherung: Mit diesen Geräten werden
Befestigungsmittel wie Klammern und
Nägel in einen Baustoff eingetrieben.
Die Einzelauslösung mit Sicherungsfolge bzw. mit Auslösesicherung verhindert unbeabsichtigtes Einschießen von
Nägeln in Körperteile.
Förderprämie: 50 Prozent der
Fremdkosten, höchstens 300 €
Weitere Infos:
www.bgbau.de, Webcode: WCN2Y4
www.bgbau.de/praev/anreizsysteme
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Arbeitsmedizin
BG BAU aktuell 1 _2014
Vulkan im Bauch
Übelkeit, Völlegefühl, saures Aufstoßen: Sodbrennen kennt fast
jeder. Dagegen helfen in erster Linie eine gesunde Ernährung und
der Verzicht auf Alkohol und Nikotin.
TEXT: Dr. Sascha Plackov
Sodbrennen wird durch
Magensäure verursacht,
die in die Speiseröhre
gelangt. Grund dafür kann
eine ungesunde Lebensweise sein, durch die
zu viel Magensaft
produziert wird.
FOTOS: Fotolia
E
ben sitzt man noch gemütlich beieinander, isst und trinkt gehaltvolle,
leckere Sachen. Einige Zeit später
meldet sich ein brennender Schmerz hinter dem Brustbein. Gleichzeitig macht sich
ein unangenehmer Geschmack im Mund
breit. Und wenn man ins Bett geht und
sich hinlegt, taucht plötzlich derselbe
Schmerz wieder auf. Ursache dafür sind
meist säurebedingte Magenbeschwerden.
Sie äußern sich durch saures Aufstoßen
von Magensaft in die Speiseröhre und in
Form von Sodbrennen. 30 bis 40 Prozent
der erwachsenen Deutschen leiden regel-
mäßig oder gelegentlich unter Sodbrennen
oder saurem Aufstoßen.
Gelegentliches Sodbrennen ist unbedenklich und kann mit Hausmitteln oder rezeptfreien Medikamenten aus der Apotheke
behandelt werden. Wer mehr als zweimal
in der Woche Sodbrennen hat, sollte zum
Arzt gehen, denn es könnte eine Refluxkrankheit dahinter stecken, bei der der Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt.
Sie kann von Heiserkeit am Morgen, Husten, Räuspern und einem schlechten Geschmack im Mund begleitet sein.
BG BAU aktuell 1 _ 2014
Gereizte Speiseröhre
Die Beschwerden des Sodbrennens entstehen hauptsächlich in der Speiseröhre. Das
ist ein Muskelschlauch, der den im Mund
zerkleinerten Speisebrei vom Rachenraum
in den Magen befördert. Der Magen selbst
ist im Prinzip nichts anderes als ein Muskelsack mit einem Fassungsvermögen von
1 bis 1,5 Litern. Er produziert die Magensäure, eine etwa 0,5-prozentige Salzsäure,
welche für die Verdauung unerlässlich ist.
Die besondere Beschaffenheit der Magenschleimhaut sorgt dafür, dass der Magen
selbst nicht von der Magensäure angegriffen wird. Am Übergang zum Magen verschließt ein spezieller Muskel die Speiseröhre gegen das Zurückfließen des sauren
Mageninhalts. Meistens kann dieser Muskel dem Druck standhalten. Doch wenn
die Muskelfasern erschlaffen, fließt Säure vom Magen in die Speiseröhre zurück.
Die Nervenfasern in der Schleimhaut der
Speiseröhre werden gereizt und es entsteht
Sodbrennen.
Saurer Rückfluss
Ursache für die Refluxkrankheit kann eine
erhöhte Menge an Magensäure oder eine
Erschlaffung des Schließmuskels sein. Vor
allem falsche Ernährung, Alkohol, Medikamente und Stress steigern die Produktion
von säurehaltigem Magensaft und können
Sodbrennen verursachen. Außerdem tragen diese Faktoren auch zu einer Erschlaffung des Schließmuskels bei, ebenso wie
Nikotin. Kein Wunder, dass oft beide Ursachen zusammen Anlass für das Sodbrennen
sind. Der Fachmann spricht in diesem Zusammenhang von funktionellen Beschwerden ohne organische Störung. Diese lassen
sich meist durch eine angepasste Lebensweise und gesunde Ernährung gut in den
Griff bekommen. Aber auch organische Ursachen können Auslöser für einen schmerzhaften Rückfluss von säurehaltigem Magensaft in die Speiseröhre sein. Dazu gehören:
•
•
•
•
Zwerchfellbruch
Magenschleimhautentzündung
Zuckerkrankheit
Schwangerschaft
Arbeitsmedizin
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Organische Ursachen des Sodbrennens
kommen allerdings seltener vor. Bei rund
60 Prozent der Betroffenen liegen lediglich funktionelle Beschwerden vor, die sich
durch Änderungen des Lebensstils und der
Ernährungsgewohnheiten vermeiden lassen. Das ist wichtig, denn wenn die Speiseröhre ständig gereizt wird, kann sie sich
entzünden. Unbehandelt kann daraus ein
blutendes Schleimhautgeschwür entstehen, ständige Entzündungen können zu
narbenähnlichen Einengungen führen.
Auch Speiseröhrenkrebs ist eine zwar
seltene, aber mögliche Folge der Refluxkrankheit.
Psychische Aspekte beachten
Für Branchen, die ständig unter Zeitdruck
arbeiten, wie die Baubranche, ist der
Stressabbau ein wichtiges Ziel. Deshalb
gehört auch die Erfassung psychomentaler Belastungen in die Gefährdungsbeurteilung. Bei chronischen säurebedingten
Beschwerden, die wiederkehrend auftreten
oder länger als zwei Wochen ununterbrochen anhalten, ist eine ärztliche Untersuchung und Behandlung erforderlich. Bei
folgenden Alarmsymptomen ist sogar umgehend ein Arztbesuch notwendig:
WAS GEGEN SODBRENNEN HILFT
• Stress abbauen
• zucker- und fettreiche Nahrungsmittel
meiden
• kleine Portionen langsam und in Ruhe
essen
• vor allem das Abendessen sollte leicht
verdaulich sein
• auf Tabak und Alkohol verzichten
• starke, anhaltende Schmerzen,
heftige Krämpfe
• unerklärliche Schluckbeschwerden
• starkes Erbrechen oder heftiger
Durchfall
• blutiger Stuhl, Teerstuhl
• ungewollte, deutliche Gewichtsabnahme
• Schwellungen oder Verhärtungen im
Bauchraum
• Schmerzen im Brustkorb
Denn diese Alarmsymptome sind für Sodbrennen untypisch und deuten auf andere Erkrankungen hin, die von einem Arzt
dringend abgeklärt werden müssen. So
kann sich auch ein Herzinfarkt manchmal
in Symptomen äußern, die dem Sodbrennen ähnlich sind, beispielsweise Druck im
Brustkorb. Vorerkrankungen des Herzens
sollten also bei der Klärung der Beschwerden immer berücksichtigt werden.
• alkoholfreie Getränke ohne Kohlensäure
bevorzugen
• Zitrusfrüchte und scharfe Gewürze meiden
• Übergewicht reduzieren
• keine enge Kleidung oder Gürtel tragen,
die den Druck auf den Bauchraum erhöhen
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Arbeitsmedizin
BG BAU aktuell 1 _2014
Unerwünschte Souvenirs
Von Einsätzen auf Baustellen im Ausland bringen die
Rückkehrer manchmal Krankheiten mit, deren Symptome
sich erst zu Hause zeigen.
TEXT: Dr. Jobst Konerding
FOTOS: Fotolia
Häufig sind es harmlose
Erkrankungen durch die Klimaumstellung, die sich nach der Rückkehr aus dem Ausland bemerkbar
machen. Jedoch kann hohes Fieber
beispielsweise auch eine Malariainfektion anzeigen.
BG BAU aktuell 1 _2014
I
mmer mehr deutsche Firmen sind an
Bauprojekten im Ausland beteiligt,
auch auf Baustellen in tropischen und
subtropischen Gebieten sowie in Regionen
mit unzureichenden hygienischen Verhältnissen. Vor der Ausreise lassen sich die
Betroffenen vom Arbeitsmedizinisch-Sicherheitstechnischen Dienst der BG BAU
(ASD der BG BAU) meist gründlich über
die besonderen Gesundheitsgefahren und
notwendigen Impfungen beraten. Trotzdem kann es gerade bei kürzeren Einsätzen
passieren, dass sich die Beschäftigten im
Ausland Krankheiten zuziehen, die sich
erst nach der Rückkehr in Deutschland
bemerkbar machen. Um die Symptome
richtig einordnen zu können, sollten die
Reisenden über die häufigsten Krankheitsrisiken aus anderen Ländern Bescheid wissen. Außerdem ist es hilfreich, den behandelnden Ärzten in Deutschland Hinweise
zum Gastland zu geben, damit die unerwünschten Reisebegleiter schnell diagnostiziert werden können.
Durchfallerkrankungen
Erreger von Durchfallerkrankungen sind
Darmbakterien, Viren oder einzellige Parasiten wie Lamblien oder Amöben. Die
Übertragung erfolgt über verunreinigte
Speisen und Getränke. Wässrige bis schleimig-blutige Durchfälle, Bauchkrämpfe und
Blähungen sind die häufigsten Symptome.
Gefährlich sind vor allem die Amöbenruhr
und der Typhus. Als einfaches Mittel zur
Behandlung haben sich Salzstangen und
zuckerhaltige Getränke bewährt. Denn
wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeitsund Salzzufuhr. Bei schweren bakteriell
oder parasitär bedingten Durchfällen verordnet der Arzt Antibiotika.
Hautkrankheiten
Unter den Hautkrankheiten sind infizierte Insektenstiche am weitesten verbreitet.
Die meisten Stiche stammen von Mücken.
Entzündungen der Stiche durch Bakterien können zu schweren Verläufen führen.
Hinzu kommt eine schlechte Heilungstendenz im feuchtwarmen Klima. Langanhaltende juckende Stiche werden auch
von Bettwanzen verursacht. Vermehrte
Feuchtigkeit und Wärme begünstigen zudem Hautpilzerkrankungen. Ein Hautpilz
namens „Ringworm“ kann an verschiede-
Arbeitsmedizin
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19
nen Körperstellen auftreten und am behaarten Kopf eine langwierige Therapie
mit pilzhemmenden Mitteln erforderlich
machen. Besonders beim Barfußgehen im
Sand kann es zu Hautinfektionen durch
Hakenwurmlarven kommen. Diese stammen aus menschlichem oder Hundekot,
bohren sich in die Haut der Füße ein und
bilden stark juckende, gewundene Gänge. Anhaltende entzündliche und stark juckende Hauterscheinungen können auch
auf einen Befall von Krätzmilben hindeuten. Die meisten dieser Hautkrankheiten
lassen sich medikamentös gut behandeln
und heilen folgenlos ab.
Fieberhafte Erkrankungen
Bei den meisten fieberhaften Erkrankungen der Rückkehrer lässt sich eine genaue
Ursache nicht ermitteln. Häufig sind es
harmlose virale Erkältungskrankheiten,
hervorgerufen durch die Klimaumstellung
oder den langen Heimflug. Alarmierend
sind hingegen Infektionen mit Malariaerregern. Die Malaria wird durch Mückenstiche übertragen. Die gefährlichste
Form ist die Malaria tropica, die unbehandelt schon nach wenigen Tagen zum
Tod führen kann. Die Symptome können
sehr unterschiedlich sein. An erster Stelle steht plötzliches hohes Fieber. Aber
auch Durchfälle, Erbrechen und Bauchschmerzen können auf eine Malaria tropica hinweisen. Wenn die Malaria rechtzeitig durch bestimmte Blutuntersuchungen
erkannt wird, kann eine effektive Behandlung beginnen. Durch Mückenstiche wird
auch das Dengue-Fieber übertragen. Das
ist eine Viruserkrankung, die mit Fieber,
Kopf- und Gelenkschmerzen einhergeht
und etwa zwei Wochen andauert. Behandelt wird symptomatisch mit schmerz- und
fiebersenkenden Mitteln.
Vorsorge nach der Rückkehr
Nach beruflichen Auslandsaufenthalten
von mehr als einem Jahr oder auf Wunsch
des Beschäftigten sollte der Arbeitgeber
eine arbeitsmedizinische Rückkehruntersuchung beim Betriebsarzt veranlassen. Diese beinhaltet eine Beratung über
die Möglichkeit von krankheitsbedingten
Spätsymptomen sowie besondere Blut- und
Stuhluntersuchungen. Diese Vorsorge kann
der ASD der BG BAU vornehmen.
HÄUFIGE ERKRANKUNGEN BEI
RÜCKKEHRERN
• Durchfallerkrankungen
• infizierte Insektenstiche
• fieberhafte Erkrankung
ohne feststellbare Ursache
• Malaria
• Dengue-Fieber
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Im Blick
BG BAU aktuell 1 _2014
In seinem Inneren ist der
Hildesheimer Dom noch eine
große Baustelle. Rechtzeitig zum
1.200-jährigen Bistumsjubiläum
wird das einmalige Bauwerk
wiedereröffnet. Der Dom
gehört zum UNESCOWeltkulturerbe.
BG BAU aktuell 1 _2014
Im Blick
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Schlichte Eleganz
statt barocker Glanz
Bei der umfassenden Sanierung des Hildesheimer Doms wird
nicht nur das mittelalterliche Raumgefühl der Bischofskirche
wiederhergestellt. Auch Gebäudetechnik, Akustik und Brandschutz werden modernisiert.
TEXT: Rolf Schaper
FOTOS: Mirko Bartels
W
enige Tage vor Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Hildesheimer Dom
in weiten Teilen zerstört. Das Bauwerk wurde einige Jahre nach Kriegsende
vollständig wiedererrichtet. Nach 50 Jahren Nutzung war eine umfassende
Sanierung erforderlich. Noch in diesem Jahr soll der Dom rechtzeitig zum 1.200-jährigen Bistumsjubiläum feierlich wiedereröffnet werden.
Günther Binding hat als Kind die Zerstörung des Hildesheimer Domes selbst miterlebt.
Der emeritierte Professor für Architektur und Kunstgeschichte lebte damals mit seiner
Familie in Hildesheim, als am 22. März 1945 eine alliierte Bomberflotte ihre tödliche
Last über dem mittelalterlichen Stadtkern entlud. An diesem Tag gingen unschätzbare
Werte für immer verloren, viele Menschen starben. Auch die Wohnung der Bindings
wurde zerstört. „Wenn ich heute nach Hildesheim komme, sind die Bilder von damals
wieder da“, sagt der Experte für Baugeschichte im Mittelalter.
Welche Funktion und Wirkung die Architektur von Kirchenbauten für die Menschen
hat, erläutert Professor Binding so: „Sakrale Architektur soll die Menschen zum Staunen bringen und beeindrucken. Wer über die wuchtigen und doch leichten, schlichten
oder reich geschmückten Kirchen staunt, der spürt: Es gibt ein höheres Wesen. Kathedralen wie der Hildesheimer Dom verweisen auf Gottes Größe“, ist Binding überzeugt. „Mit
dieser Architektur schaffen wir Gottes Abglanz auf Erden.“
Auch der Platz
um den Hildesheimer
Dom herum wird
grundlegend
erneuert.
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Im Blick
Dom- und Diözesanbaumeister
Norbert Kesseler
erläutert den Ablauf
der Umbauarbeiten.
Rechts: die neue
Fußbodenheizung.
BG BAU aktuell 1 _2014
Für ihn ist es keine Frage, dass der Dom saniert und erhalten werden muss, weil der
Mensch Punkte brauche, mit denen er sich identifizieren kann. Binding freut sich auch
über die neueren Grabungsfunde, die belegen, dass der Dom hier erbaut wurde, als
man in anderen Teilen des Landes gerade erst begann, monumentale Architektur zu
bauen. Er ist auch vom Zusammenspiel der damaligen Bauherren und Handwerksmeister beeindruckt. „Damals ging alles noch ohne große Hilfsmittel, richtige Baupläne
gab es erst ab dem 13. Jahrhundert“, erklärt der Experte.
Weltkulturerbe verpflichtet
Seit 1985 gehört der Hildesheimer Dom zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die UNESCO als
weltweit höchste Kulturinstanz verlieh beiden romanischen Sakralbauten Hildesheims –
dem Dom und der ehemaligen Benediktinerabtei St. Michael – das Prädikat eines Weltkulturerbes. Beim Auswahlverfahren war neben der beispielhaften Architektur vor allem die Qualität der hochmittelalterlichen Kirchenausstattung ausschlaggebend, die
in dieser Vielfalt und künstlerischen Qualität einmalig ist. Beide Bauwerke sind ein
außergewöhnliches Beispiel der religiösen Kunst im Heiligen Römischen Reich. Zusammen mit ihren Kunstschätzen vermitteln die Bauwerke ein umfassendes Verständnis
zur Einrichtung romanischer Kirchen im christlichen Abendland. Hier kann man den
Reichtum romanischer Kunst und Facetten einer Epoche entdecken, die andernorts
meist verloren gegangen sind.
Heute ist der Hildesheimer Dom in seinem Inneren noch eine große Baustelle. Auch
der Platz um den Dom herum wird umfassend erneuert. Damit soll das historische Bauwerk städtebaulich besser ins Blickfeld gerückt werden. Interessant war das Vorgehen
bei der Sanierung des Innenputzes: Die Kontrolle des Innenputzes im Dom wurde mit
einem Minihubschrauber und einer kleinen Kamera durchgeführt. Mit diesem fliegenden „Pixelkopter“ konnte der Putz von den Fachleuten auch an Stellen begutachtet
werden, die sonst nur mit hohen und aufwendig zu errichtenden Gerüsten erreichbar
gewesen wären. Ein interessanter Beitrag zur Arbeitssicherheit.
Eine mutige Entscheidung
Doch möglicherweise wird die Sanierung nicht alle Besucher begeistern, weil das
Innere – ganz anders als die prunkvolle barocke Ausgestaltung davor – eine außergewöhnlich schlichte Eleganz ausstrahlt. Nicht gerade typisch für ein katholisches
Gotteshaus und zweifellos eine mutige Entscheidung des Domkapitels.
BG BAU aktuell 1 _2014
Im Blick
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„Durch die zeitgemäße schlichte Ausgestaltung werden die bedeutenden Kunstwerke
des Domes wie die Bernwardstüren, das mittelalterliche Taufbecken, der Heziloleuchter, die Irminsäule und der Azelinleuchter in einer Mittelachse platziert und damit
besonders wirkungsvoll in Szene gesetzt“, erläutert Dom- und Diözesanbaumeister
Norbert Kesseler, der die Sanierungsarbeiten koordiniert. Die Vorgaben des Domkapitels werden den inneren Gesamteindruck des Domes deutlich verändern. Aber war die
Sanierung nach 50 Jahren denn wirklich nötig? „Auf jeden Fall“, versichert Kesseler.
„An den Wänden stieg Feuchtigkeit auf, Elektrik und Akustik waren auf dem Stand des
Wiederaufbaus, der Brandschutz entsprach nicht mehr heutigen Vorschriften und das
Dach war undicht.“ Für ein Weltkulturerbe war das nicht akzeptabel. Doch nicht nur
der Dom wird umfassend saniert, auch das angrenzende Dommuseum sowie weitere
Teile des Domensembles werden saniert und teilweise deutlich erweitert.
Den Wettbewerb zur Domsanierung gewann Architekt Prof. Johannes Schilling mit
seinem Kölner Büro. Mit seinem Konzept, das mittelalterliche Raumgefühl des Domes
wieder erfahrbar zu machen, überzeugte er die Mitglieder des Domkapitels. Zwar waren seine Pläne noch viel umfassender, aber aus Kostengründen mussten Abstriche
gemacht werden. Doch seine modulartige Planung lässt auch eine spätere Sanierung
dieser Bereiche zu, wenn die Mittel dafür vorhanden sind.
Die acht Mitglieder des Domkapitels, die Domkapitulare, sind die Hausherren im Dom.
An ihrer Spitze steht der emeritierte Weihbischof Hans-Georg Koitz als Domdechant.
Dieses Gremium überwacht auch die Kosten des Großprojektes, die bei rund 36 Millionen Euro liegen. Rund die Hälfte davon hat das Bistum bereits durch Zuschüsse des
Landes Niedersachsen, vom Bund, der Europäischen Union und von Stiftungen aufbringen können. Von Anfang an wurde diese Baumaßnahme einschließlich der Ausgaben vom Bistum transparent und öffentlich kommuniziert.
Spurensuche in der Vergangenheit
Seit August 2009 erkundeten Archäologen das Gelände. Die Domgeschichte setzt sich
aus Tonscherben, Mörtel, Knochen und alten Steinen zusammen. Das Areal war eine
wahre Fundgrube. So fanden die Forscher in der angrenzenden Antoniuskirche Reste
einer karolingischen Wehrmauer und im Dom Mauerreste der ersten Marienkapelle, die
von Ludwig dem Frommen, einem Sohn Karls des Großen, um 815 errichtet worden ist.
Damit erhärtet sich die Vermutung, dass der Dom tatsachlich von ihm gegründet wurde.
Kunstschätze weltweit auf Tour
Und was passierte mit den Kunstschätzen des Doms während der Sanierung? Viele
wertvolle Stücke gingen weltweit auf Reisen. Eine Spezialfirma übernahm Abbau, Verpackung und Transport. Die größte Herausforderung war die Versetzung der Bernwardssäule und der Bernwardstür. In Millimeterarbeit wurden die tonnenschweren Türflügel
aus ihrer Verankerung gehoben und ins benachbarte Roemer- und Pelizaeus-Museum
gebracht. Die Säule wurde zum Jubiläumsjahr von St. Michaelis 2010 auch dort aufgestellt. Beide Kunstwerke werden noch in diesem Jahr wieder in den Dom zurückgeführt.
Weil auch das Dommuseum umgebaut und die ehemalige Antoniuskirche in seine
Ausstellungsfläche integriert wird, können künftig deutlich mehr Schätze als bisher
präsentiert werden. Einige Kunstwerke werden während der Sanierungszeit restauriert.
Andere Exponate wurden oder werden noch in anderen Museen ausgestellt, darunter
im Berliner Bode-Museum, in Chicago, New York oder Washington. So können auch
andere Museen von der Sanierung eines Weltkulturerbes profitieren. Schon jetzt dürfen
sich interessierte Besucher auf die Wiedereröffnung des Hildesheimer Domes freuen.
Weitere Infos: www.welterbe-hildesheim.de und www.domsanierung.de
Bei der Sanierung
des Hildesheimer
Doms waren ausgewählte Fachleute tätig.
Mitte: das freigelegte
Rosettenfenster.
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Im Fokus
BG BAU aktuell 1 _2014
„Bei der Bewertung von
Strategien zu Arbeitssicherheit
und Gesundheitsschutz sind
Kompetenzen und Fähigkeiten
und nicht das Alter entscheidend.“
BG BAU aktuell 1 _ 2014
Im Fokus
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Zu Europa gibt es
keine gute Alternative
Mit Blick auf die bevorstehende Europawahl nimmt der Präsident des EU-Parlaments, Martin Schulz, Stellung zu der aktuellen
Situation in der EU und zu Fragen der Arbeitssicherheit.
FOTOS: Andreas Kleiner, Picture Alliance
Rolf Schaper von BG BAU aktuell sprach
darüber mit Martin Schulz, Präsident des
Europäischen Parlaments.
Am 25. Mai 2014 findet die Europawahl
statt. Diese Wahl bringt eine wichtige
Neuerung: Zum ersten Mal darf das Parlament bei der Besetzung der wichtigsten
Posten mitreden. Warum ist gerade diese Wahl für Europa mit seinen über 500
Millionen Menschen so wichtig?
Die nächste Europawahl im Mai wird ein
Meilenstein für die europäische Demokratie sein. Die großen Parteien werden mit
gesamteuropäischen Spitzenkandidaten,
gesamteuropäischen Programmen und gesamteuropäischen Wahlkampagnen antreten. Das gab es bisher nicht. Es gibt also
einen echten Wahlkampf mit Köpfen und
Konflikten, jeder Kandidat wird sein Programm vorstellen und verteidigen. Dann
haben die Bürgerinnen und Bürger eine
echte Wahl zwischen echten Alternativen,
genau wie sie das von zu Hause kennen.
Und Demokratien leben nun mal von Alternativen. Kommissionspräsident wird
dann der Kandidat oder die Kandidatin,
der oder die im Europaparlament eine
Mehrheit der Abgeordneten hinter sich
versammeln kann. Das war bislang nicht
der Fall und deshalb wird, davon bin ich
fest überzeugt, die Europawahl 2014 eine
echte Wende in der europäischen Demokratie einleiten.
In einem Interview haben Sie mal gesagt:
„Je weiter man von Europa entfernt ist,
umso größer ist die Faszination, die von
der EU ausgeht. Hier gibt es Frieden, Freiheit, Wohlstand und soziale Gerechtigkeit.“ Warum ist trotzdem die Kritik an
der EU so verbreitet?
Aus vielerlei Gründen. Drei scheinen mir
besonders wichtig: Erstens: Die EU muss
einsehen, dass sie nicht alles regeln soll.
Sie muss aufhören, sich in Dinge einzumischen, die sie besser anderen überlassen
sollte, weil sie es besser können. Was lokal, regional oder national geregelt werden
kann, soll auch dort entschieden werden.
Anders gesagt: Die EU muss sich auf die
großen Fragen konzentrieren und die Dinge
regeln, die sie besser macht als der Nationalstaat, also etwa im Bereich der weltweiten Handelsbeziehungen, beim Kampf
gegen die Spekulation, gegen Steuerflucht
und gegen Steuervermeidung, bei der Bekämpfung des Klimawandels, im Bereich
der Migrationsfragen oder bei der Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität.
Zweitens nehmen wir zu vieles als selbstverständlich hin. Uns muss aber klar sein:
Unumkehrbar ist weder die europäische
Integration noch der durch sie geschaffene
Frieden und Wohlstand. Der Satz ‚Europa
ist ohne Alternative‘ ist falsch. Alles im Leben hat eine Alternative, auch Europa.
Martin Schulz
im Gespräch mit
BG BAU aktuell.
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Im Fokus
BG BAU aktuell 1 _2014
Die Alternative wäre Renationalisierung,
weniger Zusammenarbeit, weniger Wohlstand, weniger Sicherheit.
Und drittens hat das über Jahre praktizierte Spiel der nationalen Regierungen Spuren hinterlassen, denn Erfolge reklamieren Berlin, Paris oder Warschau für sich,
Misserfolge werden auf Brüssel geschoben.
Bei aller Kritik an der EU dürfen wir eines
nicht vergessen: Die EU ist nur so stark und
erfolgreich, wie ihre Mitglieder sie stark
und erfolgreich sein lassen.
„Die Zahl der
tödlichen
Arbeitsunfälle
und Berufskrankheiten ist
unerträglich
hoch.“
Die Gesetze der EU verlangen bei wichtigen Beschlüssen die Einstimmigkeit aller
Mitglieder. Sehen Sie darin einen Vorteil
oder lähmt das eher die Handlungsfähigkeit der EU in entscheidenden Fragen?
Mittlerweile wird in den Fachministerräten
weitgehend nicht mehr einstimmig, sondern mit Mehrheit abgestimmt. Das ist auch
richtig und gut so, denn in der Tat war ja
einer der Vorwürfe, der immer wieder gemacht wurde, dass Entscheidungen in der
EU zu lange dauern und immer nur auf dem
kleinsten gemeinsamen Nenner getroffen
würden, da jedes Land ein Vetorecht besitzt. Bei 28 Mitgliedern ist leicht auszumalen, wohin das geführt hätte. Daher hat der
Vertrag von Lissabon die Fälle, in denen
nach wie vor Einstimmigkeit nötig ist, auf
wenige sensible Bereiche reduziert, etwa
Steuerpolitik, Sozialpolitik, soziale Sicherheit oder die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik.
Griechen, Spanier und Portugiesen leiden
heute unter den aktuellen Sparmaßnahmen und blicken mit wachsender Skepsis
nach Brüssel. Dagegen sehen sich viele
Deutsche als Zahlmeister Europas. Was
ist richtig und wie solidarisch ist Europa
mit den schwächeren Partnern?
Ich möchte mit einem Zitat von Helmut
Schmidt antworten, von dem eine der brillantesten historischen Analysen zur Rolle
Deutschlands stammt, die ich kenne. Er
hat gesagt: Deutschland ist das Relais des
Kontinents, zwischen Nord und Süd und
Ost und West. Und für die heutige Generation gilt, was für viele vor ihr gegolten
hat: Wann immer das Zentrum stark und
die Peripherie schwach war, musste sich
das Zentrum entscheiden, ob es seine Stär-
ke nutzt, um die Peripherie stärker zu machen, oder ob es seine Stärke nutzt, der
Peripherie seinen Willen aufzuzwingen.
Letzteres hat stets im Desaster geendet.
Wir müssen uns also entscheiden. Mein
Eindruck ist: Die Deutschen entscheiden
sich für die Stärkung der Peripherie und
sind sehr solidarisch – erzählen aber zu
Hause – aus politischem Kalkül – leider
allzu oft etwas anderes. Das müssen wir
sein lassen. Denn die Töne, die häufig von
politischen Entscheidungsträgern zu hören
waren, werden im Ausland sehr wohl wahrgenommen und haben auch vielerorts zu
Verstimmungen und Missverständnissen
gegenüber Deutschland geführt.
Krise bedeutet immer auch eine Chance.
Sehen Sie in der jetzigen Situation, in der
sich Europa befindet, spezielle Chancen
für die deutsche Wirtschaft?
Die deutsche Wirtschaft ist bislang gut
durch die Krise gekommen. Uns muss aber
eines klar sein: Deutschland wird auf Dauer
nur dann eine gute Zukunft haben, wenn
unsere Nachbarn, wenn Europa eine gute
Zukunft hat. Wir hängen existenziell voneinander ab. Geht es Europa schlecht, geht
es früher oder später auch Deutschland
schlecht. Sich auf einer Insel der Glückseligen abschotten, das geht in der globalisierten Welt nicht mehr und schon gar
nicht für ein so hochgradig exportabhängiges Land wie Deutschland. Das bekommen
wir heute schon zu spüren.
Die internationale Arbeitsorganisation
(ILO) schätzt, dass in der EU jährlich
159.500 Arbeitnehmer an Berufskrankheiten sterben. Fast 4.000 tödliche Arbeitsunfälle werden pro Jahr in der EU
registriert. Die wirtschaftlichen Kosten
von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten werden auf drei bis vier Prozent
des Bruttoinlandsproduktes geschätzt.
Welche Anstrengungen unternehmen
die EU-Institutionen, um diese Risiken
deutlich zu senken?
Diese Zahl ist unerträglich hoch und beweist, dass Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz eine permanente
Herausforderung ist. Zugleich ist dies einer der Bereiche, in dem die EU besonders
aktiv ist. Der Rechtsrahmen der EU ist darauf ausgelegt, Schutz gegen möglichst
BG BAU aktuell 1 _ 2014
viele Risiken bei möglichst wenigen Vorschriften zu gewährleisten. Eine wichtige
Rolle bei den Aktivitäten der EU spielt die
Europäische Agentur für Sicherheit und
Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, die
sich für sicherere, gesündere und produktivere Arbeitsplätze in Europa einsetzt und
versucht, eine Kultur der Risikoprävention
zu fördern, um die Arbeitsbedingungen in
Europa zu verbessern. Die Agentur gestaltet und entwickelt praktische Instrumente,
die Kleinst-, kleinen und mittleren Unternehmen helfen sollen, Gefährdungen am
Arbeitsplatz zu beurteilen sowie Wissen
und gute praktische Lösungen innerhalb
ihrer Branchen und darüber hinaus auszutauschen.
Über welche Wege kommt eigentlich das
komplexe Thema Arbeitsschutz auf die
Agenda des EU-Parlaments?
Da gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Zum einen den klassischen Weg über
die EU-Kommission, die eine gesetzliche
Regelung vorschlägt, die dann im Europäischen Parlament debattiert, verändert
und dann verabschiedet wird. Ein anderer häufig eingeschlagener Weg ist, dass
die Abgeordneten oder der federführende
Fachausschuss selbst initiativ werden und
ein bestimmtes Thema aufgreifen, Anhörungen veranstalten, Berichte verfassen
und die EU-Kommission auffordern, einen
Gesetzesvorschlag vorzulegen. Darüber hinaus spricht die Europäische Stiftung für
die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen Empfehlungen aus.
Das Europäische Parlament hat ein Pilotprojekt zum Thema „Gesundheitsschutz und Sicherheit älterer Arbeitnehmer“ gestartet. Was sind die Inhalte und
Ziele dieses Vorhabens?
Das übergeordnete Ziel lautet, Arbeitsplätze für alle Beschäftigten während des
gesamten Erwerbslebens nachhaltig zu
gestalten. Um dies zu erreichen, werden
unterschiedliche Strategien zu Sicherheit
und Gesundheitsschutz bei der Arbeit angesichts einer alternden Erwerbsbevölkerung
bewertet, und es wird identifiziert, was gut
funktioniert, was weniger funktioniert und
welche Prioritäten gesetzt werden müssen.
Dabei spielen Kompetenzen und Fähigkeiten und nicht nur das Alter die entschei-
Im Fokus
|
27
dende Rolle; auch wird anerkannt, dass
unterschiedliche Sektoren unterschiedliche Probleme haben, zum Beispiel im Baugewerbe und in der Landwirtschaft, und
dass die wachsende Anfälligkeit älterer
Arbeitnehmer mit anhaltenden Problemen
verbunden ist. Das Projekt wird auch auf
einige der Mythen rund um die Fähigkeiten und Fertigkeiten älterer Arbeitnehmer
näher eingehen. Ältere Erwachsene unterscheiden sich erheblich voneinander.
Sie haben mal gesagt, dass Sie in die Politik gegangen sind, um für eine gerechtere Welt zu kämpfen. Wie bewerten Sie
heute den Arbeitnehmerschutz und die
Arbeitnehmerrechte in Europa – wo sehen Sie noch Defizite?
Die Europäische Union verfügt über Mindestvorschriften im Bereich der Arbeitnehmerrechte und der Arbeitsorganisation.
Diese Vorschriften betreffen etwa Massenentlassungen, Zahlungsunfähigkeit,
Anhörung und Information der Arbeitnehmer, Arbeitszeit, Gleichbehandlung und
gleiche Entlohnung sowie entsandte Arbeitnehmer. Zudem wurden die Vorschriften ergänzt durch Rahmenabkommen zwischen den europäischen Sozialpartnern.
So wurde beispielsweise in der gesamten
Union das Recht auf Elternurlaub und Urlaub aus familiären Gründen eingeführt,
Teilzeitbeschäftigung erleichtert und der
wiederholte Abschluss befristeter Verträge
begrenzt. Sorge bereitet mir allerdings eines: Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat
sich zu einer Sozial- und Vertrauenskrise
ausgeweitet. Wenn jetzt in der Krisenbekämpfung zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit in den EU-Mitgliedsländern
propagiert wird, die Axt an unser soziales Gesellschaftsmodell zu legen, dann
dürfen wir eines nicht vergessen: Unsere soziale Marktwirtschaft wurde in den
Nachkriegsjahren von Politikern aufgebaut, die zweierlei erkannt hatten: Erstens, Märkte brauchen einen politischen
Ordnungsrahmen. Zweitens, all das, was
wir als unser Sozialmodell verstehen – Zugang zu Bildung, Gesundheit, progressive
Besteuerung, Mitbestimmung, Renten und
Arbeitslosenversicherungen –, das sind
die besten Stabilisierungsmaßnahmen für
Demokratien, das beste Bollwerk gegen
politischen Extremismus – von links wie
von rechts.
MARTIN SCHULZ
Präsident des Europäischen Parlaments seit
Januar 2012
Am 20. Dezember 1955 in Hehlrath geboren,
begann Martin Schulz seine politische Karriere
1974 mit dem Eintritt in die SPD. Beruflich
verband er seine Leidenschaft Lesen mit einer
zweijährigen Ausbildung zum Buchhändler.
1982 eröffnete er eine eigene Buchhandlung
in Würselen, die er bis 1994 erfolgreich führte.
Aufgrund seines politischen Engagements
für die SPD wurde Schulz 1984 in den Rat
der Stadt Würselen gewählt, wo er drei Jahre
später auch Bürgermeister wurde und elf Jahre
lang bis 1998 die Geschicke Würselens prägte.
Seit 1994 vertritt Schulz als Europaabgeordneter mehrere SPD-Wahlkreise im Europäischen Parlament, seit 2004 den gesamten
Regierungsbezirk Köln. Von 2000 bis 2004
war er Vorsitzender der SPD-Abgeordneten
im Europaparlament und von 2004 bis Januar
2012 Vorsitzender der Progressiven Allianz der
Sozialdemokraten. Am 17. Januar 2012 wurde
er mit großer Mehrheit zum Präsidenten des
Europäischen Parlaments gewählt.
Martin Schulz ist verheiratet und hat zwei
Kinder.
28
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Arbeitssicherheit
BG BAU aktuell 1 _2014
Info-CD 2014
Die Info-CD der BG BAU mit Basisinformationen und umfassenden Informationen zu Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz
liegt jetzt in einer überarbeiteten Fassung vor.
TEXT: Martin Schneider
FOTOS: Fotolia, iStockphoto
Wenn die CD hier fehlt,
wenden Sie sich bitte an den Zentralversand
Ihrer BG BAU:
Fax: 0800 6686688-38400
E-Mail: [email protected]
BG BAU aktuell 1 _ 2014
Was ist neu?
Die Rubrik „Was ist neu?“ enthält eine aktuelle Auflistung zu Neuigkeiten und Änderungen.
Dazu gehören:
Informationen für Ihr Gewerk
Hier finden Sie eine weiterentwickelte Zusammenfassung des Medienangebotes der
BG BAU zu Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz speziell für Ihr Gewerk.
Die BG BAU
• Erläuterungen zum Beitragsbescheid
• Informationen zum Lohnnachweis 2013
• Anpassung freiwillige Unternehmerversicherung
Prävention
• Seminarbroschüre 2014
• Messetermine 2014 mit Beteiligung der BG BAU
• Link zu Fachinformationen der Prävention
Gefährdungsbeurteilung
• Neue CD Gefährdungsbeurteilung – Handlungsanleitung 2013
• Handlungshilfen zur Gefährdungsbeurteilung
rteilung online
Bausteine, Merkhefte
Neues Bausteinmerkheft BGI 5102 „Arbeiten
iten im Bereich von Gleisen“
Vorschriften, Regeln
• Staatliches Recht
– Neue Regeln für Arbeitsstätten
(z. B. ASR „Sanitärräume“)
• BG-Regeln und BG-Informationen
Neu aufgenommen oder überarbeitet
wurden beispielsweise:
– BGR/GUV-R 117-1/117-2 „Behälter, Silos
os
und enge Räume“ (Teil 1 und 2)
– BGR/GUV-R 118 „Umgang mit beweglichen
lichen
Straßenbaumaschinen“
– BGI/GUV-I 509 „Erste Hilfe“
– BGI/GUV-I 720 „Sicherer Umgang mit
it
fahrbaren Hubarbeitsbühnen“
– BGI/GUV-I 781 „Sicherheit für Arbeiten
ten
im Gleisbereich von Eisenbahnen“
– BGI/GUV-I 5189 „Auswahl und Benutzung
utzung
von Steigleitern“
– BGI/GUV-I 7011 „Gesunder Rücken –
gesunde Gelenke: Noch Fragen?“
Arbeitshilfen, Formulare
Neu aufgenommen:
• Beauftragung von Erdbaumaschinenführern
• Prüfprotokoll für fahrbare Arbeitsbühnen/Fahrgerüste
Weitere Informationen: www.bgbau-medien.de
Arbeitssicherheit
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Reha und Leistung
BG BAU aktuell 1 _2014
„Das Behandlungskonzept
unserer Klinik beruht auf dem
Fünf-Säulen-Prinzip“, erläutert der
Ärztliche Direktor Dr. Wolfgang Raab.
„Die Steigerung und der Erhalt der
allgemeinen körperlichen Fitness, wie
beispielsweise durch das Schwimmtraining,
gehören dazu.“
BG BAU aktuell 1 _2014
Reha und Leistung
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Neuen Atem schöpfen
Die BG Klinik für Berufskrankheiten in Bad Reichenhall ist
auf die Behandlung berufsbedingter Atemwegs- und Lungenerkrankungen spezialisiert. Im vergangenen Jahr feierte sie
ihren 50. Geburtstag.
TEXT: Daniel Engel
FOTOS: Doris Leuschner
O
bwohl die Verarbeitung von Asbest hierzulande seit 1993 gesetzlich verboten ist, zählen asbestbedingte Erkrankungen aufgrund der langen
Latenzzeiten zwischen beruflicher Einwirkung und Krankheitsentstehung nach
wie vor zu den häufigsten Berufskrankheiten. Die meisten der Betroffenen haben
in den 70er und 80er Jahren mit krebserzeugenden Stoffen wie Asbest gearbeitet
oder waren Stäuben ausgesetzt, die die
Bronchien geschädigt haben. Nach der
ganzheitlichen Therapie in Bad Reichenhall können sie wieder besser durchatmen.
Umfangreiche Diagnostik ist die
Basis
„Pro Jahr behandeln wir etwa 600 Patienten mit asbestbedingten Erkrankungen“,
sagt Dr. Wolfgang Raab, Chefarzt der Klinik. Die häufigste Erkrankung dabei sei
die Asbestose, eine durch Asbeststaub
verursachte Vernarbung der Lunge. Klassische Symptome dafür seien Atemnot und
Reizhusten, die vor allem nach Anstrengung auftreten, beispielsweise beim Treppensteigen:
„Der stationäre Aufenthalt hier beginnt mit
einer umfassenden Diagnostik“, erläutert
Raab. Dafür stehen in der BG Klinik neben
einer modernen digitalen Röntgenanlage
mit geringer Strahlenbelastung und einem
hochauflösenden Computertomographen
auch funktionelle Diagnoseverfahren wie
Lungenfunktionstest, EKG und Blutgasanalyse zur Verfügung.
„Neben der Sicherung der Diagnose ist
auch die Identifikation von berufsunabhängigen Begleiterkrankungen wichtig“,
betont Raab. „Diese Erkrankungen werden bei der weiteren Planung der Therapiemaßnahmen berücksichtigt, denn die
Rehabilitation von Atemwegs- und Lungenerkrankungen erfordert ein ganzheitliches Behandlungskonzept.“
Am Anfang der Rehabilitation steht ein Lungenfunktionstest, um
die Atemwegserkrankung
zu diagnostizieren.
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Reha und Leistung
BG BAU aktuell 1 _2014
Oben: Dr. Raab
erklärt einem Patienten,
wie die Inhalation die
Bronchien befeuchtet, das
Sekret verflüssigt und beim
Abhusten hilft. Unten: Das
Fahrradergometer steigert und
erhält die körperliche
Leistungsfähigkeit.
bezeichnungen Arbeitsmedizin, Innere Medizin und Sozialmedizin auch Psychologen, Masseure, medizinische Bademeister
sowie Physio-, Sport- und Schmerztherapeuten.
Das „Fünf-Säulen-Prinzip“
Das Behandlungskonzept in Bad Reichenhall besteht aus fünf Säulen:
• medizinische Trainings- und
Atemtherapie
• Inhalationsbehandlung mit Bad
Reichenhaller Sole
• physikalische Therapie wie Fango,
Elektrotherapie oder Massagen
• medikamentöse Schmerztherapie
• Aufklärung und Information über die
Entstehung und den Umgang mit der
Krankheit
Die Angebote zielen darauf ab, die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig zu steigern. „Unser Hauptaugenmerk liegt darauf,
die Beschwerden der Betroffenen zu lindern sowie das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen“, erläutert Dr. Raab.
Aufgrund des besonders schadstoffarmen
Klimas am Kurort sowie der Inhalationsbehandlung mit den bekannten Alpensolen sei das in Bad Reichenhall besonders
effektiv zu erreichen.
Die Klinik für Berufskrankheiten in Bad Reichenhall verfügt über insgesamt 138 Betten.
Schwerpunkte der Klinik sind neben der
Behandlung von berufsbedingten Atemwegsund Lungenerkrankungen auch Hauterkrankungen und Psychotraumata. In der BG Klinik
werden ausschließlich Patienten der Berufsgenossenschaften behandelt.
Zudem profitieren die Patienten in der
BG Klinik von der Fachkompetenz eines
breit aufgestellten Behandlungsteams.
Dazu gehören neben Ärzten mit den Fach-
„Ein wichtiger Baustein in unserem Therapiekonzept ist die Steigerung und der
Erhalt der körperlichen Fitness der Betroffenen“, betont Raab. Darauf lege die Klinik
besonderen Wert. „Nicht nur während des
stationären Aufenthalts sind Übungen zur
Kräftigung der Muskulatur und Steigerung
der Ausdauer sinnvoll“, sagt der Mediziner. „Wir ermuntern die Patienten auch,
die erlernten Techniken und Fitnessübungen nach Abschluss der Heilbehandlung
im privaten Umfeld fortzuführen.“
Rehabilitation erfolgreich
Eine wissenschaftliche Studie der LudwigMaximilians-Universität München, an der
über einen Zeitraum von vier Jahren insgesamt 263 Patienten teilnahmen, belegt die
Wirksamkeit des Rehabilitationsverfahrens.
Hierzu wurde die körperliche Leistungsfähigkeit der Patienten unmittelbar nach Beendigung der Rehabilitationsmaßnahme
sowie nach weiteren drei und zwölf Monaten gemessen. Neben der Verbesserung der
maximalen Ergometerleistung und Muskelkraft wurden auch eine signifikante Steigerung der sechsminütigen Gehstrecke sowie
eine Verminderung der Atemwegsinfekte in
den Monaten nach der Rehabilitation erreicht. „Auch in Zukunft ist eine fortlaufende Evaluation des Rehabilitationsverfahrens geplant“, betont Raab. Hierdurch
soll eine gleichbleibend hohe Qualität der
Behandlungsergebnisse sichergestellt werden, damit Betroffene auch in Zukunft wieder besser durchatmen können.
BG BAU aktuell 1 _2014
Mitglieder und Beiträge
Im Ernstfall abgesichert?
Um Ausgaben zu senken, trennt sich mancher Unternehmer
von scheinbar unnützen Absicherungen. Doch der Verzicht
auf die freiwillige Unternehmerversicherung kann bei einem
Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit teuer werden.
TEXT: Yvonne Kohl
FOTO: Fotolia
M
ir passiert schon nichts.“ So oder ähnlich denken viele Unternehmer, wenn sie
vor der Frage stehen: „Freiwillige Versicherung oder nicht?“ Dabei ist gerade
für einen Unternehmer die eigene Arbeitskraft das größte Betriebskapital. Er
trägt die Verantwortung, und wenn er länger ausfällt, bleiben die Aufträge und damit
auch das Geld aus. Das hat zum einen oft Auswirkungen auf die Familie, wenn wichtige
Einnahmen wegfallen, zum anderen bedeutet es nicht selten das Ende des Betriebes.
Damit das nicht passiert, gibt es bei der BG BAU die freiwillige Versicherung für Unternehmer, unternehmerähnliche Personen sowie deren Ehegatten oder eingetragene
Lebenspartner. Mit nur rund drei Euro am Tag, etwa 1.110 Euro im Jahr, sind sie bereits
gegen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten versichert, genauso wie ein Arbeitnehmer.
Zurück ins Leben
Nach einem Arbeitsunfall unternimmt die BG BAU alles, um die Arbeitskraft mit allen geeigneten Mitteln schnellstmöglich wiederherzustellen. Dazu gehören nicht nur
unfallmedizinisch bestmögliche ambulante und stationäre Behandlungen, sondern
auch qualifizierte Rehabilitationen und Therapien. Ist eine Wiedereingliederung in
den Beruf trotz aller Anstrengungen nicht möglich, trägt die BG BAU die Kosten für
Umschulungsmaßnahmen. Außerdem wird im häuslichen Bereich alles dafür getan,
dass Betroffene ihr Leben nach dem Versicherungsfall möglichst schnell wieder selbstständig gestalten können. Wenn nötig, werden auch Auto und Wohnung behindertengerecht umgebaut. Das ist alles bereits im Basistarif enthalten.
Hinterbliebene abgesichert
Finanziell abgesichert sind die Verletzten durch Zahlungen von Verletztengeld und
Versichertenrenten. Kommt es zu einem Todesfall, erhalten die Angehörigen Hinterbliebenenrente. Die Höhe dieser Leistungen können Unternehmer, anders als Arbeitnehmer, sogar durch die Wahl ihrer Versicherungssumme selbst bestimmen. Unternehmer
sollten prüfen, ob sie ausreichend versichert sind, und die günstigen Konditionen
der freiwilligen Versicherung nutzen, um sich umfassend gegen Folgen von
Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten abzusichern.
Den Antrag zur freiwilligen Versicherung und weitere Informationen
finden Sie unter www.bgbau.de, Webcode: 1307040.
Im Falle eines
Falles trägt die Unternehmerversicherung
der BG BAU die
Kosten.
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34
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Mitglieder und Beiträge
BG BAU aktuell 1 _2014
Auftraggeberhaftung –
Risiko mindern
Ein Hauptunternehmer des Baugewerbes haftet für die Erfüllung
der Zahlungspflichten seiner Nachunternehmer in der Sozialversicherung. Das kann zu hohen Nachzahlungen führen.
TEXT: Yvonne Kohl
FOTO: Fotolia
Ob Präqualifizierung
oder Unbedenklichkeitsbescheinigung –
eine Überprüfung des
Nachunternehmers
ist notwendig.
D
ie Haftung des Hauptunternehmers für Beiträge, Säumniszuschläge und Zinsen entfällt nur,
wenn er als Auftraggeber schuldlos davon
ausgehen durfte und dies auch nachweisen kann, dass der Nachunternehmer seine
Zahlungsverpflichtungen erfüllt hat. So
steht es im Sozialgesetzbuch. Der Hauptunternehmer muss also nicht nur zu Beginn sorgfältig prüfen, wen er beauftragt,
sondern auch, ob sich die Gegebenheiten
während der Laufzeit eines Auftrags geändert haben. Die BG BAU bietet für diese
Überprüfungen ihre Unterstützung durch
die qualifizierte Unbedenklichkeitsbescheinigung (qUB) an. Damit kann der Hauptunternehmer erkennen, ob der Nachunternehmer seinen Zahlungsverpflichtungen
nachgekommen ist und ob die auf der qUB
ausgewiesenen Unternehmensteile dem
Auftrag entsprechen. So sollte es stutzig
machen, wenn die Arbeitsentgelte auf der
BG BAU aktuell 1 _ 2014
qUB so gering sind, dass es fraglich scheint,
ob das Vorhaben mit den vorhandenen Arbeitnehmern zu bewerkstelligen ist.
Im Normalfall erhält der Hauptunternehmer die qUB der BG BAU von seinem
Nachunternehmer. Die qUB ist zur Absicherung gegenüber Haftungsansprüchen
nur im Original gültig, welches an folgenden Punkten erkennbar ist:
• Unterschrift einer Mitarbeiterin
oder eines Mitarbeiters der BG BAU
mit dessen Namensstempel
• Dienstsiegel
• Briefkopf mit BG BAU-Logo
Der Hauptunternehmer kann die qUB auch
direkt bei der BG BAU anfordern, benötigt
dafür aber eine formelle Vollmacht mit Unterschrift des Nachunternehmers. E-Mail
oder Fax reichen hier nicht aus. Ein Formular zur Vorlage kann bei der BG BAU
angefordert werden.
Präqualifizierung nutzen
Eine weitere Möglichkeit ist die sogenannte Präqualifizierung. Unternehmen las-
Mitglieder und Beiträge
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35
sen sich von allen infrage kommenden
Stellen von vornherein bescheinigen,
dass sie ihren Verpflichtungen nachkommen und sich bei einer Präqualifizierungsstelle registrieren. Ist ein Nachunternehmer präqualifiziert, dann kann sich
der Auftraggeber sicher sein, dass alle erforderlichen Eignungsnachweise erbracht und
Zahlungspflichten erfüllt wurden. Die Liste
der präqualifizierten Unternehmen ist im Internet einzusehen unter www.pq-verein.de.
Egal ob qUB oder Präqualifizierung, nicht
nur bei der Auftragsvergabe, sondern auch
während der Bauphase ist eine Überprüfung
notwendig. Daher ist es wichtig, die Gültigkeitsdauer der qUB im Auge zu behalten und
rechtzeitig vor Ablauf eine neue anzufordern. Mit Hilfe der Präqualifizierungsstelle
kann man sich fortlaufend informieren. Die
BG BAU kann dem Unternehmer die Auswahl seiner Nachunternehmen nicht abnehmen und das Haftungsrisiko für ihn nicht
ausschließen. Doch wer die qUB oder die
Präqualifizierung nutzt, dem kann später
der Nachweis gelingen, dass er von der Erfüllung aller Zahlungspflichten durch den
Nachunternehmer ausgehen durfte.
QUALIFIZIERTE UNBEDENKLICHKEITSBESCHEINIGUNG
Gültig ist das Dokument nur im Original mit
Dienstsiegel, Namensstempel und Unterschrift eines Mitarbeiters der BG BAU.
Gesetzliche Frist bereits abgelaufen
Obergrenze angepasst
LOHNNACHWEIS 2013
NOCH NACHREICHEN
NEUER HÖCHSTJAHRESARBEITSVERDIENST 2014
Bereits seit dem 11. Februar 2014 ist die gesetzliche Frist, den
Lohnnachweis einzureichen, abgelaufen. Falls Sie Ihren Lohnnachweis für 2013 noch nicht abgeschickt haben, sollten Sie
dies schnellstmöglich nachholen. Das gilt auch, wenn Sie im
vergangenen Jahr keine Mitarbeiter beschäftigt haben. Dann
reichen Sie bitte eine „Fehlanzeige“ ein. Anderenfalls kann
die BG BAU Ihre Arbeitsentgelte schätzen und ein Bußgeld
fällig werden.
AST
Seit dem 1. Januar
2014 gilt der neue
Höchstjahresarbeitsverdienst (HöchstJAV ) vo n 6 6. 3 6 0
Euro. Das ist die
jährliche Obergrenze
für die Berechnung
von laufenden Geldleistungen aus der
gesetzlichen Unfallversicherung sowie
der freiwilligen Versicherung. Im Sozialgesetzbuch ist vorgeschrieben, dass
der Höchst-JAV das
Zweifache der jährlichen Bezugsgröße
beträgt. Diese wird durch die Bundesregierung regelmäßig den
aktuellen Einkommensverhältnissen angepasst.
AST
11. Februar
2014
Foto: iStockphoto
Abgabetermin:
Foto: 123RF
www.bgbau.de, Webcode: 2404593
www.bgbau.de, Webcode: WCZGZj
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Mensch und Betrieb
BG BAU aktuell 1 _2014
Ein guter Chef
wirkt Wunder
Der deutsche Arbeitsmarkt ist besser als sein Ruf, stellt das
Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) fest: Rund 90 Prozent der Beschäftigten seien mit ihrem Job vollauf zufrieden.
TEXT: Dagmar Sobull
FOTOS: Fotolia, Veer
Konstruktive Unterstützung durch den
Chef ist ein wichtiger
Faktor für die Arbeitszufriedenheit.
E
in hohes Gehalt, gute Karrierechancen und ein sicherer Arbeitsplatz
sorgen dafür, dass die Beschäftigten eher zufrieden sind“, fasst IW-Direktor Michael Hüther die Studienergebnisse zusammen. Die Bezahlung sei für
die Arbeitszufriedenheit allerdings weniger ausschlaggebend als gemeinhin angenommen: 82 Prozent derjenigen, die nach
eigener Einschätzung nicht angemessen
entlohnt werden, seien dennoch mit ihrer
Arbeit insgesamt zufrieden. Auch Stress
wirke sich weniger auf die Arbeitszufriedenheit aus, als es in der öffentlichen
Diskussion häufig den Anschein habe. So
bezeichneten sich 85 Prozent der Arbeitnehmer, die häufig ein hohes Arbeitstempo
an den Tag legen müssen und dies durchaus als Stress empfinden, als zufrieden.
Das gilt der Studie zufolge auch für physische Belastungen durch Lärm, hohe
Temperaturen oder ungünstige Körperhaltungen am Arbeitsplatz. „Sie spielen
BG BAU aktuell 1 _ 2014
in Deutschland vor allem deshalb eine geringere Rolle als in anderen europäischen
Ländern, weil hierzulande fast sechs von
zehn Unternehmen der gesundheitsfördernden Arbeitsplatzgestaltung eine hohe
Aufmerksamkeit schenken.“
Auf die Führung kommt es an
Für die Arbeitszufriedenheit sei in erster
Linie der Chef ausschlaggebend, so eine
weitere Erkenntnis der Studie. „Arbeitnehmer schätzen es besonders, wenn sie von
ihrer Führungskraft unterstützt werden
und diese in der Lage ist, Konflikte angemessen und geräuschfrei zu lösen.“ Selbst
wenn Führungskräfte ihre Mitarbeiter nur
gelegentlich unterstützen, steige der Anteil zufriedener Mitarbeiter auf über 93
Prozent. Diese Unterstützung erfahren in
Deutschland allerdings nur 69 Prozent –
gegenüber 81 Prozent im EU-Durchschnitt.
Doch die Unternehmen hätten erkannt,
dass sie mit einer Förderung der Führungskompetenzen die Arbeitszufriedenheit
erhöhen und die Leistungsfähigkeit der
Organisation verbessern können, meint
Hüther. In jeder zweiten Firma stehen laut
IW-Zukunftspanel spezielle Trainings für
Führungskräfte auf der Agenda.
Das IW wertete Daten der EU-Organisation
Eurofound mit 2.000 Befragten in Deutschland aus. Hinzu kamen weitere inländische Daten aus den Jahren 2010 bis 2012.
Demnach sind hierzulande 88 Prozent der
Beschäftigten mit ihrer Arbeit zufrieden –
ein über die Jahre weitgehend konstanter
Wert. Deutschland liegt damit unter den
untersuchten Ländern an neunter Stelle.
Dänemark führt die Tabelle an und Albanien belegt den letzten Platz.
Kompetenz und
Leistungsbereitschaft
In der Diskussion um gute Arbeit werde ein
wichtiger Punkt fast immer ausgeklammert,
kritisiert der IW-Direktor: „Wer hohe Ansprüche an die Qualität seiner Arbeit stellt,
wer also viel verdienen will und gute Karrierechancen einfordert, der muss natürlich
selbst auch ein gerütteltes Maß an Kompetenzen und Leistungsbereitschaft mitbringen.“ Wer weder einen Schulabschluss noch
Mensch und Betrieb
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37
eine Berufsausbildung habe und sich deshalb nur als Hilfsarbeiter anbieten könne,
der werde schwerlich eine Arbeit ausüben,
die beste Verdienst- und Entwicklungsperspektiven biete, erklärte er weiter. „Was dann
manche externen Beobachter als prekär einstufen, ist für die Betroffenen gleichwohl
eine gute Arbeit, wie die Daten zeigen.“
Dass laut Krankenkassen mehr Beschäftigte wegen psychischer Erkrankungen
in Frührente gehen, führt das Institut darauf zurück, dass Depressionen und andere psychische Leiden heutzutage häufiger diagnostiziert würden als früher. Laut
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin fühlen sich viele dadurch belastet, dass sie sich um mehrere Aufgaben
zugleich kümmern müssen. Termin- und
Leistungsdruck sowie ständige Unterbrechungen stressen demnach einen großen
Teil der Beschäftigten.
Arbeitszufriedenheit in Europa
Im europäischen Vergleich liegt Deutschland mit 88 Prozent auf Platz neun, die
Abstände zur Spitze sind jedoch gering.
Vorne liegen Dänemark, Großbritannien,
die Niederlande und Norwegen. In 21 anderen europäischen Ländern ist die Zufriedenheit mit der Arbeit dagegen schlechter,
Schlusslicht sind Albanien, die Türkei und
Mazedonien. Das IW beruft sich dabei auf
Erhebungen der EU-Stiftung Eurofound,
die im Jahr 2010 rund 44.000 Erwerbstätige in 34 europäischen Ländern befragte.
Ausgewertet wurden auch Befragungen des
Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB)
und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz
und Arbeitsmedizin (BAuA) sowie des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP).
Die Bedeutung des Lohnes nimmt dabei
von Nord nach Süd in Europa zu. In anderen Ländern steigt die Zufriedenheit der
Beschäftigten auch mit den Karrierechancen. Und die europäischen Nachbarn im
Süden sind deutlich stressanfälliger: Bei
Hektik und Zeitdruck sind nur noch 68
Prozent der Franzosen zufrieden, bei den
Griechen sind es nur noch 57 Prozent.
Nähere Infos: www.iwkoeln.de
Viele Arbeitnehmer
sind trotz Belastungen
zufrieden, weil die
Unternehmen vermehrt
auf gesundheitsfördernde Arbeitsplatzgestaltung setzen.
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Infomedien
BG BAU aktuell 1 _2014
MEDIENKATALOG 2014
Alle Medien der BG BAU zu den Themen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz für die Bauwirtschaft
und baunahe Dienstleistungen sind
im aktuellen Medienkatalog 2014 zusammengefasst. Dazu zählen: VorBG BAU-Medienkatalog 2014
schriften, Regeln, Informationsbroschüren, Flyer, CDs und DVDs sowie
Aushänge und Aufkleber. Der Katalog
für Unternehmer, Führungskräfte und
Mitarbeiter sowie Bauherren und Planer enthält auch Hinweise
auf weitere Informationsquellen, beispielsweise das Onlineangebot oder die BG BAU Info CD. Mitgliedsbetriebe können den
Medienkatalog kostenlos bestellen oder herunterladen unter
www.bgbau-medien.de – Medien und Praxishilfen.
MSC
Infomaterial Arbeitssicherheit und
Gesundheitsschutz
www.bgbau.de
Abruf-Nr. 660
DER GEFESSELTE RIESE.
EUROPAS LETZTE CHANCE
Was passiert, wenn die Europäische Union
scheitert, und was muss sich ändern, damit Europa und die EU eine Zukunft haben?
Um diese Fragen geht es Martin Schulz in
seinem Buch. Dabei hat der Präsident des
Europäischen Parlaments eine ganz eigene Sicht der Dinge, wie Europa in Zukunft
aussehen sollte.
Schulz versucht sich nicht an Schönfärberei. Er benennt die
Schwächen und Missstände der EU, aber er betrachtet sie in
einem größeren Zusammenhang. Für ihn ist klar, dass in vielen globalen Fragen jeder Staat in Europa allein längst an seine
Grenzen gekommen wäre. Mit seinem unterhaltsam geschriebenen Buch will er dazu beitragen, dass die Europäer endlich
aufwachen und sich auf die Zukunft konzentrieren.
Nur im Buchhandel erhältlich:
Martin Schulz: Der gefesselte Riese. Europas letzte Chance.
Rowohlt, 272 S., 19,95 Euro, ISBN: 978-3-87134-493-0
AUSWAHL UND BENUTZUNG
VON STEIGLEITERN
Die BGI/GUV I-5189 informiert über
die sicherheitsgerechte Gestaltung, Instandhaltung und Prüfung von ortsfesten Steigleitern. Darin sind die Anforderungen an die Erstellung und Benutzung
von Steigleitern einschließlich der Absturzsicherung sowie Umsteige- und
Ruhebühnen an baulichen Anlagen
Auswahl und Benutzung
von Steigleitern
sowie in Schächten oder als Zugang zu
maschinellen Anlagen beschrieben. Im
Anhang sind weitere Vorschriften und Regeln, eine Übersicht über
die wesentlichen Anforderungen und eine Checkliste zur wiederkehrenden Prüfung zu finden. Anforderungen an Steigleitern
in Arbeitsstätten sind insbesondere in den Abschnitten 1.8 und
1.11 des Anhangs zur Arbeitsstättenverordnung beschrieben. Die
Arbeitsstättenregel ASR A1.8 „Verkehrswege“ konkretisiert den
schutzzielorientierten Verordnungstext beider Abschnitte. MSC
5189
BGI/GUV-I 5189
Information
Mai 2013
Abruf-Nr. BGI/GUV-I 5189
PARTNER DER BAUWIRTSCHAFT
Einen guten Überblick zu den Aufgaben, Leistungen und zur Organisation der BG BAU bietet die komplett
überarbeitete Broschüre „Partner
der Bauwirtschaft“. Schon im Vorwort
machen die beiden Vorsitzenden des
Vorstandes der BG BAU deutlich: Das
Wesentliche der Tätigkeit der BG BAU
ist es, die Gesundheit der Versicherten
zu schützen und sie bei Berufskrankheiten und Arbeitsunfällen abzusichern. Das trägt auch zum
Wohl der Unternehmen bei. Denn im Schadensfall übernimmt
die BG BAU die Haftpflicht ihrer Mitgliedsunternehmen für
Arbeits- und Wegeunfälle sowie für Berufskrankheiten. Die
Broschüre informiert in kurzen Beiträgen über die Bereiche
der Prävention, Leistungen, Finanzierung, Organisation und
Kommunikation der BG BAU.
LUC
Partner der
Bauwirtschaft
Die Berufsgenossenschaft
der Bauwirtschaft stellt
sich vor
Abruf-Nr. 601
BESTELLUNGEN
Die Printmedien, CDs und DVDs der BG BAU können Sie über unseren Zentralversand unter
Angabe der Abrufnummer direkt bestellen. Unter www.bgbau-medien.de können Sie die Medien
einsehen, bestellen oder herunterladen.
BG BAU – Zentralversand, Landsberger Straße 309, 80687 München
Fax: 0800 6686688-38400, E-Mail: [email protected]
BG BAU aktuell 1 _2014
Mit gutem Beispiel
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Ausgezeichnete
Arbeitsbedingungen
Hans-Jörg Reisch wollte es wissen. Der Bauunternehmer aus
Bad Saulgau meldete den Familienbetrieb zum Arbeitgeberwettbewerb „Top Job“ an – mit großem Erfolg.
TEXT: Margarete Schubsky
FOTO: Doris Leuschner
D
ie Beschäftigten der Georg Reisch
GmbH & Co. KG stellten ihrer Firma ein Superzeugnis aus. Offenbar
kommt die Personalstrategie der Baufirma, die auf ein menschliches Miteinander
setzt, bei der Belegschaft gut an. Individuelle Teilzeitmodelle und Gesundheitsprogramme zeigen, wie auf die persönlichen
Belange der Mitarbeiter geachtet wird.
Beim Arbeiten lassen die Chefs ihren Beschäftigten relativ freie Hand, was diese
ebenfalls zu schätzen wissen. Und wer auf
der Baustelle eine Miniauszeit benötigt,
legt sich zum kurzen Mittagsschläfchen
in den eigens dafür aufgestellten Ruhecontainer.
Das Geheimnis des Erfolgs
Für Reisch ist das nichts Besonderes. „Ich
selbst mache mittags gerne mal kurz die
Augen zu. Also gestehe ich auch Mitarbeitern, die den ganzen Tag auf der Baustelle körperlich arbeiten, mal eine Auszeit im Ruhecontainer zu“, sagt er. Auch
saubere, gemütliche Pausenräume mit einem Angebot an Getränken und Obst sind
für Reisch selbstverständlich. Bei vielen
Überlegungen geht der Unternehmer von
sich aus. Denn der Chef weiß, wie anstrengend die Arbeit am Bau sein kann. Auch
wenn er heute Geschäftsführer sein kann,
sucht er den Kontakt zu den Mitarbeitern.
Gerne teilt er morgens schon mal höchstpersönlich Material aus und wechselt bei
der Gelegenheit ein paar Worte mit den
Mitarbeitern. Das menschliche Miteinander betrachtet der Chef als Stärke seines
Betriebes.
Mitarbeiter motiviert und gut
informiert
„Was gut für die Beschäftigten ist, ist auch
gut für den Betrieb“, davon ist der Unternehmer überzeugt: „Wenn von zehn Mitarbeitern einer öfter oder länger fehlt, habe
ich ein Problem. Deshalb brauchen wir zufriedene, motivierte Mitarbeiter.“ Zur Motivation trägt vermutlich auch bei, dass die
Geschäftsführer die Belegschaft regelmäßig
über die Entwicklung des Unternehmens
einschließlich der Umsatzzahlen informieren. Reisch: „Wir legen Wert darauf, dass
unsere Mitarbeiter die wesentlichen innerbetrieblichen Zusammenhänge erkennen.
So wird das gegenseitige Verständnis enorm
verbessert.“ Der Bad Saulgauer Familienbetrieb setzt viele architektonisch-künstlerisch sehr ambitionierte Projekte aller
Größenordnungen um: von Industriebauten
über Brückenkonstruktionen bis hin zum
Wohnungsbau. Eines der jüngsten Projekte
der Georg Reisch GmbH & Co. KG als Bauherr, das Kunstmuseum Ravensburg, wurde
mit dem deutschen Architekturpreis ausgezeichnet. Solche Erfolge machen auch die
Mitarbeiter stolz und zufrieden, was auch
in der meist langjährigen Zugehörigkeit zum
Unternehmen zum Ausdruck kommt.
Hans-Jörg Reisch, einer der
beiden Geschäftsführer der
Georg Reisch GmbH & Co. KG,
findet auch bei einer Firmengröße von knapp 300 Mitarbeitern den persönlichen
Kontakt zu allen wichtig.
„TOP JOB“
Der Arbeitgeber-Wettbewerb „Top Job“
zeichnet jedes Jahr mittelständische Unternehmen mit vorbildlicher Personalführung
aus. Dazu befragt das Institut für Führung
und Personalmanagement der Universität
St. Gallen zuvor ausführlich die Mitarbeiter
und Personalleiter aller Bewerber.
Weitere Infos: www.topjob.de,
www.reisch-bau.de
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